kram,
m. taberna, merx. II.
Formen und verwandtschaft I@aa)
dem nhd. kram
entsprechend ist mhd. krâm
m., ahd. chrâm;
mnl. craem,
nnl. nd. kraam;
entlehnt ist, wie die beschränkung auf die spätere bed. 3
zeigt, altn. isl. kram
n., dän. norw. schwed. kram
n. (
zu dem n. s. c, β zuletzt),
auch poln. kram,
böhm. krám,
illyr. krama,
wend. klamy
pl., litt. krómas.
die entlehnung spiegelt den einflusz der deutschen kaufleute nach norden und osten. I@bb)
der stamm ist dunkel, man wird ihn von der bed. zeltdach ausgehend zu suchen haben (
s. II, 1).
ob eine urverwandtschaft vorliegt in altsl. gramŭ
m. καπηλεῖον,
caupona Mikl. 142
a ?
vgl. gromĭnica
caupona 144
b I@cc)
nebenformen sind oder waren I@c@aα)
eine schwache form, mhd. nhd., wahrscheinlich schon ahd.: in der gaʒʒen .. dâ man in den zwein vrîen jârmärkten aller leie gewant unde krâmen veile hât.
stadtrecht von Meran, Haupt 6, 428 § 19;
auch geladen mit rîchen krâmen (: kâmen)
Lanz. 8479
mag hieher gehören, da der gewöhnliche starke pl. kræme
ist (
s. II, 1,
d, γ).
Noch nhd.: aigne cramen aufschlagen. Schmeller 2, 385
aus bair. landtagsverh. v. 1612,
vgl. das. aus Ingolstadt v. j. 1380 vier kromen,
und Olearius
sp. 1988,
auch 1990
aus Soltau;
auch im sg. taberna kramen Diefenb. 571
a.
Dagegen krame, krome
instita Dief. 302
a,
taberna krome
n. gl. 218
a (ô
aus â,
vergl. sp. 409), krame Alberus b 4
a sind eher ungenau für kram,
als schwachformig. I@c@bβ)
ein fem. mhd. krâme
wb. 1, 873
b (
wahrsch. schon ahd.),
noch bair. Schm. 2, 385 die kram (
mit dem masc. daneben),
s. dazu sp. 1988
u. ε; es scheint früh in der bed. beschränkt; dasz aber die beschränkung nicht ursprünglich war, zeigt Romplers
fem. unter II, 3.
aber auch das neutr. fehlt nicht (
vgl. sp. 1928),
wenigstens nd. gibt Schambach 111
a dat krâm
neben dem m., doch nur in der heutigen bed., und auch flämisch kraam
bei Schuerm. 285
b ist n. (
nl. fem.);
so erklärt sich wol das nordische neutr. unter a aus nd. einflusz, aus den seestädten. I@c@gγ)
endlich mit umlaut ein fem. im rheinischen gebiete, die kräm,
doch mit besonderer bed., s. sp. 1988 (
ζ).
merkwürdig aber auch ein m. mit umlaut, wenn kein druckf. vorliegt: nim allerlei gute wurz ausz dem kremm.
küchenmeisterei d iiij. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
als die älteste erreichbare bed. erweist sich: zeltdecke, ausgespanntes tuch oder ähnliches dach als wetterschutz; so in einem rhein. gloss. des 12.
jh.: tentorium gezelt,
papilio cram.
Nyerup symb. 297,
vgl. die noch geltende ostfries. unterscheidung telt
eine gröszere, krâm
eine kleinere marktbude Fromm. 4, 360.
der kram
ward denn auch '
aufgeschlagen',
wie das zelt: der walt hât sîne krâme gein dem Meien ûf geslagen. Neidhart 9, 25, nû hât Sumer sîn gezelt ûf geslagen. xxiv, 19,
beide male noch eigentlich, das neue laubdach des waldes, als umbehanc
gedacht. ganz scharf ist die urspr. bed. ausgesprochen noch im 15.
jahrh. im Teuthonista 58
b,
wo auf die gewöhnliche bed. 'crame
merx'
folgt 'crame, gardyn,
cortina, cortinula, insita (
l. instita),
lectica, anabatrum, peripetasma',
also auch in form eines vorhangs, und durchaus ohne beschränkung auf kramhandel. auch in einem dem nrh. zuneigenden nd. voc. v. 1420
cortina en craem Dief. 153
b.
genauer II@1@aa) kram
auf dem schiffe, noch im 15.
jh.: do sasz sie (
d. h. setzte sie sich) in des schiffes krom und fur do wider heim gen Rom. Rosenblüt
in Kellers fastn. 1146,
wahrscheinlich ein verschlag, wetterschutz für reisende. II@1@bb)
noch heute im bergbau, gleich kaue, huthaus,
bei Gätzschmann 47
als östr., ein kleines behältnis zum aufbewahren der gerätschaften (zeugkram),
der erze (erzkram),
des roheisens (flossenkram) Scheuchenstuel 146;
s. auch den kohlkram
der köhler. II@1@cc)
auch eine eigene nd. nrh. nl. bed. erklärt sich hieraus und bestätigt die angenommene grundbed.: nl. kraam
f., wochenbett, nd. krâm
m. z. b. aus Hamburg bei Richey 136 (
als nl. einflusz),
westf. Fromm. 4, 271,
nrh. z. b. in Aachen krôme
niederkommen Müller
u. Weitz 130,
schon im Teuthonista 58
b crame, kyndelbedde,
puerperium (
altfries. kraem Richth. 878
a);
daher auch siebenb. krôm
m. wochenbett und '
hie und da auch die spanische wand am wochenbett' Schuller
beitr. 35 —
da bricht noch die urspr. bed. durch: verschlag oder vorhang als schutz. es heiszt nl. in de kraam komen, '
nieder kommen' (
d. h. ins bett k.),
das bett hiesz auch vollständiger kraambed,
bett mit verschlag. Davon dann nl. kramen
niederkommen, kraamvrouw
wöchnerin u. s. w., hamb. miskrâm
unzeitige niederkunft Richey 136.
s. auch kramkindelbett. II@1@dd)
es beschränkte sich aber hochd. auf die krambude. II@1@d@aα)
auch hier leuchtet doch noch länger die urspr. bed. durch. wie noch jetzt auf jahrmärkten erst eine bedachung mit leinwand den kramstand zu einem kram
erhebt gegenüber den offenen ständen, so tritt diesz leinendach früh als das wesentliche eines krams auf. in der Straszb. gemma von 1518
heiszt velarium ein verdeckt krom,
der krämer ist nach seinem velum
benannt: velaris ein kremer, venditor minutorum comestibilium in locis velatis;
ebenso in der Cölner gemma 1507 (Dief. 609
b)
und im Leipz. voc. opt. v. 1501,
das letztere hier mit dem zusatze in den kramen,
in der Cölner gemma in die kramen,
auf dem krammarkte (
s. u.γ).
ein mlat. cadurcum
ist kram Dief. 87
c,
eig. aber zeltartige decke, dann krämerstand, bude, s. Junius
nom. 183
b,
bei Alberus b 4
a cadurcum, kremerdeck, krame.
ganz klar ist die grundbedeutung mhd. z. b. bei Wolfram: er vant den krâmære, unt des krâm niht lære ...
der krâm was ein samît (
stück sammt), vierecke, hôch unde wît. waʒ dar inne veiles læge?
u. s. w. Parz. 563, 1, vierecke,
d. h. nicht rund wie ein zelt, und hôch,
die decke gieng wol an beiden seiten zur erde nieder, wie noch die leinwand eines kramstandes. s. auch kramdecke,
kramumhang,
vgl. kramspiel. II@1@d@bβ)
nachher der ganze kramstand, ein einfacher '
stand'
oder eine künstlichere bude u. s. w.; schon ahd. auch taberna Graff 4, 608, '
taberna lad (
laden)
vel kramen' Dief. 571
a 16.
jh.: ein diep sich durch ein venster want in einen krâm, in dem er vant eins nahts vil dinges
u. s. w. Renner 243
a,
wie es scheint, schon ein laden im hause; swenne ein man oder ein frowe durch die kræme gênt unde sehent von einem (
krame) zuo dem andern, unde wartent (
blicken) ouch in ieglîchen krâm durch (
wegen) die gezierde und durch die schœne. Berthold 482, 12.
Noch nhd. blieb diese bed. lange klar, während sie jetzt über 2
und 3
vergessen oder verächtlich ist: dʒ wann zu Wien oder zu Prag in processionen nur ein kram oder stul (
offener stand) umbfallt, sie (
die jesuiten) gleich Rom und reich anrufen. Fischart
bien. 1588 22
b; so hat die purpurkremerin zu Philippen ihren kram bei den bergkleuten aufgeschlagen. Mathes.
Sar. 6
a,
vgl. unter 1; der zu Frankfurt in der judengasse wolte einen kram aufschlagen und schinken .. verkaufen. Schuppius 333; mancher ist mehr geschmückt als ein ganzer kram. Lehmann
flor. 1, 457; die welt ist wie ein kram, hat wahren ganze haufen, um arbeit stehn sie feil und sind durch fleisz zu kaufen. Logau 3, 9, 1.
noch Ludwig im
jahre 1716
stellt voran kram,
kramladen, bude, gewölbe, worinnen etwas in kleinigkeiten (
en détail)
verkauft wird, noch bei Frisch einen kram aufschlagen, '
tabernam'
erigere in foro 1, 542
c,
bei Adelung seinen kram aufmachen (
die bude öffnen), zumachen, im krame sitzen,
doch als '
nur noch zuweilen im gemeinen leben'.
Daher offener kram,
geöffnete krambude: zu offnem cram und markt sitzen (
d. h. in der marktbude) Schmeller 2, 385
v. j. 1588; so die hausfrau in offenem kram sitzt, kauft ... verkauft. v.
d. Nahmer
handb. des rhein. part. rechts 2, 930;
mhd. ze krâme stân
Augsb. stadtb. bei Walch beitr. 4, 62. vor dem krame
steht der käufer, liegen die probestücke: ein krämer kan bald sehen, was er vor ein kaufman (
d. i. käufer) vorm kram hat. Lehman
flor. 1, 91; heszliche wahr liegt immer vorm kram (
aus). 169; man hat es grosz und klein, und wers zu kaufe trägt, der hat es vor den kram zur schau heraus gelegt. Weise
überfl. ged. (1701) 375
in einem rätsel von weiblichen brüsten. II@1@d@gγ)
der pl. hiesz kräme, die krambuden zusammen (
noch bei Stieler, Steinbach, Frisch): dô stuonden rîche kræme, dâ gie der werde rîtter î
n. troj. kr. 19628; als der (
wie wenn einer) durch die kræme gêt, dâ vil kræme bî einander stênt ... unde ie in einem schœner krâmschatz ist danne in dem andern. Berthold 482, 4; es brantent ouch (
in dem jahre) die kreme vor Sant Martin. Closener 76,
in Straszburg. die städte hatten solche kräme
stehend an kirchen, auf brücken, plätzen (
vgl. die Krämerbrücke
in Erfurt): Herman Ebner unter den kremen (
wohnend, auf der krämergasse).
Nürnb. chron. 1, 86, 21; in derselben jarzal .. auf der purg da warf der kunig Wenzelawb die krem umb und reit in zoren von hinnen. 1, 356,
vergl. 3, 294;
s. auch aus Augsburg u. δ.
oder sie wurden vorübergehend aufgeschlagen: das der foid (
voigt) und die foidinnen haben von den kremen zwei par hentschen.
weisth. 2, 77,
als abgabe, zur kirchweih (
von der Saar); so soll der stat paumeister .. bestellen, das man den schönen prunnen (
in Nürnberg) zu dem newen jar .. mit kremen nit versetzen losz .. des ist ein nottorft, und auch ein zire. Tucher
baumeisterb. 259, 6; das man kein kremer auf der langen verdeckten prucken losz kreme auf machen. 259, 26; do ich nun auf die kirchweih kam, da sah ich gar mannichen kram (
in bed. 3), mit leckuchen (lebkuchen) und brändtewein, kölchte haarband und schlötterlein (
s. u. klemperlein), mit gürtel, beutel, nestel, taschen .... pfeifen, schabhüt, würfel und karten, lange messer und spitzbarten .... ich gieng in (in'n) krämen hin und her .... H. Sachs 1, 529
c (1590 396
c).
öfter mit laden
zusammen: welche läden oder chräm anders gepauen. Westenrieder 6, 130,
v. j. 1489; auch ward gen Rom verkündigt, wie etliche kräme und läden bei dem markt vom donner geschlagen weren.
Rihels Livius 545. II@1@d@dδ)
aber auch kramen
pl.: es haben die Indianer ihre buden und kramen neben den Persern auf dem markte. Olearius
pers. reise 294,
s. das schwache der krame
u. I,
c, α.
unsicher (
s.ε)
im dat.: der (
deren) decke was ein baldekîn, sô er beste mochte sîn (
zu kaufen) zu Ovene (
Ofen) in den krâmen.
heil. Elis. 339; hern Rudigers des Langemantels under den cramen tohterman.
Augsb. chron. 1, 138, 39,
s. aus Nürnberg unter γ; wenn der mann dasselbe (
das linnen) alles mit baarem gelde aus den kramen holen und kaufen lassen sol, da gehet zumal viel auf. Roth
aller christl. hausmütter abc F 7
a; da die seltzamsten zeuge fast in allen krahmen zu finden sein. Hoffmannswaldau
heldenbr. (1680)
vorrede. II@1@d@eε)
es gab nämlich auch ein fem. krame,
das mhd. gerade für die krambude galt (
s. I,
c, β),
und noch nhd.: kauf in einer kram ein messings fingerhtlen. Seuter 137,
vgl. Rompler
unter 3. II@1@d@zζ)
merkw. ein fem. kräm, im rhein. gebiete: der weg nach der neuen stadt durch 'die neue kräm' (
in Frankfurt). Göthe 24, 23,
eine strasze; do sollt er ä mol die hübsche sache betrochte, die an der kräm ausgeleht warn. Firmenich 2, 7, Kehrein
Nassau 2, 11,
bei einem jahrmarkte. niederrh. ist die kriem
krämerstrasze, unterschieden vom pl. kröm
krambuden (
Aachner mundart 129),
sodasz ein alter sg. f. kræme
anzunehmen sein möchte. oder wäre es erst aus dem pl. die kräme
misverständlich gemacht? bei Firmenich
a. a. o. heiszt es vorher s. 7 (
s. 9 Kehrein) hun se meich uf de mork gefihrt, wo se eewe dran worn, die kräme und butike .. ufzeschlahe.
folgendes kräm
ist zweifelhaft: die hausirer oder störer, so ihre kräm am hals tragen, wie die seumer.
Garzoni (1651) 630,
vergl. einer der seinen kram am halse herum trägt (
tabuletkrämer) Ludwig 1064. II@22) kram,
geschäft, kleiner handel, wobei der begriff vom raume übergieng auf den betrieb darin: mercatura, kauf
vel kram.
voc. 15.
jh. Dief. 357
a; er stellte ihm vor, an diesen dreiszig und einem halben groschen hange seines weibes und seiner kinder leben, er müsse seinen kleinen kram damit unterhalten. Lessing 3, 303,
von einem hökergeschäfte; andere hätten einen kleinen kram mit schwefelfaden
u. dgl. so erweitert und veredelt, dasz sie nun als reiche kauf- und handelsmänner erschienen. Göthe 24, 275,
es gilt fast nur noch so 'kleiner kram', krämchen,
handel mit kleinen, geringen dingen, einen kram anfangen, der kram geht nicht, einem den kram verbieten. Adelung; von der groszmutter (
erbt er) einen kram und laden. 'pfui, wer handelt mit schwefelfaden!' Schiller 323
b. gewandkram, leinwand-
oder weiszkram, brillenkram, bücherkram, gewürzkram, käsekram, heringskram, gemüsekram, obstkram, 'alter eisenkram' Stieler 1024,
mit altem eisen, ferner trödelkram, lumpenkram, ablaszkram, bendelkrämerkrom
Simpl. 3, 137,
s. weiter bildlich 6,
b. II@33) kram,
die waare, auch schon mhd. (
doch vgl. kramschatz),
in dieser bed. ohne plur. als collectivbegriff: und krâm allerhande von aller welte lande (
findet man da).
Lanz. 2679; aller leie gewant unde krâmen.
Meraner stadtr., s. u. I,
c, α; frau wirtin, meinen kram schaut allen.
fastn. sp. 477, 18; heb auf dein kram und leg wider ein. 291, 18; kram,
krämerzeug, merx, kram der kein kauf nit hat (
nicht abgeht). Maaler 250
d,
er hat nur diese bed.; sein kram auszlegen
das., mhd. ûʒ legen Teichner 170
Kar.; einlegen, auspacken, einpacken Adelung; wolt ihr (
eine spitzenkrämerin) uns nicht euren kram sehen lassen? A. Gryphius 1, 780; einen vollkommenen krahm, sowohl von allerhand nützlichen sachen als kindereien und spielwerk auslegen.
Felsenb. 1, 106; mache mir doch einen weg mit deinem krame zu ihm. Lessing 2, 394. schlechter, elender kram, verlegner kram.
s. weiter 6,
c. auch hier als fem. (
s. I,
c, β): es ist die ronde wält ein glücktopf wol zu nennen, in dessen schöner kram wir uns vergaffen können. Rompler 221. II@44)
das im krame
gekaufte. II@4@aa)
ein gekauftes einzelnes stück Schmeller 2, 385,
ganz wie messe
auch das auf der messe gekaufte bezeichnet, kirchweih
ein geschenk von der kirchweih (
sp. 831
mitte).
sicher schon mhd. nach folg. II@4@bb)
bes. gekauftes geschenk (
wie messe
gleichfalls),
schon mhd.: (diʒ cleit) daʒ sante si Jâsône dar ... ze krâme und ze einer minne (
denkzeichen) solte eʒ sîn âmîe hâ
n. Konrad
troj. kr. 11306; letzekrâm
abschiedsgeschenk, s. Tobler 121
b;
dem. kræmel, (
richter) die sich lâʒent valten (
beugen) mit gâbe und och mit kræmel und sitzent uf die schæmel (
s. Germ. 9, 59), der gîtekeit gestüeles.
Martina 47, 93.
auch dieses ohne plur.: so fragt sie (
den heimgekehrten mann) nach dem kram.
Garg. 73
a (124); sie (
die liebhaber) einem getrewen kaufman die brief uberantworten, mit etlichen schönen kleinotern so sie ihren jungfrawen zu eim kram schickten.
buch d. liebe 250
d; die jungfrau, die der hauptman der frauen zum krom het geschenkt. Bolz
Terenz 64
b; indessen legte ich meinen krahm aus.
Felsenb. 1, 43,
mitgebrachte geschenke. II@4@cc)
so noch schwäb., schweiz.: ein mitbring von der reise heiszt krohm. Auerbach
dorfg. 1, 247; wie sie kämen und was sie brächten an kram und neuigkeiten. Gotthelf 13, 180; er brachte seiner Therese den kram des Mareieli selber. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 3, 48.
es heiszt so das hochzeitgeschenk des bräutigams an die braut, oder was man vom jahrmarkt, von der kirchweih mitbringt, marktkrom, chilbichrom,
vgl.messkram
xenium Dief. 633
a, Grimmelshausens
stolzer Melcher wird der teutschen jugend zum messkram verehret (4, 323
Kurz).
s. auch kramen 2, kramet, krämsel,
kramschatz. II@55)
die bed. 3
angewandt auf allerlei '
zeug',
besonders mit dem begriff des manigfaltigen, wie es eben ein wirklicher kram
zeigt. II@5@aa)
in geschäftlichem ernste. diebe z. b. nennen ihr diebsgut ihren kram: sie wusten aber kein sicher ort im dorf, dahin si iren kram, so si nächtlicher weilen überkamen, tragen möchten. Wickram
rollw. 105, 9,
nachher ebenso wahr 17,
vorher kaufmanschatz 2.
schles. hochzeitkram, brautkram,
die ausstattung der braut. Weinhold 46
b.
von einer kartenschlägerin: mit den gewöhnlichen vorbereitungen und ceremonien legte sie nun ihren kram aus. Göthe 25, 278,
auch das auslegen
bleibt im bilde der krambude. II@5@bb)
jetzt meist geringschätzig, in zorniger, widerwilliger oder doch verdrieszlicher stimmung gebraucht: was kostet der ganze kram?
fragt ein käufer halb geringschätzig; packt euren kram zusammen,
die mutter zu den kindern, auch spielkram,
wie spielzeug; der kram kostet mich geld genug,
etwa von ausstattung einer wohnung, reisegerät u. a.; der kram nimmt doch kein ende
klagt einer der aufzuräumen hat oder beim auszug. II@5@cc)
genauer heiszt im hause das kleine zeug oder gerät der kram (
wie der kram
eines krämers
aus hundert kleinigkeiten besteht),
oder diesz meint geradezu plunder (
hübsch unkrâm Richey 136,
wie unrat): der kram ist ja nicht das aufheben wert,
daher die kramkammer
wie rumpelkammer (
für gerümpel); nur nichts überflüssiges im hause! nur nicht zu viel möbeln, geräthschaften .... es ist mir nichts unerträglicher als so ein alter kram von besitzthum. Göthe 19, 146.
s. auch kinderkram, weiberkram, modekram, kleinkram. II@5@dd)
verächtlich dann von allem möglichen, als zusammenfassendes kraftwort wie das leben sie liebt; z. b. von unkraut: wat dat krâm inwörtelt! Schambach 111
a. II@5@ee)
auch als mittel collectiva zu bilden, wie zeug
gleichfalls, z. b. ganz ernst blumenkram Spee
trutzn. 286, sternenkram 80.
so noch verächtlich, z. b. bücherkram, kleiderkram. II@66)
dann überhaupt in allerlei bildlicher anwendung. II@6@aa)
nach 1, kram
gleich krambude: do (
indem sie einen burzelbaum schlägt) enpfert ir ein wort, des reucht von wurzen ausz einem kram, heiszt quatterloch.
fastn. sp. 382, 2,
wie geruch aus einem gewürzkram, zu quatterloch (
dreckloch)
vgl. quattrich
unter koth I,
g, dasselbe bild mnl.: hem crakede die taverne
Rein. 1291,
pepedit; zwei kräme (
die brüste), wo man hold und freundligkeit ausleget, und wo ein rother mund nur kan der kaufmann (
käufer) sein.
Hoffmannswaldaus und and. ged. 2, 3; und (
der geld suchende freier) kriegt, wie er verdient, die wolgeborne dame mit einer welken brust und ausgeleertem krame. Günther 542; manche liebe lange nacht .. wenn wir auf dem fasse schliefen, oder auch, nach dem es kam, in den kram artger mägdgen liefen. 913; aet mi eens in u (
eurem) craemken spelen.
hor. belg. 11, 288,
obsc. die (
ideale)
welt heiszt 'gottes kram',
gott als verkäufer: in gottes kram sind alle wahren um arbeit und fleisz feil. Lehman
flor. 1, 45.
eigen von einer einbildung: Catilina, Lentulus .. die gaben für und schlugen in selbs ein kram im herzen auf, Sibylla hetts geweissagt, dasz sie herrn zu Rom werden solten. Aventin 110
a.
merkwürdig mhd. die krâmen (
zu I,
c, α)
vom himmel, von der ewigen seligkeit Haupt 8, 297. II@6@bb)
nach 2,
wie handel, geschäft,
früher kauf,
die ebenso vielfach anwendung haben auf allerlei angelegenheiten: wir müssen allesamen noch besser an den kramen (
zu I,
c, α), eh mans noch kriget ein. Soltau 2, 359,
im munde der belagerer Stralsunds 1628,
wie 'daran' müssen,
an die arbeit, not; gut dasz die erste frau verbundne blicke trägt, sie hätte, säh sie disz (
das küssen), gewiss den kram gelegt. Günther 401,
wie einem das geschäft legen,
hindernd eingreifen; wir wurden in wenig tagen des ganzen krahms einig.
Felsenb. 1, 74,
des '
handels',
von einem liebesverständnis; heraus mit der sprache! sonst flattere ich gleich zu ihm und verrathe ihm den ganzen kram. Weisze
briefw. d. fam. des kinderfr. 9, 175; das verdirbt mir den ganzen kram, ich würde den ganzen kram verrathen, das ist ein böser kram. Adelung,
ein böser '
handel', '
geschichte'
oder '
sache'; da ich mit allerlei kram meine zeit hinbringe und meine liebe vor tische nicht sehen kann, soll ihr dies zettelchen einen grusz tragen. Göthe
an fr. v. Stein 3, 39,
kleinliche geschäfte; ich habe den ganzen kram satt, kann mich nicht in den kram finden,
angelegenheit. II@6@cc)
nach 3,
von gegenständen, verhältnissen, als kramwaare gedacht: sie sind mit inen selbs nicht eins, sie sind irr in irem kram. Luther
tischr. 267
a,
doch wie öfter mit ineinanderflieszen der verwandten bedeutungen; der sich rümet (
rühmte) ein herr zu sein auf erd und mehr, musz legen ein sein kram und bald auszreiszen. Weller
30jähr. kr. 181,
von Wallenstein vor Stralsund, wie einpacken,
zugleich noch eigentlich vom belagerungszeug (vasa colligere); und ihr könnet den handel verderben, ehe der kram ausgelegt ist.
Pierot 1, 82,
die angelegenheit eingefädelt; ihr unverschämten weibsbilder, die ihr so gern alle euren kram an den tag leget und damit gleichsam eure ehre und zucht öffentlich feil bietet. Gerber
sünden 995; fällt dich (
schöne) ein kleines fieber an, so ist dir in den crahm gethan, so müssen die verwelkten falten der schönheit leichenpredigt halten. Picander 3, 511,
etwas was '
den kram verdirbt'; was die fabeln der heiden von ihren göttern und göttinnen anlanget, so ist dieses gleichfals ein verlegener kram, der zu nichts dienet. Gottsched
vernünft. tadl. 1, 93,
wie 'verlegne waare'; ich lasz euch euren markt und kram, laszt mich in meiner hütt' alleine! Immermann
ged. (1822) 162. II@6@dd)
nach 5, '
zeug',
geringschätzig: und als die frau in Engelland kam mit ihrem jungen landsknechtkhram, sehr übel wards empfangen. Weller
30jähr. kr. 119,
von der gemahlin des winterkönigs mit ihren kindern; da sind wol die gedächtnisznarren die vornemsten. unter allen tieren machen sich keine unnützer als diese, welche mit einem schwären kram ungeheürer gelehrsamkeit beladen sind und solchen auszer zeit und ordnung und mit groszem geschrei verschütten. Spreng
zu Drollinger 191,
heute allgemein gedächtniszkram; der ganze kram frommer observanzen. Kant 6, 363; mein liebes kind, sprach er, man musz vor allen dingen den ganzen dunklen kram in zwo drei fragen bringen. Zachariä
schnupftuch 1, 239,
logisch fassen und abwickeln, auch nach b zu verstehn; der verfasser (
der krit. wälder) sei indes wer er wolle, so ist er doch der einzige, um den es mir der mühe lohnt mit meinem krame ganz an den tag zu kommen. Lessing 12, 229,
briefl. von der fortsetzung des Laokoon; geweiht sei dieses taschenbuch dem groszen kram von kleinigkeiten, die sich um dein gedächtniss streiten. Gotter 1, 231; ich hab nie was von der hölle geglaubt und alle dem kram. Lenz 1, 141; das ganze Newtonische farbenwesen ist nur ein wortkram, mit dem sich deshalb so gut kramen läszt, weil man vor lauter kram die natur nicht mehr sieht. Göthe 59, 285; das war ein ganz verdammtes ding für monsieur Bonapart. der ganze kram verloren ging, das hatt er nicht erwart. Soltau 1, 608,
v. j. 1815.
so wortkram, wörterkram (Lessing 1, 177), ideenkram, phrasenkram, rätselkram, notizenkram, gelehrtenkram, dichterkram (Günther 388), pfaffenkram
u. a. in freier neubildung; besonders von dem womit sich einer als liebhaberei kleinlich beschäftigt, er hat für nichts sinn als für seinen kram,
vergl.krämer 2.
so abstract übrigens schon mhd.: die unsêligen girekeit, die mit valsche ûf ir treit allen suntlichen krâ
m. pass. K. 251, 9. II@6@ee)
auf alle drei eig. bedeutungen beziehbar in folg.: das die rö
m. kirch sich sehr fein mit der ketzer muscheln schmucken und ausz iren lehren das jenig saugen kan, was ir in irem kram und binenkorb am besten anstehet. Fischart
bienk. 1588 53
a; ausz dem er leicht abnehmen konte, dasz diese (
leute) nicht seines krams wären. Philander 1650 2, 208,
nicht zu ihm, '
in seinen kram'
passten; was dir nicht in deinen kromen dient, lasz auszen. Henisch 696; allein das taugte nicht in meinen kram.
Pierot 1, 9; auf gleiche art schaften sie noch verschiedene andere, die nicht in ihren kram dieneten, heimlich bei seite. Heilman
Thucyd. 1106; die gemeine meinung hierüber taugte in ihren kram ganz und gar nicht. Lessing 8, 337; umsonst zu stehlen schlug nicht in meinen kram. Michaelis 4, 44; lehre, die mehr in ihren kram gehört. Claudius 4, 102; was den fürsten in ihren kram dient, da sind sie hinter her. Göthe 8, 31. 42, 273; unser meister das all ersicht und freut sich dessen wundersam, denn es dient sehr in seinen kram. 13, 128; und was sich sonst drin (
in der bibel) hätte finden lassen, aber in ihren kram nicht passte, ward wie gift behandelt. Danzel
Lessing 284.
daher auch so: schlauköpfe, die .. jedem glauben, der ihnen in den kram zu reden weisz. Gotthelf 19, 232,
wie es ihnen zusagt, vgl. einem in den beutel reden; kein kaufman rath ihm ausz seinem beutel oder kram (
sich zum nachtheil), ad suum quaestum quemque callidum esse oportet. Weidner
apophth. 3, 58.