standesperson,
f. person von stande,
d. h. von hohem, vornehmem stande (
s.stand 8,
k): eine standsperson,
unus ex magnatibus, megistan, optimas. Stieler 1427; standsperson,
f. persona di qualità, di nascità, di conditione. er (sie) ist eine stands-person. eine vornehme, hohe
etc. stands-person. Kramer
dict. 2, 931
b f.; standes-persohnen,
illustres, summo genere nati. Apin.
gloss. 510;
personae equestris ordinis, primariae dignitatis. nobilis prosapiae. Frisch 2, 318
b; '
in engster und eigentlichster bedeutung gehören dahin nur personen von dem höhern adel, in weiterer aber auch solche, welche ihnen an würde nahe kommen. im weitesten verstande pflegt man, obgleich aus einem miszbrauche, oft jede über dem bürgerstande erhabene person mit diesem nahmen zu belegen.' Adelung,
ähnlich Campe.
auch schwed. stndsperson.
die weitere bedeutung ist die gewöhnliche und berechtigte, da standesperson
nicht ebenso abgeleitet ist wie standesherr,
vgl. dieses. die (
sehr zahlreichen)
belege beginnen schon im 16.
jahrh., vgl. Gombert
bemerk. u. erg. 3, 2;
sie lassen die allmähliche entwicklung des wortes deutlich verfolgen. zunächst finden sich blosze zusammenschreibungen, wobei standes
durch ein adjectivisches attribut bestimmt wird: aus ursachen, das bej unserer camer zu Bresslaw nit weniger von hoch und nieders standespersohnen ein teglicher zugangk.
urk. v. 1559,
s. script. rer. Siles. 4, 179; da steigen wol gräfliche und andere hohes standes personen auff die cantzel und predigen. Schuppius 14; dasz nemlich die hochlöbliche fruchtbringende gesellschaft ... auch auf andern vornehmen, wiewol niedrigeres doch ehrliches standes-personen ... beruhen müste.
neuspross. palmenb. s. 172; es mögen mir solches (
unrecht) gethan haben ... hohes oder niederes standspersonen, arme oder reiche, edelleute oder zöllner.
juncker Harnisch (1669) 181.
dann tritt wirkliche zusammensetzung ein und das adj. wird zu person
construiert, zweifelhaft: dasz sie den wahren adel nie recht erkandt haben: dessen zeichen ist, den geringern standspersonen mit freundlichkeit, sanfftmut und tugend vorzuleuchten. Schuppius 400; von hohen und niedern stands-personen, worunter fürsten, fürstliche rähte, rechtsgelehrte, artzneiverständige, theologen und prediger, poeten, schuelbediente ... sich befinden. Rist
Parn. (1668)
vorber. b 12
a; ainen ieden gemainsinteressenten oder nidern standspersonen ... zu gepieten, dass sie diser gemainsordnung ... nach zu gleben schuldig.
tirol. weisth. 4, 130, 17 (
vom j. 1683).
doch wird diese neutrale bedeutung bald aufgegeben und der gebrauch des wortes schon im 17.
jahrh. auf die verbindungen hohe, vornehme standesperson
eingeschränkt, zunächst mit dem auszeichnenden beiwort: anderen, hohen standes personen und fürtrefflichen leuten. Rist
Parn. (1668)
vorber. b 5
b; Gelanor wäre mit den seinigen auch fort gereiset, allein er hörte, dasz eine vornehme stands-person auff den andern tag eben in dem wirthshause abtreten wolte. Weise
erzn. 112
neudr. (198
bezw. 222); gleichwie aber einem majestätischen könige die majestät aus den augen leuchtet, und wenn er unter tausend personen seyn solte, würde man ihn an seiner majestät erkennen können, dasz er eine hohe standesperson seyn müsse. Sperling
Nicodemus quaerens 1 (1718), 8; geistliche lieder, vor vornehme standes-personen. Picander 5, 389 (
überschr.); hier hielt man es für unbillig, dasz nur regenten und hohe standespersonen in uns schrecken und mitleiden erwecken sollten. Lessing 4, 109; seine (
Wallensteins) gewöhnliche tafel war nie unter hundert gängen, sein haushofmeister eine vornehme standesperson. Schiller 8, 144; meistentheils ist zwar dergleichen nur bei groszen herrn und vornehmen standespersonen vorgekommen. Immermann
Münchh. 4, 28 (7, 3).
endlich fällt das attribut ganz fort und standesperson
allein hat denselben prägnanten sinn. dieser gebrauch beginnt nicht später als die andern und ist in der neuern sprache der vorherrschende, wenn nicht ausschlieszliche: welches ich hiemit allen stands-personen, allen hof-præceptoribus zu einem spiegel vorstelle. Philander 1, 624 (
weiter unten: jhr fürsten, graven, herren und gewaltige); ich weisz nicht, wer die standtspersonnen geweszen sein, so disz jahr in die Franckforter mesz kommen wahren. Elisab. Charlotte 3, 176 (10.
mai 1710); dergleichen exempel findet man gar offt auf academien, da einer, der bürgerlichen standes ist, sich durch uberflusz einem reichen von adel, oder auch wohl gar einer standes-person gleich zu machen suchet. Chr. Wolff
vernünfft. ged. von d. menschen thun u. laszen (1720) 361 (§ 551); die gutthätigkeit vieler standespersonen, Hamburger und hiesiger Engelländer. Hagedorn 1, 45,
anm. 7; er (
Thomson) hatte von einem vornehmen manne in Schottland empfehlungsschreiben an verschiedne standespersonen in London mitbekommen. Lessing 4, 160; er gab sich alle mühe, in der feierlichen kälte einer standesperson davon zu sprechen.
derselbe, s. kälte 4,
theil 5, 88,
und Eiselein 360; die anzahl derjenigen standspersonen, welche der pöbel bey dieser gelegenheit ums leben brachte, belief sich in allen auf zwey hundert. Heilmann
Thuc. 1049 (8, 21); auch er besorgte die angelegenheiten verschiedener standespersonen. Göthe 24, 182 (
aus m. leben 4); bei der rückkehr hatte die frau juratin für die standespersonen den tisch mit erfrischungen und wein besezt, und auch ich hatte die ehre, als frau rectorin begrüszt zu werden. (Ernestine) Voss
briefe 2, 49; da sie von allen fremden und einheimischen standespersonen besucht wurde, ... stellte sie sich unbäszlich. Schiller 4, 150; als don Quixote die leiter hinaufstieg, begrüszte ihn das ganze schiffsvolk, wie es gebräuchlich ist, wenn eine standesperson die galeere betritt, mit einem dreimaligen: hussa! Tieck
don Quix.5 2, 473 (10, 11); diese (
zuschauer) bestanden nächst den fürstlichen personen aus den zöglingen der akademie mit ihren vorstehern und einer anzahl von fremden, vermuthlich verwandten der eleven. alles stand, nur die standespersonen saszen. Herm. Kurz 2, 144 (
Schillers heimathj.); er entfaltete einen schmalen papierstreifen, auf dem eine reihe von namen zürcherischer standespersonen verzeichnet stand. C.
F. Meyer
Jenatsch 135.
ungewöhnlich in anderm sinne, vertreter eines standes (?): können wir von dieser prosopopöie etwas auf gott anwenden? er ist weder eine larve noch maske; weder eine standesperson, noch ein abgezeichneter charakter. Herder 16, 498
Suphan (
gott 4).
jetzt sagt man scherzhaft von jemand, der in der eisenbahn 4.
classe fährt: er ist eine standesperson (
weil da die sitzplätze fehlen oder —
neuerdings —
nur in geringer zahl vorhanden sind und die fahrgäste —
wenigstens zum groszen theile —
stehen müssen). —
s. auch standperson.