kegel,
m. conus, nd. kegel Chytr. (1592) 313,
nl. kegel (Kil. keghel),
dän. kegle,
schw. kägla
f. (
und kegel
m.). 11)
als mathematischer körper, gerader
oder schiefer kegel, rechtwinkliger, stumpfwinkliger, stumpfer kegel
u. a. dann angewandt als formbezeichnung, z. b. dunstkegel, lichtkegel: dasz sich unzählige kegel von lichtstralen, deren bases unbestimmlich grosz sind .. durchkreuzen. Lavater
aussichten in die ewigkeit (1773) 2, 75.
ähnlich von dem kegelförmigen schwarm der bienen: vom aste schwanket herab der unzählbare schwarm, ein haarigter kegel. Kosegarten
Jucunde (1808) 127.
Das ist aber nur spätere wissenschaftliche anwendung und verschärfung eines im frischen leben entstandenen begriffs, der von wirklichen dingen ausgieng, es fragt sich von welchem der folg. 22)
von gewissen knochen. 2@aa)
am vordern pferdeschenkel, '
die gegend wo sich die schulter endet und der schenkel anfängt, bis auf das knie'. Frisch 1, 507
a; '
das armbein welches in das schulterblatt eingelenket und mit dem dicken fleische der schulter bekleidet ist'. Adelung: so nimb ein stricklein und hebe gleich underhalb des knies an zu binden bisz auf den kegel hinab. Seuter 313; schlags dem ross über beide kegel und füszel in einem hasenbalg und keer das rauch dem ross auf dem fusz einwarts. 143; dise Türken pflegen nit allein den schopf, mönin (
mähne) und schwanz, sonder auch die füsz, einen oder mehr, zuweilen auch alle vier bisz zum kögel oder knie, ja oft das ganz ross zu ferben. 1; die pferde die hohe kegel haben, gehen nicht so sicher. Hohberg 2, 135
a.
bei Seuter
offenbar anders als in jenen erklärungen, der theil des fuszes über huf, fessel und köte, ebenso 1, 891
unter auskegeln
aus Pinter. 2@bb)
bair., tirol. kegel
ist auch '
gelenkknochen'
; daher den arm, fusz auskegeln,
aus der kugel fallen (
auch in Sachsen bräuchlich),
s. Schm., Schöpf.
diesz auskegeln
ist zwar 1, 890
aus dem 16.
jh. nur von pferden bezeugt; wäre es nur von pferden auf menschen übertragen und daraus erst das '
gelenkknochen'
entnommen? vgl. 3,
c und d sp. 385.
ein altn. wort kommt mit in frage, köggull
os, condylus, artus, pl. köglar
glieder (
auch für leib überhaupt gebraucht),
s. Egilsson 470
b;
bei Biörn 1, 471
b ist es nur fingerglied, bei Fritzner 381
a nur das letzte glied der finger oder zehen. 33) kegel
im kegelspiel
auf der kegelbahn,
so am häufigsten im volksgebrauch, wol von jeher, denn das spiel scheint von hohem alter; mhd. der kegel spiln
cod. colocz. 165,
die driu kegelstebelîn
Renner 16755 (
im Frankf. druck 1549 85
b kägelhölzelein),
die sich ein schüler aus der krambude aussucht, sind gewiss ein spiel kegel, vgl. die schilderung des spiels 'sô zwên schîbent zeinem zil'
das. 11364
ff., sie passt genau aufs kegelspiel, und bilderhandschriften stellen es so dar. Auch nl. kegel,
dän. kegle,
schwed. kägla
f., ferner russisch kegel, keglja,
wend. kehel,
sloven. kegel (čagel),
litt. kegelys
m., kegle
f., ehstn. kegli, keili,
finn. keila (
auch netzholz)
; so scheint das kegelspiel mit deutscher sitte nach dem osten gewandert. abweichend ist poln. krgiel,
angelehnt an krg
scheibe (
auch wurfscheibe im spiel),
aber doch wol lehnwort; und böhm. kuželka,
dem. von kužel
kegel überhaupt, eig. spinnrocken (
s. sp. 363
unten)
; eigen ist auch litt. kokas
m. spielkegel neben kegelys.
Wichtig für das alter der bed. ist franz. quille
f. spielkegel (
auch kiel, keil),
denn es deutet auf ein dem ahd. chegil
entsprechendes altfränkisches wort in gleicher bed.; wichtig auch englisch statt des gewöhnlichen ninepins
landschaftlich keels
pl., Halliwell 490
a,
das zwar allenfalls aus dem franz. stammen könnte, aber schwerlich kayls
pl., vollends die merkwürdige nebenform gaggles
pl. Hall. 388
b,
das weist auf ein alteinheimisches wort. 3@aa)
pyramis, kegel,
auch piramida, pyramen, in vocc. des 15.
jh. Dief. 437
a,
auch kögel
geschrieben (
und kügel,
wol anlehnung an kugel), kögel
z. b. bei Abele, Philander
nachher; pyramidalis, unden breit und oben schmal, als ein kegel oder flam.
gemma gemmarum; die neun kegel,
metularum novenarius. Stieler 909; ein spiel kegel. Frisch; kugel und kögel wechselten. Abele
unordn. 2, 164.
Es heiszt kegel schieben Steinbach 1, 840,
s. kegelschieben: het ich solcher kegel neun, wolt umb ein kleinot (
preis) schieben lan.
fastn. sp. 212, 10.
bair. kegel scheiben,
mhd. schîben,
auch bôʒen und schîben (
s.bossel).
auch werfen: welcher in drei würfen am maisten kegel warf, der gewan das best (
den preis).
Augsb. chron. des 15.
jh., s. u. kegeln;
nrh. kiegelwerpen
kegelschieben (
s. d.)
; noch in Thüringen sagt man z. b. ich habe so und so viel kegel geworfen,
vom '
schieben',
und nennt einen schub einen wurf,
vgl. Kant
u. c; es ward oder wird nämlich hie und da nach den kegeln mit einer discusartigen scheibe (
vgl. das poln. krgiel
vorhin)
oder auch mit kugeln geworfen, wie noch in England. auch schieszen,
wol nach demselben '
werfen',
denn schieʒen
war der ausdruck für das werfen des speers: wer vor den kegeln steht, der hat im sinn, er wölle alle kegel umbschieszen. Agricola
sprichw. (1582) 59
a; kegel ümschieszen,
conos evertere. Stieler 909 (umwerfen Frisch); ich habe fünf kegel geschossen und sieben geschlagen,
j'ai cinq quilles de venue et sept de rabat. Rädlein 530
a.
diesz schlagen
meint nämlich die kegel, die nicht durch den wurf selbst, sondern von der rückspringenden kugel getroffen werden: kegel schlagen,
conos evertere revertendo ad terminum Frisch 1, 506
c,
vgl. kegelschlag; ein grober flögel schlägt oft sechs kögel, da sonst ein ehrlich bidermann nicht wol éin kögel treffen kan. Philander (1650) 2, 144.
die umgeworfnen kegel werden aufgesetzt: von der regel, wie kirchweihisch aufzusetzen seien die kegel. Fischart
groszm. 589
Sch.; soll ich diesen kerl das oberst zu unterst unters firmament wie einen kegel aufsetzen? Schiller 122
b. 3@bb)
vom kegelspiel, wie von andern, mancherlei angewandte redensarten: wan der luft, als wir das dorf angezünt, nit so gar wider uns gewest wer, sollt es auch mer kegel geben haben. S. Schertlins
briefe 168,
wären mehr feinde gefallen, von der redensart es gibt
so und so viel kegel,
d. i. sie fallen, sind umgeschoben; und gibt alsdann (
nach abgeschlagenem sturm) im abzug gute kappen und die meinsten kegel. Kirchhof
mil. discipl. 185, '
da fallen die meisten'; also kugelts im kreisz herumb, wie solt es nicht kegel geben?
Garg. 27
a (36),
mit demselben witzwort, aber doppelsinnig, er meint natürliche kinder, s. sp. 390; zuhand darnach beide mit einander zu bett giengen und beid mit einem willen einigkeit und frieden machten, da gab es kegel.
Bocc. 1535 74
a nov. 27,
die letzte redensart ist zusatz Steinhöwels; wann die kugel oft umlauft, wirds einmal (
viele) kegel geben! Lehmann 29,
offenbar von einem andern kegelspiel, etwa dem jetzigen tivolispiel ähnlich; trifft mancher grobian nicht kegel und fällt nicht gleich ein holdes ja, so ist das feuer in dem dache und dieses nachwort flüchtig da. Günther 429,
wird er bei der bewerbung abgewiesen. zwischen kugel und kegel kommen,
zwischen zwei übeln wählen müssen. Adelung (
vgl. u. kaule 1,
a sp. 349). junge regenten können eilf kegel treffen Schottel 1113
a unter den sprichwörtern, sie können das unmögliche möglich machen; da der praktische politiker auf den theoretischen mit groszer selbstgefälligkeit als auf einen schulweisen herabsieht ... den man immer seine eilf kegel auf einmal werfen lassen kann. Kant 5, 413,
etwa wie schnee sieben. 3@cc)
doppelsinnig auch in folg.; ein wächter des heil. grabes, ritter Wagendrüssel, rühmt sich in einem osterspiel des 15.
jh.: und kam (
conj., bair.) der teufl aus der hell und Satanas sein gesell, die wolt ich mit fechten bestan oder ich sei nit ein biderman. ich wolt in die kegel rüren dasz mans in en wagen müszt füren. Pichler
drama des mittelalters in Tirol s. 47,
zugleich die spielkegel und die knochen, beine gemeint (
vgl.klauben 1,
c),
s. 2,
b. 3@dd)
der vocab. incipiens teut. ante lat. (
ältere ausg.) n 1
a bringt die merkwürdige angabe: kegel, pirameda, est quoddam os in pede thibie et sure cum quo luditur,
ein gewisses bein im knochen (
das musz doch mit pes
gemeint sein, nach 'bein'
knochen)
des schienbeins und wadenbeins womit man spielt. also man nahm den kegel
aus dem bein und brauchte ihn als kegel
im spiel, in jenes ritters wortspiel klingt das noch nach, wie ähnlich in einem hohnwort mit keule: dein bein (
pl., wären gut) dasz man mit schlüg der keulen.
weimar. jahrb. 2, 121, 'der keulen schlagen'
musz ein spiel sein (
s.keule 2),
worauf schon der gen. hinweist, und wer sich überzeugt hat, wie erstaunlich lange in solchen redensarten sitten fortleben, die längst verschollen und vergessen sind (
vgl. z. b. das heutige 'blutdürstig',
das noch jedermann arglos braucht, mit dem mhd. 'bluottrinker' Berthold 277, 12. 283, 39, menschenbluot trinken, menschenfleisch freʒʒen 277, 14. 17
von '
blutdürstigen'
menschen, mördern),
der zaudert nicht die redensart als ein blosz verblasztes zeugnis anzusehen, dasz man einst wirklich aus der keule
des menschen eine keule
zum spielen machte, hier aus dem kegel
im knochengebäude einen kegel
zum spiel. ich stehe nicht an, dabei nicht blosz an den kegel
des pferdes unter 2,
a zu denken, sondern auch an menschen, wie eben das zeugnis fordert; menschenopfer waren ja in unserm alterthum so gut gebräuchlich (Grimm
myth. 38
ff., 194)
wie im römischen und griechischen. Gerade so dienten bei Griechen und Römern als würfel zum spiel zuerst die knöchel aus den hinterfüszen von thieren, denn die würfel, ἀστράγαλοι, tali
führen eben den namen '
knöchel' (
auch mhd. würfelbein, ohsenbein
würfel Haupt 8, 559),
und ebenso haben unsere kinder ein spiel mit steinchen das sie noch knöcheln
nennen, sicher von den knöcheln die man zuerst dazu nahm. auch zu dem spiel κυνδαλισμός,
das unsre kinder noch üben (
s. Schmeller 3, 473, Rochholz
alem. kinderlied u. kinderspiel s. 451,
in der Leipziger gegend spichelieren
mit dem spichel),
scheinen ursprünglich knochen gedient zu haben, denn der bair. name des spichels, bickel,
bedeutet eben knochen, und schon oben 1, 1809
ist vermutet, bickel
knöchel und bickel
spitzhacke möchten sich so vereinigen dasz man einst knochen zu spitzhacken gebrauchte; der spichel,
schweiz. spickel,
bair. bickel
beim κυνδαλισμός ist dem eisen einer spitzhacke gleich und haut gleich dieser in die erde. ja das griech. wort selbst scheint gleichen gehalt zu haben, denn der κύνδαλος des spiels ist wol nur eine andre form für κόνδυλος,
d. i. knochen. in Baiern fertigen die kinder ihre schlitten noch aus pferdebeinknochen Schmeller 3, 57,
wie in Sachsen die kufen der käsehütschen
aus groszen schenkelknochen z. b. von rindern, und im norden werden schlittenkufen, schrittschuhe der art ausgegraben. ja aus der Leipziger gegend wird mir mitgetheilt (
Eithra, Wurzen),
dasz man da auf dem lande noch jetzt sich ein kegelspiel selbst herstellt aus den unterschenkeln der vorderfüsze von pferden, indem man '
die kugel, welche sich über dem huf befindet, nachdem sie vom drechsler hergerichtet ist, zur kugel gebraucht, und den über der kugel befindlichen knochen, ebenfalls so hergerichtet, zum kegel'.
Es läszt sich denken dasz das kegelspiel sehr alt sei, es ist auf dem lande noch ein oder das hauptvergnügen an sonntagen und den hohen festen; war es vielleicht von jeher ein anhang der hohen feste, aus der heidnischen zeit her? und ist der kegel
vom pferde, der zum spiele dient, ursprünglich von dem pferde das dem Wuotan geopfert ward? oder von den den göttern geopferten kriegsgefangenen? denn gerade Wuotan liebte pferde- und menschenopfer, und nichts liegt näher, als dasz man von dem opfer wie das fleisch zum opferschmause, so die knochen zu den spielen nahm und beide dadurch gleichsam heiligte. der wilde jäger, d. i. Wuotan, führt noch rossknochen bei sich (Rochholz
Schweizersagen 1, 219, Schambach
und Müller
nieders. sagen 420. 68,
zeitschr. f. myth. 1, 19)
und an heiligen orten, wo sonst die fastnachtsfeuer ihre stelle hatten nebst allerlei spielen und leibesübungen, weisz das volk von gespenstigen kegelbahnen (Rochholz
a. a. o. 1, 129, Meier
schwäb. sagen 77. 144),
ja in dem kindermärchen nr. 4 (1, 22)
erscheint ein gespenstiges kegelspiel mit todtenbeinen als kegeln und todtenköpfen als kugeln. das kegeln im himmel, was das volk im donnern findet, gehört ja wol auch ursprünglich Wuotan an, in der Oberpfalz u. a. schreibt man es dem heil. Petrus zu (Schönwerth 2, 125).
die zahlen in denen die kegel auftreten, neun und drei, letztere im Renner oben und noch hie und da im südlichen Deutschland, sind beide heilige zahlen; von der neun s. Grimm
rechtsalt. 215. 216,
myth. 578,
gerade beim opfergebrauch maszgebend myth. 42. 43. 46. 47.
übrigens scheint das kegeln ursprünglich nur eine ausbildung oder besondere anwendung des alten steinstoszens, steinwerfens, das ja wol mit anderen kraftübungen als wettspiel die götterfesttage verherrlichen half; daher noch das werfen
oben und die wurfscheibe. s. auch das werfen nach einem götzenbild, das einen kegel
darstellte, wie es im 16.
jh. in Halberstadt geübt ward, mythol. 743. 44) kegel, bierkegel
werden hier und da als zeichen der wirtschaft, des bierschanks vor wirtshäusern aufgehängt, so in Schlesien Steinbach 1, 841; kegel,
der lange hölzerne arm den die bierhäuser ausstrecken ('wo der liebe gott den arm herausstreckt'
sagt man in Sachsen vom wirtshaus),
dann das wirtshaus selbst. Weinhold
schles. wb. 42
b. den kegel hinaussetzen Rädlein 530
a. wo werdet ihr denn bier hernehmen? sprach die alte schwieger. 'wo der kegel hangt, ist der bierschank' sprach die junge gleich wieder. Hoffmann
schles. volksl. 233.
dann auch bierkegel
von jedem bierzeichen, wenn es auch nur ein krug ist. Adelung. 55)
alt mögen auch folg. anwendungen aus dem hauswesen sein. 5@aa)
knüppel, stock; in einer mittelrhein. urk. von 1362
in Mones
zeitschr. 8, 336
werden als nutzung eines waldes erwähnt alles daʒ tennen holz, ligendes oder stendes, daʒ ignot dinne ist ... kegel und wide,
es können doch nur stöcke und reisig, knüppel und wellen sein; vgl. 9,
b. 5@bb)
bair., tirol. heiszt kegel
auch die angel oder häspe (
haspen)
einer thür, eines fensterladens u. dgl. Schmeller 2, 287, Schöpf 308;
das stimmt zu der bed., die ahd. allein bezeugt ist, s. 12,
a. 66)
alt sieht auch die bed. haufe aus. 6@aa)
rhein. kegel,
kocke, heu auf kegel machen. Kehrein 219.
auch nord. taucht diese bed. auf: schwed. kägla
f. torfhaufe, als verb kägla,
torf in kleinen haufen aufsetzen zum trocknen, dän. kägle. Rietz 382
a.
jeder haufe von leichtbeweglichem stoffe, wie sie in der wirtschaft in haus und flur so viel zu machen sind, nimmt von selbst eine art kegelform an, und in Diefenbachs
Erfurter wb. v. 1470
sp. 214
wird piramis
als ein kegel ader ein schober hew
erklärt. diesz kegel
berührt sich aber möglicherweise mit kocke
heuhaufe, auch kacke,
das seinerseits in eine weite europäische verwandtschaft eingreift, s. kocke,
vgl. das verwandte kappe
heuhaufe sp. 195
fg. (Kilian
gibt ein 'kepel, keppel
pyramis'). 6@bb)
haufe von menschenkot: findet sie (
die sau) aber ienen (
irgendwo) im garten ein baurenfeiel und kegel, denn stoszet sie das maul oder nans (
nas) darein. Keisersberg
seelenpar. 228
a; (
Gargantua) bisz auf ein federkengel, damit ihm die rut nit weh thet, und weint doch, dasz im .. vor ängsten die stinkenden kegel entgiengen.
Garg. 130
a (235); einen frischgesetzten kegel. Wieland 34, 341.
schweiz. säukegel Rochholz
sagen 2, 187,
also für kot überhaupt, angelehnt an kacken?
schwäb. heiszt in der kindersprache kegelen
cacare. 77)
von bergen, felsen, die spitz und hoch in die höhe stehn, bergkegel;
auch der kegel des berges,
die höchste kegelartige kuppe: die andern nach der seite zu getriebenen brocken, auf die auszenseite des kegels (
des Vesuvs) niederfallend. Göthe 28, 30; erst plumpten die schwereren und hupften mit dumpfem getön an die kegelseite hinab.
das.; kamen mit der noch rieselnden asche am fusze des kegels
an. 28, 32; ein anderer (
berg) wie ein gestutzter kegel. 28, 178;
s.kegelberg.
schon i. j. 1236
erscheint ein ort Chegelsperch
als zubehör des stifts Engelberg in Unterwalden wenn das gewiss von kegel
conus stammt, hat es doch gleichfalls in bair. kogel
bergkuppe eine andere anlehnung. 88) kegel
des helmes, helmkegel,
nach lat. conus,
kegelartige spitze worin der helmbusch steckt (
vgl.kamm 3),
spätgriech. κῶνος: diesem traf er den mähnenumflatterten kegel des helmes. Bürger 218
b, diesem traf er zuerst den umflatterten kegel des helmes. Voss,
Il. 4, 459. 99)
technisch von mancherlei kegelförmigen dingen. 9@aa)
am büchsenschlosse ist ein kegel, zündkegel,
piston; an den kanonen das visier auf dem rohre (Frisch 1, 507
a);
beim spitzenklöppeln die klöppelhölzer. Adelung,
auch bei seidenwirkern. oft im maschinenwesen, z. b. sperrkegel
zum hemmen eines sperrrades; schneckenkegel
in taschenuhren; filzkegel
u. a. 9@bb)
bei den schriftgieszern heiszt kegel
die gehörige dicke oder breite die den einzelnen lettern nach den verschiedenen schriftgröszen zukommt, welche sich im druck als höhe darstellt; jede der herkömmlichen schriftarten hat ihren besondern kegel,
z. b. corpuskegel,
dann auch z. b. corpus auf petitkegel.
der ausdruck ist wol aus der ersten zeit der kunst, als die lettern noch hölzern waren, und erinnert an die bed. 5,
a oder b. 9@cc)
als verbrämung: denen weibspersonen dises standes werden die brüstlen (
leibchen) nicht mit kegel, sondern allein mit seidinen spitzen gebrämt. Birlinger
Augsb. wb. 80
a,
kleiderordnung, es musz also etwas kostbareres sein als seidenspitzen. 9@dd)
weidm. vom hasen, einen kegel machen, sich kegeln,
ein '
männchen'
machen. so schwed. dial. kägla sej
von pferden, sich bäumen. vgl. die redensart er steht wie ein kegel, '
kerzengerade'. 1010) eiskegel,
eiszapfen, s. 3, 379 J. Paul;
schon im 15.
jh. in einem rhein. voc. kegel
tiria Dief. 585
b,
adj. kegelen
stiriosus ('
vol iszapfen') 553
a;
auch nnl. kegel, ijskegel.
aber das ist ein andres altes wort mit reicher und weit auseinandergehender formentwickelung, hier nach der auffallenden ähnlichkeit an kegel
conus angelehnt. denn mnl. heiszt es kekel, kekele, kikele,
mnd. kekele Diefenb. 585
b,
auch md. 15.
jh. kickel (
stiriosus kickeleht) 553
c,
in Aachen kiechel
m. Müller
u. Weitz 106,
westf. îskiækel Woeste
volksüberl. 100,
altcölnisch kechel Dief. 553
c,
jetzt noch nrh. kächeln
pl. Fromm. 3, 553
a,
ferner auf der Eifel kachel
f. Schmitz 226
a,
und schon in rhein. und md. vocc. des 15.
jh. häufig iskachel, eiskachel Dief. 553
c. 585
b,
auch iskackel
und eiskageln 585
b.
im anlaut anders gestaltet mnd. jokel, isjokele
hor. belg. 7, 28
b. Dief. 585
b,
md. jochele 553
c,
ditm. îsjækel, îsjæk;
noch anders nd. îshekel
brem. wb. 2, 704,
hd. hîchela Graff 1, 485,
sumerl. 15, 57,
und wieder md. îshacheln Dief. 553
c,
auch ichel von îse
mhd. Scherz 724.
und dasz diesz auseinandergehen der formen sehr alt sein musz, läszt ähnliches im engl. erkennen, da heiszt es landsch. iccle (eccle),
altenglisch ikle,
dem mhd. ichel
gleich, und landsch. iceshoggle, iceshackle,
altschott. isechokil,
auch engl. icily,
vgl. mhd. îsel,
ahd. îsilla, issa,
auch ihsilla,
ags. aber îsgicel;
norw. jukel, isjukel (
vgl. isl. jaki
m. eisklumpe, jökull
eisberg und oben 3, 360,
auch gramm. 1
2, 322),
schwed. dial. aisikkel,
dän. dial., nordschleswigisch egel,
nordfries. eghal,
dem mhd. ichel
gleich. auch mit k
im anlaut engl. kinker,
das im inlaut dem kengel
stiria Dief. 553
c ähnelt. s. auch das zweite kieke. 1111) kegel
von menschen, als grober, roher mensch: roubsen und kengel in der nase haben und sie hinein supfen und dergleichen, die ding stond übel, dasz einer also ein kegel ist. Keisersberg
post. 22
b; die wüsten kegel die tag und nacht voll sind.
das. 141 (Frisch 1, 506
c); ein armer buer, etwan ein kegel, ein bub, der möcht etwan ston und einen erschieszen, der seiner drei bestünd, wen sie gleichem gewer aneinander kemen.
brösaml. 1, 100
a; das sihest du wol in den follen keglen, die stets fol seind und haben die fleschen stets an dem maul hangen. 2, 68
a; es seind aber vil kegel im gewalt, us deren mund kein gut wort gat, als (
immer) ist es wu wu wa wa. 2, 73
a; darumb so soltu nit ein kegel sein und vor deinem gesind soliche ding reden (
über die empfängnis).
Mariae himelfart 11
b; da hab ich ein bawren gekennt, ein groben kegel, der hiesz Hans Werner, kundt lesen und kundte schier die ganze bibel auszwendig. Pauli
schimpf und ernst 13 (37); ei, sagt die fraw, du grober kegel. Frey
garteng. 42
b; in summa, bhalt vorgsetzte reglen, so kompstu zu den groben keglen. Scheit
grobianus G 1
a; schrei uberlaut 'du grober flegel, warfür sichstu mich an, du kegel!' M 4
a;
so wüste kegel F 2; voller kegel Q 1. Frisch
erklärt '
truncus',
und da nun kegel
gleich knüppel
belegt ist (5,
a),
könnte es sein wie mit bengel
knüppel und grobian; s. auch keil 6
so gebraucht. doch könnte immerhin das kraftwort auch auf dem kegelplatz entstanden sein, der grobe, ungeschlachte mensch wäre verglichen mit dem kegel, der gefühllos von der kugel die gröbste behandlung erfährt. So wird der spielkegel noch jetzt wegen seiner form oder hölzernen steifheit mit menschen verglichen; von einem plumpen bauerburschen: bald stand ein kurzer dicker kegel mit rothen haaren vor ihr da. Langbein,
taschenb. zum ges. vergn. 1798
s. 244;
besonders von formlos dicken kindern, ein kleiner kegel.
denkbar ist doch auch zusammenhang mit dem folg. kegel
in 'kind und kegel',
oder mit nl. kinkel
grober bauer, grobian, bei Kil. kenkelboer
rusticus, stupidus, vgl. kengel gleich kegel.
dän. kegle '
wicht, kerl',
z. b. en dytig kegle,
ein ganzer kerl. 1212)
Die geschichte und herkunft des wortes bietet viele fragen und möglichkeiten dar. 12@aa)
das ahd. chegil
ist nur bezeugt als kleiner pfahl, pflock, besonders als zeltpfahl, zeltpflock, erdchegil, zeltchegil,
clavus tabernaculi, paxillus. Graff 4, 362;
diese bed., die schon mhd. ungebräuchlich war, könnte doch im nhd. kegel 5,
b nachklingen. aber das ahd. wort mag immerhin auch schon spielkegel gewesen sein, dieser wird eben auch heute noch hie und da, wie hie und da im bairischen gebirge glaub ich, in Tirol, nicht aufgestellt, sondern in den boden festgesteckt zum umwerfen, wie ein pfahl, und das war vielleicht die alte art. 12@bb)
franz. quille
kegel bedeutet auch einen keil in schieferbrüchen, und eben keil
musz mit kegel
nah verwandt sein, wie gr. κῶνος (cōnus)
kegel nah an cŭneus
keil anklingt. in Nürnberg und der Oberpfalz heiszt sogar keil
keil und kegel zugleich, kugelkeil
spielkegel Schm. 2, 289;
ist diesz keil
kegel nur aus kegel
zusammengezogen, wie ahd. einmal gizeltcheil
statt chegil
geschrieben steht? vgl. nhd. auskeilen
für auskegeln 1, 891.
auch der keil hat ungefähr die kegelform, er hiesz mhd. kîl,
ahd. chîl
paxillum, und eben der '
zeltkegel',
zeltpfahl erscheint ahd. auch als kizeltkîl Graff 4, 362,
der pfahl, pflock ist unten zum keil zugespitzt. 12@cc)
diesz keil, kîl
nun verhält sich lautlich zu kegel
fast genau wie kaule, kûle
zu kugel,
und bei beiden ist die weitere frage dieselbe, welche der zwei formen ist die ältere? ähnliche verhältnisse sind übrigens nicht selten, vgl. z. b. geil
lascivus mit dem bair. gleichbed. gegel, stiel
mit stigel, steil
mit stickel, beil
mit bickel (
ahd. pîal
und pigil);
ähnlich verhalten sich keil
und keidel, speil
und speidel. 12@dd)
jenes franz. quille
bezeichnet aber auch den kiel im schiffe, ebenso span. quilla,
ital. chiglia,
die Diez 99
auf ahd. kiol
zurückführt; er bemerkt aber selbst, dasz sie lautlich genauer zu kegil
passen, sodasz man sich ein altfränkisches wort denken dürfte, das dem ahd. chegil
entsprechend zugleich den kiel bezeichnete, wie unter b chegil
und chîl
sich mischen. kurz der kiel
des schiffes scheint in die verwandtschaft zu gehören, die form des beim bau hingelegten grundbalkens liegt dem begriff pfahl auch nahe genug, nur das zugespitzte fehlt, wie bei kegel
knüppel (5,
a).
und dann mag auch der kiel
der feder, stengel an pflanzen, mhd. kil (
auch kengel
genannt)
zur sippe gehören. 12@ee)
so ergibt sich ein stamm k-l,
im vocal wie gewöhnlich manigfach gestaltet. und nun, wie kugel
sich zu kegel
stellt (
im spiel wie im knochengebäude des körpers sind sachlich beide verbunden),
ganz ebenso kûle
kaule, kugel zu kîl
keil. nach dem anhalt aber, den kaule
im skr. gula
und gôla
hat (
sp. 359),
möchte man in kugel
wie in kegel
alte erweiterungen jener wurzel k-l
durch selbstwiederholung des anlauts annehmen, die im verbum der deutschen stämme einstens sehr thätig war (
s. z. b. u. blasen, halten),
aber auch der bildung von substantiven nicht fremd, wie im lat. griech. (
s. z. b. feifalter,
vgl. gesch. d. d. spr. 863
ff.). 12@ff) kugel
stimmt recht gut zu dieser annahme, denn wenn man nach der ahd. form fragt, die nicht belegt ist, so macht das u
für die zweite silbe sowol i
als a
unmöglich (
im ersten falle müszte es sonst jetzt kügel,
im zweiten kogel
heiszen),
nur kugul
ist möglich (
globus kugul Mones
anz. 8, 396, 13.
jh. alem.),
und das war wol ursprünglich kukul (
s. nachher),
vgl. landsch. kulle
kugel sp. 349. kegel
dagegen, ahd. chegil,
musz wegen des i
in der ersten silbe urspr. a
gehabt haben, und dafür zeugt noch die heutige aussprache des betonten e
mit dem hohen laut wie in segel, flegel,
nicht mit dem tiefen (ä)
wie in sëgen, gelëgen;
daher auch die alem. form keigel (
s. oben bd. 1, 3
über ä),
im Aargau, Rochholz
Schweizersagen 1, 129,
s. Brant
unter kegeln;
also eine deutsche urform kagil,
oder kakil.
Das g
im inlaut nämlich stört diese annahme keineswegs, denn ebenso ward z. b. aus lat. cuculla
ahd. cugulâ
und chugelâ,
anfangs noch cucalâ (
s.kogel);
einfaches P
und K
im inlaut nach kurzem vocal halten sich schwer, gehn gern zurück auf b, g.
vgl. auch kekel
unter dem folg. kegel,
und ahd. gegil
für kegil Graff 4, 362,
engl. gaggle
kegel sp. 384. 12@gg)
für kegil
gerade liegt freilich noch eine andere möglichkeit vor; nimmt man es zusammen mit nl. kegge
keil, ags. cæge
schlüssel (
engl. key),
nhd. kag
kohlstengel, strunk, schwed. kage
stoppel, stumpf, die alle in ihrer form (
ich meine die sachen)
dem auge einen ähnlichen eindruck machen, so spricht daraus ein stamm kag;
auch der alte schlüssel war wol nur ein stück holz zum vorziehen des riegels von auszen, vermutlich keilförmig (
vgl. lat. clavis
schlüssel mit clavus
pflock, nagel, clava
stock).
nah anklingend sind auch sl. litt. worte, freilich ohne verschiebung, böhm. kyč
kolbenstock, schienbein, kyčka
stock, stumpf, prügel (kyj
stock, keule, auch altsl.),
litt. kùcus
knüttel, u. a. s. auch kog. 12@hh)
erwähnenswert scheint endlich, wie der kreis der bedeutungen, den kegel
mit seinen verwandten durchläuft, sich bei bolz
fast genau wiederholt. diesz bedeutet auszer pfeil auch keil (
vgl. engl. thunderbolt, donnerkeil),
pflock, einen theil vom körper oder knochengebäude wie kegel 2
und keule,
selbst federkiel.