wechselung,
wechslung,
f. tausch, abwechslung, veränderung. abstractbildung zu wechseln,
die gegenüber dem grundwort wechsel,
mit dem es in den bedeutungen übereinstimmt, zu keiner bedeutenden entwicklung gelangt, ahd. wehsilunga,
mhd. wehselunge,
entsprechend mnd. wesselinge Schiller-Lübben 5, 698
b,
mndl. wisselinge Verdam 696
a,
ndl. wisseling,
dän. (
entlehnt) vexling,
schwed. växling.
im nhd. ist das wort am häufigsten im 17.
jahrh. und wird auch von Stieler 2526
als '
commutatio, cambium, alternatio, variatio, vicissitudo'
angegeben, im 18.
und 19.
erscheint es nur noch vereinzelt, Steinbach
und Rondeau
führen es noch an, Adelung
aber nur in technischer verwendung (Campe
auch als '
die handlung da man wechselt').
neben wechselung
erscheint seit dem frühnhd. auch die gekürzte form wechslung,
doch erhält sich die volle form (
die Adelung
und Campe
allein angeben)
bis zur gegenwart. 11) wechselung
als '
tausch'.
wie wechsel
kann es '
tauschhandel, handelsverkehr'
sein: commertia, wehsilunga Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 731, 19.
öfter früher für '
gütertausch': daʒ wir mit gden willen und mit vorbedachten muode eyne wesselunge hant anegegangen
hessisches urkundenbuch 2, 428 (1333); dy ʒelbe wechselunge bestetige wyr
cod. dipl. Silesiae 2, 95 (1407); in welche wechselung und beute ich bewillige
urkunde v. 1540
bei Haltaus 2045; die ebtey darinnen (
soll er) vom keyser Lothario, durch bitte und wechselung etlicher landgüter, zum geschenke ... erlangt ... haben Pomarius
magdeburgische stadtchronick (1587) J 2
a.
so auch mnd. wesseling
brem. wb. 5, 241.
vertauschung, unterschiebung von kindern: von der kinder wechszlung wirt auch nicht einerley geredt Milichius
zauberteuffel, theatr. diabol. 1, 155
b; was dergleichen sauberer lieder mehr sind ... darinn man die tägliche gedachte practic der wechszelung der kinder gründt
Garg. 34
Alsleben; Suetonius ... befande die wechselung, die ich mit den beiden kindern gethan, nicht böse Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 1, 488.
tausch von etwas gleichartigem, wechsel (
s. den beleg aus Lamprecht v. Regensburg, wechseln 3
a): wiltu aber deʒ niht tun, der rede niht geswigen, mit worten gein im criegen, so enmac die wehselunge niht ane ergerunge von u beden irgan.
väterbuch 14165
Reiszenberger; keinen mangel haben durch dis, das man gibt und nimpt und mit den gütern wechselung helt (
permutandis facultatibus) Faber
thesaurus (1587) 532
b; deren
[] gegebenes ja-wort sie unter einander durch wechselung zweyer sehr kostbaren ringe bestätigten Besser
ged. 2, 627; es hat mir meine liebste ... von einer unter ihnen mit wechselung der ringe verknüpften verlobung ... nachricht gegeben
der Leipziger aventurier 1, 268; die wechslung der kleider ist zwischen Alart und Theillob bereit vorgegangen Harsdörffer
gesprechspiele 5, 267; dadurch unterscheide sich der mensch von dem thiere, dasz der mensch spreche, das thier nur töne, wenigstens nur in der zusammenknüpfung und wechselung weniger töne das umschliesze, was man allenfalls auch thiersprache nennen könnte Arndt
schriften 1, 382.
dann ohne austausch zwischen zwei personen, eintreten eines dings für ein anderes: der ochsen-sabbath, bestehend in der bloszen, faulen, irrdischen ruhe und müsziggang, in pflege des leibs, in wechselung der kleider Dannhawer
catechismusmilch 1, 542. 22) wechselung
als '
abwechslung'
: vicissitudinis, wehsilunga, wehsolunga Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 785, 21
f.; durch wechszlung,
vicissim Dasypodius 452
b; gut aus, bose ein; bose aus, gut ein. die wechselunge musz bis an das ende der welte weren
Ackermann aus Böhmen 23, 12
Bernt u. Burdach; es ist ein wechszlung desz ampts, ausz einer hand in die ander Paracelsus 2, 633; dergleichen wechselung halten auch die schichten mit einander Hondorff
das saltzwerk zu Halle 34;
periodus ... in zeitungen der ümgang und wechselung der reiche Stieler
zeitungslust 478; weil solche (
die wollust des geistes) mehr stärke, dauer, leichtigkeit, wechselung und würde hat Bode
Montaigne 6, 359; bey gutem gwissen, und schöner zeit, bey heyterm himmel, auff grüner heydt, bey wechslung, lust und lieb gsellschafft, üb dich, so hat dein übung krafft. Guarinonius
grewel der verwüstung 1174; die einen tag sich nicht zwey männer schämt zu lieben ... ja geile wechselung für witz und klugheit hält. v. Lohenstein 2,
Sophonisbe 96 (
z. 584).
bergmännisch wechselung des wetters,
das einfallen der wetter zum stollen herein und das ziehen zum schacht hinaus oder umgekehrt (
vgl.wechsel II 5
f, wechseln 7
d) v. Schönberg
berginformation 2, 107. Minerophilus (1730) 712: maszen die lufft, so wohl inner- als auszerhalb der hölen, der wechselung unterworffen, auch derowegen einmahl schwerer und feuchter als das andermahl ist Behrens
Hercynia curiosa (1712) 8. 33) wechselung
als '
eintreten eines neuen zustands, veränderung'
: immutatio, wehselunga Notker
ps. 76, 11; sine forme er wandelte an dem antlutze her und dar ... des nam den pabest wunder, wand er albesunder an im die wechselunge sach.
Passional 203, 47
Köpke; die tugend und die kunst, die er bis itzt geehrt ... die haben selber ihm die wechselung gelehrt nach keuscher einsamkeit die liebe lieb gewinnen. v. Lohenstein
blumen 110; denn nicht der langflügligen fliege wechslung ist so geschwind. Arndt
werke 6, 33; auff diese wechszlung sollen wir allesammen sehen, denn es bleibt nit immer mit uns in gleichem stand Gugger
christl. heerpredigten (1590) 2, 114; veränderung und wächselung, die mit vernunfft und verstand geschicht, soll man nicht schelten Lehman (1662) 2, 441; seit der zeit erweist sich's, wie lange und tief diese wirkliche wechselung (
die abwendung von der alten vaterländischen art) in unserer geistes- und herzenswelt schon vorbereitet war Laube (1875
ff.) 4, 90.
mit abhängigem gen.: hingegen ist wiederumb bekannt, dasz eine stets währende wechselung der personen eine stets währende confusion ... macht Leibnitz
d. schriften 1, 191; fordert die religion mehr ... als die wechselung der gegenstände unserer leidenschaften? Lavater
physiogn. fragm. 4, 357; sollte nicht der staat ... durch eine wechselung der race der schaafe seine wolle verbessert haben
allg. d. bibliothek 74, 34.
räumlich '
verschiedenheit': ich bekenne, dasz ich solche stellen, solche schnelle wechselung des bodens praktisch noch nicht kannte Thaer
gesch. m. wirthschaft (1815) 11.
als grammatischer ausdruck erscheint wechselung
[] bei Gueintz ('
mutatio',
zeitschr. f. d. wortf. 13, 86)
und Schottel 402 (
z. b. feurschiff
und schifffeuer).
von einer körperlichen bewegung: es wird dem pferde auch darbei die wend- oder wechszelung leicht oder fertig ankommen v. Danup
beschreibung eines wolabgerichteten pferdes (1624) 60; die wechselung in kleinen volten und passaden (
beim reiten)
allg. d. bibliothek anhang zu bd. 25/36
s. 2325; dies (
der eislauf) war die kunst, womit seine schöne von der welt erzogene gestalt ihren werth entwickelte in leichter haltung und wechslung J. Paul
flegelj. 4, 146.
als '
veränderung'
steht wechselung
auch im plural: in der unerschöpflichkeit der grad- und art- und wechslungen des lichts. Brockes 5, 175; fern vom metall her singst du den bürgerkrieg und seine ursach', seine gebrechen, singst das glücksspiel, seine wechselungen. Herder 26, 246
Suphan; wie es (
das wetter) am vierdten tage nach seiner (
des mondes) conjunction mit der sonnen wittert, also wird die zeit seiner folgenden wechslungen ... sich erzeigen v. Hohberg
Georgica 1, 104; wechselungen ... mag sie (
die liebe) erfahren Görres
briefe 1, 55.
in besonderer bedeutung '
änderung des laufs' (
vgl.wechsel II 6
c): ferner so sind sie (
die rehziegen) vor den wölffen und luxen sehr furchtsam und wollen sich nicht so in allerhand krumme wechslungen begeben, als wie vor den hunden Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 1, 89. 44)
auch als '
geldwechsel'
tritt wechselung
früher auf: de wesselingh moste naklappen: pennynck, ferlyngh unde scherve.
städtechr. 16, 115 (
schichtspiel 427); da gieng die munz alle reis aus, das dise stad uber 1000 fl. oder schock an der wechselung allein schaden liede, ohn den schaden, den die burger einzel liedden
stadtrecht von Eisenach 38; hie rust ich mich weder nae deme vern sent Jacob in Galicien zo trecken mit wesselongen ind anderen noitdurfftigen saichen
pilgerfahrt des ritters von Harff 214.
wie wechsel (
s. d. II 4
b)
kommt wechselung
auch für '
darlehen'
vor: mutuum, weselung Diefenbach
gl. 374
c. 55)
in technischer verwendung: wechselung der bohlen
beim schiffbau ist s. v. w. scherbe,
zwischen den enden zweier planken oder hölzer, die sich verlängern sollen, gemachte fuge Röding 6, 887. 5, 338, '
weil niemals zwey dergleichen fugen über eine stelle zusammenstoszen, sondern immer an einer andern vereinigt sind, und also wechseln' Jacobsson 4, 618
b.