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steif

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

steif adj.

Bd. 18, Sp. 1778
steif, adj. II) verwandtschaft und form. I@11) steif geht zurück auf ein urgerm. *stîfa-, dem eine idg. (europ.) basis *stīpo- zugrunde liegt. diese liegt vor in lat. stīpes stamm, pfahl, stīpare dicht zusammendrängen. daneben mit ablaut *stip- in stĭpula halm, stroh, altlat. stĭpulus fest, vgl. Walde etym. wb.2 739 f.; dazu lit. stimpù — stìpti steif werden, erstarren, stiprùs stark, kräftig, stipìnis stollen, stütze. im deutschen liegt diese ablautstufe vor in stift, s. das. (über altfries. stef s. unter 2. kaum hierher armen. stēp häufig, beständig, s. Hübschmann 1, 493.) vgl. Kluge8 435b; Weigand5 2, 960; Fick4 1, 568. 3 (Torp germ. spracheinh.), 492; Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 1169; Skeat etym. dict. 597b; Kluge-Lutz 200a; Franck etym. woordenb.2 666. neben der basis stip stehen im idg. in ähnlicher bedeutung stib- und stibh-, s. Torp a. a. o.; Falk-Torp a. a. o.; Franck2 666b; Prellwitz griech. etym. wb. 435 (unter στιφρός). über weitere zusammenhänge Walde a. a. o. I@22) im got. unbezeugt, sonst in allen german. sprachen, doch nicht überall bodenständig:n. stiv Molbech2 2, 1004 f.; Dahl - Hammer 2, 345b (jüt. styw Feilberg 3, 573b), schwed. styf, norw. stiv Aasen 753b (auch als subst. n. Ross 761b) sind aus dem nd. entlehnt, s. Falk-Torp a. a. o. ags. stíf steif, unbeugsam, starr Bosworth-Toller 919b; mittelengl. stīf 'rigidus, fortis, robustus' Stratmann-Bradley 578b; neuengl. mit vocalkürzung stiff (doch nordengl. stive, steive, spr. staiv engl. dial. dict. 5, 772a, und steeve, steave, spr. stīv 748a). altfries. zugrunde liegend in dem verb. stiva steif sein Richthofen 1050b (neben dem adj. stef 1046a, s. unten); neuwestfries. stiif s. Dijkstra 3, 199b; wang. stîf, saterl. stîu, nordfries. stif, styf, s. Siebs engl.-fries. urspr. 218. mnl. stijf, stief Verdam mnl. handwb. 577b; holl. stijf, s. Franck a. a. o.; mnd. stîf Schiller-Lübben 4, 405b. I@33) dem hd. scheint steif von hause aus fremd, vgl. Graff 6, 658; J. Grimm kl. schr. 6, 316 f., 56. hier dringt es erst im 14. jahrh. ein, s. mhd. wb. 2, 2, 628b; Lexer hdwb. 2, 1191, und zwar zunächst im mittelfr. (niederrh.) gebiet. so findet es sich häufig im Karlmeinet, allerdings fast nur in dem auf nl. grundlage ruhenden ersten theile, gewöhnl. in der form stive, s. Bartsch üb. Karlm. s. 327 und unten II, 8, a. doch ist es auch ins südd., bes. ins schweiz. eingedrungen, und gerade hier ist es schon um 1500 ungemein häufig. belege aus glossen: abrupta ... stachilick, staglik, staiff, ungevellė Diefenbach gloss. 4c (anf. des 15. jh.); expansus ... strevet, stive, stijff, strak 217c; inflectibilis unbeugelich, onbogelich, stif vel nit bogelec 297c (gloss. batav., 14. jh.); rigere ... herte, styff werden 498a (gemma gemmar., Augsb. 1510); rigidare ... vest o. styff machen, stijven 498b (desgl.); rigidus ... styff, stijf vel wreet (lat.-nd. 1420) 498b. I@44) im nhd. steif, auch steiff, steyff geschrieben. (gegen das ff Bellin hochd. rechtschreibung, 1657, s. 46: nach den zweilauten au, ei, eu ... darff das f nimals doppelt gesäzzet wärden: sondern man schreibet gar recht mit dem einfachen f: ... steif.) nebenformen der ältern sprache: I@4@aa) sehr häufig im ältern alem. (bes. schweiz.) stîf, gewöhnlich styf, styff, stiff geschrieben: confirmare bestAeten, befestigen, styff machen Frisius dict. (1568) 292a; diser stab ist nüt anders denn ein guote grosse, starcke, styffe hoffnung zuo got Keisersberg bilgersch. 21c, auch: warumb leynen wir uns nit uff die styeff volkomne und selig hoffnung? 20b; das (gesetz) halten styff und redlich Joh. Eberlin v. Günzburg 1, 146 Enders; dasz er styf uf der sag und gsicht bliben ist Zwingli deutsche schr. 1, 70; mit stifen, wisen satzungen Anshelm Berner chron. 1, 7; und damit solchs dest langwiriger vest und styf belibe (ut autem haec rata et firma diutius perseverent), habend wir disen brief mit unserm ... insiglen bevolchen zu verwaren Tschudi chron. Helvet. 1, 137a; die schlaff trinck heischen wir zuo letst; den halten wir erst stiff und fest Murner narrenbeschw. 48, 40; gOetlich gebott halt styff und fest der ewigen wiszh. betbüchl. 99b; haltet er die gebot gottes stif und grad N. Manuel vom papst u. s. priestersch. 1691; nach gotts gebott und jnn zuo gfallen sich halten stAet, ouch jnn vor allen mit reiner lieb styff hangen an schweizer. schausp. 2, 93 (S. Birck Sus. b 1926), s. auch 1, 140; 2, 178; 3, 168; doch wird ich styf belyben zur gottsgerechtigkeit Liliencron hist. volksl. 4, 286a (nr. 518, 5, schweizerlied v. 1545); da hatend sich die bauren gar stif zusammenthan Tobler schweizer. volksl. 1, 52, 5 (v. j. 1653). im reim wird stiff mit kurzem i gebunden: der acht nit, was eyn yeder redt sunder blyb uff sym fürnem stiff ker sich nit an der narren pfiff Brant narrensch. 41, 15; das wir dem fyrtag duont solch ere den sie noch haltten also styff das ich sie nit jnns narren schiff woltt setzen 95, 48. doch auch (schweiz.): denn muosz er dantzen was ich pfiff, den rymen kan ich glat und styff trag. Joh. (1549) S 2a. I@4@bb) ganz vereinzelt mit angehängtem -t (wenn nicht druckfehler): haben yhr ... durch mich gelernet gots wort, darob styfft gehalten Joh. Eberlin v. Günzburg 3, 128 Enders. I@4@cc) gelegentlich mit ü für i (els.): so sol er es glouben stüff Keisersberg bilgersch. 13a; Christus hat uns ein andren geyst verheyssen, ein stAeten, stüffen geyst der warheit reform.-flugschr. 4, 300 Clemen; ausz disem man mag etwas werden, weyll er hat ein solchs stüffs gemüett Wickram 5, 185 Bolte (d. verl. sohn 2, 6, 855). I@4@dd) dem entspricht es, wenn sich zuweilen, bes. in bair.-österr. quellen, für steif steuf findet: prius quoque praedicavi, parabolas istas et similes so steuff must furen, sicut textus habet Luther 15, 423, 32 Weim. (vgl. die anm. s. 815); aber die hend Mose waren schwer, darumb namen sie einen stein, und legten jn unter seine hend, also blieben seine hend steuff Heros ird. pilgerer (1562) 3b (vgl. unten II, 3, a); die alte catholische religion steuff und rain erhalten inschr. auf dem sarge Albrechts V bei Schmeller2 2, 736; damit inen aber dise ihr gemecht ordnung durch si nachtbern desto steufer gehalten ... werde tirol. weist. 1, 66, 15 (Walchsee 1677); dasz ich steuff halt meine zusag Ayrer 4, 2370, 19 Keller, ebenso 2586, 6. I@4@ee) ganz vereinzeltes steipf, wol nur variante der schreibweise: Anhalt sich nit wolt halten lohn, der Thurn nit mehr steipf wolt stohn lieder auf d. winterkönig 18, 11, 6. IIII) bedeutung und gebrauch. II@11) steif bezeichnet das, was sich nicht oder nur schwer biegen läszt, weil die theile im verhältnis zu einander nicht beweglich sind. ihm stehen am nächsten starr und fest; gegensätze sind biegsam, geschmeidig, gelenk(ig), elastisch, auch schlaff, weich u. a. es geht sowol auf eine dauernde eigenschaft, wie auf einen vorübergehenden, meist fehlerhaften zustand gewisser dinge Campe. erklärungen der wörterbücher: steiff firmus, fixus Dasypod. 432c; firmus ... germ. steiff, vest, bestendig Calepinus dict. viii ling. (1584) 515b; fest, ... steiff, unbeweglich, gewisz, starck, standhafftig, firmus, stabilis Henisch 1075, 31; steiff, fest, fermo, saldo, stabile Hulsius dict. germ.-ital. (1657) 238b; steiff firmus, rigidus Schottel 1421; steif, adj. steifer, steifester, erectus, rigidus, procerus, durus, constans Stieler 2110; rigido, gall. roide, steso, intirizzato, incordato etc. starr, fest Kramer dict. 2, 945b; firmus, fixus, rigidus Steinbach 2, 691; steiff, adj.: das sich nicht biegt, rigidus, das steif wird, rigescens, oder sich nicht leichtlich biegen läszt Frisch 2, 328a. — dazu: rigere, starren, steiff seyn Corvinus fons lat. 280b; steif seyn, rigere Stieler 2110; roborascere, starck oder steiff werden Corvinus 550a; steif machen, statuminare Stieler 2110; intirizzare, rizzare, incordare, far ritto; stendere Kramer dict. 2, 945b; rigidare Steinbach 2, 691 (dafür gewöhnlich steifen, s. das.). II@22) so im eigentlichen sinne von mancherlei gegenständen: II@2@aa) steifes papier, pappe, carton, vgl. Schmeller2 2, 736; die karte ein steifes blatt papier Gottsched deutsche sprachk. (1748) 93; ich nahm ein schwarzes, länglichtes, steifes papier Göthe II 2, 20 Weim. (farbenl., polem. 34); noch weniger glück konnte das ältere papier aus rinde ... machen, da es zu dick, steif und zerbrechlich war, so dasz die schrift bald absprang F. Th. v. Schubert verm. schr. 3, 257; wie so'n zarter hauch schwamm sie (d. pflanze) auf'm wasser, ich muszte da mit'n steifen papierblatt unter fahren Ilse Frapan bek. gesichter 10; dazu: dasz schneiderpflanzen schon sich mit damasten tragen, den aufgeschwänzten rock in steife mappen schlagen B. Neukirch ged. 110. II@2@bb) von stoffen zu kleidung u. ähnl., besonders solchen, die durch stärkemehl, leim u. dergl. steif gemacht sind: Du bougran, grosse toile noire et collée bien fort et bien roide, steiffer zwillich, schetter, bucherame Duez nomencl. (1652) 50; so besonders: steife leinwand tela salda ò saldata; bucherame Kramer dict. 2, 945b; steiffe leinwand, linteum glutine fortius factum Frisch 2, 328a; bucaranum, 'ist eine grobe und starck gegummete leinwand, so zwischen das unter - futter der kleider gesetzt wird, dieselben glatt und steiff zu halten' Hübner7 1993: man hat auch steiffe und geleimte leinwand oder schetter, welche vermittelst des leims und gummi also zugerichtet öconom. lex. 1400. s. ferner Jacobsson 4, 272b, sowie unten steifleinwand, steifschetter; die badekutschen ... bestehen meistens aus viereckigen holzgestellen mit steifem leinen überzogen Heine 3, 107 Elster; vgl. 1, 392. steife seide, vgl.starre seide: starr I, 1, f, sp. 913. da dem fusse, welcher ... sich vor bewegt, der theil des gewands, welches auf ihm liegt, unmittelbar folget, das gewand wäre denn von sehr steiffem zeuge Lessing 6, 478 (Laok. 18); etliche wenige trugen ... eine art von weiberrock, nämlich ein stück gefärbtes, steifes zeug von baumrinde G. Forster schr. 2, 135. II@2@cc) von der kleidung selbst, aus solchem schweren, unbiegsamen stoffe, oder durch einlagen gesteift, gewöhnlich als prunkkleid, sonntagstracht u. ähnl.; nicht scharf von der freieren gebrauchsweise (unten 9) zu scheiden: nun fand ich mich ... in meiner vermummung gar hübsch, und gefiel mir besser als in meinem steifen sonntagskleide Göthe 24, 86 (d. neue Paris); doña Juaña, eine uralte dame, in der steifsten ältesten spanischen tracht Brentano 7, 99 (Ponce de Leon 3, 3); in steifen brokatenen gewändern mit breiten spitzenkragen standen sie (die kinderporträts) wie die kegel neben einander Storm 1, 131; dort eine frau mit steifem kleide und radkrause (auf einem grabsteine) W. v. Polenz d. Grabenhäger 1, 43. — besonders steife uniform: die jungen schützen in ihren neuen steifen uniformen Arnim 8, 120; gegen die neumodische Pariser kleidung muste ich in steifer uniform mit puder und zopf stecken J. Grimm kl. schr. 1, 9 (selbstbiogr.). — von einzelnen kleidungsstücken: der zwang der steiffen schnürleiber war gantz verbannet d. vernünft. tadlerinnen 1, 52; zwey könige sind in etwas steifen mänteln vor den stufen nieder gekniet (in der anbetung der hl. 3 könige von P. Perugino) A. W. Schlegel im Athenäum 2, 81; steifer rock der frauen, s. steifrock: da traten im reihen vier schöne jungfrau'n in den sahl, in steifen röcken mit hohen kragen Wieland 21, 115 (liebe um l. 7, 145); flugs mir an den pflock aufgehängt den steifen rock! Voss 5, 249. II@2@dd) von theilen der kleidung: schwarze, im winde flatternde todtengewänder mit tiefen steifen falten Tieck 6, 324 (Lovell 5, 3); er hatte einen gestickten modefrack mit steifen schöszen angezogen Eichendorff2 3, 391. besonders steifer kragen: wenn sie einen steifen halskragen um hätte, so würde sie meiner hochseligen eltermutter ähnlich sehn Kotzebue sämmtl. dram. werke 3, 254 (d. mann v. 40 j. 5); sein kopf steckte halb in einem überaus hohen und steifen uniformkragen Fontane 3, 307 (Schach v. Wuthenow 16); in den steifen, schneeweiszen hemdkragen eingeklemmt Ilse Frapan bescheid. liebesgesch. 47; schweiz. e stiffne hömlis-chrage Hunziker 254. übertragen auf den träger des kragens: und der spanische steife kragen, den man seit gestern herum gehn sieht Schiller 12, 16 (Wallenst. lager 2, var.). ähnlich: der rat und die patrizier ... stachen in ihren zierlichen festkleidern mit den steifen schneeweiszen halskrausen wunderlich ab gegen ihre bestaubten gäste Hauff 1, 22, 20 Bobertag (Lichtenst. 1, 3); der hagere hals steckte in einer steifen binde Fontane 1, 383 (vor d. sturm 38). — (er) trägt kragen und federkappe, einen eisernen degen und steife handschuh maler Müller 2, 11; ein stämmiger, anstelliger küferbursche mit steifem schurzleder Gaudy s. werke 4, 66. — dasz ein sechsjähriger knabe, mit ... einer steifen mütze und einem hölzernen säbel, den husaren ... macht Kästner verm. schr. 2, 95; steifer hut im gegensatz zum schlapphut: er (d. laufbursche Josef) trägt seinen schwarzen sonntagsanzug, ... steifen, runden hut mit grader krämpe G. Hirschfeld d. mütter s. 59. dafür: einen zylinder hatte er nicht bekommen können, dafür hatte ihm der ochsenwirt ... seinen steifen schwarzen filz ... geliehen A. Croissant-Rust arche Noah 112. (obers. der steife für cylinder Müller-Fraureuth 2, 558a.) II@2@ee) häufig steife stiefeln, ocreae equitantium, majores, quae crus, genu et aliquid femoris tegunt Frisch 2, 328a, 'deren schäfte von dickem hartem leder sind und sich nicht biegen und falten wie andere stiefel von weichem biegsamem leder' Campe: von jedem regiment muszte eine starke anzahl reiter absitzen und zu fusze wandern ... in ihren steifen stiefeln ... litten diese braven menschen bei dem schrecklichen wege unendlich Göthe 30, 174 (camp. in Frankr., 30. oct.); schuhmacher. wie beliebt er denn musje? Hinze. erstlich, gute sohlen, dann braune klappen, und vor allen dingen steif Tieck 5, 184 (gest. kater 1, 1); der kurfürst, welcher seine gardeuniform, klappenweste und steife stiefeln trug Immermann 1, 18 Hempel (Münchh. 1, 13). vgl. steifgestiefelt. II@2@ff) häufig ist steif von pflanzentheilen als ausdruck der botanik: meist (wenn von stamm, stengel, stiel gesagt) zugleich im sinne des geraden emporstehens: steif, strictus; steif aufrecht, (starr gerade) im gegensatze von schlaff; meist senkrecht, ohne alle biegung, sich selbst stützend und widerstand leistend gegen anstoss; aber einknickend wenn dieser verstärkt wird ... vgl. starr, straff Röhling Deutschl. flora 1, 185. dazu: statuminare, stützen, steiff machen Corvinus fons lat. 609b. 'in der pflanzenlehre heiszt ein stengel steif, wenn er sich ohne einzuknicken nicht beugen läszt' Campe: der stengel (des daurant) ist steiff Hohberg 3, 422a; ausdauernde, dornige kräuter mit steifen, sperrigen stengeln Oken 3, 1795; 'steifer stamm, rigidus, (förster, gärtner) heiszt derjenige, so sich nicht biegen läszt' Jacobsson 7, 431a; so schon mnd., im bilde: ton anderen male hadde de hillighe vrouwe sunte Anna eynen starken, styven stam, de eynen starken storm unde wynt wal verdreghen konde Veghe 88, 37 Jostes. anderes: kartendistel ... haben die tuchmacher oder wollweber, von wegen der rauhen igelskOepfflin, und umb der steiffen harten strAel willen, sehr im prauch, jre tücher damit zu karten Sebiz feldb. (1579) 288 (vgl. unten Wimmer); die steiffe rute bricht Petri r 3b; wenn ein gutes jahr verhanden gewesen, seind sie (d. christnachtäpfel) so grosz als eine bohnen, doch an gestalt wie ein Aepfflein, mit blumen, stiel unnd andern, hart und steiff Prätorius saturnal. 51; zweige (der breitblättrigen steinlinde) steif und gerade Röhling Deutschlands flora 1 (1823), 299; von dem skeletiren der pini glaube ich mich zu erinnern, dasz sie ... auch steifere fäden übrig läszt und dasz diese während des ganzen winters wie die bürsten stehen Ratzeburg waldverderbnis 1, 188; die eigentlichen weizen, bei denen die spindel der ähre steif ist ..., und die spelze, deren spindel zerbrechlich ist Hoops waldbäume u. kulturpfl. (1905) s. 315; kardendistel (dipsacus fullonum), 'weberkarde' genannt, weil ihre mit steifen hakenblättchen besetzten blütenköpfe wie eine kratzbürste funktionieren Wimmer geschichte d. deutschen bodens 259. steif, strictus, von einer traube, s. Campe. poetisch mit personifikation, von 3, c ausgehend: da stehn sie mit dem steifen hals, die ungeschlachten pappeln Rückert 3, 87. in folgender stelle wol in freierem sinne (s. 9, d) gemeint: die frischen blätter der kastanien (es ärgert mich, wenn später die steifen blüten kommen ... J. Grimm an Wilhelm, d. 3. mai 1823, s. Scherer kl. schr. 1, 44. II@2@gg) auch von den pflanzen selbst, besonders von dünnen, hochragenden gewächsen: die binsen spiz und steif dasz sie wohl stechen Göthe III 1, s. 273, 14 (tageb. 6. oct. 1786); hohe steife stauden stehen in der schwebend heissen luft der mittagstille Schaukal verse (1909) 12; hast aus dem schilf die lilien geschnitten, die steifen, wehend mit gelben blüten W. Heymann nehrungsbilder (1909) 33. von bäumen selten in älterer sprache: der cipresz ist ein steiffer baum der von keinem windt bewOegt wirdt Albertinus zeitkürtzer (1603) 82. als benennung von pflanzenarten: casuarina stricta, steife casuarine (dazu: das stämmchen ... hatte ... gegliederte, steife, fast senkrecht stehende zweige von dunkelgrüner farbe Dietrich 2, 634; lycopodium rigidum, steifer bärlapp 5, 654; das steife schraubenmoos, barbula rigida, s. Oken 3, 284; die steife rosenaster, gorteria rigens 772; clematis recta, steife waldrebe Schlechtendal flora v. Deutschland5 10, 31. tafel (985). II@2@hh) in den behandelten fällen drückt steif eine relative unbiegsamkeit aus; einen höhern grad bezeichnet es in der anwendung auf holz und gegenstände aus holz: ein steifer stecken, firmus baculus Steinbach 2, 691; ein steiffes mangel-holtz, wohl einer spannen lang Chr. Reuter Harlequins hochzeit-schmausz s. 54 ndr. (entr. VIII, 226; zweideutig, s. unten 3, k); (im bilde:) es (dein wort) trOestet mich im hertzen, ist mein steiffe handthab Fischer-Tümpel evangel. kirchenl. 1 s. 4. in anderm sinne (gerade aufstehend) von stuhllehnen (so ganz gewöhnlich): sie ... setzte sich hastig auf einen jener hohen stühle mit steifer lehne, wie sie in neuerer zeit wieder in mode gekommen sind Laube ges. schr. 2, 25; mit einem gewissen wohlgefühl setzte sich Alfred wieder auf das kleine steife sopha Ilse Frapan bittersüsz 126. auch in folgender stelle wiegt eine nebenvorstellung vor (s. unten 3, i, δ): er stieg nicht mehr wie auf steifen stelzen seines wegs, dicht an den hausmauern Frenssen Kl. Hinr. Baas 188. sonst ist steif von holz ganz gewöhnlich in vergleichen: so steif wie holz, als wenn kein leben in ihm wäre! Göthe 14, 160 (d. groszcophta 2, 5); er (der dorfwirt) haszt gewisse gäste, ... wird allemal zornig, dasz er ganz steif wird wie ein buchenes scheit, wenn sie bei ihm einkehren Gotthelf schuldenb. s. 2; steif wie ein stock, s. dieses 7, a und stocksteif, 3. abth., sp. 39. 125; els. stif wie-n-e holzbock, dis hemd is so stif wü e brëtt Martin-Lienhart 2, 576a; šteif ewe(i) e br(i)et, ewe(i) e brand (ein angebranntes holz) luxemb. wb. 421b; nd. (märkisch) so stîf as en bok, kloš (klotz), stok, stam Frommann 5, 163, 155; Woeste 255b f. II@2@ii) noch ungewöhnlicher, nur in älterer sprache, von metall oder stein: ein stecknadel. ich bin steif, rund und lang, dem frauenvolke werth. Harsdörffer frauenz.-gesprechsp. 3, 454; (im vergleich:) rein wie dasz feinste goldt, steiff wie ein felsenstein, gantz lauter wie crystall, sol dein gemüthe seyn Angelus Silesius cherub. wandersm. s. 14 neudr. (1, 1, citiert bei G. Keller 3, 203); sey lauter, licht' und steif, gleich wie ein demantstein s. 44 (2, 35); er wacht für uns, und der wacht über ihn, der fürsten stühl auf steiffen demant setzt Gryphius trauersp. s. 74 Palm (Leo Armen. 3, 50). ähnlich auch mit abstractem ausdruck: und hat der schwefel in sich selbst ... ein mechtige starcke und krefftige composition oder vereinbarunge und steiffe zubereitung Thurneysser magna alchym. 23. II@2@kk) auch vom erdboden oder grunde, vgl. 4, b. im 16. jahrh. öfter für fest: ain stAete und feste steiffe stat Keisersberg schiff der penit. 116d; (vom festlande:) als sie allerdings gerüst, sassen sie in das schiff ..., und segelten bisz auff das trucken unnd steiff landt Amadis 424 Keller; bildlich: und gedencket nichts anders jhr artzt dan das ars characteristica einen wahren natürlichen und steiffen grund hatt Paracelsus opp. 1, 349 B; jr sollen uff steiffem grunt beharren. Murner Luth. narr 1679. so noch (offenbar um der vergleichung willen erneuert, vgl. 9, d): sie (d. flur) ist der schreibart gleich, die von den Alpen stammet, rauh, hOeckricht, hart und steif Gottsched neueste ged. (1750) 57. so dann weiter: (im bilde:) so seyn hier zween steiffe grundstein zu dieser ... nohtwendigen reformation zu legen Guarinonius grewel der verwüstung 843; Straszburg, du thust dich trutzen ...; hast viel kunstreiche schutzen (schutzwehren) grosz mauren, steif und satt (fest und solide). schweizer. volksl. 1, 55 (lied v. 1681). auch: gleichwie nun gewissen gewaltsamen wasserschüssen und einbrüchen der ströhme nicht so wohl durch einen steiffen damm und widerstand, als durch etwas so anfangs nachgiebt, hernach aber allmählig sich setzet und fest wird, zu steuren Leibniz unvorgr. gedanken 23. dies leitet zu der bedeutung 5, a über. II@2@ll) steif als vorübergehender zustand, bes. als wirkung des frostes: steif frieren, steif gefroren (auch als éin wort, s. unten); nd. (ostfries.) stief fresen, stief fraren Stürenburg 263a; 't is all stîf un hard fraren ten Doornkaat-Koolman 3, 312b; vgl. 3, h, α. von stoffen: t wš (d. wäsche) iš štaif kfroorə Meisinger 180b; dasz alte segel, steif gefroren, aufgerollt, ihr (der kranken) kissen waren Freiligrath5 2, 125. dazu: wie er jetzt den froststeifen rock abwarf Ilse Frapan enge welt 197. — von pflanzen: einem dürren, schwarzen, steif gefrorenen buschwerk im winter A. v. Berger ges. schr. 1, 362; es fror von der kastanie die blüthe starr und steif Gaudy s. werke 1, 91. milder: der angenäme reif macht bei gesunder nacht die schwachen gräser steif Fleming deutsche ged. 1, 37 Lappenb. (poet. wälder 2, 2, 10); und die wurzeln, die noch steifen, treiben erstes grün heraus Hebbel 6, 219 (opfer des frühl.). in der Heanzen-mundart für gefroren überhaupt: der weg ist šteif Frommann 6, 344. — anderes: der (südwester) is immer ganz steif von sott und seewasser, wenn er ihn mitbringt Ilse Frapan zu wasser und z. lande 76. II@2@mm) steif in adverbialem gebrauche. von kleidungsstücken (s. c): toga arcta, stricta vel restricta, war der stattknecht umbgegürt, dasz steiff oder hart an stehet Alberus dict. (1540) I 4b; stringo, constringo vestem, stringo ad cutem, dasz steiff stehet, schnr odder gürt zuo, ... das hart am leib stehe. cuius contrarium, vestis laxa, fluxa, fluitans. ebenda; die ärmel stehen steif, rund, und der arm steckt darinn, wie in einer blase (beim 'hanserle', e. art hemd). Adelung mag. f. d. deutsche spr. 2, 1, 106; nd. dat möt stiiv staan 'sagt man von kleidungsstücken, die ... vom leibe abstehen müssen' Dähnert 461b. ferner: liesz sie auch ihre kleider steifer und ordentlicher anziehen, als sie sonst gewohnt war Pestalozzi 2, 30 (Lienh. u. Gertr. 2, § 9); steif und starr gefüttert stand er (s. schlafrock) um mich herum, wie wenn er von eisenblech wäre Holtei erzähl. schr. 1, 38. (vgl. auch 6, b, δ und 9, c.) — von pflanzen- (theilen), vgl. f, g: die blätter (der hirschzung, phyllitis) sind lang, etliche steiff aufgereckt Tabernaemont. 1192 d; statuminare vineam, den berg mit pfälen bestecken, dasz die reben steiff stehen Corvinus fons lat. 609b. — die alten schwärzlichen wachholder, sie schütterten nur steif von oben bis unten, als hätten sie durch langes stehen gliederstarre bekommen Joh. Wolff Hanneken 297. II@33) besonders gern wird steif von den gliedern des menschlichen oder thierischen leibes gesagt, wenn durch besondere umstände oder durch eine gezwungene haltung (s. bes. i) ihre normale beweglichkeit aufgehoben oder herabgesetzt ist, also zumeist im sinne eines mangels. II@3@aa) so von den äuszeren gliedmaszen: einen steifen arm haben Adelung; so schon mnd.: syn arm bleff stiff, so dat he des nicht gebogen en konde qu. bei Schiller-Lübben 4, 405b; der (arzt) versicherte, der ganze rechte arm würde dem kinde steif werden Göthe 34, 136 (Cellini 1, 10); dein rechter arm, wenn du mir ihn botest, ... mir schien er etwas unbehülflich, ... etwas steif zu seyn A. G. Meiszner Alcib. 1, 8. hand: an statt dieser (taktfestigkeit) kriegt der schüler durch oben angeführte bässe eine steife lincke hand Ph. E. Bach art d. clav. zu spielen 1, 4; nd. de hande sünt (stân) mî gans stîf ten Doornk.-Koolm. 3, 312b. finger: der verletzte finger konnte steif bleiben Ludwig 2, 167; Jule erlebte zu ihrem ärger, dasz ihre finger viel steifer waren als die der mietherinnen Ilse Frapan bek. gesichter 196; auch ordnete ich ihm den scheiterhaufen und sammelte mit meinen steifen fingern die weisze asche in den braunen krug Hebbel 3, 326 (Gyges 5, v. 1631). von steifer haltung (vgl. i): dabey ein meister seinen untergebnen immer dazu anhalten musz, ... dasz er die tasten nur mit den gelencken der finger ..., keinesweges aber mit der gantz steifen hand niederdrücke Mattheson kl. generalbaszsch. 72. so auch in bildlichen redewendungen, als umschreibungen für geiz, knauserei: das geld soll von nun an nicht mehr mit steifen fingern gezählt werden Lichtenberg erkl. der Hogarthischen kupferst. 3, 37; der Bauer, der ist zäh, der hat ein sperrholz im genick und einen steifen daumen dazu Auerbach dorfgesch. 6, 194 (Barfüszele 18); aber, sei es ..., dasz die ewige zumuthung an reiche leute, als wenn sie nie nöthig hätten, ihr geld anzusehen, ihm den ellenbogen steif gemacht hatte: genug, er fuhr nie in den beutel Gutzkow werke 5, 328 (Blasedow 2, 10). in anderm sinne: von einem manne, der nie gegenwärtig ist, ... wie kann man erwarten, dasz er den retter seiner tochter, dem er bey der abreise mit steifem arm zu umarmen die ehre erwies, da er vor ihm stand, kennen solte? Hippel lebensl. 3, 2, 440. — steif zugleich mit dem sinne 'gerade aufgereckt' (vgl. unten k): Aaron aber und Hur unterhielten jm seine hende, auff jglicher seiten einer, also blieben seine hende steiff 2. Mose 17, 12 (vgl. Heros unter I, 4, d). von diesen fällen ergeben sich dann freiere gebrauchsweisen, in die bedeutung 8 übergehend: also soll er ... mit wachsamen augen, steiffen händen, unerschrockenem hertzen seiner vorigen richtschnur nachgehen Lohenstein Armin. 1, 446b; der könig Aeolus mit sorgen ... die wind so mit einander stritten ... regieren thet mit steiffer hand Spreng Aen. 3b (1, 57), s. auch Ilias 95a (8, 15); ein freyer palmentrager ist kOenig Friderich zu dieser frist, der helt den zweig in BOehmerland mit frischer, steiffer, gewaptner hand lieder auf d. winterkönig s. 48. II@3@bb) die beine sind steif, pedes rigescunt Steinbach 2, 691; wenn meine beine zum tanzen zu steif geworden wären J. E. Schlegel 3, 389; die bauerburschen, die sich vorher ... auf den bänken reckten und die steifen beine von sich streckten, waren nun auf einmal wie umgetauscht Eichendorff2 3, 32; es war mir eine qual, mit meinem gekrümmten und steifen bein am stock durch diese gassen zu hinken Hesse Gertrud s. 33; sind mir die beine steiff, bin ich zu lahm ...? Voigtländer oden u. lieder s. 28 (23, 3); immer stürz' ich meine feinde über ihre steifen beine Göthe 5, 168 Weim. (d. neue Alcinous 2. th.). dafür: der eine hinkte, der andere affektirte ein steifes knie Lichtenberg verm. schr. 1, 65. weniger gut, aber ganz gewöhnlich: meine fsse sind gar zu steif Gottsched deutsche schaubühne 2, 446 (d. deutsche Franzose 1, 6); und gieng einher mit steifen füssen Gellert 1, 55. in anderm sinne (feststehend): es geschehe mit steiffem fusz oder mit passiren Sutorius fechtb. (1612) 81. — von thieren: ich schwang mich ... auf die hohlgebogenen rückenwirbel des thieres (pferdes); es kostete mühe, die steifen beine in bewegung zu setzen Steffens was ich erlebte 7, 155. zuweilen auch nur in dem sinne, dasz ein glied gerade ausgestreckt und unbeweglich gehalten wird (vgl. unten i): die Pinkerl reckt steife haxeln und fangt an zu bellen Ebner-Eschenbach 4, 391; wenn er (d. triel) nicht eilt, hat sein gang etwas sehr possirliches; mit steifen fersen und knien geht er in kleinen schrittchen, als wenn ihm die füsze gespannt wären, wunderlich trippelnd einher Naumann naturgesch. der vögel Deutschl. 7, 106. von plumper, 'hölzerner' nachbildung (also zu 2): weil ich mir plötzlich wie ein armes kind vorkam, das sein aus einem flöcklein baumwolle und etwas flittergold verfertigtes schäfchen am weihnachtsmarkte mit den vier steifen beinchen auf einen trockenen stein gesetzt hat G. Keller 3, 38. II@3@cc) vom rumpf: ihres bedruckten leinenkleides, das ihre steife, gerade gestalt ... umhüllte Ilse Frapan bek. gesichter 145. steifer rücken; dies allerdings zumeist nicht von dem zustande, sondern von der haltung des rückens: während also Garrick mit einer gefälligen nachlässigkeit in sich selbst ruhte, suchte ihm Weston mit steifem rücken allmälig die höhe abzugewinnen Lichtenberg 3, 326; Sibilla fühlt ihre ärmel, ihren rücken steif werden (vom frost) Federer d. letzte stündlein des papstes 89. gewöhnlich bildlich, als ausdruck einer moralischen eigenschaft, vgl. 8: es ist doch ein wunderlicher, eigenwilliger, hartnäckiger, alter mann. steif ist sein rücken und steif ist sein kopf Engel schr. 12, 64 (Lorenz Stark 7); ich trage einen mühlstein wohl zuweilen als halskrause, statt damit in's wasser zu gehen — das giebt einen steifen rücken! Hebbel 2, 27 (Mar. Magd. 1, 5); dem sauertopf zwang er (d. seckel) ein lächeln ab, und bog des stolzes steifen rücken krumm Bauernfeld ges. schr. 3, 97 (Fortunat 3, 14). dafür ungewöhnlich: ob gleich er auff dem tisch die ellebogen stützt, und nicht mit steiffer brust wie eine jungfraw sitzt Opitz teutsche poem. s. 238 neudr. (Zlatna 424). sehr gewöhnlich: ein steifer hals, collo incordato Kramer dict. 2, 945b; collum fixum Steinbach 2, 691; steifer nacken, steifer hals, obstipitas Nemnich lex. nosolog. 17a; sie rieth jedem, zur heiligen Barbara zu beten während eines gewitters, ... zum heiligen Blasius gegen steifen hals Gutzkow ges. werke 5, 24; sie kurirt jede rose und jeden steifen hals renkt sie ein ritter vom geiste 7, 189; auch: die schultern (des Menöceus auf Philostrats gemälde) sind stark, der nacken fest, nicht steif Göthe 49 I, 79, 24 Weim. von einem thier (hier als dauernde eigenschaft), und relativ genommen: wie sein (des drachen) beschmutzter leib rauscht und die schuppen reget, und mit verneurter krafft den steifen hals beweget Pietsch schr. 5. auch hier ist die freiere gebrauchsweise, um seelisches auszudrücken, sehr beliebt: dieser freund (Knebel) ist nun wieder in Ilmenau angelangt, seine schöne wird in wenig tagen abreisen, um ihm das joch der ehe auf den alten steifen nacken zu legen Göthe briefe 13, 50 (an Schiller 31. Jan. 1798); nicht wird fromm auf dem hügel Cheif — ein nacken, zum gehorsam steif Rückert 11, 417 (25 mak.); sold zu nehmen und seinen steifen nacken in das joch des dienstes zu schmiegen fiel dem reichsfreiherrn (v. Stein) von haus aus schwer Treitschke d. gesch. 1, 272; an dem ein strenges hausz (d. gefängnis) die feste mauren zeiget, worin der boszheit wird der steiffe hals gebeuget Chr. Warnecke poet. vers. (1704) s. 409; so kömmt ein mann von grossem nahmen ... und geht mit steifem hals' und stolzem blicke vorbey Ramler fabellese 2, 494. dagegen als bezeichnung des normalen zustandes: von alter auch vergeht die stimm und sprach, von alter gibt der steiffe nacken nach Voigtländer oden u. lieder s. 39 (32, 4). so auch vom kopf, der durch steifsein des halses aufrecht und unbeweglich gehalten wird: der furchtbarste aller götzen, Mahamuni, sasz da, aus einem riesenhaften steinkolosse gebildet, mit steifem haupte, verschränkten armen und untergeschlagenen beinen Gutzkow ges. werke 6, 158 (Maha Guru 1); übertragen: ein weib, das bald den sinn des mannes lernet kennen, versucht nicht an die wand mit steiffem kopf zu rennen Rachel sat. ged. s. 38 neudr. (3, 42). nd. enen stiven kopp hebben 'einen eigensinnigen, unbiegsamen kopf haben, halsstarrig seyn' brem. wb. 4, 1031, ostfries. ten Doornkaat Koolm. 3, 312b. vgl. steifkopf, -köpfig. II@3@dd) andres selten: er hat durch seine ausschweifungen schon längst seine gesundheit zu grunde gerichtet, und bey der Kamilla Martella die neige seiner kräfte vollends so abgezapft, dasz ihm die zunge steif geworden ist und verdorrt Heinse werke 4, 132 Schüddekopf.von thieren: die wilde eber ... waltzen sich gern im kaat, damit sie eine dicke steiffe haut bekommen Heyden Plin. s. 272 (VIII, 52, § 212). II@3@ee) im allgemeinen: steife glieder, ... membra intirizzate, stupide, stese Kramer dict. 2, 945b, rigida membra Steinbach 2, 691: so wie sein (des bauern) körper und seine glieder steif sind, so scheint es ... auch seine seele zu sein Garve bei Freytag bilder 3, 453; ein jedes glied, gelenker kraft beraubt, soll steif und starr und kalt wie tod erscheinen Shakesp. 9, 254 (Romeo 4, 1, ebenso Göthe 9, 255 Weim.); der prior sich zur seite kehrt und, dem erstarrten zugewandt, die steifen glieder abwärts fährt Droste-Hülshoff 2, 77 (hospiz 2). steife gelenke, anchylosis Nemnich lexic. nosolog. 17a; steife geädere bei pferden, s. Chomel unter h zu anf. — die muskeln werden steif Zimmermann von d. nationalstolze 19. und sind solches gemeiniglich feiste und alte hirsche, weil ihnen die nerven oder sehnen steifer und kürtzer werden Döbel jäger-pract. 1, 8b; vgl. auch: die stäbe oder bruchstücke der fasern sollen steif und brüchig seyn Sömmering vom bau des menschl. körpers 6, 786. sehr gewöhnlich, obwohl ungenau, spricht man von steifen knochen (statt gelenken): in so hohen jahren werden zuletzt die knochen denn doch steifer als billig Göthe briefe 35, 198, 4; ungewöhnlich dagegen: o lachen, süszes theures gut, du machst das auge hell, und steifer adern schweres blut zum hüpfen wieder schnell Becker Mildheim. liederb. s. 95b. II@3@ff) auch von dem ganzen menschen sehr gewöhnlich: sein leib wird steif, und er verlernet die kunst, sich tief zu bücken J. E. Schlegel 3, 364; der flügelmann exercirt vorspringend, damit der soldat im gliede, und der steife rekrut exerciren lerne Herder 17, 249 (human. br. 51); meine herren! ... Sie sind für eine degagirte, grazieuse menuett schon zu steif und zu ... alt K. Fr. Cramer Neseggab 4, 54; sie sprang wie ein reh von klippe zu klippe und half lachend dem steifen Alvarez, wenn ihm vor einem sprunge graute Eichendorff2 3, 267; der edle bräut'gam, zwar ein wenig steif und schwer, stapft an Rosettens hand gar ehrenfest einher Wieland 22, 267 (Ob. 6, 42); und dieser alte jäger, itzt zu steif, um auf die jagd zu gehen Goekingk 2, 116 (10. ep.); so auch: und auch der Wilhelm war nicht steif und brachte seinen runden reif Struwwelp. 8. gern durch einen vergleich gesteigert: er ist steif wie ein wallach — wie ein ziegenbock Frischbier sprichw. 1, 252, 3610; nd. so stîf ass 'n bock Danneil 212a, s. auch Bauer-Collitz 98b, vgl. bocksteif, th. 2, 208. Spiess 241. steif wie ein stock, wie holz, wie ein scheit, eine kerze, vgl. 2, h zu ende. lothr. stif wie bohnestroh Follmann 499a. unterfränk. steuf, wie wenn 'r 'n bas'n (besen), 'n basastiel, 'n lodstock, 'n lange knoch'n verschluckt hätt Ruckert 175 (so auch sonst). II@3@gg) ebenso von thieren, bes. gern vom pferde, im gleichen sinne wie vom menschen; ein steifes pferd, cavallo resito, stallio, impastoiato dalla stalla Kramer dict. 2, 945b; 'das pferd ist steif, wenn es die gelenke in den füszen nicht biegen kann' Adelung; vgl.: gras-fondu, heist im frantzösischen eine gewisse pferde-kranckheit, wenn nehmlich ein pferd gantz stumpff und steiff auf die fsze wird Chomel öcon. lex. 4, 1325. belege: seine pferde waren steif und wollten gar nicht laufen, denn sein gegner ein heide, hatte sie behext Zimmermann üb. d. einsamk. 1, 231; wenn ich ihn abrichten wolte, dasz wenn ich aufstieg er die knie beugen ... solte, ... war er doch zum kniebeugen ... viel zu steif Hippel lebensl. 1, 97; freier und übertragen: umsatteln muszt du. 'runter ... von dem groszen, steifen schulgaule und wie der wind auf einen munteren jagdklepper gestiegen! Holtei erzähl. schr. 6, 122; ach nein! ich sah mit meinen grillen den einen theil für wilde füllen, den andern theil für steife mähren an Goekingk 1, 126. s. ferner h, ε. ζ. — von puppen: da sich sonst andere puppen, wann sie berühret werden, bewegen, so hab ich hingegen diese allezeit ganz steif befunden Rösel ins. belust. 1, 4, 260. bei andern thieren bezeichnet steif dagegen den eindruck ihrer erscheinung überhaupt, im vergleich mit andern, oder eine bestimmte haltung: der steife storch machte so wunderliche capriolen auf der mauer, dasz sie lachen muszte Eichendorff2 3, 304; bemerkt er (d. schopfreiher) etwas verdächtiges, so dehnt sich der hals ein wenig, die figur wird einigermaszen einem spitzen pflocke ähnlich ...; entfernt sich aber die gefahr, so verliert die figur allmählig wieder das steife Naumann naturgesch. d. vögel 9, 130. — von hier gehen bildliche gebrauchsweisen aus: als nun plötzlich der anblick des meeres sich auftat, das, wie es an gewittertagen zu sein pflegt, schwärzlichgrün und steif wie ein schlafendes riesentier dalag Ric. Huch triumphgasse 7; so wol auch: die Neugriechen haben keinen dativum in ihren declinazionen, und ihre verba sind steif geworden. das futurum wird mit dem hülfsworte wollen gemacht ... Heinse 4, 35 Schüddekopf. II@3@hh) das steifsein kann mannigfache ursachen haben, vgl.: steiff, oder starr, lat. rigidus, franz. roide, zeiget überhaupt nichts anders, als eine unbiegsamkeit, und bey menschen oder vieh ihrer gelencke an, welche zwar mehr, als von einer ursache, insgemein aber von grosser kälte, ingleichen vom schlage, krampfe, oder einer andern lähmung, u. s. w. entstehet ... bey denen pferden aber entstehet das steiffwerden insgemein vom vielen reiten und von schlechter wartung. sie bekommen nemlich gar bald steife geädere, mithin dergleichen gelencke an beinen Chomel öcon. lex. 8, 1595. II@3@h@aα) als wirkung der kälte (wie auch bei dingen s. 2, l): rigidus ... starr, steiff, hart vom frost, erstarret Corvinus fons lat. 280b; steif werden für kälte u. s. w. intirizzarsi, assiderarsi, inrigidire, gelarsi, ingelarsi di freddo, instupidire di freddo Kramer dict. 745b; els. stiffi häng 'steife, verfrorene hände' Martin-Lienhart 2, 576a; verstärkt stiff un strack 'vor kälte ganz starr, besonders von erfrorenen und toten' ebenda; nd. ek freise ganz stîf Schambach 210a, s. auch Bauer-Collitz 98b. verhülle die glieder, dasz sie dir nicht steif werden in der nachtluft der berge Freytag werke 8, 254; dasz er jämmerlich zu frieren begann in seinen elenden kleidern, dasz ihm die glieder steif wurden, grämte ihn nicht Ebner-Eschenbach 5, 21; so besonders in der verbindung: die finger sind ganz steif gefroren Adelung: ich zweifle nicht, dasz sie ... irgend einen steif gefrornen sandhasen als einen nordischen riesen vor unseren augen aufthauen lassen Brentano 5, 429; der sich seiner hertzlich an nam, als er gar steiff gefroren war Rollenhagen froschm. (1595) Q 2b; ein stündlein drauf, wenn mir die sporen bereits ein wenig steif gefroren Mörike ged.4 271 (d. alte thurmhahn); auch als ein wort zusammengeschrieben, s. unten. verstärkt im mansfeld.: starr unn steif frîren Jecht 107a. ungewöhnlich: ich war so steif ausgefroren wie das rehkalb, das als blinder passagier mit mir auf dem postwagen gesessen J. Paul 11, 1 (Siebenk. 1). — dazu: sie ... strickte mit ihren weiszen, kältesteifen fingern an einer wollenen jacke für ihren mann Ilse Frapan zw. Elbe u. Alster 158. II@3@h@bβ) dauernde unbeweglichkeit ist besonders dem toten eigen, so im Elsasz geradezu: ër is stif, gestorben Mar tin - Lienhart 2, 576a; henneb. er ist schon bocksteif, kalt und tot Spiesz 241. belege: Mendelssohn und andre ... haben versucht die schönheit wie einen schmetterling zu fangen ...; doch es ist nicht anders damit, als mit dem schmetterlingsfang; das arme thier zittert im netze ...; und wenn man es ia unversehrt erwischt, so stickt es doch endlich steif und leblos da Göthe br. 1, 238, 26; da fiel der vermeynte schläfer starr und steif, wie ein todter, vom stuhle Langbein s. schr. 31, 88; er griff nach der hand der verblichenen, — sie war steif Holtei erz. schr. 10, 117; manchmal möchte man ... an Harlequin denken, der öfters in der pantomime todt hinfällt, ja als steifer leichnam von Pierrot aufgeladen wird Justi Winckelmann 2, 2, 223; als er sich aber steif und eiskalt anfühlte und also sicher tot war Federer Sisto e Sesto 9; vom sterbenden: aber reden, schreiben ... konnte der sterbende nicht mehr. steif und still lag er da d. letzte stündl. des papstes 5; sein leib erkaltete, die augen brachen sich, die glieder wurden steiff, noch eh die seel entwich Henrici 1, 197. II@3@h@gγ) in geringerem grade vom alter, vgl.: silicernus alt in die erde siende gelijch eynen doeden, dot ... starck, styff Diefenbach gloss. 533c. so schon (doch hier mehr im sinne eines vorzugs, von der festigkeit des erwachsenen alters): er nennet yhr ding, davon sie reden, alt, das ist steiff, fest und starck, das nicht new ist Luther 19, 585, 32 Weim. (zu ps. 94, 4); von alter seyn die beine steiff und schwer Voigtländer oden u. lieder s. 39 (32, 9); de (Medea) konde maken junck den de was old und stiff Lauremberg schertzged. 1, 370; auf, gesellen, und macht die steifen glieder ihm gelenk! Halm ausgew. werke 2, 167 Schlosser (sohn der wildn. 2). so dann auch vom alter selbst gesagt: dies leben mag das beste seyn, ist ruh' das beste leben; ... für euer steifes alter (your stiff age) passend Shakesp. 9, 47 (Cymbel. 3, 3). II@3@h@dδ) als folge von verletzungen: doch war er auch fäste (kugelfest) gewesen, in deme er zwar etliche mahl getroffen, aber doch nicht durchschossen worden, allein er ist endlich davon steiff und unnütze zur arbeit worden Prätorius glückst. 46; du ... schnittest dich so sehr in den arm, dasz herr Wendelstern ... meint, du hättest ... einen steifen arm behalten ... können E. Th. A. Hoffmann 6, 213 Grisebach; der bruch ist schlecht eingerichtet, ... ich werde einen steifen arm haben Holtei vierzig jahre 1, 21; gelinder und vorübergehend: general von Möllendorf, noch steif von den miszhandlungen, die er erlitten Bismarck ged. u. erinn. 1, 22; Möllendorf fiel mir ... vor wundschmerzen steif um den hals 25; dazu: frau, ich saa d'r, ich hau dich noch stiff un lahm, wenn de nit stille bisch Greber Lucie (1901) s. 15 (Straszb. mundart). — als krankheitserscheinung: die Rosemarie liege drinnen in der wohnstube und sei ganz steif Ludwig 2, 501. dazu: steife kranckheit, steifnis, raphania Nemnich lex. nosolog. 17a. so ferner: das arme mädchen ist vergiftet ... seht nur an die steifen glieder! Göthe 11, 166 (scherz, list u. rache). einen steifen hals haben infolge von erkältung u. a.milder, als symptom der betrunkenheit: sie ... gehen, vom spiel, dampf und dem portwein allmälig übermannt, stumm und steif ... zu bette Gutzkow ges. werke 8, 9. (nd. stîf für betrunken, s. Woeste 256a; vgl. 6, b, δ.) II@3@h@eε) als folge zu groszer oder zu lange fortgesetzter anstrengung (bald als vorübergehender, bald als dauernder zustand): meine glieder waren vom gehen so steif, dasz ich eine zeit lang stehen muszte, ehe mir das sitzen möglich war Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 99; so, hab mir schier die bein steif geritten Pocci lustiges komödienb. 100; bruder Klaus stand sogar auf, so steif er von der arbeit war Frenssen d. brüder 265; ein jäger denckt und spricht: es ist die welt ein wald, und, mit vergnügen steiff vom täglichen gerenne, ... begreifft er nicht, wie man in städten wohnen könne Brockes 1, 409; wäre nicht der mattre lauf der säfte, der steife arm, der ausgesogne gaum, sie hielten's (den kampf) beide schier für einen blossen traum Wieland 17, 42 (Jdris u. Zen. 1, 57). 'steif, sagt man von einem pferde, das zum reiten oder ziehen zu stark genutzt worden ist' Hübner31 4, 396b. so im bilde: sieh hier den spott! ein rasches steckenpferd! und doch, wie bald hab ichs nicht steif geritten! Goekingk ged. 1, 112. so auch: wenn mir dann (beim beobachten) das genick steif wurde, drehte ich mich um und sah nach der andern seite hinunter Plüschow flieger v. Tsingtau 66; und, wo ein haus vermuthung zu erregen, und halbweg würdig schien solch einen schatz zu hegen, hab' er beynah sich blind und steif gegafft Wieland 21, 193 (Klelia 1, 401). II@3@h@zζ) doch auch als folge zu langer unthätigkeit, unbeweglichen verharrens in derselben haltung: gehen wir ein wenig spazieren, papa; man wird ganz steif vor lauter dasitzen Ebner-Eschenbach 4, 422; er hinkt ein biszchen und reibt sich die knie wie einer, der vom langen hocken steif geworden ist A. Croissant - Rust arche Noah 47; er ... stand auf, trat sich die glieder aus, die ihm steif geworden Carl Hauptmann hütten am hange 155; mein arm wird steif, empfind' ich, in der ruhe, und einen buckel von des deinen breite, ihn such' ich just, mich wieder einzuüben Kleist Amphitr. 1, 2, v. 133. so gern mit prädicativem acc. der wirkung, sich steif stehen, liegen, vgl.stehen II, A, 6, sp. 1483; sich müd, steif sitzen, ... intirizzarsi, it. calterirsi per un lungo star' assentato Kramer dict. 2, 822b; (im bilde:) dasz aber die hoffnung auf unendliche entwicklungen den menschengeist aus seiner verengten lage worin er sich steif und kaput gelegen hat herausarbeiten wird Bettina v. Arnim dies buch gehört d. könig 1, 81; von pferden: und ist es so, so soll er ... meine braunen polacken reiten, die sich jetzt steif stehen Klinger 1, 101 (falsche spieler 1, 2). dafür in der älteren sprache, ungewöhnlich: damit die pferde sich nicht steiff stellen sollen, ist es besser, dasz ich einmahl fahr Stranitzky Ollapatrida 146 (110, 10 neudr.). II@3@h@hη) zuweilen hat das steifwerden auch seelische ursachen; bes. plötzlichen schrecken, vgl. Müller - Fraureuth 2, 558a: ich fand sie ganz steif vor schrecken Möser patr. phant. 3, 62; aber fällt dann mitten im sichersten fressen ein laub zu boden, hui, wie sie (die hasen) erbleichen und steif werden, als hätten sie schon ein pfund schrot im rücken Federer d. letzte stündl. d. papstes 28. so denn auch verbunden: eines tages — o, sie fühlt noch den starren, steifen schreck! — brachten sie ihren mann auf einer tragbahre nach hause Sohnrey im grünen klee 82. gelinder, für das gewöhnliche starr: steif und ungläubig glotzt alles volk den jungen und das krüppelchen an Federer a. a. o. 92; die schauenden waren vor staunen steif Rückert Firdosi 2, 469. so in Leipzig: er war ganz steif, auszer sich, vor erstaunen, schreck u. s. w. Albrecht 217a. vor schmerz u. ähnl., so ganz eigentlich von der zu stein erstarrenden Niobe: durch leiden steif und starr Bode Montaigne 1, 371 (übers. von 'deriguisse malis', Ovid. metam. 6, 303). in der volkssprache sich steif ärgern, nd. sik stief argern 'sich fast zu tode ärgern' brem. wb. 4, 1031, s. auch Schütze 4, 200; Danneil 212a. II@3@ii) daran schlieszen adverbiale gebrauchsweisen. II@3@i@aα) das glied als subject: das bein ist zwar steif aufgezogen, welches sich freilich zu einem verwundeten fusze passen würde Göthe 49I, 284, 2 Weim. (triumphz. v. Mantegna 4); die hand ..., die ... steif herabhing ohne geste Carl Hauptmann Einhart 1, 3. II@3@i@bβ) das glied als object: die langen knochigen arme lang und steif ... auf ihre kniee legend Ludwig 2, 309; (im alter) kehrte er als ein fremdling in sein vaterland zurück, um dort seine tage zu beschlieszen und die sonst immer rührigen glieder für das grab steif zu strecken Bayer studien 458; und als sie treten in den saal, o wunder! steht an weiszer wand frau Hildes schatten, hebet steif drei finger an der rechten hand Mörike ged.4 107. so schon mnd.: hadde twe hovede stif (gerade) up gherichtet Korner bei Schiller-Lübben 4, 405b. — so besonders steif halten: der lincke elnbogen musz ein wenig von den leibe und aufwärts gehalten werden, ... das rechte knie steif oder strack Fleming t. soldat 246b (3, 19, § 2, 1); er sagte nichts, hielt auch die hand steif und leblos Ilse Frapan zw. Elbe u. Alster 188; warum hältst du den finger denn nicht steif? Rückert 3, 187. zumal in gewissen verbindungen: der (rathsherr) rannte, mit vor sich geworfnen armen, ins gelag hinein, und hielt den nacken so steif, dass die nase mit den wolken so ziemlich gleich war Engel schr. 1, 92; ähnlich: er behält den nacken zu steif, wenn er grüszt Alexis Roland v. Berlin 1, 335; ich kan meinen mund so halten ..., meinen hals gerad und steiff, als wie eine orgelpfeiff Voigtländer oden u. lieder 71 (60, 11); vgl.: die jden ... tragen einen stoltzen mut, brsten sich, und starren mit jrem ḥals steif Luther 8, 120b. so auch, schon früh belegt: sie (die fürsten) billichen und schutzen sein (des papstes) stand, als sey er recht und von gott, davon er steyff und halsstarrig seinen kopff tregt Luther 11, 378, 20 Weim.; ach hertzet mich doch einmal, haltet doch den kopff fein steiff engl. comed. u. traged. z 7a. — am häufigsten in der sprichwörtlichen redeweise die ohren steif halten 'sie spitzen, dann, genau zuhören. auch sagt man: Sie müssen die ohren steif halten, statt: sie müssen dem übelbefinden nicht nachgeben, munter bleiben' Campe. in wirklichkeit hat diese, nur bildlich vom menschen gebrauchte wendung den sinn: sich in schwieriger lage aufrecht halten, durchhalten, guten mut bewahren, und ist bestimmt sowol durch den gegensatz zu die ohren hängen (lassen), als ausdruck der mutlosigkeit (s.ohr II, 2, th. 7, 1228), wie durch steif 8: nun gilts. lassen Sie nun sehen, dasz Sie ihre ohren steif halten Holberg,n. schaubühne 4, 152 (Ulysses 1, 2); ich halte die ohren steif, und nehme meine stellung so gut ich kann aus Schleiermachers leben 4, 216; ich habe zur zeit viel zu leiden und mühe die ohren steif zu halten Chamisso 6, 220; leben Sie wohl, halten Sie in der schweren zeit die ohren steif L. v. Gerlach briefw. mit Bismarck 186 (aug. 54); überhaupt sie solle sich zusammennehmen und die ohren steif halten Polenz Grabenhäger 1, 360; lot uns ober de ohrn stief hollen. wie sünd noch nicht borgen Gorch Fock Nordsee 51; ohne verb: aber nun die ohren steif. wer ein hundsfott ist, kriegt die kugel vor den kopf Fontane 2, 214. ähnlich, doch eigentlich, von einer kuh: nun stehe gerade und halte die hörner steif, damit du nach etwas aussiehst Immermann 3, 11 Hempel (Münchh. 5, 1). nd. de âren stîf hâlen 'gesund bleiben' Schambach 210a, Danneil 212a, dagegen waldeck. für 'eifrig arbeiten' Bauer-Collitz 98b ('den mut nicht verlieren' 7b). — so denn auch sich steif halten, eigentlich: dahingegen haben die unserigen ... einen guten geschlosznen sattel, darinnen sie sich desto steifer zu pferde halten Fleming s. soldat 88a (2, 1, § 10); verstärkt: wenn noch etwas in ihm steckt, das noch nicht verbraucht ist, so geht er in fremde kriegsdienste und lernt dort ... sich einzuknöpfen und steif aufrecht zu halten Keller 4, 8. sonst sich freierem gebrauche nähernd: bester! liebster! halten Sie sich steif, als ob Sie den sähen, der unsichtbar ist Lavater verm. schr. 2, 181; sie thuon es alles uff ein list, das sie so still sein uff der fest ... und halten sich gar steiff und stil Murner Luth. narr 3268. vgl. auch: er ... machte sich steif in den knieen und kämpfte sich schritt für schritt weiter Ilse Frapan zw. Elbe u. Alster 237. nd. (altmärk.) dat kräöt maokt sick so stîf, ass 'n bôm von kindern, die auf den arm genommen werden Danneil 212a. II@3@i@gγ) steif neben verben der körperhaltung und bewegung. steif stehen, vgl.stehen II, A, 5, e, sp. 1479; steif da stehen Adelung: der erschrockene spieler stand steif und albern Schiller 2, 346; es war nichts lustigeres zu sehen, als wenn er .... plötzlich strack und steif da stand G. Keller 1, 341; (er) steht bey seiner brandtwein-bulle noch steiffer als mein hauben-stock Günther 437; die stirn soldatisch in die höh' am steifsten steht der marronier Droste-Hülshoff 2, 77 (d. hospiz 2). nd. stief staan vor verwunderung brem. wb. 4, 1031. (daneben mit andrer nuance: stief staan von schorf 'von grind und krätze starren' ebenda. in der ältern sprache in anderm sinne, s. unten 5, a.) — steif sitzen, so schon: ob man dir dann grosz ehr anthet, ... dasz auff dich wartet jederman, bisz dasz du greiffst das essen an: so sitz in deiner grobheit steiff lang zeit, dasz niemand das angreiff Scheidt Grobianus 3029; he sadt so styff als ein hoppenstaken Lauremberg schertzged. 4, 200; dass es eine zeit gab, wo kinder artig genannt wurden, wenn sie steif wie wachskerzen um den elterlichen tisch sassen Börne 3, 137; ohne sich an das feierliche aussehen des marschalks zu kehren, welcher steif auf seinem stuhle sasz Freytag ges. werke 10, 10; wo man sich ... anlehnen kann, un braucht nicht steif un grade zu sitzen Fontane 5, 55. vom reiter: die beyden bügel (dienen) damit man lerne grad und steiff sitzen Harsdörffer frauenz. gesprechsp. 5, qq 2b; er sasz auf dem pferde steif wie ein schneider Kortum Jobs. 3, 124 (28, 2); ohne verb: Araber auf hohen rossen, steif im sattel allesammt Geibel 8, 174. steif gehen: endlich, indem sie steif und strack auf die wand losging, verschwand sie in derselben Mörike ges. erz. 71; entschlosz er sich aber zu einem spaziergang, so putzte er sich ... peinlich heraus ... und wandelte steif ein wenig vors thor G. Keller 4, 218; doch hier gehn mädchen ja so schwer, so steif und schnurgerad' einher, als steckten sie an spieszen Blumauer ged. (1782) s. 41. nd. he geit so stief, as of he braden geten het brem. wb. 5, 460. verstärkt: wenn der herr rat Selle es einmal in würde selbst unternahm, sonntags mit hinauszuwandern und ... stumm und steif emporgereckt in den frühling zu ziehen Carl Hauptmann Einhart 1, 10. anders: wenn ihn (d. löwen) einer von den ... jägern mit seinem spiesse berührt, stemmet er sich steif Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 38; Hanns [grüszt auf eine lächerliche art, und stellt sich wieder steif hin] Stephanie sämmtl. singsp. 35; (er) pflanzte sich steif hin wie ein laternenpfahl Siegfr. v. Lindenb. 1, 189; Jobst streckte sich in dem bette so steif er konnte G. Keller 4, 217, vgl. 224; (im bilde:) doch zuletzt wurde er nochmals meister über dies wesen und stellte sich wieder steif auf die beine 5, 158; unbeholfen steif erhob ich mich aus dem strauchwerk H. v. Barth aus den nördl. kalkalpen 458; gleich einem ungeübten, hielt er steif sein zepter, und bewegt' es weder vor, noch hinterwärts Bürger 153b (Il. 3, 276 = 219: ἀστεμφὲσ ἔχεσκεν). steif aufrecht (auch als éin wort, s. das.): so hat sie damals in der ecke gestanden, steif aufrecht an die wand gedrückt Ilse Frapan querk. 93. II@3@i@dδ) steif als attribut bei den zugehörigen verbalsubstantiven, bes. steifer gang, schritt. gern in milderem sinne, gemessen, bedächtig, so schon: mit gutem steiffen schritt, aber nit zu behend, sonder fein langsam Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 1165; Johann gieng seinen steifen gang und that seine pflicht Möser patr. phantas. 2, 267; erst als die finsternisz alles bedeckte, schritt er steifen, langsamen schrittes heimwärts Storm 7, 159; worauf Thiel mit langsamem, fast militärisch steifem schritt auf den letzten wagen zuschritt G. Hauptmann bahnwärter Thiel 57. zumeist kaum mehr meinend als einen festen, schweren gang.auch in bildlichem gebrauche: ich glaube also auch in den unserer sprache natürlichen sylbenmaaszen einen steifen und festen tritt zu hören, ohne zu gaukeln, und zu springen Herder 1, 207. — wiederum in adverbialer fügung: sie ... verrichteten einen kurzen tanz, der aber bey demjenigen, der sich in der mitten befand, gar schwer und steiff abgienge Anton Ulrich v. Braunschw. Octavia 5, 251. II@3@kk) in einzelnen fällen bezeichnet steif nicht nur die unbeweglichkeit der theile gegen einander, sondern zugleich eine gerade aufgereckte oder ausgestreckte haltung (vgl. 2, f). so schon 2 Mose 17, 12 unter a. so besonders vom männlichen gliede: steifes mannsglied, membro virile, ritto, rizzato, duro Kramer dict. 2, 945b. dazu: im steifen zustande des penis ist die ganze harnröhre ein nach oben mehr oder minder hohler bogen Sömmering vom baue des menschl. körpers 5, 341. von hier aus erklärt sich wohl der ausdruck der älteren studentensprache steife gedanken, wollüstige, s. Kindleben (1781) s. 182; studentenspr. in Halle 105 (idiot. von 1795); Kluge studentenspr. 128a; wie auch der nd. wirtshausname ton stiben finger, s. nd. korrespondenzbl. 1, 67. — vom schwanz der vögel: so ist derselbe (d. birkhahn) auch mercklich grösser (als d. huhn), und hat ... einen ziemlichen langen steiffen schwantz v. Göchhausen notabil. venatoris 79. II@3@ll) steif gern von haaren, geringere biegsamkeit, zuweilen auch gerades empor- oder abstehen bezeichnend: die hat ... haar brandschwarz und dick wie pferdehaar und steif wie ein gewichster zwirnsfaden Ludwig 2, 332. gewöhnlich künstlich bewirkt durch fett, pomade u. ähnl.; vgl.: am meisten aber war sie dadurch entstellt, dasz man ihr die haare steif mit fett, mehl und nadeln aus der stirn gestrichen und oben zusammen geheftet hatte Tieck 4, 274; dasz ihr haarputz ... mit fett steif gemacht sey Ritter erdkunde 1, 562. vom bart: wenn er daherkam mit steifem knebelbart Ric. Huch d. hahn v. Quakenbrück 17. steife locken: die steifen locken, die sich aus der nachtmütze drängen Arnim trösteinsamk. s. 7 Pfaff; ein groszer dreieckiger hut über den steif einpomadisierten und eingewächseten locken Arndt 1, 19 Rösch. steifer zopf: Goethe hatte das schönste braune haar; er trug es ... nicht wie der alte Fritz als steifen zopf, sondern so, dasz es in dichtem gelock frei herabwallte Förster, s. Goethes gespräche 1, 10; die steifen zöpfe ... geben den kerlen (der russischen leibwache in Neapel) ein ansehen von ganz possirlicher unbehülflichkeit Seume 3, 75 Hempel; wenn ihr die steifen zöpfe hängt wieder an die köpfe Rückert 1, 219. von perrücken: ein kümmerlich armer teufel ... entblöszte, indem er ... den hut abthat, eine übelgepuderte, aber übrigens sehr steife perrücke Göthe 18, 174 (Wilh. Meister 2, 7). — von den haaren der thiere, besonders von den dickeren borsten; so: gesicht, hände und füsze (des hulman, eines schlankaffen), soweit sie behaart sind, und ein steifer haarkamm ... sind schwarz Brehm thierl.3 1, 114. von dingen, die aus haaren verfertigt sind, steife bürste; steifer pinsel: hier (in e. holländ. dorfe) sah ich ... die strasen mit steifen bürsten abbürsten Lichtenberg nachlasz s. 137, 22. — von federn: sie schleisset die federn ... mit so auserordentlicher sorgfalt, ... dass nicht eine einzige steife feder ... aus unachtsamkeit mit hinein schleicht Petrasch lustsp. 2, 172. II@3@mm) eine andre nuance entwickelt steif besonders im ältern nhd., wenn es auf fleischige körpertheile angewandt wird im sinne 'voll, rund, prall' (also im gegensatz zu 'schlaff, schlapp, welk', was sich nicht leicht eindrücken läszt). so bes. vom weiblichen busen: darnach an ire schöne brüstlein kame die er hert und steif fand Arigo decam. 584, 30 Keller (toccandole il petto e trovandolo sodo e tondo 9, 10, s. auch Montanus 420, 10 Bolte, gartenges. 111); dis kraut (sinau) zustossen und auff die brüste der weiber ... gelegt, machet dieselbigen hart und steiff Sebiz feldb. 213; dasz die brüstlin klein bleiben, unnd steiff werden Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 116; aber meine ... mutter war viel zu vorsichtig; sie machte mir meine brüste wieder so steiff, als wann sie niemal ... ein kind gesogen hätte Grimmelshausen 4, 577, 27 Keller (vogelnest 2, 10); wie vil gilgen machen prangen deinen busen steiff und rundt Zinkgref auserl. ged. s. 43 neudr.; die hat ein kleines kinn, und eine steife brust B. Neukirch ged. (1744) d 8a. von den backen nur in der verbindung: (im bilde:) es müsz aus meinem blut ... ein rächer aufferstehn, und eine seel erscheinen; die voll von meinem muth ... in den noch lichten brand, der mich verzehren musz, mit steiffen backen blase A. Gryphius 1, 42 (Leo Arm. 2, 6, 603); diesz treibt ihn, dasz er oft der zwietracht amt verwest, und in des zankes glut mit steifen backen bläszt J. E. Schlegel 4, 130. anders: ich kann unmöglich mehr trinken, denn ich habe schon so viel zu mir genommen, dasz mein magen so steif ist, wie eine trommel Gottsched deutsche schaub. 1, 463 (d. polit. kannegieszer 4, 9); so lange dir noch steif die wade, und füchs' in deiner börse stecken v. Koenig ged. 359 (Hor. od. 2, 3, 3). vom zahnfleisch (sinn?): so haben sie (d. kinder) grosz hitz vom zanwee, ehe sie auszzanen, so musz man dann den kalck mit wein leschen, das macht die pillerlein steiff Garg. s. 170 neudr. (1. ausg.: macht jnen die büllerlin steif und bald auszanen). vgl. bilern, th. 2, 24 f. II@3@nn) wieder in anderm sinne von zähnen, festsitzend (vgl. 5, a): solidi dentes, quibus opponuntur concavi. sat, gantz, frisch und gsund, guot und steyff zAen Frisius dict. (1556) 388b; so sy (d. zähne) wagcken und man sy mit eselmilch besprengt, so werden sy steyff Gesner thierb. 43a; wann die zAen wOellten wackeln, ... so bestreich sie offt mit rosenhonig, ... so werden sie wider steiff Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 158. II@44) steif für 'dick, zäh, stark'. II@4@aa) von dickflüssigen, breiartigen massen, die dem festen aggregatzustande nahe kommen, zäh oder gar nicht flieszen und sich schwer umrühren lassen, sehr dick, rund: steifer teig. den teig durch beimengung mehreren mehls steif machen. ein steifer brei Campe; so auch in mundarten, s. Meisinger 180b, Spiess 241; adv., nd. de dêg is to stîf mengd ten Doornkaat-Koolman 3, 312b. steifes mus, pflaumenmus, dick eingekocht, vgl. Albrecht 217a. Müller - Fraureuth 2, 558a. auch eine steife suppe kochen. er trug grütze und hirse ... im zwerchsack, davon die hausmutter einen steifen brei kochen muszte, dasz der löffel darin stand Musäus volksm. 1, 38 Hempel (leg. v. Rübez. 3). — steifer matz, steifer käse, 'in einigen gegenden ein name des streichkäses oder quarkes' Adelung. (hier also im vergleich zu gewöhnlichem käse einen geringeren grad von festigkeit bezeichnend, doch wol absolut gemeint, in demselben sinne; die erklärung von Frisch 2, 328a: 'steif, als käse, acrioris saporis caseus, tyrotarichus' trifft kaum zu.) häufiger als éin wort: steifmatz, s. u. so auch adverbial: dann ein vichbAeurin wolgemuth ein kAesz von millich machen thut, wellicher bald zusamen geht, und auff einander steiff besteht Spreng Ilias 70b (Il. 5, 901 f.). von andern flüssigkeiten vereinzelt: wann der zucker siedet, so nimmt man ein halb pfund eyer-klar, reibet selbiges mit gestossenem zucker an, dasz es ein schönes weisses eisz wird, ziemlich steiff, also, dasz es nicht vom löffel fliesset Hohberg 3, 147a. — so auch (?) als ausdruck der chemie: wird (bei der chlorkalkbereitung) anfangs ... zu stark geblasen, so entstehen die sogenannten rothen chargen ..., wird dagegen beim zulassen der zweiten menge kalkmilch nicht stark genug geblasen, so entstehen sogenannte steife chargen Muspratt chemie4 2, 601. II@4@bb) auch vom erdboden, fest, zäh, nicht locker (anders als 2, k); luxemb. šteiwe bu(e)dem 'schwer zu bearbeitender boden' luxemb. wb. 421b: dann solches alles macht den grund gantz hart, und steiff Sebiz feldb. (1579) 173; so soll man mit eyner wallen oder waltzen darüber fahren, und den boden satt unð steiff machen 242; schreiber dieses sah ... den garten des herrn Baker, der, aus einem steifen thon bestehend, aus dem zustand der höchsten sterilität in den der grössten fruchtbarkeit ... überging Liebig chem. briefe 303, anm.; schwer (vom marschboden) ist daher gleichbedeutend mit bindig, zähe und steif Allmers marschenb.3 63. — so weiterhin: ist doch sonsten ein steiffes ertz, und wol zu hauwen Thurneysser magna alchym. 69. II@4@cc) auf getränke übertragen, stark, sehr kräftig, mit hohem gehalt, bes. in der volkssprache aller landschaften, zumeist der seeleute und seeanwohner. hauptsächlich von heiszen, geistigen getränken, wie grog, punsch, s. Albrecht 217a (leipz.); schweiz. e stiffe grog, e stiffe schnaps Hunziker 254; nd. s. Bauer - Collitz 98b; dann bring' ich ihm wasser, das kocht er im eisernen ofen, macht sich einen steifen grog Holtei erzähl. schr. 1, 176. auch substantiviert, mit auslassung von grog: im winter pflegte er allabendlich in dem ... gemütlichen gastzimmer ... seinen steifen zu trinken G. Falke aus d. durchschnitt 41. — dann auch, mit scherzhaftem anstrich, steifer kaffee, starker. dafür ebenfalls: die beiden mädchen gingen in das haus, um erst einen 'steifen' zu kochen Ruppius aus d. volksl. 2, 69. II@4@dd) weiterhin in der schiffersprache 'ein steifer wind, ein ziemlich starker wind, bei welchem man die bramsegel einnehmen und die marssegel reffen musz. eine steife kühlte ist ein ziemlich starker wind, welcher sich aber nicht so weit erstreckt und nicht so stehend ist als der steife wind' Campe (2) nach Röding (1796), s. Kluge seemannspr. 749; nd. een stiven wind oder ene stive kölde 'ein in gleichmäsziger stärke anhaltender lebhafter wind' brem. wb. 6, 344; steife kühlte, f. steifer wind, m. grand frais, strong gale Beil technolog. wb. 1, 569. später unterschieden: steife brise, engl. strong breeze, 'mit einer luftbewegung von 16 bis 20 fusz. dies ist der höchste grad des windes, bis zu welchem man bramsegel führen kann', und steife kühlte, strong gale, 'mit einer luftbewegung von 32 bis 36 fusz' Bobrik 444b, s. auch Stenzel 401a. so schon mnd. ein stive kOelte, s. Schiller-Lübben 4, 405b. belege: ein steiffer wind aus westen qu. von 1629 bei Kluge a. a. o. (der mehr belege bietet); bei steifem südost Fontane 6, 362 (unterm birnb. 10); von den bergen herüber pfiff ein steifer nordwest Ebner - Eschenbach 3, 179; den grünbugigen schlanken jager, der nur wenige der anderen kutter auf der rechnung hatte, wenn der wind steif genug war Gorch Fock fahrensleute 160; der steife wind von Irland grün durchstrich den strand, umstrich die dün' Immermann 13, 99 Hempel; dazu: es gab eín steifes wetter, wie die schiffsleute sagen Gotthelf käserei 135. — adverbial: die winde ... haben die art, dasz sie fünff monat steiff ausz einem ort wehen Stade reise in Südam. (1556) 107 (b 4a, cap. 6); der wind kam steif aus westen Storm 5, 138; nd. (ostfries.) de wind steid stîf in't osten. 't weid stîf ût 't osten. auch nur 't weid stîf (stark, heftig) ten Doornkaat-Koolm. 3, 312b; ohne verb.: Thorkell, gib dem sturm die linnen, steif gen westen! Fr. W. Weber Dreizehnlinden 182. an stellen wie der letzten und der aus Stade scheint die bedeutung des gleichmäszig anhaltenden, nicht umspringenden zu überwiegen, s. d. folgende abt.dazu noch (im bilde): an disser junfer sth men wat se hefft gedahn, ... dat se eren wind hefft styff int fer gedragen (heftig ins feuer geblasen), darher de asche is in ere haer geflagen Lauremberg schertzged. 2, 423. II@55) steif, was seine richtung festhält, sich nicht davon ablenken läszt. diese bedeutung ist besonders in adverbialem gebrauche entfaltet. II@5@aa) steif stehen häufig im ältern nhd. für das jetzt herrschende fest stehen (also anders als 3, i, γ, vgl.stehen II, A, 5, e) mit dem doppelten gegensatz des umfallens und des vom platz weichens: steif stehen, star saldo, star fermo etc. Kramer dict. 2, 945b. II@5@a@aα) von dingen, nicht umfallen oder einstürzen: anteris ... ein gwelb zuo beiden seyten eines hohen gebeüws dasz es steyffer stande. vulgo arcus obnitens Frisius dict. (1556) 101b; einen beschlagnen stab ... der unden ein stachel het, do mit er (der pilger) den stab in dz ertrich stoszt, so der weg glat ist oder gefroren, dz er im nit uszschiesz, sunder stiff stand Keisersberg bilgersch. 27d; so mustu ... neben eynem jeden zweiglin eyn sonders pfAelchen oder stAenglin stecken, damit sie desto steiffer stehn Sebiz feldb. 318; von beweglichen gegenständen: der zwischenplatz der zweyer eiserinnen stangen, welche man hat zwerchweisz inn den andern fach des ofens legen lasen, damit solchs jetzgemelte gefAesz desto steiffer und gewisser auff jnen ... mOege pleiben stehen 432; noch mögend sy jn (den stuhl Petri) mit der evangelischen leer nienen underlegen, dasz er styf stand Zwingli 1, 72; die kegel stond erst styff uff dem platz reform.-flugschr. 3, 243 Clemen (kegelsp. v. 77). auch in freierem und bildlichem gebrauche: die kirch ain seül der warhait, noch jmmer steyff steht Joh. Nas das antipap. eins u. hundert 2, Q 8a; mein wort stat steif uf festem grunt Schade sat. u. pasqu. 3, 117, 9; ach nein, ob du gleich wirst im lieben flüchtig seyn, steht dennoch meine treu gantz steiff und unbewogen Lohenstein Armin. 2, 1483b. verstärkt durch bleiben: dz wort gottes blipt in ewigkeit styff ston L. Hätzer acta od. geschicht (1523) a 2a; darneben bleibt auch steiff und fein das weltlichregiment bestohn, wirt darumb nit zu trmmern gohn Fischart dicht. 2, 359 Kurz. (d. gel. d. verk. 1056). ähnlich: bleibt also steiff desz Jovis stab Spreng. Aen. 3a (1, 39). in neuerer sprache vereinzelt in der sehr gewöhnlichen verbindung mit fest (s. unten 8, e), nicht vom platz rücken: er blieb im zimmer, wo er mit ungeduld auf die gasse sah, und die kutsche erwartete, welche doch noch steif und vest im hinterhause stand Hermes Sophiens reise 6, 286. II@5@a@bβ) von menschen: du stehest feste undt steiff oder seiest gefallen Luther 33, 304, 10 Weim.; stond auff und stond steyff Züricher bibel v. 1530 593b (4. Esdr. 2); wie wol wer sich vor narren segt (segnet) der stot steiff, wie der wint da wegt Murner Luth. narr 196. den fusz fest aufsetzen, nicht von der stelle weichen: ein schmidtknecht und sein gsellen, wann sie jetzunder schmiden wOellen, so mssens steiff und hart sie stehn Fischart 2, 210 Hauffen (Eulensp. 5603), so besonders im kampfe: ein solcher stehet steiff mit unverwendten fssen, er weichet niemandt nicht, sein feinde weichen mssen Zinkgref auserl. ged. s. 62 neudr.; und wann sie (vor dem feinde) steiff stehen gl. v. 1570 bei Schöpf 705. überhaupt ist freiere gebrauchsweise hier vorherrschend: ein mensch, der alle ding künte in got ordnen, der stünd steif und möchte wol aller anfechtung widerston Keisersberg herr kunig 71b; die juden aber stunden steyff, verliessen sich auff die zusagung gottis Luther 17, 1, 383, 24 Weim. (ebenso 15, 743, 22); wie steyff stund Sodom und Gomorra widder Loth? 19, 238, 13, s. auch 599, 20; fest und steif (vgl. 8, e): machen das die gotlosen fest und steiff stehen auff dem wege der sünder 5, 31 (Rothes übers.: 'stare ac perseverare faciunt in via ista peccati'); aber da mus ein manshertz zu gehOeren, das da fest und steiff stehe gleich als ein steinklippe odder felsz im meer unbeweglich stehet 28, 534, 27; so denn auch: unüberwintlich seyn und steyff bestehen Stumpf Schwytzer chron. 216b; weil der heylig Philippus steiff unnd unbeweglich fusz halten wolte Spee güld. tugendb. 105; der bischof von Regensburg hatte schon vorher ein rundschreiben erlassen, in dem er seine glaubensgenossen ermahnte, ... 'steif und fest wie eine mauer zusammenzustehn' Ranke s. werke 38, 269. steif auf etwas stehen, beharren, u. ähnl., s. unten 8, d, α. — so noch nd.: man mot stîwe stân, wenn einen de wind nich ümmesmîten sal u. a., s. Schambach 211b; Frischbier sprichw. 2, 174, 2560. II@5@a@gγ) die verbindung ist loser und die bedeutung zuweilen weniger ausgeprägt, wenn adverbiale bestimmungen hinzutreten: he stont ene nacht al styf up ener stede qu. bei Schiller - Lübben 4, 405b; (im bilde:) bei Denis stehen wir steif und fest auf der erde Herder 5, 167; er blieb steif vor dem sehrohr stehen Gellert 1, 207. II@5@a@dδ) ebenso steif auftreten u. ähnl.: planter le pied en devant bien ferme, den fusz fuor sich fein steiff setzen, ficcare il piè d'inanzi fermo e saldo Duez nomencl. (1652) 203; Theagenes ... stellt sich steiff in die fuszstapffen, mit gebognen knien buch d. liebe 227c; du solst die wilde see ... bezwingen still zue liegen, und wann es dir beliebt auch auff den wilden flusz der Amphitrite selbst steiff setzen deinen fusz Opitz poem. s. 188 neudr. (lobges. Jesu Chr. 488). im bilde: er hat keinen wahren ... glauben, er kan seinen fusz nicht steif und recht im wandel setzen, sondern tappet wie ein blinder der gewissenhafte priester (1694) 136. II@5@a@eε) ferner steif sitzen: nun disse alle ... warnet Mercurius, ... das sie steiff auff den bAencken sollen sitzen, dasz sie nicht brechen und banckerottieren Fischart aller praktik groszm. s. 14 neudr.; ein fischer der am ufer desz wassers auff einem felsen ... steiff und unbeweglich sitzet Albertinus hirnschleiffer (1664) 280; so auch: die beden helden ... mit grosser begird zuosamen ranten, zuo beyder seyten mannlich traffen ..., beyde steiff und unverruckt sitzen bliben Wickram 1, 70, 36. dafür: o ihr bankenrumpirige (bankrottierer), halten euch steif auf dem stul, wie ein hartdreckscheisziger hund, es wird bürzlens gelten Fischart groszm. (1607) A 5b. bildlich: die warheit ... plend all beschirmer der unwarheit ... dann die warheit sitzt jhn zusteiff, acht nicht des fladerens und umbschweiff binenk. (1588) 272b (dicht. 3, 307); sonst freier, von festem, ruhigen wohnen: heut sind sie da, morgens an einem andern ort, und wan sie mainen sie sitzen am aller steiffsten, so werden sie veriagt und auszgetriben Gretter erkl. der ep. Pauli an d. Römer, 719; allda sasen wir steiff im nest, hatten ruhig ein die pallAest Fischart 1, 232 Hauffen (jesuiterhütl. 71). ähnlich noch: die vöglein fliegen darauf zu und staunen, wie sich solch loser vogel mag gewöhnen, so still und steif im grünen auszudauern W. Müller ged. 252 Hatfield. doch auch vom gefangenen: bin kommen in arrest und musz sitzen steif und fest Mittler volksl. nr. 2433, 1 ('bruder Liederlich'). II@5@a@zζ) als causativ zu diesen verbindungen (bes. α) dient steif machen oder setzen: firmo ... steiff und vest machen, bevestigen Calepinus dict. VIII ling. 515b; fundo ... bevestigen, steyff setzen 549a; ich wil den stuol deines künigreyches steyff machen ewiglich Züricher bibel v. 1531 2.n. 7. C.; die erde hat er auch auf ihren fusz so steif gesetzt, dasz ihr grund bleiben musz Opitz psalm. s. 194 (ps. 104), vgl. 169 (89, 2); so auch: wolan, ich habe es (d. schwert) steiff gesetzt (ἔπηξα), ... dasz es mir balt wird helffen hin Spangenberg griech. dramen 2, 103 Dähnhardt (Soph. Ajax 4, 2, v. 3422). II@5@a@hη) verwandte ausdrucksweisen in freierem sinne: sihe zuo wie dz klosterleben so dapffer und steiff in dem heiligen ewangelio gegrndet ist Gebweiler besch. des lobs Marie (1523) 30b; doch gleichwol were auch des keysers macht nicht so steiff und fest gegrndet, wie man in gemein sich einbildete Chemnitz schwed. krieg 1, 21b; dadurch ... ist ein gewisses zutrauen unter beyden geschlechtern entstanden, das ... desto anziehender ist, je steifer es sich auf die kenntnisz gegenseitiger schwächen gründet Thümmel reise 7, 345. — so ist es doch nicht so gewisz, dasz man steiff darauff fussen mOege Wirsung artzneyb. (1588) 541 C. — Italien, Romani, Neapolis, Cecilien werden an der statt, da sie verschienenes jars waren, steiff verbleiben Fischart groszm. (1607) G 8b (= 2 130); sie (d. aussicht ins unendliche) ist ein bild, das uns blosz vorgaukelt und verschwindet, wenn dagegen das nahe uns so steif und fest vorschwebt ..., dasz es uns oft beschwerlich fällt Hippel kreuz- und querzüge 1, 128. II@5@bb) so adjektivisch vom schiff in der seemannssprache: 'in der schifffahrt nennt man ein schiff steif, segelsteif, wenn es viele segel führen kann ohne dabei dem seitendrucke des windes nachzugeben und sich auf die seite zu neigen; im gegensatz von rank' Campe, vgl. Bobrik 662. Stenzel 401a (= stabil); Kluge seemannsspr. 749: und ob gleich das schif etwas steiffer ward, durch bemeldten ballast; so war es doch noch nicht gnug, weil der nordwind je länger je stärcker anfing zu brausen Schultze Ostind. reise (1676) 138a, s. ebenda; auch gehet bekanntlich ein schiff um so steifer, und ist dem ... schwanken weniger unterworfen ... Hoyer wb. der artill. 1, 2, 166; ein schiff, wie steif es ist, lAeszt die erbosten wellen den rasend-tollen sturm sich endlich doch zerschellen Lohenstein Cleopatra 3, v. 2183 (s. 206 Bobertag). II@5@cc) sehr gewöhnlich ist steif vom blick, der seine richtung nicht ändert; es ist bedeutungsverwandt mit starr (das in diesem sinne eigentlich ein wort für sich ist, aber im sprachgefühl von dem gewöhnlichen starr nicht geschieden wird), vgl. das. II, sp. 916, und bezeichnet einen milderen grad. zumeist adverbial: steif auf etwas sehen, 'mit unverwandten augen, wofür auch starr üblich ist'. jemanden steif in die augen sehen. steif auf die erde sehen. Adelung (2, 1). belege: und sehen seine augen eben so steiff auff jn Luther 8, 201b; der adler halietus ... zeücht den uff der steiff in die sonn sehen kan (cuius acies firma contra stetit) Eppendorff Plinius (1543) 139 (X, 3, 11); diese bestürtzung veränderte sich so gleich in ein gelächter, als sie ihm eine kleine weile steiff in die augen gesehen hatte discourse der mahlern 2 (1722), 195; er ward empfindlich, dasz ich ihm so steif ins gesicht sah Rabener 4, 318; sahe er etwa steif auf die erde? Lessing 1, 229 (d. junge gel. 1, 6); SyIvester (steht auf, sieht ihm steif ins gesicht) Kleist 1, 40 E. Schmidt (fam. Schroffenst. 1, 2 bühnenanw.); Korl ... keek mit grote oogen stief no de bargen rop Gorch Fock Nordsee s. 53; unecht adler können nicht steiff hin in die sonne schauen S. Dach s. 557 Oesterley; ich kam gedankenvoll gegangen und sahe steif heran Lessing 1, 55; ängstlich sahen beyde sich steif ins auge Pfeffel poet. vers. 3, 10; (ich) seh', wie er, mit blicken steif in's licht, sinnt, prüfet jedes worts gewicht Mörike ged.4 269 (d. alte thurmh.). steif ansehen: wir ... die selbigen mit unbewegten augen steiff beschawen Ryff spiegel u. reg. d. gesundth. (1544) 5a; (ich) sahe sie auch so steiff und lieblich an, als hAette ich sie heuraten wollen Simplic. s. 115 neudr. (2, 9), s. auch Grimmelshausen 3, 371, 18 Keller (vogeln. 6); du hast sie die ganze zeit über ja steif genug angesehen Lessing 1, 380 (misog. 3, 6); sehen Sie mich an! steif an! aug' in auge! 2, 169 (Emil. Gal. 4, 5); der mann sah mich steif an Schiller 4, 76 (verbr. aus verl. ehre); ein vater, der das kind seines herzens verloren glaubt, und es dann plözlich wieder erblikt, hat in diesem augenblik keine freude in seinen augen, er sieht es steif an, zweifelt, wen er sehe ... Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 192 (u. ö., z. b. 3, § 73). freier und mit besonderer bedeutung: ungezweifelt hat ... Machiavellus selbst, als er seinen trefflichen printzen geconterfeitet, den Borgiam, wie einen follkommenen ris (entwurf, vorbild) fr sich genommen, und steif angesehen (ins auge gefaszt) Butschky Pathmos s. 526. verstärkt starr und steif u. ähnl.: die dirne, verwundert über diese rede, sah ihm starr und steif in's gesicht Musäus volksm. 1, 27 Hempel (leg. v. Rübez. 2); beyde blickten wieder auf, und sahen einander steif und starr an Klinger werke 10, 35 (Sahir 1, 7); sie sah mich steif und grosz an: 'wie so?' Ebner-Eschenbach 2, 334; es schawt Ruggiero erst, für sich, gar steiff und starre Dietr. v. d. Werder Ariost 11, 7, 1; ach! gräfin! schau mit was vor wonne sich aller augen nach dir drehn, wie starr und steif sie nach dir sehn Stoppe Parnasz s. 15. ähnliche wendungen: sie ... wandte auch ihre augen so steiff dahin, als wann sie hätte flöh dort fahen wollen Simpl. 2, 291, 7 Kurz (and. contin.), s. auch 3, 414, 26 (vogeln. 1, 18); laszt uns also nicht auf die erde ..., sondern auf unsre gefehrten, das steifste augenmerk richten, sie innig lieben ... briefe d. neueste litt. betr. 15, 7; steif war ihr auge auf mich geheftet Pfeffel pros. vers. 3, 176; eine art offizier ..., der mich beym vorbeyreiten steif ins auge faszte 5, 7; wie der, der sich von seiner schönen trennt, untröstbar ist — die dunklen blicke kleben an allem steif, ohn' dasz er sieht E. v. Kleist 1, 47 Sauer. so dann auch adjectivisch, steifer blick: und sinnend steht der schlapphut, miszt mit steifem blick der kiste bohlen Droste-Hülshoff 2, 8 (d. spiritus fam. 1). auch steifes auge: (frl. v. Scudery) sahe es (d. kruzifix) auch, da man es vor sie legte, mit steifen augen an Leibniz deutsche schr. 2, 420; dem vogel trotz! der in die lufft sich schwingt, ... und ob der sonn' auf die er einig harrt, mit steiffem aug sich wundert und erstarrt A. Gryphius 1, 207 (trauersp. 287 Palm; Carden. u. Cel. 1, 540); darf ich den rosen nur ein steiffes auge geben? Neukirch anfangsgr. z. teutsch. poesie (1724) 122. vgl. Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 133 (in diesem sinne?). — so auch (?) vereinzelt: die nachbarn horchten steif, als er von den rechten im land redte Pestalozzi 1, 45 (Lienh. 1, § 9). II@66) auch eine gruppe ähnlicher bedeutungsklassen, die innerhalb der sinnlichen sphäre bleiben, begegnet hauptsächlich in adverbialem gebrauche. II@6@aa) im älteren nhd. häufig steif halten für das heute gewöhnliche fest halten, nicht los lassen, u. ähnl. II@6@a@aα) steif halten, steif anhalten, tenere saldo, fermo, stretto: v. fest Kramer dict. 2, 945b; steif halten, arcte aliquid tenere Dentzler 274a; halt mir steiff die laiter, verhuot mir das thor Wirsung Calixstus (1520) 68b; solches eisen soll man auch nit wacklend, sunder gantz stet unnd fast steiff halten Ryff spiegel d. gesundth. 135b; die krAefftigen Deutschen thun es hierinnen allen vOelckern zuvor, in dem sie ihre schilde so steiff halten, dasz sie darauf reuter und fahrende wagen ertragen kOennen Lohenstein Armin. 2 (1690), 1078a. freier: ist doch nun ein notwendigs zum heil, das hat Magdalena funden, halt es styf Zwingli 1, 75; denn die gnade hellt gott dennoch allzeyt steyff uber der wellt, das er keynen falschen propheten lesst anders furnemen ... Luther 18, 63, 7 Weim. s. ferner unten 8, d, δ. II@6@a@bβ) verbunden steif und fest: wie steiff und fest er (Satan) hellt die, so er ym yrthum und ketzerey gefangen hat Luther 23, 544, 25 Weim.; kompt hie, und haltet mir diese beyde steiff und feste Creizenach schausp. engl. comöd. 48, 18 (Titus Andron., 1620, act. 7); mettre la lance en arrest, den speer oder die lantze in den haken stecken, wann man anrennen will, damit man sie fester und steiffer halten kOenne Duez nomencl. (1652) 226. dafür auch: mordicus tenere, per translationem. Cic. mit den zAenen gefasset halten, das ist, stAet und steyff halten, wol haben Frisius dict. (1556) 837b. II@6@a@gγ) ähnlich steif fassen: da lag er und hatte den topff so steiff in die arme gefast, als wAere alle gesundheit daran gelegen Weise erzn. 318 (s. 179 neudr.); gib ... dasz ich steiff und fest dich fasse, wan ich sonst kein trost nit hab Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 271b, 6 (Stölzlin). mit anderer nuance: dasselb (eisen) bestetten und fassen sie in den schafft sehr steiff (ἀσφαλίζονται βεβαίως VI, 23) Xylander Polyb. 335. — im sinne von halten, ungewöhnlich: sie setzen einen grossen auffgespannenen bogen vonn weitem auff die erde, daran heben die jngste sterckiste mAenner wol steiff (hos praecipui viribus iuvenes continent) Heyden Plinius (1565) s. 98 (VIII, 8, § 26). composita von halten: so ær etwo nuon stolpert oder félt, wird ær sich nicht zerstauchen ángetroffen: dan ym der her steif seine hand erhélt. Melissus psalmen s. 138, 24 neudr. (37, 12). II@6@a@dδ) so dann reflexiv: darnach musz er auch ... an die sprossen, das ist, an das wort angreiffen, sich fest und steiff anhalten Mathesius ausgew. werke 1 (leichenr.) s. 56, 20; gleichwol bleybt gottes wort unterm creutz fr und fr, und wer sich fest unnd steiff dran lehnet und heltet 3 (Luthers leben), 115, 19. — so ferner: gesteh' es, Deutschland, mier, dasz ich zu dienste steiff mich unterstützte dier Fleming 669. II@6@a@eε) steif halten intransitiv: mein denkmal sol ein brief, ein blat seyn, vol mit zeilen, das steiffer, als demant und gold im feuer hält Fleming 93. so auch: so ein pferd fest stehet, unnd steiff widerhält, wenn mans beym schwantz zeucht Walther pferde- u. viehz. (1658) s. 6, vgl. s. 159. sprichw.: was bald reiff, das helt nit steiff S. Franck sprüchw. (1541) 2, 14b; so noch Schellhorn sprichw. (1797) s. 73, 257; Wille sittenl. (1781) 177. dazu: wo ... solcher gummi also erweychet, vermischt würdt, ... helt er steyff zusamen Ryff confectbuch (1548) d 6a. ähnlich ferner: fantasten, narren, thoren, gecken kleben styff recht wie die zecken Murner narrenbechw. 2, 32. (der artikel rebensteif, th. 8, 433, ist zu streichen.) II@6@bb) ein seil u. ähnl. steif spannen, anziehen, etwas steif binden u. dergl., straff, stramm; nur in beschränktem gebrauche. II@6@b@aα) Apollo ... hat alsobald eine harpffe aufgespannet und gemercket, dasz die am steiffsten gespannten saiten den hellesten laut erweckten, und die etwas schlaffer angezogen die grobe stimme machten Baron instrum. der lauten (1727) 11. bildlich: also wirt dis (d. papsttum) auch brechen, sintemal sichs nie hat wOellen biegen, sonder zuom aller steiffsten auffgespannen ist Sleidanus reden s. 198 Böhmer; se toghen gar styff de seyden d. städtechron. 16, 151 (Braunschw. schichtsp. v. 1533). — so üblich in der seemannssprache: steif für straff ausgespannt, s. Campe. bes. in der verbindung ein tau steif holen 'ein loses tau so weit durchholen, bis es steif steht'; daneben steif setzen, 'ein stehendes tau mit taljen etc. ganz steif holen und so festsetzen' Stenzel 401a, vgl. Kluge seemannsspr. 749 (2), der reichliche belege giebt: der basaan - mast fing gleichergestalt an zu krachen, aber wir zogen die basaan-wand so steiff an, als wir immer zu thun vermochten Barchewitz ostind. reisebeschr. (1730) 619, s. ebenda; sang der seeleute ... wenn ein tau mit einem ruck steif angeholt werden soll Lüpkes seemannsspr. 135, 15. so auch: das ankertau steht springend auf, steht steif, the cable grows exceedingly. 'wenn das ankertau so stark gespannt ist, dasz es jeden augenblick zu springen droht' Bobrik 21b, 4. — ähnlich sonst: dieses tyrasz, wann es fein ausz einander gelegt, nehmen zwo personen an jeglichem orth einer in die hände, ziehens fein steiff an Aitinger jagd- u. weidbüchlein (1681) 31. so auch adjectivisch: dann da sind gräben und geforliche löcher, das man eins satten, steiffen zugs wol von nöten ist Frey gartenges. 90, 6 Bolte (c. 75). II@6@b@bβ) steif binden, nd. stief binden Stürenburg 263b: zum andern musz man haben ein gute leydelschnur, ... damit die rogeten (rakete) gantz wol und steiff umb das hälszlin gebunden werden mög Fronsperger kriegsb. 1, 176a. steif und fest: wann du wilt reben auff reben zweigen, soltu ... das rebholtz inn den spalten stecken, mit wax verstreichen und steiff und fest zusammen binden Sebiz feldbau 336. seemännisch: 'wenn bei einem verteueten schiffe die ankertaue so weit eingewunden sind, dasz es sich nicht bewegen kann, so sagt man es ist steif verteuet' Röding 2, 842. — in älterer dichtung in freier rede und bildlicher anwendung: bind' unser hertz' und sinnen steiff an den himmel an Opitz poem. s. 195 neudr. (lobges. Jesu Chr. 690); das friedsam öl geusz in die wunden, darauf fein sanft und steif verbunden Opel-Cohn s. 56, 224. II@6@b@gγ) hieran schlieszen sich dann adjectivische gebrauchsweisen: etzliche ... spannen einer ehlen oder länger ein steiff säumlein Aitinger jagd- u. weidb. (1681) 84 (hierher?); steife korten bei den bortenwirkern, 'diejenigen korten in einem stuhl, welche zum arbeiten ausgespannt sind' Jacobsson 4, 272b. Campe. II@6@b@dδ) so auch vereinzelt für 'prall'; steif stehen von dem, was wohl ausgefüllt ist, von kleidungsstücken (vgl. 2, m und 3, m): wes achtent sy nit ouch und sorgen, so sy die backen gstrecket handt, das in die hosen styff an standt? ir antlit ist geglettet wol, und doch die hosen falten vol. Murner narrenbeschw. 94, 34. dazu noch die mundartliche (nass.) redeweise 'steif im beutel stehen (Weilburg), reich sein, dasz der geldbeutel steif steht' Kehrein 1, 389. (nach frdl. mitth. v. prof. Weis in W. so heute nicht bekannt; dagegen: er steht steif im geld, was auf eine andre vorstellung führt, s. 5, a, α.) — nd. mit voll verbunden: en'n stîwen but (bauchiges gefäsz für flüssigkeit) vul, so voll, dasz nichts mehr hineingeht. wî harren all en'n stîwen emmer vul hechte. de Leine was stîf vul wâter Schambach 210. ähnl. lothr. d'reint stif voll, die regentropfen fallen sehr dicht. steif voll ganz betrunken (vgl. 3, h, δ) Follmann 499a. II@6@cc) steif schlagen, drücken u. ähnl., mit kraft, heftig, tüchtig, energisch: demnach schlug der juncker mit vollem streich ... in solcher stercke, dasz ausz gewalt desselbigen ... das schwert ohne verhinderung die schultern so steiff antraff, dasz ... das fleisch und gebein hefftig geschediget ... wurde Amadis 1, s. 60 Keller; und also baldt renneten sie alle drey wider jn, und rürten jn so steiff an, dasz ... jhre spiesz entzwey sprungen 115; aber wer schlegt so steiff an die thür? engl. com. u. trag. (1624) F. 8a; wir wollen fest auff gott trauen, fest auff gott bauen, steiff umbschauen, und steiff drein hauen Abraham a St. Clara auff, auff ihr christen (1683) 122 (56 neudr.); von hier aus mit verschobener beziehung (?): schlugen, dasz es zu erbarmen, all mit steiven vollen armen Reinicke fuchs (1650) 101. so noch: ei dudeldum! so greif in dein klavier so steif! Schubart sämmtl. ged. (1825) 3, 126. adradere, i. e. valdè, steiff drauff drücken, haut und haar mit einander abschaben Corvinus fons lat. 537b; fuorst Hector ... jhr bald die rechte hand darbot, und truckt sie steiff Spreng Ilias 81b (6, 485); o allerliebstes kind, ach drkke doch steif ein in meinen bleichen mund, die sssen lippelein! Angelus Silesius heil. seelenlust s. 34 neudr.; II@77) in mehr volkstümlicher rede geht steif überhaupt vielfach in die bedeutung 'stark' über: bair. steiff 'fest, tüchtig, tapfer', adj. u. adv. Schmeller2 2, 736; 'so nennt der matrose alles, was tüchtig, gut und stark ist, steif', s. Avé-Lallemant 3, 111, anm. II@7@aa) so als allgemeines steigerndes adv. im nd.: de mode krevet hefft all stive m sick gefreten Lauremberg schertzged. 2, 279; jetzt noch im ostfries. stief raren, laut schreien Stürenburg 263b; vgl. ten Doornkaat-Koolm. 3, 312b. auch: 't hed stîf (stark) fraren ebenda. so auch bair. steiff eszen und trinken einen steiff martern, s. Schmeller a. a. o. in der schriftspr.: wer nicht gewisz schiessen, steiff fluchen ... kan, der werde nur kein wildmeister Veroander bauernst. lasterpr. 86; doch geschicht dem bauren recht, dasz ihn der hirt steiff schnellt (prellt) 103. II@7@bb) vereinzelt in adject. function: Thiesz ... lief dann im steifen trabe hinterdrein Frenssen Jörn Uhl 284; am besten wärs in solchen fällen, ein steiffe hundes-hatz anstellen Grimmelshausen 1, 43 Keller. also steiff (stark, wirksam?) und warhafftig ist die artzney an jhr selbs Paracelsus chirurg. schr. 160 A. — nd. stif eten, gutes essen, in der matrosenspr., s. Avé-Lallemant a. a. o., wohl an 4, a anknüpfend. II@7@cc) so dann auch, etwas häufiger, von menschen (hier allerdings von der ethischen bedeutung 8, a nicht reinlich zu sondern): durant se labore adolescentes, junge leute machen sich selbst durch dapffer arbeiten fein hart und steiff, dasz sie darnach einen buff auszstehen kOennen Corvinus fons lat. 221a; ein steifer kerl, der gerad und stark, firmus, validus Frisch 2, 328a; so in mundarten weit verbreitet; tirol. 'ein steiffer, d. i. starker, tüchtiger, mann' Schöpf 704; hess., in d. obergrafsch. Hanau, für körperlich stark, kräftig: ein steifer bursche Vilmar 397; ebenso henneb. Spiesz 241, 'stark und ausdauernd zur arbeit, z. b. steifer knecht' Reinwald 2, 121; nd. een stiiv keerl ein starker, handfester mensch Dähnert 461b; bei den matrosen (en) stifen kērl, 'kräftiger mensch' Avé-Lallemant a. a. o. theilweise wohl von 3, k ausgehend. belege: so hielt ich jn ... nit steiffen mans gnuog, meiner tochter ('nec virum satis firmum gnatae') Boltz Terenz (1539) 125b (Hecyra 4, 1, v. 556); sie wollte lieber zehn thaler verlieren, als die bürste, die sie von so ein steifen knechte kriegt hat Weise böse Catharine 5, 7 (s. 252, 31 Fulda); wo so ein steiffer jung-geselle nicht den ausschlag haben wird, so bin ich ein schelm comöd. 112; sein vater (Josef) ist ein alter greis und doch ein steifer mann Weinhold weihnachtssp. 430. tüchtig, rüstig in der arbeit: was schadts du gibst ein wäscher steift engl. comed. (1624) Zz 5b. von thieren: unter diesem ansehlichen comitat wurde Salomon auff das maulthier seines vatters David (so, ... zum stattlichsten auszgerüstet, und vor andern hurtig und steiff gewesen) gesetzet Meyfart himml. Jerus. 2, 103. so schon: zwey rosz grois ind styffe Karlmeinet 30, 9. II@88) am häufigsten findet sich steif in der anwendung auf seelisch-sittliche eigenschaften. und zwar sind hier zwei gebrauchsweisen üblich, die beide der grundbedeutung sehr nahe stehen und von denen die eine dem ältern nhd., die andre der neuern sprache eigenthümlich ist. jene geht auf das ethische: steif ist, was sich nicht beugen läszt, unbeugsam, fest, unerschütterlich, standfest, beständig, dauerhaft. dabei überwiegt im allgemeinen (soweit es sich um menschen und menschliches thun handelt) der lobende sinn der standhaftigkeit und zuverlässigkeit; doch nimmt es auch nicht selten die tadelnde nuance des eigensinns oder der halsstarrigkeit an. fortis (animus). dapffer und standhafft, steyff Frisius dict. (1556) 94a; stabilis ... stAet, steiff, bestendig Calepinus dict. VIII ling. 1283a; steiff, stAet, bestendig, solide, stable, ferme Hulsius (1616) 372a; status, ... stAet, steiff, das einen bestand hat Corvinus fons lat. 609a; steiff, beständig, solidus, firmus vocab. v. 1663 bei Schöpf 704; vgl. auch: psalm 31 (19) 'verstummen mssen die lippen, so widder den gerechten reden, altes, das ist steyff und halstarriglich' Luther 19, 586, 5 Weim. II@8@aa) so von menschen besonders in der ältesten zeit: mnd., mit näheren bestimmungen: du blevest so styf up dinen sin qu. bei Schiller-Lübben 4, 406a; widerspenstig: de fursten synt dem keyser stif genoch gewest Lappenberg Hamb. chron. 436; Hans Dedeken was like frevel unde stiff van worden d. städechr. 16, 342, 15 (braunschw. schichtb. zu 1446); he wolde se in stucken hauwen de Oem ok weren also styff s. 202 (schichtsp. v. 3195). gerade in diesem sinne schon in dem ersten (ursprüngl. nl.) theile des Karlmeinet, vgl. I, 3: hey dachte, dat sy eme leyde soelden doen an syme lyve, oft hey en zo styve an den rade were 7, 49; s. ferner 24, 44. 66, 29. 72, 7. tadelnd im köln. des 15. jahrh.: stif und boese in sinen sinnen der selen troist 134b, s. s. 118b Pfeiffer.nhd. bes. im 16. jahrh. sehr häufig, doch auch im 17. noch nicht selten: constans, animi constantis ... standhafftig, bestendig, vest, steiff Alberus nov. dict. (1540) V 1b; obstinatus steiff. firmus, fixus ... steiff uff seim sinn. req. hart Z 1a; constans standhafft, dapffer, steyff, der auff seinem fürnemmen steyff beharret. fidei constans ... in seinem verheissen steyff und stAet Frisius (1556) 315b; stabilis stAet, steyff, bestendig, nit wanckelmtig 1245a; magnitudinem animi (adhibere) steyff und standhafft seyn, sich redlich unnd dapfferlich halten 34a; animo pertendens eigenrichtig, widerspennig, auff seiner meinung beharrig, und steyff 993a; obstinatus ... ersetzt, steiff unnd beharrlich auff seinem fürnemmen Calepinus dict. VIII ling. 896b; hartnAeckig, steiff J. Starck lex. lat.-germ. (1620) 132; ein steifer gesell, kerl, huomo saldo, cioè valoroso; valent' huomo Kramer dict. 2, 945b. belege: wa vil frawen bei einander seind, und eine steiff unnd gerecht darunder ist, so strafft sie die andern all ... Keisersberg evang. 216b; der teuffel meinet es mit ernst und trit werlich auff die beine und ist steyff, feyert nicht Luther 23, 544, 20 Weim. (schr. 4, 255b); sie werden so steiff, sicher, ut nemo posset eos beugen 27, 39, 30; es müssend rotten oder teilungen under üch syn, dasz die, so bewärt und styf sind, offenbar werdind Zwingli deutsche schr. 1, 81; wandel vor mir, unnd bisz steyff und getreüw an mir Züricher bib. 1530 8a (1. Mos. 17 A); so steiff und mannlich sie da was (die mutter der Makkabäer bei der marter ihrer söhne), das all umbstender wundret das Wickram 4, 204 Bolte (pilger 47a, v. 2388). tapfer im kampfe: dann der löbliche churfürst mit dem schwert ist sächsischer art, steif fest und hert Schade sat. u. pasqu. 1, s. 79, 56, s. auch: 100, 20; ihr (der Germanen) könig, hertzog Ernst der held, war hochtragend, von sinnen steiff, nicht anders wie ein lOew angreiff Kirchhof wendunm. 3, 396; dann das wort solldat, heist zuruck tadllosz: als soll ein steiffer und tapfferer soldat ohne tadl und mangl leben Abraham a St. Clara mercks Wien (1680) 256; mann gegen mann halten sie (die Franzosen) es gegen uns nicht aus, dazu sind sie nicht steif genug Franz W. Ziegler landwehrm. Knille (1865) 27. — steif in etwas, beharrlich: das er ... in dem glauben steiff belibe, und die andren ... mOechte bestetigen Murner an d. adel s. 26 neudr.; weyl denn der bOese geyst so steyff ynn seym synn ist, wil ich nuor zu trotz und leyd nuo weniger weychen Luther 18, 68, 25 Weim.; die heyden in jrer hoffnung darmit zustercken, und steiff zumachen Gretter erkl. der ep. Pauli an d. Römer 599; si waren steiff in einigkeit spil wie man d. narren ... beschweeren soll (1554) B 8a. mit auf: also die ketzer sind steyff und starrig auff yhrer lere Luther 19, 586, 2 Weim.; si verus Christianus est und steiff ist auff seinem synn 27, 292, 6. steif gegen einen (vgl. oben hamb. chron. 436): das gefelt yhm (gott) wol, das man sich fur menschen und teuffel nicht frchte, keck und trotzig, mtig und steyff widder sie sey 19, 649, 28; du armer kriegesman, desz tods bist eygen auff dem plan, mich hastu noch nit abgetriben, steiff bin ich gegen dir beliben Spreng Ilias 147a (31, 442). mit tadelndem nebensinn, eigensinnig, hartnäckig: sprichstu aber, ey er wird nicht so steyff seyn, er wird yhm lassen sagen, und von solchem thun ablassen? Luther 18, 88, 31 Weim.; aber damit sie nicht dencken, das wir steiff sein wOellen, ... so bin ich für mein theil willig, und erbOetig, alle solche eusserliche weise anzunemen, umb friede willen schr. 5, 115b; hat aber jemand gar der plauderkunst geschworen und ist wie von natur zum streiten nur geboren, ein steiffer haberecht, ... der nie sich lest bedeuten, gibt kein gewonnen spiel ... Rachel satyr. ged. s. 72 neudr. (6, 375). mit synonymen verbunden, gewöhnlich durch stabreim: das sehen wir auch an den jden ... wol, wie steyff und verstockt sie sind Luther 19, 607, 32 Weim.; vgl. 30 ,III, 281, 31. steiff und störrig, starrig: aber weil sie so störrig und steiff sind, wil ich auch yhres schirmschlags (fechterhiebs) brauchen 26, 475, 27, vgl. oben 19, 586, 2; weil sie auff erden ... in jhrem sin so steiff und starricht gewesen, sich jetzund auf tausenderley manieren müssen biegen und schmiegen, trucken und trillen lassen Philander 1, 501. mit etwas anderer nuance: meiner lere halben bin ich teufel, keiser, kOenig, fursten und aller welt viel viel viel zu stoltz, steiff und hoffertig Luther 23, 29, 20 Weim.; wenn sie gleich noch so steiff und stoltz weren 26, 268, 9. — steif in titelhafter anrede, wie ehrenfest u. ähnl., nur in verbindung mit fest (vgl. unten e): vester steiffer jungherr Garg. s. 240 neudr.; hoch-ehr- und tugendsam, herr richter steiff und fest Chr. Reuter Harlequins hochzeit-schmausz 14, v. 418 (s. 62 neudr.). so auch der steife (wohl 'der beständige') als gesellschaftsname des Bernd-Friederich Brand von Lindau in der Fruchtbringenden gesellschaft, s. Neumark neuspross. palmb. s. 233. — bis ins 18. jahrh. in verbindungen wie: Tirsander meynt, zum christenthum gehöre dieses ganz ganz allein: man müsse schnell und tapfer glauben; recht steif in seiner meynung seyn Brockes 9, 537; ähnlich attributiv: Ihr Brutus ist ein steifer patriot; er musz im vaterlande sterben Pfeffel poet. vers. 6, 129. so vereinzelt in neuerer sprache in anlehnung an älteren sprachgebrauch (für gewöhnlich starr): selbst ein steifer lutheraner, war er bereit, für sein bekenntnis zu leiden Emil Strausz d. nackte mann s. 205. (auch nd. he is all to stiiv 'er will sich nie nach der weise anderer leute bequemen' Dähnert 461b.) mit ähnlichem sinn wohl in folgender stelle von e. thier: er (d. gerfalk) ist ein ... sehr hübscher vogel, ... und unter allen andern ... auch steiffeste und daurhaffste vogel Heller weidwerkb. 2, 16b. II@8@bb) häufiger verbindet sich steif mit abstracten, die die person umschreiben, oder eigenschaften und handlungen eines menschen; und dieser gebrauch ist auch in der neueren sprache besser erhalten. II@8@b@aα) bes. steifer sinn; so schon mnd.: se (de doren) volghet stedes orem stiven sinne qu. bei Schiller-Lübben 4, 406b; nhd.: doch würt gelobt ein veste statt, ... die selb behielt ein steiffen sinn Scheit frölich heimfart B 3b; noch hett er einen steiffen sinn (αὐτὰρ θυμὸν ἔχων ὃν καρτερόν) Spreng Ilias 68a (5, 806); er gönnt es mir? er, der mit steifem sinn die gunst der musen zu ertrotzen glaubt? Göthe 9, 198 (Tasso 4, 2); dein trotz ist es, dein starrer sinn und steifer Rückert 1, 292 (Amaryllis 19); der steife, eiserne, beharrliche, unbiegsame sinn der Friedriche lebt ganz in ihm Klinger 1, 331 (Konradin 3, 2). so auch bei Campe: 'ein steifer sinn, ein unbiegsamer, welcher von dem, worauf er gerichtet ist, sich nicht abbringen ... läszt'. auch im plur., ohne merklichen unterschied: halten Sie mich nicht für so eisern fest, ... dasz ich mit steifen sinnen meinen planen folgte W. v. Burgsdorff briefe s. 162; der knabe ward gestürzt; die jungfrau abgethan: sie sturben beyderseits mit hohen steiffen sinnen Opitz 1, 245 (Sen., Trojaner 1281); s. auch 2, 78. steifes gemüt: animo certo et confirmato posse consistere in causa. Cic. mit gewüssem, steyffem, standhafften, und versicherten gemt Frisius dict. 213a; stuonden umb jn ringszweisz schnaubende mit steiffem gemuot Schaidenraiszer Odyss. 92b (22, 203); du wirst allein nichts auszrichten bey der jungfrauwen, denn ich sihe, dasz sie eines steiffen gemühts, und starcken fürnemmens ist buch d. liebe 212d; Satan trotzet ... auf sein geseztes und steifes gemüthe, welches durch kein unglück gebogen ... werden können Breitinger crit. dichtk. 2, 78; s. auch Wickram unter I, 4, c. — steifer mut: das yhr herren ewrn steyffen mut hernter diesset Luther 18, 333, 1 Weim.; auff dasz für dir sei steiff mein mut Tirolff Isaak u. Rebekka 13; die wirthin ... steht beim Wallace mit steifem muth Arndt 6, 216 Meisner. dafür sinnlicher: pectora certa starcke, steyffe und standhaffte hertzen Frisius dict. 213b; dasz wie ich binn den feinden mein eins steiffen hertzens, also auch hab ich in freundschafft gleichen brauch Spangenberg griech. dramen 2, 24 Dähnh. (Ajax 1, 4, 579); kanst du dann sicherlich ein steiffes hertze tragen zu dem, was sterben musz, was schwach ist und zerbricht? Opitz 1, 345, vgl. 2, 135. herz an stelle der person: ein steiff hertz gat seinen dingen nach Keisersberg evangel. 85c; vgl. auch: aber das stat einem groszen herzen zu, das es gleich und steif blieb in allen zufellen seelenpar. 72b. — seltner: hie wil ich, (dacht der teuffell) dem Luther das hertz nemenn und den steyffen geyst matt machen Luther 10, II, 56, 12 Weim. II@8@b@bβ) steifer wille, vgl.: voluntas exacta. vollkommenlich geradtschlaget und geordnet, steyff Frisius dict. 507a; der gerechtigkeit erstattung ist, dasz einer ein styffen und ewigen willen habe (justitiae definitio est constantem ac perpetuam habere voluntatem ...) Tschudi 1, 69b; worzu ich dan nicht allein mehr als gnugsame gelegenheit: sondern auch einen steiffen willen und vorsatz hatte Simpl. s. 566 neudr. (6, 22); dann dises ist mein steiffer will, das ewer keiner nach der zeit den Troianeren im streit ... zu hilff komm oder beystand leyst Spreng Ilias 94b (8, anf.); er sey für gar gewisz gefolgt der Origillen nach Antiochien, mit diesem steiffen willen, dasz er dem buler sie wil nehmen mit gewalt Dietr. v. d. Werder Ariost 18, 63, 6; welch lOewe steht so fest auff seinem steiffen willen? B. Neukirch bei Hoffmannswaldau auserl. ged. 2, 56. bes. häufig ein steifer vorsatz, ein fester Adelung; ein steifer frsatz, steifes vorhaben, fermo proponimento, saldo, proposito, disegno ostinato, risolutione soda Kramer dict. 2, 945b, vgl. noch Jagemann (1799) 2, 1156; bair. steiffer fürsatz Schmeller2 2, 736, s. auch Schöpf 704. belege: das es gnuog ist, wenn er ein styffen fürsatz hat, mit der hilff gottes die sünd meiden Keisersberg hellisch löw f 2a; die keuschheit unnd rainigkeit sambt einem steiffen fürsatz nicht widerumb in vorige laster zu fallen Albertinus zeitkürtzer (1605) 48; als er meinem steiffen vorsatz, bey ihm zubleiben, ein gengen zuthun entschlossen Simplic. s. 28 neudr. (1, 9); ferner 36 (1, 13); wo bleibt dein alter eigensinn? wo ist dein steiffer vorsatz hin? Günther 224; er ... läszt nicht gütigkeit, noch wohlthun, noch versprechen, noch, was ihr nur versucht, den steifen vorsatz brechen J. E. Schlegel 1, 325 (Herrmann 1, 3, auch deutsche schaub. 4, 14); dafür im gleichen sinne: steyffer radtschlag, fixum consilium, Frisius 562a; obstinatio, ein steiff fürnehmen Corvinus fons lat. 610b; davon ist not einem menschen dz er im fürsetz einen steiffen anschlag das er well meiden ... personen, stett und zeit, da er verfaren mag mit geschwetz .,. Keisersberg sünden des munds 80d; es ist offenbar, dasz alles, so zuvor von dem gewissen, steiffen und unwiderrufflichen beschlusz und ordnung gottes geredt, in gottes wort gegründet ... ist Gretter erkl. d. epistel Pauli an d. Römer (1566) 576; der Hertzog von Brunschwieg hatte ... die stadt Hildesheim belagert, und zwar mit einer so steiffen, beharrlichen resolution ... Chemnitz schwed. krieg 2, 270b; steife meinung: wenn du nün also in einer stracken styffen meynung und willen understost got ernstlich zuo dienen, disz sicht ... der verrOetter Keisersberg bilg. 130b; sie aber gantz steiffer meinung belib, ir ehr zuo bewaren Wickram 2, 223, 12 Bolte; der puren maynung stund so styff, und rusten sich ernstlich in disen sachen Gengenbach s. 387, 48. in anderm sinne: es ist diess unsre steife und feste meinung Klopstock gelehrtenrep. 206. ähnlich, doch der sinnlichen bedeutung (3) näher: ohne abwechslung und erhohlung erstarret der mensch in der einsamkeit ... seine ideen werden steif und unbiegsam Zimmermann üb. d. einsamk. 2, 5. II@8@b@gγ) steifer glaube, häufig in der theolog. sprache des 16. jahrh.: dan freylich die christlich gmein ... durch neut anders wurt mOegen erhalten werden ..., dan eben da durch sy erstmols uffkummen ... ist, namlich durch so steiffen glauben ... Hedio chron. Germ. (1530) vorr. 3b; man solle es von einem solchen glauben verstehen, der da gewisz, steiff und starck ist Gretter erkl. d. ep. Pauli an d. Römer 54; von denen redet er (David), die den herrn Christum ... mit steiffem glauben fassen 715, s. auch s. 141; dasz du das lemblin gottes bist, durch welches gar entladen ist was ie der mensch gesündet hat, so er in steifem glauben bstat Schade sat. u. pasqu. 3, 115, 37. so noch: in betreff der verschiedenheit, welche in rücksicht des steifen kirchenglaubens zwischen den romantikern ... unserer zeit und den edeln mystikern ... des fünfzehnten jahrhunderts besteht Schlosser weltgesch. 9, 459. vgl. steifgläubig. in anderm sinne: veste unnd steyffe treüw oder glauben firma fides Frisius 565b. steifes vertrauen, steifer glaube, ferma fiducia, fede ferma, forte, ved. starck Kramer dict. 2, 945b; ein steifes vertrauen Adelung (2, 3, als landschaftlich); wann man vom glauben, dardurch wir gerecht werden fr gott, redet, soll man wissen, dasz man da rede von einer steiffen und festen zuversicht und vertrawen des hertzens Gretter (s. oben) 55; darum wollen wir mit steuffem vertrauen dessen fürbitt anruefen qu. bei Schöpf 704; auff dich, herr, ist mein trawen steyff Wackernagel kirchenl. 3, 96; steiff; heisset allemahl so viel als bestAendig, unablAeszig, dauerhafftig und wird zu dingen gesetzet, in welchen man eine bestAendigkeit und standhafftigkeit erblicken lässet ..., als: die steiffe zuversicht streicht allen kummer hin Neukirch anfangsgründe zur t. poesie (1724) s. 122. das citat ist aus Hoffmannswaldau heldenbr. (1680) 4, s. auch Gottsched crit. dichtk. (1751) s. 663. denn (nach e. guten that) mercken wir in unsrer brust ganz eine sondre ruh und lust, und steife zuversicht, die uns als mauer schützet Triller poet. betracht. (1725) 1, 59. so wieder: der fromme mit dem steifen gottvertrauen verwächst und seine klinge mit der scheide Lenau 323 Barthel. steife hoffnung: affirmare spem. ein hoffnung bestAeten, oder steyffe hoffnung gAeben Frisius dict. 60a; so du ein rechten glauben hast mit einer steiffen hoffnung und christlicher liebe Gebweiler besch. des lobs Marie (1523) 9b; man solt got wol vertrawen und alle steiffe hoffnung in ine haben Frey gartenges. 44, 21 Bolte (cap. 21); alle bekümmernisz ... sein so starck und vermüglich nicht, dasz sie unsere hoffnung können umbstossen, ja ... sie müssen unser hoffnung allererst recht steiff und fest machen Gretter s. 481, s. auch 600; versuche mich nur nicht mit diesen eitelkeiten, worauf sich ungescheut dein steiffes hoffen richt Neukirch anfangsgr. z. t. poesie s. 341, s. auch s. 122 (vgl. oben). trost: (bapst zum Murnar:) zu dir hab ich noch steifen trost, halt nit, dasz du mich stecken last Schade sat. u. pasqu. 3, 122, 20; wo bleibet die verheissung dein, dardurch ich steiffen trost empfing! Spreng Aen. 7b (1, 239). II@8@b@dδ) amor certus. Ovid. ein ware, gwüsse, stAete, oder steyffe liebe, ein unerdichte liebe Frisius dict. 213a; amor perpetuus. Livius. ein eewige oder bestendige unnd steyffe liebe 988a; steife liebe, amore saldo, fermo, costante Kramer dict. 2, 945b; eine steife liebe, eine standhafte Adelung (als landschaftlich): nach diszen sint sy in rechtem glauben, gantzem friden und steiffer liebe von einander gescheiden Hedio chron. Germ. 45a; es wird ... von allen gleubigen christen erfordert, dasz sie solche ware bestendige und steiffe liebe gottes gegen jnen erkennen Gretter s. 545, s. auch 539. Pyladea amicitia. Cic. ein treüwe steyffe freündtschafft wie sy zwüschen dem Pylade und Oreste gewesen ist Frisius dict. 83b; aldenn so will ich mich aufs euserste bemühn: des käysers steiffe brunst im lager abzukühlen Ziegler asiat. Banise (1689) 900 (hier vielleicht eher im sinne 'heftig', s. oben 7). II@8@b@eε) dasz rechter waarer adel, welcher in steyffer frombkeit und tugenden bestehet, nicht möge durch arbeit geschmächt ... werden Stumpf Schwytzer chron. 616b; wer recht geziehret will mit steiffer tugend sein, der mischet in die stAerck nichts von der schwachheit ein Raab übers. v. Corneilles Horace (1690) C 4b (v. 485). II@8@cc) in verschiedenen nuancen des sinnes wird steif mit verbalabstracten u. ähnl. verbunden. II@8@c@aα) perseveranter ... mit steiffem anhalten, beharrlich, standhafftiglich Frisius dict. 990b; disem exempel nach, sollen wir auch ... mit steiffem gebAet anhalten, damit er dem teuffel ... stewrn wOelle Heros ird. pilgerer (1562) 3b. II@8@c@bβ) steyffe und gewüsse meinung. stabilis et certa sententia Maaler 388a; was gott dem menschen auffladet, das sollte er mit gedult tragen, mit steiffer versicherung, dasz er es ... auch wiederum abladen wird Abraham a St. Clara etwas für alle 2, 56; der Deutsche bringet aus miszverstand gantz lAecherliche grnde, seinen geborgten tadel zu rechtfertigen, doch immer in der steiffen beredung, dasz es eben diejenigen seyn, deren sich La Motte bedienet hat Breitinger crit. dichtk. 1, 239. so auch: ferner auch zu steifer bezeugung jrer ganz nachbarlichen naigung ... Fischart glückh. schiff 949; deszgleicher gestalt zu fester und steiffer wahrer urkund, auch ewiger gedächtnusz, haben wir ... diesen brief mit eigener hand unterschrieben Lori bergr. 389b (vertr. v. 1612). II@8@c@gγ) steife zusage, zuverlässig: steyffe zuosagungen, dicta rata. Maaler 388a; vgl. das sprichw.: gereden und halten war steiff pey den alten H. Sachs 22, 387, 8 Goetze, ebenso Eyering 2, 650, s. auch 1, 246. 2, 661. steife beobachtung eines gesetzes, genau, gewissenhaft: mahlzeit und gast-ordnungen, und derselben steiffe observantz, thut bey löblichen communen gar wol Dannhawer catechismus milch 2, 441. — ähnlich: diser traum ist waar, und sein auszlegung steyff Züricher bibel 1530 414a ('verum est somnium et fidelis interpretatio ejus' Dan. 2, 45); aber man hOere die arme ... teutsche nachbauren davon sagen, so wird gewisz der steiffe schlusz folgen: dasz bey den grOebsten barbaren mehr freundlichkeit ... zu hoffen seye Moscherosch gesichte 1, 230. II@8@c@dδ) steif vereinigt die vorstellungen der festigkeit und der dauer z. vgl.: ratus ... steiff, stAet, vest Calepinus dict. VIII ling. (1584) 1156a; gewarig, gewAerig, gewisz, steiff, fest, verus, certus, ratus, solidus, cautus Henisch 1594, 32. so: ein steifes gedächtnis ferma, soda memoria Kramer dict. 2, 945b, vgl. unter d, δ. steife gewohnheit u. ähnl.: welchen brauch noch die heutigen könig von Franckreych in steyffer bung haben Stumpf 353b. bündnis: macht steiffe bndnusz und verein, ein ander beystendig zu sein H. Sachs 20, 177, 13 Goetze (5, 257a). II@8@c@eε) grave imperium, aut stabile. Terent. dapffer, steyff, wirig Frisius dict. 612b; darauf also mit hilff des almächtigen gottes ain gut steiff regiment für und für zehalten angefangen Schertlin briefe 10 (9. sept. 1532). ähnlich: ist doch kein weltlicher aid so steiff, man kan jn zu zeiten ausz nOetigen ursachen ledig zelen Joh. Brentz wie in eesachen christenl. zu handeln sei B 1a; stife satzungen, s. Anshelm unter I, 4, a; urtheil: und disz urtheil heiszen sie arestum, das ist, steiff, und darff keiner darvon appellieren S. Münster Cosmogr. 123 (vgl. Du Cange 1, 379b, c); das urtheil gottes, welches er uber unsern ersten vater den Adam umb der sünde willen gefellet hat, bleibt fest und steiff Gretter erkl. der ep. an d. Römer 41; darumb sollte man gedachte erbeinigung in steiffer, unverbrochener obacht halten Chemnitz schwed. krieg 1, 325a. II@8@c@zζ) so denn auch mit abstracten, die nicht eigentliche menschliche handlungen ausdrücken: sol hie kein auszog gelten und das strenge, steyffe recht gehen, ... so mssen sie auch sterben Luther 19, 630, 31 Weim.; damit alle ding in seiner steiffen ordnung seyen und bleiben mOegen Fronsperger kriegsb. 1, N 4a; da wir von schnellen sturmwinden ... und anderer gefahr umringt sind, kann unsere reise ohne steife ordnung nicht vollbracht werden Freytag bilder 2, I, 244; die steiffe warheit gleicht dem masse von vier ecken, das dem was wandelbar gerichts zuwider geht Opitz 1, 347; dasz aus der heyrath würd ein stetes wohlergehen und immer ssse lust und steiffer fried entstehen A. Gryphius 1, 112 (trauersp. 169 Palm; Cath. v. Georg. 1, 550). II@8@c@hη) mit allgemeinen ausdrücken: es soll und muosz auch also steiff und stet bleiben, das semlichs nyemandts dann der todt wenden soll Wickram 1, 261, 23 Bolte-Scheel; darumb bleibt es steiff, fest, und starck, und ist unwiderrfflich war Gretter erkl. der ep. an d. Römer 208. II@8@dd) sehr häufig ist adverbialer gebrauch. II@8@d@aα) ich stelle voran ausdrucksweisen, die an die eigentliche sinnliche bedeutung anknüpfen. so an steif stehen, s. 5, a: und darumb stand du stiff mit macht, und sterck dich yn guotten ubungen Keisersberg narrensch. 99b. steif auf etwas stehen, darauf bestehen, daran festhalten, besonders: vide ne impulsus ira prave insistas, id est animum obfirmes, sihe zu, das du aus zorn, nicht zu steiff, oder stracks auff deinem sinne stehest Faber thesaur. (1587) 766a; wenn wir das theten, wurden wir unter einander nicht uneins sein, noch auff unserm syn steyff stehen, ... sondern dem andern weichen Luther 20, 422, 41; s. auch 29, 456, 17; ferner: da ligt nu der hochbermbte grund, davon sie fur andern am meisten geyfern und am steyffesten drauff stehen und pochen 23, 119, 12; ähnlich 196, 15; auch mit deutlichem bilde: ipsi non audiunt, sthen steiff auff dem kopff 25, 64, 13. ein verhalten durchführen: wie? wenn er allen grimm der marter überwünde! und steiff und unverzagt auf trotzem schweigen stünde! A. Gryphius 1, 33 (trauersp. 55 Palm; Leo 2, 316). so noch ostfries. stief upp sien stükk staan (holden) fest auf seiner meinung bestehen Stürenburg 263a, hê steid (od. besteid) stîf up sîn mênung (od. stük) ten Doornkaat-Koolm. 3, 312b. anders nuanciert mit abstractem subject, sich worauf gründen: weil jr fürnemen schlecht und steiff stehet auff der gewalt, und setzen jre sache auff ðie faust Luther 5, 273b. — dafür: steiff beston. firmum stare, pro firmato stare Maaler 388a; stare, ... pro steiff stehen, ut: stare conventis, des vertrags geständig seyn, darauff bestehen, denselben halten Corvinus fons lat. 634a; steif auf etwas bestehen, obstinato animo aliquid agere Steinbach 2, 691; II@8@d@bβ) ähnlich steif beharren: in der liebe steyff beharr en. manere constantem in amore. Maaler 388a; steiff beharren, seyn, obfirmare, perseverare: firmum stare Dentzler 274a; gewöhnlich mit auf: der apostel Paulus ... beharret steiff darauff, dasz Christus den unbeschnittenen heyden eben so wol zugehöre, als denen die beschnitten waren, und steiff an dem gesetze Mosis gehalten hatten Gretter erkl. der ep. an d. Römer 187; indem er (Leibniz) auf der behauptung dieses satzes steif beharrte Kant 1, 109 Berl. ak.; das wir, herr gott, ... beharren steif auf deinem wordt Heidelb. handschr. Pal. 343, nr. 11, 64 Kopp; weil alle steif auf ihrem sinn beharrten Gellert 1, 205 (fab. 1, 42). so noch: auf dieser abdankung steif verharrend Laube ges. schr. 3, 168. noch häufiger sind wendungen mit bleiben: obfirmo ... steiff auff seinem kopff oder meinung bleiben, unnd sich nicht wOellen weysen lassen, sich widersetzen Calepinus dict. VIII ling. 889a; steif auf seinem sinne bleiben, obfirmare animum Stieler 2110; steif auf seinem kopfe oder sinne bleiben, ostinarsi, perfidiare, star ostinato, saldo sulla sua Kramer dict. 2, 945b; so bleyben wyr stracks und steyff auff den worten gotts Luther 19, 198, 11 Weim.: jedoch nach aller versuchung grusamer marter, so blib der Heintz stiff darauff, dasz er jne also unchristenlich handlende habe funden, dargegen widersprachs der Blumer, wol als stiff Tschudi chron. Helv. 2, 153a; auff welcher meinung er steiff blieben ist Xylander Polyb. 174; und bleib Gregorius steiff auff seinem kopff, da konte jhn niemand von bringen Nigrinus papist. inquis. 549; bleiben (2. pl. imp.) steiff uff euwerm ewangelium Murner Luth. narr 1685. gern mit bei: der abt ... wolt beym steyffesten bey seinen rechten bleyben Stumpf Schwytzer chron. 372a. auch: verflcht say, wer nit steiff bleibt und verharret in allen worten dises gesatzs, dz er darnach thye Züricher bibel 1530 105a (Deuter. 25, 26). andrer art ist steif bleiben mit unpersönlichem subject ohne adverbiale bestimmung, wo sich steif als prädic. adj. fassen läszt: dem ist also, es sol unnd musz auch also steiff und stet bleiben, dasz solches niemand denn der todt wenden sol buch d. liebe 241d; drumb will ich yetzund ... ein brieff und sicherung verschreiben, wie und wobei es steiff soll bleiben jetzund und auch nach meinem todt Wickram 6, 13 Bolte (Tobias 7, 8, 3785). ähnlich ferner: weyl man ia so steyff auff den buchstaben hafftet Luther 18, 69, 32 Weim.; mich wundert aber disser jdisschen heyligen, die so steyff am gesetz Mosi hangen 70, 37; jr mssend styff an gsatzten (gesetzen) hafften schweiz. schausp. 1, 140 (Bullinger Lucretia 833). II@8@d@gγ) steif bei einem stehen, fest, treu, wofür auch: aber graf Burckhart von Nellenburg ... und etlich herren mer, bestunden styff an knig Rudolffen Tschudi chron. Helvet. 1, 29a; ist doch die statt steiff an den ROemern bliben S. Münster cosmogr. 736; und steiff bey jhrer union ... zu stehen fest bisz in den todt Soltau hist. volksl. 464 (vom j. 1622); anders nuanciert mit abstractem subj.: gotts lestern und vyl bbery, tyrannisieren und huory so stiff und dapffer by uns stOendt, das man kein edle art mehr kennt schweiz. schausp. 2, 178 (Boltz weltsp. 1740). — in demselben sinne steif anhangen, einem, dafür: etlich herren warend dem keiser noch styff anhAengig Tschudi 1, 47a, oder einer sache: haeresis ... ein meinung, sie sey guot oder bOesz, die jhm einer erwOelt, unnd derselbigen steiff anhangt Calepinus dict. VIII ling. 582a; dasz die menschen ... so gach umkeert und von menschentand zu gottes wort bekeert wurdind, dem sy darnach so styf anhangend, dasz sy davon nieman dringen mag Zwingli 1, 55; der metaphysiker, welcher seinem systeme steif anhängt, ohne sich an alle kritik zu kehren Kant 6, 208 Berl. ak.; bravo, mein herr gevatter! wir hangen noch steif an der alten kernmusik Voss 1, 206 (Luise 3, 808). ähnlich ferner: servantissimus aequi der dem rAechten steyff und gestracks nach gat Frisius dict. 49a; es ist aber die lehr desz glaubens damals bey etlichen gelehrten etwas reiner und steyffer dem alten apostolischen glauben nachgangen, dann nachwerts Stumpf Schwytzer chron. 222b; (eigentlicher mit persönlichem dat.:) wie gieng er dir so steiff, so unverdrossen nach und duldet allen hohn! Gryphius trauersp. 301 Palm (Carden. u. Cel. 3, v. 11). vgl. auch: wie ich den eyfer-sinn, wie ich den tag verflucht, da ich so frech verschmäht, was ich so steiff gesucht! 279 (1, v. 248). II@8@d@dδ) sehr gewöhnlich steiff halten, tenir fermo Hulsius (1618) 238b, vgl. 6, a: sanctio ... ein bestAetigung, einsetzung, ein gebott oder verbott, das man bey einer peen steiff halten soll Calepinus dict. VIII ling. 1197a; wz man halten solt, das man das steiff hielte und was man nyt halten sol, das man das underwegen liesz Keisersberg brösaml. 89c; was man den wyben verbütet das halten sy stiff als ein mur in aller geheym Murner geuchm. s. 44 Uhl (5, 19 art.); eynich gemeld oder bildwerck wirt in der Türckei nindert gefunden, halten hierin Mosen steiff Franck weltb. 104b; ähnlich Gretter erkl. der ep. an d. Römer 175. — eine zusage: das sich d. Carlstad meinem gnedigsten herrn ergeben, und zugesagt, stille zu sein, ... und hats auch ... so steiff gehalten bisher ... Luther 4, 374a; gott hat verheissen das gute zu belohnen, und was er den kindern Israel ... versprochen, so steiff gehalten, dasz es nicht an einem wort gefehlet hat Meyfart himml. Jerus. 2, 329; Ruggiero würde wol steiff seine zusag' halten Dietr. v. d. Werder Ariost 29, 76, 6; dasz wir steuff halten unser wort, die wir theten zum compromisz Ayrer, 4, 2586, 6 Keller (s. auch 2370, 19 unter I, 4, d). so ferner: Bernhardus erat excellens homo qui steiff hielt suum ordinem Luther 29, 427, 17 Weim.; das sag ich nicht von den frommen münchen, die ir orden steiff halten Montanus schwanckb. 82, 24 Bolte, s. auch 81, 19 (wegk. 32); jren ehstand hielten sie so steiffe ... S. Franck chron. Germ. 4b. — dann er ists, der dir krefft gibt vermOegen zetuon, auff dz er steyff halte seinen pundt Züricher bibel 1530 95b (5. Mose 8 D). einen eid: sie haben biszher geduldet mehr dann mAennern zuostehe ... angesehen jren eydt, den sie jm gern steiff gehalten hetten Franck chron. Germ. (1538) 123a; das ... hab die bärin hinfür so steyff gehalten, dasz geschworner eyd bey den menschen kaum so handtfest gehalten werde Gesner thierb. 21b. man solte dem kOenig das versprochen gleid halten. frnemlich dieweil er die artickel des fridens ... begert steiff zuo halten Hedio Cominis 50b. — also steiff helt der h. geist disz gebott Nigrinus v. zäuberern 37; die juden spotten unser ser das wir dem fyrtag duont solch ere den sie noch haltten also styff ... Brant narrensch. 95, 48; ordnung werd steiff gehaltn, nach jedes eyd und pflicht Rinckhart christl. ritter s. 68 ndr., 1609. steif wird dabei gern durch andre adverbien verstärkt (so besonders steif und fest, s. e, ferner): sancio ... setzen oder ordnen, steiff und unzerbrchlich zuohalten, bestAetigen Calepinus dict. VIII ling. 1197a; das Christus unser houptman unsz geben hat ein gsatz, ... das halten styff und redlich Eberlin v. Günzburg 1, 146 Enders; und helt es gott der herr alles starck, fest, steiff und bestendig Gretter erkl. der ep. an d. Römer 542; solches alles halten die vOelcker inn Normandy ... gantz steiff und fleissig Sebiz feldb. 327; dieselbige ('erbverbündnüsz') auch bisz hieher also unverbrchlich heilig und steiff beiderseits gehalten worden ... Garg. s. 340 neudr.; so er aber geschworen hat, helt er den eyd oder schwur festiglich redlich und steiff (jusjurandum sancte servat) Comenius janua (1644) 834; der orden musz steiff und unaufflOeszlich gehalten werden Olearius reisebeschr. 161b (III, 29); was unserm bruder Czar ohn alles falsch versprochen, sind wir für unser theil steiff, fest und unverbrochen zu halten stets gemeint Gryphius trauersp. 189 Palm (Cath. v. Georg. 2, 174). etwas steif im gedächtnis ò in steifem gedAechtnis halten, tenere, ritenere qualche cosa in ferma, salda, buona memoria ... Kramer dict. 2, 945b. — für halten früh nhd. auch behalten: die BOehem behielten nichts desto minder die obberrten vier artickel steyff und unbeweglich Stumpf Schwytzer chron. 108b; der usz wir lichtlich nit wendt stellen, sunder styff behalten wellen, jo styffer denn ein geschworne ee disz artickel Murner gauchm. 663 f. dagegen würde in folgender verbindung auch jetzt be halten, nicht halten gesagt werden: mir gefelt aber Lucas mit s. Paulo bas, das sie die ebreische weise zu reden an diesem ort steiff behalten haben Luther 26, 465, 31 Weim. (erhalten s. unter I, 4, d). — andere synonyme ausdrücke: etwas steif beobachten, stricte observare aliquid Stieler 2110; das gesetz, den befehl steif beobachten, osservare strettamente, fermamente una legge, un ordine Kramer dict. 2, 945c; aus dieser vortreflichen gemüths-beschaffenheit ist auch geflossen, dasz se. churfürstl. durchl. ... ihre gegebene parole steif und unverbrüchig beobachtet Leibniz deutsche schr. 1, 362; wann jhr ewer altes herkommen, ewere alte standhafftigkeit, steiff, fest und recht in acht nehmet, die WAelsche wirden euch ... wohl unverirt lassen Moscherosch ges. 2, 89; das man so steyff dem exempel Christi soll folgen Luther 18, 115, 1 Weim.; und damit disem desto steifer und ernstlicher nachgelebt werde steir. taid. 454, 14 (Gemünd 1608—51); jr wissend, was üch befolhen ist, das handlend styff on argen list trag. Joh. f 1a; wenn hat Augustus nicht das bndnsz steif erfllt? Lohenstein Cleopatra s. 23 (1, 789). ähnlich auch: ob nun zwar solch werk anfangs ... etwas schwer gefallen, ... hat doch immer die schöne materi mich wieder anbracht, und mir lust erwekket, dem angefangenen werke steiff nachzusetzen Scherffer ged. 173. II@8@d@eε) ganz vereinzelt mit persönl. obj. einen steif halten, aufrecht erhalten, schützen: er (d. kaiser) sye unser frund, wölle uns blyben lassen, styff halten, ein gnediger herr sin H. Bullinger briefw. 2, 565 (an Ambr. Blaurer 14. jan. 1547). häufiger ist die reflexive fügung sich steif halten, wobei steif in der regel präd. adj. ist (vgl. unter 3, i, β): mit den frommen wirstu dich fromm, und mit den steyffen dich steyff halten (cum sancto sanctus eris et cum robusto perfectus) Züricher bibel 1530 170b (2 Sam. 22, 26); der obriste lieutenant Uslar aber hielt, auf empfangene ordre, sich steiff, ferm, geschlossen, und in guter obacht Chemnitz schwed. krieg 1, 91a; (ruhig, unbeweglich, still:) sie thuon es alles uff ein list, das sie so still sein uff der fest ... und halten sich gar steiff und stil Murner Luth. narr 3268. so noch mundartlich: oberhess. sich steif halten 'fassung und kraft in schwieriger lage behalten' Crecelius 807; luxemb. sech šteif hâlen, nicht nachgeben luxemb. wb. 421b; nd. hool di stief, bleib bei deiner behauptung, deinem vorsatz Schütze 4, 200; hold dî stif un gif nêt na ten Doornkaat-Koolman 3, 312b. dagegen als adverbialer zusatz: sie halten sich steiff und starck nach dem gesetz und geboten gottes Gretter erkl. d. ep. an d. Römer 174; das man an gottes wort sich halte steiff an allem ort H. Sachs 2, 1, 44a. II@8@d@zζ) steif halten intransitiv (vgl. 6, a, ε), nicht weichen, wanken, nachlassen: wenn man zwey zusamen gibt zur ehe, so findt sichs ehe, das sie noch ein junckfraw ist, weder er, so er doch das sterckest werckzeug ist, der steiffer halten solt, dann das weib Er. Alberus ehbüchl. e 1a; wem hat man dessen schuld zuo geben, anders, dann denjhenen, die kö. m. rathen, steiff zuohalten, und nichs nachzuolassen (ne quid de severitate remittat et ut constanter pergat)? Sleidanus reden 168 Böhmer. ungewöhnlich mit dat. der person, treu bleiben: du sollst vortheil und geniesz haben, wenn du uns steif hältst Jul. Wolff raubgraf (1886) 147. — in der regel mit präpositionen: das heist ja angehalten und steiff an worten gehalten Luther 27, 66, 1 Weim., s. auch Gretter 187 unter β; weh denen, die an gott verzagen, halten nicht steiff an seim zusagen! H. Sachs 5, 1, 120b. es haben vor zeiten die haiden auff burgerliche redligkait so steiff gehalten ... Nas antipap. eins u. hundert 1, 201b; er hielt steif auf der römischen grösze Haller Fab. u. Cato 197. in demselben sinne: steif ob seiner meinung halten, idem (ac: steif auf seinem sinne bleiben, s.β) Kramer dict. 2, 945b; auff welchen (papst) sie (d.m. kirche) auch mehr, als auff den herrn Christum sihet, unnd ob seiner menschenlehre und gegengeboten viel steiffer helt, als ob der lehre Christi Heilbrunner von d. Augsp. conf. widerw. censur 115. religionem superstitio imitatur, über dem aberglauben halten die leut wohl so steiff, und mehr, als überm rechten Corvinus fons lat. 637b; steif über etwas halten: denn so steiff helt gott uber seinem namen, das er yhn auch nicht lestern lest ynn den abgotten Luther 19, 404, 16 Weim.; vgl. 23, 78, 23; sollen derowegen die nutritii und säugammen der christlichen kirch, die liebe obrigkeit, über diesem schatz und kleinod steiffer halten, als über irgend einem ding Dannhawer catechism. milch 1, 19; so noch: nichts altes abkommen; nichts neues aufkommen war ihr (unserer vorfahren) sprüchwort und ihr gebrauch. darüber hielten sie steif Petrasch lustsp. (1765) 1, 16 (tiefs. 1, 6). mit acc.: er helt steif über den alten adel Adelung (2, 2); man weisz ohne disz, wie steiff über die alte gerechtigkeit gehalten wird Weise polit. näscher 72. auch über einem, schützend (wobei man leicht seine hand od. ähnl. ergänzt): je herter der teufel ... uns zwinget, je gewisser gott da bey uns sey und je steiffer uber uns halte Luther 16, 97, 36; Alexanders vatter (hat) ... den bergkleuten grosse freiheit ... geben, und steiff uber jhn gehalten Mathesius Sarepta (1571) 15a. — in demselben sinne auch: die dorfmairn ... sollen steif darob und daran sein, dass diese bemelten artikl und posten fleissig gehalten werden tirol. weisth. 3, 187, 6 (Kortsch 1766). ähnlich ferner: steiff darauf tringen, urgere, instare Dentzler 274a; er dringt steif darauf, rem acriter urget Steinbach 2, 691. II@8@d@hη) steif verbinden, vgl. 6, b, β, nicht häufig: jedoch so ist das dises land, das gott ... hatt styff und hart vereint mit g'länd Ruff Etter Heini, ad lect. 9; aber wann man (in der ehe) steif pleibt verbunden, bisz man das rauh hat überwunden, so trennet sie (die liebe) kain unfall mehr Fischart 3, 129, 28 Hauffen (ehezuchtb. A 4a). II@8@d@thθ) auch wendungen wie die folgenden begegnen mehr vereinzelt: sich steif wieder setzen, obfirmate resistere Steinbach 2, 691; da hoffet Carba gewissen sieg ..., bewaret er die stat steiff S. Franck chron. Germ. 135a. — steif gebieten, streng, nachdrücklich, unnachlässig: angesehen dasz die guten werck im kirchenrecht geboten, eben so steiff und hart damals ... geboten waren, als die guten werck des natürlichen rechtens Gretter erkl. d. ep. an d. Römer 176; Teucer hat steiff befohlen fein, man soll ins hausz ihn (Ajax) schliessen ein Spangenberg griech. dramen 2, 101 Dähnh. (Ajax iv, 1, 3381 = Soph. 795). ähnlich ferner: disz hat gott von anfang ... fürsehn, und darumb so steiff ein bestimpte statt, zu disem seinem gottsdienst, angezeigt S. Franck paradoxa 112b; sobald ich gesehen, was fr eine schOene .. zuneigung zu allem gutten bey dir, habe ich ... dich ... immer zu aller tugend, steif angefrischet Butschky hochd. kanz. 276; und verhüt euch alle gar steiff, das sich niemandt darinn vergreiff irgendt an eim verbandten gut H. Sachs 3, 1, 26c. II@8@d@iι) sehr gewöhnlich sind dagegen gebrauchsweisen, die den unter bc behandelten adjectivischen entsprechen. so (zu b, β): obstino, ich setze mir steiff fr Starck lex. lat. germ. (1620) 132; statuo, ... jhm steiff fürsetzen, schliessen, beschliessen Corvinus fons lat. 609b; instituere, ... steiff fürnehmen, anstellen 610a; ich habe mir steif vorgenommen Stieler 2110; sich etwas steif vor- ò fürsetzen, proponersi, risolvere una cosa fermamente etc. Kramer dict. 2, 945b; sich steif für setzen zu sterben oder zu siegen Steinbach 2, 691; s. auch Adelung (2, 2). belege: setz dir das steiff für, dz du wellest diszen tag meiden ursachen ... Keisersberg sünden des munds 80c; er ... lude den todten cOerper zum andern mahl auff, und nahme ihm steiff vor, ihn soweit zutragen, dasz er gewisz nicht wieder kommen wrde Prätorius glückstopf 10. ähnlich: derselben endlichen entschlusz, die zeit ihres lebens in den einsamen nonnenzeiten zu verschlieffen, wird verhoffentlich so steiff nicht gefast seyn, dasz er nicht noch unterkommen, auffgeschoben ... werden solte Harsdörffer t. secretarius 1, 411. II@8@d@kκ) steif glauben, auch in neuerer sprache üblich geblieben: dieser pfaffe, lesst es wol geschehen, ob der leib und blut Christi durch seine wort werden, on das er solchs steiff zu gleuben wil unbeschweret sein Luther 6, 89a; bist dannocht eynn christ, wann du echter styff an Christum glaubst Eberlin v. Günzburg 3, 29 Enders; damit ich dieses desto steiffer glauben solte Grimmelshausen 2, 47, 5 Keller (Springinsf. 6); da nun für das beichtkind Nikolaus schlechterdings nichts so unglaubliches und tolles zu erfinden war, was er nicht in der minute steif geglaubt hätte J. Paul 56 (komet 1), 19; ich selbst habe ... in diesem moment steif an ein hexenthum geglaubt G. Keller 1, 55; und dass in unsrer welt, der bessten aller welten, die dinge nicht minder noch mehr als was wir wollen gelten, glaubt meister Pangloss nicht steifer als er Wieland 4, 288 (d. neue Am. 3, 6, var.). ähnlich: jener ertzfantast hatte sich so steiff eingebildet, er wAere ein geist, dasz er auch weder essen noch trincken ... wollen Moscherosch gesichte 692; dasz einen der weg nicht lang wird, sobald man sich steif einbildet, man wolle nirgends hin als in den nächsten ort J. Paul 15 (aus des teufels pap. 1), 28; nd. he büld sikk dat stiiv in Dähnert 461b. worauf hoffen: ich bilde steif mir gottes beystand ein Opitz bei Adelung. noch anders nuanciert, mit acc. der wirkung: dann es nichts als ein panischer laubplatt-rauschender schrecken war, den sie jhnen so steif einbildeten Garg. s. 409 neudr. — steiff meinen Schmeller2 2, 736; blieben auch in der meinung so steiff und lange Schütz hist. rer. Pruss. 1, e 4c. ferner: doch liessen sie es all hingon sonder Angliana und Florina, die gedachten ihm gar steiff nach Wickram 2, 334, 34 Bolte (goldf. 26). dagegen mit anderem sinne: Karl, die alten dachten steifer (strenger) über diesen punkt (die eheliche treue) als wir Klinger 1, 400 (schwur g. d. ehe 2, 2). — steif behaupten: Scroderus aber kehrte sich an nichts, und behauptete seinen satz steif weg Bode Tristram Schandi (1774) 3, 187; auch vom einförmigen, steifbehauptenden oder gar widerlich deklamirenden katheder- und kanzelton konnte ich verschont bleiben Herder 11, 220. entsprechend: als das für Herodem kam und er etlich Parther darumb zuo red stellet, haben sye es steyff verneint S. Franck chronica zeytb. (1531) 33b; (er) läugnete gar steif und sagte, dasz er ihm nichts versprochen hätte exilium melancholiae (1655) 4; s. auch Tschudi 2, 153a unter β. — hierzu weiter unpersönliche ausdrucksweisen: fama obtinet. Liv. es ist für unnd für die sag, das geschrey gadt steyff, die gemein sag gibt es zuo Frisius dict. 900b; mir kompt gar steiff zue meinem mueth, die juden haben gstifft nichts gueth Endinger judensp. 705. II@8@d@lλ) sich steif worauf verlassen: es ist mancher der meinet, er habe gott und alles gnug, wenn er gelt und gut hat, verlest und brstet sich drauff so steiff und sicher, das er auff niemand nichts gibt Luther 30, I, 133, 21 Weim.; Caleb. ... hat sich steiff und feste auff gottes wort, warheit, zusage und hlffe gestewret und verlassen Mathesius Syrach (1586) 3, 88b; thet mich gar steif uf dich verlan Schade sat. u. pasqu. 3, 115, 29. in ähnl. sinne: die thier warnen uns offt vor unglck und allerley gefahr, nit meine ich jhren zAeserlen oder eingeweide; darauff ietz ettliche menschen steiff fussen Heyden Plin. s. 160 ( viii, 28, § 102). — ferner: Ursus, wir haben dir vertraut, ausz hertzensgrund steiff auff dich baut Ayrer dramen 3, 1490, 21 Keller (Val. u. Urs. 5); ich habe steiff des herren mich versehn, auff ihn gehoffet mit begier Opitz psalm. s. 79 (40, 1); ich (der dichter) hoffe steif, durch dich (gott Amor), bey wenig geist, wohl so berühmt zu werden, als ein Kleist Goekingk ged. 2, 196. II@8@d@mμ) steif lieben, s. bei Schmeller2 2, 736, vgl. b, δ; so wenig üblich: nun dich der herren herr, den du so steiff geliebt, aus deiner gruben reiszt und deinem kinde gibt Gryphius trauersp. 110 Palm (Leo 5, 21). ebenso vereinzelt: dein stecken und dein starker stab trösten mich steif bis in mein grab Goedeke-Tittmann liederb. s. 222, 17. andrerseits auch steif verachten u. ähnl.: der tag ist nahe, ... den sie frchten mssen, wie steiff sie denselben verachten Luther 8, 7b; recht selig ist ... der, was die welt hoch acht, mit recht erleuchten sinnen steiff verlacht Gryphius ged. s. 85 Palm. II@8@d@nν) von gewohnheiten (vgl. c, δ): wer menschen bluot vergeüszt, des bluot muosz vergossen werden, und geet in dem fall Moses steiff bei jn (d. Türken) im schwanck, zan umb zan Franck weltb. 99a; diese angewehnung ... wurtzelt endlich durch die gewonheit so steiff ein, dasz ein solch wort ... weniger vergessen und sich abgewehnet werden kan, als den kindern das lullen Simpl.-schr. 4, 395, 15 Kurz. II@8@d@xξ) steif kämpfen u. ähnl., kraftvoll, energisch, tapfer, ohne zu wanken: sich steif widersetzen, obfirmate resistere, animo obstinato, acriter, firmiter, rigide Frisch 2, 328a; steiff bietet er trotz allen engeln und menschen Luther 33, 529, 3 Weim.; (den feinden hat man aus dem belagerten Augsburg) mit canonen steiff geantwortet qu. v. 1646 bei Schmeller2 2, 736; er ... weisz sich steif zu wehren: sein herze wanket nicht Scultetus bei Lessing 8, 301. ähnlich ferner: so sollen sie doch nicht weichen noch davon lassen, sondern steiff mit dem kopff hindurch yhn nicht sagen lassen ... Luther 23, 572, 38 Weim.; darwider predigt der bischoff von Utrich ... steiff und hefftig an den cantzlen, der bapst were ein wolff S. Franck chron. Germ. 121a; hingegen wolle er ... bei dero erzherzoglichen treue und glauben versichert haben, dasz sie uns bei der religion, sowie unseren privilegien und freiheiten steif wirklich schützen ... wollten acta publica 7, 171; weil lehr und sach ist recht und gut, in gottes wort steif bewähret Opel-Cohn s. 199, 5. II@8@d@oο) eine thätigkeit beharrlich, unablässig, eifrig ausüben: darumb wil ich meins ampts steiff warten und hten, wen ich behten kan Luther 19, 388, 30 Weim.; binn auch von vielen darumb gescholten worden, das ich so gar steiff darob (über dieser dichtung) gesessen Wickram d. irr reitend bilger vorr. A 5a; die troschel frt steiff den tenor C. Scheit fröl. heimfahrt B 1b; und (Pandarus) rueffet an steiff unbewegt Pboebum den grossen schtzen rein Spreng Ilias 41b (4, 114; viell. zu ν); jedoch wo Salome mich nur nicht lassen wil, und steiff befördern hilfft disz lust'ge trauer-spiel Hallmann Mariamne 47 (3, 298). so auch: dan arbait, mühde, schwais und frost ... das sind die staffeln und stegraif darauf man zum lob steiget steif Fischart glückh. schiff 622. konsequent, strenge: diese sprachkünstler scheinen nicht zu fühlen, dasz es kaum eine regel gibt, die sich steif überall durchführen läszt J. Grimm deutsche gramm. 1, s. 14 (= kl. schr. 8, 35). II@8@d@pπ) andauernd, ununterbrochen, mit bestimmten zeitangaben: alle jar fasten sy (d. Türken) ein gantzen monat all tag steiff an einander bisz die sunn nider gehet S, Franck weltb. 99a. so denn auch vom wachstum der pflanzen: die frücht inn diser insel kummen so steiff auff einander, das eine die ander vertreibt 235a; ferner: der dritte zweig aber steiff fort gewachsen (nachdem die beiden andern verdorrt waren) Hohberg Georgica 3, 349a. — vgl. els. stiff un stëts fortwährend Martin-Lienhart 2, 576a. II@8@d@rρ) eine besondere, ungewöhnliche nuance begegnet in der verbindung: verstummen mssen falsche meuler, die da reden wider den gerechten, steiff, stoltz und hOenisch psalm. 31, 19 (ältere lesart: steiff mit hoffart und verachtung, orig. ןוב ה ק קי־ל תר 'die wider den frommen freches reden in hochmut und verachtung'); danach: sie (d. Lamechiten) verachteten und verlachten, steiff, stoltz und hOenisch die liebe kirche gottes Mathesius Sarepta 10b; superbiloquentia, das hochsprechen, das stoltz, steiff und hönisch reden Corvinus fons lat. 234a. II@8@ee) steif wird in dieser anwendung sehr gern verstärkt durch paarung mit fest. diese verbindung steif und fest (seltner fest und steif, in älterer sprache) ist besonders zu behandeln, weil sie länger in gebrauch geblieben als das einfache steif, für das eben in der regel fest eingetreten ist, und auch heute noch durchaus üblich ist (s. bes. ζ, η). sie ist uns schon früher begegnet, s. oben 5, a, α. β. ε. η; 6, a. β; 8, a z. ende; vgl. auch: constabilis ... bestAetigen, steyff und vest machen Calepinus dict. VIII ling. 292b; arcte, adv. steiff und fest, eng, ut: arcte aliquid tenere, etwas fest halten Corvinus fons lat. 61a. am häufigsten erscheint sie jedoch in dieser adverbialen verwendung, mit denselben nuancen wie steif allein, s. d. II@8@e@aα) rein sinnliche gebrauchsweisen finden sich zuweilen in der sprache des 16. jahrh.: so lyess ich ein anderen den schenckel also styff und vest halten, und name ich das bein under dem knü Gersdorff wundartzn. (1517) 46c (vgl. 6, a). — schlach ein spitzige nadel in den puncten a. steyff und fest A. Dürer 4 bücher von menschl. prop. O 3a. — E. ist das vorderbeyn der brust, von siben stucken oder beinlin zuosamen gesetzt, die einander vest und steiff vereynigt seind, gleich als obs ein einigs beyn wer Ryff anatomi (1541) 9a. II@8@e@bβ) steif und fest stehen: dagegen stehet die in ihr selbst wohl-gegründete warheit steiffer und fester Zesen verm. Helikon (1656) 2, 10. gewöhnlich auf etwas, s. d, α: animus obfirmatus ein gemüth, das fest und steiff auff seinem sinn und fürnehmen steht Corvinus fons lat. 265b; er wirt so steiff und fest nicht stehn auff seinem sinn verstockt und blindt Dedekind papista conv. g 7a; jener nunmehr dreifachen kircheneinheit rechtgläubige lehrer stehn fest und steif jeder auf seinem kirchlichen glaubensstück Voss antisymb. 2, 363. dafür bleiben (vgl. Tschudi 1, 137a unter I, 4, a): so einer dich im guten wanckelmütig und stutzig machen will, bleib auff deinem sinn (vorsatz) steiff und fest (obfirma animum et obstina) Comenius sprachenth. 899. in folgender stelle als adj. zu fassen (vgl. a): in solcher bekehrung liesz man jhnen (den zigeunern) ein kOenig und kOenigin, mit dem geding, dasz sie in dem christen glauben steiff und vest bleiben sollen Münster cosmogr. s. Avé-Lallemant 1, 28. unsinnlicher worauf bestehen: gott ... wil auch nicht von seiner zusagung abfallen, ... sondern bestehet fest und steiff darauff Gretter erklär. der ep. Pauli an d. Römer 153. so auch: da ich ihm sagte, dasz ich so steif und fest auf meinem bekenntnisz leben und sterben wollte als Lutherus Bräker sämmtl. schr. 1, 171. s. auch Hügel 156a. II@8@e@gγ) steif und fest halten, vgl. d, δ; vereinzelt mit persönlichem object, so ganz sinnlich, s. unter a; ähnlich auch (zu β): und wann jhn alle welt verläszt, hält gottes wort jhn steif und vest P. Gerhardt 433, 11 (Fischer-Tümpel 3, 370a). wolt gott, das solche ... gerechtigkeit in der welt bey vielen steiff und feste gehalten würde Luther 28, 378, 23 Weim.; sölche sönderung ... wirt noch jetziger zeit, laut eines daruber auffgerichten vertrags, steiff und vest gehalten Stumpf Schwytzer chron. 429a; unnd wil disz gebott so steiff unnd fest halten, als gewisz ich sol den feyertag heiligen Harnisch aus Fleckenland 94; werden derowegen unsere junckern, dasz sie recht treu und glauben steiff und vest halten und handhaben helffen, vest genennet Harsdörffer teutscher secret. 1, 28; halt dein versprechung steiff und vest Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 128; gott hat sein wort gehalten im himmel steiff und fest 3, 116 (150, 8); was ich mir vor gesetzt, das halt ich steiff und fest Neukirch bei Hoffmannswaldau auserles. ged. 4, 48. im sinne von ζ: halt steif und vest: der dich jtzt läszt, wird dich gar bald erfreuen P. Gerhardt 408, 9 (Fischer-Tümpel 3, s. 335a); in umgekehrter reihenfolge: weil dieses mit wissen seines vaters geschahe, hielten wir den bund desto fester und steiffer Simplic. s. 158 neudr. (2, 21). in erweiterter formel: also werd der gansz lob auch nit vergehen, weil sie jhren bund gehalten, vest, stAet, steiff, und rund Spangenberg ausgew. dicht. s. 50 (gansz-kön. 2, 380). ähnlich ferner: erhalt steif uont vest meine schrit in deinn fuossteigen uonverirrig Melissus psalm. s. 56 neudr. (17, 5); dasz er ... eine so vortreffliche memori gehabt hätte, ... sintemahl er alles, was er gelernet, steiff und vest behielte Happel acad. rom. 672. II@8@e@dδ) mit intransitivem halten, vgl. d, ζ; so in älterer sprache ob etwas: das ... die lOebliche stadt Breszlaw, viel jar daher, ob der waren religion, gottseligkeit, zucht und erbarkeit, steiff und fest gehalten (hat) Rätel Curäi chron. des herzogt. Schlesien (1607) 277; im fahl ain dorfmaister oder seine mitconsorten auf dise aufgerichte ordnung ... ir fleissig aufsechen nit haben oder darob irer pflicht gmesz steiff und vest halten, sondern farlässig sein und wenige achtung geben tirol. weisth. 2, 79, 7 (Roppen 1625); s. auch steir. taid. 502, 22. häufiger mit über: gegen scharren und pochen sol man uber der lere steiff und fest halten Luther 28, 289, 17 Weim.; so ward bisz zu ende dieses seculi über der folgenden erschrecklichen gewohnheit steiff und fest ... gehalten Arnold kirch. u. ketzerhist. (1699) 147a; er hielt steiff und fest über den weisen grundsätzen, welche in der schule der peripathetischen politiker am börsengange so eindringlich gelehret werden Bode Thomas Jones 2, 385; so auch: das man Mosen und die propheten steiff und fest leren und druber halten sol Luther 32, 355, 32 Weim.; wellicher massen es mit marchung und versorgung der zeunen ... gehalten, und dern ... vest und steif glebt ... werden solle tirol. weisth. 2, 304, 14 (Kauns 1624). — halten an etwas, noch heute in übung: dasz ... er (gott) dardurch erkennen wolle, wie steiff unnd vest wir an sein gebott halten wollen Paracelsus opera 2, 679 A; dasz die menschheit endlich gewahr werden musz, wie sie sich alles weisz machen läszt, und fest und steif dran hält Bettina v. Arnim dies buch geh. d. könig 1, 40. — ferner: hielte sie 's nur nicht so steif und fest mit den pfaffen Göthe 8, 174 (Egmont 1). II@8@e@eε) sich steif und fest vornehmen, vgl. d, ι: so hatte ich mir es auch steif und veste vorgesetzt zu leben Leipz. aventur. 1, 208; herr Stössel ... hat steif und feste vorgenommen, an ein sehr wichtig werck zu gehn Henrici ged. 4, 209. so schweizerisch: i ha-mr's stiff und fest förg'no Hunziker 254. — es ist steif und fest beschlossen, fixum et in perpetuum ratum est Stieler 2110. II@8@e@zζ) während diese wendungen überwiegend oder ausschlieszlich der älteren sprache angehören, ist steif und fest glauben gerade in neuerer zeit überaus gewöhnlich (auch in mundarten, z. b. henneb. Spiess 241): derowegen glaube steiff und feste, ew. hochwürd. .. werden ... mir dieses kirchen- und ehren-amt ... gönnen Felsenb. 2, 432; und glauben Sie steif und fest, dasz Sie nichts mittelmäsziges schreiben können Lessing 12, 86 (an M. Mendelss. 6. jul. 1757); wenn sie (d. musikanten) lange genug gestimmt ... haben, so glauben sie steif und fest, die sache sey nunmehr auf's reine Göthe 23, 100 (wanderj. 3, 6); seitdem ich solchermaszen manupoliert worden, glaube ich steif und fest an den magnetismus Heine 3, 189 Elster (d. buch Le Grand 17); aber an die dummste wahrsagerei glücklicher lottonummern glaubt er steif und fest Riehl deutsche arbeit 163. in umgekehrter reihenfolge: drum glaube fest und steiff, das glücke werde dich in diesem noch erhören Günther 402. so fest und steif glaube ich aber nicht dran schr. der Goethe-ges. 4, 249 (Elis. Göthe an Christiane 24 sept. 1803). dafür synonyme verben: die Ungarn bereden sich noch steif und fest, dasz der pabst auf ihr reich gar kein recht habe allgem. deutsche bibl. 2, 2, 40; unser alter herr hat sich die rückkehr früherer verhältnisse ... steif und fest in den kopf gesetzt Immermann 1, 115 Hempel (Münchh. 1, 17); viele kinder ... waren auch steif und fest überzeugt, der kluge storch führe zugleich eine art von oberaufsicht über die herrschaftlichen gärten Holtei erzähl. schr. 2, 158; nun dürfte dem jungen in Brambach das seil gerissen sein, .. so wird er sich steif und fest einbilden, seine eingebildeten beilstiche sind schuld gewesen Ludwig 1, 295. II@8@e@hη) dasselbe gilt von der entsprechenden verbindung steif und fest behaupten: und ihr behauptetet steif und fest, nicht reiche der geist in die weite Göthe 1, 222 (wirkung in d. ferne); behauptet doch heute steif und fest gestern sey nicht gewesen 3, 296; da lachte frau Tschermack und ihr gesinde ihm ins angesicht, und behaupteten steif und fest: er sei vor einigen tagen hier durchpassirt Brentano 4, 219; der kleine Heini behauptete aber steif und fest, es sei kein traum gewesen Seidel winterm. 234. auch mundartlich, z. b. in Basel öppis stiff und fest b'haupte Seiler 278b; els. s. Martin-Lienhart 2, 576a. so denn ferner: ein edelmann ... redete mit dem bauer Jorcus, und bildete ihm steiff und feste ein, dasz jetzo solche gute gelegenheit obhanden, sich bey dem könig bedient zu machen hist. v. d. gehörnten Siegfr. (1726) 33b (s. 88 neudr.); Dejanira versicherte mich steif und fest, dasz Cupido für Cremona erhalten sollte Arkadien Heinse werke 10, 291 Schüddekopf; die hat dem alten weibe steif und fest in den kopf gesetzt, Rammler wäre verliebt in sie Lenz 1, 301 (soldat. 4, 2); so verfochten schon seine (des Panaetios) nächsten nachfolger jene offenbarungslehre ... so steif und fest wie jeden andern schulsatz Mommsen m. gesch. 2, 417. umgestellt in dem frühesten belege: mancher böse bub ... vertuscht seine sünde, wie er kan und mag, leugnet fest und steiff, schweret offt stein und bein, er sey unschüldig Dan. Schaller theolog. heroldt (1604) 430. dafür die ungewöhnliche formel: gegen uns verleugnet er (Knebel) streng und steif jede übersetzung aus Byron Göthe briefe 28, 151. anders, mit adject. steif: confirmo ... für gewüsz, steyff, und vest sagen Calepinus dict. VIII ling. 278b. II@8@e@thθ) hoffen, vertrauen, vgl. d, λ: das ist des glaubens natur, wann er ein verheissung von gott hat, dasz er sich one alles hinderisch sehen und zweyfflen, steiff und fest darauff verlasse Gretter ep. an d. Römer (1566) 264; und zählte nun steif und fest darauf, itzt hätt' ich mich für ein- und allemal erschwungen Ulr. Bräker sämmtl. schr. 1, 227; darumb auff dich all hoffnung ich gar fest und steiff thu setzen Wackernagel kirchenl. 3, 1042; ferner: darum versprach sie ihm steif und fest bei dem herrn zu reden das best Kortum Jobsiade 1, s. 105 (23, 21). II@8@e@iι) wendungen, die d, λ entsprechen, vereinzelt in der ältern sprache: es solt Patroclus steiff und fest den feinden lAenger setzen zu Spreng Ilias 232a (16, 653 ff.); doch auch noch: die bürger zogen auf die wache und wollten steif und vest vertheidigen, bis diese gueux gekommen wären Caroline 1, 273 E. Schmidt (16. oct. 1792). — andrerseits: wann die friedhandlung, wie gemeldt, steif und fest ins werk wird gstellt, kann jede part sin religion üben Opel-Cohn s. 56 (vom j. 1620); anderes: fr dieser zeit bistu ja gwest in seiner kundschafft steiff und fest Dedekind christl. ritter (1590) I 6b (5, 1). II@99) in neuerer sprache (18.—20. jahrh.) dagegen von einem gezwungenen wesen, dem es an natürlicher freiheit, geschmeidigkeit und leichtigkeit fehlt. diese bedeutung steht der eigentlichen (s. 3, bes. f) sehr nahe und unterscheidet sich von ihr besonders darin, dasz sie einen geringeren grad bezeichnet und dasz bei ihr nicht physische (3, h), sondern seelische ursachen: ungeschick und mangel an gesellschaftlicher erziehung oder förmlichkeit, hochmut, beschränktheit usw. zu grunde liegen. sie ist vor dem 18. jahrh. nicht nachzuweisen; nahe kommen ihr stellen, wo steif im sinne von 'hochmüthig' zu stehen scheint (vgl. 8, d, ρ), wie: Cleand. allein ist das frauenzimmer auch von grosser einbildung? Fidel. vormahls waren sie noch gut gnug, aber nun sie ein biszgen steiff geworden seyn, wollen sie schrecklich hoch hinaus Chr. Reuter ehrl. frau (1695) s. 12 neudr. (1, 5). vgl. dazu: charackter eines barons der neulich Göttingen verliesz. steif, unbesonnen, stoltz auf seinen federhut ... hochmuth und unverstand auf der frisirten stirne ... Lichtenberg briefe 1, 3; es wohnte diesem in der nähe ein spröszling eigennütziger ehe, der, stolz und steif und bürgerlich, im schmausen keinem fürsten wich Hagedorn poet. w. (1757) 2, 119, eine stelle, die schon Adelung anführt, der erste, der diese gebrauchsweise lexikalisch gebucht hat ('in weiterm verstande, gezwungen, von stellungen, geberden u. s. f.' 2, 4). seit der klassischen zeit ist sie weitaus die häufigste, in der steif überhaupt litterarisch begegnet. in mundarten-wörterbüchern ist sie nur ausnahmsweise aufgeführt (was natürlich kein beweis für unbekanntschaft ist): els. stif unbeholfen: e stiffer mensch, stiffer Jockl Martin-Lienhart 2, 576a. II@9@aa) zunächst von personen: einem, der sich mit einem feinen weltmanne und einem steifen pedanten zugleich in gesellschaft findet Lessing 8, 433; ersteres ('fräulein, braut') ist der complimentirton eines steifen reichsstädters Schubart leben in s. briefen 1, 180; möglichkeit eines schönen umgangs. entweder steif und ängstlich, oder unmäszig und roh Göthe 47, 304, 4 Weim.; so ist zu bewundern, wie er seine lehrer alle kennt und, von dem steifsten pedanten bis zum ultraliberalen, von einem jeden gelernt briefe 33, 275, 16; wenn so ein solider tropf in seine vaterstadt zurück kommt, gerade so steif und ehrlich als er sie verliesz H. Beck schachmaschine 20; kein steifer hofmeister auf schritt und tritt hinter zwei muthigen jungen her! Mörike maler Nolten2 1, 42; mochte man beim schoppen über die steifen Preuszen klagen, denen die liebenswürdige rheinische kunst des lebens und lebenlassens noch so fremd war Treitschke d. gesch. 2, 271; dasz wir in die hände klaschten und bewundernd 'ah!' riefen ... natürlich immer mit ausnahme der steifen alten jungfer Seidel Leberecht Hühnchen 71; das steife mädchen dreht sich nach meiner melodie Göthe 1, 26, s. ferner 12, 227 (Faust I, 4319); 13, 78 (Satyros v. 20); und die als steife boten abschied nahmen, wirst du als flinke geiger wieder seh'n Hebbel 4, 208 (Nibel. III, 2, 1). durch verbindung mit sinnverwandten wörtern verdeutlicht: steif und trocken war er (Sal. Geszner), wie recht ist, gegen fremde die zu ihn kamen, um ihn läppisch anzustaunen Zimmermann üb. d. einsamk. 4, 53; Sie finden ihn (wachtmeister Werner), ohne zweifel, ein wenig steif und hölzern Lessing 1, 573 (Minna v. B. 4, 5); es kam mir doch so vor, als ob er ein wenig zu steif und gezwungen wäre Bode Thomas Jones 5, 168; jener Egmont ist ein verdrieszlicher, steifer, kalter Egmont, der an sich halten ... musz Göthe 8, 238 (Egm. 3); könig Saul (als puppenspielfigur) ... wollte Marianen gar nicht gefallen; er sehe ihr, sagte sie, zu steif und pedantisch aus 18, 14 (Wilh. Meister 1, 3); man gab Ludwig den springer. mad. Spalding, eine gute figur, aber kalt und steif. Pauli trocken und steif tageb. 2, 122, 12 (4. sept. 97); es ist ein steifer dünkelhafter gesell briefe 21, 393, 2; abends gingen wir in's schauspiel ... liebhaber, steif und stockig über alle begriffe 23, 327, 15 (an Christiane 25. apr. 1813); wenn ich an seine schwester denke — hast du je etwas so steifes, geziertes und unnatürliches gesehen! Klinger neues theater 2, 212 (zwo freundinnen 2, 1); ich schätze ihn (Marwitz) sehr, aber ihm etwas abzufragen, wobei das herz im spiel ist, vermag ich doch nicht recht, weil er so starr, so steif, so eisern, so über alle maszen unjugendlich ist Gentz schr. 1, 116 (an Rahel 21. sept. 1810); im bürgerlichen leben war er (Pompejus) ein schüchterner mann, ... überhaupt eckig, steif und ungelenk im verkehr Mommsen m. gesch. 38, 12; während ... der alten hochmütigen excellenz, der steifen und zeremoniellen Bischofswerder ... gedacht wurde Fontane 2, 5 (vor d. sturm 51); Uhland bleibt immer etwas steif und förmlich und zugeknöpft Scherer kl. schriften 1, 58. auch: es können doch nicht alle leute so steif und artig sein, wie unsere kaufleute? Ilse Frapan vom ewig neuen 163. dagegen unterschieden: wohlgebaut, zeigte er sich strack, ohne steif zu seyn, doch mehr mit einem ernsten als gefälligen anstand Göthe 37, 314 (Hackert, lebensende). vgl. auch: steif seyn kann jeder; aber es mit grazie seyn, das ist eine seltene gabe Börne 5, 99. verstärkt durch vergleiche, steif wie ein bock u. ähnl.; dafür zusammensetzung: wir haben uns königlich unterhalten ... nur der graf ist so bocksteif gewesen ... Ebner-Eschenbach 4, 383. — von absichtlichem verhalten im einzelnen falle: ich fand die leute hier im alten hader, konnte gestern nicht fort, und muszte mich sehr steif machen, um heut los zu kommen Bismarck briefe an s. gattin s. 385; aber nun wurden die Läps steif Ilse Frapan bek. gesichter 193. — von allegorischen gestalten (vgl. 6): die aufgeputzte reih der Moden deutscher lande zog sich vor andern hier in reizendem gewande um die Galanterie, von Dresden, und von Wien; steif, die von Augspurg her; und frey, die von Berlin Zachariae schr. 1, 37 (d. renommist 2). die person umschrieben: gewisz, es lebte mehr darstellung in seinem gesang, als in unsern steifen personen auf der bühne Göthe 18, 208 (Wilh. Meister 2, 11); gelehrte steife gesichter mit brillen auf der nase C. Hauptmann Einhart d. lächler 1, 15. — mit collectivbezeichnungen: wir jungen leute waren nicht genöthigt, wie es in so vielen steifen häusern geschieht, uns um der alten willen am spieltisch aufzuopfern Göthe 16, 206 (br. aus d. Schweiz 1); war des fürsten kleiner hof steif, ceremoniös, altfränkisch ... E. T. A. Hoffmann 10, 40 Grisebach (kater Murr 1, 1); dieses lüderliche genie, das sich gegen das konduitenwesen der steifen philisterwelt empört Gervinus gesch. der d. dichtung 5, 228; im steifen ungeselligen Göttingen Forster s. schr. 8, 24. auf dinge angewandt, mit personification: bewundern Sie die glatten buchenwände, der bäume banges zeremoniell, die starr und steif, und zierlich wie sein hof, in trauriger parade um mich gähnen Schiller 5, 1, 33 (dom Karl. 1, 4). II@9@bb) steif in verbindung mit abstracten. II@9@b@aα) mit begriffen, denen steifheit notwendig und wesentlich eignet; so: sie waren des steifen ceremoniels überhoben, gegen unbekannte sich zu beknixen Musäus volksm. 1, 70 Hempel (leg. v. Rübez. 5); Marie Antoinette ... konnte sich in das steife hofceremoniell nicht finden Dahlmann franz. revol. 15; wenn ihr doch den versuch machen möchtet, auf alle diese steife etikette verzicht zu thun Hippel lebensl. 3, 1, 306; (so freier:) in den strengen architectonischen linien dieser terrassen ... ist ein gemisch faunischen übermuths und steifer hispanischer etikette Justi Winckelmann 2, 1, 25. so ferner: durch verbindung von verstand und naivetät ... befreite sie (fr. v. Grolmann) ihre gesellschaft von ceremoniellem zwang und steifer langweile 1, 93; warum ist die übertriebne ritterwürde ein falscher geschmack? weil sie als bloszes ritual herz- und seelenlos, steif und lächerlich ist Herder 18, 74 (human. br. 91; bestimmter: im saale aber dreht sich wieder der unterbrochene steife fackeltanz Heine 6, 106 Elster (d. göttin Diana 2); sinnlicher (vgl. 3, l): so nehm' ich dir den hut vom haupte .., störe der locken steife ordnung Kleist fam. Schroffenst. 5, 1, v. 2477. II@9@b@bβ) so gern mit bezeichnungen moralischer eigenschaften u. ähnl.: die steife förmlichkeit im umgange Adelung; das übrige tönten sie (d. engl. schauspieler) in einer steifen, strotzenden feyerlichkeit daher Lessing 7, 71 (hamb. dramat. 16); so wird aus der affektirten anmuth ziererey und aus der affektirten würde steife feierlichkeit und gravität Schiller 10, 123 s. auch Tieck 4, 110. — das verbindliche wesen (des Atheniensers) ... musz vor dem steifen ernst des Persers ... den vorzug erhalten Wieland Agathon 1, 115, s. auch Kretschmann 5, 90; Klinger 4, 462; bei seiner neigung für südliches wesen machte ihn das phlegmatische temperament, die hölzernen manieren, der steife ernst (der Engländer) leicht ungeduldig Justi Winckelmann 2, 2, 35. — die attische urbanität, die von der steifen und ceremonienreichen höflichkeit der heutigen Europäer merklich abstach Wieland 1, 200; das vertrauliche du verdrängte bald die fremde steife höflichkeit Tieck 8, 329. — Faust ... freute sich, einen königlichen prinzen zu sehen, der als mensch that und redete, da er bey den meisten fürsten seines vaterlandes nur steifen stolz und hölzernes ceremoniel bemerkt hatte Klinger 3, 184 (Fausts leb. 4, 1); er war gefällig, munter, unterhaltend, ohne alle steife pedanterei und anmaszung J. v. Müller werke 4, 4; das sächsische cabinet zeigte wieder denselben steifen hochmuth Treitschke d. gesch. 1, 239. andererseits auch: die steife unterthänigkeit war einem sich fühlenden künstler nicht angemessen (vom darsteller des malers Conti) Börne ges. schr. 2, 12. — es war nichts von steifer gleichgültigkeit in dem tone, in welchem er sich an Lotti wendete Ebner-Eschenbach 3, 73. anderes vereinzelt, weniger fest zusammengehörig: verdrieszlich fiel mir stets die steife klugheit, und dasz er (Antonio) immer nur den meister spielt Göthe 9, 197 (Tasso 4, 2); weil man noch allenfalls an untergeordneten dienern ... eine gewisse zu ernste, steife, gebietende und trotzende ehrlichkeit ertragen kann Klinger 9, 12; — ähnlich ferner: noch ein knabe, habe ich mich schon über die steife orthodoxie in der moral ... einiger prediger ergrimmt Cramer Neseggab 4, 437. II@9@b@gγ) als charakterisierendes adjectiv, neben begriffen, denen an sich dieser charakter nicht zukommt: Savigny hält abendgesellschaften, die mir zu gemischt und steif sind J. Grimm an Dahlmann 11. juni 1841, s. briefw. 1, 456; weg ... mit jenen steifen gezierten lustparthien, wo man wie eine harfensaite gespannt dasitzen, und für schuh und strümpfe mehr sorg tragen musz als für leib und seele! Ulr. Bräker schr. 2, 98. — in den feierkleidern wird die unterhaltung leichtlich steif Arnim 16, 122; Wally muszte über die steifen anträge ihres närrischen schwagers lachen Gutzkow ges. werke 4, 298 (Wally 2, 5). ungewöhnlich, veraltet: ich wäre fast überzeugt, dasz steife überlegungen dieser art sie vielleicht zu einer gelehrten, aber nicht zu einer thätigen, liebenden mutter machen werden Herder 18, 469. — besonders mit ausdrücken der bewegung oder körperhaltung: Paul Werner. (der in einer steifen stellung, gleichsam im dienste, hereintritt) Lessing 1, 571 (Minna v. B. 4, 4); steif und förmlich sind, wo er (d. gutsherr) repräsentirt, bewegung und sprache Freytag 17, 8; des försters haltung aber war so steif und gemessen ... Fontane 6, 14 (quitt 3). ein steifes compliment. eine steife verbeugung Adelung (2, 4): der geist des geckenordens war unstreitig, dasz der herzog sogleich seine durchlaucht ... verbannete, ... und nun keine steife verbeugung, keine unterthänigste ehrfurcht ... sich ... sehen lassen durfte Möser patr. phantas. 2, 246; Werner macht eine steife verbeugung, und geht ab Lessing 1, 572 (Minna v. B. 4, 4); Läuffer geht mit einem steifen kompliment ab Lenz 1, 7 (hofm. 1, 3). in diesen verbindungen kann steif einen doppelten wert haben, indem einerseits komplimente an sich etwas steifes, förmliches haben, s. α, andrerseits die art der ausführung eckig, ungelenk oder geschmeidig, anmutig sein kann. — bey dem steifen gange der akteurs; bey ihrer wunderlichen tracht, ... bey dem seltsamen nachdrucke ihrer gereimten, abgemessenen sprache Lessing 7, 382 (hamb. dramat. 85); während unser gutes altes närrchen in steifen (gravitätischen) schritten über die strasze stieg Hauff 2, 14, 10 Bobertag (mem. d. satans 1, 2); die mitlauter kamen mit steifen schritten Göthe 2, 211. ungewöhnlich: ihre gefühle waren so steif als ihre körper M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 174. zusammenfassend: dabei regt und bewegt sich auch nichts im innern und äuszern (der schauspielerinnen), alles bleibt steif und ungelenk E. T. A. Hoffmann 4, 66 Griesebach. II@9@b@dδ) mit allgemeinen ausdrücken: es war eine exklusiv adelige gesellschaft, ... aber ... die steifen formen ertöteten nicht die munterkeit der jugend Meinecke generalfeldm. v. Boyen 1, 35. steife sitten u. ähnl.: die Wälschen ... schalten den Deutschen als zu schwer zu unbehülflich zu plump zu feierlich zu kalt und zu unempfindlich; sie nannten seine sitten steif und ungefällig Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 366; er (Beneke) hatte vor zwanzig jahren die etwas steifen manieren eines Göttinger professors nach Berlin gebracht Gutzkow ges. werke 11, 225; der commissarius machte mir, mit aller treuherzigkeit einer steifen guten lebensart, einen eben so tiefen ('bückling') wieder Bode Tristram Schandi 7, 115 (34. kap.); ein heiseres organ und ein steifes betragen schlieszen ihn von der bühne ... aus Göthe 19, 173 (Wilh. Meister 5, 6). — er (ein geistlicher) würde dadurch (durch umgang mit weltleuten) ein gewisses steifes wesen ablegen, das man von der universität ... mitbringt Nicolai Seb. Nothanker 2, 54; da war mir unser prinz mit seinem steifen wesen lieber Freytag verl. handschr. 2, 32 (3, 2). — hierzu kam, bey den vornehmern, der damalige steife ton, nach welchem ein glückwünschender sich von dem ceremoniell nicht entfernen durfte J. G. Jacobi s. werke 6, 205; den steifen italienischen gesellschaftston Archenholz England u. Italien 2, 62. — steife miene, steifes gesicht: die enkelin half ihr mit einem so gleichgültigen steifen gesicht ... Ilse Frapan bekannte gesichter 37. dafür deutlicher (eig. zu α): mit einem steifen amtsgesichte Richey bei Kinderling 355; jede steife amtsmiene ist mir verdächtig Bode Montaigne 5, 149; weil er seine sache mit einem steifen amtsgesichte verrichtete Tristram Schandi 9, 127. — ganz allgemein: damit Ihre bekanntschaft nicht beim erstenmale jene steife, widerwärtige art erhalte, mit der man nach hergebrachten formeln ... sich seltsam genug die gegenseitige vertraulichkeit abgewinnen will, so sollen Sie ihn auf einem spaziergange treffen Tieck 7, 5 (W. Lovell 6, 2); stand man noch umher bei ankunft des herzogs, so behielt alles einen steifen charakter Laube ges. schr. 14, 171. — ferner: ein liebenswürdiges geschöpf, das sehr viel natur mitten in dem steifen leben erhalten hat Göthe 16, 96 (Werther, 24. dec. 1771); die bewohner dieses städtchens (Geiszlingen) haben ... ein verdrieszlich steifes ansehen Schubart leben u. ges. 1, 85; die ganz steife, prosaische stimmung setzt sich plötzlich ohne alle vermittlung in ihr gegentheil um Hebbel briefe 6, 95, 9. II@9@cc) dem entsprechen adverbiale gebrauchsweisen von menschen: er stehet so steif da wie ein klotz Adelung; steif und stumm steht er maler Müller 1, 147; wir spotten nur der dummen list des ceremoniells, das, um bemerkt zu werden, steif, mit gezwungenen geberden, mit abgemesznen schritten geht Ebert episteln s. 56; nun sitzen sie steif wie professorsleut' da Mörike ged. 4258; er (d. oberlehrer) setzte sich steif an seinen schreibtisch, um ... mehrere aphorismen zu papier zu bringen Raabe Horacker (1876) 14; so auch von thieren: Dankmar überliesz es seinem lahmen begleiter Bello, zu dem steif und ernst dort oben thronenden vogel (e. raben) verdutzt ... hinüberzuschauen Gutzkow ritter vom g. 2, 369; die giraffe sieht steif und stolz, wie ihr landsmann, der obelisk von Luxor, auf Frankreich herab ges. werke 7, 205; steif und ernsthaft, mit grandezza, tanzt der edle Atta Troll Heine 2, 355 Elster (Atta Tr. 1). sich steif verbeugen, 'als wenn man einen steifen rücken hätte' Campe: der angemeldete ... verbeugte sich von der tür her etwas steif Fontane 5, 269 (ir. wirr. 20); keine (der schwestern) hatte gewagt, ihn zu begrüszen, nur mit kopfnicken von ferne, nur ganz steif C. Hauptmann Einhart 1, 79; dazu auch: dieser unvorhergesehene plural verwirrte ihn, so dasz die begrüszung ... ziemlich steif und förmlich ausfiel Seidel vorstadt-gesch. 32. anderes, z. th. ungewöhnlicher: (Karl) (seine liebkosungen steif erwiedernd) Kotzebue s. dram. werke 18 (1828), 272 (d. hyperbor. esel 10); freier: was ist mein armes leben, beym sankt Apoll! wenn ich so steif und eben eindunsen soll? Overbeck verm. ged. 79. mit unpersönl. subject; von der kleidung (vgl. 2, m): ist die hexe (d. kammermädchen) übler laune: so sitzt meiner frauen das zeug ordentlich und steif, aber nicht ein bisgen gefällig Möser patr. phantas. 2, 266; die tracht der (Altenburger) landleute ... sieht steif, gemacht und geschraubt aus, es ist keine leichtigkeit und bequemlichkeit darin Laube ges. schr. 8, 53. ganz unpersönlich: man hat das vorurtheil, dasz in Regenspurg alles steif und nach abgezählter etikette zugienge Nicolai reise durch Deutschl. 2, 351; es ging bei solchen gelegenheiten in dem hause eines guten pächters ... ganz eben so her, wie in dem eines barons ...; mit derselben feierlichkeit ..., aber freilich steifer und ungelenker, also lächerlicher und alberner Arndt werke 1, 18 Rösch (erinn.). ... II@9@dd) der begriff steif in diesem sinne findet seine anwendung einerseits im gebiete des gesellschaftlichen lebenswofür belege gegeben sind —, andrerseits im reiche des ästhetischen. II@9@d@aα) hierher gehört schon die verbindung steife handschrift, steife buchstaben, obwohl hier noch die vorstellung der physischen ungewandtheit des schreibenden stärker hereinspielt: sie ... begann ... mit steifen ungeübten buchstaben abzuschreiben Ilse Frapan enge welt 62; die sehr ordentliche steife schrift der mutter Frenssen d. brüder 139. adverbial: sie schreibt langsam und steif ..., doch nicht zaghaft und ungestalt Göthe 17, 39 (wahlverw. 1, 3); die lettern des briefes waren steif und ruhig hingemalt Ebner-Eschenbach 5, 55. anders in folgender stelle, wo die schrift (das gedruckte buch) als solche, im gegensatz zum leben, nicht eine besondere beschaffenheit, als steif bezeichnet wird: alles will ich nun verlernen, was mich lehrte das papier. schwarze, steife, stumme lettern, sagt, was wollt ihr noch von mir? W. Müller ged. s. 267 Hatfield ('d. peripatetiker'). II@9@d@bβ) von der sprache: dasz ihre (die französische) sprache so ungelenk und steif ist, dasz sie nichts fremdes recht ausdrücken kann d. neueste aus d. anm. gelehrs. 5, 219; welch ein recht gewinne ich dadurch, mit euer hochedeln mehr in der ungekünstelten sprache des herzens, als in der steifen sprache des ceremoniels zu reden Schubart leben in s. br. 1, 55 (an Wieland 20. juni 1764); so ferner: durch den steifen und undeutschen stil der behörden, kanzleien und gerichte J. Grimm th. 1, vorr. xxviii; man hat seine (Thomsons) schreibart als sonderbar und steif getadelt Lessing 4, 163; sein ton ist ernsthaft, aber nicht steif Forster schr. 8, 9; hieran werdet ihr mit all' euren groszen und steifen worten nichts ändern Keller 6, 287. — die unterhaltung blieb anfangs ziemlich stockend, steif und gezwungen Eichendorff2 2, 78; die darstellung bleibt ungefügig, einförmig oder verworren, steif, trocken Hegel werke 10, 2, 246; der steife und strotzende witz, den uns die ausländer so oft vorwerfen Rabener 3, 7. häufig: ihre (der Dacier) übersetzung des textes ist wäszrig und steif Lessing 7, 325 (Hamb. dram. 72); dasselbe publicum das sich eben so gern die steif Voszische übertragung gefallen läszt, als die französischfreie J. Grimm br. an Benecke s. 16; dann auch auf den schriftsteller angewandt: ich meine Thomas Gordon, ... den steifen übersetzer des Tacitus und Salust Justi Winckelmann 1, 217, vgl. auch: wenn der weise sich ganz genau, ganz richtig und bestimmt ausdrucken will: so braucht er keinen biegsamen, keinen leichten, keinen nachdrücklichen perioden; die richtigkeit ist steif, die gründlichkeit vest Herder 1, 160. II@9@d@gγ) so besonders in bezug auf kunst: schwulst, schulgelehrsamkeit und steife kunst sizt wieder, wo deine (Thyrsis' = Hagedorns) venus sasz Götz verm. ged. 2, 160. der styl war troken und steif bis auf Michael Angelo und Raphael Winckelmann s. werke 5, 260; Marner ... erzählt die königswahl der thiere ... schon ganz im steifen stil des spätern meistergesangs J. Grimm Reinh. fuchs s. ccix; seine vorstellungs- und ausdrucksweise zeigt sich zwar zunächst noch in den steifen formen jener zeit befangen D. F. Strausz Schubarts leben 1, 9; die komischen heldendichter ..., die ihre satyrische gedichte mit einer steifen und ernsthaften art vortragen Dusch verm. krit. schr. 138; sie (die Eddaübers. v. Afzelius) verbindet treue mit deutlichkeit, ohne steifes kleben an der form, wie dann die alliterationen nicht nachgebildet sind J. Grimm kl. schr. 4, 144, s. auch gramm. 12, s. ix; besonders vergiszt man darüber (bei Montaigne) die steife systematik, die dem poetischen am meisten hinderlich ist Ludwig 5, 167. vom kunstwerk: in der kunst ... producirt er (d. pedant) leblose, steife, manierirte aftergeburten Schopenhauer 1, 103 Grisebach (welt als wille § 13). vom künstler: es ist mir lieb, dasz Sie ... mich nicht, als einen verehrer des Messias, auch zu einem verehrer derjenigen steifen witzlinge machen, welche durch ihre unglücklichen nachahmungen dieser erhabenen dichtungsart ... einen lächerlichen anstrich geben Lessing 3, 323 (19. lit. br.). allgemein: künstler, wird's im innern steif, das ist nicht erfreulich Göthe 3, 126. II@9@d@dδ) von dichtung und andrer wortkunst (vgl.β): so wird die rede ... aus groszer regelmäszigkeit gezwungen und steiff Ramler einl. in d. schönen wissensch. 4, 144; zugleich lege ich eine etwas steife ... beschreibung des Igler thurms bey Göthe briefe 12, 198, 3; der dichter hat es selbst gefühlt, dasz er mit dieser steifen erzählung seinen zweck, ... zwar erreichte ... Hebbel 11, 269, 26; hör, dies lied hab ich zu einer melodie gemacht, und darum ist es hin und wieder etwas steifer und intricater geworden Claudius 3, 71; meine predigten waren gewöhnlich — steif — zerstückelt E. Th. A. Hoffmann 2, 32 Grisebach (elex. des teuf. 1, 1); er sah in seinen arbeiten nichts als eine geistlose nachahmung einiger hergebrachten formen ...; er wollte darin nur steife schulexercitien erkennen Göthe 18, 122 (Wilh. Meister 2, 2); brieffe, worinen man gezwungen schreiben musz, seindt woll mitt recht steiffe brieff Elisab. Charlotte v. Orleans 5, 146 Holland (a. d. j. 1719); Julchen hat mir einen steiffen brief geschrieben Schubart leben in s. br. 2, 71 (ost. 1783). — ein steifer kostbarer dialog (in Diderots 'natürl. sohne') Lessing 7, 383 (Hamb. dram. 85); jeder einseitige vortrag ... kommt uns traurig und steif vor Göthe 36, 211; des umarbeiters eingefügte steife reime sind nur selten im text getilgt worden J. Grimm Reinh. fuchs s. cxii; ob Sie den steifen und bebänderten allegorieen der mythologischen periode in der literatur begegneten Gutzkow ges. werke 8, 3. — sie (Mary Wollstonecraft) ist weit merkwürdiger dadurch (durch ihren charakter) als durch ihre schriften, die ... einen etwas steifen zuschnitt haben W. Schlegel im Athenäum 2, 312; ich sah ... liebhaber-schauspiele ..., die mit ihrer steifen originalität unendlich spashafter waren, als diese müden kinder der kunst Europa 2, 175. II@9@d@eε) in bez. auf musik: wie fürchterlich schön müssen nicht die leichenmusiken der Aegyptier gewesen seyn ...! wenn aber der satz so steif wie ihre ... bildsäulen war; so würde er für uns kein interesse mehr haben Schubart ästh. der tonk. 7; er (Agrell) spielte kalt, aber regelmäszig ... steif war sein betragen, steif seine spielart 208; das abenteuerliche gebäude der oper war durch das herkommen nur starrer und steifer geworden Göthe 36, 178; nur an wenigen stellen ist der gang der harmonie etwas steif geworden O. Jahn Mozart 4, 444, anm. 144. — so hat die ton-kunst ... mehr das zierliche, gefällige ... wesen, als die steife regeln, zu ihrem augenmerck J. Mattheson kl. generalbaszsch. (1735) 65. II@9@d@zζ) in bezug auf bildende kunst, vgl.: steif. (schöne künste.) es wird im eigentlichen sinn von menschen und thieren genommen, denen ein theil der gelenkigkeit fehlt. also braucht man es in den zeichnenden künsten von den figuren, welche so gezeichnet sind, dasz man ihnen die unbeweglichkeit, oder den mangel der leichtigkeit der bewegung ansehen kann Sulzer theorie der schönen künste 4, 456b; steif, fr. roide, wird von der zeichnung überhaupt und von der stellung insbesondere gesaget. eine steife zeichnung ist diejenige, deren umrisse nicht wellenförmig und schlangenlinig, deren züge trocken und gezwungen sind. eine steife stellung ist in rücksicht auf das steife der muskeln übertrieben .. es ist ferner auch diejenige steif, welche einerley, ohne reiz, ohne anmuth, gezwungen und unnatürlich ist Jacobsson 4, 272a. — Raphael hatte erst lauter gerade und steife figuren gemachet. als er aber ... die alten meisterstücke sah, verliesz er diese art plötzlich, ja übertrieb die schlangenlinie eine weile gar zu sehr d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamk. 4, 412; den steifen und trocknen nachschilderungen der natur Lessing 7, 13 Lachm.Muncker; der unausgesetzt aufsteigende qualm der ewigen lampe hatte das steife byzantinische Marienbild ... halb überblakt Fontane 4, 180 (gr. Petöfy 27); auf dichtung übertragen: ein andrer (dichter) zeichnet kräftig, doch alles, was er malt, ist steif und allzuheftig Cronegk schr. 2, 116. man kann, zum beyspiel, ... auch nur die umriszlinien der lippen zeichnen, und man wird finden, dasz man ordentlich von der weichsten, schönsten linie, zu steifen, ... verzogenern kommt Lavater physiogn. fragm. 1, 61. — der stand der figuren ist steif und gezwungen Winckelmann werke 3, 164; die unterscheidenden merkmale der ... denkmale dieser alten zeit bestehen in folgendem: ... steife stellungen ... H. Meyer gesch. d. bild. künste 1, 24. — er würde anstatt einer lebendigen gestalt eine steife anwendung der regel hervorbringen Solger Erwin 1, 66; da ist die steifste klassik mir doch lieber Ilse Frapan Vischer-erinner. 54. II@9@d@hη) sonst in mannigfaltigen anwendungen: wenn nun ein solcher kopf über ein buch geräht, in welchem er keine steife und ehrbare schulweisheit antrifft: so kömmt er in ein fremd land Liscow vorr. s. 45; die fixen ideen, welche der gute hirt schon so ein dutzend jahre nährt, mögen denn freylich etwas steif und trocken geworden seyn Göthe briefe 11, 40, 9. — unsere rechtswissenschaft ... ist gewaltig förmlich und ein wenig steif J. Grimm kl. schr. 5, 453; seine belehrungen erschienen nie in der steifen form der doktrin Steffens was ich erlebte 2, 85; der reichstag in seinen steifen formen, wie ihn der westphälische friede ausgebildet hatte Sternberg ausg. werke 2, 22. — unser weinstock musz geschnitten an kleinen stäben aufwachsen, deren einförmigkeit den poetischen rebhügeln steifes ansehn ertheilt J. Grimm kl. schr. 1, 60; hier waren noch die steifen gradlinigen rabatten Storm 3, 172; (im bilde:) bemühe dich nicht eine steife glatte hecke zu werden Bismarck br. an s. braut s. 44; eine ... haube, deren bunte bänder unter dem spitzen kinn zu einer steifen schleife geknüpft waren Ilse Frapan querköpfe 103. II@9@d@thθ) so auch adverbial: herr W. läszt ihn (Socrates) steif und gravitetisch antworten br. d. neueste litt. betr. 7, 19; von Malapert erinnerte, zwar höflich aber doch steif genug ..., an das oculis non manibus Göthe 24, 253 (aus m. leb. 4); Göthe hat mir vorige woche geschrieben ... erst jovialische und gewiss herzliche theilnahme, als Göthe, dann unmittelbar folgend, steif und kerzengerade über jene angelegenheit mit 'serenissimo' Rochlitz an Böttiger 3. okt. 1800, s. Göthejahrb. 1, 323; erfreut ... erwiederte herr Waser, etwas steif aber tadellos in demselben idiom sich bewegend C. F. Meyer Jürg Jenatsch s. 62. — vom schauspieler: so perorire er doch meist zu affectirt und steif Göthe 18, 26 (Wilh. Meister 1, 6); die ernsthaften rollen, die groszen herren und fürsten wurden schlecht und steif extemporisirt Tieck 5, 438. — litterarisch: steif übersetzen, 'wenn man sich zu sehr an die worte und ihre folge in der urschrift hält, wodurch die übersetzung gezwungen ... wird' Campe; ein solcher styl, der steif tändelt, und ohne gelenke scherzt Herder 2, 344; dieselbe classische periode des französischen theaters, welche so steif und ängstlich die griechischen überlieferungen wieder zu beleben versuchte Freytag technik d. dr. 27; so tönt und schallt der klang der epischen gesänge. nicht biegsam hüpfende, so wie ein stutzer geht, nein, steif wie im turnier ein mann geharnischt steht. d. neueste aus der anm. gelehrs. 4, 126. — tempel und Apollo wurden nun von Riffler so zierlich und steif gemalt, als hätte er sie von einer torte abconterfeyt Castelli werke 10, 46. — die blättchen saszen symmetrisch und zierlich an den zweigen, zählbar, ein wenig steif, wie von der putzmacherin angeordnet Keller 1, 293; zum kirchhof, der ... nichts als ein steif angelegter garten war Ric. Huch Lud. Ursleu 303. II@9@ee) so das neutrum gern substantiviert, im sinne des abstractums: das steife aus dem umgange, aus der unterhaltung verbannen Campe; destomehr scheint die sogenannte Dyonsche infanterie jene grosze absicht gehabt zu haben, das steife und gezwungene, was der unterschied der stände in der welt oft nothwendig macht, zu verbannen Möser patr. phant. 2, 248; herr Schlegel (e. schauspieler). wohlgebaut, hat aber bei aller beweglichkeit etwas steifes Göthe 43, 35; all das ungelenke, steife, eckigte meines betragens, das mir sonst noch vom klosterleben anklebte E. Th. A. Hoffmann 2, 121 Grisebach (elix. 1, 4). — in bezug auf kunst: in den schönen künsten und wissenschaften musz das steife vermieden werden Campe; der lehr-meister kan oft selbst nicht mehr als sein machwerk spielen; seine verwöhnte und ungeschickte maschine theilt seinen gedancken das steife mit Ph. E. Bach art d. clavier zu spielen 1, 3; in hrn. Kaukens seinem stiche besonders, ist noch viel steifes Lessing 12, 104 (an Moses dec. 57); das steife und altväterliche verlor sich und die kunst erreichte ... jene erhabenheit des styls, die in den werken eines Phidias sich aussprach Lange gesch. des materialismus 18. so als technischer ausdruck der kupferstecher: 'steife, das, fr. roideur, einschnitte, welche nicht durch einen frey geführten grabstichel oder radirnadel gemacht werden; dieses geschieht, wenn die einschnitte nicht dem umrisz der glieder nachgehen, um die rundung davon auszudrücken' Jacobsson 4, 272b. von sprachlicher darstellung: so hat die übersetzung doch den fehler des gezwungenen und steifen allg. deutsche bibl. 111, 529; unser ganzer periode bekommt also, da die meisten dieser wörter lang sind, was steifes, oder prosaisches Herder 1, 205; mathematische formeln lassen sich in vielen fällen sehr bequem und glücklich anwenden, aber es bleibt ihnen immer etwas steifes und ungelenkes Göthe 52, 305 (farbenl. V, 752); wer eigenthümlichen geist hat, musz ihn (als rezensent) dem zweck und ton des instituts unterordnen, ... hieraus entsteht gar leicht etwas steifes und zunftmäsziges A. W. Schlegel im Athenäum 1, 147. — so in zusammensetzung: das trocken - naive, das steifwackre, das ängstlich - rechtliche, und womit man ältere deutsche kunst charakterisiren mag, gehört zu jeder früheren einfacheren kunstweise Göthe 48, 208, 3 Weim. II@1010) technisches (s. auch 4, d; 5, b). II@10@aa) im deichbau steife linie 'die linie einer böschung wenn sie ganz gerade, ohne höhlung und ohne bauch ist' Campe, s. auch Jacobsson 4, 272b; nd. 'na stifer linie ist die dossirung eines deichs gemacht, wenn bey einem steif darüber gezogénen seil weder ein bauch oder eine erhebung, noch unten eine gruft oder abfall sich findet' brem. wb. 4, 1031. (also zu 6, b?) ähnlich (?): auch soll er (d. boden) nit allzu plan oder flach sein noch zu hangende oder steif (nec campestre nec praeceps) Petr. de Cresc. (1531) 43c (steife linie in anderm sinne bei Kant: wenn diese steife linie bei B verlängert worden 1, 111 Berl., nämlich wie vorher: dem steifen hobel 1 ACB, also zu 1.) II@10@bb) steifer kloben bei den kleinuhrmachern 'dasjenige stück in einer taschenuhr, welches nicht allein die welle des steigerades trägt, und an dem unterboden der uhr bevestiget ist, sondern in dessen zwey ausschnitten auch die spindel mit ihren zwey lappen läuft' Jacobsson 4, 272b. Campe. (vgl. klobe 4, d, th. 5, 1217.) II@10@cc) bei den gärtnern steif gespitztes blatt, mucronatum, das in eine hervorragende spitze endigt Jacobsson 7, 433a. II@1111) in mundartlicher sprache ist steif vielfach zu einem allgemein lobenden beiwort geworden, mit starkem verblassen des eigentlichen sinnes. es bedeutet theils 'stark, sehr', s. 7, theils auch 'schön, hübsch, schmuck'. das ist an sich nicht auffällig (vgl.nett, fix u. a.). merkwürdig ist jedoch 1) dasz diese letztere bedeutung in der litteratur vereinzelt schon sehr früh begegnet, um dann ganz zu verschwinden, wie sie auch von den wörterbüchern völlig übersehen wird (nur bei Stieler 2100: steif, ... it. ornatus, elegans, comtus); 2) dasz sie fast ausschlieszlich in süddeutschen (schweiz., els., bair.) quellen und mundarten bezeugt ist. demnach scheint es doch unsicher, ob hier eine bedeutungsentwicklung des gewöhnlichen steif vorliegt oder ob diese gebrauchsweise andern ursprung hat. II@11@aa) von menschen, bes. von e. mädchen. so schweiz. stief Stalder 2, 395; im ungr. bergl. staif schön Schröer nachtr. 48b. diese bedeutung ist wol auch für die folgenden litteraturstellen anzunehmen, die allerdings z. th. einer späteren zeit und Norddeutschl. angehören: zu Straszburg ... begab es sich auff einen feyrtag ... das eine schOene kOechin epffel unnd birn keuffen wolt, do denn zu allem glck viel handwercksgesellen stunden, denen sie denn vielleicht ehe, denn epffeln und birn zu gefallen gangen war, und solte warlich einer solchen steiffen dirnen nicht begegnet sein, wie sie war B. Hertzog d. schiltwacht C 4; weil ohne zweiffel eine steiffe magd den haasen hat aus dem kraute gejagd J. G. Schmidt rocken-philos. (1709) 1, 215. so auch nd. (?): (sie) snacken, wo se wilt to de dre dänze kamen: wol (wer) al tom ersten danz de stive bruet henföret ... 'köstbooksbüdel' von 1656 bei Lappenberg Lauremberg s. 112, 191. bei männern bedeutet steif gewöhnlich stark, s. 7, c. doch vgl. auch: ein steifer gesell, juvenis procerus, scitus, eximius Stieler 2110. dazu in Basel: stiffe bue = hochzitter, freier Seiler 278b (aus Spreng). II@11@bb) von dingen; so in den ältesten belegen aus dem heil. namenb. des Elsässers Konrad Dangkrotzheim (geschr. 1435): und was ein töhterlin sol tragen, vine huben, berlehte löcke, ... und uff sin houbet ein stiffe cron, als wolte es zuo dem tanze gon 27 (vgl. W. Grimm kl. schr. 1, 392); (adv.:) welch knabe zuo disem buoche hat minne, der vindet ein guldin rössel drinne, stiff gesattelt und vin gezöimet 13. sonst in d. Schweiz, z. b. von einem kleide Stalder 2, 395; es stifs wägeli, es tonners es stifs chueli Hunziker 254; es war schöne schlittbahn; Steffen hatte ein verflümeret styfs schlittli z' weg machen lassen J. Gotthelf ges. schr. 18, 268 (d. geltstag 19). II@11@cc) abstracter steife stunde für gute stunde, vgl. stunde. — ganz allgemein: wer woll guet, wer woll steiff, wer woll nett, wer woll schön, wer woll doll, wansz unsz armen narren auch ein mahl gieng woll Hartmann volksschausp. in Bayern s. 359 (XL, 180). ferner, adverbial: das ich wil sampt den kinden min vil liber sitzen in ein'r statt und rüewig wonen, styff und satt, dann füeren 's läben büwrsch und grob Jac. Ruff Adam u. Heva 3054.
191017 Zeichen · 4271 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Steif

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Steif , -er, -este, adj. et adv. unbiegsam, was sich nicht biegen lässet. 1. Eigentlich, wo es sowohl überhaupt von dies…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    steif

    Goethe-Wörterbuch

    steif [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Steif

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Steif , seemännischer Ausdruck: ein steifes Schiff ist sehr stabil, im Gegensatz zu rank (s. d.), vgl. Metazentrum; ein …

  4. modern
    Dialekt
    Steif

    Lothringisches Wb. · +11 Parallelbelege

    Steif Wäschestärke s. Stif.

  5. Sprichwörter
    Steif

    Wander (Sprichwörter)

    Steif 1. Stah stief, Knäkerbên, öck war di ock wat Dicket önt Liew besorge, säd de Sparling tom Storch. ( Ostpreuss. ) 2…

  6. Spezial
    steif

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    steif adj. 1 (starr) stare (-ri, -ra) 2 dür (dürs, döra) 3 indurí (-ris, -rida) 4 (vor Kälte) marmorí (-ris, -rida), abr…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit steif

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steif‑ als Erstglied (30 von 212)

steif(f)

Idiotikon

steif(f) Band 10, Spalte 1425 steif(f) 10,1425

Steifarm

SHW

Steif-arm Band 5, Spalte 1357-1358

steifbeinig

SHW

steif-beinig Band 5, Spalte 1357-1358

Steifgase

SHW

Steif-gase Band 5, Spalte 1357-1358

Steifhalter

SHW

Steif-halter Band 5, Spalte 1357-1358

Steifjoch

SHW

Steif-joch Band 5, Spalte 1357-1358

Steifkummet

SHW

Steif-kummet Band 5, Spalte 1357-1358

steifleinen

SHW

steif-leinen Band 5, Spalte 1357-1358

Steifmatz

SHW

Steif-matz Band 5, Spalte 1357-1358

steifmatzig

SHW

steif-matzig Band 5, Spalte 1357-1358

Steifsack

SHW

Steif-sack Band 5, Spalte 1357-1358

steifästig

DWB

steif·aestig

steifästig , adj. , vgl. steif II, 2, f.: hibiscus rigidus steifästiger hibiscus. ein strauchartiger stengel mit langen einfachen steifen äs…

steifarmig

DWB

steif·armig

steifarmig , adj. , vgl. steif II, 3, a: Theodulf ... griff steifarmig in die binsen Freytag ahnen 1, 28 ( Ingo 2). —

steifaufrecht

DWB

steif·aufrecht

steifaufrecht , adj. , vgl. steif II, 3, k, γ : Sprengel versteht unter starr, strictus, den höhern grad der geraden richtung ... wir sagen …

steifausgestreckt

DWB

steif·ausgestreckt

steifausgestreckt , adj. , vgl. steif II, 3, i, β : inzwischen hatte er die ausweichende Zirolane so weit nach der wand getrieben, dasz er e…

steifbart

DWB

steif·bart

steifbart , m. steifer bart; geschöpf mit steifem bart. ' bei Müller ein name der achten gattung seiner welse mit zwei rückenflossen ' Campe…

steifbefest (et)

DWB

steifbefest (et) , adj. : durch den steiffbefesten glauben, welcher hier dem schatten gleichet, sehen wir des höchsten willen Harsdörffer fr…

steifbeinicht

DWB

steif·beinicht

steifbeinicht , adj. , vgl. II, 3, b: tausende von Engländern rennen durch die Schweiz, aber weder einem der abgejagten lords noch einer der…

steifbeinig

PfWB

steif·beinig

steif-beinig Adv. : ' langsam, ungeschickt, schwerfällig ', von der Gehweise, steifbäänich [ LU-Alsh ].

steifbenutzt

DWB

steifbenutzt , adj. : der graf nannte diesen zehengang den todtentanz, und hatte wunderliche steifbenuzte regeln darüber, und eine ganz pein…

steifbettler

DWB

steif·bettler

steifbettler , m. , entstellung aus älterem steigbettler, s. das. ( in anlehnung an steif II, 8) Schmeller 2 2, 742, els. stifbëttler '1. be…

steifblättrig

DWB

steif·blaettrig

steifblättrig , adj. von pflanzen (steif II, 2, f ) : allium strictum. steifblättriger lauch Schlechtendal flora v. Deutschl. 5 3, taf. 253 …

steifbock

DWB

steif·bock

steifbock , m. , vgl. steif II, 3, f zu ende, bezeichnung eines nichtjägers : jetzt sind sie ja in Hohenberg all' versammelt; sie wollen zur…

steifborstig

DWB

steif·borstig

steifborstig , adj. , vgl. steif II, 3, l, doch meist von pflanzen (II, 2, f ): die rosen theilt er ein in solche, die glatte, und in solche…

Steifbotte

RhWB

steif·botte

Steif-botte -bǫt Ahrw f.: Rückentragkorb, um Erde, seltener Mist in den Weinberg zu tragen.

steif als Zweitglied (1 von 1)

stocksteif

DWB

stock·steif

stocksteif , adj. adv. , überaus steif, steif wie ein stock ( s. 1 stock, m., 7 a, oben sp. 39), stokksteiff Schottel 456 ; stocksteif Berl.…

Ableitungen von steif (7 von 7)

besteifen

DWB

besteifen , firmare, bestärken, einen in seinem vorhaben, in seiner bosheit besteifen; und dasz ihm so ist, scheint vom Ganges bis zum Po co…

besteifung

DWB

besteifung , f. firmatio: zu besteifung seines verkehrten sinns. Simpl. 2, 464; es tragt sich mehrmalen zu, dasz die natur selbs ohne wissen…

ersteifen

DWB

ersteifen , könnte rigere, obrigescere bedeuten und dem ags. âstîfian entsprechen, von der mangelnden lautverschiebung ist unter steif zu re…

steife

DWB

steife , f. , ableitung zu steif, s. das. 1 1) zunächst im sinne eines abstractums, eigenschaft oder zustand eines dinges, da es steif ist, …

unsteif

DWB

unsteif , adj. adv. , gth. v. steif. heute veraltet oder ungewöhnlich. vgl. ungesteif . gth. von steif II i δ : das abnemmen der krafft, den…

versteifen

DWB

versteifen , verb. , denominativum zum adj. steif, ist wie dieses aus dem nd. und nl. in die schriftsprache eingedrungen, zuerst von Campe g…

versteifung

DWB

versteifung , f. , subst. dazu. 0 0 zu 1~~ ' verstärkung, stütze bei bauten ': das tragwerk besteht aus .. zwischenverbindungen, die zur ...…