Friede gut 500 Belege; Kleinschr GWBB2,29,8
; (auch in B 1) stets Sg, NomSg gelegentl auch -n, Gen immer -ns, Akk öfter u Dat vereinzelt ‘Friede’; Apokope mit Apostroph überwiegend im Vers A
Zustand des Geschütztseins, der (empfundenen) Ruhe, Harmonie, des Zufriedenseins 1
iGz Krieg (zw Völkern, Staaten, deren Herrschern) a
allg, als ein (Grund-, Normal- bzw bestmögl) Zustand menschl Zusammen-, Miteinanderlebens; oft neben od in Gegenüberstellung zu ‘Krieg’, einmal im Vergl [
Sphinxe üb sich:] Sitzen vor den Pyramiden, | Zu der Völker Hochgericht; | Überschwemmung, Krieg und F-n — | Und verziehen kein Gesicht GWBFaust II 7247 Die Herren der Erde sind es vorzüglich dadurch, daß sie, wie im Kriege die Tapfersten und Entschlossensten, so im F-n die Weisesten und Gerechtesten um sich versammeln können GWB28,124,15 DuW 12 Sie [
die Parsen] trugen Waffen, auch im F-n und geselligen Leben GWB7,22,18 DivNot Sonst war meine Seele wie eine Stadt mit geringen Mauern, die hinter sich eine Citadelle auf dem Berge hat. Das Schloss bewacht ich .. die Stadt lies ich in F-n und Krieg wehrlos GWBB3,224,16 ChStein 17.[5.78] GWBFaust II 8554 GWB25
1,186,22 u 187,13 Wj III 9 LA II 6,198 M98,2 FlH Plp
uö als etw Bewahrens-, Erstrebens-, Wünschenswertes, auch in personifizierender Vorstellung [
Mode kriegerisch-patriotischer Bardendichtung] Ich dencke so vom Rhingulff
1) wie von allen Gesängen dieser Art. Gott sey Danck, dass wir
F. haben, zu was das Kriegsgeschrey GWBB1,197,13 FOeser 13.2.69 [
Chor:] Wer im F-n | Wünschet sich Krieg zurück | Der ist geschieden | Vom Hoffnungsglück GWBFaust II 9839 da eigentlich der Zweck des Kriegs nur der
F. seyn kann; so geziemt es einem Krieger gar wohl wenn er ohne Krieg
F. machen und erhalten kann GWBB9,175,3f CarlAug 6.2.90 [
Flüchtende:] Kriegskampf, Waffenklang und Mordgeschrei | Ertönen heute, wo noch gestern
F. sang GWB13
1,26 Vorsp EröffnWeimTheat 1807 Vs 23 [
Juli 1812, in Hinblick auf Napoleon] Der alles wollen kann, will auch den F-n GWB16,329 DerKaiserin vFrkr 56 [
für: paix] GWB9,297 Mahomet 485 GWBB23,388,12 August 26.6.13 Achilleis 350 GWB16,331 Epimen Vorspr 1
uö b
als (mehr od minder) stabiler, die verschieden(st)en Lebensbereiche bestimmender od beeinflussender Zustand α
mit Betonung der gedeihlichen, für Wohlstand, Befindlichkeit, Gesittung, Kultur förderl Momente; auch ‘holder, lieber, langer, tiefer F.’, ‘Musen des F-ns’ ua Der Segen des holden F-ns hatte lange Zeit über Deutschland gewaltet, äußere allgemeine Sicherheit und Ruhe traf mit den innern, menschlichen, weltbürgerlichen Gesinnungen gar schön zusammen. Der friedliche Städter schien seiner Mauern nicht mehr zu bedürfen .. Die Sicherheit des Grundbesitzers gab jedermann Vertrauen GWB36,336,12 Zu brüderlAndenkWielands 1813 [
in Hinblick auf das Gedeihen einträglichen, zu ‘Wohlhäbigkeit’ führenden Handels u Wandels] jenen glücklichen und gemächlichen Zustand, in welchem sich die Länder während eines langen F-ns befinden GWB26,69,3 DuW 2 [
mBez auf Gartenarchitektur] die friedliche Zeit von Hirschfeld und andern Gartenfreunden .. wo ein tiefer
F. den Menschen Mittel und Muße gab, mit ihrer Umgebung zu spielen GWBTgb 14.1.31 [
in Anspielung auf den konjunktivischen Schlußsatz in HermDor(IX 318)] können wir mit Sicherheit ein Gedicht mit Friede! schließen, so wäre .. der betrachtenden und darstellenden Dichtkunst ein großes Feld eröffnet GWBB24,125,14 Eichstädt 27.1.14 GWBB9,89,8 CarlAug 19.2.89 GWBB23,317,11 Christiane 17.4.13 GWBB10,84,1 Knebel 2.7.93
uö in bildl Zshg: ‘Früchte (auch: Kunstfrucht) des F-ns’ GWBB22,83,3 Beroldingen 3.5.11 GWBB26,247,11 PServière 1.2.16 K
uö in Betonung der substantiellen, umfassenden Wirksamkeit in Vbdgn wie ‘eigentlicher F.’ od ‘bürgerlicher F.’ (iUz ‘gewaffneter F.’) Eigentlicher
F. .. konnte zwischen solchen Nachbarn [
den Persern u den besiegten u zu Gebietsabtretungen gezwungenen Türken] sich nimmer befestigen GWB7,197,1 DivNot wenn man voraussehen kann daß Deutschland so bald nicht wieder sich eines bürgerlichen F-ns erfreuen werde; so darf es sich vielleicht mehr als jemals eines gewaffneten Friedens getrösten GWBB24,80,3 CarlAug 1.1.14 K
uö als allegor Figur (bes als redPers) u Rolle (Majestät.) Gerechtigkeit und
F. küssen sich
2), o Glück! | (
F.) O längst erflehter Augenblick, o Wonnetag! GWB13
1,31 Vorsp EröffnWeimTheat 1807 Vs 157 u vor 158 (
F.) Diese Stadt, die ich so lange | Mütterlich begünstigte, | Weil sie meine holden Gaben .. | Dankbarlich erwiderte GWB13
1,31 ebd vor 160 GWBB19,425,25 Knebel 7.10.07 GWBB13,35,24 Schiller 26.1.98
uö β
als (mögl) Quelle negativer, problematischer Erscheinungen wie Disziplin-, Maßlosigkeit, Verstiegenheit [
Cottas ‘AllgZtg’ veröffentlichte im Nov/Dez 06 diffamierenden Weim Klatsch] Wenn sich Ihr Redacteur .. so weit vergißt .. so muß man sagen, daß Deutschland von einer innern Fäulniß weit schlimmer angegriffen ist, als von einer äußern Gewalt .. .. Man weiß sehr gut, daß der
F., wie das stehende Wasser, solches Ungeziefer hervorbringt; wenn es aber im Kriege erscheint, dann ist es erst recht ekelhaft GWBB19,518 Cotta [24.12.06] [nicht abgesandt] [
zum dt “Werther-Fieber” bei Erscheinen des Romans] Während eines langen und glücklichen F-ns hatte sich eine literarisch-ästhetische Ausbildung .. auf das schönste entwickelt; doch gesellte sich bald .. Sentimentalität hinzu .. Es entstand eine Art leidenschaftlicher Ascetik, welche .. in eine leidige Selbstquälerei gewöhnlich ausarten mußte GWB33,208,14 Camp GWB28,139,19u26 DuW 12 GWB40,271,28 Üb:Voß,Ged [G/Voß dJ] GWBB48,95,11 Marianne 25.1.31
uö(selten) c
als überwiegend skept od iron beurteilter idealer, utop od unwahrscheinl Zustand idVbdgn ‘allgemeiner F.’, ‘(allgemeiner) ewiger F.’, bes in Replik3) auf Kants “philosophischen Entwurf” von 1795; mit Einschluß von A 2 Offenbar ist das Bestreben der besten Dichter und ästhetischen Schriftsteller aller Nationen schon seit geraumer Zeit auf das allgemein Menschliche gerichtet .. Da nun auch im praktischen Lebensgange ein Gleiches .. durch alles Irdisch-Rohe, Wilde, Grausame, Falsche, Eigennützige, Lügenhafte sich durchschlingt .. so ist zwar nicht zu hoffen, daß ein allgemeiner
F. dadurch sich einleite, aber doch daß der unvermeidliche Streit nach und nach läßlicher werde, der Krieg weniger grausam, der Sieg weniger übermüthig GWBB42,269,12 Carlyle 20.7.27 ~ GWB41
2,306,6 Üb:German Romance
[] [
Titel: Zum ewigen F-n
Var] Bald, es kenne nur jeder den eigenen, gönne [Bald, kennt jeder den eigenen Vortheil und gönnet
Var] dem andern | Seinen Vortheil, so ist ewiger
F. gemacht GWB1,356 VierJahresz Herbst 74(72) GWB2,154 Jubiläum 12 GWB20,296,4 Wv II 8
‘ewiger F.’ als Faktum in Übertragung auf die ihrem Wesen nach andersartige Welt der Kunst [
Rechtfertigung ununterbrochener öffentl Kunstbetrachtung zum Jahresbeginn 1807] Erschütterungen der Staaten und Völker .. allein je unruhiger die Umstände von außen .. desto wohlthuender .. sich an dem ewigen F-n der Künste .. zu ergötzen GWB48,133,1 Unterhaltgn übGegenstände bildKunst d
als labiler, (noch) schwacher, (schon) unsicherer, nur partiell vorhandener Zustand [
Anf 1806] Interims-Hoffnungen .. Zwar brannte die Welt an allen Ecken und Enden, Europa hatte eine andere Gestalt genommen .. aber das mittlere, das nördliche Deutschland genoß noch eines gewissen fieberhaften F-ns, in welchem wir uns einer problematischen Sicherheit hingaben GWB35,245,11 TuJ [
nach dem für Preußen katastrophalen Ausgang des 3. Koalitionskrieges] Ein
F. nach einem solchen Krieg ist wie der Zustand nach einer schweren Krankheit. In der Todesgefahr sucht man nur das Leben zu retten und bringt oft nur soviel davon, was kaum zu retten werth war. Ich kann mir .. wohl denken, was jene guten [
schles] Länder leiden müssen GWBB19,392,24 ChStein 23.8.07 GWBB28,226,16 Zelter 20.8.17
uö ‘gewaffneter F.’ (iUz ‘bürgerlicher F.’) GWBB24,80,5 CarlAug 1.1.14 K [
Zit s Sp944,55] 2
iGz anderen Arten der Anwendung von Waffen- od phys Gewalt a
mBez auf (große) Menschen-, Personengruppen α
von Macht-, Rivalitätskämpfen (Bürgerkrieg, Feudalfehde uä) freier Zustand bzw Zeitraum [
Sopir zu Mahomet:] Erröthen sollt’ ich .. | Für dich, der .. | .. mitten in dem F-n [
paix] Krieg erzeugt. | .. Gatten, Eltern .. feinden | Sich .. deinetwegen
an. | .. wo du schreitest drängt | Der Bürgerkrieg sich .. nach GWB9,303 Mahomet 605 [
Romeo zum rauflustigen Benvolio mBez auf das Friedensgebot des Prinzen:] Laß uns das Recht auf unsrer Seite halten | Und zeigen, daß zum F-n [
mit den Capulets] wir geneigt GWB9,173 RomJul 52 GWBFaust II 10875 Tasso 1513
uö in bibl Anklang (vgl Anm 2) [
Meph, die ‘pfäffische‘ Agitation für einen Gegenkaiser wiedergebend:] laßt uns .. | In einer frisch geschaffnen Welt | Fried’ und Gerechtigkeit vermählen GWBFaust II 10284
in Berührung mit 1 [
Faust:] Schon wieder Krieg! Der Kluge hört’s nicht gern. [
Meph:] Krieg oder F-
n. Klug ist das Bemühen | Zu seinem Vortheil etwas auszuziehen GWBFaust II 10236 [
Prometh, in Hinblick auf die sich entfernenden, zT schon bewaffneten Hirten:] Entwandelt friedlich!
F. findend geht ihr nicht. | Denn solches Loos dem Menschen wie den Thieren ward .. | Daß eins dem andern, einzeln oder auch geschaart, | Sich widersetzt, sich hassend an einander drängt, | Bis eins dem andern Übermacht bethätigte GWBPand 292 β
Zeit zwischen Beutezügen, Raubüberfällen (von Piraten) Flibustiers .. [
deren] Anführer, wenn es keine Feinde und nichts zu rauben gab, unter den Gelagtisch eine Pistole losschoß, damit es auch im F-n nicht an [
abhärtenden] Wunden und Schmerzen fehlen möge GWB28,328,12 DuW 15 γ
im Krieg ‘F. halten’: einander nicht angreifen [
angebl Waffenstillstand erweist sich nur als] eine Übereinkunft, daß die Vorposten
F. halten sollten, wobei nicht unbenommen bleibe die Kriegsoperationen außer dieser Berührung .. fortzusetzen GWB33,81,21 Camp b
mBez auf zwei Personen: Zustand, in dem man ohne Waffen- od körperl Gewalt auskommt [
Thoas üb die Unumgänglichkeit eines Zweikampfes mit Orest:] Und bändigt’ ich den Zorn in meiner Brust: | So würden doch die Waffen zwischen uns | Entscheiden müssen; F-n seh’ ich nicht [seh’ ich .. nicht wie ohne der Waffen Ausspruch wir enden können GWB39,401,19ff Iph
1 V 7] GWBIph
2 2098 GWB31,130,24 ItR 3
iSv (öffentl, rechtl) Sicherheit, Ordnung u Disziplin, Schutz; auch in der Tierfabel [
Egm zu Alba:] Muß man doch .. hören: es sei des Königs Absicht weniger die Provinzen nach .. Gesetzen zu regieren .. und einen allgemeinen F-n seinem Volke zu geben, als vielmehr .. sie ihrer alten Rechte zu berauben GWB8,265,25 Egm IV [
höfl-korrektes, beschützendes Verhalten von Offizieren gegen Zivilisten] Es gibt dergleichen Pausen mitten in den Kriegszügen, wo man .. eine Art von gesetzlichem F-n mitten in der Verwirrung beordert. Diese Momente sind köstlich für Bürger und Bauern und für jeden, dem das dauernde Kriegsunheil noch nicht allen Glauben an Menschlichkeit geraubt hat GWB33,26,16 Camp GWBReinF I 210 GWB8,301,13 Egm V 4
Harmonie, Eintracht, Übereinstimmung, Einvernehmen a
im zwischenmenschl Umgang, gesellschaftl Verkehr; wiederholt neben ‘Einigkeit’, ‘Ruhe’, öfter ‘innerer F.’ α
mBez auf Ehe, Familie, Freundeskreis; mehrf ‘F. deines Hauses’, ‘Haus, Wohnung des F-ns’, ‘häuslicher F.’ uä Werthers Leidenschaft hatte den F-n zwischen Alberten und seiner Frau allmählig untergraben AA116,22 Werth
1 II [
Werther an Albert:] Ich habe den F-n deines Hauses gestört, ich habe Mißtrauen zwischen Euch gebracht AA153,22 Werth II [
Nymphe üb das Haus der beiden Alten (‘Philemon und Baucis’):] Dieses Denkmal früherer, goldener Zeiten, diese Wohnung des F-ns! GWB13
1,49,24 Was wir bringen [1802] Wie stehts im teutschen Haus, ist noch fried und einigkeit unter den Leuten GWBB2,29,8 Kestner [6.10.72] GWB8,77,2 Götz
2 II GWBB8,38,28 Weim Freunde 1.11.86 GWB36,115,5 TuJ
uö im Bibel-Zit (Mark 9,50) GWBB46,183,24 Zelter 16.12.29 β
in gemeinsamer Arbeit Er [
FJFischer] brachte mehrere Schauspieler von Prag mit, die in seinem Sinne wirkten, und wußte die einheimischen gut zu behandeln, wodurch ein innerer
F. sich über das Ganze verbreitete GWB33,252,14 Camp GWBB10,249,5 Voigt 9.4.95 GWB36,4,6 TuJ γ
allg in Wdgn wie ‘mit der Welt in F-n leben’, ‘um des lieben F-ns willen’ (auch als Ausdruck resignativen Kompromißverhaltens) Sie [
die Wahrheit] .. sprach: .. | .. glaubst du dich schon Übermensch genug, | Versäumst die Pflicht des Mannes zu erfüllen! | Erkenne dich, leb’ mit der Welt in F-n! GWB1,5 Zueignung [1784] Vs 64 GWBB42,378,11 Zelter [Ende Jun 27] DjG
31,359 Mitsch
2 20
uö b
im geistigen, auch geistl Bereich; mBez auf argumentative Polemik wiederholt in Berührung mit A 1 u A 2 solange man der Sache im Verstand nicht einig ist kein
F. in den Worten zu hoffen GWBN11,375 Plp [
Luise zum ‘Alten’ in Hinblick auf dessen Argumente:] Man wird mit Ihnen nicht fertig; es ist das Beste wir machen
F. für diesen Abend GWB18,127,4 Unterhaltungen heftige Debatten [
zw Oberhofprediger u herrnhutischer Gemeinde]. Ich .. hoffte den Einfluß meiner .. Neutralität, wo nicht zu einem F-n, doch zu einem Waffenstillstande zu nutzen GWB22,326,25 Lj VI SchöneSeele GWB37,171,1 Brief Pastors
uö ‘tätiger F.’ GWB41
2,268,28 Üb:Varnhagen,Biogr [
Zit s v Friedenszeit Sp951,40]
mBez auf einander widersprechende Aussagen wie geduldig das Papier ist .. Hier [
in einem Beitr zu den JALZ-Ergänzungsblättern] .. ruhen die unverträglichsten Wortphrasen recht
[] behaglich neben einander; aber freylich kann dieser anscheinende
F. vor einem thätigen Geiste nicht bestehn GWBB23,215,21 Windischmann 28.12.12 c
in (poetisch-natur)philos Betrachtung mBez auf Polares; einmal ‘ewiger F.’ endliche Ruhe .. nur .. | Sobald der Pol den Pol berührt. | Drum danket Gott .. | Daß er die Pole für ewig entzweit .. .. Und so bleibt auch, in ewigem F-n, | Die Finsterniß vom Licht geschieden .. .. Sie streiten mit der Körperwelt, | Die sie ewig auseinander hält
4) GWB2,220 GottGemütWelt 103 Die Religion soll F-n zwischen den Gesetzen jenes geistigen Reiches [
in dem die Menschen ihren überird-höheren Ursprung zu haben u in das sie zurückzukehren glauben] und der Sinnlichkeit der Menschen stiften
5) Gespr(He3
1,58) C Gfin Egloffstein 29.4.18 5
(Zustand, auch Atmosphäre der) Ruhe, Stille, Ungestörtheit, Abgeschirmtheit; einmal für seliges Leben im Paradies Nun bin ich an Tasso .. Behalte ich F-n von außen, so geräth auch der GWBB9,33,8 Herder 22.9.88 den F-n .. der mich [
bei der Lektüre des 1. Buchs Mosis] umgab, wenn es auch draußen noch so wild und wunderlich herging GWB26,221,14 DuW 4 In meinen hohen Jahren muß die unverbrüchliche Maxime seyn: durchaus und unter jeder Bedingung im F-n zu leben; ich möchte, um keinen Preis, bey irgend einer Contestation, sie habe einen politischen, literarischen, moralischen Anlaß, als thätig mitwirkend erscheinen
6) GWBB47,69,10 Kanzl Müller 21.5.30 [
Huris im Paradies] Eine führt dich zu der andern Schmause, | Den sich jede äußerst ausersinnt; | Viele Frauen hast und Ruh im Hause .. | Und so schicke dich in diesen F-n: | Denn du kannst ihn weiter nicht vertauschen; | Solche Mädchen werden nicht ermüden GWB6,250 Div Berechtigte Männer 45
uö mBez auf Hochzeitslager [
Amor sorgt] Daß nicht die List muthwill’ger Gäste | Des Brautbetts F-n untergräbt [Das Brautbett dir unsicher macht
Var GWBB1,102 Behrisch [7. od 9.10.67]] GWB1,50 Brautnacht 4
akust Auch endlich ward ich Großpapa! | Als ich den lieben Enkel sah, | War Fried’ im Frauenzimmer. | Doch alsobald der kleine Wicht | Verziehet kläglich sein Gesicht: | Die Kinder schreien immer GWB4,174 Chronica 1818 Vs 3
in Berührung mit 6 a iSv Muße ich kenne nichts ehrwürdiger als Herrn Helvetius, der 200,000 Livres Einkünfte aufgeopfert hat, um sich in F-n [
en paix] der Wissenschaft zu widmen GWB45,193,25 RamNeffeAnm Voltaire anPallissot 6
innere Ausgeglichenheit, Harmonie, Zufriedenheit; auch: Ruhe eines vom Welttreiben Befreiten a
iS eines Einsseins mit sich selbst, oft verbunden mit dem Gefühl eines (grundsätzl) Übereinstimmens mit (einem) anderen Menschen, mit Natur, Welt, All, Gott; auch als Ergebnis der (sich abzeichnenden) Lösung weltanschaul-wiss Probleme; öfter ‘(in) F.(-n) mit sich selbst’, ‘innerer F., F. der Seele’, ‘F. mit Gott’ uä [
aus einer von der Adressatin stammenden Zeichnung spricht] das Gefühl des F-ns der mit dir geht an den Bauer Schwellen GWBB3,82,15 ChStein 27.6.76 dieser aus dem F-n mit sich selbst hervorleuchtende ruhige Blick über das Weltall, über die sittliche Ordnung desselben .. die kindliche Neigung gegen den, der alles leitet und regiert GWB40,274,6 Üb:Voß,Ged [G/Voß dJ] Wir haben .. die sanfte, ruhige, gefaßte Natur unseres Dichters mit sich selbst, mit Gott, mit der Welt in F-n gesehen GWB40,270,18 ebd Ungesäumt werd ich .. das .. Werk [
Vulkanismus-Kritik7)] vor die Hand nehmen, damit .. mir endlich Befriedigung und
F. gegönnt sey GWBB37,80,25 Nees 13.6.23 GWB22,290,23 Lj VI GWB29,167,7 DuW 20 GWBNatT 2526 GWBFaust II 4638
uö ‘Wohnung des F-ns’ für Garten iSv Refugium, vertrauter Ort, Hort der Harmonie GWBB6,53,19 ChStein 8.[9.82] (vgl Fränkel
2 1,420)
mehrf (auch vergleichend) in bibelspr Vbdgn wie ‘F. Gottes, göttlicher, himmlischer F.’, ‘F. vom Himmel’, wiederholt charakterisiert (nach Philipp 4,7) als die ‘Vernunft’ übersteigend, einmal im Vergl iron für ein angebl schon erreichtes Idealziel [
tiefe Freude üb die große, von Nees ua stammende Würdigung (Rez) von G-s natwiss Werk in der JALZ] Möcht ich mich fromm und kurz fassen, so müßt ich sagen: es kam augenblicklich der
F. Gottes über mich, der, mich mit mir selbst und mit der Welt in’s Gleiche zu setzen, sanft und kräftig genug war GWBB37,185,11 Nees 22.8.23 Dem F-n Gottes, welcher euch hienieden | Mehr als Vernunft beseliget — wir lesen’s — | Vergleich’ ich wohl der Liebe heitern F-n | In Gegenwart des allgeliebten Wesens; | Da ruht das Herz und nichts vermag zu stören | Den tiefsten Sinn, den Sinn ihr zu gehören GWB3,23 TrilogLeid Eleg 73u75 Der himmlische
F., welchen Klopstock bei Conception und Ausführung dieses Gedichtes [
‘Messias’] empfunden GWB27,297,19 DuW 10 [
iZshg mit krit Bem zu den ‘Grundzügen der philos Natwiss’ von HSteffens] kommen mir die Herren vor wie die Christen, die .. das Leben vor dem Tode zum Tode machen .. [
Sie] versichern uns .. daß der
F. Gottes wirklich bey ihnen eingekehrt .. daß sie Absolutes und Bedingtes .. Unendliches, Endliches und Ewiges so vereint in sich tragen, daß auch nicht der mindeste Mißklang weiter für sie vernehmlich sey. Weshalb wir sie denn zuletzt wohl seelig, wo nicht heilig preisen können GWBB51,199 WHumboldt 22.8.06 GWBB10,173,10 Meyer 17.7.94 GWB16,175 Geheimnisse 122 GWBB2,226,19 Lavater [2.Hälfte Nov 74 Korr B30,254]
uö mBez auf das ästhet Empfindungsvermögen Gefahr sich zu täuschen, sich selbst für Bildungskraft zu nehmen und auf diese Weise durch tausend mißlingende Versuche den F-n mit sich selbst zu stören GWB47,87,24 Üb:Moritz,Nachahmg dSchönen ~ GWB32,309,9 ItR b
für einen vom wechselnden Treiben, von allem Anstrengenden, Widrigen freien Zustand (nach dem Tode), mehrf mit zugl räuml Vorstellung als Ort absoluter Entrücktheit, Ruhe; ‘in (auch: im letzten) F-n ruhen’, ‘F. (mit) jds Asche’ uä Was soll all der Schmerz und Lust? | Süßer
F., | Komm, ach komm in meine Brust! GWB1,98 Der du von 7 [
Mittler, vor dem Friedhofstor anhaltend:] Diese da ruhen in F-n, mit ihnen habe ich nichts zu schaffen GWB20,22,25 Wv I 2 [
Tochter zum toten Vater:] Nun liegst du hier .. | Von all den Deinigen geschieden .. | .. Du ruhst im letzten F-n GWB11,348 BruchstTragöd 118 [
Eugenie in momentanem Entschluß, das Schiff, das sie in die Verbannung bringen soll, nicht zu betreten:] Das letzte Bret, das mich hinüber führt, | Soll meiner Freiheit erste Stufe werden. | Empfangt mich dann, ihr Wellen .. | Und .. senket mich hinab | In eures tiefen F-ns Grabesschoos GWBNatT 2653 GWBN4,157,9 FlH VI Castel GWB42
1,177,16 TeilnManzoni
uö scherzh übertr auf eine Konzeption, eine ‘Idee’ (zu einem Grabmal) Sie ruhe in F-n! GWBB51,61 Oeser 20.2.82
‘Gegenden des F-ns’ verhüllend für Reich des Todes [
Clär:] Ich wandle den seligen Gefilden schon näher und näher, mir weht der Trost aus jenen Gegenden des F-ns schon herüber GWB8,286,14 Egmont V
‘in F.(-n) (hin)fahren’ in bibl Wdg (Luk 2,29f) für beruhigt, selig sterben GWB20,301,24 Wv II 8 GWB32,77,26 ItR
‘Wohnung des F-ns’ in christl Jenseits-, Paradiesvorstellung GWB13
2,337 Götz
3 V Plp 7
in übergreifender, umfassend(er)er, auch prägnanter Bed Nachricht .. Amsterdam
[] sei von den Preußen eingenommen .. Ich bin ein Kind des F-ns, und will
F. halten für und für, mit der ganzen Welt, da ich ihn einmal mit mir selbst geschlossen habe GWB32,114,25f ItR Die Stadt [
Verdun] .. ist gestern Nacht beschoßen worden, ein schrecklicher Anblick .. man möchte sich nicht dencken daß man was liebes darin hätte .. Ich befinde mich recht wohl, ob mir gleich manche Bequemlichkeit .. fehlt .. sorge für Hauß und Garten, grüße Herrn Meyer, küsse den Kleinen und iß deine Kolrabi in F-n GWBB10,13,19 Christiane 2.9.92 [
Weltlich Regiment:] das Herrlichste .. | Wonach die Welt im Ganzen immer strebt; | Der
F. herrscht im unbegränzten Lande, | Wo niemand mehr vor seinem Nachbar bebt .. GWB16,225 Maskenz RomantPoesie 171 [
Leistung des Theaters] Und so gewinnt .. | Gemüth und Geist und Sinn, befreit, erhöht, | Was uns von außen fehlt, erwünschten F-n GWB13
1,171 ProlLpz 1807 Vs 56 Frohe Zeichen zu gewahren, | Wird der Erdkreis nimmer müde; | Schon seit vielen tausend Jahren | Spricht der Himmelsbogen: Friede GWB4,136 Frohe Zeichen 4 GWB5
2,415 Die Sonne leuchtet 4 GWB5
1,142 ZXenNachl IX 823 GWBB1,148,8 Behrisch 27.11.67
uö als (milit) geschützter ‘arkadisch’-idyllischer Zustand [
mBez auf Vs 9510-9561 u wohl auch 9474-9481] Beschreibung des F-ns GWB15
2,230 Faust II Plp B
für etw, das (den) Frieden herbeiführt, ermöglicht, gewährleistet 1
Friedensschluß, -vereinbarung, -abkommen, -vertrag; mehrf ‘F.(-n) machen, (ab)schließen, Abschluß des F-ns’ uä a
als (polit-diplomatische) Beendigung eines milit ausgetragenen Konflikts; auch ‘Unterzeichnung, Proklamation des F-ns’, mehrf ‘nach (künftigem), seit dem F-n’ daß man [
in alttestamentl Zeiten] auf dem Schlachtfelde zwischen den Reihen der Getödteten einen F-n schloß GWB26,214,20 DuW 4 [
österr-frz Krieg 1809] vor Ablauf des Stillstandes, oder vor Unterzeichnung des F-ns GWBB21,104,9 Reinhard 1.10.09 Schöne Pappelallee .. die .. vom Fuhrwerk im Kriege gelitten hat und deren baldige Rekrutirung nach dem F-n jeder Reisende .. wünschen muß GWBT2,95,15 v 27.8.97 seit dem F-n [
depuis le retour de la paix] GWBB41,168,14 Sternbg 19.9.29 Beilage GWBTgb 27.12.06 GWBB23,129,1 Meyer 10.11.12 GWB26,248,1 DuW 4 GWB26,239,22 ebd GWB35,51,21 TuJ
‘politischer F.’ [
Preußen u Sachsen nach dem Siebenjährigen Krieg] Durch den politischen F-n konnte der Friede zwischen den Gemüthern nicht sogleich hergestellt werden GWB27,107,28 DuW 7
‘einseitiger, besonderer, partikularer F., F. von einer Seite’ für separates Abkommen [
1795] Mutter erholt sich am ausgesprochenen obgleich einseitigen [
Baseler] F-n Wackerl 154 TuJ Schema
F. von preußischer Seite Wackerl 153 ebd B(SchrGG53,294) Voigt [14.8.96] GWB35,51,24 TuJ
uö metonym: ‘Erfüllung des F-ns’ GWBB12,122,28 WHumboldt 14.5.97 K b
Beendigung von (kirchl-polit) Streitigkeiten Johannes von Hildesheim, Professor zu Avignon und Paris .. vermittelte .. einen F-n zwischen dem Bischof von Hildesheim und den Herzogen von Braunschweig
8) GWB41
1,360,18 Üb:Schwab,DreiKönige c
in negierender Aussage bezogen auf die aus grundsätzl Divergenz resultierende Auseinandersetzung des Menschen mit der Welt der Mensch stellt sich als ein Subject dem Object entgegen. Hier ist es, wo sich der Praktiker in der Erfahrung, der Denker in der Speculation abmüdet und einen Kampf zu bestehen aufgefordert ist, der durch keinen F-n und durch keine Entscheidung geschlossen werden kann GWBN1,75,21 FlD 181 2
der gewährte Schutz, die Obhut, Gnade, Huld, Gunst, auch: Friedensgebot, -erlaß; mehrf mit Gen des Urhebers a
von seiten des Königs, Herrschers, auch neben ‘Geleit’; wiederholt ‘F-n bieten, gewähren, halten’; bes in der Tierfabel (meist nach ndd vrede) [
Lupardus zu Braun u Isegrim:] Ich bringe des Königs | Festen F-n und freies Geleit GWBReinF VI 409 [
Nobel zu allen Tieren:] Es schützt ihn [
Reineke] fortan und schirmt ihn mein
F. GWBReinF VI 16 [
Nobel zu Reineke:] Habt ihr den F-n gehalten, den ich den Thieren geboten? | Den ich geschworen? .. | Falscher leidiger Dieb! GWBReinF IV 25 [
Elisab zu Maria:] wie übermütig die Fürsten geworden sind, seit dem sie unsern Kayser beredet haben einen allgemeinen F-n auszuschreiben GWB39,20,27 Götz
1 I GWBReinF I 219
uö b
von Gott, mehrf in bibl Wdgn Gottes ist der Orient! | Gottes ist der Occident! | Nord- und südliches Gelände | Ruht im F-n seiner Hände GWB6,10 Vs 4 DivSäng Klopstock ist ein edler grosser Mensch über dem der
F. Gottes ruht! GWBB2,206,25 SLaRoche [20.11.74] Zu Morgends .. | Da war sie [
die tödlich verletzte u gleichwohl verzeihende jungfräul Braut] schon verschieden | In Gottes Nahmen und F-n DjG
32, 48 ElsässVolksl Lied GfFriedr 80
uö c
von verehrten, geliebten od liebenden Personen [
Marquise, ihre Nichte in die Rolle als Przin einweisend:] ein Cavalier .. bittet Sie um Vergebung .. er fährt fort um Verzeihung zu bitten .. er bittet um Ihre Hand, als um ein Zeichen des F-ns. Sie reichen ihm Ihre Hand; er bedeckt sie mit tausend Küssen GWB17,209,16 GrCoph IV 4 [
an ChStein] Aus dem Zauberthal .. | Sendet Blume, Gruß und F-n, | Der dich immer treu und besser | Als du glauben magst geliebt GWB4,211 Vs 4 d
im geistigen Bereich iSv Duldsamkeit, Akzeptanz [
den stets von Vernunft Redenden, aber nach Vorurteilen Handelnden] liegt .. nichts so sehr am Herzen als die Toleranz .. ihr Spott über alles was nicht ihre Meinung ist, beweist wie wenig
F. man von ihnen zu hoffen hat GWB37,160,13 BriefPastors 3
mit räuml Vorstellung a
Bezirk, Gebiet, innerhalb dessen das Friedensgebot des Königs gilt; in der Tierfabel [
der Panther üb Reineke:] Er ist ein Dieb, ein Mörder! .. | .. er übet jeglichen Frevel .. | Innerhalb unsers Königes Fried’ und freiem Geleite | Hielt er Lampen gefaßt mit seinen Klauen und zerrte | Tückisch den redlichen Mann GWBReinF I 70 b
‘ewiger F.’ für das Paradies als Ort, Reich eines ewig-seligen Lebens [
Dichter zu seiner Huri:] Ewig Geliebte! .. | Du .. bist mir beschieden, | Dich lass’ ich nicht aus dem ewigen F-n; | Auf die Wache [
vor dem Tor des Paradieses] sollst du nicht ziehn GWB6,256 Div Anklang 36
→ GWB
Burgfriede GWB
Gottesfriede GWB
Hausfriede GWB
Landfriede GWB
Natur- GWB
Privat- Seelen- GWB
Separat- GWB
Un- GWB
zufrieden GWB
zufriedengeben GWB
zufriedenstellen GWB
Zufriedenheit GWB
befrieden GWB
umfrieden GWB
befriedigen GWB
Befriedigung Syn zu A 1
GWB
Friedensepoche GWB
Landfriede zu A 1 u 2
GWB
Friedenszeit GWB
Friedenszustand zu A 2
GWB
Ruhe zu A 3
GWB
Schutz GWB
Sicherheit zu A 4
a
GWB
Einigkeit GWB
Einklang GWB
Eintracht GWB
Harmonie GWB
Hausfriede zu A 5
GWB
Muße GWB
Ruhe GWB
Stille zu A 6
a
Seelenfriede zu B 1
GWB
Friedensschluß zu B 1 a
GWB
Friedensbedingung zu B 2
a-c
GWB
Gnade GWB
Gunst GWB
Huld GWB
Obhut GWB
Schutz zu B 2 d
GWB
Duldsamkeit GWB
Toleranz 1) CFKretschmanns ‘Gesang Rhingulphs des Barden. Als Varus geschlagen war’, 1768 2) nach Ps 85,11 3) in Vbdg mit dem Folge-Xenion ‘Zum ewigen Krieg’: Keiner bescheidet sich gern mit dem Theile, der ihm gebühret, | Und so habt ihr den Stoff immer und ewig zum Krieg VierJahresz 75(73).
4) vgl Komm MA9,(1131-)1134 [] 5) sa *Friedensversuch 6) vgl Komm FfA II 10,657ff 7) KWNose, Kritik der geol Theorie .., 1821 8) nahezu wörtl nach Boisserées Br v 8.8.21 (s MA131,
896f)Gert Liebich G. L.