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grabbeln

nhd. bis Dial. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
7 in 6 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grabbeln vb.

Bd. 8, Sp. 1539
grabbeln, grabeln, vb., die lautgerechte nd. form von hd. grappeln (s. d.), iterativbildung zu nd. grabben (s. d.) wie hd. grappeln zu grappen. mundartl. als grabbeln, grawweln, jrabbeln, daneben auch ablautendes grubbeln, im gesamten bereich des nd. (vgl. die älteren und jüngeren nd. ma.-wbb.) und hier als eine bewegung der finger im sinne von 'tastend greifen, befühlen, umhergreifen, herumwühlen', seltener 'greifend raffen, zusammenraffen' auch der bedeutung nach ausdrücklich von lautlich und begrifflich naheliegendem krabbeln 'kriechen, wimmeln, klettern, kratzen' unterschieden, von dem es fernzuhalten ist. zur herkunft des wortes s. unter 1grappen. vgl. mnl. nl. grabbelen, engl. grabble. 1) grabbeln erscheint im älternd. literarisch nur vereinzelt: den grabbelet men un hölt ab, wat man kan aflangen Lauremberg bei Schiller-Lübben 2, 137a s. v. grabben. das wort, von Adelung vers. 2 (1775) 761, Heynatz antibarb. 2 (1797) 69 den 'niedrigen sprecharten' zugewiesen, wird neuerdings bei nd. autoren literaturfähig, besonders zur bezeichnung eines fingernden suchens: 'was giebt's zu mittag?' 'kumst, geschwenkte kartoffeln und hammelrippchen. soll ich noch ein paar forellen grabbeln?' Fr. Jacorsen in: daheim 31, 214a; er grabbelte in der westentasche und legte drei schwärzliche zündhölzer vor sich aufs deck Frenssen Jörn Uhl (1902) 76; 'jo', brummte Hein Muck (aus dem schlaf geweckt) ... und grabbelte nach seinen stiefeln Gorch Fock seefahrt (1914) 161. in halber übertragung auf ein geistiges suchen, forschen: danach aber erfüllte er (der amtsrichter) treu und gelassen seine amtspflichten oder grabbelte in alten faszikeln und büchern herum Winnig in d. höhle (1941) 54. 2) grabbeln, daneben auch grabeln (wie zabeln, krabeln neben zabbeln, krabbeln), begegnet älter und jünger auch auszerhalb des nd., namentlich in östlichen gebieten des md. und obd.; es ist schwer zu entscheiden, ob sich hier die nd. wortform gegenüber hd. lautgerechtem grappeln, grapeln durchgesetzt hat oder aber, im einen oder andern falle, anlautsvariante von krabbeln (s. d. I e) zugrunde liegt, mit dem grabbeln an einer stelle (s.krabbeln II 4) bedeutungsmäszig ohnehin zusammentrifft. fälle der letzteren art unter den folgenden nachweisen wären dann 2grabbeln zuzuordnen: palpando quærimus, quod non conspicamur mit tappen (grabbeln) suchen wir, was wir nicht sehen Comenius sprachenthür (1657) E 4a; er mag vielmehr nach pferde äpffeln grabbeln, die werden sich nicht pätzig machen, sondern nach gebür stille halten J. Prätorius philos. colus (1662) 190; diese stücklein, die einen daumen breit waren, grabbelten sie mit einem solchen wesen und rufen auf, dasz einem sehen und hören darvon verging Dapper Africa (1671) 606b. die schreibung grabeln, grablen endlich könnte auf vokallänge deuten und auf zugehörigkeit zu grâpeln unter 1grappeln (s. d.) schlieszen lassen: grabelen und grappen, propr. rapere, prehendere, avide attrahere, et metaph. contrectare, manu tentare Stieler stammb. (1691) 688; grappeln, grabeln grappolare cioè atteggiare colle mani libere Kramer t.-ital. 1 (1700) 556b; wo solche unordnung [] und zerrüttung, solcher ungehorsam und offentlicher frevel der kriegsleuthe ursprünglichen herrühre, ist unter den nachsuchenden, hochsinnenden gelehrten ... viel grüblens und grablens Moscherosch gesichte (1650) 2, 546; da Tycho de Brache, der weltberühmte astronomus in Dännemarck, als ein kind noch auff den armen getragen wurde, grabelte er mit beyden händen nach den sternen Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719) 229; awa d' freud unds dakemma weist d' händt ollweil irr; zerst grabelt s' kain schnalln (türverschlusz) aft fahlt s' d' seit an da thür (die mutter, die dem heimkehrenden sohn die tür öffnen will) Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 2, 151. vereinzelt umgelautetes gräbeln wohl auch hierher: ein kleines kind, so mit der hand an seiner mutter brust gräbelte, die daselbst eine tödliche wunde hatte und in letzten zügen lage Sandrart academie (1675) 2, 23. vgl. noch: grb'ln greifen, herumgreifen, herumsuchen Castelli Österreich 146; grabbeln nachdenken, sinnen, durchwühlen, durchsuchen; ergrabbeln erhaschen Loritza Wien 53; grabbeln wollüstig betasten anthropophyteia 2, 8 (id. Vienn. erot.); dazu substantiviert alter grabbler ein mann, der die gewohnheit hat, mädchen unzüchtig anzufassen ebda; in gleicher bedeutung grbler Hügel Wien 69; vgl. auch grabbelaar, -lare woordenboek 5, 528 und sein unzüchtig gegrabel s. v. gegrabel.
4534 Zeichen · 73 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grabbeln

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    * Grabbeln , verb. reg. act. welches nur in den niedrigen Sprecharten üblich, und das Iterativum von greifen ist, oft hi…

  2. modern
    Dialekt
    grabbeln

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Wossidia grabbeln s. MeckWB grawweln .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grabbeln

9 Bildungen · 0 Erstglied · 6 Zweitglied · 3 Ableitungen

grabbeln als Zweitglied (6 von 6)

Begrabbeln

Campe

beg·rabbeln

† Х Begrabbeln , v. trs. oft begreifen, betrasten, befühlen. Hier ruhet in Gott Frau Anne Marie, Die ihres Herren Schreibtisch nie Beschnüff…

Nachgrabbeln

Campe

nach·grabbeln

Х Nachgrabbeln , v. intrs . 1) Gleich einem Andern grabbeln, grabbeln wie er grabbelt. 2) Nach etwas grabbeln, grabbelnd nach suchen. D. Nac…

Umgrábbeln

Campe

Х Umgrábbeln , v. trs . ich umgrabbele, umgrabbelt, zu umgrabbeln , rundum, von allen Seiten begrabbeln. D. Umgrabbeln. D. — ung .

vergrabbeln

RhWB

ver·grabbeln

ver-grabbeln: 1. sich v. a. sich verschlucken, sich verfressen; de Kouhw sall sich wahl get vergrabbelt höbbe Heinsb-Breberen Millen . — b. …

Zergrabbeln

Campe

zer·grabbeln

Х Zergrabbeln , v. trs . durch vieles Grabbeln in gänzliche Unordnung und aus dem Zusammenhang bringen  D. Zergrabbeln .

Ableitungen von grabbeln (3 von 3)

Begrabbeln

Campe

† Х Begrabbeln , v. trs. oft begreifen, betrasten, befühlen. Hier ruhet in Gott Frau Anne Marie, Die ihres Herren Schreibtisch nie Beschnüff…

vergrabbeln

RhWB

ver-grabbeln: 1. sich v. a. sich verschlucken, sich verfressen; de Kouhw sall sich wahl get vergrabbelt höbbe Heinsb-Breberen Millen . — b. …

Zergrabbeln

Campe

Х Zergrabbeln , v. trs . durch vieles Grabbeln in gänzliche Unordnung und aus dem Zusammenhang bringen  D. Zergrabbeln .