weichen,
starkes verb. '
cedere'
ahd. wîchan, weih, wichun, giwichan Graff 1, 709,
mhd. wîchen
mhd. wb. 3, 614; Lexer 3, 817,
in allen germ. sprachen auszer dem got.: asächs. wîkan,
mnd. wîken Schiller-Lübben 5, 712,
mnl. wîken Verdam 693,
nnl. wijken Franck
2 794,
afries. wi(a)ka Richthofen 1146,
ags. wícan Bosworth-Toller 1213,
mengl. wîken Stratman 683,
anord. víkja, víkva, ýkva Fritzner 3, 942. 996, Gering
Eddawb. 1142,
norw. vikja,
aschwed. wîcan.
die germ. verbalwurzel wiq
ist eins mit idg. *wig
in aind. vijátē '
er zittert, ist in heftiger bewegung, flieht',
aslav. vêžen '
schief'
neben *wīk
in gr. εἴκειν,
lat. vīcēs (
vgl.wechsel,
1weich, woche).
unsicher bleibt das verhältnis einerseits zu gr. οἰγνύναι ('
weichen machen, öffnen'),
anderseits zu ahd. swîhhan
und seiner sippe, die Wood
idg. forsch. 22, 169
zur gleichen wurzel mit präfigiertem s
stellt. die etymologie bei Stieler (1691) 82. 2531,
der an zus.-hang mit bähen
denkt, ist dilettantisch, ebenso die des brem. wb. 5, 255,
das alts. wîkan
mit weg
verbindet. Schottel (1663) 684
bemüht sich um die abgrenzung von 2weichen '
mollire',
ohne die flexionsart als unterscheidendes merkmal zu erkennen. die bez. zum adj. weich
wird früh zum wortspiel benutzt: wo waiches leben ist, da weicht der helden handlung Laur. v. Schnüffis
mirant. waldschalmei (1688) 276. weichen
ist im deutschen zu allen zeiten ungemein häufig, auch landschaftlich sind seinem gebrauch nur selten schranken gezogen: peu usité Henry
Colmar 237;
in beschränkterem gebrauch als schriftdeutsch Crecelius
oberhess. 900; Weinhold
beitr. zu e. schles. wb. 2, 104
kennt nur entweichen
und verwichen.
form. 11)
die einsilbige form des imp. wird mhd. gern zur schallform wîchâ
erweitert, im selbstgespräch Reinhart Fuchs 1678
Grimm; beim zus.-reiten im buhurt Mai und Beaflor 235, 11
Pfeiffer, und tjost U. v. Liechtenstein 237, 28
Lachmann, vom turnier auch G. Freytag 18, 32.
sonst gilt mhd. wîch
uneingeschränkt, neben nhd. weich (A. v. Eyb 2, 7, 21; Keisersberg
bilg. 30
a; Luther 10 iii 214
Weim.; Sachs 5, 66
Keller; Scheidt
Grob. 1349; Rist
himl. lieder 4, 44; Neumark
lustw. 71;
wunderhorn 1, 219; Klopstock
oden 1, 229; Rückert 1 (1867) 145)
tritt nach analogie der schwachen verba (
von J. Grimm
hart verurtheilt: vorrede zu Basile
pentamerone, übers. v. Liebrecht 1, xxiv)
das fast gleich häufige weiche,
zuerst und zumeist bei Ostmd.n (Arigo
decam. 56, 9; Luther 20, 423
Weim.; richter 6, 18; Neukirch
ged. 54. 74; Jean Paul 7/10, 272
Hempel),
demnächst bei hd. schreibenden Nd.n (Dedekind
christl. ritter H 5
a;
Reinicke Fuchs (1650) 257; Herder 26, 64; H. v. Kleist
Penth. v. 730),
bei Obd.n nur im metrischen zwang (Schiller 1, 242).
schon Schwan
nouv. dict. 3 (1787) 1019
stellt weiche
als gleichberechtigt neben weich. 22)
als starkes verb. der 1.
reihe bildet weichen
den sing. des prät. mit anderem vocal als den plur.: ahd. weih,
mhd. weich,
mnd. wêk (Detmar
Lüb. chron. 2, 75
Grautoff).
bis ende des 15.
jahrh. gilt die diphth. form uneingeschränkt: waich Richental
concilchr. 100; Schiltberger
[] reiseb. 19, 13, waichh Wyle
transl. 259, 7, weich Suso
d. schr. 49, 13;
fastnachtsp. 391, 8; Kistener
Jacobsbr. 865; Murner
mühle A 5
b; Boltz
Terenz (1539) 5
b;
Zürcher bibel (1531)
1. Mos. 12, 9, 31, 40; Luther 18, 89, 7
Weim.; 2. Mos. 13, 22. 33, 11; Wickram 8, 199
Bolte; Tschudi
chron. helv. 1, 47.
die nach dem plur. ausgeglichene form wich
beginnt seit ende des 15.
jahrh. von Ostfranken her Mittel- und Oberdeutschland zu erobern: Steinhöwel
Äsop 90; Sachs 22, 255
Keller - Götze; Franck
chron. Germ. 81
b; Eppendorf
Plinius 7, 21; Scheidt
fröl. heimfart C 3
a;
buch d. liebe 137
b; Spreng
Äneis 30
b. 87
b;
Ilias 30
a.
schon vor 1600
gilt sie auf dem ganzen gebiet. beschränkt ist die geltung der 1. 3.
sing. prät. ind. wiche: Franck
chr. d. Türkei G 3
b;
Amadis 1, 35
Keller; buch der liebe 336
a,
dagegen wiech (
möglich erst, als hist. schreibungen wie gieng
und hieng
aufgehört hatten, lebendigen lautwerten zu entsprechen)
hält sich zäh: Steinbach 2, 989; Schubart 2 (1787) 327; Vischer
auch einer 1, 70. 33)
nur selten ist in der übergangszeit das part. von der unsicherheit des vocalismus mit ergriffen worden: warumb du von uns geweychen Hutten 2, 221
Böcking. neue mundart kennt schwache part.-form: g'weicht
und g'wich'n Schöpf
tirol. 807. 44)
die mit weichen
bez. handlung wird in der regel als perfectiv gefaszt. die umschreibung des part. mit sein
ist darum die gegebene und herrscht zu allen zeiten vor: em was al umbe wichen dat swert in sîner hende
Karlmeinet A 84, 17
Keller; wann baupst Johannes haimlichen hinweg gewichen wär Richental
concilchr. 63; es ist irer schutz von inen gewichen
4. Mos. 14, 9; was hettestu gethan, wann ich dir nicht gewichen were? ... werestu nicht gewichen, so were ich gewichen Lehman
floril. pol. 3, 494.
in neuerer sprache ist sie auch bei imperfectiver actionsart schematisch durchgeführt: denn derweil der tanz begonnen, war sie nicht vom sitz gewichen Heine 1, 45
Elster; trauer um sie und treue zu ihr sind nie aus dem herzen des gatten gewichen Leszczynski
bei Moltke 1 (1892) 157.
die ältere sprache bringt die actionsart rein zum ausdruck: von 1412
bis 1660
ist die umschreibung mit haben
belegbar, wenn auch relativ selten: adir ist ein langir strich do dorch (
durch das wappen) mit einer andirn varwe gestrichin, also dorch den ackir get ein forch, so had sin adil zu erst gewichin Rothe
rittersp. 632
Bartsch; ich bawt auff dich so vestiglich der grund hat mir gewichen Forster
fr. t. liedlein 17
neudr.; ihr hätte selbst die klare sonne gewichen Stieler
geh. Venus 68
neudr.; gern neben einem andern verb., das haben
verlangt: wenn hat er yhe mals yemand gewichen odder gehorcht? Luther 18, 89
Weim.; die eselin hat mich geshen, und mir drey mal gewichen
4. Mos. 22, 33.
bedeutung. die grundbed. '
nachgebend platz machen'
ist durch die idg. verwandten von weichen
gesichert. wenn früh umfassendere bed. auftreten, wie in anord. víkva '
sich bewegen, sich zutragen',
so ist das nicht ein rest alter freiheit, sondern relativ junge sonderentwicklung. von der grundbed. aus sind auch mhd. besonderheiten entwickelt, bedeutungen wie '
sich hinneigen, sinken, fallen lassen, stützen, meiden',
die in neuer sprache ohne folge bleiben: strîtis tu wider dînen gelîchen, is ist zwîvel, wô der sic hin wîche Wernher v. Elmendorf
zs. f. d. a. 4, 304; daʒ houbet im ûf die asseln weich Herbort v. Fritzlar
Troj. 1516; ein waʒʒer, dar în er weich Heinrich v.
d. Türlin
krone 8860; mir ist zubrochen nû der stap, da ich mit aller kraft ûf weich
passional 73, 27
Hahn; Teurdank der sprach: tugentlichen ich hab allezeit gewichen falscheit und der bösen wesen
Teuerdank 27 (11, 42)
Gödeke. [] AA.
die normale entwicklung von weichen
läszt sich am absoluten gebrauch des wortes klarlegen. stets verändert die weichende
masse als ganzes den ort: úbe díu corpora sô starh sint, táʒ síu wîchen nemúgen, erweget man íro éin téil, so wágônt álliu íro téil Notker
kateg. 2, 5.
das ist die einzige norm des wortgebrauchs, sonst ist innerhalb der grundbed. jede freiheit erlaubt. A@11) weichen
bezeichnet in der regel, aber nicht nothwendig, eine willkürliche und bewuszte handlung: sodasz diese im unwillkürlichen weichen vor der Heiterethei weiter ... zurückgedrängt wurde O. Ludwig
Heit. 2, 177.
die verschiedenen bed.-elemente können mit verschiedener stärke hervortreten: nur '
nachgeben',
nicht '
platz machen'
bed.: nichten welt weichen noch enfúrcht sy 1.
deutsche bibel 5. Mos. 20, 3.
der ton liegt auf dem schwächlichen zug in der nachgiebigkeit: als were nicht viel dran gelegen, wenn man gleich etwas umb friedens willen weicht und nachgibt Luther 18, 269
Weim., andere male wird sie gelobt: hat sich doch David allzeit mit gedult und weychen auffgehalten Schmeltzl
Samuel 5
neudr.; sie (
Luther und Melanchthon) störten beide Babels reich, theils durch gewalt, theils durch ein kluges weichen Gottsched
ged. 1, 297.
das ende eines zustands des beharrens kann betont sein: was ewig ist von keinem anfange, das hat kein weichen auszeinander, sondern es stehet als ein radt J. Böhme 5, 7.
das bed.-element der beweglichkeit kann sich zum lockeren, luftigen wandeln: sie sinkt aufs lager hin, hoch schlägt ihr volles herz durchs weichende gewand Wieland 23, 13 (
Oberon 7, 15); ein weichendes, durchsichtiges, in rosenduft getauchtes fleisch Jean Paul 3, 156
Hempel. das zögernde, allmähliche des vorgangs kann bald hervortreten: die wölfin wich langsam und überliesz die kinder sanfterer pflege Niebuhr
röm. gesch. 1, 151,
bald schwindet es ganz: ich ... floh geschwind, und liesz im weichen geschickt ihm zeit, mich zu erreichen Gellert 1, 223.
der druck, der nöthig ist, um eine ortsveränderung hervorzubringen, erscheint verstärkt in fügungen wie zum weichen bringen,
zugleich wird hier eine construction mit acc.-object ermöglicht: hat man den feind zum weichen gebracht und will ihn weiter verfolgen, so wirft man ihm tirailleure nach Wilhelm i.
milit. schr. 1, 242;
kriegstechnisch wie hier schon Chemnitz
schwed. krieg 1, 465; Heilmann
Thuk. 58,
dann auch von ideellen gegnern: es war ein widriger auftrag; aber wir müssen alles zum weichen bringen, was der guten sache widerstrebt Forster 8, 331,
in mehr abstracter wendung als nicht recht passend empfunden: gebete wurden in der nacht gehalten, um das verderben zum weichen zu bringen Ritter
erdkunde 8, 612.
andere fügungen mit gleicher absicht sind nicht zur formel erstarkt: zum weichen nöthigen
M. I. Schmid
gesch. d. Deutschen 1, 91. 2, 301; zwingen
F. Müller 1, 362.
der absolute gebrauch bricht auch in den formeln öfters durch: ihnen steht ein glück bevor — ein glück ohne gleichen. zeit wärs einmal, denn bis jetzt wars immer in weichen Meisl
theatr. quodl. 1, 33; er überzeugte mich ... dasz der grafenschwindel im weichen begriffen war Holtei
erz. schr. 1, 34.
anderseits kann die vorstellung eines drucks, der zum weichen
zwingt, ganz verdunkelt sein: weichen
bed. dann '
aus dem land, dem ort, dem zimmer, dem amte scheiden': man stirpt fast by mir: wer (
nit) daz hailig zit für, ich wett wichen
privatbr. d. mittelalters 2, 56
Steinhausen; weicht alle die ir in der statt Rom begert zu leben recht und from Fischart
binenk. (1588) 255
a; ein jude brachte einem könig kostbare kleinodien in gegenwart seiner räte und hofdiener, und ward ein köstlicher demant abhändig. der könig entrüst sich, sagt, es solt niemand weichen Lehman
flor. pol. 2, 754; so ein prediger weiszt, das er on mercklich ursach nit darff weichen, muosz er meer sorg haben, dasz er sich eerlich und früntlich halt mit seinen zuohörern Eberlin 1, 48
neudr. [] A@22)
das verhältnis zu bed.-verwandten verben ist entsprechend wandelbar. weichen
kann gegensatz zu kommen, nahen, etw. aufgeben
sein: o wie oft kam sie geschlichen ... ist auch eher nicht gewichen Stieler
geh. Venus 34
neudr.; es (
das ungeheuer) naht der erde, riesen liefen. es wich, und es erschrack die see Lichtwer
äsop. fab. 95; hatte er auch oft weichen müssen, so hatte er nie etwas aufgegeben Ranke 1, 64.
neben synonymen steht weichen
in buntem wechsel: hasten heiszt gleitten, weichen, fortgehen Schottel
haubtspr. 1138; in dieser welt, da alles wechselt, weicht und fällt Stoppe
Parnass 7.
es wechselt mit sienen eigenen compositis: da ich nicht nach Jena entweichen konnte, so muszten die meinigen weichen Göthe IV 14, 146
Weim.; weichen
oder zurückweichen
kann vorliegen: er kommt mir entgegen; ich weiche verlegen, ich schwanke zurück I 1, 39.
im verkehrsleben steht vom 15.
bis 18.
jahrh. und mundartlich heute noch weichen,
wo neue schriftsprache ausweichen
vorzieht: weicht und tret hin dan verr: hye get Pillatus, mein herr
altd. passionssp. 81
Wackernell; als der fuorman nun daher fuore, sach die frawen im weg stehn, und nicht weichen wolt Schumann
nachtb. 26
Bolte; hunderterlei eigenes und requirirtes gepferde, weichend, anstoszend, hinderte sich rechts und links Göthe I 33, 133
Weim.; wiekt jo Wirmers, de Riesumers kamen Kern
u. Willms
Ostfriesl. 13.
neben fliehen
steht weichen
nicht selten scheinbar synonym: da weicht und fleucht die böse rott P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 350.
das ist möglich, wenn das bed.-element der allmählichen bewegung verdunkelt ist. dennoch bleibt weichen
auch hier der gelindere, ehrenhaftere ausdruck: nun geschahe es, das herr Tristrant aber weichen muost, doch flohe er allweg ritterlich und mit ehren
buch der liebe 96
d; wer fleucht, der leit, wer weicht, der verliehrt Lehman
flor. pol. 1, 222; ausziehen ... wird ... von einem gesaget, der schulden halber aus der stadt gewichen und flüchtig geworden ist Gottsched
beob. 56; als auch die cavallerie der verbündeten ... erschien, verwandelte sich das weichen der Franzosen in flucht Ranke 11, 169; sie wandten treulos ihre schritte, und einer nach dem andern wich Schiller 11, 29.
die einzige feste formel, die das verb eingeht, weichen und wanken,
ist nicht streng synonymisch, denn nur selten kommt weichen
der bed. '(
sch)
wanken'
nahe: und gleichsam wie der schatten wer, der nach dem leib weicht hin und her Fischart
ehezuchtb. 137
Hauffen. die formel tritt meist absolut, selten positiv auf: bei gott, mir weicht und wanket die vernunft Tieck 2, 111.
sonst ist sie fast immer negiert. die beiden verba ergänzen sich in ihrer bed., wenn sie von bauwerken gebraucht werden: συγκύπται,
capreoli, stützen desz seulins, dasz es nicht kan weichen oder wencken Frischlin
nomencl. 268.
von da geht der gebrauch über auf menschen: diese ... bewährtesten, welche statt einer mauer weder wichen noch wanckten Fleming
vollk. t. soldat 279 § 6,
auf die angewendet es bald zur bed. eines emphatischen weichen
einsinkt: ich weich und wank um keines willen, ich Schlegels
Shakespeare 1, 86.
gern wird die formel so gebraucht vom geduldigen zuhörer: Hyazinth wich und wankte nicht und wurde nicht müde zuzuhören Novalis 4, 21
Minor, sowie vom ausdauernden gast: Jule ... sasz auf der wasserbank und wich und wankte nicht Frenssen
Jörn Uhl 18.
von lebenden wesen auch mundartlich: dat beist woll nit wieken un wanken Bauer-Collitz
wald. 249.
von vornherein nur emphatisch ist die anwendung auf abstracta: [] und käm' die hölle selber in die schranken, mir soll der muth nicht weichen und nicht wanken Schiller 13, 278.
die umkehrung wanken und weichen
ist selten vor Göthe: sey wie ein fels im meer, der weder wankt, noch weicht Triller
poet. betr. 3, 502,
bei ihm die bevorzugte formel: Laertes ... versicherte, dasz er nicht wanken noch weichen wolle I 22, 33
Weim. sie gilt auch sonst im westl. Mitteldeutschland: da kam auf einmal einquartierung, ein hessischer ardollerist, der nicht wanken und weichen wollte W.
an J. Grimm 18.
Jan. 1814
briefw. 222.
das nd. zieht andere verbindungen vor: will men wiken, edder will men wenden, se skölen etwas hebben in den henden Lauremberg
scherzged. 1373
Schröder; 't mütt wik'n oder bräk'n Danneil
altmärk. 247. A@33)
in seiner unbestimmtheit ist weichen
geeignet zu euphemismen, z. b. für '
sterben': Canus baut ein neues haus, baut ihm auch ein grab zugleiche; scheint, dasz er ans weichen denckt, aber doch nicht gerne weiche Logau 3, 4, 44,
oder für '
geboren werden': warumb wainet ein kindlin gleich, wann es von muterleibe weicht? Fischart
ehezuchtb. 158
Hauffen. A@3@aa)
seine unbestimmtheit kommt dem verb zu gute auch in der anwendung auf bewegungen, deren art man nicht näher zu bezeichnen wünscht, so bei physiologischen vorgängen am menschen: wann ein furtz ein krümpt vieleicht, dasz er in truckt, bisz dasz er weicht Fischart
Eulensp. 100
Hauffen; mit jedem schritte weicht das blut Droste-Hülshoff 2, 36; schwindelnd wich sonst das auge Gött
mauserung 65.
noch öfter ist eine krankheit subject: welche gebrechen nit leichtlich weichen Ryff
sp. d. gesundh. 37
a; der aussatz weicht Ringwaldt
evang. B 6
b; schmerz und krankheit waren kaum erst gewichen Göthe I 10, 179
Weim.; gottlob, dasz ihr augenübel weicht Dahlmann
an J. Grimm 19.
märz 1838
briefw. 1, 142; ich ... hatte ... mir eine sehr schwer weichende entzündung der lungenhäute zugezogen Hebbel
br. 2, 3.
von thieren wird weichen
gebraucht, wenn sie keine füsze haben: wenn die kinder im ehebruch erzeuget, so wichen die schlangen nicht Heyden
Plinius 8,
von pflanzen, wenn ihre theile sich bewegen: (
der dichter Rost, der) was er da erblickt, durch einen busch verbirgt,woran die blätter weichen Bodmer
krit. ged. 70, 219
neudr. schr oft steht dieses weichen
von gebilden und erscheinungen der anorganischen welt: da schewet und weichet gleichsam die natur Spee
güld. tugendb. 501; denn es sollen wol berge weichen und hügel hin fallen, aber meine gnade sol nicht von dir weichen, und der bund meines friedes sol nicht hin fallen
Jes. 54, 10;
im citat bei Schmolcke 1, 1105
und Neumark
fortgepfl. lustw. 1, 89; der sandstein weicht und stürzt ins meer hinab Moltke 6, 247;
auch übertragen: gesetzt, dasz auch die erde bricht, so weicht doch dieser felsen (
Gott) nicht Günther
ged. 5; so hab ich auch das (
meer) ... gesehen und bin auf der schönen tenne die es weichend zurückläszt ihm nachgegangen Göthe III 1, 271
Weim.; die welle sprüht, und staunt zurück und weichet I 2, 3.
alt und stets gern von der sonne: accessus et discessus solis .,. das zuohingon und weychen der sonnen Frisius
dict. (1556) 14
b; hier spiel ich zwischen luft und bäumen, so oft die sonne kommt und weicht Günther
ged. (1764) 179; sie (
die sonne) rückt und weicht, der tag ist überlebt Göthe I 14, 56
Weim. von den sternen das. I 9, 192,
von wolken Logau 2, 3, 59,
auch bildlich: des schicksals wolken weichen Wieland
Anti-Ovid 2, 215,
vom nebel Göthe I 1, 3; Moltke 6, 154,
von der dämmerung Brockes
ird. vergn. 2, 60,
vom dunkel Platen (1839) 13,
von wind und luft Neukirch
ged. 249; Arndt 3, 182
Rösch und Meisner. nur poetisch endlich von gebilden der menschenhand: [] der vorhang weicht Uz 27
neudr.; des gespannes einzger dienst bestand im weichen Spitteler
olymp. frühling 1, 190. A@3@bb)
um seiner unbestimmtheit willen wird weichen
gern von körperlich gedachten dämonischen wesen gebraucht, deren gangart man nicht näher bezeichnen will: satan nicht weicht, es sey den ernst Luther 29, 80
Weim.; der tüfel sprach, ich wil selber weichen, das man nit sprechen kan, man hab mich vertriben Pauli
schimpf und ernst 113
Österley; als der unrain gaist weichen must
Zimm. chron. 1, 115.
von engeln Gryphius
trauersp. 75
Palm; Schiller 4, 11,
von Fortuna Sachs 17, 73
Keller-Götze; Götz
verm. ged. 1, 56,
Mars Logau 1, 3, 94,
localen gottheiten Ranke 37, 7.
von hier aus ist die anwendung auf abstractionen entwickelt, die von vornherein nicht körperlich gedacht waren: es war als wenn mit ihm alle guten geister gewichen wären Göthe I 25, 240
Weim.; der böse geist Zschokkes (
ist aus der Aarauer zeitung) gewichen Görres 2, 7. A@3@cc)
unkörperliches ist subject, eine meinung, ein affect, zustände und vorstellungen: die wort ligen klar da und weychen nit Luther 8, 102
Weim.; also weicht des tods bitterkeyt
1. Sam. 15, 32 (
erste niederschrift); weiche alle traurigkeit, und kehr wieder fröhlichkeit
wunderhorn 3, 99 (
aus Demantinus
tänze, 1601); furcht und zweifel müssen weichen Gottsched
ged. 1, 175; nur meine armuth, nicht mein wille weicht Schlegels
Shakespeare 1, 154; da schienen mir beinahe alle hoffnungen gewichen und alle sterne untergegangen J. Grimm
kl. schr. 1, 27; alle gedanken flohen dem bilde der geliebten nach, welches, ohne einen einzigen augenblick zu weichen, überall um mich her schwebte G. Keller 3, 209.
namentlich sind die vorstellungen gern zeitlicher natur. zu zeitlichem gebrauch kann überleiten: wenn man der stunden werth nach seiner tafel miszt, und wann die tafel weicht, schon wieder durstig ist Neukirch
ged. (1744) 112.
er ist schon früh erreicht: alle stünd, tag, monat und jare weichen Schwarzenberg
Cicero (1535) 36
b; meyne tage sind gewichen wie eyn schatten Luther 18, 508
Weim.; die weichende nacht sagts dem kommenden tage Herder 6, 268; der sommer weicht, der herbst fällt ein Gottsched
ged. 1, 252; der winter weicht, ein neues jahr steht an der krippe hochaltar Novalis 1, 82
Minor; da kamen schwere zeiten, die nicht weichen wollten W. Grimm
an Gervinus, briefw. 2, 54. A@44)
unbestimmt ist von haus aus auch die dimension, in der das weichen
erfolgt. meist, aber nicht nothwendig, bestimmt sie sich aus dem satzzusammenhang: eine flaumfeder fällt nicht wie eine bleikugel; doch kommt diesz vom medium her, welches weichen musz Hegel 7 i 99. A@4@aa)
sie bleibt stets frei, wenn. weichen
das verlassen einer normalen oder gewollten oder ruhelage bezeichnet. so früh anatomisch: wann einem der ruckgradt krumm würdt oder ein schulter weicht Gäbelkover
arzn. 1, 203; (
den hufen der türkischen rosse ist auf steinigem boden) gewohnlich der keren und bug gewichen Seutter
roszarznei 12; das weichende zahnfleisch Hohberg
georg. cur. 1, 524.
noch öfter technisch: damit der flos, so man darauf mit dem steigzeug erbeiten würde, für weichen solt gehalten werden W. v. Schaumburg 154
Keller; sparren, damit man etzliche höltzer creutzweis voneinander sperrt, damit sie nicht weichen können Corvinus
fons lat. (1646) 346; (
die böschungen eines wegs mit) gemäuer einfassen, dasz die erden davon zusammen gehalten nicht weichen möge Hohberg
georg. cur. 1, 532; bühnlöcher werden ins gestein gehauen, dasz die stempel darinnen gewisz liegen und nicht weichen können Schönberg
berg-inf. 2, 18; die wand ist ein wenig gewichen:
le mur s'est un peu assaissé Schwan
n. dict. 3, 1019; das schiff ächzt auf der wellen höhn ... die bohlen weichen mit gestöhn Droste-Hülshoff 1, 319.
[] von hier aus übertragen: (
fürsten sind) schwache hülfflose stänglein; wan man meynet man stehe fest, so weichen sie Moscherosch
ins. cura 62
neudr.; die letzten stützen des thrones weichen Dahlmann
gesch. d. franz. rev. 325. A@4@bb)
die richtung des weichens
kann vertical sein, selten nach oben: sie sprichts — und aufwärts denkt sie, da weichen der halle bogen, die gewölke fliehen Uhland
ged. 1, 119
Schmidt u. Hartmann; oben wich die decke weit und weiter O. Ludwig 3, 307,
öfter nach unten: namentlich der boden weicht,
unter dem liegenden: (
der heilige) legt sich auf einen schneeweiszen felsen, welcher alsobalden wie ein lindes wasser gewichen und ihme solcher gestalten ein herrliches grab abgeben Abr. a S. Clara
Judas 4, 35,
unter dem sitzenden: (
wenn der seekranke) bald den himmel, bald die see in die augen bekommt, wodurch die täuschung eines unter ihm weichenden sitzes noch mehr gehoben wird Kant 10, 292,
vor allem aber unter dem gehenden und stehenden: gewönlich seyen die alten hirsch vest und wolgesetzt, und weicht inen der tritt nitt
new jäger buch (1590) 28
a; von dir geführt, werd ich kaum innen, wie unter mir der boden weicht König
ged. 91; die einzige feuchtigkeit, die den heiszen, unter seinen füszen weichenden boden benetzte, waren die thränen Klinger 7, 215; weil der baum aber am rande eines morastes stand, so war das erdreich unter ihm gewichen Grimm
d. sagen 1, 162.
von hier aus übertragen: wer dieses alles umbildet, wird die historischen unmöglichkeiten wegschaffen. aber der boden weicht dann ganz unter seinen füszen Niebuhr
röm. gesch. 1, 243,
und der kaufmännische euphemismus für fallen: weichen vom preise, niedriger werden Weyl
prakt. kaufm. (1844) 2, 68,
seit 1833
belegt bei Schirmer
wb. der kaufmannsspr. 210. A@55)
dasz weichen
in der regel doch auf eine bewegung in der horizontale bezogen wird, liegt an der rolle, die das wort in der sphäre des kampfes spielt. es steht unter allen verwendungsarten am häufigsten vom krieg, dem körperlichen ernsthaften kampf der massen zu lande: die schar begunden wîchen
Nibel. 207, 4
Lachmann; sie mûsten wîchen durch die nôt
livl. reimchr. 2259
Meyer; sy kerten die ruocken und wichen durch zwen wege 1.
d. bibel, richt. 20, 31; dasz das volck alles weichen muszt
buch der liebe 334
a; der feld marschalck ... rieff ... der feind thete weichen, man müste ihn verfolgen Chemnitz
schwed. krieg 2, 160; wie man den feind durch weichen auch besiegt Hanke
ged. 1 (1731) 396,
im citat bei Neukirch
ged. 111; die weichenden völker blieben nun stehn Haller
Fabius 48; nun so werden wir bald wissen, ob wir weichen oder siegen Schiller 13, 200; ihr könnt's nicht läugnen, euer flügel wich zuerst 13, 226; es hat der feind die waffen in der hand, und nicht fürwahr in frieden wird er weichen 14, 333; nur der Franzmann zeigt sich noch in dem deutschen reiche; nun so nehmt die keule doch, dasz er gleichfalls weiche H. v. Kleist 4, 34; in diesem augenblick erschien auch die besatzung von Pavia im rücken der weichenden: eine allgemeine flucht begann Ranke 2, 222; so geschah es, dasz sich schrecken und weichen und flucht über die ganze linie ... verbreitete 4, 48; bei eintritt der dunkelheit wichen die Franzosen auf der ganzen hochfläche Moltke 3, 24.
entspr. vom seekrieg: die zweite art (
des durchbruchs) hat den zweck, die feindlichen schiffe am weichen zu verhindern Alten
handb. f. heer und flotte 3, 261,
vom manöver: die zum rückzuge bestimmten wollten durchaus nicht weichen G. Keller 1, 156,
vom zweikampf: herr doctor, nicht gewichen! frisch! Göthe I 14, 187
Weim., [] vom kampf der zecher: ich streich dich, ich weich nit: ich stich dich, ich wehr mich Fischart
Garg. 128
neudr., vom kampf zwischen mensch und thier: der crocodil ... umbschrieben: denen weichenden grausam Treuer
Dädalus 1, 351,
sowie zwischen thieren: und bang beginnt das rosz zu keuchen, und bäumet sich und will nicht weichen Schiller 11, 279.
vom unkörperlichen kampf der ansichten, lehrmeinungen, forderungen und rechte: nu wîchit ûwers gemôtis
k. Rother 1685
Rückert; es gilt hie nicht weichen noch etwas einreumen dir odder einigem menschen zu liebe Luther 34 ii 387
Weim.; in wichtigen sachen soll man leyden, in geringen weichen Lehman
flor. pol. 2, 556,
von da Wille
sittenl. 155; denn einer musz doch weichen, wenn ruhe werden soll Babo
schausp. 80; ich hoffe, der herzog wird in keinem stücke weichen Schiller 12, 67; allmählich wichen die bisherigen lehrbücher Ranke 1, 176; die weichenden erben (
sind) nicht mehr gezwungen die heimath zu verlassen
Leipziger tageblatt 1898
nr. 597.
aus dem satzzusammenhang kann das verbum sittliche färbung erhalten, '
nachlassen in der anspannung des willens zum guten': wir sollen ouch nit wychen, obschon ein grosze anfechtung libs und der seel uns überfiel Keisersberg
bilgersch. 16
a; '
falsche nachgiebigkeit zeigen': ein richter sol einen verbrecher gehörig strafen: tuht er es nicht, so weicht (decliniret) er zum ersten mahl Butschky
Pathmos 378; '
an werth zurückstehen': wo sich graf Dünois in die schranken stellt, musz jeder andre mitbewerber weichen Schiller 13, 251. A@66)
vom absoluten gebrauch führen übergänge zu weichen
mit dativobject: ynn solchen fellen ... sol das recht weichen und an seine stat die billichkeit regiern Luther 19, 631
Weim.; wenn einer ein bett hat gefunden, so musz der strohsack weichen Lehman
flor. pol. 2, 793;
bei zusammenziehung in je einen satz wäre beidemal die syntaktisch höhere form erreicht: das recht soll der billigkeit weichen, der strohsack musz dem bett weichen. BB. weichen
mit dativobject ist seit beginn des 13.
jahrh. häufig: in (
den winden) wîchet, swaʒ sie rüerent R. v. Ems
Barlaam 235, 9
Pfeiffer, und hat seither den absoluten gebrauch überflügelt. B@11)
präpositionale wendungen treten daneben zurück, nur vereinzelt findet sich fügung mit an: die staffeln sollen 12 schuch lang sein, auff das man weiten genug habe an einander zu weichen Dürer
unterr. z. befest. C 4
a.
eine rolle spielt einzig vor, dessen gebrauch hier älter als der des bloszen dativs ist: ther stal vore ime weih, sam er pli ware
pfaffe Konrad
Rolandslied 5116
Bartsch, und bis heute concurriert: während er, rückwärts schreitend, vor etwas zu weichen schien, stiesz er ... halbverständliche worte ... hervor Hauptmann
bahnw. Thiel 52,
bei unverkennbarer gleichwerthigkeit: der marmor weicht der zeit, der winter vor dem lentzen Günther
ged. 577,
wie denn diese fügung in prächtiger anschaulichkeit dem zurückgehen vor einer andrängenden masse gerecht wird: hat nur der deich hinreichende höhe und schrägung, so wird er nicht vor einer flut weichen Allmers
marschenb. 1/2, 34.
sachgemäsz wird die fügung meist vom kampf gebraucht, dabei ist der gegner ein mensch: sie theilt die haufen — alles weicht vor ihr, die Franken stehn, sie stellen sich aufs neu Schiller 13, 332,
oder ein menschliches geräth: heere weichen vor wenig lanzen Seume
ged. 180,
selten ein thier: es ist einem jäger ein schand, vor einem schwein zu weichen, aber nicht vor einem hirsch Duez
nomencl. 198.
widerum sind auch dämonische wesen an diesem gebrauch betheiligt: [] davor (
vor dem kreuz) musz sünde, höll und tod, ja selbst der teufel weichen Schenkendorf
ged. 24,
desgleichen unsinnlich gedachte subjecte: alle schreckensgestalten ... weichen wie nebel vor ihm
Europa hg. v. Schlegel 2 (1803) 180.
selten weicht vor
in die bed. '
wegen' aus: dasz auch manchen tag etliche tausend dreckschüten auf der bauer reihe dort halten, und keine vor der andern weichen kann Reuter
Schelmuffsky 122
neudr. nach festen gesetzen wechselt vor
mit für (
s. th. 4 i 617
f.): gefahr ist ehre gleich, folgt dem, der für ihr weicht Logau 2, 9, 25
Eitner. B@22)
weitaus in der mehrzahl der fälle wird die ursache des weichens
durch dativ bezeichnet, dabei widerholen sich die möglichkeiten des absoluten gebrauchs ziemlich treu. B@2@aa) weichen
ist auch hier bewuszte und willkürliche handlung: lassen sie uns mit einander brechen wie leute von vernunft, die der nothwendigkeit weichen Lessing 2, 323.
die beiden elemente der bed. '
nachgebend platz machen'
können gleichmäszig betont sein: doch wil ich hiemit nicht begeren, das die ienigen, so bereyt yhre gute ordnunge haben ... die selbigen faren lassen und uns weychen Luther 19, 73
Weim. nur '
nachgeben',
nicht '
platz machen'
bed.: liebe überwindet alle ding. dar umb wychen wir der liebe
N. v. Wyle
transl. 32
Keller, umgekehrt kann auch die bed. '
platz machen'
allein gelten: (
die verschiedenen mahlzeiten) an einander hencken wie paternoster ... also das kein schlamp dem andern weichen kan Fischart
Garg. 74
neudr.; da stieg der vater ab und wich dem müden knaben Ramler
fabellese 1, 190.
wider wandelt sich das element der beweglichkeit zum lockern, luftigen: die brust mit flor bedeckt, der jedem lüftchen wich Lessing 1, 82.
das zögernde des vorgangs kann wider betont werden: er beschwor sie, der flamme nur schritt vor schritt zu weichen Göthe I 27, 215
Weim. neu stellen sich bei weichen
mit dat. die bed. '
zurückstehen vor, entgehen, sich entziehen'
ein: (
ihr druckt) Brentii ecclesiasten ... welchem ich auch von hertzen weichen wolte Luther 26, 621
Weim.; niemand lebt wohl ohne feind, keiner kann der miszgunst weichen Günther
ged. 18; nur thoren tadeln gern, was ihrer einsicht weichet Gottsched
n. ged. 60. B@2@bb)
das häufigste gegenwort dieses weichens
ist widerstehen: alles weicht ihm; nichts wagt es ihm zu widerstehn Ramler
einl. in die schönen wiss. 2, 155.
mit wechselnden synonymen verbindet es sich stets so, dasz es eine neue färbung in die gesamtbed. bringt: weichen, schweygen und recht lassen Luther 6, 264
Weim.; weychen, leyden und nemen lassen 18, 309; volgen und weichen Murner
an d. adel 28
neudr.; einreumen und weichen Agricola
sprichw. (1534) D 6
a; weichen oder nachgeben Albertinus
Luc. königr. 53
neudr.; weichen, nachgeben, mitteln und vergleichen Lehman
flor. pol. 1, 364.
auch dieses weichen
tritt im wechsel mit seinen eignen compositis auf: Faustus aber gieng in den fahrweg, dasz jn also der bauwer nothhalben ansprechen muste, er solte jm entweichen ...
d. Faustus, der bezecht war, antwort jm: nun wil ich sehen, ob ich dir oder du mir weichen müssest. hörstu bruder, hastu nicht gehört, dasz einem vollen mann ein häuw wagen auszweichen sol?
Faustbuch (1587)
neudr. die stelle des Sachsenspiegels, die hier letzten endes vorausliegt, bietet das simplex: der rîtene wîche deme wagene, und der gênde deme rîtene 2, 59, 3
Hildebrand, desgleichen alle alten citate: Altprager stadtrecht 151, 170
Röszler; Luther 18, 297
Weim.; 19, 418; Franck
sprüchw. 2, 72
b;
sprichw. klugreden (1548) 26
b; 89
b; Spanutius (1720) 515.
auch sonst im verkehrsleben hat altes weichen
jüngerem ausweichen
platz gemacht: er (
der esel) weicht niemand, der im begegent K. v. Megenberg 119, 34
Pfeiffer; weichens halb sein '
ausweichen' Th. v. Absberg 13
Baader; ein fuszpfad, schmal, dasz an gewissen orten eben einer dem andern weichen konte Moscherosch
ges. 1, 342.
desgleichen anatomisch: sollichs rhor erstreckt sich ... etwas gebogen, dann es
[] muosz der groszen leber adern weichen Ryff
anatomi D 5
a.
gegen fliehen
bleibt weichen
auch hier der gelindere ausdruck: dar umme duchte my dat beste wesen, dat ik wolde wyken syneme torn
Reinke de vos 5751
Prien; ha! schreyt sie, heiszt das redlich kämpfen, wenn man dem feinde flüchtig weicht? Gottsched
neuestes a. d. anm. gel. 3, 17. B@2@cc)
widerum begünstigt die unbestimmte bed. den gebrauch des verbs überall da, wo man die gangart nicht näher zu bezeichnen wünscht. B@2@c@aα)
von sinnlich wahrnehmbarem sagt man, es weiche,
wenn man von der art seiner bewegung keine klare vorstellung geben kann: (
du sollst) den vördern gschmack (
geruch) mit deim vertreiben ... und muosz der erst dem letsten weichen Scheidt
grob. 4576
neudr.; dasz ein solches übel einem worte ... auf einmal und für immer gewichen sei, ist gegen alle wahrscheinlichkeit Strausz 4, 168; man sah das feuer als ein lebendiges, mit der zunge leckendes thier an ... das nicht dem wasser weicht J. Grimm
kl. schr. 5, 253; ich dringe zu, tret alle sträucher nieder, die büsche fliehn, die bäume weichen mir Göthe I 2, 90
Weim.; dasz hier die cörper fest und undurchdringlich seyn, sie den veränderungen fast unaufhörlich sind ausgesetzt, und ihnen müssen weichen Brockes
ird. vergn. 4, 97; wacken und lagerwenden, welche niemand weichen Mathesius
Sarepta 25
b; da kaum das eis den frühlingsblicken weichet Pietsch 5
Bock; aber der schnee schien ihr nicht weichen zu wollen G. Keller 5, 164; sonne, mond und gestirn wichen dem herrlichen glanz gottes Herder 16, 62; die dickste finsternisz weicht dem lichte 18, 307; die seidenen gardinen rauschen los, dem strahle musz die grüne dämmrung weichen Droste-Hülshoff 2, 243.
auffallend oft steht dieses weichen
von gebilden der menschenhand: der ambosz weicht dem hammer nicht Lehman
flor. pol. 1, 103;
von da Wille
sittenl. 156; leckerey und spielwerk weicht der aufkeimenden begierde Lessing 13, 427; während nun unter sich selbst in heilsamer gährung sie (
die gifte) kämpfen, weichet der tödtliche trank endlich dem heilsameren Göthe I 5, 45
Weim,; das alte waldschlöszchen, das ihm hat weichen müssen Mörike 3, 30; der pfropfen wich verständig der höhern strategischen intelligenz (
des pfropfenziehers) Raabe
Horacker 35.
auch in symbolischem gebrauch: von einem münchen-stifft werdt ihr ein hertzogthum: der chor-rock weicht den purpur-röcken Besser 1, 6
König. B@2@c@bβ)
widerum gern von übermenschlichen, dämonischen wesen, die zunächst körperlich gedacht waren: got aber weicht nicht dem nehsten Franck
sprüchw. 2, 3
b.
so von Christus Fischart
Dominici leben 125
v. 60
Kurz, von den engeln Luther 8, 534
Weim., von heidnischen gottheiten Opitz
t. poem. 46
neudr.; Niebuhr
röm. gesch. 1, 307; Rückert 2, 254; Peschel
völkerk. 346,
am liebsten doch von teufel und hölle: Paracelsus 1, 255 C
Huser; Droste-Hülshoff 1, 334; Arndt 5, 335
Rösch u. Meisner; Körner 1, 123,
zumal in dem sprichwort: dem böfel weicht auch der teuffel Franck
sprüchw. 2, 100
b;
sprichwörter, klugreden 40
b; Eyering 1, 369; Lehman
flor. pol. 2, 607. B@2@c@gγ)
unkörperliches weicht
meist vor unkörperlichem: da ... denn die schönheit wie billig der nothwendigkeit weichen muszte Göthe III 2, 87
Weim.; die idyllischen zustände am Achensee haben modernen einrichtungen weichen müssen Steub
drei sommer 1, 158.
mehr als äuszere zustände sind zustände der seele an diesem gebrauch betheiligt: die tödtliche langeweile zu scheuchen, die doch nur der kunst, sich vernünftig und nützlich zu beschäftigen weicht Forster 6, 361; der taumel ihrer sinne wich der angstvollsten ermunterung Immermann 1, 173 (
Münchhausen 2, 7); als die begeisterung für den neuen kühnen gedanken einer kühleren überlegung gewichen
[] war Peschel
völkerk. 17,
vor allem affecte: also thut die liebe, die weicht dem nähesten, so oft es noth ist Luther
br. (1521) 2, 121
de Wette; mein gerechter zorn weicht der nothwendigkeit Schiller 13, 231; dasz die triebe, in ihrem widerstreit gegen die pflicht, derselben weichen sollten Hegel 10 i 71.
ein affect weicht dem anderen: zorn musz der liebe weichen P. Gerhardt 3, 394
Fischer-Tümpel; denn so weicht der neid dem glükk Neumark
neuspr. t. palmb. 349; wo lust dem leide weicht Giseke 46
Gärtner; oft musz der stolz dem geldgeiz weichen Archenholz
Engl. u. It. 2, 162; bei den frauen ist die liebe die vorherrschende leidenschaft ... beim manne weicht sie so manchen anderen affekten Moltke 1, 55.
wo gedankenmäsziges weicht,
ist es meist eine absicht: als ich sie verlies, ergriff mich der gedanke einige tage zu bleiben, der aber leider den nächsten bedingungen meiner reise weichen muszte Göthe IV 29, 258
Weim., oder als bethätigung des intellects die sprache und sprachliche gebilde: die ältere oberdeutsche mundart ... die ... der neueren obersächsischen nur nach und nach weicht Adelung
magazin 2 i 5; wenn man in der deutschen sprache eben so verständliche und bestimmte wörter hat, musz das fremde dem einheimischen billig weichen Kinderling
reinigk. 49; die einzelnen erzählungen (
der gesta Romanorum muszten) heimischen lieblingsgeschichten weichen Gervinus
gesch. d. d. dichtung 2. 142.
eine vorstellung weicht: selich sind die reichen: dann das fegfewer musz jhnen weichen Lehman
flor. pol. 3, 323,
nam. wider, wenn sie zeitlicher natur ist: die nacht wycht dem tag Maaler 509
a; die nacht weicht dem siegenden licht Schiller 3, 521; wenn jeglicher frühling verblühen musz, dem heiszen sommer weichend Holtei 5, 32. B@2@dd)
die dimension dieses weichens
ist kaum je vertical: die berge weichen seinem (
gottes) tritt Herder 12, 314,
weil die vorstellung des kampfes hier die anschauung fast völlig beherrscht. meist ist es auch hier körperlicher krieg der massen zu land: er schlug so ritterlich umb sich, dasz sie jhm alle weichen muszten
buch d. liebe 27
c; die macedonische phalanx würde vielleicht römischen legionen nicht gewichen seyn Abbt 6 ii 21; doch ein blutritt war es, ein todesritt, wohl wichen sie unseren hieben, doch von zwei regimentern, was ritt und was stritt, unser zweiter mann ist geblieben Freiligrath 4, 71,
vereinzelt zweikampf: dir fast zur seite zeigt sich Pordenone: ihr wolltet lebend nicht einander weichen, im tode hat nun jeder seine krone Platen (1839) 97 (
sonette 31),
und kampf zwischen thieren: (
wer von zwei rebhühnern vom andern) also überwunden würd, der weichet dem stärckern Herr
feldbau 172
b. '
nachgeben im kampf der worte und meinungen'
ist weichen
kaum vor dem 16.
jahrh.: er waicht auch nieman mit worten Keisersberg
sieben schwerter f 3
d,
oft bei Luther: welcher solt hie dem andern billich weichen? sol Augustinus Paulo odder Paulus Augustino weichen? 26, 576
Weim., nach ihm bei feind und freund: Murner
an d. adel 28
neudr.; Eberlin 3, 118
neudr.; N. Manuel
Barbali 1372
Bächtold. weiterhin vertieft auf das ringen religiöser und wissenschaftlicher kräfte: zauberey ... weiche von stundan dem lutherischen euangelio Nas
antip. eins u. hundert 1, 53
a; die wissenschaft ist dem glauben gewichen, das schaffen dem gebet Moltke 1, 166.
ein bes. gut ausgebildeter sonderfall ist das nachgeben im rechtsstreit. von den parteien im civilprocess: söll der berckmeister ... einen theyle dem andern zu weichen weisen Lori
bair. bergrecht 178;
staatsrechtlich: nachdem dieser vertrag vollzogen, und hertzog Ludwig ... dem bruder gewichen Rätel
Curäi schles. chron. 106; im collisionsfall wich natürlich die gemeinde dem staat Mommsen
röm. gesch. 2, 363.
im strafverfahren vom zeugen: du solt ... nicht
[] antworten fur gericht, das du der menge nach vom rechten weichest
2. Mos. 23, 2.
die vorstellung eines instanzenzugs, dasz ein untergeordneter act einem höheren weicht: unter zweien offentlichen verlöbnissen sol das ander dem ersten weichen und gestrafft werden Luther 30 iii 224
Weim., dringt in den allg. sprachgebrauch: das gesaz weicht der gnaden Fischart
bibl. hist. 289
Kurz; der privatwahn soll dem gemeinen wahn weichen Lehman
flor. pol. 2, 517.
jung ist die anwendung auf politischen kampf: es ist ihr herr und kaiser, dem sie weichen Schiller 12, 100,
und auf politische principien: das eine mal musz wol ... das demokratische dem oligarchischen weichen Schleiermacher
Platon 6, 429,
noch jünger die auf ästhetische kämpfe: wie einst in solchen kleingebieten der romanische baustil noch gepflegt wurde, nachdem er in den offenen groszländern längst dem gothischen gewichen G. Keller 6, 28,
auf den kampf des menschen mit dämonischen kräften und auf das ringen mit problemen: soll ich dir, flammenbildung, weichen? Göthe I 14, 32
Weim.; dies war das mächtigste rätsel, dem Christian je ins auge gesehen ... ihm wollte er nicht weichen Ilg
brüder Moor (1912) 146. B@33)
neue entwicklung, die erst im rahmen der verbindung von weichen
mit dativobject möglich ist, bietet sich nach vier seiten: B@3@aa)
schon gestreift sind wendungen wie der wahrheit, gewalt,
nothwendigkeit weichen: eher dan wir solten schuler werden und der warheit weichen Luther 33, 353
Weim.; dero gwalt wir kein stund nie gewichen sind Zwingli
freih. d. speisen 32
neudr.; das recht weicht der gewalt Stoppe
Parnass 181; ruhig, mein freund! weichen sie der nothwendigkeit Bauernfeld 5, 153.
die norm ist, dasz ein starres princip ein gelindes zum weichen
bringt: es war auf alles kalkuliert, nur auf den unsinn der verwüster nicht, dem alles weichen muszte Göthe IV 8, 53
Weim.; es giebt eine wirklichkeit, die meine träume zerstiebt und der ich weichen musz Forster 8, 37.
bei den dichtern aber erscheint mit besonderer wirkung auch das starre princip gemildert: die dunkle majestät der bildung wich des todes ruhig lösenden gewalten Droste-Hülshoff 2, 248. B@3@bb)
neben das dativobject stellt sich eine weitere bestimmung des weichens,
die den bereich der handlung angibt: yedoch so haben wir noch biszhär den weiberen gewichen mit der kleydung Eppendorf
Plinius 11, 193; fürwahr! ein zage wär ich und ein tropf zu schelten, so ich dir in allem, was nur dir behaget, wiche Bürger
Ilias 1
v. 413; (
wenn ihr) dem narren, den ihr hier im konterfey betrachtet, im leben duldsam wicht Gotter 1 (1787) 25. B@3@cc)
das dativobject bringt die möglichkeit, weichen
auf rangverhältnisse anzuwenden: cedere spatijs ... eim von eeren wägen weychen und platz geben zegon oder zesitzen Frisius
dict. (1556) 204
a.
recht entwickelt ist dieser gebrauch fast nur für rangstreitigkeiten: warumb solt ich eim andern weichen, so er doch eben ist meins gleichen? Scheidt
grob. 651
neudr.; dem ältern bruder musz der jüngre weichen Schiller 14, 79,
auch im kampf der schönheiten und der dichter: noch keine kan Dorinden gleichen, noch keiner darf Dorinde weichen Stieler
geh. Venus 17
neudr.; ich reime, dasz man es versteht, und mehr, als du, geh, du must mir noch weichen Kästner 1 (1755) 204.
erst Göthe
würdigt das wort, zum träger edler versöhn licher vorstellungen zu werden: hier ist es zeit durch thaten zu beweisen, dasz manneswürde nicht der götterhöhe weicht I 14. 40
Weim. [] B@3@dd) weichen
ist in alten und neuen wb.n stehende widergabe von lat. cedere, s. Diefenbach
gloss. 109
c ; nov. gloss. 82
a.
dasz es auch in seiner resultativen bed. (
zu diesem begriff Rodenbusch
idg. forsch. 28, 263) '
einem an werth nachstehen'
die entspr. bed. von cedere nachbildet, läszt sich aus den frühesten belegen dieser bed. wahrscheinlich machen, die seit beginn des 16.
jahrh. theils in übersetzungen aus dem lat. theils in gelehrter prosa stehen: also gelert das ... im da vil gelerter ertzt wichen Murner (1519)
bei Hutten 5, 441
Böcking, für lat.: cedentibus ei peritissimis ibi medicis; das alt gesätz dem newen weycht Schwarzenberg
t. Cicero 155; zwey ding sind, wilchen alle andere erbeyt des studierens weychen sollen Eberlin 3, 196
neudr. im ganzen bleibt diese bed. auf gelehrte beschränkt: in allen jren satzungen weichen (
die menschen) billich der bibel B. v. Chiemsee
t. theol. 86
Reithmeyer; wie andere nation thuon, denen unsere keines wegs weichen sol Xylander
Polybius vorr. 4
b; ob wol, du groszer Rhein, dir alle flüsse weichen Opitz
t. poem. 105
neudr.; trautes creutz! dem willigst weichen alle bäum in dieser welt Gryphius 2 (1698) 249; da (
in der sprache) es ... keinen mangel geben wird, dasz die römische zier der teutschen pracht und stürmenden lieblichkeit wol weichen musz Schottelius
hauptspr. 64, 39; Thesprotien, Molossis ... weichen den gesegnetsten gegenden Griechenlands nicht an jedem reichthum Niebuhr
röm. gesch. 3, 528.
sie nimmt an verbreitung zu bis mitte des 18.
jahrh., die classiker kennen sie noch: alles weichet der macht weiblicher krieger, die viel begehren und viel wagen (
von der königin im schachspiel) Herder 27, 27; von einem arme, dem selbst Junos schöner arm an form und weisze wich Wieland 17 (1796) 194; und darin musz der sommer mir (
dem winter) mit seiner schönheit weichen Göthe I 16, 191
Weim.; überall weichet das weib dem manne, nur in dem höchsten weichet dem weiblichsten weib immer der männlichste mann Schiller 11, 187;
Meroe: dies werk ist der giganten, meine königin!
Penth.: nun ja, nun ja: worin denn weich ich ihnen? H. v. Kleist
Penth. v. 1380; an dauer weicht die rose dem rubin, ihn aber schmückt des thaues thräne nicht Platen (1839) 73.
im 19.
jahrh. stirbt sie aus. worin der eine hinter dem andern zurücksteht, wird mit wechselnden präpositionen angegeben: dann Teutsche seind von art ein volck, das ... in und mit krieg niemant weicht Franck
Germ. chron., vorr. bbij
a.
die älteste ist mit: wir wöllendt kinder zuoher fieren, denn du mit dyner kunst muost wychen Murner
narrenb. 5, 43
neudr.; (
Kreta ist) bewohnet wegen ihrer herrlichen fruchtbarkeit, mit deren sie keiner insel weichet in dem gantzen mediterranischen meer Heberer
ägypt. serv. 416.
etwas häufiger ist in: der halben gib ich dir etwas zu vor und weich dir in der tyranney, als ein alter tyrann einem jungen Hutten 4, 11
Böcking; (
ein parvenu) der, stolz und steif und bürgerlich, im schmausen keinem fürsten wich Hagedorn 2, 119.
jung, aber am besten entwickelt, ist an; an wolgestalt findt man kein bald schön Absalon musz (
meinem helden) weichen Forster
fr. t. liedlein 33
neudr.; gantz England weiche dir an vieh und schöner weide Rachel
sat. 56
neudr.; und kurz: ihr brauchet eures gleichen, den grazien, in nichts, als an der zahl, zu weichen Lessing 1, 29; der rubin, der jenem weicht an dauer wie an klarheit Müllner
dram. 4, 105.
ganz vereinzelt bleibt halben: jederman wird hie zu spott und musz hoheit halben (
dem gottesfürchtigen) weichen Dach (1642)
Königsberger dichterkr. 151
neudr. auch umsprung der beziehung kommt vor, statt dir an schönheit:
[] deiner schönheit müssen weichen alle damen in der welt
Venusgärtl. 3
neudr. andere nachbildungen von lat. cedere, die zu den bed. '
abtreten, meiden, anheimfallen'
führen, gewinnen keinen boden: als aber Pius in der statt Rom 15 jar in dem priester ampt volbracht, hat er Aniceto den stuoll gwichen Hedio
chron. germ. E 1
b; (Luther
dankt) e. k.
f. g. schrift, dasz sie ... Faber der stadt Prettin zu einem pfarrer erlaubet und gewichen haben
briefe 5, 631
de Wette; ist deine Doris nicht die schönste schäfferin? und dencke, wie noch letzt, als Damon den gewinn, den deine flöt' erwarb (
eben Doris), dir traurig weichen müszte, sie springend zu dir kam, und dich umhertzend küszte Warnecke
poet. vers. 369; vor dieser art menschen sich jeder huot, und weich die wie den basilisk Thurneiszer
v. kalten wassern, vorr. ij
b;
domus et quae domui cedunt ... das hausz und alles das darinn ist weycht jm Frisius
dict. (1556) 204
b. B@44)
zu C
führen fälle hinüber, in denen neben der ursache des weichens
auch sein ausgangspunkt genannt wird: sie sind williglich und christlich dem zorn aus den augen gewichen Luther 38, 142
Weim., weiter fälle, in denen die ursache des weichens
genannt wird, aber der ausgangspunkt gemeint scheint: der gaystlich offt der regel weycht, und auch mit disen hauffen streycht Schwarzenberg
t. Cicero 153; als das schicksal Cäsarn wich, bin auch ich beschämt gewichen Schönaich
Hermann 10;
endlich die umgekehrten fälle, in denen der ausgangspunkt genannt, die ursache gemeint wird: wer für dem creutze weicht, taug übel unter christen Logau 1, 9, 4
Eitner. dichterisch ist noch lange dativfügung möglich, wo die prosa eine präp. (von)
verlangt: der hat mir redlich ausgehalten, als mir alles wich Tieck 1, 92. CC.
ausgangspunkt oder -linie des weichens
wird genannt. C@11)
das alte sprachliche mittel hierfür sind die ortsadverbia: si sind doch alle hinnen gewichen
schausp. d. mittelalt. 2, 220
Mone; grundt und boden dennen wycht Murner
schelmenz. 48, 212
neudr; denn wil ich wider weichen dorten Sachs 21, 183
Keller-Götze; decedamus hinc ... lassend uns ... da dannen weychen Frisius
dict. (1556) 365
a.
die verdrängung des alten ortsadverbs durch präp. wird seit ende des 16.
jahrh. eingeleitet durch die gruppe präp. mit ortsadverb: das du von hinnen weichest baldt Hayneccius
H. Pfriem 55
neudr.; ist keiner, der von dannen weich Fischart
Eulensp. 22
v. 275
Hauffen. die beiden fügungen sind zu keiner zeit häufig, aber in der dichtung bis heute möglich. C@22)
auszer den beiden häufigsten präp. aus
und von
spielt neben weichen
keine andere eine namhafte rolle. auf, an, vor
begegnen nur, wo die anschauung, dasz ein ausgangspunkt verlassen wird, irgendwie gestört ist: (
Romulus) gab den frawen ... fryheit, das inen die man uff dem weg wychen Schöferlin
Livius (1514) 6
a; drey ding thut man nicht gerne zu rhom, bethen, zahlen und weichen am wege Hutten 4, 266
Böcking; vor dieser kammer weich ich nicht Wickram 6, 120
Bolte; (
in den singspielen sollte) die französische manier des platten dialogs vor dem recitativ der Italiener weichen Gervinus
gesch. d. d. dichtung 5, 92.
einzig die präp. ab
erreicht auf obd. gebiet eine gewisse bedeutung neben von,
bair.: so wolten sie weychen ab der mauer Schiltberger
reisebuch 10
Langmantel; die juden ... weichen ab dem dinst desselben jres gots B. v. Chiemsee
t. theol. 69
Reithmeyer, und bes. alem.: (
du lieszest dich kreuzigen) das dein hertz und dein gelider ietliches weich ab seyner stat
d. ewigen weisheit betbüchl. (1518) 118
b;
[] hat nach ihrem wunsch ein belobtes werk verrichtet, weil er ab der welt gewichen Grob
dicht. vers. (1678) 44. C@33)
ungleich wichtiger ist anknüpfung mit aus.
diese präp. ist C@3@aa)
allein möglich C@3@a@aα)
wo der weichende
einen raum verläszt, der ihn vorher völlig umschlosz, namentlich land und landschaft: das landt gefiel jm wol, und wolt nit darausz weichen Münster
kosmogr. 54; dise kräy weycht zuo sommerzeyt ausz dem Niderland Gesner
thierb. 2, 164; weichet aus dieser insel Nigrinus
von zäuberern 42; Apollo wich mit fleisz aus dieser wilden flur Gottsched
n. ged. 57; die nacht weicht langsam aus den thälern Schiller 14, 335,
ortschaften: Gadarener ... die ... Christum ausz jren grentzen weichen heiszen Sandrub
kurzweil 53
neudr.; will ich selbst aus Guastalla nicht weichen Lessing 2, 444; wich er aus der stadt Schiller 13, 354,
haus und zimmer: so will ich usz dem hus wychen Stainhöwel
Äsop 90
Keller; niemand weicht gern ausz dem hausz, darinn er gebohren, erzogen und gewohnt Lehman
flor. pol. 2, 769; weicht aus dem divan Schiller 13, 384; sollte das gespenst aus den ruinen weichen Kästner
verm. schr. 2, 202; bis wir aus der kammer weichen Schweinichen
denkw. 23; muste mein wirth ausz seinem bette weichen
Simpl. 356
neudr. der leib des menschen umfängt gleicherweise kräfte und gefühle, die in ihm leben: sobald der frost ihr aus den gliedern wich Ramler
fabellese 1, 145; ein blick in des jungen gesicht, und aus dem ihrigen wich alles blut Ebner-Eschenbach 5, 49. C@3@a@bβ)
wie der raum die körper, so umfassen seele, sinn und begriffe einen geistigen inhalt: der kunstrichter verliert alles, wenn er aus der theatralischen anschauung weichet Herder 3, 45; jeder gram musz aus der seele weichen, nur aus meiner seele weicht er nicht J.
M. Miller
ged. 54; und aus meiner seele trüben kammern wichen leid und angst Arent
mod. dichterchar. 49; und in ihrem busen wohnt der friede, der durch sie aus meinem busen wich Gotter 1 (1787) 75; da wich ein langer jammer aus zweier herzen grund Rückert 3 (1839) 502; versprich mir denn, dasz dieses heitre fest ... dir nicht aus dem gedächtnis weichen soll H. v. Kleist 1, 224; weil die ehr und redligkeit weicht und fleucht ausz unsrer zeit Logau 1, 3, 31
Eitner; als sei ein störendes unheimliches prinzip aus seinem leben gewichen E. Th. A. Hoffmann 6, 47
Grisebach. C@3@a@gγ)
eine führung, ein geleise umgreift körperliches nicht völlig, aber an der entscheidenden stelle: der zaum jhn ausz den händen wich Spreng
Ilias 140
b; die ströme werden weichen aus ihren ufern zur frist Geibel 4 (1888) 245.
hier schlieszen die sehr mannichfaltigen wendungen an, in denen weichen
das verlassen einer norm bezeichnet: der brand ergriff den thurm, der bald durch einen schwung aus seinen banden wich Besser 1, 55
König; ihr (
der uhren) lauf beschrieb verschiedne krayse, und keine wich aus ihrer gleise Lichtwer (1748) 129; die melodie der gedanken weicht aus den engeren schranken zu höherer anschauung B. v. Arnim
Günd. 2, 14; aus ihrem gleichgewichte Blumauer
ged. 184; aus seiner natürlichen stelle Kant 10, 10; aus ihrer bahn Schiller 5, 325; aus ihrem engen zirkel Fr. Müller 2, 37; aus aller schnur Immermann 1, 82; aus den fugen Mommsen
röm. gesch. 2, 74; Grillparzer 8, 140; aus nuth und naht Jordan
die Sebalds 1 (1904) 254. C@3@a@dδ) aus
allein ist am platze, wo aus der richtung einer gefahr gewichen wird: so er das thier (
ein einhorn) gegen jm sicht traben, stelt er sich an ein baum, jm ausz dem stich des horns zuo weychen Gesner
thierb. 37; Floreno aber war jhm viel zu behende, und wich jhm ausz dem wurff
buch der liebe 21
b; aus dem strich weichen
declinare ictum Reyher
thes. 04
b.
[] C@3@bb) aus
concurriert mit von
in drei fällen: C@3@b@aα)
in den verhältnissen des verkehrslebens, die jetzt das comp. ausweichen
deckt: dô die von Beier landewichen ûʒ dem wege, dô hôrt man nâch hellendie freislichen slege
Nibel. 1556, 1
Lachmann; und inen usz dem weg wychen sölten Stainhöwel
cl. mul. 191
Drescher; entspr. Murner
narrenbeschw. 60, 43
neudr.; 4. Mos. 22, 23;
Hiob 31, 7; Alberus
fab. 26, 18; Gesner
thierb. 41
b; Werder
ras. Rol. 24; Lohenstein
Arm. 1, 59
a; Bode
Montaigne 3, 49,
dazu: ausz dem wege gottes weichen Paracelsus 2, 91 A,
gleichbed.: und da im der held nicht aus seim lauf wolt weichen, thet sich der hirsch auf Maximilian
teuerd. 32, 49
Gödeke; darumb reuspert sich der herr auff der gassen, das man an die schlapp greiff und weich ausz der straszen Fischart
Garg. 63
neudr. C@3@b@bβ)
in der sphäre von streit und krieg, soweit weichen
der bed. '
fliehen'
nahekommt: prunnenmaister ... mochten das nicht zu wegen pringen und wichen ausz der stat
städtechr. 4, 318 (
Augsburg 1412); im fale der soldaten einer im abzuge oder marschiren ausm gliede weichen ... wolte, denselben wieder unterzustoszen Chemnitz
schwed. krieg 2, 46; Brokdorp, der aus Schonen hatte weichen müssen Nitzsch
d. studien 263; aus dem felde zu weichen Ranke 3, 18.
gleichbed. mit fliehen ist weichen
auch hier nicht, die formel weichen und fliehen Arigo
dec. 81. 130
Keller stellt die begriffe zu gegenseitiger ergänzung nebeneinander. C@3@b@gγ)
bei betheiligung dämonischer wesen: die teuffel ... auff ihren befehl ausz den besessenen menschen weichen Albertinus
hirnschl. 62; allein der leichte schatten (
Kreusas) wich wie luft mir aus der hand Blumauer
ged. 216. C@44)
die präp. von
ihrerseits tritt C@4@aa)
neben aus
in den entspr. drei fällen: C@4@a@aα)
beim verkehrsleben der strasze: die mit der frouwen giengen,die hieʒen von den wegen wîchen allenthalben
Nibel. 286, 2
Lachmann; deviare wichen von wege
westmd. variloquus (
ende d. 15.
jahrh.)
bei Diefenbach
gloss. 178
a ; wider auch moralisch gewendet: vom weg der reinigkeit und unschuld weichen J.
M. Miller
pred. f. landvolk 3, 281.
in der geistigen und körperlichen welt des verkehrs begegnet auch die wendung wanken und weichen
wider: sie ... wankt und weicht nicht von ihrer art und weise Göthe IV 35, 283
Weim.; wo sind sie, die vom breiten stein nicht wankten und nicht wichen?
allg. d. commersb. (
Lahr 1858) 240. C@4@a@bβ)
neben weichen,
das der bed. '
fliehen'
nahekommt, ist von
kaum jünger und viel häufiger als aus: so haben auch die Hussen die stat Chomentaw selbs auszgeprant und sind davon gewichen
städtechr. 2, 39; (
ich, Reineke) byn in der noet by yw ghebleven vaken, wan etlyke van yw weken, de nu syk twysschen uns beyden steken
Reinke de vos 4321
Prien; alle die kriges halben von der stat gewichen waren Arigo
dec. 339
Keller; von jren hauptleuten und baner weichen Carbach
Livius (1551) 53
b; unabgefordert von einer wache oder batterie zu weichen Fleming
vollk. t. soldat 56 § 1; ich will den horcher bey den zelten spielen ob irgend wer von mir zu weichen denkt Schlegels
Shakespeare 9, 201. C@4@a@gγ)
viel öfter als aus
steht von
bei betheiligung dämonischer wesen: sindt das du ein bepstin bist genant so mus ich (
der teufel) von dir weichen zuhandt Schernberg
fr. Jutte 780
Schröder; so musz das gespenst von euch weichen Sachs 1, 150
Keller; der geist gottes war von ihm gewichen Schupp (1663) 14; möge dieser gute genius bis an das ende nicht von unserer seite weichen Göthe IV 28, 93
Weim.; die weisze nebelgestalt wich nicht von ihrem opfer Laistner
nebelsagen 82.
[] C@4@bb)
ganz oder fast allein gilt von
in weiteren fünf fällen. C@4@b@aα)
in formeln mit neg. bestimmung eines kleinsten maszes, wie: nicht um einen schritt weichen.
am frühsten und beliebtesten ist haar: sîner hôhen tugende sin lieʒ in niht wîchen um ein har
passional 451, 19
Köpke; nicht um eines haares breite wich er von dem ergriffenen system Ranke 31/32, 60,
schweiz. gern vergröbert zu burst:
unguem latum non discedere ... nit umb ein burst weychen Frisius
dict. 1402
a.
nächstalt und -häufig sind tritt
und schritt (
vgl. frz. ne pas): dor von weichen nit eyn drit Murner
schelmenz. 13, 39
neudr.; vereinbartend sich ... von der alten besitzung und landmarchen nit ein schritt ze wichen Tschudi
chron. helv. 1, 56,
daneben merkwürdig jung fusz: er wich keinen fusz breit Moltke 1, 65,
älter finger: weichen nicht eines fingers breit Reyher
thes. o 4
d;
damit gleichbed. nagel: nicht einen quer finger oder nagel breit weichen Apinus
gloss. nov. 440.
selten bleiben masze aus der anorganischen welt: nicht weichen umb ein spangen Fischart
ehzuchtb. 141
Hauffen; über den canal schlug er eine brücke ... von den gröszten quadern ... davon ist keiner um einen messerrücken breit aus den fugen gewichen Niebuhr
röm. gesch. 3, 487.
die maszbestimmung wird mhd. stets, seitdem in abnehmender häufigkeit mit um
angeknüpft, sie steht im acc. seit beginn des 16.
jahrh., und diese fügung herrscht jetzt fast allein. anknüpfung mit dem gen. und mit auf
bleiben auf das 17.
jahrh. beschränkt. ganz selten positiv: da jm ein finger breit gewichen were Luther 34 ii 387
Weim.; weicht einen kleinen schritt Göthe I 16, 139
Weim. C@4@b@bβ)
bei körperlicher trennung gilt von,
wenn ein verband gelöst, eine zus.-gehörigkeit aufgehoben wird. im einzelnen widerholen sich die kategorien von C 3 a): auff dasz auch theten sie deszgleichen nicht zu hoch von der erden weichen Fischart
Eulensp. 9
v. 214
Hauffen; lieszen sie die ruder gar langsahm ... ins wasser fallen, dasz sie kaum ein wenig vom lande wichen Olearius
verm. reisebeschr. 9; die dolen, so langsam von der weyde weichen, zeigen an den winter Nigrinus
v. zäuberern 135; dasz kein Neapolitaner von seiner stadt weichen will Göthe I 31, 23
Weim.; so mercken sie doch gleich jre ställe ... und weichen schwärlich davon Sebiz
feldbau 121; ihr müszt heut keinen schritt vom hause weichen Schlegels
Shakespeare 2, 56; von meines herrn palaste vermocht ich nicht zu weichen Platen 1, 21
Hempel; drei ... nächte, während welcher seine mutter nicht von seinem bette wich H. v. Kleist 2, 231; iemehr der athem weicht vom munde ie minder wird er warm verbleiben Logau 3, 6, 34
Eitner; ja, bester lord, und niemand hier im kreis, dem nicht die röthe von den wangen wich Schlegels
Shakespeare 9, 70; er, dem der schlummer oft vom augenliede wich Hölty
ged. 45
Halm. neu und reich entwickelt sind die allg. ausdrücke von der stelle weichen Thümmel
reise 5, 264; Göthe I 22, 136
Weim.; Pocci
lust. kom.-büchl. 30; G. Keller 4, 77, vom fleck weichen Overbeck
verm. ged. 88; vom platz weichen
hundert hist. volksl. 17
Ditfurth; Schiller 14, 397; H. v. Kleist
Penth. v. 1461. C@4@b@gγ) von
allein ist am platz überall da, wo der ausgangspunkt eine person ist. selten, aber zu allen zeiten möglich ist der ausdruck, dasz körperliches von einer person weicht: wer sich pfleget voll zu sauffen, wenn der trunck gleich von ihm weicht, hat den vortheil, dasz er nüchtern auch noch einem thoren gleicht Grob
dicht. vers. 38; ein gelehrter und vernünfftiger here ward mit bestürtzung gewahr, dasz ... das geld von ihm gewichen
disc. d. [] mahlern 2, 22; die wolken wichen nicht von ihnen (
den reisenden im gebirge) Ritter
erdkunde 3, 722.
viel häufiger wird gesagt, dasz eine person von einer andern weiche: mit den gedanken er dô hin von vatere und von mutere weich
passional 151, 73
Köpke; daruff fleysz er sich, by dem küng zuo sin und von jm nit zuo wichen
buch d. beisp. 27
Holland; so viel weitter der her von got abweicht, so viel weitter weicht das volgk von dem herren H. v. Cronberg 15
neudr.; das sie nicht mit sich nemen einen solchen, der von jnen gewichen war in Pamphylia
apg. 15, 38; sie sich im gantz für eygen gab und wolt nimmer von im weichen Schumann
nachtb. 101
Bolte; so musz ich deszgleichen, schätzlein, von dir weichen
Venusgärtl. 8, 8
neudr.; drauf kam der ältre Gryph, und zwang sein saitenspiel und wich schon hier und da vom Opitz allzuviel Bodmer
krit. ged. 55, 266
neudr.; entschliesze dich von Mahomed zu weichen Wieland 22 (1796) 224; der alte Voss ist von uns gewichen und wird ... seinen rückweg nach Heidelberg ... nehmen Knebel
Göthejb. 5, 109.
die anwendung auf religiöse verhältnisse geht deutlich von körperl. aus: ich pat den herren zu dreyenmalen, das er wiche von mir
erste deutsche bibel 2. Kor. 12, 20; hilf uns ... auf das wir, herr Jesu Christe, nit von dir waichen Dürer
tageb. 82; weichet alle von mir, jr übeltheter
Matth. 7, 23; wann ir von gott gewichen seyt Sachs 1, 215
Keller; hörest du mich nicht, du mein gott? bist du ganz von mir gewichen?
Z. Werner
M. Luther 211; da wich der glanz gottes von ihm und es begann eine zeit wilden aufruhrs Droysen
gesch. Alexanders 17, 28.
thiere weichen
von einem menschen und umgekehrt: hast nun den wald enteret, und weichen die thier von dir Pauli
schimpf u. ernst 27
Österley; du bist von deinem schwartzen pferd noch nih gefallen auff die erd, auch darvon gewichen kein mal Thym
Thedel v. Wallmoden 1401
neudr. unkörperliches weicht
von einer person, nam. vorstellungen, kräfte, affecte: den weg der falscheyt lasz weychen von myr Luther 8, 189
Weim.; mein gedancken nye von eüch gewichen seind Wickram 1, 83
Bolte; (
wie sind) all sein krefft von im gewichen Sachs 6, 185
Keller; wenn aber jn der trunck erschleicht, all sein verständnis von jm weicht Ringwaldt
laut. warh. 65; und wann von jhnen mut und sinn nit gäntzlich wär gewichen hin Spreng
Äneis 23
a; sein starckes leben von jhm wich Spreng
Ilias 49
a; die zeit soll man zur lust anwenden eh als sie von uns weicht Dach
Königsberger dichterkr. 29
neudr.; die tage da der sommer von uns weicht Brockes
ird. vergn. 1, 126; weszwegen alle meine courage von mir weichen wolte Schnabel
insel felsenb. 21, 34
neudr.; weichet, sorgen, von mir Göthe I 2, 93
Weim.; keinen tag des lebens soll der schmerz von mir weichen 21, 133; aller ernst ist von ihm gewichen A. v. Arnim 2, 164
Grimm; der knabe war seitdem wie verwandelt, das träumerische wesen gänzlich von ihm gewichen Droste-Hülshoff 2, 278; die erste stärke der begeisterung (
ist) von Shakespeare gewichen Grillparzer 13, 282. C@4@b@dδ)
gleichwerthig mit einer person stehen ihre theile: er sie in seine arme nam, davon sy nit weichen möchte Arigo
dec. 200
Keller; derowegen verbliebe ich bey diesen zweyen gesellen, der meinung, nicht von ihren fusztritten zu weichen Grimmelshausen
vogeln. 2, 419
Keller; er weicht, so schwört er, eher von dieser Amazone fersen nicht H. v. Kleist
Penth. v. 222; von diesem augenblick an wich der gute Duval nicht von meiner seite Pfeffel
pros. vers. 5, 60; wenn ich im
[] traumwahn von deiner seite weiche B. v. Arnim
Brentanos frühlingskr. 384; begleitet von einem groszen schwarzen St. Bernhardshunde, der nie von ihrer seite wich Storm 1 (1899) 121. C@4@b@eε)
endlich ist in geistigen kämpfen von
allein am platze. bis zur mitte des 16.
jahrh. sind das immer, später vorwiegend religiöse kämpfe: so betracht, wie gar ferre du von den gebotten gotes gewichen syest
N. v. Wyle
transl. 98
Keller; dorumb hutte sich eyn igklicher vom wortt zw weichen Luther 32, 58
Weim.; etlich von dem glouben wychen werdind Zwingli 1, 43
Schuler (
die gleisner wollen) so gar in ihrem letzten end von ihren irrthumben nicht weichen Albertinus
hirnschl. 90; dasz das Augsburger bekenntnisz sein panier sei, von dem er ebenso wenig als von der bibel jemals weichen wollte Schleiermacher I 5, 362.
vorübergehend spielt der kampf ums recht eine rolle: de jure cedere ... von seinem recht weychen und abston Frisius
dict. (1556) 204
a; weiche oft von deinem recht; es ist besser ein schädlein, denn ein schaden Wille
sittenl. 107.
erst spät tritt das ringen um wissenschaftliche wahrheit in deutscher sprache hervor: können wir von aller naturkündiger grund und schlusz nicht weichen, was da wird und wechst, das vergehet Mathesius
Sar. 62
b; die gedancken sollen von der warheit nimmermehr weichen Lehman
flor. pol. 3, 185; von eures meisters lehren ihr ärzte weichet nicht Schenkendorf
ged. 12. C@55)
zu D.
leitet über der fall, dasz neben dem ausgangspunkt auch ein ziel des weichens
genannt ist: für sîn stürmen, für sîn slîchen, für sîn ungefüege drô sul wir in die stuben wîchen, dâ mit wîben wesen vrô U. v. Liechtenstein 446, 19; der abt ... wicht usz dem husz in ein vesti Tschudi
chron. helv. 1, 32; ich förchte, gott werde ... von uns in andere lande weichen Moscherosch
ins. cura 122
neudr.; Wilhelm war vor dem rauch in ein entferntes zimmer gewichen Göthe I 21, 257
Weim.; weicht nicht in künstlicher modulation aus einem ton in andern ton Schubart
ged. 2, 246. DD.
ein ziel des weichens
ist genannt. D@11)
im sprachlichen ausdruck kann das ziel ungemein mannichfach sein. die ältere sprache bevorzugt das ortsadverb: sie wichen daselbs hyn
richt. 19, 15 (
erste niederschr. 1, 23
Weim.); du bist zuofast dört hin gewichen Boltz
Terenz (1539) 88
b; weicht auszer, weicht, jhr lieben freund Hayneccius
H. Pfriem 2408
neudr. seit dem 16.
jahrh. ist die gruppe präp. mit subst. immer häufiger geworden: Joseph und Maria haben darumb inn den stall mussen weychen Luther 10 i 1, 64
Weim.; jhr jungkfrawen, weicht ain klaine weil auff ain ort, bisz so lang ich meinen leib abwesche Schaidenreiszer
Od. 62, 31
Weidling; er war ... zum papstumb gewichen Geizkofler
selbstbiogr. 32
Wolf; so weichen sie (
die fische) geschwind in ihre löcher wieder Prätorius
anthr. plut. 1, 71; aufstand des römischen pöbels, der aus erbitterung gegen den rath auf den heiligen berg gewichen war Breitinger
crit. dichtk. 1, 9; der volle mond wich hinter die Seealpen Heinse 1, 153 (
Ardhingh. 2); (
sie) wich dann mit dem gespräche zu ihrem alten gewöhnlichen discurs Göthe I 8, 222
Weim.; weichet hinweg zur schulstube, ihr kinder Ebner-Eschenbach 1, 121.
selten bleibt die gruppe präp. mit pron.: ein solcher groszer sinn, wann er will in sich weichen Opitz
t. poem. 63
neudr.; erhasche ich die rechenstecken, welche aber auf mich zu wichen G. Freytag 20, 138. D@22)
sachlich gehören die zeugnisse wider den beiden groszen gebieten des kampfes und des verkehrs an. D@2@aa)
im bereich des kampfes wird neben weichen
zuerst ein ziel genannt: dô muste hinder wîchen Chusi schemelich genuoc
passional 79, 46
Köpke. wider erreicht weichen
hier nahezu die bed. von '
fliehen':
[] die pilgerîme gar unvrô kein der Rîge wichen do
livl. reimchr. 6068
Meyer; so musten die Wende wichen in das Osterlant Wig. Gerstenberg
chron. 19
Diemar; kain wagenpurc ... uff die sy fluchtlich weichen mochten Pleningen
Sallust (1515) V 3
b; nun warend die lüt zu beiden siten ob dem Zürich-see in die statt Zürich gewichen Tschudi
chron. helv. 2, 314; die in das kleinere Armenien gewichene Tigranes und Mithridates Lohenstein
Arminius 1, 212
b.
von beginn des 16.
bis nach mitte des 17.
jahrh. spielt hinder sich weichen eine rolle: Gersdorff
wundarzn. 46
c ; herzog Aymon c 5
a; Eppendorff
Plinius 8, 46;
Amadis 1, 125
Keller; Ruoff
hebammenb. 83; Stumpf
Schwytzerchr. 27
b; Fleming
d. ged. 1, 231
Lappenberg; so offt ich ruf und bäte, weicht alles hinter sich P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 387
a.
verwandte wendungen bleiben selten: zu weichen hinderwertz Spreng
Ilias 21
b; sein die Schwaben ... widerumb zu rugken in ir haimat gewichen
Zimm. chr. 1, 35;
secedo ... neben sich weichen Calepinus XI
ling. 1316
a.
jetzt sind sie alle durch zurückweichen
verdrängt. dagegen ist das simplex in geltung geblieben überall da, wo die vorstellung eines exils eine rolle spielt: er sey eyn christen, und sey darumb in die wuesten gewichen Agricola
sprichw. (1534) C 5
a; wychen ins ellend
foro cedere Maaler 509
a; bin derowegen einist in die wüsten gewichen, dasz ich möchte wol verborgen seyn Schupp (1663) 745; da wichen die verlassenen Ansivaren in das gebiet der Usipier Grimm
d. sagen 2, 11. D@2@bb)
in der sphäre des verkehrs ist bei seite weichen
vor allem gut entwickelt: der apt miest wychen sunst besytz Murner
schelmenz. 44, 4
neudr.; weycht beseyts, gebt raum, gebet platz, der herre kompt Luther 17 i 315
Weim.; weichet, weichet all uberseit, der fürst kompt, weicht, er ist nicht weit. weichet sag ich, weichet balt, balt: weicht uberseit, weichet Hollonius
somn. 32
neudr.; wie scheu ein hund etwa zur seite weicht H. v. Kleist 1, 417; sie wäre nicht auf die seite gewichen O. Ludwig 2, 319; ein theil des gesindes ... wich ehrerbietig an die seite Storm 6 (1899) 264.
in seiner zweiseitigkeit läszt der verkehr die wahl zwischen rechts und links. ganz selten wird die alternative positiv gestellt: er weiche uff die recht oder linck seyt Hedio
chron. germ. 5
b,
oft negativ: die landstrasze wollen wir ziehen, weder zur rechten noch zur lincken weichen
4. Mos. 20, 17,
von da geflügeltes wort Büchmann
2513; er wich weder zur rechten, noch zur linken Lavater
verm. schr. 2, 23; eher weichen wir nicht zu den unsrigen oder zu andern, ehe sie aus den Achaiern sich einen bräutigam wählet Voss
Od. (1781)
ges. 2
v. 128. D@33)
erst wo die vorstellung eines ziels gegeben ist, wird weichen
auf erscheinungen der perspective angewendet: eine küste, eine landschaft weichen scheinbar in die ferne, sinken zurück vor dem auge: das wir es (
das Welschland) könden nit erschleichen, weil es thut jmmer von uns weichen Spreng
Äneis 55
a; der auffm wasser schifft und das land verläst, meint nicht anders ... die häuser, thürn, stätt und bäum weichen zurück, da er doch von jhnen weicht Lehman
flor. pol. 2, 909; und als er sich ermannt vom schlag, sieht er drei lichtlein schleichen. er rafft sich auf und krabbelt nach, die lichtlein ferne weichen Göthe I 1, 166
Weim. secundär kann die zielvorstellung schwinden: so blickt in meeres öden reichen ein schiffer einsam himmelan o herr, wenn einst die ufer weichen, sei gnädig du dem steuermann Eichendorff 1, 602. EE.
composita (
die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt): ab-, aus-,
dahin-, ein-, ent-, fort-, ge-,
her-, herab-, herüber-, hin-,
hinab-, hinüber-, hinweg-, nieder-, ver-, vor-, weg-, zurückweichen.