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stole

ae. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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10 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stole f.

Bd. 19, Sp. 194
stole (stola),f. , priesterliches gewandstück in der altgläubigen kirche, lat. stola 'langes talarförmiges kleid' aus griech. στολή 'rüstung, waffenrock' zu στέλλειν verb. 'herrichten, ausrüsten'. mhd. schon mit vocaldehnung: stôle und seitdem beibehalten; als ausnahmen: er selbsten (der pfarrer) aber war mit dem chorrock bewaffnet, samt den stollen (bei der teufelaustreibung) Simplic. 194 neudr. (der plural mit rücksicht auf die beiden stolenhälften?); dieser (seelsorger) ..., nachdem er die ursach seiner beruffung verstanden, wirft alsobald seinen stollen, chorhembd und andern ornat geschwind an Thomasius ernsthafte gedancken 2, 337; der pfaff sein stoll und segen nam Hans Sachs 9, 291 Keller. das masc. geschlecht des wortes bei Thomasius wohl in anlehnung an masc. wie kragen, umhang u. ä. vgl. noch elsäss.: wenn der pfarrer mess lest, het er den stolen an Martin-Lienhart 2, 592a. 11) ursprünglich ein langes (aus der römischen senatorentracht herübergenommenes) leinen- oder wollengewand, welches mit zwei von den schultern bis zu den füszen (parallel) herablaufenden kostbaren borden besetzt war; die immer zunehmende schmuckhafte ausgestaltung des priesterlichen unterkleides (der hemdartigen 'alba') schränkte aber unser gewandstück in seinem umfange immer mehr ein, so dasz zuletzt nur die beiden borten als zwei oft reich verzierte gewandstreifen übrig blieben, die priestr gebuten den megden daʒ, daʒ sî dâ von (von seide, gold, haaren, baumwolle und flachs) solden wirken, gezierde zuo der gotes kirchen câsuln, stôlen unde alben, mit golde gezierei allenthalben bruder Philipp Marienl. 704. in älterer zeit von gröszerer länge und deshalb 'in forma crucis auf der brust gekreuzt und von dem gürtel (cingulum) festgehalten, später immer mehr verkürzt und seit dem 17. jahrh. sehr unschön an ihren enden schaufelförmig erweitert. das cultische hauptstück der priesterlichen gewandung und durch diese seine bedeutung von der in seiner form sonst ähnlichen handfahne (th. 4, 2, sp. 386, manipulus) völlig unterschieden; sie ist gleichbedeutend mit dem 'orarium', vgl. deinde circumdat collum suum stola, quae et orarium dicitur Honorius August. gemma animae 1, 204; sie wird dem celebrierenden priester dargereicht, der sie gleichsam wie einen 'torques' um den hals legt und dazu betet: redde mihi domine stolam immortalitalis, quam perdidi in praevaricatione primi parentis, et quamvis indignus accedo ad tuum sacrum mysterium, merear tamen gaudium sempiternum bei Bock liturg. gewänder 2, 63 (vgl. dazu unten den beleg aus dem cod. Teplensis) diu stôle ist lanc unde breit, diu umbe sînen hals gêt; diu bezeichent noch sante Peters joch, dô er dar în geweten was, dô er sanc unde las speculum ecclesiae 151; anders: die stol bedüt den strick, den sy jm (dem herrn Jesu) an seinen halsz gelegt haben Keisersberg schiff der penitenz 90b. 22) stol richtig als superhumerale Alberus (1540) Cc 4a, dagegen ungenau und sogar falsch stole phanola Diefenbach glossar. 224c, manipula 347a (vgl. dazu oben) als stola transversa (über die linke schulter gehängt und auf der rechten hüfte übereinandergelegt) in der tracht des diacons. der priester und der diaconus ... legten an ein stol über die lincken siten Tschudi chronic. helveticum 2, 93; der priester ... truog die stol under der cappen (der 'cappa choralis', gewöhnlich 'pluviale', dem regenmantel) der heiligen leben (das summerteil) 24a; wan der priester antzeugt ein korrock, legt ein stol umb den halsz Luther 10, 3, 369 Weim.; nam ein rottes windelbandt umb den hals, wie ein stol Hennenberger preusz. landtaffel 483; bei den cartheusern sieht man ... vierzig bis funfzig mönche; gleiche stolen, gleiche verrichtung, gleiche bekleidung Göthe 45, 278 Weim.; eine stola von goldbrokat umgiebt schultern und brust Gaudy 5, 70 ich kam von einem prälaten dem die herrlichsten stolen über die schulter hingen worauf unverhohlen wunderthaten der heiligen auf und nieder gingen Göthe 4, 25 Weim.; die weiszen schleier flattern die schwarzen stolen wehn, die kerzenflämmchen knattern, wie sie im sprung sich drehn Uhland gedichte 1 316. im spaszhaften übergang in die hauswirtschaft: die stol hab ich gegunnen Johannes Giggis Gäggis; der hat vil kleiner kinden, zuo einem wiegenband Nik. Manuel 235 (testament der messe). 33) allgemeiner in der vorstellung vom costüm der gerechtfertigten seelen: und noch disen dingen ich sach ain michele geselschaft, di nymant mochte gezelen von allen leuten vnd geslechten vnd volken vnd zungen, stent vor dem tron vnd in der bescheud dez lames, gevasset mit weissen stolen als gut bezeugte variante zum codex Teplensis 3, 78 (der cod. selbst hat gewanden); vgl. auch: ich besorg, es werd uns christen ditz begegnen, das den juden in zerstörung jrer höch und zier begegnet ist. als die selbigen sahen und horten vil seltzamer wunderzaichen am himel, wie vormals gemeldet ist, reitter im lufft mit gulden stolen und spieszen mit ainander scharmützlen J. Grünbeck von der veränderung der stände der christenhait (1522) B 2b. deshalb als theil des totengewandes: er nam an seinem todtbet ein stole an den hals, damit er dester mehr authoritet hett Franck chronic 132a und das geistliche sprichwort: selig sind, die ihr stöl wäschen in dem bluot desz lambs paradoxa (1558) 183b; vgl. si woshen ire stole mit des lampes plǒte Diemer 336, 24. — bei der stabung des eides (um seine gewichtigkeit zu mehren) auch dem schwörenden geistlichen umgelegt: her Syfrit ... quam an offen gerihte ... und swur da einen gestabiten eyit mit siner stolen Baur hess. urk. 3, 99 (v. j. 1334), vgl.sobald sie die stola oder das meszgewand ausgezogen haben, ziehen sie auch alles, was geistlich ist, aus Nicolai reise 5, 27. 44) als symbol geistlicher wehrhaftigkeit (d. h. die im kirchenbann beschlossene richterliche gewalt) dem schwerte als dem symbol des ritterthums entgegengestellt: diu swert diu leiten si dernider und griffen zuo der stôle wider; si bienen die si wolten, und niht den si solten Walther 9, 31; vgl.um sich einiger maszen zu helfen, brauchten sie damals noch nicht das schwerd ..., sondern die stole ..., das ist, ihre geistliche gerichtsbarkeit, und hauptsächlich die excommunication Schmidt geschichte der Deutschen 2, 175; ob aber ein des tievels kint durch die stôle niene tuo, dâ hœret danne gewalt zuo Hartmann Gregorius 3635. und kurzweg der 'geistliche stand': nû dâr, ir edelen (bauern, ritter und geistliche), werden drîe gesellen! stôl unde swert, welt ir ein ander helfen wol, so wirt diu kristenheit von iu genaden vol; stôl unde swert, der pfluok tuot alleʒ, daʒ er sol, sit ir mit triu ein ander bî, iuch kan nieman gevellen v. d. Hagen minnesänger 2, 309a; der pfaffen ban swert vür die stôlen wetzet Frauenlob 335, 10; 55) zuletzt die stole suchen in anlehnung an oben 3 'seine gedanken auf das ewige richten' im gebet und sonst: die kristen ûf sprungen, daʒ gotes lop si sungen, die stôle si suohten, die sêle si beruohten Stricker Karl 6821 und ganz in mystischer sphäre: wir kússen di stôle fur gotes munt: daʒ ist der súene anevank Melker handschr. 31, 80 Leitzmann (freilich zugleich mit einer anspielung auf die dem beichtenden bei der absolution zum kusz dargereichten enden der wirklichen stole).
7327 Zeichen · 85 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    stolesw. F. (n)

    Köbler Ae. Wörterbuch

    stole , sw. F. (n) nhd. langes Überkleid Hw.: vgl. an. stōli, lat.-ahd.? stōla, afries. stōle I.: Lw. lat. stola E.: s. …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    STÔLEstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    STÔLE stf. das gottesdienstliche hauptgewand der priester: eine breite binde, die ihnen bei amtsverrichtungen um den hal…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    stole

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +1 Parallelbeleg

    stole, f. Stola, Binde des Messpriesters.

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    stolef.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    stole ( stola ), f. , priesterliches gewandstück in der altgläubigen kirche, lat. stola ' langes talarförmiges kleid ' a…

  5. modern
    Dialekt
    Stole

    Elsässisches Wb.

    Stol e [ʿStùl Barr ] m. Stola. Wë nn de r Pfarrer Mëss lëst, het er de n S. an. — Bayer. 2, 751.

  6. Spezial
    stolé

    Ladinisch-Deutsch (Mischí)

    stolé [sto·lę́] vb.intr. (stola) (peté fora) schlagen, ausschlagen, keilen, mit den Hinterfüßen ausschlagen.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stole

20 Bildungen · 8 Erstglied · 11 Zweitglied · 1 Ableitungen

stole‑ als Erstglied (8 von 8)

St¹leken

WWB

stole·ken

Sto¹leken n. [verstr.] 1. kleiner, niedriger Stuhl; Schemel, Hocker. — Sprichw.: Bai sick en silwern Staihlken metbrenget, well opp’em gülle…

stôl(e)māker(e)

MNWB

stôl(e)māker(e) (stool- , stoil- , stoͤle-) , stuͦle- , m. , Hersteller von Stühlen, Stuhlmacher .

stolenband

DWB

stolen·band

stolenband , n. , band, aus welchem die stole besteht: in der capelle zu Fernberg drüben, da knieten sie vor dem traualtar. der caplan legt …

st¹lerig

WWB

stole·rig

sto¹lerig Adj. (von hindernden Gegenständen) sperrig, im Wege stehend ( Bek Vh).

stôlerve

MNWB

stol·erve

° stôlerve , m. , vom Papst als Stuhlerbe Petri (Nic. Gryse Spegel Kk 2 r u. Mm 2 v).

stole als Zweitglied (11 von 11)

pistole

BWB

-pistole Band 2, Spalte 2,943

Pistole

RDWB1

Pistole f j-m die Pistole auf die Brust setzen idiom. - см. RDWB1 Brust wie aus der Pistole geschossen idiom. - пулей (вбежать, выбежать, не…

apostole

KöblerMhd

apost·ole

apostole , sw. M., st. M. nhd. Apostel ÜG.: lat. apostolus BrTr, discipulus STheol Hw.: s. apostel; vgl. mnl. apostel, mnd. apostel Q.: LBar…

epistole

Lexer

epi·stole

epistole swf. brief Evang. 252 a . aus grlat. epistola .

gürtelstole

MWB

gürtel·stole

gürtelstole stF. ‘als Gürtel dienendes (stolenbreites?) Band’ (vgl. gürtelbant): [der Läufer (Schachfigur)] trug an siner gurtilstol / eine …

kronpistole

DWB

kron·pistole

kronpistole , f. eine französische goldmünze, 9 reichsthaler an wert. Krünitz 53, 612 .

pistole

DWB

pis·tole

pistole , f. eine angeblich im 16. jahrh. zuerst in Spanien in umlauf gekommene goldmünze, im 17. jahrh. entlehnt aus franz. pistole, ital. …

sackpistole

DWB

sack·pistole

sackpistole , f. kleine pistole, die man in der tasche trägt: justizräthin (zieht eine sackpistole hervor). H. L. Wagner theater d. Deutsche…

Ableitungen von stole (1 von 1)

gestôle

Lexer

ge-stôle stn. s. gestüele.