grabbeln,
grabeln,
vb.,
die lautgerechte nd. form von hd. grappeln (
s. d.),
iterativbildung zu nd. grabben (
s. d.)
wie hd. grappeln
zu grappen.
mundartl. als grabbeln, grawweln, jrabbeln,
daneben auch ablautendes grubbeln,
im gesamten bereich des nd. (
vgl. die älteren und jüngeren nd. ma.-wbb.)
und hier als eine bewegung der finger im sinne von '
tastend greifen, befühlen, umhergreifen, herumwühlen',
seltener '
greifend raffen, zusammenraffen'
auch der bedeutung nach ausdrücklich von lautlich und begrifflich naheliegendem krabbeln '
kriechen, wimmeln, klettern, kratzen'
unterschieden, von dem es fernzuhalten ist. zur herkunft des wortes s. unter 1grappen.
vgl. mnl. nl. grabbelen,
engl. grabble. 1) grabbeln
erscheint im älternd. literarisch nur vereinzelt: den grabbelet men un hölt ab, wat man kan aflangen Lauremberg
bei Schiller-Lübben 2, 137
a s. v. grabben.
das wort, von Adelung
vers. 2 (1775) 761, Heynatz
antibarb. 2 (1797) 69
den '
niedrigen sprecharten'
zugewiesen, wird neuerdings bei nd. autoren literaturfähig, besonders zur bezeichnung eines fingernden suchens: 'was giebt's zu mittag?' 'kumst, geschwenkte kartoffeln und hammelrippchen. soll ich noch ein paar forellen grabbeln?' Fr. Jacorsen in:
daheim 31, 214
a; er grabbelte in der westentasche und legte drei schwärzliche zündhölzer vor sich aufs deck Frenssen
Jörn Uhl (1902) 76; 'jo', brummte Hein Muck (
aus dem schlaf geweckt) ... und grabbelte nach seinen stiefeln Gorch Fock
seefahrt (1914) 161.
in halber übertragung auf ein geistiges suchen, forschen: danach aber erfüllte er (
der amtsrichter) treu und gelassen seine amtspflichten oder grabbelte in alten faszikeln und büchern herum Winnig
in d. höhle (1941) 54. 2) grabbeln,
daneben auch grabeln (
wie zabeln, krabeln
neben zabbeln, krabbeln),
begegnet älter und jünger auch auszerhalb des nd., namentlich in östlichen gebieten des md. und obd.; es ist schwer zu entscheiden, ob sich hier die nd. wortform gegenüber hd. lautgerechtem grappeln, grapeln
durchgesetzt hat oder aber, im einen oder andern falle, anlautsvariante von krabbeln (
s. d. I e)
zugrunde liegt, mit dem grabbeln
an einer stelle (
s.krabbeln II 4)
bedeutungsmäszig ohnehin zusammentrifft. fälle der letzteren art unter den folgenden nachweisen wären dann 2grabbeln
zuzuordnen: palpando quærimus, quod non conspicamur mit tappen (grabbeln) suchen wir, was wir nicht sehen Comenius
sprachenthür (1657) E 4
a; er mag vielmehr nach pferde äpffeln grabbeln, die werden sich nicht pätzig machen, sondern nach gebür stille halten J. Prätorius
philos. colus (1662) 190; diese stücklein, die einen daumen breit waren, grabbelten sie mit einem solchen wesen und rufen auf, dasz einem sehen und hören darvon verging
Dapper Africa (1671) 606
b.
die schreibung grabeln, grablen
endlich könnte auf vokallänge deuten und auf zugehörigkeit zu grâpeln
unter 1grappeln (
s. d.)
schlieszen lassen: grabelen
und grappen,
propr. rapere, prehendere, avide attrahere, et metaph. contrectare, manu tentare Stieler
stammb. (1691) 688; grappeln, grabeln
grappolare cioè atteggiare colle mani libere Kramer
t.-ital. 1 (1700) 556
b; wo solche unordnung
[] und zerrüttung, solcher ungehorsam und offentlicher frevel der kriegsleuthe ursprünglichen herrühre, ist unter den nachsuchenden, hochsinnenden gelehrten ... viel grüblens und grablens Moscherosch
gesichte (1650) 2, 546; da Tycho de Brache, der weltberühmte astronomus in Dännemarck, als ein kind noch auff den armen getragen wurde, grabelte er mit beyden händen nach den sternen Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719) 229; awa d' freud unds dakemma weist d' händt ollweil irr; zerst grabelt s' kain schnalln (
türverschlusz) aft fahlt s' d' seit an da thür (
die mutter, die dem heimkehrenden sohn die tür öffnen will) Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 2, 151.
vereinzelt umgelautetes gräbeln
wohl auch hierher: ein kleines kind, so mit der hand an seiner mutter brust gräbelte, die daselbst eine tödliche wunde hatte und in letzten zügen lage Sandrart
academie (1675) 2, 23.
vgl. noch: grb'ln
greifen, herumgreifen, herumsuchen Castelli
Österreich 146; grabbeln
nachdenken, sinnen, durchwühlen, durchsuchen; ergrabbeln
erhaschen Loritza
Wien 53; grabbeln
wollüstig betasten anthropophyteia 2, 8 (
id. Vienn. erot.)
; dazu substantiviert alter grabbler
ein mann, der die gewohnheit hat, mädchen unzüchtig anzufassen ebda; in gleicher bedeutung grbler Hügel
Wien 69;
vgl. auch grabbelaar, -lare
woordenboek 5, 528
und sein unzüchtig gegrabel
s. v. gegrabel.