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schuh

nhd. bis nhd. · erste Belege seit 8./9. Jh. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Anchors
17 in 14 Wb.
Verweise rein
56
Verweise raus
175
Treffer Präfix
625 in 22 Wb.
Knoten 1-Hop
231
Komposita
0+
Sprachstufen
6

Hauptquelle · Grimm (DWB, 1854–1961)

schuh m.

Bd. 15, Sp. 1838

schuh , m. calceus, mhd. schuoch, schuo, gen. schuohes, schuos, plur. schuohe, schuoch, schuo, md. schûch, schû, schôch, schô, plur. schûche, schûwe, schû, schôwe, schô, auch ausnahmsweise schwach flectierend Lexer mhd. hdwb. 2, 818 , ahd. scuoh, scuah Graff 6, 418 ; goth. skôhs, alts. scôh, belegt scôhun, dat. plur. Hel. 1947 ( s. unten 1, a ), daneben scon, calceis Düsseldorfer Prudentiusgl. Haupts zschr. 15, 521, 245 , mnd. scô, plur. schô, schô(i)e, schô(i)en, schôwe Schiller - Lübben 4, 106 b , nnd. schô Strodtmann 203 . brem. wb. 4, 664. Schütze 4, 55 . Dähnert 409 b u. s. w.; mndl. sco…

Lautwandel-Kette

Von der ie. Wurzel bis zur Mundart

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  1. nhd. 15.–20. Jh.
    Schuh
    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Schuh , des -es, plur. die -e, Dimin. welches doch nur zuweilen im gemeinen Leben vorkommt, das Schühchen, in der ni…

  2. GWB 18./19. Jh.
    Schuh

    Schuh pl mehrf ‘Schue’ sowie ‘Schuh’, einmal zugl Kleinsch GWB 38,484,9 1 höchstens bis zum Knöchel reichende Fußbekleid…

  3. Lex. 19./20. Jh.
    Schuh
    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Schuh , Fußbekleidung, die nur bis an die Knöchel reicht, kann aus Holz, Bast, Binsen, Hanf, verschiedenem Zeuge oder Le…

  4. ?
    Schuh

    Schuh 1. Â nâe Schage schpîrd em de Êlsternûgen. ( Siebenbürg.-sächs. ) – Schuster, 815 b . Wer enge Schuhe trägt, fühlt…

  5. Dial. modern
    Schuh m.
    Lothringisches Wb. · +4 Parallelbelege

    PfWB RhWB Schuh [šû u. šùk Fo. ; šùk Sgd. Lix. ; šùg Ri. Ha. ; šu Falk. Marienth.; šou Obd. ; šoun Bo. Si. ; šœ Pfb. ; …

  6. spez.
    Schuh

    Schuh m. (-[e]s,-e) 1 cialzá (-zá) m. 2 (Halbschuh) zoche (zochi) m. 3 (schlechter Schuh) ciavat (-ac) m. 4 (großer unpa…

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1-Hop · 2-Hop
ie. germ. ahd. mhd. mnd. nhd. Dialekt

Wortbildung

Komposita mit schuh

0 Bildungen · davon 0 aus DWB

Lesefassung · zusammengeführt aus DWB + Pfeifer

Was schuh war, ist und bedeutet hat

Eine Bekleidung, die mit den Jahrhunderten an den Beinen hochgewandert ist — von der Wade über das Knie bis zur Hüfte. Der Name aber blieb derselbe, seit dem 9. Jahrhundert.

Im Althochdeutschen, im 9. und 10. Jahrhundert erstmals belegt, bezeichnet hosa noch nicht die Hose, wie wir sie kennen. Glossen geben das lateinische tibialia wieder — eine Bedeckung des Unterschenkels — und ocrea, einen Beinschiener oder Stiefelschaft. Was wir heute Hose nennen, hieß noch bruoch: das pruoh, das die Schamteile bedeckte und kürzer oder länger zum Oberschenkel hinabreichte.

„hose, f., meist plur. hosen, femoralia. vom ahd. pruoh, mhd. bruoch unterschieden, welches die um die schamtheile gehende, nach art unserer schwimmhosen verfertigte und kürzer oder länger zum oberschenkel hinabreichende beinbekleidung bezeichnet, drückt hose allgemein die bedeckung des unterschenkels aus." — Grimm, DWB Bd. 10, Sp. 1837

Das Mittelhochdeutsche kennt die hose bereits paarweise — die Lexer-Belege zeigen, dass „hosen" als Plural die Regel ist, nicht der Singular. Und sie wandert schon: bei Notker bedeckt sie noch den Fuß und die Wade, bei Konrad von Würzburg reicht sie schon zum Knie. Im Mittelniederdeutschen mit dem typischen Längezeichen hōse, ergänzt um Komposita, die das Stück Stoff in seine handwerkliche Welt einbetten: hosenmaker, hosenbant, hosenstrick.

Der etymologische Befund verbindet hose mit Wörtern, die zunächst weit weg scheinen. Die indoeuropäische Wurzel ist *(s)keu- „bedecken, umhüllen" — und sie steckt auch in Haus, Haut, Hort, Hütte, Scheune, Schuh. Pfeifer rekonstruiert eine s-Erweiterung *(s)keus-, aus der germanisches *husōn- wird, und daraus althochdeutsches hosa.

„Hose f. ‚Beinkleid', ahd. hosa (9./10. Jh.), mhd. hose, asächs. hosa, mnd. mnl. hōse, aengl. hosa, anord. hosa führen auf ie. *(s)keus-, eine s-Erweiterung der mehrfach weitergebildeten und verbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‚bedecken, umhüllen'." — Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Die entscheidende Wanderung passiert im 16. Jahrhundert. Bis dahin teilte sich die Beinbekleidung in zwei Stücke: bruoch für oben, hose für unten. Ende des Mittelalters verschmelzen sie — und der Name bruoch verschwindet mit dem Stück. Die hose bedeckt jetzt das, was sie vorher nicht bedeckte. Das Wort bleibt, das Ding wandert. Adelung und Campe schreiben im 18. Jahrhundert nur noch von der Hose, plur. die -n als „enge Bekleidung der Beine und der Geschlechtstheile" — als wäre das schon immer so gewesen.

In den modernen Mundarten überlebt der Plural als Norm. Das Pfälzische Wörterbuch verzeichnet die Hose ausdrücklich als f. Pl.: in pfälzischer Mundart heißt es „die Hose anziehe", auch wenn nur ein Stück gemeint ist. Im Norden — Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch — konkurriert das Wort mit dem niederdeutschen Büx, im Rheinischen mit Buks. Aber überall: dasselbe alte ie. *(s)keu-, dasselbe „bedecken".

Zwei Quellen nebeneinander

DWB ↔ Pfeifer

Der historische Voll-Eintrag (Grimm) und die etymologische Komprimierung (Pfeifer) im direkten Vergleich.

Grimm DWB

Bd. 10, Sp. 1837 · 1854–1961

schuh , m. calceus, mhd. schuoch, schuo, gen. schuohes, schuos, plur. schuohe, schuoch, schuo, md. schûch, schû, schôch, schô, plur. schûche, schûwe, schû, schôwe, schô, auch ausnahmsweise schwach flectierend Lexer mhd. hdwb. 2, 818 , ahd. scuoh, scuah Graff 6, 418 ; goth. skôhs, alts. scôh, belegt scôhun, dat. plur. Hel. 1947 ( s. unten 1, a ), daneben scon, calceis Düsseldorfer Prudentiusgl. Haupts zschr. 15, 521, 245 , mnd. scô, plur. schô, schô(i)e, schô(i)en, schôwe Schiller - Lübben 4, 106 b , nnd. schô Strodtmann 203 . brem. wb. 4, 664. Schütze 4, 55 . Dähnert 409 b u. s. w.; mndl. scoe Franck mndl. gramm., schoe Kilian, nndl. schoen; altfries. scô, daneben hand-schoech, nordfries. skog, plur. skuer Richthofen 1032 ; ags. scô, engl. shoe; altnord. skór, nom. plur. skúar und skór Fr…

Pfeifer etym.

Etym. Wb. d. Deutschen

Schuh m. ‘Fußbekleidung’, ahd. scuoh (9. Jh.; vgl. früher bezeugtes giscuohi, s. unten), mhd. schuoch, schuo (auch Längenmaß), asächs. skōh, mnd. schō, mnl. scoen (kollektiver Plur. von scoe), nl. schoen, afries. skōch, aengl. scō(h), engl. shoe, anord. skōr, schwed. sko, got. skōhs (germ. *skōha-). Auszugehen ist wohl von dehnstufigem, mit ko-Suffix gebildetem ie. *skō(u)ko-, das im Sinne von ‘Umhüllung (des Fußes)’ an die unter Scheune, Scheuer (s. d.) angeführte Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ angeschlossen werden kann (s. auch unterschiedlichen Wurzelerweiterungen folgendes Haus, Haut, Hode, Hort, Hose, 2Schote). Neben dem Mask. steht in alter Zeit die neutr. Kollektivbildung ‘ein Paar Schuhe, Schuhwerk’ ahd. giscuohi (8. Jh.), mhd. geschuohe, geschüehe, a…