geturren,
verb. ,
wagen, audere. das wort musz im zusammenhange mit dem einfachen turren (
s. d., vgl. gedurren th. 2,
sp. 1743
ff.)
betrachtet werden. eines theils hat die präfigierte form die ältere geschichte, indem sie allein in die althochdeutsche zeit zurückreicht und in der gotischen bibel ihre parallelen findet; andererseits liegen in den jüngeren verwendungen des einfachen turren
vielfach die letzten schicksale des verbums überhaupt vor. denn die ganze gruppe der von unserem stamm abgezweigten einst reichlich verwendeten ableitungen reicht nur in die anfänge unserer neuen sprache herein und stirbt mit dem 17.
jahrhundert bis auf mundartliche reste aus (
vgl. auch unten geturst, geturstig, geturstigkeit
u. a.).
das absterben dieser bildungen läszt sich namentlich in denjenigen texten verfolgen, die in späteren redactionen änderungen erfahren haben, oder die, wie die bibel, mit verschiedenen versionen einen gröszeren zeitraum umfassen. schon in das Nibelungenlied greift dasjenige verbum ein, das der erfolgreichste nebenbuhler unseres wortes werden sollte, der am nachhaltigsten zu seiner verdrängung beitrug, dürfen: tûsent man mit strîtegeturren nimmer uns bestâ
n. handschrift A. Lachmann 339, 4; uns endurfen ander tûsentmit strîte nimmer bestâ
n. handschrift C. Zarncke 53, 1.
mit dürfen
steht unser wort, namentlich sofern der anlautende dental als media erscheint, in der nächsten graphischen, lautlichen und formellen verwandtschaft als praeteritopräsens theilt es mit diesem den wechsel des stammvocals im singular und plural des anscheinenden präsens: darf, dar, dürfen (durfen), durren.
noch näher kommen sich die formen des neugebildeten praeteritums: durfte, durste.
die mittelniederländische und mittelniederdeutsche sprache haben diese formen ganz in einander übergehen lassen, die oberdeutschen quellen vertauschen sie wenigstens graphisch, so vor allem in den abschriften der Augsburger chronik des B. Zink: also was der Strausz selb dritt und die pöswicht getorsten irn bösen willen und ir poshait nit volpringen und giengen ausz.
handschrift A,
während die handschrift B torfften
aufweist. deutsche städtechroniken 5, 316
u. a. genau dasselbe findet in den handschriften und drucken der prosabearbeitungen älterer dichtungen und in den volksbüchern statt vgl. Tristrant und Isalde bei Pfaff,
die Haimonskinder bei Bachmann
u. a. neben dieser äuszeren übereinstimmung geht die weit wichtigere innere her, indem unser zeitwort in bestimmten verwendungen dieselbe bedeutung gewinnt, die sich an dürfen
in der mittelhochdeutschen zeit entwickelte. aus diesem grunde greift vor allem in der bibelübersetzung (
vgl sp. 4593
ff.)
das nahe liegende dürfen
in die stellen ein, in denen Luther
noch unbedenklich das veraltende turren
gebraucht hatte (
vgl. oben th. 2,
sp. 1744).
die umwandlung wird mit solcher consequenz durchgeführt, dasz auch die stellen, in denen turren
ganz abweichende bedeutung entfaltet, ergriffen werden, so dasz der sinn völlig entstellt wird, vgl. sp, 4593. II.
erstes auftreten, verbreitung und absterben, formen. I@11) I@1@aa)
wie erwähnt, gehört die präfigierte form schon zu den lieblingsverwendungen der gotischen bibel (
über die anderen germanischen verwandten und über die begriffsbestimmung des wortes vgl. th. 2,
sp. 1743): gadars hvas izvara, viþra anþarana staua habands, stojan fram invandaim jah ni fram veihaim. Ulfilas 1.
Corinth. 6, 1; tar eur kainer habent ain gescheft wider den andern ze werden geurtailt bei den ungengen und, nit bei den heiligen.
codex Teplensis; getar
Augsburger bibel von 1487
vgl. sp. 4593; erkühnt sich jemand
unter euch. Reitz; e in izai gadaursjau, sve skuljau rodjan. Ulfilas
Ephes. 6, 20; daz ich turre gereden, als es mir gezimt.
cod. Teplensis; auff das ich darinnen freidig handeln möge und reden wie sichs gebürt. Luther.
ähnlich noch häufig bei Ulfilas.
vgl. auch sp. 4593. I@1@bb)
in der althochdeutschen periode, für die, wie oben hervorgehoben worden, die präfigierten formen ohne concurrenz stehen, flieszen die belege überaus reichlich. der gebrauch des wortes ist bis in bestimmte einzelheiten ausgebildet. I@1@b@aα)
audet, catar.
Hrabanisch-Keronische sippe der glossen Steinmeyer-Sievers 1, 24. 25.
ebenso in den glossen zu Vergils Aeneis 8, 364 (
aude hospes, contemnere opes; wag' o gast zu verachten das gut. Voss) giturris Steinmeyer-Sievers 2, 662
u. a. I@1@b@bβ)
in der litteratur dieser epoche, in der unser verbum stets in der rolle eines hilfsverbums erscheint, stehen sich schon die beiden hauptverwendungen gegenüber, die beim gebrauch des wortes auseinander zu halten sind, die positive verwendung und die verbindung mit negierten bestimmungen. I@1@b@b@11)) I@1@b@b@1@aa)) ef thu ina mi giwîsan mohtis, frô mîn, ef ik thik frâgon gidorsti, ef thu ina hier an theson felise ginâmis, wîsi ina mi mid wordon thînon.
Heliand 5924
Behaghel; gidar ih lóbon in an frám;er was súlih, so ez gizám er was ín sítin fruaterjoh heilig inti gúater. Otfrid 1, 8, 9.
ebenso 3, 7, 25; oba ih irbálden es gidár,ni scal ih firlázan iz ouh ál, nub ih io bí iwih gernogináda sina férgo. Otfrid
an bischof Salomo 33. I@1@b@b@1@bb)) daz leîdot mih. daz ih dir ânaséhentemo sus ketórsta getûon. Notker
zu psalm 50, 6.
Hattemer 2, 178
b,
ebenso 438
b; daz sîe nâh dînemo gebóte
mutua caritate sibi invicem cohäreant .. unte sîe dîne
passionem wóle geturren bilidan mít
effusione sui sanguinis Williram
paraphrase des hohen liedes 132, 12
Seemüller. I@1@b@b@22)) ni was iro sô sikur ênig, that he bi themu worde themu wiBe gedorsti stên an werpen.
Heliand 3876
Behaghet; antsuok thero manno gehuílic, wurðun alle an forhtun, frâgon ne gidorstun, êr than thô gebôknide, barwirðig gumo Simon Petrus — ne gidorste it selBo sprekante Johanne themu gôdon: he was themu godes barne an them dagun thegno lioBost .. began ina thô frâgon. 4596
ff.; wánta thar saz, thágetaPetrus, so ih nu ságeta; ni gidórster sprechan lútohérosto thero drúto. Otfrid 4, 12, 34.
ebenso 3, 14, 46.
desgl. 4, 17, 30; inti nioman ni gidorsta thero sizzentero fragen inan: wer bistu? westun thaz iz trohtin was.
et nemo audebat discumbentium interrogare. Tatian 237, 4; und nîmant torste en vregin. Beheims
evangelienbuch Joh. 21, 12.
ebenso codex Teplensis, Augsburger bibel von 1487
und Eck; niemand aber unter den jüngern thurste jn fragen, wer bistu? Luther; niemand aber unnder den jüngern dorfft jn fragen. Dietenberger; durfte
in den heutigen bibelausgaben. — kûote negetúrren ûf erbúrren íro hoúbet. erbrútte fóne mînên freíson.
jacere bonos prostratos terrore. Notker
Boeth. Hattemer 3, 36
a. I@1@b@gγ) an
die eben gekennzeichneten hauptverwendungen knüpft die bedeutungsentwicklung in der weise an, dasz die volle grundbedeutung in einzelnen formen derselben mehr festgehalten wird, in anderen sich rascher verflüchtigt. die ältere periode zeigt von dieser bewegung erst ansätze. der Heliand z. b. liebt gerade die negativen verbindungen, die später in der verblassung der grundbedeutung bis zur rein formelhaften verwendung fortschreiten, und er legt in diesen noch die ganze sinnliche frische der ursprünglichen bedeutung blosz: Judas .. that siluBar warp an thena alah innan—ne gidorste it êgan leng — fôr imu thô sô an forhtun. 5162
Behaghet; ni wolda im opanlîco allon cûðian Judeo liudeon, that hie was god selBo; hwand wissin sia that te wâron, that hie sulica giwald haBdi oBar theson middilgard, thann wurdi im iro muodseBo giblôðit an iro brioston; thann ne gidorstin sia that barn godes handon anthrînan, 5398.
dagegen macht sich die abschwächung der grundbedeutung hier schon bei Otfrid
und noch mehr bei Notker
geltend: sie sint fílu rediesih fíanton zirrettine; ni gidúrrun sies bigínnan (
die feinde),sie (
die franken) éigun se ubarwúnnan. Otfrid 1, 1, 76; so chúnt wárd in mîn resurrectio (urstendida). daz sîe íro neheînen loûgen getórston háben. Notker
zu psalm 3, 8.
Hattemer 2, 29
b. I@1@b@dδ)
eine andere erscheinung dagegen setzt noch früher ein. aus dem zusammenhang entwickelt sich für unser verbum in bestimmten fällen eine bedeutung, in der es sich mit den hilfsverben berührt. im vordergrund steht hier die annäherung an die gebrauchsformen von dürfen.
diese wird für die positive verwendung unseres verbs durch die hypothetische form [
vgl.β), 1)), a))]
begünstigt. noch näher liegt sie bei der verbindung mit negierten bestimmungen, wenn sich dem wagemute des handelnden subjectes gesetzliche bestimmungen oder der wille eines fremden subjectes in den weg stellen. hierher gehört schon ein beispiel aus dem Heliand, indem als variante das hilfsverb muszin
steht, dem für die ältere zeit die bedeutungen zukommen, die wir heute mit dürfen
verbinden: sie ni mahtun an themu dage finden sô wrêð gewitscepi, that sie imu wîti bethiu adêlien gidorstin eftha dôd frummien.
Helìand 5069
Behaghel (
nach dem Cottonianus; variante des Monacensis mostin); der armo chît. wanda ih nieht ne hábeta bediû stal ih. der rîcho roûbot. unde ne wile daz ís sâr iêman getúrre gewánen. Notker
zu psalm 72
Hattemer 2, 253
a; niêman negetár in slâhen unz ir ne wellen.
zu psalm 81
ebenda 295
b. I@1@cc)
in der mittelhochdeutschen zeit stehen sich zum ersten male die beiden formen giturren
und das im angelsächsischen und friesischen herrschende turren
gegenüber, allerdings in der weise, dasz die präfigierte form anfangs noch überwiegt. vgl. mhd. wb. 3, 15
b. Lexer 1, 951. 2, 1586.
bedeutungsdiffenzierungen lassen sich mit dem wechsel zwischen beiden formen nicht verbinden, eher sind mundartliche und stilistische beobachtungen damit in beziehung zu setzen. vor allem scheint, dasz die einfache form als alleinherrschende nur bei späteren schriftstellern zu beobachten ist, die der mundartlichen sprachfärbung nahe stehen oder in prosa schreiben. die präfigierte form als alleinherrschend gehört den älteren dichtern und dem strengeren stile der poesie an. bei Walther
halten sich beide formen die wage, bei Wolfram
steht die präfigierte im vordergrunde, für Gottfried v. Straszburg
erscheint sie als die herrschende. bei Hartmann v. Aue
scheinen sich einzelne werke mit dem alleinigen gebrauch der einen oder der anderen form gegenüberzustehen; doch wäre es nur auf grund eingehender untersuchungen des handschriftlichen apparates möglich, hier entscheidungen zu treffen. dies gilt namentlich auch für das Nibelungenlied. I@1@dd)
mit den anfängen der neuhochdeutschen periode ist der höhepunkt der verbreitung und bedeutungsentwicklung überschritten. es handelt sich hier nur noch um den letzten kampf mit den neueindringenden concurrenzformen. I@22)
das absterben des verbums. die präfigierte form schwindet rascher aus unserer sprache, weil sie der schriftsprache solcher gegenden angehört, die mit dem 16.
jahrhundert ihren beherrschenden einflusz auf die gemeine sprache verlieren. das einfache turren,
das von den mitteldeutschen schriftstellern eingebürgert wird und in oberdeutschen denkmälern die mundartliche färbung der sprache verrät, hält sich länger und reicht in mundartlichen resten noch bis in die heutige zeit. die hauptfactoren, die den ganzen stamm mit seinen ableitungen zurücktreten lieszen, sind abgesehen davon, dasz der ganze entwicklungsgang in der älteren periode schon vollständigen abschlusz gefunden hat, die synonyma, die für die hauptverwendungen bereit liegen: das lautlich so nahe stehende dürfen,
und für den noch übrigen theil des bedeutungsgehaltes das neu aufkommende sich getrauen.
vgl. sp. 4439. I@2@aα)
in der bibelübersetzung spiegelt sich das gesagte deutlich wieder. in betracht kommt hier das neue testament. denn in den zahlreichen stellen des alten testamentes, in denen Luther
das verbum türren
verwendet (
vgl. oben theil 2,
sp. 1744),
folgt die vorlutherische bibel der lateinischen vorlage und führt mögen
für posse
ein: daz keiner mag reden zuo im. Eggesteyn
und Koburger
1. Sam. 25, 17; dem niemand etwas sagen thar. Luther
und so öfters. für das neue testament stehen sich nun zunächst die präfigierte form und das einfache turren
gegenüber. das letztere herrscht allein vor in Beheims
evangelienbuch, im codex Teplensis und bei Luther.
es überwiegt in der Straszburger bibel des Eggesteyn
und erscheint vereinzelt in der Nürnberger bibel des Koburger.
das volle geturren
bildet bei Koburger
und ebenso noch in der Augsburger bibel von 1487
die regel und hält sich am längsten in der Schweizer bibel. die katholische bibel nach Luther
bevorzugt in den ausgaben Ecks
das Luthersche turren,
während sie in denjenigen Dietenbergers dürfen
an die stelle setzt. dieses findet auch in die protestantische und in die reformierte bibel eingang, bis Reitz (
Offenbach 1703)
in solchen stellen, in denen der widersinn zu deutlich wird, sich erkühnen
einsetzt: und Ihêsus sprach zuo en: kuomit und inbizzet. und nîmant torste en vregin under den sitzenden: wer bistû? wan si wisten daz iz der herre was. Beheims
evangelienbuch Joh. 21, 12 (
erscheinung Christi nach der auferstehung: nemo audebat .. interrogare); jah ainshun .. ni gadaursta ine fraihnan. Ulfilas; und kainer der siczenden trost in fragen.
codex Teplensis; und keiner der sitzenden dorst in fragen. Eggesteyn
und Koburger; niemand aber unter den jüngern thurste jn fragen. Luther; thorste Eck; niemand aber unnder den jungern dorfft jn fragen. Dietenberger;
ebenso bei Stade
und bei Piscator,
desgleichen in der holländischen übersetzung von 1634 (durfde).
erst Reitz (
Offenbach 1703)
setzt dafür ein: aber keiner erkühnte sich, ihn zu examinieren. — und vorbaz torstin si en nichtis nit gevregin. Beheims
evangelienb. Luc. 20, 40; und si getorsten in von des hin nit mer gefragen.
codex Tepl., Eggesteyn
und Koburger; und sie thursten in fürder nichts mehr fragen. Luther; thorsten Eck; sie dorfften in fürter nichts mehr fragen. Dietenberger.
ebenso bei Stade
und Piscator; sie erkühnten sich nicht mehr. Reitz; getarr euer einer habend ein geschefft wider den andern geurteilet ze werden bei den bösen. Koburger
1. Cor. 6, 1.
ebenso die Augsburger bibel von 1487; tar Eggesteyn
und cod. Teplensis; wie thar jemand unter euch, so er einen handel hat mit einem andern, haddern fur den unrechten und nicht fur den heiligen. Luther.
ebenso Eck; darf
bei Dietenberger. Stade. Piscator; erkühnet sich jemand. Reitz.
vgl. dazu Röm. 5, 7
u. a. in manchen bibelstellen ist auch Luther
schon von der beibehaltung des alten verbums abgestanden; meist sind dies verwendungen, in denen die grundbedeutung besonders frisch und lebendig zum ausdruck kam. daher läszt sich aus den synonymen, die Luther
einsetzt, eben jene ursprüngliche bedeutung erschlieszen: daz ich turre gereden, alz es mir gezimt.
cod. Teplensis Ephes. 6, 20; auff das ich darinnen freidig handeln möge und reden, wie sichs gebürt. Luther; kühnlich handeln möge. Dietenberger
und Eck; frei reden möge. Piscator
u. a.; Moyses verbarg sein antlütz, wann er getorste nit sehen gegen dem herren. Koburger 2.
Mos. 3, 6; er torst nit gesechen gegen den herren. Eggesteyn; denn er furchte sich gott an zu schawen. Luther; dorft nit ansehen. Eck; ob die gerechtigkait des urteils wirt gesuchet, keiner getarr sagen zeugnisz für mich. Koburger
Hiob 9, 19; kainer tarr Eggesteyn; wil man recht, wer wil mein zeuge sein. Luther; so darff niemands für mich zeugnusz sagen. Eck; wer darff vor mich zeugnusz sagen. Dietenberger. I@2@bβ)
unter den chronisten fällt in der Augsburger chronik des B. Zink (
deutsche städtechron. 5)
der unverhältnismäszig reiche gebrauch der präfigierten form geturren
auf. die übrigen Augsburger chronisten Mülich, Rem, Sender,
verwenden unser wort auch gelegentlich, dann jedoch gewöhnlich in der präfixlosen form turren.
dasselbe läszt sich bei den Nürnbergern beobachten; die mittel- und niederdeutschen chroniken scheinen weder das eine noch das andere zu lieben. I@2@gγ)
um die wende des 15.
jahrhunderts sind es vorwiegend südwestdeutsche denkmäler, in denen geturren
zu belegen ist, voran steht Geiler v. Keisersberg.
aus der Schweiz, in der das einfache turren
mundartlich noch heute weiterlebt, sind noch um das ende des 16.
jahrhunderts litterarische belege aufzuweisen, so aus N. Manuel (durren
vgl. bei Waldis).
an der schwäbischbairischen grenze reichen die beispiele mit S. Franck
nicht weit über den anfang des 16.
jahrhunderts hinaus, und ebenso ist für Nürnberg nur aus H. Sachs
regere verwendung nachgewiesen. vgl. Schmeller 1
2, 620;
in den österr. weisth. läszt sich geturren
nicht über das 16.
jahrhundert hinaus belegen. im bairischen landrecht findet es sich noch 1588
vgl. Schmeller
a. a. o. unter die spätesten belege für geturren
gehören solche aus den Haimonskindern. turren
erscheint noch im 17.
jahrhundert bei S.
Dach.
vgl. oben theil 2, 1744. I@2@dδ)
die wörterbücher nehmen nur vereinzelt kenntnis von unseren formen. die vocabulare verzeichnen theilweise durren
vgl. Diefenbach-Wülcker 381.
in oberdeutschen interlinearglossen des 15.
jahrhunderts findet sich einmal audemus, wir getürend. Diefenbach
nov. gloss. 41.
ebenso steht in der Straszburger gemma von 1518:
audere gedoren. Diefenbach 60
a.
ein mittelbares zeugnis liegt verborgen in verwendungen von dürfen
vor: audeo, ich bin kühn, ich darffs understehen. Dasypodius C 5.
vgl. noch audere dörffen
bei Frisius (1719) 66.
später ist es die einsicht in ältere schriften, die namentlich in verbindung mit der kenntnis mundartlicher nebenformen die wörterbuchschreiber reizt, das räthsel zu lösen, das sich im gebrauch von dürfen
darbietet: he dörst dat nich dohn,
er darf das nicht thun. daher das hochdeutsche thürstiglich
audacter (
genesis 34, 25)
und dürstig sein, dürstig handeln,
audenter agere (
2. Cor. 10, 1. 2.); der sälige Lutherus braucht in seinen schriften gar oft thar für darf, thurst oder durst für trotz und frevel (
Jena 6, 344: sie thüren sich nicht fürchten). und eben dieses thar, und unser dören ist das griechische
θαῤῥεῖν. Richey
idiot. Hamburgense 43.
zu diesen parallelen fügt Adelung,
der (2, 1480)
nur die form dürfen
anerkennt, das althochdeutsche giturran,
das ihm aus Otfrid
und aus Ottokars
reimchronik vertraut ist. der gelehrte Scherz,
der in den schriften des 15.
und 16.
jahrhunderts bewandert ist, stellt, namentlich fuszend auf der vertrautheit mit Geiler v. Keisersberg
die nebenformen doersten (250)
und dürren (254)
auf, für die er bereits die parallelen aus den übrigen germanischen sprachen beibringt. vgl. dazu getorren,
sich getrauen, dürfen bei Wallraf
altdeutsch. diplomat. wb. (1827) 27.
neben Grimms
grammatik sind es in unserem jahrhundert vor allem die mundartlichen wörterbücher, die den sachverhalt weiter geklärt haben. dären, dören, düren,
dürfen, sich erkühnen. Stalder (1806) 1, 266; wottsch öppis: so därst öppis,
willst du etwas, so muszt du auch etwas wagen. ebendort; ich darf nicht,
d. h. ich bin nicht so kühn. Tobler 146 (darf
ist hier nur als schriftform für das mundartliche tar
eingesetzt).
weitere beispiele aus schwäbischen, österreichischen, siebenbürgischen und schlesischen idiotiken sind oben theil 2,
sp. 1743
angemerkt; i tör net,
non mi è permesso, non mi torna a conto Schmeller
cimbr. wb. 240. I@33)
die formen. I@3@aa)
die lautgestalt. I@3@a@aα)
der anlautende dental. die media erscheint, wie sie schon bei Otfrid
im gegensatz zu anderen quellen stand, auch später namentlich in elsässischen denkmälern, so bei Königshofen,
während Closener
die tenuis vorzieht; deszgleichen in den dialogen Gregors. vereinzelt findet sie sich auch bei Geiler v. Keisersberg,
vgl. oben sp. 1982.
die aspirata erscheint bei Geiler,
in Luthers
bibeldrucken, bei S. Franck
und H. Sachs;
die tenuis in den chroniken bairischen und fränkischen ursprungs, bei Geiler v. Keisersberg
und bei Closener. I@3@a@bβ)
der stammvocal. der ablaut getar, geturren, getorste
wird durch ausgleichungsbestrebungen durchkreuzt, die bei dem auffallenden bau eines präteritopräsens nicht überraschen. hierher gehört auch das eindringen des dem conjunctiv präsentis zukommenden umlautes in den plural des indicativ: und getürens nit recht brauchen
bei Geiler.
ähnlich bei Königshofen;
damit verbindet sich vielfach ein übergreifen des dem prät. zustehenden vocals in den plural des präsens: die getörren nit wyter gucken
bei Geiler.
ebenso in den infinitiv: gedoren
audere vgl. Diefenbach 60
a.
vereinzelt dringt auch die consonantenverbindung des prät. in das präsens: dürsten, türsten. I@3@a@gγ)
die metathesis der liquida, die in niederdeutschen mundarten mannigfach belegt ist (
vgl. Richey
a. a. o. vgl. troste Menken
scriptores sax. 2, 17, 29)
führt zur verwechslung mit dem verbum sich getrösten,
das ja in der bedeutung vertrauen, hoffnung, sicherheit gewinnen (
vgl. oben sp. 4559)
sich nahe mit unserem verbum berührt: getrost er mit seinem rechten dafür kommen, das sol er genieszen. Lori
bergr. Schmeller 1
2, 677. I@3@bb)
der gebrauch der verbalformen. I@3@b@aα)
die wenigst verwendeten formen sind die der 2.
person: das du nieman gesagen .. getarst. G. v. Keisersberg
christl. bilger 59
a; geturt ir. B. Zink
deutsche städtechroniken 5, 412.
der imperativ kommt überhaupt nicht vor. I@3@b@bβ)
die erste person erscheint im singular gerne in der formelhaften verwendung, die an die positive gebrauchsform anknüpft (
s. unten). I@3@b@gγ)
der hauptantheil der belege fällt auf die dritte person. und zwar entsprechend dem stoffgebiet der erzählungslitteratur, das uns die meisten beispiele bewahrt hat, vorwiegend im präteritum. die geistliche litteratur bietet mehr beispiele für getar. I@3@b@dδ)
participia sind von unserem verbum nicht belegt, wenigstens kommen sie nur in der dem hilfsverb eigenen assimilation an den infinitiv vor: er hat auch in nit türen ansehen.
Tristrant und Isalde 29
Pfaff. der infinitiv selbst wurde ebenfalls von der hauptverwendung unseres verbs nicht begünstigt; er erscheint gelegentlich substantiviert: krone ob allen fursten.mir lit hie tot gevellet, des menlich hoch geturstensich zu ritter nimmer mer gesellet.
jüngerer Titurel 5428
Hahn. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
die grundbedeutung, auf die sowol die germanischen als die indogermanischen parallelen hinweisen, ist: muth haben.
unser verbum unterscheidet sich jedoch von den verwandten seiner sippe wie: getrauen, getrost
u. a. dadurch, dasz von vornherein eine zielbestimmung vorliegt, auf die sich die grundbedeutung bezieht und einschränkt. ganz ebenso wie das synonyme wagen
erscheint geturren
nur im relativen gebrauche und die wenigen älteren beispiele, in denen dies scheinbar nicht der fall ist, erklären sich aus ellipse: aldâ wart under in beiden ein vil getriulîchiu ger: sie sach dar, und er sach her. dar nâch hiez si schenken sân: getorste si, daz wære verlâ
n. ez müete si deiz niht beleip, wand ez die ritter ie vertreip, die gerne sprâchen widr diu wîp. Wolfram
Parz. 29, 10; 'waz weistu', sprach er, 'liebez kint, von wannen dise noten sint? kanstu ihtes iht hier an?' 'jâ, schœner meister' sprach Tristan, 'ich hæte es hie vor meisterschaft; nu hât ez aber sô kleine kraft, daz ich vor iu niht engetar. Gottfried
Tristan 3537
Bechstein; 'ich kuste iuch, wære ich kusses wert'. 'des het ich hiute sân gegert', sprach Parzival 'getorst ich sô; wand ich bin iwers enpfâhens vrô. Wolfram
Parz. 306, 7.
anderer art ist die ellipse eines verbums der bewegung bei ortsbestimmungen wie z. b.: nun stuend es also, bisz man gen Nördlingen in die mesz solt faren. da getorsten die von Augspurg nit dahin, dann sie forchten den marschalk und die Onsorgen, darumb so pliben die von Augspurg ausz der mesz; dann der Onsorg wartet zu allen zeiten auf der von Augspurg leib und guet. B. Zink
d. städtechroniken 5, 50.
von diesen fällen abgesehen tritt das verbum nur in verbindung mit infinitivis auf und es ist natürlich, dasz von der engeren oder lockereren art der verbindung auch die weiterentwicklung des verbums abhängt. in engerem zusammenhang mit bestimmten verbis wird das verb in seinem bedeutungsgehalt von dem des infinitivs beeinfluszt, oder es verblaszt die intensität der bedeutung, das verbum sinkt zum bloszen hilfsverb herab. da diese entwicklung ganz verschieden verläuft, je nachdem das verbum in positiver fassung oder durch negierende bestimmungen beeinfluszt auftritt, empfiehlt es sich beide formen in der darstellung auseinander zu halten. II@22)
das verbum positiv gefaszt. II@2@aa)
lockere verbindung mit dem infinitiv; volle intensität der grundbedeutung. II@2@a@aα)
es bekundet sich der physische muth: iuwer angest ist ein teil ze grôz dar umbe daz ich sterben sol. deswâr ir handelnt ez niht wol mit iuwern grôzen meisterschaft. ich bin ein wîp und hân die kraft: geturrent ich mich snîden, ich getar ez wol erlîden. Hartmann v. Aue
armer Heinrich 1129; jâ ist der dinge vil geschehen; man hât des wunder gesehen, daz unrehtiu hôchvart mit kleiner kraft genidert wart: daz möhte ouch vil wol noch ergân, der ez getörste bestâ
n. Gottfried
Tristan 6224
Bechstein; daz ich von iu versmâhet ie getorste werden sunder nôt, daz wirt bî namen iuwer tôt. Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 12663; Dacianus der vurste erschrac, daz er (
der heil. Georg) geturste tuvele nennen sine gote und also gar zu gespote mit worten hienge sich daran.
pass. 260, 10
Köpke; den vursten was unmazen zorn, daz dise mit vrier willekur alsus getorsten treten vur und von eime gote sagen. sie wurden grulich geslagen mit knutteln und mit rîsen. 299, 32; wan kaum sturb ymant umb den gerechten; wan wer tar villicht sterben um den guten.
cod. Teplensis Römer 5, 7 (
vix enim pro justo quis morit: nam pro bono forsitan quis audeat mori).
Augsb. bibel von 1487 getar; nu stirbet kaum jemand umb des rechtes willen. umb etwas gutes willen thürste vileicht jemand sterben. Luther; thörst Eck; dorfft. Dietenberger
und Piscator; für einen gutthätigen unterstünde sich vielleicht noch jemand zu sterben. Reitz. II@2@a@bβ)
der moralische muth nimmt verschiedene formen an und unterliegt verschiedener beurtheilung. in unseren beispielen ist die rühmenswerte seite desselben spärlich bedacht. um so reichlicher flieszen die belege für solche wendungen, in denen es zur auflehnung gegen die gebote gottes, menschlicher sitte und gesellschaftlicher schicklichkeit sich umbildet. II@2@a@b@11)) II@2@a@b@1@aa)) ir sult der rede sîn erlâ
n. iwer lebn ist nützer danne dez mîn, und möht ez ein wâge sîn (
wenn die aussichten auf beiden seiten gleich wären) sô torst ich iuch wol biten: ditz ist gar wider den siten daz ein kemphe drî man. Hartmann v. Aue
Iwein 4325 (
nach A. die übrigen handschriften haben getorste); herre got, nu sende, ze schirmen ir, din erbarmecheit diu maniger sele ist bereit! herre, geturre des iemen geren, so soltu si genaden weren daz si geniezze ir triuwe! Wirnt v. Grafenberg
Wigalois 8028.
andere beispiele siehe unter den formelhaften ausgestaltungen. II@2@a@b@1@bb)) waer aber daz der herre den man irrete unde spraeche, er hete sin lehen nicht gevordert als er ze rehte solte, getar der man danne bereden mit sinen zwain vingern, daz der herre inan landes niht waere do er ez vordern solte, oder er selbe inan landes niht waere.
Augsburger stadtbuch 185, 26
Meyer; getrost er mit seinem rechten dafür kommen, das sol er geniezen. Lori
bergr. 76. Schmeller 1
2, 677. II@2@a@b@22))
in übler nebenbedeutung. II@2@a@b@2@aa))
übermuth gegen gott und göttliche einrichtungen: vil wol gelobter got, wie selten ich dich prîse! sît ich von dir beide wort hân unde wîse, wie getar ich sô gefreveln under dîme rîse? Walther 26, 5
Lachmann; wir tuon daz kunt allir der werlte daz nieman so frevelir oder so geturstic si der disi geschrift unserre gesezzede und unserre ordenunge getúrri zerstorren oder getúrre frevellichen widersprechen.
deutsche Franziscanerregel des 13.
jahrh. Birlinger (
Germania 18, 194, 7); daz dû iemer getürrest leben, daz dû unsen herren nennest in houbetsünden durch glîchsenheit. vor der glîchsenheit beschirme alle die werlt der vater unde der sun unde der heilige geist. Berthold v. Regensburg 1, 62
Pfeiffer; der mensch ist torschtiger und köner (
kühner) der da schlafen gethar in einer todtsünd, dann ainer der da fechten tar mit siben die auf seinen tod geschworen haben. G. v. Keisersberg
granatapfel 1510 D 1
a; herr behüet, herr behüet, ist das war, dass er sich darfür usgeben getar und sich ein gott uf erden schetzt? Niklaus Manuel (
vom papst und seiner priesterschaft 1581)
Bächtold s. 90. II@2@a@b@2@bb))
weltlicher übermuth: ich wiste gerne ob ir der sît, der durch mich getorste lîden strît. daz verbert, bedurft ir êre. Wolfram
Parzival 511, 2. II@2@a@b@2@cc))
beziehung auf gesellschaftliche verpflichtungen, auf die schicklichkeit überhaupt: ez enwart nie bote enphangendeheines fürsten baz. getorste si in hân küsset,daz hete si âne haz.
Nibelungen 526, 2
Lachmann; hêrre und lieber œheim mîn getorst ichz vor scham gesagn, min ungelücke ich solde klagn. Wolfram
Parzival 488, 5; mîn heil sî vor der hœchsten hant ze einer wârheit des mîn pfant, daz ich ditz buoch getihtet hân, daz michs min vrowe niht wolt erlâ
n. diu reine, süeze gebôt ez mir: hie mit hân ich gedienet ir. und getorst ich sîs verzigen hân, so wær ez von mir ungetâ
n. U. v. Liechtenstein
frauendienst 1847
Bechstein. vgl. hierzu die formelhaften ausgestaltungen unten sp. 4598; Petter von Argon, uns nimpt frembde, nachdem ir euch gen unsern herrn den rathgeben ... unbillich verhandelt und daruber mit frembden gerichten furgenomen habt, das ir uns uber das alles mit fruntlichen wortten geturt schreiben.
schreiben der zunftmeister von Augspurg (1453)
d. städtechron. 5, 412. II@2@a@b@2@dd))
allgemeine annäherung an den begriff der frechheit, unverschämtheit: als das capitel ende nam und des gespreches was verzigen, do sach Sathanas dort ligen den iuden under einer banc, wand in die vorchte betwanc vil grobelich, die an im was. do sprach der ubele Sathanas 'ei nu schowet, wer der si, der uns getar hie wonen bi und in dem winkele dort lit'.
pass. 286, 76
Köpke. II@2@bb)
abschwächung der intensität der bedeutung in bestimmten verbindungen. II@2@b@aα)
wo der infinitiv eine handlung zum ausdruck bringt, pflegt das wagnis, das damit verknüpft ist, stärker ins gewicht zu fallen als bei aussagen und behauptungen. daher nehmen verba der mittheilung bei engerer verbindung dem hauptverb leicht die vollkraft der grundbedeutung: reinez herze scefe du trehten in mir daz ih geture vone dir sagen unte singen.
lobgesang auf den heil. geist 334
Diemer; mein got, was grosser sorg und reü ich in meinem hertzen verborgen trag umb disen lieben und leiden man! wie getar ich aber sprechen leiden? nun bin ich im doch so holde, und hab in so lieb.
Tristrant und Isalde 46
Pfaff (
variante darffe); die alten schriben von ir (
von Leuncio) sie wäre so hoch geleret in allen künsten, daz sie durch wipliche geturstikait oder villicht usz besunderm hasz truczlich wider den höchsten natürlichen maister, zuo den selben ziten lebenden Theofrastum, straffberlich schryben getorst. Steinhöwel
Boccaccio de claris mulier. 205
Drescher; wär ist der, der gethar sagen, die kinder Israel mögind dem kunig Nebukadnezar und seinem volk widerston?
Züricher bibel von 1530
Judith 5, 25 (
qui filios Israel posse dicat resistere; wer ist der do spricht. Koburger; wer ist dieser der solches sagen thar. Luther; wer ist, der darff sagen. Eck
und Dietenberger).
über die frageform vgl. unten c, α.
andere beispiele sind in die hypothetische form gekleidet, mit der ein neuer factor der bedeutungsänderung eintritt. vgl. c, β sp. 4595. II@2@b@bβ)
eine abschwächung der grundbedeutung bahnt sich auch in der syndetischen verbindung mit anderen präteritopräsentien an: ez lêret diu gewonheit einen zagehaften man daz er getar unde kan baz vehten danne ein küener degn der es niht hât gepflegn. Hartmann v. Aue
Iwein 7000; si getorsten unde kunden, swaz ze strît gehôrt. Ottokar
reimchronik 21333
Seemüller. für die positive fassung unseres verbums ist, wie man sieht, die verbindung mit können
bevorzugt. die beziehungen zwischen beiden verben werden schon von der grundbedeutung aus nahegelegt: die armen er (
sant Silvester) zu huse lut und pflac ir lieblichen, doch armen unde richen sagete er immer gotes wort, als vil er getorste hie und dort, doch mustez heimlich dicke sin, wand des ungelouben schin was do an den vursten breit.
pass. 63, 18
Köpke. in anderen fällen jedoch ist die gegenseitige vertretung nur aus vorhergehender enger verbindung und aus daraus folgender abschwächung zum hülfsverb erklärlich: das stuck getar auch widerfaren personen die einer künn sind. Geiler v. Keisersberg
hell. löw d 6
a. II@2@cc)
abschwächung in bestimmten gebrauchsformen. II@2@c@aα)
die frageform giebt der verbalbedeutung fast immer eine bestimmte richtung; sie ist meist einkleidung eines vorwurfs, einer zurechtweisung, und so stellen sich in ihr die meisten beispiele zu der gruppe der unter a, β, 2)) (
sp. 4596)
behandelten verwendungen: wie getörstet ir geschouwen strît, den ich werben solde, ob iwer herze wolde mir dienen nâch minne? Wolfram
Parz. 599, 10; eia, du vient der warheit, und des rechten widersatz, der umbe einen kleinen schatz verterben woldes drie man wie getarstu mich sehen an? der valscheite bistu vol.
pass. 15, 48
Köpke; wie getarstu wider Christum also reden.
veterbuch 23
Palm; er jaget die bœsen gewaltiglich von ir unn sprach zu in: wie geduiret ir mein dienerin also vihel und mit frevel angreiffen.
passional, vgl. Scherz 492; wie getar da hin kumen ain armes kuchenbueblin, da hie vor stand die englischen kör? wie gethar da reden ein verworfens würmlin, da aller himlischer hoff sweigen muss. Heinrich v. Nördlingen
briefe an M. Ebner 726
Strauch; Tarquini, was dings ist das? mit was gedurstlikait getarst du, die wil ich lebe, die vätter berüffen oder minem künglichen stuol besiczen. Steinhöwel
Boccaccio de claris mulieribus 168
Drescher; sprach er zu dem schauff: wie getarstu lögnen, das du enpfangen hast.
Esopus 84. II@2@c@bβ)
die hypothetische form andererseits führt geradezu zur formelhaften erstarrung; in ihr sinkt das verbum zum einfachen umschreibenden hülfsverb herab. II@2@c@b@11))
nach der seite der bedeutung entspringen für die positive form hier die berührungen mit dürfen: ich fröwe iuch, ir beswæret mich: des schamt iuch, ob ichz reden getar, lât iuwer wort niht velschen sich, und werdet guot: sô habt ir war. Walther 62, 32
Lachmann; 'nu frouwe, was ist iuwer nôt und iuwer klägelîchez klagen?' 'ei, trût, getar ich dir'z gesagen?' 'jâ, liebiu frouwe, sprechet an!' Gottfried v. Straszburg
Tristan 1226; lieber herr, getörst ich mit euch reden und wölt ir mict nit vermeren, ich wolt euch sagen, das euch zu groszem nutz und fromen gewandt wurd. B. Zink
d. städtechron. 5, 229 (
variante torfft ich); hubesche geturst ich uch es sagen, ich seite es uch, sprach Tristan.
vgl. Scherz 542;
über die verbindung mit verbis dicendi vgl. oben, sp. 4597. II@2@c@b@22))
eine andere art dieser hypothetischen fassung begegnet in der rechtssprache: daruff sprechen und entscheiden wir, geturre der egenant Johann erwisen, als recht ist, das er die egenanten Friderich und Cuntzman und ir helfere .. nicht gehuset, noch mit wissen geheimet habe .. so sulle er des zuspruchs ledig sin nach dem urhabe.
rechtsspruch könig Ruprechts (1403) Guden
codex diplomat. 4, 24; so soll in der pfenter dorumb mit recht anlangen an dem ennde und vor dem rate der statt Amberg oder Sulzbach, do er dann die ainung geschworen oder versprochen hat. getrost dann derselbig hamermaister mit seinem rechten dafür komen, das er sollichs ungevarlich gehanndelt hett, und mit seinem willen, wissen und gunst geschehen were, desz solt er geniessen.
hammereinigung der städte Sulzbach und Amberg 1464, Lori 76. II@2@c@gγ)
in dieser formelhaften umschreibung (
vgl. Grimm gramm. 4, 171)
wird das verbum in der mittelhochdeutschen dichtung in den dienst der poetischen stilform gestellt; es hilft dem reimzwang dadurch nach, dasz es infinitivformen ermöglicht: ir solt mich heizen henken, swie ich getörste krenken iwer wîs und iwer fuor. Ottokar
reimchron. 716
Seemüller; vil übellich im daz vervie ûz Bêheimlant der furste, daz er in der geturste ie getorste gewesen. 8242. II@33)
das verbum in verbindung mit negierenden bestimmungen umfaszt weitaus die gröszere gruppe der verwendungen. vor allem ist für die grundbedeutung eine viel ausgedehntere manigfaltigkeit in der ausgestaltung zu belegen. II@3@aa)
die grundbedeutung ist in voller kraft und bringt die beziehung auf den physischen mut zum ausdruck; zwei richtungen stehen sich hier gegenüber. einerseits wird in der verneinung des wagemuthes nur objectiv die richtige abschätzung der kräfte oder die einsicht in die verhältnisse gekennzeichnet; andererseits wird sie als mangel aufgefaszt und mit dem makel der furcht
belegt. II@3@a@aα) II@3@a@a@11)) der künec Artûs wil zem brunnen komen mit her. enist dan nieman der in wer, so ist iuwer êre verlorn. habt ab ir ze wer erkorn von iwern gesinde deheinen man, dâ sît ir betrogen an; und wære ir aller vrümekheit an einen man geleit, dazn wær noch nicht ein vrum man. swelher sich daz nimet an daz er der beste sî von in, dern tar niemer dâ hin dem brunnen komen ze wer. Hartmann v. Aue
Iwein 1852
nach A; die meisten handschriften haben ne getar; wan der wider schœne, den ich mit lobe crœne, wart vor leide alsô genert, daz nieman zuo im in den wert getorste ûf sînen schaden komen. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 6793. II@3@a@a@22)) wand die armen christen musten sich dicke vristen und verstelen von den wegen; des getorsten sie nicht pfiegen des munsters als si wolden.
pass. 70, 70
Köpke; gib uns dinen gewalt zu helfe, daz uns nieman geturre wider sin daran. 149, 86; do sattent sich die Engelschen zuo gewer, also sü wol vehten kundent zuo rosze und ze fuosse, und ersluogent der geburen uf 3½ hundert zuo tode und vingent ir etwie vil. es geturste ouch nieman gewandeln in dem lande one ir geleite oder wortzeichen. Königshofen
d. städtechron. 9, 816; ez ensi danne als verre, daz er an einer stat gesaezzen si, da chein waibel hin geturre gan, so sol man im am gerichte furgebieten, daz ist reht.
Augsburger stadtbuch 84, 1.
Meyer. II@3@a@a@33))
ganz besonders gehören hierher masznahmen militärischer art, bei denen die abschätzung der kräfte den ausschlag giebt: do daz der hertzoge vernam, do zoget er gedursteclich gegen ime. do kunig Adolf vernam die maht die der hertzoge hette, do getorst er nüt zu velde bliben und fuor in die stat zuo Ulmen. Closener
d. städtechron. 8, 59; darzuo sint wir von in umbsetzet und belegen, das wir die porten nüt getürent uftuon. 8, 297; also gewan der künig von Frangrich me volkes denne der künig von Engenlant hette, und gedurste doch nüt us Parys kumen. Königshofen
d. städtechron. 8, 474; sus koment wol vier tusent man in die stat, die vor nüt geturstent darin kumen. 326; aber sie getorsten für die stat nit kommen vor dem marggraffen, der hett als man sagt bei 4000 mannen. B. Zink
d. städtechron. 5, 192.
in diesen verbindungen berührt sich geturren
vielfach mit mögen
und können;
noch deutlicher tritt diesz hervor in: die stett lagen vor ainem schlosz, das allerpest in Schwabenland, das ist genannt Hohenzor, darvor lagen sie lenger dann jar und tag mit gewalt, sie getorst niemant von dannen treiben; wie oft man in draut und in grosze warnung kam, man wolt sie dannen schlahen, sie kerten sich daran nit, bisz sie das schlosz gewunnen. B. Zink
d. städtechron. 5, 230.
zu dieser berührung mit können
vgl. sp. 4597
und 4602. II@3@a@a@44)) und warn wol gewappent und stalten sich gar werlich, darumb getorst sie niemant angriffen. 2.
Augsb. chron. d. städtechron. 4, 30, (
variante dorffte); dar inne warent der herzog von Oesterich, der von Wirtenberg und vil ander herren .. getorst sie niemand angriffen.
Berner chron. 185; nun merk ich bei dem beispil der reichs stett leben, das sie ietz in dieser gegenwürtigen zeit hand: sie waren gewaltig, mechtig, fraisam und wolgemuet dieweil sie bei ainander treulich in rechter freuntschaft waren und sich vestiglich verpunden hetten, ainander bei recht zu beheben und des rechten (zu) helfen .. da was kain herr so mechtig noch so türstig, der sie unpillich und zu unrecht getörst angreifen, dann sie hetten ims nit vertragen. B. Zink
d. städtechroniken 5, 230; nach den achtagen reitt der künig wider gen Bordias vast frölich von wegen der ee, dann er gedacht, Rengnold (
sein neuer schwager) wurde im behulffen sin. das beschach; dann sit der vermehlung was kein ritter in Gastgunnia, der das kinni getörst uff heben.
Haimonskinder 73
Bachmann. II@3@a@a@55)) vnd also gedorst der alt veint nit mer in seinen gedancke herschen als ob im der schlag des straiches selbs worden wäre.
dialog. Gregorii 2
cap. 4; wann du hörst disz tüffelsch verfluocht hülen, daz dir der tüffel in git sölche unsegliche gedenck .. erzeig dich in frölicher hoffnung in got dem herren gegen im, wenn er daz sicht, so flühet er, und getar dir nit genohen. Geiler v. Keisersberg
christl. bilger 26
c. II@3@a@bβ)
es wird die beschuldigung der furcht
erhoben: II@3@a@b@11))
für getorste nit
der bibel von 1483
in 2. Mos. 3, 6
hat Luther furcht sich;
ähnlich wird auch sonst dieses wort mit gebrauchsformen unseres verbums in verbindung gesetzt: wer auch mit seinen übergenossen icht ze schaffen het, den er vor forchten nit gethar beklagen.
bair. landrecht von 1588 Schmeller 1
2, 620; der knecht thet es von stund an, wann er getorst es nüt underwege lassen usz forcht.
Haimonskinder 244
Bachmann; ich gedar meinem herren die brot nit bringen, lauff bald heim und wechsel mir die, ich wil dein hie warten. Pauli
schimpf und ernst 359
Österley; drei sind, die allzeit förchten sich: bei liechtem tag die fledermausz .. in Caspia ein vogel, glaub! deckt nachts ein fusz uber sein haubt, förcht, der himel fall auff ihn gar. das dritt die kröt, die selb gethar desz erdrichs nicht gnug essen ir, sorgt, dasz ir das zerrinne schir. H. Sachs (
könig Sedras 6) 16, 181
Keller-Götze. die stelle ist schon in ähnlicher form im Renner 4861
gegeben und kehrt in anderen fassungen bei späteren schriftstellern wieder. vgl. th. 5, 2416. II@3@a@b@22)) und die ez nicht geturren gereden, die schribent briefe oder heizent si ander liute schriben, und setzent die selben mit namen dar an, und werfent sie an die strazen, daz si die liute uf heben und si lesen: daz ist ein mort, und were ein tot noch wirser danne der ander, man sol im in tun.
Schwabenspiegel cap. 48, 9
Gengler; also was der Strausz selb dritt und die pöswicht getorsten irn bösen willen und ir poshait nit volpringen und giengen ausz; damit was der frum man genesen und wol behüet. B. Zink
d. städtechron. 51, 316; antwürt im der hund: das kompt dar von, das ich hüter des huses bin, wider die dieb und mörder, deren getaur kainer ainen tritt dem hus genæhen. Steinhöwel
Äsop 162
Österley. II@3@a@b@33)) die uligen geturren zu dem wallenden haven nicht kumen.
veterbuch 32
Palm; daz sin bellen alle wolf erschreket und sin angesicht die wolf in flucht wendet, darum kain wolf der herd nachnen getorst. Steinhöwel
Äsop 232
Österley; und getorst in kain ander fraisam tier, weder leo, helfant, wolf noch peren noch kain ander tier nichts tuen und waren sicher überall, wo sie waidneten, und torst in niemant nichts getuen, dieweil sie ir treu und ainigkait mit ainander hielten. B. Zink
d. städtechron. 5, 229; wan wenn einem ein wolff noch get, het er denn nümen ein stecken oder einen gürtel, und er den noch im zühet uff der erden, so getar im der wolff nit genohen, er förchtet er fall dar über, darumb kummet er nit dar. Geiler v. Keisersberg
christl. bilger 26
b. II@3@bb)
in der beziehung auf den moralischen muth gewinnt das verbum mehr die bedeutung von sich getrauen.
die einzelnen verwendungen stehen sich hier gegenüber, je nachdem die hindernisse für den wagemuth in äuszeren verhältnissen oder in einer inneren gebundenheit des subjectes beruhen. II@3@b@aα) aber den edeln und den richen was es vaste wider. doch gedurstent sü es nit geanden, wan der bobest gar strenge gerichte hette und umb kleine sachen die die ime nüt gehorsam worent, det ertrenken oder enthoubeten. Königshofen
d. städtechroniken 9, 601.
ganz ähnlich Closener
ebenda 8, 56; der zehand anfieng zürnen und getorsts doch nit versagen.
Terenz (1499) 65
b; o spotlichs und schimpfbares dinge, ist daz wir disem jungen unernieten kinde nit getörren begegnen und widersteen.
N. v. Wyle
translat. 147, 23
Keller; noch dann, umb ires hohen nams und adels wegen gedurst kein mensch zuo Rom offenbarlich sich dessen mercken oder hören lassen. Kirchhof
wendunmut 1, 382
Österley. II@3@b@bβ)
innere und äuszere gebundenheit durchkreuzen sich: II@3@b@b@11))
in bestimmten verwendungen der rechtssprache: wer gerichtes mudet, der sol sichern, das er sin clage follenfure, dem sol man rechten; gedorste aber niemant gerichtes .. wir .. sollen .. darnach forschen.
freiheitsbrief der burger von Sarbrucken 1321
bei Brinckmeier
gloss. diplomat. 1, 888; waere aber daz, daz er niht fur getorste chomen, daz er so gefriunde lute geschadegot hete an ir mage, gert im danne ein sin friunt geleites fur uf rehte rede, daz sol im der vogt gæben.
Augsb. stadtb. 81, 25
Meyer. II@3@b@b@22))
namentlich gehört hierher die rücksicht auf brauch und sitte: 'wie möhte wir si bringen'sprach der künic rîch, 'her zuo disem lande?daz wær unmügelîch. si sitzent uns ze verre:ich getarses niht gebiten'.
Nibel. 670, 3
Lachmann; iur kus sol wesen mîn, suln dise hêrrn geküsset sî
n. sol künec oder fürste des enbern, sone getar och ichs von iu niht engern. Wolfram
Parzival 83, 20; dô Liupolt spart ûf gotes vart, ûf künftige êre, sie behielten alle samt, si volgeten sîner lêre, si zuhten ûf, alsam si niht getorsten geben. daz was billich: wan sol iemer nâch dem hove leben, Walther 36, 3
Lachmann. II@3@b@gγ)
innere gebundenheit. II@3@b@g@11)) dô getorste Hagnefür si niht gegân: wol weste er sîne schulde,er hete ir leide getâ
n. Nibel. 1053, 3
Lachmann; dehain mennisk getorste komen under die lute, wessen si an ime daz sin gewizzen an im waiz.
specul. eccles. 42
Kelle. II@3@b@g@22)) die armen buren, die getörren nitt witer gucken, denn ir junckherre wil. Geiler v. Keisersberg
postill. 2, 23 (1522); sitzend darauf (
auf den zeitlichen gütern) wie ain hund auf ainem höwhaufen und er isset nit höw und laszt auch nieman von dem höwhaufen nemen. also tuond solch geitig leut, sitzend auf dem guot und getürens nit recht brauchen und gestattens auch andern nit zu brauchen.
sieben hauptsünd 1510 ee 4. II@3@b@g@33)) alles das, das widerwertiges dem menschen zuo handen got .. es sien schmehe wort, verachtung von den lüten, es si dar zu innerlicher truck und getreng des gemüts das du nieman gesagen kanst oder auch getarst, und alles das dem glich ist, es si liblich oder geistlich. Geiler v. Keisersberg
christl. bilger 59
a; du gedarst es dem beichtvatter nit sagen, so es närrisch und bübisch gedanken seind.
spinnerin (
granatapfel)
nr. 2
b. II@3@cc)
abschwächungen und verflüchtigungen der grundbedeutung knüpfen wesentlich an die eben unter b)
gewonnenen gruppen an. aus dem verhältnis zu äuszeren hemmnissen ergiebt sich für das negierte verbum die berührung mit dürfen,
aus demjenigen zu innerer gebundenheit die berührung mit können. II@3@c@aα) derselb walthawer getare kein zimmer noch holz fur die stat noch ausserhalb der rinckmaur on laub des rats nit geben. Tucher
baumeisterbuch 71, 6.
der bedeutung nach ist getare
hier überhaupt nicht mehr von darf
zu trennen, und es spielen die lautlichen und graphischen factoren hier herein, die sp. 4590
zur besprechung kamen. in anderen beispielen dagegen lassen sich deutlich die übergänge beobachten, mit denen das eine verb dem andern sich nähert: II@3@c@a@11)) und wer koren hett, der muest so vil hingeben, als im dann die korenmaister gesetzt hetten, und getorst sich des niemant setzen oder widersprechen. B. Zink
d. städtechron. 5, 257; der bapst gab im zu antwurt, er hett in gefangen mit des conciliums rat und on dasselb concilium getorst er in nit ledig lan. 5, 64; das mennlin sprach: ich hab dir geschworen, ich wölle dich nit angryffen uncz das wir zuo dynem vater komen, darumb getar ich dir nit helffen. Steinhöwel
Äsop 232
Österley; und dasz der herr auch verpotten hett, dasz man (von) Bairn nicht, weder eszent noch ander ding, in die stat füern noch tragen getorst. B. Zink
d. städtechron. 5, 219.
genau so 312; besunder ausz hertzog Ludwigs land, der hat es verspotten bei leib und guet überall in seinen landen, und in aller seiner herschaft getar niemant kain handel mit den von Augspurg han (
varianten törff
und darf). B. Zink
d. städtechron. 5, 327; da worent 4 meistere, iegelicher ein viertel jores, und getorst ouch kein anderre burgere, wie frumme oder biderb er waz, in dem rote gesin, es were denne daz in der ein der die kure hette des jores, hette drin gesetzet. Closener
d. städtechron. 8, 123; nach dem was uns von Augspurg hertzog Ludwig von Bairn ungnedig und feind .. so getrost man auch nichts von Bairn her in die stat weder füeren noch tragen noch treiben. B. Zink
d. städtechron. 5, 231 (
variante torfft); darzu so hat man verpotten, dasz man weder gült, koren, heu, noch holtz, das der von Augspurg aigen guet is, und hertzog Ludwigen nit zugehört, das getar man nit her füeren und muesz all korngült und was die von Augspurg im Bairland hand, das muesz man zu Bairn lan und getar es niemand haimfüeren (
var. darf, torft) 5, 329. II@3@c@a@22)) und muesten fürbasz, nachdem und sie den brief wider genommen hand, allbeg in der hörberg bleiben und getorsten darausz nit bei geschwornem aid on urlaub des vogts, der ir gewalt hett. B. Zink
d. städtechron. 5, 232 (
variante torfften),
genau so 234. 288.
ebenso 286, 20, 22; und beschiet ieder parten ein zil, uber daz sü nit getürstent wandeln noch gon, daz sü üt zuosamene kement. Closener
d. städtechron. 8, 123; als dann gehet er mit nider geneigtem haupt ausz der kammer, nimmer barhaupt, auff das die eer gottes auff ihren heuptern ruow, dann kein Jud über dreitzehen jar gethar barhaupt gehen. S. Franck
weltbuch 144
a; der muosz siben tag barfuosz auff der erd sitzen bleiben vnnd sein vatter klagen. gethar auch inn dreissig tagen nit baden, bescheren, noch einich eusserlich freüd haben. 154
a; und das si von finf rossen, als vorgeschriben ist, nicht mer, dann von ainem fueder wein Bozner mass gefellt, an den zellen am Lug und Passeyr firnemnen und geturen aufzwingen.
Passeier urk. des 13.
jahrh., abgeschrieben im 16.
jahrh., österr. weisth. 5, 92; item, wer aber die steur nicht bezalte vor dem heiligen sand Thomas abent, so mag ein richter mitsambt den zwain poten dem selbigen sein haustür auszheben und getar die nicht wider einheben oder machen ân eins richters urlaub.
weisth. von Bruneck, copie des 15.
jahrhunderts. österr. weisth. 5, 474. II@3@c@bβ) ichn kunde ze Salerne einen meister niender vinden der sich mîn underwinden getörste oder wolte. Hartmann v. Aue
armer Heinrich 439; da getorsten noch enmohten die sîn daz niht gescheiden. Wolfram
Parz. 703, 4
Lachmann; hievon getar ich nicht bekumen in den gruwelichen rinc. beide alde unde iungelinc, ist mir da gar ein ungemach.
pass. 370, 8
Köpke; Paulus wart vleisclichen gevuorit in disim lebin in daz obriste himelrich. daz er gotis tougin ersach, dei dehein mennische gezellin getar.
specul. eccles. 95
Kelle; das ich pin ain herre meiner zungen, so ist dies ir alzeit betwungen, das si nimmer getar sagen chain gerechtikait aus irem chragen. Vintler
pluemen der tugent 5234 (
var. tar). II@3@c@gγ)
formelhafte verwendungen kommen bei der verbindung mit negierten bestimmungen nicht vor.