schwelen,
verb. ohne flamme langsam brennen, dampfend glimmen. ein gemeingermanisches verb., das der ursprache entstammt, vgl. sanskr. suráti
leuchten, dazu súar
sonne, himmel, sû′ra, sû′rya
sonne, avest. hvare
sonne, hvareþa, hvarenanh,
glanz, gr. Ϝέλα,
Ϝελάνη fackel, σέλας,
σελάννα (
σελήνη),
σελαγέω,
lit. swìlti
sengen, auch swelti,
trans. swìlinti, svilus
schwelend, lett. swe'lt,
altir. in súil
auge, sollus (
aus *svelnestus),
glänzend, klar, soilse (
*svelnestiâ),
licht. innerhalb des germ. ist das starke verbum nur im nd. und engl.-fries. erhalten, ags. swelan
brennen, in hitze vergehen Bosworth-Toller 947
b,
mnd. swelen,
gew. dörren, heu machen Schiller-Lübben 4, 489;
ebenso altfriesisch swila Richthofen 1061
b f., wangeroog. swili (
s. unten).
doch begegnen ableitungen auch in andern sprachen, so das causativ, altn. svæ′la
ausräuchern, mit rauch ersticken, ags. swæ′lan
brennen, mittelengl. swelen, swalen,
neuengl. swale, sweal, sweel;
ferner altn. svæ′la,
f. dicker rauch, und mit anderm ablaut ags. swôl,
nhd. schwül,
s. dieses. ahd. begegnen die weiterbildungen s(o)uuilizzo, suiluzco,
calor, suilizôn
arere (suilizôt lougiu der himil.
Musp. 53; unde mîniu beîn sint kerôstet. samoso in phannun. siû suilizont fore diên forhton des êuuigen fiûres. Notker
ps. 101, 4), suilizunga,
cauma, suelzan
cremare Graff 6, 872
f., vgl. zum ganzen Fick
3 2, 288. 693. 3, 363.
41, 341. 580. 2, 324. Kluge
5 341
b. Weigand 2, 666.
ins nhd. ist schwelen
aus dem nd. aufgenommen, und zwar erst im 18.
jahrh. der älteste beleg bei Rivander,
s. unten; lexikalisch gebucht zuerst bei Wachter (1737) 1480
f., ferner bei Frisch,
s. unten. noch Adelung
bezeichnet das wort als fast ausschlieszlich niederd. die schreibweise schwankt zwischen schwelen, schweelen, schwehlen, schwälen
und schwählen;
die aussprache enthält stets den offenen ä-
laut. die flexion ist nhd. wie schon mnd. stets die schwache, ohne unterschied der bedeutung. mundartlich ist das wort im nd. allgemein verbreitet: hamb. swelen Richey 301 (
osnabr. dafür smellen Strodtmann 382
a).
brem. wb. 4, 1115
f. Schütze 4, 233. Dähnert 477
b. Schambach 221
a. Woeste 265
b,
daneben swælen 264
b, swelen, swälen ten Doornkaat Koolman 3, 375
f., swälen Danneil 217
b. Mi 90
a (schwälen) Stürenb. 240
a.
ebenso in der volkssprache Preuszens Frischbier 330
b und der Ostseeprovinzen Sallmann 27
b, schwälen, schwölen,
glimmen Hupel 214.
dagegen ist schwelen
den hd. dialekten vollständig fremd. nur die hart an der sprachgrenze gelegene Stieger mundart hat es als schwêln (
ohne flamme dampfend brennen, kohlen, räuchern)
herübergenommen. Liesenberg 211.
bedeutung. 11)
gewöhnlich intransitiv, ohne flamme qualmend brennen, sich brennend verzehren. 1@aa)
eigentlich: nasses holz brennet nicht, es schwelet nur. Adelung;
so mnd.: hadde ... dragen eine molde vol asche uppe den bohne. de molde schwelde dorch unde de böhn wart bernen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 489
b;
nnd. dat holt swlt wat,
ist zu nasz und kommt nicht in flamme Danneil 217
b,
vgl. Schambach 221
a; 't für laggte swælen un woll nitt brennen, de lampe es am swælen. Woeste 264
b (
hier auch für '
schwarz anlaufen'); de ösel swelet,
wenn das licht nicht ganz ausgelöscht ist Dähnert 477
b; hier swelet wat,
musz etwas angebrannt sein, wenn ein brenzlicher geruch entsteht. ebenda. Schütze 4, 233; answeelen,
anbrennen, versweelen,
verkohlen. ebenda; dat swêld so langsam weg. ten Doornkaat Koolman 3, 375
b.
im osnabrückischen wird swelen
nicht gesagt, s. oben, im brem. wenigstens nicht in dieser bedeutung (
dafür smelen).
brem. wb. 4, 1116. —
belege aus der nhd. litteratur; feuer, licht schwelt: das licht schwelte mit seiner flamme auf dem fuszboden in der nähe des umherzerstreuten strohes. Immermann
Münchh. 4, 55 (7, 7); nur auf der langen brücke schweelte noch kümmerlich fort die kleine, röthliche öllampe unter dem muttergottesbilde. Alexis
hosen13 142; das alte weiblein humpelte auf den ofen zu, in welchem trotz der julihitze drauszen ... ein torffeuer schwelte. Adelh. Weber im
neuen deutschen novellenschatz 19, 176; gestern früh hatte in einer wohnung in der Friedrichstrasze ein unbedeutendes feuer, das den fuszboden .. ergriffen hatte und nur erst schwelte, statt.
Spener. zeit. 1852,
nr. 171; ein schwer geheimnisz halb vertraut ist wie ein zugeschüttet feuer, das mühsam durch die ritzen schwehlt. Heyse
werke 9, 102.
von den brennenden stoffen: da schritt der andere blinde, während drinnen der brandstoff schwälte, dreimal um das ganze gebäude und sprach einen alten feuersegen zum schutz der stadt. Freytag
leben 41; schämig versagst du den blick dem übel beleumdeten ketzer, spendest zur seite gewandt deinen verkümmerten knicks! schwebe nur zierlich von hinnen: als mütterchen seh' ich dich humpeln, welches zu Hussens gericht steuert sein schwelendes scheit! Keller 10, 28; und er merkt', dasz Rosalorens schöne binde leise schwelte. 187.
freier: die cigarre läszt an den grund ihr bläuliches wölkchen schwehlen. A. v. Droste-Hülshoff 1, 297.
unpersönlich: denn gerade auf meinem wege rauchte und schwelte es an mehreren orten (
von brennenden gebäuden). Keller 3, 246; die flamme sinkt ... und wieder schwehlt es leise. A. v. Droste-Hülshoff 1, 109; gott gnad' uns! wie es zuckt und dräut, wie's schwehlet an der dünenscheid'! ... der haidemann brennt! 113. 1@bb)
zuweilen bildlich: aber in den aufzeichnungen des lutherischen theologen und gottesmannes Johannes Valentin Andreä rauchte und schwelte der dreiszigjährige krieg. Keller 7, 39; in Belgien schwelte der brand des inneren unfriedens noch fort und mochte leicht durch einen einfall der Franzosen zu hellen flammen angefacht werden. Treitschke
d. gesch. 1, 122; die gefahr schien um so ernster, da es auch auf dem alten heerde der europäischen revolution wieder zu schwälen begann. 141. 1@cc)
mundartliche besonderheiten, so besonders im preuszischen: trinken und trunken sein. er schwêlt,
glüht trunken Frischbier 2, 330
b;
ferner '
im geiste dämmern, hell werden'
ebenda. et schwêlt em,
auch im sinne '
bange werden'.
ebenda. Wander 4, 463. 22)
seltner transitiv: swelen
vel vorsengen,
urere. voc. Engelh. bei Schiller-Lübben 4, 489
a.
so besonders mundartlich (
nd.)
in bestimmten speziellen gebrauchsweisen. 2@aa)
vom dörren des grases, heu machen, so schon mnd.: wan se ore hoy und coren meyen, schwelen unde tho huis foeren.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 489
b.
ferner in neuern mundarten, s. brem. wb. 4, 1115
f., holstein. Schütze 4, 233,
ostfries. Stürenburg 240
a. ten Doornkaat Koolman 3, 375
b f., in Estland Sallmann 27
b.
auffällig ist die verschiebung der bedeutung vom dörren des grases auf den ganzen vorgang des heumachens, das in haufen legen, wenden, zusammenkehren und -rechen u. s. w., s. besonders ten Doornkaat Koolman
a. a. o.; so auch wangeroog. swili, swîli,
das sogar '
rechen, harken, fegen, reinmachen'
bedeutet, s. ebenda, wenn hier nicht ein ganz verschiedenes wort im spiele ist. nl. zwelen,
heu wenden, ist jung und aus dem nd. entlehnt, s. Franck 1230. Adelung
faszt diese bedeutungsgruppe als besonderes wort. 2@bb)
mit accusativ des effects, durch schwelen
bereiten, herstellen: theer schwelen,
excoquere e taedae ligno axungiam Frisch 2, 247
a,
vgl. Jacobsson 4, 93
a. Karmarsch-Heeren
3 8, 111 (
eine art der trockenen destillation). kohlen schwelen,
carbones facere Frisch
a. a. o. 2@cc)
westfälisch auch en pannekauken gâr swēlen
u. ähnl. Woeste 265
b. 33)
mnd. auch von ausgelassener fröhlichkeit: lascivire swelen, tarten.
lat.-nd. wb. bei Dief.
nov. gloss. 229
a; swellen,
lascivire, item tumescere. voc. Engelh. s. Schiller-Lübben 4, 489
b.
so jetzt im ostfries. '
beim trunke sich lustig machen und singen'.
brem. wb. 4, 1116; '
ein lustiges, herumschweifendes leben führen'; he schwält de weg entlang. Stürenburg 240
b;
saufend und lärmend umherschwärmen, durch die straszen ziehen, ein lustiges, tolles leben führen. ten Doornkaat Koolman 3, 376
a.
dies wort ist jedenfalls von dem vorhergehenden ganz abzutrennen und gehört wol zu schwelgen,
s. daselbst und Adelung.