zopf,
m. herkunft und form. zopf
ist ein gemeingermanisches wort, ahd. zoph Graff 5, 640,
mhd. zopf
mhd. wb. 3, 946
b; Lexer 3, 1149,
mnd. nd. nl. top(p),
ags. topp Bosworth-Toller 1002
b an. toppr Fritzner 3, 712
a,
schw. topp,
dän. top.
ebenso alt ist das ablautsverhältnis zu mhd. und heute tirol. und kärnt. zipf
mhd. wb. 3, 901
a, Lexer 3, 1131,
kärnt. wb. 266, Schöpf
tirol. id. 829,
mhd. nhd. zipfel,
me. tip Stratmann-Bradley 610
a,
ne. dän. tip,
schw. tipp (
ags. und an. nicht nachgewiesen),
auszerdem zu zapfen,
mhd. zapfe,
ahd. zapho Graff,
mnd. tappe Lübben-Walther 399
a,
ags. tæppa Bosworth-Toller 970
a,
me. tappe Stratmann-Bradley 602
b.
dies wird zwischen zipf
und zapfen
allgemein anerkannt, für zopf
bestritten wegen des vocalismus von Kluge
7 507
b,
nur zögernd angenommen von Hirt
bei Weigand
5 2, 1302,
doch s. Sievers
in Paul-Braune
beitr. 16, 237.
die formen mit infigiertem nasal mhd. zumpf, zumpe
penis und mnd. timpe
zipfel. die versuche, diese wörter weiter zurück zu verfolgen, haben noch keine ergebnisse gebracht, durch welche die bedeutungen befriedigend erklärt würden, vgl. Fick
4 1, 453; 3, 155. 164. 168; Falk-Torp 1237.
am nächsten steht die russ. wortgruppe dyba
wippe, dybit's'a
sich sträuben, zu berge stehn, stat' na dybkí
anfangen zu stehn, von kindern, stat' na dybý
sich bäumen, dybom
aufrecht, s. Franck
2 703
a.
jedenfalls weist die alte consonantenverdoppelung auf eine entwicklung vor dem germanischen, s. Wilmanns
2 1, 166.
im französischen erscheint es auf grund alter entlehnung als toupet.
bedeutung. zopf
ohne nähere bestimmung ist für uns die haarflechte, insbesondere eines weibes. diese bedeutung ist aber verhältnismäszig jung und räumlich begrenzt. sie ist auf hochdeutschem boden entstanden und noch heute dem hd. eigenthümlich, während sie den andern germ. sprachen fremd geblieben und auch von den nd. mdaa. nicht allgemein aufgenommen ist. dem nl. fehlt sie, für das nd. verzeichnet sie nur Diefenbach: toppe der vruwen
nov. gloss. 90
b.
auf dem ganzen germ. gebiet finden sich die bedeutungen haarschopf, haarbüschel, auch bei thieren; büschel von wolle, von hanf, flachs; baumwipfel. mit ausnahme des hd. ist es ferner allgemein das oberste, die spitze, bes. eines berges, eines mastes, auch der scheitel (
an.; im ags. und me. ist es sogar kopf).
ursprünglich bezeichnete es entweder den germ. am wirbel zusammengebundenen haarschopf Heyne
hausaltert. 3, 81,
oder auch einen baumwipfel. von beiden aus lassen sich die verschiedenen einzelbedeutungen entwickeln, vgl. bei schopf
th. 9, 1527
ff. schwierig bleibt das verhältnis zu den ablautsverwandten. nd. nl. e. skandin. tip
bezeichnet wohl von hause aus das äuszerste ende eines hervorragenden körpertheils, haar, nase, finger, zeh, bei zapfen
kommt man aber auf die in tannzapfen
enthaltene bedeutung. es wird das urwort schon in vorgerm. zeit den haarschopf und das ihm ähnliche triebende von pflanzen nebeneinander ausgedrückt haben. für das hd. ist von der vorherrschenden bedeutung auszugehen. II. zopf
für haarflechte, vgl. bei haarzopf
th. 4, 2, 42.
diese bedeutung hat das wort bekommen, als die deutschen frauen anfingen, ihre haare geflochten zu tragen. wann das geschehen, ist eine frage der hausalterthümer, s. Heyne 3, 82.
was die ahd. glossen zophe
cicinni, zopfe
anciae meinen, ist nicht deutlich, jedenfalls wurde das dem lat. cincinnus nahe cirrus noch lange zur glossierung von zopf
gebraucht Stieler 766; Spieser (
Basel 1700) 2, 434
a.
im mhd. ist jedenfalls die bedeutung '
flechte'
die herrschende, wie die belege in den wbb. zeigen. dem entsprechen die erklärungen der älteren nhd. wbb.: geflecht oder zopf
trica voc. theut. 1482 k iiii
b; zopf
trica Brack; zopf oder sunst geflochten ding Dasypodius 467
a;
spirae zöpfe Golius 265.
ein altes wort ist daneben flechte,
s. th. 3, 1738,
welches wohl immer, jedenfalls heute ausschlieszlich bei frauen gebraucht wird. es ist ein gewisser unterschied da, flechte
ist gleichsam körperlicher als zopf,
das ding mehr für sich, ohne rücksicht auf die trägerin, nach breite, schwere, farbe betrachtet. I@11)
vorwiegend wird zopf
von der haarflechte der frauen gebraucht, denen diese ordnung der haare als die natürlichste, gesundeste und einfachste eigenthümlich ist. I@1@aa) der zopf wird zusammengebunden, gemacht, zu rechtgemacht, geflochten:
cirrus haarzopf, zusammengebunden haar Golius 118; zöpfe machen Dentzler 364
b; helfet mir den zopf machen (
einladung zur hochzeit an die freundinnen der braut im Schwarzwald) Scherz 2, 2113; er scheint zu fragen, ob das liebchen die zöpfe schon zurecht gemacht Mörike 1, 31; und ains tages das har mit wyplichem flysz durch ire junkfrowen kämen liesze und ... zöpff darusz flechten Steinhöwel
de claris mulieribus 26; als die junckfrawen der künigin einen zopf hetten geflochten, stunde auf die künigin mit dem anderen ungeflochten zopf Eyb 1, 31; welch ungebetne hand hat diese zöpfe künstlich mir geflochten Schiller 15, 1, 23; guck, wie spröd' sie thut zum scheine, trutzig ihre zöpfe flicht Mörike 3, 106; am morgen konnte sie mit dem zöpfeflechten nur langsam fertig werden Viebig
d. schlafende heer 2, 275.
das haar wird in einen zopf geflochten
oder gebunden: die erwachsenen russischen jungfrauen ... lassen sie (
die haare) in einen zopf geflochten auf dem rücken, ... hangen Olearius
vermehrte reisebeschr. 91; allein die allgemeine sitte schlang das in zöpfe geflochtene, ... haar auf dem scheitel in einen knoten Böttiger
kl. schr. 3, 291; ihr haar war an der stirne und schläfen straff zurückgestrichen und hinten in einen starken zopf gebunden Keller 6, 33.
umgekehrt werden die zöpfe aufgeflochten, ausgeflochten,
älter auch aufgethan: Line, die .. ihren blonden zopf halb aufgeflochten hatte Fontane I 6, 367; flicht deine zöpfe aus
Jes. 47, 2 (flichte deine zöpfe auf
Züricher bibel, nieders. flechte dinen flechtsnur uth Stade 759); die zupfen aufthuon, oder ausz einanderen thuon
expedire comas Maaler 533
r.
die meisten winden
oder legen die zöpfe
um den kopf, oder binden sie auf,
wofür ältere ausdrücke sind auf machen, aufschmücken, aufstricken: lange schwarze haare waren in locken und zöpfen um den kopf gekräuselt und gewunden Göthe 21, 142
Weim.; die prachtvollen kastanienbraunen haare waren, in schwere zöpfe geflochten, um den edel geformten kopf gelegt Ebner-Eschenbach 4, 43; und sie band ihre immer noch glänzend schwarzen zöpfe auf, nahm einen breiten strohhut darüber Keller 4, 202; die haare in zöpfe geflochten und aufgebunden H. L. Wagner
theaterstücke 5; ich weisz nichts, ..., als dasz sie (
Evchen Humbracht) heut in aller früh sich die zöpf aufmachte, ein bonnet rond aufsetzte und fortgieng 114; sie (
Eva) liesz ihre unaufgeschmückten güldene zöpfe bis auf die dünne weiche hinunter fallen Bodmer
v. d. wunderbaren 323; das haar hett sie gepflantzet fein und ihr gar schön geflochten ein, die zöpf gestricket auf darbey Spreng
Ilias 191
a. I@1@bb)
schöne zöpfe gelten als ein besonderer reiz der frauen, insbesondere der jungen mädchen, am meisten für die sie darstellenden, besingenden, verehrenden männer: frau Dörr ..., die ungemein stolz auf ihren echten zopf war Fontane I 5, 248; ihr wisset auch was mir geschehen ist, dasz ich meiner metzen (
braut) in die zöpfe geflochten bin
briefe 3, 9;
achetez de ce beau ruban, pour les tresses de votre maitresse kaufet von diesem schönen band, euer allerliebsten zu zöpfen Duez
nomenclatura (1652) 61; deine sehr-schöne-geflammeten zöpfe gleichen dem klee und weichen ihm nicht Zesen
vermehrter Helikon 3, 19; haar, das sich in braunen zöpfen verwirrt um gelbe nacken schwingt Kästner 1, 122; ach! so ein schönes, schlankes, nettes kind, in der allerliebsten Zürchbieter tracht! wie ihm die goldfarbnen zöpf so fein herunterhiengen! Bräker 1, 62; und ihr im schmuck der lange zöpfe, ihr Schwarzwaldmädchen, braun und schlank Freiligrath 1, 12. I@1@cc)
die zöpfe
sind auch die schwache stelle der frauen, an welchen sie zum spasz gezerrt oder zu allerlei miszhandlung gepackt werden: Rienäcker ... ziepte .. die ... portierstochter von hinten am zopf Fontane I 5, 156; du wirst vielleicht auf Venus dich verlassen und üben nur die zöpfe recht zu fassen Morhof
unterr. v. d. d. spr. 1, 802; wolt euch wol bei den zöpffn umbziehen und ewers hochmuts sein ein brecher (
droht der knecht der köchin) H. Sachs 17, 181
Keller-Götze, wer es ein ee gewesen vor, ich nem myn trütlin by dem hor und wolt die zöpff im also flechten, das nit ein jeder strel kündt schlechten, als ich in myner kunst wol kan Murner
narrenbeschw. 242
neudr.; die dritt erwischt sie bei dem zopf und schlägt an hals ir gleich die flesch Fischart
Eulenspiegel 336
Hauffen; gleich darauf begann auch ein mädchen unterdrückt zu schluchzen, das er plötzlich am kopf gezerrt, weil es sein brot hatte auf die erde fallen lassen Keller 3, 128; (
Friedrich) stürzte wüthend in die stube, wo der alte Hirschbauer seine tochter soeben an den zöpfen ergriffen hatte und die hand aufhob, sie zu schlagen Kurz
sonnenwirth (1874) 1, 166; reisz ir mit har ausz einen zopf und drollt mit dem zopf in das hausz H. Sachs 9, 282
Keller-Götze; unde furten (
die Ungarn 912) vile frauwen .... mit sich, mit den haren unde mit den czoppen zusammengestricket unde mit seilen durch ire bruste gebunden Wigand Gerstenberg
chron. 69. I@1@dd)
der zopf,
als merkmal der frau, wird nach dem alten schwäb. und bair. recht beim eid berührt J. Grimm
rechtsaltert. 4 2, 548,
wo weitere belege: Hans v. Au und Elsbeth seine hausfrau verkauften i. j. 1429 an Rotweil güter zu Dreiszlingen; sie gelobten den kauf mit hand und mund, mit zopf und brust Schmid
schwäb. wb. 550.
der zopf
wird auch geopfert: sy (
die schäfersfrau, die vom blitz verschont wird, der den mann tötete) ted bosze und trugk ore czopphe keyn Wiszensee zu sente Conrade Stolle
thür. chron. 189.
auch sonst gilt der zopf
als merkmal des weiblichen geschlechts: die weiber in mannshüten, die männer in weibischen zöpfen aufziehen Dannhawer
catechismusmilch 2, 96; dieser Jochen war .... eine klein gewachsene arme witwe ..., die .... die kleider eines verstorbenen zwölfjährigen sohnes anzog, den zopf abschnitt und sich so ..... unter die buben mischte Keller 2, 234.
so bezeichnete man in ungalanten zeiten das weib als das thier, welches zöpfe trägt: darumb wer sich nicht will bemühen, soll vor dem thier, welchs zöpf hat, flihen Fischart
philos. ehzuchtbüchl. 268
Hauffen; wer ruw und frid wil haben, der ht sich vor dem thier das zöpff hat Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 132; man friszt die thier nicht, die zöpff tragen Harsdörf fer
frauenzimmergesprechsp. 2, 339; von dannen rührt ursprünglich her, dasz die weiber den hoffart-kitzel haben, und kein stoltzers thier auf erden anzutreffen, als dasjenige, welches zöpf tragt Abraham a St. Clara
Judas d. ertzschelm 2, 267.
ähnlich: ach wann einer uber ein bar zöpff fellt, dem gnad gott Nas
antipap. eins u. hundert 4, 363
a. I@1@ee) zopf, zöpfe
ist kurzweg die alte, noch vielfach auf dem lande, in der städtischen tracht im kindes- und backfischalter übliche haartracht, die zöpfe
frei herabhängen zu lassen, vgl. Heyne
hausaltert. 3, 82.
daher früher magtzopf voc. theut. 1482 t IIII
r.
so heiszt es: sie trägt einen zopf, zöpfe: sunder sal sint der meide kleider, ir zöpfe val Neidhart 14, 38; a propos Tübingen! dort sind mädchen, die tragen die zöpfe lang geflochten
xenien 29; vergegenwärtigte ich mir vollends den hübschen backfisch mit .... den schwarzen zöpfen Gaudy 2, 112; die gestalt eines mädchens, ... das haar in dicken blonden zöpfen Storm 1, 100; Gretchen war ein zierliches püppchen, mit sorgfältig geflochtenem, gelben zopf, der nie ohne buntes band war Polenz
Grabenhäger 1, 258. I@1@ff) zöpfe
sind falsche zöpfe: die zöpf, die die frauen machen, da kein oder wenig har ist, und nemen fremd har und ist etwen todten har, das sie darin binden Keisersberg
brösamb. 1, 96
a; auch trugen frauen und jungfrauen zöpfe von einem pfund seiden, von 4 heupfarben, bis an die erden lang, unten mit gold verbunden Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 279; die muter kauft ir (
der tochter) ein rock oder drie, zwen mentel, ein schwebisch schürz auch dabei, wezker, schwebisch ermel, güldn gürtl, schnür und zopf, das sie ir bindet umb den kopf Schade
satiren u. pasqu. 1, 168. I@22) zopf
bei männern. I@2@aa)
wurde und wird gebraucht, so oft geflochtene haare als männlicher kopfschmuck aufkam, und wo dies bei fremden völkern beobachtet wird, vgl. Heyne
hausaltert. 3, 71;
mhd. wb. 3, 947
a; Lexer 3, 1150
b. Albrecht III., mit dem zopf, der noch zu Laxenburg vorhanden sein soll S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn 444 (
vgl.zopfgesellschaft); und hette jeder (
von den kaiserlichen kammerdienern) von eignem haar ein zopff auf das lengst vorn ab über seyn angesicht hangen Kirchhof
wendunmuth 2, 65; ich wuste nicht, ob er (
der offizier) sie oder er wäre, denn er trug haar und bart auf frantzösisch, zu beyden seiten hatte er lange zöpff herunterhangen, wie pferds schwäntz Grimmelshausen 1, 119
Keller; das übrig har lassen sie (
die Tartaren) lang wachsen und machen zwen zöpff darauss Seb. Münster
cosmogr. 1956; diese (
haartracht polynesischer eingeborenen) besteht nämlich aus lauter kleinen zöpfen, die kaum so dick als die spule einer taubenfeder ... sind Forster 2, 211; bei einer bedauerlichen mehrheit unserer landsleute beschränkt sich das wissen vom himmlischen reiche auf den zopf Peschel
völkerkunde 384. I@2@bb)
ist insbesondere der von Friedrich Wilhelm I. zur vereinfachung der haartracht eingeführte zopf, auch der preuszische zopf
genannt, der im 18.
jh. als männertracht allgemein üblich war. I@2@b@aα)
der zopf
ist die militärische haartracht, der musketierzopf Voss
antisymb. 2, 184: die haare müssen entweder in einen zopf geflochten, oder derb unter den hut gesteckt werden Fleming
d. vollk. deutsche soldat 25; sie (
die grenadiere) ... hatten auf den gepuderten häuptern über den steinharten zöpfen hohe spitze grenadiermützen sitzen Kerner
bilderbuch 7; bei einer wohl eingerichteten compagnie soldaten, bei der jeder ... zopf so dick, als der andere ... ist Nicolai
Seb. Nothanker 1, 37; hier steht er wirklich auf dem kopfe, und hier als männlicher soldat mit degen, hut und langem zopfe Göthe 4, 224
Weim.; ein derber gesunder landjunker mit ungeheuern stiefeln, einem preuszischen zopfe und tressenhut Cl. Brentano
Godwi 1, 31. I@2@b@bβ)
der zopf
gehörte zum anständigen anzug eines mannes: nun siehst du doch aus wie ein mensch, nur fehlt der zopf, in den ich deine haare einzubinden bitte, sonst hält man dich doch einmal unterweges als juden an und fordert zoll und geleit von dir Göthe 23, 136
Weim.; ihr (
anrede) zopf ist noch gut, die frisur passiert für den abend Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 28.
daher Spiegelbergs aufforderung: will er itzt gleich den zopf hinaufschlagen und mit mir zum teufel gehn Schiller 2, 83 (
räuber 2, 3). I@2@b@gγ)
der zopf
ist für die spätere zeit das kennzeichen und symbol des 18.
jhs. geblieben: wir möchten doch wohl nicht ein bild aus dem siebenjährigen kriege sehn, wo Schwerin ohne zopf dargestellt wäre Fouqué
gefühle, bilder 1, 259; verschnittnes haar im schopfe macht nicht allein den mann, — ich halt' es mit dem zopfe, wenn solche männer dran Fontane
ged. 258 (
der alte Dessauer).
dazu kam, besonders im anfang der zopflosen zeit, die vorstellung des altmodischen und ferner des überlebten zwanges: dasz der menschenfeind .... einen altmodischen blauen rock mit einem kleinen zopf hatte Brinkmann
Athenäum 2, 322; ja wahrlich, jeder gegenwärtige augenblick ist stets ein homo novus, ein emporkömmling, und die vergangenheit, selbst mit dem zopf und der beutelperücke und im reifrocke erscheint merkwürdig als der vornehme herr und die erlauchte gnädige dame Raabe
ges. erz. 3, 247; zuletzt wurden noch ein uhlanenschnürleib, ein zopf und ein corporalstock verbrannt (
beim Wartburgfest) Treitschke 2, 427.
das ablegen der zopftracht war daher mehr als ein wechsel der mode, ein übergang in ein neues zeitalter: heute morgen entschlosz ich mich kurz und gut, ohne einem menschen ein wort davon zu sagen, meinen zopf zu verabschieden Forster 8, 300; er (
Jean Paul) ging dort nach englischer mode mit entblöszter brust und abgeschnittenem zopfe Gervinus
gesch. d. d. dichtung 5, 208; der zopf fiel hinweg, die truppen erhielten zweckmäszigere waffen und kleider Treitschke
d. geschichte 2, 293. I@33) zopf
als sinnbild des 18.
jhs. bezeichnet I@3@aa)
die veralteten politischen und sozialen zustände, den geist des rationalismus und absolutismus. er verbindet sich gern mit philister
und perrücke,
bei militärischen verhältnissen mit gamasche.
der ausdruck musz in der sprache der studenten um die zeit der befreiungskriege aufgekommen sein. er ist wahrscheinlich erst eine abstraction aus der wendung den, einen zopf abschneiden,
welche zur zeit der reformen Scharnhorsts eine zeitgeschichtliche bedeutung bekommen haben würde, zunächst in militärischen kreisen. der erste literarische beleg, von 1815,
ist in der zusammensetzung zopfwesen
enthalten, s. unten sp. 90,
und setzt den ausdruck als allgemein bekannt voraus. auch ist die verbrennung des zopfes auf dem Wartburgfeste 1817,
vgl. den beleg aus Treitschke
bei 2,
nicht zu denken, ohne dasz der zopf schon zum symbol der rückständigkeit geworden war: der zopf der hängt ihm hinten Chamisso 3, 94 (
trag. gesch.) (1.
druck 1821/22
nach Gödeke 6, 141); wider zopf und philisterei!
burschen heraus! (
studentenlied anfang der 40
er); daneben war freilich viel philisterei und residenzlerei, und im bürgerstande viel zopf Hoffmann v. Fallersleben
leben 6, 2; die mitglieder des collegiums machten mir einen würdigern eindruck als die Aachner, aber doch in ihrer gesammtheit den eindruck von zopf und perrücke Bismarck
ged. u. erinn. 1, 28
volksausg. weiter bekam es den allgemeineren sinn von verstockter, unbeweglicher pedanterie: Mack war .... ein wahrhaft exemplarischer ausdruck des sprichwörtlich gewordenen zopfes des kaiserlichen hofkriegsrathes Häuszer
deutsche gesch. 2, 604; dies geschieht wenn er die schulweisheit und den gelehrten zopf daheim läszt Stöckhardt
chem. feldpredigten 1, vii; wir alle litten in unserer jugend unter dem einflusz dieser genialitätssucht, die, .... planmäszige arbeit als zopf verfehmte Riehl
deutsche arbeit 281.
der zopf ist schlieszlich ein einzelner veralteter zustand, der abgeschnitten oder abgehauen werden musz: eine partei ... war damit einverstanden, dem schauspieler den hervorruf zu verschaffen und ... diesen alten zopf abzuhauen (
dasz die schauspieler einem hervorruf nicht folgen durften) Laube 16, 104; der armeezopf liegt erstochen, Jenas zopf ist auch gerochen, doch manch andrer macht sich breit! wann zerfetzt uns die ein retter? Ludwig, schick ein donnerwetter in die zöpfe dieser zeit! Freiligrath 3, 35.
dieselbe bedeutung in zusammensetzungen wie