wechsel,
m. tausch, aufeinanderfolge, wobei eins an die stelle des andern tritt, veränderung usw. II.
herkunft und form. I@11)
eine wgerm. bildung, mhd. wehsel
m. n., ahd. wehsal, wehsol, wexal (
im Isidor), wehsil, wehsel (
bei Notker),
n. m. commutatio, mutatio, mutuum, mutabilitas, vicarium, vices, vicissitudo, translatio, commercium, negotium, concambium Graff 1, 715,
übereinstimmend mit asächs. wehsal,
tausch Wadstein 77, 7,
wechselgeschäft, andfränk. (
ps. 54, 21) wihsil,
commutatio, mnd. wessele, wissele,
f., tausch, wechsel, wechslerbank Schiller-Lübben 5, 698
a,
mndl. wissel Verdam 696
a,
ndl. wissel,
m., afries. wixle, wixele
n. tausch Richthofen 1157
a,
wfries. wiksel Dijkstra 3, 445,
nfries. waksel Schmidt-Petersen 156;
dafür ags. wrixl,
f. wechsel, abwechslung, tausch, stellvertretung, darlehen Bosworth-Toller 1276
a,
das als eine umbildung von wixl (
beim verb. steht wixlan
neben wrixlian)
unter einflusz von wrigian,
eig. sich wenden, wackeln, anzusehen ist; im anord. entspricht das ablautende víxl
in gjafavíxl,
n., tausch von gaben Fritzner 1, 601
a, á víxl
kreuzweise 3, 977
a (
aber schwed. vexel,
dän. veksel,
haben ihren vocal aus dem deutschen entnommen). wechsel,
dessen e
aus i
entstanden ist, ist mit dem suffix -sla-
gebildet. innerhalb des germ. steht am nächsten woche,
ahd. wehha,
got. wikô,
τάξις,
isl. vika,
auch '
seemeile',
norw. vika,
abtheilung eines gedichtes (Möller
zeitschr. f. vgl. sprachf. 24, 500)
mit der grundbedeutung '
reihe, wechsel'
und das ablautende ags. wíce,
wechseldienst; sie schlieszen sich an weichen,
ags. wícan
an, zu skr. vijati,
fährt zurück, eilt davon, also eig. '
platzmachung',
und gehen mit diesem auf eine indog. wurzel vig
zurück, die eine nebenform vik
hat. diese letztere zeigt sich in lat. vicis (
gen.),
wechsel, abwechslung, wechselseitigkeit, stellvertretung, gr. εἴκω,
weiche und in wechsel;
im deutschen wol auch in mhd. (
mit grammatischem wechsel) weigen '
schwanken', wiegelon '
wackeln'
und wiege (Noreen
urgerm. lautlehre 31).
bei Falk-Torp 2, 435
und Fick 3
4, 407
wird wechsel
direkt von der wurzel von weichen
abgeleitet (
anders Walde
2 833. Kluge
8 481). I@22)
während sich im ndfränk. (
wie fries. ags.)
das ursprüngliche i
erhalten hat und auch im mnd. wissele
neben häufigerem wessele
steht (
noch jetzt ofries. wissel
neben wessel ten Doornkaat Koolman 3, 544
b),
kommt im ahd. nur vereinzelt wihsal
vor Steinmeyer-Sievers
[] gl. 2, 148, 14.
im nhd. begegnet in der jägersprache wichsel
im anschlusz an wichseln '
die richtung im laufen verändern': wann dann ein jäger beeren jagen wil, so sol er ihm erstlich mit seinen leithunden eigentlich und fleiszig vorsuchen lassen, dann seiner vielfeltigen wichsel und widergeng halben er sonsten leichtlich entgehen möchte
jag- und weydwerckbuch (1582) 1, 101
a. I@33)
ahd. wehsal
musz das h
in den obliquen casus ohne zwischenvocal in der letzten silbe lautgesetzlich verlieren (
beiträge 7, 195): wesles, wesle
usw. meist ist das h
wiederhergestellt, während andrerseits wesal Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 145, 55, wesales Otfrid 5, 19, 57
vorkommt. im asächs. steht neben wehsal
im Monacensis v. 3738 wesl.
im spätern nd. geht hs
in ss
über (wessel,
doch neumärk. weksl
zeitschr. f. d. mda. 1910, 39),
dieser lautübergang kommt auch im md. und alem.-schwäb. vor, doch ist jetzt durch schriftsprachlichen einflusz vielfach wieder chs (
gesprochen ks)
eingedrungen, vgl. Bremer
beiträge z. geographie d. d. mdarten 40
ff. schon in mhd. zeit besteht ein schwanken; wessel
z. b. Herbort v. Fritzlar 7864.
hess. urkundenbuch 2, 390 (1329).
Passional 176, 37
Hahn. Kölner stadtrechnungen 1, 49, 150.
Straszburger zunftordnungen 392.
städtechr. 17, 106, 29 (
Mainz).
privatbriefe des ma. 2, 160 (
Oberndorf).
Frankfurts reichscorrespondenz 2, 195.
jetzt findet sich die form mit ss (
oder s
mit vorausgehender dehnung)
im mfr. (Münch 91),
moselfr. (Kisch
vgl. wb. 246
a),
hess. (Crecelius 897)
und sonst im rheinfr. (
doch z. b. Kroh
beitr. z. nassauischen dialectgeogr. 122 wegseln, Lenz
Handschuhsheim 53 weksl),
hennebergischen und thüringischen (
doch z. b. Karsten
und Bremer
mda. von Buttelstedt b. Weimar 52 wagslə,
aber Dellit
mda. von Kleinschmalkalden wasel, Herwig 30
aus der vogtei waissl).
in Schwaben wīslə '
wechseln' Kauffmann § 157
anm. 2,
vgl. Fischer 62.
im Elsasz, wo wessel
früher gewöhnlich ist (Weinhold
mhd. gr. § 207),
gilt jetzt waksl Martin-Lienhart 2, 786 (wasle '
wechseln'
nur aus dem Münsterthal angegeben).
im obersächs. und den weiter östlich fallenden mundarten tritt (
auch früher)
nur wechsel
auf, ebenso im bair.-öster. I@44)
wie andre bildungen mit -sla- (Kluge
stammbildungslehre § 98. 142—3. Wilmanns 2 § 213, 4)
schwankt wechsel
im genus. im ahd. ist im Tatian und bei Otfrid
das neutr. bezeugt (
wie afries. anord.),
das masc. ist erst für Notker (
auch durch den pl. wehsela)
gesichert. im mhd. findet sich das neutr. nur in ostfränk. (H. v. Trimberg 18125),
thüring. (Ebernand 426. 1051),
vogtländ. (
urkundenb. der vögte von Weida 196),
obersächs. (
urkundenb. d. st. Freiberg 1, 114, 32. 2, 14, 9
u. ö.),
schles. (
cod. dipl. Silesiae 2, 95),
preusz. (
N. v. Jeroschin 21874
u. ö., H. v. Hesler
apokalypse 13667)
denkmälern, auch in hd. aus nd. gebiet (
urkundenbuch der st. Magdeburg 3, 521),
und kommt vereinzelt bis ins 17.
jahrh. vor (Herberger
trawrbinden 2, 346. Opitz 2, 10. 54).
jetzt noch mundartlich im Erzgebirge (
Bayerns mundarten 2, 320)
und in Obersachsen Müller - Fraureuth 2, 644. Jecht 120.
das fem. dringt aus dem nd. in hd. denkmäler, die auf nd. boden entstanden sind, ein: md. fassung des Sachsenspiegels 3, 73, 2 (wechsele).
braunschweigische reimchronik 2267 (wexle);
allgemein ist es im hd. (
neben dem masc.)
in der bedeutung '
wechslerbank'
s. II 4
a ε. IIII.
bedeutung und gebrauch. die grundbedeutung '
platzmachung, einräumung'
erweitert sich dahin, dasz neben dem zurücktreten oder der aufgabe eines dinges auch das eintreten oder die ansichnahme eines andern ins auge gefaszt wird. wechsel
bezeichnet also eine handlung, bei der man eins an die stelle des andern treten läszt oder einen zustand, bei dem eins durch das andere abgelöst wird. daraus entwickeln sich dann die bedeutungen '
veränderungen unterworfener zustand, veränderung',
die jetzt im vordergrund stehen. besonders reiche verwendung hat wechsel
im geldwesen gefunden. dazu treten eine fülle von technischen bedeutungen, bei denen sich auch concrete auffassung eingestellt hat. II@11) wechsel
als eine handlung, durch die eins an die stelle des andern gesetzt wird. II@1@aa)
es kann bezeichnen, dasz etwas hingegeben und etwas anderes dafür empfangen wird, das es im werte ersetzen [] soll, also '
tausch'.
so heiszt es z. b. bei Otfrid 2, 9, 82
von Isaak und dem widder: selb sô untar genên thârward thaʒ wehsal gidâ
n. diese bedeutung war im altgerm. entwickelt und hat sich bis ins 16.
jahrh. erhalten (
reste im späteren nhd. s. b).
neben wechsel
tritt in dieser bedeutung im md. seit dem 13.
jahrh. kût, kaut,
s. th. 5, 362,
gern in der verbindung kaut und wechsel — kaut, kauten
noch jetzt im hennebergischen und westthüringischen Schmeller 1, 1310. Hertel 132 —,
ferner dringt aus dem nd. bûte, beute
als '
tausch'
auch ins md. ein (Haltaus 161
aus dem 15.
jahrh., auch wechsel und beute,
wie nd. wessele unde bûte
brem. wb. 5, 241, beuten '
tauschen'
bei Luther
und Mathesius
th. 1, 1754),
besonders setzt sich aber tausch
fest (
th. 11, 208),
das schon im 15.
jahrh. vereinzelt vorkommt und mit tauschen
seit dem 16.
jahrh. das herrschende wort ist. — wechsel
geht zunächst auf eine veränderung des besitzstandes. II@1@a@aα) wechsel
vom gelde: daʒ wehsel nieman übel zême, swer zwuo marc goldes vür eine nême. H. v. Trimberg
Renner 18125
Ehrismann. das weitere über die entwicklung beim geldwesen s. 4. II@1@a@bβ) wechsel '
austausch'
von waren: deszhalben wir ... die (
milch) angenommen und ihnen dafür zwybachen brot ... gegeben, das wir also an dem wechsel zu bayden thailen wol seind zu friden gewest Rauwolf
raisz (1582) 160.
in der älteren zeit ist wechsel
oft '
handel'
und steht in verbindung mit kauf,
bei dem an tauschhandel zu denken ist (
vgl. th. 5, 315):
commercium, chouf
vel wechsel Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 412, 48;
commercium, wechsel, wechselkauf, kauffwesel Diefenbach
gl. 135
c; und lerte si ouh merget han, mit koufis wechsil sih began. R. v. Ems
weltchronik 8643; wil dû, sô lâʒe ich schowen dich mînen koufschatz den ich hâ
n. behagt dir der, eʒ sol ergân ein wehsel von uns beiden hie.
g. Gerhard 1503; du solt din huʒ beruechen. den wechsel soltu suchen. sihe rechte wem du borgest. daʒ du dar nach icht sorgest.
altd. blätter 2, 19 (
Cato 70). ze wehsel '
zum kauf' geben, lân, komen: die wil ich dir ze wehsel geben ... wil dû die koufen umbe mich, die gibe ich dir. R. v. Ems
g. Gerhard 1718; er wil mir iuch ze wehsel lân, gib ich im alleʒ daʒ ich hâ
n. 2189; dô begunde er biten mich daʒ ich ze wehsel kæme mit im und daʒ ich næme sînen kouf (den gap er mir: der kouflich wehsel daʒ sît ir). 2049; der kouflich wehsel
ist das eingetauschte, gekaufte. ebenso bildlich: hurtâ, wie die getouften (
im kampfe) borgeten und verkouften mangen wehsel âne tumbrel. etslîches wâge was sô snel, daʒ sin sancte nidr unz in den tôt. W. v. Eschenbach
Willehalm 373, 23; solhen wehsel (
kummer) nement die dô minnent an ir koufe. Neidhart 55, 8.
verbunden wechsel und kauf: an wechsele und an koufe nemen wir (
in Akers) dêrsten stroufe. Freidank 155, 1; ein ander garten ward umbringt, dahin man vil der waren bringt, mit wechsel und mit kauffmanschatz. C. Scheit
die fröhlich heimfart C 2
b; gleich einem wechsel oder kauf, der (wolfail) bald beschlossen, ist meiner jahren schneller lauf mit seufzen weggeflossen. Weckherlin 2, 113
Fischer; welcher underkauffel kauffmanschaft oder wechsel ym selber treibt
Altprager stadtrecht art. 117
Röszler; das ... auch andere underkeuffer an anderm gewande underkauf,
[] wechsel und stiche triben und machen mogen
Frankfurter amtsurkunden 212, 32 (15.
jahrh.)
Bücher, vgl. dazu 4
a β H. Sachs 1, 289, 19,
wo wechsel
neben stechen (
s. d. 12,
th. 10, 2, 1263)
erscheint. auf das tauschrecht beim kauf geht die nd. redensart wessel un köre hebben
zurück, die freie wahl haben brem. wb. 5, 241. Dähnert 547. Schambach 295 (
auch gewen).
ähnlich im folgenden wechsel und wandel '
freie entschlieszung, willkür' (
vgl. wandel II D 1
e sp. 1549): dem armen man ist nichts verdorben (
im krieg), hat noch wol besoldung erworben und braucht nun sein handwerk und handel. damit hat er wechsel und wandel sein thun zu steigern wie er will.
Froschmeuseler G g 1
a (II, 3, 6). II@1@a@gγ) wechsel
bei liegenden gütern ist '
tausch'
und steht oft im gegensatz zu kauf (
vgl. auch wechselsweise 1
a): wáre abir daʒ, daʒ siu diz guot verkoufen oder umbe wehsel ane werden woltin
wirtemb. urkundenbuch 8, 339 (1282); sint des (
des grundstücks) zi wehsil chomen gegin einander
urkundenb. d. st. Basel 2, 245, 9 (1283); dortzu haben die obgenanten tzwen gewechselt ihre guter mit einander ... dornach hat Herman Negelein aus dem gute, das im tzu wechssel ist worden, verkaufft ...
monum. boica 47, 656 (
Cadolzburg 1414); ist aber (
die grafschaft) mit den zeiten an die landlüt Wallis komen, die haben es den Bernern in einem wechsel an die vogtei Gundes vertauscht S. Münster
cosmographey 411; da ... die hüser ... offt in andre händ kommen, ouch durch käuff, wächsel, tüsch, hin und wider ziehen Tschudi
chron. helv. 1, 6; im grundbuch musz so wohl des grundherrn namen, samt allen bedingungen und ursachen, ob es durch übergabe, wechsel ... beschehen ist, eingezeichnet seyn v. Hohberg
Georgica 1, 43; dissem vursten was ouch gebleben zo Thanquarderodhe dhe herscaph, dhe im durch wexle wider gaph dhe palanzgrevinne Gertrut umb andher lant und andher gut.
braunschw. reimchronik 2267
Weiland. ein gleicher, rechter, aufrichtiger wechsel: das ein gleycher wechsel mit zwaien eckern geschen ist
mon. boica 47, 688 (
Onolzbach 1434); daʒ wir mit guden willin ... eynin rehtin wessil getan han
urkunde von 1341
bei Vilmar 443; das wir ... eyns auffrichtigen kauts und wechszels ... eins wurden sein
urkundenbuch d. st. Freiberg 1, 297, 5 (1477)
Ermisch; alle gter so er eins uffrechtn, ewigen wechsels vorgenantem sinem bruoder ... glopt hab Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) n 5
a; ein guter, böser, ungleicher wechsel
s.ε.
ζ. ein wechsel geschieht, einen wechsel thun, treffen (
s. auch ε.
ζ, trîben Hartm.): wie dasz ein wechsel zweyer eigenthümlichen gütern zwüschent dem gottshusz zu Engelberg und graf Rudolfen ... geschehen ist Tschudi
chron. helv. 1, 110; daʒ ich mit frow Annun von Hornstain ... ain wechsel getǎn hǎn umb daʒ guot
urkundenbuch des klosters Heiligkreuztal 1, 325, 2
Hauber; mehr so hat bemeldter abt einen wechsel getroffen mit Christoff Hornpecken umb ein lehen Megiser
annales Carinthiae (1612) 1096. II@1@a@dδ) wechsel '
tausch'
einer pfründe: villicht vint er ainen finen man, der ain wechsel mit im tuot bestan, oder git im hundert guldin drum, so ist diser nit so gar ain stum, und nimpt das gelt in sin hand und stat im von der pfrond ze hand.
des teufels netz 4598; er sprach, ob er wider wolt han sein pfarr im wechszel oder kauff, das er ym bald solt geben auff der alten müntz wol driszig pfund.
pfarrer v. Kalenberg 34, 687
neudr. II@1@a@eε) wechsel '
tausch'
von personen reiht sich den vorausgehenden fällen von besitzwechsel an: II@1@a@e@11)) diu hôchzît huop sich sâ und der wehsel minniclîch, sô daʒ ir ietweder gelîch dem andern sîne swester gap. Ottokar
reimchr. 23212
Seemüller. [] wechsel
des gatten, geliebten: iu ist ein arm man tôt. des sît ir ergazt mit mir. den selben wehsel möhtent ir immer gerne trîben. Hartm. v. Aue
Erec 6199; (
die gott geweihte jungfrau) hett ainen bœsen wechsel getan, gott geben umb ain tœtlichen man.
des teufels netz 6790; ein guoten wechsel hab ich getan, das ich ein alten man han geben umb ein jungen.
Erlauer spiele 3, 889
Kummer; die götter habens haben wölln, dasz wir den thurnir sehen sölln, weil wir so guten wechsel traffn (
einen bessern mann). Ayrer 100, 7
Keller; alle geleiche sprachen, der margraffe het einen guoten wechsel gethan (
als er an stelle der Griseyda eine andere erwählt)
Decamerone 665, 24
Keller. II@1@a@e@22)) wechsel
nannte man in S. Gallen die in zwei herrschaften wechselseitig geübte entlassung einer frau aus dem leibeigenschaftsverhältnis, wenn sie einen mann in der andern herrschaft heiratete: wir ... wellen ouch dehaine andere lüt uf obgemelte unsere güter setzen noch annemen, dann us dem gotthus Sanct Gallen oder us den stiften und gottshüsern, zu denen das gottshus Sanct Gallen lut brief und sigel raub (
vgl.raub 2
c th. 8, 212) und wechsel hat
rechtsquellen des kantons st. Gallen 1, i, 86, 35 (1569)
Gmür vgl. 1, ii, 583, 2 (1470). J. v. Watt
d. hist. schriften 2, 200, 6. wechsel
unter den dienstmannen: daʒ der sun behîld des vaters recht unde die tochter der mûter, unde hôrten nâh in, ab sie dinstlûte wâren: dâ en bedorfte man cheiner wechsele under den dienstmannen
Sachsenspiegel 3, 73, 2
Weiske; kein pfaffenfürst mag seinen dienstmann frei lassen, er mag ein wechsel mit ihm thun, umb ein besserung Meichszner
kais. u. königl. land- u. lehenrecht (1566) 13
a.
auch die abgabe, die entrichtet werden muszte: uns hat unser ... phleger ... anbracht, wie ime etliche dein lewt und underthanen wechsel zu tund (und) schuldig, (und) von denen er biszher nit ausrichtung noch betzalung erlangen hab mugen
urkunden z. gesch. Maximilians I. 23
Chmel. II@1@a@zζ)
ein wechsel '
tausch'
wird auch bei menschlichen eigenschaften und den grundbedingungen des menschlichen daseins (
leben, tod, seligkeit usw.)
angenommen, wobei oft die vorstellung von einem handelsgeschäft zu grunde liegt. II@1@a@z@11)) beinis vesti wîb von dem man giwan, mit des vleischis brôdi wart der wechsil gitâ
n. summa theologiae 158
Waag; er muoʒ verzagen als ein wîp, sît wîbes herze hât sîn lîp und sî mannes herze hât ... mir ist zwâre starke leit daʒ sich ir beider gewonheit mit wehsel sô verkêret hât Hartm. v. Aue
Iwein 3009; (
der wasserwirbel) hât vil manne den tôt gegeben ze bœsem wehsel für daʒ leben.
büchlein 1, 364; welch cristen dâ blîbet tôt, dem wirt daʒ êwige leben vor diʒ kurze hie gegeben. der wechsel wirt alsô gewant, des sie mîn sêle ûwer pfant.
livl. reimchronik 551
Meyer; solt ich silber und gold für dich (
Christus) an sehen, so hett ich ainen abgott ... und hette ainen bösen wechsel geton.
Christus u. die minnende seele 1575
Banz; was hulf den menschen, ob er gewunn ganz die welt und darum prunn sein armiu sel in diufels fiur? das wär ain kläglich wechsel tiur! Liliencron
hist. volksl. 50, 1258 (1414—18); die ... empfâhent smerzen und êwigeʒ trauren umb die kurzen fräud, die si hie habent. auwê, wie ain wehsel daʒ ist! K. v. Megenberg 202, 26; bin ich der welte versmehet, so bin ich aber dir minneklich. wel ein wehsel joch daʒ ist! H. Seuse 442, 5
Bihlmeyer; darumb dann eüwer vater eüch zuo widerlegung der selben arbeit und not zegeben gelobt hat. soll ich dann darumb sterben, das ich der byn, der sich umb eüwernt willen in so grosze angst geben hat, wer gar ein ungleicher
[] wechszel, desz gleich nye erhört ward
Tristrant 34, 6
Pfaff; er (
gott) gibt uns sein genad lawter umb sunst, und nicht allein das, sunder thuet eyn solchen wechsel, das er uns gibt frwmkeit fur sundt, leben fur todt Luther 9, 574, 5
Weim. ausg.; da her kumpt dan der wunderbarliche wechsel, dasz Christus sich und seine guter dem glauben gibt und nympt an sich das hertz 10, iii, 356, 22; alle Christen ... (
sollen mit Christus) inn solchen freundlichem wechsel stehen, das sie alle sein mangel, leiden und ungemach tragen und er dagegen alle ihr güter, trost und freude teilhafftig wird 28, 182, 28; was wir haben, ist sein. es ist aber gar ein sehr ungleicher wechsel: er hat ewige unschuld, gerechtigkeit, leben und seligkeit, die schenkt er uns
tischreden 1, 363, 12
Weim. ausg.; dasz ... mir also in diser vereinigung solicher wechszel oder tusch widerfar, das alles das, das Christi ist, mein werd, und alles, das mein ist, Christi werd
M. Stifel
von der christförmigen lehre Luthers (1522) 61; ey menschlich leben ... Curtius hat mit dir eyn guoten wechszel troffen, in möcht die gemeyn pestilentz mit andern hingenommen haben, damit sein als ander wenig gedacht worden wer, so hat er im durch sein guotthat ewigen lob und namen erworben
Livius bei Carbach 65
b. II@1@a@hη)
sprichwörtlich: es ist aber eyn ungleicher wechsel wort umb schlege zugeben Agricola
sprichw. (1534) D 5
a; wechsel ist kein raub K. Hofmann
d. sprichw. 85. Thiele
Luthers sprichwörtersammlung nr. 369. Ch. Weise
der grünenden jugend überfl. gedanken 105
neudr. Wander 4, 1840. 5, 1802. II@1@a@thθ) wechsel
steht auch zuweilen (
vgl.β)
für das was eingetauscht wird: lib gegeben um einen tron mit bitterm ungemache, daʒ ist eine cleine sache durch daʒ wechsel gegeben, daʒ man immer sal leben. H. v. Hesler
apokalypse 13667
Helm, vgl. 8832.
ferner für das was zum tausch gegeben wird: thâr (
am jüngsten tage) nist miatôno wiht.ouh wesales niawiht, thaʒ iaman thes giwîse,mit wihtu sih irlôse. Otfrid 5, 19, 57 (
Tatian 90, 5: welih wehsal gibit man furi sina sela,
noch Mentels
bibel: was wechsels gibt der mensch um sein sele,
vulg.: quam dabit homo commutationem pro anima sua). II@1@bb)
im späteren nhd. hat sich wechsel
als '
tausch zwischen zweien oder mehreren'
noch in einigen wendungen erhalten: einen wechsel mit jemand treffen Adelung; ihr verliert nichts bei dem wechsel '
exchange' Ludwig 2400.
besonders wenn die gegenseitigkeit der tauschhandlung betont werden soll: wechsel der ringe
bei der trauung; wechsel
von geschenken; wechsel der weiber: das new evangelium ... wölches erlaubet den wächsel der weyber J. Nas
das antipap. eins und hundert 2, 157
a; wechsel '
austausch' der gefangenen Rondeau,
schon mhd.: gefangen ist hie Anthenor, so hat ouch her Hector Thoam gefangen ... ob nu wessel geschiet under in beiden, so ist eʒ wol gescheiden. Herbort v. Fritzlar 7864; und do das Marcus Regulus ersach, do stuend er auf und sprach, man sol den wechsel nicht ton. Vintler
pluemen der tugent 3604
Zingerle; schieden die von Carthago ab, dasz sie weder frid noch wechszel der gefangnen erlangen mochten
Livius bei Carbach 101
a; vom feinde annoch im gefängnus enthaltene unterthanen durch wechsel ... freyzumachen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 85.
ungewöhnlich vom lösegeld: darauff kömpt auch sein wechsel
an. S. Dach 918
Österley. luxemb. um w
iessel sin,
im austausch sein, von kindern, zur erlernung der sprache, der hauswirtschaft wb. d. lux. mda. 485.
allgemein ist wechsel
da üblich geblieben, wo kein eigentliches geben und nehmen stattfindet, sondern nur das, was einer person von jemand widerfährt, durch [] eine gleiche handlung erwidert wird. auch dieser gebrauch (
der namentlich im ersten theil von zusammensetzungen zu tage tritt)
reicht in die alte sprache hinauf, vgl. ahd. wehsalum,
vicissim Graff 1, 715
und wechslig 1;
er schlieszt sich jetzt an die verwendung von wechseln 1
b an. II@1@b@aα) 'min herze dir belibet hie'. si sprach: 'so vuer min herze hin!'der wechsel da mit kus ergie.
minnesinger 1, 166
b Hagen. von liebesbezeugungen: ein lieplich wehsel da geschach mit mengem kusse der ergienc. 1, 211
b; der sueʒe wehsel under zweien, den werdiu minne vuegen kan, wie rücket er daʒ herze enbor. 1, 291
b. II@1@b@bβ) wechsel
von worten, grüszen u. dgl.: manich mensche was da bi, da si vil rede an wechsel triben unde sulche wort dar under schiben, die iegliche vor trugen.
Passional 172, 45
Hahn; seht do wolde er vor aller diet mit kunstelichen sachen der rede ein ende machen, die da mit wessele umme lief. 176, 37; leb wohl! die musze und die bange zeit bricht ab der liebe feyerliche schwüre, und langen wechsel herzlichen gesprächs, der längst getrennte freunde sollt' erfreun.
Shakespeare 9, 194 (
Richard III. 5, 3); die minneclîchen grueʒe giengen ze wehsel under in. K. v. Heimesfurt
Mariae himmelfahrt 413,
zeitschr. f. d. alt. 8, 176; sie lieszen sich einmal in einen sehr witzigen wechsel von schmeicheleien ein Solger
nachgel. schriften 1, 25; als er ... dem reichen hugenotten begegnete, gab es ... einen langen wechsel von komplimenten und vorstellungen G. Keller 6, 201; sie erwiederte seine liebkosungen mit freundlichen blicken, er kam ihr mit freundschaftsbezeugungen zuvor. aus diesem wechsel von gefälligkeiten entstanden bey beiden empfindungen einer glückseligkeit Nicolai
Seb. Nothanker 1, 3. II@1@b@gγ) wechsel
von gesang: daʒ die zwên vogel zuo enander sâʒen und sungen mit aim wehsel, der gauch vor, der widhopf nâch K. v. Megenberg 228, 11. wechsel
nennt man ein lied, in dem eine männer- und eine frauenstrophe mit einander wechselt (
schon Neidhart 24, 13
in der hs. c [15.
jahrh.] ain wechsell). II@1@b@dδ) wechsel
von briefen (briefwechsel
schon im 17.
jahrh.): und eine treue freundin war uns hold, die uns versprach, der briefe süszen wechsel zu fördern.
M. Beer
werke 528 (
schwert u. hand 1, 1). im wechsel
von briefen '
sich kreuzend': beide gatten würden auch wohl noch eine zeit lang geschwankt haben, wäre nicht ein brief des hauptmanns im wechsel gegen Eduards letzten angekommen Göthe 20, 25
Weim. ausg.; es ist recht schön, dasz gleich anfangs unsere briefe im wechsel gegangen sind, auf diese weise können wir öfter nachricht von einander haben
briefe 9, 7,
vgl. 158. II@1@b@eε)
feindseliges wird erwidert bei wechsel
der waffen im kampf (
vgl.kugelwechsel,
mhd. sperwehsel): dô stuonden ze wehselmit den herten spern die under den schildeneinander wolten wern der vil tiefen wundendurch halsberge guote.
Kudrun 500, 1. II@1@cc)
findet kein austausch zwischen zwei personen statt, sondern liegt nur der umtausch eines dinges, von dem eine person oder eine gruppe von personen gebrauch macht oder das ihnen angehört, gegen ein anderes von gleicher art vor, so ist im nhd. wechsel
ebenfalls üblich geblieben und hat in neuerer zeit (
im anschlusz an wechseln 1
c)
weiteren umfang genommen, besonders in zusammensetzungen. II@1@c@aα) wechsel der kleider Rädlein 1035: zuo zim was geleget dar hemde und bruoch von buckeram. den wehsel er dô gerne nam. W. v. Eschenbach
Parzival 588, 16;
[] do gienc er aber in sine gemach. er leit an sich tegelich cleit ... die bruder michel wunder nam waʒ disse wehsel meinte.
väterbuch 12815
Reiszenberger; sie werden sich verkälten ... geben sie dem herrn kleider des gärtners zum wechsel Freytag 4, 352.
obersächs. das wechsel haben,
die möglichkeit des wechselns (
in wäsche, kleidern, geräten) Albrecht 47. Müller-Fraureuth 2, 644
b z. b. er hat nich 's wechsel in schuhen,
hat nicht mehr als ein paar anzuziehen, in Mansfeld das wäcksel inn štrimpen hann Jecht 120.
auch das stück zum wechseln: er hat nicht zu wechseln, er hat keinen wechsel darvon,
non ne ha il doppio Krämer 1214; ein einig wechsel hängt uns zu, der sterbekittel. v. Lohenstein
Arminius 1, 558
a. II@1@c@bβ)
von geräten: eine dienerin war zur beihilfe ... beim wechsel des sparsam vorhandenen geschirrs angenommen v. Holtei
erzähl. schriften 18, 127. II@1@c@gγ) wechsel der pferde Rondeau: lief ich bei dem wechsel der pferde in Landau voraus Seume 195; auf dieser strasze werden ... rosse zum wechsel bereit seyn
theater der Deutschen 4, 129. II@1@c@dδ)
von personen, von denen eine die andere ersetzen soll, z. b. wechsel der beamten: alle die amptliude alten die sich heten sô gehalten und wâren sô berihte man, daʒ man ir wolt niht wechsel hâ
n. Wilh. v. Wenden 217
Toischer; so thuts in regimenten gan, wann man new oberherrn wil han ... drumb wer solcher ein wechsel bgert, der bgert sein eigen last und bschwert, dann alt freund stets die besten sind. Eyering
prov. copia 1, 645. II@1@c@eε) wechsel der wohnung, des aufenthalts, des platzes: es hand die gotzhuslüt in den gerichten ein frien zug und wechsel als ander fri gotzhuslüt
weisth. 5, 122 (
Thurgau 1474),
ähnlich rechtsquellen des kantons S. Gallen 1, i, 166 (1509); dasz fast mit jedem wechsel des orts ein wechsel des studiums verbunden war Justi
Winckelmann 1, 109; der schnelle wechsel seines aufenthalts ... macht es auch noch immer unmöglich, mir nachricht zu geben E. Th. A. Hoffmann 1, 204
Grisebach; die viehzucht auf steppen nöthigt ohnehin zum wechsel der weideplätze O. Peschel
völkerkunde 253; müszte aber der kranke bey einem solchen wechsel der zimmer über den gang gehen Bremser
med. parömien 277; wechselnd in ihren gestaltungen mit dem wechsel des standpunkts ihres beobachters v. Barth
aus den nördl. kalkalpen 24.
im steir. umladezwang für handelswaren an bestimmten orten und die umladegebühr Unger-Khull 621
b. II@1@c@zζ) wechsel
von meinungen, worten: es ist besser auff einer resolution bestehen, ob sie schon etwas mangelhafft, als durch wandel und wechsel der opinionen nichts auszrichten Lehman (1662) 1, 102; dasz ... der wechsel der partei mehr ein wechsel der politischen taktik als der politischen gesinnung war Mommsen
röm. gesch. 2, 74; wer aber fur Hierusalem will lesen Israel, mags auch thun. es ligt nicht so grosz ferlickeyt an dem wechsel diser zweyer wort Hierusalem und Israel Luther 10, i, 1, 442, 2
Weim. ausg. II@22) wechsel
als eine aufeinanderfolge von dingen, eine reihe von zuständen, die sich ablösen, vgl. alternis, weslum Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 41, 35. II@2@aa)
das einen wechsel
erfahrende ist im gen. angeschlossen oder aus dem zusammenhang zu entnehmen. II@2@a@aα)
von periodisch wiederkehrenden erscheinungen z. b. wechsel der gestirne, des mondes: der himmel und dessen lauff, die gestirn und dero wechsel Dannhawer
catechismusmilch 1, 110; ich halte durch mein lied ... der sternen wechsel auf. v. Lohenstein
Agrippina 93 (
z. 602); die welt sie war nicht eh' ich sie erschuf; die sonne führt' ich aus dem meer herauf; mit mir begann der mond des wechsels lauf. Göthe 15, i, 99 (
Faust II 6796)
Weim. ausg. wechsel der jahres- und tageszeiten: wie man der jahreszeiten geregelten wechsel gewahr wird H. Meyer
gesch. der bild. künste 1, 207; das wetter und der wechsel der
[] jahreszeiten brachten ... fast die einzige abwechslung in diese einöde G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 9; in dieser reinheit der atmosphäre sind auch die meteorischen erscheinungen und der wechsel der tageszeiten von ganz anderer kraft Hehn
Italien 57. wechsel der stunden: ohne dasz sie in dem fortdauernden augenblick der entzückung den wechsel der stunden bemerkt hätten Wieland
Agathon 1, 15; o! der ist aus dem himmel schon gefallen, der an der stunden wechsel denken musz! Schiller 12, 136 (
Piccolomini 3, 3). wechsel des wetters: yetzund regnt es und schneyet drein (
im april). bal(d) blicket auff der sunnen schein, der wechsel weret uber tag. H. Sachs 4, 63, 32
Keller; dieweil ihr (
der natur) wechsel nun gebricht mit kält' und warmem sonnenliecht, mit nächten und mit tagen. Dach,
Fischer-Tümpels kirchenlied 3, 84; jener uralte weise, der nur noch für den wechsel der temperatur empfindlich war Heyse
jugenderinn. 216. wechsel der gestalt, der form, des stoffes: in dem ewig wiederkehrenden wechsel der weltgestaltungen A. v. Humboldt
Kosmos 1, 4; der Proteus der geschichte taucht ... bald hier, bald dort in veränderter gestalt auf und sucht uns durch den wechsel dieser gestalt zu täuschen v. Jhering
geist des röm. rechts 58; ihr habt den sinn, der leicht beweglich sich gern und heiter in das neue findet, sich an der formen wechsel spielend freut. Bauernfeld 5, 147 (
ein deutscher krieger 2, 6); den beständigen ab- und zuflusz oder wechsel unserer körperlichen theile Reimarus
wahrheiten d. nat. religion 425
anm. 1; der wechsel des stoffes, die eigentliche vegetation findet vorzüglich in ihnen (
den eingeweiden) statt Sömmering
vom baue des menschl. körpers 5, 12.
von musik und rhythmus: der wechsel reitzt durchs ohr den muht. bald schleicht der sanfte thon und ruht, bald kömmt er lermend hergeflogen. Hagedorn
versuch einiger gedichte 19, 18
neudr.; wo ... der wechsel der melodien einen dem poetischen angemessenen musikalischen eindruck hervorbringt Schleiermacher I 5, 109; er (
der hexameter) ist ... eine art trommelweise, die mit reichem wechsel der zeitfüsze ... einen vielfachen ausdruck von anmut und kraft umfaszt Voss
antisymbolik 2, 199. wechsel der schichten,
das eintreten andrer arbeiter bei anfang einer schicht Veith 564. II@2@a@bβ) wechsel des geschicks,
im mhd. vom kriegsglück: diu sæld begunde walgen hiute her, morgen hin; sus was der wehsel under in unz in daʒ zwelfte jâr. Ottokar
reimchr. 528
Seemüller; (
dasz sie) daʒ heilige lant gewunnen widdir und vorlurn iʒ abir siddir. diʒ wechsel treib sich manchin tac.
N. v. Jeroschin 21874
Strehlke; daʒ wechsil zwischin in sich wac von morgen unz ûf mittentac. 23032.
im nhd. oft in die bedeutung '
unbestand, veränderlichkeit' (
d)
übergehend: nicht stürme wüten ihm im busen, kein kummer scheucht ihm sanfte ruh, er sieht des schicksals wechsel zu voll gleichmut und bleibt treu den musen. Novalis 1, 122
Minor; freudige ausdauer im wechsel der geschicke Bettine
dies buch gehört d. könig 1, 37; nach allem wechsel der kriegsereignisse hatten die Franzosen Mailand und Genua zuletzt doch behauptet Ranke 2, 180. wechsel des lebens: und dasz im lauff und wechsel meiner tage nicht ungefehr ein blinder zufall spielt. v. Canitz
ged. 19; o bruder! bruder! dasz dein bild so wahr, so schrecklich wahr des lebens wechsel deutet! dasz disteln unter blumengängen lauern — und jammer auf die rosenwange fällt! Hölderlin 1, 131
Litzmann; [] denkt an den wechsel alles menschlichen! es leben götter, die den hochmut rächen! Schiller 12, 496 (
M. Stuart 3, 4). wechsel der zeiten: (
er) schauet trotzig an desz glückes wankelmuth, den niemand hemmen kan. er thut als wiss' er nicht das wechsel seiner zeiten. Opitz 2, 10; so bald sich mit der zeiten wechsel wirbelt ein sturm; verfliegt die asche, wird flamme die glut. Klopstock
oden 2, 45, 95
Muncker; empfangt denn, was auch gott verhängt mit dank, und schaft euch gutes, das keiner zeiten wechsel engt. Voss 5, 156; dasz eine ... stadt ... fortbestehen kann im wechsel der zeiten und des verkehrs G. Keller 4, 215. wechsel der dinge, der sachen (
s. auch 3
c): wechsel aller dinge,
vicissitudo rerum Stieler 2525; wechsel aller dinge. auff das aller-gröste leiden folgen aller-gröste freuden. Logau 1, 10, 88 (
s. 222
Eitner); o du wechsel aller dinge! immerwährend eitelkeit! Gryphius
trauersp. 70
Palm (
Leo Armenius 2
reyen); weil alles in der natur dem unaufhörlichen ... wechsel der dinge unterworfen sein mus Zesen
rosenmând 107; wenn du willst betrachten den wechsel aller sachen, so soll kein glück dich fröhlich, kein unglück traurig machen.
hausspruch bei Wander 4, 1840; durch jenes (
das weltmeer) den wechsel aller sachen auszubilden, welcher im ab- und zulauffe des meeres seine gleichheit spiegelt Butschky
Pathmos 24. II@2@a@gγ) wechsel
von empfindungen, vorstellungen, gedanken: swen ich in hôhem wânemit vröuden bin, so trüebet mich ein leit. den wehsel trîbet mîn gedanc hin unde her, der zwîvelmich ie herzeclîchen twanc. Reinmar v. Zweter 24, 4
Röthe (
vgl. die anm.); wechsel ist in allen sachen, nach dem trauren kommt das lachen. Ludwig 2400; ein wechsel von gefühlen durchkreuzte ihn H. v. Kleist 3, 279
E. Schmidt; über das stürmen der leidenschaft wie über den wechsel kleiner launen erhaben O. Ludwig 2, 401; für die seele (
besteht die ruhe) in einem beständigen wechsel von vorstellungen Kästner
verm. schriften 2, 58; sie dâht 'sol ich mîn zît mit im vertrîben, daʒ ich niht enwiʒʒen sol wann unser kinder heiʒen unt von wann sie sint geborn? vrâg ichs in, sô wirt im lîhte zorn'. der wehsel kunt sie in dem herzen reiʒen.
Lohengrin 6960
Rückert; leider war ein so mutiger aufschwung nicht lange ananhaltend. die schwermütigen skrupel kehrten nur um desto angstvoller zurück ... ein solcher, alle spannkraft der seele ermattender wechsel ... Mörike 3, 57. II@2@a@dδ)
auch wechsel
von personen kann hierher gehören: der jährliche wechsel der konsuln; der beständige wechsel der dienstboten; und so käm es auch, dasz sie keinen wechsel im personal hätten Fontane I, 5, 51. II@2@bb)
die beiden mit einander wechselnden dinge sind (
im gen., mit von,
jetzt auch zwischen)
angeschlossen: alle gute gabe ... kompt von oben herab, von dem vater des lichts, bey welchem ist keine verenderung noch wechsel des liechts und finsternis
Jac. 1, 17; ein wechsel der arbeit und des vergnügens,
laboris et voluptatis vicissitudo Steinbach 2, 951; bestehet ja das leben der welt im wechsel des entfaltens und verschlieszens Hölderlin 2, 95
Litzmann; statt einer gleichmäszigen spannung, in einem wohlthätigen wechsel von bewegung und ruhe
F. v. Schlegel 5, 112; der rasche wechsel von beschäftigung, einrichtung und zerstreuung Moltke
ges. schr. 4, 24; diesen wechsel von hoffnung und schmerz, licht und dunkel drückt das adagio aus Schumann
ges. schr. 1, 140; das tagesleben des grundherrn ist ein wechsel von müsziggang und wilder aufregung Freytag 17, 3; ein wechsel von dunkelm schwulst und ... plattheiten Justi
Winckelmann 1, 26; wechsel zwischen musze und
[] arbeit.
bei solcher anreihung zweier wörter durch und
liegt zuweilen kein zeitliches nacheinander, sondern ein örtliches nebeneinander vor. zunächst wenn örtlichkeiten, die durchschritten werden, genannt werden: jetzt war er in die thäler eines romantischen gebirges eingedrungen, und der wechsel von wald und berg, hügel und wiese, ergötzte ihn innig Tieck 14, 318.
ferner auch: wegen geringen wechsels von höhen und tiefen Göthe 35, 280
Weim. ausg.; fehlt ihm auch nicht der wechsel von ebene, hügelland und hochebene Ratzel
völkerkunde 2, 4. II@2@cc)
verbale und präpositionelle verbindungen. II@2@c@aα) wechsel haben, halten: minn hât wehsel zaller zît: wol in, den minn guot ende gît! U. v.
d. Türlin
Willehalm 94, 1
Singer; es ist desz wanckeln glücks die schult, das hat sein wechszel immerzu, wie in einer uhr die unruh. Ayrer 631, 35
Keller; die andacht mischt sich zu der lust: aus beyden soll so mund als brust der lobes-lieder (
auf Bacchus) wechsel haben. Hagedorn
neben-stunden 25
neudr.; nichts mag gefunden werden, was nicht den wechsel helt, bald steht ein ding auff erden, bald hin es wieder felt. S. Dach 482
Österley; er verschaffet, dasz die welt richtig ihren wechsel hält und ohn' ende sich musz jagen mit den nächten und den tagen. 505. denn die welt hält ihren wechsel und ist unvollkommenheit, aber hier im freudenhimmel nichtes als beständigkeit. Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 2, 53; er ist weit geplagter gewesen, als seine pferde, welche ... ordentlich schicht und wechsel hielten Arndt
mährchen 1, 199. den wechsel treiben
s. d. II@2@c@bβ) im wechsel sein, gehen, stehen: da lust und traurigkeit in stetem wechsel seyn. Neukirch
ged. 312; siehst du, freund, wie das glück würden und ämter theilt? wie's die plätze bestimt? wie sie im wechsel sind? Herder 27, 26
Suphan; stetig ist die welt im wechsel.
F. W. Weber
Dreizehnlinden136 206; die thätigkeit des ich und nicht-ich ... bestimmen sich mittelbar, durch ihr im wechsel begriffenes thun und leiden Fichte
wissenschaftslehre (1794) 88; wir sehn in stetem wexel gehen jetzt sturmwind, nachmals sonnenschein.
Königsberger dichterkreis 292
neudr.; so lange sonn und mond in stetem wechsel gehn. Rachel
sat. ged. 89
neudr.; dasz lust und unlust hier in stetem wechsel stehn. Hoffmannswaldau
begräbnisged. 31.
mit etwas: wunder stehn mit naturgesetzlichen wirkungen in wechsel: sie beschränken einander gegenseitig, und machen zusammen ein ganzes aus Novalis 2, 113
Minor; mit jemand Luther 28, 182, 28
o. sp. 2682 (
hier '
im austausch stehen',
wie mhd. ze wehsel gân, stân,
oben 1
b).
obersächs. ein kind im wechsel tragen,
bald auf dem rechten, bald auf dem linken arm Müller-Fraureuth 2, 645
a. im wechsel
als freiere bestimmung (
vgl. 1
b δ): alsô betoubet in hâte die vroude und daʒ ungemach, daʒ sich in im in wechsel brach.
Marienlegenden 25, 424
Pfeiffer; der boden rührt sich ungesäumt im wechsel jedes jahr, ein feld so nach dem andern keimt und reift und fruchtet baar. Göthe 4, 41
Weim. ausg.; alle fassen einander bei den händen, singen im wechsel und gesellen die paare, welche den reien springen Freytag 18, 74. in stetem (
s. o.), ewigem, buntem wechsel: in stetem wechsel kreiset die flügelschnelle zeit. Voss 4, 96; es sendet im ewigen wechsel Zeus bald gutes bald böses herab.
Odyssee 4, 236;
[] und ob alles in ewigem wechsel kreiszt, es beharret im wechsel ein ruhiger geist. Schiller 11, 259; von den weiteren schicksalen der übrigen, die unsere erzählung in buntem wechsel der gestalten vor des lesers auge gestellt hat, ist wenig zu berichten Scheffel
Ekkeh. 437; weil er die namen von personen und orten im buntesten wechsel durcheinander warf v. Holtei
erzähl. schriften 12, 149. II@2@c@gγ) zu wechsel: daʒ er und sin erben ie deʒ ainen jares den brl diu sehs mannmath nieszen sont, und deʒ andern jares diu fiunf mannmath, wan siu ze wehsel gen ein ander gant
urkundenbuch d. klosters Heiligkreuztal 1, 338, 14 (1356)
Hauber; (
nachdem) die bemelten Marëtscher ... den benantn zehentn zway jar ... ingenomen haben, so nemen darnach den am dritten jar die von Spawr ein unt geet also zu wechsl
inventare a. Tirol u. Vorarlberg 31, 233 (1495)
Zingerle; so das die pauren haben viech ... und haben kainen hirten nit, so haben sie dann einen sit, das sie zu wechszel halten gar von hausz zu hausz das gantze jar.
pfarrer v. Kalenberg 95 (
v. 1981)
neudr.; Minervens söhne sitzen dort ... und singen dir und Baccho lieder; zum wechsel trinkt ihr mund den saft, den Ceres reicht, der ähren kraft.
belust. des verst. u. witzes 3, 223. II@2@c@dδ) mit wechsel: er ordent, wi funf hundert man die hute mit wechsel musten han sin halp wider die Sarracin.
Ludwigs kreuzfahrt 5067; des klaren wassers himmel-blau, des feldes überirdisch grün, betrachtet' ich mit frohem wechsel. Brockes 4, 257. II@2@c@eε) ohne wechsel: wande ir geist hat entfangen die lebende vreude in ewicheit ane wechsels underscheit.
Passional 341, 90
Hahn; o schicksal! wann, wann endet deine quaal? musz ich ohne wechsel diese pein, diese grimme pein im busen dulden? Tieck 11, 198. II@2@dd) wechsel
für sich zeigt oft allgemein die bedeutung '
veränderungen unterworfener zustand, abwechslung, unbestand'.
so schon bei Notker: sî (
fortuna) habet tir mêr geouget iro stâtigi an selbemo iro wehsale (
in ipsa sua mutabilitate) 1, 54, 9 (
Boethius 2, 4)
Piper. im nhd. (
auch in verbindung mit wandel): alles und jedes in dieser welt dem wechsel und veränderung unterworffen ist Harsdörffer
gesprechsp. 1, F 4
a; änderung und wechsel sind ewig das menschliche loosz Meiszner
skizzen 1, 7; veränderung und wechsel, vernichtung und leben, ... sind die räder an dem wagen des schicksals Klinger 4, 13; nichts ist dauernd als der wechsel, nichts beständig als der tod Börne (1829
ff.) 4, 48; es ist lauter wandel und wechsel in der welt G. Forster 8, 213; gott wil, sich aus gesetzt, nichts lassen immer währen: es sol ein wechsel seyn, es sol sich alles kehren. Opitz 3, 282; wie lang ein mensch verschonet bleibt, ... so wird er doch zu letzt befinden: wie grosz allhie der wechsel sey. S. Dach 543
Österley; (
weil das schicksal) uns den kurzen weg zum grabe durch blumenflur und wüste führt, weil alles hier den wechsel fühlet, das glück mit unsern wünschen spielet. Gotter 1, 5; wenn stets ein gott genieszen kann, bin ich dem wechsel unterthan. R. Wagner 2, 6 (
Tannh. 1, 2). '
abwechslung': den wechsel lieben,
varietatem amare Steinbach 2, 951;
Adelheid. also heute zur fastnacht, und morgen in den krieg.
Weislingen. du liebst ja den wechsel Göthe 13, i, 306 (
Götz bühnenbearb. 4, 18)
Weim. ausg.; wandel und wechsel liebt wer lebt. R. Wagner 5, 216 (
Rheingold);
[] was teglich ist bringet abschewe, wie auch der alten meister trutz. der wechsel ist voll lust und nutz und macht zur erbeit munter hertzen.
Froschmeuseler C 5
a (I, 1
summa); der wechsel machet oft, dasz uns kein werk verdreust. Rachel
sat. ged. 123
neudr.; der wechsel vergnüget die menschlichen sinnen. Günther
ged. 259; der wechsel unterhält, doch nutzt er kaum. Göthe 10, 181 (
Tasso 1883); ich weisz der lieder viele, und singe was ihr liebt. das ist wol gut zum spiele, weil wechsel freude giebt. Rückert
ges. ged. 4, 195; die mittagstafel im groszen salon des Stahlbrunner gast- und fremdenhauses bot heuer nicht viel leben und wechsel v. Holtei
erzähl. schr. 8, 194. '
unbeständigkeit'
ist wechsel
in den wechsel treiben,
eine bis ins 17.
jahrh. übliche wendung (
s. 2
a γ Reinmar v. Zweter): ja wenn sie noch bey einem bliebn (
in der kleidung) und nicht so leichten wechsel triebn, in röcken, wämbsen, stiffeln, hut. Ringwaldt
die lauter warheit (1598) 8, 98; ewiger getreuer gott, der du keinen wechsel treibest zwischen licht und finsternisz, sondern wie du bist, verbleibest. Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 30.
namentlich von der unbeständigkeit in der liebe (
vgl. 3
d δ): wib, diner stetten minne solt zell ich für der selden golt, da von lasz dir din stettikait durch hercelieb, durch hercelait kainen wechsel triben.
liedersaal 2, 714 (174, 131); solt ich den wächsel treiben, das zyembt mein eren nicht, mein hertz irs auch vergicht, es wöll by ir beleiben. Hätzlerin
liederbuch 1, 10, 26 (
s. 9); darumb hie keiner wechsel treib, las ihm allein gefaln sein weib. Krüger
Clawerts werckl. hist. 34
neudr. II@2@ee)
aus der bedeutung '
abwechslung'
hat sich vereinzelt die von '
verschiedenheit'
entwickelt: taʒ wir heiʒên gold, taʒ heiʒent Latini aurum, Greci crison. wâre iʒ natura, dero newâre nehein wehsal Notker 1, 509, 4 (
de interpret. 1, 7)
Piper; daʒ selbe swære mære was niht ir aller swære; genuoge eʒ wol vertruogen. ouch sach man an genuogen, daʒ eʒ in grôʒe riuwe bar ... sus was ir wille unde ir muot undersniten übel und guot. mit disem wehsele geviel der gezweiete kiel an sprâchen unde an rûnen. G. v. Straszburg
Tristan 9677; die tôten ûf erstanden sint, al an prîses (h)orden ... sô sint die lebenden fürsten tôt an wirdikeit. der wehsel treit niur schaden vil, niht nutzes! H. v. Meiszen
sprüche 79, 8
Ettmüller; dieselben beltz warn so gesundert: etlich kerten das rauhe innen ... etlich hetten das rauhe auszkert ... drum bitt ich dich, weistu darumb, woher doch solcher wechszel kumb. Waldis
Esopus 4, 49, 94 (2, 119)
Kurz; er (
der wandernde Amor) sahe mit erstaunen an den steten wechsel neuer seltenheiten (
in Hamburgs straszen). Richey
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 151; je mehr wir uns dem heiszen erdgürtel nähern, um so mehr nimmt die anzahl der flattertiere zu und mit der anzahl auch der wechsel und gestaltenreichtum Brehm
3 1, 316.
von einem unterschied der lage und anordnung (
vgl. 5
i): dasz nämlich alle organe einer pflanze wirklich im wechsel gestellt sind und zwar in einer spiralen richtung um den stengel her Göthe
naturw. schr. 7, 46
Weim. ausg., vgl. wechselständig. II@2@ff)
im ahd. konnte die bedeutung '
abwechslung'
auch in die von '
stellvertretung'
übergehen: wâfan niwâri,thaʒ ih in thiu firbâri, ni ih gâbi sêla mînain wehsal bî thia thîna. Otfrid 4, 13, 46 (
animam meam pro te ponam Joh. 13, 37);
[] thaʒ er sia (
Johannes Maria) zi imo nâmi,si drôstolôs niwâri, in ira kindes wehsalsia bisorgêti ubaral. 4, 32, 10.
ferner (
im anschlusz ans lat.)
in die von '
reihenfolge': sumer biscof namen Zacharias fon themo wehsale Abiases
Tatian 2, 1 (
Luc. 1, 5
de vice Abia, M. v. Beheim: von Abias zeche). II@33)
auch wo bei wechsel
zunächst von '
zustand der veränderung, fortgesetzte veränderung' (2
a)
auszugehen ist, kann es auch oft als '
einmal erfolgende veränderung, übergang in einen neuen zustand'
genommen werden. die bedeutung '
veränderung'
kann auch aus '
umtausch' (1
c)
gewonnen werden, wenn das gewicht weniger auf der aufgabe des alten als auf dem eintritt des neuen liegt (
z. b. wechsel der wohnung
als '
beziehen der neuen wohnung'),
vgl. lat. commutatio,
zu dessen wiedergabe das wort im ahd. und asächs. dienen kann, und wandel
sp. 1540,
das umgekehrt von '
änderung'
aus zuweilen die bedeutung '
wechsel, austausch'
angenommen hat. die bedeutung (
die sich von den andern nicht immer deutlich abhebt)
tritt schon in der älteren sprache zuweilen hervor und hat in der neueren zu einigen besonderen gebrauchsweisen geführt. II@3@aa)
quis est ille tam felix, qui ... non optet mutare statum suum? ... er newelle wehsal tuôn sînes tinges? Notker 1, 83, 21 (
Boethius 2, 29)
Piper; sagt mir, herre, durch got waʒ iu werre, und waʒ dirre wehsel diute: daʒ ir und iuwer liute sô niuwelîche wâren vrô, wie hât sich daʒ verkêret sô? Hartm. v. Aue
Iwein 4437; solichen wehsel, als ich bescheide, mügen wol engelten diu vogellîn ... sô hât snê geblenket die heide, dâ die bluomen gâben (ê) liehten schî
n. minnesinger 2, 262
b Hagen; ein gerüstetes ... herz hofft mitten im unglück, fürchtet mitten in dem glücke den wechsel. Herder 26, 249
Suphan; auf der liebe flügeln, des fürchterlichen wechsels unbewuszt, eilt nach Mirandola der trunkene. Schiller 5, ii, 171 (
Don Karlos 1, 4); ein jeder wechsel schreckt den glücklichen, wo kein gewinn zu hoffen, droht verlust. 4, 44 (
braut v. Mess. 1, 7); wilch ein wechsel und wandel ist es, das er ym trotz auszeucht ... und da er hyn kömpt, hebet er an zu weynen Luther 24, 587, 11
Weim. ausg.; wann gott ihn nicht zu einem bässern leben hätte abgefordert. diesen glückseligen wechsel werdet ihr ihme ja gönnen Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 2, 1018; durch einen plötzlichen wechsel seines vermögens, seiner freunde ... beraubt Wieland
Agathon (1766) 1, 4; welch ein wechsel seit 8 tagen — general Custine wohnt im schlosz des churfürsten von Mainz Caroline 1, 110
Waitz; das leben gehört den lebendigen an, und wer lebt, musz auf wechsel gefaszt sein Göthe 24, 34
Weim. ausg.; sie hatte ihre allzu gesegnete fülle verloren ... und dieser wechsel kleidete sie gut v. Holtei
erzähl. schriften 3, 8. II@3@bb)
in verbalen verbindungen: mit dem gewein lasz wechsel sein. die busz mich weinen mache, auf dasz mein Jesus lache. S. v. Birken,
Fischer-Tümpels kirchenlied 5, 96
b; es geht ein wechsel vor,
commutatio fit Steinbach 2, 951; der wechsel steht bevor,
permutatio impendet Nieremberger; dem gleubigen widerfehrt nicht arges im todt, sondern sie thun einen seligen sprung und wechsel Petri
der Teutschen weiszheit 1, A 7
a; gleichwie vom fetten öl ein glut und flamm sich mehrt, so hurtig kan die lieb ein schönen wechsel finden, und von desz fiebers hitz ihr fackel selbst anzünden. Zinkgref
auserl. ged. 32
neudr.; ebenso das innere, gesellige leben hat diesen wechsel erfahren v. Holtei
vierzig jahre 1, 2; einen wechsel einer sache verursachen,
commutationem rei adferre Steinbach 2, 951; in diesen verhältnissen brachte der tod Maria Theresia's keinen wechsel hervor Ranke 31/32, 100.
[] II@3@cc)
verbindungen mit dem gen. in folgenden fällen (
vgl. 2
a β)
ist die bedeutung '
übergang in einen neuen zustand'
deutlich ausgeprägt: ein günstiger wechsel des glückes stellt diesz und alles wieder her. Ramler
lyr. ged. 211; im lichte ringt! im licht ist muth zu tragen des glückes wechsel ohne bange klagen. Hebbel 7, 4
Werner; es müsse nun durchaus ein wechsel des schicksals vor der thür stehen Immermann 1, 60
Hempel; ich ... fand diese umkehr der dinge, den wechsel des geschicks so traurig Gutzkow
ritter vom geiste 2, 166; mir stand ein ganz eigener wechsel der gewohnten lebensweise bevor Göthe 33, 328
Weim. ausg.; ich musz mich jetzt noch verwundern, wie rasch und leicht ich mich in den ungeheuren wechsel meiner lage finden gelernt v. Holtei
erzähl. schr. 2, 91; ein schneller wechsel von umständen sezt mich eben so unvermuthet in den besiz des gröszten ansehens in Athen Wieland
Agathon (1766) 1, 29. wechsel der dinge: das gantze gefilde erbebete von unauffhörlichem widerschall ... und stellte auff einmahl den seltzamen wechsel der irrdischen dinge für v. Lohenstein
Arminius 1, 51
b; die ruinen von Palmyra, Balbeck und Persepolis sind sprechende denkzeichen des kunstzustandes alter staaten, und traurige merkmale vom wechsel aller dinge Kant 10, 203; auch uns scheint der wechsel der irdischen dinge aufsuchen zu wollen Chamisso 5, 296; wir schmähen die natur, und heiszen diese zeit, so uns zu bitter wird desz glückes grausamkeit. das wechsel der natur kan dessen nicht entgelten. Opitz 2, 54; die heftigen bewegungen der partheikämpfe ... gewöhnten an einen schnellen wechsel der herrschaft Eichhorn
d. staats- u. rechtsgesch.3 3, 46; den plötzlichen wechsel der stärksten gefühle zu verwinden O. Ludwig 2, 167; nachdem ich zehen bittre jahre lang dem götzen ihrer eitelkeit geopfert, mich jedem wechsel ihrer sultanslaunen mit sklavendemuth unterwarf. Schiller 12, 475 (
M. Stuart 2, 8); da man in der anordnung den wechsel der scenen mehr andeutete, als ihn wirklich ausführte Tieck
novellen (1854) 12, 215.
häufig in zusammensetzungen z. b. witterungswechsel, glaubenswechsel. II@3@dd)
mit präpositionellen bestimmungen: er ... theilt ihnen sorglich die nahrung zu, damit die hungernden nicht durch den plötzlichen wechsel von entbehrung zu überflusz verderben Freytag 17, 130; ein wechsel von nervendurchdringendem jammern zu lastendem schweigen Zahn
uraltes lied 143. II@3@ee)
in besonderen bedeutungen. II@3@e@aα)
vom beginn einer epoche des menschlichen daseins (
vgl.wechseljahr 1): seine lebenszeit hat er bracht bisz ins zweiundsechzigste jahr, das wechsel ist ihm verleget ins ewige leben
V. Herberger
trawrbinden 3, 346. II@3@e@bβ)
vom eintritt eines neuen jahres: bey dem wechsel dieses jahres,
à la revolution de cette année Rondeau; beym wechsel des jahres Ramler
lyr. ged. 225 (
überschrift); ob das neue jahr gleich heute mit dem alten wechsel hält, wär doch besser, dasz der himmel wechsel hielte mit der welt. Logau 2, 8, 84 (
s. 376
Eitner); (
die bitte), die er mit einer menge von wünschen beschlosz, worzu ihm der wechsel der zeit (
es ist in der neujahrswoche) die beste gelegenheit darboth v. Thümmel
Wilhelmine 27
neudr. vom frühlingsbeginn: nur traf ... der winter seinen wechsel mit der angenehmen zeit Möser
werke 5, 92. II@3@e@gγ)
vom mondwechsel: in beiden flüssen steigt die fluth ... 24 fusz zur zeit des vollmonds und des wechsels G. Forster 4, 26; die kranckheit wandelt sich, wann neu-licht mit dem alten am monden wechsel hält: wann wechsel werden halten die ewigkeit und zeit, wird dort, dem hier auff erden war übel, werden wol; dem wol war, übel werden. Logau 1, 9, 2 (
s. 188
Eitner).
[] II@3@e@dδ)
vom wechsel
in der liebe (
vgl. 2
d): ich und dein vatter in der eh haben gelitten wol und weh mit einander wol dreyszig jar, keins gert desz andern wechszel gar, zu geben sich in sünd und schand. H. Sachs 17, 53, 6
Götze; o ich hett irs (
der ungetreuen) zutrauet nicht, dasz sie hett meiner wechsel begert. Ayrer 2494
Keller; ach! Damon, lasz den argwohn sein. kein wechsel hat dich je verdrungen.
geharnschte Venus 22
neudr.; ach! sie (
die mutter) erwege doch: ob der recht lieben kan und liebenswürdig ist, der stündlich lieb und brünste mit frischem wechsel kühlt. v. Lohenstein 1,
Ibrahim sultan 31 (
z. 104); (
der) der eh vergnügtes einerley weit reizender, als allen wechsel, findet. J. E. Schlegel 4, 224; auch schildre seine schnöde üppigkeit, und viehisches gelüst nach stetem wechsel, das ihre mägde, töchter, weiber traf.
Shakespeare 9, 121 (
Richard III. 3, 5); gewisz wird dem wollüstling das schönste weib nicht ohne wechsel schön genug dünken Meiszner
Alcibiades 1, 294
mit den bedeutungen spielend: wir wuszten in unsrer ehe von keinem andern wechsel, als von gefälligkeiten und gegengefälligkeiten Gellert 4, 224. II@3@e@eε)
vom wechsel
des gesichtsausdrucks. die folgende stelle zeigt den ausgangspunkt des gebrauchs: sein vorhin erblastes antlitz ward bald voller blut, seine vor halb erstorbenen augen voller feuer, und bald darauf verlohr sich dieser brand und wechselte eines mit dem andern ab ... nach diesem wechsel fuhr Siegesmund heraus ... v. Lohenstein
Arminius 2, 1105
b.
sonst erst im 19.
jahrh.: ein rascher, immer neuer wechsel fliegt durch sein gesicht, es zuckt in leisen krämpfen. v. Droste-Hülshoff 2, 12
Kreiten; während in Friedrichs zügen der wechsel eines offenbar mehr selbstischen als gutmüthigen mitgefühls spielte 4, 75; Klimene liesz über ihr von miszgunst verzerrtes antlitz einen lebhaften wechsel gelblich-grüner schlagschatten streifen v. Holtei
erzähl. schr. 35, 202.
auch im plur.: fliegt's ihr auf dem angesicht her und hin, kein maler könnte die wechsel malen. Arndt
werke 5, 165. II@3@e@zζ) wechsel
der krankheit, krisis, '
wenn selbige entweder nachlässet oder ärger wird' Hübner
naturlex. (1727) 530. II@3@e@hη) wechsel,
verlust der menstruation Hügel 187.
vgl.wechseljahr 2. II@3@ff)
dasz wechsel
auf die einzelne veränderung bezogen werden kann, ergibt sich auch aus dem gebrauch des plur., der schon bei Notker (
im anschlusz ans lat.) vorkommt: ube einêr newâre stâtêr, der dîe misselîchen wehsela (
mutationum varietates) scaffoti 1, 212, 6 (
Boethius 3, 113)
Piper; umbefahet er eines scuzes tîna wehsela (
mutationes tuas) 1, 361, 14 (
Boethius 5, 46).
dann tritt er erst im 16.,
häufiger seit dem 18.
jahrh., auf. II@3@f@aα) glücks und unglücks wunderliche wechszel
buch der liebe (1584)
titelblatt; die zeiten des krieges ... können schnelle wechsel des glückes hervorbringen Göthe 21, 311
Weim. ausg.; die gefahren und wechsel des krieges Novalis 4, 135
Minor; alle wechsel und unbille des wetters Arndt
werke 1, 208; wenn man (
in Rom) so eine existenz ansieht, die 2000 jahr und drüber alt ist, durch die wechsel der zeiten so mannigfaltig und von grund aus verändert, und doch noch derselbe boden Göthe
briefe 8, 51
Weim. ausg.; und starb er nicht ... eh' er noch die wechsel der dinge, den bestandlosen tand der welt beweinen durfte Schiller 1, 104; weissagt' er (
der barde) aus des stürzenden bachs mannigfalten welle, die wechsel der fernen tage. Klopstock
oden 1, 226
Muncker; denn sind wir (
nonnen) gleich gestorben für die welt, so hören wir doch gern von ihren wechseln. Schiller 15, i, 487 (
Demetrius 2, 1). II@3@f@bβ) nach ihrem untergange führten die zurückgelassenen unter mancherlei wechseln mit den benachbarten völkern viele jahre krieg Arndt
schriften 2, 14; sie (
königin Luise) scheint ... eben deshalb die herbesten wechsel
[] erfahren zu haben um zu zeigen, dasz das heil ... ihres lebens nicht auf glanz, glück und steigender hoheit ruhte Schleiermacher II, 4, 31; die heutigen Mongolen nomadisieren, nach so vielen erlebten wechseln und abenteuern, noch eben so wie ihre vorfahren Ritter
erdkunde 3, 387. II@44)
eine besondere ausdehnung hat das wort im gebiet des geldwesens gewonnen und es haben sich hier eine reihe von bedeutungen entwickelt, wobei von tausch (1)
auszugehen ist. II@4@aa) wechsel
bezeichnet zunächst den umtausch von geldsorten, namentlich den umsatz nicht gangbarer münze in gangbare, den handwechsel. ein aus dem alterthum stammendes gewerbe bezeichnend, ist das wort so schon im 9.
jahrh. geläufig, wie die stellen aus dem Heliand (
γ)
beweisen (
ob concambium, wehsol Steinmeyer-Sievers 2, 469, 71
hierher gehört, ist unsicher).
in den letzten jahrhunderten des mittelalters finden wir das wechselgeschäft meist in verbindung mit der münze (
s. unten α und γ)
und manche städte betrieben es als regal, doch warfen sich auch andere auf den einträglichen erwerbszweig. im 15.
und 16.
jahrh. sind es die groszen kaufleute in den handelsstädten, die auch das wechselgeschäft in den händen hatten, bis es zur gründung von bankgesellschaften kam. II@4@a@aα)
cambium, wechsel, wessil, wessele Diefenbach
gl. 92
b;
collybus, ein wechszel des gelts Dasypodius 38
b; wechsel,
cambium, collybus Stieler 2525; cambium eciam, quod vulgo dicitur wesle, neque institor neque alius quivis mercatorum, sed ipse monetarius exercere debebit
mon. germ. hist., leges 2, 281 (1231); was guldin auch hinder die münszer und wehseler komment in wessels wise
Straszburger zunftordnungen 392
Brucker; also das die burger gen enander die guldin nicht turor geben noch nemen suln, won als der wechsel an der muntz danne umb die guldin gat
Zürcher stadtbücher 1, 179
Zeller-Werdmüller (1351); auch sullen sie (
die münzmeister) das wechsel uberal in unser lande zc Myszne selbir haben
urkundenb. d. st. Freiberg 2, 14, 9
Ermisch (1366); umme daʒ wechsil sal unsir keyne dy andirn hindere
urkunden d. markgrafen v. Meiszen 2, 277, 5
Ermisch (1402). II@4@a@bβ)
die wechsler waren beim umtausch des geldes auf ihren vortheil bedacht, standen in dem ruf die münzen zu verschlechtern, und lieszen sich sonst auf allerlei geldgeschäfte ein, bei denen sie sich zu bereichern wuszten. wechsel
steht daher oft in schlechtem sinn und wird mit andern betrügerischen handlungen zusammen genannt (
im folgenden kann z. th. auch an '
wechselverkehr', 4
c β,
gedacht werden, bei H. Sachs 1, 289, 19
könnte es auch '
tauschhandel', 1
a β,
sein): ein wechseler hett ainen sun, der bejaget gerne gut an dem wechsel als man tut.
liedersaal 2, 581 (156, 6); geitikait, wuocher und fürkouff ist ietz in der welt der louff, mit valschem wächsel ab und uff die welt ietz gǎt. Hätzlerin
liederbuch 1, 28, 151 (
s. 38); geitz ist ein wurzel aller sünd, als viel laster bezeugen thünt ... mit fürkauffen und auffschlag machen, mit wechszel, stechen, listing sachen, mit falscher war, zal, masz und gwicht. H. Sachs 1, 289, 19
Keller; du müst (
als kaufmann) fein rund sein abgericht mit elen, masz, zal und gewicht, mit wechsel, müntz, zelen und rechen, mit borgen, leyhen, kauffen, stechen. 3, 179, 29;
Samuel (
wucherer). der wechsel geht hie starck ohn wandl, dasz wir hie wol was gwinnen woltn. Ayrer 2980
Keller; das gut geldt habn sie hingenommn, dadurch die thewrung ist gekommn. was hat ihn denn solch wechsl getragn? ausz siebn thalern 100 güldn zu schlagn.
jedermannes jammerklage (1621) E 3
a; pei dem tier (
krokodil) verstêt man den wuochrær, der die armen kaufläut haime lädt zuo dem wehsel oder zuo anderm geding, und verslint si dann ze letzst K. v. Megenberg 233, 18; glych als ob er (
Christus) des wechsels,
[] roubs, diebstals und rychtagen ein gott sye wie Mercurius Zwingli
d. schriften 1, 99; sie hatten vil gelts und handleten mit dem wechszl, derwegen ward er von etlichen miszgünstigen verfolgt und ein wucherer gescholten Albertinus
Gusman v. Alfarche 5.
übertragen '
geldhandel': wenn ... ich ihm (
dem priester) gelt gebe, das er fur mich und an meiner stat dancke, nein, den jarmarckt wil ich nicht haben, noch solchen wechsel und gedinge leiden Luther 30, ii, 614, 15
Weim. ausg. II@4@a@gγ)
verbale verbindungen (
jetzt veraltet). II@4@a@g@11)) wechsel haben, halten, thun,
besonders treiben (
vgl. auch 1
a β): die munszær, die ir wechsel dar inne (
im tempel) heten Roth
predigten 53; das der munczmeister gut wechsel zcu Lipszk im jarmarckte gehabt und ym alleine vor 1200 gulden abegewechselt hette
urkundenbuch d. st. Freiberg 2, 107, 31 (1447)
Ermisch; er habe die muntcze zu Erffort ... und man möge wechsel halde mit silber und golde von siner gnade Stolle
memoriale 401, 3
Thiele; wechszel halten, mit wechszel umbgehen,
facere argentariam Dasypodius 452
b; hat also der (
mit dem geld betrogene) kauffmann einen bösen wechsel gehalten
Mäynhincklers sack (1612) G 4
b; (
die wechsler) súllent in iren húsern deheinen wechsel tuon
zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 21, 175 (
Colmar 1369); ouch setzen wir, daʒ nieman (ze) Zúrich enkein wechsel haben noch triben sol, won dem es der rat mit der múntzmeister wissent erloubet
Zürcher stadtbücher 1, 208
Zeller - Werdmüller; das furbasz nyemandt mer (
als die geschwornen wechsler) einichen wechszel hie treiben noch treiben lassen sol
Nürnberger polizeiordn. 146
Baader; ob er mit des spital gold oder gelt wechsel tribe und daran gewinne
stadtrecht von Baden 190, 25 (
um 1520)
Welti; wechsel mit gelde treiben Steinbach 2, 951.
bei wechsel treiben
wird gern an betrügerische masznahmen gedacht: than ... thea farwarhton weroswehsal drîBan,
Heliand 3746; mit valscher myntz und bösem gelt treibt iren wächsel ietz die welt. Hätzlerin
liederbuch 1, 28, 134 (
s. 38); die müntz man auff das beste schlecht. niemand sie brichet oder schwecht. niemand kein wechsel damit treibt. inn eynem werdt sie teglich bleibt. H. Sachs 3, 589, 23
Keller. allgemeiner '
geldgeschäfte machen' (
wobei auch an den wechselverkehr, 4
c β,
gedacht werden kann, vgl. wechsel treiben, auff wechsel oder interesse geben Hulsius 2, 69
b): dasz sie ... einen groszen handel führeten und insonderheit einen uberaus groszen reichen wechsel trieben Micraelius
Pommerland 3, 570; den wechsl zu treiben, gelder auffnehmen und kauffardey-schiff auffzurichten, fiele noch schwehrer Stranitzky
reyszbeschreibung 26
neudr. im übeln sinn '
wucher treiben': weil die ritterschafft thurnieren meid, die priesterschafft im harnisch reit, die burger allen wechsel treiben und man nichts glaubt ohn kühaut schreiben. Fischart
prakt. groszm. 593
Scheible; als Peter Heinen 1628 die silberflut von den Spanischen erobert, sagt ein kauffmann, das heiszt den wechsel getrieben, das capital mit dem aufwechsel hinweg nehmen Weidner
apophth. 3 (1693) 316.
auch vom wucher mit waren: daher kompts, das man ynn aller wellt mus die würtze so theuer kauffen, alls sie wollen, und treyben den wechsel: heur steygern sie den yngber, uber eyn jar den saffran Luther 15, 312, 14
Weim. ausg. II@4@a@g@22)) wechsel geben, nehmen: muniterias sâtun an themu wîhe innanhabdun iro wesl (wehsal
Cott.) gidago garu te geBanne.
Heliand 3738; die huszgenossen an der munsze, die zu bancke sitzent, sollent den wehszel mit dem wyszen gelte zu geben und zu nemmen halten, als das untzhar komen ist
urkundenbuch d. st. Straszburg 4, ii, 150, 31 (1322); des hait man verloren an dem kleinen wiszen gelde, das man zu wessel geben hat, an iglichem gulden 1
β städtechr. 17, 106, 29 (
Mainz 15.
jahrh.). II@4@a@g@33)) am wechsel sitzen
u. dgl. (
wo z. th. auch concrete auffassung möglich ist, vgl. ε): die munzmeistere ... sulen zu
[] wechsil sitzen mit nuwen phenningen Höfer
urkunden 45 (
Mainz 1289); so mügen si wol sitzen an den wechsel
monum. boica 53, 198 (
Regensburg 1318);
argentariam facere sive exercere, mit dem wächsel umbgon, am wächsel sitzen oder den wächsel treyben Frisius 117
a (= Maaler 480
b);
argentariam dissolvere, vom wächsel abston ... nennt man yetz aufston
ebenda; vom wessel affstan, banckerotspelen Chytraeus (1594) 464; auf dem wechsel sitzen, mit geld im wechsel handeln,
être banquier Rädlein 1035.
vgl. noch die stellen unter wechseln 5
a. II@4@a@dδ) wechsel
ist früher auch das zum wechseln bestimmte oder eingewechselte geld: das enkein wechsel von der stat gefret werde, wan das der selbe wechsel in die müntze kome ane fürzug
Zürcher stadtbücher 1, 135
Zeller-Werdmüller (1343); es sol ouch nieman in deheins würtes husz gon wehszeln ... umb das der wehszel an die münsze gange
urkundenbuch der st. Straszburg 4, ii, 247, 36 (14.
jahrh.); daʒ er daselbins zcu Gotha ... wechseln mag gult, silbir, groschin und ander wechsil, was er des bekomen kan
urkunden der markgrafen v. Meiszen 3, 226. 22 (1412)
Ermisch. II@4@a@eε)
concrete auffassung macht sich bei wechsel
auch bemerklich, indem es ein geschäft bezeichnen kann, in welchem geldwechsel betrieben wird, ferner die bude, das gewölbe oder haus, wo sich das geschäft befindet (
früher meist die münze).
in dieser bedeutung ist das wort oft fem., vielleicht unter einflusz von bank
oder von mnd. wessele (
auch verhochdeutscht die wechzsel
urkundenb. d. st. Magdeburg 1, 485,
daneben der
und das wechsel 3, 521)
s. unten die belege aus Köln, Frankfurt, Nürnberg, Freiberg, doch überwiegt das masc.: antisma, wechsel, wechselbank, wessele, wessel Diefenbach
gl. 38
c; so hatt der wechszel oder wechszelbanck von altem har die gerechtikait, das an der genannten wechsler bänck oder under irem dach menglich frid haben soll
urkundenb. d. st. Basel 2, 367, 36 (1289); was silbers ouch die goltsmit brennent ... das sol ir jeklicher einem müntzmeister oder an den wechsel antwürten
Zürcher stadtbücher 2, 250
Zeller-Werdmüller (1403); 1826
β 40
gr. der nuwesten muncze zcu Lipczk geantwort in die wechsele
urkundenbuch d. st. Freiberg 2, 421, 21 (1443)
Ermisch (das wechsel 2, 233, 29); das niemant kain gülden mer solt kaufen auf gewin, dann ausz der wechsel
städtechr. 10, 297, 12 (
Nürnberg 1467); die ... zo der wesselen up dem platz deputiert synt
Kölner stadtrechnungen 1, 150 (1505); mit bürgschaft und versicherung, semlich gelt järlich und getrüwlich zuo bezalen, in welcher stat in tütschen landen ir wöllen, darin ein fuoglicher wechsel sie Anshelm
Berner chronik 4, 191; etlich geld, so sie in execution und volstreckung etlicher urtaiel ... hetten mussen aus dem wechsel darleyhen und fur ine entrichten
quellen z. gesch. des bauernkriegs aus Rotenburg 195
Baumann; ein freiertzknecht gieng uff ein mal für ein wechsel anhin, da lagen vil hauffen guldin da J. Pauli
schimpf u. ernst (1522) 97; wellich husz an unser stat wechsel gelegen ist
Basler chroniken 4, 98 (1532): auch bitten wir, das in die muntze und wechszel gesehen werde Luther 18, 534, 19
Weim. ausg.; darumb ist mein rath ihr wöllen ihn (
den sohn) zuo dem wechsel thuon, auch im ewere guot und schatz geben, damit er werb und handel Saltzman
Octavian (1548) F 1
a (
im abdruck im Frankfurter buch der liebe tritt meist das fem. ein z. b. sendet ihn in die wechszel 7
c); und sein (
des regens) gwaltsame strenge hat ... in der selbigen gegne der gassen tausent und achthundert heuser mit der kauffleuten wechsel zerstört und gestürtzt Henricpetri
generalhistorie (1577) 210; es ward der pfandschilling, die 30 tausent gulden, zuo Basel erlegt an den wechsel S. Münster
cosmographey 509; darumb sie den wechsel und müntze, sampt der schmiede und müntzkammer auffm marckte geplündert Pomarius
Magdeburgische stadtchronick (1587) R 3
a; etliche banckerottierer, welche ihre gäden, handel und wächsel verlassen und sich eine zeit hero unsichtbar gemacht hatten Philander (1650) 1, 321; banco, gemeine geldpanck, wechsel Harsdörffer
d. teutsche secretarius 1, D d d 2
a; auch soll man müntz und wechsel aufzurichten ... wol beobachten v. Hohberg
Georgica 1, 86.
die wörterbücher kennen diese bedeutung nicht, die im 17.
jahrh. veraltet (
dafür wechselbank).
[] II@4@a@zζ)
bergmännisch ist wechsel '
die einlösung des gold- und silbermaterials bei den einlösungsämtern nach dem feingehalte, gegen gold- und silbermünze'
und das recht der einlösung Scheuchenstuel 261. Veith 564.
nach Jiricek 929
schon 1203
in Schlesien und im Iglauer bergrecht bezeugt. auch das herrschaftliche bergamt und hüttenwerk selbst: es sol niemant gold noch silber, was von perg gevellet, anderswo prennen lassen, denn in den wechsel oder sein anwelten
österr. weisth. 1, 199, 19 (
Gastein 14.
jahrh.); daʒ man alleʒ daʒ silber, daʒ uf den vorgenanten bercwerken allen wirt funden, sal in unse muncze unde in unse wehsil geben
urkundenbuch d. st. Freiberg 2, 8, 35 (1339)
Ermisch; soll alsdann der berckrichter ... bisz das silber in den wechsel gewegen ist, dabey beleiben Lori
sammlung des baierischen bergrechts 224 (1532).
ferner eine abgabe, die nach einzelnen bergordnungen von dem gewonnenen gold und silber entrichtet werden muszte Veith 564. Schmeller 2, 840: daʒ furo der halbtail des wechsels von denselben artzten uns ... sol zusteen
actenstücke u. briefe z. gesch. des hauses Habsburg 2, 203 (1477)
Chmel; daʒ sy uns in sechs jaren ... von allem solchem erczte und pergkwerch ... dhainen wechsel, urbar noch ander zinsz ... zu geben schuldig sein sollen
cod. dipl. Silesiae 20, 113 (1486). II@4@bb)
in einem gewissen umfang tritt wechsel
für mutuum '
darlehen'
ein (
entsprechend ags. wrixl),
wobei wol auch von '
tausch'
auszugehen ist, da das geliehene geld in andrer münze wiedergegeben wird: mutuum, wesal Steinmeyer-Sievers 2, 145, 55; wessel, wechsel Diefenbach
gl. 374
c, bechsel
nov. gl. 260
b; oba ir wehsal gebet thên fon thên ir gitrûwet lôn intfâhan, welih thanc ist iu thes thanne?
Tatian 32, 6 (
Luc. 6, 34 si mutuum dederitis, Matthias v. Beheim: ob ir wechsil gebit)
vgl. 32, 8.
über den biblischen sprachgebrauch scheint das wort nicht hinausgegangen zu sein; doch gibt noch Stieler 2525
als bedeutung von wechsel
auch '
mutuum'
an. II@4@cc) wechsel
wird dann auch für ein verfahren gebraucht, bei dem an stelle baren geldes eine schriftliche ausfertigung gegeben wird, in der die zahlung einer bestimmten summe für spätere zeit in aussicht gestellt wird. der jetzige kaufmännische wechsel (
mlat. cambium per literas)
findet sich zuerst in Italien in der zweiten hälfte des 12.
jahrh., in Deutschland tritt er seit etwa 1300
auf vgl. Schirmer 208.
der gegenwert der empfangenen barsumme pflegte an einem fremden ort in den dort geltenden münzsorten entrichtet zu werden (
daher wechsel '
tausch').
neben den eigenwechsel,
später auch trockener wechsel ('
nicht über see gehend' v. Holtzendorff
encycl. d. rechtswiss.7 3, 143)
genannt, wo der wechsler (
später überhaupt der empfänger des geldes)
in notarieller form versprach das erhaltene geld entweder selbst oder durch seinen vertreter an den geldgeber oder seinen beauftragten zu bezahlen, stellte sich der gezogene wechsel (tratte),
in dem der empfänger des geldes (
trassant)
einem dritten (
trassaten)
den auftrag gab an den geldgeber (
remittenten)
oder den, an den der wechsel weitergegeben ist (
präsentanten)
zu bezahlen. diese weitergabe eines wechsels, der schlieszlich zum handelspapier wurde, war in Deutschland vor dem 16.
jahrh. noch ungewöhnlich. später gewann der wechselverkehr grosze bedeutung, namentlich in gewissen handelsplätzen (
Augsburg, Lübeck, später Frankfurt, Leipzig).
die ursprüngliche abstracte bedeutung dieses wechsel,
die jetzt nicht mehr lebendig ist, erhält sich bis ins 18.
jahrh. II@4@c@aα)
übermittlung von geld durch das wechselverfahren, wechselzahlung: mich habent mein herren die purger ze Münichen an wechsel verricht und geantwurt sechtzich pfunt R(egensburger) pfenning
monum. boica 53, 420 (
Regensburg 1335); ledig und loʒ ... aller geltschulde und anderr schulde, es sey an wechsel oder süst, die sie schuldig worden sein
städtechr. 1, 126, 15 (
Nürnberg 1390); der sagt, das sin diener yme gestert von Wiene geschrieben, das er 1600 gulden ... da ligen habe und stee in reden umb einen wechsel mit einem doctor von Lubecke, der da nydden lige, dann die von Lubecke dem keyser inn pene verfallen sijen, und obe der wechsel fur sich gehe, wolle yme sin diener in vier funf tagen nach datum des briefs schriben (
die summe soll in Lübeck zur auszahlung gelangen)
Frankfurts reichscorresp. 2, 197 (1461)
Janssen; damit ...
[] wir ouch daʒ gelt nit so sorglich in die verre schicken mszen, hat Cuntz brieff und bevelh von uns, mit Wendel Ypphofer z Ynnspruck z handeln uff ein wechsel, damit ir z allen malen daʒ gelt zu uwer notturft by ime empfahen möchten
zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 19, 151 (1509); das er euch widerumb 1200 taler zustellen soll ..., welche wir bitten das ir sie zu euch nemen und uns zu ausgang des januaris ... wider wollet im wechsel von eurem bruder erlegen lassen
erzbischof Anton Brus
briefe 79
Steinherz; es befand sich ... das die commercien zu Franckfurt mehr auf wechsel und ümbsetzung der gelder und waaren, dan auff baarschafft und baarer auszahlung bestünden v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 537; mit einem bahren pfenning ... könt jhr hinkommen durch wechsel wo ihr wollet Moscherosch
insomnis cura parentum 125
neudr. II@4@c@bβ)
allgemein '
wechselverkehr, wechselgeschäft' (
s. auch 4
a β und den wechsel treiben 4
a γ): so habe ... wol von andren kaufleuten vernomen, das der wechsel und handel, mit dem er umbgaht, sehr gros sey Wickram 2, 144, 29
Bolte; mein vatter ... treibt groszen kauffmanschaft durch den wechsel gon Venedig 2, 322, 19; alle denen, so auff diser seiten Italie wonen, ire wechsel und geschefft verrichten Xylander
Polybius (1574) 399; etliche (
knechte) zu irem wechsel und geltlag zugebrauchen Fischart
ehezuchtb. 284, 9
Hauffen; (
alle juden, die) in Wien den wechsel führen
Wiener bancalitäts-ordnung v. 1714. II@4@c@gγ)
feste verbindungen. II@4@c@g@11)) geld durch wechsel schicken, übermachen
u. dgl., empfangen, auf wechsel, zu wechsel (
vgl. Schirmer 208
von 1490—1611) geben, nehmen, in, auf wechsel legen:
pecuniam collybo mittere, eim gält schicken durch den wächsel Frisius 249
b; dann nun vil manche prieff von heymet gehabt hette, das er das gelte durch wechsel zuo hausz schicket
Decamerone 539, 1
Keller; einem gält durch den wächsel verschaffen, das ein wächselmeister dem anderen zuschreybt das selbig gält zu erlegen Maaler 480
a; ein hertzog von Burgundi hat jerlicher gilt tausent gulden denselben brüedern (
Franziscanern in Jerusalem) von seinen erblichen landen zuogeben verschafft, die in durch wechsel der kaufleut noch auf disen tag geantwort werden
volksbuch vom k. Friedrich, zeitschr. f. d. alt. 5, 257; geld durch wechsel übermachen, empfangen,
rimetter, trar dinari per via di cambio, far rimesse, tratte Krämer 1214. Rädlein 1035; durch wessel vort oever zo machen in des keysers hoff
Kölner stadtrechn. 1, 166 (1482); es ward an Theophilum eine summa geldes ... durch wechsel übermachet Abr. a S. Clara
etwas für alle 2, 407; die gab er auf zweimal hunderttausend gulden an, welche er dem könige in Spanien durch wechsel 'nein machte v. Schweinichen
denkwürd. 78; geld durch wechsel einem zumachen, geld auf wechsel geben Güntzel 840; einem geld auf wechsel leihen Adelung;
pigliar a cambio, con usura, auff wechsel nehmen Hulsius 2, 69
b; 1333 g. o. r. ... van yn up wessel in des keysers hoeve genoymen
Kölner stadtrechn. 1, 160 (1470); trassiren, geld auf wechsel nemen Harsdörffer
d. teutsche secretarius 1, D d d 2
a; und verstehet sich das remittiren auff das geld geben zu wechsel; das trassiren auff das geld nehmen zu wechsel Heydiger
wechselrecht (1676) 14; trassirer. .. zieher, der geld auf- oder zu wechsel nimmt oder ziehet Zedler 45, 30; gen Athen gält in wächsel legen,
permutare pecuniam Athenas Maaler 480
a; mein herr hat mir zwir gschriebn dargegen, ich sol das (
weggegebene) gelt in wechsel legen. des kumb ich umb ehr, gut und zinst. H. Sachs
fastn. 23, 168
Götze; geld auf wechsel legen,
transferre pecuniam in quaestum et foenerationem Frisch 2, 426
c. geld liegt im wechsel, kommt in wechsel: (
sollte) ich etliche gewisse bey benachbarten stätten im wechsel ligend und mir zustehende summen ... erheben
theatrum amoris 1, 110; dasz auch das geld, so würcklich nicht gelieffert ist, in wechsel kommen Heydiger
wechselrecht (1676) 16. II@4@c@g@22)) einen wechsel machen (
bei Schirmer
a. a. o. seit 1383
belegt), thun, treffen, schlieszen, an jemand legen, auf jemand nehmen: so wat wessel die Walen machen van Coelne over die Mase, daraf soelen sij geven van
[] vierhuondert guolden eynen gulden
urkunden z. städt. verfassungsgesch. 264 (
nr. 207, 2,
Köln 1401)
Keutgen; ein kauffman ... hatt ettwenn ein wechszel gemacht gon Rom, gon Lyon, oder gon Venedig, oder wohin es denn ist, und er weisz, das das (
erworbene) guot uff dem weg ist und wartet wenn es kumpt Keisersberg
postill 3, 91
a; ein wechsel auff Amsterdam oder Venedig machen Schupp
schriften 29; (
das wechselgeschäft beginnt) an dem ort, von welchem der wechsel gemacht wird, (
es schlieszt) an dem ort, wohin der wechsel gemachet wird Heydiger
wechselrecht (1676) 13; das sie ... aller schulde, hauptgeltes und gesuches, die sie ... von in (
den juden) geborget haben oder schuldig worden sind ... oder burgen worden sind oder wechsel getan haben gen den juden ... loʒe sein sollen
urkundenbuch der st. Friedberg 1, 422 (1391)
Foltz; er thut starcke wechsel in Italien,
egli fa grandi spacci per Italia Krämer 1214; auch hatt unser her keiser mit dem Jenuesern ainen wechsel troffen umb zwaymal hundert tausendt kronen Scheurl
briefbuch 2, 155; ein tausend zu Amsterdam ... wären ihm allbereit lieber als zweytausend in Utrecht ... solches nun war ein erwünschte sach vor mich, dieweil ich das jenig, was ich zu Amsterdam hatte, gern bey mir gehabt ... als ich ihm solche meine meynung sagte, war er froh, einen wexl mit mir zu treffen, und bote mir 10 pro cento zu geben
Simpl. schriften 4, 179, 23 (
vogelnest 2, 24)
Kurz; dasz einiger wechsel geschlossen wird, der entweder nach, oder von Franckfurt auszlaufft Heydiger
wechselrecht (1676) 46; wie wird gewechselt, oder werden die wechsel geschlossen, von hier nach Amsterdam? Ludwig 2402; (
der wucherer). ein wechsel ich heut gschlossen han, da kommt mir wol 40 auffs hundert. Ayrer 2443
Keller; damit mir ein wechsel nach Marsilien an ihn H. gelegt würde Heberer
Aegyptiaca servitus (1610) 54; er nam auch wechszel auff seinen vatter, dem er schrib, er wolt ym vil guot senden
Fortunatus (1509) 20
neudr. II@4@c@dδ) wechsel
als wechselkosten: einem den wechsel, oder wechsel und her-wechsel, berechnen,
to put the change and rechange upon one Ludwig 2401;
change, zinsz, wechsel,
so der wechsler vor seine mühe bekommt, geld einem andern zu übermachen Sperander 108
b (
gewöhnlich aufwechsel).
der wechsel
als eine form des darlehns kann zu wucherischer ausbeutung führen: weil er durch wechsel und stets lauffenden interesse von entlihnen geldt nur mehrers hindersich ins verderben gerath Guarinonius
grewel der verwüstung 174; es seindt on das hie schalck genug, so wucher treiben, bschisz und trug und anderer leut gelt und gut ... an sich ziehen, durch den finantz, durch wechsel, handtschrift und quittantz. Fischart
Eulenspiegel 9877
Hauffen; das ich versetzen must mein gut Usuario, dem wucherer arck, desz zinsz und wechszl lauffen starck, das ich mirs nimmer trau zu lösen. Ayrer 2238
Keller. II@4@c@eε) wechsel
als wechselkurs: der wechsel ist jetzt pari, der wechsel steigt oder fällt Ludwig 2401; ob zur zeit desz wechsels mangel oder überflusz an geld ..., nach welchem die wechsel steigen oder fallen Heydiger
wechselrecht (1676) 20; laszt geld und wechsel höher steigen! es thut euch nichts. Stoppe
Parnasz 351; hoher, niedriger wechsel Zedler 53, 969. II@4@dd)
für die urkunde über eine wechselzahlung, früher wechselbrief,
kommt wechsel
anfangs nicht vor, Schirmer
bietet belege seit 1712,
doch tritt es in diesem sinn schon seit ende des 16.
jahrh. auf (wechselbrief
bleibt bis ins 18.
jahrh. das häufigere wort): II@4@d@aα) was aber den wexel uff Hamburgh anlangt, sein wier alhie etliche tagh uffgehalten worden, bisz wier den kauffman Geylenkürchen dahien vermöcht, das er solchen wexel acceptirt Breuning von Buchenbach
sendung nach England i. j. 1595
s. 64
Schloszberger; so baldt als ich werde meinen wechsel empfangen haben, welchen ich von tag zu tag erwarte Duez (1646) 363; die
[] zween junge von adel bekamen einen wexel und befelch von ihren eltern, sich in Frankreich zu begeben und die sprache zu lernen
Simpl. 1, 355, 20
Kurz; den wecksel, so ich eüch durch Jasmin schicken werde Elis. Charl. v. Orleans
briefe (1676—1700) 16; er ... wartete allda ... auf einen wechsel, welchen ihm seine frau mutter mit ehster gelegenheit schicken würde
Schelmuffsky 35
neudr. beide ausdrücke neben einander: wann bey einem wechselbrieff der zweiffel entstünde, ob der jenige, dessen namen unterschrieben sich befindet, den wechsel also unterschrieben habe? Heydiger
wechselrecht (1676) 116 (
ebenso in der Hamburger wechselordnung von 1711,
der Nürnberger von 1722
u. ä.). II@4@d@bβ)
man sagt einen wechsel geben, schlieszen (
s. o.), ausstellen, auf jemand (
oder einen ort) stellen, auf jemand ziehen, übermachen, übertragen (giriren
oder indossiren), umsetzen, vorzeigen
oder überreichen (präsentiren), einkassiren; annehmen (acceptiren), nicht annehmen (protestiren), bezahlen (honoriren), einlösen: er wolte sich kleiden, weil aber sein geld ausbliebe, wolte er darüber einen wechsel geben Reinwald
studentenspiegel (1720) 68; leihen sie mir zehntausend thaler pfandbriefe auf drei monat; ich gebe ihnen für das kapital einen wechsel auf mich selbst, welcher ist wie baar geld Freytag 4, 78; wann zwey handelsleuthe ... einen wechsel schlieszen, welcher auff sicht gestellet Heydiger
wechselrecht (1676) 25; sie erinnern sich doch wohl auch der wechsel, die sie an den herrn Araspe vor jahr und tag ausstellten? Lessing 1, 399 (
freigeist 1, 5); und stellt auf die summen einen wechsel auf Paris. Rückert
werke 1, 200; und ihre wechsel bezahlen sie (
die christen) prompt, noch vor dem letzten respittag. Heine 2, 478
Elster; davon sich mein gelt-hauffen wieder ein merckliches geschwinder vergröszerte, so dasz ich etlichmal wexel nach Prag und anderswohin in die teutsche reichsstädte übermachte
Simpl. schriften 3, 106, 4 (
Courage 21)
Kurz; das ihm ... hundert tausend reichsthaler ... gezahlet und durch wechsel, die er selbst seinem belieben nach ziehen möchte, überliefert ... werden solten v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 91; wenn wir einmal in Turin sind, hab ich wechsel zu ziehen Klinger 1, 184 (
falsche spieler 5, 5). wechsel reiten '
einen fälligen wechsel durch einen andern zu decken suchen um dadurch den bankerott hinauszuschieben' (
vgl. reiterwechsel, reitwechsel
bei Schirmer 210
und wechselreiter, -reiterei;
das verb. ist erst aus diesen subst. hervorgegangen): dasz Ottomar flott wechsel geritten hat ... ich kenne ganze regimenter, die es thun Spielhagen
sturmflut 2, 230. den wechsel versäumen
u. ä.: wenn die herren ... über einem epigramme ihre wechsel versäumen Jacobi 2, 152; der stets in halben nächten frasz und seiner wechsel oft vergasz. Hagedorn
werke (1769) 2, 119; miszlingt ihr etwas, dann ist's ein gröszeres unglück, als wenn dir ein schuldner entläuft und den wechsel zurückläszt. Göthe 1, 303
Weim. ausg.; wenn man ohne beunruhigung seines gewissens einen wechsel abschwören wolle Rabener
schriften 4 (1755) 96. II@4@d@gγ) der wechsel kommt, läuft ein, bleibt aus, läuft um, verfällt
u. ä.: und dann zahl' ich die rechnung alle jahre, wenn mein wechsel kommt Lenz 1, 23
Tieck (
hofmeister 2, 3); alldieweil aber die wechsel ausblieben, kam er auff Antwerpen Ch. Weise
polit. redner 293; auf einmal blieb der wechsel ihm (
dem junker in Paris) allzulange aus. er schrieb zwar viel naife und wolgesezte briefe, doch keiner kam von haus. Schubart (1787) 2, 207; beliebet morgen einzusprechen. die wechsel laufen später ein. Lessing 1, 82; nach gebrauch des ortes, wohin der wechsel gehet Heydiger
wechselrecht (1676) 62; der wechsel wird fällig, der jude läszt ihn protestiren und weigert die zahlung Göthe 45, 144
Weim. ausg. [] II@4@d@dδ)
verbindung mit adjektiven: eigener, trockener wechsel (
s. o.); gezogener wechsel (
s. o.); kurzsichtiger, langsichtiger Zedler 53, 970, laufender 971, verfallener, verlängerter 1066; offener wechsel: ein offener wechsel eines reisenden, ein kredit-brief Ludwig 2401; eileten sie ... auff die nächste handelstadt, da sie bey einem kauffmann einen offenen wechsel erhielten Ch. Weise
die drey klügsten leute 26; sein vater ... hatte an diesem seinen eintzigen sohne einen solchen narren gefressen, dasz er ... ihm einen offenen wechsel, worauf er so viel geld, als ihm beliebte, erheben konte, gegeben hatte
die Leipziger land-kutsche (1725) 3; starker wechsel (
s. u. Ludwig): er schickte ihr einen kuppler mit einem starken wechsel Göthe 45, 144
Weim. ausg.; wahrer, gültiger wechsel,
cambium reale Stieler 2525; falscher wechsel: Reinhold habe falsche wechsel geschmiedet und werde deszhalb mit steckbriefen verfolgt Göthe 41, i, 157; dasz er (
der wucherer) ... das kaum erpresste gut auf leere wechsel waget. Neukirch
ged. 116. II@4@d@eε)
da der wechsel übertragbar wurde, entwickelte er sich zu einem von hand zu hand gehenden wertpapier (
die bed. nähert sich z. th. der von '
anweisung'): so nimm deinen dank voraus (wirft ihm einen wechsel zu) Schiller 3, 13 (
Fiesko 1, 2); hier ist in wechseln, was mir das glück auf dieser welt gegeben. 5, ii, 385 (
Don Karlos 4, 21).
neben barem geld genannt: er ist abgereiset, sagte mein oncle Toby. — was? — ohne urlaub? ohne geld und wechsel? Bode
Tristram Schandi 5, 24; bringen sie mir alle seine schuldner. hier ist geld. hier sind wechsel. alles ist sein! Lessing 1, 534 (
Minna 2, 2); und hatte in seiner schatulle noch auszerdem nicht allein baares geld wie häcksel, sondern auch manche wichtige wechsel, samt und sonders so eingericht't, dasz sie gleich bezahlt wurden nach sicht. Kortum
Jobsiade 3, 99. II@4@d@zζ) wechsel
steht auch für das geld, das auf den wechsel bezahlt wird: einen wechsel bekommen,
recevoir son argent (
par lettre le change) Rondeau; endlich als die wexel bey mir nicht zulangen wolten Ch. Weise
drei ärgste erznarren 38
neudr.; es wimmelt ... von jungen stutzern ... die den halben wechsel daran wenden, wenn sie nur eine einzige nacht herr
F. seyn können Rabener
schriften 1 (1751)
vorrede 50; durch die freigebigkeit des grafen, der ihnen ... beinahe seinen ganzen wechsel sendete Arnim 7, 73.
es ist das besonders in der burschikosen sprache üblich, wo später an den wechselverkehr gar nicht mehr gedacht wird: ein student, der lange auf wechsel gewartet, und endlich einen starcken wechsel bekommen hat Ludwig 2401;
Clarissa: was hat dir denn der vater mitgegeben (
auf die universität)?
Amandus: der wechsel ist nicht höher, als fünffhundert reichsthaler, mehr hab ich nicht erhalten können Schoch
studentenleben 19, 26
neudr.; ein studente auf academien weisz seine einnahme, nemlich wie starck der wechsel kommet Ch. Wolff
ged. v. d. menschen thun u. treiben 352; bey unsern herrn burschen könten wir uns nicht besser einschmeicheln als wenn wir ihnen viel reiche wechsel wünschen möchten
die vernünft. tadlerinnen 2, 4; der mutter mache ich so angst und bange, dasz sie eine willige zulage zum wechsel schicket
belust. des verst. u. witzes 4, 465; manches pochen des ungestümen gläubigers ..., mancher bedeutende abzug am wechsel erinnerte sie auch in späteren zeiten an den berühmten doktorschmaus Hauff 2, 60; wir älteren akademiker erinnern uns wohl noch der zeit, wo wir hier standen ungefähr wie der fleiszige student mit schmalem wechsel Mommsen
reden u. aufsätze 161; vor diesen wohlhabenden studenten — und in meinen augen war ein jeder, der einen sicheren wechsel von funfzig thalern jährlich hatte, ein Krösus — empfand ich respect Spielhagen 1, 118; da nimmt man, so viel man bekommen nur kann, und leget den wechsel an spitzenwerk an; indessen sitzt vater und mutter zu haus, und zahlen das theure collegium aus. Neukirch
ged. 37.
[] II@4@d@hη)
die neuere sprache liebt es in vergleichen und bildlichen wendungen an das wechselverfahren anzuknüpfen: bedenkt, dasz uns die kleine zeit auf wechsel ist gegeben, und lebt, dasz euch die ewigkeit ein wucher sey ins leben. Hoffmannswaldau
geistl. oden 14; just die vom himmel ihm geprahlt, sah'n diese erde zwiefach gerne: so wird die schuld an's volk bezahlt mit wechseln auf die sterne. Herwegh
ged. eines lebendigen 2, 151; das leben zahlt den ausgestellten wechsel nur mit abzug v. Chamisso 1, 11; wirkt eine solche überzeugung ... wie ein sicherer wechsel auf sehr lange sicht Schopenhauer 1, 385
Grisebach; man zog wechsel auf die ewigkeit, weil das bare geld der gedanken ausging Grillparzer 14, 133; das beispiel Östreichs ... ist mir eine warnung gewesen, dasz die politischen wechsel, die man auf solche verhältnisse zu ziehen in versuchung kommt, über die grenzen des credits hinausgehn, den unabhängige staaten in ihren politischen operationen einander gewähren können v. Bismarck
ged. u. erinn. 2, 278
volksausg. elsäss. er macht e gsicht wie n-e protestierter wechsel
von einem stier blickenden betrunkenen Martin-Lienhart 2, 786
a, II@4@d@thθ)
sprichwörtlich: ein wechsel ist ein scharfes messer Blasz
jüd. sprichw. bei Wander 4, 1840; wenn der wechsel unterschrieben ist, musz man zahlen '
wer eine verpflichtung übernommen hat, musz sie erfüllen' Wander; der wechsel musz zu mir kommen, ich brauche ihm nicht nachzugehen '
der schuldner erscheint erst nach vorzeigung des wechsels verpflichtet zu zahlen' Hillebrand
deutsche rechtssprichw. 173, 242. II@55)
in der technischen sprache haben sich eine menge von bedeutungen entwickelt, namentlich reihen sich den unter 4
erwähnten fällen andere an, wo wechsel
für concreta gebraucht wird. II@5@aa)
in Mittelfranken ist wechsel (wessel)
ein flügelartig gestalteter eisentheil des pfluges, der die bestimmung hat, die erdscholle seitwärts zu legen (
zu wechseln) Fusz
zur etym. nordrheinfr. provincialismen 3, xxix. Münch
gramm. der ripuar.-fränk. mda. 100 (wėzsel,
von mhd. was '
scharf'
abgeleitet).
zeitschr. f. d. mda. 1911, 42 (
Hunsrück).
vgl.wechselpflug
und wechselriester. II@5@bb)
in den Elbdörfern der Dresdener pflege heiszen wechsel
die drei flurabtheilungen oder schläge, weil in ihnen mit brache, sommerfrucht und winterfrucht gewechselt wurde. mitt. des vereins f. sächs. volkskunde 4, 14. Müller-Fraureuth 2, 645
a. II@5@cc)
in der alten fechtersprache hiesz wechsel
eine art der parade, bei der mit der wehr von einer seite zur andern abgewechselt wurde Joachim Meyer
kunst des fechtens (1570) 1, 8
a. 2, 45
b. 5, 39
a (rechter wechsel 1, 26
a, linker 2, 8
a): so tratziglich ich (
beim fechten, bildlich für das wettsingen) vor ihm stan, ich lig im wechsel wen ich wil, das er mir hart entweichen kan.
Germania 3, 319 (
meistergesänge des 15. jahrh.; krump nicht, zuck haw, durch wechszel da mit schaw. Falckner
turnierbüchlein bei Scherz-Oberlin 1955;
vgl. wechselhau. II@5@dd)
bergmännisch ist wechsel
frisches, gesundes holzwerk, das an stelle von schadhaft gewordenem eingezogen wird v. Schönberg
berginformation 2, 107. Minerophilus (1730) 713.
bergmänn. wb. 597. Jacobsson 4, 618
a. Veith 563. II@5@ee)
ebenfalls bergmännisch ist wechsel
s. v. a. verkippung, '
wenn eine flötze nach ihrem steigen und fallen in eine ziemliche breite sich erstrecket, und von dem horizont nur 5
bis 20
grade abweichet' Jacobsson 4, 518
a; '
gangklüfte mit und ohne verwerfungen'
beleg bei Veith 563; steigt oder fällt es (
das flötz) nur einen bis zehen schuhe, so nennt man es einen wechsel oder eine verkippung, steigt oder fällt es aber tiefer, so sagt man, das flötz mache einen rücken
Linné mineralreich übers. v. Gmelin 1, 77; wie es mit bergen zu thun sei, die uber das wechsel versunken sein
cod. dipl. Silesiae 20, 262 (1582).
jetzt von verwerfung
unterschieden: je nachdem der eine flügel (getrennte gebirgstheil) gegen den anderen nach abwärts
[] gerückt oder aber nach aufwärts geschoben ist, bezeichnet man die dislocation als eigentliche verwerfung (absenkung) oder als überschiebung (wechsel) Credner
geologie9 327,
ähnlich Dannenberg
u. Frantz
bergmänn. wb. 421 (wechsel, übersprung, überschiebung). wechsel
ist auch '
der gang oder die einfallende kluft, welche eine fremde steinart führt, wovon die theile eines flötzes zertheilt werden' Richter
berg- u. hüttenlex. 2, 620.
so auch bergmänn. wb. (1778) 597. Jacobsson 4, 617
b.
beide bedeutungen gehen wol von '
veränderung, unterscheidung'
aus. II@5@ff) wechsel der wetter
in der grube '
wenn die luft einen guten zug hat und die untere luft beständig aus- und dargegen aber frische luft wieder hineinzieht'
bergmänn. wb. (1778) 595.
ähnlich Jacobsson 4, 618
a. Richter
berg. u. hüttenlex. 2, 610; sollen die wetter in einem guten beständigen wechsel gehalten werden
beleg bei Veith 564. II@5@gg)
bei maschinen s. v. a. hub,
hin- und zurückbewegung des kolbens im treibcylinder Veith 563: obgleich dieselbe (
maschine) bis zu einem 17 maligen wechsel pro minute angetrieben wurde.
beleg ebenda. II@5@hh)
in der elektricität das umspringen des elektrischen stroms beim erzeugen des wechselstroms; zwei wechsel
bilden eine periode Brüsch
grundrisz der elektrotechnik 80. II@5@ii) '
bei dem maurer die einrichtung, wobei man den ort, wo zwei steine zusammenstoszen, in der nächsten reihe verändert' Krünitz 235, 253. II@5@kk)
in der technischen sprache bezeichnet wechsel
häufig ein ding, das mit einem gleichartigen zusammenstöszt oder damit in verbindung gebracht wird, sowie die stelle, wo es geschieht. II@5@k@aα) '
dasjenige holz in einer balkenlage, welches in zwei balken, deren auflager gesichert ist, mit zapfen eingesetzt ist, um auf gleiche weise einen anderen balken, welcher kein festes auflager hat, also einen trumpf,
in sich auf zunehmen' Helfft
landbaukunst 405.
vgl. Mothes
baulex.3 1, 236
b. 4, 280
a. Müller-Mothes 981
a. Karmarsch-Heeren
3 10, 553; '
querbalken als verbindung zweier längsbalken und zum tragen bestimmt z. b. eines kamins, eines türgestells' Martin-Lienhart 2, 786
a. Seiler 307: an allen caminschoosz, wo palcken oder wechszel oder anderes nothwendiges holtzwerck sich befindet, müszen allzeit mit bachensteinen verblendet ... seyn
Schlettstadter stadtrechte 2, 477 (1750)
Gény; es war ein sauberes häuschen mit seinen weiszgetünchten balken und den braun gestrichenen wechseln dazwischen H. Stehr
der begrabene gott 23; stichbalken sind die kurzen hölzer, welche bei dachstühlen in die wechsel eingezapft sind Karmarsch-Heeren
3 8, 495.
nach Hunziker 289
auch die stelle, wo zwei balken in einander gefügt sind. vgl. wechselbalken. II@5@k@bβ)
das ansetzen kleinerer bretter an die bretter der stubendiele, der boden hat einen wechsel Müller-Fraureuth 2, 645
a. II@5@k@gγ)
die stelle, wo die enden der stubendiele mit der querdiele zusammenstoszen: um einem todkranken das sterben zu erleichtern, bettet man ihn auf stroh auf dem wechsel
mitt. d. schles. ges. f. volkskunde 8, 14. II@5@k@dδ)
die zwischenräume zwischen den rings um den meiler gesetzten dicken holzstücken, über die die wechselklötze (
s. d.)
gelegt werden. forst-, fisch- u. jagdlex. 2, 843. II@5@k@eε)
die stelle am fasz, wo die wechseldauben (
s. d.)
neben die hauptdauben eingefügt werden: nehmt das treibholz und den dechsel! schlagt die reifen auf den wechsel! schlagt die reifen auf die tonn! Schade
handwerkslieder 11 (
böttcherlied). II@5@k@zζ)
hahn an einem fasz Schmeller 2, 840: jetzt reib ich auf die wechsel (
drehe die hähne auf) A. v. Bucher
ebenda; an dem hahne (wechsel) wird ein gummischlauch befestigt und ... durch die spundöffnung gesteckt Karmarsch-Heeren
3 1, 505. II@5@k@hη)
an einer brunnen- oder wasserleitung die stelle, wo zwei röhren an einander stoszen, kleine stücke, die an den unterirdischen röhren einer wasserleitung angesetzt sind Schmeller 2, 840. Jacobsson 4, 618
a. Mothes
baulex.3 4, 353
a: ein bleyrohr an den nächstgelegenen wechsel anstecken
Münchner feuerordnung von 1751
bei Schmeller.
[] II@5@k@thθ)
schlieszklappe an der röhre von zimmeröfen Schmeller 2, 840. II@5@k@iι)
die stelle, wo zwei von entgegengesetzter richtung kommende risen (
wasserrinnen zum hinabschieszen des geschlagenen holzes)
in die hauptrise zusammenlaufen Schmeller 2, 840 (
aus Salzburg). II@5@k@kκ) '
die ineinanderfügung zweier 5
lachter langer halbgerinne, wodurch die leitung des wassers auf die kunsträder geschieht' Jacobsson 4, 618
a. II@5@k@lλ) '
beim stellmacher die stelle an einem rade, wo zwei felgen in der mitte zusammenstoszen' Jacobsson 4, 618
a. II@5@k@mμ)
ein rad, das mit seinen zähnen in ein anderes rad eingreift, namentlich beim uhrmacher die räder, die den stunden- und minutenzeiger herumführen, und dieser eingriff selbst Jacobsson 4, 618
a. Krünitz 235, 253. Poppe
handb. f. uhrmacher 2, 456.
vgl. wechselrad. II@5@k@nν)
in der elektricität s. v. w. umschalter,
vorrichtung durch die die verbindungen der theile einer elektrischen leitung abgeändert werden v. Hoyer
u. Kreuter
5 1, 838
b. II@5@k@xξ)
im eisenbahnwesen die weiche v. Hoyer
u. Kreuter
5 1, 838
b.
der ausdruck, früher weiter verbreitet, ist jetzt noch in Österreich üblich (Kretschmer 58).
auch ndl. wissel,
schwed. växel. II@5@k@pπ)
im bergwesen kommt wechsel
in mehrfacher bedeutung vor (
vgl. auch 2
a α und oben d—
g). II@5@k@p@11))
ruhebühne oder sitz zwischen den fahrten eines schachtes, auch abtritt v: Schönberg
berginformation 2, 5. Minerophilus (1730) 18. Richter
berg- u. hüttenlex. 2, 620. Veith 563. II@5@k@p@22)) '
die stelle, an welcher zwei stücke einer leitung, eines gestänges, gefluthers (
gerinnes)
usw. zusammengestoszen sind' Veith 563;
die stelle, wo zwei röhrenfahrten zusammenstoszen Mothes
baulex.3 4, 353
a.
vgl. Jacobsson 4, 617
b. Richter
berg- u. hüttenlex. 2, 620. II@5@k@p@33))
bei der förderung in langen stollen oder strecken abschnitt, auf dem ein arbeiter die förderung bewirkt Veith 563. II@5@k@p@44))
in stollen oder strecken raum zum ausweichen für die förderwagen Veith 563. II@5@k@p@55))
die stelle, an welcher die fördergefäsze (
bei zweitrümmiger schachtförderung)
einander begegnen Veith 563. II@5@k@rρ)
im hüttenwesen '
aus zwei bälgen bestehendes doppeltes gebläse, dessen hube sich überkreuzen, damit der wind einen gleichförmigen gang erhalte' Mothes
baulex.3 4, 353
a. II@66)
schlieszlich ist auf den gebrauch in der weidmannssprache hinzuweisen. die beiden ersten bedeutungen schlieszen sich an 5
k an. II@6@aa) wechsel
oder wandel
ist '
derjenige ort, wo die jagdtücher zusammengeknebelt und auch die netze oder garne zusammengestellet werden' v. Heppe
wohlred. jäger 324
b.
forst-, fisch- u. jagdlex. 4, 1061. Behlen
lex. der forst- u. jagdk. 6, 228. II@6@bb) '
wo es in denen jagen ein scharfes eck machet, als z. e. wenn ein lauf (
der mit tüchern eingestellte platz)
in die vierung gerichtet würde, heiszet das eck,
der wechsel' v. Heppe 325
a.
forst-, fisch- u. jagdlex. 4, 1061. Weber
ökon. lex. 638
b; man kan auch da durch die tücher aus oder eingehen und es wird ein wechsel genennet Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 2, 22. II@6@cc)
wie wandel '
die hin- und hergänge des wildprets von und zu holz, oder von einem bogen zum andern',
dann auch der ort wo es geschieht (
auch das vom hirsch niedergetretene gehölz) v. Heppe
vom leithund 97.
wolred. jäger 325
a. Döbel
jägerpr.2 1, 19
a.
forst-, fisch- u. jagdlex. 4, 1061.
vom rotwild, von sauen, seltener andren thieren: so musz man vor allen dingen den wechsel des wildprets, wie selbiger so wohl winters- als sommers-zeit von einem orte zum andern geschieht, wohl wahrnehmen v. Göchhausen
notabilia venatoris 245; dahero ... allzeit der hauptschütz auf den wechsel angestellet wird v. Heppe
a. a. o.; wenn sie (
die gemsen) in solchen (
kaminen) ansteigen und der schütze oben, sind sie leicht zu schieszen. es giebt wechsel, wo die rudel kommen und andere, wo nur ein guter bock kommt v. Kobell
wildanger 166; an wechseln lauert er (
der wolf) stundenlang auf das wild, gleichviel ob dasselbe ein hirsch oder reh ... ist Brehm
thierl.2 1, 530; in Galizien legt man schwere schlageisen auf seine (
des bären) wechsel 2, 168;
[] abends wenn die sternlein spielen ... musz schon auf dem wechsel stehen, wo das wildpret thut hergehen. Mittler
d. volksl. 901. seinen wechsel thun, führen, haben, halten: der gang und wechsel, den ein angehend schwein ... vor sich allein thut v. Heppe
aufricht. lehrprinz 48; wo, und an welche orte die hirsche, säue und anderes wildpret seine meisten wechsel führe und habe Döbel
jägerpr.2 2, 17
b; an welcher seite das meiste wildpräth seinen wechsel halte v. Fleming
vollkomm. teutscher jäger 47; auch auf andern plätzen, wo die hirsche ihren wechsel und stand in der brunfft-zeit halten Döbel
jägerpr.2 14; da der bär ... seinen wechsel einhält, kann man ... auf dem anstande mit ziemlicher sicherheit auf erfolg rechnen Brehm
2 2, 167.
scherzhaft sagt man von menschen, er hat da seinen wechsel,
verkehrt da regelmäszig. wechsel
reicht in dieser bedeutung nicht über das 18.
jahrh. hinauf (der den wechsel paiszt O. v. Wolkenstein 118, 138
Schatz ist nicht mit B. Weber
hierherzuziehen),
während wandel
so schon im 16.
jahrh. vorkommt (
sp. 1527
f.). wechsel
geht von wechseln (wichseln),
hin- und herspringen (
vom wild),
die richtung verändern, aus; vgl. auch oben I 2 wichsel.
es ist später mit dem in der bedeutung nahestehenden wandel
zusammengeworfen und auch auf den ort des hin- und hergehens übertragen worden (
dasselbe ist der fall bei pasz,
das von kleineren thieren und raubthieren gebraucht wird).
eine folge des zusammenwerfens der worte in der weidmannsprache ist es, dasz auch für den wechsel
bei den jagdtüchern wandel
gebraucht werden kann.