walten,
verb. macht über etwas haben, regieren, besitzen, sich einer sache annehmen u. s. w. ein gemeingermanisches wort, das im älteren nhd. nur noch wenig anwendung findet, durch die neuere dichtersprache aber wieder belebt worden ist. II.
herkunft und flexion. I@11)
das wort ist in allen altgerm. sprachen reich entwickelt und nur im got. (
wo aber das neutr. waldufni '
gewalt, macht'
häufig vorkommt)
spärlich belegt: ahd. waltan,
dominari, regnare, protegere Graff 1, 805,
asächs. waldan,
häufiger giwaldan,
die macht wozu haben, gewalt über etwas haben, herrschen, regieren, fries. walda,
gewalt über etwas haben, beherrschen, bestimmen, wofür sorgen Richthofen 1123,
ags. wealdan (
auch gewealdan),
die kraft für etwas haben, macht über etwas haben, beherrschen, besitzen, bestimmen, verursachen Bosworth-Toller 1172,
anord. valda,
die kraft für etwas haben, macht über etwas haben, beherrschen, verursachen Fritzner 3, 844,
got waldan,
regieren, verwalten (
daneben gawaldan,
die herrschaft über etwas haben).
das wort ist auszer dem deutschen auch den andern germ. sprachen verblieben (
nur im ndl. ausgestorben):
engl. wield,
handhaben können (
eine waffe),
lenken, regieren, schwed. vlla,
dän. volde,
verursachen. als grundbedeutung will J. Grimm (
kl. schr. 1, 134) '
lenken und treiben' (
von den thieren einer herde)
annehmen, indem er walten
an wald,
[] anord. völlr '
feld'
anschlieszt, doch besteht sicher kein zusammenhang zwischen den worten. dasz der dental von got. waldan
nicht der wurzel angehört, sondern präsensverstärkung ist, ergibt sich aus dem anord. praet. olla,
entstanden aus *wolþa (
wie got. kunþa '
konnte'
gebildet).
das wort stellt sich so ungezwungen zu lat. valere,
stark sein, wozu tüchtig sein, dazu irisch flaith '
herrschaft',
abulg. vlatŭ '
riese'. Fick 1
4, 541. Walde
lat. etym. wb. 646.
abulg. vlad, vlasti '
herrschen' (
auch in den neueren slav. sprachen lebend),
lit. valdýti '
regieren'
sind wahrscheinlich aus dem germ. entlehnt; sind sie ursprünglich, so führen sie auf eine grundform waldh-
für walten.
eher ist aber verstärkung mit einem t-
suffix anzunehmen, wie auch das eng mit dem verbum zusammengehörige subst. gewalt,
f. m. mit einem t-
suffix gebildet ist. grundbedeutung ist also '
die kraft für etwas haben'.
von derselben wurzel ist wol noch got. wulþus '
herrlichkeit'
gebildet. I@22) walten
geht im wgerm. (
im got. ist das praet. nicht belegt)
nach der klasse der reduplicirenden verba. in der 2. 3.
sing. ind. kommt umlaut vor, der sich aber im ahd. auf das fränkische beschränkt (
bei Otfrid weltis, weltit),
im mhd. überhaupt selten ist (
z. b. im Trierer Silvester 252
und bei N. v. Jeroschin 25221 weldit,
im keyserrecht von 1372
s. 68 weldet)
und im nhd. ganz fehlt. das praet. wielt
kommt im mhd. häufig vor, im 16.
jahrh. erscheint es noch öfter bei H. Sachs
und bei Wickram
in den metamorphosen. auch das starke part. kommt noch zuweilen vor: gewalten Tschudi
chron. Helv. 172
a; verwalten H. Sachs 8, 370, 8.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs 109, 214 (1608).
die schwache flexion tritt zuerst im kreuziger des Joh. v. Frankenstein
auf: praet. walten 4362. 5510. 6086
und bei N. v. Jeroschin:
praet. walte 17128 (
daneben wilt),
auch mnd. walden, wolden Schiller-Lübben 5, 578
erscheint im 15.
jahrh. mit schwachen formen. bei Clajus 112
Weidling wird walten
unter den verben angeführt, die den vocal nicht verändern. IIII.
bedeutung und gebrauch. bei der ursprünglichen bedeutung '
die kraft für etwas, gewalt über etwas haben'
ist es natürlich, dasz das verbum einer ergänzung bedarf. diese wird im got. und anord. durch den dativ, im ags. durch den dativ-instrumental oder genetiv, im asächs. nur einmal durch den dativ, im übrigen durch den genetiv gegeben, wie sonst im deutschen und friesischen. der dativ kann bei personen der echte dativ sein (
der got. auch nach fraujinôn, raginôn, reikinôn '
herrschen'
steht),
bei dingen (
wo im ags. mehrmals der formale instr. belegt ist)
wird es ein alter instr. sein, der auch sonst im indogerm. nach verben des herrschens erscheint (Delbrück
vgl. syntax 1 § 111);
der dativ ist dann durch den genetiv als den gewöhnlichen casus für ergänzende bestimmungen ersetzt worden. walten
mit dem genetiv ist im ahd. und mhd. sehr reich entwickelt, besonders nachdem sich neben dem begriff des gewalthabens über etwas der der sorgfalt für etwas, der hingabe an etwas entwickelt hatte; wie bei pflegen,
mit dem sich walten
mit genetiv vielfach berührt, trat dann oft eine abschwächung der bedeutung ein, so dasz nur die beschäftigung mit etwas, die antheilnahme an etwas ausgedrückt wird. im 16.
jahrh. ist die gebrauchsweise in der prosa schon selten geworden (
besser hält sie sich in der dichtersprache, z. b. bei H. Sachs);
lebendig bleibt sie in einigen festen verbindungen, namentlich handelt es sich um die wendung gott walte es
und ihre nachbildungen, bei denen sich auch ein transitiver gebrauch von walten
entwickelt, vgl. auch walten lassen (4). walten
mit dem genetiv tritt in allgemeinerer verwendung erst in den siebziger jahren des 18.
jahrh. wieder auf und hat in der dichtersprache einen gewissen umfang gewonnen. verbreiteter ist die verbindung von walten
mit über,
die seit dem ahd. vorkommt und da sie Luther
in der bibel verwendet, auch im nhd. üblich bleibt. auch anknüpfung durch mit (
eigentlich von schalten
übertragen)
kommt im nhd. vor. am meisten hat sich aber das absolut gebrauchte walten (
gern mit schalten
verbunden)
ausgebreitet, das im mhd. nur zuweilen in der bedeutung '
herrschen, regieren'
gebraucht wird, später dann auch von abstracten anwendung findet. so kommt es im 17.
jahrh. als dichterischer ausdruck nicht ganz selten vor und scheint auch von der kanzleisprache übernommen worden zu sein, da gewisse [] wendungen wie rücksichten walten (
vgl.obwalten
th. 7, 1127)
doch wol hier ihren ursprung haben. eine eigenthümliche entwicklung hat es in walten lassen
genommen, wo es zu '
gewähren lassen'
abgeschwächt erscheint. im verlauf des 18.
jahrh. gewinnt das wort sehr an boden. während es Klopstock
noch gar nicht, Wieland
nur selten gebraucht, kommt es bei den Göttinger dichtern in aufnahme und ist bei Göthe, Schiller
und in späteren dichtungen sehr beliebt um eine regelnde thätigkeit zu bezeichnen. doch beschränkt sich das wort —
von einigen wendungen und resten älterer gebrauchsweisen abgesehen —
auf die höhere schreibart. so fehlt es auch den mundarten, aus denen nur die verbindung schalten und walten (Hunziker 286. ten Doornkaat Koolman 3, 499)
und die formel das walte gott (Martin-Lienhart 2, 824. Hunziker
a. a. o., bei Woeste 314 god walle uns)
angeführt wird. die verbreitung von walten
im älteren nhd. wird auch durch die wörterbücher wiedergespiegelt. Dasypodius
und Hulsius
haben es gar nicht (
nur verwalten), Maaler
nur in einer bestimmten formel (4,
c, γ).
in den wörterbüchern des 17.
und 18.
jahrh. haben wir zwar z. th. allgemeine bestimmungen, z. b. administrare, libere agere, potestatem habere, valere, posse, facultatem penes aliquem esse. Stieler 2424;
conduire, gouverner, avoir soin. Rädlein 1028
a (
als ungewöhnlich);
dominari, dirigere, gubernari. Frisch 2, 420
a ('
insonderheit von gott und groszer herren regierung');
doch beziehen sich diese definitionen gewisz nur auf bestimmte wendungen, die gewöhnlich folgen und die von einigen wörterbüchern allein angegeben werden. am häufigsten erscheint schalten und walten,
ferner das walte gott
und gott walten lassen;
nur einige geben auch über (ob) etwas walten
und mit etwas walten
an. Adelung
kennt nur schalten und walten, über etwas walten '
herrschen',
eine bedeutung, die immer seltener zu werden beginne und am meisten noch in der theologie vorkomme, und walts gott '
eine veraltete wunschformel'.
dieser für 1770
nicht unzutreffenden bestimmung gegenüber erklärt Campe
unter anführung zahlreicher belege '
am häufigsten gebraucht man es, meist in der höhern schreibart, wie herrschen, regiren,
von welchen wörtern es sich dadurch unterscheidet, dasz es den begriff innerer kraft und gewalt, wodurch man andere oder anderes nach seinem willen bestimmt und anordnet, so wie des sorgens und des schutzes für diejenigen, über welche man gewalt hat, einschlieszt'.
auch das wiederaufkommen von walten
mit dem genetiv kann Campe
feststellen. II@11) walten
mit dem genetiv. II@1@aa)
die ursprünglichste bedeutung des wortes zeigt sich, wenn es auf die physische kraft geht, z. b. auf das vermögen eine waffe zu führen. im anord. kommt es so mit dem dativ, im ags. auch mit dem genetiv vor: ac hi fæstlice wið ða fynd weredon, þa hwile þe hi wæpna wealdan moston.
Byrhtnoth 83.
auch im deutschen kann es von der rein körperlichen kraft zu einer verrichtung gebraucht werden: the (
der gichtbrüchige) was êr sô managan dag liðuwastmon bilamod,ni mahte is lîchamon wiht giwaldan.
Heliand 2302; sowelêr dero fûozo gewaltendo gât (
si quis igitur pedibus incedere valens ambulet), unde anderêr der iro ne gewaltet, mit tien handen asôndo sih peitet kâ
n. Notker
Boetius 4, 8 (1, 237, 8
Piper).
übertragen von den wellen '
in der gewalt haben': er wer gern wider gstanden ab, do fur das schiff schnell von der hab. dann die wellen der ruder wlten, das meer mit gantzen krefften spielten und zogen als mitnander hin. Wickram 8, 113, 809 (
met. 11, 474)
Bolte. II@1@bb)
häufiger ist es '
gewalt über jemand haben, macht über etwas besitzen'. II@1@b@aα) al gizungilo thaʒ istthû druhtin ein es alles bist; weltis thû thes liutesjoh alles woroltthiotes. Otfrid 1, 2, 34; after themo muaseso kleib er (
Judas) Satanase, joh wialt sîn sâr ubar alselbo ther diufal. 4, 12, 40; nehêin unreht ne walte mîn (
non dominetur mei omnis injustitia). Notker
ps. 118, 133;
[] ich ne weiʒ in miner gewaltne weder junge noh alt, der dir si gelich:von diu wil ich, daʒ du nah mir sistder aller heriste, liutes unde lantesdaʒ du sin alles waltes.
genesis, fundgr. 2, 61, 3; er pflac der wâren minne gein ir gar âne wenken. sus begunder sich verdenken, unz daʒ er unversunnen hielt: diu starke minne sîn dâ wielt. W. v. Eschenbach
Parz. 238, 18; er gedachte in den wilen 'deiswar du bist genaden vol unde prediges sere wol ...' die wile in im der itel geist pflac erheben sulchen smouch, do quam er zu im selber ouch und mercte, wie sin valsch wielt.
passional 406, 93
Köpke; der law war bald gefellet, gezamet wie ein lam, er hett sich gerne vorhalten, der teufel must sein walten, gab sich den fürsten mit scham.
geschichtl. volksdichtung Braunschweigs (1545)
in: zeitschr. d. Harzvereins 34, 23; du sihest yhe, das die am ergisten leben, die auff den pabst am hertisten halten, szo walden yhr gewiszlich die hellischen pforten. Luther 7, 686, 19
Weim. ausg. in besonderer bedeutung: noch hâstu werdekeite mêr: du wêre ein maget vil hêr, dô du kûscheit hielde und iedoch brûte wielde. Ebernand v. Erfurt 3054; ob er hundert frowen het gewalden in welden all be sunder, so wer sin keusch ie doch nu wol behalden.
jüng. Titurel 239, 3
Hahn. auch mit reflexivem genetiv: wir wârun io firloranejoh suntôno biladane, ... joh wârun wir gispannan,mit sêru bifangan, mit ubilu gibuntan,ni muasun unsêr waltan. Otfrid 4, 5, 14; wile dû walten dîn selbes (
igitur si tui compos fueris), sô, daʒ tu fortunam in versihte eigîst, sô gwunnest tû, daʒ tu nîomêr gerno neverliusist. Notker
Boetius 2, 25 (1, 84, 16
Piper). II@1@b@bβ) nuo salt du (
täufling) in des namen baden, die den hiemil uof heldit unde der erden weldit.
Trierer Silvester 252
Kraus; Neptunus an eym andren endt sas, welcher dann des meeres wielt; der schlug die erden, das sie spielt, mit seim dreispitzigen tridenten, davon sich alle wasser wenten von der erden schnel inn das meer. Wickram 7, 253, 137 (
met. 6, 75)
Bolte; taʒ tiu sunna ûfen scônero reito rîtendiu den dag recchet, taʒ aber sîn swester Luna walte dero naht (
ut Phoebe imperet noctibus). Notker
Boetius 2, 52 (1, 124, 29
Piper); eʒ enmüge von dînen ellendîn lant den fride hân, ich wils alles walten:und ouch diu erbe mîn, erwirbest dus mit sterke,diu sulen dir undertænec sî
n. Nib. 112, 3; er ist unser vater, he ist unser herre, er hat uns lib und seele gegeben, er waldet allis des wir han.
altd. predigten 1, 213, 28
Schönbach; thisu lêr mînu,wiʒît, nist si mînu; er thera lêra weltit,fon themo ih bin gisentit. Otfrid 1, 16, 14.
so wird es auch von der befugnis zu etwas gebraucht: thir willu ih geban innan thessluʒilâ himiles, thaʒ thû waltês allesthes selben înganges. Otfrid 3, 12, 38; nîoman nezwîvelôt, nube der mahtigoro sî, der natûrliches ambahtes kewaltet (
naturalis officii potens), tanne der ir negewaltet. Notker
Boetius 4, 8 (1, 237, 15
Piper); dâ wâren zehen tûsent burger inne seʒhaft, die fürstenlicher hêrschaft dâ wielten algelîche. K. v. Würzburg
troj. krieg 17423; want bî sîme lebene gînc iʒ im sô ebene, dî wîle er (
der hochmeister) wîlt der meistirschaft, daʒ an rîcheit und an craft der ordin alsô vil gewan ...
N. v. Jeroschin 1047
Strehlke; [] denn dieser verfolgt Aphroditen mit dem grausamen erz, bekannt mit der schwäche der göttinn, welche von denen nicht war, so da walten männlicher kriege. Bürger 224, 6 (
Il. 5, 332); (
andre sich anschlieszende neuere belege s. u. g).
namentlich auch von rechtlichen befugnissen: an themu mârean dage, thar ik allun scalirminthiodun dômos adêlien,than môtun gi mid iuwomu drohtine thar selBon sittienendi môtun thera saca waldan.
Heliand 3517; des kunigs brieve man in las ... daʒ si solden walten ir lantsit und ir alten rebt. Ottokar
reimchron. 1701
Seemüller; si (
die juden) heten des gewaldes nicht, des blûtes urteil vûren noch tôtlich sache rûren, des walten selb die Rômêr und lîʒens nicht ûz der gewer. J. v. Frankenstein
kreuziger 6086
Khull; ein iglich mensche, daʒ zu sinen tagen kumen ist, daʒ mag wol mit recht kiesen einen vormunder, alles deʒ zu walden, deʒ der mensche selber weldet.
keyserrecht von 1372,
s. 68 (2, 33)
Endemann. II@1@cc)
an b)
schlieszt sich walten
als '
herschen, regieren'
an: weltit er (
der fränkische könig) githiutomanagero liuto joh ziuhit er se reineselb sô sîne heime. Otfrid 1, 1, 101; sô châmen áber nórdenan Langobardi únde wîelten Italie mêr dánne ducentis annis. Notker
Boetius prologus (1, 6, 19
Piper); daʒ dort ê undir Moysê und Josuê und andrin richtêrin geschach, dî man der judin waldin sach.
N. v. Jeroschin 700
Strehlke; und dem Alkinoos kohr man zur ehre sie, weil er des reiches waltete, hoch wie ein gott im fäakischen volke geachtet. Voss
Odyssee 7, 11; die einst der welt gewaltet, der riesen ragend geschlecht. Rich. Wagner 6, 193 (
Siegfr. 2), II@1@dd) walten
zeigt sich dann als '
über etwas verfügen können, antheil an etwas haben, besitzen'. II@1@d@aα)
von concretem besitzthum: niuse dê môtti, hwerdar sih hiutudero hregilo rûmen muotti, erdo desero brunnônobêdero waltan.
Hildebrandslied 62; liaʒ inan waltan allesthes wunnisamen feldes. Otfrid 2, 6, 11; Rachel unde Lia sprachen beide, si ne wielten niwehtesire vater guotes, erbes unde schatzes.
genesis, fundgr. 2, 45, 18; swes herzog Fridrich phlac an lêhen und an eigen, des wil ich iu zeigen urkunde von dem rîche, daʒ des eigenliche sol mîn frouwe walten. Ottokar
reimchron. 2253
Seemüller; daʒ si daʒ liebe houbit trut unversert behielten und deʒ mit frouden wielten. H. v. Langenstein
Martina 45, 98; do sprach unser herre (
als er den zinsgroschen gesehen): 'lat den keiser sines bildes walten, und gotes bilde gebet got'.
Schwabenspiegel landrecht2 256, 6
Gengler; denn des grössern (
schatzes) waltet sein vater noch. Lessing 2, 208 (
Nathan 1, 3); nein, Siegfrieds lieb' allein ist, was mich hebt. und sollt' er nimmer eines thrones walten, ich trüge drum nicht minder hohen muth. Geibel 6, 35 (
Brunhild 2, 4). II@1@d@bβ)
von personen: so dugentliche wirdekeit der furste hatte an in geleit, daʒ er sin mit rade wielt unde in also zu meister hielt, daʒ er ime alles nu beval, waʒ von godes gabe sal zu der herschaft hangen.
Elisabeth 4025
Rieger; ach wolgemuete klaine,raine, saineist gen mir dein helffe, gelffe,tapferlich gestalt, waltmeines leibs, unvorchtlich deiner eren. Oswald v. Wolkenstein 28, 33
Schatz; ja lieber sohn, es kost viel gelt, wer allzeit wil im luder sein, nichts anders trincken wil dann wein, wil spieln und schöner frewlein waldn. Ackermann
der ungeratne sohn 461
Holstein. [] II@1@d@gγ)
von der seele, dem verstande u. s. w.: ich wil bi ir beliben, ob si es geruochet; swer mich suochet, dem zeige man mich da, weiʒ got, unt niender anders wa, unz ich der sele walde. R. v. Rotenburg,
minnesinger 1, 76
b Hagen; Schŷron, der hôher künste wielt, lêrt in vil âventiure. in waʒʒer und in fiure wart er ein getürstic man. K. v. Würzburg
troj. krieg 6320; dô dem knappen was geseit alsus ir grôʒiu wîsheit mit sinnerîcher lêre, der witze erschrac er sêre, daʒ ein sô jungeʒ herze wielt sô grôʒer witze, als si dâ hielt. Rud. v. Ems
Barlaam 149, 37; di gevursten phaffen zû einander begunden stapfen, mit samt des volkes alten, di der witze walten. si gîngen vaste dâ zû rât. Joh. v. Frankenstein
kreuziger 5510
Khull; der künec begunde zürnen,dô er daʒ gesach, daʒ si hie heime woltenschaffen ir gemach: 'darumbe wirʒ niht lâʒen,wir müeʒen an die vart. eʒ waldet guoter sinneder sich alle zîte bewart.'
Nib. 224, 7
Zarncke. bei Luther seines sinnes walten '
auf seiner meinung bleiben': wenn du es aber so deutest, das der kaste ... die christliche kirche seye .., das neme ich an, als der schrifft nicht ungemes, wer es aber nicht annemen wil, lassen wir seines synns walten. 24, 179, 5
Weim. ausg.; vom sacrament anbeten und bildnisz zu haben hat E. G. meine meinung troffen. ob aber doctor Andreas, oder sonst jemand anders hält, die lasz ich ihres sinnes walten.
briefe 2, 249. II@1@d@dδ) rates walten '
rat ertheilen können': nû hete der vil stæte einen knecht, der ganze triuwe hielt und ouch vil guotes râtes wielt; der was geheiʒen Heinrich. den nam der herre für sich an eine heimlîche stat, dâ er in sînes râtes bat.
diu halbe bir 130
Wolff; eines rates walten
ist aber auch '
einen rat sich zu nutz machen, annehmen': mins rates soltuo walten und volge zem dritten male mir. H. v. Bühel
Dyocletianus 3696; es seind hie vil würt und gasthalten; so aber ir meins rhodts wend walten, will ich euch zwor ein herberg wysen, so ich thuo für die andren prysen. Wickram 5, 201
Bolte (
verlorene sohn 1357).
ähnlich seines vortheils walten: ich will euch in ein kastn schliesn, denselben in ihr kammer tragn ... da mügt ihr ewers vortheils walten, den kasten aufthun, wenn sie schleft. H. Sachs 12, 46, 27
Keller. II@1@d@eε) êre, prîses
u. s. w. walten '
genieszen': der Persen kuninc hêre, der vil grôʒir êre wielt ubir manich rîche. Lamprecht
Alexander 3304
Kinzel; er den sig da vor behielt und der groʒen ere wielt, die an dem strite im geschach.
passional 95, 4
Köpke; jâ muose prîses walden Condwîr âmûrs: diu truoc den rehten bêâ curs. W. v. Eschenbach
Parz. 187, 20; überwindent ir die vart, kein keiser nie in maneger zît iurs lobes kunde walten.
Lohengrin 4000
Rückert. II@1@d@zζ)
auch bei begriffen wie '
thorheit, armut, krankheit, tod'
wird walten
gebraucht: ob eʒ sô waere, daʒ ich der tôrheit wielte, daʒ ich dich frâʒ behielte. Hartm. v. Aue
Gregorius 2789
Paul; der herberge begunde si bitten. daʒ wîp sprach, si gerne behielte, doh si armuote wielte.
kaiserchron. 1585
Schröder; [] swer niht den niuwen siechtagen zem êrsten dan beginnet jagen und in dâ lât veralten, der muoʒ sîn immer walten. K. v. Würzburg
Engelhard 585; alsus wart er betwungen, daʒ im enzwei daʒ herze spielt, und er des grimmen tôdes wielt.
Silvester 4838. II@1@d@hη) walten
ist überhaupt vielfach nur umschreibend für '
haben': wie die Salzpurgære wurben mit der wal, daʒ si zeinem mâl zweier herren wielten, der si twedern niht behielten. Ottokar
reimchron. 2225
Seemüller; auch wen ich, daʒ frauwen Even gewant lützel bilde hete und valten, der man die frauwen nu siht walten. H. v. Trimberg
renner 22721. '
innehaben, einnehmen': dar nâch keiser Julius satzt, daʒ Januarius walte sînes jâres spitze mit anvang nâch der sunnen litze. J. v. Frankenstein
kreuziger 311
Khull; Claudius auch mit ernst verbeut, dasz niemandt soll zu keiner zeit gröltzen und fürtz im leib verhalten, dasz man nit lang des beths musz walten. Scheidt
Grobianus 1273
neudr. '
die art von etwas haben': nachdem ... solich schiessen des schachzabels doch nicht meisterschafft oder kunst, sonder allein des gelückvals wie andere spil waltet.
Nürnberger polizeiordnungen 54
Baader. II@1@ee) walten
ist ferner, indem sich das bedeutungsmoment der sorgfalt für etwas geltend macht, '
bewachen, behüten': nu heiʒ thes grabes waltan,fora jungoron sînên haltan, thaʒ sie unsih ni biswîchên.tharazua ni firslîchê
n. Otfrid 4, 36, 9; sô hirti ther thâr heltitjoh sînes fehes weltit. 5, 20, 32. unsers vyhes solt du walten und solt im auch das beste thuon. H. v. Bühel
königstochter v. Frankreich 462
Merzdorf. mit bestimmung: sî antwortin in (
den gefangenen) sô hin eime, der dâ undir in der hôste was an wirde, genennit Kantegirde, daʒ in der solde haldin und sîn mit hûte waldin.
N. v. Jeroschin 17573
Strehlke; gevangen sî behîldin und in bandin wîldin des vogetis von Samelant. 25144. '
beschützen': déz tu íro ferte wáltêst (
ut et itinera earum protegas). Notker
Mart. Capella 2, 30 (1, 815, 17
Piper). II@1@ff)
noch mehr ist dies bedeutungsmoment der sorgfalt ausgeprägt, wenn walten
steht für '
sich jemandes annehmen, für jemand sorgen': wil du daʒ ich dir gewinneeine chindammen, diu uns daʒ chint behalteunz iʒ sin selbes walte?
exodus, fundgr. 2, 88, 17; er nam daʒ kindelîn bî der hant, er bevalh in (
var. iʒ) in ir aller gewalt, daʒ si sîn wol wielten.
kaiserchron. 1672
Schröder; sô wart er dâ vil schône gewirdet unde gehalten: vil schône wart gewalten sîn und der künegî
n. Hartm. v. Aue
Erec 7205; und (
er) bat, daʒ si in neme, wand ir wol gezeme bi im ir leben alden. 'wiltu min', sprach si, 'walden, so sende mir nach miner ger ein teil juncvrowen her, die mich zu dir leiten'.
passional 298, 3
Köpke; gott, der herr, werdt heindt zu uns kumen und beschawen unser hauszhalten und wie wir unser (
in der gesamtausgabe 11, 387, 21 unsere) kinder walten, wie wir sie leren, zaffen und ziehen. H. Sachs
fastnachtsp. 52, 42
Götze. eine durch mit
angereihte bestimmung schlieszt sich gern an: daʒ von in (
den pfaffen) der alte sit schône wurd behalten, sô müeste man ir walten mit liebe und mit triwen. Ottokar
reimchron. 884
Seemüller; [] want mich dî wandils vrîe gotis mûtir Marîe ... mit irre craft intheldit und mîn mit hulfe weldit, daʒ ich nicht mag irsterbin.
N. v. Jeroschin 25221
Strehlke. dies walten
mit persönlichem genetiv ist durch Stolberg, Bürger, Voss
wieder aufgebracht worden: die götter walten sein, es lebt dein sohn.
F. L. Stolberg 4, 266; ich bin dir ein bote Kronions, der, obschon entfernt, dein waltet (
σευ κήδεται), dein sich erbarmet. Bürger 194
b (
Il. 2, 27); auch unser walten die götter (
παρὰ γὰρ θεοί εἰσι καὶ ἡμῖν). 212
a (
Il. 3, 440). (Voss: denn es walten ja götter auch unser); wohl, Antinoos waltest du mein (
κήδεαι), wie ein vater des sohnes. Voss
Odyssee 17, 397; zwar auch deiner walt' ich (
Athene) mit hülf' und schirmender obhut (
σοὶ δ' ἤτοι μὲν ἐγὼ παρὰ θ' ἵσταμαι ἠδὲ φυλάσσω), und zu freudigem kampf ermahn' ich dich wider die Troer.
Ilias 5, 809; gieb (
Zeus) nun Ajas den sieg, dasz glänzenden ruhm er gewinne! aber ist auch Hektor dir wert, und waltest du seiner (
κήδεαι αὐτοῦ), gleich dann schmücke sie beide mit kraft und ehre des sieges! 7, 204; der vater aber lass' ihn bitten, dasz um alte freundschaft und gevatterschaft er deiner walten möge, als ein vormund, bis du zu deinen jahren bist gekommen. Immermann 1, 1, 297
Koch (
trauerspiel in Tyrol 5, 7); so mögen mein die götter gnädig walten, wie du mir trauen darfst! nimm meinen eid. Geibel 6, 19 (
Brunhild 1, 5). II@1@gg)
ebenso mit sächlichem genetiv, sich mit einer sache abgeben, sich einer sache befleiszigen, etwas ausüben: unde laʒen sie al ze samene kuomen, jungen unde alden, die der ê undir den juden und undir den kristen walden ... die geistlichen herren die besante her ubir al.
Trierer Silvester 523
Kraus; nâch der lêre (
Christi) wolder streben und wolde ir gerne walten mit werken wol behalten. Rud. v. Ems
Barlaam 134, 35; ir sit ze behalten und mit triwen walten der hantvest âne gunterfeit, des stabte in den eit der erzpischolf Sodomer. Ottokar
reimchron. 44022
Seemüller; diu priesterîn des selben spils, diu der hôchgezîte wielt, diu fuorte sunder unde schielt die frouwen alle nâch ir ger. K. v. Würzburg
troj. krieg 16255; ûf eine burc kam er geriten. dâ was der wirt in den siten, daʒ er urliuges wielt und ouch vil gerne die behielt, die wol getorsten rîten und mit den vînden strîten.
Meier Helmbrecht 655
Panzer; und under ein der rede wielten.
md. evangelienwerk aus S. Paul 59
b (
Schönbach, sitzungsber. der Wiener ak. 137, 154) (
Marc. 9, 9
verbum continuerunt apud se); bedunken recht schat mangerlai, des man in rechten nicht enhielt, wo man der kaiserlichen wielt. Oswald v. Wolkenstein 118, 276
Schatz; ich dacht des nit in dem anfang, das sich die statt so vest wurd halten. wir müssen andrer rathschlag walten. H. Sachs 6, 70, 5
Keller; die anderen priester zusammen begengnusz und das opffer hielten, sehr andechtiges gotsdienst wielten. 21, 256, 40
Keller-Götze; hett man gesetzt siben man, die des kriegs solten walten und die hetten vollen gewalt ze tuen und zu lassen alle ding die dazu gehorten. Zinks
Augsburger chron., d. städtechron. 5, 4; du sagist: das wort gottis sey ein vinster nebel, wir mugen nit (
var.: mügen sein nit) mit unser vornunfft walden, und du waldist doch sein, wenn du das schwerd furist? Luther 7, 641 (
auf das buch Bocks Emsers antwort 1521)
Weim. ausg. [] im mhd. und noch bei H. Sachs
umschreibt walten (
wie pflegen)
mit dem genetiv eines abstractums häufig nur die thätigkeit: der krîe dô vil maneger wielt, swer vor sîner tjoste hielt, 'hie kumt der anker, fîâ fî'. W. v. Eschenbach
Parz. 80, 3; sô daʒ si zwêne bî der zît des grimmen kampfes wielten. K. v. Würzburg
troj. krieg 3601; daʒ wint und wag mit groʒʒen sawʒ deʒ chriegs in luften waltet. Suchenwirt 33, 54
Primisser; die jüngst den rocken hielt. die ander spinnens wield. die eltst den fadn abprach. H. Sachs 4, 414, 10
Keller. der gebrauch der neueren sprache ist etwas freier, da die bedeutung '
gewalt über etwas haben, etwas zur verfügung haben'
sich einmischt: es stand Kypris im kreise, mit goldnem stabe, des kampfes, waltend, siegesentscheiderinn! Chr. Stolberg 14, 118 (
Trach. 516); ich schwör', und meines eides walte Zeus! (
Ζῆν' ἔχων ἐπώμοτον). 14, 154 (
Trach. 1188); kehrete jener (
Odysseus) zurück, und waltete meines lebens (
τὸν ἐμὸν βίον ἀμφιπολεύοι), gröszer wäre sodann mein ruhm und schöner in wahrheit. Voss
Odyssee 18, 254; einer wird den andern hindern seines ackers frei zu walten. Rückert
ges. ged. 5, 99; seid eins und laszt euch nicht verspotten durch priesterzorn und läugnerspott! mag jeder seiner kirche walten, wir glauben all an einen gott. Geibel 4, 410 (
heroldsrufe); nun können wir ungestört unseres wesens walten. Heyne
an Herder (
von und an Herder 2, 238); die guten mächte aber, die meines lebens walteten, hatten es freundlicher mit mir vor. Heyse
jugenderinnerungen u. bekenntnisse 306.
auch '
etwas versorgen',
mit dem genetiv eines concretums: du bist gewesen ein reitersmann, ich seh' es dir an den sporen an, so magst du der pferde walten, die im klosterstalle wir halten. Uhland
ged.2 331 (
Rechberger); im inneren des pavillons aber vor den weitgeöffneten flügelthüren waltete frau Christine des blinkenden kaffeetisches. Storm
werke 7, 328 (
die söhne des senators).
allgemein üblich ist seines amtes walten,
das auch schon früher vorkommt: an des amtis reistir (
register) den eilftin man in zalte, und zwei jâr er sîn walte.
N. v. Jeroschin 17128
Strehlke (
ähnlich 17089); Rudolf, von gottes gnaden römisch deutscher kaiser, entbietet dich auf einen tag nach Nürnberg, dasz du dort waltest deines schenkenamts. Grillparzer 4, 75 (
k. Ottokar 2); und deren amt es war hier trost zu spenden, sie trugen sein zu walten kein begehr. Geibel 1, 232; es gehört zu dem schweren lebensernst der höchstgestellten, dasz sie ihres amtes waltend zwar schmeichel- und schmähreden genug vernehmen. Mommsen
reden u. aufsätze 110.
ähnlich seines standes walten: ihrs stands sie (
die soldaten) treulich walten, streiten ohn furcht und zagen, dasz sie den sieg erjagen. Hoffmann
gesellschaftslieder 142, 2 (1615). II@1@hh)
in verbindung mit substantiven, die charaktereigenschaften bezeichnen, ist walten '
zur geltung bringen, erzeigen, erkennen lassen'
; dieser gebrauch hält sich nur bis ins ältere nhd.: her Gâwein der edel man, der doch nie lasters teil gewan unde aller tugende wielt. Hartm. v. Aue
Iwein 2668; ein grôʒe tugent an im lac, der er wielt unde phlac, daʒ er was ein stam zuhte unde scham. Ottokar
reimchron. 16812
Seemüller; welt ir nu güete walden, sô helfet mir umb eine magt, nâch der mîn herze kumber klagt. W. v. Eschenbach
Parz. 606, 28;
[] wiʒʒet ir diu mære, ob die Rœmære sölicher triuwe wielten, daʒ si daʒ behielten, daʒ ich schaff mit in? Enikel
weltchronik 21653
Strauch; wie zimt der triuwen waltet niht? der muoʒ mit laster haben pfliht.
Schweizer minnesänger 29, 11; manheit unt sterk wielt vil der diutschen künne.
Lohengrin 4436
Rückert; sîn herze grôʒer manheit wielt. H. v. Freiberg
Tristan 1711
Bechstein; sîn herze grôʒer triuwe wielt gein der edelen küniginne. 3227; daʒ si deʒ pesten walden und trew und ere halden. Suchenwirt 30, 263
Primisser; aller eren kan sie walten.
Altswert 4, 14
Holland u. Keller; guoter zúcht soltuo walten, wiltuo mine hulde behalten. H. v. Bühel
Dyocletianus 3665; got man darumb loben sol die gerechter liebi walten. H. v. Montfort 18, 90
Wackernell; mein hertz das tet ich halten, das es muoszt triuwen walten. 25, 96; die grosser trew und freundschaft wielten. H. Sachs 17, 469, 8
Keller-Götze; ja, her vetter, doch rat ich gar, dasz du des streicz dich solt enthalten, sunder aller fürsichtikeit walten. 23, 197, 34; het aber sie (
die mutter) mich hart gehalten, der lieben demut lassen walten und nicht so lassen müssig gehn, so möcht es besser umb mich stehn. Ringwald
christl. warnung (1590) J 1
a. II@1@ii)
bezeichnet das angeschlossene substantiv einen affect, so wird walten
wol zunächst als '
sich an etwas hingeben'
zu nehmen sein, obgleich die gebrauchsweise (
die ebenfalls im älteren nhd. erlischt)
auch von '
besitzen, antheil an etwas haben' (
d)
aus gewonnen werden kann: si kan noch zornes walden gein mir.ouch twinget si des nôt: Cidegasten sluog ich tôt. W. v. Eschenbach
Parz. 606, 4; we, wer wil nu sorgen walten? diu was min gesinde nu vil manigen tak; ine wil ir niht me gehalten, ich bin vro, daʒ ich ir ane wesen mak.
minnesinger 1, 306
b Hagen; ob eʒ der heiden klagte, ringer sorgen er des wielt.
Reinfrid v. Braunschweig 17507
Bartsch; daʒ leit, des wir dô wielten, dô sich die steine spielten und sich diu greber tâten û
f. K. v. Würzburg
gold. schmiede 1981
Grimm; (
die zwei) vreuten sich ir jugent, und reiten von des sumers tugent und wie sî beidiu wolten, ob sî leben solten, guoter vreude walten. Hartm. v. Aue
Iwein 6531; solher fröude er dâvon wielt, daʒ er sich selber kûme enhielt und mohteʒ doch sô niht verdagen, ern muose etewaʒ dâvon sagen. Lamprecht v. Regensburg
Francisken leben 641; pey der andren panier hielt ein man der lützel freude wielt. Suchenwirt 3, 125
Primisser; gott danckten, grosser freuden wielten. H. Sachs 20, 65, 29
Keller-Götze; also er aller kurtzweil wielt und ein fröliche fasznacht hielt. 21, 218, 18; hertzlieb, ihr werts euch nicht beschwern, die hochzeit an dem ort zu halten. da wollen wir all (
acc.?) kurtzweil walten. Ayrer 1641
Keller; (
sie wollte) in zwölff tagen hochzeit halten und mit mir aller freuden walten. 1645.
selten in der neueren sprache nachgebildet: nicht heisz' ich so (
Wehwalt), seit du mich lieb'st: nun walt ich der hehrsten wonnen! Rich. Wagner 6, 30 (
walk.). II@1@kk)
im mhd. verbindet sich zuweilen mit der genetivischen verbindung noch ein dativus commodi: [] daʒ er im den schatz mêrte und in ouch diu buoch lêrte, sîne tavel im behielte und im der schrift wielte, würde er immer ze man, daʒ er læse daran alle dise geschiht. Hartm. v. Aue
Gregorius 748
Paul. so noch bei H. Sachs,
wo aber ein acc. statt des gen. steht: darnach uralt auch bey in starb, dem sie herrlich begrebnusz wielten. 20, 332, 11
Keller-Götze. II@1@ll)
eine besondere entwicklung haben gott walte es
und ähnliche wendungen durchgemacht. II@1@l@aα) walten
von gott gebraucht ist '
sich jemandes oder einer sache annehmen, beschützen': er (
Laban) vragete in (
Jacob) da bi,waʒ sin verte scolte sin? do er im iʒ al gezalte,do bat er sin got walten.
genesis, fundgr. 2, 41, 39; von disen grôʒen sorgen was er vil wol verborgen, dâ sîn got, unser herre, wielt, der in vor dirre nôt behielt. Rud. v. Ems
Barlaam 197, 13; urloup sie da namenund baten ir got walten. die fruht des reinen samenda sprach 'der hohste mueʒ euch wol behalten gesunt und geb uch selden vil und ere'.
jüng. Titurel 1135
Hahn; werffen von üch solch schmoch und spot, dann kleynes heres waltet gott. Brant
narrensch. 99, 166. II@1@l@bβ)
es erscheint besonders in heil- und segenswünschen: louf snel und balde, daʒ din min trechtin walde.
Katharinenspiel 27
Beckers; wolhin, bewar dich got ... got müsz dein allzeit walten. Hätzlerin 1, 13, 110; so thuo ich nit wider mein obrikeit, der lieb got woll ihr walten! Liliencron
hist. volksl. 4, 534, 1 (1546); o ja, ich will christlich streiten, den geistlichen todt gern leiden, das ich dort ewig werd erhalten. nun scheid ich ab. gott wöll sein walten! Ayrer 1763
Keller; ach das sein ewig got musz walten! 2103; dem löwen gab ers (
den raub) gantz und gar bisz auff ein kleines stück fürwar; das thet der fuchsz vor sich behalten. da sprach der löw: des musz gott walten! du bist fürwar ein kluger man. Waldis
Esopus 1, 73, 26
Kurtz; nun mag der fahrt gott walten! Rückert
ges. ged. 5, 57; des musz got walten.
voc. theut. (1482) nn 6
a.
statt gott
wird auch das glück
angerufen: lêret ir mir den sune mîn, ich lône iu des vile wol ... 'nu walte sîn ein vil guot heil' sprach der meister 'frouwe, ich tuo: ich kêre mînen flîʒ dar zuo'. Grimm
Reinhart fuchs 336 (
der wolf in der schule); da wirt din gir gewert,ob du nach iht suechest. gelucke muoʒ din walten,ob du nach werder minne werben ruechest.
jüng. Titurel 1281
Hahn; ach gelück, nun walt sein!
Tristrant 49, 7
Pfaff. II@1@l@gγ)
dem stehen verwünschungen gegenüber, in denen der teufel,
der henker,
das unglück
angerufen wird: II@1@l@g@11)) ganck fort, du rechter geuckelere! was hilffet dich nu die falsche lere? ganck fort, dasz din der tufel walde! ich slage dich, gehestu nit balde.
Alsfelder passionsspiel 3444; ist das üwer eyd und ehr gehalten, so muosz der tüffel üwer walten.
tragoedia Johannis (
Bern 1549) H 2
a; das dein der leydig teuffel walt. Alberus
fab. 7, 30
Braune; back dich, dasz dein der teuffel walt! Ayrer 3065
Keller; das bäuwrlein lieff herzu so baldt und sprach, das dein der henger waldt, hab ich kein andern danck von dir, dann eitel gifft, das gibstu mir? Alberus
fab. 14, 44
Braune; ey, nun walt dein als ungelück, du hast im zu weng geltes geben. H. Sachs 14, 77
Keller; [] ey das musz dein alls unglück walten! hast du unsern herrn erschlagen? mit gleicher laugen wöll wir dir zwagen. Ayrer 1517
Keller (
ähnlich 1443. 1842
u. ö.); jeder sol darauff achtung gebn, dasz er den schützen-brauch thet haltn, oder sein wird was anders waltn. Wolff Ferber
beschreibung eines armbrustschiessens in Dreszden (1610) N 1
a. II@1@l@g@22)) der tiuvel walde dirre vart.
Virginal 894, 11; der teufl muosz des veiols walten.
fastnachtsp. 414, 10; des walt der teuffel inn der hell. Alberus
fab. 9, 74
Braune; der fasznacht msz der hencker walten! Murner
geuchmatt 1034
Uhl; des walte der teüfel, das du mich also vernicht heltest, wölt ich solicher bübrei nach geen.
decameron 460, 32
Keller; der teuffel aber wolte der gedult und senffte, die den glawben sturtzt. Luther 19, 458, 2
Weim. ausg.; des müss ein fist walten! sprach do Triefnas an der stund, do ym die mär so wurden kunt. Wittenweiler
ring 11
a, 27. II@1@l@dδ)
auch in gott walte es
und ähnlichen formeln ist es
eigentlich als genetiv anzusehen: II@1@l@d@11)) dâne was mir niender wê. got der waldes, swieʒ ergê: schœner troum enwart nie mê. Walther 94, 36; hie wil ich mîne reise sparn. got waldes, welt ir fürbaʒ varn. W. v. Eschenbach
Parz. 602, 2; si wellnt nu gein den heiden. got waldes, sît ers alles phligt. der weiʒ nu wol wer dâ gesigt.
Willeh. 313, 29; wand dô diu kunigin vernam und ir süne beide, daʒ ir alsô ze leide bringen wolde der Karlot, si sprach: 'nû walt es (
var.: walt sein) alles got! der mac uns wol ernern. iedoch sul wir uns wern'. Ottokar
reimchron. 5042
Seemüller; gott walts, der uns verlieh den sieg! Ayrer 657
Keller; gehe immer hin, das es gott walt, da wir zu essen finden bald. Rollenhagen
froschmeuseler 2, 2, 5 (Z 5
a); nun musz ich gehen und sehen, ob ich heute was verdienen kan. nu das walte, der es walten kan. A. Gryphius (1698) 1, 768 (
Horribilicribrifax 1); walts gott ist ein gut wort von alters. Schottel 1133 (
sprichw.); seht, dort drüben, dort läuft ein mann, er trägt, so scheint's, ein kind. der herzog ist's.man folgt ihm. ... er springt — er sprang vom felsen — walt' es gott! Grillparzer 4, 276 (
treuer diener 5).
s. auch unten ε) 1)). II@1@l@d@22)) ich wil ime hûte sinen lîb gesunt al hie behalden, sol is gelucke walden. Lamprecht
Alexander 6292
Kinzel; mir wart sîn reise nie sô leit: al ein reit mîn hêr Gâwân von dem her verre ûf den plâ
n. gelücke müeʒes walden! W. v. Eschenbach
Parz. 678, 17; ir theten niemand bescheid, jungfraw fin ... wolan, glücks [
l. glück] wils treuwlich walten.
jahrb. f. Elsasz-Lothr. 5, 100 (16.
jahrh.); ich (
Brangel) solte des getrancks bas gepflegen haben, so aber das nit geschehen ist, so muosz es gelücke walten.
Tristrant 51, 10
Pfaff. II@1@l@d@33))
ebenso in verwünschungen: Meljanz ist sîns bruoder suon: si kunnen bêde hôchvart tuon, der junge und ouch der alde. daʒ es unfuoge walde! W. v. Eschenbach
Parz. 348, 30; fiel mit den ayern ab zwelff staffel, zerfiel die lent und auch die waffel, darzu von solchem schwinden fall zerprachen auch die ayer all ... sie fuer auf, sprach: 'der jarit walcz!' H. Sachs
fab. u. schwänke 2, 255, 110
Götze. II@1@l@eε)
indem das es
dann als acc. genommen wird, kommt die nachbildung das walte gott
zu stande, die vom 16.
jahrh. an nachzuweisen ist. II@1@l@e@11)) das walt gott,
praevio deo. Schönsleder
prompt. Kk 4
d; gott walt es,
sive das walte gott,
in nomine domini, [] deus bene vertat. Stieler 2425; das walte gott!
in nome di dio! Krämer 1207
a; walts gott! das walte gott!
in the name of God! Ludwig 2375; das walte gott! (gott walts!)
dat bestiere de goede god. Kramer 258
c; walts gott!
deus faxit; das walte gott,
hoc deus bene vertat. Steinbach 2, 922; das walte gott, dasz gott walte,
à la garde de dieu, dieu nous garde. Rädlein 1028
a; da sich der feind im felde regt, Leipzig ward bald mit knechten belegt, sprachen: das wolt gott walten! Bastian von Walwitz ir oberster war, der hulf die stadt erhalten. Liliencron
hist. volksl. 4, 551, 6 (1547); ausz keiner herberg reiten sott, sprich alweg vor: ey das walt gott! Wickram 4, 175
Bolte (
pilger 1430); das walt der liebe got! Weckherlin 2, 292
Fischer; (
Eva) spricht: das walt gott, nu habe ich uberkomen den man gottes. Luther 24, 124, 15
Weim. ausg.; das walte gott! Rist
das friedejauchzende Teutschland 96
Schletter (
überschrift der vorrede); alle mahl, wann du siehest einen kecken docthorn in der artzney machen, so dencke also: nun, aber ein newer dokthor! das walte gott, ein newer kirchhoff, dreissig man her! Philander 1 (1650), 172; und da die meisten, wenn sie ihre bäume gesetzt, noch den hut abzogen und 'das walt' gott' sagten, sprang der Karl auch wieder zu seinem baum zurück, zog den hut ab und sagte: 'das walt gott, du liebes bäumchen'. Pestalozzi
Lienhard u. Gertrud3 3, 372.
die wendung wird substantivisch gebraucht: so oft er sich des abends zu bette legte, sprach sie (
die mutter) das 'got walte' über ihn. Moritz
Anton Reiser (1786) 2, 106;
in Nürnberg 's walti '
ein mit walte gott
beginnendes gebet'. Gebhardt 134. II@1@l@e@22))
ähnlich: ey das mues alles gluecke walten! H. Sachs
fastnachtsp. 15, 300
Götze. II@1@l@e@33))
ebenso in verwünschungen: die den wein verschütten werden, lecken ir teil von der erden. das walt sie der vatter.
Garg. 100
a (150
Alsleben); ausz disem esel oder der sau wird eyn binenschwarm entstehn, und also möcht ir das geschlecht unterhalten: das mag sich den S. Luppo walten, der die marter friszt, damit sie kein hüner beissen: oder iszt die hüner, dasz sie kein marter fressen. Fischart
binenkorb 2 (1581) 243
a; dasz musz der teuffel walten! o helfft, ir nachbaurn mein! Ayrer 2903
Keller; das walt tausendt teuffel! Melander
jocoseria 2, 525; das walte der alte teufel in der höllen!
zeitschr. des thüring. vereins 1, 189 (
beschwörung).
namentlich werden auch krankheiten angewünscht: han ich nit vil, das walt der rit! Uhland
volksl. 723; das wird der ritt und falbel walten. Hayneccius
Pfriem 488
neudr.; das muosz die gicht walten. Kirchhof
wendunmuth 1, 428
Österley; dasz müssen siebzehn hundert tausend frantzosen walten, dasz meine braut so arm und ich nichts, als lauter betteley bey ihr zugewarten! Gryphius
lustsp. 148 (
Horribilicribrifax 5)
Palm. II@1@l@zζ)
seltener erscheinen auch andre pronomina und selbst substantiva in accusativischer form. die folgenden beiden belege gehören wol nur scheinbar hierher: an trinken und an eʒʒen er sich in rechter maʒʒe hielt; slaffen, wachen, er da wielt als in der rechten maʒʒe tzam. Suchenwirt 11, 132
Primisser; nu sy die künigl. würde ledig und unbehafft, denn sin gnad gang und stand, schafft und waltet alle ding fry noch siner gnaden gefallen.
quelle von 1488
bei Haltaus 1023.
dagegen liegen vom 16.
jahrh. an sichere fälle vor, die aber vereinzelt bleiben; in neuerer zeit hat nur Jahn
dergleichen: wol an! disz alles musz gott walten! Ayrer 1793
Keller; gott waltet alles,
dei immortalis numine omnia regi gubernarique perspeximus. Nierenberger; der allein alles auch was ie war, ist, wirt sein, erschaffet, waltet, nöhret. Weckherlin 2, 163 (
ps. 107, 2)
Fischer; [] ihm (
Gust. Adolf), der wol schreiben kont was andre walten solten, ihm, der verwaltet stehts was andre schreiben wolten. 2, 276; dasz du mein sach in ungemach durch gnaden waltst und mich erhaltst. Waldis,
Wackernagels kirchenlied 3, 778, 4; Venus ihn selbst die brautlaufft hielt, Pygmalion sehr grosz freid wielt. Wickram 8, 60, 555 (
met. 10, 290)
Bolte; hie aber hats viel ander gestalt, da unser thun gott selber walt. Hayneccius
Pfriem 616
neudr.; lasz nur der frommen seelen heyl den höchsten ob ihr walten. Opitz 2, 213; nur die gerechtigkeitsliebe walte das richteramt. Jahn
volksthum 239; eine sache walten. Krämer 1207
a. II@1@mm)
ganz selten erscheint ein unpersönliches es waltet
mit angeschlossenem genetiv: zum vierdten, mag es keines widerwärtigen zweifels walten, dasz ... sie ... widerwillen damit auf sich laden möchten. Lünig
europäische staats-consilia 1, 736
a (1610). II@22) walten
mit präpositionellen bestimmungen, die die erstreckung der thätigkeit bezeichnen. II@2@aa)
anknüpfung mit über
kommt schon ahd. bei Otfrid
vor, aus dem mhd. läszt sie sich nicht nachweisen, bei Luther
tritt sie auf und nach seinem vorbild hauptsächlich hat sie sich vom 17.
jahrh. an weiter ausgebreitet. nach über
steht ursprünglich nur der accusativ, im 18.
jahrh, kommt der dativ bei Gotter, Bürger, Wieland
vor, während Göthe
und Schiller
überwiegend accusativische verbindung haben; jetzt dürfte häufiger der dativ gesetzt werden. II@2@a@aα)
die bedeutung ist zunächst die von gewalt haben, regieren, bestimmend eingreifen: wir eigun kuning einan,anderan niheinan, joh wânen waltan wollether keisor ubar alle. Otfrid 4, 24, 22; der felsz und kirch, da Christus von sagt, das die hellischen pforten nit sollen ubir sie walden. Luther 7, 686, 21
Weim. ausg.; deine kyrche sol über mein wort walten und hirschen. 28, 25, 12; verhaszte schuldige, geliebte noch! die über mein geschick noch immer waltet! Göthe 7, 303 (
Tancred 4, 2); er (
Jupiter), der mich schuf, er walte über mich! H. v. Kleist 1, 393 (
Amph. 2, 5); so seyd ihr bürgersleute! ihr lebt nur so in den tag hin; und wie ihr euer gewerb' von euern eltern überkommen habt, so laszt ihr auch das regiment über euch schalten und walten, wie es kann und mag. Göthe 8, 201 (
Egmont 2); wer hoch von sich dachte, der griff nicht bei jeder arbeit in der wirthschaft an, er waltete über seinen hausgenossen. Freytag 17, 77 (
bilder 1, 1). das geschick, ein wille waltet: (
ein christ) der es weisz, dasz ein gott leben und tod verhängt und ein ewig weiser rathschlusz über uns waltet. Schiller 1, 04; ein bedeutend ernst geschick waltet über's leben. Göthe 47, 133; zu lange schon erstickt' ich der natur gewaltge regung, weil noch über mich ein fremder wille herrisch waltete. Schiller 14, 19 (
braut v. Mess. 1, 2); ists der verwandten mächtger wille nicht, der über eure hand tyrannisch waltet? 14, 346 (
Tell 3, 2); o wie unbegreiflich ist der wille, der über die menschengattung waltet! H. v. Kleist
briefe an seine braut 206
Biedermann; eine höhere gewalt hat über ihn gewaltet. Dahlmann
kleine schriften 6. über etwas walten '
es bestimmen können': der herr walte darüber nach seinem belieben, nach seinem gefallen,
vous en pouvez disposer. Krämer 1027
a. Rädlein 1028
a; über alles walten,
disposer de tout. Rondeau; endlich so bricht gott rausz, und will darüber walten. Opitz
poeterey 251. II@2@a@bβ)
indem der begriff der gewalt über etwas vor dem der sorgfalt für etwas zurücktritt, ist walten
in dieser verbindung dann '
sich jemandes annehmen, ihn beschützen, für ihn eintreten'
u. s. w.: mit dem zeichen des über uns
[] noch waltenden göttlichen seegens. C.
F. v. Moser
patriot. briefe (1767)
vorrede; man lasze ihm (
dem menschen) zu dieser ersten deutlichen besinnung so viel zeit, als man will: man lasze ... dies gewordne geschöpf sich allmälich sammlen: ... über die ersten momente der sammlung musz freilich die schaffende vorsicht gewaltet haben. Herder 5, 95 (
ursp. d. sprache)
Suphan; das alles erscheinen mir werke einer über die welt waltenden vorsehung zu seyn. Wieland
Lucian 2 (1788), 403; über mich waltet die vorsicht, sonst wär' ich dem tod nicht entgangen. Heinse 1, 99 (
Ardingh. 1); zu sichtbar waltete der himmel über ihnen. Gotter 2, 145; denn immer steht ein gott ihm (
Hektor) bei, und wehrt von ihm den untergang. jetzt waltet über ihm der kriegesgott in menschlicher gestalt. Bürger 165
b (
Il. 5, 604); hätt' Angulaffers ring nicht über ihm gewaltet, ihn hätt' auf einen zug der löw' entzwey gespaltet. Wieland 22, 157 (
Oberon 4, 25, 7). II@2@a@gγ) walten
kann dann eine regelnde, bestimmende thätigkeit bezeichnen: sie grüszte, scherzte und waltete über dem kaffebret, sie sah auf die spaziergänger und hatte noch zeit, prüfende blicke in das innere der tassen zu werfen. Freytag 4, 301 (
soll u. haben 2, 7); zwischen dem markthelfer, welcher die strohhüte schwefelte und den arbeitern, welche über den haasenhaaren walteten, bestand glühender hasz.
verl. handschr. 1, 34; die seit jahrhunderten über den überflusz an süszer milch und butter unbeschränkt gewaltet. G. Keller
nachgel. schr. 129. II@2@a@dδ)
besonders häufig steht die verbindung von abstracten, wo die bedeutung von walten
eine ziemlich verblaszte ist, '
sich erstrecken, einflusz haben'.
vorbilder waren namentlich einige wendungen der bibelsprache, wo walten
aber eigentlich noch in der ursprünglichen bedeutung von '
gewalt haben'
zu nehmen ist: so hoch der himmel über der erden ist, lesst er seine gnade walten (
ἐκραταίωσε κύριος τὸ ἔλεος αὐτοῦ) über die so in fürchten.
psalm 103, 11; seine gnade und warheit waltet über uns in ewigkeit. 117, 2; was gilt es, gnüg und rhu und fruchtbarkeit dazu wird über uns noch walten! S. Dach 874
Österley; gott aber läszt sich unverändert finden, und seine gnad an keinen wechsel binden, die über die in ewigkeit soll walten, die seinen bund und willen heilig halten. v. Canitz
ged. (1734) 178; warlich! wenn ich dich (
den freund) im arm, selbst bey brod und wasser, halte, weisz ich nicht, warum der harm über meine nachbarn walte. sind sie, wie die könige, so arm, dasz sie keinen freund besitzen? Goekingk 1, 135; nicht leicht habe ich mich in einer angenehmen gegenwart gesehen, über welche eine heitere aussicht auf die nächste zeit und die zukunft waltet. Göthe 22, 121 (
Wilh. Meisters wanderj. 2, 6); eine feyertagsruhe waltet über dem ganzen ort. 22, 159 (2, 9); so waltet denn auch über das ganze (
monument) der antike sinn, in dem das wirkliche leben dargestellt wird. 30, 155 (
camp. in Frankr.); wir hatten eine herrliche fahrt nach Chios gemacht. .. wie lüftchen über die meeresfläche, walteten über uns die freundlichen zauber der natur. Hölderlin 2, 88 (
Hyperion)
Litzmann; ich irrte nur, so lange die finsternisz über mich waltete. H. v. Kleist
briefe an seine braut 87
Biedermann; leuchtend waltet ihr (
der groszen toten) gedächtnisz über uns, gestirnen gleich; und in ihrer kraft vermächtnisz fühlen wir uns froh und reich. Geibel 4, 77 (
spätherbstbl.); der geist der ruhe und liebe walte über dich, mein lieber sohn, gott segne dich! Auerbach 17, 139 (
schatzk. 1); gerade in dieser hinsicht hat über den neuesten ausgrabungen ein günstiger stern gewaltet. Mommsen
reden u. aufsätze 291; es war aber dabei ein zwiefacher fehler begangen, der den einflusz des unsterns noch erhöhte, welcher über seinen buchhändlerischen unternehmungen waltete. Niebuhr
kleine hist. u. philol. schriften 1, 43. II@2@bb)
eine geringere verbreitung hat ob einem walten
gewonnen: walten ob einem,
tueri, protegere aliquem. [] Dentzler 2, 341
b; die ob uns waltende, göttliche vorsehung. Pestalozzi 12, 8 (
Christoph u. Else); des herrn (
l. herren) krafft hat wollen ob mir walten, weil ich gerecht, und reine hand behalten. Opitz 3, 35; ja meiner liebe gunst musz ewig ob ihm walten.
psalmen 171;
Rudolf (
zu Ottokar): dasz ihr den friedensengel (
die erste gemahlin) von euch stieszt, die sanft versöhnend ob euch waltete, die rasche gluth mit segenswort besprach und treulich, eine liebe schwester, sorgte! Grillparzer 4, 106 (
könig Ottokar 3); nun walte gott ob den geschmückten räumen und schirme, den die burg als herrn verehrt. Scheffel
frau Aventiure 6. II@2@cc)
anknüpfung durch mit
hat sich besonders in der verbindung schalten und walten
entwickelt (
vgl. theil 8, 2103); womit schalten und walten. Schottel 1440; mit dem seinigen walten und schalten,
dispor de'suoi beni, farne la libera disposizione. Krämer 1207
a; mag ich nicht mit dem meinigen schalten und walten wie ich will? Ludwig 2375; dasz ... er, vermöge seiner göttlichen allmacht damit (
mit dem menschlichen geschlecht) seines gefallens ... schalten und walten kan. Glafay
recht der vernunft3 30; der mit meinem herzen schalten und walten konnte nach willen. Klinger
Otto 31, 23 (II, 2)
neudr. doch läszt sich auch für das einfache walten
die anknüpfung schon seit der späteren mhd. zeit belegen: laszt ihn nur allein damit walten,
you may trust him alone. Ludwig 2375; er walte damit wie es ihm gefällt,
faites en ce qu'il vous plaira. Rondeau; wann also, nach aufgerichtetem inventario, ein erbe sich der erbschaft unterfanget, und mit den gütern als ein erbe waltet, ist er den gläubigern und andern weiter nicht, dann sich die inventirte güter erstrecken, verpflichtet.
der stadt Hamburg gerichts-ordnung und statuta 3, 7, 2; der titel ist gemalt und das papier gefalten, mag nun der liebe gott mit meinem geiste walten, dasz all sein schöpfungswerk in sieben tag verrichtet, an diesem abend noch in worten sei berichtet. Arnim 19, 122; denn nur die holden frauen halten dich (
thee) in der mütterlichen hut; man sieht sie mit dem kruge walten, wie nymphen an der heil'gen flut. Uhland
ged.2 78; ein holder jüngling, sagen uns die alten, erscheint allnächtlich an der ruhestätte, er neigt sich sinnbethörend über's bette, still weisz er mit des mohnes kraft zu walten. Schwab
ged. 1, 42. mit jemand walten:
Pilatus dicit: wie wollet er nu mit em walden? das lat mich vorstehen gar balde! ich finde an em kein sache, die en des todes schuldigk mache.
Sinagoga dicit: herre, du salt mit uns gan und Jhesum an ein crucz han.
Alsfelder passionsspiel 4222; ey habe die pocken und auch die gicht, mit einem mann zu walten, bistu kein fünffzehn jahr noch nicht, wilst solche schantz auszhalten.
Venusgärtlein (1656) 67
neudr.; du muszt mich wohl, (schreyt Hans) um so mit mir zu walten, für einen groszen esel halten! Wieland 18, 382 (
vogelsang). II@2@dd) für jemand
oder für etwas walten
ist selten: lasz deinen vorsatz nicht den krieg zurücke halfen, der höchste wird für uns mit gnaden dennoch walten. Tscherning
vortrab des sommers deutscher gedichte (1655) 39. II@2@ee)
auch das entgegengesetzte gegen etwas walten
kommt im ältern nhd. vor: darumb ists von noten, widder solch hartgewonet und eyngewurtzlete yrthum mit starckstreytenden und durchschneydenden spruchen der schrifft walden und sturmen, wollen vorsuchen, ob wir sie mügen vom plan schlahen. Luther 8, 141
Weim. ausg. (
vgl. auch 3,
b, α, 4)); ihr freyheit nicht zu übergeben, sonder dieselbig zu erhalten und alle, die darwider walten, gar ernstlich straffen und verstossen. Fischart
dicht. 1, 95
Kurtz (
nachtrab 3638). II@2@ff)
auch in etwas walten
gehört z. th. hierher, in fällen wo die locale beziehung zurückgetreten ist z. b.: das die
[] von Eynsidel keinen gottesdienst in pfarren abe geschafft hetten, und sich bisher allein des weltlichen regiments gehalten, dan so sie in den dingen walthen solten, besorgten sie, sie mochten als leihen tzuvil oder tzu wenig thun.
urkunde von 1528
bei Haltaus 1023; gott, eure zuversicht der wird in diesem amt euch klüglich lassen walten. Rist
Parnass 511; in einer sache schalten und walten. Adelung.
auch fälle unter 3
wie im hause, im lande, im volke walten,
können z. th. hierher gezogen werden. II@33) walten
in absolutem gebrauch. II@3@aa)
schon in der alten sprache wird das part. praes. von walten
verwendet, das besonders von gott oder Christus steht: si sprâchen, daʒ wære ain waltender got, der durch sîne liute sô grôʒiu zaichen tæte.
kaiserchronik 10330
var. Schröder; di wenigen juden dahten an die schrift, si vernamen si gotlichen niht, von diu chrouʒʒeten si ir herren, den waltunden Christ der eren. Karajan
sprachdenkm. d. 12. jahrh. 96, 11.
verstärkt allwaltend,
mhd. auch alles waltend: beide zo ruome und zo lobe dem allis waldinden gote. Hartmann
v. glouven 3748
v. d. Leyen. auch in der neueren dichtersprache: diesen (
herrscherstab) gab Hefästos dem waltenden Zeus Kronion. Voss
Ilias 2, 102.
ferner findet sich die verbindung waltende hand: thaz thie selbûn smâhî minin gihugti muazîn iro sîn, mit worton mih ginuagenzî druhtine gifuagen: io sâr in themo fristezi waltantemo Kriste, zi waltanteru hentiâna theheinig enti. Otfrid 5, 25, 92; mit wáltantero hende unde mit hô erhávenemo arme (
in manu potenti et brachio excelso). Notker
ps. 135, 12 (2, 570, 27
Piper).
auch später in der rechtssprache: es sollen dann vor gericht bescheiden werden mögen alle die schuldner, die schaltende und waltende hand und macht haben, sie seyen männer, wittweiber, und die so unter keiner gewalt und aufsicht stehen.
saz- und ordnungen eines (
Züricher)
stadt-gerichts von 1715,
theil 3, § 6.
substantivirt erscheint asächs. waldand,
wie ags. wealdend,
häufig von gott und Christus gebraucht: thâhtun endi thagodun,hwat im thesoro thiodo drohtin weldi waldand selfwordun cûðien.
Heliand 1285.
in ahd. glossen ist waltanti,
arbiter und waltanto,
dominator überliefert. Graff 1, 805.
die verbindung waltantgot (
wie asächs. waldand-god
und ags. wealdend-god): welaga nû, waltant-got,wêwurt skihit.
Hildebrandslied 49.
auch die neuere dichtersprache kennt der waltende
von gott, die waltenden
von den göttern: begreif' ich dich, so hebt aus tiefer noth zu höhern regionen sich dein blick. erstorben ist im herzen eigner wille, entscheidung hoffst du dir vom waltenden. Göthe 9, 374 (
nat. tochter 5, 7); hört denn mein gebet, ihr waltenden dort unten, hört mich an: wenn ihr dereinst, um diesen trotz'gen stamm dahinzustrecken, eines arms bedürft, hier bin ich, Hagen. Geibel 6, 47 (
Brunhild 3, 1).
auch von einem herrscher: welchen mann des volkes er sah, und schreiend wo antraf, diesen schlug sein zepter, und laut bedroht' er ihn also: ... also durchherrscht' er das heer, ein waltender (
κοιρανέων). Voss
Ilias 2, 207. das waltende: wenn das waltende verbrechen zu begünst'gen scheinen mag, so nennen wir es zufall. Göthe 9, 282 (
nat. tochter 2, 1); das waltende und schaffende in dem menschen ist ihm selbst ein tiefes geheimnisz. Arndt
christliches u. türkisches (1828) 89. II@3@bb)
sonst ist das absolut gebrauchte walten
im mhd. noch selten und zeigt sich zunächst in der bedeutung '
regieren',
wird aber im älteren nhd. auch auf abstracta übertragen, daraus scheint frühzeitig in der kanzleisprache (
wie bei obwalten)
eine sehr abgeschwächte bedeutung (
ε)
hervorgegangen zu sein. eine rechte ausdehnung gewann es [] aber erst (
seit etwa 1770)
in der neueren dichtersprache, in der es sehr beliebt wird und überhaupt eine regelnde und bestimmende thätigkeit oder (
bei dingen)
hervortretende wesensäuszerung bezeichnet. II@3@b@aα)
von personen. die wörterbücher bis auf Adelung
weisen auf diesen gebrauch nicht ausdrücklich hin, doch gehört schalten und walten 2.
th. hierher: walten und schalten, gewalten, gewalt haben, herrschen und regieren. Güntzel 825; schalten und walten, wie man will,
agere ad arbitrium suum. Steinbach 2, 922.
daneben: nach eigenem belieben walten,
gouverner tant selon son bon plaisir. Rondeau. II@3@b@a@11))
von gott, einem herrscher: wander sul walden hêrre allinthalbin, wand dem ir mugelich allir dinge gelîch. Hartmann
v. glouven 581
v. d. Leyen; Judas by Pilato da wilt, synin hof her eme schone hielt, daz her allir dinge hatte macht. Rothe
passion 167
Heinrich; Diana rufft ich an mit bgir: 'hab' ich dir gdient, o göttin reich, so wölst du hie erlösen mich!' also Diana trewlich wielt und under mir die erden spielt, dorin verschloff ich schnell und bhend. Wickram 7, 245, 1157 (
met. 5, 621)
Bolte; da hat Steinen ... das land geregiert, geschalten und gewalten, dasz darinne niemand einigen vorteil gehept. Tschudi
chron. Helv. 172
a; also das sie (
die grafen zu Nassau) ... alles was der hohen und nidern oberkeit anhengig verrichten, schalten, walten, thun und lassen mögen ires gefallens.
weisth. 5, 621 (
Pfalz 1555): höre mich dreymalschröcklicher gott, der da oben über dem monde waltet, und rächt und verdammt über den sternen. Schiller 2, 170 (
räuber 4, 5
schauspiel); ewr exzellenz schalten und walten im land. das ist meine stube ... den ungehobelten gast werf ich zur thür hinaus. 3, 416 (
kab. u. liebe 2, 6); selbst wer waltet im volk, Friedrich selbst, verschmäht eichenkränze, die Teuts heiliger barde flocht. Voss 3, 41; soviel' um die felsen von Ithaka walten mit herschaft.
Odyssee5 16, 124; welch ein wort, Kronion, du schrecklicher, hast du geredet! wohl ja erkennen auch wir, wie an macht unbezwinglich du waltest.
Ilias 8, 463; versuche nicht den falschen gott der schlachten. denn blind und ohne schonung waltet er. Schiller 13, 237 (
jungfr. v. Orl. 2, 4); jetzt hebt ein kampf an, wie er, seit die furien walten, noch nicht gekämpft ward auf der erde rücken. H. v. Kleist 1, 171 (
Penthes. 1); nun denn, so walte, Hekate, fürstin des zaubers, ..! sproszt ihr dämonischen kräfte. 2, 132 (
Käthchen v. Heilbr. 1, 1); Eros aber waltet nirgend, wo zugleich nicht Eris schaltet. Rückert
ges. ged. 5, 174. II@3@b@a@22))
sonst von jemand, der eine bestimmende thätigkeit entfaltet (
die art der thätigkeit ist durch zusätze angedeutet): Nürnberg wird die hochzeit halten, Augsburg und Regensburg als brautführer walten. Hartmann
hist. volksl. 1, 64, 4 (1631); den man bisher am Rhein, die reichs-macht zu erhalten. als einen Fabius behutsam sehen walten, wiesz nun, dasz er für sich auch ein Marcellus sey. v. Besser
schrifften (1732) 45; I.
chor: hier ist mein platz. wer darf zurück mich halten? II.
chor: ich darf es thun, ich habe hier zu walten. Schiller 14, 79 (
braut v. Mess. 3, 1); immer noch erklärt für zeitig er sie (
die traube) nicht, wie ich und du; und sie nimmt, es ist unstreitig, noch an innrer güte zu. mag er denn, der winzer, walten. Rückert
ges. ged. 5, 339; denn Audulf, der seneschall, der das amt des truchsessen ... versieht ... auch er ein wackerer kriegsmann, der aber am hofe unter friedlichen schaaren waltet. Freytag 17, 333 (
bilder 1, 6).
namentlich auch von bestimmender häuslicher thätigkeit: alle felder besorg' ich; der vater waltet im hause fleiszig; die thätige mutter belebt im ganzen die wirthschaft. Göthe 40, 308 (
Herm. u. Dor. 7, 59);
[] hört er, mein sohn, wie sie waltet, die herscherin? aber ich musz schon folgsam sein. Voss
Luise 1, 39; und drinnen waltet die züchtige hausfrau, die mutter der kinder, und herrschet weise im häuslichen kreise. Schiller 11, 309 (
glocke); mein soll er Thebens reiche felder alle, ... mein auch dies haus, mein die gebieterin, die still in seinen räumen waltet, nennen. H. v. Kleist 1, 413 (
Amph. 3, 5); mit ihm aber verläszt ... seine tochter das verlorene ahnenhaus, deren vorfahrinnen alle gewaltet, gesorgt und geherrscht haben. G. Keller
nachgel. schr. 162.
die art der thätigkeit kann in einem angeschlossenen infinitiv oder nebensatz angegeben sein: bald sieht man ihn nun walten, die scharen zu gestalten. G. Keller 9, 237; drauf er: der grosze kofta wird walten, dasz euer glaube sich stündlich mehre.
neuer froschmäusler bei Campe 5, 562
a. II@3@b@a@33))
oft ist die bedeutung eine abgeschwächte, so dasz walten
nur ist '
sich als etwas bethätigen, seinem wesen entsprechend thätig sein',
entweder in dauernder lebensführung oder bei einer bestimmten gelegenheit: nun herr Bod' hat in der welt gottes lieb' und gunst erhalten: o wie glücklich kan man walten, wenn man gott allein gefält! Rist
Parnass 105; so teütsch, so tugendlich, so christlich sol man walten, so musz die liebe sein, so sol man freündschaft halten. 678; wer gott ahnet, ist hoch zu halten, denn er wird nie im schlechten walten. Göthe 2, 258; so sahst du sie in frohem tanze walten, die lieblichste der lieblichen gestalten. 3, 25; kommt laszt uns alles drucken, und walten für und für; nur sollte keiner mucken der nicht so denkt wie ihr. 3, 267 (
zahme xenien); es ging mir schlecht. sollten da strenge mannszucht halten, durften nicht recht als feinde walten. Schiller 12, 26 (
Wallenst. lager 6); sie sind begraben alle, mit denen ich gewaltet und gelebt. 14, 314 (
Tell 2, 1); frei auf deutschem grunde walten laszt uns nach dem brauch der alten. H. v. Kleist 3, 380 (
Germania an ihre kinder); und überall im reichergosznen leben ... hast du (
Göthe) die grosze lehre nur gegeben, im eignen kreise müsse jeder walten. Platen 60 (
verm. ged.); denn wiszt, ich hege für Berlin im herzen einen kleinen groll: viel edle männer walten dort; doch ist der grosze haufe toll. 292 (
Oedip. 3); noch waltet am ererbten heerde der deutsche bauer schlicht und stark. Geibel 4, 231; in den grenzen ihres reichs will ich sie (
die jugend) halten, dasz ihr kein verderben nahe. da aber soll sie mir walten jezt und immer in ungestörter freiheit. Schleiermacher
zur philosophie 1, 419; Marwitz waltete in Friedersdorf, dem bedeutenden rittergute seines bruders. Varnhagen
denkwürdigkeiten 3, 23; die norwegischen geschwornengerichte, welche bei den Norwegern sowohl in bürgerlichen als peinlichen fällen walteten. Dahlmann
kleine schriften 364; mehr als jedes andere volk hat der Deutsche sich haus und hof, flur und wald mit dem vertrauten oder beschwerlichen volk kleiner geister belebt, die geschäftig um ihn walten. Freytag 17, 63 (
bilder 1, 1); nie ist die tagesliteratur voller und wichtiger gewürdigt worden wie von diesem zugleich mit allem sinnen und sehnen im klassischen altertum waltenden kenner. Mommsen
reden u. aufsätze 119. II@3@b@a@44))
in einer ursprünglich nd. quelle findet sich walten
für '
gewaltthätig sein',
wofür sonst gewalten (
s. th. 4, 1, 5100)
üblich ist: die Wende ... überfillen Jütland. ... als sie nhun in Jütland so waldeten und eins nach dem andern gewunnen und zerstoreten. Kantzow
chronik v. Pommern (
letzte bearb.) 14
Gäbel. II@3@b@bβ)
von gegenständlichem gebraucht, hat walten
meistens —
indem das unbelebte persönlich aufgefaszt wird —
die bedeutung '
herrschen, bestimmend sein':
[] aber seht, der himmel bläuet sich; die sonne herrschet allgewaltig und die auen duften. schwindet, holde kinder schöner jugendträume, schwindet! nur die sonne steig hinauf und walte. Herder 29, 84 (
der regenbogen)
Suphan; drum fort von hier, wo rauh und scharf die baltischen winde walten! Gottschall
neue ged. 13; frühling waltet im gefild. Uhland
ged.2 284; da liegen sie alle, die grauen höhn, die dunkeln thäler, in milder ruh; der schlummer waltet, die lüfte wehn keinen laut der klage mir zu. 14; eine undurchdringliche tabaks-atmosphäre waltete in dem zimmer. Gutzkow 7, 330 (
Blasedow I).
ferner —
symbolisch aufgefaszt — das scepter waltet, das schwert
u. s. w. waltet: bis endlich éin parlament sie brüderlich vereint, éin scepter waltet durch die ganze insel. Schiller 12, 433 (
Maria Stuart 1, 7); lasz schwerd und blösse walten. S. Dach 256
Österley; und ein richter war wieder auf erden. nicht blind mehr waltet der eiserne speer, nicht fürchtet der schwache, der friedliche mehr, des mächtigen beute zu werden. Schiller 11, 382 (
graf v. Habsburg); in einer liste (
von ministern), welche dem könig vorgelegt wurde, fand sich auch mein name; wie mir ... Gerlach erzählte, hatte der könig dazu an den rand geschrieben: 'nur zu gebrauchen, wenn das bayonett schrankenlos waltet'. Bismarck
gedanken u. erinnerungen 1, 50.
ähnlich das auge waltet: rings um dich her die mägd'; und wie dein auge im kreise waltet, tanzt die spindel rascher und wie beflügelt springt das weberschiff. Geibel 6, 88 (
Brunhild 4, 5); doch allzuselten seh ich dich erscheinen, und wenn ich rings das auge lasse walten, vermiss' ich stets die liebste der gestalten. Platen 102 (
son. 69). die feder waltet '
gestaltet, schafft': der sinn ergreift und denkt sich was, die feder eilt hiernach zu walten: ein flüchtig bild es ist gefaszt, allein es läszt sich nicht erhalten. Göthe 3, 291 (
zahme xenien III); auch hätte Herder in seinem früheren vigor, um diesen preis zu gewinnen, wohl noch einmal zu einem faszlichen resumé seine feder walten lassen. 31, 187 (
tag- u. jahresh.); horch, wie scherzend, horch, wie klagend, und das herz von hinnen tragend, Mischka's wundergeige waltet. Lenau
ged. 2, 420.
bei Fischart der leib waltet: sintemal je ein artzet soll krancken auff all weg rahten wol und sonderlich das gemt frisch halten, so wird der leib selbs naher walten.
dicht. 3, 82, 12
Kurtz. II@3@b@gγ)
die bedeutung '
herrschen, bestimmend, maszgebend sein'
tritt auch meist noch deutlich hervor in wendungen wie das glück waltet (
auch mit persönlichem dativ), unglück waltet, die natur waltet, kräfte, triebe walten, gesetz, recht waltet, der geist waltet, worte walten: ob nun das glück beydn nicht wil waltn, thun wir uns doch beyd zsamen haltn. Sommer
aenigmatographia rythmica B 7
b; der alte künstler horcht nur auf, läszt seinen knaben auf den markt den lauf, feilt immer fort an hirschen und thieren, die seiner gottheit kniee zieren; und hofft, es könnte das glück ihm walten, ihr angesicht würdig zu gestalten. Göthe 2, 203; ich und die geselle mein wellen den vortrit vor im pehalten; es well dann unglück walten, so komen wir auch und springen empor.
fastnachtsp. 419, 5; es solte dann ungeluck walden, unsre iegliehe kan iren man wol halten. 490, 27; der unverrückte schlusz der götter waltet hier. J. E. Schlegel
bei Campe; ein finster furchtbares verhängnisz waltet durch Valois geschlecht, es ist verworfen von gott. Schiller 13, 204 (
jungfr. v. Orl. 1, 5);
[] sie fragte mich, wie die natur auf ihren wegen walte? und ob die möglichkeit einer unwissenden empfängnisz vorhanden sei? H. v. Kleist 3, 140 (
marquise v. O.); wann die natur will knüpfen und erbauen, dann liebt in stillen tiefen sie zu walten; geweihten einzig ist vergönnt zu schauen, wie ihre hand den frühling mag gestalten. Uhland
ged.2 158; wenn ein allgemein waltender mechanismus der natur eingeräumt wird. Kant 7, 309; wo rohe kräfte sinnlos walten, da kann sich kein gebild gestalten. Schiller 11, 317 (
glocke); und was in dem salze für kräfte walten. Göthe 11, 339 (
was wir bringen forts. 5); nun aber waltet ganz gewisz im innern erdenspatium pyro-hydrophilacium, damit's der erden oberfläche an feuer und wasser nicht gebreche. 4, 385 (
zahme xenien VI); lasz in dir die ew'gen kräfte walten, wie im gras die blumen sich entfalten, lasz es blüh'n aus deiner brust. Rückert
ges. ged. 5, 297; der trieb der selbsterhaltung, der durch alles leben waltet. Jahn
volksthum 310; im frühjahr, wenn neuer schusz und trieb in baum und strauch waltete, sasz Audifax vergnüglich drauszen und schnitt sackpfeifen aus dem jungen holz. Scheffel
Ekkeh. 100; dan obwol dein wort und gesatz in der welt solten walten. Weckherlin 2, 116
Fischer (
ps. 31, 26); nicht sazungen, die heute walten durch stimmenrecht und morgen alten. Voss 5, 162;
Montgomery (
zu Johanna). erbarme meiner jugend dich! ... o bei der liebe heilig waltendem gesetz, dem alle herzen huldigen, beschwör' ich dich. daheim gelassen hab' ich eine holde braut. Schiller 13, 242 (
jungfr. v. Orl. 2, 7); gleichwohl ... sind diese gesetze, um welche du dich nicht zu kümmern vorgiebst, die waltenden und herrschenden. H. v. Kleist 3, 286 (
der zweikampf); dazu sind die erkannten gesetze, die in der himmlischen sphäre walten, vielleicht am bewundernswürdigsten durch ihre einfachheit. A. v. Humboldt
kosmos 4, 5; während das ceremoniell so durch den ganzen oberhof waltete, waren auf dem zimmer ... zwei junge leute ohne alles ceremoniell beisammen. Immermann
Münchh.2 3, 21; deiner mutter leichnam dorten, neben ihm das freche haupt der verbrecherin des opfers waltender gerechtigkeit! Göthe 3, 14; ein freundlich gastrecht walte von dir zu uns. 9, 97 (
Iphigenie 5, 6); jetzt walte das recht, und der fluch werde erfüllt. Görres 2, 119 (1814); das ist ein fall, wo keine gnade stattfinden kann, hier musz die strenge des gesetzes walten.
F. O. Schwarze
bei Flathe
deutsche reden 2, 71; hier ist wohlthun! es waltet ein guter geist.
F. H. Jacobi
werke 1 (1812), 259; auch wo ich stehe, soll man in fremdem licht die heilgen flammen brennen sehen, den abergläubigen knechten der gegenwart eine schauerliche mahnung, den verständigen ein zeugnisz von dem geiste der da waltet. Schleiermacher
zur philosophie 1, 391 (
monologen); diese vier menschen, in welchen ohne zweifel der böse geist walten müsse. H. v. Kleist 3, 258 (
heil. Cäcilie); darumb sol hie S. Pauli spruch walten, das reich gottes ist nicht essen und trincken, sondern gerechtigkeit, friede, und freude im heiligen geist. Luther 3 (1560), 273
a; soll dieser fluch denn ewig walten? soll nie diesz geschlecht mit einem neuen segen sich wieder heben? Göthe 9, 73 (
Iphigenie 4, 5). II@3@b@dδ)
mehr verschwimmt der ursprüngliche bedeutungsgehalt, wenn es von begriffen wie gnade, friede, güte, bosheit, feindschaft
u. s. w. (
vgl. 2,
a, δ)
heiszt, dasz sie walten;
dieser gebrauch wird durch personificationen eingeleitet, wo walten
noch als '
herrschen'
zu nehmen ist: vrow Tzucht in groʒʒer tugende wielt, die sprach an als getäusche tzu einer maget chäusche ... Suchenwirt 30, 36
Primisser; [] sehent also kan hoffart walden, hude uf und morne abe. Liliencron
hist. volksl. 1, 63, 624 (1430); damit der arme recht behalt und in der welt die warheit walt. G. Werner,
Fischers kirchenlied 3, 37, 3; so hat denn dein erbarmen, das alles lindern kann, gewaltet und mir armen den treusten dienst gethan. P. Gerhardt 333, 23
Gödeke; den könig denk' ich kriegerisch gerüstet an seines heeres spitze schon zu finden, und find' ihn — hier! umringt von gaukelspielern ... und der Sorel galante feste gebend, als waltete im reich der tiefste friede! Schiller 13, 189 (
jungfr. v. Orl. 1, 1); ein heiliger friede webt und waltet auf blum' und baum, auf see und au, und lenz, der schöne jüngling, schaltet mit seinen lüften mild und lau. Immermann 11, 280
Hempel; so knieet mir und schwöret, urphede treu zu halten, nicht wird zum zweiten male statt rechtes gnade walten. Schwab
ged. 2, 171; durch die kleinsten theile seines (
des künstlers) gebildes waltet dieselbe liebe, welche die gröszten verherrlicht. Mundt
moderne lebenswirren 158; über's niederträchtige niemand sich beklage; denn es ist das mächtige, was man dir auch sage. in dem schlechten waltet es sich zu hochgewinne, und mit rechtem schaltet es ganz nach seinem sinne. Göthe 5, 106 (
Divan); widerwärtig gemäkel waltet nimmer allhier. Voss 5, 93; wie! sollt' ich's ruhig ansehn, dasz gift und läst'rung treffe solchen freund, der uns so nah? gewisz! hier waltet trug.
Shakespeare, maasz für maasz 5, 1; das gute räumt den platz dem bösen, und alle laster walten frei. Schiller 11, 318 (
glocke); es lag die welt in grimmem kampf zerspalten, und zu der heere keinem konnt' ich stehen; hier sah ich wahnsinn, dort verstocktheit walten. Geibel 3, 37 (
neue ged.); wie viel feindschaft auch zwischen der priesterschaft und den geistlichen ritterorden waltete. Gutzkow
ritter vom geist2 1, 99.
von freude, schmerz, inneren eindrücken u. s. w.: da spiel, gesang und seiten-klang und freuden ewig walten. S. Dach 257
Österley; dein bericht ist mächtig, bangen zweifel aufzuregen, und dasz ein leid hier waltet, scheint gewisz. Geibel 6, 51 (2, 2) (
Brunhild); treu gefühl und frommer dank walte durch die seelen. Göthe 47, 133 (
festged.); es schwinden jedes kummers falten, so lang des liedes zauber walten. Schiller 11, 16 (
macht des gesanges); zu würdiger umgebung deines bildes, wie es mir immerfort im geiste waltet, wählt' ich in tagen wo der frühling schaltet des gartens blumen, blumen des gefildes. Göthe 4, 87; ihr naht euch wieder, schwankende gestalten! die früh sich einst dem trüben blick gezeigt. ... ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten. 12, 5 (
Faust, zueignung v. 5); kein mensch vermag das geheimnisz, das in ihr waltet, ihr zu entlocken. H. v. Kleist 2, 127 (
Käthchen v. Heilbronn 1, 1). II@3@b@eε)
endlich kann die bedeutung eine völlig abgeschwächte sein (
wie bei obwalten),
so dasz walten
nur '
sich geltend machen, vorhanden sein'
ist: um seines darunter waltenden schadens willen nicht thun wollen,
abhorrere a re quadam propter suum sublatens damnum. Frisch 2, 420
a; wolte die zwischen beeden hohen collegiis waltende distinction über die gebühr extendirt und denen fürstlichen rechten nach und nach etwas entzogen werden. Lünig
reichsarchiv, pars specialis 1, 377
b (1701); so werden euer liebden hoffentlich die auf meiner seite waltende billichkeit hocherleuchtet begreiffen.
teutsche reichs-cantzley 6, 94 (1703);
[] es waltet, denkt er, sicherlich ein miszverstand in dieser sache. Wieland 21, 286 (
Klelia u. Sin. 5, 363); o gieb gewiszheit, wo nur zweifel waltet, lasz länger nicht mich hin und wieder schwanken. Platen 94 (
son. 14); du sagst es, und ein räthsel waltet hier, das ich zu rathen nimmer mich vermesse. Geibel 6, 25 (
Brunhild 2, 1); es walten mancherlei gebrechen, o liebchen, zwischen dir und mir; du spielst die spröde, ich den frechen ... Rückert
ges. ged. 3, 119 (1837); gewisz, hier trieb der teufel sein verruchtes spiel, ein grimmer irrthum waltet. Arnim 5, 165; in diesen festlichen stunden wichen die letzten schatten, die von dem konflikte her etwa noch zwischen fürst und volk gewaltet hatten. Prutz
preusz. gesch. 4, 428; diese annehmlichkeit der ähnlichkeit, welche zwischen einer schilderey und der sache waltet, die sie vorstellet, ist so grosz, dasz ... Bodmer,
discourse der mahlern 1, 98; nur noch in seinem (
kaiser Alexanders von Ruszland) reiche waltet durchaus eine politische verschiedenheit zwischen den menschen, welche die quelle vieler übel ... ist. Klinger 11, 30; so durfte Österreich den verbundenen eine bedeutung zuerkennen, der sich anzuschlieszen unter den waltenden umständen kaum vermeidlich war. Varnhagen
denkwürdigkeiten 5, 80. II@3@b@zζ)
selten kommt im älteren nhd. ein unpersönliches es waltet
vor: es ist aber strittig, und waltet in nicht geringem zweifel, welche gattung däs geschosses ... zu erwählen? Dögen
kriges baukunst (
Amst. 1648) 50. II@44)
besondere bedeutungen haben sich bei walten lassen
entwickelt. II@4@aa)
zunächst ist es '
machen dasz etwas herrscht oder geltung hat' (
fälle dieser art sind z. th. schon oben eingereiht worden): er hat ein fewr aus der höhe in meine beine gesand, und das selbige lassen walten, er hat meinen füssen ein netze gestellet, und mich zurück geprellet.
klagel. Jerem. 1, 13; (
gott) leszt walten gnad an rechtes stadt. Waldis,
Wackernagels kirchenlied 3, 774, 4; drum stieg der vater ab, und wich dem müden knaben. doch, als er dergestalt die liebe walten liesz, sah er, dasz man hernach mit fingern auf ihn wiesz. v. Canitz
ged. (1734) 273; messet alle die unterschiedene gedancken gegen einander ab, welche sich der mensch machet, und in seinem kopff ... in der zeit einer wochen oder eines eintzigen tages walten läszt. Zellweger,
discourse der mahlern 1, 54
Vetter; nur dadurch aber ward Friedrich der anzünder tausendfachen lichts, dasz er, der mächtige, menschenwort und menschenschrift furchtlos und frei walten liesz. Arndt
geist der zeit (1806) 321; anderntheils wurde es nach und nach der allgemeine grundsatz .., eine zarte schonung der gegenseitigen schooszneigungen walten zu lassen. Immermann
Münchh.2 1, 85; das war ihre würde, dasz sie ihr herz frei konnte walten lassen gegen vornehme wie gegen geringe. Mommsen
reden u. aufsätze 61; da warnte er (
Arndt) seine jungen freunde ... nachdrücklich vor radikalen thorheiten: 'lieber das bestehende walten lassen als das unerreichbare vollkommene erstreben'. Treitschke
d. gesch.2 2, 413; lasset walten, lasset gelten was ich wunderlich verkündigt! dürftet ihr den guten schelten, der mit seiner zeit gesündigt? Göthe 4, 375 (
zahme xenien VI); drüben über dem meere ... musz man endlich bei abschaffung der todesstrafe weitläufige castelle, ummauerte bezirke bauen, um den ruhigen bürger gegen verbrechen zu schützen und das verbrechen nicht straflos walten und wirken zu lassen. 23, 31 (
Wilh. Meisters wanderj. 3, 3); die fremdlinge zu halten, lasz königlich des gastrechts fülle walten. Schiller 6, 387 (
Äneide 4, 10); wiszt, so lang ihr lasset walten aller seuchen schwerste seuche, reflexionsepidemie, müszt ihr quarantäne halten. Platen 57 (
verm. ged.).
[] ungewöhnliche constructionen zeigen sich in folgenden fällen: und nun der himmel läst den gülden friede walten auf unser vaterland, worüber iederman von hertzen frölich ist, fangt ihr zu streiten an? Rist
Parnass 353; so wandelt hin lebendige gestalten, bewegten lebens reichliche gebilde, dem schönsten tage lasset liebe walten, in reihen schmückt elysische gefilde. Göthe 4, 156 (
der abwesende dem maskenfest). II@4@bb)
damit berührt sich die bedeutung '
einer sache freien lauf lassen': ich isz und trinck: lasz also die lieb natur walten, darbey wirdt ich faist. Balde
Agathyrsus vorr. A 3
b; der chirurgus, ein unwissender, aber nicht ungeschickter mensch, liesz die natur walten, und so war der patient bald auf dem wege der besserung. Göthe 19, 57 (
Wilh. Meisters lehrj. 4, 9); ich musz erst wieder festen boden unter den füszen haben, damit ich in ruh' sehen kann, wie has lauft, und kann zeit und gelegenheit walten lassen. Herm. Kurz
der sonnenwirth 2, 22; so ferr der morg vom abent stat, so weit thuot got die missethat und last die sünd nit walten. J. Dachser,
Wackernagels kirchenl. 3, 811, 4; du weist, ich bin kein engel und kein stein, ich musz des blutes regung lassen walten. Hofmannswaldau
ged. (1697) 1, 350; oft hab' ich schöne tage. dann lasz ich mein innres walten, wie es will, träumen und sinnen. Hölderlin 2, 27 (
fragment von Hyperion 1794)
Litzmann. II@4@cc)
ferner '
einem freie hand lassen, ihn gewähren lassen, es einem anheimstellen'. II@4@c@aα) ich lasze ihn schalten und walten,
in eius potestate omnia pono. Stieler 2424; er läszt ihn walten,
arbitrio alicujus aliquid permittere. Steinbach 2, 922; er läszt ihn schalten und walten wie er will,
omnia arbitrio ejus permittit. Frisch 2, 420
a; ach, dasz man Kandien durch sauffen könt' erhalten! Venedig solte dich im kriege lassen walten, mit gläsern würdest du die Türken leicht zerspalten. Rist
Parnass 384; mein sohn, lasz mich hier walten, du sollst, was du begehrst, erlangen. Hoffmannswaldau
getr. schäfer 156. II@4@c@bβ)
von gott: gott walten lassen, ihm alles heimstellen. Güntzel 829; lasse es den lieben gott walten,
lasciamo far' a dio, egli ci provederà. Krämer 1207
a; last gott (den lieben gott) walten,
laissez faire à dieu. Rädlein 1028
a; ich will gott walten lassen,
I trust in god. Ludwig 2375; er läszt gott walten,
res suas deo commisit. Frisch 2, 420
a; lasse gott walten und machen. Luther 23, 541, 13
Weim. ausg.; lasz walten ihn, ers machen kan, dir sol nicht schaden einig mann. Selnecker,
Wackernagels kirchenlied 4, 304, 6; lasz gott den herren walten. 306, 9; wer nur den lieben gott läszt walten und hoffet auf ihn allezeit. Neumark,
Fischers kirchenlied 4, 311;
mit abhängigem genetiv, accusativ oder präpositioneller bestimmung: so enkunnen niht wol ze sinne die tugende ir reht behalden, sine lâʒen sîn got danne walden. die wîle in ist diu minne bî, sô ist in daʒ gemüete frî. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2960
Weinhold; (
Sathanas in verkleidung zu Johannes d. täufer): din leben sal nu ein ende han, want du must mer din heubt lan. nu knibe nidder, trogener, losz din got walde!
Alsfelder passionsspiel 1016; darnach ich schlaffen ging, mein' rast uont ruo entfing, lisz' aes den herren walten. Melissus
psalmen 17
Jellinek (3, 6); eur majestat sich wol gehab! danck gott der gnad, die er hat geben ... und last das übrich den herrn walten! Ayrer 1194
Keller; wolan, ich zieh' auch hin mein hochzeit-fest zu halten mit meinem Jesulein, den lasz ich alles walten. Rist
Parnass 638; nur an dich will ich mich halten, dich lasz ich in allem walten. v. Canitz
ged. (1734) 176;
[] dasz ich meinen leib und meine seele ... dir in deine väterliche sorge volkömlich aufftrage, dich auch gantz und gar mit mir walten lasse. Schupp
schriften 451. ich lasse gott walten (
meist mit gen.)
ist oft nur '
es macht mir keine sorge, ich kümmere mich nicht darum': er läst gott schalten und walten, er läst unsern herr gott einen guten mann seyn, er fragt viel darnach, was das korn gilt, er lebt in den tag hinein,
il laisse faire à dieu, c'est un bon vivant. Rädlein 762
a; ir selbes gedencken warde mit irem klagen und weinen nit ir geholffen were, aller ding got sein wölt walten lassen.
decameron 117, 24
Keller; ich wil in (
Carlstadt) gerne zu freunde haben, wil er, wil er nicht, so mus ichs gott lassen walten. Luther 3 (1560) 46
a; trait ainr pfenning in das bad, da möcht im wol beschehen schad; er git ir (
der hüterin) das zuo kalten und lat es got walten.
des teufels netz 10270
Barack; auch müsz wir euch nit alwegen schreiben, wenn man gewalt wil mit uns treiben. herr kaiser, nun laszt sein got walten! die paurn und di stet wurden zu reich, liesz wir sie sitzen fridleich.
fastnachtssp. 645, 23; es ist schir überal gemain. wo ains hin geht, so thut man sagn von maiden und über sy klagn. darumb mues wirs gleich got lassen waltn. P. Probst
fastnachtssp. 7, 119
neudr.; was wollen für die ding wir sorgen? solt wirs sagen und nit beweisen, der teuffel wurdt uns beyd bescheissen. unser herr ist ein hefftig mann. drumb wöllen wirs gott walten lan. H. Sachs 8, 346, 20
Keller; hett ich verhoffet gantz und gar, mein vatter dahin zu bewegen, das er den orden thet ablegen ... regirt selbst sein leüt und landt. so kond ich aber nicht erhalten, sondern must es gott lasen walten. Ayrer 1759
Keller. II@4@c@gγ)
vom schicksal, glück: lasz das verhängnisz walten, was dich dort ziert und mich hier führt, das wird uns doch erhalten. Fleming 531; das glück lassen walten, seinem glück nachfaren, sich wagen,
fortunam suam sequi. Maaler 483
c; das glück walten lassen,
commettersi alla fortuna. Castelli 342
b;
fortunam suam sequi. Dentzler 2, 341
b; Steinbach 2, 922; an warte, in ruor geschicket het ich dô mîne hunde ... ich huop mich gên dem walde und sprach: 'wol dan, lâ sîn gelücke walten'. Hadamar v. Laber 20
Stejskal. II@4@dd)
unbestimmt es walten lassen '
es dabei bewenden lassen': ich lasze es hier walten,
esto, sit ita! facile hoc patior. Stieler 2425;
Luciper respondit (
dem teufel Sturpaus): deine dienst send mir vorpehalten; damit las ich es yeczund walten.
altd. passionssp. aus Tirol 345 (
Haller passion 1859)
Wackernell; wie sie daselb haben haus gehalten, dasselbig lasz ich iezt noch walten, dann es ist mir gar nit kund. Liliencron
hist. volksl. 3, 377, 456 (1525). es einer sache walten lassen '
es darauf ankommen lassen': die kargen sein also geflissen, das ir auch niemand kan geniessen; zu werben brauchens list und sinne, wie sie nur mögen gelt gewinnen. wenn sies mit mühe versamlet han gar schwerlich mögen sie davon und lassens wol einr lügen walten, das sie mögen ir gelt behalten. Waldis
Esopus 2, 53, 43
Kurz. II@4@ee)
mit der redensart es walten lassen
steht wol in zusammenhang gott läszt hin walten '
läszt es gehen': fein ordentlich hat gott die welt mit dreien stenden wol bestelt, wann die sich nur wüsten zu halten, so liesz gott immerdar hin walten. Alberus
fab. 47, 151
Braune. II@4@ff)
ein reflexives sich walten lassen
kommt im älteren nhd. vor: so mag der vater das kind lassen sich seyns mutwillens und ungehorsams walten. Luther 15, 169, 20
Weim. ausg.; [] wo er (
der mensch) das rechte ziel denn trifft, und kan sich richten nach der schrifft, und kan sich an den Christum halten, und in sich seiner lassen walten ... so ist er warlich recht gelert. Waldis
Esopus 2, 21, 96
Kurz. II@55)
der infinitiv wird auch substantivirt in den bedeutungen des verbums gebraucht. II@5@aa)
im mhd. kommt er nur mit abhängigem objectiven genetiv vor: nû solt dû reinen im dîn leben, an reinekeit behalten, von houbetsünden walten, daʒ er dich vinde reine, bewart vor allem meine. Rud. v. Ems
Barlaam 174, 40; dâ kegin sô was dirre rât: dî solde man alle tôtin hin waʒ meide wurdin undir in, und allein behaldin dî knecht ûf strîtis waldin.
N. v. Jeroschin 3878
Strehlke; lidet er abir durch scholt den tot und hat her mit ruwen gebichtet, vrunt min, des bis berichtet, der wirt von der ruwe walden mit dem schecher dort behalden. Brun v. Schonebeck
hoh. lied 8091
Fischer. II@5@bb)
im nhd. findet er sich ohne eine solche ergänzende bestimmung, die die erstreckung der thätigkeit bezeichnet; von wem die thätigkeit ausgeübt wird, wird durch den genetiv eines subst. oder ein adj. ausgedrückt. II@5@b@aα)
das leiten, herrschen, regieren, von gott und menschen: die waltung, das walten,
officium, munus, curatio, administratio. Stieler 2425; und alles blickte den kaiser an, und erkannte den grafen, der das gethan, und verehrte das göttliche walten. Schiller 11, 386 (
graf v. Habsburg); doch hielt in den gebürgen ein plätzlein sich versteckt, ... das hat durch gottes walten sich völlig rein erhalten. Rückert
ges. ged. 3, 406 (1837); es ist ein gott und ewig die gesetze seines waltens. Grillparzer 7, 125 (
bruderzwist 4); ihr seyd ein mächtiger graf, bekannt durch ritterlich walten im Schweizerland. Schiller 11, 386 (
graf v. Habsburg); eu'r walten hat ein ende.der tyrann des landes ist gefallen. 14, 401 (
Tell 4, 3); (
der bürgermeister) der unerschüttert ausgehalten im sturm der schreckensvollen zeit, und der auch jetzt mit kräft'gem walten dem neuen werk sein leben weiht. Uhland
ged.2 100; an ihn dacht ich und an sein adlich walten. Grillparzer 4, 7 (
k. Ottokar 1); dort in den revieren des schwäbischen meeres, die seele erfüllt von dem walten erloschener geschlechter, ... hab' ich diese erzählung entworfen. Scheffel
Ekkeh. xv; du prüfst das allgemeine walten, es wird nach seiner weise schalten, geselle dich zur kleinsten schaar. Göthe 22, 262 (
Wilh. Meisters wanderj. betr.).
verstärkt schalten und walten: man kann vor weisem plauderschall die ordnung kaum erhalten! so schweigt und trinkt! was hilft denn all mein schalten und mein walten! Voss 5, 119; sie versehen wittiben und weislein mit vormünderen oder gerhaben, die ihres schaltens und waltens jährlichen rechnung gäben mszen. Guler von Weineck
Raetia (1616) 199
a.
von dem schicksal, der natur: in das land des guten namens hab' ich keinen pasz erhalten; billigst du das nicht, so bessre des geschickes ewig walten. Platen 160 (
übersetz.); er blickt zu jedem der beiden groszen männer wie ein sohn auf, der, überrascht vom walten der natur, aus der rolle des gehorsamen kindes in die eines ... freundes übertritt. H. Grimm
fragm. 1, 15. II@5@b@bβ)
sonst von concreten und abstracten: vor ihrem blick, wie vor der sonne walten, vor ihrem athem, wie vor frühlingslüften, zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten, der selbstsinn tief in winterlichen grüften. Göthe 3, 27;
[] da hängt in erzgetriebnen schranken der mensch, der schöpfung herr, die zwei (
feuer u. wasser), dasz dienstbar seines haupts gedanken ihr ungestümes walten sei. Geibel 3, 4 (
neue ged.); und stieg in breiten, schatt'gen falten hinunter in der nebel walten. C.
F. Meyer
Engelberg 5; will der feder zartes walten, will des pinsels muthig schalten sich dem reinsten sinn bequemen, kannst getrost den lorbeer nehmen. Göthe 47, 153 (
ged. zu bildern); denn für des brummbasses dröhnend walten ist's besser, einsame proben halten. Scheffel
gaudeamus 173; des ungezähmten geistes trotzig walten. Grillparzer 4, 232 (
ein treuer diener 3); Tebaldi-Fores dagegen kämpft für ein freies walten der einbildungskraft, welche mit bestimmten und unbestimmten gestalten aller art nach freiem willen gebaren ... solle. Göthe 46, 126 (
auswärt. lit.); die schlimme weise der recensenten, alles längst besser zu wissen als der verfasser, brüstet sich recht in den ersten beurtheilungen. das buch wird 'brauchbar' befunden, übrigens aber auf sein lebendiges walten nicht viel gegeben. Dahlmann
kleine schriften 118; das mächtige walten von anziehungskräften, das in unserem sonnensystem sich bis zum Neptun ... erstreckt. A. v. Humboldt
kosmos 3, 294.