getreu,
adj. ältere bildung, der sich das synonyme treu (
s. d.)
erst mit den anfängen der neuhochdeutschen periode entgegenstellt. das ergebnis der neueren sprachentwicklung ist ein zurückdrängen der volleren form, die dem lebendigen gebrauche entzogen und auf bestimmte stilformen der sprache, auf bestimmte verbindungen und bedeutungsnüancen eingeschränkt ist. an die stelle der übrigen verwendungen ist die einfache form treu
getreten, der in den verwandten sprachen von anfang an parallelen zur seite stehen: gotisch triggws,
angelsächsisch treówe, trŷwe,
dem gegenüber getreówe (Leo
angelsächsisches glossar 385, 33)
vereinzelt steht. das mittelniederländische hat reichlichere belege für die präfigierte form (getrouwe
bei Verwijs
und Verdam 2, 1759),
wovon jedoch in das holländische nur wenig übergedrungen ist, vgl. woordenboek der nederlandsche taal 4, 1855.
mittelniederdeutsch bildet truwe
die regel;
die präfigierte form erscheint hier vorwiegend in werken, die im litterarischen austausch mit mitteldeutschen und oberdeutschen quellen stehen. dahin gehören die vereinzelten beispiele im Heliand; dahin vor allem die lexicalischen anführungen: ghetrouw,
fidus, fidelis. gemma gemm. Köln 1507.
ebenso bei Kilian 3
b. II.
formen und erstes auftreten, bedeutungsabgrenzung, geschichtliche entwicklung. I@11)
unter den ableitungen vom substantiv triuwa, triwa (Graff 5, 466)
stehen sich das verbum getrauen (
th. 4, 1,
sp. 4429)
und das adjectiv getreu
mit unumgelauteter und umgelauteter stammsilbe [] gegenüber. der grund dieser gegensätze liegt, wie bekannt, in den ableitenden suffixen; die äuszere verschiedenheit hat jedoch die bedeutungsentwicklung entschieden beeinfluszt, sie hat ganz deutlich den zusammenhang der beiden nahe verwandten formen gelöst. am längsten scheint dieser auf mitteldeutschem boden im bewusztsein geblieben zu sein, wo zu gleicher zeit die unumgelauteten formen mit und ohne diphthongierung auftreten, vgl. getrau
th. 4, 1,
sp. 4428. I@22)
es ist die geistliche übersetzungslitteratur, die zur wiedergabe des vielverwendeten lateinischen fidelis schon in der althochdeutschen zeit zahlreiche belege für unser wort darbietet. dabei läszt sich jedoch erkennen, dasz das wort trotzdem nicht eine künstliche schöpfung der geistlichen ist, sondern anscheinend dem volkstümlichen wortschatze entnommen wurde. von den beiden hauptbedeutungen, die im lateinischen fidelis ruhen und die sich durch die gegensätze infidelis =
iniquus, injustus und infidelis =
non credens, incredulus kennzeichnen lassen, ist nur für die ersterwähnte gruppe von den guten stilisten innerhalb der deutschen geistlichen übersetzungslitteratur unser wort angezogen worden. es sind die sclavischen nachahmer des fremden wortlautes, die auch für die zweite gruppe getreu
einführen. I@2@aa)
an der hand einzelner bibelstellen läszt sich die letztere beobachtung vom 9.
bis zum 16.
und 17.
jahrhundert verfolgen: I@2@a@aα) þaim veiham þaim visandam in Aifaison jah triggwaim in Christau Jesu
bei Ulfilas
Ephes. 1, 1; und dien getrewen in Jhesu Christo (
fidelibus omnibus in Christo Jesu)
im codex Teplensis; dem gegenüber steht: den heiligen zu Epheso und gleubigen an Christo Jesu
bei Luther
und den späteren übersetzern; bring thinan fingar hera inti gisih mino henti inti bring thina hant inti senti in mina siti inti ni curi wesan ungiloubfol oh getriwi (
noli esse incredulus, sed fidelis).
Tatian 233, 6; und nihten wellest sein ungeleubig, wan getrewe.
Joh. 20, 27
codex Teplensis; und salt niht ungloubic sîn, abir gloubic. Beheims
evangelienbuch, ebenso Luther und die späteren. I@2@a@bβ) ainen rechten, ainen heiligen, ainen enthebigen, umfachent daz getrew wort.
codex Teplensis an Titus 1, 9; (andanemeigs bi laiseinai vaurdis triggvis) und halte ob dem wort, das gewis ist. Luther (
fidelem sermonem); und sôlich luna. diû des iêmer getriuwe úrchunda sî. wider allen dîen. die urstende des lîchamen loûgenent (
et testis in caelo fidelis). Notker
psalm 89, 38; chitriuwi urchundo in himile.
Isidor 37, 3.
ähnlich Windberger psalmen; geziug in himele getruwe.
Trierer codex; unde der gezuc in dem himele ist getruwe.
Trebnitzer psalmen; wie der mond sol er ewiglich erhalten sein und gleich wie der zeuge in den wolken gewisz sein. Luther; ain trewer zeug. Eck; ein gewisser und treuer zeuge. Dietenberger. I@2@bb)
dem gegenüber bleibt für die parallele fidelis, justus durch alle übersetzungen der einzelnen bibelstelle unser adjectiv gewahrt: ther dar gitriwi ist in minnisten, ther ist in themo meren gitriwi, ther dar in themo luzilen unrecht ist, ther ist in themo meren unrecht.
Tatian 108, 5 (
qui fidelis est in minimo); wan wer getrûwe ist in dem minsten, der ist ouch in dem grôszten getrûwe; und wer in dem cleinen ungetrûwe ist, der ist auch in dem grôszten ungetrûwe.
Lucas 16, 10, Beheims
evangelienbuch, ebenso codex Teplensis (Ulfilas triggws); wer im geringesten trew ist, der ist auch im grossen trew, und wer im geringesten unrecht ist, der ist auch im grossen unrecht. Luther; wer im geringsten trew ist, der ist auch getrew im grossen. Dietenberger
und Eck. — wer wanis ist getriuwi scalc inti wis spenteri, thende trohtin gisezzit ubar sin higisgi, thaz er in gebe muoz in ziti.
Tatian 147, 10 (
quis putas est fidelis servus et prudens dispensator); wer wenstu, der da ist der getrewe knecht, und der wiczig.
codex Teplensis; wer wênistu der da ist ein getrûwe knecht und klûg, den der herre gesatzit hât ubir sin gesinde, daz her en gebe spîsc in der zcît? Beheims
evangelienbuch Matth. 24, 45 (
ebenso Lucas 12, 42); der getrew knecht. Eggesteyn; welcher ist aber nu ein trewer und kluger knecht. Luther,
ebenso die späteren übersetzer; áber iro herza ne was rechtez wider ín, unde mit iro zungon lúgen sie ímo, noch ketriûwe ne wâren siê an sînero êo (
nec fideles habiti sunt). Notker
psalm 77, 36; noh getriuwe gehabete sint si in wizzentuome sineme.
Windberger psalmen 77, 41; noh getruwe gehabet sind in urkunde sineme.
Trierer codex;
ebenso Trebnitzer psalmen; aber ir hertz war nicht feste an im und hielten nicht trewlich an seinem bunde. Luther
psalm 78, 37; und seind nit trew gewesen in seinem bund. Eck.
ähnlich Dietenberger.
[] I@33)
wenn sich auch aus den letzterwähnten beispielen ein manigfaltiger verwendungskreis ergiebt, der aus der gleichsetzung von fidelis
und getriuwe
abgeleitet werden kann, so ist der ausgangspunkt für die originalen deutschen verwendungen doch wol auf anderem boden zu suchen. in getriuwe, fidelis
tritt von vorneherein der absolute gebrauch des adjectivs zu tage, der allem nach erst auf verkümmerung und verwitterung des relativen gebrauches beruht. die persönliche beziehung musz den grundzug der ursprünglichen bedeutung ausgemacht haben und diese persönliche beziehung fuszte auf rechtlicher grundlage. wie in triuwa,
fides und noch mehr im gotischen triggwa,
vertrag, bund, bündnis das rechtsverhältnis zwischen zwei personen in den vordergrund tritt, so beruhen auch getrauen
und getreu
auf der grundlage rechtlicher beziehungen. wer seinen verpflichtungen gegen einen andern nachkommt, wer die gewähr bietet, dasz er ihnen gegebenen falls nachkommen wird, der ist getriuwe. I@3@aa)
dem entsprechen auch die ältesten originalbeispiele aus Heliand und Otfried. hêt thâr is gisiðôs te imu twelii gangan, thea im gitriwiston an irô môd-seon mannô wârun.
Heliand 4558,
vgl. 3519; lostun nan tho thánanathie zwéne richun thégana (
Joseph und Nikodemus) thie drúhtines gidríwonjoh selben Krístes líubon, Otfrid 4, 35, 22,
vgl. 1, 3, 45.
auch die manigfachen beispiele, die in Notkers
psalmenübersetzung als zuthaten des erklärers sich erweisen, fallen meistens unter diesen gebrauch: aber sîn rât wéret iêmer sîne gedáncha in êwa. wélee gedancha? daz er diê gehalte, die ímo getriúwe sint. Notker
zu psalm 32, 13
u. a.; obe wir die sine minnesten. die sine deumten. die sine getriwen vermanen. unde si entêren .. wir mzzen ez âne zwivel garnen.
speculum ecclesiae 122
Kelle. I@3@bb)
vor allem ist es die rechtssprache, die ältere und jüngere beispiele für diese bedeutung darbietet. I@3@b@aα)
für das verhältnis des dieners zu seinem herren: wende he sime herren plichtich is getrüwe unde holt to wesene (
variante truwe).
Sachsenspiegel, lehnrecht cap. 58 § 2
Homeyer, vgl. auch Schiller-Lübben 2, 90
a; so sal der nechst .. dieselbe fauthei (
vogtei) entphahen .. von dem dechent und capittel des stiftes zu unser lieben frawen zu den greden zu Mentz zu lehen, und soll geloben und schweren, dem vorgenanten stift getrewe und holt zu seine.
weisthum zu Nidda, Grimm
weisth. 1, 529; welicher meins genadigen herrn von Admund hold und hindernsäss ist mit hantgelobtn treun on ains geswornn aides statt, sein getreur und gewärtiger hold zu sein, seiner genaden frumen zu furdern und seinen schaden zu wentn, auch sein dienst getreulich zu geben nach inhalt seiner gnaden urbar.
österr. weisth. 6, 41 (
St. Gallen anfang 16.
jahrh.); daz sie von allen iren knechten gelubde nemen, daz er einem erbarn rat, seinem haubtman und gemeiner stat getrew, geweere und gehorsam sein wölle.
instruction für die Nürnberger hauptleute von 1471.
d. städtechron. 11, 529; und besondern fronpoten haben, den si aus in erwellen und nuz und guet sei und sezen sollen, der alsdann dem richter und comann schweren soll, der herrschaft und dem richter daselbs getreu, gwertig und gehorsam sein soll, als darzue gehört.
rechte des gotteshauses Brixen in Fassa (1451)
österr. weisth. 5, 737; ain yeder müller solt seiner herrschaft aidspflicht thun derselben mit seinem dienste vogtrechten, gülten, vnd wes er .. schuldig, gehorsam getreu vnd gewärtig zu sein.
württemberg. müllerordnung in Tenglers
laienspiegel (I, 35)
vgl. Heumann
opuscula 249; also, das dieselben sechs geschworn und ire nachkomen .. dem obbemelten meinem gnedigen herrn und seiner gnaden nachkomen getreu und gewärtig zu sein in dem, und als geschwornen zn thuen gebürt.
weisth. von Lüsen 1611
österr. weisth. 5, 371; wir .. entbieten dem gottesfürchtigen, keuschen und getreuen Joseph. Ayrer
histor. prozess. juris (II, 1) 435 (1680); si sworen eme unde daden hulde, dat de stat getruwe eme wesen sulde. G. Hagen
Kölner chron., 1644 (
d. städtechron. 12, 69). I@3@b@bβ)
für das verhältnis des herrn zu den unterthanen: swen des niht betrâge, der hœr des landes klage. ey, künec Ruodolf, sît ir getriu rœmischer erd, sô klag ich iu und iwern Swâben allen glîch.
Seifried Helblinc 5, 3. I@3@cc)
auf diesen verwendungen baut sich der gebrauch auf, der in der schönen litteratur zu tage tritt. I@3@c@aα)
mit bezug auf personen. [] I@3@c@a@11))
umfassende und allgemeine verpflichtungen: daz ander daz du iht versmæhest den ebenkristen, der ze næhest dir an dem gelouben ist. wis im als dû dir selben bist, getriwe holt unde gewære. Lamprecht v. Regensburg
tochter von Syon v. 1992
Weinhold; wande im manic guot kneht was getriuwe unde holt. er gap in silber unde golt.
Lancelot 9220
Hahn; wie möhte ir ainem fürsten getreuwe sein. A. v. Eyb
spiegel 105
a; 'nên, Reinke', sprak de konniginne, 'mîn here schal ju laten leven unde ju vruntliken vorgeven altomalen sinen ovelen môt; gi scholen vortan wesen vrôt unde mineme heren alle tît getruwe.'
Reinke de vos 2375
Lübben; um den hals hiengen sie eine goldene oder silberne münze, nachher der Geusenpfenning genannt, deren eine seite das brustbild des königs zeigte, mit der inschrift: dem könige getreu ... bisz zum bettelsack. Schiller (
abfall der Niederlande) 7, 201 (
bei Burgundus
historia Belgica 187:
fideles regi); dasz Deutschlands völker .. doch trotz alledem, und trotz allen versuchungen, an denen es (
in den revolutionskriegen) nicht fehlte, gleichwohl ihnen (
den fürsten) und ihren gebräuchen getreu verblieben sind. Klinger
betrachtungen 1, 174. I@3@c@a@22))
die verpflichtungen sind auf bestimmte verhältnisse eingegrenzt: dient euern herrn getreue. Schoch
komödie vom studentenleben 95
Fabricius; dann müssen sie (die beyden jungen angehenden eheleute) einander die hände geben, vnd die köpffe an einander halten, also, dasz des mannes häupt höher stund ... in solher postür müssen sie einander schweren, vnter allem creutz einander getrew und hold zu seyn. Olearius
persische reise (4,
cap. 40)
s. 519 (
ausgabe von 1663); dem glück steh alles frei! wenn ich nur dich, mein kind, getreu und mir so hold als schön befinde. Hagedorn (
das glück und Melinde) 3, 93; der grosse man zeigt uns alsdann, unser aller mutter sey auch die seine, und er bleibe ihr getreu. Klinger
betracht. 1, 174.
an solche beispiele knüpfen jüngere fortbildungen des gebrauches an, vor allem in der form der reflexivconstruction s. u I@3@c@bβ)
übertragungen setzen hier schon frühzeitig ein: die mann die du gesehen hast zwischen des tiers zenen daz waren zwen risen die waren iren scheczen als getreuw das wenig bey irem leben funden ward iresgeleichen.
die gesicht Tundali (
Straszb. 1476); in Spanien blieb, bei der liebe winken, ein Scipio dem süszen wein getreu, und gab gar bald, ihn ungestört zu trinken, das schönste kind der kriegsgefangnen frei. Hagedorn (
die helden) 3, 30; ich hoffe du bleibst meinem garten getreu. Göthe
briefe 6, 278
u. a. vergl. sp. 4516. I@44)
unter den beispielen für absoluten gebrauch des adjectivs stehen solche verwendungen voran, die ungezwungen auf den relativen zurückführen; die person, der die treue gilt, ist mitgedacht, ohne sprachlichen ausdruck zu finden;
in anderen gebrauchsformen dagegen treten diese beziehungen in den hintergrund;
in manchen sind sie überhaupt nicht mehr nachzuweisen. I@4@aa)
verhältnisbestimmungen stehen im vordergrunde. der bedeutungsumfang ist bei dieser gruppe der verwendungen zwar schon ein weiterer, doch sind ihm immer noch bestimmte grenzen gezogen. der begriff der treue tritt hier bald ganz allgemein gefaszt als verläszlichkeit auf, bald nimmt er besondere formen an, je nachdem er auf das verhältnis von herrn und diener, auf die gefolgschaft im kriege, die freundschaft, auf das eheleben im besondern sich bezieht. den grundzug auch für diese letzteren verwendungen bildet der begriff der stetigkeit, des unerschütterlichen festhaltens. I@4@a@aα) I@4@a@a@11)) si sprach: 'des setze ich iu ein phant: ir sult mich haben bî der hant vil vaste: daz erloube ich iu. ir mügt wol sîn niht gar getriu, sît ir mir niht getrûwen welt. U. v. Liechtenstein
frauendienst 1263
Bechstein; so getriuwe und sô gewære was diu guote Lûnete daz sî daz willeclîchen tete (
was sie gelobt hatte).
Iwein 5561. I@4@a@a@22))
im parodierenden gebrauche: Simplicissimus sahe einen mahler die trew in gestalt eines weibsbildes mahlen und neben sie einen hund als dasz getrewiste thier. zu dem sagte Simplicissimus, er solte jhr vielmehr kopff und kleydung voller läuse mahlen, dann selbige wären so getrew, dasz sie sich auch mit einem hencken liessen. Grimmelshausen
ewig-währender kalender 4, 223
Kurz. [] I@4@a@bβ) I@4@a@b@11)) wol erkand ich Aldrîânen: wan er was mîn man, lop unde michel êre er hie bî mir gewan, ich machte in ze ritter und gap im mîn golt. durh daz er getriu was, des muos ich im wesen holt.
Nibelungen 1693, 4
Lachmann. ich weiz wol daz si mir den rat niuwan durch alle triuwe tete. swâ ich gevolget ir bete, daz enwart mir nie leit, und hât mir auch nû wâr geseit, ich erkenne lange wol ir muot: sî ist getriuwe unde guot.
Iwein 2024; wer ist getreu vnder allen deinen knechten als David.
1 Sam. 22, 14
Eggesteyn. ebenso Koburger; und wer ist unter allen deinen knechten als David, der getrew ist und des königs eidem, und gehet in deinem gehorsam, und ist herrlich gehalten in deinem hause? Luther. I@4@a@b@22)) und daz sie hetten kein der wer sumelîchen ungetrûwen man. ez wart in dicke schîn getân sô man die brûdere dâ nider slûc, daz er sîn houbt von dannen trûc. die getrûwen bestûnden in der nôt und bliben bie den brûderen tôt.
livländische reimchronik 4915
L. Meyer. I@4@a@b@33)) dô sprach er aber 'geselle mîn, nu solt du lâzen werden schîn ob du bist getriuwe. eine trüge niuwe wil ich an vâhen, ob ich ir müge genâhen.
Tristan als mönch 929
Paul. I@4@a@b@44)) alle meine freude ist mir ee der zeit verswunden, zu frue ist sie mir entwüschet, alzu schire hapt ir mir sie entzucket, die getrewen, die gehewren: wann ir mich zu witwar und meine kinder zu weisen so ungenedigclich hapt gemachet.
ackermann aus Böhmen 17; zudem so wust ich auch dasz du getreu im lieben, dasz du beständigkeit zum zwecke dir erziehlt, nicht wíe manch grüner sinn, der nur von lust getrieben sich stellt verliebt zu sein, und nur mit eiden spilt. H. Mühlpforth (1686)
hochzeitsgedichte 43; so einig, so getreu, so fruchtbar und so rein sei dieses neue paar, wie turteltauben sein. Fleming
s. 88
Lappenberg. I@4@a@b@55)) ist auch die erste ehre, die einer dem andern in besuchen oder zusammenkünfften anthut, dasz man jhm tzarko wino eine vnd mehr schalen brandwein zu trincken darreichet, worbey dann der gemeine pöbel, sclaven vnd bauren sich so getrew finden lassen, dasz wenn mancher von einem fürnehmen manne die schale auff seiner hand zum dritten, vierdten vnd mehr mahlen eingeschenckt bekömpt, er jmmerfort ausztrincket. Olearius
persische reise (3,
cap. 6) 194 (1663). I@4@a@gγ)
besondere verwendungsformen bauen sich auf dem verhältnisse des menschen zu gott auf. beiden theilen wird das adjectiv prädiciert und in jedem falle ändert sich der bedeutungsgehalt. I@4@a@g@11)) ketriûwe ist got der unsih ni lâzzet ferror irsochit werden (
fidelis deus). Notker
zu psalm 32, 4; getruwe ist unse herre.
Trebnitzer psalmen, psalm 144, 14
; der herr ist getrew bei Dietenberger
(treu Eck
); sô lobe ich dich, vil süezer got,
daz alsô reine ist dîn gebot
ân allen spot,
so stæte und sô getriuwe.
Gottfried v. Straszburg
lobgesang auf Maria 66, 4 (
ztschr. d. alterth. 4);
wan got der ist getrewe, der euch nit liedt ze versuchen uber daz, daz ir mugt. codex Teplensis 1 Cor. 10, 13
(fidelis autem deus); aber gott ist getrew, der euch nicht lesset versuchen uber euer vermögen. Luther,
ebenso die späteren übersetzer; denn gott der ist getrüw und lasset uns nit angefochten werden, über das, das wir vermögen. Geiler v. Keisersberg
seelenparadies (1510) 32
a. vgl. der getreue gott; vgl. auch spalte 4504 unten. I@4@a@g@22)) sît getriwe ân allez wenken, sit got selbe ein triuwe ist: dem was unmære ie falscher list.
Parzival 462, 18; der hêre Meynhart was recht und ein getrûwe gotes knecht.
livländische reimchronik 390
L. Meyer; sint Colne zeirst Kirstene name intfeinc, deme stole von Rome it nei ave geinc (
nie abfiel von Rom), it was Cristen und getruwe. Hagen (
Kölner chronik 607)
d. städtechron. 12, 39; fürchte dich fur der keinem, das du leiden wirst. sihe, der teufel wird etliche von euch ins gefengnis werffen, auff das ir versucht werdet, und werdet trübsal haben zehen tage — sei getrew bis an den tod, so wil ich dir die krone des lebens geben. Luther
offenbarung Johannis 2, 10 (
esto fidelis: bis getrew uncz an den tod.
codex Teplensis).
[] I@4@bb)
die beziehungen bleiben unbestimmt; der bedeutungsgehalt ist allgemeiner gefaszt und nimmt je nach dem zusammenhange des satzes verschiedene formen an. I@4@b@aα)
auch hier hält sich der begriff der stetigkeit, der nebenbei gerne durch synonyma besonderen ausdruck erhält: wârhaft mit sînen worten er was an allen orten getrûwe unde stête.
livländische reimchronik 705
L. Meyer, klopfan mein aller libster knab pistu der für den ich dich hab getrew stet frum still vnd verswigen vnd warst kein gewder nie gezigen. Folz (
klopfan)
fastnachtspiele 1243
Keller. I@4@b@bβ)
aus dem begriffe der verläszlichkeit entwickeln sich einige bestimmtere züge, die bedeutungen wahrhaft, rechtlich, verschwiegen. I@4@b@b@11)) getreu =
wahrhaft, ohne falsch: si sprach zuo dem künige 'vil lieber herre mîn, ich wolt iuch bitten gerne, möht ez mit hulden sîn, daz ir mich sehen liezet ob ich daz het versolt ob ir den mînen vriunden wæret inneclîchen holt'. dô sprach der künic rîche (getriuwe was sîn muot) 'ich bringe iuch des wol innen swâ liep unde guot den recken widerfüere, des müese ich vreude hân, wand ich von wîbes minne nie bezzer vriunde gewan'.
Nibelungen 1342
Lachmann; als getriu und alsô sleht, als der grâve Albreht in der jugent was erkant, ê im diu witze geswant. Ottokar
reimchronik 34446
Seemüller; der mertze gantz, der april im schwantz, der mey new sind selten getrew.
sprichwort aus M. Böhm
kirchenkalender (1608) 8. I@4@b@b@22)) getreu =
rechtlich: hiemite so wart ouch gegeben dem kunige michel ruwe. er wart also getruwe, daz er dem bischofe uffer stat zu vuze viel unde bat vergeben, daz er im tet.
passional 460, 4
Köpke; der gûte bischof Albrecht der was getrûwe und recht.
livländ. reimchron. 810
Meyer; dasz .. man jhm die einnahm und auszgabe vnter die hände gab. worbey er sich auch eine zeitlang getrew finden liesz, bisz er endlich sich zu liederlichen gesellen findet. Olearius
persische reise (3,
cap. 12) 236 (1663). I@4@b@b@33)) getreu =
verschwiegen: wes er mit mir pflæge, niemer niemen bevinde daz, wan er unt ich, und ein kleinez vogellîn: tandaradei, daz mac wol getriuwe sî
n. Walther 40, 18
Lachmann; wan der do ist getreüwe der verhält die missitate des freundes.
sprüche Salomonis 11, 13
Eggesteyn, ebenso Koburger; ein verleumbder verrhet was er heimlich weis, aber wer eins getrewen hertzen ist, verbirget dasselb. Luther. I@4@b@gγ)
eine verblassung und verallgemeinerung der bedeutung liegt in der zusammenstellung unseres adjectivs mit synonymen wie gut
u. a.: man hôrt hie alle zîte Kriemhilde klagen; des ir niemen trôste daz herze noch den muot, ez entæte Gîselhêr: der was getriwe unde guot.
Nibelungen 1039
Lachmann; er was getruwe unde gut und achte nicht ûf ubermût.
livländ. reimchron. 7559
Meyer. I@55)
schon in der sprache Luthers
stehen, wie sich oben zeigte, dem lebendigen gebrauche von getreu
hemmnisse entgegen: aus mitteldeutschen denkmälern zuerst belegt, greift das einfache treu
immer mehr um sich, wobei es im süden von den bekannten neigungen der oberdeutschen mundarten begünstigt wird (
vergl. zum getreuen Eckart
sp. 4510
unten).
das ergebnis dieses prozesses ist frühzeitig eine einschränkung der alten vollen form auf bestimmte formelhafte verbindungen und verwendungen, die unter II
dargestellt werden. daneben wird der gebrauch der präfigierten form in der sprache der poesie festgehalten, die sich die möglichkeit nicht nehmen läszt, mit den doppelformen die bedürfnisse des versmaaszes zu decken. von diesen beiden ausnahmen abgesehen ist der verwendungskreis unseres adjectivs, soweit nicht einige spielarten mit der mittelhochdeutschen zeit abgestorben sind, ganz auf die einfache form übergegangen; namentlich in den intensiven bedeutungen dringt die letztere frühzeitig ein: wan got der ist getrewe.
codex Teplensis, 2 Cor. 1, 18 (
fidelis; aþþan trigws guþ. Ulfilas);
ebenso noch bei Dietenberger;
aber o ein
[] treuer gott
bei Luther
und Eck; zu gelicher weiz di weip ze sein keusch, nit hinderredent, getempert und getrewe in allen dingen.
1 Timoth. 3, 11
codex Teplensis; quinons samaleiko gariudos, ni diabulos, gafawrjos, triggvos in allamma. Ulfilas; desselbigen gleichen ire weiber sollen erbar sein, nicht lesterinne, nüchtern, trew in allen dingen. Luther (Dietenberger
und Eck
stellen getrew
wieder her); mîniu oûgen sint indâ
n. ze getriúwen ánasídelingen déro erdo (
ad fideles terrae). Notker
psalm 100, 6; ougen miniu ze den getriuwen der erde.
Windberger psalmen 100, 8
; getruwen der erden. Trierer codex, ebenso Trebnitzer psalmen; meine augen sehen nach den trewen im lande. Luther
psalm 101, 6
(getrewen Eck
; getrawen Dietenberger
). vgl. auch sprüche Salomos 14, 25 bei Luther
gegenüber der ältern bibel u. a. — in dem briefwechsel des Nürnberger patriciers Paumgartner mit seiner braut finden sich threues hertz und gethreues herz neben einander (litt. verein 204, 12 und 13). I@66)
von dem concurrenzkampfe zwischen der präfigierten und einfachen form macht die gebundene sprache, wie erwähnt, den ihr zusagenden gebrauch. schon bei H. Sachs
läszt sich beobachten, dasz er in der prosa andere neigungen hier bethätigt, als im bannkreise des versmaaszes. er liebt für die überschriften z. b. die präfigierte form, während er innerhalb der gedichte selbst im gleichen zusammenhange die einfache vorzieht, so in der historia die getrewen weiber: nun schawet an die trewen weiber die also jre zarte leiber all iren adel, ehr und gut int schantz schlugen mit trewem mut für jre verurteilte mann auff das sie jn hülffen darvan. 8, 723
Keller. ebenso in der historia der neun getrewen haiden, sampt jhren wunder getrewen thaten. 2, 299
Keller u. a.; spätere dichter neigen umgekehrt innerhalb des versmaaszes zu der präfigierten form, die jambischen anlaut gewährt: ein getreues herze wissen hat des höchsten schatzes preis. der ist selig zu begrüszen, der ein treues herze weisz. mir ist wol bei höchstem schmerze, denn ich weisz ein treues herze. läuft das glücke gleich zu zeiten anders, als man will und meint, ein getreues herz hilft streiten wider alles, was ist feind. mir ist wol bei höchstem schmerze, denn ich weisz ein treues herze
u. s. w. Fleming
Elsgen treues herz; als ich .. älter war, doch kleiner, als mein getreues schäfchen, da folgt îch schon der Chloris, wie mir mein treues schäfchen. Hagedorn (
Chloris) 3, 58; der maler liesz nicht nach; er bat, bis sie es ihm versprach, und schwur, sie recht getreu zu fassen ... das bild war treu, und schön, bis zum entzücken. Gellert (
Selinde) 1, 88.
von den klassischen dichtern neigt Göthe
mehr zu der volleren form in den besonderen verbindungen, die dieser noch erhalten sind. Schiller
bevorzugt auch für letztere das einfache treu.
von den späteren dichtern wird die präfigierte form namentlich im jambischen versmaasze begünstigt: der königin Margrete von Österreich getreue kämmerin. Grillparzer (
Ottokar 5) 6
5, 143; du keusche liebesgöttin, getreue gattin deines holden gatten, dich fleh' ich an: verleih mir deinen schutz. (2) 48. I@77)
wie in der gebundenen sprache das geregelte versmaasz, so macht sich ein ähnliches bedürfnis auch in der sonstigen sprache als forderung des wohllautes geltend. in zusammensetzungen mit unserem adjectiv wird, sofern der erste compositionstheil mit einer hebung schlieszt, die präfigierte form bevorzugt. so überwiegt pflichtgetreu
über pflichttreu (
vgl. th. 7, 1764
und 1768);
so sind gottgetreu, naturgetreu (
th. 7, 451), wahrheitsgetreu, sachgetreu (
th. 8, 1603), wortgetreu
u. a. zeugnisse für das unbewuszt wirkende rhythmische gefühl. einen beweis älterer stufe der composition wird man in den belegen für präfigierte form nicht erblicken dürfen, weil diese wortgruppen erst zu einer zeit in den vordergrund treten, in der die präfixlose form schon begünstigt wird. I@88)
die wörterbücher nehmen nur langsam von dem gegensatze kenntnis, der sich im gebrauche der beiden formen entsponnen hat. I@8@aa)
die älteren verzeichnen unsere form ohne einschränkung: [] gedrouwe (
fidus, fidelis).
vocabular. ex quo 15.
jahrhund. vgl. Diefenbach-Wülcker 618; getreu
fidelis, hoc est fidus. vocab. incipiens teut. bei Hupfuff 93; getrew,
fidus, fidelis; fide präditus;
qui fidem suam praestat Henisch 1587;
ähnlich Dentzler (1677) 116. Frisius (1700) 112. Weismann (1715) 155; getreu
fedele, fido, fidato Castelli (1700) 139; getreu
fidele, fidelis. dictionaire du voyageur 144; getreu,
fidele, loial Rondeau-Buxtorff 253. I@8@bb)
bei Stieler
wird getreu
nur noch als vereinzelte nebenform zu treu
aufgeführt 341;
ebenso bei Frisch 2, 387. Steinbach (841)
dagegen belegt einen gröszeren verwendungskreis unserer form. andere wörterbüeher lassen —
ohne die thatsache auszusprechen —
durch die art der belege die bestimmten verbindungen erkennen, in denen getreu
sich hält: treu oder getreu seyn
to be true, trusty, faithfull, honest, upright, candid or sincere; ich befehl euch gott, und verbleib euer getreuer vater ...
remain your loving parent. teusch-engl. wb. (1716) 2019,
ähnlich Schwan (1782) 740. I@8@cc)
bei Adelung,
dem als gründlichem sammler und beobachter die grosze zahl der verwendungen von getreu
nicht entgangen ist, erscheint doch das verhältnis zwischen dieser form und dem jüngeren treu
in schiefer darstellung. dem bestreben folgend, die einfachere form stets für die ältere und ursprünglichere zu halten, giebt er an: getreu .. das verlängerte wort treu, welches durch dasselbe, wenigstens in der edlen und anständigen sprechart aus verschiedenen seiner bedeutungen verdränget worden. 2, 638.
auf der auffassung Adelungs
fuszen auch neuere wörterbücher: die richtige darstellung des verhältnisses ist bei Kluge
und Paul
gegeben. I@99)
die steigerungsformen sind für unser adjectiv von ungleicher ergiebigkeit. I@9@aa)
der comparativ tritt vereinzelt auf und übt keinen einflusz auf die bedeutungsentwicklung aus: o! sklave, nicht getreuer, als feile liebe! — was? trittst du zurück? Voss
Shakespeare (
Antonius und Cleopatra 5, 2: o slave, of no more trust) 3. 183,
ebenso Eschenburg (
bei Schlegel
und Tieck: nicht treuer du); des herzens klagen, heisz und innig, die, liedgeworden ihm entklangen, hat deine seele, tief und sinnig, getreuer als mein lied empfangen. Lenau
zueignung. I@9@bb)
dagegen ist der superlativ ungemein beliebt; in seiner formelhaften verwendung nimmt das adjectiv je nach dem zusammenhang der energie an bedeutung ab oder zu. I@9@b@aα) daselbst trat ich mit etlichen meiner getreuesten aus, und liesz die priester auch dahin leiten. Lohenstein
Armin. 1, 488 (1689); von meinen getreuesten, die sie fanden, als sie hier ankamen, wie wenige sind noch übrig. G. Freytag (
aus einer kleinen stadt) 13, 109,
vgl. III,
d. I@9@b@bβ) der ich bin und verbleibe euer gestrengen ... getreuester Tscherning.
widmung Tschernings
an M. Apelles von Löwenstein 1642.
vgl.aller getreueste seele
sp. 4513. IIII.
die attributiven verbindungen des adjectivs. die unter I, 4
und I, 5
dargelegten bedeutungen erhalten bei engerer verbindung mit bestimmten substantiven eine neue richtung der bedeutungsentwicklung. zugleich ist in diesen mehr oder weniger formelhaften verbindungen für die präfigierte form getreu
ein schutz gegen das eindringen des jüngeren concurrenten gegeben. nicht alle attributiven verbindungen gehören hierher, manche vielmehr sind gelegentlicher und zufälliger natur; in ihnen bleibt der zusammenhang locker, und das adjectiv erhält sich unberührt, so z. b. neben den appellativen nominibus die dem treuen Rüdiger
im Nibelungenliede gegeben werden: mit trûrigem muoteder viel getriwe man, den er daz reden hôrteder helt der blicte in
an. 2078, 1
Lachmann; der vil getriwe reckeharte jæmerklîche sprach. 2089, 4; der getriuwe man
ist eine verbindung, die zum formelschatze der mittelhochdeutschen dichtung gehört und die mit dieser wieder verschwindet: sô sprich: îch will dir hiute erzeigen, lieber herre min, daz ich dir wil getriuwe sî
n. sag an, bistû noch stæte? des dû mich gester bæte, des wil ich gerne volgen dir, nû wol uf! wildu mit mir, ez sî rûch oder sleht, ich wil dir alsam ein kneht und dîn vil getriuwer man iemer dienen swâ ich kan. Rudolf v. Ems
Barlaam 18
b, 16;
[] nû habent den gouch die hêrren sumelîche vil baz — ich mein ein smeichenære der niht wan schande vâhen kan — unt smâchent den getriuwen man, Reimar v. Zweter 154, 11
Röthe; dô sprach meister Hiltebrant: 'sihst du daz Eckehart? du getriuwer degen, nu hebe dich ûf die vart, mit deme sô solt du vehten, ein getriuwer man, dû hâst bî dînen zîten gar grôzer dinc getâ
n. rosengarten A. 288
Holz. vgl. der getreue Eckehart.
vgl. auch Schwabenspiegel cap. 81, 1
Gengler; für andere ältere verbindungen, wie der getriuwe knabe
u. s. w. vgl. mhd. wb. 3, 106
b. II@11)
verbindungen mit substantiven, durch die personen eingeführt werden. II@1@aa)
mannigfaltig und bedeutsam sind hier die bildungen aus dem rechtsleben und geschäftsverkehr: das adjectiv tritt damit in den dienst des titelwesens ein. II@1@a@aα) altsessen und erbsessen und getrawen lawten alzo vil, alz sie ir czu rehte habin sal.
Magdeb. fragen 228
Behrend; do sprach die iungiste: wenne wir ebenburtig seyn von vater und von muter und sich is nicht czwischen swestern voriaren mag umb erblich gut, ab ich billichen altsessene und getrawe lewte man manen sulle wenne ymant do vor getreten moge, ader was do recht sey. 229; so gebe man in einen ir muoter mage. oder einen getriuwen lantman. Ficker
deutscher leute spiegel 63; und wil iener bereden daz er getriwer man sei mag er in uberzeugen mit siben mannen daz er sein triwe habe geprochen. 92; die vorgiftunge ist geschên mit der erbhern wille und vor eime richter und vor der gehegitten bang (
bank). dorobir had Mertîn sein wizzebîr gegebin den getrauwen nâchebûren.
Dresd. schöffenstreit (15.
jahrh. 1.
hälfte), Lörsch
und Schröder
urkunden zur geschichte des deutschen privatrechts 2, 244; des so gestelte der borggreve den gefangen man vor gehegit ding unde spreche mit syme vorsprechin: her vogt unde ir getruwen scheppin, wenne deser mann bosze unde falsche briffe gefurt hat .. nu vorschouwet in uwerem rechte, ab her dorumme icht lyden sulle adir was her dorumme vorfallen sey.
Magdeburger fragen 203
Behrend. II@1@a@bβ) der getreuwe gezeug derlöst die seelen.
sprüche Salomos 14, 25
bei Eggesteyn und Koburger; 'ein trewer zeuge errettet das leben, aber ein falscher zeuge betreugt. Luther. II@1@a@gγ) erbdienstbarkeiten sind solche lasten einer liegenschaft, welche weder zum vortheil einer bestimmten person, noch zum vortheil einer bestimmten liegenschaft oder ihres besitzers, sondern zum vortheil jedes getreuen rechtsinhabers bestehen.
badisches landrecht (1809) § 710
a; erbgült oder erbzins ist eine abgabe, welche ein eigentümer von dem genusz eines ihm gehörigen guts an jeden getreuen inhaber des gültrechts zahlen musz.
ebenda; getreue partei,
party observant (
im gegensatz zu der im verzug befindlichen) Eitzen
wb. der handelsprache 317. II@1@a@dδ) wir wollen auch und gebietten allen leuten, unsern getruwen fürsten, graven, frien, rittern, knechten, burgern und geburen. (
Ludwig der Bayer 1323)
oberrheinische stadtrechte 1, 1, 8
Schröder; wir Friderich von gotes gnaden burcgrafe zu Nürenberg, bekennen und tuon künt öffentlich .. das wir .. gelten schullen dem edeln unserm lieben getrüwen Heinrich vogt zu Weyda .. zwei tausent geschoke und hundert geschoke preiter guter Freiperger grosen.
urkunde von 1373
monum. zoll. 4, 242; wir Albrecht und Friderich von gotes gnaden burcgrafen zu Nürnberg veriehen und tun kunt an disem brif, daz wir .. haben geben unsern lieben getrewen Gelpfrat dem vetern (
etc.) die hernach geschriben gut.
urk. von 1357.
ebenda 3, 313; dobey waren die edeln und wolgeboren .. getrawen her Vlrich von Falkenhain, ritter, her Reinzke Domancz scolasticus czu Glogau .. her Bernhard von Granowitz, deme wir di sachen haben empholen czu vorschreiben.
urkunde des herzogs Ladissla von Opel 1393
codex diplomat. Silesiae 2, 63
b (
in 63
b variante kegenwortig den edlen unsern getrewen mannen); Maximilian von gottes gnaden Remischer kinig unserm getreuen lieben Hans Kaspar von Laubenberg, unserm rath und obristen veldhaubtman unser grafschaft Tirol.
schreiben Maximilians von 1442
österr. weisth. 2, 119; dem edeln unserm vicedom in niedern Baiern, und lieben getreuen Johannsen von Stauf zu Ehrenfels.
adresse eines briefes herzog Christophs von Baiern, Krennfr 6, 129; demnach haben wir, als fürst und herr, aus fürstlicher macht und volkumenhait, auch mit rechter wissen und zeitigem ratt der wirdigen, wolgebornen, edlen und wolgelerten, unsern andechtigen,
[] lieben und getreuen N. und N. unserer geistlichen und weltlichen räthe .. ain gebürlichs und notwendigs einsechen gethan.
gerichtsordnung des thals zu Evas (1550)
österr. weisth. 5, 745; demnach gebieten wir dem edlen und ersamen, unsern getreuen, lieben Marthin von Pogmundt zu Payrsberg, unsern haubtmann in Evas .. das sie dise gegenwürtige neue gerichtsordnung .. hanthaben und darnach geleben.
fürstbischof von Brixen (1550)
österr. weisth. 5, 745. II@1@a@eε) datz uns unser lieber herr und getrewer vogt, der vest ritter herr Ulreich Torer von Eyraspurcke layder von todz wegen abgangen ist, und der uns und unserm gotzhaus, und unsern läuten und güten sein lebtag getreu und hilfleich gewesen ist.
probst und convent zu Beuerberg (1412)
monum. boic. 6, 445; ich obgenannter Caspar Torer vergich .. daz ich .. der vorgenannten getrewer vogt, verantworter und vorsprecher sein will, mit allen meinem vermügen und trewen. 446; ich N. glob und schwer hiemit zu gott und allen heiligen, meim gnedigen herrn N. och der stadt oder marckt und gantzer burgerschaft getrüer und fleisziger vorgeer zu sein.
burgermaister aid bei Tengler
laienspiegel (1519) C 5
b. II@1@a@zζ) dazu haben die von unserer niederen landschafft mit uns geredet, wie ihnen als unsern getreuen landleuten solche uneinigkeit zwischen uns getreulich leid als billig sei.
herzog Albrecht an seinen bruder Sigmund (1467) Krenner 6, 127; das wollen wir als euere getreue landleute unterthäniglich verdienen.
rath von Deggendorf (1467)
ebendort; und wo wir als die getreuen unterthanen und inwohner des landes zwischen euer beiden gnaden reden, helfen und rathen möchten.
die landstände in Straubing (1467) Krenner
landtagshandl. 6, 125; ein getreuer knecht, unterthan,
un serviteur, sujet fidele Rondeau-Buxtorff 253; getreuer diener, unterthan. Schwan (1782) 740.
vgl. sp. 4509; wir müssen uns bei zeiten tüchtig rühren, und können drum, trotz manchem schönen gulden, getreue unterthanen, nimmer dulden, dasz Franken eure pferde uns entführen. G. Herwegh
pferdeausfuhrverbot. II@1@a@hη) im festen vertrauen auf seine alles umfassende güte solle die getreue bürgerschaft .. durch treue gegen ihren sie liebenden landesfürsten .. gottes segen zu verdienen suchen.
Churpfalzbayerische oberlandesregierung. München 16.
märz 1795; soll dein getreues volk auf deinen mauern stehn? soll ihr getroster fusz dem feind entgegen gehn? J. E. Schlegel 1, 123; dort taucht Wiener-Neustadt auf mit seinen zwei schwarzen türmen. diese wahrhaft gute und getreue stadt der Östreicher. Grillparzer (
tagebuch auf der reise nach Italien 1819)
werke 19
5, 195; rat und bürgermeister, herr, von eurer vielgetreuen Prager stadt. (
könig Ottokar) 6, 26; alsdann begab er (
Friedrich Wilhelm IV.
in Berlin) sich auf den in gold und purpur prangenden anbau des schlosses, wo der thron stand: gegenüber die flaggengeschmückten tribünen für die vertreter der städte und des bauernstandes; dazwischen tief unten die innungen der getreuen hauptstadt mit ihren fahnen. Treitschke
deutsche gesch. 5, 50. II@1@a@thθ)
einzelne berufsformen: II@1@a@th@11)) getrewe räthe
vgl. sp. 4510. II@1@a@th@22)) also tuen die getrewen chauffleut hinder sich (in drie man).
italienisch-deutsches sprachbuch 58
a Brenner. II@1@a@th@33)) sol er ains getruwen artztes raut haben und das laxieren sol stulgang machen und harn. Steinhöwel
regimen sanitatis 327
Ehrle. II@1@a@th@44)) aber es sindt yeczundt ettlich, so bald ein kunstbuch im druck ausgaet, so kauffen sie das auff, das das selbe buch nicht für die einfeltigen solde komen .. als mit etlichen rechenbücher, die von getrewen meistern an tag trewer meinung mit geteilt worden seindt, der kann nun niemands schier keins uberkomen. Fabritius
büchlein gleichstimmender wörter, neudruck 18
J. Meier; ein beschlus dieses büchleins an die getreuwen schreib schülers. 41. II@1@bb)
verbindungen, die aus der geistlichen litteratur in die weltliche übergreifen. II@1@b@aα) gott der vil getruwe.
passional 38, 91
Köpke; als ich solchen tag fortt zu reitten morgens früe an die hand genommen und den getrewen gott zu meiner vorhabende weytte raysz umb glücklichen beystand ersuchtt. H. U. Kraftt
reisen 6; ach, du so mild getreuer gott! du schöpfer der naturen! warum verliesz ich dein gebot? wand mich zu creaturen? Spee
trutznachtigall (
anderer buszgesang) 112,
ausgabe von 1844;
[] vor stolze fürsten soll ich kühnlich treten; getreuer gott, hör' noch einmal mein flehn, lasz mich noch einmal muthig zu dir beten, dann will ich fröhlich selbst zum tode geh'
n. Th. Körner
Luthers monolog. II@1@b@bβ) ketriuwe hêrro ist er in állen sînen wórten. wanda er so geleísta so er gehîez (
fidelis dominus in omnibus verbis suis). Notker
psalm 144, 13; getruwer herro in allen worten sinen unde heilich in allen werchen sinen.
Windberger psalmen (
fehlt bei Luther;
in anderen übersetzungen andere wendungen); das schönste, was die weite schöpfung kennt, ist eines königs kron' auf eines menschen scheitel. richt auf den schwächern, halt im zaum den kühnern, das gute thu und thu es rasch und gern: sei ein getreuer herr erst deinen dienern, dann sind sie treue diener ihres herrn. Grillparzer
variante zu '
der treue diener seines herrn'
vgl. Sauer
einleitung zu 1, 55. II@1@b@gγ) getreue christen; it was Cristen unde getruwe. Hagen
Kölner chronik 607; er irwelte einin âhtare der cristenheit und machoti in zeinim getriuwen christen.
speculum ecclesiae 95
Kelle; alle getreugen christan,
tutti li fideli christani Schmeller
cimbr. wb. 241. II@1@b@dδ) in tugentlicher kere konde er wol sprechen gotes wort allenthalben, hie und dort was er den kranken ein stab, den er guten trost gab, als die getruwen hirten tunt.
passional 11, 13
Köpke; dem selben getrewen hirten folgen seine schefflein. Luther
sermon von dem wucher 1520,
b 3
a; der ander ist gwesen Johann Ecolampady selig der loblichen stat Basel getreuer hiert und warhaffter leerer. Sebastian Fischer
Ulmer chronik 17
Veesenmeyer; getreue schäfer. Gleim
musenalmanach auf 1771,
neudruck 79; getreuer hirt. Wieland 18, 180. II@1@b@eε) mit Onesymo, dem lieben und dem getreuen bruder.
Kol. 4, 9 (thamma liubin jah triggwin brothr. Ulfilas)
codex Teplensis, ebenso Luther; tiser hûotare unde diser getriuwo brûoder behûotet iro sêla únde iro sinna állero (
hic tutelator fidissimusque germanus). Notker (
Marcianus Capella) 3, 352
a Hattemer; dô begunde och flêgenUote und Gêrnôt und ir getriwe mâge,si bâtens dâ bestâ
n. Nibel. 1021, 3
Lachmann; darum sant ich zu euch Timotheum, der da ist mein liebster sun, und getrewe im herren.
codex Teplensis 1 Cor. 4, 17 (
fidelis in domino); aus derselben ursache habe ich Timotheum zu euch gesand, welcher ist mein lieber und getrewer son in dem herrn. Luther
und die späteren übersetzer; da schrieb mir mein bruder Hannsz von Berlichingen seel. anhero gen Hornberg, ich solt zu ihm kommen, nachdem viel bauren zu Schönthal ligen, solt ich ihm helffen, damit sie ihn nicht übereilten, das thet ich nun als ein getreuer bruder. Götz v. Berlichingen
lebensbeschreibung neudruck 85
Bieling. II@1@b@zζ) II@1@b@z@11)) Chyntikus, der lieb bruder und der getrewe ambechter im herren, den ich sant zu euch in disem selben, der mache euch kunt alle dink.
codex Teplensis Ephes. 6, 21 (
fidelis minister in domino; sa liuba broþar jah triggwa andbahts in fraujin. Ulfilas); Tychicus mein lieber bruder und getrewer diener in dem herrn. Luther
und die späteren übersetzer; gifih, guot scalc inti getriwi: wanta thu ubar fohiu wari getriwi, ubar managu thih gisezzu.
Tatian 149, 4; sein her sprach zu im: frewe dich guter knecht vnd getrewer, wan du bist gewesen getrewe uber luczele dink.
codex Teplensis Matthäus 25, 21 (
serve bone et fidelis);
genau so Eggesteyn; vrowe dich, gûtir knecht und getrûwir, wan du ubir wênic bist getrûwe gewest. Beheims
evangelienbuch; ey du fromer und getrewer knecht, du bist uber wenigem getrew gewesen. Luther
und die späteren; wan der almächtig gott erfüllet das, das er seinem getrewen diener Benedicto verheissen hätt.
dialogi sancti Gregorii (1476) 2,
cap. 17; es ist ein grosz ding, sein ain getreuwer diener gottes. Keisersberg
predigten (1510) 69
a. II@1@b@z@22)) wie bald das beschehen, do hat er vom fursten ain urlaub genommen, mit vermelden, es sy nit mentschlich, vil weniger furstlich gehandlet, ain getrewen diener on alle not an solliche greuliche und unvernunftige thier, an denen kain lob oder er zu erlangen, zu wagen und in dodt zu schicken.
Zimmerische chronik 4, 413; es ist eyn burger vnd gte person die hat eynen seinen getreuen diener .. krancken auf die freyen strassen tragen thet.
Dekameron 605, 11
Keller, ebenso 467, 16
u. a.; verachtung, welche in den bösen schelcken verborgen leigt, sölch aber vff frum getrew diener, vnd vffrichtige vndersassen allerley hantierung (
jeglichen berufs) nicht gericht sol werden. Reinhard Lorich v. Hadamar
wie junge fürsten [] und grosser herrn kinder rechtschaffen instruirt .. mögen werden (1537)
neudruck sp. 4508; ein getreuer diener. Schwan (1782) 740,
vgl. oben sp. 4508; die minister eines absoluten fürsten .. sind nur seine untergebenen gehülfen, seine getreuen diener, und müssen ihm unbedingt gehorchen. Heine
das bürgerkönigtum 7.
brief. II@1@b@z@33)) grüsset mir mein hausfrau Margareth und meine schwestern und schweger .. und das getreu hofgesindt.
Flersheimer chron. 25
Waltz; Petz, der iüngling, hett ainen getreüwen knecht, den ich will nennen Kleis; den selben liesz er versteen die lieb, die er hett vnd trge z der iunkfrauen Metzen. Eyb
zu Philogenia 2, 120, 18
Hermann; ein getreuer knecht. Rondeau-Buxtorff 253,
vgl. oben sp. 4508; neben jr getrewen junckfrawen (
kammerfrau, hofmeisterin) sie auch den herten todt erlied. Hans Sachs 2, 3, 172
a; Hannulffus, der getrew kemerling des künigs aus Lamparten. 22, 501
Keller-Götze; er wuszte es seiner getreuen leibwache wenig dank, dasz sie ihn dem gefräszigen schwert entrissen hatte. Musäus
volksmärchen 357. II@1@cc)
während sich in den unter a)
und b)
aufgeführten verwendungen mehr der begriff der pflichterfüllung geltend macht, mischt sich bei denjenigen substantiven, die dem gebiete der freundschaft, der liebe, dem eheleben entnommen sind, auch die neigung, das gemütsleben in den bedeutungsgehalt des adjectivs ein. II@1@c@aα)
den übergang von der letzterwähnten gruppe des dienstverhältnisses zu der der freundschaft bilden die rathgeber und sachwalter. II@1@c@a@11)) bit daruff di gesanndten umb gots willen, seine günstig getreu fürpieter bey seinen gnedigsten und gnedigen herrn, den gemeinen bundsstennden, zu sein.
verhandl. über Thomas von Absberg litt. ver. 114, 431. II@1@c@a@22)) man findt selten getreue ratgeber. A. v. Eyb
spiegel 105
a; wan ein ehrlicher gesöll in seiner blüehendten jugendt eintwöder vil gestudiert .. zu getrewen räthen gezogen, zur defenssion in fürfallendtem schutzdienst ufgenomen oder sunsten .. underhaltten worden. H. U. Kraft
reisen 1.
vgl. sp. 4508. II@1@c@a@33))
eine besondere berühmtheit hat unter den treuen rathgebern der getreue Eckehart
erlangt. schon in der heldensage erscheint dieser mit unserem beiworte geschmückt (
vgl. sp. 4507)
und sowol der zusammenhang als die wiederholungen zeigen uns, dasz das lob hier weit über das gewöhnliche maasz der sonst gepriesenen dienstmannentreue hinausgeht: dô sprach gezogenlîche der getriuwe Eckehart: 'unser beider strîten enwirt nicht langer gespart'. den schilt begunde er vazzen, der getriuwe man. er sûmte sich nicht langer, er spranc ûf den plâ
n. dô wuot durch die rôsen der getriuwe Eckehart, dô begegente ime Hagene mit einer snellen vart. sie gruozten dô einander, die recken unverzeit. nâch dem guoten gruoze der vride wart ûf geseit.
rosengarten A. 289, 290
Holtz. schon W. Grimm (
deutsche heldensage 1829
s. 144)
hat es bedeutsam gefunden, dasz und wie Eckehart hier den lohn für seine tapferkeit, den ihm Kriemhilt gewähren will, ablehnt: ich enlân mich nicht küssen eine ungetriuwe meit. 294, 2.
eine entscheidende wendung hat diese, allgemeiner gehaltene dienstmannentreue Eckeharts in dessen verhältnis zu den jungen Harlungen erhalten. in diesem sagenkreise tritt Eckehart zuerst als berather der jugend auf; daran knüpfen vor allem spätere wandlungen der heldensage: und waz innen zu vogette geben ir land z besorgend und z eim zhtt meister ein her, der waz ein heild und waz genant der getruwe Eckharth .. also schückett der keiser nach den jungen Harlungen sins brder kint, und hiessz sü erhenken; und das beschach. nun was uff den dag der getruwe Eckharth nitt doheim bi innen und waz geritten ein reisz wo hin, das er in ir land besorgette.
alte vorrede des heldenbuches (15.
jahrh.)
v. d. Hagen einl. 123.
in solcher gestalt lebt der treue Eckart
in der volkstümlichen litteratur des 15.
und 16.
jahrhunderts weiter, die ihn mit der sage vom Venusberge verknüpft (
so schon in der möhrin des Hermann v. Sachsenheim 28
u. a.);
an der adjectivform ist in dieser überlieferung das präfix abgestreift: ist noch ein sprichwort: ich gewann dich als der treu Heccard. Aventin (
chronik 1,
cap. 84)
werke 4, 1 (
vgl. später Agricola 667
sprichwort): ein waltbruder uralt wonet in einem wald genennet der trew Eckhart der mir hett offenbart vil dings vor kurtzen tagen den gedacht ich zu fragen wo von khem die beschwerdt das kein trew wer auff erd. H. Sachs
ein gesprech mit einem waltbruder, wie fraw Trew gestorben sei. werke (
Nürnberg 1570) 1, 288
a.
[] die romantik, die auch diese gestalt wieder erweckt hat, gab ihr die mittelalterliche form zurück. Tieck
knüpft unmittelbar an die vorrede zum heldenbuche an: ebensowenig kannte ich damals die Nibelungen, sondern nur das heldenbuch, in dessen vorrede ein getreuer Eckhart erwähnt wird, der die jungen Harlungen beschützt und der nachher bei Hans Sachs und anderen dichtern oftmals sprichwörtlich vorkömmt und immer vor dem berge der Venus wache hält.
werke 4, 171 (
Phantasus).
an Tieck
schlieszt sich dann Göthe
in seiner ballade 'der'getreue Eckart'
an und von da aus sind alle heutigen verwendungen beeinfluszt: und der es euch anräth und der es befiehlt, er ist es, der gern mit den kindelein spielt, der alte getreue, der Eckart. Göthe 1, 227; daher das sprüchwort: 'der getreue Eckart warnt alle leut'. F. L. Jahn
werke 2, 2, 482; so blieb Lafayette sich immer gleich .. ein getreuer Eckart der freiheit, steht er noch immer, auf seinem schwerte gestützt und warnend, vor dem eingange der Tuilerien, dem verführerischen Venusberge, dessen zaubertöne so verlockend klingen. Heine
das bürgerkönigtum 2.
buch; alsbald nach dem thronwechsel muszte 'graf Anton' nach Charlottenhof übersiedeln, damit er dem könige als ein getreuer Eckart immer zur hand sei. Treitschke
deutsche geschichte 5, 18. II@1@c@bβ)
das freundschaftsverhältnis. II@1@c@b@11)) 'ir sult zuo disen landenuns willekomen sîn, mir und mîner muoter.und allen die wir hân der getriwen vriunde'.dô wart dâ nîgen getâ
n. Nibelungen 548
Lachmann; wâ nu getriuwer friunde rât? waz tuon ich, daz mir liebet daz mir leiden solte? Reinmar v. Hagenau
minnes. frühling 166; swer mir ist slipfic als ein îs und mich ûf hebt in balles wîs, sinewelle ich dem in sînen handen (
in dessen händen bin auch ich wie eine kugel), daz sol zunstæte nieman an mir anden, sît ich dem getriuwen friunde bin einlœtic unde wol gevieret. Walther 79, 37
Lachmann; ich han einen getruwen vrunt, dat is ein goit geselle.
Kölner handschrift von der seelen trost Frommann 2, 9; darum sol sich ein yeder mensch emsiclichen bei seinem leben fürsehen mit einem getreuen andechtigen freund oder gesellen, der im an seinen letzten zeiten getreulich beistand.
visio Tundali (1476); ich frey mich viel guter, lieber und getrewer freund, damit ich frewd vnd lust habe. Petrarca (
trostspiegel 1. buch, 50.
cap.) 1596
Francf. 47
a; getrewen und guten freunden ist man viel schuldig. Henisch 1587; ein geträuer freund,
fidus amicus Steinbach 841. Schwan (1782) 740. II@1@c@b@22)) was is nu din getruwe geselle?
Kölner handschr. von der seelen trost Frommann 2, 9; ein vornufftiger, de by getruwer geselschop gewant ys, schal ydt nicht darvör achten, dat he leve na vorlatinge syner truwen gesellen.
jüng. glosse zum Reineke de vos 117
Brandes; und als er solchs verrichtet, ist er (
Heliseus) jm (
dem Helisa) auff dem fuszstapffen nachzogen, und sein getreuer gefert und mithelffer allezeit gewesen und geblieben. Josephus
jüdischer krieg (
Frankfurt 1571) 145
b; jene begeisterung dunkler thatkräftiger kriegerischer naturen von sich selbst, welche sie treibt, in sich den ausgangspunkt einer neuen welt zu sehen, eine begeisterung zu welcher sich dann die getreue heermannschaft bald hinzuzufinden pflegt. Immermann
memorabilien 1, 359; seine erste manier zeigt ihn als garnichts; seine zweite manier zeigt ihn als einen getreuen schildknappen der Schlegel; seine dritte manier zeigt ihn als einen nachahmer Göthes. Heine (
über Tieck)
Deutschland II, 2; Michelet und Quinet sind nicht blosz gute kameraden, getreue waffenbrüder, sondern auch wahlverwandte geistesgenossen.
parlament. periode d. bürgerkönigthums, 53.
brief. II@1@c@b@33))
die oben erwähnte verbindung getreuer gefert
hat in der beziehung auf Achates, den fahrtgenossen des Aeneas (
fidus .. Achates. Aeneis 1, 188)
besondere verbreitung erlangt. im 17.
jahrhundert bildete diese verbindung geradezu den titel für reisehandbücher: Martini Zeilleri 'fidus Achates' oder 'getreuer reisegefert'.
Ulm 1661. II@1@c@b@44))
der verwandtschaft nahe stehen die nachbarn: was heiszt denn täglich brot? .. fromme und treue oberherren, gut regiment, gut wetter, friede, gesundheit, zucht, ehre, gute freunde, getreue nachbarn und desgleichen. Luther
kleiner katechismus, vgl. Müller
die symbolischen bücher der evang.-luth. kirche 360; da reit ich als ein getreuer nachbar ihro fürstlich
[] gnaden zu ehren und gefallen. Götz v. Berlichingen
lebensbeschreibung 85
Bieling. II@1@c@gγ)
verwandtschaft, liebes- und eheleben. die einzelnen grade der verwandtschaft nehmen namentlich in der geistlichen ausdeutung das beiwort getreu
an (
vgl. sp. 4509).
sonst ist die verwendung des adjectivs im besonderen für das liebes- und eheleben beliebt, sowol in lockeren verbindungen, als in formelhafter erstarrung. II@1@c@g@11)) Tristandes wîp Isôt. si sprach 'ouwê grôzer nôt der ich hân vil armez wîp .. Tristan herre, ich enkan noch enmac, getriuwer man, dich überwinden iemer mê.
Tristan als mönch 1296
H. Paul; zwo getrewe eheversipte hende förderen mehr als acht frembde. Fischart
Garg. 110
neudr.; neun getrewer weiber. H. Sachs 2, 305
Keller; mein freud hatt ich verloren mit kümmerlichem schmerz; die wird jetzt neu geboren, lieb tröst mein betrübtes herz, weil mir gott wiedergiebet ein getreue weiblich zier. V. Hauszmann
neue hochzeit- und brautlieder 9 (1602)
bei Hoffmann 1, 111; getreuer liebhaber. Sghwan (1811) 439; getreue gattin
bei Grillparzer
vgl. sp. 4505; ich bin ein mann, und hab' als mann ein recht auf ein getreues weib! und fass' ich dies mein recht und ihre pflicht in ein gefühl zusammen: frei und stolz möcht' ich da sagen: wer so sprach, der log. Hebbel (
Genoveva) 1
2, 167. II@1@c@g@22))
die formelhaften verwendungen gehören dem briefstile an, der sich seit ende des 16.
jahrhunderts auch im privatverkehr der formen der kanzleisprache bedient: dein gethreuer hertzlieber preüttigam
unterschreibt sich Balthasar Paumgarttner der jüngere von Nürnberg (1582)
in einem briefe an seine braut (
litt. ver. 204)
s. 6
u. a. er redet sie an: erbare, tugendreiche, gethreue, freunndliche, hertzliebe, verthrauhte braut.
ebenda. vgl. auch s. 11
; als ehemann unterschreibt er sich: dein gethreuer lieber hauszwyrth.
ebenda s. 38
u. a. als braut redet ihn die Magdalene Beheim mit du mein herzalerliebster getreuer breudigam
an;
für die unterschrift begnügt sie sich mit ihrem namen. aber andere frauen jener zeit gebrauchen auch hierfür dieselbe formel: datumb den 16. marzi im 1566 jar Sabina Christof Scheurlin dein gedreue ehwirtin.
vgl. Steinhausen
geschichte des deutschen briefs 167.
ähnliche briefformeln sind noch heute üblich: vgl. G. Keller 7, 213
u. a. II@22)
das adjectiv wird auch auf andere wesen übertragen, denen menschliche züge geliehen werden. II@2@aa)
in der thierwelt ist vor allem der hund
ein oft belegter vertreter dieses attributes: II@2@a@aα) ein guter getrüwer hunt der sinen herren gantz lieb hat, der vörcht gantz nieman. Geiler v. Keisersberg
christlich bilger (von dem hunt des göttlichen opfers) 136
c; die vierd eygentschafft die ein getrüwer hunt an im het ist das er sinen herren warnet und billet, und in weckt. 138
c; daz du nit an stat eyns bescheidnen christenlichen getrüwen hündlins eins götlichen ernstes, eynen unsinnigen wüttenden, schelligen rdden. 140
b und and.; der ritter mit dem getrewen hund. H. Sachs 2, 274
Keller; Simplicissimus sahe einen mahler die trew in gestalt eines weibsbildes mahlen und neben sie einen hund als dasz getrewiste thier.
vgl. sp. 4502; wie dachs und windspiel alle hunde heiszen, die eigne rasse aber unterscheidet den schlauen spürer, den getreuen wächter, den flüchtgen jäger. Schiller (
Macbeth) 11, 72; mit lächelndem mitleiden ... schaut es hinab auf die bekannten kläffer, die mittelalterlichen rüden, die getreuen pudel und die frommen möpse von 1814. Heine
das bürgerkönigtum im jahre 1833, 9.
brief. II@2@a@bβ)
in der thierfabel: o Reinke, getruwe vos, de hir sus gravede in dit mos dessen schat mit diner list, gott geve di ere, so wor du bist.
Reinke de vos 2477
Lübben. II@2@bb)
übertragen auf die geisterwelt: hoffnung bleibt mit dem leben vermählt, die schmeichelnde göttin, angenehm vor vielen, die als getreue dämonen mit den sterblîchen menschen die wechselnden tage durchwallen. Göthe (
Achilleus) 40, 351. II@2@cc)
gebrauchsgegenstände werden personificiert: [] Sulpitia! erst sollst du schwanger sein? nun sollst du gar die blattern kriegen? ihr ärzte schweigt, und gebt ihr gar nichts ein, denn einer musz sich doch betrü
gen. nein, überlaszt sie der natur, und dem ihr so getreuen bette. Gellert (
die kranke frau) 1, 115. II@33)
zahlreich verbreitet und mannigfaltiger art sind die übertragungen auf körpertheile und organe des menschen, auf menschliche lebensäuszerungen und einrichtungen. II@3@aa)
unter den körpertheilen steht die hand
als symbol des besitzes (
th. 4, 2, 352)
im mittelpunkte weit verzweigter formeln der rechtssprache, andere verbindungen bleiben mehr vereinzelt und beruhen auf poetischer freiheit. II@3@a@aα)
in die hand wird besitz zu eigentum übergeben, in die getreue hand
wird der besitz nur anvertraut: II@3@a@a@11)) hy wolle wir sagen von gelde, das zcu getrauwer hant gegebin ist, wy man dorumb clagen sal.
Magdeb. fragen 175
Behrend; in einer variante: gelt, das eyme zu getruer hant und czu behalden ist gegeben; 69 golden, dy Johannes Korschner czu getrawer hant und von bephelunge wegen geantwort hette. 242
u. a.; unserm lieben getrüwen Heinrich vogt zu Weyda und allen seinen erben und nachkumen, und (
seinen bevollmächtigten) Ruczke von Swanberg, Heinrich von Gerach .. Heinrichen Reussen von Ranberg zu getrewer hant.
urkunde des burggrafen Friedrich von Nürnberg 1373
monum. Zoll. 4, 242; das vor uns komen ist Janko von Zackeraw, unser lieber getrawer .. und reichte uff recht und redlichen dem woltuchtigen Janen von Neuemdorffe ouch unserm lieben getrawen, seinen geerben, elichen nachkömen, und zu getrawer hand den woltuchtigen Heinrichen Dzaluscha von Kobilitcz und Nicolayen Zwoysky von grossem Calinaw die dorffer und gutter seines teiles.
urkunde von 1454,
codex diplomat. Silesiae 1, 127; von erlegen habe oder guter zu getruwer hand, genannt depositum.
Worms stadtrechtsreformation von 1499 5, 2,
titel 4
überschrift; einem etwas zu getreuen händen vertrauen,
déposer une chose entre les mains de quelcun Rondeau-Buxtorff 238,
ebenso Schwan (1782) 740; getreue hand wird in den Hällischen saltzwerken genannt, wenn ein Hällischer bürger die thal-güter auf seinen nahmen brächte und sich damit belehnen liesze, die doch nicht seine, sondern eines anderen Hällischen bürgers wären, dem er auch die nutzung davon abfolgen liesse, welches aber in des ertzbischoffs Ernest regiments ordnung gäntzlich ... verboten. Hübner
natur-, kunst-, berg- .. lexikon (1717) 706. II@3@a@a@22))
im letzten beispiel tritt die volkstümliche neigung zu tage, die wortgruppe, die innerhalb des satzgefüges eine bestimmte stellung einimmt, auch auszerhalb des satzgefüges und ohne jegliche einschränkung zu verwenden. so geht der abstracte sachliche begriff geradezu auf die person über, mit der er gewohnheitsmäszig sich verknüpft. neben getreuhänder (
s. d.)
wird der mandatar auch kurzweg getreue hand
genannt: des haben wir in und irn erben oder getrüwenhenden als si obengeschriben sten für die selben fünftzig phunt heller zu kauf geben .. den sewe der nehst .. Ingelstadt gelegen.
urkunde von 1345
monum. Boica 41, 187; getreu hant,
manuffedelis. vocab. incipiens teut. Hupfuff 93 (
in älteren vocabularien manufidelis von trwon); getreue hand,
homo, cujus fidei aliquid tuto committitur Scherz 542.
vgl. auch sp. 4521. II@3@a@a@33))
dieser formelhaften ausprägung gegenüber beruhen auf freierer grundlage verbindungen wie: getreue hand geht durchs gantze land. Frisius
handw.-ceremonien 638; urplötzlich trug uns feuriger ungestüm zum weiten obdach; und von geeichelten laubkränzen all, umhüllt die scheitel, fügten wir bund mit getreuem handschlag. J. H. Voss (
bundeseiche)
sämtl. ged. (1825) 3, 5. II@3@a@bβ) II@3@a@b@11)) die feüchten getreuwen nasen werden vil schluckens vnd truckens bedörffen. Fischart
praktik, neudruck 29. II@3@a@b@22)) wie mancher hat die heiligsten männer still an den wänden hängen, und sie sehen ihn an mit ihren frommen, getreuen augen, er aber flucht und schimpft und lügt doch. Auerbach
schatzkästlein 2, 80. II@3@a@b@33)) und wirft, mit milder hand, das korn in den getreuen busen (
faithful bosom) der erd' in das gebrochne land. Brockes
jahreszeiten (
frühling 46); so führt zu seiner jugend hütten, zu seiner unschuld reinem glück, vom fernen ausland fremder sitten den flüchtling der gesang zurück, in der natur getreuen armen vor kalten regeln zu erwarmen. Schiller (
macht des gesanges) 11, 16.
[] II@3@a@b@44)) nu weiz ich, swelch sinnec wip, ob si hât getriwen lîp, diu diz mære geschriben siht daz sie mir mit wârheit giht, ich kunde wîben sprechen baz. Wolfram
Parz. 237, 2. II@3@bb)
wie in dem letzten beispiel der lîp,
so werden auch die menschlichen organe gerne im übertragenen sinne mit dem adjectiv verbunden: muot, gemüth, herz, sinne. II@3@b@aα) unde mîn her Gâwein, an dem niht tes enschein ern wære hövesch unde guot, der erzeicte getriuwen muot herrn Iwein sîme gesellen.
Iwein 2700; ein getreues gemüth,
une âme loïale Rondeau-Buxtorff 253;
ebenso Schwan (1782) 740. II@3@b@bβ) alliu getriwe herzen prüeven disen smerzen und den grôzen ungemach, der an der kristenheit geschach. Ottokar
österr. reimchronik 52340
Seemüller; ein getrewes hertz ist aller ehren werth. Henisch 1587; in aller eil schrieb ich an meine allergetreueste seele ein paar flüchtige zeilen. F. L. Jahn
werke 1,
s. 458; wöllest .. daneben doch deiner selb auch nitt vergessenn und von mir zu viel hundertthausennd malen inn dein gethreües hertz freunndlich und fleyssig von mir, deinem verthrauthen, gegruest sein.
Balth. Paumgartner an seine braut (1583)
litterar. verein 204, 13; was mir in der stille zusetzt, das ist der verlust an guten kameraden nnd getreuen herzen, den ich fast täglich erfahre. G. Freytag (
aus einer kleinen stadt) 13, 109. II@3@b@gγ) hât got getriuwe sinne, sô lâz er mirn ze frühte komen. Wolfram
Parz. 109, 30. II@3@cc)
auch die thätigkeit, die von den körpertheilen und organen ausgeübt wird; die wirkungen, die von ihnen ausgehen, nehmen das attribut zu sich. II@3@c@aα)
in poetischer übertragung: die getreue thräne, zähre,
ein bild, das in der dichtung des 17.
auf das 18.
jh. häufig wiederkehrt: die seelige, so wir anitzt zu grabe tragen. der auch die gantze stadt getreue thränen schenckt. Mühlpfordt (1686)
leichenged. 53; ists nicht Jesus, von welchem der Seraph es alles erzählte? ach ich weisz es noch wohl, wie er uns inbrünstig umarmte, wie er uns an die klopfende brust mit zärtlichkeit drückte. eine getreue zähre der huld, die seh' ich noch immer, netzte sein antlitz, ich küszte sie auf, die seh' ich noch immer. Klopstock
Messias 1, 698; himmlische freunde, kein tröstender blick, und keine der zähren, jener getreuen der gottheit und menschheit würdigen zähren, soll mir ungesehn in dem göttlichen auge sich zeigen. 3, 85. II@3@c@bβ) II@3@c@b@11)) katriwu minna,
fidus affectus. glossen zu Hieronymus Steinmeyer-Sievers 2, 331; getriuwe minne stæte birt. weiz got, uns wîben niemer wirt ersetzet dîn dienest und dîn zuht.
Tristan als mönch 1137
Paul; getrewe lieb von hertzen, kan nicht wol sein ohn schmertzen. Henisch 1587; hier denk ich dein, o vaterland! wie, tief in harm versenkt, des jünglings, der am klippenstrand sein grab in schiffbruchstrümmern fand, getreue liebe denkt. Matthisson (
der fremdling) 1, 217. II@3@c@b@22)) getriwer heinlîchesol ich dir wesen umbereit.
Nibel. 785, 4
Lachmann; wa gesypt oder sus guot fründ nit in getrüwer ainikait lebent, die müszen vergan, als uns dise fabel bewyset. Steinhöwel
Esopus (
litterar. ver. 117, 178); von der getreüen waren freuntschaft.
Decameron 642, 3
Keller; historia der getrewen freuntschaft Agathocli. H. Sachs 2, 182
Keller. II@3@c@b@33)) als die, so getreuer mainung und aus K. M. und F. Gn. bevelch, auch beider tail bit, hierinen als underhandler hoch bemüt gewessen.
entwurf der kommissarien, die im auftrag der gläubiger des hauses Hochstätter in Augsburg verhandelten (1530)
d. städtechron. 23, 232.
später ist gerade hier die präfixlose form beliebt: treuer meinung
s. d.; nun ist uns solche ew. gnaden irre ein getreues leid.
die landstände in Straubing an herzog Christoph, Krenner 6, 125. II@3@c@gγ) II@3@c@g@11)) doch hetten wir ein wenig waiter müegenn zihenn profandt halb; aber 2 unserer gesellen kunden wir nit erhalten, sonder zogen über unser getreies vermahnen hinein in denn flecken, so verhiesz wir innen, wir woltenn ir warten .. aber sie künden nit gar in denn fleckenn khumen, wurdenn sie umbpracht und darnach geessenn. Ulrich Schmidels
reise 107
Langmantel; getreu und gehorsame volziehung.
österr. weisth. 1, 255; ist anders die chronick an jn nit flend ein getrew zeugnisz. S. Franck
chronik (1543) 2, 16
a;
[] gleich jener in der Vesta heiligthume, erhielt getreue, rege wachsamkeit die heilge lohe rein und schön und hoch vom anbeginn bis heut. Bürger (
Georgia Augusta) 2, 139; wonnelohn getreuer huldigungen, dem ich mehr als hundert monden lang, tag und nacht, wie gegen sturm und drang der pilot dem hafen, nachgerungen. (
verlust) 2, 123; nie friunden baz enbôt sô getriuwe mæredeheiner slahte man, als in der hêrre Sîfritund ouch sin vater hât getâ
n. Nibel. 713, 3
Lachmann; ausz der tragedi hab wir sehr zu warnung zwo getrewer lehr, die erst, das man vor krieg sie hüt, was man vertragen kan in güt, ... zum andern vor der blinden lieb hüt man sich und vor ihrem trieb. H. Sachs (
tragedia von Troja) 12, 315
Keller; der selben getreuen radt will ich gebrauchen. A. v. Eyb
spiegel 106
a ; und war sein getreuer rath, ich solte solches bedencken und nit abschlagen. Götz v. Berlichingen
lebensbeschreibung, neudruck 98
Bieling; dass jr solt wissen ... das jr mit den verstorben in Christo werdet auffgezuckt und Christo entgegen kommen und stets mit dem herzen bleiben. ist das nicht ain mechtiger und getrewer trost. Karlstadt
sermon vom stand der christglaubigen seelen a 2
a; einfeldige alde und getrawe dienste di mir hat (
gethan) Sczepan mein schultes des benanten dorffes Smeilersdorff.
urkunde von 1418,
codex diplomat. Silesiae 1, 115. II@3@c@g@22)) daz der hochgeporn unser gnediger herre, her Friderich burgrafe ze Nuremberg, hat angesehen unser getreuwe dinst, die wir im und sin fodern oft getan haben und noch tun sullen.
gelöbnis derer von Hirschberg (1361)
monum. Zoll. 3, 413; den fürsichtigen, ersamen und weisen burgermaister, rate und gemainglich den schieszgesellen der stat Augspurg ... entpieten wir schützenmaister und schieszgesellen gemainglichen der stat Nürmberg unser willig getreu dinst allzeit bevor. (1457)
d. städtechron. 10, 231; ach nu wol auff! es mus geschieden sein, mein getreuer dienst ist mehr dann die helfft verlorn, ist gar verlorn. das las ich, schönes lieb, auff ein anders hoffrecht stan: damit scheid ich davon.
bergreihen (1531)
s. 67
J. Meíer; getrewen dienst belohnet gott. Henisch 1587; welche (
beute) mir mein rittmeister, meiner getreuen dienste wegen, alle schenckte.
Simplicissimus 2, 174;
bei Götz v. Berlichingen
überwiegt vertreulicher dienst
neudruck 103
u. a. Bieling; ah! dies soll'st du thun, und nicht mir sagen! — von mir's wär's büberei; von dir getreuer dienst. Voss
Shakespeare (
Antonius und Cleopatra 2, 7);
ebenso bei Schlegel
und Tieck;
aber ein treuer dienst (
a good service)
bei Eschenburg. II@44)
eine verengerung des bedeutungsumfanges hat unserem adjectiv für einen bestimmten gebrauch die lebensfähigkeit auch in der neueren zeit gesichert. anknüpfend an nomina und verba, die eine nachahmung, eine wiedergabe, zum ausdruck bringen, erhält der begriff verläszlich, zuverlässig
eine bestimmte prägung. wie unter III
dargestellt ist, nehmen an dieser sonderbedeutung auch freiere und lockerere verbindungen teil, als die attributive verwendung des adjectivs es ist. die ganze entwicklung gehört der neueren zeit an. II@4@aa) II@4@a@aα) gegenwärtiger aufsatz enthält in einer getreuen erzählung alles, was mir von diesem auszerordentlichen manne bekannt geworden ist. Lichtenberg (
lebensumstände von J. Cook)
schriften 4, 139; hätte die hiesige schaubühne einen dramaturgisten, der ein getreues tagebuch über die gegebenen stücke führte, der mann möchte ehre einlegen. Sonnenfels
briefe über die wienerische schaubühne (1, 4)
Wiener neudrucke 7, 30; aus demselben lehrreichen werke hätte Harnisch eine getreue darstellung jener zeit entnehmen sollen. F. L. Jahn
werke 2, 378; wenn so etwas erlaubt ist, und solche verfälschung als getreue berichterstattung gelten darf, worauf ein getäuschter und leichtgläubiger sein urtel baut: so ist der schamlosesten lüge und list thür und thor geöffnet. 2, 261. II@4@a@bβ) gleich liesz ich durch des künstlers hand getreu den wohlbemerkten zügen ein drachenbild zusammenfü
gen. Schiller (
kampf mit dem drachen) 11, 276; aber die bilder, die ungewisz wanken, dort auf der fluth der bewegten gedanken, in des mannes verdüstertem blick, klar und getreu in dem sanfteren weibe, zeigt sich der seele crystallene scheibe, wirft sie der ruhige spiegel zurück. (
würde der frauen) 11, 34;
[] unter dem weitverbreiteten schirm einer pinie ward mir das, über jeden ausdruck erhabene, schauspiel eines wüthenden seesturms gewährt, für dessen grösze der phantasie eben so wenig ein treffender maszstab zu gebote steht, als für die grösze der Alpen, trotz der getreuesten darstellungen Vernets und Alberlis. Matthisson (1825) 4, 142; gleich am ersten tage nach meiner ankunft stellte mir der oheim .. die aufgabe, seine besitzung, haus, garten und bäume, genau und bedächtig zu zeichnen und ein getreues hild davon zu entwerfen. G. Keller (
grüner Heinrich I, 6) 1, 282; das ganze viertel war noch genau dasselbe wie vor 50 oder 60 jahren und lieferte ein getreues abbild des Paris des vorigen jahrhunderts. G. Glasenapp
leben Richard Wagners 1, 287.
bei anpreisungen von photographen wird noch im zeitungsstil der neueren zeit die getreue ähnlichkeit
gewährleistet. II@4@a@gγ) eine getreue abschrift. Schwan (1811) 439; so wie ich auch dahin gestellt seyn lasse, ob dieser abdruck (
eines briefes von Rotteck) ein getreuer oder nicht getreuer sei. v. Rotteck
verhandlungen der II.
bad. kammer, 1.
juni 1835; von meinem innern und äuszern befinden folgt hier ein genauer und getreuer abdruck.
frau rath an Göthe. schriften der Göthegesellschaft 4, 354 (17.
nov. 1786); die schwankende rathlosigkeit der preuszischen politik fand in der willensschwäche, in dem bedachtsamen zaudern des herzogs von Braunschweig ihren getreuen ausdruck. Treitschke
deutsche geseh. 1, 128. II@4@bb)
nomina agentis: ein sujet, das der ganzen welt gehört, wird wieder eigenthum, wenn du dich weder auf einem plan, der zum gemeinplatz schon geworden, tummelst; noch, wie ein getreuer demüth'ger übersetzer, wort für wort den Griechen nachtrittst (
fidus interpres). Wieland
Horazens briefe (2, 3) 2, 221; und nicht .. wie die lateinischen übersetzer in Reizens ausgabe, oder .. wie sein getreuer nachtreter Massieu übersetzt. Wieland
Lukian (1798) 4, 341
anm. IIIIII.
formelhafte verbindungen in freierer syntaktischer verwendung. entsprechend den unter I, 5
gegebenen darlegungen sind hier nur vereinzelte gebrauchsformen zu erwarten, innerhalb derer die altüberlieferte form des adjectivs, die in lebendiger verwendung verdrängt wurde, ungeschwächt sich erhält. III@11)
verbindungen mit nominibus. einige formelhafte verbindungen wurden schon oben (I, 8)
auf mehr äuszerliche gründe zurückgeführt. dagegen scheint in der beziehung auf begriffe wie versprechen, vorsatz, überzeugung
u. a. die präfigierte form auf alter gewohnheit zu beruhen. die entsprechenden verbindungen stehen meist in losem zusammenhange mit dem satzgefüge: getreu seiner eignen überzeugung, gebilligt von seinem eigenen herzen, bestätiget in beiden durch den prüfenden beifall der weisesten und besten seiner zeitgenossen .. geht er seinen eigenen weg. Wieland (
gedanken über eine alte aufschrift) 13, 241; meinem versprechen getreu benachrichtige ich sie in dem ersten augenblicke, da ich festen fusz gefaszt habe, wie es mir geht und wie man mit mir umgeht. Grillparzer (
an J. v. Sonnleithner)
briefe (1892) 25; ich selbst befand mich, meinem vorsatze getreu, nicht unter den zusehern, sondern auf der bühne (
bei der ersten aufführung der '
Sappho').
selbstbiographie, werke 19
5, 74. III@22)
verbindungen mit verbis. III@2@aa)
vereinzelt und aus der ältern sprache belegt ist die verbindung mit dem verbum substantivum und einem dativ des zielpunktes: darzu ist diese kunst (
die alchymie) getrew, ausz gutem silber machen rew. Schwartzenberg 120
a; liebe mich ich bin dir herzlich getreu. Göthe
briefe 7, 155; dasz der mensch ihr so hündisch getreu ist. Lenz
waldbruder 66; dann schwuren wir .. getreu uns zu sein. Bürger
untreue über alles. in der unter II, 4
erwähnten neueren bedeutung: meinen eigenen anzug hatte ich längst in ordnung gebracht und denselben grün und jägermäszig gewählt, da dadurch eine gröszere einfachheit möglich war für meine geringen mittel. doch war er noch erträglich getreu, eine grosze zimmetfarbene decke .. verhüllte die unvollkommenheiten. G. Keller (
grüner Heinrich) II, 13) 1, 363. III@2@bb)
ungemein beliebt dagegen und in der neueren sprache vorzugsweise verbreitet ist die prädicative verbindung mit bleiben,
sie kommt meist mit einem dativ des nominalen objectes verbunden oder in reflexiver construction vor. III@2@b@aα) bleiben sie meinem thal getreu, und fühlen sie, dasz
[] ich mich oft mit ihnen unterhalte. Göthe
briefe 4
s. 214; ich hoffe du bleibst meinem garten getreu. 6, 278; wär' aber auch der weiber gröszte zahl an lastern noch so reich, an tugend noch so kahl, dir, meine einz'ge auserwählte, du, meines alters trost und meiner augen licht, dir trau ichs zu, du bliebst getreu an deiner pflicht, und fehltest nicht, wenn auch die beste fehlte. Wieland (
Oberon 6, 73) 22, 285; dann viele der letzteren einen nur zu steifen klang haben, lieber dem alten hergebrachten gebrauche und den damit angeerbten vielmaligen fehlern getreu zu bleiben, als neue, nützlichere erfindungen aufzunehmen.
anmerkungen über die verbesserung des getreidbaues (
Salzb. 1690)
vorbericht; er bleibt noch immer der gewohnheit jener guten alten zeit getreu, wo man es für pflicht hielt, am ende eines briefes von einem freunde mit einer zierlichen verbeugung zu scheiden. Göthe (
der sammler) 38, 69; hatte er nun im leben einen wirklich alterthümlichen geist, so blieb ihm derselbe auch in seinen studien getreu. Göthe (
über Winckelmann) 37, 22; man erwartet — ich weisz nicht welches? ungeheuer, so bald von Philipp dem zweiten die rede ist — mein stück fällt zusammen, sobald man ein solches darinn findet, und doch hoffe ich der geschichte — das heiszt der kette von begebenheiten — getreu zu bleiben. Schiller (
vorwort zu Don Karlos) 5, 3; der consequenteste von allen war, um mit einem recht grossen mann zu enden, der verfasser des hamburgischen politischen journals, der seinen noten zu der, lange vor der französischen revolution erschienenen übersetzung des Plutarch getreu verblieb und ihren werth in diesem journal erhärtete. Klinger
betrachtungen 1, 235; zahllose gemälde enthalten die zimmer und säle dieses weitläufigen gebäudes; aber ich wollte nur dies einzige betrachten, oder vielmehr anbeten, und blieb meinem vorsatze getreu. Matthisson (1825) 4, 217; auch blieb er unter strömen bluts, die er flieszen liesz, im ruhigen besitz seiner herrschaft, so lange er dieser staatskunst getreu blieb, und verscherzte diesen vortheil nicht eher, als bis ihn geldmangel zwang, der nation eine last aufzulegen, die jeden ohne ausnahme drückte. Schiller (
abfall der Niederlande 3) 7, 320; da wird der muth so lebendig und frei und die grazie bleibt der natur getreu. Th. Körner
erinnerungen an Karlsbad 18; im ganzen und groszen giebt es keinen dichter, der der wahrheit des lebens so getreu bleibt, und doch ist er durchaus im gebiete der phantasie mit seinen einzelheiten. O. Ludwig (
über Shakespeare) ges. schriften 5, 271. III@2@b@bβ) ängstlich aber ist es anzusehen, wenn ein starker charakter, um sich selbst getreu zu bleiben, treulos gegen die welt wird, und, um innerlich wahr zu sein, das wirkliche für eine lüge erklärt. Göthe (
geschichte der farbenlehre 5. abth.) 54, 103; nur im innersten meiner plane und vorsätze, und unternehmungen bleib ich mir geheimniszvoll selbst getreu.
briefe 6, 97; wie du dir selbst getreu bleibst, bist du's mir, uns trennt das schicksal, unsre herzen bleiben einig. Schiller (
Wallensteins tod 3, 21) 12, 319. III@33)
das ausgesprochene adverbium erscheint mit dem mannigfaltigsten bedeutungsgehalte. in älteren belegen bringt es vorstellungen zum ausdruck, die heute mit vorliebe durch das einfache treu
oder das vollere getreulich (
s. d.)
gedeckt werden. dagegen sind ihm für die neuere zeit die unter II, 4
besprochenen fälle zugefallen. III@3@aa) III@3@a@aα) einem herrn geschicklich und getrew dienen. Lehmann
flor. 144; dienet euerm herrn getreue. Schoch
komödie vom studentenleben 95
Fabricius; so liebet ihn, ihr, die getrew euch gäntzlich ihm ergeben! ach liebet ihn ohn alle schew, als lieb euch ewer leben. G. R. Weckherlin (
psalm 31, 34) 2, 118
Fischer; geht, fragt: was denkt wol Adelheide? sie denkt, mein mann liebt mich getreu. Gellert (
der süsze traum) 1, 72; wenn, spricht er, nur ein paar getreu verliebter seelen zu Oberons und Titaniens ruhe fehlen, so schwebt des schicksals werk an der vollendung rand. Wieland (
Oberon 6, 105) 22, 303; doch weisz ich eins, das schafft mehr wonne als jeder glanz der morgensonne, als rosenblüth' und lilienreis; das ist, getreu im tiefsten sinne zu tragen eine fromme minne, davon nur gott îm himmel weisz. Geibel
minnelied;
[] zween wächter, die schon manche nacht die liebe stadt getreu bewacht, verfolgten sich, aus aller macht, auf allen bier und brandtweinbänken. Gellert (
die beiden wächter) 1, 137; der brief ward fortgeschickt, und für sein baares geld ward auch der brief getreu bestellt. (
der erhörte liebhaber) 1, 77. III@3@a@bβ) aus seines glückes grenzen wird nur der weise nicht verrückt; wird er geneckt, verfolgt, gedrückt, so nimmt er seinen stab, zieht weiter; der schöpfung anblick macht ihn heiter, und geht getreu durchs leben mit. sein herz bleibt ihm, bei jedem schritt, ein strenger richter, treuer rather. Gotter 1, 119; doch höret, welchen dank ihm eine freundinn gab! getreu verwahrte sie die schwächen seiner jugend und setzte sie dem guten mann aufs grab. Kästner (
auf Gellert)
musenalmanach auf 1771
neudruck 76; erlegst du wirklich einen, scheide dann die beiden vorderzähn' ihm aus und bringe diese mir zurück; und vom gewinne jeder jagd bewahr ich dir getreu die hälfte. Platen (
Abbassiden) 330
b; bewahre mir's! und gibst du's nicht zurücke, unbeschädigt nicht mir, dem unbeschädigten, zurück, so treffe dich der götter donnerfluch, der über dem rollt, der die treue bricht. nun ist mir leicht! nun rache, rache, rache! er hat mein gut.verwahre mir's getreu. Grillparzer (
gastfreund) 5
5, 30; dieses heft .. soll ein notenbuch meines herzens sein, und diejenigen töne, welche meiu herz angiebt, getreu, zu meiner erbauung in künftigen zeiten, aufbewahren. Hebbel
tagebücher 1, 6. III@3@bb) III@3@b@aα) sie weigert sich; der maler liess nicht nach; er bat, bis sie es ihm versprach, und schwur, sie recht getreu zu fassen. Gellert (
Selinde) 1, 88; die nackten und schrecklichen riesengeklüfte der Schöllenen, welche .. den Tartarus der alten eben so treffend und getreu darstellen. Matthisson (1825) 4, 21; das ideal, was seine brust empfangen, erschuf getreu die kunstgeübte hand. Th. Körner
St. Medardus; vielleicht dürfte der satz gelten: was der dichter getreu bildet, das ist schö
n. Hebbel
tagebücher 1, 61; Guizot .. ist ein wackerer, festgesinnter mann, und Calamatta hat in einem vortrefflichen portrait sein edles äuszere sehr getreu abkonterfeit. Heine
parlament. periode des bürgerkönigthums, 23.
brief. III@3@b@bβ) und doch soll mir's nicht fehlen, sie wird die neuigkeit, so bald sie kann, erzählen, weil jene sie, zu schweigen, bat. sie thut es so getreu, als es frau Orgon that. Gellert (
die miszgeburt) 1, 154; aber da ich, wie du weiszt, gute quellen in Paris habe, mit männern verbunden bin, die die regierung nahe beobachten konnten, so war ich dadurch in den stand gesetzt, die schilderung dieses gefährlichen mannes, wie ich glaube, ziemlich getreu entwerfen zu können. Tieck (
der geheimniszvolle) 263; eine heillose buchmacherei, da der übersetzer der urschrift getreu allerlei greuliche dinge nach der reihe abhandelt. F. L. Jahn
werke 2, 193;
vgl. oben (III, 1)
sp. 4516; wer schaffet dieses echo mir vom halse, das jedes wort getreu mir wieder gibt. Grillparzer (
Blanka von Kastilien 3, 4) 10, 105. III@3@b@gγ) ich wollte, freund, es schlügen entschlüsse mir und thaten so scharf getreu zusammen, wie diesem wackern jäger sein blick und seine kugel. Lenau
der steyrertanz. III@44)
die substantivierung flieszt aus bestimmten, oben besprochenen gebrauchsformen des attributiven adjectivs. im vordergrunde steht der relative gebrauch, der sich meist possessiver pronomina bedient, der absolute gebrauch tritt zurück. III@4@aa)
der relative gebrauch in der form possessiver bestimmungen flieszt sowol aus den unter II, 1, a,
δ dargelegten rechtlichen beziehungen, als auch aus den unter II, 1, b,
ζ,
besprochenen geistlichen ausdeutungen. III@4@a@aα)
geistliche deutungen: thaz wíll ich hiar gizéllen gidriwen sinen állen, so wír nu hiar bigínnen; worton frénkisgen. Otfrid 1, 3. 45; lûstsame ûzférte tuôst dû dînen fidelibus (getriúwon). Notker
zu psalm 64, 9;
ebenso zu 92, 3. 97, 9. 101, 1
u. a.; obe wir die sine minnesten, die sine deumuoten, die sine getriwen
[] vermanen.
speculum ecclesiae 122
Kelle; diesz ist nun der erste theil der offenbarung Jesu Christi, in welchem er allen seinen getreuen, von seinem hingang zum vater an bis zu seiner glorreichen wiederkunft, die für ihre zeit, lage und umstände nöthige anweisung gibt. Stilling (
die siegesgeschichte der christlichen religion) 3, 117 (1841). III@4@a@bβ)
rechtliche beziehungen. III@4@a@b@11)) Rdolff von gottes genaden Römischer kunig z allen zeiten merer des reychs enbieten allen des Römischen reychs getruwen die disen gegenwertigen briefe ansehent unser genad und allez gt.
bestätigungsbrief Rudolfs zum Augsburger stadtrecht von 1276 233
Meyer; und darumb haben wir im und seinen erben unverscheidenlich zu bürgen geseczet die edeln unser liebe öheim und unser liebe getrüwen, die hernach geschriben sten.
urkunde burggraf Friedrichs von Nürnberg 1373
monum. Zoll. 4, 242; als wir die ersamen unser burgermeister, rad unde burgere gemeinlichin zcu Lipzck unsere liebin getruwin vorsaczt unde vor uns globet habin gein der edeln frowen Jutten der Wendinnen von Ilburg, iren sonen, iren erbin unde iren getruwenhendern.
urkunde landgrafs Wilhelm in Thüringen 1379
Leipziger urkunden 1, 44; unsern lieben getreuen,
a nos amis et féaux Schwan (1782) 740;
to our loyal friends Ebers 643; indessen alle zusammen laute klagen erheben und nur zu deutlich beweisen, wie er mein sicher geleite verletzt und wie er mit stehlen, rauben und morden das land und meine getreuen beschädigt. Göthe (
Reineke Fuchs) 40, 154; er (
Louis Philipp) wird sich wohl eben so lange bei seinen lieben getreuen aufhalten. Hebbel
briefwechsel 1, 200; an dem nämlichen tage, da dem preuszischen könige das jauchzende ja seiner getreuen entgegen scholl, richtete in Paris ein mordgeselle ... die tödliche waffe gegen Ludwig Philipp. Treitschke
deutsche geschichte 5, 52. III@4@a@b@22)) eine schriftliche werbung gethan von dem fürsten der helle seinen lieben getreuen.
titel eines pasquills bei Schade 2, 99; ob nun wohl jener ketzer gestorben und ein schröckl. ende genommen, so hat doch der teuffel noch heutiges tages seine liebe getrewen, die hierinnen keinen fleisz nicht sparen, und groszen schaden anrichten würden, wenn nicht gott das loch, das der teuffel durch seine dreckführer gerissen, wieder zunehen wollte. Creidis
nuptialia oder hochzeitspredigten (
Augsburg um 1652); der teuffel ist ein betrieger, ein lügner und ein mörder von anfang gewesen und die statisten sind seine liebe getreue. Schupp 2,
ebenso 157 (
Hiob). III@4@a@b@33)) und des selbenn nachtes ein ire getreuen z Nastasy sante.
Dekameron 362, 30
Keller; alle meine getreuen haben gräuel an mir. Luther
Hiob 19, 19 (
ältere bibel: mein ratgeben); was für nachrichten, Elisabeth, von meinen lieben getreuen? Göthe (
Götz 4, 1) 8, 116; seine getreuen. Schiller (
Fiesko 5, 5) 3, 111; und vor ihm in blinkenden reihen die schaaren seiner getreuen. Th. Körner
graf Hoyer von Mansfeld; die reichen gnaden und privilegien, womit die hofburg ihre getreuen belohnte, sicherten dem kaiserhause auch an den protestantischen höfen jederzeit einen starken anhang. Treitschke
deutsche geschichte 1, 16; feinsinnig errieth er (
Friedrich Wilhelm IV) alle wünsche seiner getreuen und erfüllte sie mit königlicher freigebigkeit. 5, 13; frau Aventiure, spröde unholdin ... wie frau Maglore von der schwarzen klippe, von der das lied der fey Morgane spricht, erfreust du die getreuen deiner sippe, mit kahlem haupt, mit narbenweh, und gicht, Scheffel
Aventiure 189. III@4@a@gγ)
syntaktische besonderheiten: III@4@a@g@11))
belastung des substantivierten adjektivs: liebe getreuen
s. o.; der kaiser nahm sich in Regensburg seiner verfolgten getreuen
an. Treitschke
deutsche gesch. 1, 193; der betrogene monarch weisz nicht, dasz man ihn dazu braucht, den wirklichen diensteifer seiner noch getreuen zu erwürgen. Klinger
betrachtungen 1, 122. III@4@a@g@22))
singulargebrauch: und darumb senden wir zu euch den strenngen Friederichen von Flerssheim, ritter, unnsern diener unnd lieben getreuen.
schreiben kaiser Sigismunds. Flersheimer chronik 15
Waltz; und haben derhalben den edlen iren und des reichs lieben getrewen, Philiphszen grafen zu Eberstein zu uns hie her gen Ulm, abgefertiget. S. Fischer
Ulmer chron. 239
Veesenmeyer; vor dem 30 jährigen kriege war auch noch jeder deutsche des kaisers und reichs mittelbarer unterthan und des kaisers uud reichs lieber getreuer. F. L. Jahn
werke [] 2,
s. 526; für seinen lieben getreuen halten,
intimum aliquem habere. Kirsch
cornucop. 178; die schäferin erschrickt, dasz sie Damötens kusz so unvollkommen schmecken musz. du zürnest, ruft sie, mein getreuer? Gellert (
die verchwiegenheit) 1, 109; er schwur sich bei allem, was heilig und hehr, auf ewig zu ihrem getreuen. Bürger
des pfarrers tochter von Taubenheim; ergreif ihn, und mit ihm das steuer der weltgeschichte, fass' es keck! ihr schiff ist morsch, ihr schiff ist leck, sei du der welt erneuer! du bist des herrn erwählter und getreuer; o sprich, wann lodern wieder deutsche feuer von jenes schiffes deck? G. Herwegh
die deutsche flotte. III@4@bb)
der relative gebrauch ohne bestimmte hervorhebung der beziehungen findet vor allem in der anrede statt: getreuer, lieber. wir senden dir hierinnen ..
schreiben Maximilians von 1442,
österr. weisth. 2, 119; ir lieben getrewen, merckt mein sinn weil ich nun alt an jaren bin und ich hab nun zwen junge sön königklich adelich und schön .. nun befilh ich euch an den enden beyd sö
n. könig Karl zu Castilia bei H. Sachs 2, 3, 58
d; ir liebn getreun, nun ist mit wehr gerüst das gantz römische her gewaltig zu der Parthen krieg. Hans Sachs (
königin Cleopatra) 20, 189
Keller-Götze u. a.; liebe getreuen, gut kayserisch. Henisch 1587;
ebenso in den schreiben der bairischen herzoge: unsern grusz zuvor, lieber getreuer. Krenner 6, 129; unsern grusz zuvor, weise, liebe getreue. 6, 132
u. a.; 'lieber getreuer' ist der gewöhnliche titel, welchen fürsten ihren ministern und räthen in kanzleyschreiben geben, dagegen sie die minister und räthe eines anderen fürsten lieber besonderer zu nennen pflegen. Adelung 2, 638; und also ihr getreuen, lieben, willkommen aus der näh' und ferne. Göthe (
Faust 4761) 41, 10; ich grüsze die getreuen, lieben, versammelt aus der näh' und weite; den weisen seh ich mir zur seite, allein, wo ist der narr geblieben? (
Faust 4728) 41, 8: ha sie rufen, meine lieben, suchend wo ihr hort geblieben. hier getreue! hier der ort! Grillparzer (
traum, ein leben 2) 7
5, 142. III@4@cc)
der absolute gebrauch: III@4@c@aα)
im singular: der getriwe ist friundes êren vrô: der ungetriwe wâtenô rüefet, swenne ein liep geschicht sînem friunde und er daʒ siht. Wolfram
Parzival 675, 17; nu hœr dise âventiure der getriwe unt der gehiure: ich enruoche umb d'ungetriuwen. 404, 12; dô bat diu dritte got, als noch ein getriwe tuot, daz er den irn behuot und durch freuden geniez des witibentums si erliez. Ottokar 97690; das wort wird volent on die lüg. und die weysheit wirt gepflantzet in dem munde dez getrewen.
Sirach 34, 8
in der vorlutherischen bibel (Eggesteyn
u. a.; man hat genug am wort gottes, wenn man recht leren wil. Luther). III@4@c@bβ)
im plural: sît got ein rehter rihter heiʒet an den buochen, daʒ er solt ûʒ sîner milte des geruochen daʒ er die gar getriuwen ûʒ den valschen hieʒe suochen! Walther 30, 21
Lachmann; darin soll uns keinerlei mühe, kostung, noch zerung zuviel, als wir dies ew. gnaden beiden als die getreuen wohl schuldig zu thun seien.
die landstände in Straubing (1467) Krenner
landtagshandl. 6, 125; nun ewr gnad befelh, wir nach kommen als die getrewen und die frommen. H. Sachs (
Olivier und Artus) 2, 3, 59; die getreuen,
Druidae, Druides, sacerdotes Gallorum Henisch 1587; und als er ihr das lebewohl gebracht, springt er zurück zum haufen der getreuen; er sammelt sich zu seines kaisers macht, und muthig blickt er auf der feinde reihen, Th. Körner
treuer tod; [] 'oder heil'ger Itzig? heil'ger ist ein schöner titel — aber in Berlin nicht passend' — endlich grübelnsmüd' nannt' er sich Hitzig, und nur die getreuen wuszten: in dem Hitzig steckt ein heil'ger. H. Heine
Romancero (
Jehuda ben Halevy 4); dann aber geh und biet auf die getreuen rings herum im ganzen lande. heisz sie sich stellen gewappnet, bewehrt mit schild und panzer, mit lanz' und schwert, und sich verbergen im nahen gehölz, bis ich winke, bis ich rufe. Grillparzer (
gastfreund) 5
5, 17; funkeln dir im haar die rosen nicht wie blutig rothe tropfen, aus dem herzen der getreuen auf ein falsches haupt geträufelt? Dingelstedt (
spanische romanzen) 229;
vgl. auch die getreuen von Jever.