gewunderig ,
adjectivbildung mit frühen buchungen und reichlichen zeugnissen schon aus der litteratur des 16.
jahrh., greift landschaftlich viel weiter aus als das subst. gewunder
und erscheint auch an punkten, die oben nur mit formen ohne präfix belegt waren. solche scheinen für unsere adjectivbildung weniger belegt (
nur wundrig, gwunderig Stalder 2, 459;
vgl. auch H. Fischer
a. a. o.; sonst dafür wunderlich,
s. das folgende). 11)
avidus, gwünderig Frisius (1556) 142
a; gwünderig und begirig etwas zehoren,
aures avidae Maaler 201
d; neuer dingen gwünderig, der gern etwas neuwes hört,
avidus novitatis ebenda; gwonderig, wundergierig Tobler 248 (
vgl. auch der gwonderer, ein neugieriger
ebenda); g'wunderig, neugierig Seiler 157;
dazu vgl. gewunderig H. Fischer
schwäb. wb. 3, 640
und gewunderig, wundergeren Schmeller
2 2, 956; gewunderig, neugierig Unger-Khull 291
a;
dagegen vgl.: ich bin wunderlich, ob ... ich möchte gern wissen, ob ... Martin-Lienhart 2, 839. 22)
auch in den litterarischen belegen überwiegt durchaus die bedeutung von neugierig,
nur bei Auerbach
scheint das adjectiv hier auszuweichen: wenn die ahne in alten zeiten gelebt hätt', wer weiss, ob sie nicht verbrannt wäre', sie hat oft so gewundrige sachen an sich (
dorfgesch.: Luzifer) 3, 160;
vgl. aber 4, 68.
indefinite sätze und entsprechende zielbestimmungen sind hier entgegen dem subst. selten, vgl. aus jüngerer schicht: sie sollten ... von tag zu tag gwunderiger werden nach meinem aufenthalt Gotthelf
leiden u. freuden 1, 101. 2@aa)
in der älteren schicht überwiegen beim absoluten gebrauch des adjectivs attributive verbindungen: 2@a@aα) die nachtigall ist ein torrechter und gwündriger vogel Henslin
Gesners vogelbuch (1557) 181
a; ein gewünderig thier sol der hirʒ sein, einfaltig, so leichtlich erstaunet Forer
Gesners thierbuch (1583) 81
a; dannen här si anfencklichs nit vil nachfragens gehebt habend nach unseren landen, zeerfaren ob auch leut darinn siend oder nit. aber Europa hat allzeit ein gewünderig unruowig volk gehebt, das ... keinen teil der erden mit waaffen unbesuocht gelassen J. Stumpf
Schweitzerchronik (1,
cap. 9) 8
b (1548;
in der ausg. v. 1585: gwünderig;
in der neubearbeitung durch H. J. R. Stumpf
von 1606
durch fürwitzig
ersetzt);
dazu vgl.: da fiel dieser ein, dass der vater mit Uli allein sein wolle, um mit ihm zu reden, und dass er deswegen alles fortschicke, damit die g'wundrigen jungfrauen nicht ihre spitzigen ohren an orten hätten, wo sie nicht sollten J. Gotthelf
Uli der knecht (2) 16
Vetter: vgl. auch 13, 7. 2@a@bβ) Diogenes sprach: wie kumpt, das jr nit mer den jüngling, sonder ietz dan mich beschouwend. wolt jnen ir gwündrige und ungemeisterte natur anzeigen
Diogenes (
Zürich 1551) E 4
b;
dazu vgl.: Anna Mereili machte g'wunderige augen, es ahnte etwas, das es gerne gehört hätte J. Gotthelf (
geld u. geist) 13, 157; (1857)
dazu vgl. gewundernase s. u. 2@bb)
unmittelbare verbindungen mit verbis gehören der jüngeren schicht der belege an: 2@b@aα) aber mehr zu sagen schickte es sich nicht. es wurde natürlich darüber g'wunderig und endlich gelang es ihm, von der einen magd ... zu vernehmen, wie die abrede gewesen J. Gotthelf
Uli der knecht (14.
cap.) 202
Vetter; dazu vgl.: 'wie willst es dann machen?' frug die begreiflich gwundrig gewordene frau (
der oberamtmann) 7, 252; man hat euch g'wundrig gemacht, und von Engländern und Russen, hohen und gemeinen leuten in allen ländern könnt ihr lesen, wie sie sind, was sie treiben 1, V (
bauernspiegel). 2@b@bβ) 'was für e schuel war das' — so fragt si gwunderig weiter J. Breitenstein
's Vreneli 13; die kinder ... hören immer davon und sehen das ganze jahr die spritze nicht, und da sind sie gewunderig froh, wenn sie das einmal am hellen tag ... sehen Auerbach (
Diethelm v. Buchenberg)
dorfgesch. 4, 68. 2@cc)
nur vorübergehend ist hier die substantivierung beobachtet: disz aber mag ein gwünderiger erfaren, so er dise stück (schaf und wolfshaut) zesamen legt Henslin
Gesners vogelbuch 2
a.