getreuhänder,
m. ,
bildung der rechtssprache, bezeichnung für denjenigen, der in vertretung und im auftrage eines andern rechtsobjecte in empfang und verwahrung nimmt. die entstehung der wortverbindung ist oben (
sp. 4513)
unter getreue hant
gekennzeichnet worden, daraus erklärt sich auch die nebenform getreuhand,
die in zollerischen urkunden und andern begegnet. eine beliebte nebenform getreushänder (
vgl.treushande Schmeller 1
2, 637. 638)
erklärt sich wol daraus, dasz hier das adjectiv nicht attributiv, sondern in substantivierter form als genitiv zum bezugsworte getreten war. die grundbedeutung wandelt sich je nach dem zusammenhange und dem stande des auftraggebers. grosze herren lassen ihre geschäfte durch sachwalter besorgen; testierende ernennen testamentsvollstrecker; geistliche, frauen und unmündige bedürfen eines rechtsvertreters, adlige in bestimmten fällen einer mittelsperson. 11) wir Friderich von gotes gnaden burcgrafe zu Nürenberg, bekennen und tun kunt öffenlich .. das wir .. gelten schullen dem edeln unserm lieben getrüwen Heinrich vogt zu Weyda und allen seinen erben und nachkumen, und Raczke von Swanberg, Heinrich von Gerach dem jüngeren, Heinrich von Plaben und Heinrichen Reussen von Ranberg zu getrewehant, zwei tausent geschoke und hundert geschoke preiter guter Freiperger grosen ... und wenne wir, oder unser erben in, oder seinen erben, oder seinen getreuwenhandern alsot bezalt haben, so schulen wir .. die .. von iren wegen mit dem gelt beleiten ungeverlich uncz gein Weida iu die stat.
urkunde von 1373
monum. Zoll. 4, 242; oder ob der vorgeschriben artikel einer, oder sie alle also nicht gehalden würden, als oben geschriben stet, so hat er oder sein erben, oder sein getrewehander maht unde gewalt, die hernach geschriben bürgen manen zu leisten.
urkunde burggraf Friederichs von Nürnberg 1373
monum. Zoll. 4, 242; dasz die edeln herren .. mit freyem willen und mit gesampter hant verkauften und gaben uf reht und redlich den erbern mannen Lüpolt von Bebenburg und Eberhart von Hyrzhorn tumherren unseres stiftes zu Wirtzburg und iren erben und nachkuomen oder getrüwen henden oder wem si daz geben machen oder verkaufen.
urk. von 1345
monum. Boica 41, 182. 22) wir Albrecht und Friderich von gots gnaden burcgrafen ze Nürnberg, veriehen und tun kuont an disem brif, daz wir .. verkauft und ze kauffen haben geben unsern lieben getrewen Gelpfrat dem vetern, Heinrich dem Sunder und Cunrat dem Beheim, burgern zu Onoltzspach, die getrewshender sind des ersamen herren, herrn Heinrich des Beheim seligen .. die hernach geschriben gut, mit allen iren gülten.
urkunde von 1357
monum. Zoll. 3, 313; also, wenn unser einer von der stift stirbet, er sei korherr, vicarier, oder der pfarrer einer, die zu der stift von alter gewonheit gehören, daz sein getreuhander, die er hat genommen bei seim lebentigem leib, oder an dem tötbette, oder daz capitel, ob er ane treushander verfür, suln und mügen sich underwinden allez des gutes, besucht und unbesucht, daz er lazzen hat, und suln damit tun nach irn trewen, als in empfohlen ist.
copialbuch des St. Gumpertstiftes zu Ansbach 1359
monum. Zoll. 3, 358; getreuhender, treuhänder,
manufidelis, executor testamenti. urk. der kirche zu Herborn 1369
bei Arnoldi
beiträge zu den deutsch. glossarien (1798) 36.
ebenso werden die für das testament der pfalzgräfin Elisabeth (
Heidelberg 1382)
vorgesehenen executoren bischof Nicolaus von Speier, graf H. zu Spanheim und der landschreiber Hermann zu Oppenheim die getruowenhender und selwerter
genannt. zeitschr. gesch. Oberrheins 22, 186. 33) das wir rehtir schult schuldig sin der ediln fromin Magaretin von Schonburg, frow zcum Meher, frowin Annan von der Dahmen, irre mutir, frowin Annan der Mittiln von Wyda, erer swestir, und iren getruwenhendern .. und globin wir genantir Gunther erczbischof den genantin frowin und erin getruwenhendern zcu gebin und czu reich in zur zeinsse vir und virzig schog bemischir groschin.
urkunde des erzbischofes von Magdeburg 1406, Höfer
zeitschrift für archivkunde 1, 301. 302; wer es aber, das der obgenant eehalt der obgenant sein erbe nit vorsehen, als billich wer, und in dem bau des erbes sumigk wurde funden nach erkentenisz unsers schultheisen und dem merteil unser scheffen, denne so wollen wir den genanten erben umb behaldunge willen irer guter und erbeteil und auch umb einen guten getruenhender flislichen versehen (
de bono conservatore).
verordnung der grafen von Wertheim (1325)
über das erbrecht. oberrh. stadtrechte 1, 1
Schröder; daz er und alle sin erben oder sin und siner erben vormunt und getruwenhender die vorgnanten veste Lyhental mit allen iren rechten eren gewalt nutzen und nutzlich sullen haben besitzen und niezzen.
urkunde von 1350
monum. Boica 41, 421.