verwechseln,
v. ,
ahd. farwehsalôn Graff 1, 719;
mhd. verwehseln
mhd. wb. 3, 550; Lexer 3, 298;
mnd. vorwesselen Schiller-Lübben 5, 504;
mnl. (Verwijs-Verdam 1, 368)
und ndl. verwisselen.
in den ältern wbb. gewöhnlich, z. b. Diefenbach 136
b; 428
a;
voc. (1482) kk 1
b;
voc. inc. teut. ii 6
b; Frisius 265
a; 387
b; 473
a; 621
b; Calepinus
XI ling. 281
b; 1068
a; Reyher
thes. u 5 r
a; Dentzler 316
a; Steinbach, Adelung, Campe.
mundartlich lebendig, s. schweiz. id. 1, 909;
schwäb. Fischer 2, 1405;
berlin. Brendicke 189
a;
luxemb. verwiesselen Gangler 470; verwesseln
oberhess. Crecelius 880;
cronenb. Leihener 37
a;
preusz. Frischbier 2, 444;
pomm. Dähnert 529
a;
ostfries. Doornkaat-Koolman;
wald. ferwäselen Bauer-Collitz 32;
fries. forwikselje Dijkstra 1, 426;
nordfries. verweksle Jensen 118.
auch in der literatur begegnen abweichende lautformen: verwichseln Paracelsus
chir. bücher u. schr. 552
H.; Nas
antipap. eins u. hundert 118
b; verwesselen
pilgerfahrt des ritters v. Harff 59; vorwelschen (
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 6)
und verweschlen (Baumann
quellen zur gesch. d. bauernkriegs 1, 58)
sind wohl nur schreibfehler. der gebrauch ist durchweg transitiv, anderes begegnet nur ganz vereinzelt: der mag ein stund vor dem schlaf alle cammerfenster und thürn eröffnen und den luft wol durchstreichen und ihn darin verwexlen lassen Guarinonius
greuel d. verwüst. 1288.
gleichfalls vereinzelt ist ableitung von wechsel II 5 k
α (
th. 13,
sp. 2702): aber die seyten der dachungen belege man mit ... schalen, zwifach ..., also das die obern schalen im auflegen mit den fuegen auf den undern schalen verwechselt werden Dürer
befestigung d. stett E 4
a. II.
bis zum 18.
jahrh. in sehr weitem bedeutungsumfang: einen wechsel, eine änderung mit etwas vornehmen, auch ohne dasz die gewöhnlich mit v.
verbundene vorstellung, dasz eine grösze durch eine andere ersetzt wird, dasz eine andere an ihre stelle tritt, zur geltung kommt. I@aa)
von personen; das aussehen verändern: wie verkehrest du die farb im angesicht? wie verwechslest du dich? Guarinonius
greuel d. verwüst. 1003.
einen des verstandes, der besinnung berauben: Hainz Schneider, was sind das für wort? ich meyn, du seyst verwechselt worn H. Sachs 17, 186
G. umquartieren: demnach auch theils officierer bisher die reuter nach eigenen gefallen umquartieret und verwechselt v. Fleming
teutsche soldat (1726) 253.
wechselnd behandeln: (
Helena) ward immerdar mit glück und ungelück verwechselt
V. Schumann
nachtbüchlein 136
B.; du (
Mars) machst die welt zur beute, durchwanderst stadt und land, verwechselst ihre leute Opitz
opera (1690) 1, 107. I@bb)
mit sächlichem object; einen zustand verändern: sô habt ir âne schande wol verwehselt iuwer leben Hartmann v. Aue
Erec 3796; einen zustand, den zu v., es nicht mehr in eurer gewalt steht Sonnenfels
ges. schr. 3, 477;
ebenso eine eigenschaft, eine function: die alten kranckheiten verwechslend ihren schmertzen, und ist nit allezeit gleich Paracelsus
chirurg. bücher (1618) 229
c;
einen brauch: wie vor zeiten der reine gottesdienst zu Hierusalem ubel verwechslet worden Heilbrunner
augspurg. confession 118.
etwas nach stellung, lage verändern: die hurten ... kan man biszweilen v. und umlegen, damit alles (
obst) fein gleich abdörre Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 61. auf jemanden v.,
vererben: das Christus sein priesterthum, als er gen himel gefarn ist, auf
s. Peter, und
s. Peter auf den bapst verwechsslet hat Luther 8, 485
W. I@cc)
vermischen, vermengen, durchsetzen: so vermischen und v. sie die eigenschaften diser beiden lieben Spee
tugendbuch vorr. 3
b; mit etwas v.: personen, die ihre tugenden mit keinen lastern v. Butschky
Pathmos 443; weil er (
der könig von England) ... das parlement mit päbstischen beisitzern v. lassen Stieler
zeitungslust 195. I@dd)
das part. prät. verwechselt,
verändert: noch pist, Teutschland, so gar verkert, verwechselt in all gueten stücken mit schentlich lesterlichen dücken H. Sachs 22, 219
G.; ist das weib dermaszen schon v. gewesen, das ich sie schier nimmer gekennt Guarinonius
greuel d. verwüst. 33;
in neuerer zeit wohl stets in dem sinne von umgetauscht, ein andrer geworden, was nach II
weist: du bist ja ganz v.! Grillparzer 13, 85
S.; du bist eben ganz von grund aus v.! G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 105.
verschieden, verschiedenartig: zu ungewissen und verwechselten zeiten Hohberg
georgica cur. (1682) 1, 82; tief in den herzen verwechselt sind wir; auf tobender woge, die aufbrauset in mir, schreitest du (
Bettine) kühn und behend, sänftigest sie, dasz sie hell, dasz sie melodischer klingt Brentano
ges. schr. 2, 484.
verwirrt, zerstört: mit ... verwickleten, verwirrten, verwechsleten, verwildten ... traumen Abraham a
s. Clara
Judas d. ertzschelm 1, 3; mich für einen somnambüle zu geben, der durch verwechselte sinne zu seinen vorstellungen gelangt Göthe IV 29, 219
W. IIII.
weit überwiegend in dem sinne, dasz etwas anderes an die stelle einer person oder sache gesetzt wird. II@11)
das object bedeutet meist das, was durch etwas anderes ersetzt wird, zuweilen aber auch den ersatz: hoffe ..., ihr werdet mich an seine statt gegen ihm verwechsslen (
mich statt seiner zum geliebten annehmen)
buch der liebe (1587) 16
d; es ist der thorheit lehre: verwechseln gold für ertzt und für verlust der ehre die wollust tauschen ein Lohenstein
Ibrahim sultan 8; verwechselst du gleich itzt die Pleisze mit der Elbe und ziehst nach Leipzig fort Triller
poet. betrachtungen 6, 305; an einem fremden orte, den man mit seiner vaterstadt verwechselt Gottschedin
briefe 1, 224.
besonders in den wendungen einem etwas v.,
wo das object zwar der gegenstand ist, der ersetzt wird, das subject aber diesen gegenstand nicht hergibt, sondern erhält und dafür den ersatz liefert: item ... hat mir die L. eczlich alt cerprochen czin verwechselt, darauf par geben 2 ℔. 26 D Tucher
haushaltbuch 110
lit. ver.; daz er (
Laban) ihm zehenmal seinen lohn verwechselt Luther 24, 538
W.; aber mein hut war nicht da, man hatte ihn mir verwechselt und statt dessen einen alten schabbesdeckel hingelegt Brentano
ges. schr. 5, 354. II@22)
etwas hingeben, um etwas anderes dafür zu erhalten: daz sie ... ir gut mugen vorkoufen oder vorwechslen (1294)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 6; die höfe, noch die dörfer ze B. und ze U., noch lüte, noch guter derselben dörfer und höfe ... niemer verkoufen, versetzen noch v. (1347)
weisthümer 1, 30; die gter ... nit zerteilen, sndren, verendren, verlyhen, verkoufen, noch verwechslen Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1509) y 2
b; ich mag euch verschencken, verkaufen, verstechen, verjagen, verschicken, v., verbeuten, ihr seid mein avec tous ces deffauts, nicht anders als leibeigen Gryphius
lustspiele 151
P. in besonderer bedeutung vom umtausch von geld gegen andere währung oder andere werthsorten, vgl. wechseln 5 a: als biszhere auszerhalb der geschworen wechsler manigfeltiglich golt und müntz eingekauft und verwechselt ist worden
Nürnberger polizeiordnungen 146
B.; item am pfintztag darnach da prent man sein dirn durch ped packen und durch (
die) stirn: het im (
dem falschmünzer) die gulden verwechselt (
Nürnberg 1493)
chron. d. d. städte 11, 572; denn wenn ein fleischer kam und batzen zu verwechseln brachte Henrici
ernst-, scherzh. u. satir. ged. 3, 462; und wurde den reisenden auferlegt, dasz sie ihr geld v. und den wirth befriedigen sollten Brentano
ges. schr. 4, 468. II@33)
vom austausch gleichartiger gröszen. II@3@aa)
von wirklichem austausch: die kleider v. H. Sachs 11, 350
K.; J. Barth
weiberspiegel F 2
b; O. Jahn
Mozart 4, 338; esz wasz die sag, sy hetten seltzam spil mit ainandren getrieben, die weiber verwechslet und umb lassen gaun Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges 1, 158; welchs (
stück land) alwege das ander jahr wider frei ward und ... an einen andern kam, das sie also alle jahr die felder verwechselten Cyr. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 8
a; er ... verwechselte mit ihr zum zeichen ihrer verbindung etliche mahlschätze Lohenstein
Arminius 1, 80
b; dasz ich mit einem ... tugendreichen mädchen ringe verwechselt Holtei
erzähl. schr. 15, 180; die bücher von beyden theilen auszusuchen, welche nützlicher verwechselt werden könnten Lessing 18, 348
M. freier: dasz das wasser und die erde ihre stellen miteinander verwechselt haben Prätorius
anthropodemus 1, 60; wie man zwei menschen ihre leibsgestalt v. läszt Fouqué
held. d. nordens 1, 130. II@3@bb)
wie wechseln 1 b
vom austausch von gebärden, mittheilungen, bezeugung von freundschaft oder feindschaft: man solte keinen kusz mit geringen personen
v. Chr. Weise
polit. redner (1677) 468; nach seinen und der andern fürsten gegen sie verwechselten höfligkeiten Lohenstein
Arminius 1, 327
a; unter denen hin und wieder verwechselten reden 2, 128
b; vertauschet die herzen, verwechselt die hand v. König
ged. 257; dasz ... man böses mit bösem verwechselte Herder 5, 532
S.; auch concret: den 1. juli ist ein ernster scharmützel ... gehalten worden, so bei vier stunden geweret, und achtmal die kugeln verwechselt worden C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 465
a. II@3@cc) sich v.,
ineinander übergehen, gleichartig, ein und dasselbe werden: zwischen herrn und mann seyen glauben und treue also beschaffen, dasz sie sich v. und beede nach gleichem recht geachtet werden Hohberg
georgic. curiosa aucta 3, 1, 8
b; wie sich der eltern hertzen verwechselt und in einander verwandelt v. Besser
schr. 2, 365
K. II@44)
etwas durch etwas anderes ersetzen, in neuerer sprache meist durch einfaches wechseln
oder auswechseln
vertreten. II@4@aa)
von personen: wer täglich seine freund verwechselt und verkieset Lehman
floril. polit. (1662) 4, 113. v.
durch unterschiebung: wir werden underricht, wie dasz dich eine hure usz der Metergaszen zu Erfurt verwechselt habe in der wigin (
ca. 1470)
rechtsalterthümer4 2, 206; ob aber der teufel gewalt habe, die kinder zu stelen, und die v. möge Ruoff
hebammenbuch 150; den tagüber Byrons verwechselten wechselbalg (
the deformed transformed) gelesen Göthe III 10, 266
W.; dasz dem könig Pipin seine frau verwechselt ward L. Steub
wanderungen im bayr. gebirge 212.
von amtsenthebung und ersetzung durch einen andern: er ist aber noch ... pfarrherr zu G., er sey dann seiderher verwichselt worden Nas
antipap. eins u. hundert 2, 118
b; die könige selbst müssen ihnen (
den druiden) zu gebote leben, sintemahl diese mehr verwechselt und ... abgesetzt werden, jene aber bleiben hingegen unverändert Lohenstein
Arminius 1, 971
a; nur konnte ... kein prior ohne erhebliche ursachen entfernt oder verwechselt werden Raumer
Hohenstaufen 6, 337. II@4@bb)
von sachen, auch von thieren: die verwechsslet den käs und bracht im einen kleynern käs
summerteil d. heiligenleben 155
b; der valckner sol auch füro dem valcken die vogeln verwächseln, also das im aintzlingen nach ainander ye gröszer und ye gröszer für hebe Mynsinger
von den falken 19; sie solten ire pferde v. und andere nemen Warbeck
Magelone 32
B.; auf verwechselten pferden Lohenstein
Arminius 1, 37
a; doch soltu die purgierenden latwergen in einem jeden gebrechen änderen und v. Ryff
confectbuch 24
b; ein arzt müste nach veränderung der krankheit seine artztneyen v. Lohenstein
Arminius 2, 278
b; meine mutter ... versicherte auf ehre, pflicht und gewissen, dasz dieses stück gewand (
ein angeblich sehr altes brusttuch) fünf oder mehr mal verwechselt wäre Hippel
lebensläufe n. aufst. linie 1, 71; so verändert oder verwechselt auch das thier aus der erden, der falsche prophet, seine werkzeuge Jung-Stilling
w. 3, 273. II@4@cc)
eine örtlichkeit v.,
im kinderspiel: wir (
in Frankreich) v. im verwechselspiele ahornbäume, ihr (
in Deutschland) vielleicht tannen Gutzkow
ritter vom geiste 5, 240; deshalb er all monat sein zellen verwechselt, in ein andre zug H. Sachs 9, 294
K.; mein mehrmals verwechselter aufenthaltsort Ritter
erdkunde 1, VII; weg, strasze, steg und pfad verwechselt er gar oft D. v.
d. Werder
ras. Roland 4.
ges., 54.
str. II@4@dd)
das amt v.: das kein bischof oder pfarherr sein bisthumb oder pfarr verwechszel Seb. Franck
chronica, zeytb. (1531) 321
b. II@4@ee)
namen, aussehen, sprache v.: under Ungarn verwächsslet sie (
die Donau) den namen und wird Ister genent Stumpf
Schweizerchronik 53
b; bisz er sich endlich wider in menschliche gestalten veränderte und dieselbe öfter verwechselte Grimmelshausen 2, 167
Kurz; wie ein chamäleon die farbe oft verwechselt Lindenborn
Diogenes 2, 802; seine sprache und nation zu v. Solger
nachgel. schr. 1, 26. II@55)
zuweilen in der bedeutung abwechseln lassen, abwechselnd gebrauchen, mit etwas abwechseln: dan seiner händen werck ist das liechtreich gezelt, das alle welt, verwechslend nacht und tag, verduncklet und erleuchtet Weckherlin
ged. 2, 54
F.; andre sitzen und weben, geschickt die fäden verwechselnd Göthe 4, 327
W.; in dieser stellung hüpft man einige mal von einer pausche zur anderen, indem man immer die hände verwechselt
F. L. Jahn
w. 2, 47
E. auch reflexiv: herbs und lentz verwechseln sich Simon Dach
in Königsb. dichterkreis 244
ndr. II@66)
den gegenstand, der an die stelle eines andern gesetzt wird, drücken präpositionale wendungen aus: II@6@aa)
vereinzelt begegnen: v. zu,
nur mhd.: eintweder sin verweselt wir zu kinden, oder sie habent lewen hertze verslunden dort jenhalp in den heiden
jüng. Titurel 4545, 4. v. für: all mijn gelt verwesselen vur nuewe Venecianer ducaeten v. Harff
pilgerfahrt 59. v. durch,
ersetzen: als Carl der
V. seine ... regierung durch ein stilles und geruhiges klosterleben v. wolte Chr. Weise
polit. redner (1677) 470. II@6@bb) v. gegen,
austauschen: ihren ... gegen gleichwichtiges gold zu v. gewohnten flachs Lohenstein
Arminius 2, 185
b; (
die geiseln,) die sie alle drey jahre gegen eine gleiche zahl v. sollten Haller
Usong 367; ich muszte meine mütterliche sprache gegen die eure v.
F. M. Klinger
neues theater 1, 136; vielleicht kann ich es (
ein pferd) noch gegen ein anderes v. E. v. Stägemann
bei H. v. Olfers
lebenslauf 1, 319. II@6@cc) v. um: lasz dich benügen an din selbs person und verwechsel die umb ein andre (
lasz andere dafür töten)
buch der beispiele 145; umb ander gueter, zins, zehenden, rent und gült mag ain yeder das sein verkouffen, v. und damit handlen frei und unverhindert
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 378; A. ... sein (
geld) verbechselt het umb einen guldin ring Arigo
decamerone 90
K.; die freiheit umb knechtschaft zuo v. und abzutauschen Seb. Franck
chronica (1531) 100
b; wenn einer etwan ein gülden ... umb meitlein (
th. 6,
sp. 1988) verwechselt Mathesius
Sarepta (1571) 167
a; dasz die frau dem mann sol gehorsam seyn und keins das ander umb eines andern willen v.
buch der liebe (1587) 159
b;
F. würde das glück, seine Eleonore zu besitzen, nicht um throne verwechselt haben Sonnenfels
ges. schr. 2, 36. II@6@dd) v. in,
gewöhnlich beim geldwechseln: er verwechselte zum theil sein gold in grobe teutsche silberne sorten Grimmelshausen
Simplicissimus 495
ndr.; sie ... lieszen sich ein goldstück in kleine münze v. Gutzkow
ges. w. 6, 111;
aber auch sonst mehrfach im sinne von verwandeln in: und diese feindschaft ... in solche freundlichkeit verwechslet ware
Amadis 1, 409
K.; alles elend und widerwertigkeit in eine anmuhtige liebligkeit verändern und verwächseln Schupp
schr. (1663) 421. II@6@ee)
weitaus das gewöhnlichste ist v. mit. II@6@e@aα)
anstelle einer sache eine andere gebrauchen: (
die tochter des dr. B.,) welche unter anführung eines klugen vaters nicht selten die nehnadel mit dem zergliederungsmesser verwechselt Schwabe
belustigungen 5, 364; ich habe geraucht, als ich kaum von meiner mutter brust entwöhnt war; die warze mit dem pfeifenmundstück verwechselt Lenz
ges. schr. 1, 44
T.; das schwert mit dem werkzeug des knechts zu v.
F. M. Klinger
neues theater 1, 22.
besonders von kleidern: Adam und Eva ... (
haben) solche felle, wann sie durchlöchert worden, ... mit neuen verwechselt Abraham a
s. Clara
etwas für alle 2, 25; die winterkleider mit den sommerkleidern zu v.
allg. d. bibl. 110, 77. v.
von buchstaben und worten s. u. III. II@6@e@bβ)
von eigenschaften und zuständen: das du die vornunft mit unvornunft vorwechselt und ausz einem menschen ein bock worden ist Luther 7, 262
W.; frieden und ruhe mit unfrieden und krieg ... verwechseln v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 312; alles empfundene hertzeleid ... mit vielfältiger freude
v. Chr. Weise
polit. redner (1677) 173; diesem herrn (
dem erbprinzen von Braunschweig) vielmals zu wiederholen, dasz ich meinen zustand mit dem seinigen nicht v. wolle Winckelmann
bei Justi
Winckelmann 2, 2, 329.
besonders das leben mit dem tode v.: ein alter mann, der villicht och des nechsten tags das leben mit dem tod verwechslet Steinhausen
privatbriefe d. mittelalters 1, 392; disz leben mit einem pesseren (Seb. Franck
chron. Germ. [1538] 265
a), ein mühseliges leben mit einem freiwilligen tode (Bode
Montaigne 3, 61), staat und thron mit der gruft (Gryphius
trauerspiele 162
P.), das zeitliche mit dem ewigen (Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 18), eine notariatsstelle mit dem himmel (Lenz
lustspiele nach dem Plautus 5) v.
ungewöhnlich ist, dasz es sich dabei um das leben eines andern handelt: man bund und füret in dahin auf den felsz Tharpejum und in hinab in die tief Tiber stürtzet. so wurd sein leben im abkürtzet und im verwechselt mit dem tod H. Sachs 8, 628
K. ohne unmittelbare ergänzung findet sich die wendung schon mhd.: verwehselt hâst du wol dîn leben: du hâst dîn wesen hie gegeben, daz dû mit dînen brüedern hæte in dirre werlde unstæte, umbe der engel gemeine Lamprecht v. Regensburg
s. Franzisken leben 4030
W. II@6@e@gγ)
von veränderung des aufenthaltsortes: Hannover, welches ich künftigen montag mit der heerstrasze nach Osnabrück v. werde Lichtenberg
br. 1, 69
L.; wer einen völlig dunkeln ort mit einem, den die sonne bescheint, verwechselt, wird geblendet Göthe II 1, 4
W. II@6@e@dδ)
von arbeit, thätigkeit: das man ... die kindische kurzweilen (
heranwachsender mädchen) mit ernsthafter arbeit verwechselen solle Fischart 3, 189
H.; bei dem v. einer arbeit mit der andern
aus Schleiermachers leben 1, 359. II@77)
technische ausdrücke: II@7@aa)
coagmenta alterna, verwechselte steinlagen oder eingelegte arbeit Corvinus
fons latinitatis 27;
in der heraldik: 'verwechselt,
in der wapenkunst, wenn bild und feld mit einander wechseln und eines des andern farbe hat' Jablonski 816
a; mit verwechselten färbungen oder verwechselter färbung Siebmacher-Gritzner
wappenbuch (1890) 67; v. Querfurth
wb. d. herald. terminologie 166. II@7@bb)
in der musik: der sechste modus hypolidius ... ist ... nicht mehr vorhanden, wegen des unzeitigen verwechslens des lydii und hypolidii mit dem jonico und hypojonico C. Spangenberg
musica 87
lit. v.; wenn man vor der resolution den ton der grundstimme mit einem andern in der rechten hand verwechselt, so gehet eine verwechselung der harmonie vor Ph. E. Bach
art das clavier zu spielen 2, 28; verwechselte trompeten- und schalmeyenmusik Morhof
unterricht 2, 165, harmonie Heinichen
generalbasz 661; der verwechselte accord Sulzer
theorie d. schön. künste 4, 675. II@88)
vereinzelt das absolute part. präs. verwechselnd
wechselweise, gegenseitig: dan meine sehl in dich, in mich dein sehlelein verwechslend haben sich durch disen kusz vergangen Weckherlin
ged. 1, 474
F. bei Lohenstein
mehrfach verwechselt
in ähnlicher bedeutung: das saltz im lieben ist verwechselte begierde, vertauschte gegenhold
Ibrahim sultan (1680) 34; die verwechselte liebe der menschen
Arminius 1, 351
a; die freundschaft ist eine verwechselte verknipfung zweier hertzen 2, 24
a; A. und S., welche den untergang beider fürstlichen häuser beschworen und durch verwechseltes austrinken ihres eigenen blutes bekräftigt hatten 2, 925
b. IIIIII.
in neuerer zeit schlieszt v.
gewöhnlich, in neuester zeit fast ausschlieszlich die vorstellung eines irrthums in sich: III@11)
eine sache irrthümlich an die stelle einer andern setzen, irrthümlich statt einer andern gebrauchen. occasionell begegnet dieser gebrauch seit dem 16.
jahrh.: wir haben unsere füsz under einander verwexelt, das keiner weyszt, welcher sein fuosz hat Schumann
nachtbüchlein 32
B.; ähnlich grillenvertreiber 123. v.
bedeutet hier an sich wohl nichts anderes als vertauschen, aber dies vertauschen hat zur folge, dasz man die vertauschten gegenstände nicht mehr unterscheiden kann. in andern fällen kann das v.
als folge eines irrthums aufgefaszt werden; das erscheint zuerst in wendungen, die das vertauschen von buchstaben und wörtern ausdrücken, oft ganz neutral gemeint: denn das ch wird öfters durch ein bloszes h ausgedrückt und u häufig mit y verwechselt Jac. Grimm
kl. schr. 4, 4;
auch vom grammatisch geregelten lautwechsel: gunst ... mit dem u ist genehm, dann es von gönnen herkömmet: weil die selblautende buchstaben, wie bekannt, sich untereinander verwechseln Harsdörfer
teutsche secretarius 1, 496; Gueintz
rechtschreib. (1666) 75.
zuweilen ist offenbar absichtliches v.
gemeint: da dann die worte und arten zu reden zum öftern einander sehr gleich und dannenhero nichts leichters als ein wort mit dem andern, eine art mit der andern zu v. Bastel v.
d. Sohle
Harnisch aus Fleckenland 7; es (
das wort und) kehret so oft wieder, dasz selbst Luther glaubte, es zuweilen mit da v. zu müssen Krummacher
das wörtlein und 45;
doch liegt in solchen fällen die voraussetzung eines irrthums sehr nahe: ir wisset wol, das mir ettliche (
drucker) nit alleyn wort vorwechselt, sonder dartzu die sententzen vorfinstert ... haben Karlstadt
bei Luther 18, 466
W.; commandirt er zu geschwinde und verwechselt in der hitze eines mit dem andern, so wird die exercirende mannschaft hierdurch confus und irre gemacht v. Fleming
teutsche soldat (1726) 228; ir verwechselt die diphthongen
αι und
ει A. W. Schlegel in:
Athenäum 1, 14; er ... verwechselte fortwährend das mir und mich Gaudy 2, 89; mir und mich verwechselt Behaghel
gesch. d. d. sprache5 569.
in neuerer zeit umgangssprachlich in scherzhafter übertragung mein und dein v.
besonders gern von namen: der copiste hat die namen der beiden inseln auf der karte verwechselt Göthe 18, 370
W.; er wuszte nicht, dasz das gerücht die ortsnamen verwechselt hatte O. Ludwig
ges. schr. 1, 318.
sonstige belege sind in der literatur nicht eben häufig: wie getrauwstu einem stück zu helfen, welches mit pulver geladen wer, und die kugel wer verwechszlet, also das etwan ein gröszere genommen würde Fronsperger
kriegsbuch 1, 154
a; man bittet, beym auspacken vorsichtig zu werke zu gehen, damit die nummern nicht verwechselt werden Göthe IV 36, 42
W.; so habe auch ich den meinen (
hut) glücklich nach hause gebracht, ohne ihn zu verwechseln Thümmel
reise in die mittägl. prov. 6, 232. III@22)
fruchtbar ist eine bedeutungsverschiebung, durch die der schwerpunkt von der äuszeren handlung des vertauschens auf die innere des irrthums verlegt wird, v.
bedeutet nun den unterschied zwischen verschiedenen gröszen verkennen. dabei kann es sich um eine vollständige verwechslung handeln, indem man eine grösze für eine andere hält, oder um eine theilweise: man verwechselt zwey dinge, wenn man dem einen eigenschaften beylegt, die nur dem andern zukommen Lessing 10, 273
M. gleichbedeutend sind die wendungen mehrere gröszen v.
und eine grösze mit einer andern v.
zuweilen wird nur eine grösze genannt, eine gleichartige, mit der die genannte verwechselt wird, ist zu ergänzen: mit welcher brühe wollt ihr gegessen werden? sie (
die hühner) darauf: aber wir wollen gar nicht gegessen werden. er (
der koch): ihr verwechselt den stand der frage Dahlmann
franz. revol. 111. III@2@aa)
von concreten gegenständen: die stinckkugeln haben eine gleichmäszige beschaffenheit mit den giftkugeln, werden auch dahero von einigen verwechselt v. Fleming
teutsche soldat (1726) 72; am tage verwechselt man den mond mit einem blassen wölkchen Lichtenberg
br. 2, 62
L.; die obelisken müssen nicht mit den hermessäulen verwechselt werden
F. H. Jacobi 6, 317. III@2@bb)
von personen. III@2@b@aα)
ein individuum für ein anderes halten; wegen ähnlichen aussehens: obgleich der graf ... Wilhelmen mit einem jungen Engländer in des prinzen gefolge mehr als einmal verwechselte Göthe 23, 294
W.; wir (
Raumer und ich) sollen uns beide so ähnlich sehen ..., und jetzt werden wir von jedermann verwechselt W. Grimm
in briefw. zw. J. u. W. Grimm (1881) 126.
daher die meist von personen gebrauchten wendungen zum
oder bis zum v. ähnlich: Schiller 14, 132
G.; Sturz
schr. 2, 305; Schnitzler
Anatol (1901) 92; sich
oder einander zum v. gleich sehen
oder gleichen: Bauernfeld
ges. schr. 2, 248; Immermann 1, 20
B.; Gaudy 14, 136.
wegen gleichheit oder ähnlichkeit der namen: wer siehet nicht, dasz Witikindus ... allhier strauchle und zwey Ludovicos mit einander verwechsele Hahn
staats-, reichs- u. kayserhist. 1, 300; zu Aachen im alten dome liegt Karolus Magnus begraben, — man musz ihn nicht verwechseln mit Karl Mayer, der lebt in Schwaben Heine 2, 435
E. dazu vielfach die vorbeugungsformel: Philipp Jacob Martin — nicht zu v. mit Vincenz Martin, dem componisten der cosa rara O. Jahn
Mozart 3, 199.
wegen gleicher wesensart, gleichartiger leistung: dasz man uns in unsern arbeiten verwechselt, ist mir sehr angenehm Göthe IV 10, 355
W.; und wär der leidige unterschied von auszen nicht, ..., wir (
Franz u. Karl Moor) würden zehnmal verwechselt Schiller 2, 54
G. III@2@b@bβ)
ein individuum irrthümlicherweise in eine bestimmte gruppe einordnen: dasz ... unsre geistlichkeit ... aufhören soll, mich mit den neuen reformatoren zu verwechseln Lessing 18, 360
W.; eh mich die welt mit jenen elenden verwechselt, die der tag erschafft und stürzt, eh spreche welt und nachwelt meinen namen mit abscheu aus Schiller 12, 231
G. (
Wallensteins tod 1, 7); ich bitte, ... diesen menschen mit keinem gewöhnlichen gartenknecht zu verwechseln Nestroy
ges. w. 2, 83. III@2@b@gγ)
die beschaffenheit einer gruppe auf eine andere übertragen: man musz übrigens die Altfranken ja nicht mit unserm pöbel v. Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 8; das preuszische volk insgesammt wurde mit seinen offizieren und geheimeräthen verwechselt Gutzkow
ges. w. 10, 254. III@2@cc)
von abstractem und geistigem: ihr (
der alten) zweck war niemals, die nachahmung in dem grade illusorisch zu machen, dasz sie mit der natur selbst hätte können verwechselt werden Gerstenberg
recens. in d. Hamb. neuen zeitung 280
lit.-dkm.; eine physische weltbeschreibung darf daher nicht mit der sogenannten encyclopädie der naturwissenschaften ... verwechselt werden A. v. Humboldt
kosmos 1, 40.
oft von privaten und öffentlichen zuständen und einrichtungen: mit dem recht der ersten bitte sind die sogenannten panisbriefe nicht zu verwechseln
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 605; letzteres (
das römische connubium) ist nicht zu verwechseln mit einem eheverbot Jhering
geist d. röm. rechts 1, 181; nach wenigen tagen war sie (
die krankheit) so weit vorgeschritten, dasz sie auch von laien mit einer gewöhnlichen unpäszlichkeit nicht mehr verwechselt werden konnte
M. Meyr
erzähl. a. d. Ries 3, 181.
theilweises v.
ist ausgeprägt in: das alte miszverständnis, welches ... mahlerei und sculptur unaufhörlich von neuem verwechselt Fr. Schlegel
s. w. 6, 61; sie v. auch in diesem falle ... die belgische mit der preuszischen verfassung Bismarck
polit. reden 3, 19
Kohl. am gewöhnlichsten von abstracten begriffen gegensätzlicher oder nah verwandter, aber nicht gleicher art: genie und geschmack (Ramler
einl. i. d. schön. wissensch. 1, 24), mittel und zweck (Göthe 25, 105
W.; Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 22
M.), handeln und denken (J. G. Forster
s. schr. 3, 183), talent und bedürfnis (Geibel 5, 34
Cotta), ursache und wirkung (Holtei
erzähl. schr. 22, 50), nachruhm mit dem verdienste (Abbt
verm. w. 1, 15), die wirkung der schönheit mit der schönheit selbst (Gerstenberg
recensionen in d. Hamb. neuen zeitg. 156
lit.-dkm.), das idealisiren mit dem moralisiren (Herder 22, 299
S.), vorsicht mit mistrauischer genauigkeit (Meiszner
Alcibiades 1, 218), das wahre komische mit dem possenhaften (E. Th. A. Hoffmann 4, 48
Gr.), die sogenannte zwecklosigkeit der kunst mit grundlosigkeit (G. Keller 2, 14), ordnung mit pedanterie (Wilhelm I.
milit. schr. 1, 566) verwechseln.
oft ist nur von einem v.
der worte die rede: sie v. die worte pracht und grösze A. G. Meiszner
skizzen 2, 148; dasz die worte kezerei und rebellion verwechselt würden Schiller 4, 100
G.; daher denn auch anderwärts in der apologie die ausdrücke busze und bekehrung verwechselt werden Schleiermacher I 4, 170. —