stillen,
vb. ,
zu still,
adj., 'still
machen'
; trans. u. refl.; ahd. stillen (< stillan, stilljan),
mhd. stillen;
as. stillen,
mnd. stillen,
mndl., holl. stillen;
aengl. stillan,
me., ne. still;
anord. stilla,
norw., schwed. stilla,
dän. stille (
zu den nord. sprachen s. unter still,
adj., sp. 2939).
vorherrschend ist die bedeutung '
eine (
äuszere oder innere)
bewegung zum stillstand bringen' (
zu still,
adj., I).
die bedeutung '
jemanden zum schweigen bringen' (
zu still II)
ist seltener und überdies oft innerlich mit der ersteren verbunden (
s. zu 3);
eine entsprechung zu still III ('
verborgen, heimlich')
findet sich nicht. 11)
eine äuszere bewegung zum stehen bringen, '
beruhigen'. 1@aa)
die bewegung des wassers (
der flüssigkeiten),
der luft, des feuers stillen;
besonders den sturm des meeres und der winde (
vgl. still,
adj., II 2-4): tho ward bred water, stromos gistillit
Heliand 2963
S.; vgl. aengl. ydum stillan
Andr. 451; die sturmwind stillen tet der getrúw guot got
d. sœlden hort 10366; hett der allmächtig gott, der das (
die syntflucht) mit seiner macht erhebt hett, durch pittung seiner lieben mutter nicht gestillet (
compescuisset) Joh. Hartlieb
Caesarius v. Heisterbach 10, 15
Drescher; die selben (
winde) zuo erwecken und zuo stillen Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 41
a; da ward er (
Xerxes) so ergrimmet sehr, das er liesz geyselen das mer, und wurff kätten drein, es zu stillen, und es zu fässeln nach seim willen Fischart
glückh. schiff 3
ndr.; die knechte von allen ecken umb zuleschen, zulieffen ... auch das fewr bald gestillet ward Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 232; denn wer die ewige beweglichkeit der winde stillen ... will, der thut einerley und verlorne arbeit H. A. v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 432; du sähst doch etwas sähst wohl in der grüne gestillter meere streichende delphine Göthe 15, 71
W.; die mit starken runenliedern knoten knüpfte, ketten sprengte, wetter rief und stürme stillte Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 91. — wann er aber den eingang (
zum wasserkasten des pumpwerks) nicht bald vermachen kan, und den flusz des wassers stillen, ruft er seinen gesellen Phil. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 162; (
der honig) gewinnt oben ein kleyns heutlin, damit der schaum der hitz gestillet würt Eppendorff
Plinius (1543) 180; ein siedender topf wird mit wenig kaltem wasser gestillt Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 499; dann wann gleich das bley ... für sich allein hüpffte, so kan man doch solches bald stillen L. Ercker
mineral. ertzt (1580) 21
b.
vereinzelt und ungewöhnlich '
einen sich bewegenden gegenstand stillen,
zum stehen bringen': (
er) setzte den (
schleif-)stein in bewegung und schliff seine axt. als er damit fertig war, lenkte er das wasser wieder ab, stillte den stein, nahm die axt auf seine schulter und ... ging davon A. Stifter
s. w. (1901) 4, 1, 297. —
von mensch und ding gestillt sein = '
ruhig sein': und da alle ding gestillt und der würt und die würtin entschlaffen waren, der jungfrauwen buhl auffstund Lindener
rastbüchlein 39
lit. ver.; als Sextus merkt, dasz alles hausgesind gestillet was und mit dem schlaff beschweret, ging er in die schlaffkammer Lucretie
buch d. liebe (1587) 311
b. 1@bb)
das flieszen des blutes und der tränen stillen,
aufhören machen. zunächst eigentlich, dann bei tränen stillen
auch übertragen: '
beruhigen, trösten',
so viel wie leid, schmerz u. s. w. stillen (
s. unten 2 b
β);
zu blut stillen
ist unten, 2 b
γ, schmerz, krankheit stillen
zu vergleichen; vgl. stagnare il sangue das blut stillen Hulsius (1618) 2, 393
a;
sanguinem sistere blut stillen
nomencl. lat.-germ. (1634) 63: die geringen flüsz und das bluten der nasen stillet der geruch von essig W. H. Ryff
spiegel u. regiment d. gesundh. (1544) 59
b; es wolten auch meine segen, das blut zu stillen, nichts helffen Grimmelshausen 2, 677
Keller; ist das blut gestillet und die wunde ... gesäubert H. v. Fleming
t. soldat (1726) 323; als sie das blut gestillt, schlosz sie die wunde mit englischem pflaster Göthe 24, 72
W. —
vgl. noch: Faust nutze oft die schätze des teufels, die blutenden wunden zu stillen Klinger
w. (1809) 3, 188.
in älterer sprache den flusz (
blutflusz) stillen: gleich wie Christus fulete, das eine krafft war von yhm ausgangen, da er der frauen den blutgang stillet Luther 19, 224
W.; und lasset euch inngedenck sein, und hutet euch vor dem binden und stillen der flüssen Paracelsus
chirurg. bücher u. schr. (1618) 316
Huser. — hier still ich deine trähnen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 428; es gelang mir, ihre thränen ... zu stillen Klinger
w. (1809) 4, 49; hast du die thränen gestillet je des geängsteten? Göthe 2, 77
W.; Lisei brach bei dieser erinnerung in heftiges weinen aus; sie wollte nicht einmal von der aufs neue vollgeschenkten tasse trinken, mit der die meisterin ihre thränen zu stillen gedachte Storm
ges. w. (1877) 9, 72. mein nasses auge, stille dich Gottsched
ged. (1751) 1, 263. 22) '
bewegungen des menschlichen lebens stillen;
zur ruhe bringen'.
zu still,
adj., I B. 2@aa)
aufgeregtes streitendes handeln und tun beruhigen, zum stillstand bringen, beilegen; krieg, aufruhr, zwiespalt, einen handel, eine sache
u. ähnl. stillen;
vgl. still,
adj., I B 1: (
zu Salomos zeit) dô dagitin dî helidi snelli: niheines urlougis wart nîni gephacht, man ni stillit iz alliz mid sînir kraft, als iz got selbi gibôt
lob Salomons bei Waag
kl. dt. ged. 35, 246; ich bin ganz nach uwern willen und beger den krieg stillen, ob ich kund, weszt ich die sach
mhd. minnereden 53, 402
Matthaei; der almechtig wolle es in den dingen der krigsleufft, domit sie gestillt und hingelegt werden, ... verleihen
privatbr. d. mittelalters 1, 338
Steinhausen; nachdem gewalt mit gewalt und gegenwer gestilt und abgeleindt sein will
teutscher nation nodturfft (1523) e 3
a; wu eine ketzerey gestilt und gedempft wirt Luther 15, 579
W.; da ist niemands, der diesen hadder stillen noch auffheben wird 17, 1, 230
W.; auff das also die sache (
der bauern), ob sie nicht mag ynn christlicher weyse gehandelt werden, das sie doch nach menschlichen rechten und vertragen gestillet werde 18, 333
W.; dis war also die schwierigkeit, so unter den armeen bey Newburg hervorgebrochen: welche zwar die generale im anfang zu stillen und zu dempffen sich euszerst bemühet Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 103; keiser Ludwig ... schied ... in tütsche land, die spaltung so papst Joannes angericht zu stillen Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 314; dasz diese zwytracht niedergeleget, gütlich gestillet und einigkeit der heiligen kirche bleibe
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 187; beyde zanken sich oft müde, weil die herrschsucht trotzig ist, doch ein dritter stillt den zwist, nimmt das land und machet friede Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 83; Apoll und Athene begegnen sich an der buche, sie kommen überein, den kampf zu stillen Göthe 41, 1, 280
W.; das toben ward auch augenblicks gestillt. sobald der graf von Shrewsbury sich zeigte Schiller 12, 541
G.; durch eine resolute beseitigung der geistlichen interessen gedachten sie ... den aufruhr zu stillen Ranke
s. w. 2, 166; ich hatte mühe genug, die sache zu stillen Immermann 5, 111
Boxb. 2@bb) jemanden stillen '
zur ruhe bringen',
in z. t. nur losem anschlusz an still,
adj., I C
u. D:
placare stillen (15.
jh. obd.),
sonst auch behegelich machen, versunen, senftigen Diefenbach
gl. 439
b;
lenire stillen (15.
jh. md. und obd.),
sonst auch senfften, linderen 323
c;
sedare stillen, gestillen (15.
jh. md.),
sonst auch (ge-)sweygen, semften, frid machen 524
a;
tranquillare stede machen,
nd. vrede maken, stillen 592
b;
mitigare versünen, milteren, stillen, begütigen Frisius
dict. (1556) 826
a. 2@b@aα)
jemanden '
beruhigen, besänftigen, beschwichtigen', '
versöhnen' (
gott);
jemandem '
wohltun, helfen' (
mhd.).
eine innere unruhe (
angst, leid, sehnen, zorn, gier u. s. w.) '
dämpfen'.
im ganzen heute ungewöhnlich; statt dessen sagt man lieber jemandes leid, zorn, kummer stillen (
s. unten 2 b
β): manegen er (
Satan) mit trugheit stillet unz er in bewillet
Milst. genesis 17, 31
Diemer; dy muoder wolde stillen dy dohter, wand it dede ir wê, dat sy sô bitterlîche schrê bruder Hermann
Jolande 2838
J. Meier; sie (
d. hl. Elisabeth) sal den viant (
d. teufel) stillen, ob er en (
Luder v. Br.) noch vichtet an
Daniel 8316
Hübner; wan der mensch in dem schlaf von usser menigvaltiger wúrklichheit (
der unruhe und tätigkeit der sinnlichen kräfte) mer gestillet ist denn in dem wachen H. Seuse
dt. schr. 183, 14
Bihlm.; welt ir mich armut entladen, so wil ich euch denselben schaden beide büezen und stillen
mhd. erzähl. 3, 147, 15
Rosenhagen; ich wil gerne stillen alle, die ich besweret han Heinrich v. Burgus
d. seele rat 1506
Rosenfeld; niemant sol die armen stillen mit fremdem gut an dez willen, des danne das gut ist 2059; nu süllen wir auch Mariam stillen, und in begraben nach irem willen
altdt. passionsspiele 166
Wackernell; (
die hohenpriester) gaben den kriegsknechten gelds gnug, und sprachen, saget, seine jünger kamen des nachts, und stolen in, die weil wir schlieffen. und wo es würde auskomen bey dem landpfleger, wöllen wir in stillen, und schaffen, das ir sicher seid
Matth. 28, 13; also lesst Pilatus Jhesum auch geisseln und erfragen, ob er die Jüden damit stillen möchte Luther 28, 322
W.; Herculem aber und Martem stilten sie mitt etwa einem opffer eines vihs Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 5
a; ein süsze red machet viel freunde und stillet die feinde Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 91; denn gar leichtlich wird der gestillet und friedsam, der ein rein gewissen hat Joh. Arnd
Thomas a. Kempis (1631) 49; ist nicht dein sohn gestorben, den sündern nur zu gut, und hat uns ihm erworben durch sein selbst eigen blut? nur einig dich zu stillen geschahe dieser kauf, darumb um seinetwillen nimb uns zu gnaden auff S.
Dach 93
Österley; 'wie stehet es um Leonore? haben sie dieselbe beruhigt?' 'ich habe sie mit Christophs aussage ziemlich gestillet' v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 105; nach dem gewitter von 1848 ... können sprache und geschichte am herrlichsten ihre unerschöpfliche macht der beruhigung gewähren. auch die kräfte der unendlichen natur zu ergründen stillt und hebt Jacob Grimm
kl. schr. 8, 309; du hast mich vollkommen gestillt, ich möchte sagen: verklärt Fouqué
gefühle (1819) 2, 248; frühling, was bist du gewillt? wann werd ich gestillt? Mörike
w. 1, 43
Göschen; sogar Karl konnte mich nicht stillen und erst der abend und ein einsamer lauf nach Neuhausen machten mich wieder empfänglicher für andere Emma Förster
br. (1841) 119; noch einmal suchte ich die menge zu stillen. diesmal mit einer drohung H. Watzlik
d. pfarrer von Dornloh (1930) 69;
ungewöhnlich: ein stillender blick von Clerdor nahm uns die hast Fr. H. Jakobi
w. (1812) 1, 52;
gelegentlich auch von tieren gesagt: das pfeyffen, streichlen und tätschlen, so man den pfärden thut, sy ze stillen Joh. Frisius
dict. (1556) 1022; wenn die elephanten ... wyld seind, so zwingt man sye ... laszt andere elephanten zu ynen, die sye stillen Eppendorff
Plinius (1543) 46; der herre der armen frawen ze liebe seine hunt (
die die rehe anfielen) gestillet het Arigo
decam. 93
lit. ver.; wann man ein zornigen, wilden, ungebändten stier nit stillen noch gewältigen kan Guarinonius
grewel d. verwüst. (1610) 120; inwendig werden dann zwei löwen liegen und den rachen aufsperren, wenn du ihnen aber das brot hineinwirfst, wirst du sie stillen
kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 81. 2@b@bβ)
seelische zustände, regungen und strebungen werden gestillt,
d. i. '
gedämpft, beruhigt'.
bis heute sehr geläufig. aus der groszen zahl der möglichkeiten heben sich besonders heraus: sehnsucht, wunsch, neugierde, leid, schmerzen, grimm, zorn — das herz, die natur stillen.
im ahd. und mhd. ist zum nachweis dieses gebrauches auch gestillen
herangezogen. ahd. und mhd. jemandem
oder an jemanden den zorn
u. s. w. stillen.
daneben wird die beziehung auf die person durch das possessivum ausgedrückt: jemandes zorn stillen;
im nhd. nur noch so: Pilatus giang zen liutinsid tho thesen datin, wolt er in gistillendes armalichen willen Otfrid IV 23, 2; swer sô wolli Cristis wegi volgin, der dragi sus sînin galgin, an dem er allin sînin willin von ubilin werchin mugi gistillin
summa theologiae bei Waag
kl. dt. ged. 22, 178; do Thymoteus vur quam, in rechteme zorne er in nam und wolde in siner hohvart die cristenliche guten art an im mit leide stillen
passional 412, 15
K.; also lieb gewan si got, daz si durch sinen willen an ir pflac zu stillen wollust aller hohvart 31, 32
K.; ez begunde stillin elliu vorhte in Israhel Rudolf v. Ems
weltchr. 22560; er (
Jesus) sprach: vil libiu muoter min, nu stille din grosze pin schweizer Wernher
Marienleben 10482
P.; (
Pilatus) wolt in etwas willen irn (
der Juden) zorn da mitte stillen (
lat. sedare) das Jhesus wurde úbel geschlagen 9272; und dise begerunge stillent sú domitte daz sú diese ding wellent hören und verston Tauler
pred. 22, 23
V.; als der mensche nu sich al ze mole hat in die einsamkeit mit dem propheten gekert und blibt do wonende und ist in im gestilt alles gesturm, gedenke, bilde und formen 217, 34; damit sult ir frolich sein, und ewr sorgen stillen Heinrich v. Neustadt
Apollonius 16255
S.; so got ir (
der weisheit) klage will stillen und richten nach ir willen, so kumt er als der kunich kam
kl. mhd. erzähl. 1, 81, 101
Leitzm.; der sechs und dreyszigist psalm des kuniglichen propheten David, den tzorn und unmut tzu stillen ynn der anfechtung der gleyszner und muthwilligen Luther 8, 214
W.; damit nu die sache dannocht eyn ende gewynne und das ergernis des deutschen buchlins ... gestillet werde 11, 431; sein eyfer ist nicht mehr zu stilln Hans Sachs 17, 36
K.-G.; bitt, er wöll im sein sünd vergeben ..., sein nagendt gwissen im zu stillen 18, 115; sein rath ist gut, sein thun ist recht, und wird wol wider stillen den schmertzen, den er euch gemacht Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 321; er kömmt, er kömmt mit willen, ist voller lieb und lust, all angst und noth zu stillen, die ihm an euch bewust 3, 324; nur damit er seine lust und begierde stopfen und stillen müge
Reinicke fuchs (1650) 126; affecten kan niemand töten, sondern biszweilen nur arrestiren und stillen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 8; und gott, der dort das licht hiesz aus dem finstern gehn, hat unsern wunsch erfüllt, gestillet das verlangen Neukirch
anfangsgr. z. t. poesie (1724) 757; der affect musz schon ziemlich gestillet seyn, wenn man die feder zur hand nehmen, und alle seine klagen in einem ordentlichen zusammenhange vorstellen will Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 145; sie haben unsere begierde noch nicht gestillt
dt. schaubühne (1741) 2, 128; der simple trost: er ist bei gott, hat schon mehr kummer in der welt gestillet, als alle feinheit der metaphysik J. Möser
s. w. 5, 72
Abeken; wie du so freundlich meine sehnsucht stilltest, mit süszem wort, und mich so ganz verwöhntest Göthe 2, 12
W.; lasz in den tiefen der sinnlichkeit uns glühende leidenschaften stillen 14, 84 (
Faust 1751); der du von dem himmel bist, alles leid und schmerzen stillest 1, 98; was du zu sehn verlangtest, hast du nun gesehn und deinen wunsch gestillt Schiller 6, 129
G.; ich bitt euch, Sir! stillt meine ungeduld 12, 504; wie oft hab ich meine klagen vor diesem bilde (
Diotimas) gestillt Hölderlin
s. w. 2, 158
v. H.; (
der Rhein) nachdem er die berge verlassen, stillwandelnd sich im deutschen lande, begnüget und das sehnen stillt im guten geschäfte 4, 175; je mehr leichtigkeit sie besäszen, diese begierde zu stillen, desto gränzenloser würde ihre glükseligkeit sein W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 56; ich habe meine neugierde in keiner einzigen bibliothek stillen können Jac. Grimm
Reinhart fuchs vorr. clxxviii; dasz es auch auf diesem runde eine zeit gebe, wo ... der glaube die tiefsten bedürfnisse der seele stillt Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 101; das doppelte und 10fache jener summe würde immer nur einen teil des jammers stillen Bismarck
br. a. s. braut u. gattin 38
B.; aber die gerechtigkeit kann man stillen, auch ohne dasz man ihr immer blut zu trinken gibt Heinr. Federer
Sisto e Sesto (1913) 94; nun hatte der länderkundige dichter auch meinen alten drang in die weite wieder verstärkt, und um diesen zu stillen, gab es für einen Deutschen damals nur einen weg H. Carossa
führung u. geleit (1933) 107. das herz stillen: und alsus ward sin herz gestillet und kom ze fride Heinrich Seuse
dt. schr. 86
Bihlm.; das ich nach gotes willen min herze mohte stillen
väterbuch 2766; seindemal nichts so gewaltig allen menschen den munt stopfft und das hertz stillet als das götlich wort Luther 19, 441
W.; o lämmlein liebreich süsz und mild, das gottes grimm und zorn gestillt, still auch mein hertz, weils leidet schmertz Angelus Silesius
heil. seelenlust 82
ndr.; gierig greift er (
der mann) in die ferne, nimmer wird sein hertz gestillt, rastlos durch entlegne sterne jagt er seines traumes bild Schiller 11, 32
G.; alles wähn ich dann zu sehn, was das herz mir stillte O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 30. — hilff unser böse natur stilln Hans Sachs 1, 67
K.; und mitt fründlicher huslicher satzung und underwysung stillet und geschwaigt er die wilden gemüte Niclas v. Wyle
translat. 135
Keller. oft im bereich der liebe. manche der oben angeführten beispiele könnten auch hierher gezogen werden. in verschiedenen stufen vom stillen
sinnlichen verlangens bis zum innerlichen beruhigtwerden: sô verliuse ich mîner froiden vil, sît diu guote mich niht sanfte stillen wil Reinmar
in: minnesangs frühl. 189, 28; der (
tochter) hêt er gelobt zwâr daz er still noch offenbâr ir nimmer gæbe dheinen man wan dem si gern wær undertan mit güetlichem willen, und den si gern wolt stillen J. Enikel
fürstenbuch 288
Strauch, schauw an die clag, die ich yetz trag, ach Venus, durch dein guete, styll mir mein hertz in kurzter eyl, das es nit also wüete
volks- u. gesellschaftslieder 157, 11
Kopp; mit einem wort, o höchster hort, kanst mir hertzliebe stillen Forster
fr. t. liedlein 14
ndr.; ir weis und berd thut mir mein kummer stillen 71; vermeynet, er wolt also seine liebe vertreyben und stillen. je mehr er sie stillet, je mehr sie zunam Val. Schumann
nachtbüchlein 181
Bolte; ich musz es zwar gestehn: der wollust kühler weg kühlt mich zu häuffig ab. der liebesnectar quillet zu häuffig. meine brunst wird über durst gestillet H. A. v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 854; stille, liebchen, mein herz Göthe 1, 67
W.; wenn ich, von deinem anschaun tief gestillt mich stumm an deinem heilgen wert vergnüge Mörike
w. 1, 40
Göschen. 2@b@gγ)
schmerzen, krankheiten stillen, '
zur ruhe, zum stillstand bringen'
; heute ist geläufiger schmerzen lindern; krankheiten stillen
ist nicht mehr gebräuchlich; vgl. dolor soporatus ein entschläffter, gestillter oder vergangner schmärtz Frisius
dict. (1556) 1226
a; stillent die huosten
arzneibuch d 35. 36
nach mhd. wb. 2, 2, 637
b; luog allwegen daz du den schmertzen stillest als fast du magst, und den eyter fürkomest Gersdorff
wundarznei (1517) 23
b; und darauff ... gestillet und gemischet wurde der schmertz Braunschweig
chirurgia (1539) 53
b; disz öl ist vil kälter, ... das ander aber das zeitigt und stillt die grose schmertzen Sebiz
feldbau (1579) 392; die zahnschmertzen damit zu stillen J. G. Schmidt
gestr. rockenphilos. (1706) 2, 63. — item die frawen die gebresten haben an der muotter, die sollen malten legen auff den bauch, so stillet es die muotter Tollat v. Vachenberg
margarita med. (1516) 4
a; sein (
des bibers) gümmi ... stillet die fallend sucht Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 23
b; disz wasser ... stillt die glidsucht Sebiz
feldbau (1579) 421; nicht dasz die das malum gäntzlich gehoben, sondern nur auff einige zeit gestillet Prätorius
Katzenveit (1665) f 2
b; wachholderöl ... stillet das würgen oder ubergeben Hohberg
georg. cur. aucta (1715) 3, 183
b; ein gummi, das ... an das zahnfleisch gebracht das zahnweh stillen soll Ritter
erdkde (1822) 6, 688;
übertragen: in unheilbare wunden hab ich doch wenigstens stillenden balsam gegossen Schiller 3, 403
G. —
in diesem zusammenhang spricht man von schmerzstillenden mitteln,
noch heute geläufig: schmertzstillendes mittel Kramer
t.-ital. 2 (1702) 972
c; wie es ein schmertz stillendes mittel ist Lichtenberg
br. 2, 45
L.-Sch. 2@b@dδ) hunger und durst stillen, '
das verlangen nach speise und trank beschwichtigen',
seit dem 16.
jh.: brot und wein, welche er Abraham und seinen kriegsleuten reychete, iren hunger und durst zu stillen Fischart
binenkorb (1588) 80
b; dessen ... hunger und durst gestillt werden solte Grimmelshausen
Simpl. 21
Scholte; mit einem trunk sich seinen durst zu stillen Ramler
fabellese (1783) 1, 160; kein geruch und keine witterung, die ihn (
den menschen) auf die kräuter hinreisze, damit er seinen hunger stille Herder 5, 93
S.; den durst mir stillend mit der gletscher milch Schiller 14, 318
G.; um 12-2 wieder herzwaschen, pulver und essenz, die mir nun einen heftigen, zitternden hunger macht, der aber durch weniges essen bald gestillt wird W. Grimm in:
briefw. zw. J. u. W. Grimm (1881) 99; da flogen zwei schmetterlinge heraus ... auf den altan ..., wo sie in den blühenden bohnen ihren ersten hunger stillten Bettine
d. Günderode (1840) 1, 23; ich blieb sitzen und stillte meinen hunger mit einer hand voll brombeeren A. Stifter
s. w. (1901) 1, 287.
in diesen zusammenhang gehören noch: als alle notturftighait des libs gestilt, besorget und versehen was G. Öheim
Reichenauer chron. 5, 9
Barack; den schmäusern eingeschenkt, die bakken grosz gemacht, so manches maul gestült, gedient so manche nacht J. Rachel
satyr. ged. 74
ndr.; ein aff und bär ... durchstrichen eifrig feld und wald, um ihrer mägen zorn zu stillen Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 21; als die eszlust der munteren schar gestillt war G. Keller
ges. w. 6, 218; und wenn ich ihm nicht sogleich seine freszgier stille, so plärrt er so schrecklich Hans Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 30.
schon früh übertragen, meist in der wendung den hunger, durst
nach etwas stillen; '
ein inneres verlangen befriedigen',
inhaltlich zum vorhergehenden (2 b
β)
gehörend: da ... aus hartem fels der heitre brunn erquillet, der sonsten Luthern hat oft last und durst gestillet S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 11; so viel den geistlichen hunger zu stillen von nöthen gewest Dannhauer
cat.-milch (1657) 1, 34; doch sey ruhig, mein herz! den durst nach seiner erkenntnisz stillet gewisz, der dich hat mit diesem durste geschaffen Klopstock
Messias (1780) 517; nichts ist, das meinen durst nach heil so stille als deine fülle J. A. Cramer
s. ged. (1781) 1, 10; die hauptabsicht meiner reise war ... sodann den heiszen durst nach wahrer kunst zu stillen Göthe IV 8, 327
W.; das pergament, ist das der heilge bronnen, woraus ein trunk den durst auf ewig stillt? erquickung hast du nicht gewonnen, wenn sie dir nicht aus eigner seele quillt I 14, 35 (
Faust I 567); solang es menschen gibt, kann dieser lechzende durst nach wissen, wie vielfach er gestillt wurde, nie völlig erlöschen Jac. Grimm
kl. schr. 1, 214. 2@b@eε)
nur frühnhd. ist der gebrauch jemanden stillen, '
durch gewalt unterdrücken, zur ruhe zwingen' (
im anschlusz an 2 a);
vgl. compescere stiln (15.
jh. md.), stillen, gestillen,
sonst auch zwingen, betwingen
bei Diefenbach
gloss. 137
a: scholden do de ratlude de meinheit in der stad stillen und trosten, dat on korn in de stadt mochte komen, do mosten se om aver geben
städtechron. 7, 197 (
Magdeburger schöppenchronik, 14.
jh.); sondern Merthel Distelmann und Ebolt huter sein allein, das stattvolk treulich zu frieden zu bringen und zu stillen (
verordnet gewesen) (
v. j. 1525)
chron. d. st. Bamberg 2, 28
Chroust; auch schafft zuo stillen mich kein wer, kein bann, kein acht, wie vast und seer man mich darmit zu schrecken meynt Hutten
opera 1, 450
Böcking; wan nun ... die Römer zerschlagen und ganz Italien durch dissen heldt gestillt 5, 37; Carolus IV. .... nam die Marck ein, 1373 fort nach dem tode Ottonis, stillet die fürsten zu Sachsen und Anhalt, das sie zufrieden worden (
v. j. 1579) Christoph Entzelt
altmärck. chron. 195
Bohm. ebenfalls nur frühnhd., jemanden durch geschenke oder geld '
beschwichtigen'; '
bestechen'.
die bedeutung '
zum schweigen bringen'
kann mit im spiele sein: da redt der Hörlin, er hetts vergessen, mit vil worten und stillet hernach ettlich rautgeben
städtechron. 4, 319 (
Augsburg, 15.
jh.); die Teutschen stilte er mit gaaben B. Hertzog
chron. Alsatiae (1592) 47; es sagt Tacitus, dasz ... die Römer sie (
die Quaden und Markomannen) mehr mit gelt gestillet (
haben) als mit waffen Rätel
J. Curäi chron. (1607) 21; aber abt Rudman stillet und begütiget den bischoff mit gaaben Stumpf
Schweizerchron. (1606) 402
a; (
er) sprach, im wer vil ... löblicher, zu gepieten und zu herrschen über die, die reich ... weren, dann sich mit gelt stillen lassen Albr. v. Eyb
dtsche schr. 1, 35
H. 2@cc) stillen,
oder ein kind stillen;
ein fester begriff: '
das kind an der mutterbrust tränken' (
im gegensatz zur '
künstlichen'
ernährung durch flaschenmilch u. s. w.): die mutter, (amme) stillt ein kind.
so schon seit dem 16.
jh. die grundlage des gebrauchs ist die tatsache, dasz durch das säugen das kind beruhigt wird und zu weinen aufhört. einzelne belege lassen diesen zusammenhang erkennen; meist ist die wendung formelhaft, ohne beziehung zu ihrem ausgangspunkt: mater lactat seuget oder stillet das kind Steph. Riccius
Terent. com. Andria (1586) 382; und die mütter also auszgesogen werden, dasz sie nicht mehr stillen können J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 152; Erassmus ... hatte eine seugamme bestellet, das kind zu stillen Grimmelshausen 2, 650
Keller; man sah sich daher genöthigt, ihn bis ins dritte jahr zu stillen Rabener
s. w. 4, 165; da erwacht aus dem schlafe die mutter, liesz sich reichen das kind und stillt es am wärmenden busen J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 21; und auch dafür werden sie sorgen, dasz die mütter nur angemessene zeit lang stillen Schleiermacher
Platons w. (1824) 6, 282; Magdalena schweigt, doch wohl bemerkt es der gatte, dasz sie weint in der nacht, und auf die leiseste regung in der frühe das kind noch einmal stillt Hebbel
w. 8, 328
Werner; eine ziege stillt das ausgesetzte kind Fr. Creuzer
symbolik (1810) 2, 343; ich setze ihnen einen löffel suppe vor, was der stillenden mutter gut thun ... wird Holtei
erz. schr. 13, 3. —
vereinzelt ein stillendes kind,
für ein kind, das gestillt
wird: als Valerius Maximus schreibt von einer tochter, die ein stillend kind gehabt G. Edelmann
hochzeitpred. (1580) o 8
b; ein stillend kind
infans lactens Aler
dict. (1727) 2, 1839
a.
substantiviert das stillen: die schmertzen, die sie (
die mutter) sowohl die sechswochen über in ihrem kindesbette, als hernach über dem stillen und gewöhnen des kindes leidet J. B. Carpzov
leichpred. (1698) 97; unter den obwaltenden umständen war es klug, das stillen des kindes sobald als möglich einzustellen Görres
ges. br. (1858) 1, 244; das stillen muszte ausgesetzt, das kind gefüttert werden H. Steffens
was ich erlebte (1842) 5, 107; in der ... schwangerschaft und beim stillen Sömmerring
menschl. körper (1839) 5, 522. 33) '
zum schweigen bringen',
zu still,
adj., II.
verhältnismäszig selten und meist früheren sprachstufen angehörend. jemanden stillen; ein geschrei, die rede, die klagen, das weinen stillen '
zum schweigen bringen'.
oft von 2 b
nicht zu trennen, da infolge des zusammenhangs von innerer erregung und laut nicht nur das reden, klagen, weinen, murren u. s. w. gemeint zu sein braucht, sondern auch die solche äuszerungen hervorrufende gemütsbewegung. in den meisten fällen empfindet man heute weniger das aufhören des lautes als das beruhigtwerden: die gemeinlichen diet stillete gotes wigant, wand er in zeigete mit der hant daz si solden swigen
passional 83, 53
K.; kumt er (
der kaiser), als ich hàn vernomen, er stillet grôz geschreie Neidhart 31, 9
H.-W.; nimmer kompt mir in den sin wann das ich leb nach ewern willen! Friedrich die wort begund stillen: wann die hochzeit ward erhept
Friedrich v. Schwaben 6914
J.; daz si erbrast an ein weinen und an ein húwlen, daz er si muoste stillen H. Seuse
dtsche schr. 122, 21
B.; stillen sol man fraidigen hunt, das er nicht grein zu aller stunt Oswald v. Wolkenstein 121, 101
Schatz; daz stund darnach nit lang, daz Hans Dachs sin müll (
mühle) müst abprechen; do ward die red gestillet unter dem folk
städtechron. 4, 45, 16 (
Augsburg 1376); mit dieser wer umb gottes willen trau ich mir all mein feind zu stillen (
nach 1500) Ziegler
geschützinschriften 64; Pilatus ... wolde das geschrey styllen do myt Luther 34, 1, 241
W.; Caleb aber stillet das volck gegen Mose und sprach (
Caleb compescens murmur populi)
4. Mose 13, 31,
ebenso: gantze dt. bibel (
Zürich 1531) 4.
Mos. xiii d, Caleph der stillet die murmelung des volckes
erste dtsche bibel 4, 52
K.; das es (
das gelächter) aber widerum gestillet ward, thät Vicarius also reden Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 149; alszo bluttdurstig wahren si, kunden nit gestilt noch gesettigt werden, ... den sie schreyen alle: crucifige, crucifige (1522) Eranus
pred. 108
Buchwald; die glocken gestillt (
v. j. 1531)
bei Fischer
schwäb. 5, 1771;
dum haec consilescunt turbae bisz das der gemürmel gestillt wirt Frisius
dict. (1556) 453
b; da stillet man die kindt, verbitet den hunden das bellen, verstipft die thürschellen, schmirt den thürangel Fischart 3, 30
Hauffen; die frawen ires lachen noch nicht gestillt waren Arigo
decamerone 339
Keller; hat die notdurft ervordert, das evangeli aufzeschreiben. domit die ketzer wurden schrifftlich uberwunden auch annder fals lerer gestillt, die sich tAeglich allenthalben wider die warhait einlegen Berthold v. Chiemsee
t. theol. 90
R.; des hagels, winds, frosts, schnees und eysses überflusz, hat nu die vögelein vertreibend gar gestillet Weckherlin
ged. 2, 396
lit. ver.; etliche unverständige eltern, ... welche die ... kinder mit dem mummel, ... dem schwartzen mann ... stillen und geschweigen wollen Moscherosch
insomn. cura parent. 83
ndr.; stillet demnach euer weynen
ders. gesichte (1650) 74; wann die bauernweiber im Hessenland ihre weinende kinder stillen wollen, so singen sie ... B. Schupp
freund i. d. not 36
ndr.; kaum war der lerm gestillt ... so fuhr sie also fort J. J. Schwabe
tintenfässl (1745) 27; ... sie aber hätte ihm die (
bellenden) hunde gestillet, ... und er ohne alle hinderung hinzugehen können Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 9; ihr wars, als schreys (
das kind) noch und beständig, und liesze sich durch nichts stillen maler Müller
w. (1811) 1, 301; erheiternd stillt durch manch ein tröstend wort Alhard des tiefgebeugten fräuleins klagen A. v. Droste-Hülshoff
s. w. (1879) 2, 237; leitet doch Arteaga die ouverture (
der alten oper) aus der nothwendigkeit ab, das verwirrte murmeln der zuhörer zu stillen O. Jahn
Mozart (1856) 1, 261; ich ... brach in schluchzen aus, dasz man es gar nicht stillen konnte Th. Storm
w. (1899) 4, 175; schrie er nur eine nacht lang ... schrie und liesze sich nicht stillen R.
M. Rilke
br. 1914 -21 (1937) 78.
vgl. noch mhd. etwas stillen, '
verheimlichen, verschweigen': ich habe gester besant die besten über mîn lant: vor den suln wirz (
die vermählung) niht stillen Hartmann v. Aue
Iwein 2365
L.; nu wolder an ir stillen des wibes namen uf erden und lie der gotes werden mannes kleidere sniden
passional 305, 12
K. —
vereinzelt '
stumm machen', '
töten' (
vgl. still,
adj., II B 1 c,
sp. 2967): nu merket, daz ein martere si an werken und an willen; die let den lib stillen daz er tot davon gelit
passional 47, 2
K.; wie er solches geredet hatte, stillete ihn der hencker mit dem schwerte Er. Francisci
traursaal (1669) 2, 699. 44)
reflexiv sich stillen;
in engem anschlusz an den transitiven gebrauch. im ahd. begegnet stillen
mit reflexivem dativ, z. b. ni moht er imo gistillen Otfrid V 13, 26; sie (
die wellen) gistiltun in sar III 14, 58. 4@aa)
zu 1,
eine äuszere bewegung (wind, wasser
etc.) stillt sich, '
beruhigt, legt sich': bisz sich der ungestüme wind jetzt stillet
buch d. liebe (1587) 249
b; do ... sich das mere und der wint gestillet het Arigo
decam. 107, 15
Keller; das blut ... stillet sich alsforth im finger J. Micraelius
altes Pommerland (1640) 4, 132; solcher gestalt bracht er die ganze nacht zu; bis sich ändlich des morgens dises ungewitter stillete Ph. Zesen
adriat. Rosemund 12
ndr.; jetzt ging ich weiter hinaufwärts, wo sich der strom stillte maler Müller
w. (1811) 1, 50; die wonne zügelte sein fieberhaftes herz, und seine tobenden pulse stillten sich Jean Paul
w. 3, 159
Hempel; 4@bb)
zu 2,
der mensch oder äuszere und innere bewegungen seines wesens und lebens stillen sich, '
kommen zur ruhe': wenn dich also zorn ankumpt, so still dich selber mit vernunfft Geiler v. Keisersberg
bilgerschaft (1512) 17
c; (
als) sich alle dinge in dem hause gestillet hetten Arigo
decam. 336, 27
Keller; dasz ... die gantze welt sich in friede unter seinem regement gestillet hat Wigand Gerstenberg
chronik 14
Diemar; mein creutz und gantzer lebenslauff wird sich noch frölich stillen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 416
a; hie stillen sich die sinnen, die hin und her gewankt G. Neumark
poet.-mus. lustwäldchen (1652) 7
a; und stillete sich damit etlicher maszen ihr stolz und hochmut A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 706; mein nasses auge, stille dich, und sey bemüht, dich aufzuklären Gottsched
ged. (1751) 1, 263; stille mein herz dich! hast du, verachtet von ihm, doch mit den musen ein loos Herder 26, 120
S.; diesz wird die letzte thrän nicht sein, die glühend herz aufquillet, das mit unsäglich neuer pein sich schmerzvermehrend stillet Göthe I 4, 95
W.; da drauszen alles so schön und ruhig lag, als wäre nirgends in der welt ein krieg, ... so erheiterten und stillten sich wieder ihre gemüther Stifter
s. w. (1901) 1, 261. 4@cc)
seltener zu 3, '
verstummen': nach dem sich der frawen rede gestillet hette Arigo
decam. 595
Keller; ich sage mit gunst, meister und gesellen, stillet euch ein wenig
das schleiffen des bötticher handwerckes (1693) b 4
b; so hemmte sich der lauf ihrer thränen; ihre seufzer stilleten sich
samml. v. schauspielen (1764) 1, 80.