vier ,
zahlwort, got. fidwor,
krimgot. fyder;
als erstes glied in zusammensetzungen fidur-: fidurdogs, -falþs, -ragini;
altisl. fjórer,
als erstes glied von zusammensetzungen fer- (
aus feðr-);
altschwed. fiūrir, fȳrir. fiūri, fȳri;
als praefix fiæþr-, fiæþer-, fioþer-;
dän. fire,
schwed. fyra;
altengl. fēower (
in zusammensetzungen auch fyder-, fiðer-, feðer-);
neuengl. four;
nl. vier;
altfries. fiuwer, fiower, fior (fjâwer Schmidt-Petersen
wb. d. nordfries. sprache 43
a ; zu beachten ist, dasz neben zusammensetzungen mit fjâwer
sich auch solche mit fir,
die jedenfalls auf nd. einflusz beruhen, finden: firkānt
neben fjâwerkānted);
altsächs. fiuuuar, fiuuar, fior, fiar, viar, vier, veir;
ahd. fior, feor, fiar, fier (Graff 3, 670);
eine praefixale form fitter-
ist im salischen gesetz erhalten (J.
Grimm kl. schr. 8, 239);
mhd. vier
mhd. wb. 3, 306
b; Lexer
mhd. handwb. 3, 338;
quatuor vier, fier
vel fyeer, viery,
nd. ver Diefenbach
gloss. 478
b;
quatuor vere
nov. gloss. 311
a; vier
quatuor Dasypodius 447
c; vier, viere Maaler 447
d; vier
et viere Stieler 2381; Steinbach 2, 894; Frisch 2, 401
a;
mnd. vêr Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 236
a.
zum gebrauch der mundarten vgl. Schmeller
bayer. wb. 1, 843; Schoepf
tirol. idiot. 789; Zingerle
lusern. wb. 30; Lexer
kärnt. wb. 95; Fischer
schwäb. wb. 2, 1471
; schweiz. idiot. 1, 922; Hunziker
aarg. wb. 86; Martin-Lienhart
wb. d. els. mundarten 1, 129
b; Ruckert
unterfränk. mundart 191; Crecelius
oberhess. wb. 2, 883; Müller-Fraureuth
wb. d. obers. u. erzgeb. mundarten 2, 621
b; Hönig
wb. d. kölner mundart 190
a; Follmann
wb. d. deutsch-lothring. mundarten 158
b;
brem. wb. 1, 376; Schütze
holst. idiot. 4, 299; ten Doornkaat-Koolmann
wb. d. ostfries. sprache 1, 439
b; 445
a; Dähnert
plattd. wb. 516
b; Collitz
waldeck. wb. 29
a; Schambach
wb. d. mundart v. Göttingen-Grubenhagen 259
a; Siebs
Helgoland 216
b. 11)
flectierte formen des zahlworts (
vgl. Loewe in den beitr. z. gesch. d. spr. u. lit. 27, 75
ff.).
das altnordische hat eine vollständige adjectivische flexion des zahlwortes ausgebildet (
alte belege für flectierte formen auf dem stein von Rök)
: nom. in drei geschlechtern, altisl. fjórer, fjórar, fjogor;
gen. fjogorra;
dat. fjórom;
acc. fjóra, fjórar, fjogor.
die zahl vier
steht also hier den ersten drei zahlen gleich. im got. und westgermanischen dagegen gehört vier
zu der folgenden zahlengruppe (
bis neunzehn). vier
kann ohne flexion gebraucht werden, daneben aber auch einzelne flectierte formen entwickeln. es ist natürlich, dasz der gebrauch flectierter oder unflectierter form mehr oder minder geregelt wird. im got. ist nur der dat. fidworim
belegt, der gen. fidwore
aus niune, twalibe
zu erschlieszen; an der einen stelle, wo fidworim
vorkommt, steht es allein: hafanana fram fidworim
αἰρόμενον ὑπὸ τεσσάρων Marc. 2, 3;
dasz die flexion auch im got. eintreten kann, wenn das zahlwort dem zugehörigen nomen folgt, wird durch andere zahlen bewiesen (
aber vgl.: jere ahtautehund jah fidwor
ἐτῶν ὀγδοήκοντα τεσσάρων Luc. 2, 37),
während Luc. 15, 7
eine vorausgestellte zusammengesetzte zahl in beiden theilen flectiert: in niuntehundis jah niune garaihtaize
ἐπὶ ἐνενήκοντα ἐννέα δικαίοις.
eine flexion des nom. (
oder acc.)
scheint im got. noch zu fehlen, dafür spricht þai twalif
neben þize twalibe
und þaim twalibim.
im altengl. ist bei den zahlen von vier
bis neunzehn
auch eine flectierte nom. acc.-form entwickelt; die flectierten formen werden besonders angewendet, wenn die zahlen allein stehen (Sievers
ags. gramm. § 325),
doch auch sonst: wæron fēowere dā ford gewitene dagas on rīme
Guthlac 1107 (
hier ist freilich dagas
mehr als erläuterung des zunächst für sich hingestellten zahlworts anzusehen). from fēowerum foldan scēatum
Crist 879.
nachgestellt im altsächs.: that scoldun sea fiori thuofingron scrîBan
Hel. 32 C;
alleinstehend: thuo giuuêt im thie unaldandes suno mid thiem fiuuarun forth 1190 C (
fluuariun M)
in zusammengesetzter zahl mit folgendem gen.: fieri ende thritich honero
Freckenh. heber. 37, 17
Wadstein. im althochd. tritt zu den formen der i-decl. (
nom. acc. für m. u. f. fiori,
gen. fioreo,
dat. fiorim)
ein nom. acc. mit adjectivischer endung (fioriu, fioru
vgl. driu),
so dasz auf diese weise eine annäherung an vollständige flexion entsteht, nur dasz nom. acc. f. fehlt. die flectierten formen werden gebraucht, wenn das zahlwort mit dem nomen wie ein adject. verbunden dem nomen folgt, oder wenn das zahlwort '
substantivisch'
steht, allein oder mit zugehörendem gen.: thaz duent lutmarithie scriptora fiari Otfrid 3, 14, 3; thaz manodo sin noh fiari 2, 14, 103; wanta iro warun fiari 4, 28, 3;
neutrum: in fieru sie iz gideiltun 4, 28, 2.
in zusammengesetzer zahl mit folgendem gen.: unzan fioru inti ahtuzug iaro
Tat. 7, 9.
gegen die regel steht flectierte form Ben. Reg. 42: keleranem feorim ... fimfim pletirun
lectis quattuor aut quinque foliis; vgl.: so driror feorim kazokan ist stunton
sic ter quaternis trahitur horis (
Hymnen 18),
wo quaternis die flectierte form veranlaszt hat. über die mhd. flectierten formen und ihren gebrauch vgl. Weinhold mhd. gr. § 336, 4 (
nom. acc. für m. und f. viere,
n. vieriu;
gen. vierer, vierre,
dat. vieren).
das zahlwort stimmt nun völlig mit den starken pluralformen eines adj. überein, daher ist es begreifich, dasz nun auch öfter in der stellung vor dem subst., der gewöhnlichen stellung des attrib. adj., flectierte formen eintreten: viere winde biceichenint vier engele
Annolied 187; vieri mîlin lank unti sescich 170; vieriu dûsent lâfterin hôch 172; undersatzt mit vieren marmelînen tieren
Iwein 583.
gebrauch nach den alten regeln; nachgestellt: in den tagen vieren
Nib. 1003, 1; dô gesâzen ritter viere
Iwein 86; er hât ir noch viere 4483; fröuwent sich zwêne, sô spottent ir viere
minnes. frühl. 108, 24.
das neutrum dort elliu vieriu sâzen, Lyppaut, sîn wîp und sîniu kint
Parz. 394, 30; bî im gie mîner jâre hin vieriu mit seneclîcher nôt Ulrich v. Lichtenstein
frauend. 10, 1; in vieriu, envieriu,
in vier theile, gruppen u. ä.: der nu mîn herze envieriu (: driu) mit sîner hende slüege
Parz. 177, 18; ehte wurden ir alsô. die hiez er in vieriu stên und ie zwên zesamne gên Lamprecht v. Regensburg
leben d. h. Franziskus 1310. unde teilent si in vieriu
deutsche texte d. mitt. 28, 69, 27 (
Lucidarius).
statt der neutralen form tritt viere
ein: sô spaltet man in (
den hirsch) überal von dem houbete zetal und dâ nâch danne in viere (: quartiere)
Tristan 2801; daz got die stat ûf tiefen rât in viere glîch geteilet hât Heinrich v. Hesler
Apokalypse 21217.
im nhd. geht die besondere form des neutrums verloren, ferner schwindet der gen. völlig aus der schriftsprache (
beachte unten die stelle aus Brauns
orthogr. lex.),
er ist nur in der zusammensetzung viererlei
erhalten. die mundarten haben den gen. z. th. bewahrt (
vgl. z. b. Stucki
mundart von Jaun 279). Adelung in seinem
wb. und im umständl. lehrgeb. 1, 574 (1782)
verwirft den gebrauch von viere ('
auszer etwa am ende eines periodi, um der rede durch einen trochäum am ende mehr ründe und vollständigkeit zu geben'
wb.).
dagegen schreibt er den gebrauch des flectierten dativs (vieren)
vor, wenn er allein und ohne subst. steht: ich höre es von vieren; einer von vieren; auf allen vieren kriechen. vier, das zahlwort, bleibt mit dem artikel bey einem hauptworte unverändert, z. b. die vier männer, der vier männer, den vier männern: steht es aber allein, so wird es im genitiv und dativ abgeändert: z. b. die stärke vierer, oder von vieren, mit vieren fahren Braun
deutsch. orthogr. gramm. wb. (1793) 289
a.
im gebrauch der heutigen schriftsprache ist der flectierte dativ vieren
durchaus fest, wenn er allein steht, viere
ist fast ganz verschwunden, es hat einen vulgären klang bekommen. am festesten haftet es noch in der wendung alle viere von sich strecken,
die ja auch derb im ton ist (alle vier von sich strecken Adelung);
als schriftgemäsz gilt daher jetzt die vier, ihrer vier.
die mundarten haben dagegen die flectierende form des nom. acc. in weitestem umfange bewahrt und so dringt sie, wie sie in der umgangssprache überall verbreitet ist, auch wieder in die local gefärbte schriftsprache ein. die kinder Isaschar waren, Thola, Pua, Jasub und Simron, die viere
1 chron. 8, 1; gegen mittag des tages viere 27, 17; viere begreifend
quaternarius Stieler 2381; ich habe nicht mehr als viere
ibid.; ihrer viere trugen einen gichtbrüchigen
Marc. 2, 3; der hat unter allen regeln besonders viere wohl in acht zu nehmen Rabener
sämtl. werke 1, 172; furchtsam ist Cosme für viere Lessing 10, 36
Muncker; aus dem einen tage, auf welchen ich sie besuchen wollte, wurden viere 18, 146; nun vergegenwärtige man sich die viere, wie sie ... gegen einander über sitzen Göthe 24, 360
Weim.; näher und immer näher erscheinen die thürme der hauptstadt, viere zählst du Körner 2, 74
Hempel. zu die viere
wird der gen. der viere
gebildet (
ebenso aller, dieser, jener viere): erst zu begegnen dem thiere, brauch' ich den spruch der viere Göthe 14, 64
Weim.; weisz der sänger dieser viere urgewalt'gen stoff zu mischen 6, 15; der postmeister hiesz sechs pferde statt der bisherigen viere vorlegen Gaudy
sämtl. werke 2, 73 (1844).
dat. vieren
vor dem subst.: mit maul und allen vieren klawen Luther 26, 549
Weim.; von vieren söhnen Micrälius
altes Pommerl. 4, 2.
nachstellung des flectierten dativs in besonderer formel: verspricht dasz sie (
die minenarbeit) in ein tager vieren zu stande kommen soll Lessing 18, 446
Muncker. zu beachten ist das aufkommen einer schwachen form des nom. acc.: nd. wî fêren
wir vier ten Doornkaat-Koolmann
ostfries. wb. 1, 445
a; dann er kan gar bald da ligen, und alle vieren von sich strecken Eisengrein
besch. erklärung (1568) 29
a; packte er mein schwein beim kragen, band zusammen alle vieren Heine 2, 56
Elster. berlin. um vieren, um halb vieren;
oder etwa nach, vor vieren.
ganz ungewöhnlich mit singularer adjectivischer endung, angeschlossen an vorhergehendes das: tabak und schweinefleisch, caffee und brantewein, das vieres musz bei ihm vier elemente sein Thümmel
d. heil. Kilian (1818) 69. vier
als n. gefaszt, aber ohne flexion: in jeden säugling pflegt von ihr vertheilt zu werden ein unterschiednes vier: lufft, wasser, feuer, erden König
ged. (1745) 77. 22)
die flectierte form viere
hält sich, wie schon bemerkt, besonders in der verbindung alle viere,
womit die vier beine eines vierfüszigen thieres oder beim menschen arme und beine zusammen bezeichnet werden. auch hier wird aber nom. acc. viere
als derb empfunden, was beim dat. (auf allen vieren kriechen)
nicht der fall ist. im folgenden sind auch die belege mit unflectiertem vier
angeführt, zur ellipse vgl. Grimm
gramm. 4, 264; 953.
im mhd. steht elliu vieriu
mit neutraler endung, weil auf hand,
f. und vuoz,
m., bezogen: der bant im, sam er wær ein schâf elliu vieriu an ein bant Wolfram
Willeh. 286, 13; vier
unflectiert: und strecket von im alliu vier Hugo v. Trimberg
Renner 9602
Ehrismann. in mannigfaltiger anwendung, in eigentlichem und übertragenem sinne; feste verbindungen entstehen, formelhafte wendungen verschiedener art: z'allen vieren
in gestrecktem galopp, sehr eilig schweiz. idiot. 1, 923; uff alle viere
auf händen und füszen Brendicke 189
b; (
er sie) nyder an die erden auf alle viere stellet in masze als die rosz mütteren steen Arigo
decamerone 584, 23
Keller; also das du lam würst an allen vieren Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) 17
a; zuckten das opffer bald von der erden bey allen vieren Schaidenreiszer
Odyssee (1537) 13
a; welcher hinweg liffe, so wellte er im nach zchen, und wo er im wurde, alle fieri abschlagen Th. Platter 29
Boos; wenn ich so manche lebendige leidenschaft mit allen vieren zerstampfen (
müszte sehen),
d. h. sehen müszte, wie sie auf dem theater in thierisch roher weise miszhandelt würde Schiller 2, 7
krit. ausg.; het lieber möcht den todt begeren. er wardt an allen vieren lam (
bär) B. Waldis
Esop. 1, 260
Kurz. das ist ein besuch auf allen vieren. gott behüt! 's ist der tritt von thieren Göthe 16, 107
Weim. alle viere
zusammenbinden u. ä.: alle viere, das ist hend und fsz binden
quadrupedem constringere Maaler 447
d; jedoch hab du acht zuo bewaren den gefangenen, und hörstus auch: bind im alle vier zusammen (
quadrupedem constringito Andria V 2, 865) Boltz
Terenz deutsch (1539) 25
b;
in anderer fügung mit allen vieren binden, zusammenbinden: zuo sammen gebunden werden mit allen vieren
Terenz (1499) 10
b; so bunden sie sein reitpferd an die besten jagthunde mit allen vieren zusammen Schütz
hist. rer. pruss. (1592) I, A 3
b. alle viere
von sich strecken u. ä., als derber ausdruck für sterben, oder eine ohnmacht z. b. infolge eines schlages, einer verwundung, hülflosigkeit im krankheitsfall, trunkenheit, dann auch: sich zum schlafen ausstrecken oder sich hinräkeln, oder überhaupt nur die ausgestreckte lage bezeichnend: ward von dem siessen wein also frOelich und überweltiget, das er alle viere von im strecket Schaidenreiszer
Odyssee (1537) 38
a; meine fr. mutter hatte alle viere von sich gestreckt, und lag da als wenn sie vor den kopff geschlagen wäre Reuter
Schelmuffsky 7
neudr.; hasch! den spiesz ihm zwischen die rippen, da lag er, streckt' alle vier über seine gesellen Göthe 8, 141
Weim.; scherzhaft von einem würfel: in sluoc einer mit blôʒer hant, daʒ er alle viere von im rakte Konrad von Haslau
der jüngling 397; nemlich klempt jhn zwischen die thür das er von jhm streckt alle vier (
ein floh!) Fischart
flöhhaz 1338
neudr.; er strekket alle vier hin auf die luderbank (
faulheit und gleichgültigkeit) Rachel 31
neudr. alle viere
in die höhe, die luft strecken: (
murmeltier) dass sich je eins umb das andere, unter ihnen an rücken lege, unnd alle vier uber sich gehn himel strecke Heyden
Plinius (1565) 188. die viere
ohne alle: das ist ein unruhiges menschenvolk, es kann sich nicht hinlegen und die viere ausstrecken und schnarchen Görres
briefe (1858—74) 1, 270. alle viere ausstrecken nach etwas
heftig nach etwas verlangen: nun bin ich endlich in dem lieben London, wornach ich gewünscht und geangelt und alle viere ausgestreckt habe Lichtenberg
briefe (1901) 1, 218;
vgl. mit allen vieren danach greifen Wander
sprichw. lex. 4, 1641, 30. alle viere
hängen lassen, zeichen groszer ermattung: er laszt alli vieri hängen Hügel
wiener dialekt 182. auff allen vieren
liegen, für sich gebücket sein
procumbere Faber
thesaurus (1587) 209
b. auf allen vieren
gehen, auf händen und füszen wie die vierfüszigen tiere: woltten sy, mochttens auch ayn beeren haut onnlegen unnd auff allen fyeren gon Eberlin von Günzburg 3, 55
neudr.; man behauptete zum beispiel, es hange nur vom menschen ab, bequem auf allen vieren zu gehen Göthe II 6, 19
Weim.; ein chint daz gie an allen vieren sam ein rint
gen. 26, 10
Diemer; sein leib wardt aller harig gantz, kundt nicht mehr auff zwey füssen stehn, sunder auff allen vieren gehn H. Sachs 2, 178
lit. ver.; in einer stadt, es ist ein närrisch ding, wo man, um sich zu distinguiren, zuweilen lieber auf allen vieren, oder wohl gar auf den köpfen gieng Blumauer
ged. (1782) 124.
ohne allen: wie Voltaire über Rousseau (
lachte), dasz ihm das gehen auf vieren so wohl gefiele Herder 5, 168
Suphan; tische gehen beim tischrücken wie thiere auf vieren: er (
der wille) kann sie (
die welt) auch regieren. die tische gehn auf vieren Schopenhauer
briefe 252
Grisebach; z'allen vieren gon
vor müdigkeit gebückt gehen (
d. h. fast auch auf die hände niedersinkend)
schweiz. idiot. 1, 923.
andere verba der bewegung, wie schleichen, kriechen, tappen, klettern
u. s. w.: ehemals tappte er, nun man sollte es nicht sagen, aber wahr ist's, auf allen vieren, nur so durch die welt hin Göthe 13, 1, 177
Weim.; wandelt wie fürst Jupiter auf vieren Schiller 1, 188
krit. ausg- mit allen vieren d'wand uf chletteren '
eine vexieraufgabe bei pfänderspielen, die so gelöst wird, dasz man einen sessel mit allen vier beinen die wand hinaufschiebt'
schweiz. idiot. 1, 293;
vgl. Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 129
b; fliegen: dieses alles hatte ich mir so fest eingebildet, dasz mich gedeucht ich sehe das pferd schon fliegen mit allen vieren (
er meint, dasz das pferd flügel habe) Moscherosch
ges. (1650) 2, 26.
sich festhalten mit allen vieren: vom herrn pfarrer der sich mit alle viere (
so unter mundartlichem einflusz) an das dogma anhält B. v. Arnim
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 74.
sehr häufig auf allen vieren
kriechen: ein kind, das auf allen vieren kreucht
infans quadrupes Stieler 2381;
vgl. nd.: he krüppt up alle veer Dähnert
plattd. wb. 516
b; up den vêren mot ein rinder (
hinein) krûpen Schambach
wb. d. mundart von Göttingen-Grubenhagen 259
b; zum sibenden kroch Maximilian ... einem groszen hawenden wilden schwein allain mit einem bloszen degen auff allen fieren durch ein gar dicke hecken in ein busch nach S. Franck
chron. germ. (1538) 265
b; die schlang felt nider, kreucht auff allen vieren ausz H. Sachs 1, 46
lit. ver. (
ebenso vorher: die schlang steht auff ihr füsz 34); ehe wolt ich auf allen vieren ins kloster kriechen, wann ich auf zweyen beinen nicht fort könte Weise
erznarren 12
neudr.; kam auf allen vieren sporenstreichs in die welt gekrochen Reuter
Schelmuffsky 7
neudr. ohne allen: kaum war die taufe abgethan, ich kroch noch auf den vieren Herwegh
ged. eines leb. (1841) 51 auf allen vieren kriechen
kann auch demütiges oder mühevolles hinstreben bezeichnen: o du narr, ist das die weise fur gott zu. handlen, das man fur yhm fliehe, so man solt mit allen vieren zu yhm kriechen Luther 24, 96
Weim.; vgl. in anderer wendung: solte uns das nicht auf allen vieren treiben, jhme dank zu sagen Butschky
Pathmos (1677) 123. auf allen vieren
beschlagen sein,
sehr gewitzigt durchtrieben sein: er ist auf allen vieren beschlagen und hat noch ein hufeisen in der tasche Frischbier
bei Wander
sprichw. lex. 4, 1640, 28;
das gegenteil dazu: der ist auf allen vieren nix Fischer
schwäb. wb. 2, 1471. das ich ein narr sey an allen vieren Wickram
werke 5, 135
lit. ver 33) viere
als bezeichnung der tagesstunde, ganz besonders der nachmittagsstunde, in der eine zwischenmahlzeit zwischen mittag- und abendessen gehalten wird; vgl. vierbrot u. ä. ursprünglich pluralisch wird viere
dann leicht als f. aufgefaszt (
s. unten vier,
f.).
in der schriftsprache ohne e (
s. unten 12). ich lig' im bett bisz umb die viere Frisius
dict. (1556) 639
a; es hat viere geschlagen
hora quarta audita est Stieler 2381, es ist um viere
ibid.; ein viertel auf viere, halber viere; viere machen
vespern Fischer
schwäb. wb. 2, 1471; mer halt'n viera (
vespermahlzeit) Ruckert
unterfränk. mundart 191; am vieri
um 4
uhr, z'vieri
zum vesperbrod um 4
uhr, auch subst. vom essen selbst schweiz. idiot. 1, 923; e viertel uf vieri
aber auch e viertel für den vieren; zwüsent vieren und fünfen; wer geht nie heim vor de viere? Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 129
b; es wird bald viere schlagen Forster
teutsche liedlein 30
neudr.; berlinisch: um vieren, nach, vor vieren, um halb vieren, drei viertel uff vieren; bei hellem tage, schon vor vieren Göthe 14, 10
Weim.; um vieren wieder zurück
briefe 3, 202; nachts um viere I 43, 369. 44)
wie oben bemerkt wird dat. ohne zugehöriges subst. in der schriftsprache immer flectiert: einer von vieren, zu vieren in einer reihe. ein gesang zu vieren;
daneben: gesang zu vier, zu vier singen Campe;
in der neueren schriftsprache wird hier die flectierte form entschieden vorgezogen. von vieren zu vieren
quaternatim Stieler 2381 (
jetzt in der schriftsprache wohl eher von vier zu vier); ein skat zu vieren; z'fierne uströsche Hunziker
aarg. wb. 86; sy kamen und brachten zuo im ein litsuchtigen: der do wart getragen von viern
erste deutsche bibel 1, 125 (
Marc. 2, 3); eine partie von vieren zum soupe Möser
sämtl. werke (1842
ff.) 3, 44; man stieg zur mooshütte hinunter, und sasz zum erstenmal darin zu vieren Göthe 20, 85
Weim.; ungewöhnlich: von einem hier zu vier gedeckten tisch Fontane I 5, 158. 55) mit vieren
für mit vier pferden: er färet mit vieren Stieler 2381; du wirst mit vieren kutschieren, man wird dich bei hof präsentieren Heine 1, 293
Elster; in Norddeutschland sagt man auch viere lang fahren
d. h. je zwei pferde hintereinander angespannt, oder viere breit
mit vier pferden nebeneinander. andere ellipse: er rfft den vieren (
sargträgern), heb auff
d. h. er wird bald sterben Franck
sprichw. 2, 57
a. 66)
steht vier
vorm plural eines subst., diesen der zahl nach bestimmend, wird es im entwickelten nhd. nicht flectiert: quadriduanus begraben vor vier dagen Diefenbach
gloss. 476
a;
quadrassis vier haller wert 475
c; vier eyngeschirrte oder eyngesetzte rossz Maaler 447
d; ye vier pfennig
ibid.; ausz hundert schillingen vier machen
oblimare rem Frisius
dict. (1556) 892
b; in vier orten erscheinen Steinbach 2, 895; do gieng Esopus vier stapfen hin uff zu dem bild Steinhöwel
Äsop 61
lit. ver.; und legten also die vier meilen glücklich zurücke Weise
erzn. 23
neudr.; unter vier wochen geh ich hier nicht weg Göthe
briefe 27, 141
Weim.; meine wiesen zu hause, die vier jahre von fünf immer unter wasser stehen Fontane I 5, 136. 77)
die stellung des zahlworts nach dem plural, den es bestimmt, ist im entwickelten nhd. in der prosa ungebräuchlich; ein besonderer fall ist die wendung ein tage vier,
s. unten 8 p.
in nachstellung, aber getrennt von subst., in flectierter form: leere hände haben wir schon viere Göthe 21, 65
Weim.; wie in prädicativer function: vier sind die pausen nächtiger weile, nun ohne säumen füllt sie freundlich aus Göthe 15, 3
Weim.; das subject steht am anfang des satzes: und sieh! wir waren drei, und vier' und fünf' und sechse 3, 41
Weim. in der gewöhnlichen prosa werden wendungen wie die mündungen des flusses, die eingänge zur stadt sind vier
vermieden; in gehobener sprache tritt der gen. ein der mündungen sind vier. 88)
häufigere verbindungen von vier
mit einem nominalen plural. 8@aa)
es giebt vier
himmelsrichtungen; aus der bibel stammen vier winde; andere richtung bezeichnende verbindungen schlieszen sich an; vor der entdeckung von Australien sprach man von vier weltteilen. über nl. ausdrücke vgl. Verwijs-Verdam
mnl. woordenb. 9, 436.
vier enden der welt: nun hört zu all vier eck der erden, ja jhr vier welt hört zu on bschwerden Fischart 1, 229
Hauffen; welche streitbar, gerecht und milt mit frids und kriegs löblichen thaten des umbkraises vier eck erfüllt Weckherlin
ged. 1, 106
lit. ver.; des höchsten wort, sich durch der welt vierecken auszströckend 2, 145; heischen an vier orten der welt Grimm
rechtsalt. 4 1, 290; von den vier ortern des erdreichs
Jes. 11, 12; undir fjórum himinskautum Fritzner
ordbog 1, 431
a; leg iz (
das kreuz) nidar holdaz —iz zeigot imo iz allaz fiar halbun umbiring.allan thesan woroltring Otfrid 5, 1, 32; sprengte weihwasser nach allen vier weltgegenden Schiller 4, 215
krit. ausg. die vierzahl wird dann gern auch in anderer weise zur bezeichnung von begrenzung und richtung angewendet. auszerhalb der vier wälde Grimm
rechtsalt. 4 a. a. o. Fritzner
a. a. o. vier
strassen, vier wege
fassen alle richtungen zusammen. ich weise dich hinaus in die vier strassen der welt Fischer
schwäb. wb. 2, 1471;
manumissio in quadriviis Grimm
rechtsalt. 4 1, 290; dasz ich den schelmen an vier straszen solte auffhencken lassen Moscherosch
gesichte (1666) 52;
daher die vierteilung.
altnord. fjǫgurra vegna
nach allen richtungen. vier
winde: und darnach sah ich vier engel stehen auf den vier ecken der erde, die hielten die vier winde
offenb. 7, 1; von allen vier ecken der welt wähen die vier gewaltigste wind Sebiz
feldbau (1579) 6; die vier hauptwinde Frisch 2, 401
a; inti gisamanont sine gicoranon fon fior uuinton
Tatian 145, 19; und sie werden samlen seine auszerweleten von den vier winden
Matth. 24, 31; wind, kom herzu aus den vier winden
Ezech. 37, 9; nun stand Gockel auf und hieb mit seinem grafenschwerdt nach allen vier winden Brentano
ges. schr. (1852) 5, 79; viere winde disir werilte in dem michilin meri vehtinde
Annol. 183. in meinen staaten liegen die vier winde Schiller 5, 1, 53
krit. ausg.; entweihten staub in die vier winde streun 43. vier weltteile: abbildungen aller vier welttheile Göthe 24, 69
Weim. 8@bb)
haus und hof wird bezeichnet durch vier
wände, ecken oder pfähle (Grimm
rechtsalt. 4 1, 290. 291); innerhalb der vier wände, vier pfähle
im hause, bes. mit betonung des eigenen: in seinen vier wänden, pfählen
u. ä.; sa skil hi kuma et thera fiuwer hernana hwelik Richthofen
fries. rechtsquellen 77, 31; vier pfähle
bezeichnet eigentlich nicht das haus allein, son dern haus und hof s. oben bd. 7,
sp. 1597; Schiller Lübben 3, 293
a;
in neuerer sprache oft ganz verblaszt, vgl. unten die stelle aus Raabe; vier ecken eines hauses
in einem zimmermannsspruch Fischer
schwäb. wb. 2, 1471; (
der wind) stiesz auff die vier ecken des hauses
Hiob 1, 19; ein ietlicher sol frid haben in seinen vier pfelen
Eulenspiegel (1515) 37
neudr.; wenn der abend kömmt, und er sich in seine vier pfähle verfügt hat J. E. Schlegel
werke 3, 365; (
haus) an den vier ecken anzünden Schiller 4, 154
krit. ausg.; das sind männer die ihren mann zwischen 4 mauern aufsuchen 3, 31; auszerhalb ihrer vier wände Ludwig
ges. schr. 2, 324; sieht aus seinen wohlgezimmerten vier pfählen in die noch leeren fensteröffnungen (
eines neuen, noch unbewohnten hauses) Raabe
Horacker (1876) 6; Reichenau
aus unsern vier wänden (
buchtitel). vier wände
eines zimmers: er truoc se in sînen hendeu alumb zen vier wenden, unz aber wider zuo der tür Wolfram
Parz. 231, 28. vier steine
zur begrenzung: binna tha fiuwer stenon Richthofen
fries. rechtsquellen 124, 12; Grimm
rechtsalt. 4 1, 291. 8@cc) vier
bänke des gerichts werden formelhaft genannt, daher kann vier bänke
das gericht selbst bezeichnen, die bänke bilden ein viereck
mit zwei öffnungen: klagen binnen ver benken Grimm
rechtsalt. 4 2, 436;
vgl. unten vierschar.
die vierzahl spielte auch sonst im rechtlichen und staatlichen leben eine wichtige rolle, wofür hier nur ausgewählte beispiele gegeben werden: zerbrechen von vier
stäben in vier stücke (de eo qui se de parentilla tollere vult
lex. Sal. lit. 63); vier
gerichte im jahr abgehalten Grimm
rechtsalt. 4 2, 453; die vier
fälle beym kayserl. cammergericht
casus ubi omissa citatione ab executione incipitur Frisch 1, 242
b.
vier gesetzlich zulässige gründe für das ausbleiben bei gerichtlicher ladung: vier sake sint, die echte not hetet: vengnisse unde süke, godes dienst buten lande unde des rikes dienst
sachsensp. 2, 7;
vier männer bezeugen die geburt eines kindes: wirt dat kint levendich geborn, unde hevet de vrowe des getüch an vier mannen de't gehort hebbet 1, 33; vier
heller, vier
pfennige, typischer geringer betrag (Grimm
rechtsalt. 4 1, 291. 530): der bettler kOemet hie zum gewaltigen könige und bettelt also, das er nicht wil das almosen umb sonst von im nemen, sondern im jrgend vier heller oder busse dafr geben Luther 28, 568
Weim.; zur hushaltig g'hören vier pfennig: e zer-, en er-, e wer- und e notpfennig
schweiz. idiot. 1, 922; he en geve em to dem mynnesten 4 witte penninge to verdelaghe Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 237
a.
sehr oft sind beamtete zu vieren
bestellt (die vier,
dorfvorsteher, schweiz. idiot. 1, 923,
vgl. unten vierer)
oder vier personen gleichen standes zusammengefaszt, vgl. unten viermänner, -leute, -herren, -grafen.
diese gruppierung zu vieren
war durchgeführt in der phantastischen quaternionentheorie (vier könige, herzoge, grafen
u. s. w. bis bauern
des Deutschen reichs)
; ebenso vier hauptstädte, handelstädte, weiler, dörfer Vitriarius
instit. juris publici 2, 1125
ff.; Hahn
einl. in d. teutsche staatshistorie (1721) 2, 153
anm. i; vier-grafen, vier-herren, vier-rittermässige Frisch 2, 401
a. 8@dd) vier
jahreszeiten folgen sich im jahre (
frühling, sommer, herbst und winter): verschönerungs-commission der vier jahrszeiten Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 22; vier
zeiten '
gewöhnlich vier um ein viertel jahr von einander entfernte zeitpunkte' ... die vierteljahrzeiten
auch die vierzeiten (
quatember, quartal) Campe;
daran anknüpfend: dat schüt man alle veer tiden
es geschieht nur selten Dähnert
plattd. wb. 516
b (
s. auch unten o);
die kirche bezeichnete mit den quatuor tempora (quatempora)
die vierteljährlich gebotenen drei fasttage (quatemberfasten),
die verschieden bestimmt wurden; vier zeiten
kann auch die vier hohen feste des jahres (
weihnachten, epiphanie, ostern, pfingsten, statt der epiphanie auch andere feste)
bedeuten, gewöhnlich vier hochzeiten: veer tyde, veer hoichtyde Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 236
b; tha fiuwer hachtida Richthofen
fries. rechtsquellen 544, 11;
s. vierfeiertag, vierfest;
quatuor tempora vier fronfasten, vier zijt Diefenbach
gloss. 478
b; vier
tage die ersten vier tage der fastenzeit Schmeller
bayr. wb. 1, 843; Scherz
gloss. 1806; des nechsten donerstags in den vier tagen der fasten
d. städtechr. 3, 301, 19. 8@ee)
die untersten vier weihen werden zusammengefaszt: tha fior wielsan allerec bi twam hundert scillingum Richthofen
fries. rechtsquellen 306, 4. 8@ff) vier
evangelisten, vier
evangelien: also das keiner vor im (
Matthäus) ist in der aufrechnung der vier evangelisten
die erste deutsche bibel 1, 1
lit. ver.; jdoch sein ir allein vier: die haben ein gezeucknisz der meisterschaft. wann worumb sy verkundigen durch die virteil der werlt den glauben der hailigen dreivaltikeit 1, 5; vier
lehrer der kirche: Gregorius, Augustinus, Hieronymus, Ambrosius Scherz
gloss. 1805; die vier
gekrönten (
märtyrer): Severus, Severianus, Carpophorus, Victorinus 1803;
ihr tag ist der 8.
dez.: darnoch die vier gekrönten vin K. Dangkrotzheim
das heil. namenbuch 335.
im Rheinland verehrte man die vier
marschälle gottes (SS. Cornelius, Antonius, Quirinus, Hubertus)
als nothelfer. die vier
ströme des paradieses sind für die dichtkunst und die bildende kunst des mittelalters bedeutsam. für die verwendung der zahl vier
im speculativen sinne ist das gesicht des Ezechiel wichtig (
kap. 1,
hier die vier symbole der evangelisten, vgl. offenb. 4, 6);
die vier
räder (
cant. 6, 11): auch seint sȳ (
die evangelisten) als vier reder
erste deutsche bibel 1, 5
lit. ver.; die vier thiere Daniels, gedeutet auf vier reiche (
kap. 7)
; die vier sacramenta Christi. 8@gg) liber quatuor regum, das buch der
vier könige scherzhaft für das kartenspiel, s. A. Götze in der
zeitschr. f. d. wortforsch. 11, 266
ff. 8@hh) unter vier augen
von einem gespräch, zusammensein zu zweien unter ausschlusz anderer: die männer hätten sie (
Philine) lieber unter vier augen als auf dem theater gesehen Göthe 22, 231
Weim.; wir sind unter vier augen, erwiedert ich Heinse
werke 4, 12
Schüddekopf; ich habe mir die freiheit genommen, sie um ein gespräch unter vier augen zu bitten Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
ff.) 4, 73.
vgl. unten vieraugig.
freier: einiges darinn (
in den briefen) wäre am besten unter vier augen geblieben (
nur dem absender und dem empfänger des briefes bekannt geblieben) Gerstenberg
rezens. 147 (dld); lesen sie, lesen sie! — es ist mein wille, dasz der inhalt nicht unter vier augen bleibe Schiller 3, 471
krit. ausg. ganz anders, unter vier beobachtenden augen: so sicher wie in seinem spritzenhaus ist er unter unsern vier augen gleichfalls aufgehoben (
sagt die pastorin zum staatsanwalt) Raabe
Horacker (1876) 190. vier augen sehen mehr dan zwey Schottel 1145
b; weissest du denn nicht, dasz vier augen mehr sehen, als nur zwey
die discourse d. mahlern 4, 56; vier augen sehn immer weiter, als zwei, das ist mein wahlspruch Tieck
schr. (1828) 7, 259.
mit beziehung auf die sage von der weiszen frau, der gräfin Orlamünde: vier augen sind im wege, so flüsterts aller stege Liliencron
sämtl. werke 7, 151. mit vier augen zum bett heraussehen
niederkommen Fischer
schwäb. wb. 2, 1471. 8@ii) vier
sinne (
statt der gewöhnlichen fünf, vgl. oben sinn II 18 h
β bd. 10, 1,
sp. 1143): wie machts eine weibliche seele, um unter diesem schweren gedanken noch den gebrauch ihrer vier sinne zu behalten Hermes
Sophiens reise 1, 2 (1778). 8@kk) vier
elemente (
aus der griechischen philosophie stammend, feuer, luft, wasser und erde): millionen gewächse trinken von den vier elementen der natur Schiller 4, 55; vier elemente innig gesellt bilden das leben, bauen die welt 11, 376;
geistig: vier elemente sind es, woraus alle geister schöpfen, ihr ich, die natur, gott und die zukunft 4, 55.
die vier complexiones: an im was natûrlich dus der menscheit vîrleiartic vluz, sam ist sanguis, colera phlegma, melancholia (der complexjen vir gezalt), trucken, vûcht, warm und kalt Joh. von Frankenstein
kreuziger 3735
lit. ver. 8@ll)
die vier
fakultäten an den universitäten alter einrichtung: die vier oder fünf fakultäten sind ein längst verwachsener rock Riehl
d. deutsche arbeit 40. 8@mm) vier
farben im kartenspiel, gilt eigentlich nur von den sog. deutschen karten, wird aber auch bei den französischen angewendet: ich habe alle vier farben. 8@nn) vier
buchstaben verhüllend für popo: sich auf seine vier buchstaben setzen.
einige sprichwörtliche oder formelhafte anwendungen mögen sich hier anschlieszen: agere omnia pro suo iure in allen dingen des rechten vier
zipfel haben wollen Bas. Faber
thesaur. (1587) 649
a; wils alls zu sich scharren und schaben, des sacks allzeit vier zipffel haben Waldis
Esop 1, 191
Kurz; das bett an allen vier zipfeln packen
alle vortheile wahrnehmen. vier
hosen eins tuochs
sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 62
b; Schade
sat. u. pasq. 2, 54, 10,
von zwei leuten ursprünglich, die im grunde einander gleich, oder einer so viel wie der andere wert sind: unsere landsleute, wann si zwey ding einander gleich zu sein andeuten wollen, sprechen, es sey gurr ass gaul (gurr als wie gaul: eines wie das ander: vier hosen eines tuchs) Moscherosch
ges. (1650) 43. vier hosen ein tuch Schoepf
tirol. idiot. 789.
scherzhaft: las einn hund sorgen, der darff vier
schuoch, d. h. denke, dasz ein anderer mehr sorgen hat als du sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 38
a (
zu: lasz vOeglin sorgen die haben schmale beynlin,
cor ne edito). 8@oo)
zusammenfassung zu vieren: vier sind klein auff erden, und klüger denn die weisen (
ameise, kaninchen, heuschrecke, spinne)
sprüche 30, 24; vier dingk da nymer kain nutz von kumpt
fastn. sp. 3, 1458
lit. ver.; vier bücher seind im lutherthumb zuo lesen, ein teutsche bibel, practica, fabel Esopi, und kartenspiel Nas
vierte centurie (1570)
im reg., das entsprechend der disposition des buches durchweg nach diesem schema angelegt ist. vgl. Franck
sprüchw. (1545) 1, 79
b,
wo eine reihe von dingen in gruppen von vieren zusammengefaszt werden. vier dinghen sijn op ertrike, die leven herde wonderlike, dat salmander, dat spise negheene en nut sonder dat vier allene, ende dat water de harinc, de stoor de locht, ... ende bi der erden leeft de mol Verwijs-Verdam
mnl. woordenb. 9, 436; der hussege hed 4 stuck: e gnädige gott, e g'sunde lib, es fromms wib und e selige tod
schweiz. idiot. 1, 922;
andere beispiele bei Wander
sprichw. lex. 4, 1639. 1640. 8@pp) vier
erscheint in älterer sprache als typische zahl für eine kleinere gruppe; durch zusammenstellung mit vier (drei vier tage)
oder auch fünf
entsteht unbestimmtheit; vgl. Verwijs - Verdam
mnl. wb. 9, 437; drey oder vier tage Steinbach 2, 895; dat schüt man alle veer tiden
nur selten (
vgl. oben 8 d) Dähnert
plattd. wb. 516
b; uber dreye missetat Damasck und uber vier beker ich in nit
erste deutsche bibel 10, 39 (
Amos 1, 3;
vgl. 6. 9. 11. 13)
lit. ver.; oder als wenn vier oder fünff früchte an den zweigen hangen
Jes. 17, 6; als aber Judi drey oder vier blat gelesen hatte
Jer. 36, 23; ein jeder, der nur drey oder vier auszländische wörter, die er zum offteren nicht verstehet, erwuscht hat Opitz
poeterei 27
neudr.; da er ihn dann noch unter vier oder fünff, dem ansehen nach, trefflichen leuten gefunden A. Gryphius
Horribilicribr. 4
neudr.; dâ bî vind ich schierewol drî oder viere die zallen zîten sint höfsch unde guot
minnes. frühling 109, 6; dûhtez ir einen guot, dâ bî sint vier den mîn leit sanfte tuot 118, 12; etelich ez dâmit heten, der kunic kæme schiere; dâwider jâhen viere, sîn vart wær widergenge Ottokar
reimchr. 84442; und macht ein solch collation vier trOescher mOechtendt mit beston Murner
narrenbeschw. 5, 151
neudr.; durch ein gleiten von eins
bis vier,
entweder unter nennung einer der beiden dazwischen liegenden zahlen oder auch ohne das wird die unbestimmtheit ausgedrückt. das subst. folgt gewöhnlich auf ein: ich habe eyn becher odder vier, die mussen herhalten Luther 29, 601
Weim.; da hab ich sie gepetten mir ain fuder drewe oder viere zu lassen
quellen z. gesch. d. bauernkrieges (1878) 489
lit. ver.; er sei nur ein stündlein oder vier zu biere gewesen Eichendorff
sämtl. werke (1864) 3, 238; wie lange musz er drinnen seyn? ists genug ein tag zwey oder vier? Gryphius
Peter Squenz 28
neudr. zusammengedrängt, das subst. steht im plural zwischen ein
und vier: wir wollen zusehn noch ein tage vier, vielleicht wird's besser bis dahin Grillparzer
sämtl. werke 6, 86
Cotta. so sagt man bei stück
mit erhaltung des alten plurals auf -er: 'n stücker viere (ein stücker viere),
etwa vier stück. so auch: dasz sie in ein tager vieren zu stande kommen soll Lessing 18, 446
Muncker; einmal viere
ein bis viermal: das würstlein ... wann es bald essenszeit war, schlingte es sich einmal viere durch den brei Grimm
kinder- u. hausm. (1812
ff.) 1, 104. 99)
wenn aus einer gröszeren anzahl vier
ausgeschieden und besonders bezeichnet werden sollen, steht der gen. bei der zahl. vier meiner bekannten,
gewöhnlicher in der umgangsprache vier von meinen bekannten.
gewählter noch klingt uns die voranstellung des gen. die ältere sprache bewegt sich im allgemeinen freier, die vorstellung der ausscheidung aus gröszerer anzahl kann ganz zurücktreten. der leigen vursten der sint veir
d. städtechron. 12, 39, 618; hie hat in der selben erden gelegen wol vier ganczer tage
Alsf. passionssp. 2542; dasz Araber an ihrem theil die weite froh durchziehen, hat Allah zu gemeinem heil der gnaden vier verliehen Göthe 6, 12
Weim.; wann der wag fällt, seind der räder vier
sprichwörter schöne weise klugreden (1548) 37
d; der elephanten wurden bald vier under jnen erschlagen und erschossen Carbach
Titi Livii röm. hist. 189
a.
der vorausgestellte gen. hält sich im allgemeinen gebrauch bei unser, euer, ihrer: wir sind unser, ihr seid euer, sie sind ihrer vier.
die vorstellung einer hervorhebung aus gröszerer anzahl ist hier meist ganz geschwunden, es soll nur die zahl angegeben werden, als wenn man sagte wir sind vier, ihr seid, sie sind vier; und seyt des mals daz ir mer seint gewest: die das ewangelium haben geschriben, jdoch sein ir allein vier: die haben ein gezeucknisz der meisterschaft
erste d. bibel 1, 5
lit. ver.; dann stell die hend in beide seitten, als wölstu jrer vier bestreitten
Grobian. 475
neudr.; die heil'gen drei könig' sind kommen allhier, es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier Göthe 1, 149
Weim.; ich und du und des becken kuh und des müllers stier sind unsrer vier Fischer
schwäb. wb. 2, 1471.
in seltnerer wendung, gen. sing.: wern meiner schon gewesen vier wir hetten alle genug gehabt B. Waldis
Esop 2, 30
Kurz. 1010)
in der nachstellung tritt gewöhnlich im nhd. statt des gen. die umschreibung mit von
ein: vier von den genannten schriftstellern;
ebenso sagt man: von seinen töchtern sind vier unverheiratet. vier vom hundert
anstatt von vier procent: ist eine schuld nach gesetz oder rechtsgeschäft zu verzinsen, so sind vier vom hundert für das jahr zu entrichten, sofern nicht ein anderes bestimmt ist
bürgerl. gesetzb. 246. 1111)
verwendung von vier
im rechnen und zählen: in vier gedeilt
quadratus Diefenbach
gloss. 475
c; vier und vier
oder je vier,
auch je vier und vier: je vier
quaterni Dasypodius 448
d; die Illyrier haben jhre schiff je viere unnd viere angeordnet Xylander
Polybius (1574) 74; vier und vier
quaterni Stieler 2381.
man sagt: das ist so gewisz als zweimal zwei vier ist; so überrascht uns das so wenig, wie irgend eine neue bestätigung des alten satzes, dasz zweimal zwei vier sind Hebbel
werke 12, 166
Werner. da vier
zu den geraden zahlen gehört, so heiszt vier nicht grad sein lassen
alles bestreiten, gegen alles widerspruch erheben, schweiz. idiot. 1, 923;
eine verbindung der beiden redensarten alle viere von sich strecken (
s. oben unter 2)
und fünfe grade sein lassen
ist alle viere grade sein lassen
im sinne von sterben; nicht bis vier zählen können
bedeutet: dumm, einfältig sein. 1212)
in der schriftsprache und der umgangssprache der gebildeten ist jetzt bei der zeitangabe die unflectierte form gebräuchlich, während in der lässigen umgangssprache und den mundarten sich die flectierte form hält (
s. oben unter 3): es ist bald vier, um vier sich wecken lassen, es hat vier geschlagen, einhalb-, dreiviertel vier, einviertel vor, auf, nach vier; viertelvier
bedeutet in vielen gegenden ein viertel nach drei.
zu vier
tritt uhr
hinzu: es ist bald vier uhr oder vier Adelung;
durch die eisenbahnfahrpläne ist aufgekommen vier uhr dreissig
u. ä. um veer mit dem klöpper an de dör
um vier pünktlich zur vesper Schütze
holst. idiot. 2, 282; vier uhr morgens, nachmittags; punkt vier uhr flog mit ihm der rapp Schiller 1, 252
krit. ausg.; wie klingen die trompeten hell des morgens um die vier Herwegh
ged. eines leb. (1844) 2, 9. 1313)
wie die andern zahlen und viel
wird auch vier
in verbindung mit -ig,
in älterer sprache mit -icht
zu zusammenbildungen benutzt, die meistens sich an subst. anschlieszen und zunächst die eigenschaft bezeichnen, dasz etwas vierfach gehabt, enthalten wird (vierbeinig, vierzöllig).
dieselben erscheinungen wie bei viel
wären auch hier zu erwähnen (
s. oben viel 4,
sp. 174).
älter sind die bahuvrihibildungen, die durch die adj. auf -ig
verdrängt werden (
z. b. ahd. fierfuozi Graff 3, 736,
ags. fēowerfēte, fiderfēte,
altn. ferfœttr).
das suffix ist jetzt durchaus -ig,
doch hält sich -icht, -igt
bis ins 19.
jh. (
die bildungen auf -et
aus -echt
sind unten einzeln eingereiht).
ableitungen von n-stämmen sind z. b. vierfädig, -knotig, -lappig.
beachtenswerth ist vierstämmig
bei Heine,
das nach vierschrötig,
aber mit rücksicht auf stämmig
gebildet ist, eigentlich keine zusammenbildung; ferner das vereinzelte vierdrittig.
von verben abgeleitet z. b. vierbeiszig, -hebig, -klöbig, -klüftig,
mit passivem sinn; vierhangig, -trappig,
intransitiv; mit verbalem sinn von einem verbalsubst. z. b. viergriffig, -trittig, -ständig,
die aber auch in der gewöhnlichen bedeutung der von subst. abgeleiteten verstanden werden können. schwanken zwischen umgelauteter und umlautloser form findet sich bei einigen z. b. bei vierzahnig, -zähnig, -hornig, -hörnig;
bei anderer differenzierung, vgl. vierspaltig, -spältig, -spannig, -spännig (
umlautlose auf das subst., umgelautete form auf das verb. bezogen),
anders bei vierfaltig, -fältig.
bildungen mit dem plur., stets vierräderig; -blätterig
neben -blattig, -männerig
neben -männig;
nach diesen formen gebildet vereinzelte adj. auf -erig,
z. b. vierschröterig (
s. unten einzeln). -isch
statt -ig: vierelementisch: in die vierelementische grobheit Böhme
schr. (1620) 4, 63.
zwei bestandtheile zwischen vier
und -ig,
s. vierpaarhändig
und vierscharfkantig (
unter vierkantig).
vierartig: vierartige erden (
vier arten enthaltend)
allg. d. bibl. 49, 142,