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schwer

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schwer adj.

Bd. 15, Sp. 2541
schwer, adj. gravis, difficilis, mhd. swære, swær, ahd. suâri Graff 6, 890, daneben mhd. swâr, ahd. suâr. ebenda; auch in andern germ. dialecten als ja- oder a-bildung begegnend, got. svêrs (nicht in heutigem sinne bezeugt, vgl. unten II, 9); as. mnd. nnd. swâr; mndl. swaer, swâre, nndl. zwaar; altfries. swere, neufries. swier Richthofen 1060a; ags. swr, swre, swâr Bosworth-Toller 941, engl. mundartlich sweer (ersetzt durch heavy, weighty, difficult u. a.); altnord. svárr, schwed. svr, n. svær (nach Cleasby-Vigfusson 607b aus dem deutschen entlehnt). innerhalb des germanischen scheint schwär, m., schwären, verb., verwandt zu sein (s. diese oben sp. 2281. 82), auszerhalb desselben wird verglichen lit. sweriù, swẽrti, wägen, swãras, swóras, gewicht, swarbùs gewichtig, lett. swért, wägen, heben, swárs, gewicht, swári, wage, swárigs, gewichtig. Schade 2, 903a, lat. serius. Franck etym. woordenb. 1224. — der vocal der herrschenden ja-bildung wird im früheren nhd. wol durch ä bezeichnet, so von Dasypodius und Maaler und noch im 17. jh. Simpl. 4, 26, 18 Kurz (die stelle s. unter II, 1, c). Luther schreibt durchweg die unflectierte form schweer, die flectierte schwer- (s. die unten folgenden belege). doch begegnet um diese zeit auch schon die heutige schreibung in unflectierter form, so Dief. 269b (die stelle s. unter II, 11). der geltung nach ist der vocal heute offenes ē. mundartlich erscheint er zu ī weitergebildet Jecht 102b, was als zwischenstufe wol geschlossenes ē voraussetzt. andrerseits zeigt er mundartlich, so im bair.-österr. einen dem alten ā näheren, einem hellen ā ähnlichen klang, dort die regelmäszige entsprechung des mhd. æ. Schm.2 2, 644. Schöpf 658. das auslautende e der häufigeren mhd. form begegnet noch vereinzelt im 15. und 16. jahrh.: ist aber der mensche an dem leibe swere und das er die augen vor schlaffe kaum auffgetut, das bedeüttet den vallenden siechtumb zukünfftig. Ortolff v. Bayrlandt 3a; ihr lieben gesellen, wer hat euch her gesand yn meine schoten? sie sollen euch werden zu schwere. bergreihen 48 neudruck. Bedeutung und gebrauch. schwer ist im allgemeinen der gegensatz zu leicht. wie bei diesem (s. oben th. 6, 629 ff.) lassen sich auch hier die beziehungen auf gewicht und last oder bürde scheiden, ohne dasz sich die gebrauchsentfaltung bis ins einzelne deckte oder ihr entwicklungsgang gleich zu sein brauchte. die zweite der obigen beziehungen ist hier vorangestellt, weil sie der vermutlichen etymologischen verwandtschaft des worts mit schwären (s. oben) am meisten zu entsprechen scheint. II. in bezug auf last und drückendes. I@11) in verbindungen, die ein tragen, dulden in sich schlieszen. I@1@aa) im engsten sinne von lasten und dem, was von auszen drückend auf den körper wirkt: schwärer last. Maaler 365c, schwere last. Steinbach 2, 542. Adelung, bürde, schweres joch u. ähnl.: eine schwere last auff sich laden. Corvinus fons latinit. (1660) 1, 123a; iʒ (der esel ist gemeint) mag ouh in wâraburdîn dragan suâra. Otfrid 4, 5, 9; daʒ was ein helm. dar ûf man bant einen anker, dâ man inne vant verwieret edel gesteine, grôʒ, niht ze kleine: daʒ was iedoch ein swærer last. Wolfram Parz. 70, 25. im vergleich: sicut onus (iniquitates) grave gravet sunt super me. siû sint ûfen mir so suâre, also suâre burdi. Notker ps. 37, 5 (bei Luther: wie eine schwere last sind sie mir zu schweer worden. 38, 5). bildlich: (Pharisaei) alligant autem onera gravia et importabilia et imponunt in humeros hominum, siê bintent suuârâ burdîn inti ungitraganlîchâ int sezzent siâ in mannô scultirûn. Tatian 141, 2 (bei Luther: sie binden aber schwere und untregliche bürden. Matth. 23, 4); dein vater hat unser joch zu hart gemacht, so mache du nu den harten dienst und das schwere joch leichter, das er uns auffgeleget hat. 1n. 12, 4; mein vater hat auff euch ein schweer joch geladen. 11; geselle dich nicht zum gewaltigen und reichen, du ledest sonst eine schwere last auff dich. Syr. 13, 2; mit abhängigem gen., subjectiv-epexegetischer art: od wie môhte sich gevüegen daʒ daʒ sî mir gnædec würde nâch alsô swærer bürde mîner niuwen schulde? Hartmann v. Aue Iwein 1616, objectiver art: ir reinen herzen burde wart ûʒ der ahte swâr, dô daʒ kint vernam vur wâr, daʒ man sie darzuo meinte (die gemahlin des kaisers zu werden). Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kunigunde 847. sprichwörtlich: lichte burden wêrden swâr. Tunnicius 683; leichte bürden werden ferne schwer. Simrock 291, 6307. in einer bildlichen biblischen wendung: deine (des herrn) hand war tag und nacht schweer auff mir. ps. 32, 4. entsprechend: man musz ihm eine schwere hand auflegen, coercendus est Stieler 1971. ähnlich schwere speisen, die den magen belasten: diu wahtel neuʒt gar swæres eʒʒens. Megenberg 183, 21. schwere bande, fesseln: (ich) bin gekrümmt in schweren eisern banden. geb. Man. 9. bildlich: selbiu diû corruptibilitas corporis ist suâre drûoh, in dero alle guôte sûftont. Notker ps. 78, 11. schwerer druck, ähnlich, mit anlehnung an II; swelher durch sîn ellenim für die stiegen spranc, der sluog er etelîchensô swæren swertes swanc daʒ si durch die vorhteûf hôher muosen stân. Nibel. 1887, 2. entsprechend adverbial, activisch und passivisch: schwer laden, aufladen, caricare soma ò carico grave. Kramer dict. 2 (1702), 716c; schwer aufgeladen haben. ebenda; schwer geladener (heute: beladener) wagen, schwer geladenes schiff. ebenda; endlich so kommt der graf hergefahren, der wagen schwer bepakt. Schiller räuber schausp. 2, 3. mit scherzhafter übertragung schwer geladen haben vom schwerfällig gehenden betrunkenen. bildlich: die thatsache belastet den verdächtigen schwer. s. auch unten schwerbeladen. ähnlich: es liegt mir schwer auf der schulter, bildlich. Kramer dict. 2 (1702), 715c; schwer lag auf mir des scheidens bangigkeit. Schiller Piccolom. 3, 3. in älterer sprache etwas liegt einem schwer, bekümmert ihn: dis lag dem keyser swere, (so) das er siech wart. d. städtechron. 8, 432, 6 (Straszburg, Königshofen). schwer tragen, portar soma grave, carico pesante. Kramer dict. 2 (1702), 716c; man sach ir soumæreharte swære tragen. Nib. 1116, 2. etwas schwer tragen, in älterer sprache, bildlich: doch truog erʒ in dem muote leitlîchen unde swâre. Gottfried v. Straszburg Trist. 13665; er treit den lîp swâre, mit strûbendem hâre, barschenkel unde barvuoʒ. Hartmann v. Aue Iwein 2819. schwer an etwas tragen, bildlich: an einer kunst oder wissenschaft trägt man nicht schwer. Kramer dict. 2 (1702), 716c; denn Blaffardine hielt nicht viel auf tändeleyen, wiewohl sie selbst nicht schwer an ihrem witze trug. Wieland 5, 127 (n. Amadis 16, 23). ähnlich: sîn ros giengen swærevon silber und gewand. Kudrun 270, 2. auch das schwer beladene selbst kann, mit anlehnung an die anwendung im sinne von II, schwer heiszen: die idele wagen sal rumen deme geladenen, unde die min geladene deme sverren. Sachsenspiegel 1, 2, 59, 3 Homeyer. I@1@bb) allgemeiner von beschwerde und not: schwerer dienst, dura servitus. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 221a, schwere dienstbarkeit. Kramer dict. 2 (1702), 716a: man setzte fronvögte uber sie, die sie mit schweren diensten drucken solten. 2 Mos. 1, 11; der dienst war schwer auff dem volck. Neh. 5, 18; Juda ist gefangen im elend und schwerem dienst. klagel. 1, 3. entsprechend in älterer sprache: wir hatten gar einen swêrin herrin. quelle im mhd. wb. 2, 2, 811a. ähnlich: schwere abgaben, die man ja auch als schwere lasten bezeichnet, wie man in solchem sinne auch sagt: einer hat ein schweres dach. schwere arbeit, eine verbindung in der der begriff des erduldens dem bedeutungswandel von arbeit gemäsz besonders in älterer sprache hervortritt, aerumna. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 18a: suuaren arabeitin. quelle bei Graff 6, 890; die Egypter zwungen die kinder Israel zu dienst mit unbarmhertzigkeit, und machten jnen jr leben saur, mit schwerer erbeit in thon und zigeln. 2 Mos. 1, 14; schwere arbeit, und grosz elend auszstehen. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 18a; daʒ was sîn swærstiu arbeit (dasz ihm die fesseln ins fleisch schnitten), ân ander nôt die er leit. Hartmann v. Aue Greg. 3287; sus wert it (geld und gut) gekregen mit swarem arbeide unde groter nôt unde wert beseten in anxte und sorgen grôt unde wert vorlaten mit pinen, wen wi sterven. des dodes danz 81; du (armut) tregest schwerer arbayt last, hast weder tag noch nacht kain rast. H. Sachs fastn. sp. 1, 26, 141 neudruck. adverbial: schwer arbeiten, faticare gravemente, duramente; durare fatiche gravi, penose e difficili. Kramer dict. 2 (1702), 716. schwere not: umme gelt unde gût hebbe ik gehat mannige swâre nôt. des dodes danz 988, eine verbindung, die auch gilt (vgl. c) von körperlichen schmerzen, krankheit, so von geburtswehen, daher schwerenotsmutter, hebamme, dann auch kupplerin Frommanns zschr. 5, 469 (mundart von Iglau), häufiger von der fallsucht und ähnlichen krampfzuständen, die schwere noth, fallende sucht, comitialis morbus Corvinus fons latinit. 1 (1660), 231b, epilepsia Stieler 1337. Kramer dict. 2 (1702), 716b. Steinbach 2, 542. Frisch 2, 248b, von Adelung als niedrig bezeichnet, heute wol nur landschaftlich Jecht 102b, auch in der form schwer-not: ob das kind (ein täufling) nicht den abend noch die schwere noth bekommen? quelle von 1658 bei Vilmar 378; die gicht und schwere noth kan keinen menschen so hinfällig machen. colica 17; man schreibet ihr (einer wurzel) vil tugenden zu, nicht allein wider den schwindel, hertzpochen, entzündung der mutter, colica, sondern auch wider die schwere noth, stiche, wunden, gifftigen kranckheiten. Ettner unw. doctor 801; eine jungfer zu Wettin hatte sich zehn jahr mit der schweren noth geschlept. Paullini philos. feierabend 801; ich weisz, dasz der elste Bernstein die schwere-noth hatt. Elisabeth Charlotte briefe aus den jahren 1707 —1715 109 Holland; er hat vater und mutter mit dem wurfspiesze verfolgt. daher bekömmt er auch noch zuweilen die schwere noth. Lessing 3, 53; für die schwere noth und krampf wird die luchsklau uns verschrieben. Brockes 9 (1750), 273. zu vergleichen: er felt vor schmertzen in die gichter, als wen er die schwer-noht hett. Elisabeth Charlotte briefe aus den jahren 1707 —1715 101; um etwas als schlecht zu bezeichnen: erbsen und bohnen sind hier so mulstrig, wie die schwerenoth. Shakespeare Heinr. IV. 1, 2, 1. freier: die haare fallen einem aus, die nägel wachsen nicht mehr, man hat beständige diarrhöen, kurz es ist eine wahre geistige schwerenoth. Lichtenberg 7, 273. scherzhaft: thu die schwere noth den feisten gänsen an. Rachel 35 (4. sat.). das hängt wol mit dem glauben zusammen, dasz die fallsüchtigen besessen sind und dasz man diese krankheit einem durch teuflische beschwörung 'anthun,' anhexen kann. daher heiszt es verwünschend, auch halb scherzhaft: die schwerenot soll euch regieren. Schink marionettenth. (1778) 188; willst du denn gern die schwerenoth kriegen, kerl (ein soldat), dasz dir der hut nie ordentlich sitzt? Tieck 10, 24; datt die de schwere noth kriggt! di schall de schwere noth kriegen. Stürenburg 241b; deinen Ruprecht holt die schwerenoth! H. v. Kleist zerbr. krug 9. verstärkt, dem allgemeineren sinne von not gemäsz: ei du verfluchter bettelvogt, krieg du die schwerste noth! wunderhorn 1, 139 Boxberger. elliptisch: dasz euch die schwere noth. Lenz 1, 279. 3, 214; dasz dich die schwerenoth! Shakespeare Heinr. IV. 1, 2, 1. auch einfach als ausruf der verwünschung, überraschung, betheurung schwere not! Frischbier 2, 331a. Hunziker 236. Hertel thür. sprachsch. 225, schwernot! Bernd 283, nd. swärnot! Danneil 218a: Knellius: .. (ein werk) wozu riesenarme eines halbgottes gehören, und das ich mich erkühnet, allein zu unternehmen. Sandel. schwerenoth! was ist denn das für ein werk? F. Müller 2, 40; frag einmal das kupfergesicht dort — schwere noth! den hab ich schön ins garn gekriegt. Schiller räuber schausp. 2, 3; Basko: .. ich hab' in Gonzalo's hofe bei Claudinen gestanden, von hier an den tisch, und wer's eh' gewuszt hätte — Crugantino. schwerenoth! wie ging das? Göthe 57, 170. im sinne von adverbialem 'bedeutend, tüchtig' nach der schweren not. verstärkt kreuzschwerenot, schockschwerenot. Spiesz 231, tausend schwerenot: wollt ihr ruh haben! tausend schwerenoth! schert euch 'naus wenn ihr was auszumachen habt. Göthe 8, 7; schock schwere noth! Lenz dramat. nachl. 60 Weinhold; ich wie alle donnerwetter reiszaus und davon — tausend schwerenoth! da ist dir just der vermaledeyte graben dazwischen. Schiller räuber schausp. 1, 2; alle schock kreuzmohren - schwerenoth! J. Paul (die stelle s. unten). dazu schwerenöter, m. dem man die schwerenot wünscht, arger schalk, durchtriebener gesell, ernsthaft und scherzend, wie verfluchter kerl, auch von thieren gesagt, die schwer zu lenken sind. Campe. Vilmar 378. Spiesz 231. Frischbier 2, 331b. Kleemann 20c, schwernöter Bernd 282. Klein 2, 150 (Pfalz). Schmidt 215. Hunziker 236, nd. swärnöter Danneil 218a. Woeste 264b: ists denn aber nun mit dem schwernöther (anm. miserable) zu ende? Hermes Soph. reise 6, 212; er ist ein groszer schwerenöther. Kotzebue dramat. sp. 1, 19; der schwerenöther, schrie Eduard jetzt in einem andern ton, ist doch ganz des teufels! Tieck novellenkr. 4, 383; er macht den schwerenöter, spielt den liebenswürdigen gegen damen: und er rief: 'ihr schwerenöther! welche köstlich schönen gaben habt ihr nicht verzischt, verschliffen! welch' ein pfund habt ihr vergraben! ... Keller apoth. von Chamoung im 1. ergänzungsh. zu Sauers Euphorion 1, 161. als f. dazu schwerenöterin: dem embonpoint der letzen (einer kuh) wird man sein recht gegeben haben, wenn man folgendes lob des schuhflickers Fecht anführt: 'dasz dich alle schock kreuz-mohren-schwerenoth: du schwerenötherin! ..' J. Paul Siebenk. 1, 102. verstärkt schockswerenöter. Jecht 102b. Kleemann 20c. schwerenöther, schwerenöthrigen, schwerenöterchen begegnet im 18. jahrh. in der studentensprache als bezeichnung eines kleinen runden haarbeutels. Kluge studentenspr. 125a (vielleicht weil das als stutzertracht, als unwiderstehlich damen gegenüber galt). ein zu schwerenöter gebildetes verb. nd. swärnötern bedeutet 'fluchen' (schwere not! rufen). Danneil 218a. zu schwere not gehört weiter ein adj. nd. swärnötsch. ebenda. substantivische zusammensetzungen werden mit der form schwerenots- gebildet, die eine verwünschung u. ä. für das damit verbundene wort bedeutet. Hertel thür. sprachsch. 225, so schwerenotsberg, m.: der henker hol' den berg. ist ein schwerenothsberg. Lenz 3, 212, schwerenotskerl, m., schwerenotslappe, m., von einem mantel: geh zum teufel mit der schwerenotslappe. Schink marionettenth. (1778) 185, schwerenotsschelm, m.: kan ich auch den schwerennoths-schelm den botten antreffen, der diesen brieff mit nehmen soll. Chr. Reuter Schlampampe 2, 2 neudruck s. 105. als scherzhafte umbildung von schwerenot begegnet schwerenotnägel: den schlüssel her; und den augenblik, oder die schweren-nothnägel sollen .. Hermes Soph. reise 6, 208, auch schwere nixen (Fulda) Vilmar 378, nd. swernix Woeste 265. vgl. das ebenso gebrauchte schwere angst unter f, schwere last unter a, schwere brett unter II, 1 und schwerack mit den dort erwähnten ähnlichen ausdrücken. solcher anwendung entsprechend adverbial: einen schwer peinigen, plagen. Kramer dict. 2 (1702), 716c; ther (Elias) ju ni liaʒ in nôtinregonôn then liutin, thuangta sie giwâroharto filu suâro. Otfrid 3, 12, 16. I@1@cc) von beschwerlichen zuständen des körpers selbst: schwere kranckheit Kramer dict. 2 (1702), 716b. Adelung, schwerer zustand, zufall Kramer a. a. o., schweres leiden, schwere wunde, verletzung u. ähnl.: so wird die hand des herrn sein, uber dein vieh auff dem felde .. mit einer fast schweren pestilentz. 2 Mos. 9, 3; er ist monsüchtig, und hat ein schweres leiden, er fellt offt ins fewr, und offt ins wasser. Matth. 17, 15; ich besorg die kranckheit werde ye länger ye schwärer werden. Maaler 365b; man pfleget sonsten vorzugeben, wer eine solche kugel (wie sie im magen der gemse gefunden werden) bey sich trüge, soll vor dem schwindel und schwere seuche gesichert seyn. Ettner unw. doct. 801; ich lag eben auf dem siechbett, hatte kaum angefangen aus einer schweren krankheit etwas kräfte zu sammeln. Schiller räuber schausp. 4, 5; thâr he hêlda mid his handunhalte endi blinde, lôsda af theru lêfhêdiliudi manage, af sulîkun suhtiun,sô than allaro swârostun an firihô barnfîund biwurpun. Heliand 1215 Heyne; than ni habda ik thâr êniga helpa,than ik giheftid was, an lîðo-kospun bilokan,efða mi legar bifêng, swâra suhti. 4430; mines lîven nôt si is offenbâr. sîne wunden sint suâr. Marienlieder in Haupts zeitschr. 10, 29, 9; als dein leib lag in kranckheit schwer, tröst ich dich. H. Sachs 11, 464, 40 Keller. adverbial: schwer verwundet sein Campe; schwer krank sein; (im bilde) sie (die sünden) stechent unsih sêrojoh wuntônt filu suâro. Otfrid 4, 25, 7; daher: ein schwerer patient, un ammalato, di malatia grave. Kramer dict. 2 (1716), 716b; si brâhtun ummahtijoh ellu krumbu wihti, ouh horngibruader suâre. Otfrid 3, 9, 6. schwere krankheit ist auch eine bezeichnung der epilepsie Kramer dict. 2 (1702), 716b. Schm.2 2, 644, ebenso schwere sucht (vgl. oben Matth. 17, 15): auff gleiche weisz gebrauchet, sey er (senf an die nase gehalten) denen behülfflich, so mit der schweren sucht beladen seyn. Tabernaemont. (1664) 839 H; Plinius sagt, wann man die rinde (der hauhechel) in honig und essig koche, sey sie gut den jenigen, so mit der schweren sucht beladen seyn. 914 E. vgl.schwere not (s. b) und schwere angst (s. f). auch sonst von körperlichen zuständen, mit gröszerer oder geringerer anlehnung an den begriff des lastenden: schwärer und grimmer tod, mors aegra Maaler 365c. schweres alter, età gravosa, cadente Kramer dict. 2 (1702), 715b; uns sint kind zi beranneju daga furifarane; altduam suâraʒduit uns iʒ urwânaʒ. Otfrid 1, 4, 52. ein schwerer schlaf, ein tiefer, fester Campe wird zwar nicht als beschwerde empfunden, lastet aber doch auf dem körper. Kramer dict. 2 (1702), 716b erklärt sonno angoscioso, con sogni affanuosi, was wie die verbindung schwerer traum nach f weist: ni suârrer slâf ana pleste, ne gravis somnus inruat. Murb. hymn. 16, 3, 1. ebenso schwerer schlummer, vom todesschlaf: nimmer erweckt ihn der fröhliche reigen, denn der schlummer der todten ist schwer. Schiller braut von Mess. 1954. ähnlich schwere müdigkeit, schlaflust: eine schwere schlaflust liegt wie blei auf mir. Macb. 2, 1, schwerer rausch und entsprechend adverbial schwer betrunken, wo das wort dann einfach als 'sehr' empfunden wird. Frischbier 2, 331a (vgl. II, 9, doch auch die im gleichen sinne gebrauchte wendung schwer geladen haben unter a). einem müden, berauschten, kranken ist der kopf, sind die glieder schwer: der kopff ist jm schwär vom weyn, er hat gnuog getruncken. Maaler 365a. dann wird das auch persönlich gewendet (mit annäherung an die unter II, 10 erwähnte bedeutung): von müede sîn wir swære. Hartmann v. Aue Er. 3637; jetzt risz der strom mich fort, mir folgen, obgleich schwer von alter, greis Iphyt und Pelias von stichen. Schiller 6, 368 (lesart: jetzt wich ich der gewalt, mir folgt für (vor) alter lasz Iphyt und schwer von wunden Pelias. 367). I@1@dd) von strafe, unheil und ähnlichem: schwere strafe. Kramer dict. 2 (1702), 716b. Adelung, busze u. ähnl.: dô man die swæren gotes zuht (krankheit) gesach an sînem lîbe. Hartmann v. Aue arm. Heinrich 120; hunger, dorst unde sware karynen de lydet he nu vor syne sunde. Reinke de Vos 288 Prien; ihr wart in straf' gefallen, musztet euch, wie schwer sie war, der busze schweigend fügen. Schiller Tell 1, 4. adverbial: so schwer straft gottes zorn mich nicht. dom Karlos 2, 13; schwer hat Cäsar auch dafür gebüszt. Shakespeare Cäsar 3, 2. schwerer bann, schweres interdict, schwere verdammnisz: in swæren bennen. quelle im mhd. wb. 2, 2, 811a; die werden deste schwerer verdamnis empfahen. Luc. 20, 47; alle die int lant sijn gheseten, ist coninc, ist vrou, ist wijf of man, sel ic brenghen in des paues (pabstes) ban, ende seinden een interdict so swaer, dat men ensel voor noch naer doden graven, singhen noch lesen. Reinaert II 4585. schwerer eid, dessen bruch schwere strafen nach sich zieht: der münch gelobts jme mit eym schweren eyd. Fischart bienenkorb 143b; ik segget by myneme swaren eede. Reinke de Vos 466 Prien. schweres unheil, schwere gefahr: ein schweres unheil ist verhütet worden; eine so schwere gefahr umschwebte das haupt des knaben. Schiller 9, 343; uns nâhet ein unheil, daʒ ist leider also swâr, daʒ ich eʒ niht gesprechen tar. Herbort v. Fritzlar 9596. adverbial: die schwer gefährdete wohlfahrt des volks. I@1@ee) von moralisch belastendem. I@1@e@aα) schwerer verdacht, schwere beschuldigung, klage: (die juden) brachten auff viel und schwere klage wider Paulum. apostelgesch. 25, 7; also verhört er sie beiderseits, und wiewol die clagen ganz hoch und schwerr, iedoch verainiget sie herr Schweikhart mit aim spruch. Zimm. chron.2 2, 323, 31. schwerer schimpf. Kramer dict. 2 (1702), 716b, schwere beleidigung, schmach: zu dir (gott) hebe ich meine augen auff, und bitte dich, das du mich erlösest aus dieser schweren schmach. Tob. 3, 16. entsprechend adverbial: du hast sie schwer beleidigt. Schiller don Carlos 2, 15. ähnlich: so hofft' ich denn vergebens, hier verwahrt, von meines hauses schicksal abgeschieden, dereinst mit reiner hand und reinem herzen die schwer befleckte wohnung zu entsühnen! Göthe 9, 77. I@1@e@bβ) schwere sünde Kramer diction. 2 (1702), 716b. Adelung, missethat, lasterthat; schweres laster, crime, delitto, misfatto grave. Kramer a. a. o., verbrechen Adelung u. ähnl.: der gravia peccata (suârea sunda) netuôt Notker ps. 39, 13; jre sünde sind fast schwere. 1 Mos. 18, 20; meine schwere sünde sind durch seine straffe erwachet, und mit hauffen mir auff den hals komen. klagel. 1, 14; gott verzeih mir meine schwere sünde. Schiller räuber schausp. 5, 1; lêread gi liudiô barnlangsamna râd, fruma fordwardes,firin-werk lahad, swâra sundea. Heliand 1853 Heyne; sum man than mid-firimên farlâtit, swâra sundiun. 3478; sie haftun nan (Christus) mit wuntonbi unsên suârên sunton. Otfrid 2, 9, 85; suntâ filu suâro,thaʒ sagên ih thir giwâro, ni liaʒun se unsih frowôn,thaʒ rehta lioht bisowôn. 3, 21, 9; daʒ lantvolc hât ûf mich geseit eine schult sô swære. Hartmann v. Aue Iwein 4051; der edle Brutus hat euch gesagt, dasz er (Cäsar) voll herrschsucht war; und war er das, so war's ein schwer vergehen. Shakespeare Cäsar 3, 2. adverbial: sich schwer versündigen. Campe; schwer fehlen. daher schwerer sünder, schwerer verbrecher: o ich bin eine schwere sünderin. Schiller kab. u. liebe 1, 3; eʒ kumt noch die zît, daʒ im sîn got buoʒ gît, dem und manigem sundær swære. Ottokar 95326 Seemüller. schwerer dieb, im bilde dem begriff des lastenden gemäsz eigenartig verwendet: wir kleinen dieb zalen das gloch und tun dem lant doch wenig schaden, das doch ist überschwer beladen mit solchen groszen schweren dieben. H. Sachs spruchged. nr. 10, 89 Tittmann. in der gaunersprache wol daher mit veränderung der auffassung schwerer junge, groszer gauner. Avé-Lallemant 4, 552. I@1@ff) in bezug auf angst, kummer und leid: schwere angst. Kramer dict. 2 (1702), 716a, furcht: sie thô lûto irharêtunthuruh thia suârun forahtun. Otfrid 3, 8, 25. als verwünschung, ausruf der verwunderung, verlegenheit: dasz dich die schwerangst (treffe). Bernd 283; schwere angst noch einmal! Spiesz 231; schwereangst! Frischbier 2, 331a; schwernangst! (auch entstellt zu schwernungst). Hertel thür. sprachschatz 225. dazu schwerängster, einer über den man diese verwünschung ausstöszt. Bernd 283. vergl.schwerenot unter b. adverbial: sich schwer ängstigen. in verwandtem sinne ein schwerer traum, der den druck der angst hervorruft. Kramer diction. 2 (1702), 716b: deszhalben jm ein schwerer und harter traum zustund. buch der liebe 250c; danne ubir zwei iârgesach der chunich fur wâr einen trôm swâren. gen. u. exod. 1, 83, 2 Diemer. bildlich: ich habe in einem langen schweren traum gelegen. Schiller don Carlos 5, 11. entsprechend adverbial: troume iu danne iht swâre, so sult irs iu zwâre nemen eine mâʒe. Hartmann v. Aue Iwein 829. schweres leid, schwerer kummer, verdrusz, ärger, schwere sorgen, gedanken u. ähnl.: eigen weissagung und deutung und trewme sind nichts, und machen doch einem schwere gedancken. Syr. 34, 5; demnach hab ich auch mit schweren gedancken zuohertzen genummen, wʒ jr mein aller liebste junckfrau zorniger, harter, und streflicher wort .. hand hören müssen. Wickram goldf. S 2a; was, sagte sie, du ehrvergessener vogel, wilstu wieder aus dem hause lauffen, und mir die schweren haussorgen allein auf dem halse lassen? Weise erzn. 11 neudruck; sich schwere gedanken über etwas machen. Kramer dict. 2 (1702), 716a; der schwartze teuffel hohl ein andermahl das borgen, ein ander lebet wohl von meinen schweren sorgen. Rachel 35 (4. sat.); schwer ist der kummer, der den feldherrn drückt. Schiller jungfr. von Orleans 2, 2. adverbial: schwer bekümmert; schwer betrübt. Campe; dat deit mi schwr lêt. Frischbier 2, 331a; etwas reut einen schwer, und dann auch einer bereut etwas schwer: (das pferd) das er einem so gefährlichen menschen, wie Hackert, übergeben zu haben schwer bereute. Gutzkow r. v. g. 3, 135. ähnlich: der (gott) kan iuwer baʒ gepflegn und ruoche iu durch sîne güete iuwer swæreʒ ungemüete vil schiere verkêren ze vreuden unde ze êren. Hartmann v. Aue Iwein 5538. schwerer mut, schweres gemüt, vom bekümmerten, bedrückten innern, heute wegen des begriffswandels der substantiva veraltet (vgl.schwermut): wiewol mir die schrecklichen zeichen und wunder, so diese zeit her geschehen sind, einen schweren mut machen. Luther 3, 123b; welt ir den brunnen und daʒ lant niht verliesen âne strît, sô warnet iuch der wer enzît, und lât iuwern swæren muot. Hartmann v. Aue Iwein 1861; wan ir seite ir swærre muot ... daʒ er ze lange wolde sîn (ausbleiben). Wirnt v. Gravenberg Wigal. 1074; ze hant wirt mîn gemuete swâr. minnes. 3, 44b Hagen. vom herzen, schon ahd., aber nach fremdem vorbild: filii hominum usque quo gravi corde? menniscon chint, uuiê lango uuellent ir sîn in suâremo, daʒ chît in ungeloûbigemo herzen? Notker ps. 4, 3; mein hertz ist mir schwer, mi sento il cuore angosciato, affanato, oppresso. Kramer dict. 2 (1702), 716a; dasz er alles sehen verwünschte, und einen zweiten grund bekam, sein schweres herz ins stille land zu tragen. J. Paul unsichtb. loge 2, 110; bei mir und Karlson war vor-vorgestern nichts daran schuld, als .. dasz menschen mit bleichem gesicht und schwerem herzen blühende und beglückte bedienten. Kampan. 6. einem das herz schwer machen. Kramer dict. 2 (1702), 716c. Adelung, schwerer: ich will dir dein herz nicht noch schwerer machen. Schiller kab. 5, 1. etwas mit schwerem herzen thun: mit schwerem herzen weggehen. Adelung; ich begleitete daher meine landsleute mit schwerem herzen bis zum schiff und blieb selbst in Neapel zurück. Grillparzer (1887) 15, 93; mit schwerem herzen scherzt' ich dann. Schiller dom Karlos 2, 3. dann entsprechend einem wird, ist schwer, mit dem zusatz im mute u. ähnl.: was imo unôðoinnan breostun, an is seBon swâro. Heliand 3296 Heyne; mir ist swær in mînem muote. Boner 23, 9, aber auch ohne solchen: swie mir danne wære, sanfte oder swære. Hartmann v. Aue büchl. 1, 188; swie guot gemach dâ wære im was dâ vil swære. Erec 7241; was sinnt er nur? mir wird so bang und schwer. Grillparzer (1887) 6, 91, und einer ist schwer, schwermütig: ich war gar einsilbig, ich war ermüdet und trotz meiner heftigen theilnahme an der johannislust innerlich schwer und traurig. Cl. Brentano 4, 133; er ist nicht heiter. warum ist er's nicht? ihr, tante, habt ihn mir so schwer gemacht! Schiller Piccolom. 3, 4. mit einem vergleichenden zusatz, der nach II weist: die tôren sprechent snîâ snî, die armen liute owê owî. des bin ich swære alsam ein blî. Walther 76, 3. weiter von äuszeren anzeichen eines bedrückten herzens, von dem, worin es sich verrät: schwerer seufzer. Campe; Lewfrid wendet sich mit einem grossen und schweren seufftzen von der junckfrawen Angliana. Wickram goldf. D 3b; wiewol er manchen schweren seufftzen von jm hören thet. buch der liebe 250c; ein schwerer seufzer entrang sich seiner brust; noch manchen seuffzen schwere kompt uns ein schaden dar. bergreihen 48, 1 neudruck. adverbial: schwer seufzend Campe. in ungewöhnlicheren verbindungen: Bertha (mit einem schweren blick auf ihn). Schiller Fiesko 1, 10; dann zog ihnen (scheidenden) sein schweres auge durch alle zweige und tiefen nach. J. Paul Hesp. 2, 24; sie war eben aufgestiegen, um in einer verhüllten minute näher an den sternen alte schwere thränen einsam zu vergieszen. Kampan. 76. auch auf neigung zur schwermut, schwermütige veranlagung gehend: Verrina. verschworener republikaner. mann von 60 jahren. schwer, ernst und düster. Schiller Fiesko personenverz. schlieszlich im allgemeinen sinne von trübe, düster, vom wetter, schwär wätter, dunckel oder schwärmütig wätter, gravitas coeli Maaler 365a; der tac ist vrœlîch unde clâr, diu naht trüebe unde swâr wand sî diu herze trüebet. Hartmann v. Aue Iwein 7386; ich barg es tief in schwerer nächte schoosz, nun liegt es klar am hellen tage blosz. Göthe 47, 123; es die Lippe klr un et Sûerland swâr dann folget guəd wEer snr (schnell). Woeste 265a; von wohnungen düster, altmodisch. Stalder 2, 363. so wieder dem sinne des drückenden nahe, wie auch in der folgenden auf geistiges bezüglichen wendung: es ist der character der Deutschen, dasz sie über allem schwer werden, dasz alles über ihnen schwer wird. Göthe 19, 130. I@1@gg) vom leben: (zur geliebten) du senfte mir daʒ swære leben unde biut mir schiere dîne hant, ald' ich muoʒ in sorgen sweben. minnes. 2, 266b Hagen; ein schweres leben haben; allgemein, auch scherzend gesagt von leuten, die es gut haben: das leben ist schwer. heute empfinden wir hier schwer als 'mühevoll,' nicht als 'kummervoll,' wie es in dem mhd. beleg erscheint, ebenso in der entsprechenden, heute veralteten adverbialen fügung: sî lebet noch, swâ si sî, entweder verre oder hie bî. dâ von lebe niht sô swære. Fleck Flore 2503. wir sagen im gleichen sinne wie ein schweres leben haben auch es schwer haben. ähnlich: eine schwere jugend gehabt haben. I@1@hh) von der zeit die beschwerde bringt: schwäre und überlägne (beschwerliche) zeyt, tempus grave Maaler 365b, schwere zeit, tempora dura, aspera Corvinus fons latinit. 1 (1660), 663a, schwere zeiten, tempora tristia, acerba, gravissima Stieler 1970. Steinbach 2, 542. Frisch 2, 248b, wo der unterhalt mit vieler mühe verbunden ist. Adelung, aber heute wie früher nicht blosz in dieser besonderen auffassung der beschwerlichkeit, obgleich weniger im sinne des kummervollen, wie ihn ältere belege zeigen (s. unten); ebenso schwärer unnd überlägner oder unglückhafftiger tag, lux acerba Maaler 365c, schwere stunde u. ähnl.: wenn ers (geborgtes geld) sol widergeben, so verzeucht ers, und klagt seer, es sey schwere zeit. Syr. 29, 6; weil aber die Jüden, so bey den Schythen woneten, jnen zeugnis gaben, das sie jnen alle freundschafft in den schweren zeiten bewiesen hetten, stelleten sie sich auch freundlich gegen sie. 2 Macc. 12, 30; das war ein schwerer tag für mich; hier ist io wêwojoh allo zîti sêro joh stuntâ filu suaro,thaʒ wiʒist thu giwâro. Otfrid 5, 23, 92; ir habet mirs (vom Nibelungenhort) noch vil wênicher ze lande brâht, swie er mîn eigen wæreund ich sîn wîlent phlac. des hân ich zît vil swæreund manegen trûrigen tac. Nibel. 1681, 4; disiu nôt (liebeskummer) alleine tuot mir manegen swæren tac. Walther 14, 29; si sprach (zum gefangenen Iwein) 'ich wæne ir swæren tac und übele zît hinne tragt'. Hartmann v. Aue Iwein 1740; die fraw ser erschrack us süssem schlauff traurig zwar, sy sprach: obe der swären zeit! an meinen armen leit so lieb so zart ain jüngling clǎr, den will benemen mir der tag. Hätzlerin 1, 8, 18; erwäge, was vor glücke gott deiner väter schaar erzeigt in schweren zeiten! Gerhardt 279, 61 Gödeke; kamerad, die zeiten sind schwer, das schwert ist nicht bey der wage mehr. Schiller Wallensteins lager 11. die schwere stunde eines weibes, die zeit des gebärens: dort beim busch am grabenbort hat mich die schwere stund' überrascht, unter donner und blitz hab' ich im korb geboren. Anzengruber 3, 132. I@1@ii) vom wetter, das beschwerde oder gefahr bringt: schwärer oder überlägner (beschwerlicher) summer, aestas gravis Maaler 365c, schwerer winter, harter: maniges herzen klage, die nu der swære winter gît. minnes. 1, 196a Hagen. prädicativ: der kalte winter was mir gar unmære. ander liute dûhte er swære: mir was die wîle als ich enmitten in dem meien wære. Walther 118, 34. auch sonst mit bezug auf naturerscheinungen, die beschwerlich sind oder gefahr bringen. in rein körperlichem sinne wie 'drückend': 'n swaren lücht, schwüle luft. ten Doornkaat Koolman 3, 372a (vgl. auch die anwendung im sinne von 'trübe, düster' unter f), meist aber in obigem sinne: schwär und grausam erschrockenlich wätter, tempestas atrox Maaler 365a, überlägner schwärer wind, gravis ventus. 365c, welche beiden fügungen von Campe als in der seemannssprache üblich bezeichnet werden (vgl. Bobrik 618b), aber so wenig darauf beschränkt sind wie schweres gewitter, schwerer donner u. ähnl.; in vergleichen: dieser miszmut hängt wie ein schweres wetter über der republik. Schiller Fiesko 2, 4; nicht anders, als dafern die schwefel-lichte macht durch wolck und schlösser bricht; der schwere donner kracht. A. Gryphius (1698) 1, 42. freier seemännisch schwere see, die hohlgehende, grosze, heftige see. Campe, wenn die wellen hohl gehen und mit heftigem stosze gegen das schiff schlagen. Bobrik 618b. I@1@kk) ähnlich von anderem, was nach auszer hin beschwerlich oder bedrohlich wirkt, doch heute allgemein nur so, dasz in dem substantiv schon ein derartiger begriff liegt. schwerer zorn, hasz, die anderen beschwerlich sind: sein (des herrn) zorn brennet, und ist seer schwer. Jes. 30, 27, aber auch ohne so enge beziehung zum begriff des drückenden: der grôʒ meister Basilius spricht von dem kämel oder von dem kämlein, daʒ eʒ des pœsen gar ain starch gedæhtnüss hab und ainen swærn zorn und halt den lang. Megenberg 124, 11; ähnlich: wenn's nur dein spiel gewesen, glaube mir, du wirst's in schwerem ernste büszen müssen. Schiller Wallensteins tod 1, 3. einen schweren zorn, hasz auf einen haben; entsprechend adverbial: das haszt sich schwer das lumpenpack. Göthe 12, 228. I@1@ll) in den bisher erwähnten fügungen deutet das subst. in der regel an sich schon die beschwerlichkeit, bedrohlichkeit oder eine beziehung zu der person an, für die schwer gilt, oder diese person selbst wird bezeichnet. seltener ist, besonders in neuerer zeit ein gebrauch über diese grenzen hinaus im sinne von 'beschwerlich, schlimm, leidig': ein meister sprichet ein swêr wort, daʒ di hantwerg inhaben keinen chôr in deme himele dar în si hôren, wanne di lûte di si ubin di meinen sich selber. myst. 1, 158, 11; vil gresselik unde swar sint desse rede. quelle bei Schiller-Lübben 4, 485a; darumb ist es ein schweres wesen zu unsern zeiten, das man viel messen helt, und nur auf messe stifften eilet, und leider das furnemest, darumb die messen sind eingesetzt, nachbleibet, das ist die predigt. Luther 1, 81a; denn nicht lang nach dem abscheidt jhnen (den jungfrauen) ein fast leydige unnd schwere bottschaft von jnen (den rittern) kam. buch der liebe 249d; spuan er (der teufel) io zi nôtijenan (Adam) zi ubarmuati, zi giri ioh zi ruamezi suâremo rîchiduame. Otfrid 2, 5, 8; an disem ungewinne, erzeigte ouch vrou Minne ir swære gewonheit: si machet ie nâch liebe leit. Hartmann v. Aue Greg. 283. vereinzelt noch in neuerer sprache, so substantivisch: auch drüben unter'm wald geht schweres vor, und blutig wird's gebüszt. Schiller Tell 1, 4; adverbial: Iphigenie. meinen vater und deinen gatten — hasz' ihn nicht! Clytemnestra. o! der soll schwer genug an dich erinnert werden! Iphig. in Aulis 1809 (5, 6), ebenso von lebewesen selbst, nach fremdem vorbild: in populo gravi laudabo te .. in suâremo liûte lobon ih dih. Notker ps. 34, 16; denn das weis ich, das nach meinem abschied werden unter euch komen schwere wolffe (lesart, nach λύκοι βαρεῖς, später grewliche). apostelg. 20, 29; diese stelle macht auch die selbständigkeit der folgenden verdächtig: sie sint iu in anarâtinin scâfînen giwâtin, thâr bûent inne in wârewolvâ filu suâre. Otfrid 2, 23, 10 (nach Matth. 7, 15: lupi rapaces, ἅρπαγες). sicherer ist die der folgenden: herr Leonhart bracht schrifft, aber Eck flicket an einem schlegel etc. er bracht geringe wahr, als er ein schweer kauffmann ist. Luther 3, 416b. ähnlich vielleicht noch in neuerer sprache: er war ein stolz verdrieszlich schwerer narr. Schiller jungfrau von Orleans 1, 2, wozu man Syr. 22, 17. 18 vergleichen könnte. doch vgl. auch II, 10. I@22) in verbindungen, die auf ein thun, ausführen, bewirken gehen, dem hindernisse entgegen stehen. I@2@aa) in gewissen fügungen setzt zwar das substantiv eine äuszerung einer andern person voraus, betont aber mehr ein ausführen als ein ertragen: das ist die liebe zu gotte, das wir seine gebot halten, und seine gebot sind nicht schweer. 1 Joh. 5, 3; thaʒ imo (Adam) ouh ni wârithaʒ gibot zi filu suâri, joh iʒ mohti irfullenmit gilustlîchemo willen: liaʒ (gott) inan waltan allesthes wunnisamen feldes. Otfrid 2, 6, 9. I@2@bb) in andern wird zwar ein ausführen bezeichnet, aber mehr ein leiden betont: die trennung ist schwer. Adelung; lebe wol du lieber ofen, der alte Daniel nimmt schweren abschied von dir. Schiller räuber schausp. 5, 1. I@2@cc) vielfach aber wird das ausführen, das anspannung der kräfte fordert, hervorgehoben. so deutlich in bezug auf functionen des körpers, schwerer athem. Corvinus fons lat. 1 (1660), 222, schweres gehör Kramer dict. 2 (1702), 716c, adverbial schwer athmen Adelung, hören Campe, schwere geburt. dann auch in bezug auf anderes, dessen ausführung, leistung, überwindung anspannung der kräfte, körperlicher oder geistiger, fordert, was besondere fähigkeit, geschicklichkeit verlangt: schwärer oder böser zugang, stotzig, arduus aditus Maaler 365c, heute ohne nähere bestimmung in allgemeiner anwendung als adj. meist auf ein erlernen oder erfassen bezogen, wie es auch früher schon erscheint, sonst in der regel näher bestimmt oder durch schwierig ersetzt, schwere frag, quaestio difficilis, obscura. Corvinus fons lat. 1 (1660), 527a, schwere kunst, cognitio multis difficultatibus obstructa Stieler 1970 u. ähnl.: wer zu viel honig isset, das ist nicht gut, und wer schweer ding forschet, dem wirds zu schweer. spr. Sal. 25, 27; (im bilde) aber wie war es möglich, dasz der mann, der das schwerste instrument so geschikt handhabte, so unglüklich auf einem weit leichteren spielte. Schiller 7, 135; die glôse unde simele (gleichnis) dâ darf ich gûte helfe zuo ..., sol die werden ûʒ geleit, wan diu rede ist alsô swâr, daʒ ich niht vollen grîfen tar an die glôse die sie hât. Heinr. v. Krolewitz vaterunser 2116. sprichwörtlich: alle anfänge seynd schwer. Kramer dict. 2 (1702), 716a, aller anfang ist schwer. Simrock 15, 312; aller anfang ist schwer! das mag in einem gewissen sinne wahr seyn; allgemeiner aber kann man sagen: aller anfang ist leicht, und die letzten stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen. Göthe 21, 50; der anfang ist an allen sachen schwer. 11, 351; aller anfang ist schwer, am schwersten der anfang der wirthschaft. 40, 252; scherzhaft: aller anfang ist schwer, sprach der dieb und stahl zuerst einen ambosz. Simrock 15, 313; aller anfang ist schwer, blot nich bi't steensammeln, segt de buur. Wander 1, 80 (Mecklenburg); aller anfang ist schwer, säd de bur, do wull he de koh bi'n schwans in'n stall trecken. ebenda. I@2@dd) im adverbialen gebrauch auch heute noch allgemeiner üblich, nicht nur in verbindungen wie: schwer begreifen. Campe, sondern auch: der berg ist schwer besteigbar; das läszt sich nur schwer ausführen, gewinnen; das wurde schwer erkauft; wird sie (die Eboli) der königin es je vergeben können, dasz ein mann an ihrer eignen schwer erkämpften tugend vorübergieng, sich vor dom Philipps frau in hofnungslosen flammen zu verzehren? Schiller dom Karlos 3, 2. solche adverbiale fügungen entsprechen adjectivischen, wo schwer mit einem inf. mit zu verbunden ist. vgl. 3, g. I@2@ee) ferner einen schweren kopf haben, schwer begreifen. Adelung. im wortspiel mit der bedeutung II, 1: der hoch zwar wil hinausz, hat Grollus einen geist, doch ist sein kopff was schwer der jhn herunter reist. Logau 1, 92, 85. vgl.schwer von begriff unter 3, f. I@33) eigenthümlichkeiten des prädicativen gebrauchs. I@3@aa) eingeschränkt gegenüber früherer anwendung ist heute schwer sein mit dat. der person. es begegnet im früheren nhd. gelegentlich, häufiger in vornhd. zeit I@3@a@aα) im sinne von 1, zur bezeichnung einer (meist inneren) beziehung auf äuszere verhältnisse, bethätigungen, zustände, eigenschaften andrer personen. bei subst., vermittelt durch inf. und ahd. zi. vgl. g: hina, hina nim inaninti crûzo then man! sîn gisiuni ist uns in wârzi sehanne urgilo suâr! Otfrid 4, 24, 16, aber auch allein: Parzivâl verstuont dô sich daʒ eʒ Sigûne wære: ir kumber was im swære. Wolfram Parz. 440, 22; er sprach, er hete ein schœner wîp, und diu im lieber wære. diu rede was mir swære. 619, 6; sî iuwer werdekeit dekeinen bœsen zagen swære. Walther 85, 4; mir was ir rede swâr. 121, 39; und was im vil swære ir laster und ir arbeit di sî von sînen schulden leit. Hartmann v. Aue Iwein 5164; kint, got wart nie niht sô liep, sô mære, als im ist d(i)emuetekeit an mannen und an wîben, unt dâ wider nie niht alsô swære, sam diu hôchvart, wan si kan ir kint ze der helle trîben. minnes. 2, 277a Hagen; wand im ouch von herzen swære was der edlen fursten tôt. Ottokar 3296 Seemüller; Pilate, thu das abe gar und schribe ander wort dar! want dise wort sint uns swere. Alsfeld. pass. 5750. bei sätzen, meist in verbindung mit einem demonstrativpronomen oder einem ähnlichen hinweisenden wort bei abhängigem satz: wan friesche daʒ mîns herzen trût, welch ritters leben wære, daʒ wurde mir vil swære. Wolfram 117, 26; daʒ diz klôster nie gewan ein solchen suochære, daʒ ist mir immer swære. sperw. 234; Nicolâo was vil swêre daʒ in ieman aldâ vant. pass. 10, 26 Köpke. bei selbständigem satz: eineʒ ist mir swære, dû sihst bî mir hin und über mich. Walther 50, 21; mort litten die sündere,daʒ was dir junckfraw swäre. Muscatblüt 73 (nr. 26), 51. zuweilen ist die beziehung zwischen dem hinweisenden wort und dem satz, der das logische subject zu schwer bildet, grammatisch loser: er sprach: enwære iʒ dir herre niht swære, ich wolde dich ein lützele vrage. Rolandslied 64, 18. I@3@a@bβ) auf andere personen selber bezogen, vgl. ein schwer herre oben unter 1, b: he (Caligula) was och Pylato also swar, dat he sich selven dodede. deutsche chron. 2, 92, 22 Weiland; den steden Magdeborg und Halle were he (bischof Ludwig von Meiszen) gar swar geworden, wente he was ein vundich (findig, listig) here und van groter bord und vrunden. d. städtechron. 7, 285, 10 (Magdeburg 1382); (wir) haben auch nicht ehre gesucht von den leuten, weder von euch, noch von andern, hetten euch auch mögen schweer sein, als Christi apostel. 1 Thess. 2, 7; in (den Ungarn) was ze houbtman gegeben von Agrim herzog Stephan. der was sô hôchvertic ein man, daʒ er den liuten was ze swære. Ottokar 2353 Seemüller mit näheren bestimmungen: ich prüeve daʒ wol unde spehe daz ir z' eim ingesinde mir ze swære sît. Konrad v. Würzburg Otte 362; (ein thier spricht in der fabel zum andern:) du bist mir in den ougen swær. Boner 28, 10. I@3@a@gγ) seltener zum ausdruck einer beziehung auf äuszerungen der gleichen person für die schwer gilt. mit abhängigem satz: solchs ist schweer einem vernünfftigen man, das er umb der herberge willen, solche wort fressen mus, und das man jm auffrücket, wenn man jm gelihen hat. Syr. 29, 35; der wirt sprach 'swar ir kêret, daʒ ist mir gar unmære, und muoʒ mir wesen swære daʒ ichs (die tochter) ie iuch an gebôt ... Hartmann v. Aue Iwein 6830. mit inf.: es ist dem herrn nicht schweer, durch viel oder wenig helffen. 1 Sam. 14, 6. I@3@a@dδ) auf dieselbe person zurückbezogen, reflexiv: sie waren jnen selbs schwerer, denn die finsternis. weish. Sal. 17, 21. I@3@a@eε) heute ist es noch gebräuchlich mit inf. und zu, wie es auch schon früher erscheint: es wird dir schweer sein, wider den stachel zu lecken. apostelgesch. 26, 14; mir ist warlichen schwer dich zu lassen. Galmy 195. häufiger gebrauchen wir auch hier, besonders in gewöhnlicher rede, schwer sein für einen oder andere fügungen. I@3@bb) auch der gebrauch von schwer werden mit dat. der person erscheint heute früherer anwendung gegenüber modificiert. I@3@b@aα) auf die ältere zeit beschränkt ist die beziehung auf einen satz. im sinne von 1: iʒ sol dich vil sêre gerûwen scol ich mînen lîp hân des (lesart thaʒ) du nu zu mir hâst getân iʒ wirdet dir vile swære. Rolandsl. 50, 12; mîn stûbe stêt gar âne tür,daʒ ist mir worden swære. minnes. 2, 96b Hagen. nach 2 überleitend: wir merken, das uns eben schweer wil werden, das wir uns der mühe unterstanden haben, denn es gehört vil erbeit und grosser vleis dazu. 2 Macc. 2, 27. I@3@b@bβ) ebenso die beziehung auf einen inf., im sinne von 2: es wird dir schweer werden wider den stachel lecken. apostelgesch. 9, 5. I@3@b@gγ) wir können sagen: die last wird mir schwer, dafür lieber: zu schwer, die arbeit wird mir schwer; meist verbinden wir es mit inf. und zu: es wird dir schwer werden mit ihm zurecht zukommen. Stieler 1970; wird es dir schwer, einen meineidigen zu vergessen. Adelung; schwer wird es mir, an eines (der zeugnisse) nur zu glauben. Schiller dom Karlos 3, 5. I@3@cc) ebenso ist bei schwer dünken mit acc. der person veraltet ein satz mit dasz im sinne von 1: las dichs nicht schwer dünken, das du jn frey los giebst. 5 Mos. 15, 18, auch es dünkt mich schwer zu sein, dasz, im sinne von 2: denn sie war eine jungfraw, und dauchte Ammon schweer zu sein, das er jr etwas solte thun. 2 Sam. 13, 2. heute nur mit inf. und zu. I@3@dd) ähnliche fügungen, in denen ein dativ oder accusativ der person erscheint, sind einem schwer fallen. Kramer diction. 2 (1702), 716b, heute nicht bei concreten, dem sinne von 1, a gemäsz: einem jeden fällt sein bündel schwer. 715c, was natürlich bildlich gemeint ist, sondern nur in fügungen wie: die arbeit fällt mir schwer; es fällt mir schwer dir das zu sagen. das gleiche gilt für einem schwer ankommen. Kramer dict. 2 (1702), 716c. Adelung, auch einen. Steinbach 2, 542. Frisch 2, 248b: deine rechnung wird dir schwer ankommen, elaborandum tibi erit in ratione reddenda. Stieler 1970; zu überzeugen fällt keinem überzeugten schwer. Schiller don Carlos 2, 10. in solchen wendungen nähert sich schwer adverbialer anwendung wie sie sicher vorliegt in dem gleichbedeutenden: das geht ihm schwer ein. Adelung. I@3@ee) mit persönlichem subject heiszt es in älterer sprache schwer zu etwas sein, abgeneigt: to der bede was de konyng ghans swar. quelle bei Schiller-Lübben 4, 485b; bath ene (den pabst), dat he ene den prediger orden wolde bestedighen. do de pawes dar swAer to was. quelle ebenda; solchs schreibe ich, dasz ich zumal schwer dazu bin, die gewissen trostlos odder in zweifel zu lassen, wo nicht helle, klare sprüche dahin zwingen. Luther br. 3, 262; ich bin ubel geneigt und schwer dazu in dieser sach, so hals oder blut gericht belanget, zu raten. schriften 8, 375a. reflexiv gewendet: do se horeden, dat van vruchten de vorste begerede vrundliker dage, da makedense sik dar swar to. quelle bei Schiller-Lübben 4, 485a. sinnverwandte fügungen mit persönlichem subject, in denen schwer jedoch adverbiale function hat, sind das heute gleichfalls veraltete schwer dran kommen, weigern. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 305a und schwer daran gehen. Adelung. I@3@ff) persönliches subject zeigt auch die neuere wendung: schwer von begriff sein, schwer begreifen. I@3@gg) ohne den ausdruck der beziehung auf eine person durch einen dat. ist schwer sein mit inf. und zu gleichfalls eine in neuerer zeit besonders übliche verbindung, die durchweg im sinne von 2, und zwar auch heute in allgemeinem sinne gebraucht wird. es heiszt es ist schwer etwas zu thun: denn wir sehen, wie die zaal in einander geworffen ist, das es schweer wil sein, die historien, weil sie also auff einem hauffen ligen, recht zu fassen. 2 Macc. 2, 25; so schwer es ist das kämpfende schiff gegen die winde zu lenken. Schiller räub. schausp. 1, 2; ist es so schwer zwischen himmel und hölle zu wählen? 2, 3; ist denn die krone so ein einzig gut? ist es so bitter schwer, davon zu scheiden? jungfrau von Orleans 1, 6. aber auch etwas ist schwer zu thun, so dasz der infinitiv in nähere beziehung zu schwer tritt und einem passiven begriff gleichkommt: das ist aber schwer zu erkennen. Luther 3, 5a; das ist leicht zu sagen, aber schwer zu thun. Kramer dict. 2 (1702), 715b; eine wahre, so schwer zu verkauffen (sc. ist). ebenda; keine irrthümer sind schwerer zu heben, als die ihren schutz in dem natürlichen character unseres geistes finden. Gellert bei Adelung; das ist schwer zu glauben, zu erreichen, zu machen; zi zelenne ist iʒ suâri. Otfrid 5, 19, 7; mit heute ungewöhnlicher wortstellung: ir (der propheten) wort diu sint alle wâr, sie sint aber zuo vernemene swâr unde neweiz vil maniger, waʒ eʒ ist. Heinr. v. Krolewiz vaterunser 1628. in solcher anwendung kann dann auch eine person als subject erscheinen: schwer zu unterscheiden, noch schwerer zu ergründen sind die menschen. Schiller dom Karlos 2, 13. schwer zu mit inf. wird so eine feste verbindung, die, heute besonders in gehobener sprache, auch attributiv erscheinen kann: ein erdtrich fast schwer zu bauwen. Maaler 365a; so wol in der folgenden stelle: wie er auch in allen brieven davon redet, in welchen sind etliche ding schweer zuverstehen. 2 Petr. 3, 16 (d. h. wahrscheinlich: in welchen etliche schwerverständliche dinge sind, gr. ἐν οἷς ἐστι δυσνόητά τινα). I@3@hh) dasselbe wie es ist schwer im sinne von 2 bedeutet es hält schwer (vgl.halten I, 7, a oben th. 4, 2, 284, wo Wieland 3, 58 und 8, 440 angeführt sind): (sie fragte) ob sie auch glauben können, dasz so ein kind in den himmel komme, wenn es sterben sollte? die schwestern sagten weder ja noch nein dazu; aber die mutter versicherte, es wird einmal schwer halten. Pestalozzi Lienh. und Gertr. 2 (1790), 209; bei so ungleichen, relativen, oft ganz widersprechenden darstellungen derselben sache hält es überhaupt schon schwer, sich der wahrheit zu bemächtigen. Schiller 7, 4. IIII. in bezug auf gewicht, freier auf gehalt und grösze. II@11) zunächst wol von körpern, die groszes gewicht haben. II@1@aa) die enge verwandtschaft dieser anwendung mit der vorigen zeigen fügungen wie schwere kleider, schwere waffen, schwärer harnisch oder zeug, gravis armatura Maaler 365c, schwere rüstung, gravia arma Corvinus fons latinit. 1 (1660), 305a. Adelung, wo das substantiv eine beziehung zu einem träger andeutet: wenn aber der kurfürst so einen schweren spiesz führet, den ihrer zwei dem kurfürsten nicht wohl einlegen möchten, hat der spiesz den kurfürsten etlichermaszen überwogen. Schweinichen 1, 39; ein wüllenes kleid ist im sommer schwer. Steinbach 2, 542; dô truoc man der frouwenswære unde grôʒ einen vil scharfen gêr,dens zallen zîten schôʒ, starc und ungefüege,michel unde breit. Nib. 418, 1; mîn harnasch was ze swære daʒ ichs niht gênde enmohte getragen. Hartmann v. Aue Iwein 776. sachlich verwandt damit ist schwär geschütz, tormentum Maaler 365a, schweres geschütz Adelung, schwere stücke, artiglieria grossa Kramer diction. 2 (1702), 715b, wo jedoch diese beziehung zurück tritt. manchmal wird eine solche durch den übrigen inhalt des satzes oder satzgefüges geschaffen: stein ist schweer, und sand ist last. spr. Sal. 27, 3; weil ohne unterlasz die feuerfuncken so häuffig und schnell darausz (einer flamme) stoben, als wann Vulcanus, Sterops und Brontes ein höchst glüendes eisen gewaltiger weise auff ihrem ambosz mit vielen schwären hämmern getrieben hätten. Simpl. 4, 26, 18 Kurz; (im bilde) te hwî skalt thu ênigan man besprekan, Brôðar thînan,that thu undar is brâhon gesehas halm an is ôgon,endi gehuggean ni wili thana swâron balkon,the thu an thînoro siuni haBas, hard trio endi heBig? Heliand 1708 Heyne; man truoc ir (Brünhilde) zuo dem ringeeinen swæren stein, grôʒ und ungefüege. Nib. 425, 2; von mir stund auch der krug nicht ferr, der daucht mich vil zu grosz und schwer. fastn. sp. 565, 3 Keller; dat hoen leet ick vallen dar, wente yd was my alto swar. Reinke de Vos 1500 Prien; sprichwörtlich: wat to swar is moot man liggen laten. brem. wb. 4, 1111. II@1@bb) aber seit alter zeit erscheint das wort in diesem sinne auch ohne dasz eine beziehung auf einen träger hervortritt: daʒ was dar umb, daʒ sich der swær luft her dan von dem geperg, dâ er sich erhuob, naigt zuo der erden. Megenberg 110, 35; schwehr getreid, frumentum ponderosum Corvinus fons latinit. 1 (1660), 282a; schwere früchte, fructus ponderosi Steinbach 2, 542; ein schwerer ochse, bos gravi pondere. ebenda; eʒ (das fallthor) was swære unde sneit sô sêre daʒ eʒ niht enmeit eʒn schriete îsen unde bein. Hartmann v. Aue Iwein 1099. in der jägersprache sagt man nicht dasz ein groszes weites (hirsch-)gehörne schön, sondern dasz es stark, schwer oder prächtig sei. Heppe jagdlust (1783) 1, 146. als glimpffluch (umbildung von schwere not? s. dies unter I, b) schwerbret Bernd 282, schwerebrett. schwär gewicht, grande pondus Stieler 1970. mit näheren bestimmungen: schwer am (heute an) gewicht, grave di peso Kramer dict. 2 (1702), 715b, schwer von gewicht, von golde. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 316b, von fett und ähnlichem: die frucht ist dort gefallen, von der eignen fülle schwer. Schiller 11, 209; das ist eine pracht von einem becher! von golde schwer. Piccolom. 4, 5; freier: schnell rollten wetterwolken, von blitz und donner schwer. Hölty 10, 66 Halm; sein starrend auge schlieszt auf ewig sich dem lichte, und den verruchten geist, von frevelthaten schwer, schon schleppen teufel ihn zum schrecklichen gerichte. Wieland 22, 118 (Oberon 3, 37). seltener mit genitiv: den nun (einen krug) stell't Achilleus zum kampfpreis wegen des freundes, ihm, der am schnellsten im laufe der hurtigen schenkel erschiene; einen mächtigen stier dem folgenden, schwer des fettes. Voss Il. 23, 750. entsprechend adverbial: schwer wägen, pesare assai Kramer dict. 2 (1702), 716c, wiegen Campe, auch bildlich: ein schwer wiegender (schwerwiegender) umstand, in gleichem sinne: ein umstand, der schwer ins gewicht fällt. schwer beleibt: er (der hirt) treibt den schwarm der schwer beleibten kühen, mit freudigem gebrüll durch den bebauten steg. Haller alpen (1732) 175. schwer bewaffnete reiter, im gegensatz zu leicht bewaffneten Adelung (vgl. 1). II@22) vergleichend dann in wendungen wie: eʒ stêt auch oft in dem stillen kalten luft ain dunst, der unden swærr ist und dicker denn oben. Megenberg 77, 30; was ist schwerer denn bley? Syr. 22, 17; bley ist schwerer als holz. Adelung; nimm diesen beutel, Herrmann. er sollte schwerer seyn, wenn ich erst herr wäre. Schiller räuber schauspiel 2, 1. mit näherer bestimmung: es ist nicht um ein federgen schwerer. Stieler 1970, wo in älterer sprache auch der genitiv stehen kann. II@33) an diese fügungen schlieszt sich der gebrauch von schwer zur einfachen angabe irgend eines gewichts. das gewicht wird heute allein durch acc. bezeichnet. aus frühnhd. zeit ist hier der genitiv bezeugt; wahrscheinlich ist der acc. an seine stelle getreten durch vermittlung pluralischer gewichtsbestimmungen, die nicht als genitive erkennbar sind: da nu die kamel alle getruncken hatten, nam er eine gülden spangen eins halben sekels schweer und zween armringe an jre hende, zehen sekel golds schweer. 1 Mos. 24, 22; darnach sendet Simon den Numenium widerumb gen Rom, einen grossen gülden schild dahin zu bringen, tausent pfund schweer. 1 Macc. 14, 24; ein pfund schwer, libralis Stieler 1970; ein ding ist ein gran, zwey loth, vier pfund, zehn centner schwer, wenn es so viel wiegt. Adelung. ain wagen - schwär (n.?) im älteren bair.-östr. als gewichtsbezeichnung, nach der tirol. rottordn. von 1530 4 wagensäume zu 3 zentnern Schm.2 2, 644: zwei wagenschwer ainbeckisch bier. quelle ebenda. II@44) auf die ältere sprache beschränkt sind wendungen, in denen schwer mit näherer bestimmung dem sinne eines substantivs nahe oder gleich steht. es heiszt mhd.: silber und golt (lesart golt daʒ vil) swærewas ir botenbrôt. Nib. 650, 2. da scheint das adj. auf das grosze gewicht der menge zu gehen, die sie bekamen, also dem sinne von 'viel' nahezukommen. dem schlieszen sich vergleichende fügungen mit gen. an: das ross ist besser, dann so schwer silbers als es wigt. Octavian Q 4; so das abfeihlach (des eisens) mit als schwer des besten fluszpulvers vermischet wirt. Paracelsus 1, 901c; ich wil silbers alsô swære als er. Virginal 333, 12. so steht denn weiter bei einer gewichtsangabe die stoffbezeichnung im gen.: David nam die krone jrs königs von seinem heubt, und fand dran einen centner goldes schweer. 1 chron. 21, 2, andrerseits bei einer stoffbezeichnung die gewichtsangabe im gen.: nim ains guldein swär triackers. quelle bei Schm.2 2, 644; nimm eines hellers schwer rein gepülverten safran. Tabernaemont. 605; wer sie (die gemahlin) uns gen hof bringt her, schenck wir eins centners silber schwer. Ayrer 1358, 29 Keller. II@55) schwer erhält so mit gleicher bedeutungsentwicklung wie grosz, lang, breit und ähnliche maszbestimmungen den allgemeinen sinn 'gewicht habend' und wird in neuerer zeit zur bezeichnung der allem körperlichen gemeinsamen eigenschaft auch absolut gebraucht: alle körper sind schwer. Adelung; die schwere welt nennt J. Paul die körperliche im gegensatz zur geistigen: ferner sagt es der traum, welchen wir als eine besondere freiere willkürliche vereinigung der geistigen welt mit der schweren ... niemals ohne einen gewissen schauder bei andern kennen lernen. vorsch. d. ästh. 1, 126. aus der wissenschaftlichen erkenntnis, dasz diese eigenschaft auf der anziehungskraft beruht, erklären sich fügungen wie: die massen der himmelskörper sind gegen einander schwer (werden von einander, der kleinere vom gröszeren, angezogen). Campe. im allgemeinen behält das wort ohne nähere bestimmung in dieser anwendung den sinn 'von groszem gewicht'. dieser liegt auch den von hier aus entwickelten besonderen gebrauchsarten zu grunde. II@66) von dem, was volles gesetzliches oder übungsmäsziges gewicht hat, im gegensatze zum dahinter zurückbleibenden, leichten, so von der gewichtseintheilung selbst, schwere pfunde, schweres gewicht: Genua, schweres schaalgewicht 7140 (as); leichtes schaalgewicht 6720. Jacobsson 6, 740b. mnd. punt swâr, punt swares (sc. wichtes), drei centner. Schiller - Lübben 3, 389b, dafür auch blosz swâr, swares. 4, 485b. schwere goldwaaren, die das volle übliche gewicht an edelmetall haben. schwere münze. Steinbach 2, 542, schweres geld. Adelung: und so ein billiger mann war mein ungenannter allerdings. er hat keine schuld, die in leichtem gelde gemacht war, in schwerem wiedergefodert. Lessing 10, 195; in wendungen wie: schweres geld kosten, mit schwerem gelde bezahlen gleichbedeutend geworden mit 'viel geld'. ebenso von einzelnen münzsorten, schwere pfennige: dero suâron fendingo, die sestertia hieʒen. Graff 6, 890; in Pistorii chron. Mindensium episc. p. 749 Carolus IV. imp. gibt dem bischoff privilegium einen zoll anzulegen, von jedem pferd zween sware pfenninge, deren 6. einen alten tornes galten. Frisch 2, 248b, schwere schillinge. Jacobsson 7, 310b, schwere batzen, bei demselben noch als rechnungsmünze angeführt 7, 308b, ebenso schwere heller 309a, schwere mark. ebenda. dann auch bei einer mengenbezeichnung, schwere schock in Schlesien, als rechnungsmünze 310b. II@77) in gewerblicher sprache zur bezeichnung einer gehaltreichen waare, schwerer atlasz. Jacobsson 4, 105b, schwerer sammt. 7, 309b, schwerer taffet. Campe, schweres zeug. ebenda, tuch. schwerer wein, schweres bier: item anno dm. 1488 ward fast sweer win. d. städtechron. 8, 20, 18 (Straszburg), wo aber die bedeutung nicht ganz klar ist. II@88) andrerseits entwickelt sich das wort in gewissen fügungen zur einfachen ausdehnungs-, gröszenbestimmung. dahin gehören schwere schock, schweres geld in neuerer auffassung (s. 7), schwere menge, grosze, die schwere menge formelhaft wie 'viel'. Frischbier 2, 331a. Spiesz 231. Woeste 264b: carmina gabs die schwere meng um den hund. Schiller räuber schausp. 1, 2; Schweizer ... wir haben doch pulver genug? Razmann. pulver die schwere menge. 2, 3, unsinnlich: denn ich weisz die schwere menge. decliniren kann ich, lernte griechisch, kam bereits bis tüpto. Immermann 12, 64 Boxberger. zuweilen wird die beziehung zu der eigentlichen bedeutung von hier aus wieder enger. man sagt einer hat schweres geld, dann aber auch er ist schwer reich und sogar er ist schwer, reich Schm.2 2, 644. Kehrein 1, 372, aber auch sonst familiär, wobei die vorstellung durchleuchtet, dasz er samt seinen geldsäcken auf die wagschale gesetzt wird. II@99) mit solcher freieren anwendung berührt sich schwer in folgenden unsinnlichen gebrauchsarten. II@9@aa) werth, geehrt, geachtet, nur in älterer sprache: and nimaiþ nu ina in fraujin miþ allai fahedai jah þans swaleikans swerans habaiþ. Phil. 2, 29; die swêresten und die ringesten in des herzogen lant die wurden alle besant. Heinr. v. Freiberg 514. mit dativ der person: hundafade þan sumis skalks siuks swultawairþja was, saei was imma swers. Luc. 7, 2. ähnlich, mit bezug auf vornehmen, ehrenhaften character: swêre an den seten, swêr und tapphir mit eren seten, der gûde swêre seten hat. Joh. Rothe im mhd. wb. 2, 2, 811b. dem allgemeinen sinne des gehaltreichen näher: einvaldeg unde ôtmûde bî dugentlîcher gûde was der lobebêre an gûden sitten swêre. Elisabeth 3986 Rieger. II@9@bb) gewichtig, bedeutend, in allgemeiner unsinnlicher beziehung: ich habe so ein protocoll aufzuschreiben gehabt, wo der commissarius schwer lob und geld vom hofe erhielt, weil er einen ehrlichen teufel, an den man wollte, zum schelmen verhört hatte. Göthe 8, 245; er sehnte sich nach einer schweren that, als nach der erquickung dieses entzündeten herzens. J. Paul Tit. 1, 150; das ist ein unschätzbarer — schwerer — theurer brief, den alle kronen Philipps einzulösen zu leicht, zu nichtsbedeutend sind. Schiller don Carlos 2, 8. mit anlehnung an die bedeutung I, 1, l: umsonst hofst du den schweren zweifel deines vaters mit schönen worten zu erschüttern. 2, 3; ich pflege doch sonst vor worten nicht zu zittern. diszmal war sinn darin — und schwerer. 2, 13. entsprechend adverbial im allgemeinen sinne von 'sehr': sich schwer hüten. Adelung; zur verstärkung von 'sehr' et ös all schwea sea lang hä. Frischbier 2, 331a. II@1010) aus der vorstellung des viel wiegenden kann sich die des wenig beweglichen, langsamen, unbehülflichen, plumpen entwickeln. einem wesen von schwerem gewicht ist solche bewegung eigen. anderseits steht diese gebrauchsart auch der unter I, 1, c erwähnten nahe. II@10@aa) von menschen und menschlich gedachten wesen: ist daʒ ain mensch lang sitzt oder slæft des nahtes an dem mônschein, sô wird eʒ træg und swær. Megenberg 66, 12; da er (Eli) aber der laden gottes gedacht, fiel er zurück vom stuel am thor, und brach seinen hals entzwey, und starb, denn er war alt, und ein schweer man. 1 Sam. 4, 18; da enwas nieman so laʒ so trêge noch so swêre der dâ niht snel enwêre. Herbort v. Fritzlar 10145; nur für heute bin ich zu schwer, die reise zu machen. leider hab' ich zu viel von einer speise gegessen, die mir übel bekommt; sie schmerzt mich gewaltig im leibe. Göthe 40, 23; schwerer reiter, technischer ausdruck für den schwerbewaffneten reiter, der durch die ausrüstung in der bewegung mehr gehindert ist als der leichte, ebenso schwere reiterei: Egmont mit seinen leichten reitern voran, ihm folgte der graf von Hoorne mit 1000 schweren reitern. Schiller 9, 4. II@10@bb) von thieren: der vogel (bubo) hât gnuog federn und ist doch an im selber swær. Megenberg 173, 20; waidmännisch schwere hunde, die groszen doggen und rüden. Heppe wohlred. jäger 277a, schwere hetzhunde, die 'wegen ihrer grösze und schwere zum laufen nicht tüchtig, zum fangen und würgen aber desto besser sind'. Jacobsson 4, 105b. II@10@cc) von gliedern des körpers: mit schwerem fusze schreiten, eine schwere hand haben, eine schwere zunge haben, esser tardo di bocca e di lingua. Kramer dict. 2 (1702), 715b, difficulter loqui. Frisch 2, 248: ich (Moses) hab eine schwere sprache, und eine schwere zungen. 2 Mos. 4, 10; so bedachte er (Moses) ohne zweifel auch, dasz z. b. seine schwere zunge ihm hinderlich seyn könnte. Schiller 9, 121. ähnlich: schweres blut, das langsam flieszt: hab' oft einen dumpfen düstern sinn, ein gar so schweres blut! Göthe 1, 19. II@10@dd) so auch von anderm dem solche bewegung eigen ist: ein schwerer wagen, schwere wolken. II@10@ee) ebenso von der bewegung selbst: schwerer fall, der fall eines schweren körpers, dann der plumpe fall überhaupt: es hat ein herten oder schwären fal genommen, concidit ad terram graviter. Maaler 365a; (ein mensch) falt also mit schwärem fal hinab ein hohe steinene stieg sunder alle hilff. Wickram rollw. 70, 22 Kurz. einen schweren gang haben, haver un camino tardo, lento, gravoso. Kramer dict. 2 (1702), 715b, mit schweren schritten gehen. Campe u. ähnl.: den haimischen (gänsen) ist der flug gar swær. Megenberg 169, 11; mattblöckend kehrt das vieh im langsam schweren trabe heim von der au. Gotter im Göttinger musenalmanach auf 1771 60 neudruck. adverbial: schwer flieszt das dicke blut in euren adern. Schiller jungfrau von Orleans 2, 2. ähnlich: wer ain swær stimm hât, der ist ain diener seins aigenen pauchs. Megenberg 47, 2; schwere sprache. 2 Mos. 4, 10 (die stelle s. oben unter c). II@10@ff) auch von dem was den eindruck des schwerfälligen macht: schwerer styl; bei den malern heiszt schwer, was nicht mit freier leichtigkeit und zierlichkeit gemalt oder gezeichnet ist, dessen umrisse nicht flieszend sind, dessen gestalt von keinem gutem geschmack ist, plump. Jacobsson 4, 103a. 3, 270a. weiter von werkzeugen, die derartiges hervorbringen: ein maler hat einen schweren pinsel. Adelung. II@1111) dem begriffe des gehaltvollen (7 vgl. praegnans) nahe steht die anwendung als schwanger, in älterer sprache, die allerdings auch an I angeschlossen werden kann: ein suâre wîb, gravis foemina. quelle bei Graff 6, 890; nun nym war wie dein swerer leybe unser peyder sünde entdecket und die öffnet. Steinhöwel Bocc. 352, 30 Keller. prädicativ: und sô des mônen fäuhten, daʒ ist der tauw, allermaist vellt, so trinkent si (die schnecken) daʒ begert taw in sich und werdent swanger und swær von dem taw. Megenberg 249, 29; nû wart kurzlichen kunt dem kunig ein liebeʒ mære, daʒ diu frou wart swære und eines kindes swanger. Ottokar 19184 Seemüller; schwer gehen. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 305a: so spricht der deudsche man und mutterzunge, das weib gehet schwanger, oder gehet schweer, oder ist schwanger. Luther 2, 242a. mit genitivischer näherer bestimmung: (Maria) sagte ouch daʒ Elysabêt, ir muome, ein kint enphangen het, daʒ sî in ir alter wære eines kindes worden swære. Philipp Marienl. 1733; ich pin eins kindes swære. Heinrich v. Neustadt Apollon. 6123; Myrrha wer nit Adonis swer. Brant narrensch. 13, 58 Zarncke. dafür auch von c. dat., schwer vom kint, schweer von kinden, swair van kinden, pregnans. Dief. 454b, häufiger mit c. dat., schwer mit kynd gemacht, gravida. 269b, schwer gehen mit einem kind. Kramer dict. 2 (1702), 716c. Elizabeth, de swar gingk myt Johannes. quelle bei Schiller-Lübben 4, 485b; denn die weil sie gegessen hat ein hasenkopf, als sie mit ihrer tochter schwer gieng, bracht sie vier lefzen auf die welt. spinnrockens evangel. (1568) B 3a; es war ein böser fall, als von dem falschen stiere die mutter (Europa) ward geraubt. (und, wie sie oft erzählt, war sie gleich mit mir [Germania] schwer!) Fleming 1, 105, 111 Lappenberg. bildlich: er gehet schwer mit eiteln dingen, drumb wird er eitelkeit auch bringen. Opitz ps. 21 (7, 15, bei Luther: mit unglück ist er schwanger). in gleichem sinne mit schwerem leibe, schweren leibes sein, gehen: die (Octavians tochter Julia) undergab sich nur den trabanten, wann sie schweres leibs gieng. Garg. 79a; demnach ihre fürstliche gnaden herzog Heinrichs gemal mit schwerem leibe gewesen. Schweinichen 1, 37; ein Hollenderin .., so mit schwerem leibe gegangen. Hennenberger preusz. landtaf. 233; seine gemahlin war schweres leibes, da er starb, und gebahr nach seinem todte eine tochter Georgiam. Micrälius altes Pommern 3, 527; hierzu nun kam noch der umstand mit der Menocha, dasz dieselbe schweren leibes war. Plesse 3, 49. ähnlich: im jahre 1529 ging meine mutter schweren fuszes und wollte vor der entbindung noch scheuern und waschen lassen, wie es die frauen im brauch haben. Sastrow bei Freytag bilder 1 (1859), 218; se geit swârfôts. ten Doornkaat Koolman 3, 372b.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schwêr

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schwêr , -er, -ste, adj. et adv. 1. Im eigentlichen physischen Verstande ist schwer, 1) absolute und ohne alle Rücksicht…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schwer

    Goethe-Wörterbuch

    schwer auch -ee-, ‘allzuschwehr’ B7,186,2 , ‘allzuschwer’ 13 1 ,233,21 u B47,171,8 , Großschr des Adj im Komp A2,383,5 u…

  3. modern
    Dialekt
    schwër

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    schwër , schwer [wár Su. Co. Dü. M. Geisp. K. Z. ; wêr Liebsd. Betschd. ; wǽr Str. ; Steigerung wêrər, àm wêrtə M.…

  4. Sprichwörter
    Schwer

    Wander (Sprichwörter)

    Schwer 1. Es ist nicht schwer, andern die Ohren zu schneiden. ( Wend. Lausitz. ) 2. Es ist schwer, einen alten Baum zu b…

  5. Spezial
    schwer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schwer I adj. 1 (an Gewicht) pesoch (-oc, -ocia) 2 (schwierig) ri (ri, ria), sfadius (-sc, -iosa) 3 (mühevoll) stentus (…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwer

498 Bildungen · 468 Erstglied · 16 Zweitglied · 14 Ableitungen

Zerlegung von schwer 2 Komponenten

sch+wer

schwer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schwer‑ als Erstglied (30 von 468)

Schwermut

SHW

Schwer-mut Band 5, Spalte 917-918

Schwernot

SHW

Schwer-not Band 5, Spalte 917-918

schwernots

SHW

schwer-nots Band 5, Spalte 917-918

schwerack

DWB

schwer·ack

schwerack , m. , mit dem ton auf der zweiten silbe, in Baiern ein mildes schimpfwort ohne jetzt klare bedeutung, meist gegen kinder und jung…

Schweran

Meyers

Schweran , russ. Instrument, s. Duda .

schwerartig

DWB

schwer·artig

schwerartig , adj. : specifisch schwerer, schwerartiger als ein andrer heiszt ein körper, der bei gleicher ausdehnung mehr als jener wiegt. …

Schwerathemig

Campe

Schwerathemig , adj . u. adv . schwer d. h. mit Mühe, mit Beschwerde Athem holend. Stieler.

schwer als Zweitglied (16 von 16)

Bedeutungsschwer

Campe

bedeutung·s·schwer

◬ Bedeutungsschwer , adj. u. adv. von schwerer d. h. wichtiger, großer Bedeutung, wichtig. Drei Worte hört man bedeutungsschwer I Munde der …

beschwer

DWB

beschwer , f. und n. molestia, onus. das genus lassen die meisten stellen unsicher, zum f. würde das ahd. suârî, mhd. swære, und unser nhd. …

bleischwer

DWB

blei·schwer

bleischwer , gravis ut plumbum: es liegt mir bleischwer in den füszen. Göthe 12, 118 ; wenn du jedoch bleischwere spondän als daktylusanfang…

blôtswēr, schwēr

MNWB

blôtswēr, -schwēr, n. ( Pl. -en ) : Eiterbeule , Furunkel, „Carbunculus, ... anthrax , Pestilentzisch schwer / Blodtschwer ” (Chytr.).

milliardenschwer

RDWB1

milliarde·n·schwer

milliardenschwer (kein Bezug zu "тяжёлый") миллиардный milliardenschwere Geschäfte - миллиардные сделки

millionenschwer

RDWB1

million·en·schwer

millionenschwer (Lakune) миллионер, богач разг. seine ~en Verwandten - его богатые родственники

Ohnschwêr

Adelung

Ohnschwêr , S. Adelung Unschwer .

pfundschwer

DWB

pfund·schwer

pfundschwer , adj. ein pfund schwer, überhaupt schwerwiegend: der pfundschwere hagel die saaten zerdrosch. F. Dahn ged., zweite samml. 1, 25…

Privatbeschwer

DRW

privat·beschwer

Privatbeschwer, f. zu 1Beschwer (III) Einzelbeschwerde? vgl. Privatklage ihre ubergebene general- unndt privatbeschwer 1606 ActaBrandenb. II…

schicksalsschwer

DWB

schicksal·s·schwer

schicksalsschwer , adj. wie schicksalschwer: in denselben schicksalsschweren januartagen des jahres 1834 .. erstand .. das neue in arbeit ge…

Spezialbeschwer

DRW

spezial·beschwer

Spezialbeschwer, f. wie Spezialbeschwerde vgl. 1Beschwer (III) des T. specialbeschwer wider den superintendenten 1605 ActaBrandenb. I 487

Steuerbeschwer

DRW

steuer·beschwer

Steuerbeschwer, f.? wie Steuerlast weilen bey diesen zeiten ... die steuerbeschweren ... sich in etwa geleget 1661 IserlohnUB. 183 Faksimile

überschwer

DWB

ueber·schwer

überschwer , adj. u. adv. , sehr schwer. mhd. überswære mhd. wb. 2, 2, 811 b . a a) in sinnlicher bedeutung: in paid hent nam den bachen er,…

unschwer

DWB

unschwer , adj. adv. , gth. v. schwer ( mundartlich auch ' sehr schwer ', un IV D 2). ohne zusammenhang mit g. unsvêrs ἄτιμος in der geschäf…

Ableitungen von schwer (14 von 14)

beschwer

DWB

beschwer , f. und n. molestia, onus. das genus lassen die meisten stellen unsicher, zum f. würde das ahd. suârî, mhd. swære, und unser nhd. …

beschweren

DWB

beschweren , beschwor , jurare, obsecrare, mhd. beswern. s. beschwören .

beschwerlich

DWB

beschwerlich , molestus, gravis, lästig, mühsam, schwierig: ein beschwerlicher mensch; eine beschwerliche sache. Susanna Hibeldeha 4, 2; ein…

beschwerung

DWB

beschwerung , f. onus, molestia, dolor: und das wir das siebende jar allerhand beschwerung frei lassen wolten. Neh. 10, 31 ; und es gefellt …

entschweren

DWB

entschweren , pustulescere, anfangen zu schweren: so der nagel aber entschwüre und eiter gebe (= gäbe). Würz practica 166 . bei Kilian steht…

erschweren

DWB

erschweren , difficile reddere, impedire, praet. erschwerte, mhd. erswæren: ein gesetz, das die ehen erschwert; ein satz, der das verständni…

geschwer

DWB

geschwer , n. , s. geschwäher .

geschweren

FWB

1. ›etw. schwören, einen Eid über einen Sachverhalt, eine eingegangene Verpflichtung o. ä. ablegen, etw. eidlich erklären‹; teils mit Tenden…

schwere

DWB

schwere , f. zu schwer, gravitas, difficultas, pondus, mhd. swære, md. swâre, swêre, starkes fem., nur gelegentlich schwaches, leid, schmerz…

unschwer

DWB

unschwer , adj. adv. , gth. v. schwer ( mundartlich auch ' sehr schwer ', un IV D 2). ohne zusammenhang mit g. unsvêrs ἄτιμος in der geschäf…

unschwerlich

DWB

unschwerlich , adv. , gth. v. schwerlich 1 g γ : Hohberg Proserpina 8 b ; Ottobert s 7 b . veraltet. —

verschweren

DWB

verschweren , verb. , zu schwer gebildet, vgl. beschweren th. 1, sp. 1603, erschweren th. 3, sp. 978 und schweren th. 9, sp. 2562; das wort …

Verschwerung

Idiotikon

Verschwerung Band 9, Spalte 2122 Verschwerung 9,2122