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steife

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

steife f.

Bd. 18, Sp. 1830
steife, f. , ableitung zu steif, s. das. 11) zunächst im sinne eines abstractums, eigenschaft oder zustand eines dinges, da es steif ist, steifsein. in vornhd. zeit nicht sicher nachzuweisen, denn in folgendem mnd. belege ist wohl das substantivierte adj. anzunehmen: in den schüren unde schoppen mach ik mi wal mit stive bestoppen Gerhard v. Minden 55, 24 Leitzmann, vgl. d. anm. der älteste bekannte beleg stammt aus einem liede von Th. Murner (um 1520), s. unter e. die nhd. wörterbücher haben das wort von anfang an: steiffe, firmitas, firmitudo Dasypodius; firmitas, veste, steiffe Schöpper synon. d. 6b; steyffe (die) stabilitas Maaler 388a, firmitudo, firmitas ... steiffe, bestendigkeit Calepinus dict. VIII ling. (1584) 515; soliditas ... veste, steiffe, oder gAentze 1256b; steiffe, festigkeit, fermezza, stabilita Hulsius (1618) 823b; steif[e], steifigkeit, f. rigidezza, rigore, saldezza, fermezza, it. intirizzamento Kramer dict. 2, 945c; steiffe, firmitas, stabilitas. steiffe der dingen, soliditas Denzler 274a; steife (die) fulcimentum, rigor, firmitas Steinbach 2, 691. in neuerer zeit durch die gleichbedeutenden bildungen steifheit und steifigkeit zurückgedrängt, s. das. (mundartlich fast nur in der bedeutung 2, d, s. auch 2, a.) im einzelnen: 1@aa) von stoffen, vgl. steif II, 2: steife der leinwand u. a. steife eines hutes apprêt, stiffening Beil technol. wb. 1, 569. dazu: die steife benehmen, levare la rigidezza. die steife geben, dare la salda Kramer dict. 2, 945c; einem zeuge die steife benehmen Adelung; einem hute steife geben Campe. — steife einer feder elasticität: allein wegen der vierfachen entfernung des punktes B vom ruhepunkte C ist die steife der feder CB dennoch viermal schwächer als die steife der feder C2A Kant 1, 111 Berl. ak. 1@bb) zu steif II, 3: steife der glieder, rigore, assideramento etc. delle membra Kramer a. a. o.; Adelung: sie machten ihm ein feuer an; die steife der glieder wärmte da der weisze mann Chamisso 4, 87 (rede des alt. kriegers Bunte-Schlange). steife des rückens, der arme, beine, der finger u. s. w. 'in einigen gegenden wird auch die lähmung oder der schlag, sofern er nur ein oder das andere glied steif macht, die steife genannt' Adelung. 1@cc) dickflüssigkeit, vgl. steif II, 4, a: der schlamm verbleibt in den kästen solange, bis er hinreichende steife gewonnen hat, um sich verarbeiten zu lassen Muspratt chemie4 8, 455. 1@dd) 'in der schifffahrt ist die steife oder steifheit eines schiffes die kraft, mit welcher es bei einem seitenwinde strebt seine wagerechte lage im wasser zu erhalten' Campe, nach Röding 2, 702, s. Kluge seemannsspr. 749, 1, wo auch belege beigebracht sind; steife eines schiffs, stabilité d'un vaisseau, stiffness Beil technol. wb. 1, 569, stabilität Stenzel 401a (vgl. 395b), vgl. steif I, 5, b. 1@ee) gewöhnlich ins seelische gewendet, so in der älteren sprache zu steif II, 8, b: steiffe des gemts, obstinatio Dasypodius; gravitas ernsthafftigkeit, dapfferkeit, steyffe und standhaffte Frisius dict. (1556) 613a; steiffe desz gemühts, ostinatione Hulsius (1618) 238b; so in d. ältesten belege: mein steife und mein herte erbit ich alle welt dasz niemans die verkerte, in üblem mir erzelt Uhland volksl. no. 349, 32 (Murner v. d. undergang des chr. glaubens.) 1@ff) in neuerer zeit gewöhnlich zu steif II, 9: eine gewisse unbeweglichkeit und steife in ihren reden und manieren J. E. Schlegel 5, 247; eine nation, ... bey welcher also diese steife auf der schaubühne, dieser frost, dem temperamente widerspricht Sonnenfels br. üb. d. wienerische schaub. s. 23 neudr. (1, 3); indesz der englische geistliche seine vernünftelnde rede mit einer gewissen gleichgültigkeit und steife der gemeinde vorliest Forster schr. 5, 13. von litteratur: durch die übersetzungen aus dem griechischen kam er (d. jambische sechsfusz) in den ruf einer steife und starrheit, die ihm nicht wesentlich anhängen Freytag technik d. dr. 280. von musik: hier (in der franz. seriösen oper) herrschte steife und frost R. Wagner ges. schr. 9, 46 (neben steifheit, s. das. 2, c). in bezug auf bildende kunst geradezu als kunstwort: die steife einer figur Adelung; dureté, roideur, stiffness Beil technol. wb. 1, 569; einen diesem entgegengesetzten stil könnte man in einigen erhobenen arbeiten finden, welche wegen einiger härte und steife der figuren für hetrurisch ... zu halten wären Winckelmann 5, 266; so auch: in diesem schweben nähmlich allein ist sie (die bewegung) zwischen den beiden äuszersten, ... zwischen steife und übergiessender fülle Herder 8, 66 (plastik). 1@gg) ungewöhnlich ist die zusammensetzung geldsteife (wenn es schwer hält, geld flüssig zu machen?): ich hörte, dasz er damals, als eine vorübergehende geldsteife eintrat, nur durch die energische intervention der ihm befreundeten bank über wasser gehalten worden sein soll daheim 31, 183b. 22) concret, was dazu dient, einen gegenstand steif zu machen, ihm halt und festigkeit zu geben. 2@aa) so besonders als ausdruck der baukunst, für stütze, stützbalken; vgl.: 'stütze, stitze, oder steiffe, lat. fulcrum, franz. pointal. ... heiszt in der bau-kunst überhaupt alles, was eine last trägt, oder eine wand von einer seite zuhält, dasz sie nicht so leichte einfallen kan' Chomel öcon. u. physic. lex. 8, 1764; in der zimmermannskunst eine stütze, besonders eine schiefstehende, worauf sich eine last steift Adelung; steife, f. étançon; stay, shore Beil technol. wb. 1, 569: in welchen spillen formen (beim schachtaufzug) ... ob dem haupt werden vier steiffen darauff die arme ruhen, mit klammern in einander geschlossen Agricola-Bech bergwerckb. (1621) 126; s. ferner 157, dazu in der 'auszlegung der bergkwörter': steiffen tignorum species; wenn ein haus zusammenfällt ..., da ist es thörig, dasselbe halten zu wollen mit steifen und stützen und untermauerung Alexis Roland v. Berlin 3, 94; um der latte (des springständers) einen festeren halt zu geben, bringt man steifen, stützen, streben oder knaggen an Kregenow-Samel gerätk. s. 75; (im bilde:) also wollt, ô princen, euch bedenken auf steiffen zu dem haus', es fehlet noch hierzu der rechten seiten stütz' W. Scherffer ged. 77. bei netzen zum rebhühnerfange: wenn eine forchel (gabel) nicht feste stehet, setzet man eine steiffe darhinter Döbel 2, 186b. diese bedeutung (miszverstanden als dünner baumstamm?) liegt wohl auch in folgender stelle zu grunde: leicht setzt er (d. hirsch) über stämm' und steifen Immermann 13, 58 (Tristan, d. jagd). auch stütze für die äste fruchttragender bäume, vgl. Jacobsson 4, 350a. im seewesen 'balken zur verhinderung seitlicher bewegung, auch spreize oder stütze genannt' Stenzel 401a. mundartl. in kgr. Sachsen: obers. steife, stütze Anton 4, 12, vogtl. šdaif Gerbet § 191, 1. Müller-Fraureuth 2, 558a. — es ist indessen zu beachten, dasz in diesem selben sinne eine anzahl wörter von sehr ähnlicher lautform begegnen, sodasz hier vielleicht nicht eine einfache bedeutungsentwicklung von 1 aus, sondern eine vermischung mit einer selbständigen bildung vorliegt, s. unten steipe, -el, -er (auch steiber), stiefel, stiepel, -er, stippe, -er u. s. w. 2@bb) als ausdruck der artillerie: steife am schwengel, tirants, collar of a spring-tree bar Beil technol. wb. 1, 569. 2@cc) steife in einem schuh, 'steifes leder oder pappe um die hacke' Heyne 3, 782b. 2@dd) stärkemehl, womit man wäsche und zeuge (bes. leinene feinwäsche) steif macht, vgl. erstes stärke, sp. 889; steife (steibe), steifsel, salda, specie di colla fatta di amido per saldare i collare e simili biancherie. steife etc. sieden, machen, kochen Kramer dict. 2, 945c; die steife, amylum, das subtile leinen zeug steif zu machen Frisch 2, 328a; s. auch Adelung. diese bedeutung ist im allgemeinen dem nd. eigenthümlich: stive brem. wb. 2, 1031, stîwe Schambach 211b; Woeste 256a; stiw Danneil 212a; doch ist sie auch in westliche hd. mundarten eingedrungen, mit schwankendem geschlecht: rip. štìf Münch § 120, 2; in Mühlheim an d. Ruhr štî:f Maurmann § 67; in Aachen stief (auch für kleister) Müller-Weitz 235, ebenso in Cöln Hönig2 175a; luxemb. šteif luxemb. wb. 421b, lothr. stif (štif, auch štíw, stí, staif) f. und m. Follmann 499a, els. stif, n. (?) Martin-Lienhart 2, 576a. in Cronenberg mit anderm suffix štī:wdə Leihener 116b. ins nhd. wird sie gern in der form steibe übernommen: steibe, f. sterckmehl, n. amydon Hulsius (1616) 372a; amylum Schottel 1421; steifsel, ... dicitur stiam steibe Stieler 2110; steube, et steibe, die, est id. quod staubmehl, farina vocatilis, in specie autem exponitur amylum 2124; s. auch oben Kramer und Jacobsson 7, 431a. in demselben sinne ferner die ableitungen steifel, steifsel (steifels), s. das. 2@ee) 'bey den hutmachern ist die steife der leim, womit man die hüte steifet' Adelung: der hauptbestandtheil der ... steife ist guter tischler leim Prechtl technol. encyclop. 7, 612; wenige minuten reichen hin, die steife in den filz hineinzutreiben ebenda. 33) hier scheint dann steife auch in der geltung eines verbalabstractums vorzukommen: 'steife (hutmacher) dem fertigen hut eine steifung geben' Jacobsson 4, 272a (folgt die genaue beschreibung des verfahrens). ebenso zu 2, d: 'stive, die handlung des steifens, da nämlich das leinen geräthe in der haushaltung, nach der wäsche, gesteifet wird. se hebt de stive im huse: sie steifen ihre wäsche im hause' brem. wb. 4, 1031 f.
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    Steife

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Steife , plur. die -n, von dem vorigen Beyworte. 1. Die Eigenschaft eines Dinges, da es steif ist, in allen vorigen …

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Wortbildung

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steife‑ als Erstglied (17 von 17)

Steifebrett

RhWB

steife·brett

Steife-brett -ę·i.f- Merz-Haustdt n.: Bügelbrett. — mehl -ī:f-męl Sieg-Fussh n.: Stärkemehl, im Wasser der roh geriebenen Kartoffeln zurückb…

Steifensand

Meyers

steifen·sand

Steifensand , Xaver , Kupferstecher, geb. 1809 in Kaster (Regbez. Köln), gest. 6. Jan. 1876 in Düsseldorf, bildete sich auf der Kunstakademi…

Steifent

RhWB

steif·ent

Steifent -ę·i.wənt Trier-Euren Sg. t. n.: steife, gute Jauche; e Fass St.

steiferde

DWB

steif·erde

steiferde , f. , feine, weisze siegelerde, die zum reinigen und steifen (1, a ) von zeug gebraucht wurde: terra cimolia full-, stiff-erd, wa…

Steifer Hals

Meyers

steifer·hals

Steifer Hals , Rheumatismus der Hals- und Nackenmuskeln, welche die freie Beweglichkeit des Halses beeinträchtigt.

Steiferich

RhWB

steif·erich

Steiferich -iwəriχ Siegld Sg. t. m.: verächtl. steifer, unbeholfener, ungefälliger Mensch.

steiferin

DWB

steif·erin

steiferin , f. , s. steifer ( Stieler , Kramer ); dafür nd. stiverske ' ein mädchen, das die leinwand steifet ', nähterin. brem. wb. 4, 1032…

steifernst

DWB

steif·ernst

steifernst , adj. : Petrarca sagte in Avignon, und er war doch sonst ein so st eif-ernster mann ... Laube ges. schr. 5, 161 .

Steifersche

RhWB

steifer·sche

Steifersche -ī:vəršə Sg. u. Pl. Nfrk in Kemp , Geld f.: Büglerin, die auch das Stärken der Wäsche besorgt.

Steifert

RhWB

steif·ert

Steifert -ifərt, Pl. -tə MGladb-Neuwerk m.: verächtl. Steiferich (s. d.).