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zopf

ahd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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19 in 18 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zopf m.

Bd. 32, Sp. 75
zopf, m. herkunft und form. zopf ist ein gemeingermanisches wort, ahd. zoph Graff 5, 640, mhd. zopf mhd. wb. 3, 946b; Lexer 3, 1149, mnd. nd. nl. top(p), ags. topp Bosworth-Toller 1002b an. toppr Fritzner 3, 712a, schw. topp, n. top. ebenso alt ist das ablautsverhältnis zu mhd. und heute tirol. und kärnt. zipf mhd. wb. 3, 901a, Lexer 3, 1131, kärnt. wb. 266, Schöpf tirol. id. 829, mhd. nhd. zipfel, me. tip Stratmann-Bradley 610a, ne.n. tip, schw. tipp (ags. und an. nicht nachgewiesen), auszerdem zu zapfen, mhd. zapfe, ahd. zapho Graff, mnd. tappe Lübben-Walther 399a, ags. tæppa Bosworth-Toller 970a, me. tappe Stratmann-Bradley 602b. dies wird zwischen zipf und zapfen allgemein anerkannt, für zopf bestritten wegen des vocalismus von Kluge 7 507b, nur zögernd angenommen von Hirt bei Weigand 5 2, 1302, doch s. Sievers in Paul-Braune beitr. 16, 237. die formen mit infigiertem nasal mhd. zumpf, zumpe penis und mnd. timpe zipfel. die versuche, diese wörter weiter zurück zu verfolgen, haben noch keine ergebnisse gebracht, durch welche die bedeutungen befriedigend erklärt würden, vgl. Fick4 1, 453; 3, 155. 164. 168; Falk-Torp 1237. am nächsten steht die russ. wortgruppe dyba wippe, dybit's'a sich sträuben, zu berge stehn, stat' na dybkí anfangen zu stehn, von kindern, stat' na dybý sich bäumen, dybom aufrecht, s. Franck 2 703a. jedenfalls weist die alte consonantenverdoppelung auf eine entwicklung vor dem germanischen, s. Wilmanns 2 1, 166. im französischen erscheint es auf grund alter entlehnung als toupet. bedeutung. zopf ohne nähere bestimmung ist für uns die haarflechte, insbesondere eines weibes. diese bedeutung ist aber verhältnismäszig jung und räumlich begrenzt. sie ist auf hochdeutschem boden entstanden und noch heute dem hd. eigenthümlich, während sie den andern germ. sprachen fremd geblieben und auch von den nd. mdaa. nicht allgemein aufgenommen ist. dem nl. fehlt sie, für das nd. verzeichnet sie nur Diefenbach: toppe der vruwen nov. gloss. 90b. auf dem ganzen germ. gebiet finden sich die bedeutungen haarschopf, haarbüschel, auch bei thieren; büschel von wolle, von hanf, flachs; baumwipfel. mit ausnahme des hd. ist es ferner allgemein das oberste, die spitze, bes. eines berges, eines mastes, auch der scheitel (an.; im ags. und me. ist es sogar kopf). ursprünglich bezeichnete es entweder den germ. am wirbel zusammengebundenen haarschopf Heyne hausaltert. 3, 81, oder auch einen baumwipfel. von beiden aus lassen sich die verschiedenen einzelbedeutungen entwickeln, vgl. bei schopf th. 9, 1527 ff. schwierig bleibt das verhältnis zu den ablautsverwandten. nd. nl. e. skandin. tip bezeichnet wohl von hause aus das äuszerste ende eines hervorragenden körpertheils, haar, nase, finger, zeh, bei zapfen kommt man aber auf die in tannzapfen enthaltene bedeutung. es wird das urwort schon in vorgerm. zeit den haarschopf und das ihm ähnliche triebende von pflanzen nebeneinander ausgedrückt haben. für das hd. ist von der vorherrschenden bedeutung auszugehen. II. zopf für haarflechte, vgl. bei haarzopf th. 4, 2, 42. diese bedeutung hat das wort bekommen, als die deutschen frauen anfingen, ihre haare geflochten zu tragen. wann das geschehen, ist eine frage der hausalterthümer, s. Heyne 3, 82. was die ahd. glossen zophe cicinni, zopfe anciae meinen, ist nicht deutlich, jedenfalls wurde das dem lat. cincinnus nahe cirrus noch lange zur glossierung von zopf gebraucht Stieler 766; Spieser (Basel 1700) 2, 434a. im mhd. ist jedenfalls die bedeutung 'flechte' die herrschende, wie die belege in den wbb. zeigen. dem entsprechen die erklärungen der älteren nhd. wbb.: geflecht oder zopf trica voc. theut. 1482 k iiiib; zopf trica Brack; zopf oder sunst geflochten ding Dasypodius 467a; spirae zöpfe Golius 265. ein altes wort ist daneben flechte, s. th. 3, 1738, welches wohl immer, jedenfalls heute ausschlieszlich bei frauen gebraucht wird. es ist ein gewisser unterschied da, flechte ist gleichsam körperlicher als zopf, das ding mehr für sich, ohne rücksicht auf die trägerin, nach breite, schwere, farbe betrachtet. I@11) vorwiegend wird zopf von der haarflechte der frauen gebraucht, denen diese ordnung der haare als die natürlichste, gesundeste und einfachste eigenthümlich ist. I@1@aa) der zopf wird zusammengebunden, gemacht, zu rechtgemacht, geflochten: cirrus haarzopf, zusammengebunden haar Golius 118; zöpfe machen Dentzler 364b; helfet mir den zopf machen (einladung zur hochzeit an die freundinnen der braut im Schwarzwald) Scherz 2, 2113; er scheint zu fragen, ob das liebchen die zöpfe schon zurecht gemacht Mörike 1, 31; und ains tages das har mit wyplichem flysz durch ire junkfrowen kämen liesze und ... zöpff darusz flechten Steinhöwel de claris mulieribus 26; als die junckfrawen der künigin einen zopf hetten geflochten, stunde auf die künigin mit dem anderen ungeflochten zopf Eyb 1, 31; welch ungebetne hand hat diese zöpfe künstlich mir geflochten Schiller 15, 1, 23; guck, wie spröd' sie thut zum scheine, trutzig ihre zöpfe flicht Mörike 3, 106; am morgen konnte sie mit dem zöpfeflechten nur langsam fertig werden Viebig d. schlafende heer 2, 275. das haar wird in einen zopf geflochten oder gebunden: die erwachsenen russischen jungfrauen ... lassen sie (die haare) in einen zopf geflochten auf dem rücken, ... hangen Olearius vermehrte reisebeschr. 91; allein die allgemeine sitte schlang das in zöpfe geflochtene, ... haar auf dem scheitel in einen knoten Böttiger kl. schr. 3, 291; ihr haar war an der stirne und schläfen straff zurückgestrichen und hinten in einen starken zopf gebunden Keller 6, 33. umgekehrt werden die zöpfe aufgeflochten, ausgeflochten, älter auch aufgethan: Line, die .. ihren blonden zopf halb aufgeflochten hatte Fontane I 6, 367; flicht deine zöpfe aus Jes. 47, 2 (flichte deine zöpfe auf Züricher bibel, nieders. flechte dinen flechtsnur uth Stade 759); die zupfen aufthuon, oder ausz einanderen thuon expedire comas Maaler 533r. die meisten winden oder legen die zöpfe um den kopf, oder binden sie auf, wofür ältere ausdrücke sind auf machen, aufschmücken, aufstricken: lange schwarze haare waren in locken und zöpfen um den kopf gekräuselt und gewunden Göthe 21, 142 Weim.; die prachtvollen kastanienbraunen haare waren, in schwere zöpfe geflochten, um den edel geformten kopf gelegt Ebner-Eschenbach 4, 43; und sie band ihre immer noch glänzend schwarzen zöpfe auf, nahm einen breiten strohhut darüber Keller 4, 202; die haare in zöpfe geflochten und aufgebunden H. L. Wagner theaterstücke 5; ich weisz nichts, ..., als dasz sie (Evchen Humbracht) heut in aller früh sich die zöpf aufmachte, ein bonnet rond aufsetzte und fortgieng 114; sie (Eva) liesz ihre unaufgeschmückten güldene zöpfe bis auf die dünne weiche hinunter fallen Bodmer v. d. wunderbaren 323; das haar hett sie gepflantzet fein und ihr gar schön geflochten ein, die zöpf gestricket auf darbey Spreng Ilias 191a. I@1@bb) schöne zöpfe gelten als ein besonderer reiz der frauen, insbesondere der jungen mädchen, am meisten für die sie darstellenden, besingenden, verehrenden männer: frau Dörr ..., die ungemein stolz auf ihren echten zopf war Fontane I 5, 248; ihr wisset auch was mir geschehen ist, dasz ich meiner metzen (braut) in die zöpfe geflochten bin briefe 3, 9; achetez de ce beau ruban, pour les tresses de votre maitresse kaufet von diesem schönen band, euer allerliebsten zu zöpfen Duez nomenclatura (1652) 61; deine sehr-schöne-geflammeten zöpfe gleichen dem klee und weichen ihm nicht Zesen vermehrter Helikon 3, 19; haar, das sich in braunen zöpfen verwirrt um gelbe nacken schwingt Kästner 1, 122; ach! so ein schönes, schlankes, nettes kind, in der allerliebsten Zürchbieter tracht! wie ihm die goldfarbnen zöpf so fein herunterhiengen! Bräker 1, 62; und ihr im schmuck der lange zöpfe, ihr Schwarzwaldmädchen, braun und schlank Freiligrath 1, 12. I@1@cc) die zöpfe sind auch die schwache stelle der frauen, an welchen sie zum spasz gezerrt oder zu allerlei miszhandlung gepackt werden: Rienäcker ... ziepte .. die ... portierstochter von hinten am zopf Fontane I 5, 156; du wirst vielleicht auf Venus dich verlassen und üben nur die zöpfe recht zu fassen Morhof unterr. v. d. d. spr. 1, 802; wolt euch wol bei den zöpffn umbziehen und ewers hochmuts sein ein brecher (droht der knecht der köchin) H. Sachs 17, 181 Keller-Götze, wer es ein ee gewesen vor, ich nem myn trütlin by dem hor und wolt die zöpff im also flechten, das nit ein jeder strel kündt schlechten, als ich in myner kunst wol kan Murner narrenbeschw. 242 neudr.; die dritt erwischt sie bei dem zopf und schlägt an hals ir gleich die flesch Fischart Eulenspiegel 336 Hauffen; gleich darauf begann auch ein mädchen unterdrückt zu schluchzen, das er plötzlich am kopf gezerrt, weil es sein brot hatte auf die erde fallen lassen Keller 3, 128; (Friedrich) stürzte wüthend in die stube, wo der alte Hirschbauer seine tochter soeben an den zöpfen ergriffen hatte und die hand aufhob, sie zu schlagen Kurz sonnenwirth (1874) 1, 166; reisz ir mit har ausz einen zopf und drollt mit dem zopf in das hausz H. Sachs 9, 282 Keller-Götze; unde furten (die Ungarn 912) vile frauwen .... mit sich, mit den haren unde mit den czoppen zusammengestricket unde mit seilen durch ire bruste gebunden Wigand Gerstenberg chron. 69. I@1@dd) der zopf, als merkmal der frau, wird nach dem alten schwäb. und bair. recht beim eid berührt J. Grimm rechtsaltert. 4 2, 548, wo weitere belege: Hans v. Au und Elsbeth seine hausfrau verkauften i. j. 1429 an Rotweil güter zu Dreiszlingen; sie gelobten den kauf mit hand und mund, mit zopf und brust Schmid schwäb. wb. 550. der zopf wird auch geopfert: sy (die schäfersfrau, die vom blitz verschont wird, der den mann tötete) ted bosze und trugk ore czopphe keyn Wiszensee zu sente Conrade Stolle thür. chron. 189. auch sonst gilt der zopf als merkmal des weiblichen geschlechts: die weiber in mannshüten, die männer in weibischen zöpfen aufziehen Dannhawer catechismusmilch 2, 96; dieser Jochen war .... eine klein gewachsene arme witwe ..., die .... die kleider eines verstorbenen zwölfjährigen sohnes anzog, den zopf abschnitt und sich so ..... unter die buben mischte Keller 2, 234. so bezeichnete man in ungalanten zeiten das weib als das thier, welches zöpfe trägt: darumb wer sich nicht will bemühen, soll vor dem thier, welchs zöpf hat, flihen Fischart philos. ehzuchtbüchl. 268 Hauffen; wer ruw und frid wil haben, der ht sich vor dem thier das zöpff hat Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 132; man friszt die thier nicht, die zöpff tragen Harsdörf fer frauenzimmergesprechsp. 2, 339; von dannen rührt ursprünglich her, dasz die weiber den hoffart-kitzel haben, und kein stoltzers thier auf erden anzutreffen, als dasjenige, welches zöpf tragt Abraham a St. Clara Judas d. ertzschelm 2, 267. ähnlich: ach wann einer uber ein bar zöpff fellt, dem gnad gott Nas antipap. eins u. hundert 4, 363a. I@1@ee) zopf, zöpfe ist kurzweg die alte, noch vielfach auf dem lande, in der städtischen tracht im kindes- und backfischalter übliche haartracht, die zöpfe frei herabhängen zu lassen, vgl. Heyne hausaltert. 3, 82. daher früher magtzopf voc. theut. 1482 t IIIIr. so heiszt es: sie trägt einen zopf, zöpfe: sunder sal sint der meide kleider, ir zöpfe val Neidhart 14, 38; a propos Tübingen! dort sind mädchen, die tragen die zöpfe lang geflochten xenien 29; vergegenwärtigte ich mir vollends den hübschen backfisch mit .... den schwarzen zöpfen Gaudy 2, 112; die gestalt eines mädchens, ... das haar in dicken blonden zöpfen Storm 1, 100; Gretchen war ein zierliches püppchen, mit sorgfältig geflochtenem, gelben zopf, der nie ohne buntes band war Polenz Grabenhäger 1, 258. I@1@ff) zöpfe sind falsche zöpfe: die zöpf, die die frauen machen, da kein oder wenig har ist, und nemen fremd har und ist etwen todten har, das sie darin binden Keisersberg brösamb. 1, 96a; auch trugen frauen und jungfrauen zöpfe von einem pfund seiden, von 4 heupfarben, bis an die erden lang, unten mit gold verbunden Hennenberger preusz. landtafel (1595) 279; die muter kauft ir (der tochter) ein rock oder drie, zwen mentel, ein schwebisch schürz auch dabei, wezker, schwebisch ermel, güldn gürtl, schnür und zopf, das sie ir bindet umb den kopf Schade satiren u. pasqu. 1, 168. I@22) zopf bei männern. I@2@aa) wurde und wird gebraucht, so oft geflochtene haare als männlicher kopfschmuck aufkam, und wo dies bei fremden völkern beobachtet wird, vgl. Heyne hausaltert. 3, 71; mhd. wb. 3, 947a; Lexer 3, 1150b. Albrecht III., mit dem zopf, der noch zu Laxenburg vorhanden sein soll S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn 444 (vgl.zopfgesellschaft); und hette jeder (von den kaiserlichen kammerdienern) von eignem haar ein zopff auf das lengst vorn ab über seyn angesicht hangen Kirchhof wendunmuth 2, 65; ich wuste nicht, ob er (der offizier) sie oder er wäre, denn er trug haar und bart auf frantzösisch, zu beyden seiten hatte er lange zöpff herunterhangen, wie pferds schwäntz Grimmelshausen 1, 119 Keller; das übrig har lassen sie (die Tartaren) lang wachsen und machen zwen zöpff darauss Seb. Münster cosmogr. 1956; diese (haartracht polynesischer eingeborenen) besteht nämlich aus lauter kleinen zöpfen, die kaum so dick als die spule einer taubenfeder ... sind Forster 2, 211; bei einer bedauerlichen mehrheit unserer landsleute beschränkt sich das wissen vom himmlischen reiche auf den zopf Peschel völkerkunde 384. I@2@bb) ist insbesondere der von Friedrich Wilhelm I. zur vereinfachung der haartracht eingeführte zopf, auch der preuszische zopf genannt, der im 18. jh. als männertracht allgemein üblich war. I@2@b@aα) der zopf ist die militärische haartracht, der musketierzopf Voss antisymb. 2, 184: die haare müssen entweder in einen zopf geflochten, oder derb unter den hut gesteckt werden Fleming d. vollk. deutsche soldat 25; sie (die grenadiere) ... hatten auf den gepuderten häuptern über den steinharten zöpfen hohe spitze grenadiermützen sitzen Kerner bilderbuch 7; bei einer wohl eingerichteten compagnie soldaten, bei der jeder ... zopf so dick, als der andere ... ist Nicolai Seb. Nothanker 1, 37; hier steht er wirklich auf dem kopfe, und hier als männlicher soldat mit degen, hut und langem zopfe Göthe 4, 224 Weim.; ein derber gesunder landjunker mit ungeheuern stiefeln, einem preuszischen zopfe und tressenhut Cl. Brentano Godwi 1, 31. I@2@b@bβ) der zopf gehörte zum anständigen anzug eines mannes: nun siehst du doch aus wie ein mensch, nur fehlt der zopf, in den ich deine haare einzubinden bitte, sonst hält man dich doch einmal unterweges als juden an und fordert zoll und geleit von dir Göthe 23, 136 Weim.; ihr (anrede) zopf ist noch gut, die frisur passiert für den abend Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 28. daher Spiegelbergs aufforderung: will er itzt gleich den zopf hinaufschlagen und mit mir zum teufel gehn Schiller 2, 83 (räuber 2, 3). I@2@b@gγ) der zopf ist für die spätere zeit das kennzeichen und symbol des 18. jhs. geblieben: wir möchten doch wohl nicht ein bild aus dem siebenjährigen kriege sehn, wo Schwerin ohne zopf dargestellt wäre Fouqué gefühle, bilder 1, 259; verschnittnes haar im schopfe macht nicht allein den mann, — ich halt' es mit dem zopfe, wenn solche männer dran Fontane ged. 258 (der alte Dessauer). dazu kam, besonders im anfang der zopflosen zeit, die vorstellung des altmodischen und ferner des überlebten zwanges: dasz der menschenfeind .... einen altmodischen blauen rock mit einem kleinen zopf hatte Brinkmann Athenäum 2, 322; ja wahrlich, jeder gegenwärtige augenblick ist stets ein homo novus, ein emporkömmling, und die vergangenheit, selbst mit dem zopf und der beutelperücke und im reifrocke erscheint merkwürdig als der vornehme herr und die erlauchte gnädige dame Raabe ges. erz. 3, 247; zuletzt wurden noch ein uhlanenschnürleib, ein zopf und ein corporalstock verbrannt (beim Wartburgfest) Treitschke 2, 427. das ablegen der zopftracht war daher mehr als ein wechsel der mode, ein übergang in ein neues zeitalter: heute morgen entschlosz ich mich kurz und gut, ohne einem menschen ein wort davon zu sagen, meinen zopf zu verabschieden Forster 8, 300; er (Jean Paul) ging dort nach englischer mode mit entblöszter brust und abgeschnittenem zopfe Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 208; der zopf fiel hinweg, die truppen erhielten zweckmäszigere waffen und kleider Treitschke d. geschichte 2, 293. I@33) zopf als sinnbild des 18. jhs. bezeichnet I@3@aa) die veralteten politischen und sozialen zustände, den geist des rationalismus und absolutismus. er verbindet sich gern mit philister und perrücke, bei militärischen verhältnissen mit gamasche. der ausdruck musz in der sprache der studenten um die zeit der befreiungskriege aufgekommen sein. er ist wahrscheinlich erst eine abstraction aus der wendung den, einen zopf abschneiden, welche zur zeit der reformen Scharnhorsts eine zeitgeschichtliche bedeutung bekommen haben würde, zunächst in militärischen kreisen. der erste literarische beleg, von 1815, ist in der zusammensetzung zopfwesen enthalten, s. unten sp. 90, und setzt den ausdruck als allgemein bekannt voraus. auch ist die verbrennung des zopfes auf dem Wartburgfeste 1817, vgl. den beleg aus Treitschke bei 2, nicht zu denken, ohne dasz der zopf schon zum symbol der rückständigkeit geworden war: der zopf der hängt ihm hinten Chamisso 3, 94 (trag. gesch.) (1. druck 1821/22 nach Gödeke 6, 141); wider zopf und philisterei! burschen heraus! (studentenlied anfang der 40 er); daneben war freilich viel philisterei und residenzlerei, und im bürgerstande viel zopf Hoffmann v. Fallersleben leben 6, 2; die mitglieder des collegiums machten mir einen würdigern eindruck als die Aachner, aber doch in ihrer gesammtheit den eindruck von zopf und perrücke Bismarck ged. u. erinn. 1, 28 volksausg. weiter bekam es den allgemeineren sinn von verstockter, unbeweglicher pedanterie: Mack war .... ein wahrhaft exemplarischer ausdruck des sprichwörtlich gewordenen zopfes des kaiserlichen hofkriegsrathes Häuszer deutsche gesch. 2, 604; dies geschieht wenn er die schulweisheit und den gelehrten zopf daheim läszt Stöckhardt chem. feldpredigten 1, vii; wir alle litten in unserer jugend unter dem einflusz dieser genialitätssucht, die, .... planmäszige arbeit als zopf verfehmte Riehl deutsche arbeit 281. der zopf ist schlieszlich ein einzelner veralteter zustand, der abgeschnitten oder abgehauen werden musz: eine partei ... war damit einverstanden, dem schauspieler den hervorruf zu verschaffen und ... diesen alten zopf abzuhauen (dasz die schauspieler einem hervorruf nicht folgen durften) Laube 16, 104; der armeezopf liegt erstochen, Jenas zopf ist auch gerochen, doch manch andrer macht sich breit! wann zerfetzt uns die ein retter? Ludwig, schick ein donnerwetter in die zöpfe dieser zeit! Freiligrath 3, 35. dieselbe bedeutung in zusammensetzungen wie
18995 Zeichen · 324 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    zopfst. M. (a?, i?)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    zopf , st. M. (a?, i?) nhd. Zopf, Haarsträhne, Zipfel ne. plait (N.), tip (N.) ÜG.: lat. (antiae) Gl Q.: Gl (12. Jh.) E.…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ZOPFstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    ZOPF , ZOPH stm. zopf, geflochtene oder umwickelte haarstränge. ahd. zoph Graff 5,640. vgl. zapfe, zipf. trica Diefenb. …

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zopf

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Zopf , des -es, plur. die Zöpfe, der äußere zugespitzte Theil eines Dinges, doch nur noch in zwey Fällen. 1. Im Fors…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zopf

    Goethe-Wörterbuch

    Zopf [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zopf

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Zopf , das lange zusammengebundene od. geflochtene Haupthaar, bei den Frauen von jeher gewöhnlich; auch bei Männern, jed…

  6. modern
    Dialekt
    Zopf

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Zopf [Tsòpf Su. Co. Horbg. Dü. Mütt. Scherw. Bf. Str. K. Z. Han. ; Tsop Wh. ; Pl. Tsèpf; Demin. Tsèpflə Co. , Tsèpfl Str…

  7. Sprichwörter
    Zopf

    Wander (Sprichwörter)

    Zopf 1. Ein schöner Zopf will gern herabhängen. In ähnlichem Sinne sagt man in Moskau: Eine goldene Uhr wird oft aus der…

  8. Spezial
    Zopf

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Zopf m. (-[e]s, Zöpfe) 1 trëcia (-ces) f. 2 ‹gastron› (Brot-, Kuchenform) trëcia (-ces) f. , preza (-zes) f. ▬ sich eine…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zopf

94 Bildungen · 74 Erstglied · 17 Zweitglied · 3 Ableitungen

zopf‑ als Erstglied (30 von 74)

Zopfende

SHW

Zopf-ende Band 6, Spalte 847-848

Zopffrisur

SHW

Zopf-frisur Band 6, Spalte 847-848

Zopfkuchen

SHW

Zopf-kuchen Band 6, Spalte 847-848

zopfabschneider

DWB

zopf·abschneider

zopfabschneider , m. : die groszen zopfabschneider der menschheit haben zu allen zeiten, auch wenn an den zöpfen gelegentlich einige köpfe h…

zopfader

DWB

zopf·ader

zopfader , f. , veraltet für die vena saphena interna Hyrtl 171 . —

zopfarchitekt

DWB

zopf·architekt

zopfarchitekt , m. : der kahlen ernüchterung, welche die zopfarchitekten des späteren achtzehnten jahrhunderts einfalt nannten Justi Winckel…

Zopfballeⁿ

Idiotikon

Zopfballeⁿ Band 4, Spalte 1152 Zopfballeⁿ 4,1152

zopfband

DWB

zopf·band

zopfband , n. , 1) der mädchen: spirae ornamenta secus puellaria, zopf- oder flechtbänder Reyher 2365 ; 'ei, wie schwätzet er doch', kichert…

zopfbeutel

DWB

zopf·beutel

zopfbeutel , m. : wie ihm da der amtsgemäsz seidene haar- oder zopfbeutel mit einem vergifteten messer ... vom kopfe getrennt worden sei Ker…

Zopfbēr(eⁿ)

Idiotikon

Zopfbēr(eⁿ) Band 4, Spalte 1458 Zopfbēr(eⁿ) 4,1458

zopfdichter

DWB

zopf·dichter

zopfdichter , m. : die alten zopfdichter haben den Rheingau stereotyp das 'deutsche Italien' genannt Riehl naturgesch. d. volkes 1, 144 . äh…

zopfdienst

DWB

zopf·dienst

zopfdienst , m. , in der verbindung zopf- und gamaschendienst: doch sein irrtum ist so verzeihlich als jener unserer groszväter, welche die …

zopfducaten

DWB

zopf·ducaten

zopfducaten , m. , auch schwanzducaten, wie die zopfthaler mit dem bilde Friedrich Wilhelms I. Brockhaus 14 16, 1014 ; zweitens wurde ihm al…

zopfdürr

DWB

zopf·duerr

zopfdürr , adj. , wipfeltrocken: vielfach verlichtete und verheidete bestände .., in den einzelne zopfdürre eichen und verkrüppelte buchen v…

zopfeln

PfWB

zopf·eln

zopfeln , zopfen 'zupfen, zausen' s. zupfeln , zupfen .

zopfen

DWB

zopfen , v. 1 1) nebenform von zupfen, literarisch einzeln bis ende des 18. jhs. belegt, besonders aus dem südwesten. Stieler bringt es vor …

zopfen I

SHW

zopfen I Band 6, Spalte 847-848

zopfen II

SHW

zopfen II Band 6, Spalte 847-848

zopfende

DWB

zopf·ende

zopfende , n. , förster- und zimmermannswort. 1 1) am gewachsenen baum das wipfelende des stammes, der wipfel: vom zimmerholz bleibt im holz…

zopfer

DWB

zop·fer

zopfer , m. : tropaei die einen zopffen und ropffen, und sich flugs umbkeren, als haben sie es nit getan voc. 1618 bei Schmeller 2 2, 1145 .

zopfetlîn

Lexer

zopfetlîn stn. züpfel, charpie Schm. Fr. 2,1145.

zopffärber

DWB

zopf·faerber

zopffärber , m. : zopfferber die kein wüst nägel bekommen ( etwas unmögliches ) Fischart aller prakt. groszmutter 53 neudr. —

zopfflechte

DWB

zopf·flechte

zopfflechte , f. : männer. .., weiber ..., beide tragen ihre haare in zopfflechten ... herabhängend Ritter erdkunde 7, 597 . —

zopfflechterei

DWB

zopfflechte·rei

zopfflechterei , f. : in wenig minuten bin ich gewaschen, gebadet, gekleidet und ohne viel zopfflechterei gekämmt, im freien Bog. Goltz juge…

Zopffrisur

PfWB

zopf·frisur

Zopf-frisur f. : ' Haartracht, bei der Zöpfe um den Kopf gelegt werden ', Zoppfrisuʳ [ LU-Oggh ], Zepp- [ LU-Opp ].

zopfgelehrsamkeit

DWB

zopf·gelehrsamkeit

zopfgedanke , zopfgelehrsamkeit , zopfgalanterie , vgl. unten bei zopfig. b b) daher heiszen altmodische, dem fortschritt abgeneigte persone…

zopfgesellschaft

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zopf·gesellschaft

zopfgesellschaft , f. : sie wird ( die 2. gemahlin Albrechts III. ) gleichwie herzog Leopold IV, .., und dessen gemahlin, ... mit einem glei…

zopf als Zweitglied (17 von 17)

bettzopf

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bett·zopf

bettzopf , m. was bettaffe, bettquast: er zog sich langsam am bettzopf aus dem bette. J. Paul Hesp. 1, 125 ; ein billiger schiebt alles auf …

Dreyzêhnzopf

Adelung

Der Dreyzêhnzopf , des -es, plur. die -zöpfe, eine andere Art Seesterne, und zwar derjenigen, welche mit vielen runden und ganzen Strahlen v…

haarzopf

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haar·zopf

haarzopf , m. 1 1) in einen zopf geflochtenes haar, mhd. hârzopf trica. Ben. 3, 947 . am häufigsten wird, schon vom mittelalter her, das wor…

höllenzopf

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hoellen·zopf

höllenzopf , m. , plur. höllenzöpfe, auch fuchsschwänze, nixhaare, ein besonderes gewächs in den wasserröhren, welches sich als ein gewirre …

hārzopf

KöblerMhd

hār·zopf

hārzopf , st. M. nhd. Haarzopf ÜG.: lat. trica Gl Q.: Gl (Anfang 15. Jh.) E.: s. hār, zopf W.: nhd. Haarzopf, M., Haarzopf, DW 10, 41 L.: Le…

judenzopf

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juden·zopf

judenzopf , m. plica Polonica. Frisch 1, 493 a , weichselzopf.

sonnenzopf

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sonnen·zopf

sonnenzopf , m. : wenn sie ( die sonne ) beym auf- und niedergang lange strahlen, sonderlich quer durch das gewölcke in die ferne schiesset,…

vielzopf

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viel·zopf

vielzopf , m. , eine art der seesterne mit vielen zöpfen Adelung.

weichselzopf

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weichsel·zopf

weichselzopf , m. plica polonica, trichoma, coma caesarea, lues sarmatica, die unentwirrbare verfilzung der haare, meist des menschlichen ha…

Weißzopf

Adelung

weiss·zopf

Der Weißzopf , des -es, plur. die -zöpfe, eine Art wilder Änten mit einem weißen Zopfe, Anas albella Klein.

wichtelzopf

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wichtel·zopf

wichtelzopf , m. , umdeutung von weichselzopf, poln. wieszczyce ( s. teil 14, 1, 1, sp. 536) in anlehnung an 3 wicht 3: ich weisz wohl ..., …

zehnzopf

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zehn·zopf

-zopf , eine art vielstrahliger seesterne: Voigtel wb. 3, 683 a , Campe 5, 827 a .

Ableitungen von zopf (3 von 3)

entzopfen

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entzopfen , cirro privare, den zopf abschneiden.

verzopfen

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verzopfen , vb. , s. verzupfen.

zopfe

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zopfe swv. versehe mit einem zopfe. als man vrowen gezopfet siht Teichn. 311. —? eʒ zopfet, zieret sînen swanz Frl. 134,17 u. anm. — wohl zâ…