schmachten,
verb. II.
dieses wort, das erst in neuerer sprache ein ausgedehnteres gebrauchsgebiet in besitz nimmt, gehört in der älteren periode besonders den mitteld. und nd. gebieten an, vgl. unter versmahte
mhd. wb. 2, 2, 423
b. Lexer
mhd. handwb. 3, 237,
mnd. esurire, smachten Dief. 211
a,
nov. gloss. 157
a. Schiller-Lübben 4, 255
a, smachten,
esurire, famere (
ebenso nnld.);
die nd. mundarten haben smachten
in der alten bedeutung von heftig hungern (
oder dürsten, vgl. schmacht,
m.)
bewahrt, vgl. brem. wb. 4, 854. Schambach 196
b. Woeste 242
b. Stürenburg 225
a, smagten,
dürsten, ein sehnliches verlangen nach etwas tragen Dähnert 433
a,
vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 219
b;
auf mitteld. gebiete mit einer bemerkenswerten wandlung des begriffes, vgl. nachher unter II.
den oberd. mundarten ist das wort nicht so vertraut, doch vgl. Schm. 2, 542; Stalder 2, 333
bezeugt für das schweizerische: geschmacht, schmachtig, geschmachtig,
kraftlos (
vor hunger); es ist mir g'schmacht,
ich kann mich vor hunger kaum halten; als gleichbedeutend: geschmuch, g'schmuech, geschmucht, geschmuchtig; geschmuchten, g'schmuechten,
vor hunger beinahe ohnmächtig werden. als factitivum zu versmachten
ist im mhd. wb. 2, 2, 423
b versmechten,
verschmachten, verhungern lassen belegt. in gleichem sinne mnd. smachten Schiller-Lübben 4, 255
a.
brem. wb. 4, 855.
die bedeutung '
hungern'
zeigt sich in schmächterig, schmächtig, schmachthals, -hans, -harke, -hund, -lappe, -riemen,
die abgeleiteten und freieren bedeutungen des intransitiven verbums entwickeln sich verhältnismäszig spät. Schottel
verzeichnet: schmachten,
pati famem, verschmachten,
fame confici 1403;
dagegen erscheint schon bei Stieler 1862
das bedeutungsgebiet erweitert: der gewöhnliche sinn des wortes ist ihm famem pati, inedia confici, siti premi et ardere (
für die eigentliche bedeutung hält er '
ersticken'),
daneben aber: viribus frangi, ac debilitari. bei Steinbach 2, 456
ist der alte sinn des wortes schon verblaszt: ich schmachte,
langueo, viribus deficio, vgl. Frisch 2, 203
c.
man pflegt schmachten
auf ahd. gismahtion
zurückzuführen, das in der glosse casmahteot,
exoliscit (Steinmeyer-Sievers 1, 132, 2. Graff 6, 823)
belegt ist. schwierigkeit macht die abweichende bedeutung dieses ahd. verbums, wenn man sie mit dem ältesten gebrauche von schmachten
zusammenhält. schmachten
verbindet man mit ahd. smâhi,
klein, verächtlich, altnord. smár,
klein. Franck
etym. woordenb. 903
a vermutet zusammenhang mit nd. smaken,
nnld. smaken (
hierzu ahd. gasmahho,
mhd. gesmache,
geschmack),
so dasz es ursprünglich auf die hungrigen bewegungen des mundes gienge; die gleiche vorstellung von dem eigentlichen sinne des wortes hatte schon Adelung. IIII.
gebrauch. II@11)
hungern, quälendes hungergefühl haben, vor hunger sich verzehren: mnd. in der stadt sint vele lude dot gesmachtet.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 255
a;
ebenso, doch zugleich vom erleiden des durstes im neueren nd., vgl. die oben angeführten niederd. wörterbücher; dôd smachten,
sich zu tode hungern Schambach 196
b;
in entsprechendem sinne versmachten: nû wârn alsô gar vorsmacht (
durch hunger geschwächt) dî brûdir und ir gevertin.
N. v. Jeroschin 12284.
die nhd. schriftsprache scheint auch in der älteren periode diese prägnante anwendung nicht zu kennen, doch vgl. das oben aus Schottel
und Stieler
angeführte, s. auch oben theil 3,
sp. 531 entgegenschmachten. II@22)
allgemeiner von quälendem körperlichen verlangen, sich verzehren im begehren nach etwas, dahin welken, vergehen im mangel an etwas; das verbum bedarf einer näheren bestimmung durch zusätze oder den zusammenhang: für durst schmachten,
siti arere, sie schmachteten vor durst,
siti macerabantur, vor hitze schmachten,
calore extabescere, vor hunger schmachten,
inedia solvi Steinbach 2, 457;
seltener: hungers, durstes schmachten.
je nach dem zusammenhange und den zusätzen tritt mehr die bedeutung des heftigen, quälenden begehrens (nach etwas schmachten)
oder die des vergehens, verzehrt werdens (verschmachten
sich nähernd)
hervor. in letzterem sinne, doch freier: dessen geliebter sohn, der hinzukam, führete mich von frost und arbeit schmachtenden (
αἴθρω καὶ καμάτω δεδμημένον) heimwärts. Voss
Od. 14, 318. vor hunger schmachten,
bildlich: es wird eine zeit kommen in der sie für hunger nach edlen thaten schmachten werden. Leisewitz
Julius von Tarent 2, 5. nach etwas schmachten,
in heftigem verlangen nach etwas sich verzehren; nach einem trunk, einem bissen brod, nach frischer luft, nach schatten, nach einer labung, erquickung, erfrischung schmachten: was ich fühlte war dem unbeschreiblichen gefühl ähnlich, womit ein lechzender wanderer, der lange nach einem tropfen frischen wassers schmachtete, die ersten züge aus einer ihm unverhofft entgegenrauschenden felsenquelle thut. Wieland 27, 306; wer ehre und vermögen verschleudert, weib und kind nach brod schmachten läszt. Iffland
theatr. werke 4, 163 (
spieler 3, 3); verweigert' ich dem dürftgen seinen wunsch, und liesz der witwen aug' nach speise schmachten. Herder 11, 427
Suphan; Hedwig. wer ihr auch seid, ihr seid bedürftig, nehmt! (
reicht ihm den becher).
mönch. wie auch mein lechzend herz nach labung schmachtet, nichts rühr ich an, bis ihr mir zugesagt. Schiller
Tell 5, 2.
im bilde: der geist, der in euch wohnt, der nach unsterblichkeit, voll unstillbaren durstes, schmachtet. Gotter 1, 402;
Chalkol. ja, er weisz, dasz dein mit aller ihrer qual die hölle wartet! und dasz das dursten ihrer heiszen ungeduld nach verbrechern, als der, der vor mir dasteht, umsonst nicht lange schmachtet!
Korach. schmachtete nur Moloch, und seiner altäre glut nach dir! Klopstock 9, 102.
das verbum, absolut gebraucht, empfängt deutlicheren sinn aus dem zusammenhange: ihr quellen alles lebens, an denen himmel und erde hängt, dahin die welke brust sich drängt — ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht' ich so vergebens. Göthe 12, 33. schmachten
in gegensatz gestellt zu frieren
in ähnlicher anwendung wie sonst verschmachten: das thermometer beschäftiget jederman, und wenn er schmachtet oder friert, so scheint er in gewissem sinne beruhigt, wenn er nur sein leiden nach Réaumur oder Fahrenheit dem grade nach aussprechen kann. 51, 255.
in bemerkenswerter fügung schmachtende glut,
glut, bei der man schmachtet, verschmachtet: denn sein berz kennt schmachtende glut nicht und eis und winter. Herder 27, 32
Suphan. II@33)
übertragen auf die pflanzenwelt, die uns umgebende natur: die blumen schmachten unter der brennenden sonne, vor hitze, vor trockenheit; alles schmachtet nach regen
u. ä.; nd. de blömen stân to smachten, sê mutten nödig gaten worden; 't smacht na regen ten Doornkaat Koolman 3, 219
b; wer ists, der regen schickt, wenn vor der sonne brand die welke saat sich bückt; die bäume schmachtend stehn. Lichtwer 218; schmachtend krümmt sich das laub, das nicht ein lüftchen erquickt, ach! und der himmel schickt keinen tropfen. Ludwig 1, 94 (1891). II@44)
unter dem drucke von elenden umständen, bedrückt durch entbehrungen, vergehen, verzehrt werden. in eigenthümlich prägnanter anwendung, die nach 1
hinweist bei Stieler: man sitzet dar und schmachtet,
egetur acriter, er liegt daheim und schmachtet,
malis domesticis impeditus misero victu vivit et furfureum panem edit. 1862.
in neuerer sprache mehr verblaszt und daher meist mit näheren bestimmungen verbunden: in elend, in kummer, in armut, entbehrung schmachten.
bildlich und frei: wie die geduld selbst, wenn sie im tiefsten leiden schmachtet. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. (1790) 1, 110.
besonders häufig sind wendungen wie im kerker, in ketten schmachten;
hier bezieht sich das verbum auf das körperliche und seelische gedrückt werden, vergehen, sehnen und bangen des der freiheit beraubten: drey volle monde schmacht ich schon in diesem finstern unterirrdischen gewölbe. Schiller
räub. 4, 5
schausp.; dasz euch diesz reich als eigenthum gehört, worin ihr schuldlos als gefangne schmachtet.
Maria Stuart 1, 6; schmachtet nicht mein alter ohm, er, der sprachlos unglücksel'ge, schwarzer frevel falsch beschuldigt, ungehört und unvernommen, rechtlos hinter schwarzen mauern. Grillparzer 6, 195; seit monden schmachtet er in block und eisen. Uhland
ged. (1864) 447.
in bildlicher anwendung: aber ich schmachte an der kette und hasche mit bitterer freude die kümmerliche schale, die meinem durste gereicht wird. Hölderlin 2, 42
Köstlin; von liebesgefangenschaft (
vergl. unten 6): der entnervte Soliman schmachtet zuletzt in den ketten einer Roxelane. Schiller 10, 122.
von politischer fesselung, unterdrückung: jahrhunderte hindurch schmachtete das land unter fremdem joche.
in ähnlicher vorstellung: es gibt eine barbarische und eine civilisirte tyranney. unter der barbarischen blute, unter der civilisirten schmachte ich. Pestalozzi 7, 39.
im bilde: einer frau, welche die schönsten jahre ihres lebens unter dem druck eines unempfindlichen, finstern, kargen und eifersüchtigen tyrannen zu schmachten verurtheilt sey. Wieland 27, 76.
zur bezeichnung eines drückenden unbehagens: da, wo ihr an langer weile schmachtet, wird er quellen des vergnügens entdecken. Göthe 30, 40 (
vielleicht liegt hier, darauf deutet der zweite satz hin, die vorstellung der durstempfindung zu grunde). II@55)
in anderen wendungen treten mehr die seelischen zustände in den vordergrund; auch hier entfaltet sich der begriff des verbums nach zwei seiten, indem einmal das unablässige begehren und verlangen, andererseits das entbehrende gedrücktsein wesentlich ist; häufig natürlich sind beide seiten des begriffes wirksam. von heftigem verlangen und sehnen: die zweifelnde seele schmachtet nach erleuchtung von oben, der unglückliche, sterbende nach einem trostworte, der unterdrückte nach freiheit
u. ä.; auch bei körperlichen zuständen kann natürlich der begriff des verbums rein auf die seelischen begleitenden regungen bezogen werden: der von krankheit gepeinigte schmachtet nach erlösung.
vergl. das folgende beispiel, wo schmachtend
entsprechend der freieren anwendung, die besonders das part. entwickelt (
s. weiter unten),
mehr enthält als die unter 2
dargestellte bedeutung: (
Phyllis an Damon.) durch des weines feuerkräfte, nur durch sie singst du so schö
n. aber diese göttersäfte darf ich schmachtend nur besehn. Lessing 1, 56. nach etwas schmachten,
es heftig verlangen, ersehnen: in Arkadien würden wir nach Utopien schmachten und auf jeder sonne würden wir einen tiefen sternenhimmel sich entfernen sehen und wir würden — seufzen wie hier. J. Paul
Tit. 2, 74; der pfarrer hatte sein gebühr, wornach er lang geschmachtet. Hölty 29
Halm; ein rascher meilenbreiter spalt, der plötzlich zwischen uns den boden gähnen machte, ist alles, glaube mir, wornach ich sehnend schmachte. Wieland 9, 16; nach der menge lobgesang hast du nie geschmachtet. Schiller 4, 9; schmachtend seufzt nach seinem schatten das von gram versenkte glück.
des knaben wunderhorn 1, 174
Boxberger. mit abhängigem infinitiv verbunden: dasz dieses herz den wahren genusz des lebens nicht kennt, dasz es schmachtet, ihn kennen zu lernen. Klinger 10, 118; dasz sie nun an sich selbst erfahren, wie das herz darnach schmachtet sich gedruckt zu sehen. Schiller
briefe 3, 319
Jonas. mit angabe der wirkung: und dennoch soll an einem einz'gen wunsch der grosze königssohn zu tode schmachten.
dom Karlos 1, 1.
ebenso auch sich zu tode schmachten,
vergl.erschmachten theil 3,
sp. 966. in sorge, in zweifeln schmachten: in bangen zweifeln schmachtet Aegisth, die er bis jetzt umsonst zu lösen trachtet. Gotter 2, 153;
freier: o warum schmachtet mein schmerz an dieser gruft vergebens. 12;
das participium in ähnlicher anwendung ('
vor kummer vergehend'): die thränen-bach, die nicht frey von den wangen rinnt, die ist's, die einen gang durchs schmachtend' hertz gewinnt, und in die seel ausreist. A. Gryphius 1, 296. II@66)
besonders von den empfindungen der liebe, in mannigfachen wendungen. II@6@aa)
von personen, zur bezeichnung des drängenden, zehrenden sehnens nach der geliebten person, nach einem schmachten: lasz ihn (
Zeus) lang deiner harren, dasz er feuriger nach dir schmachte. Schiller 1, 329.
bezogen auf leidenschaftliche kindesliebe: o, wie hab' ich so lange nach dir geschmachtet, mein guter vater. J. Paul
Titan 1, 33;
bezeichnend ist, dasz noch in Kindlebens
studentenlexicon (1781)
die wendung nach jemandem schmachten
für einen '
stutzerausdruck'
erklärt wird (Kluge
studentensprache 122
a);
man sieht hieraus, wie jung die bedeutungsentwicklung des wortes ist. vor liebesqual, sehnsucht schmachten; schmachten
prägnant bezeichnet das sehnen des werbenden und wartenden liebhabers im gegensatze zu dem glücke des erhörten: ach, mein herz yberflieszt von liebe, ich seufze, ich schmachte. Geszner 2, 134; zu schwelgen, wo unerhört der glänzendste monarch der erde schmachtet. Schiller
dom Karlos 2, 9;
in bestimmten situationen: er schmachtete lange unter ihrem fenster.
mit abhängigem infinitiv: lang schmachtet' ich mein weltbelastet haupt an deinem busen zu begraben. Schiller 1, 332.
in entsprechendem sinne schmachten lassen,
ohne erhörung harren und sich sehnen lassen: schmachten lassen sey der schönen pflicht! nur uns ewig schmachten lassen, dieses sey sie nicht. Lessing 1, 64; einen liebhaber, dessen auszerordentlicher werth die heftigkeit ihrer neigung so gut rechtfertigte, so lange schmachten zu lassen. Wieland 2, 223;
freier, wie warten, im ungewissen lassen: Karoline. nun warten sie!
v. Trümmer (
nach der uhr sehend). es ist spät. lassen sie mich nicht lange schmachten. Gotter 3, 290 (
er wünscht einige verse aus dem stegreif zu hören).
vgl. zusammensetzungen wie anschmachten (
th. 1,
sp. 445), nachschmachten: wir seufzen und sehnen, wir schmachten uns nach, wir sehnen und seufzen uns krank. Bürger 56
a; hinschmachten
th. 4, 2,
sp. 1472
u. ähnl. II@6@bb)
übertragen auf herz, seele, blick, auge, liebe
u. s. w., in zahlreichen wendungen; freierer gebrauch: diese dame schien von meiner unschuld und von dem stillen kummer, der in meinen augen schmachtete, gerührt zu werden. Wieland 12, 87; sie ward roth und wünschte ihm ganz verwirrt einen guten morgen. ihr auge sah aus, als ob sie geweint hätte, und ihre miene schmachtete.
Siegw. 2, 22; schon huben sich die bleichen augenlieder, ihr auge schmachtete zu mir empor. Uhland
ged. 143 (1864);
allgemeiner, von leidenschaftlicher sehnsuchtsempfindung: dann lechzete und schmachtete seine ganze seele. J. Paul
Hesp. 2, 97.
in wendungen wie sein auge, sein blick schmachtet
bezeichnet schmachten
schon mehr den ausdruck der empfindung als diese selbst (
vergl. den gebrauch des part. unter c);
in der folgenden stelle tritt diese seite der bedeutung gut hervor, hier handelt es sich wesentlich um den ausdruck der sehnsucht, wie er sich in haltung und bewegung ausprägt: weibchen flattern um sie her, sträuben das gefieder, locken, schmachten, und entfliehn schamhaft zu gesträuchen. Gotter 1, 73; wie schmachtet diese melodie,
welche sehnsucht drückt sie aus. in diesem sinne mit abhängigem accusativ verbunden: thal und hügel umher schmachtete zärtlichkeit. Voss 3, 48;
geschmacklos: durch laue nacht lustwandeln jungfraun, üppigen laut der Pariser schmachtend. 32. II@6@cc)
besonders wird das participium im kreise dieser vorstellungen viel gebraucht; von personen: am busen eines schmachtenden weibs. Schiller
Fiesko 1, 6. ein schmachtender liebhaber, schäfer,
nicht selten mit mehr oder minder spöttischem nebensinn: freylich hat er nicht gelernt, gleich dem schmachtenden schäfer Arkadiens, dem echo der grotten und felsen seine liebesklagen entgegen zu jammern. Schiller
räub. 3, 1
schauspiel; im bilde, zu einer einzukleidenden nonne: ich komme die schüchterne braut den armen des schmachtenden bräutigams zu übergeben. Gotter 3, 102. schmachtendes herz,
in sehnsucht sich verzehrendes herz; hier wie in den folgenden verbindungen tritt häufig die beziehung auf liebesempfindungen zurück: ein schmachtend hertze wüntscht zu heil der wunden ruh. Gryphius
verliebtes gesp. 1, 138
Palm; dem schmachtenden herzen will oft kaum die freundschaft genü
gen. Gotter 3, lxxvii; erquickten mein schmachtendes herz mit dem so lang entbehrten vollgenusse eines, in der edelsten und weitesten bedeutung des worts, guten gesellschafters. Thümmel
reise 7 (1800), 158.
hier nähert sich der begriff des wortes wieder der ursprünglichen bedeutung; schmachtende seele: da endlich sein traum am dritten osterfeiertag, wo ihm vorkam, als säh' er sie auf einem lichten nebel singend aus der erde steigen, wie eine grosze regenwolke vorüberging und der traum mit ihren erblaszten farben vor seiner schmachtenden seele stille stand. J. Paul
Hesp. 3, 100.
sehnsüchtiges verlangen prägt sich vor allem im auge, im blicke aus; hier nimmt schmachtend
zum theil völlig adjectivischen sinn (
sehnsuchtsvoll-zärtlich)
an: in leichtfertigen oder schmachtenden augen. Winckelmann 3, 54; sein schmachtendes aug sah sie
an. Geszner 2, 31; die zärtlichste thräne, die von meinem schmachtenden aug izt rollt. 134; nimmer mir der geliebten schmachtender blick. Schiller
räuber 3, 2
schauspiel; läszt sie nicht so gierig schmachtende blicke auf dem kerl herumkreuzen, mit denen sie doch gegen alle welt sonst so geizig thut. 4, 2; ein blaues schmachtendes aug' entzückt ... Giseke (1767) 107; birg die schmachtenden augen, wo die götter der liebe ihre pfeile vergolden, birg die schmachtenden augen mir. Hölty 201
Halm; und schien, wie dort bey Armiden der liebeskranke gauch Rinaldo, in schmachtende blicke wollüstig hinzuflieszen. Wieland 4, 16; auf einen Endymion von Tizian mit ausdrucksvollen geberden die schmachtenden augen gesenkt. 5, 75; doch ist für des morgens pracht ihr schmachtend auge noch zu trübe. Gotter 1, 15; glaub es Laura deinem schwärmer, nur der tod ist's dem dein schmachtend auge winkt. Schiller 1, 296; nach lebendigem reîz suchte mein schmachtender blick. Göthe 1, 358; es wendete rückwärts, nach dem schnee des gebirgs, bald sich der schmachtende blick, 373.
mit liebe, sehnsucht, glut
u. ähnl. verbunden: eh' mit bläulichem strahl Hesperos fackel dir lischt, begegnet dir oft schmachtender liebe licht, in dem rollenden, feuchten mädchenauge, du glücklicher. Stolberg 4, 281; lasz sie nur lieben, und lasz du uns tanzen; schmachtende liebe vermeidet den tanz. Göthe 1, 29. schmachtende glut des herzens, schmachtende sehnsucht, schmachtendes gedenken, schmachtende gedanken: ich hatte mich etwa eine halbe stunde in den schmachtenden, süszen gedanken des abscheidens, des wiedersehens geweidet. Göthe 16, 82; schmachtende haltung, gebärde
u. ä.: zum schmachtenden hinsinken in die arme eines unsichtbaren liebhabers. Wieland 8, 452.
in freieren fügungen: alle diese schmachtende reize, liesz sie .. auf Säuglingen wirken. Nicolai
Sebald. 3, 120 (1776); es giebt sowohl dort als hier schönheiten von dieser schmachtenden farbe. Winckelmann 3, 49; schmachtende töne, schmachtendes flötenspiel
u. ä. in verbindung mit verben, jemanden schmachtend ansehen, schmachtend blicken, schmachtend sich bewegen
u. ähnl.: da zitterte Daphnis, sein herz bebte, er sah ihr schmachtend nach. Geszner 2, 14; wo ich noch abgeschieden umzuschweben, und die vergangenheit allschmachtend zu genieszen hoffte. Göthe 10, 182; ich will ankommen, schmachtend und traurig thun. 14, 14; an Rosettens blicken hangend, schmachtend, seufzend und verlangend fleh ich mit vergebner müh. Boie 304
Weinhold; und schmachtend hieng an ihres lieblings blicken die junge braut. Hölty 56
Halm; die Ninon unsrer zeit, die schöne misz Kalender lag schmachtend, wie auf Hymens thron, auf ihrem sterbebett. Gotter 1, 68; schmachtend singen, spielen
u. ähnl. II@77)
besonderes: II@7@aa)
mit eigenthümlicher wandlung der alten bedeutung des verbums (1)
zum schlimmeren: schmachten,
bei anderen seinen hunger und durst stillen, ohne etwas dafür zu bezahlen Kehrein 355; schmachte nicht so,
sei nicht so gierig Pfister 257; Pfister
bemerkt, dasz schmachten
in der bedeutung '
sich speise durch begehrlichkeit verschaffen'
sowol transitiv wie intransitiv gebraucht werde; vgl. schmachtlappen. II@7@bb)
nd. smachten,
mit der smachtharke (
s.schmachtharke)
die auf dem abgeärnteten felde zerstreut herumliegenden, nicht mit aufgebundenen ähren einsammeln Schambach 196
b.