klaue,
f. unguis, ungula. II.
Formen, geschlecht, ursprung. I@11)
die formen sind stark schwankend, wie immer bei wörtern mit dem ursprünglich mehr vocalischen w
als stammauslaut. I@1@aa)
die älteste form ist wahrscheinlich hd. chlawa (
gr. 1
3, 92. Haupt 11, 165),
alts. clawa;
ags. entspricht clavu
f. (
pl. clave),
daher engl. claw.
aber schon ahd. wahrsch. auch chlâwa,
stark und schwach (
wie vermutlich alts. später clâwa).
mhd. ist diesz â
gesichert durch reime wie klâwen
pl. : grâwen, brâwen,
auch im sg. chlâwe Diemer
exodus 150, 31, clâwe Jeroschin 13589.
übrigens hat das. eine hs. des 14.
jh. schon clauwe,
was vielleicht auf fortdauer des kurzen vocals in mhd. zeit deutet, denn auw
konnte leichter aus aw
als âw
werden, es wird sich wol auch klowen
pl. finden (
vgl. clõlin
u. c, alem. clouwen 16.
jh. sp. 1029).
diesz klauwe
ist denn der unmittelbare vorgänger des nhd. klaue,
das dem ältesten chlawa
näher steht als die mhd. formen. I@1@bb)
mhd. ist am gewöhnlichsten eine merkwürdig verkürzte form, klâ,
unverändert auch im gen. und dat., im pl. klâ
und klân (
wie brâ, brân
braue, s. augbraue)
und das hat sich bis ins 16.
jh. fortgesetzt: kla
ungula Altenstaig 26
a, cla Dief. 627
a (
auch nd.)
; auch mit hergestellter endung klâen
pl.: und kom sie (
die maus) in mein weinvasz, ir claen wurden ir nimmer nasz. Rosenblüt
fastn. 1138; hett mich ein falk in seinen klaen, ich wolt in thet ein geier fahen. Soltau 1, 239; der löw und bär mit scharpfen klaen, darmit die jeger (
acc.) sie empfahen. H. Sachs 1, 502
d (1590 376
d); dasz weder maul noch sein vier
klahen (
das h
stumm) ein kleines fischlein solten fahen. Alberus
Es. 74
b.
noch jetzt östr. klâ Höfer 2, 144.
auch das ags. kannte übrigens diese form, clâ,
dat. pl. clâ
m. I@1@cc)
eine dritte form zeigt sich ahd. in chlôa,
das ô
wird aus aw (auu)
zusammengedrängt sein (
s. gr. 1
3, 98, Haupt 11, 165,
vgl.froh),
falls es nicht eine nebenform andrer entstehung darstellt (
s. d a. e.)
; es heiszt auch altn. isl. klô,
norw. klo,
dän. kloe,
schwed. klo (
dial. auch klau).
Die form erscheint als klô
noch spät mhd. MSH. 3, 224
b, klœlîn (
hs. clõlin)
kläulein Renner 23853,
und noch später; doch können diese ô
auch blosz aus dem â
unter b herrühren (
sp. 409): clo
fastn. sp. 1310, klo
unguis, pl. adlers kloen Alberus, klawe
oder kloe
voc. 1482 q 6
a, kloen
pl. Fischart
bien. 14
a.
Garg. 136
b. 163
b (klawen 72
a): wan wir (
teufel) uns schon erzeigten greulich mit kloen, hörnern gar abscheulich.
jesuiterhütlein A 3
a.
Auch mit erhaltnem w klowen
pl. Keisersberg
brös. 1, 57
a,
und mit dem merkwürdigen g
für diesz w (
s. unter kläuel 1,
e, Weinhold
alem. gr. 184)
klog ungula Mones
anz. 7, 169, 15.
jh. (
vgl. bougmeister
baumeister das. 167),
noch bei Fischart: was stark ist, msz auch haben hörner, was klogen hab, das wehr sich gerner.
jesuiterh. A 3
b; ja durch demut, on hörner, klogen hat er (
Christus) den harnisch uns (
teufeln) abzogen.
das. Noch jetzt lebt übrigens klô
in mundarten, wie bair. östr., wetterauisch, bair. auch klôw, klôwen,
östr. auch klou,
tirol. kärnt. auch kloa. I@1@dd)
ganz eigen im vocal klee
ungula Dief. 627
a,
aus einem wol mrh. voc. d. 15.
jh; ebenso wahrscheinlich nd. kleien
kratzen für hd. klauen (
s. d.).
nur äuszerlich ähnlich ist altengl. nordengl. clee,
altengl. cleye Hall. 254
a,
vgl. schott. clew;
das geht zurück auf eine ags. nebenform cleó
und cleá Grein 1, 163.
zu dem eá
aber könnte zugleich das ô
in ahd. chlôa
stimmen, sodasz nicht aw,
sondern reines au
dahinter wäre. vgl. auch altfries. klewe
klaue, nordfries. kle, klä Richthofen 874
b. I@1@ee)
und noch eine form mit umlaut, klöa
in den sog. cimbrischen gemeinden Schmeller 136
b,
schlecht gesprochen klê
in der gleichfalls bair. Heanzenmundart Fromm. 6, 333,
östr. kleo (
einsilbig) Höfer 2, 144,
kärnt. kleo, klea
n. Lexer 159.
das weist auf eine ahd. nebenform mit ableitendem i (j),
die vielleicht auch alts. sich verrät in hildesh. klöue Frommann 2, 121.
das 'klöwen'
bei Lenz
unter II, 1,
a ist unsicher, in der hs. klõwen?
[] I@1@ff)
die nhd. form ist anfangs gewöhnlich klawe,
so bei Luther (
s. II, 2),
das w
ward aber wahrsch. schon vocalisch gesprochen, wie in ewer
euer u. s. w.; auch klaw, klau,
und noch klauwe (
s. a a. e.) Dief. 627
a,
letzteres auch klaube
geschrieben (
s. aber klauber 2,
a)
; das gekürzte oberd. klau (Dasyp., Schönsleder, klauw Maaler),
das auch Stieler, Steinbach
noch haben neben klaue,
gilt noch in pflanzennamen wie bärenklau, wolfsklau.
die schwache beugung auch im sing. ist noch im 16.
jh. sehr häufig, s. z. Luther, Fischart
unter I, 2. I@1@gg)
auch nd. klaue
brem., ostfries., klau
nordfries. Johansen 104
a (
merkwürdig pomm. klauje Dähnert);
älter klawe Chytr.
c. 76, Diefenb. 420
a (cla 627
a),
gewiss auch mit â.
nl. klauw (klaauw),
älter klauwe, klouwe Kil.
nnd. klâwe, klôwe, kluve
u. ä. sind davon zu scheiden, s. klauber 2,
a. b. d. I@22)
als geschlecht findet sich auch m.: da würde der schafstall gar bald ledig sein und der hirte .. weder milch ... noch einen klawen finden. Luther 8, 6
a (
zur sache s. II, 3,
a); die geistlichen .. sehen dem bösen geist bald den linken kloen oder rappenfusz herfür ragen. Fischart
bien. 1588 8
b; wie der papst seinen ellendskloen (
pantoffel) zu küssen darf bieten.
Garg. 163
b (303
Sch.); ich (
Lucifer) wil ouch dinen indenk sin, verheisz ich dir bim klawen min. J. Murer
belägerung der stadt Babylon (
Zürich 1560) 2.
act; der klauw Maaler 245
a,
auch das nl. wort ist m., gen. klauws.
aber auch als n.: östr. das klo Höfer 2, 144,
ebenso kärnt. kloa, klea (
neben f.) Lexer 159 —
wieder ein wort in allen drei geschlechtern ausgeprägt, wie kinn, kitt, klamm (
a. e.), kläuel 2,
b. I@33)
den ursprung setzt vielleicht ein nord. wort ins licht. wie sich klauber
kralle zu klieben (klauben)
stellt als kliebendes werkzeug, so stimmt in der form zu klaue
ein altn. starkes klâ,
praet. klô
klauen, kratzen, eig. mit den nägeln, klauen arbeiten, noch schwed. kl,
dän. klaa (klö).
trotz des altn. part. klegit,
praet. schwed. dial. klog
wird klav
der stamm sein (
s. gr. 1
3, 457. 468),
von dem denn ahd. chlawa
gleich begreiflich wird als bildung nach dem praes. (
wie chiwa
kiefer von chiwan
kauen),
das altn. klô
vielleicht nach dem praet. (
wie von chiwan
ahd. chowa
kiefer, nl. kouwe,
s.käu);
ags. cleá
kann sogar auf eine nebenform mit andrer ablautsreihe deuten, bei der wol auch ahd. chluwi
emunctoria, forcipes Graff 4, 547
unterkunft fände (
vgl.kluftzange).
s. auch klauen
und kläuel
a. e. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
Unguis, die klaue
mit scharfer spitze, die kralle,
die dem thiere als waffe dient oder als werkzeug zum greifen, fassen, scharren u. s. w., vgl. mhd. grif
klaue, vom greifen,
nhd. fang
klaue; wahrscheinlich galt es aber von haus aus eben so gut vom menschen, s. 6 II@1@aa)
im genauen sinne die scharfe kralle selbst: der eisvogel hât zwên vinger an dem fuoʒ und krum negel oder klâen dar
an. Megenberg 202, 15; ain iegleich vogel, der vinger hât an den klâen. 165, 7; lewen und katzen die halten die klowen an sich. Keisersberg
brös. 1, 57
a; es ward dem beren zuo Bern geseit, wie dasz die iren weren beleit (
belagert), er tet sin klauwen slifen. Liliencron 2, 61
a. Wolff
hist. volksl. 518; der viend nam er (
der bär, Bern) eben war mit sinen scharpfen klöwen (: cräwen). Lenz
Schwabenkr. 153
a (klawen Liliencron 2, 412
a); bis sein har wuchs so gros als adelers feddern und seine negel wie vogels klawen wurden.
Daniel 4, 30.
eine alte formel, um die vögel begrifflich zu bezeichnen, ist swaʒ vettech unde klâ hât Diemer 284, 16, alleʒ daʒ veder unde klâ hât Haupt 1, 122;
mhd. gilt klâvogel
für raubvogel, gleich krimvogel,
altn. klôfugl Möbius 233. die klauen in etwas schlagen
oder setzen. Frisch. wenn dich das unglück in des krokodils gewalt gegeben oder des gefleckten tigers klaun. Schiller 464
b. II@1@bb)
erweitert, von der zehe an der die klaue
sitzt, und von der ganzen tatze oder pfote (
s. unter 3,
b von der bärentatze, vgl. klate 1
a. e.),
insofern diese die klaue gebrauchen helfen: pedica, ce (
zehe)
vel klae,
nd. te
vel klawe. Dief. 420
a; klaue,
ungula quae habet digitos. Frisch 1, 520
b; klauen heiszen die zehen an den läufen des wolfs, fuchses, dachses, bibers, luchses, otters, marders, iltisses und dergl. raubwildpret. Heppe
leithund 96; ein eul und einen spiegel, den die eul in den klowen het.
Eulensp. hist. 95. kralle, pfote, tatze
sind jetzt dafür mehr oder allein gebraucht, auszer bei raubthieren. [] II@1@cc)
früher aber auch von andern thieren, die ganz harmlos sind, z. b. von der maus unter I,
b fastn. sp. 1138; kloen
des maulwurfs Garg. 136
b (249).
von einer spinne die auf ein eulchen (
motte)
passt, freilich wie ein raubthier: sie lief bald in die läng bald in die qver mit offnen klauen. Brockes 5, 107. II@22) Klaue
ungula, das horn am thierfusze, huf u. ä. II@2@aa)
die gespaltene klaue (Rädlein 541
b)
gewisser thiere, bes. des hornviehs, der rinder, schweine, schafe. diese bed., die man als die urspr. anzusehen pflegt, ist als übertragung des vorigen begriffs ebenso begreiflich wie der gebrauch unter 1,
c, ebenso sind ὄνυξ, ungula
von voriger auf diese bed. übertragen: alles was die klawen spaltet (
gespaltene klauen hat) und widerkewet unter den thieren, das solt ir essen.
3 Mos. 11, 3.
5 Mos. 14, 6; ein schwein spaltet wol die klawen, aber es widerkewet nicht. 3
Mos. 11, 7; das wird dem herrn bas gefallen denn ein farr der hörner und klawen hat.
ps. 69, 32; das wol ein kue oder sawe mit iren klawen an der wand greifen möchte. Luther 6, 9
a; grübelt in zänen .. mit schweinen kloen.
Garg. 163
b (303); bald warf der ochs sein schwanz empor, schart mit den klawen das fuszspor. Rollenhagen
froschm. Qq 3
a.
vgl. vom reh u. 3,
a, dann klauenvieh, klauenschmalz, klauensteuer,
nach letzterem ist der gebrauch schon mhd., klâ
eines lammes Helbling 7, 399.
dasz aber das gespaltene, was man der etymologie von klieben
zu gefallen als den hauptbegriff darin suchte, es nicht ist, zeigt schon folgendes. II@2@bb)
man nannte alles hornige am fusze und diesen selbst klaue: ungespaltene klaue,
ungula solido cornu Stieler 971,
was Rädlein dichte klauen
nennt. so der pferdehuf: klaue,
huf, das horn an füszen der thiere, als pferde, kühe, schweine u. s. w. Rädlein 541
a; ich wil alle ir thiere umbbringen an den groszen wassern, das sie keines menschen fusz und keines thiers klawen trübe machen sol.
Ezechiel 32, 13; was aber widerkewet und hat klawen und spaltet sie doch nicht, als das kamel.
3 Mos. 11, 4, die caninichen, der hase 11, 5. 6.
vom pferdehuf noch östr. Höfer 2, 144,
s. schon Fischart
unter I, 2.
s. auch aberklaue, afterklaue. II@2@cc)
nach Adelung
hiesze auch der spalt selbst klaue,
stammt das nicht nur von jener ableitung? II@33)
Einige redensarten sind besonders zu bemerken. II@3@aa) nicht eine klaue,
ne ungula quidem: si behielten ... ir vî (
vieh) sô gar, daʒ nie abe quam ein clâwe. Jeroschin 92
d; unser vieh sol mit uns gehen und nicht eine klawe da hinden bleiben.
2 Mos. 11, 26,
vgl. Luther
unter I, 2; er habe von den versprochenen rehen 'keine kloe' gesehen. Schertlins
briefe, her. v. Herberger s. xxxvi; das viehsterben gieng vor uns vorbei, denn ich kann nicht sagen dasz mir in selbigem jahre nur eine klaue verrecket wäre.
westph. Robinson 37; weit herum ist in der ganzen aue keine feder mehr, keine klaue (
zum verzehren). Schiller 319
b (
Wall. lager); dahingegen schalt er die nachzügler, packknechte und marketender, die mit ungestüm und gewalt auch die letzte klaue sich zuzueignen gewohnt seien. Göthe 30, 114 (
camp. 1792); es hat dir jemand einen waidmann gesetzt, und den muszt du lösen, oder du triffst keine klaue. Kind
der freischütz 18; jetzt ist freilich das ganze gebirge so ausgeschossen (
an gemsen), dasz man wochenlang herumsteigen kann, ohne eine klaue zu erschauen. L. Steub
das bair. hochland 236.
der sinn davon ist '
auch nicht das geringste von vieh',
und es mag aus dem kriegsleben herrühren, wo auf dem lagerplatze vom geschlachteten vieh nichts bleibt als die unnützen klauen und die schwänze, daher ebenso keinen schwanz Bräker 34, 'es kam kein schwanz'
bei einem generalmarsch der bürgerwehr in der vorstadt i. j. 1848,
vgl. so fingernagel
von menschen. II@3@bb) der bär saugt seine klauen (
tatzen)
in träger ruhe oder in hungerzeit: als der ber sauget die clo.
fastn. sp. 1310.
beliebt in bildlichem gebrauche von menschen, aus einer zeit her wo man die gewohnheiten des bären noch aus eignem umgange kannte: ich lig dahaimen in der hil (
hülle, mantel) und sauge oft die klo (
hungre). Uhlands
volksl. 722;
[] der küng von Engelland ist unser fuog (
kommt uns zu gute), wann er hat gold und gelt genuog ... was solten wir doheimen thuon? clouwen sugen, finger spitzen? Gengenbach
s. 21, Körners
hist. volksl. 14,
antwort der jungen eidgnoszen auf eine warnung vor dem reislaufen; ich hiesz ein weil Hans Schadenfro, ietz saug ich die klawen ho ho! Scharpfenecker
Acolastus B iij
b; zwegt (
wäscht) man im denn mit scharpfer laugen, denn musz er an den klaen saugen ... das ist des bären art im wein. H. Sachs 1, 157
Göz; wo sol der arm mann hinaus, der nottürftig ist? keiner wird satt von klauwen saugen.
Reinicke fuchs Frankf. 1583 152
a; der zu hause sog die klauen, wil bei hofe völlig prassen. Logau 2, 6, 9; er saugt die klauen,
wie die bären, hat weder zu schleiszen noch zu beiszen, weder zu sieden noch zu braten. Rädlein. II@44) klaue
vom menschen gilt auch in anderen redensarten, wo sein thun unter das bild eines thierischen thuns gestellt wird (
wie bei kralle): mancher hat der mummen geschmecket, das er ligt und hat die klawen gestrecket (
wie ein verrecktes thier). Soltau 2, 25,
s. anm. zu str. 25, 2; also dienen gar viel zu hofe .. nicht umb des herrn willen, sondern .. das sie den herrn können einnehmen und die klawen einschlahen (
so fest) das sie der herr darnach mit keinem guten fug noch recht könne hassen noch lassen. Luther 6, 148
b; als er mit aller seiner wachsamkeit mir nichts übles thun und seine klauen nirgends einschlagen (
mich fassen) konnte .. Göthe 35, 170 (non mi poteva appiccare ferro addosso); mit den klauen ein schlagen Steinbach. die köche haben alle klauen wie ein adler oder geier
ders. (
nach Plaut. Pseud. 3, 2, 63),
wissen an sich zu reiszen, auf die seite zu bringen; vor euren klauen und geiersgriffen ... ist das geld nicht geborgen in der truh. Schiller 325
a,
vgl. diebsklauen
furaces manus Frisch 1, 520
b,
und das daselbst aus Tschudi 1, 563
belegte beklauen
an sich reiszen, gewaltsam erwerben. einem in die klauen kommen
eines beute werden ders., Steinbach; wenn du was in deine klauen kriegst, so ists wol hin Stieler 971, Steinbach; lasz mich ja nicht in ihren strick, in ihre klipp noch klawen fallen. Weckherlin 122 (
ps. 27, 19); Anton stirbt als ein weib in einer mohrin (
Cleopatra) klauen. Lohenstein
sonett; dasz .. die gewalt der beredsahmkeit dich könte aus den klauen meines gerichtes reiszen. Olearius
pers. ros. 5, 19; wenn sie mich aus ihren juristischen klauen lassen. Rabener (1755) 4, 236; das hat man nun davon, wenn man sich mit prinzen abgiebt! .. wenn sie einen einmal in ihren klauen haben, so musz man wol aushalten. Lessing 12, 433 (
briefl. aus Italien); um alles land, das der tyrann in seinen klauen hält. Schiller 574
b; ich habe der königin manchen gefallen gethan, als der böse mohr sie noch in seinen klauen hatte. Göthe 11, 219.
Rameaus neffe erzählt: wenn sie (
die frau) manchmal stöckisch wurde, setzte ich mich auf meine klauen, entfaltete meinen donner
u. s. w. 36, 40,
wie ein thier zum kampfe bereit. s. weiter 6,
auch oben klauber.
vergl. lat. toto corpore atque omnibus ungulis,
aus leibeskräften. II@55)
Tod und teufel haben klauen,
den menschen zu packen, vgl. Charons clâwen
Eneit 93, 38, der Tôt in bechrellet
fundgr. 1, 196, 20. 2, 80, 12,
mit den krallen: (
die gattin) will in (
den gatten) kurzumm mit irer trewen pfleg dem todt aus den klawen reiszen. Fischart
Garg. 72
a (122
Sch.); Seraphine musz aus den klauen des todes gerissen werden. Lenz 1, 244; des tändlers und des frohen zechers harret die klaue des knochenmannes. Hölty (1814) 85; sie liest das jahr hindurch die bibel zweimal aus und reiszt dadurch ihr ganzes haus auf ewig aus des teufels klauen. Gellert (1784) 1, 32; ja, nun gehts fort und ich höre schon sausen, rauschen, quiken, schreien, ächzen. der böse geist hat sie in seinen klauen. Göthe 11, 299; wo siehst du hörner, schweif und klauen? 12, 127; ich passt' ihr (
der seele) auf und wie die schnellste maus schnapps! hielt ich sie in fest verschlosznen klauen. 41, 323.
[] das erscheint denn wieder bildlich, z. b. von leidenschaften: und ehe nun verzweiflung deine sinnen mit ehrnen klauen aus einander reiszt. Göthe 9, 219. II@66)
Aber klaue
gilt auch noch schlechthin für fingernagel, finger, hand, auszer jenem bildlichen anlasse, in gewissen kraftwendungen unterm volke. so östr. glewerl (klöwerl)
von langen nägeln, der blaibt mit sain glew'ln iwarl henga Castelli 142;
ebenso nd., z. b. in Pommern klauje '
im verächtlichen und verdrüszlichen reden',
die nägel oder die hände Dähnert 233
b,
bair. z. b. es fruist mi in klouwen
friert mich in den fingern Schm. 2, 348; einem die müdigkeit aus den klauen ziehen.
franz. Simplic. 1, 15,
letzteres wie bei den thieren 1,
b, ebenso engl. claw.
Und das dürfte die ursprüngliche bed. sein, denn der nagel ist das älteste weil natürliche werkzeug zum kratzen, schälen, abkneipen, scharren u. s. w. (
vgl. unter klauben I,
e).
ebenso ist unguis
kralle zugleich fingernagel, vgl. umgekehrt finger
von thieren unter 1,
a (3, 1650);
die unterscheidung von thier und mensch in der sprache ist vielleicht nirgends ursprünglich, zuweilen nachweislich spät eingetreten (
vgl.essen fressen, trinken saufen, kind junges),
ja noch jetzt nur theilweis vollzogen. s. auch unter klauber, kloper.
Gerade für klaue
kann auch ein altes zeugnis vorliegen in dem clâdolg
kratzwunde im altfries. gesetze (
s. schon Schottel 275,
ahd. tolc
vulnus): si quis alium unguibus crataverit .. quod cladolg vocant. Richthofen 871
b.
das kann zwar auch vom verbum gebildet sein (
s. I, 3),
aber dieses selbst hilft jene annahme stützen. vgl. klauen. II@77)
Im gewerbsleben von werkstücken, die einer der klaue ähnliche thätigkeit und form haben. II@7@aa)
zum festhalten. so heiszen im schiffe klauen
die vier arme am drachen, dem kleinsten anker; bei schlossern eiserne haken um eisenstücke festzuhalten (Krünitz); klaue
ein eiserner haken beim winden, wuchten u. dgl., s. klauenwinde.
ähnlich von werkstücken in hakenform im bergbau, beim juwelier, wieder anders von wieder auf Elbflöszen (
s. Krünitz). II@7@bb)
anders in der form, der gespaltenen klaue entsprechend. die klaue
am klauhammer,
der dünne breite vordertheil mit einem spalte zum fassen und ausziehen von nägeln ( Campe),
die zange,
engl. claw;
auf Rheinschiffen klaue
nagelzange Kehrein
Nassau 1, 226,
vgl. schweiz. klupe
feuerzange Stalder 2, 111,
eig. klaue (
s. sp. 1024
unten).
als werkzeug des schieferdeckers: tag für tag hantiert er mit flickeisen und klaue. O. Ludwig
zwischen himmel und erde 73; Apollonius zog die klaue aus dem gürtel. wenig stösze mit dem werkzeug, und die schiefer fielen ... 301.
Ähnlich am pumpbrunnen das zur hälfte gespaltene stück holz oder eisen das den schwengel in seinem spalte trägt ( Adelung);
an rollstühlen u. dgl. der gabelartige theil der die rolle in sich hält, engl. claw.
s. auch halsklaue, treibklaue.
auch hier wird nicht der spalt, sondern das fassen und halten der ausgangspunkt der entlehnung sein, vgl. engl. claws
krebsscheren. II@7@cc)
noch anders in der form ostfries. klaue
durchlöchertes quereisen vorn am fuszpflug, zum einhaken des silts. Stürenburg;
übereinstimmend niederöstr. glewarl
n. (
s. kläulein)
ein rundes eisen worein ein häkchen passt Castelli 142. II@7@dd)
zum reiszen, scharren, kratzen: sie haben mit krapfen oder klauen die christen zerrissen. Hedion
übers. d. Euseb. 69
b (Frisch 1, 544
b).
so in ostfries. klaue
harke, rechen Stürenburg 109
b,
zum scharren gleich einer mehrklauigen tatze (
vgl.klauen).
ebenso nl. klauw
karst, irpex klouwe Junius
nom. 195
a,
schon altfries. klawa,
ags. clavu
hacke. Das ist meist deutlich eine dichterisch bildliche bezeichnung, wie sie im gewerbsleben oft erscheint (
s. z. b. krahn);
aber einzelnes mag vielmehr auf die zeit vor der kenntnis des metallgebrauchs zurückgehn, wo man zu heften und haken wirkliche thierklauen nahm, wie man thierknochen nutzbar zu machen suchte (
s.kegel
sp. 385).
so sind auch ὄνυξ, unguis,
zugleich haken u. ä., kräuel
kralle und haken, ebenso urspr. krapfe, krape (
s. besonders dort die rom. wörter),
s. auch klammer II, 1;
noch mhd. bei Wolfram
eine grîfenklâ
als snîde
einer lanze Wh. 356, 28. II@88)
rein bildlich beim gärtner, senker von ranunkelzwiebeln, beim spargel, franz. griffe (
d. i. klaue).
s. Krünitz.