unfriede,
m. ,
gegenstück zu friede;
plural fehlt; ahd. unfridu, unfrido;
ags. unvriþ (
n.);
afries. unfretho, onfrede;
anord. úfriðr; (
g. unfreideins
nichtschonung;)
mhd. unvride;
md. mnd. unvrede;
mnl. onvrede;
nl. so gut wie veraltet; Dijkstra 2, 290
a;
dän. ufred;
schwed. ofred, ofrid. Staub-Tobler 1, 1281; Martin-Lienhart 1, 178
b; Schmeller 1, 808; Fischer 2, 1765
ff.; steir. Schönbach
österr. weisth. 6, 656; undfried Drechsler
Scherffer 31; Diefenbach-Wülcker 885; onfridden
lux. 314
b; Woeste 282
a; Bauer-Collitz 108
a; unfrêe Schambach 243
a; unfrede Dähnert 506
a.
zur beurtheilung der formen s. das einfache wort th. 4, 1, 1, 181
ff. II.
abstract. I@AA.
im zusammenhange mit der alten rechtsordnung. I@A@11)
im gegensatz zu friede
als anspruch auf gesetzlichen schutz gegen waffengewalt; schutzlosigkeit; acht und bann. ags. unfriþ
state of being out of the king's peace: us dem frid in
den unfrid tun (1392) Fischer 2, 1765;
N. N. (
ein todtschläger) .... ist us dem frid in u. verrüeft (1421) Staub-Tobler 1, 1277; er sich ... in seinen frid und u. zogen und gesetzt het
städtechr. 2, 130;
fest in der formel der achtserklärung Schmeller 1, 808; also nym ich dein leib und gute ausz dem fride und thu sie in den unfride und künde dich erlosz und rechtlosz und künde dich den vogeln frey
u. s. w. Bamberg. halsgerichtsordn. art. 241; Fischart
flöhhatz 1991; Hahn
einl. 2, 207; aus landfried in u. Grimm
rechtsalt. 1, 58;
alterthümlich Ranke 1, 80; Hebbel I 3, 232; Freytag 9, 44; deshalb geschah .. den evangelischen, dasz die reichsgewalt .. sie .. mit ihrem unfrieden, und dadurch mit krieg und verderben bedrohte Ranke 3, 217; die mich pillich solten vertretten .... die richten mir zu den unfried Sachs 22, 354, 33
Götze; und da es nun mit den übrigen gerichten nicht besser bestellt sei, .. so sei nun der allgemeine unfriede eingerissen Ranke 1, 145; Staub-Tobler 1, 1281, 3. I@A@22)
krieg, fehde (
vgl. urfriede),
händel; kriegszustand, unsicherheit; kriegserklärung. mnl. onvrede, oirlogh ende strijt.
bellum Stieler 563; unfritszeit
österr. weisth. 6, 342, 44; Hohberg 1, 45;
schwed. ofredstider;
dän. ufredstider; unfriedenszeit Schottel 877;
altfries. unfrethmon;
ags. unfriþflota, -here, -land, -man, -scip Bosworth - Toller 1105
a;
die anord. comp. Fritzner 3, 750
b f.; mit beschränkung auf den seekrieg: orlog,
der seekrieg, unfriede Spanutius 345; der rauberey und unfrieden in der see Schütz
Pruss. 4 a 3
a; wie sie teglich verderbt werden durch krieg und unfrid hie auf erden
fastnachtsp. 612, 18
Keller; Lori
bergr. 98 (1469); Arigo 339, 28
Keller; noch Grimm
sagen 1, 125. im fryd und unfrid Schwarzenberg
Cic. 67
v; frede adir unfrede Stolle
thür. chr. 20; solchem gemeinen aller welt unfriede, dafur kein mensch bleiben künde, mus der kleine unfriede, der do krieg odder schwerd heist, steuren Luther 19, 626
Weim.; eyn unfride reych 34, 2, 69, 20
Weim.; einen unfriedes boten
engl. com. 37, 35
Creizenach; ein unfriden und krieg angefangen Stumpf
chr. 264
b; ein ewigen unfried .. ansagen
engl. com. 37, 19
Creizenach; als sich die sach .. zu unfrid ziehen wolt Stumpf 382
a; damit ich nicht .. mit jhm .. zu unfried gerathe Zinkgref
ap. 138; sie verpflichteten sich, den frieden und unfrieden des markgrafen zu halten Ranke 25, 94; in der absage muszte erklärt sein, wem der unfriede gelte Freytag 18, 279.
übertragen: mit der poesie in u. leben Göthe 27, 64
Weim. I@A@33)
störung des rechtszustandes, der ordnung und ruhe; bes. durch raufhändel, thätlichkeiten: bei hochzeiten war es sitte, den unfrid zu verrufen Staub-Tobler 1, 1281, 2; den unfriden, so gemelter baur begangen Montanus 276; zu verhuoten lermen, unfridt Mangold
marckschiff D; dagegen er alle einwohner vor unfrieden zu bewahren .. über sich nahm A. v. Haller
tagebuch s. beob. 1, 25. I@A@44)
schädigung durch feindseligkeit: dann desz feinds hertz das ruhet nit; es sucht seins feindts schad und unfrid Ayrer 35, 3
Keller; mit ihren hochzeiten sollen sie (
die monstra) unfried haben (
man soll sie dabei stören, im entstehen vernichten) Paracelsus 2, 424.
vgl. mnl. hem selven onvrede doen
sich unannehmlichkeiten auf den hals laden; schwed. ofreda
angreifen, beleidigen. I@BB.
während mit der alten rechtsordnung bed. A
im wesentlichen schwand, griff die allgemeinere bed. uneinigkeit, zwist, parteiung, streit so um sich, dasz sie im 18.
jh. von Adelung
als die einzige anerkannt wurde; miszhell unfrieden Meichszner 20
b; Teller 2, 98.
wie alt sie ist, lehrt ahd. unfridu
seditio Graff 3, 791;
mhd. wb. 3, 405
b;
mnl. wb. 5, 1523
ff. auch in den ma. am häufigsten in dieser bed.; gewöhnlich streit unter nachbarn Schönbach
österr. weisth. 6, 656.
von fehde
unterschieden: nach sechsjährigem unfrieden und zweijähriger fehde Eichhorn
rechtsg. 3, 139. I@B@11)
allgemein: wort, die unfrid und zertrennung machen Riederer
a 3
b; wer ein weib hatt, der muosz unfriden haben Keisersberg
sünden des munds 60
d; zorns und unfrides Luther 30, 2, 403; des unfrids band Wackernagel
kirchenlied 3, 15; unkraut Micrälius
Pommerl. 3, 639; embOerung und unfrid
flugschr. 1, 106
Clemen; dise uffrierigen süne des unfridens Murner
adel 5
neudr.; zanck, hader, u. Xylander
Polyb. 457; einheimischen unfrieden Harsdörffer
secr. 1,
Ee 1
b; innerer Treitschke
d. gesch. 1, 122; häuslichen Immermann 2, 59; Krünitz 195, 622; ehelicher, nachbarlicher, brüderlicher
u. s. w.; wann sie doch standen in unfrid
fastnachtsp. 646, 1
Keller; das C. mit Johanne Paleologo zuo unfrid war Franck
weltb. 117
b; so schreyet er mordio, wirt all ding zuo u. 19
a; es wirt zuo u. 44
a; der sachen zuo unfriden wurden Wickram 2, 40, 33; irer handthierung halber Kirchhof
wendunmuth 1, 304; drob J. Ayrer
Phänicia 208
b; darüber wurdet ihr mit seinem kameraden zu unfried Göthe 8, 29, 17 (
Götz); in u. gerathen Spielhagen 1, 25; sein hertz im stand auf unfriden Wickram 1, 241, 3; in unfried sitzen Mathesius
Sar. 234
b; reden z'uonfrid Schede
psalm. 130, 20
neudr.; u. anrichten
theatr. diab. 1, 32
b; stiften, machen, verursachen
u. dgl.; hegen Alexis
Roland 1, 391; stillen Abraham a St. Clara
Judas 1, 69; so geleit aller unfrid Keisersberg
sünden des munds 60
b; in unfrieden scheiden Göthe 45, 282, 25
Weim.; leben Hebel 2, 30, 22
Behaghel; abhold jedem u. Bennigsen
nat. partei 105; der, welcher des reichs unfrieden befördert, er ist des reichs feind E.
M. Arndt 1, 206; es hat argen unfrieden zwischen den eheleuten gesetzt Storm (1899) 3, 103; herren, die .. einen solchen unfried erhoben hatten Rosegger
nixnutzig volk 71; Ganghofer
der unfried. I@B@22)
selten und veraltet für unfriedlichkeit, unverträglichkeit: das er die Unger nit wol in der statt behaben mocht von irs gross unfrids wegen Richental
chron. d. Const. conc. 36. I@B@33)
verdrieszlichkeit, kummer, ärger, verstimmung, unzufriedenheit; mnl. trauriger zustand. vgl. den unter A 4
angeführten mnl. ausdruck: wie der fromb könig David lied kümmernus, auffrhur und unfried Sachs 6, 86, 10
Keller; so macht es schelhe augen, widderwillen, unfriede Agricola
sprichw. f 4
a; so lade sie lauter unfried über sich Schupp 16; unfrieden und verdrusz Petrasch
lustsp. 2, 319; ihm kam ein unfried in die quer Wolff
landsknecht v. Cochem 144.
sonst nicht mehr üblich. unzufrieden (
s. d. und vgl. zufrieden)
konnte hier mit anknüpfen: do waz der konink sere zu unvreden
städtechr. 13, 103, 14; des ich sere zo unvreden bin
privatbr. 1, 4
Steinhausen; dasz gott ... mit den menschen were zu unfriden worden Spee
tugendb. 551;
Zimmer. chron. 2, 440, 8. 474, 34; 511, 20. 3, 241, 32; Schiller-Lübben 5, 94
b;
mnl. te onvreden
ontstemd, gramstorig; te onvrede over iets zyn
unzufrieden, miszvergnügt über etwas sein Kramer - Moerbeek;
nl. auch teonvredenheid (
wb. 10, 2179).
s. unzufrieden. I@CC.
ganz verinnerlicht und auf zustände des religiösen und geistigen lebens bezogen: so chumest du fone disemo unfride ze euuigemo fride Notker 2, 304, 16; friden in unfriden Tauler
pred. 85, 1
Vetter u. o.; das er mit sorgen und bekummernus und mit ungenugung und unfrid und unrwe und allem ungluck behangen ist
theologia deutsch 95
Mandel; Arndt
Thom. v. Kempis 80;
vgl.B 3; ain weiszer hab grOessern streit und unfrid (
vgl.A 2) mit seinen missetaten dann mit den veinden Albr. v. Eybe
spiegel P 1
b; gott ist nicht eyn gott des unfrids, sondern des frids Luther 12, 125, 16
Weim.; im kloster minder unfrid (
anfechtung) .. dann in der ee Eberlin v. Günzburg 1, 27
neudr.; den seligen unfridt, den christen mit der welt haben Franck
chron. Germ. 38
2; du suchst dasz paradeisz, und wünschest hin zukommen, wo du von allem leid und unfried bist entnommen Silesius
wandersm. 92, 33
neudr.; als offt ich unfried und beschwerung empfinde Arndt
Thom. v. Kempis 98; einen ewigen unfrieden mit gott Chemnitz
schwed. krieg 1, 306
und allgemein. gegensatz zu friede
als freude (
th. 4, 1, 1, 185),
befriedigung, gleichgewicht, ruhe u. dgl.: der unfriede, den jeder streit in dein innerstes wesen trug, verdarb lust und erhebung zu dem würdigeren gegenstande Herder 12, 396; wie er mit sich in ewigem unfrieden lebte Göthe 19, 143, 23
Weim.; da man selbst auf flügeln der morgenröthe dem unfrieden und der zerstörung nicht wohl entgehen könnte IV 22, 89, 24
Weim.; nur durch vielen unfrieden hindurch darf ein standhafter sinn hoffen zum frieden zu gelangen Dahlmann
franz. revol. 21. IIII.
concret. (
auch einzelne fälle der bed. I A
reichen an concrete verwendung heran.) II@11)
nicht umfriedeter platz. vgl. friede 4, 1, 1, 187, unfriedbar, unfriedsam: item ½
m. eyme muwerer, der dy fenster und locher am huse im unfrede zumuwerte
treszlerbuch 523, 12
Joachim: Unfrid, Unfrieden
ortsnamen Fischer 2, 1768. II@22)
personificiert: Vride und Unvride Meiszner
minnes. 3, 105
a; Murner
oben unter I B 2;
mnl. wb. 5, 1523; es hat sich der unfried stark verbauet in einem steinern hausz Treuer
Dädalus 1, 805; der unfriede hat den frieden ausgetrieben Görres 6, 119; alleinherrscher Ratzel
völkerk. 2, 81; pocht an Jhering
geist 2, 1, 202; unfried ist er (
der geist seines inneren) genannt Grillparzer 1, 194. ein u.
unruhestifter Tirol Westermanns monatsh. 25, 619. II@33)
eigenname: Unfrid Graff 3, 791; Unifrid, Umfrid (Unfridestat
u. a.) Förstemann 527. 1479;
ags. Unferd Grein-Holthausen-Köhler 870
b; Zedler 49, 1289. IIIIII.
diarrhoe, wie onvrede
im mnl. (
wb. 5, 1531),
bedeutet unser wort nicht. IVIV.
in sprichwörtern und redensarten: darumb so ist besser wenig und ein mundfol mitt ruo und frid, dann vil reichtumb und mancherlei speisz mit zancken und mit unfrid Keisersberg
brös. 1, 27
b; nemo sapiens, nisi patiens, frid mehrt, unfrid verzehrt
Garg. 331
neudr.; Wander 4, 1428. 5, 1782; Schmolcke 1, 1171; frid föder, ofrid öder; 'friede ernährt, u. auch', sagen die advocaten Staub-Tobler 1, 1281; unfried in aller welt, so gelten die soldaten das meiste gelt Zinkgref-Weidner 3, 58; Hock
blumenfeld 66
neudr.; Lehman
floril. 3, 449; Pistorius 582; vier pronomina machen unfried in der welt, ego, tu, meum, tuum Lehman 3, 448; nur kein' unfrieden Nestroy 1, 120; Fischer 2, 1767; Wander
a. a. o. —