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unfriede

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unfriede m.

Bd. 24, Sp. 587
unfriede, m. , gegenstück zu friede; plural fehlt; ahd. unfridu, unfrido; ags. unvriþ (n.); afries. unfretho, onfrede; anord. úfriðr; (g. unfreideins nichtschonung;) mhd. unvride; md. mnd. unvrede; mnl. onvrede; nl. so gut wie veraltet; Dijkstra 2, 290a; n. ufred; schwed. ofred, ofrid. Staub-Tobler 1, 1281; Martin-Lienhart 1, 178b; Schmeller 1, 808; Fischer 2, 1765 ff.; steir. Schönbach österr. weisth. 6, 656; undfried Drechsler Scherffer 31; Diefenbach-Wülcker 885; onfridden lux. 314b; Woeste 282a; Bauer-Collitz 108a; unfrêe Schambach 243a; unfrede Dähnert 506a. zur beurtheilung der formen s. das einfache wort th. 4, 1, 1, 181 ff. II. abstract. I@AA. im zusammenhange mit der alten rechtsordnung. I@A@11) im gegensatz zu friede als anspruch auf gesetzlichen schutz gegen waffengewalt; schutzlosigkeit; acht und bann. ags. unfriþ state of being out of the king's peace: us dem frid in den unfrid tun (1392) Fischer 2, 1765; N. N. (ein todtschläger) .... ist us dem frid in u. verrüeft (1421) Staub-Tobler 1, 1277; er sich ... in seinen frid und u. zogen und gesetzt het städtechr. 2, 130; fest in der formel der achtserklärung Schmeller 1, 808; also nym ich dein leib und gute ausz dem fride und thu sie in den unfride und künde dich erlosz und rechtlosz und künde dich den vogeln frey u. s. w. Bamberg. halsgerichtsordn. art. 241; Fischart flöhhatz 1991; Hahn einl. 2, 207; aus landfried in u. Grimm rechtsalt. 1, 58; alterthümlich Ranke 1, 80; Hebbel I 3, 232; Freytag 9, 44; deshalb geschah .. den evangelischen, dasz die reichsgewalt .. sie .. mit ihrem unfrieden, und dadurch mit krieg und verderben bedrohte Ranke 3, 217; die mich pillich solten vertretten .... die richten mir zu den unfried Sachs 22, 354, 33 Götze; und da es nun mit den übrigen gerichten nicht besser bestellt sei, .. so sei nun der allgemeine unfriede eingerissen Ranke 1, 145; Staub-Tobler 1, 1281, 3. I@A@22) krieg, fehde (vgl. urfriede), händel; kriegszustand, unsicherheit; kriegserklärung. mnl. onvrede, oirlogh ende strijt. bellum Stieler 563; unfritszeit österr. weisth. 6, 342, 44; Hohberg 1, 45; schwed. ofredstider; n. ufredstider; unfriedenszeit Schottel 877; altfries. unfrethmon; ags. unfriþflota, -here, -land, -man, -scip Bosworth - Toller 1105a; die anord. comp. Fritzner 3, 750b f.; mit beschränkung auf den seekrieg: orlog, der seekrieg, unfriede Spanutius 345; der rauberey und unfrieden in der see Schütz Pruss. 4 a 3a; wie sie teglich verderbt werden durch krieg und unfrid hie auf erden fastnachtsp. 612, 18 Keller; Lori bergr. 98 (1469); Arigo 339, 28 Keller; noch Grimm sagen 1, 125. im fryd und unfrid Schwarzenberg Cic. 67v; frede adir unfrede Stolle thür. chr. 20; solchem gemeinen aller welt unfriede, dafur kein mensch bleiben künde, mus der kleine unfriede, der do krieg odder schwerd heist, steuren Luther 19, 626 Weim.; eyn unfride reych 34, 2, 69, 20 Weim.; einen unfriedes boten engl. com. 37, 35 Creizenach; ein unfriden und krieg angefangen Stumpf chr. 264b; ein ewigen unfried .. ansagen engl. com. 37, 19 Creizenach; als sich die sach .. zu unfrid ziehen wolt Stumpf 382a; damit ich nicht .. mit jhm .. zu unfried gerathe Zinkgref ap. 138; sie verpflichteten sich, den frieden und unfrieden des markgrafen zu halten Ranke 25, 94; in der absage muszte erklärt sein, wem der unfriede gelte Freytag 18, 279. übertragen: mit der poesie in u. leben Göthe 27, 64 Weim. I@A@33) störung des rechtszustandes, der ordnung und ruhe; bes. durch raufhändel, thätlichkeiten: bei hochzeiten war es sitte, den unfrid zu verrufen Staub-Tobler 1, 1281, 2; den unfriden, so gemelter baur begangen Montanus 276; zu verhuoten lermen, unfridt Mangold marckschiff D; dagegen er alle einwohner vor unfrieden zu bewahren .. über sich nahm A. v. Haller tagebuch s. beob. 1, 25. I@A@44) schädigung durch feindseligkeit: dann desz feinds hertz das ruhet nit; es sucht seins feindts schad und unfrid Ayrer 35, 3 Keller; mit ihren hochzeiten sollen sie (die monstra) unfried haben (man soll sie dabei stören, im entstehen vernichten) Paracelsus 2, 424. vgl. mnl. hem selven onvrede doen sich unannehmlichkeiten auf den hals laden; schwed. ofreda angreifen, beleidigen. I@BB. während mit der alten rechtsordnung bed. A im wesentlichen schwand, griff die allgemeinere bed. uneinigkeit, zwist, parteiung, streit so um sich, dasz sie im 18. jh. von Adelung als die einzige anerkannt wurde; miszhell unfrieden Meichszner 20b; Teller 2, 98. wie alt sie ist, lehrt ahd. unfridu seditio Graff 3, 791; mhd. wb. 3, 405b; mnl. wb. 5, 1523 ff. auch in den ma. am häufigsten in dieser bed.; gewöhnlich streit unter nachbarn Schönbach österr. weisth. 6, 656. von fehde unterschieden: nach sechsjährigem unfrieden und zweijähriger fehde Eichhorn rechtsg. 3, 139. I@B@11) allgemein: wort, die unfrid und zertrennung machen Riederer a 3b; wer ein weib hatt, der muosz unfriden haben Keisersberg sünden des munds 60d; zorns und unfrides Luther 30, 2, 403; des unfrids band Wackernagel kirchenlied 3, 15; unkraut Micrälius Pommerl. 3, 639; embOerung und unfrid flugschr. 1, 106 Clemen; dise uffrierigen süne des unfridens Murner adel 5 neudr.; zanck, hader, u. Xylander Polyb. 457; einheimischen unfrieden Harsdörffer secr. 1, Ee 1b; innerer Treitschke d. gesch. 1, 122; häuslichen Immermann 2, 59; Krünitz 195, 622; ehelicher, nachbarlicher, brüderlicher u. s. w.; wann sie doch standen in unfrid fastnachtsp. 646, 1 Keller; das C. mit Johanne Paleologo zuo unfrid war Franck weltb. 117b; so schreyet er mordio, wirt all ding zuo u. 19a; es wirt zuo u. 44a; der sachen zuo unfriden wurden Wickram 2, 40, 33; irer handthierung halber Kirchhof wendunmuth 1, 304; drob J. Ayrer Phänicia 208b; darüber wurdet ihr mit seinem kameraden zu unfried Göthe 8, 29, 17 (Götz); in u. gerathen Spielhagen 1, 25; sein hertz im stand auf unfriden Wickram 1, 241, 3; in unfried sitzen Mathesius Sar. 234b; reden z'uonfrid Schede psalm. 130, 20 neudr.; u. anrichten theatr. diab. 1, 32b; stiften, machen, verursachen u. dgl.; hegen Alexis Roland 1, 391; stillen Abraham a St. Clara Judas 1, 69; so geleit aller unfrid Keisersberg sünden des munds 60b; in unfrieden scheiden Göthe 45, 282, 25 Weim.; leben Hebel 2, 30, 22 Behaghel; abhold jedem u. Bennigsen nat. partei 105; der, welcher des reichs unfrieden befördert, er ist des reichs feind E. M. Arndt 1, 206; es hat argen unfrieden zwischen den eheleuten gesetzt Storm (1899) 3, 103; herren, die .. einen solchen unfried erhoben hatten Rosegger nixnutzig volk 71; Ganghofer der unfried. I@B@22) selten und veraltet für unfriedlichkeit, unverträglichkeit: das er die Unger nit wol in der statt behaben mocht von irs gross unfrids wegen Richental chron. d. Const. conc. 36. I@B@33) verdrieszlichkeit, kummer, ärger, verstimmung, unzufriedenheit; mnl. trauriger zustand. vgl. den unter A 4 angeführten mnl. ausdruck: wie der fromb könig David lied kümmernus, auffrhur und unfried Sachs 6, 86, 10 Keller; so macht es schelhe augen, widderwillen, unfriede Agricola sprichw. f 4a; so lade sie lauter unfried über sich Schupp 16; unfrieden und verdrusz Petrasch lustsp. 2, 319; ihm kam ein unfried in die quer Wolff landsknecht v. Cochem 144. sonst nicht mehr üblich. unzufrieden (s. d. und vgl. zufrieden) konnte hier mit anknüpfen: do waz der konink sere zu unvreden städtechr. 13, 103, 14; des ich sere zo unvreden bin privatbr. 1, 4 Steinhausen; dasz gott ... mit den menschen were zu unfriden worden Spee tugendb. 551; Zimmer. chron. 2, 440, 8. 474, 34; 511, 20. 3, 241, 32; Schiller-Lübben 5, 94b; mnl. te onvreden ontstemd, gramstorig; te onvrede over iets zyn unzufrieden, miszvergnügt über etwas sein Kramer - Moerbeek; nl. auch teonvredenheid (wb. 10, 2179). s. unzufrieden. I@CC. ganz verinnerlicht und auf zustände des religiösen und geistigen lebens bezogen: so chumest du fone disemo unfride ze euuigemo fride Notker 2, 304, 16; friden in unfriden Tauler pred. 85, 1 Vetter u. o.; das er mit sorgen und bekummernus und mit ungenugung und unfrid und unrwe und allem ungluck behangen ist theologia deutsch 95 Mandel; Arndt Thom. v. Kempis 80; vgl.B 3; ain weiszer hab grOessern streit und unfrid (vgl.A 2) mit seinen missetaten dann mit den veinden Albr. v. Eybe spiegel P 1b; gott ist nicht eyn gott des unfrids, sondern des frids Luther 12, 125, 16 Weim.; im kloster minder unfrid (anfechtung) .. dann in der ee Eberlin v. Günzburg 1, 27 neudr.; den seligen unfridt, den christen mit der welt haben Franck chron. Germ. 382; du suchst dasz paradeisz, und wünschest hin zukommen, wo du von allem leid und unfried bist entnommen Silesius wandersm. 92, 33 neudr.; als offt ich unfried und beschwerung empfinde Arndt Thom. v. Kempis 98; einen ewigen unfrieden mit gott Chemnitz schwed. krieg 1, 306 und allgemein. gegensatz zu friede als freude (th. 4, 1, 1, 185), befriedigung, gleichgewicht, ruhe u. dgl.: der unfriede, den jeder streit in dein innerstes wesen trug, verdarb lust und erhebung zu dem würdigeren gegenstande Herder 12, 396; wie er mit sich in ewigem unfrieden lebte Göthe 19, 143, 23 Weim.; da man selbst auf flügeln der morgenröthe dem unfrieden und der zerstörung nicht wohl entgehen könnte IV 22, 89, 24 Weim.; nur durch vielen unfrieden hindurch darf ein standhafter sinn hoffen zum frieden zu gelangen Dahlmann franz. revol. 21. IIII. concret. (auch einzelne fälle der bed. I A reichen an concrete verwendung heran.) II@11) nicht umfriedeter platz. vgl. friede 4, 1, 1, 187, unfriedbar, unfriedsam: item ½ m. eyme muwerer, der dy fenster und locher am huse im unfrede zumuwerte treszlerbuch 523, 12 Joachim: Unfrid, Unfrieden ortsnamen Fischer 2, 1768. II@22) personificiert: Vride und Unvride Meiszner minnes. 3, 105a; Murner oben unter I B 2; mnl. wb. 5, 1523; es hat sich der unfried stark verbauet in einem steinern hausz Treuer Dädalus 1, 805; der unfriede hat den frieden ausgetrieben Görres 6, 119; alleinherrscher Ratzel völkerk. 2, 81; pocht an Jhering geist 2, 1, 202; unfried ist er (der geist seines inneren) genannt Grillparzer 1, 194. ein u. unruhestifter Tirol Westermanns monatsh. 25, 619. II@33) eigenname: Unfrid Graff 3, 791; Unifrid, Umfrid (Unfridestat u. a.) Förstemann 527. 1479; ags. Unferd Grein-Holthausen-Köhler 870b; Zedler 49, 1289. IIIIII. diarrhoe, wie onvrede im mnl. (wb. 5, 1531), bedeutet unser wort nicht. IVIV. in sprichwörtern und redensarten: darumb so ist besser wenig und ein mundfol mitt ruo und frid, dann vil reichtumb und mancherlei speisz mit zancken und mit unfrid Keisersberg brös. 1, 27b; nemo sapiens, nisi patiens, frid mehrt, unfrid verzehrt Garg. 331 neudr.; Wander 4, 1428. 5, 1782; Schmolcke 1, 1171; frid föder, ofrid öder; 'friede ernährt, u. auch', sagen die advocaten Staub-Tobler 1, 1281; unfried in aller welt, so gelten die soldaten das meiste gelt Zinkgref-Weidner 3, 58; Hock blumenfeld 66 neudr.; Lehman floril. 3, 449; Pistorius 582; vier pronomina machen unfried in der welt, ego, tu, meum, tuum Lehman 3, 448; nur kein' unfrieden Nestroy 1, 120; Fischer 2, 1767; Wander a. a. o.
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    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Unfriede , des -ns, plur. car. der Gegensatz von Friede, so fern dieses Wort gutes Vernehmen, Eintracht bedeutet, da…

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    Goethe-Wörterbuch

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    Unfriede

    Wander (Sprichwörter)

    Unfriede 1. Je mehr Unfriede in der Welt, je mehr Friede in Gott. 2. Unfriede verzehrt, der Fried' ernährt. Böhm. : Pro …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unfriede

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Ableitung von unfriede 3 Analysen

un- + friede

unfriede leitet sich vom Lemma friede ab mit Präfix un-.

Alternativen: unfrieden+-e un-+fried+-e

Keine Komposita gefunden — unfriede kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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APA
Cotta, M. (2026). „unfriede". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unfriede/dwb?formid=U06609
MLA
Cotta, Marcel. „unfriede". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unfriede/dwb?formid=U06609. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unfriede". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unfriede/dwb?formid=U06609.
BibTeX
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