krimmen ,
ein altes wichtiges zeitwort. II.
Form und bedeutung. I@11)
es war stark, mhd. krimme kram gekrummen
wb. 1, 881
a,
noch nhd. im 16.
jahrh.: antwortet das weib 'warumb hastu schelm mich ... geschlagen?' fiel im wider an den hals,
kram und kratzt ihm sein angesicht. Kirchhof
wendunm. 332
a (1, 409
Öst.),
s. auch das kramm
unter e; kein reb hat in
gekrummen. weim. jahrb. 4, 457 (
s. 3,
f, β).
jetzt nur noch schwach, krimmte, gekrimmt (Weigand
wb. 1, 640).
ahd. sind nur chrimman, chrimmit,
doch auch chrummun
bezeugt (Graff 4, 608),
daneben schon ein schwaches chrimmjan
in 'chrimmige
mordeat',
d. i. chrimmijê, chrimmjê. I@22)
ahd. und mhd.; da erscheint als hauptbedeutung: mit gekrümmten klauen oder fingern packen, verwunden u. ä. I@2@aa)
von raubthieren; Otfried
z. b. sagt von der taube: mit snabulu ni winnit (
kämpft, fällt an), ouh fuaʒin ni krimmit. I, 25, 28.
transitiv: ir valken und ir hebiche unde klâvogele (
s.klaue II, 1,
a), ir wellet
die armen liute (
d. h. eure unterthanen) gar under drücken ... sie sint iu álsô niht bevolhen, daʒ ir sie krimmet alse ein ar. Berthold 484, 16.
die jagdvögel, wie falken, werden als krimmende vogele
bezeichnet, '
unguibus stringentes' (
auch grimmende, krammende, kremmende,
s. II, 2),
s. Homeyers
Sachsensp. 3, 47, 2
var., krimmvogel
und krimmer 1.
auch nl. bei Kil. krimmende vogel
accipiter, oiseau de proye. dazu erkrimmen (3, 881), zerkrimmen. I@2@bb)
von menschen, kratzen, zerkratzen: sie beiʒ unde cram alleʒ daʒ ir zû quam zû handen oder zû munde. Herbort
troj. kr. 16486; si stechen oder slahen sich, si bîʒen oder crimmen sich (
conj.) oder waʒ si tûn, dâ sal nîmant zû kumen.
Freiberger stadtr. 27, 7
bei Schott
land- u. stadtr. 3, 234,
von zweikämpfern vor gerichte. auch reflexiv: sô crimmet sich zewâre der arme suntâre. Diemers
ged. d. 11. 12.
jh. 285, 4,
zerfleischt sich mit den nägeln, vor angst bei dem nahenden jüngsten gerichte (
wenn nicht etwas andres gemeint ist, s. d).
von kämpfern, die betäubt zur erde fallen, heiszt es, sie krummen die erden mit der hant Strickers
Karl s. 397,
packten sie krampfhaft hineingreifend. I@2@cc)
aber dem ursprünglichen begriffe noch näher führt wol folg.; ein thatloser schwätzer wird u. a. einem unnützen jagdvogel (vederspil)
verglichen: er kaller, beller, vederspil daʒ krimmt und
doch niht vâhen wil. Haupt 8, 577.
die wendung wird von schlechten jagdvögeln überliefert gewesen sein, da sie sich wörtlich so auch sonst findet (
wb. 1, 881
a, 34);
aber krimmen
ist da eben noch nicht packen, nur miene dazu machen, also die klauen (
und den schnabel)
zum fange rüsten, sie krümmen. I@2@dd)
noch ursprünglicher, glaub ich, krumm einziehen überhaupt, obwol mir ein ganz deutlicher beleg fehlt. in der stelle bei Diemer
unter b passt für crimmet sich
eben so gut oder besser die bed. sich krampfhaft winden (
vor angst);
wenn es Rabenschl. 894
von Dietrichs ausbruch des angstvollsten ingrimms u. a. heiszt hende unde vüeʒe grimmen er began,
so passt krampfhaft krümmen auch hier so gut als kratzen, das freilich zu dem bîʒen 894, 6. 896, 2
sich besser fügt; wie tier sich grimmen
Renner 11061
scheint nach der umgebung nicht auf kampf zu beziehen, da wesentlich die unterschiedene bewegungsart der verschiedenen thierarten bezeichnet wird (wie vische vlieʒen, wie würme kriechen, wie vogel fliegen),
es ist vielleicht wie Walthers bein zer erden biegen 8, 33
zur bezeichnung der vierfüszler, sîn bein krümben 82, 23
für schreiten. s. auch 3,
g. I@2@ee)
nur so begreift sich auch krimmen
gleich kriechen: die geiste, die dâ mit ir scharn in waʒʒere und in luften varn, kriechen unde krimmen, loufen oder swimmen. Heinr. v. Krolewitz 1047,
wie vorher 1009 kriuchet unde krimmet, loufet oder swimmet;
wäre das für klimmen,
wie im mhd. wb. angesetzt ist, so würde nicht unde,
sondern gleichfalls oder
vor krimmen
stehn. das rechte wird sein, was schon Lisch
im gloss. setzte, '
wie schlangen kriechen durch zusammenziehen und drücken' (
neben dem kriechen
mit füszen).
Das wird gestützt durch ein spätes 'krimmen und wimmen'
im 16.
jahrh., bei einem Hessen, gleich dem sonstigen krimmeln und wimmeln,
von einem zahllosen heere: und sah man nie kein heer so grosz, es kramm und wamm
aus allen ecken. Kirchhof
wendunm. 5, 174 (3, 411
Öst.);
es ist von wimmelndem gewürm entlehnt, die reimformel hat wie oft die alten formen so spät erhalten (
dasz wimmen
stark war, vermutete schon Schmeller 4, 76
nach wammeln
und wummeln
gleich wimmeln);
vgl. ital. gremito
unter II, 1,
e. I@33)
nhd. ist es eigentlich im eingehen begriffen. I@3@aa)
die mhd. hauptbed. taucht nur selten noch auf. I@3@a@aα)
gleich kratzen: kümmt vom freuen freyen her? wie dasz manchem armen tropfe nicht das freuen kümmt vom freyen, sondern krimmen in dem kopfe? Logau 2, 8, 42,
das ist aber kein blutiges kratzen mehr, es ist das kratzen hinter den ohren
sp. 2077 (
e),
bei dem selbst ein schmerz nicht mehr ist. ebenso (sich) krimmen im nacken: die Ephraimiter wolten auch zu frü ins feld rucken und die Cananiter auszfegen .. aber sie gewannen auch endlich das krimmen im nacken, Mathesius
Luther (1583) 58
a; ir werts versuchen, als mich deucht, das ir das krimm[n] im nacken kreicht (
kriegt). Haynecc.
com. J vij
b,
wie das krauen im nacken gewinnen
sp. 2086 (
d),
wenn es nicht gleich Mephistos klemmen im nacken
ist (
sp. 1141).
s. auch krimmen
jucken unter d und das schles. krimmern. I@3@a@bβ)
auch nd. noch bei Schambach 113
a krimmen '
scharren, sanft kratzen',
z. b. von den hühnern, ein sprichwort sagt dort: hoineken, wut du ëten, sau krimme (
für krimm),
also schwach. I@3@bb)
in der vollen alten bed. nur noch in der bindung kratzen und krimmen
oder umgekehrt, wo der anreim das alte länger hielt, die formel ist aus der mhd. zeit überliefert: nu kratzâ kratz! nu krimmâ krimm! ... sie kratzten unde krummen einander alsô grimmiclich. Haupt 6, 161; kram und kratzt ihm sein angesicht. Kirchhof (
s. unter 1); so were (
es) doch ... glucklicher gewesen (
glückbringender), die lewen hetten ainandren nachgesehen, dann das sie also wider ainandern kratzen und krimmen.
Zimm. chron. 3, 291, 32,
von wappenlöwen verschiedener herrschaften und ihrer zwietracht. wo hat Stieler 1045 krimmen
mordere her? I@3@cc)
diesz krimmen und kratzen
galt besonders auch bildlich vom zusammenscharren des habgierigen oder von saurem erwerbe sonst (
wie kratzen
sp. 2078,
schon mhd.): ein geitig herz würt selten fro, krimpt, kratzt zusammen, huft (
häuft) on mosz. Geffken
bilderkatech. 2, 186; ich schind und schab, ich krimb und kratz, bisz dasz ich grosz mach meinen schatz. H. Sachs 1, 165
b (1590), 2, 154
Göz; lassen inen noch nicht genügen (
die kath. geistlichen), wie viel prebenden einer hat, musz keufen und verkeufen, zu sich reiszen, krimmen und kratzen, dasz er sich und seine hurnkinder stattlich erhalt.
Reinicke Fuchs 68 (1583 127
a); also thut auch ein reicher und geiziger, er krimmet und kratzet sein lebenlang.
Simpl. 3, 25.
die formel lebt noch z. b. im nd. der fürst. Göttingen und Grubenhagen Schambach 113
a,
doch milder, mit äuszerstem fleisz und sparsamkeit zusammenbringen. dazu erkrimmen und erkratzen
aufs mühsamste erwerben, ersparen, so wetterauisch (Weigand),
nassauisch auch blosz erkrimmen Kehrein 130;
die formel schon im 17. 16.
jh. (
s. 3, 881): was ich erkrimm und nur erkratz, friszt und säuft mir der schlimme fratz. Opel
u. Cohn
dreiszigj. kr. 179. I@3@dd)
die eigentliche bed. wird auch zu jucken abgeschwächt (
wie kratzen II, 2): ich krimm,
frico. Alberus Ee 1
a; krimmen
prurire, scalpendi libidine ardere (
d. h. starkes jucken empfinden) Stieler 1045,
mit beispiel die haut krimmt mich,
cutis prurit, nach der zweiten angabe selbst intr., wenn sie richtig ist; das beiszen, jücken und krimmen der augen nennet der gemeine man den ascherschrimpf. Bartisch
augend. 108 (
s. 1, 585).
für die urspr. rein trans. verwendung zeugt folg., doch in zweideutiger anwendung: fürwar was gern umbschlaudern geht, am laden und am fenster steht .... und allenthalb wil oben schwimmn, das kratzet oder lest sich krimmn. Ringwald
laut. warh. (1621) 146,
von jungen burschen und mädchen, vergl. aus der Hätzl. unter kratzen II, 2,
und kneipen
sp. 1407
unten. I@3@ee)
gewiss auch gleich kneipen; diesz ist gemeint mit pfetzen oder grymmen,
stimulare voc. th. 1482 y 7
a, grummen, pfetzen oder grymmen,
stimulare n 2
a (
s. Dief. 553
a);
noch alem., z. b. bregenzerw. grimmen
kneipen, auch im part. praet. noch grummen.
aber diesz grimmen
und krimmen
sind eins (
s. II, 1)
und das krimmen
bei Spangenberg
unter f, γ ist ein kneipen. I@3@ff)
besonders vom bauchgrimmen, das in meiner heimat eben bauchkneipen
heiszt (
s. sp. 1408). I@3@f@aα)
colica, daʒ krymmen (grimmen)
in voc. des 15.
jh. Dief. 131
b,
in einem krimender siechtage (
vgl. kriegswehetage)
nov. gl. 100
a; ein groszes krimmen in den dermen. Luther 2
Macc. 9, 5; colica oder das krimmen ist ein schmerze des underbauchs. Uffenbach
rossb. 2, 174; gemelte arzenei ist gut wider das krimmen des bauchs. Tabernaemont. 601. Keisersberg
lebkuch. 12,
es ist noch elsäss.; auch schweiz. bei Maaler: das krimmen im bauch haben,
bauchsiechig sein, verminari. 254
a. das bauchkrimmen, es krimmet mich im leibe Stieler 1045.
doch auch im 16.
jh. schon misverständlich krümmen (
vgl. g): die suppe hat im den magen erkaltet und hat ins krümmen angestoszen. Schades
sat. u. pasqu. 3, 176,
wie ebend.: ist ins krümmen im kopf ankomen,
gleich krampf? I@3@f@bβ)
auch als lebendiges zeitwort noch im 16.
jh.: nim hin und verschlings (
das büchlin), und es wird dich im bauche krimmen ... und da ichs gessen hatte, krimmet michs im bauch. Luther
offenb. Joh. 10, 9. 10; weil euch die speis im bauch nicht krimmet, sondern wol schmeckt und wol bekömmet.
froschm. G 1
b,
var. krümmet.
ein landsknechtischer sänger, Hans Witzstat,
rühmt sich am schlusse eines trinkliedes mit landsknechtswitze: ist im ein weingart durch den bauch gefarn, kein reb hat in gekrummen.
weim. jahrb. 4, 457,
spielend mit und zwischen den vorstellungen des rebensaftes und der rebe selber. I@3@f@gγ)
auch hier schwanken krimmen
und grimmen,
gewiss von je her; schuldenker aber mochten, wie immer, die doppelform nicht leiden und erklärten eins für falsch, man entschied sich eigner weise für grimmen (Rädlein, Aler, Steinbach, Frisch, Adelung),
das man an das noch allgemein bekannte ergrimmen, grimmige kälte
u. dgl. ungefähr anlehnen konnte, während noch Stieler
besser unser krimmen
und grimmen
saevire unterschied. schon ein schriftsteller des 16.
jh. braucht beide formen als reimwörter wie unterschieden: des cedernbaums saft, so wolriechend fein, vertreibt des leibs schmerzliches grimmen, welchs die scheutzlichen spulwürm ingemein verursacht han mit ihrem krimmen. Spangenberg
aller weish. lustg. 606, grimmen
als bauchgrimmen, krimmen
als kneipen. I@3@gg)
aber auch die als die älteste vermutete bed. (
s. 2,
d)
zuckt wol nhd. noch nach: er krimmte sich in einander und weinte. J. Stilling 194.
so gibt noch Stieler 1045
auch krimmen
torquere, vgl. unter erkrümmen 3, 881
in Franks
weltb. v. 1534 vihe und leut erkrimmen (
durch zauber),
erst in der ausg. v. 1567 erkrümmen;
falcare krymmen
bei Brack (Dief. 223
b).
freilich mischt sich das mit krümmen
im bewusztsein (
vgl. Göthes krümmen und krammen
unter krammen 2),
aber eben diesz krimmen
mag in krümmen
untergegangen sein, s. dort. so steht umgekehrt auch krümmen
für anderes krimmen,
z. b. unter f, α,
im froschm. unter f, β. I@3@hh) krimmen,
junge gewächse zum ersten male behacken Curtze
Waldeck 479
b;
hessisch an der Diemel krimpen behacken, namentlich die kartoffeln Vilmar 227 (
zu der doppelform s. II, 4).
dazu krimmer (krümmer)
m., ein werkzeug zum auflockern des ackerbodens (
s. krimmer 2).
diesz krimmen
ist doch nichts als ein kratzen, aufkratzen, wo nicht urspr. gar als ein zerfleischen gedacht; denn ähnliche werkzeuge werden wirklich mit demselben namen wie klauen der raubthiere bezeichnet, s. kräuel 3
und 4,
klaue 1
und 7, kralle 1
und 3,
b, und die mit krimmen
verwandten krampe
m., krämpel
m., besonders aber krampf III, 9,
und man sprach vom wunden,
verwunden der erde
bei erdarbeiten (
Sachsensp. I, 20, 2). I@3@ii)
endlich merkwürdig tirol. krimmen
zwängen, z. b. einen schlüssel ins schlüsselloch, s. Frommann 6, 303, Schöpf 346;
es stimmt aber zu ahd. kachrumman
refertim (
refertum?) Graff 4, 608,
also chrimman
stopfen, und dem entsprechend ein ags. crimman
nach '
inseruit cram' Mones
anz. 8, 246;
engl. to cram
stopfen, aus ags. crammjan Ettm. 399.
der urspr. begriff war wol mit der hand zwängen, einzwängen. IIII.
Nebenformen und verwandtschaft. II@11) krimmen
und grimmen. II@1@aa)
schon mhd. giengen beide formen neben und durch einander (
daher im mhd. wb. 1, 881
als éin wort behandelt, hier ist grimmen
besonders zu behandeln),
s. auch krimme
und grimme
m. schmerz sp. 2304;
ja schon ahd. zeigt sich eine spur auch des weichern anlauts in argremitar
saucius Haupt 10, 368, 14 (
vgl.crummun '
coquebant'
das. 15),
zur form s. 2,
b. c. in der mhd. zeit ist grimmen
sogar entschieden das vorherschende bei Oberdeutschen, während die Mitteldeutschen nur krimmen
zu brauchen scheinen, das ich auch nd. allein finde (I, 3,
a, β,
vgl. 2,
a aus dem Ssp., wo aber bei Homeyer
leider die mundart der var. nicht zu erkennen ist).
Ebenso im ags. âcrimman '
arripere, friare' Ettm. 399,
die einzige spur des worts übrigens, die in ags. wbb. zu finden ist; vgl. die nord. wörter unter 5,
a. b, das zeitwort musz auch da früh eingegangen sein. II@1@bb)
diesz kr-
und gr-
nebeneinander ist wie in mhd. kripfen
neben grîfen,
ahd. granich
und md. grûn
neben kranich (
sp. 2020
fg.),
mhd. gratte
neben kratte (2070), gralle, grelle
neben kralle (1981
fg.), gritzen, gritten
neben kritzen (
s. d. 3,
b. 4,
d), grempel
neben krämpel
sp. 2003,
in mrh. glisten
frendere neben nd. klistern (
s. unter klastern), glafter
neben klafter (
s. mehr sp. 904
c),
in oberd. gnappen,
alem. gnepfen
neben knappen
sp. 1345. 1347
unten, gnaupen
neben knaupen,
s. besonders auch sp. 1911. 1929;
es fragt sich immer um die ursprüngliche echtheit der selteneren form, da echte doppelformen vorkommen (
s. z. b. krabbeln I,
e, kitz II, 4). II@1@cc)
aber gerade hier läszt sich die geschichtliche entstehung des gr-
vielleicht erweisen. während das -r
wie -l
und -n
überhaupt eine erweichende wirkung auf k-
ausüben konnte (
sp. 1982
unten, bei roman. entlehnung regelmäszig, s. z. b. unter kratzen I,
a),
kam hier eine anlehnung an einen anderen stamm dazu, an grimm
und seine sippe, wie noch im 18.
jahrh. (
s. I, 3,
f, γ),
so schon mhd. und wol früher. es gab da ein grimmen
auszer sich sein vor schmerz, zorn u. ä., starkformig wie krimmen (
mhd. wb. 1, 573
b),
und es finden sich wendungen, wo diese bed. an die von krimmen
so nahe heran tritt, dasz nur ein schritt oder kleiner sprung zwischen beiden übrig blieb. so zwischen eʒ grimmet mich zem herzen,
peinigt, eigentlich kneipt mich (
wb. 1, 881
b)
und daʒ herze grimmet mit jâmer (573
b);
zwischen sich krimmen,
sich vor schmerz winden (I, 2,
d)
und sich grimmen
von innerem leide: dâ von si jâmers hete genuoc. eʒ tete ir an im (
d. h. indem sie mit ihm leidet) sô wê, daʒ si sich gram.
Mai 227, 4,
von '
sich kratzen'
kann da nicht die rede sein, auch von krampfhaftem gebahren wol nicht, da der vorgang in höfischer gesellschaft spielt, eine frau ist die sich grimmende,
der ausdruck erscheint da geradezu auf der scheide stehend zwischen krimmen
und grimmen,
sodasz das herzeleid sich etwa nur in den gesichtszügen äuszert, die sich rimpfent.
so begreift sich auch '
rugire krimmen, kreczen' Dief.
nov. gl. 322
a,
für grimmen
brüllen, vor wut, schmerz (
vgl. brimmen wüten und brüllen).
auch wenn der tod grimmec, swertgrimmic
genannt wird und daneben krimmic (
wb. 1, 574
b),
gehen wol grimmen
und krimmen
in einander über, vgl. chrimmige übele (
bosheit) des tieveles
Haupts hoh. lied 62, 21;
tod und teufel hatten klauen, als waffen ihres grimms. auch ahd. kommt schon chrim
vor für grim
wütend Graff 4, 323 (
vgl. doch 350). II@1@dd)
freilich macht sich auch andere verwandtschaft mit gr-
geltend, bei der diese anlehnung unmöglich ist, wie kärnt. grammeln,
schweiz. gramseln
wimmeln und jucken, schweiz. gramen
kriechen, oberd. grimmel
gewimmel (
s. unter krimmeln 3,
c),
die sich an krimmen
kriechen anknüpfen; doch fehlt der form alte bezeugung. II@1@ee)
auch in roman. entlehnung erscheint gr-,
wie besonders ital. gremire (ghermire)
mit den klauen packen, norm. grimer
kratzen (Diez
wb. 2, 35);
das erstere merkw. auch mit der bed. wimmeln in gremito
wimmelnd voll (
sächs. 'gewimmelte' voll),
wie krimmen
unter I, 2
a. e., wodurch diese bed. hohes alter gewinnen mag; s. auch franz. grimper
unter 3,
a. aber im roman. wurde überhaupt deutsches kr-
so erweicht (Diez
gr. 1
2, 294). II@22)
andere nebenformen. II@2@aa)
mit ablaut, schwachf.: krammen
kratzen (
sp. 2004),
auch krimmen und krammen: rrent das pfert mit krymen und kramen, duont das beste (
thut euer möglichstes) in gottes namen.
Diocl. 2395,
zu einem reiter gesagt, dem höchste eile anempfohlen wird; s. auch das krümmen und krammen
krampfhaft zusammenziehen unter krammen 2.
Und mit u
in krummende vogel
Ssp. 3, 47
var. (
s. unter I, 2,
a),
in erkrummen, verkrummen,
das sich aus den var. erkrumet, verkrumet
ergibt für das starke erkrummen
Wolfd. 156, 3 (
s. unter 5,
a),
von einem plötzlichen schmerze, krampfe, der einen tödten will; und noch im henneb. zerkrummen
mit den fingernägeln zertheilen Frommann 3, 137;
s. auch grummen
unter I, 3,
e. II@2@bb)
aber auch kremmen
in kremmende vogel
Ssp. a. a. o. (
wie klemmende,
s. 3),
auf ein altes krammian
weisend, das mit krimman
in der bed. doch zusammentrifft, s. dazu sp. 1166
unten. die bildung liegt eig. auch vor in dem argremitar
saucius unter 1,
a, vgl. hier unter b, und auch das ital. gremire
u. 1,
e begreift sich völlig aus gremian.
altn. kremja,
praet. kramda,
peinigen (
von krankheit) Möbius 240
gehört gleichfalls hierher, s. unter c und 5. II@2@cc)
aber in diesem kremja
und argremian
verwunden tritt zugleich eine ältere gestalt des stammes vor, mit einfachem m;
sie zeigt sich noch heute niederd. in krîmen
für krimmen
kratzen, scharren Schambach 113
a (
dazu krîmig
scharf, von geruch, geschmack),
nordisch in schwed. krama
pressen, drücken, oberd. vielleicht in schweiz. gramen
kriechen (
vgl.klamen
klettern unter klammen 4),
wie in nd. kremeln
gleich krimmeln (
s. d. 3,
b. c).
ebenso wieder bei dem nahverwandten klimmen (
s. d. III, 1,
c). II@33) krimmen
und klimmen
haben überhaupt ein eigenes verhältnis, als hätten sie sich eine weite strecke hand in hand entwickelt. II@3@aa)
zwar die bed. klettern entgeht krimmen,
obwol auch davon eine spur auftaucht in franz. grimper
klettern (Diez 2, 321),
wie von einer nebenform krimpen (
s. 4);
aber klimmen
packen (
sp. 1166)
stellt sich genau neben krimmen
in seiner 1.
bedeutung, klimmen
kneipen neben krimmen 3,
d, selbst die bed. des bauchgrimmens (3,
f)
fehlt nicht bei klimmen (II, 2,
a), sich krimmen
sich krumm einziehen (2,
d)
stellt sich neben klimmen
einschrumpfen (II, 3),
die nebenform kremmen
findet dort klemmen
als ganz gleich. II@3@bb)
ebenso heiszt der krampf noch jetzt sowol kramm
als klamm,
vom krampfe gefaszt mhd. sowol verkrummen
als verklummen
klage 841 (
jenes in A, diesz in BCD, s. sp. 1166
mitte),
das bewusztsein der urspr. einheit beider stämme scheint noch tief in die geschichtliche zeit herein gekommen zu sein (
s. mehr unter krampf III, 4).
noch jetzt gehn in schwedischen mundarten nebeneinander klummsen
halb starr von kälte, besonders von fingern (
s. spalte 1166)
und krummsen
in gleicher bed., auch krummen, krummhändt
u. a. Rietz 353
b,
wie klömmhändt 332
a,
bei uns auch noch verkrummt
gleich jenem verklummen.
es gibt kein anderes beispiel, wo die urspr. einheit von l
und r
so leuchtend vortritt. II@3@cc)
wie aber die formen mit r
die ältesten sein müssen, so entspricht auswärtig im stamme gael. gramaich
to take hold, to cling to, der umsatz des r
in l
scheint erst im germ. gebiete vor sich gegangen; vgl. auch litt. gramdau
ich kratze. II@44)
aber auch im auslaute zeigt der stamm ein eignes leben, denn mit krimmen
im grunde eins ist krimpfen (
s. d.),
wovon krampf,
der noch auch kramm
heiszt; und wieder auch klimpfen (
sp. 1167).
und zwischen krimmen
und krimpfen
stehend auch altes krimban,
bezeugt z. b. durch mhd. krump (
nhd. krumm),
vgl. krimpen 2,
c und krampf III, 3,
wo der merkwürdige stamm auch sonst noch weiter verfolgt ist. s. auch unter krällen II,
c. II@55)
endlich, um zu krimmen
zurückzukehren, eine übersicht der töchter oder söhne des mutterworts: subst. krimme
m., kramme und kramm
m., grumme
m., hauptsächlich von krimmendem schmerze. die urspr. vorstellung, die diese erzeugte, spricht noch aus einem schwed. volksworte: kramm
n. rysning i kroppen, uppkomen enligt folktron derigenom att man blifvit kramad af ngon gast. Rietz 353
a,
plötzlicher schauer, nach dem volksglauben aber der packende griff den ein gast,
waldgeist thut; auch bei unserm krampf
scheint diese vorstellung noch durch (
s. dort II, 1,
b und g),
und unser beklommen (
sp. 1166)
enthält sie gleichfalls, und mhd. blickt sie noch deutlich genug aus folg. wendung, mit der die geburtswehen geschildert werden: dô wolt mich hân erkrummen ich weiʒ niht selber waʒ, ich was vil nâch erstorben.
Wolfdietr. 156, 3
Holtzm. altn. auch krumma, krymma
f. die zum packen gekrümmte hand, klaue Egilsson 479
a,
s.kramme 2.
Adjectiva fehlen bei uns, während von der jüngeren form klamm, klimm
und klumm
bestehn (krumm
gehört zur schwesterform krimban),
auch klammer;
aber dem klamm
entspricht dän. dial. kram,
enge, knapp, schwed. kramm Rietz 353
a,
hier auch steif an gliedern, eigentlich geklemmt.