sehnen als „Lieblingswort der Empfindsamkeit” (Langen, 135), auch bes im ‘Werther’ gut belegt 1
‘sich s. nach/zu etw/jdm’, ‘sich s., etw zu tun’: heftiges Verlangen nach etw/jdm empfinden; vereinzelt PartPräs a
(etw) herbeiwünschen, (dringend, voller Ungeduld) erwarten; etw Bevorstehendem voller Spannung, Vorfreude entgegensehen, auch: etw (für die nähere Zukunft) stark erhoffen Man blieb bis tief in die Nacht [
in Gesellschaft] beisammen, obgleich beide Freunde nach einem vertraulichen Gespräch sich sehnten GWB24,211,24 Wj I 11 NußbrMädch Schon lange sehn' ich mich nach einer Bothschafft von dir meine Geliebte. Wie du dich befindest GWBB6,70,11 ChStein 18.10.82 Hoffnung, den Magnetismus..an die Farbenwirkungen anzuschließen..Ich sehne mich nach einem hellen Tage um gewisse Versuche durchzuführen GWBB23,247,23 Seebeck [15.1.13] K Nach Ihrem Domwerk sehne ich mich recht sehr GWBB32,206,22 Boisserée 23.3.20 Wie sehne ich mich nach Wirkung in die Ferne und aus der Ferne GWBB42,154,21 Nees 20.4.27 K GWB10,67 Iph
2 1557 GWB24,325,7 Wj II 5 GWBB9,90,14 Knebel [Feb 89] GWBB8,343,23 Göschen 9.2.88
uö iSv (wehmütig) vermissen, entbehren; in ‘Mahomet’ als Übs von frz: regretter das unwiderstehliche Verlangen nach abwesenden Freunden [
Winckelmann] ..sehnt sich nach ihrer Umarmung und wünscht die früher zusammenverlebten Tage zu wiederholen GWB46,67,21 Winckelm Unruhe Wir sind gestern sehr lange [
nach Ilmenau] gefahren und haben
uns sehr nach der Ente gesehnt die du uns bestimmt hattest GWBB6,366,14 ChStein [5.10.84] GWB9,281 Mahomet 113
uö(selten) b
sich (intensiv, leidenschaftlich) hinwünschen an einen Ort, in jds Nähe; auch in Berührung mit 1c; wiederholt mit anthropomorphisiertem Sachsubj, im Bild einmal (‘Mahomets Gesang’) ‘die S-den’ Lange verhüllt schon Nacht das Thal und die Pfade des Wandrers,|Der, am tosenden Strom, auf zu der Hütte sich sehnt,|Zu dem Ziele des Tags, der stillen hirtlichen Wohnung GWB1,281 Euphrosyne 4 wenn ich mich
wieder nach Carlsbad sehne, so ist es nicht zum kleinsten Theil, weil ich hoffen kann, Ihnen wieder näher zu kommen GWBB20,280,23 Marianne Eybenberg 16.1.09 Wenn
sie wüssten..mit welchem Herzen und welchen Worten wir offt Ihrer erwähnt haben, Sie würden sich zu uns gesehnt haben GWBB2,144,6 Elisabeth Jacobi [1.2.74 Korr GB2
1,71] Ich habe heut..mich erinnert wie ich von allen Höhen dieser Felsen die ich bestiegen, zurück nach der Wohnung meiner besten mich gesehnt habe GWBB6,236,17 ChStein 18.1.84 Ich sehne mich aus den Akten zu dir GWBB7,271,7 ChStein [Okt 84 Korr Fränkel
22,69] GWBB49,2,7 Zelter 8.7.31 GWB18,246,11 Märchen GWB2,54 Mahomets Gesang 41 GWBB28,25,24 Frommann 18.3.17
uö im Ausdruck von Heimweh, öfter ‘sich (recht) herzlich nach Hause s.’ Und so sehnt sich der unruhigste Vagabund zulezt wieder nach seinem Vaterlande GWBAA31,1 Werth
1 I liebe Mama! wie oft hab' ich mich aus Paris wieder nach unsern Revieren gesehnt GWB18,42,11 Aufgeregten II 5 [
aus Zürich] So wohl mir's geht, so manigfaltig das Leben ist sehn ich mich wieder nach Hause GWBB4,147,9 Knebel 30.11.79 [
von einer Dienstreise] Ich sehne mich nach Hause wie ein Krancker nach dem Bette GWBB4,296,6 ChStein 21.[9.80] [
aus Karlsbad] Nun bin ich vierzehn Tage hier und sehne mich herzlich wieder nach Hause GWBB10,278,10 Christiane 19.7.95 GWBB9,147,23 Herder 10.8.89 GWBB26,36,2 Christiane 11.7.15
uö c
sich leidenschaftlich (schmachtend), unwiderstehlich, voll erotischen Begehrens zu jdm hingezogen/von jdm angezogen fühlen, sich nach jdm verzehren; einmal anthropomorphisierend von Pflanzen Ein gutes junges Geschöpf..das weiter keine Aussicht von Vergnügen kannte, als etwa Sonntags..mit ihres gleichen..spazieren zu gehen, vielleicht alle hohe Feste einmal zu tanzen..deren feurige Natur fühlt nun endlich innigere Bedürfnisse..bis sie endlich einen Menschen antrifft, zu dem ein unbekanntes Gefühl sie unwiderstehlich hinreißt..nichts fühlt als ihn, den Einzigen, sich nur sehnt nach ihm, dem Einzigen..Sie will die Seinige werden GWBAA56,22 Werth
1 I [
Elisabeth zu Weislingen, über Maria:] Mögtet ihr euch immer so nach ihr
s. als bissher da ihr um sie warbt GWB39,46,4 Götz
1 I Zur guten und schlimmen Stunde sehnt sich mein Wunsch nach dir GWBB6,38,19 ChStein 9.8.82 Adieu du geliebteste schon fängt mein S. nach dir wieder an GWBB6,152,12 ChStein 19.4.83 Mein innerstes will nicht mehr zusammenhalten, ich sehne mich nach dir wie noch nie GWBB6,364,8 ChStein [28.9.84] GWBB9,112,5 Knebel [8.5.89] GWB22,227,27 Lj V 15
uö d
einer Sache (Ortsveränderung, bestimmter Gegebenheiten od Annehmlichkeiten, anderer Lebensumstände) dringend bedürfen, sie nötig brauchen, danach suchen, lechzen, gieren, auch: davon träumen; einmal (‘Cellini’) als Übs von ital: desiderare als Knabe..sehnt ich mich in glüklicher Unwissenheit hinaus in die unbekannte Welt, wo ich..alle den Genuß hoffte, dessen Ermangeln ich..fühlte GWBAA87,11 Werth
1 II [
aus Dornburg] Hier auf diesem alten Schlößchen finde ich alles wornach ich mich so lange gesehnt habe; bequeme heitere Wohnung, gute Hausleute, gesunden und wohlschmeckenden Tisch GWBB44,215,12 Ottilie 18.7.28 K Ich sehne mich unsäglich in's Wasser, und zwar dießmal in Schwefelwasser, denn weder Gelenke noch Haut wollen mehr dem Willen gehorchen GWBB27,119,2 Zelter 22.7.16 [
Landwirtschaftslehrer] Thaer..sieht sich hier bald beengt und sehnt sich nach einem weitern Wirkungskreis GWBB38,74,7 Zelter 11.3.24 mit einer hypochondrischen Unbehaglichkeit sich aus seiner Haut heraus in eine andere
s., will sich..nicht wohl ziemen GWBB5,179,2 CEGoethe 11.8.81 Die Mädchen!..Wenn sie Langeweile haben, wenn sie nicht wissen, was sie wollen, da
s. sie sich freilich nach etwas; und dann ist ein Liebhaber oder ein Hund ein willkommnes Geschöpf GWB38,94,19 ErwElm
1 GWB43,367,5 Cell II 13 GWB4,209 Hierhergetrabt 2 GWB20,195,16 Wv I 18 GWBAA62,19 Werth¹ I GWB25
1,204,7 Wj III 10
uö im Ausdruck eher geistiger Bedürfnisse; wiederholt im verklärenden Rückblick od als objekt-, ziellose Empfindung (in Berührung mit 2b); einmal (Brief an Zahn) in Anspielung auf platonisches Ideengut O es ist mit der Ferne wie mit der Zukunft! Ein grosses dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung verschwimmt sich darinne, wie unser Auge, und wir
s. uns, ach! unser ganzes Wesen hinzugeben, uns mit all der Wonne eines einzigen grossen herrlichen Gefühls ausfüllen zu lassen GWBAA30,28 Werth
1 I Wir glauben, daß die ewige Liebe darum Mensch geworden ist, um uns das zu verschaffen wornach wir uns
s. GWB37,170,23 BriefPastors [1773] Wie sehn' ich mich, Natur, nach dir,|Dich treu und lieb zu fühlen! GWB2,185 Künstlers Abendlied 13 Die goldne Zeit wohin ist sie geflohen?|Nach der sich jedes Herz vergebens sehnt! GWB10,144 Tasso 980 Mir ist's im Gemüthe|Bald düster, bald heiter,|Ich sehne mich weiter,|Und weiß nicht wohin GWB12,67,27 Lila II Dieß Herze sehnt sich oft|Ach nirgend hin und überall doch hin! GWB39,211 PromethFragm 1773 395 GWBDjG
32,25,13 Arianne an Wetty Sentenzen GWBAA113,7 Werth
1 II GWB44,361,26 CellAnh XIII GWB49
1,182,24 Üb:Zahn,Pompeji GWBB49,261,20 Zahn 10.3.32
uö im Ausdruck geselliger Bedürfnisse Was ich mich manchmal sehne alte Freunde und besonders dich wieder zu sehen kann ich nicht sagen GWBB6,187,1 Jacobi 13.8.83 Meyer kommt in diesen Tagen, mein stilles Haus sehnt sich nach ihm GWBB10,198,10 CHerder [Ende Sept 94] Sehr oft und herzlich habe ich mich, theurer Freund, diese Wochen her nach Ihnen gesehnt GWBB23,87,2 Zelter 2.9.12 GWB12,229 UnglHausgenossen 106 GWBB2,270,22 Gfin Stolberg 31.7.75
uö(selten) abgeblaßt: (augenblicklich haben, tun, genießen) wollen, (für gewöhnlich) besonders schätzen, (wirklich, ernsthaft) wünschen; Bedarf an/Lust auf etw haben; auch negiert Nie schmekt ein Mädgen einen Kuß,|Die sich nicht nach dem zweeten sehnte GWB37,22,31 Annette Kunst Spröden zu fangen I In dieser [
Singspiel-Dichtung ‘Die ungleichen Hausgenossen’] werde ich auch für die Rührung sorgen, welche die Darstellung der Zärtlichkeit soleicht erregt und wornach das gemeine Publicum so sehr sich sehnt GWBB7,147,16 Kayser 23.12.85 Sicilien..ist so vielfach..beschrieben worden, daß man sich kaum nach einer abermaligen..Reisebeschreibung
s. möchte GWB46,327,2 HackertNachtr Die Predigt endete..Das Ein- und Ausströmen der Menge war höchst bewegt..Wir sehnten uns aus dem Wirrwarr und zogen deßhalb mit der ruhigen..Binger Procession [
den Kapellenberg] hinab GWB34
1,44,3 Rochusf Man hatte die Sache [
Gutskauf] kaum im Allgemeinen verhandelt, als Werner sich nach einer Partie Lombre sehnte..er war es nun einmal so gewohnt, er konnte des Abends ohne Spiel nicht leben GWB23,134,12 Lj VIII 1 Ich bin fleißig..Aus dem Hause sehn ich mich nicht GWBB25,263,8 Christiane 15.4.15 GWB30,182,1 ItR GWB25
1,44,11 Wj II 11 GWB21,186,14 Lj II 9 GWBB30,94,2 Gerning 6.1.07
uö 2
fast ausschließlich subst od, weniger häufig, PartPräs (attr); vielfach mit implizitem, nur aus dem Kontext erschließbaren Erfüllungsobjekt a
im Ausdruck liebenden, begehrenden Verlangens, Schmachtens (von schmerzlicher Intensität); je einmal ‘einsam-langes/heißes/wildes S.’ sowie (im Vers) ‘s-de Liebe’, ‘s-de Brust’; wiederholt ‘der S-de’ Unsre Brockenreise ist glücklich vollendet..Nun zieht mich mein S. wieder zu dir GWBB6,201,16 ChStein 24.9.83 [
der Abbé spricht zum Portrait der Prinzessin:] So sieh! o, sieh mein S.,|So hör aus meinem Herzen|Die tiefen Seufzer an GWB17,382 GrCoph Plp In dem vollen Arm der Schönen|Ruhet jetzt belohnte Liebe;|Und nach einsam langem S.|Bringen auch verschmähtem Triebe|Träume jetzt ein Bild der Lust GWB12,163 ScherzLR 952 Ich singe von des Mädchens Reu',|Und langem heißem S.;|Denn Leichtsinn wandelte sich in Treu'|Und Thränen GWB1,195 Der Müllerin Reue 9 Daß von diesem wilden S.,|Dieser reichen Saat von Thränen|Götterlust zu hoffen sei,|Mache deine Seele frei! GWB2,249 Sprichw 590 Daß du dem Liebenden,|Stille S-den|Die Wange reichtest|Zum himmlischen Kuß GWB4,190 Elysium 28 GWB2,80 Ganymed 25 GWB1,64 Wechsel 3 GWB51,65,17 u 66,8 ThS I 17
uö wohl (zugl) iSv Drängen eine Geliebte, welche dem Wunsch und S. ihres Liebhabers nachgeben soll GWB48,223,37 Zur Preisverteilg 1799 b
im Ausdruck eines (unbestimmten, dunklen) Drangs, eines (noch richtungslosen, unsicheren) Strebens nach (künstlerischer, geistiger etc) Steigerung, Vollendung der eigenen Existenz, der Verwirklichung von Idealen uä; je einmal ‘höheres/holdes/unbezwingliches S.’; PartPräs als (momentane) Disposition des Gemüts, auch ‘s-der Busen’ (‘Werther’), ‘s-de Empfindung’ (‘Farbenlehre’) wenn's denn um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruht..dann sehn ich mich oft und denke: ach könntest du das wieder ausdrücken..dem Papier das einhauchen GWBAA5,32 Werth
1 I Meine Kunstkenntnisse, meine kleinen Talente müssen hier [
in Rom] ganz durchgearbeitet, ganz reif werden, sonst bring' ich wieder euch einen halben Freund zurück und das S., Bemühen, Krabbeln und Schleichen geht von neuem an GWB32,9,25 ItR [
Epimenides, nach errungener Freiheit:] Und wir sind alle neugeboren,|Das große S. ist gestillt GWB16,379 Epimen 929 [
Faust:] Ein unbegreiflich holdes S.|Trieb mich durch Wald und Wiesen hinzugehn,|Und unter tausend heißen Thränen|Fühlt' ich mir eine Welt entstehn GWB14,43 Faust I 775 Mich treibt umher ein unbezwinglich S.,|Da bleibt kein Rath als gränzenlose Thränen GWB3,25 TrilogLeid Eleg 113 Wirkung der Farben..Die von der Minusseite stimmen unruhig weich s-
d. Blau, Blauroth GWBN5
2,196,16 Fl Plp GWB39,211 PromethFragm 1773 398 GWB3,27 TrilogLeid Aussöhnung 11 GWB16,356 Epimen 445 GWBN1,314,13 FlD 777 GWBAA87,14 Werth
2 II
uö für Todessehnsucht Und wenn denn der Mond wieder hervortrat..und vor mir hinaus die Fluth in fürchterlich herrlichen Wiederschein rollte und klang, da überfiel mich ein Schauer, und wieder ein S.! Ach!..den Abgrund..hinab! hinab..in der Wonne, all meine Quaalen..zu enden GWBAA113,30 Werth
1 II
für die wehmütigen, schwärmerischen (Verlust-)Gefühle gegenüber einem Verstorbenen, schmerzlich Vermißten Laßt ihn [
Lord Byron] der Historia,|Bändigt euer S.;|Ewig bleibt ihm Gloria,|Bleiben uns die Thränen GWB4,106 Stark von Faust 10 GWB15
1,127 Faust II 7382
im Reim auf ‘jenen’ wohl für das dringende Bedürfnis nach Gewißheit, die Neugierde Über meines Liebchens Äugeln|Stehn verwundert alle Leute;|..Denn es heißt: ich liebe diesen,|Und nicht etwa den und jenen.|Lasset nur, ihr guten Leute,|Euer Wundern, euer S.! GWB6,62 Div Geheimes 8 c
in unpersönlicher Formulierung, zum Ausdruck einer Gefühlsaufwallung Ein Mann der Thränen streng entwöhnt|Mag sich ein Held erscheinen;|Doch wenn's im Innern sehnt und dröhnt,|Geb' ihm ein Gott - zu weinen GWB3,278 ZXen III 710
→ GWB
auf- GWB
auseinander- GWB
entgegen- GWB
er- GWB
fort- GWB
heraus- GWB
herbei- GWB
her- GWB
hinab- GWB
hinauf- GWB
hinaus- GWB
hin- GWB
hinüber- GWB
hinweg- GWB
nach- GWB
um- GWB
weg- GWB
zurück- Syn GWB
begehren GWB
verlangen GWB
wollen GWB
wünschen zu 1
GWB
begierig(b. sein) GWB
bestreben GWB
ersehnen GWB
schmachten zu 1a
GWB
entbehren GWB
erwarten GWB
herbeisehnen GWB
herbeiwünschen GWB
hoffen GWB
missen GWB
vermissen zu 1c
GWB
herbeiwünschen GWB
neigen(sich n.) GWB
verzehren zu 1d
GWB
anstreben GWB
bangen GWB
dursten,dürsten GWB
erflehen GWB
hoffen GWB
lechzen GWB
neigen(sich n.) zu 2a
GWB
langen GWB
schmachten zu 2b
GWB
streben Rüdiger WelterR.W.