klauben ,
mit den fingern oder zähnen langsam, mühsam, sorgsam losmachen, herausmachen, aufnehmen, aussuchen, sammeln. II.
Die form und verwandtschaft. I@aa)
mhd. klûben,
aus ahd. zeit einmal in dem Merseburger zauberspruche über die fesseln eines gefangenen, clûbôn: sumâ clûbôdun umbi cuniowidî,
einige klaubten nach .., in md. form für rein hd. chlûbôtun.
nd. klûven Richey 127,
nl. kluiven (
hier mit klieven
klieben vermengt, s. c),
in den andern germ. sprachen fehlend. I@bb)
mhd. bestand eine nebenform klouben
kindh. Jesu 288
Feif. in zwei hss., vgl. kloubære
unter kläubeln 5,
es ist wie houf
neben hûfe.
ihr entspricht wahrsch. mnd. kloven
ruptare (
wol zupfen) Dief. 504
b,
und mit umlaut (
wie käufen)
nhd. kleuben (II, 2,
d), gleuben Luther (
s. ausklauben),
nd. klöwen Schamb.
im nhd. klauben
sind ou
oder û
nicht mehr zu unterscheiden. I@cc) klûben, klouben
sind nebenformen schwacher bildung von dem starken chlioban, klieben
spalten, gleich wie chûôn chouôn
neben chiwan
kauen (
sp. 311),
vgl. chisôn
neben chiosan (Graff 4, 509),
das freilich im wurzelvocal unklar ist. schon mhd. findet sich übrigens vermischung mit klieben,
wie sie bei nl. kluiven
vorliegt, s. u. kläubeln 5
und kloupte, klûbete
spaltete Holtzmann
Wolfdietr. 1247, 2. 2016, 3
var.; s. mehr davon unter klieben. I@dd)
aus den urverwandten sprachen zeigen sich lat. glûbere
und gr. γλύφω den lauten nach unserm klûben (
und klieben)
entsprechend; nur in der stufe des auslauts nicht, in dem nach nd. klûven (
alts. klioBan,
ags. cleófan)
fürs hd. nicht p,
sondern b
der echte laut ist. doch findet sich auch 'chluipit
findit' Graff 4, 547,
und es zeigt sich eine bewegung im auslaute in der ganzen verwandtschaft, schon zwischen glubo
und γλύφω,
wie zwischen den weiter zurück verwandten scribo
und γράφω.
Auch in der bed. steht glubere
schälen ganz nahe, es ist eine einzelne anwendung des grundbegriffs, die sich auch bei klauben
selbst noch zeigt (II, 2,
e).
aber auch γλύφω ist in der bed. nicht fremd, einschneiden, ausschnitzen ist gleichsam ein künstliches klauben
mit werkzeug (
s. e),
und das nächstverwandte γλάφω,
schnitzen, höhlen zeigt bei Hesiod scut. 431,
vom löwen der die erde scharrt, auch noch die klaue als werkzeug. I@ee)
grundbegriff der ganzen verwandtschaft scheint das arbeiten mit den klauen, nägeln, fingern, zähnen, die im naturzustande die nächsten werkzeuge sind und gewiss die ersten waren (
vergl.kafeln, kampf
sp. 139).
gerade unser klauben
läszt das besonders deutlich sehen, mehr als die gr. lat. wörter; da reicht einmal das jüngere wort über die älteren hinweg in die denkbar älteste zeit zurück. bei uns erscheint auch das naturwerkzeug selbst von diesem stamme benannt, s. klauber
klaue. I@ff)
wie aber die wurzel vielfach den anlaut in der form sk-
zeigt (
s. sp. 406),
lat. in scalpo
gleich γλάφω, sculpo
gleich γλύφω (
die deutlich zugleich jene bewegung in den lautstufen zeigen),
bei uns in nd. scharven
gleich karven
u. a. (
s.kerben 4,
e),
so vielleicht auch hier. denn wie klauben, glubere
noch schälen bedeuten und wie in käfe, kiefe, kaff
die schale, schote vom abnagen benannt ist womit man den kern gewinnt, so findet hd. schelfe,
nd. schulpe
schale hier sein natürliches unterkommen, [] mit der umstellung des l
wie in sculpo;
aber auch ohne diese mhd. sloufe
schote wenn es nicht zu sliefen
gehört (
wegen des sl-
s.klatzen 4,
c)
und nhd. schlaube
schale, schlauben
schälen (
froschm. F 8
b. Ll 6
a),
wenn das b
nicht blosz aus nd. w
in sluw (
hor. belg. 7, 34
a,
gewöhnlich doch slûe)
geworden ist. aber auch das nd. slûe
selbst kommt vielleicht in frage, da alte stämme nebenformen mit einfacherem auslaut haben, s. sp. 6,
vgl. klaue. I@gg)
auch der übertritt von kl-
in kn- (
s.klatzen 4,
b)
liegt vermutlich hier vor in knaupeln (kneipen). IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
Der grundbegriff, mit spitzen fingern knaupeln, knaupelnd arbeiten, ist in der folg. häufigsten bed. noch deutlich zu sehen; auch nägel, zähne sind als klaubende werkzeuge schon dabei noch eingeschlossen, deutlicher unter 2,
besonders 2,
d. e. II@1@aa)
carpere, pflücken, pflückend sammeln; so das alte clûbôn
unter I,
a, mhd. ist klûben
schlechthin früchte pflücken (
vgl.carpere
mit καρπός frucht, s. Curtius
gr. et. 1, 229,
sie sind weiter rückwärts selbst verwandt): so sicht man die weintrauben selten von dornen clauben.
Hätzl. 114
b, 136; der herbst ihm bringt sein obs und trauben, dasz ers mit unzahl mag abklauben. Fischart
landlust (
kloster 10, 1040),
wie abe chlûben
Maria 3110; epfel, birn, pflaumen, kirsen klauben.
froschm. Gg 5
b (2
a); sie streckt die finger lüstern hin, die schöne frucht zu sich zu ziehn, pflückt ab und ritzt den arm im klauben. J.
N. Götz
auf den Burgunderwein, in den oden Anakreons u. s. w. 1746
s. 74 (
in den ged. 2, 70
nach Ramlers
änderung, s. sp. 725); dein herbst giebt trauben seltner art, hier kanst du pressen oder klauben. Günther 216,
keltern oder einzeln pflücken, im groszen oder kleinen genieszen (
bildlich von liebesgenusz); will er etwa hier poperenzen (
pomeranzen) klauben, dasz er mir das schöne gras so zertrampelt? Eichendorf
taugenichts (1842) 38.
von kräutern u. ä.: so klaub pfefferkraut, dewmenten (
krauseminze, s. daumenthe 2, 853, deiment
Hätzl. 237
b. 234
b,
d. i. thymiama Dief. 583
c), mangolt, ampfer, streif die stil dorausz.
küchenmeist. c viij
a; wer von dem frommen stein nur moos klaubt ... Klopstock 2, 13 (
der denkstein).
so noch oberbair. z. b. blüemeln, hopfen klaubn,
tirol. blätter, obst,
kärnt. kerschn klaubn
u. s. w. II@1@bb)
lesen, auflesen, besonders von kleinen dingen, mit spitzen fingern einzeln aufnehmen: klauben, aufklawben,
auflesen, zusammenlesen, zusammensamnen. voc. th. 1482 q 7
a; noch samne auf die weinber in deinem weingarten, noch die körner die da abfallen, sunder lasz sie klauben die armen (
vulg. carpenda dimittes).
3 Mos. 19, 10
in der Nürnberger bibel von 1483
bl. 61
a (Luther auflesen); brosamen klauben
nach Fischarts frachmentaklaubend hündlein
Garg. 162
b (301).
von vögeln, pickend auflesen, futter suchen (
vgl.kläubeln 1): 's worn amol drai tauve ouf am wiesle klauve. Meinert
volksl. des Kuhländchens 282 (
vgl. 404); (
täublein) das da kielt und lernt im nest an der alten schnabel klauben. Dan. v. Czepko
Coridon (
handschr.).
sprichw. wann der baum felt, so klaubt iederman holz,
arbore dejecta quivis colligit ligna. Frank
spr. 2, 37
b (
doch vgl. 38
a bricht iederman holz davon), Simrock 860.
Es scheint noch allgemein oberd., z. b. bair. aichel, holz klauben
vom boden (
s.klaubholz), eher klauben
ähren lesen, halmklauber
ährenleser, das eierklauben
ein volksthümliches wettspiel Schm. 2, 349,
tirol. gras, laub klauben,
auch kärnt., östr., südböhm. (Frommann 6, 510),
schwäb., vorarlb. (klûben).
aus Ostfriesland gibt Stürenburg 114
b kluven
ähren lesen, vgl. klaubzehend. II@1@cc)
mit präpositionen zur näheren bestimmung: als nun darnach der kunig kam, fant die stück (
des zerhackten knaben), da klaubt ers zusam.
meisterlieder Berl. hs. f. 23
no. 233; ich wolt sie (
die teufel) zu stucken schroten, dasz man sie in ein blachen (
tuch) müst klauben.
osterspiel bei Pichler
drama des mitt. in Tirol s. 47,
in der groszsprecherischen rede eines der grabwächter, der zug ist eine beliebte kraftwendung jener zeit (
aus der ausartung der heldendichtung),
s. ebendaher unter kegel
sp. 385,
aus den fastnachtsp. unter aufklauben.
ferner abklauben, einklauben (
aus klauben in
vorhin), aufklauben (
auch wie auflesen
von dingen die sich ungesucht anhängen, z. b. läuse, eine krankheit Schmeller), ausklauben, herausklauben
u. a. [] II@22)
Der grundbegriff tritt noch klarer hervor in folg. II@2@aa)
knaupelnd abbrechen, von, an
etwas klauben: zuletzt trug man für ein weintrauben (
als nachtisch), davon solt auch der junker klauben. Rollenhagen
froschm. G 1
a; deme zufolgen wir an dem trauben zu klauben anfiengen.
Lazarillo de Tormes 25,
wie zum nachtisch etwas zu knaupeln
vorgesetzt wird. das fressen der ziegen heiszt klauben (
sächs.): die ziegen klauben an den blättern. Günther 193. II@2@bb)
knaupelnd ablesen: scabere, grint klawben, clubin Dief. 515
a. die vögel klauben sich (
putzen sich mit dem schnabel). Ludwig
teutsch-engl. wb. einem die federn klauben,
von schmarotzern, schmeichlern, im 15. 16.
jh. oft erwähnt, auch kurz für schmeicheln selbst, schon im voc. 1482 m 7
a federklawben (
s. federklauben,
besonders federlesen 2): der ein klubt fädern, der stricht kriden, der liebkost, der runt in die oren. Brant
narr. 100, 8; mit irem schmeicheln, feder klauben. H. Sachs 3, 1, 198
d;
vgl. noch im 18.
jh. schwäb.: sie suchte sein ganzes kleid durch, klaubte alle fäserchen ab. Miller
Siegwart 2, 272.
bei Murner
anders gewendet, vom schmeichelnden berupfen, ausbeuten eines liebesnarren durch die buhlerin: gold und silber musz er schwitzen, röck und mantel, belz und schuben, dem gouch kan sy die fedren kluben.
geuchm. h iiij (
kloster 8, 944).
eine ironische anwendung davon mag sein bair. einen abklauben
abprügeln (
aber eine abklauben
obscön, subigere. Schm. 2, 350,
vgl. mlat. deflorare). II@2@cc)
knaupelnd, grübelnd auslesen. so im bergbaue das erz klauben,
aus dem gewonnenen gestein das gute heraussuchen (
s.klaubebühne): erfarne bergleut, so sie das erz hauen, bald (
d. i. gleich) in schächten und stollen klauben sie das erz und was köstlich ist thun sie in die trög, was aber gering in die fäszlein. Bechius
Agricola bergwerk übers. (1557) 214.
Ebenso im hauswesen das unreine aus den erbsen, aus den samenkörnern (heraus) klauben Adelung.
dann mit geändertem object, wie bei auslesen, aussuchen
und sonst, die erbsen klauben
klaubend reinigen, den salat, die wolle klauben,
lesen Adelung; ärbeisz, traid, waiz klauben Schmeller, das ausklaubet
das ausgelesene und auserlesene, erklauben
das. II@2@dd)
knaupelnd herausarbeiten, losmachen, gewinnen: ich werf ihm eins wol in den bart, das er habe zu klauben draus. Bresnicer
christl. ritterschaft 1553 C 7
a; aus perlenmuscheln kann man keinen agtstein klauben. Günther 1072; die rosinen aus dem kuchen klauben,
das wird in Sachsen hie und da den kindern verboten; die groszen steine daraus (
aus dem lehm) klauben.
Jucundiss. 4; da die Greifswaldischen grosze feldsteine aus den hügeln
kleuben und abschlichten lieszen. Micrälius
Pommern 2, 200 (
s. I,
b).
s. auch 3,
a aus Uhlands
volksl. göttingisch in der næse (
nase) klöwen Schamb. 104
a.
bair. heiszt die hebamme scherzweise die klauberin. II@2@ee)
knaupelnd schälen: klauben,
glubere, decorticare Schottel 1345, Stieler 972, Rädlein 541
a,
vgl. I,
d. dazu wol folg.: der pöbel der nüsse kauft und erbsen klaubt. Ramler
dichtkunst des Horaz (
v. 249)
s. 84,
doch wol '
knaupelnd iszt',
aus der schale macht; er klaubte manche harte nusz. Simrock 1, 244. II@2@ff)
knaupelnd nagen, essen, mit fingern und zähnen: an einem bein klauben,
weil man satt ist, oder aus naschhaftigkeit. Frisch 1, 520
a,
auch trans. ein bein klauben und abnagen Rädlein 541
b; während ich an dem bein eines haselhuhns klaubte. Thümmel 6, 189; es näm vil zeit und lange weil, wann du die krebs nach ordnung woltst anatomieren wie du soltst und sitzen da lang dran zu klauben. Scheit
grob. R 1
b.
Daher von wähligem essen, gewöhnlich verkleinert kläubeln (
s. d.): ob dem (
über) tisch du nie essen mochst, du klaubst als seist du immer krank. H. Sachs 1, 513
d; er iszt nicht, er klaubt nur,
dente superbo escas tangit. Steinbach 1, 864; er klaubt daran herum. II@33) Klauben,
rauben, stehlen, ergreifen. II@3@aa)
so von raubrittern, buschkleppern: die im lande prennen und rauben und auf der straszen unrecht (
adv.) clauben. Rosenplüt
in den fastn. sp. 1129.
[] es war wol ihr eigner ausdruck, ironisch beschönigend, eig. auflesen, aufheben was sie auf der strasze finden (
sie nannten es auch ritterlich abenteuren, reiten).
in einem andern höhnischen bilde, aber eben aus ihrer sprache in folg.; ein ritterlicher sänger fordert seine genossen auf, den übermütigen kaufleuten ihre pelzkappen zu nehmen, die nur den edeln zukämen: man sol sie auszher klauben aus iren füchsin schauben mit prennen und mit rauben. Uhland
volksl. 366; man sol sie auszer klauben ausz iren mardren schauben. 369.
Noch im 17.
jh. war der ausdruck bekannt: Mars darf (
bedarf) keinen advocaten ... keinem hat er nichts gestohlen, dann er nam es unverholen ... was er von der strasze klaubet, ist gefunden, nicht geraubet. Logau 1, 5, 15,
die soldaten des 30
jähr. krieges brauchten vielfach noch die ritterlichen wörter der vorigen zeit von sich; glauben ist etwa (
einst) das beste gewesen, itzt ists das klauben.
Simpl. 1684 3, 783; redt der herr von stehlen, da spricht der schmeichler (
es überbietend) vom klauben. Abr. a S. Clara
lauberhütt. Fischart
mag es im sinne haben, vom ablasz redend: dann da vil steht zu klauben, da ist glauben.
Garg. 280
b (528
Sch.). II@3@bb)
ähnlich vom raubvagel: da hatt ein weih ein groszen neid (
hasz), ein groszen zorn auf alle tauben und fuhr im land umbher zu klauben. Alberus
Es. 52. II@3@cc)
ähnlich klaubt
der tod im lande, als person gedacht: wer davon iszt ... in rechtem glauben, den wird der Tod nicht klauben. B. Ringwald
ev. X 2
b. Rist
Parnass 110
nennt ihn den fleischaufklauber;
vgl.klaubauf
und aufklauben,
wie aufgreifen, aufheben: könig Nodmer wolt fliehen, ward erkant und aufgeklaubt. Aventinus
chron. II@3@dd)
auch für stehlen, scherzhaft, stibitzen, gleichsam zufällig gefundenes aufheben: leer in wie er söll heimlich kluben sir muoter geld, gürtel und ring. Gengenbach
gouchmat 357 (sir
aus sînr,
s. sp. 491
unter d); sie essen hüner und dauben, gen in der taschen (
geldtasche des manns?) klauben, die pfening müeszn daraus.
lied von der narrenkappe, Zarnckes
Brant cxxxiii
b,
von genuszsüchtigen jungen frauen. so noch bair. Schm. 2, 350.
bei Stieler 972
clam surripere, auferre, auch hinwegklauben, er hat das beste davon hinweggeklaubet
furtim detraxit. II@44)
Übertragen, in mancherlei verwendung. II@4@aa)
mühsam arbeiten, wie bei kleiner fingerarbeit, kein andres wort drückt das so gut aus: aber wann gott selbst uns verkündt was er sei und wie man im dient, so dörft (
bedürfte) es nicht vil klauben, schrauben, man müszt im von im selbst je (
doch) glauben. Fischart
ehzuchtb. 24 (
Sch. 429),
zugleich zu b, von schriftauslegung; kan ich nur in büchern klauben und da gute künste rauben, ach so leb ich, wie ich will, fein gemachsamb und fein still. Morhof
ged. 444.
so schon Vintler im 15.
jh. in dem berichte von seiner sammelarbeit: noch seind der meister vil und mer, die ich nit alle nennen kan ... doch han ich sie all durch klaupt und jeglichen ein weng beraubt. Haupt 9, 112,
mit anklang an 3,
a, vgl. 4,
b. an
oder über etwas zu klauben haben Campe,
mühsam zu arbeiten, ostfries. dâr hett he wat an to kluven,
das wird ihm zu schaffen machen Stürenburg 114
a. II@4@bb)
mit aus, mühsam gewinnen aus etwas, nach 2,
d, eig. heraus knaupeln; so sagt Vintler
von seinem buche, er habe die red klaubt ausz mangen buochen, und die (
verstärktes relat.) ich alle muost durchsuochen. Haupt 9, 110,
zugleich nach c. mit mancherlei nebenbeziehungen, die die sache mit sich bringt, von künstlichem herauslocken einer mittheilung, gewaltsamer auslegung u. a. dgl. mühsamem '
herausbringen': mag ich auch heut die wahrheit aus dir klauben. Bolz
Terenz 67
b; der legat (
Cajetan) sol itzt lassen
d. Martini deudsche predigt vom ablas in das latein transferiren. was er daraus wil klauben (
verdächtiges künstlich herausfinden), wird man vieleicht auch erfaren.
[] Luther 1, 113
b; sie bekommen hier das schreiben des herrn Diderot ... ein kurzsichtiger dogmaticus .. wird eine menge irrthümer aus demselben zu klauben wissen. Lessing 3, 328. was gutes aus dem bösen aus klauben Steinbach 1, 865
u. ä.: wer nu die (comedi) will machen zu nutz, der kan ihm (
sich) was draus klauben guts. J. Ayrer 102
b (517, 11),
zugleich auslesen nach c; der schaw in disz gedicht geschwind, ob er was (
einen kunstgriff) könte klauben drausz, darmit er ehrlich kom zuhaus. Grob
ausreden der schützen, Haupt 3, 264.
Daher herausklauben
elicere, extorquere, exprimere Stieler,
scrutando investigare Frisch: das sie die incommoda herausklauben. Luther
tischr. 308
a. 330
a; er hat gleichwol das herausgeklaubet,
herausgebracht. Stieler;
bair. aus einer rede nichts rechtes rausklauben können,
keinen verstand darin finden. Schm. 2, 350.
gewinn ziehen: er wird noch einen guten nutzen herausklauben (
auch abklauben). Stieler.
dann mit auffrischung des urspr. bildes (
vgl. 2,
e): den .. kern mag er lieber entbehren, als ihn aus so vieler nach und nach darum gehüllten unnatur gutmüthig herausklauben. Göthe 60, 266,
vgl.kern
und schale
bildlich, die genau damit zusammentreffen. II@4@cc)
mit aus
auch auslesen, auswählen, herausgreifen u. ä., nach 2,
c, doch mit dem vorigen leicht verflieszend: aus diesen fruchten und werken des glaubens klauben die widersacher nur éin stück, nemlich die liebe. J. Jonas
bei Luther 6, 398
a,
greifen willkürlich heraus; lasz stelen, mörden, rauben, die ketzer auszer klauben. Soltau 2, 296,
ausmerzen, etwa wie ungeziefer (
vgl. 2,
b),
in einem liede von 1601,
das von östr. verhältnissen handelt. gewöhnlich ausklauben (
s. d.),
in gutem sinne, z. b.: nun wais ich khein aus zuo klauben der zuo solcher rais ietz basz döcht.
Teuerd. 114, 24,
herausfinden. daher ausgeklaubt
gleich auserlesen, ausgesucht, '
exquisit': ausgeklaubte krieger. Aventin 252
a; a. rott,
auserlesene schar. ders.; ausklaubte büberei. Paracelsus 1, 545
c; ausgeklaubte waare,
sowol das ausgewählte beste (
wieder auch kern
genannt),
als der dadurch bleibende rest. Frisch 1, 520
a,
vgl. klauberich. II@4@dd)
zusammen klauben, zusammensuchen, mühsam zusammenbringen. II@4@d@aα)
von menschen und dingen, oft verächtlich: wer seind wir Römer anfangs gewesn? ... ein volk allenthalb zusammen klaubt. J. Ayrer 36
c (197, 15); ich hab ein auserwehlte pursch von zeugen .. zusammen klaubt. Ayrer
proc. 2, 6; zusammen geklaubtes gesind,
gesindel. Frisch; konte ein und andere risse aus diesen und jenen kupferstichen zusammenklauben.
Felsenb. 2, 121; es klaubt sein unverstand zur nahrung neidscher flammen hier einen weiberspruch, dort einen reim zusammen. Günther 492. 748; man lasse jenen (
den alterthumskrämer) noch siebzig und sieben solcher kunstgerippe aus seinem schutte zusammenklauben ... Lessing 8, 244. II@4@d@bβ)
man brauchte es hübsch für compilieren
wie es jetzt heiszt (
vgl. schon Vintler
unter b. c): Veit Arnbeck, der bei herzog Georgen zeiten fünf bücher von dem herkommen der Baiern zusammengeklaubt hat. Aventin
chr.; ein schön büchlein .. darin .. wunderschöne und tröstliche sprüche zusammen geklaubet waren. Mathesius
Sar. 24
a.
ähnlich folg.: wie zu Nicea ist geschehn, da man den rechtn christenglaubn widrumb thet rein zusammen klaubn.
postreuter 1591 D iiij
b. II@4@d@gγ)
sich zusammen klauben, in mehrfachem sinne: so bald der (
geschlagene) könig Ovo erfuhr, dasz der kaiser wider ausz Hungarn .. gezogen war, klaubet er sich wider zusammen. Aventin 395
a,
sammelte sich (
sein heer),
zuerst vielleicht von einem überwundenen der seine '
zerschlagenen'
glieder gleichsam wieder zusammen sucht (
im anschlusz an die kraftwendung u. 1,
c).
noch bair. sich zusammen klauben
sich von einem unfall, einer krankheit erholen (
wie lat. se recolligere,
franz. se recueillir),
auch sich '
zusammennehmen'
zu einer schweren aufgabe Schm. 2, 350.
östr. der kranke klaubt sich wieder zusammen,
auch ich bin heut nicht recht zusammengeklaubt,
etwas unpäszlich Höfer 2, 138.
schles. aber sich klauben
sich fort machen Holtei
schles. ged., wie sich packen (
zusammenpacken)?
[] II@4@ee)
dem entgegen voneinander klauben u. ä., verwirrtes, dichtes u. a. knaupelnd abwickeln, auseinander und ins reine bringen: von einander klauben,
segregare. diction. von dreien spr. Prag 1700 1, 95
a; das handwerk solle .. die begeben heit ihrem vorgesetzten verwalter anzeigen, der wird schon die sach voneinander klauben, oder .. durch einen rechtsgelehrten von einander klauben lassen. Abele
unordn. 2, 87; ich habe nichts zu thun als die verworrenheiten unserer Diegos auseinanderzuklauben. Göthe
an frau v. Stein 1, 350; es liegt noch alles wie kraut und ruben im kopf untereinander, ich musz's erst ein wenig auseinander klaubn.
briefe eines Eipeldauers 7, 16. Göthe
klagt in den zahmen xenien über die philosophen oder ästhetiker wie es scheint (
s. dazu das folg.): was wir dichter ins enge bringen, wird von ihnen ins weite geklaubt (
s. weiter sp. 1000). 47, 254. II@4@ff)
am meisten abstract von gewissem denken, das kleinlich und peinlich an den dingen gleichsam knaupelt; die gedankenarbeit ist da als fingerarbeit vorgestellt, wie in grübeln,
und das ist alt und volksmäszig, schon bei Waldis 3, 22, 8 eine sache beklauben,
gründlich überlegen: lange über etwas klauben Adelung; eine an bloszen begriffen klaubende vernunftelei. Kant 8, 489; formelklauben
von dogmatisierender theologie Voss (1825) 4, 68.
s. unter a herausklauben
von denkarbeit, unter e Göthe 47, 254
und Eipeld. auch nd. klûven
grübeln, ûtklûven
aussinnen Richey 127.
mit rückkehr zum ursprünglichen bilde haarklauber
grillenfänger, vgl. klauber 2.