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stingel

mhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stingel m.

Bd. 18, Sp. 3141
stingel, m. , ablautende nebenform von stengel (s. dort) von der wz. idg. *stengh- 'stechen', vgl. aisl. stinga, ags. stingan 'stechen', dazu ablautend got. usstaggan, mhd. stungen; mit suffix -ila- gebildet. die ursprüngliche bedeutung wird wie bei stengel (wo an sich auch andere auffassung möglich wäre) 'stechender, steifer pflanzenschosz' sein, vgl. in entsprechender spezialisierung gr. στάχυς 'ähre' (α = ), schwed. stagg (zur nasallosen wurzelform stegh-) 'steifes, stechendes gras', vielleicht auch lit. stãgaras, stegerỹs 'dürrer pflanzenstengel', s. Walde-Pok. 2, 622 f. während stengel in allen deutschen maa. verbreitet ist, beschränkt sich stingel auf das bair.-österr., vgl. Schmeller-Fr. 2, 771, Höfer 3, 183, Schöpf tirol. 712, Lexer kärnt. 242, Bacher Lusern 395, vereinzelt im bair.-md. grenzgebiet, [] vgl. Neubauer Egerländer ma. 27a, und neben stengel im anliegenden md., vgl. Gerbet Vogtland 133; auf das gleiche dialektgebiet führen die ältesten zeugnisse, vgl. stingil thyrsus in den gloss. Salom. (12. jh.) ahd. gl. 4, 102 St.-S. 11) als pflanzenstengel. 1@aa) wie stengel 1 a: ieglîcher wurze bluome,gar al der hôhen edelen ze wunniclîchem ruomesach man si alle gelîche schône wedelen mit varwe und al ir forme,als si solden; stingel, krût und blde,gelenk und ouch gelöuber ûzer golde jüng. Titurel bei Zarncke graltempel 75, 4; wo aber einer solch sein gras zu gefahr auf der wurz oder stingl stehen lassen oder, wan es gemäht werde ..., nit aufheben wurde österr. weist. 5, 345; wohl fehlerhaft für stüngl (s. u.b) 'als kurzer stechender grashalm': lauffen von einer alm zur andern, über viel tausend stügl, dasz war ein schwehre busz Stranitzky lust. reiszbeschr. 17 Wien. ndr.; nicht sicher herzuleiten ist die alliterierende formel bei stingel und stengel: die kleine zusammengeblasne eisendiebszunft bey stingel und stengel völlig auszurotten M. Abele künstl. unordn. (1670) 5, 185, die wohl 'vollständig' bedeutet wie etwa mit stumpf und stiel, vgl. bei butz und stengel unter b. 1@bb) wie stengel 1 b 'stiel' von früchten: die frucht der öpfel oder der pyern vallen leicht zu dem ersten mal, weil sy kranck stingel haben problem. Aristotelis (1492) 28c; wie schmertzt nit solches die eltern, wanns (das kind) im gesicht ein ungeformbtes muttermail hat, etwann auff der nasen ein kerschen, dasz der stingel ins maul henckt Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 209; auch für die stiele der weintraube: hört in der hueter nicht, so mag er in den negsten weingarten geen und zwai oder drei weinper abprechen und zu dem stock nider setzen und essen und die stüngl zu dem stock nider legen (v. j. 1549) österr. weist. 11, 267; so in der redensart mit butz und stingel (vgl.stengel 1 d) 'vollständig': frag nach den alten wegen, ehe du gantz umb all dein ehr, rhuom, guot, bluot, seel und leib ... mit butzen und stingl gebracht werdest Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, 165b; entsprechend bei butz und stingel: und jetzt richt a so a vagabund (ein komet) uns die welt bei butz und stingel z grund Nestroy ges. w. 1, 102; da thäten ihn die vornehmen Brixner mädeln auffressen bei putz und stingel! Rosegger schr. I 2, 49; der had alles bei putz und stingl aufgfressn Hügel Wien 157; bei butz und stingl d. i. mit haut und haar Schöpf tir. 712. 22) für stengelförmige gegenstände; wie stengel 'penis' für das männliche glied des pferdes: stingel, roszstingel Höfer Österr. 3, 183, vgl. Castelli österr. wb. 235; für ein stengelglas: o kelner, misz im eben des besten safts der reben so vil der stingel helt Uhland volksl. 1, 2, 601; in der jägersprache für den schwanz der wildsau: stingel, auch wedel, wird der sauschweif genennet Heppe wohlred. jäger (1763) 287; für den kragen, den hals des auerhahns (in Österreich) Wurm auerwild (1909) 20; in der fischereisprache für einen teil der künstlichen fliege an der angel, wahrscheinlich für das schwanzstück: der ander angel sol gefaszt sein nach der grasmücken (einer fliegenart) zu den hechten, daz gefider sol gemengt sein von allerlai gestalt sam pleyfarb und swertzliecht und aschenvarb, darinn swarz gefider mit der seidin liehtvarb und umb daz herz swarz liechtplab seiden, umb den stingel leibfarb seiden Tegernseer angel- u. fischbüchl. (15. jh.) in: zs. f. dt. altert. 14, 165; nim swarzbraun federen und aschenfarb federen und fuchspraune federen und albeg den rot stingel zu vodrist auf die snur ebda 167. 33) als bezeichnung eines menschen männlichen geschlechts, vielleicht von stingel, stengel 'penis' aus übertragen: [] stingel 'mannsperson, insonderheit noch lediger bursche' Schmeller-Fr. 2, 771; du lötzer stingl 'schwächling', ein müeder stingl 'stänker' Schöpf tirol. 712.
4758 Zeichen · 96 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stingel

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    stingel s. stengel.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stingel

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Stingel , des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern einiger Gegenden, der Schwanz an den wilden Schweinen; ein ohne…

  3. modern
    Dialekt
    Stingel

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Stingel Band 11, Spalte 1118 Stingel 11,1118

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stingel

17 Bildungen · 15 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

stingel‑ als Erstglied (15 von 15)

stingelbecher

DWB

stingel·becher

stingelbecher , m. , becherartig geformtes trinkglas mit dünnem, stengelartig geformtem fusze Unger-Khull steir. 578 b . —

stingelbruch

DWB

stingel·bruch

stingelbruch , m. , bruch des pflanzenstengels: ... wie manche blume wird von diesem nordenwind zum stingelbruch geführt W. H. v. Hohberg d.…

stingeleiche

DWB

stingel·eiche

stingeleiche , f. : stingelaich eiche, deren frucht an langen stielen hängt Schmeller-Fr. 2, 771 . —

stingelfeder

DWB

stingel·feder

stingelfeder , f. , zu stingel 2: der sechste angel sol gefaszt sein mit raucher stinglvedern Tegernseer angel- u. fischbüchl. (15. jh. ) in…

stingelglas

DWB

stingel·glas

stingelglas , n. , dasselbe wie stengelglas ( s. dort ), vgl. Unger-Khull 578 b : da machen sie uns hier auch noch einmal glücklich und soll…

stingelglöckel

DWB

stingel·gloeckel

stingelglöckel , n.; die, wohl an einem stiel befestigte, glocke des ausrufers, hier im sinne schandglocke: wenn ich dem bräutigam raten sol…

stingelmehl

DWB

stingel·mehl

stingelmehl , n. , vgl. DWB stengel 1 b, mehl aus tabakstengeln, ' für eine sorte von schnupftabak im 18. jh. ' Unger-Khull 578 b .

stingelpfeife

DWB

stingel·pfeife

stingelpfeife , f. : stingelpfeiffen einfache hölzerne tabakspfeife aus einem stück, deren kurzes röhrchen mit dem köpfchen einen stumpfen w…

stingelstamm

DWB

stingel·stamm

stingelstamm , adv. , mundartlicher herkunft, ' vollständig ', wohl aus einer wendung mit stingel und stamm verkürzt ( vgl. mit stumpf und s…

Stingelstank

MeckWB

stingel·stank

Wossidia Stingelstank m. Rätselwort für den Hund: Wohr di vör minen Stingelstank Wo. V. 1, 7 a.

stingeltamisch

DWB

stingeltamisch , adj. , ' damisch in bezug auf den stingel ', vgl. stingel 2 ' penis ', ' übermütig, ausgelassen, lüstern, geil ' Unger-Khul…

stingel als Zweitglied (2 von 2)

hārstingel

KöblerMhd

hār·stingel

hārstingel , st. M. nhd. Gips? ÜG.: lat. gypsum Voc Q.: Voc (14./15. Jh.) E.: s. hār, stingel W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 1189 (hârstingel)

muscātstingel

KöblerMhd

muscātstingel , st. M. Vw.: s. muscātstengel