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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verwechseln v.

Bd. 25, Sp. 2143
verwechseln, v. , ahd. farwehsalôn Graff 1, 719; mhd. verwehseln mhd. wb. 3, 550; Lexer 3, 298; mnd. vorwesselen Schiller-Lübben 5, 504; mnl. (Verwijs-Verdam 1, 368) und ndl. verwisselen. in den ältern wbb. gewöhnlich, z. b. Diefenbach 136b; 428a; voc. (1482) kk 1b; voc. inc. teut. ii 6b; Frisius 265a; 387b; 473a; 621b; Calepinus XI ling. 281b; 1068a; Reyher thes. u 5 ra; Dentzler 316a; Steinbach, Adelung, Campe. mundartlich lebendig, s. schweiz. id. 1, 909; schwäb. Fischer 2, 1405; berlin. Brendicke 189a; luxemb. verwiesselen Gangler 470; verwesseln oberhess. Crecelius 880; cronenb. Leihener 37a; preusz. Frischbier 2, 444; pomm. Dähnert 529a; ostfries. Doornkaat-Koolman; wald. ferwäselen Bauer-Collitz 32; fries. forwikselje Dijkstra 1, 426; nordfries. verweksle Jensen 118. auch in der literatur begegnen abweichende lautformen: verwichseln Paracelsus chir. bücher u. schr. 552 H.; Nas antipap. eins u. hundert 118b; verwesselen pilgerfahrt des ritters v. Harff 59; vorwelschen (lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 6) und verweschlen (Baumann quellen zur gesch. d. bauernkriegs 1, 58) sind wohl nur schreibfehler. der gebrauch ist durchweg transitiv, anderes begegnet nur ganz vereinzelt: der mag ein stund vor dem schlaf alle cammerfenster und thürn eröffnen und den luft wol durchstreichen und ihn darin verwexlen lassen Guarinonius greuel d. verwüst. 1288. gleichfalls vereinzelt ist ableitung von wechsel II 5 k α (th. 13, sp. 2702): aber die seyten der dachungen belege man mit ... schalen, zwifach ..., also das die obern schalen im auflegen mit den fuegen auf den undern schalen verwechselt werden Dürer befestigung d. stett E 4a. II. bis zum 18. jahrh. in sehr weitem bedeutungsumfang: einen wechsel, eine änderung mit etwas vornehmen, auch ohne dasz die gewöhnlich mit v. verbundene vorstellung, dasz eine grösze durch eine andere ersetzt wird, dasz eine andere an ihre stelle tritt, zur geltung kommt. I@aa) von personen; das aussehen verändern: wie verkehrest du die farb im angesicht? wie verwechslest du dich? Guarinonius greuel d. verwüst. 1003. einen des verstandes, der besinnung berauben: Hainz Schneider, was sind das für wort? ich meyn, du seyst verwechselt worn H. Sachs 17, 186 G. umquartieren: demnach auch theils officierer bisher die reuter nach eigenen gefallen umquartieret und verwechselt v. Fleming teutsche soldat (1726) 253. wechselnd behandeln: (Helena) ward immerdar mit glück und ungelück verwechselt V. Schumann nachtbüchlein 136 B.; du (Mars) machst die welt zur beute, durchwanderst stadt und land, verwechselst ihre leute Opitz opera (1690) 1, 107. I@bb) mit sächlichem object; einen zustand verändern: sô habt ir âne schande wol verwehselt iuwer leben Hartmann v. Aue Erec 3796; einen zustand, den zu v., es nicht mehr in eurer gewalt steht Sonnenfels ges. schr. 3, 477; ebenso eine eigenschaft, eine function: die alten kranckheiten verwechslend ihren schmertzen, und ist nit allezeit gleich Paracelsus chirurg. bücher (1618) 229c; einen brauch: wie vor zeiten der reine gottesdienst zu Hierusalem ubel verwechslet worden Heilbrunner augspurg. confession 118. etwas nach stellung, lage verändern: die hurten ... kan man biszweilen v. und umlegen, damit alles (obst) fein gleich abdörre Hohberg georgica curiosa (1682) 1, 61. auf jemanden v., vererben: das Christus sein priesterthum, als er gen himel gefarn ist, auf s. Peter, und s. Peter auf den bapst verwechsslet hat Luther 8, 485 W. I@cc) vermischen, vermengen, durchsetzen: so vermischen und v. sie die eigenschaften diser beiden lieben Spee tugendbuch vorr. 3b; mit etwas v.: personen, die ihre tugenden mit keinen lastern v. Butschky Pathmos 443; weil er (der könig von England) ... das parlement mit päbstischen beisitzern v. lassen Stieler zeitungslust 195. I@dd) das part. prät. verwechselt, verändert: noch pist, Teutschland, so gar verkert, verwechselt in all gueten stücken mit schentlich lesterlichen dücken H. Sachs 22, 219 G.; ist das weib dermaszen schon v. gewesen, das ich sie schier nimmer gekennt Guarinonius greuel d. verwüst. 33; in neuerer zeit wohl stets in dem sinne von umgetauscht, ein andrer geworden, was nach II weist: du bist ja ganz v.! Grillparzer 13, 85 S.; du bist eben ganz von grund aus v.! G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 105. verschieden, verschiedenartig: zu ungewissen und verwechselten zeiten Hohberg georgica cur. (1682) 1, 82; tief in den herzen verwechselt sind wir; auf tobender woge, die aufbrauset in mir, schreitest du (Bettine) kühn und behend, sänftigest sie, dasz sie hell, dasz sie melodischer klingt Brentano ges. schr. 2, 484. verwirrt, zerstört: mit ... verwickleten, verwirrten, verwechsleten, verwildten ... traumen Abraham a s. Clara Judas d. ertzschelm 1, 3; mich für einen somnambüle zu geben, der durch verwechselte sinne zu seinen vorstellungen gelangt Göthe IV 29, 219 W. IIII. weit überwiegend in dem sinne, dasz etwas anderes an die stelle einer person oder sache gesetzt wird. II@11) das object bedeutet meist das, was durch etwas anderes ersetzt wird, zuweilen aber auch den ersatz: hoffe ..., ihr werdet mich an seine statt gegen ihm verwechsslen (mich statt seiner zum geliebten annehmen) buch der liebe (1587) 16d; es ist der thorheit lehre: verwechseln gold für ertzt und für verlust der ehre die wollust tauschen ein Lohenstein Ibrahim sultan 8; verwechselst du gleich itzt die Pleisze mit der Elbe und ziehst nach Leipzig fort Triller poet. betrachtungen 6, 305; an einem fremden orte, den man mit seiner vaterstadt verwechselt Gottschedin briefe 1, 224. besonders in den wendungen einem etwas v., wo das object zwar der gegenstand ist, der ersetzt wird, das subject aber diesen gegenstand nicht hergibt, sondern erhält und dafür den ersatz liefert: item ... hat mir die L. eczlich alt cerprochen czin verwechselt, darauf par geben 2 ℔. 26 D Tucher haushaltbuch 110 lit. ver.; daz er (Laban) ihm zehenmal seinen lohn verwechselt Luther 24, 538 W.; aber mein hut war nicht da, man hatte ihn mir verwechselt und statt dessen einen alten schabbesdeckel hingelegt Brentano ges. schr. 5, 354. II@22) etwas hingeben, um etwas anderes dafür zu erhalten: daz sie ... ir gut mugen vorkoufen oder vorwechslen (1294) lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 6; die höfe, noch die dörfer ze B. und ze U., noch lüte, noch guter derselben dörfer und höfe ... niemer verkoufen, versetzen noch v. (1347) weisthümer 1, 30; die gter ... nit zerteilen, sndren, verendren, verlyhen, verkoufen, noch verwechslen Riederer spiegel d. waren rhetoric (1509) y 2b; ich mag euch verschencken, verkaufen, verstechen, verjagen, verschicken, v., verbeuten, ihr seid mein avec tous ces deffauts, nicht anders als leibeigen Gryphius lustspiele 151 P. in besonderer bedeutung vom umtausch von geld gegen andere währung oder andere werthsorten, vgl. wechseln 5 a: als biszhere auszerhalb der geschworen wechsler manigfeltiglich golt und müntz eingekauft und verwechselt ist worden Nürnberger polizeiordnungen 146 B.; item am pfintztag darnach da prent man sein dirn durch ped packen und durch (die) stirn: het im (dem falschmünzer) die gulden verwechselt (Nürnberg 1493) chron. d. d. städte 11, 572; denn wenn ein fleischer kam und batzen zu verwechseln brachte Henrici ernst-, scherzh. u. satir. ged. 3, 462; und wurde den reisenden auferlegt, dasz sie ihr geld v. und den wirth befriedigen sollten Brentano ges. schr. 4, 468. II@33) vom austausch gleichartiger gröszen. II@3@aa) von wirklichem austausch: die kleider v. H. Sachs 11, 350 K.; J. Barth weiberspiegel F 2b; O. Jahn Mozart 4, 338; esz wasz die sag, sy hetten seltzam spil mit ainandren getrieben, die weiber verwechslet und umb lassen gaun Baumann quellen z. gesch. d. bauernkrieges 1, 158; welchs (stück land) alwege das ander jahr wider frei ward und ... an einen andern kam, das sie also alle jahr die felder verwechselten Cyr. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 8a; er ... verwechselte mit ihr zum zeichen ihrer verbindung etliche mahlschätze Lohenstein Arminius 1, 80b; dasz ich mit einem ... tugendreichen mädchen ringe verwechselt Holtei erzähl. schr. 15, 180; die bücher von beyden theilen auszusuchen, welche nützlicher verwechselt werden könnten Lessing 18, 348 M. freier: dasz das wasser und die erde ihre stellen miteinander verwechselt haben Prätorius anthropodemus 1, 60; wie man zwei menschen ihre leibsgestalt v. läszt Fouqué held. d. nordens 1, 130. II@3@bb) wie wechseln 1 b vom austausch von gebärden, mittheilungen, bezeugung von freundschaft oder feindschaft: man solte keinen kusz mit geringen personen v. Chr. Weise polit. redner (1677) 468; nach seinen und der andern fürsten gegen sie verwechselten höfligkeiten Lohenstein Arminius 1, 327a; unter denen hin und wieder verwechselten reden 2, 128b; vertauschet die herzen, verwechselt die hand v. König ged. 257; dasz ... man böses mit bösem verwechselte Herder 5, 532 S.; auch concret: den 1. juli ist ein ernster scharmützel ... gehalten worden, so bei vier stunden geweret, und achtmal die kugeln verwechselt worden C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 465a. II@3@cc) sich v., ineinander übergehen, gleichartig, ein und dasselbe werden: zwischen herrn und mann seyen glauben und treue also beschaffen, dasz sie sich v. und beede nach gleichem recht geachtet werden Hohberg georgic. curiosa aucta 3, 1, 8b; wie sich der eltern hertzen verwechselt und in einander verwandelt v. Besser schr. 2, 365 K. II@44) etwas durch etwas anderes ersetzen, in neuerer sprache meist durch einfaches wechseln oder auswechseln vertreten. II@4@aa) von personen: wer täglich seine freund verwechselt und verkieset Lehman floril. polit. (1662) 4, 113. v. durch unterschiebung: wir werden underricht, wie dasz dich eine hure usz der Metergaszen zu Erfurt verwechselt habe in der wigin (ca. 1470) rechtsalterthümer4 2, 206; ob aber der teufel gewalt habe, die kinder zu stelen, und die v. möge Ruoff hebammenbuch 150; den tagüber Byrons verwechselten wechselbalg (the deformed transformed) gelesen Göthe III 10, 266 W.; dasz dem könig Pipin seine frau verwechselt ward L. Steub wanderungen im bayr. gebirge 212. von amtsenthebung und ersetzung durch einen andern: er ist aber noch ... pfarrherr zu G., er sey dann seiderher verwichselt worden Nas antipap. eins u. hundert 2, 118b; die könige selbst müssen ihnen (den druiden) zu gebote leben, sintemahl diese mehr verwechselt und ... abgesetzt werden, jene aber bleiben hingegen unverändert Lohenstein Arminius 1, 971a; nur konnte ... kein prior ohne erhebliche ursachen entfernt oder verwechselt werden Raumer Hohenstaufen 6, 337. II@4@bb) von sachen, auch von thieren: die verwechsslet den käs und bracht im einen kleynern käs summerteil d. heiligenleben 155b; der valckner sol auch füro dem valcken die vogeln verwächseln, also das im aintzlingen nach ainander ye gröszer und ye gröszer für hebe Mynsinger von den falken 19; sie solten ire pferde v. und andere nemen Warbeck Magelone 32 B.; auf verwechselten pferden Lohenstein Arminius 1, 37a; doch soltu die purgierenden latwergen in einem jeden gebrechen änderen und v. Ryff confectbuch 24b; ein arzt müste nach veränderung der krankheit seine artztneyen v. Lohenstein Arminius 2, 278b; meine mutter ... versicherte auf ehre, pflicht und gewissen, dasz dieses stück gewand (ein angeblich sehr altes brusttuch) fünf oder mehr mal verwechselt wäre Hippel lebensläufe n. aufst. linie 1, 71; so verändert oder verwechselt auch das thier aus der erden, der falsche prophet, seine werkzeuge Jung-Stilling w. 3, 273. II@4@cc) eine örtlichkeit v., im kinderspiel: wir (in Frankreich) v. im verwechselspiele ahornbäume, ihr (in Deutschland) vielleicht tannen Gutzkow ritter vom geiste 5, 240; deshalb er all monat sein zellen verwechselt, in ein andre zug H. Sachs 9, 294 K.; mein mehrmals verwechselter aufenthaltsort Ritter erdkunde 1, VII; weg, strasze, steg und pfad verwechselt er gar oft D. v. d. Werder ras. Roland 4. ges., 54. str. II@4@dd) das amt v.: das kein bischof oder pfarherr sein bisthumb oder pfarr verwechszel Seb. Franck chronica, zeytb. (1531) 321b. II@4@ee) namen, aussehen, sprache v.: under Ungarn verwächsslet sie (die Donau) den namen und wird Ister genent Stumpf Schweizerchronik 53b; bisz er sich endlich wider in menschliche gestalten veränderte und dieselbe öfter verwechselte Grimmelshausen 2, 167 Kurz; wie ein chamäleon die farbe oft verwechselt Lindenborn Diogenes 2, 802; seine sprache und nation zu v. Solger nachgel. schr. 1, 26. II@55) zuweilen in der bedeutung abwechseln lassen, abwechselnd gebrauchen, mit etwas abwechseln: dan seiner händen werck ist das liechtreich gezelt, das alle welt, verwechslend nacht und tag, verduncklet und erleuchtet Weckherlin ged. 2, 54 F.; andre sitzen und weben, geschickt die fäden verwechselnd Göthe 4, 327 W.; in dieser stellung hüpft man einige mal von einer pausche zur anderen, indem man immer die hände verwechselt F. L. Jahn w. 2, 47 E. auch reflexiv: herbs und lentz verwechseln sich Simon Dach in Königsb. dichterkreis 244 ndr. II@66) den gegenstand, der an die stelle eines andern gesetzt wird, drücken präpositionale wendungen aus: II@6@aa) vereinzelt begegnen: v. zu, nur mhd.: eintweder sin verweselt wir zu kinden, oder sie habent lewen hertze verslunden dort jenhalp in den heiden jüng. Titurel 4545, 4. v. für: all mijn gelt verwesselen vur nuewe Venecianer ducaeten v. Harff pilgerfahrt 59. v. durch, ersetzen: als Carl der V. seine ... regierung durch ein stilles und geruhiges klosterleben v. wolte Chr. Weise polit. redner (1677) 470. II@6@bb) v. gegen, austauschen: ihren ... gegen gleichwichtiges gold zu v. gewohnten flachs Lohenstein Arminius 2, 185b; (die geiseln,) die sie alle drey jahre gegen eine gleiche zahl v. sollten Haller Usong 367; ich muszte meine mütterliche sprache gegen die eure v. F. M. Klinger neues theater 1, 136; vielleicht kann ich es (ein pferd) noch gegen ein anderes v. E. v. Stägemann bei H. v. Olfers lebenslauf 1, 319. II@6@cc) v. um: lasz dich benügen an din selbs person und verwechsel die umb ein andre (lasz andere dafür töten) buch der beispiele 145; umb ander gueter, zins, zehenden, rent und gült mag ain yeder das sein verkouffen, v. und damit handlen frei und unverhindert urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 378; A. ... sein (geld) verbechselt het umb einen guldin ring Arigo decamerone 90 K.; die freiheit umb knechtschaft zuo v. und abzutauschen Seb. Franck chronica (1531) 100b; wenn einer etwan ein gülden ... umb meitlein (th. 6, sp. 1988) verwechselt Mathesius Sarepta (1571) 167a; dasz die frau dem mann sol gehorsam seyn und keins das ander umb eines andern willen v. buch der liebe (1587) 159b; F. würde das glück, seine Eleonore zu besitzen, nicht um throne verwechselt haben Sonnenfels ges. schr. 2, 36. II@6@dd) v. in, gewöhnlich beim geldwechseln: er verwechselte zum theil sein gold in grobe teutsche silberne sorten Grimmelshausen Simplicissimus 495 ndr.; sie ... lieszen sich ein goldstück in kleine münze v. Gutzkow ges. w. 6, 111; aber auch sonst mehrfach im sinne von verwandeln in: und diese feindschaft ... in solche freundlichkeit verwechslet ware Amadis 1, 409 K.; alles elend und widerwertigkeit in eine anmuhtige liebligkeit verändern und verwächseln Schupp schr. (1663) 421. II@6@ee) weitaus das gewöhnlichste ist v. mit. II@6@e@aα) anstelle einer sache eine andere gebrauchen: (die tochter des dr. B.,) welche unter anführung eines klugen vaters nicht selten die nehnadel mit dem zergliederungsmesser verwechselt Schwabe belustigungen 5, 364; ich habe geraucht, als ich kaum von meiner mutter brust entwöhnt war; die warze mit dem pfeifenmundstück verwechselt Lenz ges. schr. 1, 44 T.; das schwert mit dem werkzeug des knechts zu v. F. M. Klinger neues theater 1, 22. besonders von kleidern: Adam und Eva ... (haben) solche felle, wann sie durchlöchert worden, ... mit neuen verwechselt Abraham a s. Clara etwas für alle 2, 25; die winterkleider mit den sommerkleidern zu v. allg. d. bibl. 110, 77. v. von buchstaben und worten s. u. III. II@6@e@bβ) von eigenschaften und zuständen: das du die vornunft mit unvornunft vorwechselt und ausz einem menschen ein bock worden ist Luther 7, 262 W.; frieden und ruhe mit unfrieden und krieg ... verwechseln v. Chemnitz schwed. krieg 2, 312; alles empfundene hertzeleid ... mit vielfältiger freude v. Chr. Weise polit. redner (1677) 173; diesem herrn (dem erbprinzen von Braunschweig) vielmals zu wiederholen, dasz ich meinen zustand mit dem seinigen nicht v. wolle Winckelmann bei Justi Winckelmann 2, 2, 329. besonders das leben mit dem tode v.: ein alter mann, der villicht och des nechsten tags das leben mit dem tod verwechslet Steinhausen privatbriefe d. mittelalters 1, 392; disz leben mit einem pesseren (Seb. Franck chron. Germ. [1538] 265a), ein mühseliges leben mit einem freiwilligen tode (Bode Montaigne 3, 61), staat und thron mit der gruft (Gryphius trauerspiele 162 P.), das zeitliche mit dem ewigen (Hippel kreuz- u. querzüge 1, 18), eine notariatsstelle mit dem himmel (Lenz lustspiele nach dem Plautus 5) v. ungewöhnlich ist, dasz es sich dabei um das leben eines andern handelt: man bund und füret in dahin auf den felsz Tharpejum und in hinab in die tief Tiber stürtzet. so wurd sein leben im abkürtzet und im verwechselt mit dem tod H. Sachs 8, 628 K. ohne unmittelbare ergänzung findet sich die wendung schon mhd.: verwehselt hâst du wol dîn leben: du hâst dîn wesen hie gegeben, daz dû mit dînen brüedern hæte in dirre werlde unstæte, umbe der engel gemeine Lamprecht v. Regensburg s. Franzisken leben 4030 W. II@6@e@gγ) von veränderung des aufenthaltsortes: Hannover, welches ich künftigen montag mit der heerstrasze nach Osnabrück v. werde Lichtenberg br. 1, 69 L.; wer einen völlig dunkeln ort mit einem, den die sonne bescheint, verwechselt, wird geblendet Göthe II 1, 4 W. II@6@e@dδ) von arbeit, thätigkeit: das man ... die kindische kurzweilen (heranwachsender mädchen) mit ernsthafter arbeit verwechselen solle Fischart 3, 189 H.; bei dem v. einer arbeit mit der andern aus Schleiermachers leben 1, 359. II@77) technische ausdrücke: II@7@aa) coagmenta alterna, verwechselte steinlagen oder eingelegte arbeit Corvinus fons latinitatis 27; in der heraldik: 'verwechselt, in der wapenkunst, wenn bild und feld mit einander wechseln und eines des andern farbe hat' Jablonski 816a; mit verwechselten färbungen oder verwechselter färbung Siebmacher-Gritzner wappenbuch (1890) 67; v. Querfurth wb. d. herald. terminologie 166. II@7@bb) in der musik: der sechste modus hypolidius ... ist ... nicht mehr vorhanden, wegen des unzeitigen verwechslens des lydii und hypolidii mit dem jonico und hypojonico C. Spangenberg musica 87 lit. v.; wenn man vor der resolution den ton der grundstimme mit einem andern in der rechten hand verwechselt, so gehet eine verwechselung der harmonie vor Ph. E. Bach art das clavier zu spielen 2, 28; verwechselte trompeten- und schalmeyenmusik Morhof unterricht 2, 165, harmonie Heinichen generalbasz 661; der verwechselte accord Sulzer theorie d. schön. künste 4, 675. II@88) vereinzelt das absolute part. präs. verwechselnd wechselweise, gegenseitig: dan meine sehl in dich, in mich dein sehlelein verwechslend haben sich durch disen kusz vergangen Weckherlin ged. 1, 474 F. bei Lohenstein mehrfach verwechselt in ähnlicher bedeutung: das saltz im lieben ist verwechselte begierde, vertauschte gegenhold Ibrahim sultan (1680) 34; die verwechselte liebe der menschen Arminius 1, 351a; die freundschaft ist eine verwechselte verknipfung zweier hertzen 2, 24a; A. und S., welche den untergang beider fürstlichen häuser beschworen und durch verwechseltes austrinken ihres eigenen blutes bekräftigt hatten 2, 925b. IIIIII. in neuerer zeit schlieszt v. gewöhnlich, in neuester zeit fast ausschlieszlich die vorstellung eines irrthums in sich: III@11) eine sache irrthümlich an die stelle einer andern setzen, irrthümlich statt einer andern gebrauchen. occasionell begegnet dieser gebrauch seit dem 16. jahrh.: wir haben unsere füsz under einander verwexelt, das keiner weyszt, welcher sein fuosz hat Schumann nachtbüchlein 32 B.; ähnlich grillenvertreiber 123. v. bedeutet hier an sich wohl nichts anderes als vertauschen, aber dies vertauschen hat zur folge, dasz man die vertauschten gegenstände nicht mehr unterscheiden kann. in andern fällen kann das v. als folge eines irrthums aufgefaszt werden; das erscheint zuerst in wendungen, die das vertauschen von buchstaben und wörtern ausdrücken, oft ganz neutral gemeint: denn das ch wird öfters durch ein bloszes h ausgedrückt und u häufig mit y verwechselt Jac. Grimm kl. schr. 4, 4; auch vom grammatisch geregelten lautwechsel: gunst ... mit dem u ist genehm, dann es von gönnen herkömmet: weil die selblautende buchstaben, wie bekannt, sich untereinander verwechseln Harsdörfer teutsche secretarius 1, 496; Gueintz rechtschreib. (1666) 75. zuweilen ist offenbar absichtliches v. gemeint: da dann die worte und arten zu reden zum öftern einander sehr gleich und dannenhero nichts leichters als ein wort mit dem andern, eine art mit der andern zu v. Bastel v. d. Sohle Harnisch aus Fleckenland 7; es (das wort und) kehret so oft wieder, dasz selbst Luther glaubte, es zuweilen mit da v. zu müssen Krummacher das wörtlein und 45; doch liegt in solchen fällen die voraussetzung eines irrthums sehr nahe: ir wisset wol, das mir ettliche (drucker) nit alleyn wort vorwechselt, sonder dartzu die sententzen vorfinstert ... haben Karlstadt bei Luther 18, 466 W.; commandirt er zu geschwinde und verwechselt in der hitze eines mit dem andern, so wird die exercirende mannschaft hierdurch confus und irre gemacht v. Fleming teutsche soldat (1726) 228; ir verwechselt die diphthongen αι und ει A. W. Schlegel in: Athenäum 1, 14; er ... verwechselte fortwährend das mir und mich Gaudy 2, 89; mir und mich verwechselt Behaghel gesch. d. d. sprache5 569. in neuerer zeit umgangssprachlich in scherzhafter übertragung mein und dein v. besonders gern von namen: der copiste hat die namen der beiden inseln auf der karte verwechselt Göthe 18, 370 W.; er wuszte nicht, dasz das gerücht die ortsnamen verwechselt hatte O. Ludwig ges. schr. 1, 318. sonstige belege sind in der literatur nicht eben häufig: wie getrauwstu einem stück zu helfen, welches mit pulver geladen wer, und die kugel wer verwechszlet, also das etwan ein gröszere genommen würde Fronsperger kriegsbuch 1, 154a; man bittet, beym auspacken vorsichtig zu werke zu gehen, damit die nummern nicht verwechselt werden Göthe IV 36, 42 W.; so habe auch ich den meinen (hut) glücklich nach hause gebracht, ohne ihn zu verwechseln Thümmel reise in die mittägl. prov. 6, 232. III@22) fruchtbar ist eine bedeutungsverschiebung, durch die der schwerpunkt von der äuszeren handlung des vertauschens auf die innere des irrthums verlegt wird, v. bedeutet nun den unterschied zwischen verschiedenen gröszen verkennen. dabei kann es sich um eine vollständige verwechslung handeln, indem man eine grösze für eine andere hält, oder um eine theilweise: man verwechselt zwey dinge, wenn man dem einen eigenschaften beylegt, die nur dem andern zukommen Lessing 10, 273 M. gleichbedeutend sind die wendungen mehrere gröszen v. und eine grösze mit einer andern v. zuweilen wird nur eine grösze genannt, eine gleichartige, mit der die genannte verwechselt wird, ist zu ergänzen: mit welcher brühe wollt ihr gegessen werden? sie (die hühner) darauf: aber wir wollen gar nicht gegessen werden. er (der koch): ihr verwechselt den stand der frage Dahlmann franz. revol. 111. III@2@aa) von concreten gegenständen: die stinckkugeln haben eine gleichmäszige beschaffenheit mit den giftkugeln, werden auch dahero von einigen verwechselt v. Fleming teutsche soldat (1726) 72; am tage verwechselt man den mond mit einem blassen wölkchen Lichtenberg br. 2, 62 L.; die obelisken müssen nicht mit den hermessäulen verwechselt werden F. H. Jacobi 6, 317. III@2@bb) von personen. III@2@b@aα) ein individuum für ein anderes halten; wegen ähnlichen aussehens: obgleich der graf ... Wilhelmen mit einem jungen Engländer in des prinzen gefolge mehr als einmal verwechselte Göthe 23, 294 W.; wir (Raumer und ich) sollen uns beide so ähnlich sehen ..., und jetzt werden wir von jedermann verwechselt W. Grimm in briefw. zw. J. u. W. Grimm (1881) 126. daher die meist von personen gebrauchten wendungen zum oder bis zum v. ähnlich: Schiller 14, 132 G.; Sturz schr. 2, 305; Schnitzler Anatol (1901) 92; sich oder einander zum v. gleich sehen oder gleichen: Bauernfeld ges. schr. 2, 248; Immermann 1, 20 B.; Gaudy 14, 136. wegen gleichheit oder ähnlichkeit der namen: wer siehet nicht, dasz Witikindus ... allhier strauchle und zwey Ludovicos mit einander verwechsele Hahn staats-, reichs- u. kayserhist. 1, 300; zu Aachen im alten dome liegt Karolus Magnus begraben, — man musz ihn nicht verwechseln mit Karl Mayer, der lebt in Schwaben Heine 2, 435 E. dazu vielfach die vorbeugungsformel: Philipp Jacob Martin — nicht zu v. mit Vincenz Martin, dem componisten der cosa rara O. Jahn Mozart 3, 199. wegen gleicher wesensart, gleichartiger leistung: dasz man uns in unsern arbeiten verwechselt, ist mir sehr angenehm Göthe IV 10, 355 W.; und wär der leidige unterschied von auszen nicht, ..., wir (Franz u. Karl Moor) würden zehnmal verwechselt Schiller 2, 54 G. III@2@b@bβ) ein individuum irrthümlicherweise in eine bestimmte gruppe einordnen: dasz ... unsre geistlichkeit ... aufhören soll, mich mit den neuen reformatoren zu verwechseln Lessing 18, 360 W.; eh mich die welt mit jenen elenden verwechselt, die der tag erschafft und stürzt, eh spreche welt und nachwelt meinen namen mit abscheu aus Schiller 12, 231 G. (Wallensteins tod 1, 7); ich bitte, ... diesen menschen mit keinem gewöhnlichen gartenknecht zu verwechseln Nestroy ges. w. 2, 83. III@2@b@gγ) die beschaffenheit einer gruppe auf eine andere übertragen: man musz übrigens die Altfranken ja nicht mit unserm pöbel v. Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 8; das preuszische volk insgesammt wurde mit seinen offizieren und geheimeräthen verwechselt Gutzkow ges. w. 10, 254. III@2@cc) von abstractem und geistigem: ihr (der alten) zweck war niemals, die nachahmung in dem grade illusorisch zu machen, dasz sie mit der natur selbst hätte können verwechselt werden Gerstenberg recens. in d. Hamb. neuen zeitung 280 lit.-dkm.; eine physische weltbeschreibung darf daher nicht mit der sogenannten encyclopädie der naturwissenschaften ... verwechselt werden A. v. Humboldt kosmos 1, 40. oft von privaten und öffentlichen zuständen und einrichtungen: mit dem recht der ersten bitte sind die sogenannten panisbriefe nicht zu verwechseln M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 605; letzteres (das römische connubium) ist nicht zu verwechseln mit einem eheverbot Jhering geist d.m. rechts 1, 181; nach wenigen tagen war sie (die krankheit) so weit vorgeschritten, dasz sie auch von laien mit einer gewöhnlichen unpäszlichkeit nicht mehr verwechselt werden konnte M. Meyr erzähl. a. d. Ries 3, 181. theilweises v. ist ausgeprägt in: das alte miszverständnis, welches ... mahlerei und sculptur unaufhörlich von neuem verwechselt Fr. Schlegel s. w. 6, 61; sie v. auch in diesem falle ... die belgische mit der preuszischen verfassung Bismarck polit. reden 3, 19 Kohl. am gewöhnlichsten von abstracten begriffen gegensätzlicher oder nah verwandter, aber nicht gleicher art: genie und geschmack (Ramler einl. i. d. schön. wissensch. 1, 24), mittel und zweck (Göthe 25, 105 W.; Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 22 M.), handeln und denken (J. G. Forster s. schr. 3, 183), talent und bedürfnis (Geibel 5, 34 Cotta), ursache und wirkung (Holtei erzähl. schr. 22, 50), nachruhm mit dem verdienste (Abbt verm. w. 1, 15), die wirkung der schönheit mit der schönheit selbst (Gerstenberg recensionen in d. Hamb. neuen zeitg. 156 lit.-dkm.), das idealisiren mit dem moralisiren (Herder 22, 299 S.), vorsicht mit mistrauischer genauigkeit (Meiszner Alcibiades 1, 218), das wahre komische mit dem possenhaften (E. Th. A. Hoffmann 4, 48 Gr.), die sogenannte zwecklosigkeit der kunst mit grundlosigkeit (G. Keller 2, 14), ordnung mit pedanterie (Wilhelm I. milit. schr. 1, 566) verwechseln. oft ist nur von einem v. der worte die rede: sie v. die worte pracht und grösze A. G. Meiszner skizzen 2, 148; dasz die worte kezerei und rebellion verwechselt würden Schiller 4, 100 G.; daher denn auch anderwärts in der apologie die ausdrücke busze und bekehrung verwechselt werden Schleiermacher I 4, 170. —
28775 Zeichen · 645 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verwêchseln

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verwêchseln , verb. reg. act. ein Ding für das andere geben oder nehmen; doch nur in einigen Fällen. 1. Geld verwechseln…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verwechseln

    Goethe-Wörterbuch

    verwechseln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verwechselnschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ver-wechseln schw. : 1. 'irrtümlich vertauschen ', veʳwechs(e)le [verbr.]. Den (neuen Hut) hot so e Hamballe oder so en …

  4. Sprichwörter
    Verwechseln

    Wander (Sprichwörter)

    Verwechseln Man verwechselt wol die Handschuhe, aber nicht die Arschbacken. Dän. : Bjerg og bakker blæse sammen, men ikk…

  5. Spezial
    verwechseln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ver|wech|seln vb.tr. (für etw. anderes, für jdn. anderen halten) desbaraté (-ta), tó por. ▬ ich habe sie mit ihrer Schwe…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verwechseln

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Ableitung von verwechseln

ver- + wechseln

verwechseln leitet sich vom Lemma wechseln ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verwechseln 3 Komponenten

ver+(wech+s+eln)

verwechseln setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — verwechseln kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „verwechseln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verwechseln/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „verwechseln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verwechseln/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verwechseln". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verwechseln/dwb.
BibTeX
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