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klaue

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

klaue f.

Bd. 11, Sp. 1026
klaue, f. unguis, ungula. II. Formen, geschlecht, ursprung. I@11) die formen sind stark schwankend, wie immer bei wörtern mit dem ursprünglich mehr vocalischen w als stammauslaut. I@1@aa) die älteste form ist wahrscheinlich hd. chlawa (gr. 13, 92. Haupt 11, 165), alts. clawa; ags. entspricht clavu f. (pl. clave), daher engl. claw. aber schon ahd. wahrsch. auch chlâwa, stark und schwach (wie vermutlich alts. später clâwa). mhd. ist diesz â gesichert durch reime wie klâwen pl. : grâwen, brâwen, auch im sg. chlâwe Diemer exodus 150, 31, clâwe Jeroschin 13589. übrigens hat das. eine hs. des 14. jh. schon clauwe, was vielleicht auf fortdauer des kurzen vocals in mhd. zeit deutet, denn auw konnte leichter aus aw als âw werden, es wird sich wol auch klowen pl. finden (vgl. clõlin u. c, alem. clouwen 16. jh. sp. 1029). diesz klauwe ist denn der unmittelbare vorgänger des nhd. klaue, das dem ältesten chlawa näher steht als die mhd. formen. I@1@bb) mhd. ist am gewöhnlichsten eine merkwürdig verkürzte form, klâ, unverändert auch im gen. und dat., im pl. klâ und klân (wie brâ, brân braue, s. augbraue) und das hat sich bis ins 16. jh. fortgesetzt: kla ungula Altenstaig 26a, cla Dief. 627a (auch nd.); auch mit hergestellter endung klâen pl.: und kom sie (die maus) in mein weinvasz, ir claen wurden ir nimmer nasz. Rosenblüt fastn. 1138; hett mich ein falk in seinen klaen, ich wolt in thet ein geier fahen. Soltau 1, 239; der löw und bär mit scharpfen klaen, darmit die jeger (acc.) sie empfahen. H. Sachs 1, 502d (1590 376d); dasz weder maul noch sein vier klahen (das h stumm) ein kleines fischlein solten fahen. Alberus Es. 74b. noch jetzt östr. klâ Höfer 2, 144. auch das ags. kannte übrigens diese form, clâ, dat. pl. clâm. I@1@cc) eine dritte form zeigt sich ahd. in chlôa, das ô wird aus aw (auu) zusammengedrängt sein (s. gr. 13, 98, Haupt 11, 165, vgl.froh), falls es nicht eine nebenform andrer entstehung darstellt (s. d a. e.); es heiszt auch altn. isl. klô, norw. klo, n. kloe, schwed. klo (dial. auch klau). Die form erscheint als klô noch spät mhd. MSH. 3, 224b, klœlîn (hs. clõlin) kläulein Renner 23853, und noch später; doch können diese ô auch blosz aus dem â unter b herrühren (sp. 409): clo fastn. sp. 1310, klo unguis, pl. adlers kloen Alberus, klawe oder kloe voc. 1482 q 6a, kloen pl. Fischart bien. 14a. Garg. 136b. 163b (klawen 72a): wan wir (teufel) uns schon erzeigten greulich mit kloen, hörnern gar abscheulich. jesuiterhütlein A 3a. Auch mit erhaltnem w klowen pl. Keisersberg brös. 1, 57a, und mit dem merkwürdigen g für diesz w (s. unter kläuel 1, e, Weinhold alem. gr. 184) klog ungula Mones anz. 7, 169, 15. jh. (vgl. bougmeister baumeister das. 167), noch bei Fischart: was stark ist, msz auch haben hörner, was klogen hab, das wehr sich gerner. jesuiterh. A 3b; ja durch demut, on hörner, klogen hat er (Christus) den harnisch uns (teufeln) abzogen. das. Noch jetzt lebt übrigens klô in mundarten, wie bair. östr., wetterauisch, bair. auch klôw, klôwen, östr. auch klou, tirol. kärnt. auch kloa. I@1@dd) ganz eigen im vocal klee ungula Dief. 627a, aus einem wol mrh. voc. d. 15. jh; ebenso wahrscheinlich nd. kleien kratzen für hd. klauen (s. d.). nur äuszerlich ähnlich ist altengl. nordengl. clee, altengl. cleye Hall. 254a, vgl. schott. clew; das geht zurück auf eine ags. nebenform cleó und cleá Grein 1, 163. zu demaber könnte zugleich das ô in ahd. chlôa stimmen, sodasz nicht aw, sondern reines au dahinter wäre. vgl. auch altfries. klewe klaue, nordfries. kle, klä Richthofen 874b. I@1@ee) und noch eine form mit umlaut, klöa in den sog. cimbrischen gemeinden Schmeller 136b, schlecht gesprochen klê in der gleichfalls bair. Heanzenmundart Fromm. 6, 333, östr. kleo (einsilbig) Höfer 2, 144, kärnt. kleo, klea n. Lexer 159. das weist auf eine ahd. nebenform mit ableitendem i (j), die vielleicht auch alts. sich verrät in hildesh. klöue Frommann 2, 121. das 'klöwen' bei Lenz unter II, 1, a ist unsicher, in der hs. klõwen? [] I@1@ff) die nhd. form ist anfangs gewöhnlich klawe, so bei Luther (s. II, 2), das w ward aber wahrsch. schon vocalisch gesprochen, wie in ewer euer u. s. w.; auch klaw, klau, und noch klauwe (s. a a. e.) Dief. 627a, letzteres auch klaube geschrieben (s. aber klauber 2, a); das gekürzte oberd. klau (Dasyp., Schönsleder, klauw Maaler), das auch Stieler, Steinbach noch haben neben klaue, gilt noch in pflanzennamen wie bärenklau, wolfsklau. die schwache beugung auch im sing. ist noch im 16. jh. sehr häufig, s. z. Luther, Fischart unter I, 2. I@1@gg) auch nd. klaue brem., ostfries., klau nordfries. Johansen 104a (merkwürdig pomm. klauje Dähnert); älter klawe Chytr. c. 76, Diefenb. 420a (cla 627a), gewiss auch mit â. nl. klauw (klaauw), älter klauwe, klouwe Kil. nnd. klâwe, klôwe, kluve u. ä. sind davon zu scheiden, s. klauber 2, a. b. d. I@22) als geschlecht findet sich auch m.: da würde der schafstall gar bald ledig sein und der hirte .. weder milch ... noch einen klawen finden. Luther 8, 6a (zur sache s. II, 3, a); die geistlichen .. sehen dem bösen geist bald den linken kloen oder rappenfusz herfür ragen. Fischart bien. 1588 8b; wie der papst seinen ellendskloen (pantoffel) zu küssen darf bieten. Garg. 163b (303 Sch.); ich (Lucifer) wil ouch dinen indenk sin, verheisz ich dir bim klawen min. J. Murer belägerung der stadt Babylon (Zürich 1560) 2. act; der klauw Maaler 245a, auch das nl. wort ist m., gen. klauws. aber auch als n.: östr. das klo Höfer 2, 144, ebenso kärnt. kloa, klea (neben f.) Lexer 159 — wieder ein wort in allen drei geschlechtern ausgeprägt, wie kinn, kitt, klamm (a. e.), kläuel 2, b. I@33) den ursprung setzt vielleicht ein nord. wort ins licht. wie sich klauber kralle zu klieben (klauben) stellt als kliebendes werkzeug, so stimmt in der form zu klaue ein altn. starkes klâ, praet. klô klauen, kratzen, eig. mit den nägeln, klauen arbeiten, noch schwed. kl, n. klaa (klö). trotz des altn. part. klegit, praet. schwed. dial. klog wird klav der stamm sein (s. gr. 13, 457. 468), von dem denn ahd. chlawa gleich begreiflich wird als bildung nach dem praes. (wie chiwa kiefer von chiwan kauen), das altn. klô vielleicht nach dem praet. (wie von chiwan ahd. chowa kiefer, nl. kouwe, s.käu); ags. cleá kann sogar auf eine nebenform mit andrer ablautsreihe deuten, bei der wol auch ahd. chluwi emunctoria, forcipes Graff 4, 547 unterkunft fände (vgl.kluftzange). s. auch klauen und kläuel a. e. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) Unguis, die klaue mit scharfer spitze, die kralle, die dem thiere als waffe dient oder als werkzeug zum greifen, fassen, scharren u. s. w., vgl. mhd. grif klaue, vom greifen, nhd. fang klaue; wahrscheinlich galt es aber von haus aus eben so gut vom menschen, s. 6 II@1@aa) im genauen sinne die scharfe kralle selbst: der eisvogel hât zwên vinger an dem fuoʒ und krum negel oder klâen dar an. Megenberg 202, 15; ain iegleich vogel, der vinger hât an den klâen. 165, 7; lewen und katzen die halten die klowen an sich. Keisersberg brös. 1, 57a; es ward dem beren zuo Bern geseit, wie dasz die iren weren beleit (belagert), er tet sin klauwen slifen. Liliencron 2, 61a. Wolff hist. volksl. 518; der viend nam er (der bär, Bern) eben war mit sinen scharpfen klöwen (: cräwen). Lenz Schwabenkr. 153a (klawen Liliencron 2, 412a); bis sein har wuchs so gros als adelers feddern und seine negel wie vogels klawen wurden. Daniel 4, 30. eine alte formel, um die vögel begrifflich zu bezeichnen, ist swaʒ vettech unde klâ hât Diemer 284, 16, alleʒ daʒ veder unde klâ hât Haupt 1, 122; mhd. gilt klâvogel für raubvogel, gleich krimvogel, altn. klôfugl Möbius 233. die klauen in etwas schlagen oder setzen. Frisch. wenn dich das unglück in des krokodils gewalt gegeben oder des gefleckten tigers klaun. Schiller 464b. II@1@bb) erweitert, von der zehe an der die klaue sitzt, und von der ganzen tatze oder pfote (s. unter 3, b von der bärentatze, vgl. klate 1 a. e.), insofern diese die klaue gebrauchen helfen: pedica, ce (zehe) vel klae, nd. te vel klawe. Dief. 420a; klaue, ungula quae habet digitos. Frisch 1, 520b; klauen heiszen die zehen an den läufen des wolfs, fuchses, dachses, bibers, luchses, otters, marders, iltisses und dergl. raubwildpret. Heppe leithund 96; ein eul und einen spiegel, den die eul in den klowen het. Eulensp. hist. 95. kralle, pfote, tatze sind jetzt dafür mehr oder allein gebraucht, auszer bei raubthieren. [] II@1@cc) früher aber auch von andern thieren, die ganz harmlos sind, z. b. von der maus unter I, b fastn. sp. 1138; kloen des maulwurfs Garg. 136b (249). von einer spinne die auf ein eulchen (motte) passt, freilich wie ein raubthier: sie lief bald in die läng bald in die qver mit offnen klauen. Brockes 5, 107. II@22) Klaue ungula, das horn am thierfusze, huf u. ä. II@2@aa) die gespaltene klaue (Rädlein 541b) gewisser thiere, bes. des hornviehs, der rinder, schweine, schafe. diese bed., die man als die urspr. anzusehen pflegt, ist als übertragung des vorigen begriffs ebenso begreiflich wie der gebrauch unter 1, c, ebenso sind ὄνυξ, ungula von voriger auf diese bed. übertragen: alles was die klawen spaltet (gespaltene klauen hat) und widerkewet unter den thieren, das solt ir essen. 3 Mos. 11, 3. 5 Mos. 14, 6; ein schwein spaltet wol die klawen, aber es widerkewet nicht. 3 Mos. 11, 7; das wird dem herrn bas gefallen denn ein farr der hörner und klawen hat. ps. 69, 32; das wol ein kue oder sawe mit iren klawen an der wand greifen möchte. Luther 6, 9a; grübelt in zänen .. mit schweinen kloen. Garg. 163b (303); bald warf der ochs sein schwanz empor, schart mit den klawen das fuszspor. Rollenhagen froschm. Qq 3a. vgl. vom reh u. 3, a, dann klauenvieh, klauenschmalz, klauensteuer, nach letzterem ist der gebrauch schon mhd., klâ eines lammes Helbling 7, 399. dasz aber das gespaltene, was man der etymologie von klieben zu gefallen als den hauptbegriff darin suchte, es nicht ist, zeigt schon folgendes. II@2@bb) man nannte alles hornige am fusze und diesen selbst klaue: ungespaltene klaue, ungula solido cornu Stieler 971, was Rädlein dichte klauen nennt. so der pferdehuf: klaue, huf, das horn an füszen der thiere, als pferde, kühe, schweine u. s. w. Rädlein 541a; ich wil alle ir thiere umbbringen an den groszen wassern, das sie keines menschen fusz und keines thiers klawen trübe machen sol. Ezechiel 32, 13; was aber widerkewet und hat klawen und spaltet sie doch nicht, als das kamel. 3 Mos. 11, 4, die caninichen, der hase 11, 5. 6. vom pferdehuf noch östr. Höfer 2, 144, s. schon Fischart unter I, 2. s. auch aberklaue, afterklaue. II@2@cc) nach Adelung hiesze auch der spalt selbst klaue, stammt das nicht nur von jener ableitung? II@33) Einige redensarten sind besonders zu bemerken. II@3@aa) nicht eine klaue, ne ungula quidem: si behielten ... ir vî (vieh) sô gar, daʒ nie abe quam ein clâwe. Jeroschin 92d; unser vieh sol mit uns gehen und nicht eine klawe da hinden bleiben. 2 Mos. 11, 26, vgl. Luther unter I, 2; er habe von den versprochenen rehen 'keine kloe' gesehen. Schertlins briefe, her. v. Herberger s. xxxvi; das viehsterben gieng vor uns vorbei, denn ich kann nicht sagen dasz mir in selbigem jahre nur eine klaue verrecket wäre. westph. Robinson 37; weit herum ist in der ganzen aue keine feder mehr, keine klaue (zum verzehren). Schiller 319b (Wall. lager); dahingegen schalt er die nachzügler, packknechte und marketender, die mit ungestüm und gewalt auch die letzte klaue sich zuzueignen gewohnt seien. Göthe 30, 114 (camp. 1792); es hat dir jemand einen waidmann gesetzt, und den muszt du lösen, oder du triffst keine klaue. Kind der freischütz 18; jetzt ist freilich das ganze gebirge so ausgeschossen (an gemsen), dasz man wochenlang herumsteigen kann, ohne eine klaue zu erschauen. L. Steub das bair. hochland 236. der sinn davon ist 'auch nicht das geringste von vieh', und es mag aus dem kriegsleben herrühren, wo auf dem lagerplatze vom geschlachteten vieh nichts bleibt als die unnützen klauen und die schwänze, daher ebenso keinen schwanz Bräker 34, 'es kam kein schwanz' bei einem generalmarsch der bürgerwehr in der vorstadt i. j. 1848, vgl. so fingernagel von menschen. II@3@bb) der bär saugt seine klauen (tatzen) in träger ruhe oder in hungerzeit: als der ber sauget die clo. fastn. sp. 1310. beliebt in bildlichem gebrauche von menschen, aus einer zeit her wo man die gewohnheiten des bären noch aus eignem umgange kannte: ich lig dahaimen in der hil (hülle, mantel) und sauge oft die klo (hungre). Uhlands volksl. 722; [] der küng von Engelland ist unser fuog (kommt uns zu gute), wann er hat gold und gelt genuog ... was solten wir doheimen thuon? clouwen sugen, finger spitzen? Gengenbach s. 21, Körners hist. volksl. 14, antwort der jungen eidgnoszen auf eine warnung vor dem reislaufen; ich hiesz ein weil Hans Schadenfro, ietz saug ich die klawen ho ho! Scharpfenecker Acolastus B iijb; zwegt (wäscht) man im denn mit scharpfer laugen, denn musz er an den klaen saugen ... das ist des bären art im wein. H. Sachs 1, 157 Göz; wo sol der arm mann hinaus, der nottürftig ist? keiner wird satt von klauwen saugen. Reinicke fuchs Frankf. 1583 152a; der zu hause sog die klauen, wil bei hofe völlig prassen. Logau 2, 6, 9; er saugt die klauen, wie die bären, hat weder zu schleiszen noch zu beiszen, weder zu sieden noch zu braten. Rädlein. II@44) klaue vom menschen gilt auch in anderen redensarten, wo sein thun unter das bild eines thierischen thuns gestellt wird (wie bei kralle): mancher hat der mummen geschmecket, das er ligt und hat die klawen gestrecket (wie ein verrecktes thier). Soltau 2, 25, s. anm. zu str. 25, 2; also dienen gar viel zu hofe .. nicht umb des herrn willen, sondern .. das sie den herrn können einnehmen und die klawen einschlahen (so fest) das sie der herr darnach mit keinem guten fug noch recht könne hassen noch lassen. Luther 6, 148b; als er mit aller seiner wachsamkeit mir nichts übles thun und seine klauen nirgends einschlagen (mich fassen) konnte .. Göthe 35, 170 (non mi poteva appiccare ferro addosso); mit den klauen ein schlagen Steinbach. die köche haben alle klauen wie ein adler oder geier ders. (nach Plaut. Pseud. 3, 2, 63), wissen an sich zu reiszen, auf die seite zu bringen; vor euren klauen und geiersgriffen ... ist das geld nicht geborgen in der truh. Schiller 325a, vgl. diebsklauen furaces manus Frisch 1, 520b, und das daselbst aus Tschudi 1, 563 belegte beklauen an sich reiszen, gewaltsam erwerben. einem in die klauen kommen eines beute werden ders., Steinbach; wenn du was in deine klauen kriegst, so ists wol hin Stieler 971, Steinbach; lasz mich ja nicht in ihren strick, in ihre klipp noch klawen fallen. Weckherlin 122 (ps. 27, 19); Anton stirbt als ein weib in einer mohrin (Cleopatra) klauen. Lohenstein sonett; dasz .. die gewalt der beredsahmkeit dich könte aus den klauen meines gerichtes reiszen. Olearius pers. ros. 5, 19; wenn sie mich aus ihren juristischen klauen lassen. Rabener (1755) 4, 236; das hat man nun davon, wenn man sich mit prinzen abgiebt! .. wenn sie einen einmal in ihren klauen haben, so musz man wol aushalten. Lessing 12, 433 (briefl. aus Italien); um alles land, das der tyrann in seinen klauen hält. Schiller 574b; ich habe der königin manchen gefallen gethan, als der böse mohr sie noch in seinen klauen hatte. Göthe 11, 219. Rameaus neffe erzählt: wenn sie (die frau) manchmal stöckisch wurde, setzte ich mich auf meine klauen, entfaltete meinen donner u. s. w. 36, 40, wie ein thier zum kampfe bereit. s. weiter 6, auch oben klauber. vergl. lat. toto corpore atque omnibus ungulis, aus leibeskräften. II@55) Tod und teufel haben klauen, den menschen zu packen, vgl. Charons clâwen Eneit 93, 38, der Tôt in bechrellet fundgr. 1, 196, 20. 2, 80, 12, mit den krallen: (die gattin) will in (den gatten) kurzumm mit irer trewen pfleg dem todt aus den klawen reiszen. Fischart Garg. 72a (122 Sch.); Seraphine musz aus den klauen des todes gerissen werden. Lenz 1, 244; des tändlers und des frohen zechers harret die klaue des knochenmannes. Hölty (1814) 85; sie liest das jahr hindurch die bibel zweimal aus und reiszt dadurch ihr ganzes haus auf ewig aus des teufels klauen. Gellert (1784) 1, 32; ja, nun gehts fort und ich höre schon sausen, rauschen, quiken, schreien, ächzen. der böse geist hat sie in seinen klauen. Göthe 11, 299; wo siehst du hörner, schweif und klauen? 12, 127; ich passt' ihr (der seele) auf und wie die schnellste maus schnapps! hielt ich sie in fest verschlosznen klauen. 41, 323. [] das erscheint denn wieder bildlich, z. b. von leidenschaften: und ehe nun verzweiflung deine sinnen mit ehrnen klauen aus einander reiszt. Göthe 9, 219. II@66) Aber klaue gilt auch noch schlechthin für fingernagel, finger, hand, auszer jenem bildlichen anlasse, in gewissen kraftwendungen unterm volke. so östr. glewerl (klöwerl) von langen nägeln, der blaibt mit sain glew'ln iwarl henga Castelli 142; ebenso nd., z. b. in Pommern klauje 'im verächtlichen und verdrüszlichen reden', die nägel oder die hände Dähnert 233b, bair. z. b. es fruist mi in klouwen friert mich in den fingern Schm. 2, 348; einem die müdigkeit aus den klauen ziehen. franz. Simplic. 1, 15, letzteres wie bei den thieren 1, b, ebenso engl. claw. Und das dürfte die ursprüngliche bed. sein, denn der nagel ist das älteste weil natürliche werkzeug zum kratzen, schälen, abkneipen, scharren u. s. w. (vgl. unter klauben I, e). ebenso ist unguis kralle zugleich fingernagel, vgl. umgekehrt finger von thieren unter 1, a (3, 1650); die unterscheidung von thier und mensch in der sprache ist vielleicht nirgends ursprünglich, zuweilen nachweislich spät eingetreten (vgl.essen fressen, trinken saufen, kind junges), ja noch jetzt nur theilweis vollzogen. s. auch unter klauber, kloper. Gerade für klaue kann auch ein altes zeugnis vorliegen in dem clâdolg kratzwunde im altfries. gesetze (s. schon Schottel 275, ahd. tolc vulnus): si quis alium unguibus crataverit .. quod cladolg vocant. Richthofen 871b. das kann zwar auch vom verbum gebildet sein (s. I, 3), aber dieses selbst hilft jene annahme stützen. vgl. klauen. II@77) Im gewerbsleben von werkstücken, die einer der klaue ähnliche thätigkeit und form haben. II@7@aa) zum festhalten. so heiszen im schiffe klauen die vier arme am drachen, dem kleinsten anker; bei schlossern eiserne haken um eisenstücke festzuhalten (Krünitz); klaue ein eiserner haken beim winden, wuchten u. dgl., s. klauenwinde. ähnlich von werkstücken in hakenform im bergbau, beim juwelier, wieder anders von wieder auf Elbflöszen (s. Krünitz). II@7@bb) anders in der form, der gespaltenen klaue entsprechend. die klaue am klauhammer, der dünne breite vordertheil mit einem spalte zum fassen und ausziehen von nägeln ( Campe), die zange, engl. claw; auf Rheinschiffen klaue nagelzange Kehrein Nassau 1, 226, vgl. schweiz. klupe feuerzange Stalder 2, 111, eig. klaue (s. sp. 1024 unten). als werkzeug des schieferdeckers: tag für tag hantiert er mit flickeisen und klaue. O. Ludwig zwischen himmel und erde 73; Apollonius zog die klaue aus dem gürtel. wenig stösze mit dem werkzeug, und die schiefer fielen ... 301. Ähnlich am pumpbrunnen das zur hälfte gespaltene stück holz oder eisen das den schwengel in seinem spalte trägt ( Adelung); an rollstühlen u. dgl. der gabelartige theil der die rolle in sich hält, engl. claw. s. auch halsklaue, treibklaue. auch hier wird nicht der spalt, sondern das fassen und halten der ausgangspunkt der entlehnung sein, vgl. engl. claws krebsscheren. II@7@cc) noch anders in der form ostfries. klaue durchlöchertes quereisen vorn am fuszpflug, zum einhaken des silts. Stürenburg; übereinstimmend niederöstr. glewarl n. (s. kläulein) ein rundes eisen worein ein häkchen passt Castelli 142. II@7@dd) zum reiszen, scharren, kratzen: sie haben mit krapfen oder klauen die christen zerrissen. Hedion übers. d. Euseb. 69b (Frisch 1, 544b). so in ostfries. klaue harke, rechen Stürenburg 109b, zum scharren gleich einer mehrklauigen tatze (vgl.klauen). ebenso nl. klauw karst, irpex klouwe Junius nom. 195a, schon altfries. klawa, ags. clavu hacke. Das ist meist deutlich eine dichterisch bildliche bezeichnung, wie sie im gewerbsleben oft erscheint (s. z. b. krahn); aber einzelnes mag vielmehr auf die zeit vor der kenntnis des metallgebrauchs zurückgehn, wo man zu heften und haken wirkliche thierklauen nahm, wie man thierknochen nutzbar zu machen suchte (s.kegel sp. 385). so sind auch ὄνυξ, unguis, zugleich haken u. ä., kräuel kralle und haken, ebenso urspr. krapfe, krape (s. besonders dort die rom. wörter), s. auch klammer II, 1; noch mhd. bei Wolfram eine grîfenklâ als snîde einer lanze Wh. 356, 28. II@88) rein bildlich beim gärtner, senker von ranunkelzwiebeln, beim spargel, franz. griffe (d. i. klaue). s. Krünitz.
21097 Zeichen · 560 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    klaueF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    klaue , F. Vw.: s. klauwe (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Klaue

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Klaue , plur. die -n, ein Wort, in welchem sich zwey verschiedene, aber doch verwandte Begriffe mit einander vereini…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Klaue

    Goethe-Wörterbuch

    Klaue im Vers apokopiert GWB 15 1 ,200 Vs 9039 , pl synkopiert GWB 7,284 1 Kralle, sowohl für den eigentlichen (spitzen,…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Klaue

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Klaue ( Bärenklau ), Pflanze, s. Heracleum .

  5. modern
    Dialekt
    Klauef. m.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Klaue f. , Klauen m. : 1. a. 'Tierfuß'; insbes. 'verhornte Zehe der Wiederkäuer und Schweine', (die) Kloo (glō), Pl. -e …

  6. Sprichwörter
    Klaue

    Wander (Sprichwörter)

    Klaue 1. An den Klauen erkennt man den Löwen (Vogel). – Eiselein, 434. »Bedarf es denn immer der Klaue, dass man den Löw…

  7. Spezial
    Klaue

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Klaue f. (-,-n) 1 (von Katzen und Raubvögeln) grifa (-fes) f. 2 (von Wiederkäuern) aundla (-les) f. 3 ‹fig› (gierige Han…

Verweisungsnetz

69 Knoten, 62 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit klaue

134 Bildungen · 58 Erstglied · 76 Zweitglied · 0 Ableitungen

klaue‑ als Erstglied (30 von 58)

Klaue I

SHW

Klaue I Band 3, Spalte 1381-1382

Klaue II

SHW

Klaue II Band 3, Spalte 1383-1384

Klaüel

ElsWB

Klawel , Klaüel [Klòjl Mütt. ; Kljl Meis. Barr Ndhsn. Dachstn. Geisp. Str. Han. Betschd. ; Klòjl Bf. Kerzf. ; Kløjl Bisch. K. Z. ; Klwl Lo…

Klauel II

RhWB

Klauel II = Kläuel (s. d.).

Klauenschuh

SHW

Klauen-schuh Band 3, Spalte 1383-1384

Klauenvieh

SHW

Klauen-vieh Band 3, Spalte 1383-1384

Klauenbeschlag

Meyers

klauen·beschlag

Klauenbeschlag , Eisenbeschlag für Arbeitsrinder, ist, namentlich an den Vorderfüßen, ebenso erforderlich wie der Hufbeschlag für Pferde. Wi…

klauenfang

DWB

klauen·fang

klauenfang , m. von der klaue des adlers, s. DWB fang 5: dem gottes adler selbst im krummen schnabel und im klauenfang der speise fülle brac…

Klauenfuß

PfWB

klauen·fuss

Klauen-fuß m. : 'Fuß mit Klauen'. As wann's en v'fallner, schwarzer Engel wär, mit Glooefieß un häßlich wieschde Ohre [ Birmelin Penns Gezw.…

klauengriff

DWB

klauen·griff

klauengriff , m. griff mit einer klaue, einmaliges einschlagen, wunde von einer scharfen klaue: wie manchen klauengriff hat ihm der lästerge…

Klauenhaken

PfWB

klauen·haken

Klauen-haken m. : 'Haken zum Ausziehen der Klauen', Klooehoke [ NW-Frankeck ]. —

Klauenhand

GWB

klauen·hand

Klauenhand in Personifikation des Geizes nach Ps 38,7f Schleicht nicht .. | Mit halbgekrümmten Klauen Händen, | .. Der Geiz nach tückischem …

klauenkamm

DWB

klauen·kamm

klauenkamm , m. kamm aus dem horne der rindsklaue. J. G Haas lat. handwb.

Klauenkrankheiten

Meyers

Klauenkrankheiten bei den Paarhufern sind häufig und können schon, namentlich bei Schafen, durch unreinliche, nasse Haltung (morastiger Fußb…

klaue als Zweitglied (30 von 76)

aberklaue

DWB

aber·klaue

aberklaue , f. ungula posterior, die hinterklaue, widerklaue, von aber retro, gewöhnlich afterklaue.

bärenklaue

DWB

baeren·klaue

bärenklaue , f. ungula ursi, bärentatze, bärenpfote. die bärenklauen saugen bedeutet kümmerlich zehren: die hofsuppen musz ich wol dewen und…

Beugklaue

RhWB

Beug-klaue Köln f.: -gabel.

elendsklaue

DWB

elend·s·klaue

elendsklaue , f. alcis ungula: ein ring mit einer elendsklau. Schweinichen 3, 289 ; stewret und grübelt in zänen ... mit eim rechschenkel, d…

feuerklaue

DWB

feuer·klaue

feuerklaue , f. ungula ignea: schon streben sie ( die eumeniden ) an das herz des schuldigen mit scharfen feuerklauen sich zu hängen. Klinge…

fuchsklaue

DWB

fuchs·klaue

fuchsklaue , f. die klaue des fuchses. aber auch aus fuchspelz gemachte handschuhe führen den namen fuchsklauen.

fünffingerklaue

DWB

fuenffinger·klaue

fünffingerklaue , f. die teufelsklaue, pterocera chiragra, eine im indischen ocean lebende schnecke in einer handgroszen schale, deren flüge…

fuszklaue

DWB

fuszklaue , f. 1 1) die hornbedeckung am fusz eines thieres. die fuoszklawen der pferd sind abgefallen. Dietenbergers bibel ( Meyntz 1534) 1…

Geierklaue

GWB

geier·klaue

Geierklaue metaphor [ Iph angesichts des ihr auferlegten Schicksals: ] O daß .. der Titanen | .. tiefer Haß auf euch, | Olympier, nicht auch…

Geiß(en)klaue

PfWB

geissen·klaue

Geiß(en)-klaue f. : 1. 'Huf der Ziege', Gääße-, Gaaßekloo, -kluu, -klau, s. PfWB Klaue [mancherorts]; vgl. PfWB Geißenfuß 1. — 2. = PfWB Gei…

grabklaue

DWB

grab·klaue

grabklaue , f. , die zum graben und wühlen geeignete klaue einiger tiere; vgl. DWB graben C 1: die beuteldachse haben ... grabklauen Oken al…

greifenklaue

DWB

greifen·klaue

greifenklaue , f. bei diesem wort gestattet die gröszere zahl der belege die beobachtung, dasz die mit greif-, greifs- componierten formen d…

grimmklaue

DWB

grimm·klaue

grimmklaue : ' lupus scythicus, ... fera quae in ultima Scandinavia ... reperitur, quam Olaus Magnus .. depinxit, appellat autem germanico n…

Gripsklaue

Wander

grips·klaue

Gripsklaue He mutt sine Gripsklauen allerweg'n inhebb'n. – Eichwald, 1034.

haberklaue

DWB

haber·klaue

haberklaue , f. für aberklaue (1, 33), ungula posterior, hinterklaue, widerklaue: die inwendig an den hindersten füszen zwei kleine haberkla…

habichtsklaue

DWB

habicht·s·klaue

habichtsklaue , f. klaue des habichts: als ich vor unserm grafen die taube aus den habichtsklauen schosz. Körner 2, 69 .

Hahnenklaue

RhWB

hahnen·klaue

Hahnen-klaue -klǫ·u., –kl: (s. S.) Allg. f.: 1. wie nhd. RA.: Schriwen wie met H.ən Ess . — 2. übertr. a. du has en H. schlechte, unleserli…

halsklaue

DWB

hals·klaue

halsklaue , f. gekrümmtes eisen am halse der schleusenthorflügel zum festhalten derselben ( Jacobsson ), dasselbe was halseisen 3, halsklamm…

Hasenklaue

RhWB

hasen·klaue

Hasen-klaue -klǫ·u. Malm-BurgReuland f.: en H. schriven schlecht schreiben.

Hennenklaue

RhWB

hennen·klaue

Hennen-klaue -klǫ·u. Allg. f.: Hühnerklaue. RA.: De krit alles möt en H.kläuke durch List.