wechseln,
verb. eins an die stelle des andern treten lassen, tauschen, ändern, sich verändern, im wechsel stehen usw. mhd. wehseln
und wihseln,
ahd. wehslôn (weslôn), wehsalôn, wehselôn
und wihslen (wislen), wihsalen, wihsilen
aus *wihsljan,
mutare, mutuare Graff 1, 717. 718,
dazu asächs. wehslon (weslon)
und wehslean wehslen,
mnd. wesselen,
mndl. wisselen, wesselen,
ndl. wisselen,
afries. wixlia,
wfries. wikselje,
nfries. wakseli,
ags. wixlan (
meist dafür wrixlian
s.wechsel I 1),
anord. ablautend víxla (
schwed. växla,
dän. vexle
aus dem deutschen).
über das schwinden des gutturals in den formen s. wechsel I 2. wesseln
kommt noch in md. quellen des 15.
jahrh. vor, z. b. weisth. 5, 599 (
Limburg) wesselet (
vgl. auch Diefenbach
gl. 92
b cambire, 428
a permutare. 610
a vendicare, wesselen, wesseln). wihseln
erscheint im mhd. noch in alem.-schwäb. quellen: Grieshaber
predigten 1, 122.
urkundenb. d. st. Basel 2, 358, 11 (1288).
urkundenb. d. st. Freiburg 1, 272 (1327).
städtechr. 9, 1000, 12 (
Straszburg 1393).
mon. Zollerana 1, 318 (1393).
Zürcher stadtbücher 1, 195
Zeller - Werdmüller, noch im 16.
jahrh. in Kiechels
reisen 443
Haszler gewixlet (
s. die stelle 5
a β),
jetzt im schwäb. dialekt wīslə Kauffmann § 157
anm. 2.
auszerdem hat sich wichseln '
die richtung verändern'
in der weidmannssprache bis in die neuere zeit erhalten (
s. u. 8
b). —
was die endung betrifft, so kommt die unverkürzte form wechselen
in md. quellen bis ins 17.
jahrh. vor (Quad
macht, reichtumb 14, Jac. Böhme 6, 165,
auch bei Schottel 1441
und Krämer), wechslen
tritt besonders im alem.-schwäb. auf: bei Dasypodius, Maaler, Calepinus 189
b und noch bei Dentzler 344
a,
ferner Franck
chron. Germ. 88.
weltbuch 85
a. Weckherlin 1, 471
Fischer, aber auch sonst bei Oberdeutschen (Guarinonius 96
u. ö., gewechslet
öst. weisth. 1, 147, 17)
und in Nürnberger (wechszlet H. Sachs 4, 218, 37, wechslen Harsdörffer
gesprechsp. 3, 143. S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn 293. A. U. v. Braunschweig
Octavia 1193)
und Frankfurter drucken (
buch der liebe 337
a, wechszlende
Amadis 1, 180,
bei Hulsius).
bei Luther 10, i, 1, 314, 16
steht vereinzelt wechszlen (wechszelen 6, 425, 20),
sonst wechseln
wie in der md. litteratursprache. ebenso wechselt, wechselte
usw., eine ausnahme macht nur wechsle,
wofür es im älteren nhd. wechsel
heiszt (
als imp. sg. Luther 19, 555, 9. Scheit
Grobianus 450. Ringwald
laut. warh. 46.
Garg. 130). wechseln
tritt in transitiver und intransitiver verwendung auf. der intransitive gebrauch ist der jüngere und kommt, von dem absolut gebrauchten wechseln '
tauschen'
abgesehen, im mhd. noch nicht vor. transitiv ist wechseln (
im anschlusz an wechsel II 1) '
eins an stelle des andern treten lassen, vertauschen, umtauschen',
daneben entwickelt sich die bedeutung '
verändern'.
beim intransitiven gebrauch liegen besonders die bedeutungen '
im wechsel stehen'
und '
sich verändern'
vor. 11) wechseln
als '
eins an die stelle des andern treten lassen'. 1@aa)
die ins altgerm. zurückreichende bedeutung '
tauschen'
ist im mhd. nicht sehr häufig, da die umschriebenen wendungen einen wehsel tuon, treffen (
sp. 2680)
vorgezogen werden, doch kommt wechseln
für das ein- und austauschen von besitzthümern bis ins 17.
jahrh. vor. [] 1@a@aα)
von waren, wo wechseln
der bedeutung '
verhandeln, einhandeln'
nahe kommt: swaʒ die brûdere von holze gemachent, daʒ mugen sie wol âne urlop wehselen oder hingeben
statuten des d. ordens 45, 25
Perlbach; ich hab gewechselt von miner muomen, der Braunwartin, 4 fardel. sol ich zaln uff ostern Ott Ruland
handlungsbuch 18; dise clag hatt auch statt inn küden oder wechszeln, da ein habe umb die ander gegeben oder getüscht würdet
der stat Worms reformation (1573) 16
a; da (
in Rom) ist ein kauffen, verkauffen, wechszelen, tauschen, rauschen Luther 6, 425, 20
Weim. ausg.; alle ding solt man kauffen, nit umb gelt, sunder wahr umb wahr wechszlen und abtauschen S. Frank
weltbuch (1542) 85
a; do schon gewerbe gewesen, hat man da gewechselt oder gebeutet, und wahr an wahr gestochen oder partirt Mathesius
Sarepta (1571) 161
b; (
sie sollen) auch mit ihnen nichts tauschen, wechseln, noch einige anlehen oder andere contract ... eingehen Ayrer
hist. processus juris 546; die einwohner vertauschen und wexelen ihr vellwerck, hartz und wax mit thuch
M. Quad
macht, reichthumb (1602) 14; kauffen, verkauffen, wechszlen, reitungen Guarinonius
grewel der verwüstung 96; beuten, wechseln, tauschen,
cambire, μετάλλεσθαι Decimator
thesaurus; das wechseln,
venumdatio Reyher
thesaurus (1686) O 4
a.
bildlich: meister Cuonrât ist an worten schœne, diu er gar verre hât gewehselt (
von weither eingehandelt) und von latîn alsô gedrehselt, daʒ lützel leien si vernement. H. v. Trimberg
Renner 1203
Ehrismann. tausch von gütern: daʒ der erber priester ... uns hat gekofet umbe 40 marc silbers dise reben ... und die selben han wir ime gewihselt ... und geben im ander reben
urkundenb. d. st. Basel 2, 358, 11 (1288); daʒ gut hatte wyr gewechselt zu deme selben clostere umme ander gut Diefenbach - Wülcker 896 (
Weimar 1350); es sol ouch nieman in die alp wechseln noch empfachen, er sye dan ein alpgnos
rechtsquellen des kantons St. Gallen 1, ii, 616, 21 (1612)
Gmür. tausch von leibeigenen oder dienstmannen: doch wechselen die herren wol ire dînestman âne gerichte, ab man die widerwechsele bewîsen und bezûgen mac
Sachsenspiegel 1, 52, 1
Weiske; daʒ wir reht und redlich gewihselt, geschlaicht und geben haben Katherinun Rotermunt ... unserm genadigen herren ... für reht frig aigen, umb Englun Müllerʒ
mon. Zollerana 1, 318 (
nr. 432, 1393).
dann auch von geistigem besitz, dem menschlichen schicksal u. dgl.: wenn gleich alles unglück über einen hauffen getragen und ieder mensch ein anders zu wechseln macht haben solte, das ieder nach seinem wider greiffen würde Butschky
Pathmos 715.
absolut wohl, übel
usw. wechseln: ist daʒ der mensch alleʒ sin guot gibet umbe die minne unsers herren, so hat er wol gewihselt Grieshaber
predigten 1, 122; wie tôrlîchen si gewechselet heten, wen sie haten daʒ êwige leben gegeben umme vergenglîche dinc Herm. v. Fritzlar,
mystiker 1, 39, 4; der hat übel gewechszelt, der mer zergencklicher ding begert dann ewiger fröden
der heiligen leben in dem winterteil (1471) 122
d; so nympt gott die straffe, die er dem leibe auffgeleget hat, und leget sie auff die seele, das ist nicht wol gewechselt Luther 24, 103, 20
Weim. ausg. ferner: sintemal wir viel mehr thun und schwerer tragen, denn sie thun, und wens wechseln gülte, solte sichs wol finden, wer am schwersten trüge 26, 589, 37 (
vgl. auch 30, ii, 175, 5); dein treuster unterricht, den ich, falls ich wechseln sollte, gegen nichts vertauschen wollte. Gottsched
ged. 1, 198.
sprichwörtlich (
vgl.wechsel II 1
a η): wechseln ist kein raub,
commutare non est perdere Stieler 1526. 1@a@bβ) etwas um, für (
selten), wider (gegen), mit etwas wechseln '
vertauschen'
beschränkt sich mit ausnahme der letzten wendung, die jetzt noch spurweise vorkommt, auch auf die ältere sprache. 1@a@b@11))
jam sues (
die in schweine verwandelten gefährten des Odysseus)
cerealia pabula glande verterant, unde swîn wortene wechselotôn sie daʒ prôt umbe eichela Notker 1, 253, 9 (
Boethius 4, 23)
Piper; so newehsalotîn siê dîa triûwa umbe scaz 2, 218, 7 (
ps. 57, 2);
[] ouch was ir wehsel sô gereit daʒ er nie wart verseit manne noch wîbe, sine wehselten der lîbe arbeit umb êre. Hartm. v. Aue
Iwein 7212; nieman wolte sînen muot gerne wehseln umbe guot. Freidank 56, 10
Grimm; der êwige fröude üm helle gluot wehselt, wie hât der gevarn. H. v. Trimberg
Renner 8639
Ehrismann; swer vater und muoter hie verliuset, swaʒ friunde im der her nâch erkiuset, die gestênt in grôʒer nœte im bî als der üm silber wehselt blî. 18500; man sols nicht wechseln noch wandeln, ein guts umb ein böses, oder ein böses umb ein guts. wirds aber jemand wechseln, ein vieh umb das ander, so sollen sie beide dem herrn heilig sein
3. Mos. 27, 10; gold und demant mag ir (
der weisheit) nicht gleichen, noch umb sie gülden kleinot wechseln
Hiob 28, 17. 1@a@b@22)) und ist kein ehrlich gemt in einem solichen man, der all tag alt freund für new wechslet S. Franck
sprichw. 2, 6
a. 1@a@b@33)) ir varwe schein unlange inein: si wehselten genôte bleich wider rôte; si wurden rôt unde bleich. G. v. Straszburg
Tristan 11921; doch alwäg soll weyd gägen weid, bärg gägen bärg ... gewächslet werden
statutarrecht des Simmentales 82, 15
v. Tscharner; bücher gegen kleider wechseln,
libros cum vestibus mutare Steinbach 2, 951. 1@a@b@44)) swaʒ geborn wirt zêrste,daʒ wirt mir daʒ hêrste. swelhiʒ sî mit den meilen,daʒ wehsilot mit dem reinen.
Exodus 157, 26
Diemer; ist eine grosze torheit gewisz mit ungewisz wechseln Agricola
sprichw. (1534) F 8
b; diesen endlosen schmerz nur mit einem andern wechseln zu können Klinger 3, 296; dasz ich mit dem reichen mann und mit seinen mammons-schätzen nicht wolt wechseln mein ergetzen. Pfefferkorn,
Fischer-Tümpels kirchenlied 5, 573
a; bald hebt er (
gott) eure leiden, und wechselt sie mit freuden. J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 124; bald wechselt sie (
die Fata Morgana) die dunkle küste mit Libyens sonnengelber wüste. Storm (1872) 1, 95. 1@a@gγ) mit jemand wechseln,
früher auch von besitz oder eigenschaften und in absolutem gebrauch üblich: nu wehselte iezuo der tac mit der naht sîn berhtel lieht. H. v.
d. Türlin
crone 9555; ir son Ninias ... der ouch vor syn manhait mit der mter gewechselt het Steinhöwel
de claris mul. 27
Drescher; ich wolte dennoch nicht gerne mein leben wechseln mit dem allerheyligsten papisten Luther 19, 262, 25
Weim. ausg.; der (
kaiser) bat umme sancte Stephânes lîcham ... dô hîschen di von Jêrusalêm den lîchamen sente Laurencien, sô wolden si mit ime wechselen Herm. v. Fritzlar,
mystiker 1, 176, 38; wenn unser herr gott wolte mit ihm wechseln lassen, so wolt ich dasz er mich für mein theil desz himmelreichs hie ewig möchte jagen lassen Cyr. Spangenberg
jagteufel, theatr. diabol. 1, 215
b; so laszt uns ... auff sie hinein dringen, und nicht mit ihnen wechslen, in dem dasz wir die forcht von inen nemmen und erbten, und den eröberten sieg auszer den händen lieszen
Amadis 1, 96; er wechselt mit uns wunderlich: fleisch und blut nimpt er an, und gibt uns inn seins vatern reich die klare gottheit dran.
N. Hermann
Wackernagels kirchenlied 3, 1170. 1@bb)
von waren- und gütertausch abgesehen, ist wechseln (mit,
auch gegen jemand)
in der neueren sprache dann üblich geblieben, wenn das tauschen ein wechselseitiges ist, so dasz von zweien etwas gleichartiges gegeben und empfangen wird. namentlich ist das der fall, wenn das ausgetauschte nichts concretes ist, sondern nur geberden, worte, mittheilungen usw. erwidert werden (
vgl. auch mit etwas wechseln '
tauschen' 4
a β und wechselnd '
wechselseitig'
[] 4
a γ und 4
h α).
nur die anfänge dieses jetzt reich entwickelten gebrauchs reichen ins mhd. hinauf. 1@b@aα)
mit gen. heiszt es der herzen wehseln (
wie des lîbes wandeln): sî wehselten beide der herzen under in zwein, diu vrouwe und her Iwein. Hartm. v. Aue
Iwein 2990.
dagegen ist im folgenden acc. object vorauszusetzen: ir zweier ougen blicke gewehselt wurden under in. K. v. Würzburg
troj. kr. 20437.
ebenso nhd. blicke wechseln: gewechselte blike was könt ihr doch? Grob
dicht. versuchg. 146 (15, 3); jetzt wir blicke wechseln, jetzt leise seufzer, und zulezt in die arm' einander sinken. Goekingk 1, 48; so wechselte die gräfin mit Wilhelm bedeutende blicke Göthe 21, 285
Weim. ausg.; an flüchtig gewechselten blicken konnte er bald abnehmen, dasz zwischen ihnen ein verhältnisz entstanden ... sei Immermann
epigonen2 1, 191. winke, küsse, händedrücke wechseln: blick und händedruck, und küsse, gemüthliche worte, sylben köstliches sinns wechselt ein liebendes paar. Göthe 1, 250 (
röm. elegien 13); und was bedeuten diese stummen winke, die du verstohlen heimlich mit ihr wechselst? Schiller 12, 293 (
Wallenst. tod 3, 12); sie vermählen ihre flut, wechslen küsse auf den wegen. S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn 293; und mitten im strome des nektars atmend wechselten sie küsse, begeisterten blicks. Mörike 1, 99; sie wechselten zum erstenmal entschiedene freie küsze Göthe 20, 359; wie ihr mit dem künftigen freund und bundsgenossen begrüszung und händedruck wechselt Niebuhr
röm. gesch. 3, 572; wenn du ... willst rechte freude haben, dann muszt du mit gott handschlag wechseln, und aus liebe zu ihm das gute thun Frenssen
Jörn Uhl (1902) 188. 1@b@bβ)
ein wirklicher austausch findet statt bei gefangene wechseln: du hast gelobt, sogleich zurückzukehren, wenn die gefangenen nicht gewechselt werden. v. Collin
Regulus 58 (2, 2). die ringe (den ring) wechseln (
erst im 18.
jahrh. auftretend): ich schwör' euch zu, mit dem beding wechselt' ich selbst mit euch den ring! Göthe 14, 48 (
Faust I, 3002)
Weim. ausg.; der kaiser. willst du diesen ring mit ihm wechseln?
Theobald. willst du dem grafen deine hand geben? H. v. Kleist 2, 311 (
Käth. v. Heilbr. 5, 14)
E. Schmidt; haben wir doch manchesmal verlöbnis gespielt, ringe gewechselt und uns herzlich geküszt, wie kinder thun Freytag 2, 31 (
brautfahrt 2, 1).
ähnlich: und schon wechseln sie der treue zeichen; golden reicht sie ihm die kette dar, und er will ihr eine schale reichen, silbern, künstlich, wie nicht eine war. Göthe 1, 222
Weim. ausg.; sie wechseln von nun an wie der freund mit dem freund traulich die becher des mahls. Schiller 11, 73 (
deutsche treue). die waffen, die kleider wechseln: so lasz uns drauf die waffen wechseln, dasz auch andern kund die väterliche gastbefreundung sey! Bürger 172
a (
Il. 7, 307); jetzt ward Glaukos erreget von Zeus, dasz er ohne besinnung gegen den held Diomedes die rüstungen, goldne mit ehrnen, wechselte, hundert farren sie werth, neun farren die andern. Voss
Ilias 6, 236; Laertes verwundet den Hamlet; drauf wechseln sie in der hitze des gefechts die rapiere und Hamlet verwundet den Laertes
Shakespeare 3, 357 (
Hamlet 5, 2); das ich mit im kleyder wächszlet und mich hiesz für den dörthin fren Boltz
Terenz deutsch 44
b (
Eunuchus 3, 5); weil wir beyde einander gantz ähnlich sind, wird uns niemand kennen, wann wir unsere kleider wechseln
medizin. [] maulaffe 242; um das alles leichter zu üben, liebte sie mit den knaben die kleider zu wechseln Göthe 23, 274; noch eins. wir werden hier die kleider wechseln; in einer viertelstunde führst du Agnes in männerkleidern heim. H. v. Kleist 1, 141 (
fam. Schroff. 5, 1)
E. Schmidt. 1@b@gγ)
daran schlieszt sich die rolle, den platz wechseln
u. ä.: o hülfe, hülfe! schreyt das schnellgewarnte weib, und wechselt stracks mit Hüon's ihre rolle, stellt sich, als kämpfte sie um ihren eignen leib mit einem wüthenden, der sie entehren wolle. Wieland 23, 265 (
Oberon 12, 22, 6); der pabst musz pabst seyn, ... der fürst fürst, ... nur wenn sie ihre rollen wechseln, oder zusammenflicken, ... werden sie im handeln und in der geschichte unerträglich Klinger 11, 56; sie wechseln blosz um des regens willen ihre plätze H. v. Kleist 2, 222 (
Käth. v. Heilbr. 2, 7)
E. Schmidt; wenn sich zwei körper verbinden sollen, so müszen ihre theilchen leicht beweglich seyn,
d. h. ihren platz wechseln können Liebig
handb. d. chemie 1, 46; die bösen haben himmel, die guten hier die hölle; gut, warte bisz dort oben! da wechselt man die stelle. v. Logau 2, 1, 55 (
s. 239
Eitner); er selbst hat sich schon in kapuciners-kutte zu ihm geschlichen, und die person mit ihm wechseln wollen Schiller 2, 88 (
räuber 2, 3); und weil doch alles sich gewandelt, menschen mit thieren die natur gewechselt, wechsle denn auch das weib die ihrige — verdränge das kleinod liebe. H. v. Kleist 1, 14 (
fam. Schroffenst. 1, 1)
E. Schmidt. 1@b@dδ)
eingebürgert ist namentlich das seit dem 17.
jahrh. vorkommende worte (
ungewöhnlich wörter Prätorius
winterflucht d. sommervögel 34) wechseln,
auch ein wort wechseln (
schon mhd. wehsel
und wehselunge
von worten): dieser mensch, mit welchem ich gleichwol zeit meines lebens auch das geringst wohrt nicht gewechselt Rist
das friedewünschende Teutschland 16; inzwischen wir viel worte hierüber wechselten Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 3, 181; heute beehren sie (
die fürsten) uns mit ihrem vertrauen, ... und morgen sind wir ihnen wieder so fremd, als hätten sie nie ein wort mit uns gewechselt Lessing 2, 126 (
Emilia Galotti 1, 6); und so wechseln wir worte, sind müszig, verrathen ihn Göthe 8, 277 (
Egmont 5)
Weim. ausg.; der worte sind genug gewechselt, laszt mich auch endlich thaten sehn. 14, 15 (
Faust I, 214); ich vergesse keinen mit dem ich einmal worte hab' gewechselt. Schiller 12, 297 (
Wallenst. tod 3, 12); weil sich die fürsten gütlich besprechen wollen auch wir jezt worte des friedens harmlos wechseln mit ruhigem blut. 14, 22 (
braut v. Mess. 1, 3).
oft mit dem nebensinn '
streiten': geschlagen bin ich, wenn ein weib mich anfällt, ich kann mit dem geschlecht nicht worte wechseln. Schiller 12, 227
anm. (
Wallenst. tod 1, 7); sie giebet flucht, musz fluchen, sie wechselt wort um wort. Rachel
sat. ged. 20
neudr. mit adjectiven verbunden: nachdem sie einige harte worte gewechselt hatten Ludwig 2402. also standen sie beid', und wechselten heftige worte. Voss
Odyssee 3, 148; glatte worte wechseln ist meines amts nicht.
Z. Werner
Martin Luther 32; lasz uns nicht lang vergebliche worte wechseln Göthe 8, 275 (
Egmont 5)
Weim. ausg.; denn wir wandern, ... halten uns auf und wechseln gern ein freundliches wort mit den leuten H. v. Kleist 5, 228
E. Schmidt; kann ich bei freundlichen ... leuten wohnen, mit denen in langen abendstunden ein kluges wort zu wechseln ist Castelli 10, 77.
weniger üblich ist reden (rede), gespräche wechseln
u. ä.: sie (
hatten) so lange hiervon reden gewechselt S. v. Birken
forts. d. Pegnitz-schäferey 63; Aspasia bei tische mit Sokrates und einem andern philosophen rede wechselnd Göthe 49, 140
Weim. ausg.; wie
[] ... ich vor dir stand, und wie wir rede wechselten Bettine
briefe 2, 232; die männer rauchten steif und ernsthaft und wechselten nur zuweilen kurze reden Freytag 13, 146; ich wil zwar diesen edelmann dieses discurs halben, welchen er mit seinem pfarrer gewechselt, nicht unter die heiligen im calender setzen Schupp
schriften 242; nach altem brauch gute sinnreiche und liebliche gespräch und rätzeln von den gästen gewechselt wurden Dannhawer
catechismusmilch 1, 394; indem mit dem gaste gespräche mancherlei art gewechselt wurden Tieck 19, 18; durch die fremde fragen und unvermutete antworten, die sie gegen einander wechselten, kame es endlich heraus Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 2, 271; ich hielt diesz für eine blosze redeformel und artigkeit, wie reisende wohl oft zu wechseln pflegen Stifter
werke 3, 190; viele kinder, war eine göttliche segnung des alten testaments, und ein wunsch, den gute freunde gegen einander wechselten v. Hippel
über die ehe 57; was gesellschafft und ansprache hat man auff dem dorff, als mit einem groben baurenrülpen einen grusz zu wechslen Harsdörffer
d. teutsche secretarius 1, Gg 2
b; die saltner riefen ihn an, als er durch gassen und fuszpfade hinaufstieg. er wechselte das zeichen mit ihnen Heyse
nov. 2, 339; Odo ritt vor und wechselte mit ihnen (
den alten des dorfes) alte sprüche, welche den freien am walde eigen waren Freytag 9, 112; beide könnten wir zwar noch mancherlei schmähungen wechseln. Bürger 233
a (
Il. 7, 245); man schwatzte mit freiheit, trank gesundheiten, wechselte scherz um scherz Göthe 33, 216
Weim. ausg.; da müssen sie, anstatt ewige spöttereien unter einander zu wechseln, sich einander aus einem höhern gesichtspuncte ansehen 41, ii, 230; genieszt dieses schönen augenblicks und wechselt die gelübde der zärtlichsten liebe! Iffland 1, 136 (
verbrechen a. ehrsucht 1, 7); ob hier wohl schon geständnisse geschehen, gewechselt mögen worden sein? Schiller 5, i, 128 (
Dom Carlos 2, 10); er fühlte sich hier gleichsam in die höhere geisterwelt versetzt, ... weil er jemanden fand, mit dem er sich verstehn, und gedanken gegen gedanken wechseln konnte Moritz
Ant. Reiser 125, 6
neudr.; da denk ich mit verschlossenen augen ... mit dir lächelnd des herzens meinung zu wechseln Bettine
briefe 2, 104; lasz von mund zu mund geheimes wie gewöhnliches uns wechseln. Göthe 9, 199 (
Romeo 507)
Weim. ausg.; mit professor Schelver lieszen sich gar schöne betrachtungen wechseln (
in Jena) 35, 255; indem ich ohne scheu, frey vom gedränge des hofes, müszig geh, erbauliche gesänge mit dir itzt wechseln darf. v. Canitz
ged. 126; der Musen chor von holder stimme wechselte gesang. Bürger 149
b (
Il. 2, 852). 1@b@eε)
ebenso allgemein ist das seit derselben zeit übliche briefe wechseln (Krämer 1214): weil der ... legatus ... mit hochgedachtem herren marggrafen viele briefe wechselte Micraelius
Pommerland 5, 359; dessen und des königs zu Schweden brieffe, so sie nach gemachtem friedenschlusz zu Lübeck miteinander gewechselt v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 1; indessen konnte ich der angenehmen jungfer nicht vergessen, sondern wechselte beständig briefe mit ihr Ch. Weise
drey klügsten leute 214; deines vaters verbot, briefe mit mir zu wechseln Lenz 1, 29
Tieck (
hofmeister 2, 5); wie er nun bald abreise und wir briefe mit einander wechseln wollen Brentano 5, 292.
darnach auch nachrichten, schreiben
usw. wechseln: es ist so lange her, dasz wir keine nachrichten gewechselt Göthe
briefe 28, 334
Weim. ausg.; weil aber der alte ein wunderlicher mann war ..., als zerging die handlung nach vielen gewechselten schreiben v. Schweinichen
denkwürd. 284
Österley; alle schriften, welche darüber gewechselt werden J. v. Müller 4, 233; es würde nun nicht hierher gehören, die streitschriften aufzuführen, welche gewechselt, die argumente, welche von beiden seiten gebraucht worden Ranke 3, 59; kein student,
[] der ... von seinem jugendbruder abschied nimmt, und mit ihm das stammbuchblatt wechselt, schreibt einen vers von Isidor hinein Immermann
Münchh.2 1, 29. 1@b@zζ)
von der bethätigung feindlicher gesinnung. kugeln wechseln (
schon im 17.
jahrh. häufig): ich bin anhähr kommen (
zum duell) kugeln zu pfärde zu wächszeln Zesen
Rosemund 71
neudr.; in dem er zu Cölln mit einem vornehmen cavallier kugeln gewechselt und denselben erschossen hab Schupp
schriften 254; mit dem leutenant kugeln zu wechseln oder zu rauffen
Simpl. 1, 273, 28
Kurz; es war den ersten september früh um acht uhr, als das bombardement aufhörte, ob man gleich noch immerfort kugeln hinüber und herüber wechselte Göthe 33, 34
Weim. ausg. schüsse, hiebe
usw. wechseln: zwei bataillone ... wechselten die ganze nacht hindurch schüsse mit dem nahen feinde v. Moltke
schriften u. denkw. 3, 277; Cromwell selbst ... sei mit einem royalistischen führer in zweikampf gerathen, er habe mit ihm hieb und schusz gewechselt Ranke 16, 216; derweil wir hieb' und stösze wechseln, kamen stets mehr und mehr, und fochten miteinander.
Shakespeare 1, 14 (
Romeo u. Julia 1, 1); wär' ich gesinnt, wie ihr wohl heimlich denkt, wir wechselten hier streiche längst statt worte. v. Eichendorff 4, 233.
im älteren nhd. auch hellebarden, spiesze wechseln: da wolten sie des feindes warten und mit ihm wechseln die hellbarten.
Froschmeuseler X x 7
b (III, 2, 7); gegen einander stritten (
sie) hart und wechselten die spiesz darneben, eim jeden galt es leib und leben. Spreng
Aeneis 226
a.
auch die haare wechseln (
vgl. einander ins haar geraten
u. ä.): waren so begirig mit den feinden die haar zu wechseln Schütz
hist. rer. pruss. 6, G 4
a. 1@b@hη)
wendungen wie liebe, hilfe wechseln
bleiben vereinzelt: si (
die Minne) twanc die maget wolgeborn, daʒ si ouch wehseln began ir minne wider den man.
die gute frau, zeitschr. f. d. alt. 2, 430; dasz man sie (
die jungfer) listig zu bewegen, nicht alles orts ihr geh entgegen und wechsle lieb' und liebes-wort'.
geharnschte Venus 134
neudr.; sieh das äuszre nur von beiden an, das angesicht, den ton, den blick, den tritt! es widerstrebt sich alles; sie können ewig keine liebe wechseln. Göthe 9, 171 (
Tasso 3, 2); die historie der freundschafft, die zwischen mir und Phidias gewechselt wird Bodmer
discourse der mahlern 1, 13
Vetter; laszt uns vergebung wechseln, edler Hamlet! mein tod und meines vaters komm' nicht über dich, noch deiner über mich!
Shakespeare 3, 358 (
Hamlet 5, 2); in dem mein weinen nu, in dem nu meine brunst einander ihre hilff zu wechslen nicht verneinen, so leyd ich dise lieb, und lieb das layd umbsunst. Weckherlin 1, 471
Fischer; so wollen wir unsere gaben gegen einander wechselen und in einen grund einführen Jac. Böhme 6, 165. 1@cc) wechseln
ist auch üblich geblieben, wenn nicht ein austausch zwischen zwei personen oder gruppen von personen stattfindet, sondern ein umtausch von dingen, die zum gebrauch der menschen dienen, menschlichen eigenschaften, verhältnissen usw., so dasz eines an die stelle des andern tritt (
vgl. auch mit etwas wechseln 4
a α).
die belege für diese gebrauchsweise setzen mit dem 16.
jahrh. ein. 1@c@aα) kleider wechseln Stieler 2526: so wechszletens ir wat an leyd. H. Sachs 1, 392, 5
Keller; und Saul wechselt (verwandelt Mentel) seine kleider, und zog andere an
1. Sam. 28, 8; ich in voller karriere nach haus — wechsle die kleider Schiller 3, 379, 7 (
kab. u. l. 1, 6); dieser konnte nur mit mühe ein besonderes stübchen gewinnen, wo er schnell seine kleider wechselte v. Eichendorff 2, 400; er hatte seinen anzug gewechselt, trug kurze beinkleider und stolpenstiefeln Freytag 4, 43.
ungewöhnlich an etwas: sie ... nahm
[] sich nicht die mühe, dasselbe (
kleid), das sie frühmorgens trug, an ein besseres zu wechseln Zahn
einsamkeit 263. wäsche wechseln: doch da ich, schwitzend durch und durch, mein hemd zu wechseln, laufe. Blumauer
ged. 202; feine wäsche, die sogar viele gemeine menschen täglich wechseln Archenholtz
England u. Italien 1, ii, 412; leinzeuch wechselen Kramer 260; ganz kleinen kindern aber musz man mit äuszerster behutsamkeit die beschmutzten oder durchnäszten windeln wechseln Bremser
med. parömien 266; leider hatte ich gleich des morgens nasse füsze bekommen und ging erst um 6 uhr zu hause, um stiefeln und strümpfe zu wechseln Hebbel
tagebücher 2, 353.
so auch absolut wechseln: er hat nicht zu wechselen, er hat keinen wechsel darvon Krämer 1214; wer nur ein kleid hat, der kan nicht wechseln Ludwig 2402; er wechselt dreymal bis viermal an manchem tage v. Hippel
lebensläufe 1, 474; du hast an linnen ... so viel, dasz du täglich wechseln kannst Stifter
werke 3, 272; die vollständige stattliche sonntagstracht einer landfrau, mit mehreren stücken zum wechseln G. Keller 5, 165. 1@c@bβ)
sonst von dingen im gebrauch des menschen: zwey schlanke starke jungen, die ... die teller wechseln, trank und speise reichen. Ramler
fabellese 3, 204; der alte, grämliche bediente, der mir oft, wenn ich neben dem mädchen sasz, die teller gewechselt Grillparzer 8, 101; sie wechsele oben nachmittags bücher E. Th. A. Hoffmann 14, 158
Grisebach; dasselbig (
feldzeichen) trag gantz offenbar, für aller freund und feinde schar, und wechsels nicht mit falschem muth, wans glück im feld sich wenden thut. Ringwald
lauter warheit (1598) 46; sie (
die landsknechte) waren lohnkrieger auf zeit und gewöhnten sich bald, die fahnen zu wechseln und nicht für eine idee zu kämpfen, sondern für eigenen vortheil und beute Freytag 20, 22 (
bilder 3, 1); ein segel, eine raa wechseln v. Hoyer
u. Kreuter
5 1, 839
a. 1@c@gγ)
von trank und speise: wein aus Burgund, wein von der Mosel strande, einheimschen wein, wein aus dem Frankenlande, die wechs'l ich täglich mit bedacht, weil wechseln alles süszer macht. Lessing 1, 82; (
sie) weisz mit jeglichem tage die speisen klug zu wechseln. Göthe 1, 303 (2.
epistel 134)
Weim. ausg. 1@c@dδ) pferde wechseln: der täglich zwey mahl pferde wechselt. S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn 6; sie hatten, so viel möglich, die landstraszen vermieden, und nur, auf abgelegenen vorwerkern, pferde, die schon für sie bestellt waren, gewechselt Nicolai
Seb. Nothanker 2, 188; endlich sasz ich im wagen und fuhr über Jena nach Kahle. in Jena wurden pferde gewechselt Grillparzer 10, 179. 1@c@eε)
von personen: weil sie (
Helena) doch ohnedem ihre männer gern wechseln mag Gottsched
crit. dichtkunst 37
anm. 90; dasz ich die liebhaber wechsle? damit wechseln wir mädchen wie mit unsern kleidern Bauernfeld 1, 30 (
leichtsinn aus liebe 2, 2); frauenzimmer wechselt man nicht so leicht wie ein paar handschuh Bäuerle
kom. theater 1, 51 (
freund i. d. noth 1, 20); die person der fürsten habe man oft gewechselt, niemals aber die würde Ranke 17, 169; er (
gott) läst ein königreich und ändert nur das haus, wie itzund Spanien nur wechselt die personen. Besser
schriften 1, 85; dreimal wechselte Granvella seinen herrn, und dreimal gelang es ihm die höchste gunst zu ersteigen Schiller 7, 102; aber der hund, der sich von der kette losreiszt, bleibt immer hund, er wechselt nur den herrn Börne (1829
ff.) 10, 3; es erschien z. b. in Breslau auffallend, wie schnell die häuser ... ihre besitzer wechselten Freytag 20, 309; dasz sich alle dienstleute mehr oder minder nach ihm bildeten ... wie das wohl in allen häusern geschieht, wo die dienenden nicht oft gewechselt werden Tieck
[] novellen (1854) 12, 227; drei stunden vor mitternacht regt sich der hahn, und die wache wird gewechselt Brentano 5, 88. wechseln
von personen absolut gebraucht: vil leichter und sicherer .. weder wann man alle jar hete wexlen sollen (
die röm. pfleger der provinzen) v. Brandis
gesch. d. landeshauptleute v. Tirol 4; so bald er (
der hausvater) seine (
des fremden) stelle mit einem bekannten wiederum ersetzen kan, so wechsele er ungezweifelt v. Hohberg
Georgica 1, 98; oft muszte mein vater im jahre dreimal (
mit hauslehrern) wechseln Bahrdt
gesch. s. lebens 1, 38; aber du hast gewisz auch erfahren, wie sehr das gesinde bald durch leichtsinn und bald durch untreu plaget die hausfrau, immer sie nöthigt zu wechseln und fehler um fehler zu tauschen. Göthe 50, 246 (
Herm. u. Dor. 7, 63); er (
der bescheidene liebhaber) wechselte in aller ehrbarkeit und wählte bald diese, bald jene zum ziel seiner gedanken G. Keller 5, 116. 1@c@zζ)
vom körper und seinen theilen: noch mehr! du (
der verwandelte centaur) darfst in jahresfrist, so fuhr er fort, den körper wechseln, wenn huf und schweif dir lieber ist. Pfeffel
poet. versuche 9, 38; zähne wechselen Kramer
holl.-d. 523; zu beachten wohin natur strebt, ob zur rindes art, für lebenszeit das (
an der stirn gewachsene) horn, ob die prinzesz es wie der hirsch mit jedem jahre wechselt. Tieck 3, 383 (
Fortunat II, 3, 7); wir götter werden alt wie papageien, und wir mausern nur und wechseln auch wie diese das gefieder. Heine 1, 388
Elster; die schlange wechselt die haut.
übertragen: das herz wechseln: Silane wechselt ja durch ehbruch hertz und gunst, so oft ihr hurenbett erkaltet von der brunst. v. Lohenstein
Agrippina 10. 1@c@hη) den ort, das land
u. dgl. wechseln (
wenn als '
aufenthalt'
zu nehmen, in die folg. kategorie übergehend): bleyb ym lande, wone wo du bist, wechsel odder wandel umb yhrent willen nicht deine wonung odder land Luther 19, 555, 9
Weim. ausg.; Christus ... leret dich nicht von leuten lauffen noch die stet wechseln 32, 371, 19; denn es werden gute geister schweben über seinem (
des dichters) wort, wenn es geht von mund zu munde, wenn es wechselt ort um ort! Platen 272 (
verh. gabel 4); (
die person) befinde sich anders und wieder anders, sobald sie nur den boden wechsele Göthe 25, 291
Weim. ausg.; indem sie ... mit ihren roszheerden wohn- und weideplätze wechselten Mommsen
röm. gesch. 2, 272; viermal wechselte er wohlgemuth sein vaterland Treitschke
d. gesch. 4, 82; zur rechten zeit weisz er den schauplatz zu wechseln
hist. u. pol. aufsätze 1, 45; wie ein kranker bang sein lager wechselt. Göthe 11, 27 (
Elpenor 583); reisen wechselt das gestirn, aber weder kopf noch hirn. Binder 162; rathen im gute freund, er sol spatzieren ziehen und die lufft wechseln und sich bewegen seiner gesundheit halber Mathesius
historie d. Luthers 74, 10
Lösche; gaben für, sie wolten den lufft wechseln Nigrinus
papist. inquis. 534.
gegenden wechseln '
von einer zur anderen übergehen': ich wechselte die schluchten bergauf, bergab, und trabte ... an dem englischen wagen fürbasz Seume 71; es war zeit die bergflanke zu wechseln H. v. Barth
aus den nördl. kalkalpen 245;
vgl.wechseln 8
vom wildpret. den zug wechseln,
in einen anderen einsteigen. die partei wechseln,
sich einer andern anschlieszen. in einer volksthümlichen redensart vom leben: der kathol'sche pfarrer hat's zeitliche gewechselt (
ist gestorben). Kortum
Jobsiade 2, 114. 1@c@thθ)
in bestimmten fällen bezeichnet wechseln
eine körperliche bewegung. theile des körpers wechseln: wie sie hin und wider trettlen, ein fusz für den andern wechszlen
[] Guarinonius
grewel d. verwüstung 1239; also solle man die ohren an einem rosz besichtigen, nit allein wie sie ime stehen, sondern auch wie es dieselben fürt und wechszlet (
abwechselnd bewegt) Hörwart von Hohenburg
von der ... ritterl. kunst der reiterei (1581) 4
a; man wechselt die hände (
beim tanz) Stephanie
d. j.
singspiele 50, 16; mit leichtem anstand wechseln sie die glieder. Göthe 16, 221
Weim. ausg. 1@c@iι) ein taschentuch wechseln '
an verschiedenen stellen gebrauchen': ein taschentuch muszte schon an allen enden gewechselt worden sein, so feucht war es schon von dem jammer der zerknirschung Gutzkow
zauberer v. Rom 4, 161. 1@dd)
das zweite, das durch wechsel an die stelle des ersten tritt, kann auch nicht als etwas völlig neues erscheinen, sondern als eine fortsetzung oder umwandlung desselben angesehen werden, wechseln
nähert sich so der bedeutung '
verändern'.
so schon oft bei Notker: also Socrates neheinêst sîn analutte newehselôta 1, 22, 2 (
Boethius 1, 10)
Piper; sô wehselôt er sînen lîb (
mutabit igitur mores) 1, 288, 4 (
Boethius 4, 46); des antwurto ih ... dih wola mugen wehselôn dînen willen (
deflectere propositum tuum) 1, 360, 10 (
Boethius 5, 45); diu zeichin unde zîte des jâris habint kereccha unde gewissa vart, unde dia newehselont sia nîeht 1, 614, 19 (
de syllogismis 14).
im nhd. tritt diese auffassung oft hervor; sie zeigt sich bes. bei angeschlossener bestimmung: verbarg sie hinterlistig ihren zorn, wechselte die laute stimme ins zarte Freytag 17, 340. 1@d@aα) die farbe wechseln,
besonders von der gesichtsfarbe: komm vetter, kannst du zittern, farbe wechseln?
Shakespeare 9, 117 (
Rich. III. 3, 5); sie hatte ihre farbe gewechselt, als der name genannt wurde, und das klopfende herz hob ihren busen v. Moltke 1, 89. farben wechseln '
ineinander übergehen lassen': seine (
des wurms) flügel sind grünlichtes gold und wechseln prächtig die hellen farben des regenbogens S. Geszner 1, 112; Göthe
briefe 34, 157
Weim. ausg.; in des himmels tausendförm'gen wolken, die luftig, farben wechselnd, oben schwammen. Brentano 2, 285.
übertragen: Carbo hatte inzwischen die farbe gewechselt und war jetzt eifriger aristokrat Mommsen
röm. gesch. 2, 102. das licht: schon dreymahl wechselte der tag sein herbstlich licht, seit diese freystatt sie in ihrem schoosze heget. Wieland 23, 90 (
Oberon 8, 33, 1). die stimme wechseln
bes. '
männliche stimme bekommen'. die miene wechseln: vielleicht fühlt er gar nichts bey seiner freundlichkeit, wechselt minen, wie andre kleider wechseln Knigge
umgang mit menschen 3, 8. gestalt, form wechseln: sey Proteus, wechsle die gestalten, und lasz dich unter keiner halten. Seume
ged. 131; ihr wolken, die ihr bunt den himmel säumet, aufsteigt, gestalten wechselt und vergehet! Uhland
ged. (1898) 1, 343; die wolken drängten sich wie wilde heere, gestalt und stellung wechselnd in dem streite. Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 59; die deutsche tracht, die ein halbes jahrtausend still gestanden, beginnt ... ihre formen immer rascher zu wechseln Nitzsch
d. studien 192. 1@d@bβ) sein wesen, den sinn, den glauben wechseln: wenn gott gleych tzuliesz, das eyner mocht seyn weszen wechszlen, nach allem seynem willen Luther 10, i, 1, 314, 16
Weim. ausg.; dauchte es mich gar sehr gegen die groszmut gehandelt zu seyn solcher gestalt sinn zu wechslen Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 2, 1193; es ist ... ein factum, dasz man die religion nach dem curs wechselt Schleiermacher I, 5, 13; doch um sie sein zu nennen soll der bräutigam den glauben wechseln. Platen 274 (
verh. gabel 5). die meinung wechseln: sondern nur meynungen haben, die sie wechseln, wegwerfen, wieder aufnehmen, ohne es selbst zu wissen Kotzebue
dram. werke 18, 237; denn ich habe meine ansicht seit den sechs monaten nicht
[] gewechselt v. Bismarck
ged. u. erinn. 1, 49
volksausg.; Ludwig ... trieb alle gelehrten, prediger und beamten, welche ihre überzeugungen nicht wie kleider von heute auf morgen wechseln wollten, aus ihren stellen und aus dem lande Schlosser
weltg. 14, 56. den namen wechseln: nur den namen hatte sie gewechselt, sonst schien alles beim alten geblieben zu sein v. Polenz
Grabenhäger 1, 20. 1@d@gγ)
sind zwei sich verändernde dinge genannt, so kann sich die bedeutung '
vertauschen'
einstellen: bey dem aufrechten gang des menschen wechseln die ausdrücke vorn und hinten, oben und unten ihre bedeutung Göthe
naturw. schr. 6, 428
Weim. ausg. 22)
die bedeutung '
verändern'
bleibt im allgemeinen auf den fall beschränkt, dasz das, was jemand eigen ist, oder wovon er gebrauch macht, durch etwas anderes von gleicher art ersetzt wird. ansätze zu einer erweiterung des transitiven gebrauchs von wechseln
treten besonders bei Notker
auf. hier bezeichnet es auch veränderungen, die bei fremden dingen hervorgerufen werden, wofür sonst in der alten sprache wandeln
gebraucht wird (
das seinerseits in die gebrauchssphäre von wechseln
übergreift oben sp. 1628):
stabilisque manens das cuncta moveri, unde selbo stâtêr, alliu ding werbest unde wehselôst 1, 176, 25 (
Boethius 3, 71)
Piper; christiani danchont sus Christo, daʒ er siê gewehselot habet 2, 226, 17 (
ps. 59, 3); hinnan ist warazetuônne in sancto evangelio wiêo der besuochare (
temptator) disen sin wehselota 2, 386, 17 (
ps. 90, 12); er habet siû gestâtet iêmer unde in êwa, werde ouh himel unde erda gewehsalot 2, 602, 26 (
ps. 148, 6).
das durch die umwandlung erreichte ergebnis kann mit in
oder zu
angereiht werden: Christus ... habet manchunne gewehselot fone finstri ze liêhti, fone scalcheit in diê frîhalsi gotes chindo 2, 309, 4 (
ps. 76, 11); diser psalmus umbe die gesungener, diê in daʒ peʒʒera gewehselot werdent (
inmutabuntur) 2, 328, 11 (
ps. 79, 1).
in der späteren sprache hat das sehr wenig nachfolge gefunden. vereinzelt tritt die bedeutung '
gut machen' (
vgl.wandeln
sp. 1623)
auf: liebe, in guote einvaldic, wehsel mir diu leit, hab s' in hoherm muote, des bistu gewaldic, so wirt dir merer muot ze namen geseit.
minnesinger 2, 262
a Hagen; denn das frantzösisch fuszvolck, gleich als ob das glück den schaden wechseln wolte, dadurch weit und breit zerstreuet und zerknütscht ward H. Klee
berümter leudt leben (1589) 2, 50; gedencke, dasz gott oft gar schnel in einem tag die zeit verändern kan, und wechselen alle plag! Lindenborn
Diogenes 1, 143.
dichterisch frei '
wechselnd gestalten' (
vgl. wechseltanz): schön ist er wirklich (
der kranz) ... es wechseln die schönsten kinder Florens um ihn, bunt und gefällig, den tanz. Göthe 1, 274
Weim. ausg. wechseln in etwas: der saft, der in sich hat geheimen gifft verborgen und wechselt bey ihr (
Angelika) gantz in hasz die liebessorgen. D. v.
d. Werder
ras. Roland 25. 33)
ein reflexives sich wechseln
kommt bis ins 18.
jahrh. zuweilen vor. 3@aa)
wechselseitig sein, von einem zum andern gehen: ei wie wol diu sêl ist geêret, diu sich ze gote alsô kêret ... sô wehselt sich ir zweier gir, sie ist in im und er in ir. ei welh ein süeʒiu wehselunge wirt von ir zweier gerunge! Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 4190
Weinhold die wile dit gespreche an maniger underbreche sich zu wechse(l)ne plach.
Passional 100, 58
Hahn. 3@bb)
sich abwechseln: die selben (
wächter) súlent sich all manot wichslen, daz ie zwey ein manot in der meren stat gon súlent und den andern manot in der minren stat
Zürcher stadtbücher 1, 195
Zeller-Werdmüller; müh wechsle sich mit ruh! man musz die arbeit kürzen S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn 121; hier sich wechseln leid und freude, dunkel folget nach dem licht.
derselbe, Fischer-Tümpels kirchenlied 5, 85
d;
[] nun, ihr Musen, genug! vergebens strebt ihr zu schildern, wie sich jammer und glück wechseln in liebender brust. Göthe 1, 271 (
Alexis u. Dora 156)
Weim. ausg. 3@cc)
sich verändern. nicht selten bei Notker:
tu putas fortunam erga te esse mutatam, tû wânest sih tiu fortuna habe wider dih kewehselôt 1, 54, 4 (
Boethius 2, 4)
Piper; taʒ tir wirdet, taʒ zegât ouh unde wehselôt sih, tiâ wîla iʒ werêt 1, 279, 28 (
Boethius 4, 41).
später: der welte schancz ist wunderlich, alle tag so wechselt sy sich, wyers yelangk so lenger. H. v. Neustadt
Apollonius 2
Singer; alle dinge wechseln sich, die vor diesem herrn waren, sind ietzund gar erbar volck. Logau 3, 10, 56; wenn sich des schicksals loose wechseln. Herder 28, 370
Suphan; wann die gestalt verfallen ... wann sich das glück wechselt und verkleidet, so verschwindet auch die liebe Dannhawer
catechismusmilch 2, 27; sich wechseln
beim bergbau s. u. 7
d. von personen: so einer panzeun hat gehabt und vor alter zeint hat, sich aber an andere ort hat gewechslet (
var.: sich aber der orth hat gewechslet), das er nun in demselben feld nichts mehr hat
österr. weisth. 1, 147, 17 (1694).
unpersönlich: denn in der welt überhaupt wechselts sich, besonders in unsern tagen, gar wunderlich. Kortum
Jobsiade 3, 2. 44)
wie das eine reflexive wechseln (3
b),
so geht auch das intransitive zunächst auf wechsel '
aufeinanderfolge von dingen, von denen eins an die stelle des andern tritt',
daneben auch auf wechsel '
tausch',
zurück. der intransitive gebrauch hat sich erst in der neueren zeit entwickelt. aus dem ahd. gehört aber schon die glosse alternent, wehselont Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 246, 7 (wesilont 245, 57)
hierher. mhd. belege liegen nicht vor (
doch vgl. alternare, wiszlen Diefenbach
gl. 26
c aus einem glossar nd. ursprungs),
auch im 16.
und 17.
jahrh. sind sie noch selten, erst von der mitte des 18.
jahrh. an werden sie häufiger. Stieler, Ludwig
und Steinbach
geben beispiele für den intransitiven gebrauch, während ihn Adelung
als '
nur noch selten'
bezeichnet; in wirklichkeit hatte er zu seiner zeit noch keinen groszen umfang gewonnen. 4@aa)
am weitesten zurückverfolgen läszt sich mit etwas wechseln,
das schon im 16.
jahrh. vorkommt. 4@a@aα)
es mit etwas anderem vertauschen, eins für das andere eintreten lassen, einen wechsel damit vornehmen (
neben wechseln
mit dem acc. stehend, das aber da ausschlieszlich zulässig ist, wo von organischer veränderung die rede ist, z. b. die zähne wechseln). mit dem fusz wechseln: steh du nur auff eim fuosz allein, dasz allweg ruohen mög ein bein. dann brauch den rechten, dann den lincken, und steh als wolst du nider sincken, und wechsel also immer mit, wie mit den bälgen thon die schmidt. Scheit
Grobianus 450
neudr.; oft wechselt mit dem fusz der lieb' entbrannte. Gries
Bojardo's verliebter Roland 1, 14. mit den ohren (
vgl. 1
c θ): also auch wann ein pferdt mit den ohren wechszlet ... so gib gut achtung Fayser
Hippokomika (1623) 159. mit kleidern: mit ihren müdern wechselt sie (
die magd) wie der krumpschnabel mit den federn Abr. a S. Clara
etwas für alle 1, 669; wir wechseln ja so oft als möglich mit kleidungsstücken Heine 3, 33
Elster; die ihr mit euren kleidern zu wechseln vergeszt und den bart um einige tage zu lang stehen laszt Gutzkow (1872
ff.) 6, 347. mit geschäften
usw.: oft meynt man den geschäften entsagt zu haben, und man hat nur damit gewechselt Bode
Montaigne 2, 175; jede halbe stunde wurde mit dem gegenstande gewechselt G. Keller 1, 90; wenn ich so recht eigentlich zur lust reise, so halte ich mir die ganze welt mit ihren erfreulichen zufällen offen ... dient es mir, so wechsele ich auch mit meinem namen Tieck
novellen (1852) 1, 169.
mit personen wechseln: und mich soll nur ein artig kind, wenn mehrere zu finden sind, durch süszen zwang geprieszner liebe binden? ... nein, nein, ich folge meinem brauch, mit artgen kindern wechs'l ich auch. Lessing 1, 82;
[] wenn er seine diener so wählt und so mit ihnen wechselt, dasz das vorherrschen dieser oder jener einseitigkeit nur vorübergehend erscheinen kann Schleiermacher
zur philosophie 3, 55; sonst wechseln wir nur mit tyrannen, und gewinnen nichts, so schön der anstrich immer sein mag G. Forster
schriften 7, 198; sie wechselte viel mit ihren oberkellnern Gutzkow
zauberer von Rom 3, 165.
im 16.
jahrh. mit etwas wechseln '
damit beliebig umgehen': also aber mit worten wechseln und spielen, höret nicht christen ..., sondern spitzknechten und lotterbuffen zu J. Jonas
bei Luther 18, 638
anm. Weim. ausg.; als stünd es inn unser gewalt damit (
mit der ehe) zu faren, wechseln und wandeln wie wir wolten 32, 378, 8 (
von gauklerkünsten hergenommen? vgl. auch 34, i, 413, 19
und 447, 30). 4@a@bβ)
als bedeutung kann sich auch '
einen tausch vornehmen, wechselseitig austauschen'
entwickeln: wollen wir mit unsern hüten wechseln? Ludwig 2402; (
alle waren) so damit bekannt geworden, dasz sie sämmtlich gar leicht mit den rollen hätten wechseln können Göthe 22, 213
Weim. ausg.; o schicksal! wechsle leicht nur mit den loosen: den dichter führe wieder zu der schönen, die lieder mögen mit dem bilde kosen! Uhland
ged. (1898) 1, 111. 4@a@gγ)
mit zwei dingen wechseln '
wiederholt eins an die stelle des andern treten lassen': sclaven auf den ruderbäncken wechseln doch mit müh und ruh, disz mein unaufhörlich kräncken läst mir keinen schlummer zu. Günther
ged. 181; noch immer wechselst du mit ernst und scherz. Göthe 11, 321 (
Erwin u. Elmire 712)
Weim. ausg.; sie wechselt im herzen mit einer übertriebenen ehrfurcht vor diesen geputzten herrschaften und einer erzwungenen verachtung aller höhern stände Tieck
novellen (1854) 12, 116; (
eine unterredung) bei der ich mit schmeichelnder liebenswürdigkeit und klotziger grobheit wechselte v. Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 71. 4@a@dδ) '
wechsel zwischen zwei dingen zeigen': sein (
des landmanns) leben wechselt nicht mit lachen und mit thränen, mit banger finsternisz und schimmerreichen scenen. Uz
werke 221
neudr.; ist's lieb'? ist's hasz? die glühend uns umwinden, mit schmerz und freuden wechselnd ungeheuer. Göthe 15, 7 (
Faust II, 4712). 4@a@eε)
im wechsel mit etwas anderem stehen, (
wiederholt oder einmalig)
an seine stelle treten: da der kummer stets im lieben antheil nimmt, so sey er leicht und kurtz und wechsle mit dem seegen. Günther
ged. 787; wechselt lieblich, ihr trompeten, mit dem thone sanffter flöthen. Picander 1, 77; wechseln nicht die trüben zeiten mit vergnügten ewigkeiten? dort (
im himmel) ist immer sonnenschein. Schmolcke 1, 747; wechseln chöre mit chören. Klopstock
oden 1, 102
Muncker; hoher gesang wechsle mit zartem ton. Herder 27, 46
Suphan; und schnell und unbegreiflich schnelle dreht sich umher der erde pracht; es wechselt paradieses-helle mit tiefer schauervoller nacht. Göthe 14, 19 (
Faust I, 253)
Weim. ausg.; regen wechsle mit sonnenschein! Schiller 13, 6 (
Macbeth 1, 1); die stille, die bald mit fürchterlichem tumulte wechseln wird S. Geszner (1778) 2, 90; in der natur ist alles mit allem verbunden; alles durchkreutzt sich, alles wechselt mit allem, alles verändert sich eines in das andere Lessing 7, 316; scherz wechselte mit ernst in den erzählungen der novellisten v. Gaudy 13, 11; ich fühle plötzlich den sonnenschein mit einem kühlen schatten wechseln Storm 1, 59.
von personen '
sich mit jemand ablösen': wann der landesherr an eine guarnison kommt, musz allein das älteste regiment, sonder mit den andern zu wechseln, die wache vor denselben geben v. Fleming
vollk. teutsche soldat 420; welcher mensch von vernunft
[] würde nicht nach der distinkzion geizen, mit seinem landesherrn an einem dritten orte zu wechseln? Schiller 3, 384 (
kab. u. liebe 1, 7).
an stelle eines zeitlichen nacheinander kann auch ein räumliches nebeneinander bezeichnet sein (
ursprünglich vom wechselnden standpunkt desjenigen, der einen raum durchschreitet): lebende wechseln mit toden, der fusz strauchelt über den leichnamen. Schiller 1, 232; sieh diesen gürtel an, wie reich, wie fein! ... es wechselt hier mit köstlichem topas rubin, smaragd, sapphir und chrysopras. Platen 204 (
schatz d. Rhamps. 3); fruchtbare hügel wechselten mit wohlbewässerten wiesengründen Göthe 24, 140
Weim. ausg.; alle muster (
auf den kleidern) zeigten sich genau, es mochte blosz hell und dunkel, oder beides mit farbe, oder farbe mit farbe wechseln
naturwiss. schr. 2, 110; im schönsten grün zerstreute ortschaften wechseln mit dunkelm schwarzholz und frischen saatfeldern in diesen schönen tälern Novalis 2, 64
Minor. 4@bb) zwei (
oder mehrere) dinge wechseln,
folgen abwechselnd auf einander: es wechselt flutt und epp'. v. Lohenstein 2
Sophonisbe widmung; die welt ist voller unbestand, und wechselt plötzlich angst und freude in grosz- in klein- in mittlern ständen, vornehmlich aber in der eh. Günther
ged. 427; bald wechselten in meiner brust betrachtung, andacht, lob und lust. Brockes 4, 65; licht und schatten, wahn und witz wechseln stets in seinem sitz. Drollinger
ged. 40; verzweiflung, raserey, boszhafte freud und angst dabey, die wechselten in den gesichtern. Lichtwer
äsop. fabeln 94; indem der schöpfer geordnet, dasz, wie tag und nacht, auch arbeit und ruh bey den menschen wechseln sollen. Zachariä 7, 67; sonnenglut und frühlingsmilde, streit und frieden wechselt hier. Hölderlin 1, 149
Litzmann; ritterspiel und frohe tafel wechseln unter lautem jubel. Heine 1, 43
Elster; handlung und empfindung, zustand und bewegung wechseln (
in den gleichnissen Homers) Herder 3, 132
Suphan; (
der allmächtige) der ... läszt wechseln wind und regen Fr. Müller 1, 26; blässe und feurige röthe wechselten auf seinem gesicht Pfeffel
pros. versuche 1, 97; ruhe und verlangen wechselten in ihm Göthe 21, 111
Weim. ausg.; bestimmte und unbestimmte gegenstände wechselten in seiner seele 22, 68.
von einem räumlichen nebeneinander: lange noch konnte ich den Montblanc mit dem auge verfolgen, während hügel und thäler vor meinen blicken wechselten
F. v. Schlegel 6, 221; über das weite gefilde lagen dunkel und sonnenschein freundlich zusammen und wechselten und spielten durcheinander Tieck 8, 46; wenn schmale schwarze und weisze streifen auf einer tafel wechseln Göthe
naturwiss. schr. 2, 238
Weim. ausg.; eine reihe kubisch zugehauener feldsteine und zwei reihen ziegel wechseln v. Moltke 1, 127. 4@cc) wechseln,
wiederholt oder einmalig an die stelle eines andern treten, im wechsel auf einander folgen, kommt auch ohne angabe dessen, womit der wechsel geschieht, vor, doch ist dieser gebrauch viel weniger entwickelt. 4@c@aα) jemand wechselt: wir wollen wechseln oder umwechseln,
we will take turns Ludwig 2402; zween die in einem amt wechseln oder umwechseln
ebenda; dann fiengen gegen mittag zuerst die schwächsten an zu speisen, sodann speiseten andere, und so wechselten sie alle stunden bis in die späte nacht Zimmermann
über die ehe 2, 352; er (
Karl) that wunder vor den augen der armee. fünf regimenter muszten neben ihm wechseln, er stand Schiller 2, 69 (
räuber 2, 2
schausp.); daneben wohnt die fromme pilgerschaar, sie wechseln, gehend, kommend, jahr für jahr. Göthe 3, 133
Weim. ausg.; [] es wechseln die geschlechter, die sage bleibt sich treu. v. Chamisso 3, 309.
vereinzelt als '
tauschen':
Bacchus. bruder, hier um dein brust wirf diesz fell voll bunter flocken!
Amor. bind' die ros' in deine locken!
beyde. wechseln lasz uns heut in lust! Fr. Müller 2, 347. 4@c@bβ) etwas wechselt: unter dem lesen wechselten die schnellsten gedanken in seiner seele Göthe 23, 83; solche vermuthungen wechselten hin und her 24, 208; in mir wechseln so mancherley gefühle — dasz meine kraft erliegt! Iffland 3, 200 (
reue versöhnt 1, 12); der prinz, nachdem mehrere tänze gewechselt, erbot sich einen neapolitanischen nationaltanz anzuführen E. Th. A. Hoffmann 10, 170; monde wechseln und geschlechter fliehen, ihrer (
der seligen) götterjugend rosen blühen wandellos im ewigen ruin. Schiller 11, 54 (
reich der schatten); mein kind ist noch ein fremdling in der welt, sie hat kaum vierzehn jahre wechseln sehn.
Shakespeare 1, 21 (
Romeo u. J. 1, 2); geplauder wechselt längs der reihe. v. Droste-Hülshoff 2, 161
Kreiten. selten von concreten: teller und schüssel wechseln rasch; in einer kleinen stunde ist das mittagessen beendet v. Liliencron
sommerschlacht 38.
mit dem nebensinn des gegenseitigen austauschs: die briefe wechseln bei mir nicht stark, und so bin ich wieder in meinem eigenen und gewissermaszen engern kreise Göthe
briefe 10, 342
Weim. ausg. wechseln zwischen, unter mehreren '
reihum gehen': das obercommando sollte wechseln zwischen Rom und Latium Mommsen
röm. gesch. 1, 95; das rektorat wechselt unter den fakultäten. 4@dd)
namentlich steht das part. praes. wechselnd
in adverbiellem gebrauch '
in aufeinanderfolge, im wechsel',
doch vorwiegend in poetischer sprache (
vgl. wechselsweise 1
c): immer wechselnd besucht jede der Musen dich. Ramler
lyr. ged. 162; zwischen hoffen und furcht schweben wir wechselnd umher. Herder 26, 37
Suphan; dort flüstern silberpappeln sanft umweht, die grün und weisz die blätter wechselnd regen. v. Salis
ged. 93; denn wechselnd eilten wir geschwister. einer ward um den andern küster, ein jedes drängte sich hinzu. Göthe 2, 212
Weim. ausg.; Hesper und Aurora zogen wechselnd auf am himmelsbogen. Schiller 11, 340 (
Hero u. Leander); verräther! dein empörendes geschwätz, dreihundert peitschenhiebe strafen es, dir von drei armen wechselnd zugetheilt. H. v. Kleist 1, 289 (
Amph. 3, 5)
E. Schmidt; ich schaudre wechselnd vor mir selbst und staune, als ob wir alle blosze träume wären. Platen 297 (
Oedip. 4); wechselnd raucht' er und sprach, und aller augen hingen an seinen lippen. Lenau
ged. 1, 242 (1857); dasz der oberbefehl wechselnd unter den ländern umging Niebuhr
röm. gesch. 3, 122; tausenderlei gedanken zogen wechselnd durch seine seele v. Eichendorff 2, 251. '
von zeit zu zeit': wo ich, wenigstens wechselnd, mich in der heimat aufhielt Arndt
werke 1, 40.
als bestimmung bei einem adjectiv: das hochgebirge ... in wechselnd tiefblauer, violetter und amethystener färbung Justi
Winckelmann 2, 1, 308.
tritt das nacheinander bei verschiedenen personen hervor, so kann sich der nebensinn des wechselseitigen entwickeln: wind! o hättest du verständnisz, wort' um worte trügst du wechselnd, sollt' auch einiges verhallen, zwischen zwey entfernten liebchen. Göthe 1, 155
Weim. ausg.; welch seltne stimmen hör' ich in der ferne? sie schallen wechselnd an dem fels empor. 2, 142; und der kampf entbrannte wechselnd. Platen 61; lässest durch zwei schöne hände ... mich wie einen ball behende wechselnd hin und wieder gehn. Rückert
ges. ged. 3, 45;
[] und wechselnd tönt es manchesmal: herr, euer wohl! — jetzt gilt es euers! v. Gaudy 4, 18. 4@ee)
meist zeigt sich bei wechseln
die bedeutung '
veränderungen unterworfen sein, sich bald so und bald so zeigen'. 4@e@aα)
auf die vorfallenden veränderungen kann näher hingewiesen sein: die menschheit wechselt zwischen lust und weinen. Schiller 15, 1, 12 (
huldigung d. künste); soll sie (
die poesie) ... wechseln zwischen trennung und verbindung?
F. v. Schlegel
Athenäum 1, ii, 141; der ausdruck seines gesichtes wechselt ... zwischen ... zuthulichkeit und ... trotz O. Ludwig 1, 169; die zeitalter wechseln wohl in güte und schlechtigkeit; bald tritt diese, bald jene vortrefflichkeit mehr und deutlicher hervor Tieck
novellen (1854) 12, 244; entsetzlich wechselt mir der grimm im busen; erst gegen sie, die ich so heilig hielt; dann gegen mich, der ich sie zum verrath durch nachsicht und durch güte bildete. Göthe 10, 78 (
Iphigenie 5, 2). 4@e@bβ) wechseln
von personen '
veränderlich, wetterwendisch sein': er wechselt gern, er verändert sich gern,
he loves change Ludwig 2402; ich gelobe euch meine treue ... und seyt versichert, dasz ich niemals werde wechslen Harsdörffer
gesprechsp. 3, 143; Chloe wechselt, wie der wind. aber alle schäfer sinnen, eine Chloe zu gewinnen. Overbeck
verm. ged. 30. 4@e@gγ)
von zuständen, verhältnissen usw. '
veränderlich sein': es wechselt alles was in der welt ist,
omnium rerum vicissitudo est Stieler 2526; in dieser welt da alles wechselt. Stoppe
Parnasz 7; wie ... alles unter dem monde wechselt Herder 9, 349
Suphan; wie auch die zeiten und zustände wechseln Göthe 46, 28
Weim. ausg.; das glück wechselt immerdar,
fortuna volubilis est Stieler 2526; das loos der waffen wechselt hin und her: kein kluger streiter hält den feind gering. Göthe 10, 82 (
Iphigenie 5, 3); die kinder der mode wechseln Herder 23, 325
Suphan; die lebensform scheint zu schwinden, und wechselt nur. 27, 95; schönheit ist ewig nur eine, doch mannigfach wechselt das schöne. Göthe 5, 309; die aufklärung oder die vernunftweisheit ..., welche unter einem volk wechselt,
d. i. ab- oder zunimmt Jung-Stilling 3, 177; die krankheit wechselt,
morbus variat Steinbach 2, 951.
von gedanken, empfindungen: und ihr gedanken, miszzutraun geneigt, beschilt euch die geliebte dessenthalb; so sagt: ihr wechselt zwar, doch ändert nicht, wie sie (
Cynthia, der mond) dieselbe bleibt und immer wechselt. Göthe 3, 46; ich halte diesen drang vergebens auf, der tag und nacht in meinem busen wechselt. wenn ich nicht sinnen oder dichten soll, so ist das leben mir kein leben mehr. 10, 229 (
Tasso 5, 2); sein wille wechselt nie. 9, 318 (
Mahomet 3, 3); wohl wahr, ich rede von träumen, kindern eines müsz'gen hirns, von nichts als eitler phantasie erzeugt, die aus so dünnem stoff als luft besteht, und flücht'ger wechselt, als der wind.
Shakespeare 1, 538 (
Romeo u. Julia 1, 4); eine woche verging, während der seine stimmung beständig wechselte Fontane I, 6, 65; gewohnt, immer derselbe zu scheinen, wie es auch innerlich wechselte, zeigte er vor andern das heitre antlitz eines mannes, den nichts in erstaunen setzt Immermann
epigonen2 1, 102. 4@e@dδ)
um wahrnehmbare veränderungen handelt es sich bei wechseln
von tönen, farben: hört doch, hört die reinen saiten, zittern, wechseln, jauchtzen, streiten! Günther
ged. 346;
[] durch sanftes steigen, flücht'gen fall, rollt, wallt, und wechselt klang und schall. Hagedorn
versuch einiger gedichte 19
neudr.; die harfe, die, vom leisen windhauch angeregt, lang ausgezogne töne traurig wechseln läszt. Mörike 1, 178; die farben des lichts, sowie der übrigen körper, gehen manchmal nur vorüber, sie wechseln, kehren sich um Göthe
naturw. schr. 5, 1, 84; lichter und farben wechseln und spielen in unendlichen abstufungen in und auseinander Aurbacher
ein volksbüchlein 58.
von andern vorgängen in der natur: das wetter wechselt wunderlich v. Hippel
lebensläufe 2, 152; o schwöre nicht beim mond dem wandelbaren, der immerfort in seiner scheibe wechselt, damit nicht wandelbar dein lieben sey!
Shakespeare 1, 56 (
Romeo u. Julia 2, 2).
nebelmassen, wolken, winde wechseln '
ziehen hin und her': welch' unheimlicher abend! da unten ist alles still, und da oben wechseln und ziehen die wolken Büchner
nachgel. schr. 180;
mit richtungsbestimmung: die wolken wechseln über die blasse sonne Göthe 19, 290; doch spurlos ist das meer, der abend sinkt, die winde wechseln. nächtlich tobt der sturm. Uhland
ged. (1898) 1, 132; es war gegen mittag, die sonne schien heisz, aber es wechselte ein kühler mittagswind Göthe 19, 236. der atem wechselt: ja, ich bin dein, und nichts soll mich von dir, so lang mein athem wechselt, je entfernen. Göthe 11, 288 (
Erwin u. Elmire 1, 1). 4@e@eε)
auch von verschiedenheiten, die sich im raume nebeneinander zeigen: hundertfach wechseln die formen des zierlich gemodelten estrichs. Mörike 1, 207; zu jener gedrängten masse von spitzen, hörnern, thürmen, die ... wechselt in ihrer gruppirung und neue formen dem blicke darbietet v. Barth
aus den nördl. kalkalpen 283. 4@e@zζ)
das part. wechselnd
als adverbielle bestimmung '
anders als vorher'
ist selten: wären wir als tapfre durch andre tapfere besiegt, wir könnten uns trösten mit dem allgemeinen schicksal, das immer wechselnd seine kugeln dreht. Schiller 13, 272 (
jungf. v. Orl. 3, 6). 4@ff) wechseln
kann aber auch (
was sich vom vorausgehenden nicht immer deutlich abhebt)
das eintreten von etwas neuem infolge einer vor sich gehenden veränderung bezeichnen. 4@f@aα)
von personen '
sich ablösen, zum ersatz von jemand anderem sich einstellen': drei policeidirectoren, die alle acht stunden wechseln Göthe 25, 213
Weim. ausg.; ein kammmachergeschäft, dessen inhaber alle fünf bis sechs jahre wechselten G. Keller 4, 216; seine lehrer wechselten häufig, und so ward der unterricht etwas ungleichmäszig Meinecke
leben des generalf. v. Boyen 1, 16; die liebe des herrn Specht war ewig, aber die gottheit, welcher sein feuer loderte, wechselte oft Freytag 5, 92.
von bergarbeitern, mit ablauf der schicht einander ablösen Veith 564. '
eine andere stellung u. dgl. einnehmen': (
Hilarie) gewann sich hier wie überall gar gern verzeihung einer allzugroszen leichtigkeit von interesse zu interesse übergehend zu wechseln Göthe 25, 261
Weim. ausg.; wenn er zuletzt seine einseitigkeit ... einsehen lernt, so wechselt er eben so heftig, ergreift eine andere vielleicht eben so fehlerhafte richtung 46, 10. 4@f@bβ)
von zuständen, verhältnissen '
sich ändern': wie der wind mit gedankenschnelle läuft um die ganze windesrose, wechseln hier des geschickes loose, dreht das glück seine kugel um. Schiller 14, 50 (
braut v. Messina 1, 934); glück wechselt leicht abwendig. Arndt
werke 5, 7; zum gegengewicht dessen was in der welt so schnell wechselt und sich verändert Göthe 24, 222; wie Drusus' weitere absichten sich enthüllten, wechselten die dinge Mommsen
röm. gesch. 2, 223; wenn daher auch der vorzug für ein jahr entschieden ist, so wechselt es vielleicht im folgenden jahre Archenholtz
England u. Italien [] 1, ii, 480.
von empfindungen, gedanken: so bald dieser (
unser wille) dem scheine nach etwas schönes sieht, ... so bald empfindet er eine lust, zu wechseln
belust. des verst. u. witzes 1, 189; er hing dem noch eine weile nach, dann aber wechselten die bilder und längst zurückliegendes trat ... vor seine seele Fontane I, 5, 286. 4@f@gγ)
von körperlichem: wenn auch schon mein puls nicht mehr bey seinem bloszen namen wechselt. Lessing 2, 268 (
Nathan 3, 3); du weiszt es, denn du zitterst, kannst du es läugnen? deine farbe wechselt, und hörbar klopft das herz in deiner brust. Hebbel 3, 309 (
Gyges 4)
Werner; die stimme wechselt,
sie wird männlich. in der Schweizer studentensprache kommt wechseln
für '
sich erbrechen'
vor Vollmann (Gräszli)
burschic. wb. 497 (
vgl.es wird einem anders '
er bekommt übelkeit' Fischer 1, 187). 4@f@dδ) wenn der mond, die jahreszeiten, wechseln oder abwechseln Ludwig 2402; sie ... verspricht Orleans zu retten, eh der mond noch wechselt. Schiller 13, 213 (
jungf. v. Orl. 1, 9); da der augenblick sich eben günstig zeigt, dem Varus, eh der mond noch wechselte, das grab in dem Cheruskerland zu graben. H. v. Kleist 2, 358. 419 (
Hermannsschl. 2, 10)
E. Schmidt; jetzt ... wo der mond wechselt und das wetter sich ändern will Freytag 11, 248; in der sylvesternacht, in dem augenblick, da eben das jahr wechselt, hebt er sich halb vom lager empor H. v. Kleist 2, 232 (
Käth. v. Heilbr. 2, 9)
E. Schmidt; der kurfürst wollte, eh' das jahr noch wechselt, befreit die Marken sehn. 3, 58 (
prinz v. Homb. 2, 6); kaum wechselte der schlaf (
wurde es wieder nacht), so ward die hoffnung neu, dasz nun der armen trost von gott erbeten sey. Heräus
ged. u. l. inschriften 157; die pfiffigen und eigennützigen, die's immer zur rechten zeit merken, wenn der wind wechselt Bauernfeld 6, 158 (
Franz v. Sickingen 2, 8); und wie ich stieg, zog von dem flusz der wiesen ein nebel sich in streifen sacht hervor. er wich und wechselte mich zu umflieszen, und wuchs geflügelt mir um's haupt empor. Göthe 1, 3 (
zueignung); die scene wechselt, langsam streicht ein wolkenvorhang sich zurück. v. Droste-Hülshoff 2, 132
Kreiten. 4@f@eε)
präpositionelle bestimmungen werden selten hinzugefügt. angabe des ergebnisses mit zu: nichts ist mir mehr einerley, und die scenen wechseln zu einem unendlichen schauspiel Heinse 10, 21
Schüddekopf; es wechseln die leiden zu schöneren freuden. Herder 25, 621
Suphan. wohin wechseln '
sich wohin begeben': der böse wechselt ängstlich aus palästen in die tempel, aus den tempeln unter freien himmel. Göthe 11, 27 (
Elpenor 583)
Weim. ausg. 4@f@zζ)
statt der zeitlichen kann eine blosz räumliche verschiedenheit hervortreten: manchmal scheint es, als wenn sich die schreibenden in bogen oder lagen getheilt hätten, dann aber wechselt die hand auf einem blatt, ja in einer periode Göthe 42, i, 9
Weim. ausg. 4@gg)
der substantivirte inf. hat neben dem subst. wechsel
keinen besonders groszen umfang gewonnen und bezeichnet eine fortdauernde oder eintretende veränderung: das dramatische ist das wechseln im bestehenden, das epische das bestehen im wechsel O. Ludwig 5, 64; deiner wünsche stätes wechseln.
F. W. Weber
Dreizehnlinden136 304;
sprichwörtlich: wehlen und wechseln ist schwer auff achseln. Lehman (1662) 2, 875; den wolken ..., deren ziehen und wechseln mich am abend fast ausschlieszlich beschäftigte G. Keller 1, 33; unter diesen einflusz des periodischen wechselns und werdens ... ist alles andere mit gestellt Ritter
erdkunde [] 1, 9; das glück im kriege ist dem wechseln unterworfen v. Fleming
vollk. teutsche soldat 191; er (
der Rhein) flosz zu freunden, mit denen ich, trotz manchem wechseln und wenden, immer treu verbunden geblieben Göthe 33, 182
Weim. ausg.; ach! merckt nur, bitt' ich, eigen drauff, ob euch Alcippe nicht im wechseln überwindet. v. Lohenstein
Arminius 2, 1483
a; das wetter hat sich verdunkelt, es ist im wechseln ... wir werden regentage haben Göthe 31, 34; dat kind is in't wesseln '
wechselt die zähne'
brem. wb. 5, 242; dann hat man zu warten, bis der (
gams-)bock zum äsen freiwillig wieder aufsteht, wenn indessen der wind nicht zum wechseln kommt v. Kobell
wildanger 162. 4@hh)
dagegen ist das part. präs. wechselnd
in adjectivischem gebrauch im nhd. sehr verbreitet, da neben dem subst. wechsel
keine allgemein übliche adjectivbildung steht. die bedeutungen schlieszen sich an die des intransitiven wechseln,
nur die erste an wechseln '
austauschen',
an. 4@h@aα)
wechselseitig: dasz sie sechs tag beysammen verharrten, und allen möglichen fleisz fürwendten, durch wechszlende begird, und gleiche lieb einander zu vernügen
Amadis 1, 180; zu erkenntnusz unser wechselnden liebe 1, 259.
in der neueren sprache nur als dichterische freiheit: trieb nicht noch dich ein anderer gott, den beschützer zu suchen? hatte nicht Amor für uns wechselnde pfeile getauscht? Göthe 1, 279 (
elegien 2, 116)
Weim. ausg.; da begegnet ihm Here, von Pallas Athene begleitet, sprechend wechselndes wort. 50, 274 (
Achilleis 96). Steinbach 2, 952
erklärt wechselnd
durch '
reciprocus'. 4@h@bβ)
im wechsel aufeinander folgend: angenehm vor vielen, die als getreue dämonen mit den sterblichen menschen die wechselnden tage durchwallen. Göthe 50, 279 (
Achilleis 238); durch reihen wechselnder geschlechter. Denis
lieder Sineds 213; der hohepriester Samuel erschien mit Jonathan, und ihre wechselnden wunderlichen stimmen kamen mir höchst ehrwürdig vor Göthe 21, 9; vernahm er unten am wasser die wechselnden stimmen des grafen und der schwester Mörike 3, 28; sanft nun huben sie beide den wechselnden wiegengesang
an. Voss 2, 17; auf kiesel am bache, da lieg' ich, wie helle! verbreite die arme der kommenden welle, und buhlerisch drückt sie die sehnende brust; dann führt sie der leichtsinn im strome danieder; es naht sich die zweyte, sie streichelt mich wieder: so fühl' ich die freuden der wechselnden lust. Göthe 1, 64; ein wechselndes fieber,
febris intermittens Steinbach 2, 952; er hatte die wechselnden fröste und die ziehenden füsze der nervenkrankheiten Stifter
studien 5 (1850) 250. der wechselnde '
abwechselnd gehobene' fusz: die nymphen ... heben den wechselnden fusz vom boden empor. Ramler
lyr. ged. 226. wechselnde '
abwechselnd gebogene' kniee: flüchtete dann, umschauend im männergewühl, wie ein raubthier, rückwärts häufig gewandt, mit langsam wechselnden knieen. Voss
Ilias 11, 547.
es kann auf zwei dinge, die miteinander wechseln, hingewiesen werden: mich dünkt, ich seh bey ihr, in des gesichtes zü
gen. ein wechselndes gemisch von trauren und vergnügen: Triller
poet. betracht. 5, 316; weil es (
das spiel) der zustand eines unablässig wechselnden fürchtens und hoffens ist Kant 10, 251; ich ging mit wechselnder hoffnung und sorgen zurück Göthe 17, 10
Weim. ausg.; so sehen wir die einzige reichsstadt der Ostsee wiederholentlich in diese wechselnden fehden und tagfahrten eingreifen Nitzsch
deutsche studien 235. wechselnd
wie franz. alternatif
vom wechselstrom Blaschke
wb. d. elektrotechnik 138.
in der botanik s. v. w. wechselständig Bischoff
bot. terminologie 57. 4@h@gγ)
meist '
der veränderung unterworfen, sich in verschiedener gestalt zeigend'. 4@h@g@11))
von personen: [] nie froh vom itzigen, stäts wechslend, keinem treu, erfahren wir genug, wie nichtig alles sey. Haller
ged.8 157.
in beziehung auf eine fertigkeit: Friedrich, der ein scharfes auge und einen festen arm besasz, aber allzu hastig zuschosz und darum ein sehr wechselnder schütze war v. Polenz
sühne 415. 4@h@g@22))
von zuständen, verhältnissen: ein geist, sich selbst in allen proben des wechselnden geschickes gleich. Drollinger
ged. 264; wie kehrt' ich oft mit wechselndem geschicke, erhabner berg! an deinen fusz zurücke. Göthe 2, 145
Weim. ausg.; das hohe alter des stifts ward vorausgesetzt; dann gedachte man seiner mannichfaltig wechselnden schicksale 33, 169; es waren grosze schlachten vorgefallen, es waren wunder des wechselnden glückes geschehen Stifter
werke 3, 169; diese wechselnden zeiten sind, o allmächtiger vater, nur der veränderte gott. Giseke
poet. werke 17
Gärtner; geburt und grab ein ewiges meer, ein wechselnd weben, ein glühend leben. Göthe 14, 32 (
Faust I, 506); wenn man ... den lauf der wechselnden ereignisse begleitet Ranke 14, 3; bisher hatten ihn die wechseln den verhältnisse zu politischen maszregeln veranlaszt, die in sich nicht immer zusammenstimmten 3, 73; in's herz zurück, dort wirst du's besser finden, dort regt sie sich in wechselnden gestalten. Göthe 3, 22; ach, den verwegnen alpenjäger hascht der tod in hundert wechselnden gestalten. Schiller 14, 339 (
Tell 3, 1); einst ward ich gewahr, dasz alle die wesen ... in wechselnden formen sich wieder erzeugten Bettine
die Günderode 1, 27; unsere litteratur ist blosz werk der immer wechselnden mode geworden v. Ayrenhoff 5, 240. 4@h@g@33))
von gedanken, vorstellungen, empfindungen: gar wechselnd ist des mannes rascher sinn, dem leben unterthan, dem wechselnden. Grillparzer
5 4, 173 (
Sappho 3, 1); sie (
die treue) bewacht die rege welt aller wechselnder gedanken. Tieck 1, 420 (
Octavian II, 5); die vorstellung von etwas beharrlichem im dasein ist nicht einerlei mit der beharrlichen vorstellung; denn diese kann sehr wandelbar und wechselnd sein Kant 2, 32; vertieft in hundertfältig wechselnde phantasien Mörike 3, 75; wohin sollte ich mit meiner von tausend streitenden gedanken überfüllten, von tausend wechselnden gefühlen bewegten unschlüssigkeit? Holtei
erzähl. schriften 1, 95; unter den wechselndsten empfindungen, zwischen empörung und mitleid schwankend Raabe
Abu Telfan 2, 159. 4@h@g@44))
von tönen, farben: melodieen ,...... ... ertönen ihm des wechselnden, des kühneren, des deutscheren odenflugs. Klopstock
oden 7, 172
Muncker (
Thuiskon 14); wechselndes harfenlied tönte nachts. Voss 3, 44; könnt ich dem glänzenden morgen so lieblich wechselnde tön' entgegen singen! S. Geszner 1, 70; abends, wenn die hellen feuer glühn im Hottentottenkraale, wenn des jähen Tafelberges bunte, wechselnde signale nicht mehr glänzen. Freiligrath 1, 151; die blätter des waldes lagen meist verdorrt am boden, sodasz die sonne überall hindurchblitzte; sie wurden fast geblendet von den wechselnden lichtern Storm 2, 229; kräftig brennen auf blühender au die wechselnden farben Schiller 11, 76 (
elegie); farbe, du wechselnde, komm freundlich zum menschen herab. 11, 174; der pappelweide wechselnd grün weht ruhelispelnd drüber hin. Matthisson 1, 15; es flattert um die quelle die wechselnde libelle ... o dasz ich in der nähe doch ihre farben sähe! Göthe 1, 62;
[] und tausendfarbig, wie morgen und abend. immer wechselnd, wie mondesblicke. 2, 59.
in der botanik '
verschiedenfarbig',
von den farben der flechten Bischoff
bot. terminol. 763. 4@h@g@55))
von der natur, den jahreszeiten, himmelskörpern usw.: (
die welt) der gestalt nach wechselnd, der materie nach durch alle zeit beharrend Schopenhauer 1, 44
Grisebach; alle reize der wechselnden natur vereinten sich in seinen liedern G. Keller 6, 75; der sänger des schönen wird nirgends alt, wie des jahres wechselnde zeiten. Schiller 11, 409; den wechselnden april hat sie (
Fortuna) erkoren. Uhland
ged. (1898) 1, 357; der wechselnde mond predigt uns busze, und eine andächtige kirche von sternen betet mit uns Schiller 3, 435, 8 (
kab. u. l. 3, 4); es kann ja nicht immer so bleiben hier unter dem wechselnden mond. Kotzebue; wo man sonst nur im allgemeinsten, durch wechselnde nebelschichten hindurchsah Göthe 7, 233; der mond schien bald hell bald dunkel zwischen wechselnden wolken v. Eichendorff 3, 392; wie der wechselnde wind nach allen seiten die hohen saaten im weichen schwung niedergebogen durchwühlt. Möricke 1, 92; wo er ...... schaute der flammen fernes schreckliches spiel und des wechselnden feuers bewegung. Göthe 50, 271 (
Achilleis 9). 4@h@g@66)) wechselnd
kann auch auf eine sich im raume zeigende verschiedenheit gehen: kein reicher stoff, kein bunter marmor war die wechselnde bekleidung ihrer mauern. Pfeffel
poet. versuche 7. 198; auch spricht man von ... sumpf- und wechselndem gelände v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 115. 4@h@dδ)
auch die bedeutung '
in einen neuen zustand übergehend, eine veränderung erfahrend'
kommt vor: die feinen, bestimmten und schnellen, so plötzlich wechselnden bewegungen (
des augapfels) v. Sömmerring
vom bau des menschl. körpers 5, 619; am sogenannten silvester-abend wurde die feier des wechselnden jahres ... begangen Möricke 3, 37. 4@h@eε)
substantivirt das wechselnde: das wie? läszt sich hier eben so wenig weiter erklären, als wie wir überhaupt das stehende in der zeit denken, dessen zugleichsein mit dem wechselnden den begriff der veränderung hervorbringt Kant 2, 32; die durchgängige lebendigkeit des wechselnden, welche die musik vor ihr (
der poesie) voraus hat
F. v. Schlegel
pros. jugendschriften 1, 437
Minor; und uns selbst finden wir im persönlichen ... leben desto mehr gefördert, je mehr es uns gelingt, auch in und um uns das willkürlich wechselnde der regel zu unterwerfen D.
F. Strausz 6, 94. 4@ii)
das part. praet. gewechselt
kommt bei Kant
in adjectivischem gebrauch als '
wechselseitig'
vor: weil alle verbindung und relation auszer einander existirender substanzen von den gewechselten wirkungen, die ihre kräfte gegeneinander ausüben, herrühret 8, 23,
vgl. 8, 353; die betrachtung des weltbaues zeigt in ansehung der gewechselten beziehungen, die seine theile unter einander haben, ... zwo seiten 8, 263,
vgl. 8, 344; diese vollkommenheit der geisterwelt, welche auf der gewechselten abhängigkeit derselben von der materie beruht 8, 342; zum gewechselten vortheile der creaturen gereichende einrichtungen der weltverfassung 8, 359. 55)
besondere bedeutungen haben sich beim geldwesen entwickelt, vgl. wechsel II 4. 5@aa)
vom alterthum bis zur gegenwart wird wechseln
vom umtausch verschiedener münzsorten (
jetzt auch von papiergeld),
sowie von der umsetzung gröszerer geldwerte in kleinere und umgekehrt gebraucht, namentlich wenn dies gewerbsmäszig geschieht. darauf weist vielleicht schon die ahd. glosse concambiare, wehselon Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 54, 26;
meist die wiedergabe durch cambire (Diefenbach
gl. 92
b usw.); wechselen, wechsel treiben,
[] im wechsel sitzen Emmelius
sylva Pp 1
b; wechseln, wechsel mit gelde treiben,
pecunias permuto, argentariam exerceo Steinbach 2, 951; kein man in Vriberc sal wech seln noch wechsil sitzen noch tun an di munzmeistere alleine
urkundenb. d. st. Freiberg 3, 44, 4 (
stadtr. 6, 6); wen ouch die münszere oder wechslere rgent, der uszewendig der münszen wihselt, und denne sin öberste erkennent, das der den sie gerget, soliche wechsel tribet
städtechr. 9, 1000, 12 (
Straszburg 1393); mit iren taifelen, da si up weisselden Frommann 3, 59 (
aus der seelen trost, Köln. 15.
jahrh.): o weh euch wippern ungeheur, die mit wechszlen tewrung macht!
jedermannes jammerklage (1621) A 3
a.
allgemeiner '
geldgeschäfte machen': welcher von adel herkommen geporn würt und sich nit in seinem adelichen stand von seinen rendten ..., sondern mit kauffmanschatz, wechslen, fürkauffen, und der gleichen finanzen neren oder sein einkommen meeren wolt S. Franck
chron. Germ. 88
a.
mit persönlichem dat.: wechszler, die da allain dem baupst, den cardinäln und irem gesind wechszlotend U. v. Richental
Constanzer concil 182; der wehslär ... schol iedem mann wechseln als recht ist
österr. weisth. 9, 216, 38 (
ob dem Wienerwalde 15.
jahrh.).
mit object: gelt wechszlen,
mutare pecuniam Dasypodius 452
b. 5@a@aα)
der acc. bezeichnet das im tausch genommene (
wo jetzt einwechseln
gesagt wird): dat ein yeclich man ... bynnen der stat van Collen ... weselen mach golt of silver
urkunden z. städt. verfassungsgesch. 327 (
nr. 232, 2,
Köln 1360)
Keutgen; das er im gestern funffczig mark silbers gewechszilt hette
urkundenbuch d. st. Freiberg 2, 108, 35 (1447)
Ermisch; da wechszlet mich (
den gulden) ein alchamist zwar thewer gnug, der frumme christ. H. Sachs 4, 218, 37
Keller all waaren theuer sind, das machts juden-gesind die da das schwere geld wechseln in grosze säck. Opel-Cohn
30jähr. krieg 401. um etwas (
was dafür gegeben wird): 2702 m ... fynes silbers hat er umb sin gelt gewechsilt und in die muncze gekoufft
urkundenbuch d. st. Freiberg 2, 422, 24 (1443)
Ermisch. später für etwas: dieweil man für ein drachmam ein gantze hand voller heller, küpferling, scherf, oder meitlein wechseln köndte Mathesius
Sarepta (1571) 167
a.
sprichwörtlich: wer einen pfennig nicht so lieb hat als einen gulden, der wirt selten reych werden und gulden wechseln Agricola
sprichw. (1534) F 2
a;
ähnlich S. Franck
sprichw. 2, 52
a.
absolut: die münszer und wehseler die zuo bancke sitzent, sollent sich ouch fliszen, daʒ sie mengelich guot gelt gebent, wer by inen wehselet
Straszburger zunftordnungen 392
Brucker; da seid ihr ja, ich wollte bei euch wechseln, ich hab' heut eine summe zu bezahlen. Tieck 1, 199.
man gebraucht noch jetzt wechseln
für '
sich eine bestimmte münzsorte verschaffen (
namentlich kleines geld)': ich kann die ware nicht bezahlen, ich musz erst wechseln. 5@a@bβ)
der acc. bezeichnet das zum tausch gegebene: swelh wehselær oder hûsgenôʒ si (
die falsche münze) hin wehselt mit wiʒʒen
Schwabenspiegel landrecht 343, 17
Wackernagel; eʒ ist auch gesetzet, daʒ nieman helbelinge her ze der stat fren sol und si niht wehseln sol, und si auch nieman nemen sol samenthafte an seinem kaufe
Nürnberger polizeiordn. 128; der abt sol han einen weseler zu Durkeim ... der soll sitzen uf dem markt ame samstag und soll weiszelen Spiers pfenig und Wormesche pening und Luters pfening, wer es an im sucht
weisth. 5, 599 (
Limburg 1448); da (
im wechsel) hat ein munczmeister die ingebrachten silber gewechselt
urkundenbuch d. st. Freiberg 2, 233, 29 (
um 1480)
Ermisch; wüe dann neülicher zeüt durch einen bauren ein hafen voll goldstuck uff einem acker gefunden worden, da yedes dem wert nach in düe anderhalb ducaten in gold gewixlet würt Kiechel
reisen 443
Haszler; horcha buba wechsel hie den kreutzer
Garg. 130
Alsleben. besonders vom umsatz in kleine münze: gelt wechselen,
aera pro [] moneta grossa dare Stieler 2526; einen ducaten wechseln lassen Adelung. wechseln um, für etwas. man wechselt mich (
den batzen) jetzt umb drey ort.
jedermannes jammerklage (1621) D 4
a; mehr hab ich zween schlecht gulden gewechselt umb 24 stüber zu zehrung Dürer
tagebuch 55; der zichin wird für acht pfundt gewexelt H. J. v. Breuning
orient. reise (1612) 34. in etwas: um den leuten freude zu machen, wechselte er das papier in pures blankes gold Gutzkow
ritter vom geiste2 2, 35; wechselte ich es (
das geld) nach und nach in silbermünze Brunner
erzähl. u. schriften 2, 78.
absolut: wechseln, eine sorte geld für eine andere geben Rädlein 1035; ich kan euch nicht wechseln, ich habe kein klein geld,
a have no change Ludwig 2402; ich konnte nicht umhin, des nachts um zwölf uhr einen groszen französischen thaler für ihn zu bezahlen, weil er sich so spät nicht wollte wechseln lassen Gleim
briefwechsel 2, 163
Körte. 5@bb)
in einem gewissen umfang findet sich auch wechseln
für '
geld leihen' (
mit dem auch ein umtausch der münzen verbunden ist)
: fenerat, weshlot, wehsalod, wehsalot Steinmeyer-Sievers
gl. 1, 154, 14;
mutuat, wihslit 154, 15 (
vgl. mutuor, farwihslit pim 208, 36,
feneror, farwisleu, farwisliu); Diefenbach
gl. 374
c mutuare, wechselen, wechszeln, weszeln (
neben lyhen, borgen),
nov. gl. wechkselen, weschlen; thie fon thir sihwes bite, gib imo, inti thie thar wolle mit thir wehslon (
volenti mutuare a te), ni widaro iʒ thanne
Tatian 31, 6; alles das wir haben, eyntweders ist gewechselet (
mutuum) oder eygen
Terenz deutsch (1499) 35
a glosse. spätere litterarische belege liegen nicht vor. 5@cc) wechseln '
sich des wechselverfahrens bedienen'
ist bis in die neuere zeit üblich gewesen; von Schirmer
wb. d. kaufmannsspr. 209
seit 1411
zunächst in der bedeutung '
geld durch wechsel übermachen'
belegt (
so noch Kramer 260);
auch '
geld durch wechsel an sich ziehen': wann man gelder an einem andern ort zu sich wechselt, das heiszet trassiren Harsdörffer
d. teutsche secretarius 1, D d d 4
a.
allgemeiner: wechselen, mit wechsel handelen,
trafficar di cambi Krämer 1214; wie wechselt man, wird gewechselt, oder werden die wechsel geschlossen, von hier nach Amsterdam? Ludwig 2402; wann nemlichen personen, welche vor sich mit wechseln umbzugehen nicht verstehen, ... anderen ihre gelder darleyhen, dasz sie damit wechseln mögen Heydiger
wechselrecht (1676) 121; wechsel, in welchen nicht geld um geld, sondern um geld vor wahren ... gehandelt wird, welche letztere art zu wechseln zwar auch zugelassen
Wiener wechselordnung Karls VI., art. 2; übrigens ist Wien gewisz der einzige deutsche wechselplatz, der a drittura auf Konstantinopel und Salonichi wechselt Nicolai
reise durch Deutschland 4, 451.
in engerer bedeutung: zwei städte wechseln zusammen, ein wechselcours ist zwischen denselben eingeführt Krünitz 235, 317; zwei städte wechseln mit einander Courtin
handb. f. kaufl.2 768. 66)
sprichwörtliche wendungen mit wechseln (
soweit noch nicht angeführt): so gut gewechselt wurde, so gut musz bezahlt werden Graf
u. Dietherr
rechtssprichw. 269, 275; das die habe in der selben gte und wert betzalt werde, wann getreyd für getreyd ..., pfenning für pfenning, also guot als gewechselt ist, sol das betzalt werden S. Brant
clagspiegel (1516) 57
b; gewechselt kriegt man eher als geborgt Wander 4, 1840; kanstu wechseln, so kan ich tauschen Petri 2, 413
bei Wander 4, 1840; der kann wechseln '
er bleibt keine antwort schuldig' Wander 4, 1841; mit dem kanst du nicht wechseln '
mit dem kanst du es nicht aufnehmen' Meisinger 228.
zeitschr. f. d. mda. 1916, 344 (
Oberweier, amt Rastatt); lasz dir's wechseln! wenn jemand dir etwas dafür gibt (
in bezug auf unwichtige mittheilungen) Tendlau
sprichw. u. redensarten deutsch-jüd. vorzeit nr. 513; er kann sich wëchslen lon devon,
wenn sich einer wunder was einbildet auf etwas, das ihm zu gar nichts nütze ist Martin-Lienhart 2, 786
a; es heiszt, hat dichs glück zum esel ersehn, so bleib einer, bisz dich gott zum herrn machet, denn wechseln ohne gott thut selten gut Mathesius
hist. Jesu (1572) 2, 84
bei Wander 2, 1802; wechseln macht fehlen.
[] als einer ameiszen flügel gewachsen, verliesz sie aus fürwitz ihr geschlecht ... und gesellet sich zu den bienen ... weil der winter nahend ..., ist sie von ihnen ausgemustert Kirchhof
wendunmuth 4, 347
Österley; wenn er lang (
den stand) gewechselt hat, so findet er für übel ärger. denn wechseln ist wol leicht und bald geschehen, aber bessern ist mislich und seltsam Luther 32, 378, 32
Weim. ausg. 77)
einige besondere bedeutungen treten in der technischen sprache hervor, vgl. wechsel II 5. 7@aa)
in der alten fechtersprache ist wechseln '
mit der wehr eine veränderung vornehmen': das wechseln aber ist mancherley, wechseln im zuogang von einer seiten zuor andern, wechseln vor dem angriff von einem lager in das ander, item im angreiffen gegen dem haw durchwechseln Joach. Meyer
kunst des fechtens (1570) 1, 21
a; durchwechseln, umbwechseln 3, 70
b; die handtarbeit ... ist die gröste kunst, im anbinden desz schwerts, winden, wechseln Sutorius
fechtbuch 3.
vgl. wechselhau. 7@bb)
in der reitkunst s. v. w. changiren,
von einer hand auf die andre, beim galopp vom rechtsgalopp in den linksgalopp und umgekehrt übergehen Castner
militärlex. 43
a; es war zum todtlachen, wie er über die sesseln gesprungen ist und traversirt und gewechselt v. Ebner-Eschenbach 4, 382. 7@cc)
bei der bereitung des schieszpulvers ist wechseln
oder umsetzen
die am boden festgeballte masse ablösen, um sie wieder unter die einwirkung der stampfer zu bringen Prechtl
techn. encycl. 12, 411. 7@dd)
im bergbau, die wetter wechseln,
dadurch dasz die verdorbene luft aus den gruben auszieht und frische einströmt Veith 564.
dafür früher sich wechseln: bergsucht ... wird verursachet, wenn die bergleute vor orten arbeiten, da sich das wetter nicht wechseln kan v. Schönberg
berginformation 2, 15.
auch '
sich umsetzen': die wetter wechseln sich; geschieht, da sie vormals zum stollen eingefallen und zum schacht wieder ausgezogen, sie jetzo zum schacht einfallen und uff den stollen ausziehen 2, 108. wechseln
wird auch von den grubenbauen gesagt '
wetterwechsel haben' Veith 564: bald steht ein stollen mit einem darauf abgesunkenen schacht im wetterwechsel, bald wechselt ein schacht mit einem anderen
beleg ebenda. 7@ee)
von maschinen, einen hub
oder wechsel
machen Veith 564: die pumpe .. wechselte in der minute 48 bis 50 mal
beleg ebenda. 7@ff)
aneinonderstoszen, von zwei stangen usw. (
vgl.wechsel 5
i π 2)))
in einem schacht: schachtschienen sind eisen, die an die schachtstangen, da sie wechselen, gestoszen werden Berward
phras. metall. (1702) 14. 7@gg) wechseln
oder abtrumpfen '
nennt man es, wenn man einen balken nicht von mauer zu mauer gehen läszt, sondern sein auflager durch einen wechsel (
s. d. 5
k α)
sichert' Helfft
landbaukunst 405. '
einen balken ausschneiden um einen wechsel
einzuziehen' Mothes
baulex.3 4, 353
a,
vgl. 1, 200
a. 88) wechseln
in der weidmannssprache. 8@aa)
die jagdtücher und netze nebeneinanderstellen und mit einander verbinden Behlen
lex. der forst- u. jagdk. 6, 228. Weber
ökon. lex. 638
b. 8@bb) wechseln '
sagt man von allen wilden thieren, wenn sie von einem orth oder holtz zum andern gehen, nemlich sie wechseln
da oder dorthin' Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagt geh. 1, 16; das wildpret gehet oder wechselt von und zu holz v. Heppe
vom leithund 109.
thatsächlich ist wechseln
nur vom hochwild üblich, besonders von den hirschen: wo das wild wechselt,
ubi cursus et recursus cervorum, quo redeunt saturi Frisch 2, 426
c; hier am schwarzen graben, sagte mein jäger, wechseln immer starke hirsche Laube 1, 350; im walde, im walde, da wechselt das wild. Arnim (1853
ff.) 5, 159.
doch auszer vom rehwild auch von den wildschweinen: die sauen streichen oder wechseln zu holze nach ihren lagern und kesseln v. Heppe 111; v. Holtei 23, 112.
zu grunde liegt (
vgl.wechsel II 6)
ein schon im 16.
jahrh. gebräuchliches wichseln '
die richtung verändern, kreuz [] und quer laufen': wann der hirsch wichszlet und list braucht
jag- und weidwerckbuch (1582) 1, 4
b; folgen dem thier nicht gern so viel wichszlet 7
b;
ähnlich Duez
nomencl. (1652) 191.
auch von den hasen: der hasen listiges wichseln und haackenwerffen Lehmann
Ober-Erzgebirge (1699) 531. wechseln
hat dann seine bedeutung erweitert und wird für '
seinen aufenthaltsort verändern, (
regelmäszig)
von einem ort zum andern laufen'
gebraucht. es bezeichnet namentlich auch noch '
der nahrung nachgehen': so wechseln sie (
die hirsche) in die haber-, gersten- und erbsenfelder Döbel
jägerpr. 1, 13; erlaubt es der jagdbesitzer den grundeigenthümern ... das auf ihre felder wechselnde wild todtzuschieszen Hartig
entwurf einer allgem. forst- u. jagdordnung 133;
sowie '
aus einem jagdgebiet in ein andres übertreten': wenn mir ein hundertjähriger kronhirsch aus dem landesfürstlichen herüber wechselt, so brenn' ich ihn nieder v. Ayrenhoff 3, 62; es wechselt ein hirsch vom Lutzdorfer herüber O. Ludwig 3, 21 (
erbförster 1, 4); das holz läszt unser herrgott frei wachsen und das wild wechselt aus eines herren lande in das andere v. Droste-Hülshoff 4, 68
Kreiten; wenn ihrer (
der gemsen) zu viele werden, so verläszt der überschusz den platz und wechselt nach anderen bergen Brehm
thierl.2 3, 277.
ungewöhnlich von vögeln: als wahrer standvogel wechselt sie (
die elster) selten über eine stunde weit von ihrem standorte Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 103.
auf menschen übertragen: (
Scheffel) hatte fast alle nachbarorte der burg (
Rodenstein) besucht, um dann ... ins Mümlingthal hinüber zu wechseln, wo ich seine spur von Fürstenau bis Beerfelden verfolgen konnte Riehl
kulturgesch. charakterköpfe3 174.