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substanz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

substanz f.

Bd. 20, Sp. 819
substanz, f. , geht auf lat. substantia zurück, das eine übersetzung von gr. ὑποκείμενον, ὑπόστασις, οὐσία ist, s. Eisler hwb. d. philos. (1922) 640; vgl.: homousios einer substantz Dasypodius (1536) 434c. für den in der theologie des mittelalters geläufigen philosophischen begriff finden sich an verdeutschungen seit dem ahd. wesan, wesen, vgl. Seiler lehnw. 2, 6 (s. auch unten synonymen gebrauch neben substanz), bei Frauenlob understende minneleich 15, 5; Marienleich 16, 2, vgl.unterstand I 9, teil 11, 3, 1822, bei Eckehart understôz, underschôz, s. zs. f. d. ph. 16, 35, seit dem mhd. selpwesen, selb(st)wesen bis zu Leibniz, s. teil 10, 1, 503, seit dem 16. jh. bis zu Leibniz auch selb(st)stand, s. teil 10, 1, 492. das lat. wort begegnet als eingedeutscht seit dem ausgang des 13. jh. in verschiedenen formen: substantie Frauenlob (s. u.); im plural der gemischten declination substantien Chil. König process (1541) 63b; Th. Philaleta theosoph. wundersaal (1709) 29; substancie Herm. von Fritzlar bei Pfeiffer myst. 1, 181; Seuse (s. u.); Tauler pred. 21 Vetter; substanci Seuse (s. u.); substancze H. Folz meisterl. 25 Mayer; substancz (1466) bei Diefenbach nov. 353a; substanz (15. jh.) fastnachtsp. 1, 23 K. mhd. begegnet neben vorherrschend starker flexion gelegentlich schwache: von der substancjen (hs. des 15. jh.) in Wackernagel altdt. pred. 208. 11) im philosophischen sinne, der dem ursprunge des wortes und begriffes gemäsz auch im dt. am ältesten und am breitesten entwickelt ist, bedeutet substanz das den wechselnden phänomenen 'unterliegende', das als beharrlich, zugleich meist als träger der eigenschaften, als selbständig für sich seiendes gedacht wird, s. Eiser hwb. d. philos. (1922) 640. 1@aa) im gefolge der aristotelischen auffassung wird substanz gefaszt als ein einzelnes, einer bestimmten erscheinung als wesentlich zugrunde liegendes; die mittelalterliche vorstellungsart veranschaulicht der vergleich, den die person der ewigen weisheit dem menschen vorlegt: so ich mich, das ewig guot, als gtlich und als minneklich entgússe, so gtet sich alles daz, da ich hine kume, da bi man min gegenwúrtikeit mag erkennen als die sunnen bi ir glaste, die man doch an ir substanci nút sehen mag Seuse dt. schr. 233 Bihlm.; zunächst, entsprechend der übernahme aus der scholastik, wird das wort vorwiegend in theologischen zusammenhängen gebraucht: dri forme an einer substantie gotheit hilt Frauenlob spr. 235, 12 Ettm.; daz gOetlich wesen ... ist ein sOelichú vernúnftigú substancie, die das tödemlich oge nit gesehen mag in im selb, wan siht in aber wol in siner getat Seuse dt. schr. 172 Bihlm.; gott ist ausz der substantz des vatters geboren vor der welt in ewikeit und ist mensch ausz der substantz der muotter in zeyt geboren der ewigen wiszheit betbüchlin (Basel 1518) 207b; di sele ist substancie, das ist wesen, gnade ein aneval (= accidens) des wesines paradisus anime 69 Strauch; substantz der seel on element, di gott inn unser cörpel sent J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 152; vom wesen eines menschen: armuot, gehorsam und keyschait sein die substantz aines yeden volkomens ordensman Berthold von Chiemsee tewtsche theolog. 365 Reithm.; daran will ich setzen minen lyb, leben und alles jhenig, so mir noch in all miner substanz bevor ist (1552) bei Fischer schwäb. 5, 1944; s. auch unter substänzer; das wort bezeichnet weiter wesen und umfang eines bestimmten begriffes: es seien im anfang zwo unterschiedene substantzen, [] wesen oder naturen gewest, eine gut, die ander böse C. Spangenberg hist. d. Manicheer (1579) k 3b; die substanz des sittlichen O. Ludwig ges. schr. 5, 96; abgezogener in der philosophie des 18. jh.: daher Leibniz, indem er den substanzen der welt, nur wie sie der verstand allein denkt, eine gemeinschaft beilegte, eine gottheit zur vermittelung brauchte; ... wir können aber die möglichkeit der gemeinschaft der substanzen als erscheinungen uns gar wohl faszlich machen, wenn wir sie uns im raume, also in der äuszeren anschauung vorstellen Kant 3, 201 akad. 1@bb) seit der popularisierung Spinozas versteht man unter substanz zunächst das allgemeine substrat alles seienden: das urseyn, das allgegenwärtige unwandelbare wirkliche, welches selbst keine eigenschaft seyn kann, sondern an dem alles andre nur eigenschaft ist, die es hat, dieses einzige unendliche wesen aller wesen nennt Spinoza gott oder die substanz F. H. Jacobi üb. d. lehre des Spinoza (1785) 128 f.; A. Schopenhauer 1, 38 G.; D. F. Strausz schr. 6, 76; in der materialistischen vorstellungsart ist substanz zu einem allgemeinen substrat alles körperlichen geworden, s. Lange gesch. d. materialism. 87; ohne beschränkung auf das körperliche wieder definiert Dilthey: substanz als das, was subject für alle prädicativischen bestimmungen, unterlage für alle zustände und thätigkeiten ist einl. in d. geisteswiss. 1, 189. 22) stoff, materie von einer eigentümlichen beschaffenheit, in populärem sprachgebrauch und in technisch-naturwissenschaftlichen zusammenhängen: substantz, matery substanza, materia Hulsius (1618) 244a; Mothes baulex. 4, 289: der harn erschinet ... in dem wesen oder siner substanz vast betrbet (1472) bei Fischer schwäb. 5, 1944; wan man aber das golt mitt dem feüwer zerlath, ghat im von seiner substantz ... gar nichts ab Seb. Münster cosmogr. (1550) 8; (es waren) viele heuszer in der statt in steinfelsen mit aller substanz gehauwen Kirchhof wendunmuth 2, 87 lit. ver.; die dritt gemein nessel ist inn der substantz vil kleiner Th. Bock kreutterb. (1587) 1b; in den modernen naturwissenschaften namentlich von einfachen unorganischen körpern, z. b. eine flüssige substanz, eine feste, harte, compacte substanz, vgl. Krünitz 177, 677: irdisch-salinische substanzen Göthe II 9, 134; die gewöhnlichen angaben über den schmelzpunkt sehr schwer schmelzbarer substanzen sind viel zu hoch A. Humboldt kosmos 1, 48; insbesondere von der speise: dann die substantz der speisz, ist sie dick oder schwer ..., so ist sie undäulich M. Herr schachtafeln d. gesundh. (1533) y 2a; Adelung 4, 493; auch der dichterische stoff: ihre (einer dichtung) poetischen substanzen (christliche und antike gestalten) heben einander auf Herder 3, 240 S. 33) das wesen, der kern, gehalt einer sache. 3@aa) wesentlicher inhalt eines buches, briefes, einer rede: darum hetten sie alle briefe herzog Moritzen widerum zugeschickt und erpoeten sich, die substanz uns anzuzeigen (1542) polit. corresp. Moritz v. Sachsen 1, 291; des ewangeli text oder substantz Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 91 Reithm.; disz ware ungeverlich die substanz der ganzen rede, die er mit mir hett H. v. d. Planitz berichte (1521/23) 271 Wülcker-Virck; vgl. substanzlich. 3@bb) mit dem element des faszbaren, zunächst im geistigen: (Schleiermachers gedanken sind) meist nur modifizirungen, ... zurechtstellungen, wobei die substanz entweder fehlt oder anderweitig entlehnt werden musz Varnhagen van Ense tageb. 1, 121; wie spricht da (in einem politischen briefwechsel) jeder satz eine mit der politischen vereinigte geistige und moralische überlegenheit aus! da ist kein überflüssiges wort: alles ist mark und substanz Ranke w. 14 (1875) 326. in neuerer zeit auch gegenständlicher von der vitalen grundlage einer anschauung, eines menschen, einer gemeinschaft (vgl. auch 4): (die höfische welt) wünscht auch keine ausdrucksdichtung, erlaubt nur wenig von der menschlichen substanz des dichters H. Naumann höfische kultur 36: es ist die blutmäszige [] substanz unserer nation, die sich in den jahrhunderten immer wieder bewährt hat A. Hitler in der dt. allg. ztg. 2. mai 1934 morgenausg. s. 2, sp. 4. 44) entsprechend der im lat. entwickelten, engeren bedeutung ist seit dem 16. jh. substanz bezeugt in dem sinne von 'reichtum, hab und gut' Roth dict. (1572) p 7a: der verthan sun ..., der sein substantzn wollust verzert Berthold von Chiemsee tewtsche theol. 221 Reithm.; uber disz alles war die gantze substantz des bischofflichen hoffs einkommens vast allesambt ... verschwendet H. Fabricius auszug bewerter hist. (1599) 234; (ein) spieler, welcher sein gantze substanz verspielt Äg. Albertinus hirnschleiffer (1664) 390; (der miszbrauch,) dadurch alle jahr zu wenigsten das zehende theil unserer substanz ... in Frankreich gehet Leibniz dt. schr. 1, 253. in diesem allgemeinen sinne veraltet; heute bedeutet substanz an geld und gut ein grundcapital, auf das sich die existenz eines einzelnen, einer gesellschaft, eines unternehmens aufbaut; daher die ausdrücke die substanz angreifen, aufbrauchen, von der substanz zehren, leben; übertragen auch von der gesundheit eines menschen gebraucht.
8710 Zeichen · 183 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    substanzst. F.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    substanz , st. F. nhd. Substanz Q.: GrBrev (2. Hälfte 15. Jh.) I.: Lw. lat. substantia E.: s. substanzje; s. lat. substa…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Substánz

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Substánz , plur. die -en, aus dem Lateinischen Substantia, 1. Als ein Abstractum und ohne Plural, das Wesen eines Di…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Substanz

    Goethe-Wörterbuch

    Substanz [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Substanz

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Substanz (vom lat. substare , Stand halten, beharren), ist zunächst soviel als Substrat und bezeichnet das Beharrliche u…

  5. modern
    Dialekt
    Substanz

    Schweizerisches Idiotikon

    Substanz Band 7, Spalte 94 Substanz 7,94

  6. Spezial
    Substanzf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Substanz , f субстанция , ж [Gehalt]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit substanz

22 Bildungen · 10 Erstglied · 12 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von substanz 2 Komponenten

sub+stanz

substanz setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

substanz‑ als Erstglied (10 von 10)

Substanzausdruck

FiloSlov

substanz·ausdruck

Substanzausdruck , m существительное , ср , вещественное → FiloSlov Stoffname, m → FiloSlov Kontinuativum, n

Substanzdefekt

DRW

substanz·defekt

Substanzdefekt, m. Lücke, Fehlbetrag im (rechnungsmäßigen) Sollbestand einer Substanz (V) vermöge des ... wegen der cöthischen substanz-defe…

Substanzgeld

DRW

substanz·geld

Substanzgeld, n. Geldvermögen bdv.: Kapitalvermögen ym umb solche stück zu einem zyll geben LXI gl. und auch yn solichem hußlin verbuwet XXI…

substanzial

DWB

substanzial , substanzialisch , adj. , lat. substantialis entsprechende ableitungen im philosophischen sinne von substanz (1). im 16./17. jh…

substanziell

DWB

substanziell , adj. das substanzial als lehnwort aus frz. substantiel entsprechende wort: substantiel Sperander (1727) 697 b . im philosophi…

substanzje

Lexer

substanzje , substanz swstf. BMZ substantia Dfg. 561 c , n. gl. 353 a . Myst. Frl. von der substancjen des vatirs vor der zeit geborn und vo…

substanzlich

DWB

substanz·lich

substanzlich , substenzlich , adj. , die älteste im deutschen gebräuchliche ableitung von substanz seit dem 14. jh., bis ins 18. jh. üblich,…

substanzlos

RDWB1

substanz·los

substanzlos нематериальный пустой, беспредметный Die Formeln des Leugnens sind immer dieselben: substanzlos, Gerüchte, fehlerhaft bis zur to…

substanzlīchen

KöblerMhd

substanz·līchen

substanzlīchen , Adv. nhd. wesenhaft ÜG.: lat. (per se) STheol, substantialiter STheol Q.: STheol (nach 1323) (FB substanzlīchen) I.: Lüs. l…

substanz als Zweitglied (12 von 12)

Bausubstanz

LDWB2

bau·substanz

Bau|sub|stanz f. (-,-en) sostanza architetonica f. ▬ erhaltenswerte Bausubstanz sostanza architetonica che mirita da gní mantignida.

Erdsubstanz

GWB

erd·substanz

* Erdsubstanz Eisen, das überwiegende in den Erd Substanzen Gespr(Gr5,656) Sophie Schardt 2.10.05 Armin Giese A. G.

grundsubstanz

DWB

grund·substanz

-substanz : der v. nimmt die vitriolesäure als die einzige von natur wesentliche gr. an allg. dtsche bibl. anh. 1-12, 300; neben personalem …

Holzsubstanz

GWB

holz·substanz

* Holzsubstanz [ Erklärungsversuch für nach Blitzschlag aufgefundene kugelförmige Gebilde ] daß die Welle [ der Windmühle ] vom Blitz getrof…

seelensubstanz

DWB

seelen·substanz

seelensubstanz , f. : die schnurrige und widerwärtige seite des spukes trat zurück vor der ahnung der endlosen unruhe einer seelensubstanz, …

trockensubstanz

DWB

trocken·substanz

-substanz , f. , in ähnlichem sinne wie trockengehalt ( s. d. ): dieselben ( pflanzen ) bestehen aus einem bestimmten quantum trockensubstan…

zahnsubstanz

DWB

zahn·substanz

zahnsubstanz , f. , was zahnmasse: die eigentliche zahnsubstanz, sogenannte knochensubstanz (substantia ossea dentis) ist viel härter und di…

zwischensubstanz

DWB

zwischen·substanz

-substanz : die zwischensubstanz verbindet die getrennten und verrückten fragmente vollkommen Sömmerring menschl. körper (1839) 2, 104 vorr.…