vorgemach,
n. ,
vorzimmer, kleineres zimmer vor einem andern Lexer 3, 468;
l'antichambre, das vorgemach Duez
nomencl. (1652) 78; v.,
atrium, vestibulum Stieler 1197;
anticamera, corritore Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1216
a; '
antichambre, das v.
eines groszen herrn, welches zum audienzzimmer führet' Sperander (1727) 38
a;
atrium, vestibulum Steinbach 2, 6; Adelung; Campe. 11)
in allgemeiner anwendung: inwendig hette es (
das schlosz) ein v., darnach einen schönen saal Kirchhof
wendunmuth 2, 94
Ö.; (
dasz) graff Tertzky aber noch ins v. kommen, doch endlich von den dragonern ... zu tode geschlagen worden Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 329; sobald die mutter sich mit den töchtern auf ihrem vorgemache befand Buchholtz
Herkuliskus (1665) 434; man soll sie ins v. von meinem ... schlafzimmer bringen Beck
d. schachmaschine (1798) 130; schick den haufen der unverschämten gläubiger im v. aus dem hause Grabbe 4, 11
Bl.; welcher eingang durch ein v. in den blumensaal führte Stifter (1901) 2, 282; im v. ... hantirte am kümmerlichen herd (
ein weib) Rosegger I 3, 16; sie schleicht sich in das vorgemach, der buhler eilt ihr heimlich nach Hagedorn
vers. einiger ged. 21
lit.-dkm.; im vorgemach kein mensch, auch nicht im nächsten zimmer Kotzebue
dram. w. (1828) 37, 284; im vorgemache drauszen harret einer meiner leute Grillparzer 4, 60
Cotta. v.
wird jetzt gegenüber vorzimmer
als der gewähltere ausdruck empfunden. —
in besonderen gebäuden: dasz sie in dem vorgemache des tempels ... abschied nehmen wolte Lohenstein
Armin. 2 (1690) 57
b; die etwas gewissenhaftig seyn, bleiben alsdenn gleichwohl vor der kirchen oder im vorgemache stehen A. Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 111
b;
vor einer grabkammer: (
fels-)gräber gewöhnlicher art, nur aus 2 kammern bestehend, wovon die eine ein v. bildet Ritter
erdk. (1822) 17, 364. 22) '
besonders ein dergleichen gemach bey vornehmen personen, worin sich die zur aufwartung oder zur audienz kommenden personen aufhalten' Adelung; da wird etwan ein hofjuncker, wann es tafelzeit gewesen, in das v. kommen seyn Schupp (1663) 656; unsere völcker aber und priestaffen, so die gesandten hinein begleitet, musten hinaus ins v. A. Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 21
b; die dichtkunst (
am hofe des Ptolemäus) wartete im v. auf Herder 5, 621
S.; ich war noch nie unter den bittenden erschienen, hatte in keinem vorgemache gewartet Steffens
was ich erlebte (1841) 4, 168; im v. über der treppe hielt ein ritter wache vor der thüre des markgrafen W. Alexis
d. falsche Woldemar (1842) 2, 423; ich musz zum kayser eiln, das vorgemach steht offen Lohenstein
Agrippina (1701) 35; ich darf nicht mehr der groszen schmeichler werden, noch stundenlang im vorgemache stehn Schwabe
belust. (1741) 6, 156; (
wie man) wenn noch der gönner schläft, in vorgemächern wacht J. E. Schlegel (1761) 2, 602; sie (
schmeichler) schweben oft am hof, im falschen vorgemach Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 47; an ihm liegts nicht, dasz nicht Colon als armer bittsteller noch im vorgemache steht Rückert (1867) 10, 462. 33)
in freiem und übertragenem gebrauch; von den personen, die im v.
versammelt sind: die goldne flügelthüre fährt auf; das ganze vorgemach ergieszt sich in den saal Wieland
bei Eschenburg
beispielsamml. z. theorie (1788) 1, 224.
scherzhaft nennt Jung-Stilling (1835) 4, 1, 129
ein zimmer mit vielen heiligenbildern u. ä. ein v. des himmels;
in übertragung: es mste gewiszlich ein antritt oder v. desz himmels seyn Spee
güld. tugendbuch (1649) 44; die erde als ein elendes v. des himmels D. Fr. Strausz (1876) 6, 83; neben und hinter Charon blicken larven hervor, gestalten aus dem v. des orkus Herder 15, 478
S.; ja soll ich gleich dein herz nicht ganz von innen sehen, so öffnest du mir doch des herzens vorgemach Gottsched
ged. 1 (1751) 506; der thörig die gefühle von edelmuth und eignem innern werth im vorgemach Fortunens (
im sinne von 2) in sich nährt Gökingk
ged. (1780) 2, 175;
ebenso: feine spiele scherzen seine sinne wach; durch dies vorgemach schleicht sie nur dem herzen seines fürsten nach Tiedge (1823) 7, 45.
sehr kühn: da ich zufrieden wer, wann mir das vorgemach, den zarten rothen mundt, den süszen honigbach, erlaubet wer so keck nur einmahl zu begrüszen Zinkgref
auserles. ged. 21
ndr. 44)
in zusammensetzungen: dann wurden wir entlassen und verfügten uns zum erzherzog. hier gab es erst ein lustiges