unterstand,
m. ,
zu unterstehen;
mhd. mnd. understant;
mnl. onderstant,
nl. onderstand.
vgl.ober-,
überstand. II.
mit 1unter III B 1
a (
sub). I@11)
niedrigere holzarten, bes. im walde, syn. bodenschutzholz;
vgl.unterholz 1, unterwuchs: das vorzüglichste bodenschutzholz (unterstand) Ratzeburg
waldverderbnis (1866) 1, 215; Schwappach
forst- u. jagdgeschichte (1886) 2, 710. I@22) weiln aber dieselbige puncta ausz dem umschweiff oder ring desz zirkuls als dem understand der eingeschlossen rund- und zuspizenden kegelsstimmung in gleichen winckeln zurückhallen, so musz der gegenhallenden linien end und terminus nothwendig der zirckul VX sein Cario
hall- u. thonkunst (1684) 22.
grundfläche? vgl. stand 11 h
fundament; mnl. wb. 5, 427, 1.
veraltet. I@33)
nach 1unter III B 1
a α und δ ort, wo man untersteht (unterstehen A I 3),
obdach, herberge, unterkunft, wohnung, sitz u. dgl.; aus einem wiedertäuferliede des 16.
jahrhs. bezeugt (
s. e),
auch in mundarten (Fischer 6, 251; Schmeller 2, 767);
nicht bei Stieler, Frisch, Adelung, Campe. a) die grotten sind ... in der hitz ein angenehmer u. Hohberg
georgica (1682) 1, 591; selbst die istrische flotte ... fand in
V. ihren u.
F. Schlegel d. museum 4, 385; eine schaar ziegen rannte blökend ... den häusern zu, u. zu suchen Pichler
gesch. a. Tirol 1, 25; es regnet fürchterlich! nur ein viertelstündchen u., bis der wagen kömmt Pocci
lustiges komödienb. 3, 254; meine anfrage, ob ich während des gewitterregens in seinem haus u. halten dürfe Rosegger
nixnutzig volk (1907) 125; sie (
d. hütte) scheint auch nur mehr als u., nicht ... als wohnung des hirten benutzt zu werden Barth
Kalkalpen 401. unterstandsstall für rinder Rosegger II 6, 178. b)
ort für vorübergehenden menschlichen aufenthalt; '
zeitweiliger aufenthalt gegen bezahlung, nicht eigentlich wohnung'
Wien, dazu unterstandsgeber
ebda: herberge, wo alles herrenlose gesindel u. suchte und fand W. v. Chézy
malefizbuch 1, 32; ich ... bitte um einen u. für die nacht, aber ich mache die bedingung, dasz es wirklich nichts weiter sei als ein u. Stifter 5, 1, 77; Mosenthal
ges. w. 3, 199; Laube 15, 4; und nahmen losier und unterstand, wos eben uns gelegen war J. Wolff
landsknecht v. Cochem 264; der bub geht von haus zu haus und findet jeden tag bei einem andern bauer verköstigung und u. Ebner-Eschenbach 5, 15; Rosegger (1895) 3, 231; Schönherr
glaube u. heimat 19. unterstandshäuschen, -hütte, -bietung, -geber, -geberin Rosegger II 7, 112; 11, 216; Nestroy 3, 138; Rosegger III 3, 347. c)
wohnung, herberge, dach und fach: es ist der fall vorgekommen, dasz ein kaplan doch keinen u. gefunden, und lief herum wie ein verloren schaf Holtei
erz. schr. 15, 251; ich glaube schon, dasz du mich gerne vom hofe hättest, aber ich brauch anderswo keinen geschenkten u., da hab ich meinen, das ist mein recht Anzengruber (1890) 2, 302; da hat der
M. F. sich erbarmt, mir kost und u. gegeben bei sich, bisz ich grosz gewesen bin Hel. Raff
in d. rundschau 159, 168;
zusammensetzungen: unterstandslos Rosegger (1895) 3, 318;
übertragen: alle unterstandslosen neben- und halbfiguren Göthes Bayer
skizzenb. 54
bibl. d. schr. a. Böhmen; substantiviert: die unterstandslosen Rosegger
nixnutzig volk 399. unterstandsrecht K. Stieler
kulturbilder a. Baiern 25. d)
in militärischer spr. abri Sachs-Villatte (1874); Sanders
erg. wb. 506
a: hangar (
franz. hangard), ältere bezeichnung für u. (
zur deckung gegen geschosse) v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 621; aus stangenholz kann man eindeckungen für unterstände herstellen 2, 249; ich habe in mannschaftsunterständen der standschützen zugslisten gesehen, auf denen leute vom 15. bis zum 70. altersjahre verzeichnet waren
Frankfurter zeitung 17.
juli 1915, 1.
morgenblatt; die unterstände ... richtete die truppe ... wohnlich ein Ludendorf
kriegserinnerungen 142;
der soldatenwitz bezeichnet den u.
als bunker, feldherrnhalle, fuchsloch, heldenkeller, hölle, stall, tapferkeitsloch
mittheil. d. schles. ges. f. volksk. 24, 60; 25, 50, 53, 57, 58; 26, 135, 136. e)
allgemeiner etwa sitz: gott ist in Juda wohl bekannt, in Israel sein name schallt, zu Salem ist sein unterstand G. Keller 6, 351.
veraltet. I@44)
subsidium, auxilium, adminiculum, fulcimen, opitulatio, hauptbed. der ä. spr. (
mhd. wb. 2, 2, 590
b;
mnd. wb. 5, 36
b;
mnl. wb. 5, 427;
nl. wb. 10, 1472);
vgl.unterstehen A II 1
b:
gott, verlene ... im understaint unser crancheit
Kölner gebetb. des 15.
jahrhs. Frommann
d. mundarten 3, 49
a; sust wais und sich ich warlich noch zuor zeit wenig understand Blarer
briefe u. acten 1, 298; wie denn alle diejenigen, so mitgewesen, bekennen müssen, dasz sie in dem vorigen zug ..., auch jetzt für Pleszkow in offentlichem felde kein entsatz noch u. vermerckt haben Rätel
Curäi chron. (1607) 55; ungeachtet, dasz unsere feinde mit einem neuem u. von zwantzig segeln verstärcket worden Kramer
seehelden (1681) 875. subsidien- oder unterstandsgelder
Chr. B. v. Galen lebens- u. kriegsbeschreibung (1679) 444;
nl. onderstandgeld.
veraltet. I@55)
nach 1unter III B 1
a γ unterpfand, einstand 2: es ist auch kein festere büntnusz under inen, dann so manbare jungfräwlin zuo bürgen und understand setzen Franck
chron. Germ. (1538) 7
a.
veraltet. mnl. onderstaen
verpfändet sein (
wb. 5, 425, 4
d). I@66)
zustand der untergebenheit (
1unter III B 1
a ε): wie denn gott selbst die thier so macht, das der regent fürt seine pracht, das die männlein pfaw und hauszhan von gold und farben zierlich ghan mehr denn die weiblein und gesind, das sich im unterstande findt Rollenhagen
froschmeuseler (1595) F f 8
a; in u. nehmen,
in schutz, zum unterthanen n. Campe
aus dem osnabrückschen; Strodtmann 264.
veraltet. vgl. unterstehen A II 2. I@77)
niederer gesellschaftlicher stand (stand 8): der uberstandt yn allen seynen wercken ist alzeyt ferlicher dan der u., und wo sich der u. einmall furchten soll, da musz sich der uberstand zehen mal furchten Luther 6, 70
W.; unterabtheilung unter den ständen Fichte (1845) 3, 406.
unüblich. I@88)
nach unterstehen A II 1
a γ adniti nisus, bemühung, unternehmen: mit gröszerm understand (
nisu) der helsz Österreicher
Columella 1, 66; derhalb es doch so gar ein wunder ist, dasz die gegenwertige gemeind den fromen keiser zu helffen nit allein kein understand gethan, sunder den todten lichnam bisz in die nacht ligen lassen Gholtz
lebendige bilder (1557) B 1
b.
veraltet. I@99)
mystisch übersetzt u.
subjectum (Tauler
predigten 345, 15
V.),
substantia, subsistentia, hypostasis, forma (
mnl. wb. 5, 428, 3;
vgl. unten unterstandung
und var. zum ackerm. a. B. 16, 13
B.);
erneuert von Schelling (1856
ff.) II 3, 297: oder es (
die urpotenz) ist in seiner ruhe und wiederbringung nun als u. des göttlichen seyns gesetzt, als id, quod substat existentiae divinae explicitae. u. ist wieder nur eine variation vom worte verstand ... was einem anderen zum subjekt, u. geworden ist, hat ....
für das grammatische subject ohne erfolg von der fruchtbringenden gesellschaft vorgeschlagen, von Campe
als brauchbar empfohlen; Heynatz
antibarb. 2, 535; Campe
verd. wb. (1813) 571. IIII.
mit 1unter III B 1
b (
dis, inter).
nach III B 1
b β hemmung, hinderung, widerstand (
vgl.unterstehen B 3): di selbig freihat hat der richter zu
F., das im niemanz kain u. thuen sol (16.
jahrh.)
österr. weisth. 6, 89, 17; Unger-Khull 609
a; der unterscheid der innerlichen triebe und geschlechter (
der um Amphion versammelten thiere) verhinderte so eine fridfertige versammlung nicht, und alle unterstände, die selbige machten, verliszen ihre natürliche widerwertigkeiten, sobald sie den wunderbahren ... laut einer laute höreten Butschky
Pathmos 775.
veraltet. desgleichen u. halten
inter(
sub)
sistere Fischer
schwäb. wb. 6, 252. —