still,
adj. form und verbreitung. 11)
das wort tritt altbezeugt nur im westgerm. auf: ahd. stilli,
mhd. stille,
as. stilli,
mnd. und mndl. stille,
holl. stil,
afries. stille,
neufries. stiël,
ae. stille, stylle,
me. stille, still,
ne. still;
für das altnord. wird es aber vorausgesetzt durch das sicher einheimische, abgeleitete verbum an. stilla '
stillen, beruhigen, mäszigen, dämpfen',
norw. schwed. stilla,
dän. stille =
dt. stillen,
s. M. Schnieders
d. einheimischen schw. verben d. jan-
kl. im an. (1938) 100;
dadurch wird wahrscheinlich, dasz auch schwed. stilla,
norw. still,
dän. stille
bei älterem stil
nicht entlehnt sind, wenn auch vielleicht durch mnd. mndl. stille
beeinfluszt, s. Torp 716, Hellquist 870;
anders Falk-Torp 1167.
die grundform ist *stellja (
zu idg. *st(h)el '
stellen, aufstellen') '
stehend, unbeweglich'
; zugrunde liegt vielleicht alter u-
stamm *stelnus,
ai. sthāṇú- '
baumstumpf, unbeweglich' Walde-Pokorny 2, 645; Persson
beitr. 424; Kluge
urgerm. 77; Boisacq 907; Fick
4 3, 488.
doch ist zu beachten, dasz nu-
adjectiva auszerhalb des arischen und litauischen nicht gesichert sind. der westgerm. j-
stamm kann ebensogut weiterbildung eines a-
stammes, wie umformung eines u-
stammes sein. die doppelkonsonanz kann, da sie auch nordisch vorliegt, nicht durch das j
hervorgerufen sein; neben der oben angenommenen entstehung aus ln
kommt auch noch eine grundform *steðla-,
wenigstens rein lautlich, in betracht, wie stall <
*staðla-,
doch wird sie morphologisch nicht empfohlen. ahd. wie in den anderen westgerm. sprachen von vornherein den stämmen auf ja (jô)
zugeordnet, s. Wilmanns
2 dtsche gr. 2, 426. 22)
neben die überlieferte zweisilbige mhd. form stille (
adj. und adv.)
tritt im spätmhd. die einsilbige form still;
im 14.
jh. sich ankündigend in belegen wie din lieb trag haimlich und still, nit schrib an die wend wasz sy din will
mhd. minnereden I 4, 39
M.; und bat sie still haben Seuse 29, 20
Bihlm. (
hs. 2.
hälfte des 14.
jh.).
in den hss. des 15.
jh. mehren sich schreibungen wie still und offenbar
statt stille und offenbar; er ... gebot den veinden das sye still sessen
das summerteil der heyligen leben (1472) 111
va.
ebenso in vocc. d. 15.
jh., z. b. tranquillus still
bei Diefenbach
gloss. 592
c (
md.);
im 16.
jh. wird still
geläufiger; Luther
hat still
neben häufigerem stille.
das nebeneinander beider formen stellt sich bis zum ende des 19.
jh. so dar, dasz im prädikativen gebrauch beide formen ziemlich gleichwertig sind, dasz aber für das adverb seit dem 16.
jh. die kurzform vorgezogen wird. bei Göthe
besteht eine fast reinliche scheidung zwischen stille
für den prädikativen und still
für den adverbiellen gebrauch; ausgenommen natürlich, wie auch bei anderen dichtern, die verse, wo je nach dem versmasz die kurze oder lange form eingesetzt ist. seit dem ende des 19.
jh. ist still
prädikativ und adverbiell die geläufigere form. doch begegnen auch heute nicht selten fälle mit stille,
auch im adverbiellen gebrauch: sich stille rüsten Alverdes
zwiegesicht (1937) 88; die hand hing wieder stille
ebda 25; muszten sie ja stille schweigen Gertrud v. le Fort
die magdeburgische hochzeit (1938) 41. 33)
im spätmhd. begegnet neben der regelmäszigen form des adverbs stille
im reim (
auf willen)
auch stillen: offenbar und stillen, frOelich mit gtem willen schweizer Wernher
Marienleben 1693
P.-H.; Hesler
apokalypse 934, 9136, 12203;
minnereden I 7, 374
M. auszer dem reimzwang könnten adverbialformen wie: in stillen, mit stillen (
zu stille,
f., s. d.)
eingewirkt haben. vielleicht handelt es sich auch um verkürzung solcher formen. 44)
in md., vereinzelt auch in nd. mundarten erscheint der stammvokal geöffnet zu e, ä, a: stëll Rovenhagen
Aachen 139; stelle Hönig
Köln 30; stel Hasenclever
Wermelskirchen 95; stel Follmann
lothr. 532
b, štel
Luxemb. 422
b.
vgl. si was ... eins stellen gemütes
Griseldis 18
Schröder. štäll Kisch
wb. d. Nösner u. moselfr.-luxemb. ma.; štall
Luxemb. 419; stall Schmidt-Petersen
nordfries. 26
a.
rundung zu ö: schtöll Fischer
Samland 115; stöll Laven
ged. in Trier. ma. 277;
Luxemb. 426;
zu ü (u): stüll Vetsch
Appenzell 101 (
Schweizerdeutsche gramm. 1); stüllsteen Ludwig v. Eyb
Wilwolt v. Schaumburg 73
Keller; vgl. dazu in der stull Baumann
quellen zum bauernkrieg in Oberschwaben 135
lit. ver.; in der stull
Zimmersche chron. 3, 100
Barack. bedeutung und gebrauch. still
erscheint seit dem ahd. in drei bedeutungszweigen: I '
unbewegt, in langsamer bewegung', II '
lautlos, leise', III '
verborgen, geheim'. II
entwickelt sich aus I, III
aus II.
die grenzen zwischen den hauptbedeutungen sind oft unbestimmt dadurch, dasz zwei bedeutungen zusammen gemeint sind, besonders I
und II,
was in der tatsache begründet liegt, dasz bewegung und laut ursächlich zusammengehören und auch in der vorstellung des sprechenden verbunden sein können. die gröszte ausdehnung hat, von beginn der bezeugung an, die bedeutung '
lautlos, leise'.
auch heute ist still (
so auch stille
f.)
im wesentlichen ein wort des gehörsinnes. die im mhd. weit verbreitete bedeutung '
geheim'
ist stark zurückgedrängt. II. '
unbewegt, in langsamer bewegung, ruhig'. I@AA.
von wirklicher örtlicher bewegung: '
ohne bewegung, stehend, in ruhe seiend; in langsamer bewegung'. I@A@11)
von menschen, tieren, dingen. ahd. und mhd. nur als adverb in verbindung mit verben (
sonst westgerm. auch anders, vgl. ags.: þæt sē wīd-floga wundum stille hrēas on hrūsan
Beowulf 2830),
besonders stille ligen, sitzen, stên, haben,
swv., und heben,
stv. (
diese beiden nur bis zum frühnhd. heute vereinzelt mundartlich: still heben Fischer
schwäb. 5, 1769; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 591; stilla habn Lexer
kärntn. 242.
vgl. Lexer
mhd. 1, 1131
ff. und 1199
f.; teil 4, 2, 45
ff. und 721
ff. und die belege sp. 50
und 723).
seit dem frühnhd. auch auszerhalb verbaler verbindungen. diese werden vom spätmhd. an häufig zu festen zusammenrückungen: stilliegen, stillsitzen, stillstehen
u. s. w. (
s. diese an alphabetischer stelle).
jedoch begegnen noch heute fälle, wo es sich um unverbundenes still(e)
neben den verben liegen, sitzen
u. s. w. handelt: (
Christus bei der fuszwaschung:) fiang tho zi iro fuazingibot sie stillo sazin Otfrid IV 11, 15; antthat si gisahunsidworige man berht bocan godesblec an himile stillo gistanden
Heliand 662
S.; stillo habeta
tenuit (
inhians tria Cerberus ora Vergil georg. 4, 483)
ahd. gloss. 2, 645, 32
St.-S. (11.
jh.); do got sach sinen willen, er hiez in haben stille beidiu swert und hant
Milst. genesis u. exod. 40, 19
Diemer; nû stuont er vil stille unz im daz ros sô nâhen kam Hartmann v. Aue
Erec 6727
H.; Gâwân und Sangîve ... sâzen stille bî des tanzes schar Wolfram v. Eschenbach
Parzival 640, 3; so'r ûf hin komet an den grabn, ich wæn dâ müezt ir stille habn
ebda 225, 28; daz beidenthalp die ritter stille enthielten ûf der wisen Konrad v. Würzburg
Partonopier 5101; sich für dich allez tougen und habe dîn houbet stille Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 15013; do gesaz er also stille und kerte sich von im selb zuo gote H. Seuse
dtsche schr. 127, 31
B.; und bat si stille haben mit ir gezoge ein wili 29, 20; halt stille daz messer untz daz du besihest waz du sniden sOellest Tauler
pred. 31, 28
V.; do huob unser herr der küng still under ainem kostbaren güldin tuoch, das truogen der rät vier Richental
chron. d. Constanzer conzils 98
lit. ver.; heb still du narr und grosser gouch, muosst sterben mit den wisen ouch
N. Manuel
todtentanz 66
Bächtold; sprach: ligt nur still, ich gang jetzt hin, auff dasz ich bring hieher ein liecht Fischart
w. 2, 96
Hauffen; scharffe und gelinde prediger sind die zwen mühlstein Mosis, der ober rumpelt und stoszt, der
unter ist still Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 1, e 8
b; das kein wasser in die teiche lauffe, damit die karpffen stille seyn und ihre ruhe haben mögen
fischbüchlein 129; man musz aber die angel nicht stille haben, sondern umrühren, so scheust er (
der barsch) darnach
ebda 66; so geschwind als dieses generalcommando gegeben ist, musz das gantze regiment oder bataillon stille seyn, sonder eyn wort ze sprechen oder einige andere action zu machen ... es sey mit dem haupt, leib, händen oder füszen Gruber
d. heutige kriegsdisciplin (1697) 128; alles ist zu der zeit (
vor sonnenaufgang) stille. ich rede aber hier nicht sowohl von der stille, die ich ein schweigen nennen könnte, ... sondern von dem mangel der bewegung der gegenstände Dusch
verm. schr. (1758) b 2
b; durch des menschenwürgers macht nunmehr in das grab gebracht mit dem nimmer stillen pfeile J. Rist
neuer t. Parnasz (1652) 116; da nun alles, alles sich bewegte, bäume, flusz und blumen und der schleier und der zarte fusz der allerschönsten; glaubt ihr wohl, ich sei auf meinem felsen, wie ein felsen, still und fest geblieben? Göthe 2, 184
W.; keine seele rührte sich in der stillen steinwelt (
der statuen) G. Keller
ges. w. 7, 344; (
die kinder) hielten die trotzigen engelsköpfchen
ganz stille Stifter
s. w. 2, 147; linden mit satten, vollgrünen, stillen blättern Frenssen
Jörn Uhl (1902) 83; statt der sechs mahlsteine sausen nur die unter den braunen ... händen der weiber, die drei andern handmühlen stehen still und verlassen
M. Dauthendey
Lingam (1923) 61; der mann neben mir lag still ... der mann rührte sich nicht mehr (
er war tot)
ebda 161; denn die bewegung hörte alsbald wieder auf und die hand hing wieder stille P. Alverdes
zwiegesicht (1937) 25.
im vergleich still wie ein stock, stein (
vgl. auch stockstill, baumstill
u. ähnliches): sus lager stille alsam ein stock, mit bluote gar berunnen Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 5345
Pf.; er lac, als ob er wære tôt, noch
stiller denne ein quâder Konrad v. Würzburg
troj. krieg 32307; sasz ich bald einer kammermagt in das bräm, so sie hat am rock, und hült mich stiller dann ein stock Fischart
flöhhatz 166
ndr.; wie aber der wolf ihn erhaschet beym bein, da war er so from und so still als ein stein
Reinicke fuchs (1650) 402. stiller
tritt, schritt '
langsamer, ruhiger gang'
; auch als ausdruck innerer verfassung, '
gelassen': stilles trittes, o Vosz, wandelt indesz dein freund durch gefilde der ruh Hölty
ged. (1870) 65
Halm; so wandert er (
st. Lucas) mit stillem tritt, nun sieht er schon Mariens hütt A. W. Schlegel
im Athenäum 2, 147; der ruhige bürger, der sein väterlich erbe mit stillen schritten umgehet Göthe
w. 50, 223
W.; '
sittsam': sie (
die mädchen) gehen ihren stillen schritt und nehmen uns doch auch am ende mit
ebda 14, 47
W. (
Faust 840);
vgl. noch: es ist etwas stilles in ihrem (
der göttin) tritt Herder
w. 16, 469
S. I@A@22)
vom wasser. I@A@2@aa)
von '
stehendem'
gewässer. I@A@2@a@aα)
vom meer und von der see: '
ruhig, nicht stürmisch'
; oft ist damit untrennbar verbunden die vorstellung '
ohne lärm, geräusch des sturmes, der wellen, der brandung'
; vgl. stratum aequor das still meer Frisius
dict. (1556) 48
a;
tranquillus (
de mare dicitur) still, windstill, ruwig 1323
a; das meer wirdt still und geligt, wenn man öl dareyn schütt
mare tranquillatur oleo Maaler 388
c; stilles meer
mare tranquillo, cheto, calmo Kramer
t.-ital. 2 (1702) 973
a; ... nis nu lang te thiu that thia stromos sculunstilrun werthan
Heliand 2255
S.; vgl. ags.: streamas stille weorðað
rätsel 3, 14;
tranquillo sereno radiat sepe mare inmotis fluctibus eina wila ist ter mere stille unde lutterer, andera wila tuarot er truober Notker 1, 78, 5
P.; das mer wart stille do, und chomen mit frewden an das lant
märterbuch 9364
Gierach; ein ... sehe, den der künig Ptolemeus ... in xii tagen ..., wenn es gantz stille darauff gesein ist, umbfaren hat H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 100; dann es was dazumahl ... der gantz wind gelegen und das meer gar still worden Fronsperger
kriegsb. (1573) 3, 157
b; dat mer is nicht stille, als it stormet van winde Tunnicius
sprichw. 1091
Hoffmann; so gib, dasz unser schiff, das auf den wellen stund, nicht geh auf stiller see und in dem port zu grund! A. Gryphius
trauersp. 216
Palm; plötzlich ruhte der wind; von heiterer bläue des himmels glänzte die stille see J. H. Voss
Odüssee 222
Bernays; es gibt minuten, wo mein geist stillen gewässern gleichet, kein wohltätiger wind vermag das drückende gleichgewicht aus einander zu schaukeln Schiller 2, 393
G.; nichts weniger als entmuthigt wartete Alexander nur stille see ab, um den sturm zu wiederholen Droysen
gesch. Alexanders (1833) 192; das meer schäumte mächtig ... und so waren diese ausflüge bei grauem himmel und lärmender brandung fast noch schöner, als sie vorher bei sonnenschein und stiller see gewesen waren Th. Fontane
ges. w. (1915) 4, 266. —
gelegentliche anwendungen: darnach legt sich die ungestümigkeit und wart der flusz stil G. Alt
buch der cronicken (1493) 7
b (
deinde lenis violentia posita placidus [
sc. Nilus]); und durch den harten schlag (
der kanonen in der seeschlacht) die stillen tiefen zittern Pietsch
ges. schr. (1740) 14; und stille wirds über dem wasserschlund, in der tiefe nur brauset es hohl Schiller 11, 222
G.; all die vielen glühenden silbertropfen (
des wasserspiegels) schwankten sich entgegen, immer näher, immer stiller, wurden alle wieder eine weisze sonne H. Carossa
ged. (1929) 17.
als bild: ihre instrumentalbegleitung war sonderlich in der ersten periode ihrer tonkunst nicht rauschend und übertäubend, sondern eine stille, krystallene see Schubart
ästhetik der tonkunst 36. I@A@2@a@bβ)
terminologisch: der stille ozean, das stille meer
für den groszen oder pacifischen ozean, das von Magelhan wegen seiner windstille pacific ocean
genannte meer zwischen Amerika und Asien (
s. Murray
Oxford dict. 7, 360,
dort belege von 1555
an).
zunächst nach dem englischen pazifischer ozean
genannt; seit dem ende des 17.
jh. erscheint die bezeichnung stilles meer;
später stiller ozean: das stille indianische meer
mare pacificum Stieler (1691) 1261; das stille meer
il mare pacifico ò tranquillo Kramer
t.-ital. 2 (1702) 35
c; die stille see
il mare pacifico 2 (1702) 729
c; das stille meer zwischen Asia und America siehe pacificum mare
bei Zedler 40 (1744) 91,
Noel-Chomel 8, 1664, Adelung 4 (1801) 378, Campe 4, 660
a; man pflegte ihm zwar in seinem ganzen umfange den namen des pazifischen oceans oder stillen meeres beizulegen G. Forster
s. schr. (1843) 1, 15; weil keinerlei strömung aus dem eismeere in den stillen ozean eindringen konnte Peschel
völkerkde (1874) 428;
auch in die dichtung eingedrungen: die insel hiesz Orplid, und ihre lage dachte man sich im stillen ozean östlich von Neuseeland Mörike
w. (1905) 3, 3
Göschen; ... sonne dich am lichte, das umglänzt den stillen ozean Platen
w. 1, 4
Redlich. I@A@2@a@gγ)
von stehendem gewässer (
teich, see)
im gegensatz zu '
flieszend'.
vgl. reses aqua still oder faul wasser, das nit laufft Frisius
dict. (1556) 1152
a: wer mit einem sweren stein enmiten in ein still stendes wasser vast wurfi Seuse
dtsche schr. 191, 16
Bihlm.; und die quellen und bäche der ersten schöpfung gottes sind zu stillen todten seen geworden Gleim
briefw. 1, 226
Körte; im stillen wasser verkommt sie (
die forelle) Scheffel
ges. w. (1907) 1, 246;
in dichterischer sprache stimmungshaltig, nach II
hinüberweisend (
s. II A 4): sie traten itzt in einen freien platz, wo ein stiller see im bleichen licht des mondes glänzte L. Tieck
schr. (1828) 8, 4; niederhangen hier die weiden in den teich so still, so tief Lenau
s. w. 13
Barthel; er (
der weiher) liegt so still im morgenlicht, so friedlich wie ein fromm gewissen A. v. Droste-Hülshoff
s. w. 1, 50
Schwering; binsen umsäumten ihn (
den see), und auf der stillen, schwarzen wasserfläche schwammen zahlreiche mummeln Th. Fontane
ges. w. (1915) 4, 358.
gelegentlich von der oberfläche des wassers '
eben, glatt wie ein spiegel': ein maulpferd ... kam zu einem stillen wasser und ... sein gestalt ... darin erblickte Heyden
Plinius (1565) 228; stilles, ebnes meer ists, worin sich die liebe sonne spiegelt Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 161; hier zeigten die stillen wasser (
der lagune) auch das scharfe, dunkle ebenbild einer schlank gewölbten marmortreppe C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 99. I@A@2@bb)
von '
flieszendem'
gewässer (
bach, flusz). '
ruhig in der bewegung, langsam flieszend'
; häufig in der verbindung still flieszen.
vgl. lambere senlich, gemach, still flieszen (
Hagenau 1516) Diefenbach
gl. 316
b:
quietis lapsibus runstin, stillan vartin
ahd. gl. 2, 430, 55
St.-S. (11.
jh.);
vgl. auch die schon frühbezeugten flusz- und ortsnamen, ahd. stillaha,
elsäss., hess., österr. a. d. j. 773, 816, 948, 1109
u. ö., vgl. die Stille
z. b. im kreise Schmalkalden, die Still
im kreise Molsheim u. ö., sieh bei Förstemann-Jellinghaus
altdt. namenbuch 2, 2, 893; ouch rinnet nâch der lenge ein bach, der ist niht kleine: stille unde seine der selbe phlûme lief Ottokar
österr. reimchron. 32817; an der Thonaw ... und andern wassern, wo sy still lauffen ... da findt man auch vil (
biber) Herold - Forer
Gesners thierbuch (1563) 22; gehe zum wasser, da es am stillesten läufft
fischbüchlein 49; unter diesem schlosz wallet hervor die helle, schöne quelle ... und zwar nicht mit einem groszen strudel ... sondern ganz stille S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 13; hier schien ein gefährlicher strudel ... aber in zwey minuten waren wir auch völlig darüber weg und in stillem wasser Chr. Fr. Nicolai
reise (1783) 2, 543; wir streichen wie ein stiller bach immer weiter gelassen in der welt hin Göthe IV 4, 63
W.; es spiegelt sich im stillen Rhein so zauberisch der sterne schein Schneckenburger
deutsche lieder (1870) 51; es ergosz sich dort ein bach in den see, ein stilles und durchsichtiges wässerchen C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 86. I@A@2@cc)
sprichwörtlich: stille wasser sind tief,
daneben gründen tief, haben tiefen grund.
zugrunde liegt die vorstellung, stehendes oder ruhig flieszendes wasser ist tief, nicht durchschaubar, gefährlich; trotzdem meist als '
nicht rauschendes' (still II)
wasser verstanden und dem entsprechend weniger auf den ruhigen als den schweigenden menschen bezogen. gelegentlich wird dann auch das bild ausdrücklich geändert: tiefe wasser sind still
altissima quaeque flumina sine sono labuntur Frisch 2, 335
c (
vgl. dazu: nimm dich vor heuchelei der stillen leut in acht, am tiefsten ist ein flusz, der kein geräusche macht Opitz
s. w. [1644] 828
a).
weit verbreitet in der literatur, umgangssprache und den mundarten (
nd. md. obd., vgl. die mundartenwbb.).
älteste bezeugung spätmhd.: von den die stille geperd haben. was menschen stiller perde sein, die meyd, das ist die lere mein. man spricht gemein zu aller stund: stille wasser haben tieffen grund
kl. mhd. erz. II 220
Euling; Luther
hat stille wasser sind tief, die rausschende wasser sind nicht grawsam 30, 2, 43
W.; stille wasser sind gern tief, sagte Hypsikratea Buchholtz
Herkuliskus (1665) 523; die stillen wasser sind oft tief A. v. Arnim
s. w. 5, 335; und was die frau angeht, ... so wisse jeder, stille wasser seien tief Fontane
ges. w. I 6, 353; doch stille wasser, kind, die haben tiefe gründe
samml. v. schauspielen (1764
ff.) 5,
d. gleiszner 4;
weitere belege s. unter wasser,
teil 13, 2342.
das gefährliche stiller (
ruhiger, langsam flieszender)
gewässer kennzeichnen einige varianten: stille wasser fressen grund W. Lüpkes
seemannsspr. 130; Fischer
schwäb. 5, 1769; stel wasser grondfresser Follmann
lothr. 532
b; ein stilles grundfressendes wasser Pestalozzi
s. schr. 7, 32; stille wasser fressen tief H. Sachs 8, 277
K., fressen am meisten Martin-Lienhart
elsäss. 2, 591, reiszen die gröszten löcher Fischer
schwäb. 5, 1769.
ohne anschauliche vorstellung: stille wasser trügen
ebda; Bauernfeld
ges. schr. 3, 186; d stilli wasser sind d schlimmsten Martin - Lienhart
elsäss. 2, 591.
dazu ein stilles wasser
für einen menschen, '
der es hinter den ohren hat': ein lockerer vogel war der maler, jedenfalls ein stilles wasser K. H. Waggerl
mütter (1935) 39; dieses liebe schwiegertöchterchen ist wie ein stilles wasser, tief und breit: wenn ich nicht bey zeiten vordämme, so ersäuft sie uns noch alle miteinander Kretschmann
s. w. (1784) 4, 2, 47 (
die hauskabale 2, 3). I@A@2@dd)
vereinzelte gebrauchsweisen. von flüssigkeiten, die nach dem kochen nicht mehr wallen und sieden: ihr herz ist einem topfe gleich, der, so lange er am feuer stehet, siedet und kochet, wenn er aber zurück gesetzt wird, bald stille wird und erkaltet Scriver
seelenschatz (1684) 451; ist es (
das beafsteak) nun auf der einen seite gut, dann hebe ich es eine weile heraus, bis die butter zum zweiten mal still wird Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 33. — stilles wasser '
tafelwasser ohne kohlesäurezusatz'; vergleichen läszt sich stummer wein, '
unbewegt, ohne gärung',
teil 10, 4,
sp. 390. I@A@33)
von luft, wind, wetter. ohne bewegung, windstill, ohne starken wind oder sturm. am häufigsten stilles wetter: tho wart in thero stullithaz wetar filu stilli Otfrid III 8, 48 (
Matth. 14, 32
cessavit ventus); (
Jesus) gieng uf wasser trucken hin, hies wind und wetter stille sin Schweizer Wernher
Marienleben 7858
P.-H.; als aber keiser Henricus einen monat lang ... verzogen hatte, und sich stille wetter, darauff er gewartet, zutrug, zog er mit xxx schiffen ... auff Pisa zu B. Faber
Saxonia (1563) 194
a; diesem nach liesz der keyserliche obriste ... bey stillem wetter etliches volck ... uber den Brandeshager pasz setzen v. Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 44; wanns ... still wetter ist, so ziehet der lerch gewaltig fort Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 134; ein starkes erdbeben (
das man) ... bei stillem wetter erlebte Ritter
erdkde (1822
f.) 3, 86; stille ... witterung ist dabei (
beim feldlerchenfang) nöthig Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 4, 180.
daraus entwickelt sich die bedeutung '
schönes, heiteres wetter',
durch nebengeordnete begriffe wie klar, heiter, schön, lind
verdeutlicht, vgl. tranquillum est es ist still und schön wetter Frisius
dict. (1556) 1313
a;
serenus, heyter, schön, häll, himmelheyter, stille 1203
b;
tempo sereno schön, hell, still wetter Hulsius (1618) 2, 368
a: ward alsbald eyn stilles, klares wetter
das summer teil der heyligen leben (1472) 23
a; liechtweisz ist ein gut zeichen, besonder auff dem meer, dann es bedeut gemeinlich schön, heytter und still wetter Paracelsus
opera (1616) 1, 920
Huser; bey schönem wetter still und lind, wann sich erhebt kein rauher wind Joh. Spreng
Ilias (1610) 62
a; auch auf der wasserfläche der ströme und des meeres stellt sie (
die luftspiegelung) sich bei warmem, stillem wetter dar H. Allmers
marschenbuch (1858) 50. stille luft (
ahd. aether),
vgl. aequatae spirant aurae es gadt ein sanffter stiller lufft Frisius
dict. (1556) 50
a:
nisi quod ille inmutabili letitia renitebat. hec commotionum assiduarum nubilo crebrius turbabatur ... aether ist io stille. aer wirt ofto getruobet Notker 1, 743, 8
P.; ihr stillen lüfte dieser nacht, ... fangt auf den thon, den meine rede macht H. v. Hoffmannswaldau
u. and. Deutscher ged. (1697
ff.) 2, 81
Neukirch; bistu zur see gewest, wann sie kein wind beweget, wenn durch die stille lufft die fluth sich nährlich reget? Rachel
satyr. ged. 21
ndr.; euch, wunderbare lüfte, sandte der herr, der unendliche, aber jetzt werden sie still, kaum athmen sie, die morgensonne wird schwül Klopstock
oden 1, 135
M.-P.; sie hatten auf flachem boden ein feuer angelegt, und eine stille luft trieb den rauch erst auf der arena hin Göthe 30, 265
W.; bis plötzlich in der stillen, heiszen luft das klare mittagsglöcklein klang Stifter
s. w. (1901) 3, 285; ein ... gebäude, von dessen giebeldach eine gelbe flagge ... schlaff in der stillen, etwas nebligen luft herniederhing Fontane
ges. w. (1915) 4, 335. stiller wind: da die ungestüme des windts gelegt und still ward, schifften sie zuo der statt Sciathum Carbach
Livius (1557) 219
a; den 8. junii schifften wir im namen gottes gen Cypern ... mit stillern winde hin
M. v. Seydlitz
wallfahrt nach d. heil. land (1580) c 1
b; ein kühner mann, der ... lieber mit allen segeln in den abgrund als mit stillem winde in die schande hineinfuhr E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 218. stiller himmel: man soll ein taubhausz machen, wo der himmel häll und still ist Michael Herr
feldbau (1551) 168
b; so folgen wir billig hierinnen dem beyspiel des himmels, der bald stille, bald stürmisch zu seyn ... pfleget Lohenstein
Arminius (1689) 1, 4. stille
tages- und jahreszeiten, wobei die hauptvorstellung '
windstill'
verblassen und der nebensinn '
schön, heiter'
die oberhand gewinnen kann (
s. oben stilles wetter):
dies placidus et serenus ein lieblicher und schöner tag, stiller tag Frisius
dict. (1556) 1008
a; der fisch milnus ... (
wird) ein lyecht genannt, das er ein fewrige zung zum maul hAerausz strecket, die bey den stillen nächten ein schein gibt Eppendorff
Plinius (1543) 116; (
im februar soll man) zu den bienen sehen, wann ein heller und stiller tag ist Hohberg
georgica curiosa (1662) 1, 110; wann der neue jahrstag auf einem sonntag fällt, so wird ein stiller und ruhiger winter, stürmigter frühling
georg. cur. aucta 3 (1715) 95
a; gleich wolken, welche Kronion ruhig um hohe gebirg an stillen tagen versammelt Bürger
w. 227
Bohtz; an einem ganz heitern stillen morgen ..., als der rauch, aus allen essen aufsteigend, sich über dem thal sanft zusammenzog Göthe II 5, 1, 265
W.; und zeigte auf die nun stillgewordene mondhelle schneenacht hinaus Fouqué
alts. bildersaal (1818) 4, 39; an einem lauen, stillen abend zu anfang des sommers R.
M. Rilke
ges. w. 4, 111. es ist still (
die gleiche wendung in anderer bedeutung II A 6): wiewol man aber zu disem gezeug (
dem windfang) keins haspels bedarffe ... doch dieweil es nicht allwegen umbgetriben wird, so kein lufft geht, wie es den gar offt still ist, ist dieses nicht ... so zuträglich dem schacht lufft zu machen Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 170; es ist so still, es wäre gut hafer säen Wander
sprichw. 4, 858; wann es still ist, wil jeder ein steurmann sein
in tranquillo quilibet gubernator Aler
dict. (1727) 2, 1838
a.
einzelnes: gebläse gehet still, wenn der (
schmelz)ofen dunkel gehalten wird Chr. Herttwig
neues u. vollk. bergbuch (1734) 156
a; ein brand, dessen rauch still wallend ... hinauf steigt Göthe IV 35, 303
W.; kommt aber heute nachts wieder ein sturm, oder regnet es morgen sehr, wenn auch still (
ohne sturm), so musz ich hier bleiben A. Stifter
briefw. 6, 69. I@A@44)
von feuer und licht '
unbewegt brennend, nicht flackernd'
; bei der kerze
stimmungshaltig '
sanft, milde',
zu II
hinübergehend: das feuer, das auf dem herde flackerte, ward still und schlief ein
kinder- u. hausmärchen (1843) 295; das feuer in des wächters händen wird wie ein nachtlicht still und klein Göthe 1, 50
W.; drauf akademisch ward mir gleich ein herrlich welt- und geisterreich bei stiller kerze schimmer 4, 174; aber er tobte weiter und merkte kaum, wie er das bisher stille wespenfeuer (
die wut eines wespenschwarms) zu spitzen flammen entfachte H. Carossa
d. arzt Gion (1931) 142. I@BB.
vom menschlichen leben und handeln, äuszerlich und innerlich; '
unbewegt, untätig, ruhig'; '
zurückgezogen, dem äuszeren leben und seiner bewegung abgewandt'.
häufig mit ruhig
verbunden. im übertragenen gebrauch sich mit den aus still II, '
leise',
entwickelnden anwendungen eng berührend und nur theoretisch davon zu trennen. I@B@11) '
ruhig', '
ohne bewegung', '
in ruhiger bewegung',
vom äuszeren und inneren zustand des lebens und tuns. I@B@1@aa) '
untätig', '
ohne handeln'
; in älterer sprache häufig von kriegerischen unternehmungen: (
bei der brotvermehrung) that folc stillo bed, sat gesidi mikil
Heliand 2852
S.; niheinis urlougis wart man giwari: dî heriverti wârin stilli
lob Salomonis 243
bei Waag
kl. dt. ged. 35; niemen wege fuoz noch hant ubir al ditze lant unde si vil stilli es nesi Josebis willi
genesis u. exod. 86, 34
Diemer; als daz sturmen was gelegen und si heten des verpflegen, nu wolden die heiden ouch stille sin
kreuzf. d. landgr. Ludwig 1409
Naumann; ie doch ist das nit mein wille das ir hie belibent stille, unntz das vechten nem ain ennd
Friedrich v. Schwaben 4041
J.; der kaiser Carl was nimmer still, er tatt krigen und reisen viell zu wasser und dergleich zu lant
M. Friedwald
elbing.-preusz. gesch. 138
b; deszhalben die fürsehung thu, dasz man beleib in stiller ruh, das weder die Troyaner heut, noch unser feind, die Griechenleut sich miteinander legen ein ... der heutig kampf ganz eigen sei mein und des Menelai frey J. Spreng
Ilias (1610) 31
a; der glimpfflich läst alles gehen, will still seyn und dem spiel zusehen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 623; gelt macht die narren klug, erhebt zu ehrenständen, es redet ohne mund, gewinnt mit stillen händen Rachel
sat. ged. 49
ndr.; mein körper ist wieder hergestellt, aber meine seele ist noch nicht geheilt. ich bin in einer stillen, unthätigen ruhe, aber das heiszt nicht glücklich seyn Göthe IV 1, 219
W.; sie setzte sich still auf die kante ihres bettes, ohne sich auszukleiden Storm
s. w. (1904) 1, 184; truppen ..., die ich im Badischen als besatzung still liegen lassen musz, die ich nicht einmal bewegen und verwenden kann E. Strausz
d. nakte mann3 (1912) 264.
in besonderer verwendung, still '
ohne bewegung'
in verkehr und handel: und flugs, wie nur der handel (
im lädchen) still, gleich greift sie nach dem rädchen (
spinnrad) Göthe 1, 35
W. man sagt, das geschäft ist still,
wenn wenig oder gar nichts verkauft und gekauft wird. namentlich vom markt, wenn keine nachfrage nach bestimmten waren ist (
dafür auch flau),
und von der börse bei feststehenden oder wenig sich verändernden kursen und unveränderter nachfrage (
dafür auch fest, befestigt, ruhig, stetig): bei stillem geschäft ergaben sich am deutschen inlandsmarkt keinerlei preisveränderungen
Berliner börsenzeitg. 30. 9. 1938; zucker still und ruhig; der markt litt nicht unter starkem angebot, und trotzdem kein anziehen der preise! roggen litt unter glattstellungen, gerste war still W. v. Polenz
d. Büttnerbauer 2, 205; der rentenmarkt lag still (
an anderer stelle: lag ruhig) bei unerheblichen kursveränderungen. reichsaltbesitzanleihe etwas fester ... montanaktien lagen verhältnismäszig still, nur eintracht braunkohle waren stärker gesucht und stiegen ... der schlusz war ziemlich still und unverändert
Frankf. zeitg. 19. 3. 39
s. 7. stiller teilhaber, gesellschafter,
der sich nur mit seinem geld, nicht durch seine arbeit an einem geschäftsunternehmen beteiligt, vgl. L. Elster
wb. d. volkswirtsch.4 (1933) 2, 298: ein kaufmann, der sein geschäft ohne gesellschafter oder nur mit einem stillen gesellschafter betreibt
handelsgesetzbuch § 18; (
die) senatorischen familien, die ... ihre ... capitalien ... als stille gesellschafter bei den groszen associationen verwerteten Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 108; beteiligungen still oder tätig
nieders. tageszeitg. 26. 7. 1934.
nur in der älteren rechtssprache, stille gewähr '
ruhiger, unangefochtener und rechter besitz' (
zu ahd. gewerî,
mhd. gewer
vestitura, possessio);
zur sache s. Jacob Grimm
dt. rechtsaltertümer4 (1922) 2, 86
f.; K. v. Amira
germ. recht (1913) 209
f. statt und neben still
auch ruhig, geruowet, geruowig (
s. teil 4, 1, 3, 4789
unter gewähr);
gelegentlich auch neben recht,
also soviel wie '
rechtmäsziger'
besitz als gegenteil von roubliche gewer (
s. unter gewähr
sp. 4792).
da das wort gewähr
in der bedeutung vestitura im frühnhd. verschwindet, erlischt auch stille gewähr.
weitere belege s. teil 4, 1, 3
a. a. o. und Fischer
schwäb. 3, 607: da sprechin wir, daz dy herrin des Tützschin huses vorgenant alsolanghe in den vorsprochin guodin gesezzin han in stillir unde in rechtir gewerde, daz sy Adolphe oder Johanne van Nordekin noch keyme erin bruodere egenant nuowet schldich ensin van den vorgenanten guodin (
v. j. 1341)
hess. urkundenb. I 2, 499
Wyss; ob ein man kaufet âne sîn wizzen diubisch guot unde hât daz in stiller gewer lenger danne driu jâr, ist daz sîn ze reht oder niht?
Deutschenspiegel 124, 15
E.-H.; swaz anders guotes ist, daz varndez guot heizet, hât daz ein man in sîner gewer und sîner stillen gewer zehen jâr bî dem der bî im in dem lande ist âne rehte widersprâche, der selbe mac ez niemer angesprechen 123, 9;
d. alte kulmische recht 180
Leman. I@B@1@bb)
im groszen von zeiten, ländern, völkern: '
ohne krieg, aufruhr'; '
friedlich': und das er darneben durch die liebe obrigkeit gnedigen friede und stille zeiten gibet Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 1
b; in stiller sicherheit lag unser Sachsenland Joh. Ulr. v. König
ged. (1745) 110; ich wünsche dasz ew. excellenz die gegenwärtige stille zeit (
nach dem krieg von 1806-07) zu ihrer erhohlung nutzen mögen Göthe IV 30, 104
W.; lange war es in unserer gegend still gewesen, und ich zog mit meinem saumrosse ruhig die gewohnten pfade 24, 27; es war die zwanzig jahre nach dem siebenjährigen kriege, eine stille heitere zeit, und die menschen fühlten sich auszerordentlich wohlig und wählig E.
M. Arndt
s. w. 1, 11
R.-M.; auch sonst '
ohne bewegung, getümmel': lasz mich ein, eh meine seele für verlangen fähret ausz; lasz mich ein, du stiller himmel, nihm mich ausz dem weltgetümmel Angelus Silesius
heil. seelenlust 79
ndr.; nachrichten die zukünftige deutsche singbühne betreffend kann ich ihnen dermalen noch keine geben, da es dermalen noch ... sehr stille hergehet Mozart
bei O. Jahn
Mozart (1856) 4, 150. —
häufig in Luthers
bibel still '
in frieden': und er bauete feste städte in Juda, weil das land stille und kein streit wider ihn war
2. chron. 14, 6; 2.
Macc. 11, 25; ich will das land ohne mauern überfallen und über die kommen, so still und sicher wohnen
Hesek. 38, 11;
1. chron. 5, 40; da ward das land still vierzig jahr
richter 3, 11. I@B@1@cc) still
bezeichnet die ruhe des schlafes; im vordergrund steht die vorstellung des regungslosen; hinzukommt die des leisen, schweigenden (still II),
und besonders in verbindung mit schlummer die des sanften, im gegensatz zum drückenden, schweren schlaf. man sagt jemand ist still '
er schläft', er schläft, liegt still: da lac der übel aspis, slâfend unde stille Konrad v. Würzburg
Partonopier 10709; am morgen kl im aprill, macht schlaffen vil und still Fischart
praktik 18
neudr.; grazie deines Olymps, bedecke mit deinem fittig Cidli. wie schlummert sie, wie stille! schweig, o leisere saite selbst! Klopstock
oden 1, 112
M.-P.; den andern morgen, da noch alles still und ruhig war, ging er sich im hause umzusehen Göthe 23, 161
W.; geh zu bett, ... deinem alter ist der schlaf gut. die kinder sind still, ich bin gern des nachts munter Tieck
schr. (1828) 1, 63; nun sieh, wenn du merkst, dasz er stille, dasz er eingeschlafen, so schleich aus der kammer heraus A. v. Arnim
w. 1, 15; was für ein lärm! was für eine müh! ich sitze gleich und schlummre still Göthe 3, 340
W.; schlupf unter die deck, dich reck und dich streck, schlaf fromm und schlaf still Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 166. — es liegt in einem stillen morgenschlummer die mutter erde Göthe 5, 35
W.; schwebt über unsrer burg noch stiller morgenschlummer Ayrenhoff
w. (1814) 2, 144;
vgl. noch: die welt ruht still im hafen, mein liebchen, gute nacht Eichendorff
s. w. 1, 1, 293
K.; könnt ich denken was ich wollte, und vergessen was ich möchte, heller wären meine tage, stiller wären meine nächte Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 274. I@B@1@dd) still sein, still leben, ein stilles leben, '
nicht nach auszen strebend, dem rastlosen getriebe abgewandt, sich auf den nächsten kreis beschränkend, zurückgezogen'
; häufig mit ruhig
verbunden: still und ruhig leben;
gelegentlich sich mit still '
gelassen'
berührend (
s. unten I B 2)
und den inneren zustand meinend: und ringet darnach, das ihr stille seid und das eure schaffet
1. Thess. 4, 11;
bene qui latuit, bene vixit ein stilles leben ist ein edles leben
Nürnberger wb. (1713)
sentent. 6; (
ich schmeichle mir) im umgang mit den unsterblichen ein stilles und sorgenfreyes leben zuzubringen Wieland
Agathon (1766) 1, 29; ich sehe sie am fenster nicht, auch nicht auf der terrasse. bleibt die arme wohl an diesem schönen tage still bei sich verschlossen? Göthe 11, 289
W.; Bertinus (
lebte) ruhig und still mit seiner geliebten 45, 99; (
mit 102
gulden) könne man mit seiner frau, still und ruhig, wie wir zu leben wünschen, schon auskommen Mozart
bei O. Jahn
Mozart (1856) 3, 149; auch auf einem kurzen und stillen (
lebens) wege kann man viel erfahren W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 114; ein mann, welcher seinen eigenen stillen weg ginge und von der sorglosigkeit der andern nur den nutzen, aber nicht die nachtheile zu ziehen wüszte G. Keller
ges. w. (1889) 4, 220; Instetten war ernsthaft gewillt, auf das stille leben, das er in seiner landrätlichen stellung geführt, ein gesellschaftlich angeregteres folgen zu lassen Fontane
ges. w. (1915) 4, 370.
besonders häufig in der verbindung ein stilles und ruhiges leben führen: du fürest ein still geruogsam leben Tappius
adag. cent. sept. (1545) E e 6
b;
vitam serenam degere ein still und ruwig läben füren Frisius
dict. (1556) 1203
b; auf dasz wir ein ruhiges und stilles leben führen mögen in aller frömmigkeit und ehrbarkeit
1. Tim. 2, 2; damit wir ein fridsam still leben füren mögind in allem ernst und gotteshulde H. Zwingli
dt. schr. 1, 264; umb die kirchen in die heuser ... setz man die leut, die mit irem handel ein stilles leben füren Albr. Dürer
underr. z. befestig. d. stett (1527) d 3
c; ein still und rülich leben füren Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 1
a; wann einer icht zu eim will sagen, er hab still und geruhig tage, der nichts zu arbeiten und zu sorgen, und sey im ein tag heut als morgen dem thut man disz sprichwort zu losz, agis dies Halcynios. das ist so viel gesagt, merck eben, du führst ein still geruhig leben Eyering
prov. copia (1601) 1, 712; ich glaubte nun, ... meine mutterpflichten übend, ein stilles ruhiges leben führen zu können E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 45
Gr. I@B@1@ee)
mehr gefühlsbetont und nach innen gewandt, vom menschen '
zurückgezogen, beschaulich, aus neigung und anlage'
; gelegentlich mit dem nebensinn '
edel' (Göthe);
von ort und zeit '
geschützt, schutz und zuflucht gebend' (
sich berührend mit stille stunde, stilles haus
u. s. w. s. unten II A 4 e): tugend, vernunft und muth müssen nicht in die augen fallen, nicht öffentlich herrschen (
wollen) ... ihre stille wohnung ist die seele Möser
patr. phant. (1778) 3, 8; o könnt ich unbekannt und still ... in einsamer gegend mein leben ruhig wandeln Sal. Gessner
schr. (1777) 1, 128; es giebt besonders zur stillen eingezogenheit geneigte menschen J. Chr. Bode
M. Montaignes ged. (1793) 5, 94; solch ein inhalt deiner sänge, der erbauet, der gefällt, und im wüstesten gedränge dankts die stille, bessre welt Göthe 3, 164
W.; ich bin hier ganz still und wohl. ich habe einige geschäfte besorgt und den wissenschaften obgelegen IV 7, 219 (
vgl. noch IV 35, 283; IV 7, 220
W.); und manches jahr des stillsten erdelebens ward so (
in der betrachtung der natur) zum zeugen edelsten bestrebens I 4, 15; mein leben, insoweit meine schicksale von meiner gemüthsart und gesinnung abhängen, würde still und ungefährdet in unablässigem dienste der wissenschaft verflossen sein Jacob Grimm
kl. schr. 1, 26; wie gern hätte ich in stiller abgeschiedenheit, zufrieden mit der ehre, die mir die wissenschaft gibt, mein leben ... zugebracht 1, 31; darum, freunde, will ich reisen, weiset strasze mir und ziel! in der heimat stillen kreisen schwärmt das herz doch allzu viel Uhland
ged. 1, 46
E. Schmidt-Hartmann; wir können dir keinen stillen platz in Hohen-Cremmen anbieten, keine zuflucht in unserm hause Fontane
ges. w. (1915) 4, 409; Otto ... wird euch von uns und unserem stillen leben ausführlich erzählen Th. Storm
briefe in d. heimat 85
Gertr. Storm; nun, da mein stilles glück zerfällt, kehr ich wieder zu dir (
weite welt) R. G. Binding
ged. (1922) 85;
in eigenwilliger verwendung '
zurückgezogen lebend': der musiker ist in demselben fall, er musz sich aber anders benehmen wie gewisse freunde (
der empfänger Zelter), die weder die reuetöne zarter Magdalenen noch den apell an das allgemeine weltgenie ihren stillen abwesenden zu gute kommen lassen Göthe IV 34, 130
W. —
mit negativer betonung still und einsam (
dieselbe verbindung in anderer anwendung sieh bei II A 4 e
und II A 6): himmel und erde seyn zeugen, ... dasz ich dir unveränderlich getreu, still und einsam deiner harren will U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 86; (
ich) hatte mich darein ergeben, die reihe der schönen feste ... diesmal zu entbehren und meine frommen wünsche aus stiller einsamkeit den verehrtesten personen zuzusenden Göthe IV 29, 35
W.; eine kurze spanne zeit, und das leben oft so still und einsam Th. Fontane
ges. w. (1915) 4, 336. I@B@1@ff)
mit dem vorigen eng zusammenhängend: stille,
in der zurückgezogenheit und in innerer ruhe vor sich gehende tätigkeit und arbeit: hier, wo stiller fleisz, von hof und welt entfernt, aus ruf und büchern nur die groszen kennen lernt K. G. Kästner
verm. schr. (1772) 178; aber bringt zur rechten stunde mir der lampe fromm geleuchte, dasz es statt Amor und Phöbus meinen stillen fleisz belebe Göthe 2, 96
W.; ich hab es wohl auch mit um euch verdienet, ich sorge still, indes ihr ruhig grünet 2, 141; so jung er war, hatte er ein auge auf die stillen arbeiten in so vielen fächern beschäftigter und thätiger männer 22, 106; da wo er (
Vergil) aus dem herzen redet: nicht allein im landbau und in allen schilderungen seines stillen lebens Niebuhr
röm. gesch. 1, 139.
besonders von einzelnen, ein ruhiges, zurückgezogenes, beschauliches leben führenden ständen (
sich berührend mit anwendungen wie stiller mensch
u. s. w. s. unten II C 1): ist nicht bey uns sowohl der stille bürgerstand, als edler fürsten muth auf bühnen schon bekannt? Gottsched
versuch e. crit. dichtk. (1751) 45; Opitzens ... beschreibung von der stillen ruhe des landlebens Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 29; der stille weise schaut und sieht geschwind, wie zwei extreme nah verschwistert sind Göthe 16, 134
W.; aus einer groszen gesellschaft heraus, ging einst ein stiller gelehrter zu haus 2, 273; in der stillen berufstätigkeit eines professors Justi
Winckelmann (1866) 1, 235; dasz viele von ihnen die stilleren und frommeren arbeiten des feldes und der viehzucht treiben E.
M. Arndt
ges. w. 1, 121
M.-R.; auch sind die einwohner ein stilles ackerbauvolk Ritter
erdkde (1822) 1, 304; wie wenige von denen, die die gewalt seiner rede in einer groszen versammlung erlebten, hätten es für möglich gehalten, dasz derselbe mann vielleicht schon in den nächsten stunden der nacht wieder am stillen schreibtisch sasz Julius Petersen
Gustav Roethe (1926) 8; man braucht bei Jacob Grimm auch die folie des äuszeren lebens mit seiner stillen bürgerlichkeit, seinen gemütstönen, seiner inneren wärme, um sein schaffen ... richtig zu würdigen Arthur Hübner
Jacob Grimm, Berl. sitzber. (1935) 5. I@B@1@gg)
von geistigen tätigkeiten, vorgängen und zuständen, '
ruhig, unbewegt'; '
ungestört, gesammelt'
; gelegentlich sich mit der bedeutung '
langsam und stetig fortschreitend'
verbindend: dan das ist nit ein kostliche keuscheit, die stil ruge hat, sondern die mit der unkeuscheit zu felt ligt und streytet Luther 6, 270
W.; und da gott fur sey, wenn es (
das wort gottes) still und ruge würde, so were das evangelium aus, es mus rumoren, wo es kömpt, thuts nicht, so ists nicht recht 34, 313; die meisten (
gottesdienstlichen gesänge) sind mehr lieder als oden, mehr äuszerungen stiller, betrachtender andacht, als ausbrüche des lebhaften religionsgefühls Eschenburg
entwurf (1783) 110; vor stillem schaun Göthe 2, 152
W.; und in dieser gelassenheit ist meine einbildungskraft so stille, dasz ich mir auch keine vorstellung von dem machen kann, was mir sonst das liebste war IV 1, 219; und wenn im heiszen busen dem jünglinge die eigenmächtgen wünsche besänftiget und stille vor dem schicksal sind Hölderlin
s. w. 4, 32
v. Hellingrath; ich lobe mir den stillen geist, der mählich wirkt und schafft Fr. Rückert
w. (1867) 1, 120; die bilder des wachens tauchen im spiegel des traumes nicht sofort, sondern erst dann wieder auf, wenn der geist durch schlaf und ruhe still geworden ist Bismarck
ged. u. erinn. 2, 222
volksausg.; der grundgedanke eines gröszeren und eigenen geisteswerkes kommt uns nicht über nacht, er wächst ganz stille in uns auf W. H. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 281; die stirne ohne schlechtes und gern im schatten stiller niederschau R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 3, 70. —
in verbindung mit betrachtung, nachdenken, sinnen; weg, gang, fortgang: mit stiller betrachtung Frisius
dict. (1556) 113
b; das einleitende gedicht zu dem wieder auflebenden Werther las ich mir neulich in stiller betrachtung vor Göthe IV 38, 278
W.; in stillen betrachtungen steht der ritter maler Müller
w. (1811) 1, 221. — aber stilles nachdenken, wem sollte man das verwehren können? U. Bräker
s. schr. (1789) 2, 113. — also leser! nimm diese fragmente, ... nimm sie und liesz sie, nicht flüchtig! lies sie mit stillem, prüfendem nachdenken Lavater
physiognom. fragm. (1775)
vorr. 5; ihre munterkeit war in ein stilles nachdenken übergegangen Göthe 23, 82
W. aufs neue scheint sie nun in stilles sinnen träumerisch versunken A. v. Droste-Hülshoff
w. (1875) 2, 205; ich wagt es mich zu regen kaum in meinem stillen sinnen Lenau
s. w. 5
Barthel. — vergnügt, den leitfaden für meinen eigenen stillen weg (
der naturwissenschaftlichen arbeiten) gefunden zu haben Göthe II 6, 16
W.; nehmen sie theil an meinem stillen und sachten, aber gewisz ernsten und wohlgemeynten gange IV 37, 258; es war nicht ... der stille gang der dinge, ... wodurch das fürstenthum emporkam Ranke
s. w. 1, 42; man wird hier wie überall finden, dasz die wissenschaften ihren nothwendigen stillen oder lebhaften fortgang nehmen Göthe 42, 1, 34
W. I@B@22) '
gelassen';
innerlich zur ruhe gekommen; einen maszvollen zustand der seele und des geistes bezeichnend; schon ahd. und mhd. beginnend. neben der allgemeinen bedeutung (a)
entwickeln sich früh besonders anwendungen im religiösen (b)
und weltlich humanen bereich (c). I@B@2@aa) '
gelassen'.
im innern ruhig und befriedet: quisquis serenus composito euo subegit pedibus fatum soweler in sinemo altere stiller unde gezogener salda in versihte habeta Notker 1, 21, 28
Pip.; sú (
die jünger) worent versamnet und worent inbeslossen, und sú sassent stille, do in der heilige geist gesant wart Tauler
pred. 104, 2
V.; also bleib sie bei dem vatere demtiklich noch den alden sithen eczliche tage, alzo das nimant erkennen konde kein czeichen eins betrpenisz adder unmutikeit, sunder si waz alle cziet eins stellen gemtes
Griseldis 18
C. Schröder; es ist eyn unendlich wort und will mit stillem geyst gefaszt und betrachtet seyn Luther 10, 1, 1, 728
W.; er sei sein glück (
in der wahl eines gatten) sich selbst, der stillen, ruhigen überzeugung seines herzens, einem edlen vorsatz und raschen entschlusse schuldig geworden Göthe 24, 138
W.; an innern kämpfen hat stille weisheit jahrelang zu dämpfen, stets mühevoll ist ihre bahn Göthe 16, 290
W.; dasz sie sich sowohl über eigene lebensereignisse, ... sowie über das schicksal ihrer freunde ... in gehöriger fassung erhalten und sowohl selbst zu dulden als mit anderen still zu leiden, in freundlicher stimmung sind IV 41, 33; die liebe zog vorüber, dem knaben ward so still. er fragt nicht, was ihm fehle, er weisz nicht, was er will W. Müller
ged. (1868) 1, 136; hier (
beim anblick Athens), sagte Diotima, lernt man stille seyn über sein eigen schicksal, es seye gut oder böse Hölderlin
s. w. 2, 193
v. H.; sage mir, mein herz, was willst du? unstet schweift dein bunter will; manches andre herz wohl stillst du, nur du selbst wirst niemals still Eichendorff
s. w. 1, 1, 81
Kosch; auch mir ist friedlich und still zu mute Th. Storm
briefe in d. heimat 89
Gertrud Storm; sie bildete statt dessen die kunst aus, still und entzückt auf die natur zu blicken Th. Fontane
ges. w. (1915) 4, 437; etwas von der seele heruntersprechen, das regt mich nicht auf, das macht still 4, 453; vor der freude dieser welt bleiben wir nicht im innersten still, stille wie schon Sokrates schattenweise es war, ... sie macht uns ungestüm ... aber vor dem schmerz werden wir stille, und er macht uns langsam Th. Haecker
begriff d. wahrheit b. Kierkegaard (1932) 30. — es (alles) ist (wird) still,
vom äuszeren und inneren ruhigwerden im alter und im tode: ich möcht am liebsten sterben, da wärs auf einmal still Eichendorff
s. w. 1, 1, 438
Kosch; es komme, wie es will, was ist mir denn so wehe — wie bald ist alles still 1, 1, 321.
vgl. noch: ausgetobt in der jugend, macht im alter stille leut Maler müller
w. (1811) 1, 279.
gern in verbindung mit friede, herz, seele,
vgl. den sich eng damit berührenden gebrauch (Göthe)
unter b: so werden eure tage seyn mit stillem fried und süszem schein des segens überfüllet Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 351; mir ist es, denk ich nur an dich, als in den mond zu sehn; ein stiller friede kommt auf mich, weisz nicht wie mir geschehn Göthe 1, 99
W.; o komm auf mich, du stiller, heitrer friede Tieck
schr. (1828) 1, 64; es war ein antlitz voll stillen friedens Storm
w. (1899) 1, 209. — das jahr geht still zu ende, nun sei auch still, mein herz. in gottes treue hände leg ich nun freud und schmerz Eleonore v. Reusz (1857)
in: ev. gesangb. d. prov. Brandenb. (1905)
nr. 95, 1; da wurds in meinem herzen so still wie in der gegend und die ganze beschwerlichkeit des tages war vergessen wie ein traum Göthe IV 1, 236
W. — aber weishait hat gern ir stell in einer rhuigen, stillen sel Fischart
podagr. trostbüchl. 89
Hauffen; es ist der weg des todes, den wir treten: mit jedem schritt wird meine seele stiller Göthe 10, 26
W. —
gelegentlich sich der bedeutung '
heiter'
nähernd: mein herz, trotz allem gelärm der menschen um mich her, ist so still wie der heitere himmel über mir U. Bräker
s. schr. (1789) 2, 227; o wie heiter umher schaut meine stillere seele jetzt Herder 27, 33
S.; und so lebte ich in einem stillen und lichtvollen zustand des gemüths, dessen ich mich niemals anders als mit wehmüthigem vergnügen erinnern werde Wieland
Agathon (1766) 1, 276; (
ich) wandle hier mit stillem heitern ernste Wackenroder
herzensergieszungen (1792) 194. I@B@2@bb)
als religiöse haltung. I@B@2@b@aα) '
ruhig, friedlich, gelassen',
sich in gott geborgen fühlen; im mhd. (
mystik, s. auch unter β)
vorbereitet; eigentlich geprägt von Luther (
bibelübersetzung) und mit innigem gefühl gesättigt; von da ins kirchenlied. still sein zu gott, im herrn, dem herrn; gott still seyn: in diseme so werdent sú denne also gesast, also wesenlich gelöibig und also stille Tauler
pred. 54, 20
V.; gotts wort und lere ist still und rugig, macht stille, sichere und rugige gewissen Luther 23, 596
W.; sei stille dem herrn und warte auf ihn, erzürne dich nicht über den, dem sein mutwille glücklich fortgehet
ps. 37, 7; meine seele ist stille zu gott, der mir hilft, denn er ist mein hort, meine hilfe, mein schutz
ps. 62, 2; so harr ich und bin stille zu gott Gellert
w. 2, 80; wolt ihn auch der tod aufreiben, sol der muth dennoch gut und fein stille bleiben Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 361; gib dich zufrieden und sei stille in dem gotte deines lebens 3, 423; ich will im hertzen still und stets gelassen seyn B. Neukirch
begebenheiten (1738) 1, 135; göttliche zufriedenheit, ... hilf das thal der leiden mir still durchreisen Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 10; an manchem tag ist meine seele still R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 1, 175; I@B@2@b@bβ)
in besonderer ausprägung im vorstellungskreis der unio mystica zur bezeichnung des seelen- und gottesgrundes (
beiwort zu gotheit, göttliche einsamkeit, wstenunge, dunsternisse
u. s. w.)
und des zustandes der unio. vorherrschend ist die vorstellung der ruowe
des '
einfältig-seins' (wîselos, einvaltec, einic sîn, âne wort, wîse, werc sîn);
damit verbunden die des schweigens und der verborgenheit (verborgenheit, dunsternis): dû solt mit unbekümberten sinnen dich erswingen über dich selber und über alle dîne krefte und über wîse und über wesen in die verborgene stille dunsternisse
dtsche mystiker 2, 8
Pf.; in dem edeln wunneclichen abgrunde do in dem himmelischen riche, dar sich die sssekeit in versenket ... do wurt der mensche so stille und so wesenlich und so gesast und me abgescheiden und me ingezogen Tauler
pred. 162, 2
V.; denne mag der mensche an sehen die eigenschaft der götlichen wstenunge in der stillen einsamkeit, ... denne do ist es so stille, so heimelich und so wüst ... dar in kam nie nút frOemdes, nie creature, bilde noch wise 277, 32;
vgl. 33, 28; so ist do ein stilles einvaltig gebruchen und ein einvaltig niessen sins götlichen wesens 156, 28; dez selben morgens fruo waz er nah sinem gebete nider gesessen in ein stilles rwli, und in einer vergangenheit der ussren sinnen was im vor vil des götlichen togni Seuse
dt. schr. 101, 7
B.; bis du in stillem fried deiner uzeren und deiner innern sinne in senftmütigkeit enphahist das ingeseit ... wort Heinr. v. Nördlingen
in: Margarete Ebner
u. H. v.
N. 186, 48
Strauch. I@B@2@b@gγ)
im anschlusz an ps. 35, 20
bildet sich neben der bei Luther
und im kirchenlied entwickelten bedeutung von still (
s. oben α)
der begriff der stillen im lande,
besonders in pietistischen und herrnhuterischen kreisen: und suchen falsche sachen wider die stillen im lande
ps. 35, 20; summa, sie mus sagen und bekennen, das du ein frumer christ, ein stiller, trewer, fridsamer, nützlicher, tröstlicher man seyest ym lande Luther 26, 583
W.; die so genannte, hin und her zerstreute ... fanatici ... samt andern stillen im lande Joh. Conr. Dippel
anfang, mittel u. end (1669) 117; wir können nicht läugnen, dasz wir von denjenigen stillen im Böhmerlande herstammen, die ums jahr 1453 von Georgio Podiebrad die vergünstigung erhielten, in eine abgelegene gegend von Böhmen sich zusammen zu ziehen Zinzendorf
Büdingische samml. (1729) 1, 14; da er ... in mir eine person fand, die nicht das ausschweifende und leere der groszen welt und nicht das trockene und ängstliche der stillen im lande habe Göthe 22, 310
W.; vgl. 24, 199; 26, 62; deine quaal ist nicht mehr lang! ... warte mit gelassenheit, wie die stillen in dem lande J. Chr. Günther
ged. (1746) 849; seine zuhörer gehörten meist den niederen ständen an, hatten einen herrenhutischen anstrich und wurden 'die stillen im lande' genannt Caroline v. Rochow
v. leben am preuszischen hofe (1908) 96; noch bei Miltons lebzeiten ward das werk viel gelesen, freilich nur von der aufstrebenden jugend und den stillen im lande, die sich daran ihren puritanischen glauben stärkten Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 49.
gelegentlich ins weltliche übertragen, auch spöttisch: unter den stillen im lande lebe ich hier gewisz am stillsten Göckingk
an Bürger 29.
dez. 1788
in: viertelj. f. lit. (1890) 3, 459; wenn sie nicht die stillen von der stadt und vom lande bleiben wollen, sondern mit bekenntnissen laut werden Nietzsche
w. (1895) I 1, 197. I@B@2@cc)
seit Winckelmann
entwickelt sich neben, vielleicht aus dem religiösen gebrauch (Luther,
pietismus, s. b
β), still
als bezeichnung für das klassische ideal der edlen, maszvollen äuszeren und inneren haltung, die Winckelmann
als hervortretendsten wesenszug der griechischen kunst erblickte und die er die 'edle einfalt und stille grösze'
oder den 'stand der ruhe'
im gegensatz zum 'frechen feuer' (
s. kl. schr. 1, 82, 83
Uhde - Bernays)
nannte; vgl. W. Rehm
götterstille u. göttertrauer, jahrbuch d. freien dtsch. hochstifts 1931, 219; Franz Schultz
klassik u. romantik der Deutschen 1 (1935) 91
ff.: das allgemeine vorzügliche kennzeichen der griechischen meisterstücke ist endlich eine edle einfalt und eine stille grösze, sowohl in der stellung als im ausdruck. so wie die tiefe des meeres allezeit ruhig bleibt, die oberfläche mag noch so wüten, ebenso zeiget der ausdruck in den figuren der Griechen bey allen leidenschaften eine grosze und gesetzte seele Winckelmann (1755)
ged. über d. nachahmung d. griech. werke in d. malerei u. bildhauerkunst 24
dt. lit.-denkm.; aber in dieser ruhe musz die seele durch züge, die ihr und keiner anderen seele eigen, sind, bezeichnet werden, um sie ruhig, aber zugleich wirksam, stille, aber nicht gleichgültig oder schläfrig zu bilden
ebda 25; ebenso ruhig und stille malt der englische dichter den rächenden engel, der über Britannien schwebt
ebda 28; diesen (
figuren) gab er (
Raphael) alsdann die meiste bewegung, die andern aber ... liesz er stille, ... weil die einfältige gestalt ... eine bedeutung hat, so den inneren menschen, nämlich die seele, angehet Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 114; Samuels ruf im tempel, sowie seine geschichte ist mit stiller einfalt erzählet Herder 12, 198
S.; spöttisch: diesen stiefeln seh ichs an, dasz sie noch aus der alten Griechenzeit zu uns herüber gekommen sind ... sehn sie doch nur einmal, wenn ich den einen so hinstelle, wie ganz erhaben, plastisch, in stiller grösze, kein überflusz, kein schnörkel, kein gothisches beiwesen Tieck
schr. (1828) 5, 581. —
bei Göthe
und Hölderlin
weitergebildet als ausdruck für die haltung klassischen menschentums. wie weit es sich dabei (
s. d. Göthe
-belege unter a
sp. 2951
ff. und die hier folgenden belege)
um verallgemeinerungen oder abschwächungen dieses besonderen gebrauchs oder um unabhängige bildungen handelt (
zu I B 2 a
oder II C 4
gehörend, s. d. stiller geist, stille seele),
läszt sich nicht sicher bestimmen: der andere gegenstand (
für ein bild) ... sollte diejenigen talente begünstigen, denen bewegung ... besser darzustellen gelingt als stille rührung des gemüths Göthe 48, 67
W.; dem glücklichen kann es an nicht gebrechen, der dies geschenk mit stiller seele nimmt: aus morgenduft gewebt und sonnenklarheit, der dichtung schleier aus der hand der wahrheit 1, 7; denn seine seel ist stille; sie bewahrt der ruhe heilges unerschöpftes gut, und den umhergetriebnen reichet er aus ihren tiefen rat und hilfe 10, 59; ich hatte ihr (
Diotima) nichts zu geben, als ein gemüth voll wilder widersprüche, ... sie aber stand vor mir in wandelloser schönheit, mühelos, in lächelnder vollendung da, und alles sehnen, alles träumen der sterblichkeit, ach! alles, was in goldenen morgenstunden von höheren regionen der genius weissagt, es war alles in dieser einen stillen seele erfüllt Hölderlin
s. w. 2, 158
v. H.; wie eine schwester, so war das stille wesen mit aug und hand beschäftigt, seelig zerstreut, wenn auf der wiese wir gingen oder im walde 2, 155; der ächte genusz erfordert eine stille und ruhige fassung des gemüths Wackenroder
herzensergiesz. (1797) 163; schon im Wilhelm von Kölln, ... zeigt sich neben der stillen göttlichkeit, welche den hauptcharakter seiner gemählde bildet, besonders in der gestaltung der mutter gottes, oder sonst verklärter heiligen, schon jenes fröhliche deutsche leben Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 136.
von Hölderlin
auch auf die '
gelassene', '
wandellose',
der unruhe und dem getriebe der menschen entgegengesetzte ruhe und grösze der natur übertragen. dieser gebrauch ist durchaus zu unterscheiden von still
als bezeichnung des leisen, sanften in der natur (
s. unten still II A 4): ja, vergisz nur, dasz es menschen gibt ... und kehre wieder dahin, wo du ausgiengst, in die arme der natur, der wandellosen, stillen und schönen Hölderlin
s. w. 2, 90
v. H.; denn mühelos und stille bist du (
sonne), über den mühsamen aufgegangen 4, 23; wenn drauszen mir mit ihren wellen alle die mächtige zeit die wandelbare fern rauscht und die stillere sonne mein wirken fördert 4, 12.
so noch bei Stifter: haben da meine vom nachtwachen brennenden augen die verschwundene stille grösze (
der nacht) nicht für höher erkannt als den klaren tag, der alles deutlich macht
nachsommer 528
inselausg. IIII. '
ohne laut, ohne starken laut, ohne lärm'; '
lautlos', '
leise'; '
sanft'.
gegensatz zu laut, heftig.
aus I
infolge des ursächlichen zusammenhanges von bewegung und laut entwickelt, jedoch gleich früh bezeugt, s. die ahd. belege unter A 1, B 1 a
u. b, B 3. II@AA.
eigentlich, '
ohne laut, ton, geräusch'; '
lautlos', '
leise'. II@A@11)
von der menschlichen stimme '
leise, sanft'; stille stimme, still sprechen
u. s. w.: gieng inti gihalota Mariun ira swester stillo quedenti
Tatian 135, 17
S. (
Joh. 11, 28); er gie senftlichlichen dar und ruft mit stiller stim, ob nieman wer dar in
s. Christophorus 713
in: zs. f. d. a. 17, 108; und alse er (
der name) im gerûnet hin wart in sîn ôre stille Konrad v. Würzburg
Silvester 4629
Gereke; niht ze stille, niht ze hel
bei Laszberg
liedersaal 1, 382; Turneas sprach lut und nit stille
Friedrich v. Schwaben 6610
J.; so sie ein weil still gebrummet haben, behend dar uff fahen sy an, schryen als weren sy unsinnig Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 59
ndr.; dann die klag seines gesellen so still zugieng, das nit müglich was, etwas davon zu vernemmen Wickram
w. 1, 5
Bolte; dem klagt si mit wainen und stillen worten, was der wüttrich mit ir wellen handlen Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 233; man sprach das tischgebet sehr still Grimmelshausen
Simpl. 81
Scholte; (
Felix) raunte Angela etwas stille zu Göthe 24, 178
W.; ich will so still singen, dasz mich keine maus hören soll Bauernfeld
ges. schr. 1, 65; vor der türe sitzen in stillem gespräch Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 4, 47; sie spricht immer so still vor sich hin, und mitunter ist es, als ob sie bete Fontane
ges. w. (1915) 4, 452;
ähnlich: '
leise; nicht, kaum hörbar': (
Anna) weinte still an seinem herzen Freytag
ges. w. (1886) 11, 203; darauf versetzte der papst mit einem stillen seufzer Göthe 43, 125
W. — '
ohne stimme', '
unhörbar': er huob denn uf und sang mit geischlichem stillem gedöne, daz der mund gie und ez doch nieman horte H. Seuse
dtsche schr. 29, 21
Bihlm.; er sprach sú (
die worte) mit einem süszen stillen gedöne in siner sele 17, 23. II@A@22)
leise töne, laute, geräusche: denne kumet der herre als er Elyas tet, in einem stillen gerúne in dem wispelen, und blickt dem geist in Tauler
pred. 244, 24
V.; und nach dem feur kam ein still sanftes sausen
1. kön. 19, 12; schweig, getöne der luft, in deinen aufrührischen hölen oder erhebe dich sanft mit stillem, bebenden säuseln Klopstock
Messias (1775) 1, 69; jetzt schallt lachen vom feuer herüber. es mischt sich mit dem stillen rauschen des flusses W. Penck
Puna de Atacama (1933) 61; wann man nicht laut, sonder gantz still klinglet Sebiz
feldbau (1579) 300; andere tragen allein lust zu stiller und gelinder musik J. A. Scheibe
crit. musicus (1745) 47; eine wider die natur selbst streitende musik, bey der es oft so still wird, dasz man die ohren spitzen musz Leopold Mozart
violinschule (1756) 107; es sind also jene gar nicht zu loben, welche das piano so still ausdrücken, dasz sie sich selbst kaum hören
ebda; bis zu jenem groszen stillen schneefall, der fiel und fiel und machte, dasz die welt sich leiser bewegte R.
M. Rilke
br. 1902 -06, 137. — still
als beiwort zu orgelpfeifen und registern '
mit leisem, sanftem, mildem ton': ein verzeichnis etlicher orgeln, deren dispositiones ... 2. oberwerk ... ranket oder stille posaun (1618) Michael Prätorius
syntagma II (
von den instrumenten) 224
ges. f. mus.-forsch.; ranket ist 8 fusz ton. sind auch ausbündige liebliche zugedäckte art von schnarrwerken, ganz stille zu intonieren 173; barem ist ein gar still und gelinde intonierendes gedackt und orgelregister J. G. Walther
musikal. lex. (1732) 72; cornetto muto ein stiller zincke, an welchem das mundstück gedrehet ist; wird darum so genennet, weil er am resonanz, gleichwie der diritto, gar stille und lieblich klingt
ebda 186. — still werden,
vom aufhören eines lauten geräusches: es donnerte vom nachbarlande herüber, dann war es wieder still H. Carossa
geheimnisse d. reifen lebens (1936) 44.
dinge, mit denen man gewöhnlich die vorstellung eines geräusches, eines tones verbindet, werden still
genannt, wenn sie entgegen der regel tonlos sind oder sich ohne lärm und getöse bewegen; nur formelhaft: stilles pulver, '
pulver, welches also zugerichtet ist, dasz es, wenn es losz geht, keinen knall gibt' Jacobsson
techn. wb. (1781) 4, 297; hat es (
das weib) ein stiller blitz erlegt Lohenstein
Arminius 2, 8;
übertragen: mit stillen trommeln abziehn
d. i. unverrichteter dinge Kramer
t.-ital. 2 (1702) 973
a;
redensartlich mit, bei stiller trommel
s. teil 11, 1, 2, 815;
vgl. dazu mit stiller musik '
ohne sang und klang',
bildlich: he trok af mit stiller musik, '
er ging weg und sagte kein wort' Schütze
holstein. id. (1800) 4, 201. II@A@33)
etwas geschieht lautlos, leise; ohne lärm oder geräusch. II@A@3@aa)
von menschlichen handlungen und tätigkeiten: und clophte also stille, ab im ein guter wille wolde ein speldel offen Tilo v. Kulm
siben ingesigel 5563
K.; (
er) auf zu rosse sasz so er stilste mochte mit der schöne frawen dar von gen Athene wercz reyte Arigo
decam. 114, 24
K.; welcher die vögel fangen will, musz damit umbgehn leisz und still und nit mit prügln werffen drunter J. Ayrer
dramen 1999
lit.-ver.; sachte und stille ins dorff, die bawern sind truncken Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) ee 1
a; als ich ... mich still und fein (
an die tür) andrängte Göthe 21, 22
W.; erst am anderen morgen wurden wir aufgeklärt, dasz unsere vorposten selbst auf die still heranziehende colonne wie auf eine feindliche gefeuert hatten 33, 288; wie sie des heeres stillen aufmarsch morgen, dem Wrangel gegenüber, decken sollen H. v. Kleist 3, 29
E. Schmidt; Anne Lene ging in stiller geschäftigkeit ab und zu Storm
w. (1899) 1, 76; die knaben spielten ... so still, als wäre der alte herr zugegen O. Ludwig
ges. schr. 1, 208
E. Schm.; man musz unterscheiden zwischen stiller jagd und lauter jagd H. Laube
ges. schr. (1875) 16, 14; wenn sie (
die kinder), ohne lärm zu machen, still sind bei den siebensachen Hoffmann
Struwwelpeter 1; ich stehe im begriff, den jahreswechsel im familienkreise still zu feiern Bismarck
ged. u. erinn. 2, 332
volksausg.; (
der hase) nahm die flint und auch die brill, und schlich davon ganz leis und still Hoffmann
Struwwelpeter 12; es war jetzt an beiden tafeln lautlos still. Willigis meinte, so still wie im rathaus zu Magdeburg, als die entscheidung fallen sollte; selbst der sturm drauszen hielt einen augenblick den atem an Gertrud v. le Fort
d. Magdeburgische hochzeit (1938) 139;
übertragen, '
ohne aufsehen zu machen': mit pater Lamormaini vereint, würde er für beide (
Tilly u. d. edikt) kämpfen, ohne aufsehen und geräusch, still, aber siegreich 133. —
redensartlich still wie eine maus,
zunächst '
sich leise, heimlich bewegen'
; dann auch '
unbeweglich bleiben'
; vgl. mausestill,
mäuschenstill (
s. d. teil 6, 1821; 1832), mucksmäuschenstill (
zu mucksen, '
einen laut von sich geben',
teil 6, 2615): still wie ein mäuslein
cheto come un toparello Kramer
t.-ital. 2 (1702) 34
b;
mundartlich verbreitet. II@A@3@bb)
besondere anwendungen: feierliche geschehnisse des kirchlichen und religiösen gemeinschaftslebens sind still,
d. h. ohne gepränge und laute feierlichkeit. stiller freitag
für den freitag in der karwoche (
auch stillfreitag [
s. d.], karfreitag, guter freitag,
engl. good friday, leidensfreitag);
wegen der äuszeren 'stille'
des gottesdienstes (
kein gloria, kein geläute, keine orgel bis zum karsamstag);
seit dem mhd.; mundartlich weit verbreitet. vgl. still fritag
parasceue (
voc. obd. 1466) Diefenbach
nov. gl. 280
a;
dies parasceues der stille freytag
nomencl. lat.-germ. in us. schol. (1634) 17: und was och an dem tac alda, der da heizit parasceve ... in tiusch der stille fritac, an dem der welte selde lac Hugo v. Langenstein
Martina 90, 41
K.; unz an den stillen fritag Seuse
dtsche schr. 143, 8
Bihlm.; das gesang, das man an dem stillen fritag singet Elsbet Stagel
leben d. schwestern z. Tösz 63, 11; am stillen freytag Luther 29, 268
W.; am stillen freitag für ostern
M. C. Schütz
hist. rer. Prussia (1592) 6, o 4
b; ich will singen von meinem lieben herr Jesus Christ, wie es ihm am stillen freitag ergangen ist
Schweizerische volkslieder 1, 83
Tobler; vereinzelt in besonderer verwendung: inzwischen dasz der heutge tag (
ein festlich begangener namenstag) kein stiller freitag heiszen mag, so ruft man laut: Carl Gotthard lebe! Stoppe
Parnasz (1735) 10;
gelegentlich auch innerlich verstanden: dasz ich in einer stadt unter dem gemeinen manne die herrschende meinung gefunden, dasz ... dieser tag traure, der himmel meistens voll dunkler wolken sey, und in den sterbestunden gegen abend eine stille zu herrschen pflege, die diesem tage den namen stiller freitag gegeben Herder 1, 485
S. —
auch stilln woensdagh
mittwoch in der karwoche Kilian (1605) 530
b; der stille samstag Fischer
schwäb. 5, 1770. — stille woche, '
karwoche' (
vgl. auch woche 7 i);
wohl nach dem stillen freitag
gebildet (
mhd. nur karwoche): des mandaghes in der stille weken (
v. j. 1368)
Lübeck. urk.-buch I 3, 698
ver. f. Lübeck. gesch.; in der stillen wochen brach erst das eis
M. C. Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 7, t 2
a; lasset uns in dieser stillen woche, da wir den ... sterbetag unsers erlösrs begehen, in den tempel eilen J. A. Scheibe
crit. musicus (1745) 293; (
ich) wünsche zur stillen woche ein still glückliches leben Göthe IV 7, 203
W.; wenn sie (
anrede) erst in der stillen woche kommen, so haben wir sie ja kaum 14 tage hier Gervinus
an Luise Dahlmann, briefw. 2, 240
Ippel. — stille messe,
canon missae, von der präfatio bis zum paternoster, mit leiser stimme gesprochen; häufiger stillmesse,
f. (
s. d.)
genannt: er vor der stillen messe die prefation anhuob H. Seuse
dt. schr. 27, 19
Bihlm.; diu jamerig smerzeklich clag wert biz der stillen messe Marg. Ebner
offenb. 51, 8
Str.; heute geläufiger ist stille messe
als gegensatz zum feierlichen gesungenen hochamt: ich weisz nicht, warum ich dem kinde nie gesagt hatte, dasz man in der kirche zuweilen musik mache, wir hatten bisher nur immer die stille messe besucht A. Stifter
s. w. (1901) 4, 1, 204. — stille hochzeit, trauung,
ohne tanz und öffentliche feier; stilles begräbnis;
auch in der umgangssprache und in den mundarten (
s. etwa Fischer
schwäb. 5, 1770; 3, 1718; Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgeb. 2, 565);
literarische belege seltener: der baron drang auf nein, da die hochzeit still ... wäre Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 101; musikanten ziehen wenigstens bei gröszeren 'rechten' oder 'tanzhochzeiten' voran, ... wo jene fehlen, heiszen die hochzeiten 'stille' H. Meyer
badisches volksleben 290; also hielten wir eine stille hochzeit G. Keller
ges. w. 1, 21; die herren farrer dulden blosz widerstreblich die stillen begräbnisse G. Hauptmann
d. weber (1892) 50. II@A@44) still
als beiwort zu zeit und raum, im groszen wie im kleinen, als schauplatz des menschlichen lebens; gern von der nächtlichen welt. zunächst eigentlich, '
ohne laut, lärm', '
lautlos, leise'; '
ungestört'
; dann '
friedlich', '
sanft, milde',
endlich rein stimmungsmäszig als ausdruck eines innigen naturgefühls und der beziehung des menschen zur natur. mit dem barock beginnend (stille nacht);
breiter erst im 18.
jh.; besonders beliebt in romantischer und verwandter dichtung, vor allem bei Eichendorff (
s. auch zu II C). II@A@4@aa)
den ausgangspunkt dieses gebrauches bildet stille nacht;
schon im 16.
und 17.
jh.; zunächst eigentlich als die vom lärm des tages freie zeit; später gefühls- und stimmungshaltig; ähnlich stiller abend, stille dämmerung, stille stunde
u. s. w.; vgl. stille nacht
conticinium, concubia nox Dentzler
clavis (1697) 2, 276
a; stille nacht, bey stiller nacht
tacita notte Kramer
t.-ital. (1702) 2, 973
a: dann wurdestu mitten in der stillen nacht Demetrium mit den gewapneten vor meyner thür gefunden haben Carbach
Livius (1546) 244
b; bey nächtlicher stiller weyl Stumpf
Schweizerchron. (1606) 417
b; bei stiller nacht zur ersten wacht Spee
trutznachtigall (1649) 225; andre aber, die mit dem kopf und hirne arbeiten, haben keine bässere zum nachdenken und musenfleisz als die stille nachtstunden S. v. Birken
ostländ. lorberhain (1657) 3; hierauf erregten die ... hörner bey noch stiller nacht ein solches gethöne, dasz die erde erbebte Lohenstein
Arminius (1689) 1, 32
a; ihr bürger stiller nacht, ihr kinder voller flammen Hoffmannswaldau
ged. (1710) 3, 49; Simpel meint, bei stiller nacht hab er ein scharffe witz Logau
s. sinnged. 382
Eitner; die stille nacht trug es auf ihren schwarzen schwingen (
das fern hin zu raufbolds ohr
geschrei) Fr. W. Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 31; diese stille mitternacht, — diese strasze da sollen zeugen seyn U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 86; da ich endlich die augen öffnete, herrschte stille nacht um mich her Gerstenberg
Ugolino 245
Hamel; stille nacht, heilige nacht! alles schläft Jos. Frz. Mohr (1818)
bei Bäumker
d. kath. kirchenlied 4, 442; ich wandre durch die stille nacht, da schleicht der mond so heimlich sacht Eichendorff
s. w. 1, 1, 8
Kosch; komm, trost der welt, du stille nacht! wie steigst du von den bergen sacht, die lüfte alle schlafen 1, 1, 372
K.; wo ich oft, im schlafzimmer meiner eltern liegend, sie noch in stiller nacht mit sorge von diesem ... bruder reden hörte Kerner
bilderbuch (1849) 97; diese lieder, die in stillen nächten ... ertönen Pückler
briefw. u. tageb. 1, 153; nacht, stille nacht, in die verwoben sind ganz weisze dinge R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 2, 56. — damals war ... meine gröszte lust, an einem schönen morgen oder stillen abend ... mich auf irgend einem hohen berge in einen dornbusch zu setzen U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 236; in stiller dämmerung hatte ein herrliches abendroth die landschaft noch schöner gemacht 2, 134; und wenn bei stillem dämmerlicht ein allerliebstes treugesicht auf holder schwelle dir begegnet Göthe 4, 30
W.; der stille abendhimmel Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 35; doch sinkt der abend still herab Schneckenburger
deutsche lieder (1870) 77; doch seine wunden deckt sie gern mit küssen, wann lauschend licht am stillen abend scheidet Eichendorff
s. w. 1, 1, 342
Kosch; wo an dem stillen abend die sonne eben in das wasser hinabsank Storm
w. 7, 168; der morgen, das ist meine freude! da steig ich in stiller stund auf den höchsten berg in die weite Eichendorff
s. w. 1, 1, 51
K.; (
die nachtwandlerin) hatte im ganzen garten, den sie in diesen stillen minuten durchstrichen hatte, niemand ... gefunden Jean Paul
s. w. (1826) 2, 152. II@A@4@bb)
im anschlusz an die stille nacht
wird auch der mond,
sein licht, sein erscheinen still
genannt; ebenso die sterne.
ausgangspunkt dieser übertragung ist das gleiche naturempfinden, das den raum der nacht in allen seinen teilen still
nennt, auch dann, wenn es sich nicht mehr um still
im eigentlichen sinne '
lautlos, leise'
handelt, sondern um '
sanft, mild': o sternen still, o stiller mon, des elends laszt euch dauren Fr. v. Spee
trutznachtigall (1649) 87; du blasser stiller mond Gessner
w. (1778) 2, 8; willkommen, o silberner mond, schöner, stiller gefährt der nacht Klopstock
oden 1, 171
M.-P.; in dem stillen mondenscheine wandl ich schmachtend und alleine Göthe 5, 6
W.; füllest wieder busch und thal still mit nebelglanz 1, 100
W.; über mir brach jetzt zum erstenmahl der stille mond auf maler Müller
w. (1811) 1, 86; dann ging der stille mond am wilden, dampfenden Vesuv auf Heinse
s. w. 4, 373
Sch.; still schwamm der mond im blau A. v. Droste-Hülshoff
s. w. 1, 280
Schwering; an beiden flosz das volle, stille, klare mondlicht nieder Stifter
s. w. 2, 25
S.; wie es sonderbar ist, ... dasz in der zeit, in der die kleinen, wenn auch tausendfältigen schönheiten der erde verschwinden, und sich erst die unermeszliche schönheit des weltraumes in der fernen stillen lichtpracht auftut, der mensch ... zum schlummer bestimmt ist Stifter
nachsommer 527
inselausg.; der ganze platz, den vorhin das mondlicht so still und weisz eingehüllt hatte wie der schleier einer milden frau, erschien nun schwarz von menschen Gertrud v. le Fort
d. Magdeburgische hochzeit (1938) 84; und tausend sterne, all die stillen kleinen sterne wirst du durch zwei helle tränen grosz wie sonnen zittern sehn H. Carossa
ged. (1929) 9. —
seltener vom sonnenlicht: bekränzt mit stillem licht, strahlt eine gröszre sonne dort einen cherub an mit unverfälschter wonne Wieland
w. I 1, 45
akad.; o ich danke dir, himmlisches licht, dasz du dich heute in einen stillen schleier hülltest Göthe 17, 229
W.; schöne zeit der blumensträusze, stiller sommersonnenschein Storm
w. 8, 234; und über allem diese stille strahlung sinkender sonne R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 2, 60.
allgemein von glanz, licht: im stillen heitren glanze tritt er (
der mond) so mild einher R.
Z. Becker
mildheimisches liederbuch (1799) 5; wenn er mich anblickt, und aus seinem auge der stille glanz der ewigkeit mich trifft Geibel
w. (1888) 5, 3;
übertragen: die tugend, die nur jetzt der weisheit stilles licht von gott geschenkt, im nebel führet Pyra
freundschaftl. lieder 45
dt. lit.-denkm.; aus schwarzen augen leuchtet stille feuerkraft Mörike
ges. schr. (1905) 1, 180
Göschen; auf ihren zügen lag es wie stiller sonnenschein H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 15; man freute sich der stillen leuchtkraft, womit er (
Rilke) spanische, russische oder ägyptische landschaften beschrieb H. Carossa
führung u. geleit (1933) 14. —
in besonderer verwendung: in stiller majestät,
von sonne und mond; verbindung zweier scheinbar entgegengesetzter begriffe (
wie unten II C 7);
hier etwa in der bedeutung '
erhaben': seh zittern auf dem meere regenbogen und deinen mond in stiller majestät Schubart
s. ged. (1825) 1, 5; lenkte damals seinen goldnen wagen Helios in stiller majestät Schiller 11, 3
G.; in feuchten schleier gehüllt, erhebt sich mit stiller majestät aus den fluthen des meeres, die sonne Fr. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 3, 39. II@A@4@cc) stille welt, stilles land, stiller bezirk. welt, land
u. s. w. als umfassender raum des menschlichen daseins sind still, '
ohne lärm', '
friedlich': wie ist die welt so stille, und in der dämmrung hülle so traulich und so hold
M. Claudius
s. w. 4 (1782) 91; wenn der mond aufging über die stille erde maler Müller
w. (1811) 1, 353; doch wie im dunklen erdental ein unergründlich schweigen ruht, ich fühle mich so leicht zumal, und wie die welt so still und gut G. Keller
ges. w. 9 (1889) 17; lasz den mond am himmel stehn, und die stille welt besehn (1816) Luise Hensel
lieder (1869) 51
Schlüter und hörte aus weiter ferne ein posthorn im stillen land Eichendorff
s. w. 1, 1, 32
Kosch; vom wandern ruhn wir beide nun überm stillen land
s. w. 1, 1, 303
K.; in dem stillen bezirk des unbetrachteten nordpols Klopstock
Messias (1775) 1, 70; aus diesen stillen bezirken (
dem lande Abrahams), von diesen hirtenvölkern, die mit den himmlischen umgehen dürfen Göthe 26, 208
W.; dort ging sie, wie in träumen, im weiten, stillen rund, das lied klang in den bäumen, von quellen rauscht der grund Eichendorff
s. w. 1, 1, 451
Kosch. II@A@4@dd)
teile des raumes und der landschaft sind still,
vor allem tal, grund, wald, berg;
gelegentlich berührung mit I B 1 e: '
ungestört, friedlich'
; unterschieden in dem verschiedenen ausgangspunkt des gebrauches: der nord bestürmte schon der thäler stille ruh Joh. Ulr. v. König
ged. (1745) 39; dieser pfad verleitet uns durch einsames gebüsch, durch stille täler fortzuwandern Göthe 10, 144
W.; unserer königin zu ehren, der erhabnen, gütigen, die in unser stilles thal niederstieg, uns zu beglücken Schiller 15, 6
G.; lebt wohl ihr berge, ihr geliebten triften, ihr traulich stillen thäler, lebet wohl 13, 187
G.; die aussicht in ein stilles wiesenthal Mörike
s. w. (1905) 3, 77
Göschen. — komm Doris, komm zu jenen buchen, lasz uns den stillen grund besuchen A. v. Haller
ged. 80
Hirzel; wo kühl im stillen grund die wasserkünste rauschen Eichendorff
s. w. 1, 1, 373
Kosch; wie die morgensonne über ihn (
den hügel) her den nebel durchbricht und den stillen wiesengrund bescheint Göthe 19, 128
W.; die stillen wiesengründe Mörike
s. w. (1905) 1, 125
Göschen; weisze wasser gehn in stillen wiesen R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 1, 126. da schon die stillen wälder ruhn Chr. Fr. Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 43; Böhmen, wo ich in den stillen wäldern ... mich erst recht damit bekannt zu machen gedenke Göthe IV 36, 77
W.; wie oft klagt ich dem stillen hain mein leid um dich I 10, 14
W. — steht eine mühl im stillen grün Fr. K. v. Erlach
volkslieder d. Deutschen 4, 602; ihr auen, bach und püsche, du stille felderruh Hoffmannswaldau
ged. (1710) 3, 97; wie es denn auch nichts ungewöhnliches, dasz man eine stille und schattigte allee einen poetengang zu benennen pfleget J. G. Neukirch
anfangsgr. z. t. poesie (1724) 15. — an groszer fläche flieszt Peneios frei, umbuscht, umbaumt in still- und feuchten buchten Göthe 15, 107
W.; und rings im felde, wo ich den pfad hinaus, den stillen, wandle Hölderlin
s. w. 4, 11
v. H.; denkst du des schlosses noch auf stiller höh? Eichendorff
w. (1864) 1, 317; und die brunnen rauschen wieder durch die stille einsamkeit
s. w. 1, 1, 278
Kosch; ich aber stand schon lange in dem garten und bin ins stille feld hinausgegangen 1, 1, 375; eine stille, im nebel glänzende ebene Mörike
ges. w. (1905) 3, 14
Göschen; aber wie aus uralter zeit tönen sie von den stillen bergeshalden zu uns herüber W. H. Riehl
d. dt. arbeit 133; es war der einsamste weg, um vieles stiller und menschenleerer als drei, vier andere Fontane
ges. w. I 5, 173; kleine grüne inseln, welche ... der stille brütort einer menge sumpf- und seevögel sind H. Allmers
marschenbuch 45. II@A@4@ee)
von der umgebung und den wohnungen der menschen stille stadt, stilles haus, stille strasze
u. s. w.; zunächst '
ohne lärm',
dann '
ungestört, friedlich, traulich'
; davon zu trennen ist der gebrauch unter II A 5.
wie d
sich berührend mit I B 1 e,
da sowohl '
ohne bewegung, leben'
wie '
ohne lärm'
sich zu '
friedlich, ungestört'
entwickeln können: im ländlich stillen sitz werdt ihr, auch ganz allein, auch unter schnee und sturm, euch durch euch selbst erfreun Lenz
ged. 16
Weinhold; in der reichsstadt nun, dem stillen sitze der musen Klinger
w. (1809) 3, 12; als eine stille kammer, wo ihr des tages jammer verschlafen und vergessen sollt
M. Claudius
s. w. 4 (1782) 91; und er kehrt mit blutigem schwerte sinnend zu der stillen wohnung Göthe 3, 11
W.; dasz ich, erwacht, aus meiner stillen hütte den berg hinauf mit frischer seele ging 1, 3; (
der trommler) will die tagwacht wirbeln lassen durch der zelte stille gassen
M. Schneckenburger
ged. (1870) 30; es ist so still bei uns, und in den andern häusern ist es so laut und lustig
kinder- u. hausmärchen (1843) 226; dem stillen hause blick ich zu, gelehnt an einen baum Uhland
ged. 1, 24
Schm.-H.; auf einem stillen dorfe Mörike
w. (1905) 3, 22; wenn dieses ... kunstwerk von vier geschickten musikern ... in einem stillen zimmer ... höchst präcis vorgetragen wird O. Jahn
Mozart (1856) 4, 49; um den stillen herrenhof war jetzt lustiges gewühl der gauleute G. Freytag
ahnen (1873) 1, 110; es war, als ob eine schar glänzender und singender geister die stube verlieszen, so dasz diese auf einmal still und leer schien G. Keller
ges. w. 2, 12; die reiche phantasie ... entwickelte sich in dem stillen Wlastowitz viel üppiger
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 13; er trat in ein mäszig groszes zimmer. hier war es heimlich und still Storm
w. (1899) 1, 4; över de stillen straten geit klar de klokkenslag 1, 103
Köster; das ist ja das verwunschene schlosz im märchen. und so still und lauschig Fontane
ges. w. I 4, 253; Effi ... sah auf die stille strasze hinaus. wenn da doch lärm und streit gewesen wäre; aber nur der sonnenschein lag auf dem chaussierten wege
ges. w. (1915) 4, 408.
äuszerlich schlieszt sich hier an stilles grab, stille gruft
u. ähnl., vgl. grabesstill;
in der bedeutung mehrschichtig, da es mehrere möglichkeiten von still
umfassen kann: '
ohne leben, ohne laut, schweigend': verzeih ihm, wann er noch die stille gruft verehret v. Cronegk
schr. (1771) 1, 330; schmerzen sonder ruh und rast bis zur rast im stillen grabe Müllner
dram. w. (1828) 1, 52; ach, all die meinen deckt ein stilles grab A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 224; bester arzt für jeden jammer ist die stille, kühle erde Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 23; drum schlafe ein im süszen traum in eines grabes stillem raum Hebbel
s. w. 7, 31
Werner; tausende weiszer blüthen und knospen umschlieszen wie die verheiszung neu erstehenden lebens die stille stätte des todes Moltke
ges. schr. (1892) 1, 232; brich ab, mein lied, sey stille! und ich bin still als wie das grab Kretschmann
s. w. (1784) 1, 214; einsam war er und still wie das grab Hölty
ged. 42
Halm; ich kam nun zuerst auf eine grosze einsame heide, auf der es grau und still war wie im grabe Eichendorff
s. w. (1864) 3, 62.
ähnlich: das stille reich der geister, toten,
vgl. totenstill: und mich ergreift ein längst entwöhntes sehnen nach jenem stillen, ernsten geisterreich Göthe 14, 6
W.; nur dem körper folgt der schatten in das stille todtenreich 1, 229; schneller noch als Lethes fluthen um der todten stilles haus löscht der liebe kelch den guten jedes fehls erinnrung aus 2, 30; statt der stillen in den räumen der tiefe friedlich schaltenden welt der abgeschiednen guten geister Mommsen
röm. gesch. (1856) 1, 167; das der menschenwelt getümmel trennt vom stillen geisterlande Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 30; keine boten gehn von diesem strand zu jenem in das stille reich der todten 259. II@A@55) still
als beiwort zu ort und zeit in bezug auf den menschen, vom menschen her: '
ruhig, gesammelt, ungestört verbracht, bewohnt'.
von der anwendung unter 4
deutlich getrennt. obwohl der ausgangspunkt dieses gebrauches still '
leise'
ist, besteht manche berührung mit still '
zurückgezogen, beschaulich',
vgl. I B 1 d-
f. II@A@5@aa) stiller tag, abend, stille stunde;
ruhig, ungestört (
allein oder im beieinandersein)
verbrachte zeit: stiller, halb trauriger tag Göthe III 1, 52; ich würde es vergeblich versuchen, mit worten auszudrücken, was ich empfinde, wenn ich an einem stillen abend 'in allen meinen thaten' recht gut pfeife und mir den text dazu denke Lichtenberg
verm. schr. (1890) 1, 10; gestern war ich bei der Imhof einen stillen abend Göthe IV 3, 109
W. — wenden sie doch einmal ein paar stille stunden dazu an, eine ordentliche berechnung aller ihnen bekannten bedürfnisse ihres mannes zu machen Lavater
handbibliothek f. freunde (1792) 4, 172; immer erneut trat er (
der eindruck einer begebenheit) in jeder stillen stunde hervor Göthe 24, 203
W.; wenn es in stillen, schwärmerischen stunden in sanfter rührung dich erweicht: so weiszt du, was der dichter dann empfunden Schiller 6, 1
G.; zum teetrinken blieb eine stille stunde H. Carossa
geheimnisse d. reifen lebens (1936) 81. — ich freue mich auf unser stilles zusammensein Göthe IV 9, 50
W. im anschlusz an wendungen dieser art mögen sich vereinzelte, ungewöhnliche gebrauchsweisen entwickelt haben: ich setzte mich ins gasthaus zu einem stillen wein H. Hesse
Knulp (1915) 68; um nach verabredung bei diesem eine stille cigarre zu rauchen G. Freytag
verlorne handschr. (1864) 2, 428. II@A@5@bb) still
als beiwort zu menschlichen wohnungen als stätten stillen,
dem lärm und getriebe fernen lebens, '
ungestört, friedlich'.
von anderer grundlage aus als I B 1 e
sich entwickelnd, aber stark sich damit berührend: dasz ich, in der stillsten clause, so weit vom lebendigsten leben entfernt, das zu produziren wuszte Göthe IV 35, 139
W.; ich will doch lieber in meiner stillen und unangefochtenen wohnung dictiren und copiren IV 27, 220; Deutschen selber führ ich euch zu, in die stillere wohnung (
in Hermann und Dorothea) wo sich, nah der natur, menschlich der mensch noch erzieht I 1, 294; denn es geziemt der witwe, die den gatten verloren, ihres lebens licht und ruhm, die schwarz umflorte nachtgestalt dem aug der welt in stillen mauern zu verbergen Schiller 14, 15
G.; ach, als einst in unsre stille hütte, furchtbarer! herab dein todesengel kam Hölderlin
ges. dicht. 1, 38
Litzmann; ein solches gottloses fluchen in einem stillen priesterhause, und noch dazu vor kindern Tieck
schr. (1828) 19, 7; der wetterstrahl, von dem mein stilles haus getroffen wurde, bewegt die herzen in weiten kreisen Jacob Grimm
kl. schr. 1, 25; hier in stiller klause von der welt gebrause und getümmel fern Rückert
w. (1867) 1, 143; (
sie) war sehr verwundert, als ich anfing, meine geschichten zu erzählen, erst die gewaltsame störung, welche ich heute in die stille krankenstube getragen G. Keller
ges. w. 2, 66; so drängten und schoben sie (
die gemeindeältesten) sich wiederum herein in das stille studirgemach ihres gutmütigen seelenhirten W. Raabe
Horacker (1876) 59; sie war entzückt von dieser stillen, frommen einsiedelei Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 100; wie freue ich mich jedesmal, einen blick in eure stille häuslichkeit zu tun Moltke
ges. schr. (1892) 4, 7;
übertragen: die kunst und ihr stiller, einziger tempel — ein reines herz Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 38; die unsterblichen lehrer derselben (
der philosophie) im stillen heiligtum ihrer werke selbst aufzusuchen A. Schopenhauer
w. 1, 24
Griseb. II@A@66) es ist (so) still, '
lautlos, man hört nichts' (
in anderer bedeutung s. oben I A 3,
sp. 2946);
entweder allgemein vom umgebenden raum, oder durch adverbielle zusätze näher bestimmt: überall, umher, am abend
u. s. w. im ganzen nhd. gebrauch; vereinzelt vorwegnahme im mhd.: in der kemenâtin wart iz stille. do sprach die kuniginne
könig Rother 1925
v. Bahder; hier ists still und einsam Heinrich Beck
d. herz behält recht (1788) 33; die freundlichen töne der musik ruhen in mir, und sie werden manchesmal erwachen, wenn es friedlich im innern und um mich still ist Hölderlin
s. w. 5, 304
v. H.; es war still; nur vom felde hörte man ein gezirp Fontane
ges. w. I 5, 228; eben hat mich Bellin verlassen, und es ist endlich stille O. v. Bismarck
briefe an s. braut 39. —
meist verstärkt, so still: heute ... ist es hier auszen so stille, dasz ... man die räume für ausgestorben halten sollte Göthe IV 35, 140
W.; verbrannt sind türen und tore, und überall ist es so still I 1, 93; es ist so still, die heide liegt im warmen mittagssonnenstrahle Th. Storm
s. w. 1, 126
Köster; (
sie) sah wieder in den garten hinaus. alles war so still, und ein leiser feiner ton, wie wenn es regnete, traf von den platanen her ihr ohr Th. Fontane
ges. w. (1915) 4, 368; es ist so still an diesen abenden; schon zweimal kam es vor, dasz wir gleichzeitig sagten: bitte! — aber es hatte gar niemand geklopft H. Carossa
geheimnisse d. reifen lebens (1936) 13. —
mit verdeutlichendem nebensatz: niemand wagte sich zu regen, es war so still, dasz man fast die gedanken hören konnte Eichendorff
s. w. (1864) 3, 461; es ward ... so still im saale, dasz man ... das fallen eines taschentuches würde haben hören können Dahlmann
gesch. d. frz. revolution (1845) 72; es war darin (
im schlosz) so still, als würde es nur von mäusen bewohnt Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 53; es war so still, dasz sie droben das leise brennen der sterne zu vernehmen meinte Storm
ges. schr. (1884) 3, 214; und es sei so still und einsam gewesen, wie sie gar nicht gedacht, dasz gottes erde sein könne Fontane
ges. w. I 5, 52. —
anders verstärkt: ganz, gar, recht, wie still: hielte ein jeder sein maul, so were es gantz still Lehman
floril. polit. (1662) 3, 150; die sonne sank hinter die bäume, es ward so recht stille und vertraulich Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 32; ringsum wie still! ich hör des funkens sprühen, schür ich der ewgen lampe bleiches glimmen Lewin Schücking
bei A. v. Droste-Hülshoff in: br. (1893) 30; und da es nun gar so dunkel, still und einsam war, beschlichen ihn seltsame gedanken G. Keller
w. 7, 11; bei uns wird es nun weihnachtsabend sehr still werden Storm
w. (1899) 1, 16; wenn es nur einmal so ganz stille wäre, wenn das zufällige und ungefähre verstummte und das nachbarliche lachen R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 2, 178. — alles ist still: das haus gefiel ihm nicht, es sah so finster und unheimlich aus; er trat hinein, aber es war niemand darin und alles still
kinder- u. hausmärchen (1843) 244; wenn wir im schwarm der vielen menschen sind, das schlägt mir alle freude nieder. doch ja, wenn alles still und finster um uns ist, erkenn ich dich an deinen küssen wieder Göthe 2, 109
W.; die landschaft ist, wie ich sie mir wünsche, — alles ist hier still, wie ein geheimnisz Schiller 5, 2, 262
G. einfaches still
aus es ist still
verkürzt: still. die schiffer nur erzählen sich, die ruder rauschen sacht R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 1, 197. II@A@77)
übertragen in ein anderes sinnesgebiet: stille farbe, '
nicht schreiend, sanft, matt': wo sich der tag leise lenket, und in sein schlaffgemach mit stiller röhte senket Treuer
Dädalus 5, 9; reizend noch stets, noch immer liebenswürdig, lag Clarissa, da sie uns weggeblüht war, und noch stille röthe die hingesunkne wange bedeckte Klopstock
oden 1, 90
M.-P.; beim stillen abendroth Göthe 1, 76
W.; das stille blau des himmels blickt hinter den grauen wolken hervor A. W. Schlegel im
Athenäum (1798) 2, 57; und du erbst das grün vergangner gärten und das stille blau zerfallner himmel R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 2, 239; blumen nicht die blutigrothen werden nur der gruft entblühn, sondern lieb- und friedensboten, weisz und blau und stilles grün Rückert
w. (1867) 1, 77. — er hatte sich an das grau, an die kleidung der schatten gewöhnt, und nur etwa ein himmelblaues futter ... belebte einigermaszen jene stille kleidung Göthe 21, 185
W.; das auge wird im vorgrunde durch die schatten ... geschont, und in der ferne durch die stille behandlung des glänzenden A. W. Schlegel
s. w. 9, 22. II@BB.
von der stimme und dem sprechen: '
nicht sprechend, schweigend, schweigsam, stumm'
; vgl. stille
vel swig ende, styl swygende
taciturnus (15.
jh. md.) Diefenbach
gl. 571
c; still
tacitus Erasmus Alberus
nov. dict. (1540) C c 3
a;
taciturnus still, unredreych, verschwigen,
taciturnissimum vast still Frisius
dict. (1556) 1286; still seyn, still schweygen
facere silentium Maaler 388
d. II@B@11) '
schweigend',
von einem menschen, der aus bestimmten ursachen nicht spricht oder zu sprechen aufhört und schweigt. II@B@1@aa) '
nicht sprechend, schweigsam',
vom menschen; attributiv, prädikativ und als adverb; mhd. nur in verbindung mit dagen
und swîgen (
s. auch stillschweigen,
vb. an alphabet. stelle): so er dannan chumet ad iudicandum (
zum jüngsten gericht), so offenot er sina stimma, stimma dero crefte. i. venite, vel ite. so wirt lutreiste, der iu er wolta wesen stille Notker 2, 262, 10
P.; ich möhte nu wol stille dagen Wolfram
Parzival 587, 9; ich erteile daz der man swîg an gerihte stille, den sîn tumber wille ... ûf üppecliche rede twang Konrad v. Würzburg
Silvester 3983
Gereke; und dar zuo (
zur vereinigung mit gott) hOeret stille swigen und hoh betrachten, wenig wort und vil strenger werk H. Seuse
dtsche schr. 438, 7
Bihlm.; in ein stilles swigen rehter inrkeit 211, 5; und lag in grosser unmaht und stillem swigen uswendig Marg. Ebner
offenb. 128, 3
Str.; dünkt dichs nu zu grosz und hart sein, so halt dein maul stille Luther 17, 1, 267
W.; als jederman sich still erzeiget, die ohren zu Aenea neiget, da fieng er an zu reden lang Spreng
Äneis (1610) 21
a; ich sah dich still an Klopstock
oden 1, 6
M.-P.; der harfner, still und in sich gekehrt, trug sein beschädigtes instrument Göthe 22, 47
W.; war doch gestern dein (
der Schweizeralp) haupt noch so braun wie die locke der lieben, deren holdes gebild still aus der ferne mir winkt 2, 137; Lothario ... war eines abends still bei tische, ob er gleich heiter aussah 23, 72; euer hochedelgeboren haben schon so lange mit mir gesprochen, und mein herz hat ihnen stille geantwortet Schubart
br. 1, 38
Strausz; die bange nacht ist nun herum, wir reiten still, wir reiten stumm, und reiten ins verderben Herwegh
ged. e. lebendigen (1849) 34; bei uns wird nichts verplaudert, sprach er, bergluft macht still Scheffel
ges. w. (1907) 2, 162; (
der dichter) ist doch einer von den mohnbekränzten, die still entführt des lebens leiser scherge R. Binding
ged. (1922) 12.
mit formaler vertauschung des subjekts: in solchem stillen lauschen die augen mir zugiengen H. Sachs 9, 542
Keller; stille sei mein geheimnis wie das grab Gerstenberg
Ugolino 239
Hamel; indem er (
Werner) durch seine stille gegenwart eine aufrichtige reine theilnehmung (
an Wilhelms schmerz) ... sehen liesz Göthe 21, 134
W.; ruhig laszt das spiel beginnen, gönnet uns ein stilles ohr Tieck
schr. (1828) 1, 39; vor lauter lauschen und staunen sei still, du mein tief tiefes leben R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 1, 271. II@B@1@bb)
häufig in fester verbindung mit sein, werden, bleiben. still sein, '
schweigen',
als zusammenhängender ausdruck ist zu trennen von fällen, wie den unter a
vorkommenden, wo still
neben sein
prädikatives adjektiv ist (
sieh etwa oben Göthe 23, 72
W.),
mit eigener selbständiger bedeutung von still, '
schweigsam'. still
sein '
schweigen'
: ad te, domine, clamavi, deus meus, ne sileas a me ze dir fater hareta ih, got miner. stille nesist du fone mir Notker 2, 87, 4
P.; wanderstu van bynnen, so weghestu nicht vele de vlegende wort. id is neyne cleyne clokheit swighen unde stille syn in der arghen tijt
imitatio Christi 31, 2
Hagen; heisz swigen, herr, di jungern dinn, und sprich, dasz sie stille sinn
Alsfelder passionsspiel 2643
Grein; wie gehets zu, das der geist hie so still ist, da die höheste not ist zu reden Luther 26, 340
W.; gott, schweige doch nicht also und sei doch nicht so still
ps. 83, 2; sie hörten all zu schreyen auff, ruhwig und still war jederman, Atrides fieng zu reden an Spreng
Äneis (1610) 15
a; es müssen alle doctores schweigen und die gantze creatur stille seyn Joh. Arnd
Thomas a Kempis (1631) 5; auf dasz zu deiner ehre mein ehre sich erhüb und nimmer stille wäre Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 350
b; der gute mensch bat mich, ich möchte still sein, dasz niemand so etwas hörte Göthe 43, 377
W.; wer kann gebieten den vögeln still zu sein auf der flur? 6, 61; wenig lebt ich, doch atmet kalt mein abend schon, und stille, den schatten gleich, bin ich schon hier, und schon gesanglos schlummert das schauernde herz im busen Hölderlin
s. w. 4, 16
v. H.; stille sind die frohen lieder, und der knabe lauscht empor Uhland
ged. 1, 11
Schm.-H.; wenn die mutter das mädchen selber leise fragte, so war es stille und sagte nichts Stifter
s. w. (1901) 5, 1, 317.
daran anschlieszend still sein, '
nicht weinen',
vor allem in der form sei still, '
weine nicht': und das rehchen weinte auch ... da sprach das mädchen endlich: sei still, liebes rehchen, ich will dich ja nimmermehr verlassen
kinder- u. hausmärchen (1843) 67; sei still, es wird dir nichts geschehen A. v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 46. still
werden '
verstummen',
zu sprechen aufhören: wenn du das urteil lessest hören vom himmel, so erschrickt das erdreich und wird still
ps. 76, 9; (
dasz ich) mit meiner zungen dir lobsing, und dir mein seitenspil erkling, und nicht still werd in diser zeit Hans Sachs 18, 131
K.-G.; klag über mich, genugthun will ich dir, so reichlich, dasz die kühnste schmähung still wird Fouqué
held d. nordens (1810) 1, 47; die lacherin wurde still G. Keller
ges. w. 10, 156; wir waren still geworden und schlürften den stillen, glanzvollen tag ein 1, 135; als dann die post abermals keine nachricht von Sybille brachte, wurde sie stiller, schweigsamer, fast ein wenig finster H. Carossa
geheimnisse d. reifen lebens (1936) 85; ich war gesang, und gott, der reine rauscht noch in meinem ohr. ich werde wieder still und schlicht, und meine stimme steht R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 2, 209. still
bleiben '
stumm bleiben, schweigen': also das der lip und der wille, gedanken und word bliben stille Joh. Rothe
lob d. keuschheit 12
Neumann; ruff hin mit gantzer stercke, da bleibts an jener seiten still, kein wörtlein ich vermercke Spee
trutznachtigall (1649) 15; der ... knabe schlug die augen nieder und blieb eine weile stille. dann sagte er leise Göthe 43, 79
W.; und nun meidet sie (
die katze) den ort, und der vogel bleibt still H. Carossa
geheimnisse d. reifen lebens (1936) 27. II@B@1@cc)
in besonderer färbung: aus einem gefühl heraus still sein; '
gesammelt, in sich gekehrt'
; von still '
gelassen' (I B 2)
dadurch unterschieden, dasz das schweigen, stummsein, sichnicht-äuszern im vordergrund steht: war ich sehr still, alles der reihe nach besorgt, gute stunden mit 0 [= Charlotte v. Stein] Göthe III 1, 110
W.; nur macht es mich stille und traurig ... dasz du das schöne nicht sehen sollst IV 8, 54. still
vor ehrfurcht oder staunen: vor ihm ward Satan zur nacht! so schreckt ihn der gottmensch. und ihn sahe der abgrund und blieb vor bewundrung stille Klopstock
Messias (1775) 1, 122; durch feld und buchenhallen, bald singend, bald fröhlich still Eichendorff
s. w. 1, 1, 13
Kosch; ich stehe hoch überm tale, stille vor groszer lust 1, 1, 353; giebts in Muskau schöne bäume und wasser, so bin ich entzückt; die verzaubern mich, denn sie machen mich still fürst Pückler
briefw. (1873) 1, 284. still
vor beschämung, '
beschämt, betroffen': der schuoler schlich alsbald schamrot und still von dann Steinhöwel
Äsop 44
lit. ver. still, '
schweigend, stumm',
mit dem nebensinn '
tot'. still werden, '
verstummen, sterben': (
Eva sieht den toten Abel) kalt! still. ha, Adam, Adam, sieh maler Müller
w. (1811) 1, 104; ich glaube, hier wird einer heimlich — (er macht ein zeichen mit dem dolch), und wir sollen den stillen mann dann in die see versenken Eichendorff
s. w. (1864) 4, 364; sonst werd ich euch aus dem lautesten der stillste mann Hebbel
w. 4, 149
W.; man sagt: er ist ein stiller mann geworden;
ähnlich: er schüttelte die weidtasche auf den tisch aus, und über dreiszig arme vögel ... lagen als stille leute da G. Keller
ges. w. 8, 226; als der treue Johannes nochmals dem alten könig die hand darauf gegeben hatte, ward dieser still, legte sein haupt auf das kissen und starb
kinder- u. hausmärchen (1843) 35. —
euphemistisch, jemanden still machen, '
stumm machen, töten': (
wie sie) das schlecht verwahrte schlosz im ersten schlafe überfallen und die beraubten auf ewig still machen wollten Eichendorff
s. w. (1864) 3, 423. II@B@1@dd) still und stumm, '
schweigend, stumm': solcher gestalt thet die verliebte Caritea mit stummer und stiller sprach ihrer ... gedancken
theatrum amoris (1626) 6; so ist es denn des himmels will, dasz ich ohn abschied, stumm und still, soll von der liebsten scheiden
Königsberger dichterkreis 89
ndr.; dasz er nicht zu antworten vermochte, sondern stumm und still von Louis Armand abschied nahm Gutzkow
ritter vom geiste (1850) 3, 339; und diesz vermehret meine pein, dasz ich musz stumm und stille seyn Gottsched
schaubühne 6, 347; und was mich quält, wird deinen blumen auch erzählt, ... die senken drum ganz still und stumm das reine haupt Cl. Brentano
ges. schr. 2, 208; im klosterhof war alles stumm und still Scheffel
ges. w. (1907) 1, 164; da gewahrte er hinter sich, still und stumm, auf seinem rosse ein wesen, so bleich, als wäre es entstiegen dem schattenreich Hebbel
s. w. 7, 59
Werner; mit wendung ins innere: adieu, liebe. ich bin ganz still und stumm Göthe IV 3, 109
W. II@B@1@ee) still
als imperativ, als aufforderung zu schweigen; in verschiedenen stärkegraden vom ausdrücklichen befehl bis zur rhetorischen formel. in besonderer färbung als aufforderung, nicht aufzubegehren, nicht zu widersprechen, und daraus abgeleitet als beschwichtigung: '
sei ruhig, beruhige dich' (
s. oben still sein '
zu weinen aufhören'). II@B@1@e@aα)
der ausgangspunkt ist der imperativ seid stille, sei stille, '
schweigt, schweige'.
nicht alle fälle sind eigentlich imperative, s. die beispiele unter B 1 b,
sp. 2965: habt ewern frid und seit stille, dasz an mir des richters wille vollecleich müg ergann
d. märterbuch 25587; seid, bisz ichs sag, nur stil
Reinicke fuchs (1650) 226; schwetze nit, sonder sey still Äg. Albertinus
hirnsleiffer (1664) 6; ich bitt dich um gottes willen, Sannel, sei still O. Ludwig
ges. schr. 2, 319
E. Schm.; sey er still! G. Stephanie
d. jüng.
s. lustsp. (1774) 15. —
mit erweiterungen: sei doch, ganz, fein still
u. s. w.: bisz doch stille, hörst du nicht, dasz wir schweren sollen Schoch
studentenleben (1657) f 7
b; seyd mir doch still Schiller 12, 22
G.; seid fein still, hört was der junker sagen will Hollonius
somnium vitae hum. 95
ndr.; seer merck auff dieses spiel und seyn fein still W. Spangenberg
griech. dramen 1, 169
Dähnhardt; sei du ganz stille, du hast ja nicht einmal einen könig Bismarck
ged. u. erinn. 2, 94
volksausg.; nu bis ock ganz stille, mutter G. Hauptmann
weber (1892) 31; schweygt nur, ir müst gar stille seyn Hans Sachs 17, 12
K.-G. II@B@1@e@bβ) still
statt sei, seid still,
aufforderung zu schweigen: was schein ist das? die schatten werden klar. still! lautenklang, mein liebchen ist schon dar Casp. Stieler
geharnschte Venus 104
ndr.; still, das kind schläft Lehman
floril. polit. (1662) 3, 325; still! '
silence ist ein avertissement im excerciren, wodurch den soldaten angedeutet wird, aufmerksam zu seyn auf dasjenige, was vorgenommen werden soll' Eggers 2, 1006; ach lasz mich im kühlen deine küsse fühlen. — still, was reget sich? J. E. Schlegel
w. (1761) 4, 211; still, lispelt sie, geliebter, still, dasz ja dich niemand hört Göthe 4, 154
W.; still, horch! Schiller 14, 315
G.; stille, er schläft! stille, stille A. v. Droste-Hülshoff
s. w. 1, 51
Schw.; still, sagte Elisabeth, mich dünkt, ich höre sie sprechen Storm
w. (1899) 1, 11.
frühnhd. stilla,
in anlehnung an den mhd. gebrauch, substantive, imperative und interjektionen durch -â
zu verstärken (
s. Weinhold mhd. gramm.2 § 341;
beispiele mhd. wb. 1, 1),
der sich bis ins frühnhd. fortsetzt; mhd. beispiele für stilla
sind nicht belegt: es ist von alter har ... ein sprichwort under vilen gewesen, wenn man etwan schampere und schandtliche wort geredt, hat man gesagt: stilla mutz, dis gehOert auff den rollwagen oder ins schiff Wickram
w. 3, 4
Bolte (
zu mutz '
schimpfwort für einen menschen'
s. teil 6, 2837); holla, holla, wi dolla! stilla, stilla Fischart
Gargantua 127
ndr.; stilla, ich hab die sache zu beiden teilen genugsam angehöret Heinrich Julius v. Braunschweig 107
Holland. —
heute noch mundartlich, auch auf -o, -io: Schmeller
bair. 2, 750; Fischer
schwäb. 5, 770; Müller-Fraureuth 2, 565. II@B@1@e@gγ)
erweiterte formen der interjektion; still, still: still, still, und red so närrisch nicht Fröreisen
griech. dramen 2, 173
Dähnhardt; stille, stille, mein schatz Klinger
w. (1809) 3, 77; stille, stille, sagte er, indem er den finger an den mund legte Ranke
s. w. 3, 139. —
mit voraufgehendem wort doch still, o still
u. s. w.: doch still! sie schlägt schon ein Joh. Ulr. König
ged. (1745) 97; doch still, sie setzt sich an die weiden (
die libelle) Göthe 1, 62
W.; o stille, wecke nicht, es war als schliefe da drunten ein unnennbar weh Eichendorff
s. w. (1864) 1, 317;
mundartlich: man still Mensing
schlesw.-holst. 4, 851
a. —
mit nachfolgender verstärkung: still ein wenig Kramer
t.-ital. 2 (1702) 973
a; still doch, ihr herren, wenn man richtet J. Nic. Götz
ged. (1785) 1, 134; still doch damit maler Müller
w. (1811) 1, 281; stille jetzt O. Ludwig 3, 57
E. Schmidt-Stern; still da, schrie er, ich wills euch lehren Storm
w. (1899) 7, 181; still all Mensing
schlesw.-holst. 4, 851
a; still oeverall, ik schriw minen namen E. Kück
bauernleben d. Lüneb. heide (1906) 46. — stille munkes,
mundartl. im hess., aufforderung stillzuschweigen, vgl. Vilmar 275
f.; die erklärung von munks
bei Schmeller-Fr. 1, 1627 (
zu munken, munkezen '
munkeln')
wenig einleuchtend; teil 6, 2695
wird es zu munk,
adj. gestellt und als schimpfwort für einen menschen aufgefaszt; vergleichbar stilla mutz,
s. oben unter β.
literarische belege aus dem 17.
jh.; bei Vilmar
ein beleg von 1655: und einer unter ihnen stille munckes gesagt; stille muncks, sagte Courtisan
d. jg. Leyer-Matzs lustiger correspondentz geist (1668) 161;
als adverb '
stillschweigend': du must auch bei hof stillmunckes steths fressen, und dieses nicht melden, was andre vergessen, sonst bindestu selbst dir feind auf den rücken Jan Rebhu
weltkucker (1678) 2, 141;
auch 1, 42.
beschwichtigend: nur stille, nur bis morgen früh Göthe 3, 340
W.; stille, stille, ich will dir alles in der ordnung erzählen IV 1, 135. II@B@1@e@dδ)
als aufforderung, einem spiel zuzuhören: so losend uff, still und mit zucht
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 152
Bächtold; gott grüsz euch, herren, allzumal versamlet im fürstlichen sal; seit hie ein klein züchtig und stil H. Sachs 2, 22
Keller; nun schweigt und sey still jedermon
ebda; deshalb seid still und habt an alln ein besonder guten wolgefalln Hayneccius
Hans Pfriem 16
ndr.; ähnlich: drum hört alle fridlich und stil, was uns ein jedes vorpringen wil
einl. zu einem spiel (
kampf des sommers u. d. winters)
bei Schröer
beitr. z. e. wb. d. ung. berglandes 47; jetzt aber horcht ein wenig still, was ich euch weiter sagen will E. Baumeister
zimmermannsprüche 50.
im schauspiel ankündigung einer auftretenden person: still, Fuchsmundi! sihest du wohl dort etwas kommen Stranitzky
ollapatrida 133
Wiener ndr.; stille, dort kommt die jungemagd Chr. Reuter
d. ehrl. frau 109
ndr.; alles das hoffe ich selbst — still, sie kömmt Lessing 2, 273
M.; aber still, wer sind die beiden figuren, die eben da eintreten Schiller 14, 131
G.; still! da kommt Bertrand aus der stadt zurück 13, 178. II@B@1@ff)
mit erweiterung still sein eines dinges (
ahd.); einem ding; zu, über, von, mit etwas;
zunächst in der bedeutung '
von, über etwas schweigen', '
nicht davon sprechen'
: ne taceas neque conpescaris deus. sid du swigetost do du occultus (tougener) chame (
bei der geburt). so du manifestus (offenbarer) chomest (
bei dem gericht), so neswige noch newis stille dines judicii (urteilis) Notker 2, 343, 1
P.; so läszt sie den zerstörten armen gehn, ist seiner lust, ist seinen schmerzen still Göthe 2, 91
W.; schweygt! seyt zu allen sachen still H. Sachs 2, 30
K.; ihr seid ein durchtriebener schalk, erwiderte der wirth, ... aber ich schenke euch das mittagessen ... nur seid stille zur sache J. P. Hebel
w. 2, 30
Beh.; wenn man sie (
die bäume) verpflanzen will, ich bin zu allen sachen still Göthe 17, 37
W. dasz ich sonst sehr still bin über das, was ich wünsche und treibe Hölderlin
s. w. 2, 408
v. H.; vom römischen könige ist hier alles still Rabener
s. w. 6, 179; o stille, prinz, von diesen kindischen geschichten Schiller 5, 1, 24
G. — aber ich was stille damit (
von dem inneren gebet) Margarete Ebener
offenbarungen 27, 25
Str.; es ist ganz geswigen hie auszen mit dem herzog von Burgundi und den Sweizern und still Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 166. —
ausgehend davon und z. t. noch im zusammenhang mit der lautvorstellung, '
aufhören mit etwas': am reden sey sie stille, mein wille sey ihr wille Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. ged. 133
ndr.; still mit dem klaggesang und glockenlärm! Zach. Werner
Martin Luther (1807) 19; still mit dem geplauder Bauernfeld
ges. schr. 1, 236; stille mit solcher pfeiffe, sagte Aristodemus A. H. Buchholtz
Herkules (1666) 1, 383;
redensartlich stille mit der fiedel;
zunächst im eigentlichen sinne, dann einfach aufforderung still
zu sein: wann ein anderer darzu kompt, den man etwas nicht will hören lassen, so sagt man pax, stille mit der fiedel A. Corvini
fons lat. (1646) 637; und als diese endlich sahen, dasz die music allhier schlechte anmuth fande, schwiegen sie stille mit der fiedel (1700) J. Kuhnau
musikal. quacksalber 135
lit.-denkm.; es würde mancher, so zu reden, mit der fiedel stille seyn, wenn ihm nicht die geile liebe anstatt des colophonii diente 182; stille mit der fiedel! uzte der geleiter Fr. L. Jahn
w. 1, 479
Euler; stille mit der fiedel! Rother
schles. sprichw. 185. II@B@22)
schweigsam von natur, von einem menschen, der wenig spricht, nicht mitteilsam, verschlossen ist. vereinzelt auch vom tier: man saget, daz er were stille und ernsthaft, er het ez mer an der kraft den er gespreche Herbort v. Fritzlar
liet v. Troye 2951
Fr.; swer sich rüemt, daz ist niht guot, dâ von mac ichz niht gestrâfen weder an leien noch an phaffen, der sîn dinc verbergen kan. man vindet mangen stillen man, der mê tuot dan ander drî Teichner 122
Karajan; die alten werden (
durch den wein) kinder, ... die stillen schreyent Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 91; man findt stille leuth, welche langsam seynd mit der red Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 61
a; ein feiner, doch stiller mensch, der sich nicht in unser gespräch mischen wollte, ob ihn gleich Lotte immer herein zog Göthe 19, 44
W.; schon 1779 hatte Goethe auf der durchreise durch Frankfurt, während die mutter in alter kraft und liebe wirkte, den vater 'stiller' gefunden Herman Grimm
Goethe (1899) 79; (
die frau), die eine stille, schweigsame art zu betrachten hatte G. Hauptmann
d. ketzer von Soana (1911) 135;
häufig im sprichwort: ein still weib liebt man um und um
schöne weise klugreden (1548) 148
b; dem einen behaget de stille, dem andern die vele röpt Tunnicius
sprichw. 732
Hoffm.; stille leut haben ihn hindern ohren Lehman
floril. polit. (1662) 3, 320; stille leut hält man weisz Petri
d. Teutschen weish. (1605) Tt 2
a;
vom hund, der nicht bellt: auf einen stillen hund und einen schweigenden menschen gieb wohl achtung Rother
schles. sprichw. 320
a. — '
verschwiegen',
vgl. stiller mund, stillen mund halten Kramer
t.-ital. 2 (1702) 973
a: Prisca pflegt nach alter art stillen mundes stets zu sein Logau
s. sinnged. 616
Eitner; was meint der stille mund, wenn er kein wörtlein spricht? Rachel
satyr. ged. 97
ndr.; stiller mund und treue hand gehen durch das gantze land
kern auserlesener sprüch- u. denkwörter (1718) 48; dasz er darüber jemand anders als den stillen wänden sein leid geklagt hätte Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 191. II@B@33) '
wortlos, stumm',
etwas, das nicht ausgesprochen, besprochen, nicht hörbar wird, besonders gedanken und empfindungen; im ahd. ein vereinzelter gebrauch, der später keine fortsetzung findet: ein vorgang ist still,
d. h. wird nicht besprochen, bleibt unbesprochen: thoh thiu wunder elluwarin filu stillu Otfrid II 3, 43. was in dieser zeit in Lottens seele vorging, getrauen wir uns kaum mit worten auszudrücken, ob wir uns gleich davon ... wohl einen stillen begriff machen können Göthe 19, 155
W.; sieht er nicht in meiner aufmerksamkeit für sie einen stillen vorwurf 19, 144; es führt nie zum guten, auch wenn äuszerlich alles glatt abläuft und keine verwünschung ausgesprochen und kaum ein stiller vorwurf erhoben wird Fontane
ges. w. I 5, 298; während er ... zu den pferden trat und ihnen in stiller erwägung der umstände die mähnen zurechtlegte H. v. Kleist 3, 147
E. Schm.; ein stiller beyfall, welcher weit schöner als ein lauter ist Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 269; ihre augen ... taten an die seinen die stille frage, ob sie ihm so gefalle Th. Storm
w. (1899) 1, 41. —
vgl. noch: ein stiller zug
beim schachspiel, ein zug, bei dem nicht schach geboten wird. II@CC.
übertragen, von der bedeutung '
leise', '
nicht laut'
ausgehend, still
von wesen und charakter: '
bescheiden, zurückhaltend'; '
sanft, zart'
; vor allem vom menschen gesagt. tranquillus, placidus, modestus, sedatus. vgl. requietus stille, stille
vel sanff (
voc. ex quo 1414
md.) Diefenbach
gl. 494
a;
tranquillus stille, bescheiden,
nd. sacht,
hd. still, sanfft, senfft
in vocabularen des 15.
jh. ebda 592
c;
contractus eingezogen, still, der nit bocht Erasm. Alberus
nov. dict. (1540) g 2
b;
modestus bescheiden, züchtig, still, zimlig Frisius (1556) 830
a;
placidus still, fridsam, zam, milt, gütig
ebda 1008
b;
pacate rüwigklich, fridlichen, still Calepinus (1598) 1038
b. II@C@11)
als charakterisierendes beiwort für den menschen: '
zurückhaltend, schüchtern', '
bescheiden, sanft'
; im gegensatz zu still, '
gelassen' (
s. I B 2),
nicht als ergebnis von arbeit und selbsterziehung, sondern aus anlage und wesen. häufig bei frauen und mädchen, mit dem nebensinn '
züchtig, edel' (
neben züchtig, sanft),
oder im bürgerlichen '
häuslich, zurückgezogen' (
neben ehrbar, fleiszig).
im mhd. vorbereitet und noch stark mit still, '
leise, nicht laut oder viel redend',
verbunden; noch frühnhd. so: ouch was des fursten wille, daz sich die frouwe stille, Elizabeth di reine in geistlicher meine zu meister Conrade bestrickete umme gnade
Elisabeth 4034
Rieger; ir wandel, ire wort, ire werk was als still und senft und da by vernúnftig und beschaiden, also das sy under den schwestren wandlet als ain irdescher engel Elsbeth Stagel
leben d. schwest. zu Töss 34
V.; sy was gar still. ir wandel was sss und sanft, und ret gar wenig 41, 17; und das closter mit gaistlichen stillen frawen von Söflingen,
s. Claren ordens, besetzt
Zimmerische chron. 1, 190
Barack; es solt doch jhe fein fridsam und stille drinnen (
im ehestand) sein Luther 34, 1, 60, 35
W.; aber er hat es abgeschlagen, ist ein gottfürchtiger stiller fürst gewesen (1579) Entzelt
altmärkische chron. 191
Bohm; es war aber dieser bischoff ein frommer und gelehrter mann, und darbei still unnd friedtsam J. Letzner
Dasselische chron. (1596) 1, 25
a; unverschuld find er sie trew, stet und demütig, mit wort und wercken still und gütig Hans Sachs 2, 40, 23
Keller; still und zuochtig geberd macht jungfrawen lieb und werth Petri
d. Teutschen weiszheit 2, T t 2
a; der kerl erzeigte sich so still und dusam, wie ein schäflein Grimmelshausen 2, 360, 11
Keller; mädchen, ... das vorzüglich still und ehrbar erzogen ist Hippel
über die ehe (1774) 135; für alles dieses (
die natur) schien die stille Hilarie freien und schönen sinn zu besitzen Göthe 24, 362
W.; du wandelst jetzt wohl still und mild durch feld und liebes tal 1, 99; an die türen will ich schleichen, still und sittsam will ich stehn 2, 117; hier kniet ... die trübgedankenvolle stirn geneigt der stille jüngling stumm A. v. Droste-Hülshoff
w. (1879) 2, 230; still und fleiszig waltete sie tagsüber am herd Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 117; welcher art der geist oder das wesen dieses geschöpfes (
Agnes) sei ... und wenn man ihm erklärte, die Agnes werde das beste malerfrauchen abgeben, das man finden könne, still, harmonisch und eine unerschöpfliche quelle schöner bewegung, so ... meinte (
er), er könne doch nicht ein naturspiel heiraten G. Keller 2, 173; als der meister sah, dasz diese drei käuze sich alles gefallen lieszen, ... brach er ihnen am lohn ab ... also dasz er ein heidengeld durch die stillen gesellen verdiente und eine wahre goldgrube an ihnen besasz 4, 237; das heitere kind von ehedem habe wohl eine weniger stille frau versprochen Storm
w. (1899) 1, 28; jahre flohn; der blonde knabe war zum jüngling aufgeschossen, stark und stattlich, still, doch glühend, offnen auges, doch verschlossen Fr. Wilh. Weber
Dreizehnlinden (1907) 25; im übrigen war ich ein stiller und verträumter schüler Albert Schweitzer
aus meiner kindheit u. jugendzeit (1924) 11; ich sehne oft nach einer mutter mich, nach einer stillen frau mit weiszen scheiteln Rainer Maria Rilke
ges. w. (1927) 1, 243; auf die dauer war es ohne zweifel wirksamer, mit aller kraft an den ernsten, stillen priester zu denken, der nach allem, was man von ihm hörte, weit ärgeres erduldet hatte H. Carossa
führung u. geleit (1933) 115; e stiller bu
ein junger mann, der nicht viel von sich reden macht Follmann
lothr. 499
a. —
formelhaft werdend ein stiller
mensch: doch wird betrogen auch manch stiller mensch, und kriegt vor klarheit lauter rauch Ph. Zesen
vermehrter Helikon (1656) 1, 76
a; er war ein stiller und feiner ... mensch
d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 89; ein stiller, friedfertiger, fleisziger mensch Lenz
ges. schr. 1, 51
Tieck; vorzügliche, fleiszige und stille menschen Göthe IV 31, 115
W. (
vgl. dazu ruhige, fleiszige menschen
ebda 31, 114); blasse, blonde, stille menschen, träumerische, ahnungsreiche Fr. Wilh. Weber
Dreizehnlinden (1907) 47;
auch: sie sind stille, ordentliche leute Klinger
w. (1809
ff.) 4, 160. II@C@22)
in bezug auf das miteinander in der umwelt, von kindern, untertanen u. s. w. '
bescheiden', '
fügsam', '
artig', '
gehorsam', '
friedlich', '
friedliebend'
: quod si et postea in congregationem quietus et oboediens non fuerit ... stiller
Benediktinerregel bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdenkm. 279, 31; getOerst ich sagen stille (
d. i. '
in aller bescheidenheit'), war umb ez mir missevellet
mhd. minnereden I 86, 296
Matthäi; begngsame, stille, demtige vnd gehorsame kinder hat gott lieb Petri
d. Teutschen weiszh. (1604
f.) 2, k 3
v; so hat ein ... unterthan ... dahin zu dencken, wie er sich gegen seine obrigkeit ... mOege still und gehorsam verhalten Chr. Weise
polit. redner (1677) 9; K. Emerich, der sonst ein stilles friedliches regiment gefhret S. v. Birken
d. vermehrte Donaustrand (1684) 140; wie selig ist der mann, der ruhiglich und still mit seinem nachbar lebt Benjamin Neukirch
begebenheiten (1738) 37; ein jeder lebe still bei sich daheim, dem friedlichen gewährt man gern den frieden Schiller 14, 292
G.; der karakter der Nördlinger ist ... stille Schubart
leben u. gesinnungen 1, 27; dasz ich ein stilles kind sei und keinen unfug treibe Gaudy
s. w. (1844) 4, 82; sanftern lehrer stillern schüler gab es nimmer Fr. Wilh. Weber
Dreizehnlinden (1907) 59; wir lebten wieder still nebeneinander fort, und allmählig war es zwischen uns fast wie es sonst gewesen Storm
w. (1899) 1, 220; wir sind ein friedlich still geschlecht ... (
die West- doch unsres herdes heilig recht,
falen) das wissen kräftig wir zu wahren Annette v. Droste-Hülshoff
s. w. 1, 24
Schwering. — still und
fromm, '
bescheiden, ehrbar',
auch ins religiöse übergehend, vor allem frühnhd.: und dieselben süllen frum und stille geselle sein (
Nürnberg, v. j. 1450)
chron. d. dt. städte 2, 284; vnd wollt hinforth frommer leben, euch auch halten fromm und still
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 254; Tryphon, ein frommer stiller mann G. Arnold
unpart. kirchen- u. ketzerhistorie (1699) 123
a; was sag ich von den holden sitten? die waren still und fromm und rein, Gottsched
ged. (1751) 1, 144. II@C@33) '
schweigend, ohne auflehnung, geduldig, demütig, sanftmütig'.
gelegentlich von still '
schweigend' (II B 1)
nicht zu trennen; jedenfalls ist oft das äuszere '
schweigen, nicht klagen, nicht widersprechen'
mitgemeint: sú handleten dich unerbermklich, und du litte es alles stille und senftmtklich Seuse 318, 7
Bihlm.; (
du) solt ein senftmütig scheffelin sin ... und begeben din stúrmen und losen zuo diser minnenclichen stimmen mit stiller senftmütigkeit Tauler
pred. 63, 22
V.; dienet es zu stillem gehorsam der oberkeyt odder zu frecher auffruhr unter dem pofel? Luther 18, 95
W.; ein freyer geist ... giebet selbst einer stürmischen freyheit vor der stillen unterwürfigkeit den gerechten vorzug J. G. Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 208; doch trägt er still sein loos. und keine klage vermag des feindes ohr ihm abzuhorchen H. Jos. v. Collin
Regulus (1802) 7; die treue gegen das vaterland soll seine (
des soldaten) ehre seyn und sein stiller muth seine höchste zierde E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 269; Rodin ist derselbe immer, derselbe stille, geduldige, frohe in all seinem überladensein R.
M. Rilke
briefe 1902 -06, 272; und wir, in unsrer hoffart, drängen ... in einer freiheit leeren raum ... statt in die weitesten geleise sich still und willig einzureihn
ges. w. (1927) 2, 245; du bist das schweigen, dem die seele zitternd vor erwarten sich still ergibt R. G. Binding
ged. (1922) 41; er fühlte den blick der exzellenz wie die einwilligung in eine beklemmend stille, gläubige wehrlosigkeit vor gott Gertrud v. Le Fort
d. magdeburgische hochzeit (1938) 132. still und sanft,
in frühnhd. religiöser sprache, vereinzelt später, '
sanft, ergeben', '
ohne widerstand, willig' (
sich mit I B 2
berührend): getrost ist myr meyn hertz vnd sin, sanfft vnd stille Luther
bei Ph. Wackernagel
dtsch. kirchenlied 3, 17; ich wil daraus studiren, wie ich mein hertz sol zieren mit stillem, sanfften muth Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 309; ... dahin, wenn es dein wille, ich frölich, sanft und stille aus diesen jammerjahren zur ruhe will abfahren
ebda 3, 317; in Jesu nahm gantz sanfft vnd still ich wandern will zur seeligkeit mit frewden Georg Werner
bei Fischer-Tümpel 3, 33; alsdenn fein sanft und stille lasz mich herr! schlafen ein Hippel
lebensläufe n. aufst. linie (1778) 1, 51. II@C@44)
die geistige und seelische verfassung im allgemeinen (geist, seele, gemüt
u. s. w.)
oder in einzelnen äuszerungen (tugend, treue, bescheidenheit)
wird als still ('
sanft, zart, bescheiden',
wie oben C 1-3)
bezeichnet: sondern der verborgen mensch des hertzen unverrückt, mit sanftem und stillem geiste, das ist köstlich fur gott (
modesti spiritus) 1.
Petr. 3, 4; mer de getzirdt sy mit gades fruchten vnd mit einen stillen vnd sachtmOedigen geiste B. Rotmann
restitution 82
ndr.; der stille fromme geist der alten zeit ist es, welcher den mahler beseelen und wieder hinführen soll zu der reinen christlichen schönheit Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 170; lasz mich nicht im schein verwildern der welt, die tausendfarbig gleiszt, ... o gieb mir deinen (
Christi) stillen geist, desz namen lieb und demuth heiszt E.
M. Arndt
w. 5, 104
Rösch u. Meisner. — wo eyn meszige, ... stille sanffte seel ist, da gebaret auch der leib euszerlich meszig J. Agricola
sprichw. (1534) c 8
a; einige dichter beleben ihr ganzes werk innerlich mit einer stillen und geheimen poetischen seele Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 172; indesz glückselig das gerücht sie nennt, verzehrt in kummer sich die stille seele Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 210. — ein stilles gemüt
animo tranquillo, dolce, placido Kramer
t.-ital. 2 (1702) 973
b; denn es ist eine der angenehmsten verfassungen, in die uns die einbildungskraft und ein stilles gemüth setzen können, wenn wir uns mittelst derselben aus unseren sitten weg in ein goldenes weltalter setzen Sal. Gesner
schr. (1777) 1, 3; und solche stille gemüther fanden ja auch am mittelalter den weg zu jenen harmlosen ... erzählungen Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 18. — ich wil mich mit stillem sinn und mit dankbarkeit vergnügen Neumark
neuspr. teutsch. palmbaum (1668) 349; anstatt dafür zu loben den herrn mit stillem sinn Fr. Rückert
w. (1867) 1, 161; es war ein stiller frommer natursinn in diesem guten menschen und er konnte ... im morgen- oder abendrot mit gefalteten händen stundenlang ... schweigend und anbetend in die unendlichkeit hineinschauen E.
M. Arndt
s. w. 1, 68
R.-M. — und komme diese fertigkeit ... den Lacedämoniern ausz nichts anders her, als ausz ihrer gewöhnlichen stillen arth Zinkgref
apophthegm. (1628) 95; der durch sein stilles wesen von seinem tiefsinnigen geist anzeigung gegeben
d. discourse d. mahlern (1721) 1, 4; und jedes (
der geschwister Lottens) rief so ungekünstelt sein danke! indem es mit den kleinen händchen lange in die höhe gereicht hatte, ehe es (
das stück brot) noch abgeschnitten war, und nun mit seinem abendbrote vergnügt, entweder wegsprang, oder nach seinem stillern charakter gelassen davonging Göthe 19, 27
W. — der sich durch seinen stillen und unschuldigen wandel ... unterscheidet Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 12; die bald auch meinen eltern, dem äti besonders, eben ihres bestandenen alters und stillen wandels wegen, sehr wohlgefiel Ulrich Bräker
s. schr. (1789) 1, 73; nie hat stille, kindliche tugend ... schöner gewirkt, als in diesen stillen mauern Klinger
w. (1809) 4, 5; so waren hier (
durch Ottiliens tod) so viel andere stille tugenden ... ausgetilgt: seltene, schöne liebenswürdige tugenden Göthe 20, 412
W. — die stille frömmigkeit, das eingezogne wissen Fr. v. Logau
sinngedichte 287
Eitner; wann treue seelen recht in stiller freundschafft stehn Chr. Weise
d. grünenden jugend überfl. ged. 32
ndr.; in ihrer ehe, sowie in ihrer ganzen lebensart herrscht eine stille sittsamkeit Herder
w. 13, 209
S.; was lügst du hier für heuchelei von lieb und stiller mädchentreu Göthe 1, 195
W.; zuerst also ist mir mein zuhausebleiben für dieszmal ganz wohl gerathen, wir wollen es aber nicht beschreyen, sondern in stiller bescheidenheit thätig hinleben IV 38, 278
W.; den menschen in stiller bescheidenheit Klinger
w. (1809) 3, 275; jedem auf des lebens pfad einen freund zur seite, ein zufriedenes gemüthe, und zu stiller herzensgüte hoffnung ins geleite J. P. Hebel
s. w. (1838) 2, 136. II@C@55) still
von der äuszeren erscheinung als ausdruck des wesens, besonders stilles gesicht, stille augen: an stillen ougen
im Frankfurter druck des renner (16.
jh.) 25
b statt an bliugen ougen Hugo v. Trimberg
v. 4502; als die aufmerksamkeit nicht mehr durch die stillen treuen augen und den lieblichen mund allein angezogen und gefesselt wurde Göthe 26, 266
W.; ihre stillen groszen augen, in deren feuchtem spiegel der mond widerglänzte Eichendorff
s. w. (1864) 2, 69; dieser, — o er hat dieselben stillen augen, die ich liebe Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 184; der stille schwermütige ausdruck dieser augen Mörike (1905) 3, 52
Göschen; die ältere (
tochter) ... verfolgte mit stiller liebevoller miene ihre lebhafte arbeit Göthe 25, 122
W.; die sanften, hohen, stillen, theilnehmenden gesichtszüge der ankommenden 22, 43
W.; mit stillen edlen zügen E.
M. Arndt 1, 111
R.-M.; und nun blickte ich auf und in ihr stilles gesicht, in die schwarzen, unergründlichen augen H. Hesse
Demian (1930) 194; sie hielt ihr stilles gesicht mit der reinen stirn ganz ruhig R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 4, 200; o welch ein wuchs! o welch ein stiller gang! sie tritt so gut und so bescheiden auf, als sorgte sie zu zeigen: 'seht, ich bins'. und doch geht sie so leis und leicht dahin, als wüszte sie von ihrer eignen schönheit so wenig als der stern der uns erquickt Göthe 11, 309
W.; auch wirkte bald die stille hohheit ihrer erscheinung auf jeden bis zur völligen umkehr der gesinnung ein Hebbel
w. 9, 262
Werner. —
auch allgemein stille schönheit, anmut, stiller reiz: darff ich keine röszgen brechen die auff deinen lippen stehn, ... so verlasz ich doch das liecht deiner stillen schönheit nicht Chr. Weise
d. grünenden jugend überfl. ged. 132
ndr.; itzt gleichest du mit ernstem angesicht das stille anmuth sanft erhellt der weisheit die dem geist gefällt Wieland I 1, 322
akad. ausg.; du aber wandelst durch den garten in stiller anmuth lächelnd hin Geibel
w. (1888) 1, 1; ihn (
den jüngling) nahm ihr stiller reiz mehr als den bruder ein Eschenburg
beispielsammlung z. theorie (1788) 1, 104. II@C@66)
vereinzelt von tieren, '
sanft, zahm',
von pflanzen '
sanft, zart',
ähnlich von der landschaft: ich ... habe ein stilles und gutes pferd Gellert
w. 10, 56; reseda, farblosz, ohne gestalt, stilles und zierliches kraut Schiller 11, 162
G.; so aber liegt dieser garten in stiller demuth zu den füszen jener riesen Tieck
schr. (1828) 4, 86; euch, ihr liebenden auch, ihr schönen kinder des maitags, stille rosen Hölderlin
s. w. 4, 83
v. H.; ein schauder befiel ihn, als wäre auch diese stille grüne falterpracht aus ihrer (
der malerin) seele hervorgegangen H. Carossa
arzt Gion (1931) 137; er blickte in die stille landschaft seiner heimat hinaus. die lag da ... so sanft und weit ausgebreitet, fast ohne linien: man hätte glauben können, sie sei ganz unscheinbar Gertrud v. Le Fort
magdeburgische hochzeit (1938) 155.
vgl. noch: dann beschatte mich, o ruh, mit linden, stillen flügeln Hölty
ged. 138
Halm. II@C@77)
im anschlusz an still, '
sanft',
entwickelt sich in verbindung mit ausdrücken der stärke, kraft, eine bedeutung '
beharrlich, stark, innig, intensiv'
; etwas stilles,
verhaltenes, aber intensives, zähes, im gegensatz zu etwas lautem, lärmendem, aber wenig nachhaltigem (
vgl. auch oben in stiller majestät
unter II A 4 b);
meist attributiv; gelegentlich auch adverbial: sie nutzten ihre lage durch stillen fleisz und darauf hatte Moses gerechnet Herder
w. 12, 152
S.; dies alles hindert indessen nicht, die tradition der schrift (
der buchstabenschrift) als die dauerhafteste, stilleste, wirksamste gottesanstalt anzusehen, dadurch nationen auf nationen, jahrhunderte auf jahrhunderte wirken 13, 366
S.; dasz ich auf keine andere weise darzustellen wüszte, wie ich bei meinem zerstreuten leben, bei meinem zerstückelten lernen, dennoch meinen geist, meine gefühle auf einen punkt zu einer stillen wirkung versammelte Göthe 26, 221
W.; dieses stille, stetige ... wirken der elemente Ritter
erdkde (1822) 1, 16; dasz sie den glanz ihrer geistesgaben durch jene hohe einfalt, ... jene stille energie des karakters verherrlicht Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 136; Mathilde sah ihn mit stiller aufmerksamkeit an Novalis
schr. 4, 159
Minor; lebensfreude, welche von der stillen gesundheit der frau tochter ausströme G. Keller
ges. w. 7, 174; eine freyheit des umgangs ... war den Römerinnen durch ... stille strenge zucht, durch hausfleisz ... erworben Niebuhr
röm. gesch. 1, 317; Melanchthon ... der ... sich nun den theologischen studien mit dem stillen feuer widmete, das ihm eigen war Ranke
s. w. (1867) 1, 287; er besasz die stille zähigkeit, welche ohne geniale sprünge, aber auch ohne unterlasz nach vollendung strebt Heinr. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 29. — stille
kraft: und dann schauet sein blick lächelnd auf die herab die der muse sich weihn, welche, mit stiller kraft handelnd, edler die seele macht Klopstock
oden 1, 87
M.-P.; und ein blick, mit der stillen kraft ihres wesens, traf in die seinen Storm
w. (1899) 7, 189; wie er (
Jac. Grimm) von dem epos meinte, dasz kein einzelner es gedichtet habe noch dichten könne, sondern dasz es aus der stillen kraft des ganzen leise hervorgehe Arthur Hübner
Jacob Grimm 9
Berl. sitzgsber. 1935. — still und ohne weiter zu dencken und zu grübeln benutz ich jeden tag und eile mir die nötigsten kenntnisse zu erwerben Göthe IV 8, 323
W.; soll ich (
der apfelbaum) nicht lieben die pflanze (
den efeu), die meiner einzig bedürftig still mit begieriger kraft mir um die seite sich schlingt 1, 289
W.; allein dabei hielt man doch gute nachbarschaft ... litt, was nicht zu ändern war, und behielt seinen gesichtspunkt still im auge Ranke
s. w. (1867) 1, 231. II@DD.
von seelenzuständen und gemütsbewegungen: '
sich sanft, zart, innig, verhalten äuszernd'.
meist attributiv, seltener adverbiell. ausgehend von der eigentlichen bedeutung '
sich nicht laut äuszernd',
z. b. schmerz, weinen, freude;
damit verbindet sich die vorstellung des unbewegten, '
verhalten in der gebärde',
und, gelegentlich, die des verborgenen, nicht sichtbaren. diese bedeutung kann auch zur vorherrschenden werden, so dasz dieser gebrauch nicht immer streng von dem unter III 2 c
zu trennen ist. vereinzelt im 16.
und 17.
jh., häufiger erst seit dem 18.
jh. II@D@11)
allgemein: mich rhret ein gar stille brunst Fr. Spee
güldenes tugendbuch (1649) 26; mit stillem ernst dank ich dir wenn ich sie denke! (
die seele) mit freudenthränen, mit namloser wonne dank ich, o vater! dir, wenn ich sie fühle Klopstock
oden 1, 126
M.-P.; ein stiller schauer deiner allgegenwart erschüttert, gott! mich
ebda 1, 70; da endlich unser wohlseyn mehr ein stilles gefühl als ein glänzender gedanke ist Herder 13, 337
S.; es ist nichts, das mich so mit einer stillen wahren empfindung ausfüllte, als die züge des patriarchalischen lebens, die ich ... in meine lebensart verweben kann Göthe 19, 40
W.; Wilhelm ins stille nachgefühl des schmerzens versenkt 21, 134; o, wie still ist hier (
in der sommernacht) zu fühlen, was die seele glücklich macht! 1, 44; war ich nicht der nachhall seiner (
des freundes) stillen begeisterung Hölderlin
s. w. 2, 98
v. H.; die stunden, die ich mit ihnen lebte, gehören zu den angenehmsten meines lebens, und lebte ich sie in der vollen kraft des lebens, so geniesze ich sie nun in lieblicher stiller erinnerung Klinger
an Göthe Göthejahrbuch 3, 254; auch mir ist jetzt alles glaublich, und ich fühle ja so deutlich eine stille flamme in mir lodern Novalis
schr. 4, 177
Minor; Heinrich sah ihr (
Mathilde) mit stillem entzücken nach 4, 169; beide lebten ... in stiller sorge für ihre kinder Achim v. Arnim
s. w. 2, 306; die gräfin bezeugte ihr diesen eindruck durch eine edle vertraulichkeit und Ewald durch eine stille verehrung, der sich eine täglich steigende dose von zärtlichkeit beimischte Pfeffel
prosaische versuche (1810) 5, 182; sie fühlte bereits seinen stillen kusz auf ihrem munde wie ein unverbrüchliches siegel Gertrud v. Le Fort
d. magdeburgische hochzeit (1938) 53.
formelhaft: um stille theilnahme bittet die trauernde wittwe W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 118; II@D@22)
besonders von den gefühlen der freude und des schmerzes. stille
freude, stilles
entzücken, stille
seligkeit u. ähnl.: ich weisz nicht, was die trAehnensaat fr stille freuden in sich hat Casp. Stieler
geharnschte Venus 60
ndr.; und ich habe sie wiedergefunden, die stillen freuden alle wieder gefunden Hölderlin
ges. dicht. 1, 44
Litzmann; ihr plätze aller meiner stillen freuden Schiller 13, 187
G.; oder einen gärtner, der ein blümlein zu seiner stillen freude im heimlichsten winkel seines geheges zog Fouqué
zauberring (1812) 1, 31; dasz der chor ... nicht in lauten jubel ausbricht, sondern eine stille, durch die unerwartete überraschung noch wie gedämpfte freude ausdrückt O. Jahn
Mozart (1856
ff.) 4, 577; still sich freuend Göthe 10, 17
W. bald wälzten sich die rauchwolken über die fläche, während die bomben in hohem bogen am blauen himmel nach der scheibe hinfuhren und die weiszen herren in stiller fröhlichkeit hantierten wie die baren teufel G. Keller
ges. w. 6, 13. sie war auszerordentlich aufgeräumt. durch alle ihre cosmetiques hindurch schimmerte der glanz stiller heiterkeit Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 100. o das erfüllet mit stillem entzücken! v. Salis
ged. (1793) 9; wendet die offene brust in stiller entzückung gegen den himmelsglanz Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 159. es ist auch immer ein tod für unsre stille seligkeit, wenn sie zur sprache werden musz Hölderlin
s. w. 2, 399
v. H. (
an Neuffert 16. 2. 97); wie sie sich zu ihm herabneigte, gewann ihr gesicht einen ausdruck stiller, vollkommener seligkeit Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 122; wo sie sich jede stille glückseligkeit des lebens ... versprachen Zimmermann
über die einsamkeit 1, 11. — stilles
lachen, lächeln; still lächeln: mit einem stillen eynfeltigem lachen Arigo
decamerone 169, 15
Keller; spähte stillen lächelns nach des kirchhofs wimmern Hölderlin
ges. dicht. 1, 53
Litzmann; er lächelt still R.
Z. Becker
mildheimisches liederbuch (1799) 5. — stille
klagen, stiller
schmerz u. ähnl.: er hört die seufftzen deiner seelen vnd des hertzens stilles klagen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 423
a; grosz sind eines mädchens plagen, ihre brust ist krank und wund, und zum lohn für stille klagen küszt sie noch ein welker mund Novalis
schr. 4, 156
Minor. — gern in stillen melancholien wandl ich an dem wasserfall Göthe 5, 4
W. ich wohne in stiller traurigkeit über meinen gefilden Göthe IV 3, 156
W. (
an frau v. Stein); nun war ich wieder in meinem elemente, und trauerte still über den tod meines vaters 23, 52
W.; und was ist gegen dich (
gott) das sichverlieren, das stille lange traurigsein von tieren, die man als eingefangene vergasz Rainer Maria Rilke
ges. w. (1927) 2, 283; aus einer verlegenheit ... die mir manchen stillen kummer verursachte Göthe 22, 6
W.; seyd zeugen meiner stillen qual! maler Müller
w. (1811) 1, 334; ein stiller gram war auf ihrem gesichte verbreitet Sophie v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 5; es ist der schmerz, der im ersten satz (
des g - moll quintetts) sich an unser mitgefühl wendet, nicht die stille wehmuth, die sich ernst in sich zurückzieht O. Jahn
Mozart (1856
ff.) 4, 101; was stehst du so in stillem schmerz? o schäfer, sag es mir! wohl schlägt auch hier ein wundes herz, das ziehet mich zu dir Uhland
ged. 1, 15
Schm.-H. — einer jungfrau stilles weinen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 4; dasz kein wildes schwärmen, und kein lautes lärmen, und kein stilles härmen unter uns in zukunft sei! Rückert
w. (1867) 1, 121. — stille tränen, zähren: es bricht ihr das herz, sie kann sich nicht halten, stille thränen zu weinen Klopstock
w. (1800) 1, 225; stille thränen rinnen von den mütterlichen wangen herab maler Müller
w. (1811) 1, 353; vertrocknet ist der liebe stille zähre Hölderlin
ges. dicht. 1, 111
Litzmann. — eine thräne, die mir still den wangen entfiel Klopstock
oden 1, 33
M.-P.; thränen, die dem auge still entbeben Matthisson
schr. (1825) 1, 5. II@D@33) stille
andacht u. ä.: man sprach das tischgebet sehr still und allem anschein nach auch sehr andächtig; solche stille andacht continuirte so lang, als man mit der supp und den ersten speisen zu thun hatte Grimmelshausen
Simplicissimus 81
Scholte; voll stiller andacht stand ich bald auf einem solchen haufen, den man halde nennt Novalis
schr. 4, 113
Minor; alle (
blumen) standen sie in stiller andacht Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 66; jedes gefühl wird dir nicht zur lauten vergötterung, aber zur stillen anbetung Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 2, 12. — stilles gebet.
zunächst eigentlich '
leise oder garnicht gesprochenes gebet',
inneres gebet; von daher verbindet sich meist damit der nebensinn '
innig, andächtig': stilles gebet,
preghiera (
oratione)
segreta Kramer
t.-ital. 2 (1702) 973
a; sollte das vielleicht auf die frömmigkeit dieser schönen frau, auf ein stilles gebet, oder worauf sonst deuten? Göthe IV 35, 301
W.; an einem heiszen nachmittag des sommers lag auf den stufen des hochaltars ein fremder mönch in stillem gebet G. Freytag
ges. w. (1886
ff.) 9, 5; in Gersbach fordert sie (
die hebamme) die anwesenden zum stillen gebet auf E. H. Meyer
bad. volksleben 15. IIIIII. still, '
im stillen', '
verborgen', '
geheim', '
heimlich'
aus still, '
leise' (II),
sich entwickelnd. schon ahd.; im mhd. und frühnhd. sehr verbreitet; heute seltener geworden, namentlich im eigentlichen gebrauch. zunächst, was so leise vor sich geht, dasz es nicht gehört, nicht bemerkt wird; dann aber auch, was nicht sichtbar ist. III@11)
die verbindung mit der bedeutung '
leise'
ist besonders deutlich bei zwei verwendungsarten: III@1@aa) still reden, fragen
u. ä. (
ahd. und mhd.) '
leise und geheim'
sprechen; so sprechen, dasz es niemand hört: tho gengun imu is jungaron to, fragodun ina so stillo (
et accesserunt ad eum discipuli secreto Matth. 24, 3)
Heliand 4286
Sievers; vrauwe, ist ez uwer wille, so rufen ich her vil stille uwerm knethe Urian, vil wol er daz gesagen kan Mone
schauspiele d. mittelalters 1, 115; des vrâgter Bênen stille Wolfram v. Eschenbach
Parzival 631, 9; vil stiller ime sagte Hartmann v. Aue
Iwein 952; daz redten sye gar still zu einander
summerteil der heyligen leben (1472) 3
b. III@1@bb) sich still
bewegen, '
sich leise, unauffällig bewegen, in der absicht, dasz man nicht gehört wird'; häufig mit heimlich
verbunden: wann man schlagen vnd strmen wil soll mans thun fein geheim vnd still L. Fronsperger
kriegsbuch (1573) 2, 100; und solch gelegenheit nun fund, so machet er sich still hinweg Fischart
w. 2, 97
Hauffen; daz alle strytbare man ... sich in das künglich schlosz still und haimlich samelten Stainhöwel
de claris mulieribus 197
lit. ver.; der hochmeister zog mit seinem hauffen so stil als immer mglich auff sie
M. C. Schütz
hist. rerum Prussicarum (1592) 2, o 4
a; und das die schlang ausz irem loch gantz still und schleichent auszher kroch Hans Sachs 9, 238
Keller; still und ohne dasz es jemand bemerkte, erreichte ich ihn noch Göthe 43, 70
W.; die übrige gesellschaft hatte sich stille verloren 31, 215
W. III@22)
verborgen, geheim; was nicht bekannt, nicht öffentlich ist; was man nicht hört und sieht. III@2@aa) ther geist ther blasit stillothara imo ist muatwillo Otfrid II 12, 41 (
Joh. 3, 8); (
hochzeit zu Kana) tho so stillo gibod mahtig barn godes,so it thar manno filu ne wissa te warun,huo he it mit is wordu gesprac
Heliand 2037
Sievers; si verhenget daz an ir erget eines andern mannes wille. daz entut si nie so stille, man wirt der warheit wol gewar
mhd. erzählungen III
nr. 142, 104
s. 110
Rosenhagen; nun ist aber der rechten gaben art, das sie still vnd verborgen geschehen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 138
a; denn die ist wie ein stilles gift (
die sünde) das, wenn es einen menschen trifft, erst schleichend das gedärm durchschneidet ... D. W. Triller
poet. betrachtungen (1750) 2, 249; er (
Götz) that es in der fülle des ruhms, unterstüzt von öffentlichem und stillem beifall J. H. Voss
antisymbolik (1824
ff.) 2, 3; wir sind nur hier die ersten stillen zeugen des beifalls, den die welt ihm nicht versagt Göthe 10, 134
W.; Erminiens stille, nicht bemerkte treue 10, 149; (
Illo zu Wallenstein:) das heer ist dein; jetzt für den augenblick ists dein; doch zittre vor der langsamen, der stillen macht der zeit. vor offenbarer gewalt beschützt dich heute noch und morgen der truppen gunst Schiller 12, 212
G.; dasz dieser edle mensch (
Scharnhorst), durch dessen hände als des stillen und geheimen schaffers und bereiters millionen hingeglitten waren, auch nicht den schmutz eines kupferpfennigs daran hatte kleben lassen? E.
M. Arndt
s. w. 1, 112
R.-M.; stilles abenteuer '
heimliches abenteuer',
gedichtüberschrift bei G. Keller
ges. w. 10 (1889) 13; mehr als dreiszig bände (
der deutschen texte) hat er (
Roethe) in stiller mitarbeit geprüft J. Petersen
Gustav Roethe (1926) 26; es ist im politischen leben oft so, dasz eine plötzlich vollzogene tatsache im grunde genommen ein vielfaches an stiller arbeit erfordert, von der die öffentlichkeit nur im geringen masze, meistens aber gar nichts erfährt
völk. beobachter, Berlin v. 11. 3. 1939
s. 2; so auch jene steten schreier von congregationen, klöstern, missionen, nonnen, predigten, processionen usw., die ihnen gar nichts in den weg legen, und ohne deren stilles segenbringen ihnen vielleicht der reisekoffer mit sammt dem tagebuche würde abgeschnitten werden Brentano
ges. schr. 4, 365; was die mutter zu viel ausgab, ... barg einen stillen segen in sich Fontane
meine kinderjahre (1919) 100.
selten im konkreten sinn '
verborgen' = '
versteckt, nicht sichtbar',
von dingen und gegenständen: das zweyte hauptst. handelt ... endlich von denen stillen wässern und flüssen, welche niemals zum vorscheine kommen Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit (1751) 1, 600; sie wissen gar nichts von stillen riffen (
die heitern, sorglosen) Göthe 3, 145
W.; das stille, heimliche käferleben in büschen, an hecken und zäunen regte sich Gutzkow
zauberer von Rom (1858) 1, 250; er (
bruder Wachholder) erzählt, wie er oft beim gärtner den stillsten und verstecktesten blumen nachgehe Heinrich Federer
bei Fritz Kunz
der hl. Franz von Assisi2 (1912) 35. —
vereinzelt '
verborgen' = '
geborgen', '
sicher': verbirge mich und schleusz mich ein in deiner seiten höle. hier lasz mich still und sicher seyn Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 408
b. III@2@bb)
von inneren zuständen und vorgängen; vgl. auch oben II D: si gedâhte alsô vil stille: 'der minne gernde wille den ich ze disem manne trage, der wirt verdecket mit der klage' Konrad v. Würzburg
Engelhard 1771
Gereke; swaz so handelot der mut, iz si ubil oder gut, im deme herzen stille, got weiz wole den willen Hartmann
rede vom glauben 1143
Maszmann; also ist ein heimliche wrckung im menschen von den himmlischen krAefften, dieselbigen ermahnen den menschen still vnd verborgen Paracelsus
opera 2 (1616) 457
Huser; des stillen chaos (
in seinem innern) gar nicht zu gedencken, das sich immer schöner sondert und im werden reinigt Göthe IV 7, 8
W.; und ich fühle dieser schmerzen, still im herzen, heimlich bildende gewalt 1, 91
W.; und alle wachtmannschaften enthielten sich aus subordination selbst der stillen gedanken über den gegenstand Immermann 1, 25
Boxb.; Winckelmann wünschte ... die geschichte von ihrem freilich unvermeidlichen unrecht zu befreien, nämlich dem hinweggehen über den stillen menschlichen werth Justi
Winckelmann (1866) 1, 212; er selbst hat die erklärung wohl mit dem stillen bewusztseyn niedergeschrieben, dasz von seinen geschichten eine andere ansicht bey den Römern selbst anheben würde Niebuhr
röm. gesch. 1, 5; so fühlte ich jetzt, dasz eine neue irdische heimat, ... sich mir geheimniszvoll und stille zubereitete H. Steffens
was ich erlebte (1841) 3, 327; du weiszt, ich hatte immer so meine stillen plänchen Storm
w. (1899) 1, 25; es gibt noch ... ein stilles glück, das sich vor dem lauten tage verschlieszt Eichendorff
s. w. (1864) 3, 122; aber das stille glück der flitterwochen (
auf einem ostpreuszischen gut) erschien der jungen gräfin bald zu still Fontane
ges. rom. u. nov. (1890) 7, 111. — stille
brust, stilles
herz u. ähnlich, '
im innern des herzens': wir können uns im stillen herzen sagen Göthe 10, 137
W.; mich in stiller brust erquickte, ... mit dem heitern bild des glaubens 6, 34; was in des busens stillem reich geschehn, und gott nicht straft, das braucht kein mensch zu wissen H. v. Kleist 2, 196
E. Schmidt. III@2@cc) still
zur bezeichnung geistiger und seelischer strebungen und affekte. sich berührend mit II D;
davon unterschieden dadurch, dasz es sich dort um sanfte, zarte, gedämpfte seelenzustände handelt, hier um eine bewegung auf jemanden oder etwas hin (hoffnung, zorn, wunsch, liebe),
die, ohne dasz sie in ihrem wesen sanft, zart zu sein braucht, sich nach auszen hin garnicht oder wenig zu erkennen gibt oder geben will, also geheim, verborgen ist. selbst die fehlende oder geringe äuszerung ist nicht immer das entscheidende, sondern dasz die gefühlsregung eng zum innersten des trägers gehört, s. zu γ.
im wesentlichen seit dem 18.
und 19.
jh.; älter ist nur stille liebe
und ähnliche verbindungen. III@2@c@aα)
im bereich der minne und liebe, seit dem mhd.; attributiv stille minne, liebe
u. ähnlich, und adverbiell still minnen, lieben: ich minne einen ritter stille Walther v.
d. Vogelweide 113, 33; vor allen dingen rOem dich nicht, was dir von frowen guot geschicht. din lieb trag heimlich und still, nit schrib an die wend wasz sy din will, bisz wAerhafftig und verschwigen
minnereden I 4, 39
Matthäi; ... so will ich sein berait mit stillem dienst recht, wie sy will
liederbuch d. Clara Hätzlerin 59; auff ihr stoppeln meiner liebe! denkt einmahl an jene zeit, als ich meine dienstbarkeit einer stillen gunst verschriebe Chr. Weise
d. grünenden jugend überfl. ged. 135
ndr.; ferner ist schwer zu verbergen auch die liebe, noch so still gehegt, sie doch gar leicht aus den augen schlägt Göthe 6, 13
W.; wie auch in ihm eine stille neigung gegen sie aufzukeimen anfing 21, 285
W.; dies band, sie wirkt es vor geraumer zeit für eines treuen jünglings still verlangen Annette v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 232; er soll eine stille liebe haben Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 3, 243; etwas so zartes, als das stille bündnis zweier herzen, scheut jede, auch die leiseste berührung Wilh. v. Humboldt
ges. schr. 1, 296
akad.; des herzens stiller trautgesell seit manchem jahre Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 155. — sie (
die liebe) lehrt uns stille kszgen geben Casp. Stieler
geharnschte Venus 87
ndr.; die zeit erwünschter finsternisse, die wacher schönen stille küsse den müttern unerforschlich macht Gerstenberg
schleswigische literaturbriefe 201
lit.-denkm.; denn es gibt kaum einen komponisten, der nicht seine stillen verehrer hätte W. H. Riehl
musikal. charakterköpfe (1899) 2, 294; man möchte sagen, es sey etwas elegisches, bey den bruchstücken der alten poesie mit stiller liebe zu verweilen Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 109. III@2@c@bβ) in stiller entschlossenheit freute ich mich auf jeden hügel, von dem ich in der ebene feinde zu entdecken hofte Lessing 2, 357
M.; o wie beschämt gesteh ich, dasz ich dir mit stillem widerwillen diene, göttin, dir, meiner retterin Göthe 10, 4
W.; die stille hoffnung, dasz die angeborne neigung unsers herzens nicht ohne gegenstand bleiben werde 23, 3; und er (
der sünder) dachte sich seine schuld und sein guthaben im himmel genau angemerkt, und hatte für die letzte entscheidung und die schluszrechnung so seine stille hoffnung G. Freytag
ges. w. (1886
ff.) 18, 326; zwar nicht in offner feindschaft mit Ferrara, doch hält der stille neid mit kalter hand die edelsten gemüther auseinander Göthe 10, 207
W.; ich nähre meinen stillen aberglauben, dasz es so fortgehen soll 30, 11
W.; wie ich in das geschäft, wozu ich immer eine stille neigung empfunden, mich gar bald zu fügen ... wuszte
ebda 25, 60; eine stille abneigung der Franzosen gegen griechische dichter Justi
Winckelmann (1866) 1, 144; auf deinem herzen drückt ein still gebresten Schiller 14, 282
G.; ich zweifle nicht an der veränderung seines sinnes, da ich zuweilen mitten im bacchantischen taumel, spuren vom stillen sehnen seiner seele nach freiheit entdeckt habe Schubart
leben u. gesinnungen 1, 176; menschen, die so ekzentrisch sind, ... tugendhaft zu seyn ... finden sich leicht und bilden eine stille opposizion gegen die herrschende unsittlichkeit Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 2, 127; geh zu dem wunderstamme, gib stiller sehnsucht raum, aus ihm geht eine flamme und zehrt den schweren traum Novalis
schr. 1, 77
Minor; er muszte unpraktisch und zu stillen ränken geneigt sein G. Freytag
ges. w. (1887) 14, 31; meinen stillen widerstand besiegte auch das 'stundenbuch' nicht ganz H. Carossa
führung u. geleit (1933) 93. — stiller grimm, zorn, stille wut
u. ähnliches: den er vor einiger zeit mit dem stillen grimme, mit der heimlichen verzweiflung umhergehend angetroffen hatte Göthe 19, 146
W.; nur einige lombardisch gesinnte sprachen in stillem ingrimme zueinander Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 18; zehn jahre lang herrschte nun scheinbare ruhe im lande, aber seine stille wut glühte tief in vieler herzen ob der schmach bremischen joches H. Allmers
marschenbuch 1/2, 427; in den augen des mönchs lag stille, besinnungslose wut Gerhart Hauptmann
d. ketzer v. Soana (1922) 110; die berichte der zeitgenossen lassen uns kaum daran zweifeln, dasz die verstimmung ... sich bis zum stillen groll gegen das regiment des groszen königs steigerte L. Häusser
dtsche gesch. (1854) 1, 253; kann er bey solcher huld noch stillen groll verhelen Joh. El. Schlegel
w. (1761) 4, 9; ein stiller zorn überkam sie E. Zahn
helden des alltags 30; über Neumanns stille verzweiflung musz ich aber erschrecken Chamisso
w. (1836) 5, 278. III@2@c@gγ) stiller
wunsch, '
verborgner', '
heimlich gehegter'
wunsch. dasz er nicht einfach mit '
nicht ausgesprochener wunsch'
gleichzusetzen ist, zeigt Göthe 23, 257
W.: oft äuszerte sie den stillen wunsch, auf geweihtem boden zu ruhen;
der wunsch bleibt also noch still,
im innern festgehalten und als zum eigensten, besonderen der person gehörend, nachdem er '
geäuszert'
ist: durch den übersendeten thee haben sie einen stillen wunsch erfüllt Göthe IV 30, 196
W.; selbst in meinen alten tagen, da ich jetzt manchmal das theater besuche, fühle ich einen stillen trieb und wunsch hie und da wieder einzugreifen und mit wenigen andeutungen günstige wirkung hervorzubringen
ebda IV 39, 66; (
er) wirbt um dich, schon ists der dritte herbst mit stillem wunsch, mit herzlichem bemühn Schiller 13, 174
G.; aber in sich trug er ein lebhaftes bild von dem, was er sein sollte, und den stillen wunsch nach gerechtem thun G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 201; das begehren ... hatte ... sich gesteigert von stillem wunsch zu lauter bitte Mommsen
röm. gesch. (1856) 2, 221; und wenn das germanische mädchen wissen wollte, ob ein stiller herzenswunsch erfüllung finden werde, so faltete sie ein blatt des wilden mohnes oder der hagerose zusammen und zerklatschte es an den muskeln des armes ebenso wie die Hellenentochter G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 54. — dieser mann ... den ich euch in diesen tagen schon still herbei gewünscht hatte Göthe 25, 121
W. III@33) '
verborgen', '
heimlich',
was in der öffentlichkeit nicht bekannt sein darf und soll; aus absicht verborgen; oft mit dem nebensinn der berechnung und des unerlaubten. III@3@aa) (
bei der fahrt nach Jerusalem zum tempel) thiu kind thiu folgetunso wedar so siu woltun, liafun miti stillo,sos in was muatwillo Otfrid I 22, 16;
vgl. II 12, 41; (
der hohe rat beschlieszt die heimliche beseitigung Jesu) wi so stillo sculun freson is ferahes,that thit folc Judeono an thesun wihdagunwroht ni afhebbien
Heliand 4475
Sievers; do Absalon wider sinemo fater was, do hiez der fater stillo sinen friunt Chusi, sament demo sune sin Notker 2, 16, 20
P.; die zagen truogen stillen rât Walther v.
d. Vogelweide 105, 18; und man in (
Jesus) stille vienge, so das volk vergienge schweizer Wernher
Marienleben 8609
P.-H.; er sey mit gift getOedt worden in Phrygia, gar stil, vnd mit wenig geschrey Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 173; halb dy anschlag heimlich still! in trüwen ich dirs raten will Thomas Murner
narrenbeschwörung 54
ndr.; musz aber ie der jüngling sterben ... so thuts still, das verschwigen bleib, und last vergraben seinen leyb Hans Sachs 2, 34
Keller; auf soliche kundtschaft richtet sich richter mit knechten, kam auf gelegne zeit auf die malstatt in stiller huot geschlichen Knebel
chronik v. Kaisheim 386
lit. ver.; heimlich, still und leise sucht Amor seinen zweck Stoppe
Parnasz (1735) 25; hier ist der brief, die stille heimliche instruction, die landmiliz betreffend, die die regierung jüngst deshalb erliesz H. v. Kleist 1, 426
E. Schmidt; und die begier der rache aus seiner brust zu tilgen, sinnt er still auf unerhörte tat Göthe 10, 18
W.; dieser oberst ... hatte die stille genehmigung der vorrüstungen des preuszischen patriotismus mitgebracht E.
M. Arndt
s. w. 1, 168
R.-M.; schien er sich nur mit einem stillen vorbehalt einigermaszen zu beruhigen Mörike (1905) 3, 37
Göschen; trotz und listige gedanken des unterworfenen zwingen doch zuletzt zu stillem mord G. Freytag
ges. w. (1888) 17, 179. III@3@bb) still bleiben, '
geheim bleiben': gnediger herr, das wer ein weg, das all schand end nemb und blib still Hans Sachs 2, 33
Keller; Henricus gebeut dem reich auff, wendt ein andern zuog widder die Polner für, damit sein anschlag inn still bliebe Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 111; vnd wann ich thet nach deiner bet ich fOercht es bleyb nicht stille G. Forster
frische teutsche liedlein 116
ndr.; bitte vor allem, lassen sie das still unter uns bleiben Dahlmann
an Gervinus, briefw. 2, 223
Ippel. — still
halten, heute ungebräuchlich, dafür geheim halten: doch bit ich, e. g. halte es ie stille, das ich disz e. g. schreibe Joachim v. Maltzahn
an kurf. Joachim v. Brandenburg 18. 3. 1518,
Bln. kgl. hausarchiv; nun kont hertzog Gerhart die sach nit so still behalten, wann das es ... ee zit ussbrach Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 5; nimmermehr sol es von vns auszkommen, sondern wollens stille bey vns behalten
bei Creizenach
schausp. engl. comöd. 40, 17; eine sache noch still halten
tenere ancora una cosa secreta Kramer
t.-ital. 2 (1702) 973
b. III@44)
besondere anwendungen. III@4@aa)
in älterer rechtssprache das stille gericht,
neben häufigerem stillgericht (
s. d.),
eine form der westfälischen freigerichte (
femgerichte)
im gegensatz zum offenbaren gericht;
gewöhnlich heimliches gericht
oder heimliche, stille acht
genannt. vgl. '
ein gebotenes ding,
das sogenannte heimliche
oder stille gericht (
iudicium secretum, stillgericht),
ein ausdruck, der ursprünglich wohl mehr den gegensatz gegen das offene gericht als die erst im laufe der zeit damit verbundene geheimhaltung und unbedingte ausschlieszung der öffentlichkeit bezeichnete' R. Schröder
lehrb. d. rechtsgesch. 565;
zur sache vgl. noch Jacob Grimm
rechtsaltertümer4 2, 458; K. v. Amira
german. recht3 (1913) 262: maxime in quibusdam iuribus specialibus, videlic. privata et occulta iurisdictione, que vulgariter fry graffschaft seu stille gerichte nuncupatur (
v. j. 1367)
bei Haltaus 1745; das stille gericht in Westphalen lande (
v. j. 1377)
ebda. III@4@bb) das stille
volk für die zwerge. verschieden zu deuten: das gutmütige (
engl. the good people),
schweigsame, verborgene volk. vgl. '
von dieser seite her sind die elbe gutmütig und hilfreich: sie heiszen ... das stille volk; the good people, die guten nachbarn, die friedlichen leute' Jacob Grimm
mythologie4 (1875) 377;
bleiben sie in ihrem stillen treiben ungehört, so halten sie friede mit den menschen, und erweisen ihnen, wo sie können, dienste 378; '
quellen, brunnen, schluchten und höhlen, wo der sage nach zwerge wohnen und hausen sollen, die man das stille volk
nennet, sie sind schweigsam und guttätig, dienen den menschen gern, die ihnen gefallen'
dtsche sagen3 (1891)
nr. 30. III@4@cc) still
zur bezeichnung von krankheiten in einem nach auszen hin wenig hervortretenden zustand (
ohne schmerzanfälle und lautäuszerungen): stille brunst, freis, stille oder stumme gicht, stille gisse, stiller koller, stille schmerzen, stilles stottern,
s. diese bei Höfler
krankheitsnamenbuch an alphabetischer stelle. — stiller
suff: er wird sich dem stillen suff übergeben Holtei
schr. 3, 56; wenn man sich dem stillen suff ergab Raabe
hungerpastor (1864) 2, 58. III@4@dd)
in der modernen geschäfts- und handelssprache für einrichtungen und handlungen, die nicht öffentlich sind: stille gesellschaft (
in anderem sinne stiller gesellschafter, stiller teilhaber,
sieh oben I B 1 a): die stille gesellschaft ist von der kommanditgesellschaft nur rechtlich durch die haftungsvorschriften und das fehlen der offenkundigkeit unterschieden L. Elster
wb. d. volkswirtsch.4 (1933) 2, 295; die st. g. tritt nach auszen nicht als gesellschaft in erscheinung 298. — stiller vermittler, '
der nicht in die erscheinung tritt'. — stille abbuchungen; stille rücklage. — stille verkündigung '
eröffnung eines verfallenen testaments (
nach 54
jahren)
durch die behörde ohne zeugen'. III@55)
formelhafte verbindungen; namentlich mhd., vgl. mhd. wb. 2, 2, 636
b; Lexer 2, 1196;
zunächst '
öffentlich und geheim',
daraus '
in jeder weise'
; meist ohne jeden bestimmbaren sinn, besonders im vers als bequeme reimformeln gebraucht, so still und offenbâr (
dafür auch offenbar und lîse
Hiob 636
Karsten; heimlich und offenbar
minnereden I 1, 1573
Matthäi); offenlich und stille; still und überlût;
als verstärkung: still und tougen(lich).
über das mhd. hinaus reicht heimlich und still;
bevorzugt im liebeslied (
vgl. stille liebe III 2): dem bischolf sanden ir bet: heimlichen unde stillen gâben si darzuo irn willen Ottokar v. Steier
österreich. reimchron. 55811
Seemüller; dar umb liebes hpschkait ist wer sie haimlich und still trait
minnereden I 1, 1370
Matthäi; heimlig und still das wer mein will, herzliebster trost, bey dir zu sein
volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 67, 31
Kopp; mich bfremdet seer, das jr on mynen herren schon so heimlich still sind zuo mir khon Bullinger
Lucretia in: schweiz. schausp. 1, 113, 85
Bächtold; (
sie) tatend bösers, denn hettind sie still heimlich und verholen das gelt us unsem secklen gestolen Niklas Manuel
v. papst u. s. priesterschaft v. 1376
Bächtold; solt sie das kind lan bringen her verborgen still und heymelich Hans Sachs 2, 11, 20
Keller; Guisgardum ich erwelet han, ... heymlich und still in hoher lieb 2, 32; damit die sach still und heymlich beleiben mOecht Wickram 1, 224, 10
Bolte; wenn es wil werden abend, kum heimlich und gar stil!
bergreihen 16, 31
ndr.; sind diejenigen vielleicht glücklicher gebildet, in denen die kunst still und heimlich, wie ein verhüllter genius arbeitet Wackenroder
herzensergieszungen (1904) 173. —
ähnlich: in gheim und still
volks- u. gesellschaftslieder 43, 5; in stiller gehaim Montanus
schwankb. 220
Bolte; s. auch unter geheim 5 b
teil 4, 1, 2354
und geheim,
f., 2358. IVIV.
substantiviert im stillen; adverbial gebraucht, vereinzelt im 17.
jh.; erst im 18.
jh. geläufig. im ganzen, wie die von stille,
f., abgeleiteten adverbialformen in stille(n), mit stille (
mhd. und frühnhd.; s. unter stille C 3)
mit feststehender bedeutung: '
im verborgenen, geheimen',
zu still,
adj., III.
gelegentlich neubelebung und bereicherung des inhalts durch deutliche anlehnung an die volle bedeutung von still,
adj., oder die wendung in der stille;
so namentlich bei Göthe,
bei dem im stillen
in reicher verwendung vorkommt. auch die vereinzelten fälle von anknüpfung an still I
und II
sind so zu verstehen. aus dem bemühen, den formelhaften charakter zu überwinden, erklären sich auch veränderungen wie im stillsten: edle kraft, in sich bewahret, wächst im stillsten unvermerkt Göthe 4, 302
W.; im allerstillsten stillen: monate lang, des groszen werkes willen, lebt er im allerstillsten stillen Göthe 15, 94
W. (
Faust II 6676).
vielleicht auch ganz im stillen (
vgl.ganz in der stille
unter stille,
f., C 3 b): so gar diejenigen, die selbst abgebrannt sind, theilen ganz im stillen und ohne es merken zu lassen, ihren geretteten bissen brodt mit den hungrigen Rabener
s. w. 6, 257; nun noch einen geheimen auftrag, den ich ganz im stillen zu beherzigen bitte Göthe IV 24, 223
W. IV@11) '
im verborgenen' (
vgl. still III 2);
mit deutlicher beziehung auf ein gegenüber: '
ungesehen, unbemerkt'
; auch örtlich '
versteckt'.
bei Göthe
mit mancherlei nebenbedeutungen verbunden: '
in der stille und ruhe der natur'; '
in der einsamkeit', '
ohne teilnahme anderer', '
allein': ich will dich auch hierdurch in deinem leyd nicht stören, und dein so redlich hertz im stillen mehr verehren H. v. Hoffmannswaldau
u. a. ged. (1697) 7, 40; der eine lodert offenbar, des andern hitze glimmt im stillen Gottsched
ged. (1751) 1, 222; vielleicht kömmt dann auch Daphne her, die mich im stillen liebte J.
M. Miller
ged. (1783) 81; lasz uns ihr elend erleichtern, ihnen im stillen helfen Klinger
w. (1809) 4, 8; menschen, deren es gewisz treffliche hier und da im stillen giebt Göthe IV 8, 154
W.; wenn man ihn handeln sieht, so lobt man ihn, und freut sich, wenn die zeit entdeckt, was er im stillen lang bereitet und vollbracht I 10, 131
W.; gar mancher gelehrte widmete sein leben im stillen einem bedeutenden werke, ohne jemals damit erscheinen zu wollen oder zu können 46, 47
W.; er thät sich bas hervor, thät die welt mit seinem kriegsruhm füllen, doch meine verdienste, die blieben im stillen Schiller 123, 2
G.; sie (
die energie) ist zufrieden, im stillen zu wirken Fr. Schlegel in:
Athenäum 1, 2, 114; er (
uferläufer) treibt sein wesen gern im stillen Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 8, 21; vielmehr war er zufrieden, wenn man ihn nur gewähren und im stillen seine arbeit verrichten liesz G. Keller
ges. w. 5, 12; unterdessen arbeitete im stillen für ihn sein gönner Justi
Winckelmann (1866) 1, 183; seit jahren hatten im stillen seine augen an ihren feinen zügen gehangen Storm
w. (1899) 1, 287. —
vollere fügungen bei Göthe: '
in der einsamkeit', '
ohne teilnahme', '
allein' (
vgl. still I B): doch will ich dirs nicht abzwingen (
ein freundlich wort), folge deinem herzen, und ich will meinen weg im stillen endigen Göthe IV 8, 101
W.; (
man) ergötzt sich daran (
am erworbenen) um so mehr im stillen, als von auszen eine aufrichtige ... teilnahme selten ist II 2, 6
W.; hier (
in den räumen der bildenden künstler) bildet jeder im stillen, was bald für immer die augen der menschen beschäftigen soll I 25, 8
W. die stille der natur mitmeinend (
vgl. still II A): und soll ich beschauen gesegnetes land, den himmel den blauen, die grünenden gauen, so will ich allein im stillen mich freun Göthe I 2, 33
W. IV@22) '
bei sich';
im gegensatz zu 1
ohne deutliche beziehung auf ein gegenüber; bei gemütsbewegungen, geistigen vorgängen und tätigkeiten (
vgl. still III 2 b, c).
auch verstärkt und verinnerlicht, namentlich bei Göthe, '
im innern', '
im herzen': meine freude ist im stillen Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 2, 98; jeder entwarf im stillen einen plan, wie es anzufangen, sich dem mann zum freunde zu machen Klinger
w. (1809) 3, 73; und bewundert im stillen den vortrefflichen, so viel umfassenden mann Hippel
über d. ehe (1792) 129; meine übung, alle dinge wie sie sind zu sehen, meine treue das auge licht seyn zu lassen, machen mich hier höchst im stillen glücklich Göthe IV 8, 51
W.; ganz anders denk ich, und nicht ungeschickt hab ich das schon geschehne mit dem künftgen verbunden und im stillen ausgelegt I 10, 32
W.; ach, denn ich fürchtete, er gebe mir im stillen recht Mörike
w. 3, 55
Göschen; Johannes bewunderte im stillen ehrerbietig das wissen und die kunstfertigkeit des groszen herrn und suchte womöglich kein wort seiner lehrreichen unterweisung zu verlieren G. Keller
w. 6, 54; denn wenn wir auch keinem menschen davon erzählen, so wollen wir es doch im stillen bei uns selbst zu benennen wissen W. H. Riehl
d. dtsche arbeit 4; übrigens hege ich im stillen die hoffnung, dasz ich ende oktober in Creisau hasen schieszen werde Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 198; (
dasz aus e
und o
ein a
hervorgehen kann) ist nur eine aufgeworfene frage und sie hat sich auch wohl schon anderen im stillen aufgedrängt W. Scherer
kl. schr. 1, 276; doch des sie dachte, dachte im stillen, der war nicht bei ihr, ritt nicht an ihrer seite: das herz war ihr so voll R. G. Binding
ged. (1922) 95; aber sie sagte sich im stillen: nein, sie musz! Peter Dörfler
um das kommende geschlecht (1932) 119. —
mit anlehnung an '
gelassen' (
vgl. still I B 2): das vortreffliche ... sollte durchaus nicht bekrittelt noch besprochen, sondern genossen und andächtig im stillen bedacht werden Göthe IV 42, 106
W. IV@33) '
im geheimen', '
heimlich'
; absichtlich verborgen (
vgl. still III 3): ... sie sollten im stillen die flotte zur abfahrt rüsten Bürger
w. 248
Bohtz; wenn die absicht ist, wie es scheint, diesen handel im stillen beizulegen Göthe 17, 246
W.; meine reise, die ich ganz im stillen unternahm, hat mir viel freude gemacht IV 8, 43
W.; vor einiger zeit hiesz es, sie (
demoiselle Sontag) sey im stillen hier durchgegangen IV 41, 115
W.; die im stillen arbeitende neidische verkleinerungssucht O. Jahn
Mozart (1856) 1, 86; s ist ganz im stillen gegangen Martin-Lienhart
elsäss. wb. 2, 591. IV@44)
vereinzelte anlehnungen an still I
und II
und ähnliche fälle von in der stille.
im allgemeinen würde man statt dessen in der stille
sagen. '
bei ruhigem winde' (
vgl. still I A 3): in stillen is good haber sein Mensing
schlesw.-holstein. wb. 4, 851
a; Wander 4, 839. — '
schlafend und schweigend',
zu still I B 1 e: und schon lag das ganze haus im stillen, vater, töchter, nur die mutter wacht Göthe 1, 219
W. — '
in ruhe und zurückgezogenheit' (
vgl. still I B 1 d-g): damit aber du wellengeschaukelter, meeresgeruchschnüfflender, ufersehnsüchtiger, im stillen und ruhigen diesen winter, ... vergnügliche stunden genieszen könnest Göthe IV 33, 239
W. — '
gelassen',
zu still I B 2: halt dich im stillen zu gott. er ist gütig, und wird dir deine sünden vergeben Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 56; ich hatte nur die absicht, den park, den sie ihr herz nennen, im stillen zu genieszen fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. (1873) 1, 130. —
mit annäherung an '
geduldig': da muszt ich mich denn in die zeit schicken und im stillen fortarbeiten, damit man sich einigen resultats in guten tagen erfreuen könne Göthe IV 39, 26
W. — '
leise, lautlos',
zu still II: sie vergleichen ihre rechnungen und debattieren im stillen miteinander Nestroy
ges. w. (1890) 1, 24. — '
stillschweigend und ohne einzugreifen': ich habe der sache (
vorkommnissen im volk) im stillen zugesehen Göthe IV 28, 77
W. VV.
zusammensetzungen mit still
als erstem bestandteil sind sehr zahlreich und oft nur zufallsbildungen, namentlich bei den formen mit adjektiv oder partizip als zweitem bestandteil. zusammensetzungen mit verben (stillliegen, -sitzen, -stehen, -schweigen)
und substantiven (stillfreitag, -gericht, -leben, -messe)
sind verhältnismäszig selten. die hauptmasse bilden zusammensetzungen mit adjektiv oder partizip als zweitem teil. dabei handelt es sich in den meisten fällen nur um zusammenschreibungen. nicht selten wird ein und dasselbe beispiel verschieden geschrieben, sogar bei demselben schriftsteller: stillbescheiden Göthe 29, 34
W.: still bescheiden 10, 179; still leuchtend Wieland 1, 1, 150
akad.; stilleuchtend Hölderlin 1, 279
Litzm.; still vergnügt Schiller 15, 1, 18
G.; still verklärt Droste-Hülshoff (1879) 2, 240
u. s. w. die unfestigkeit der verbindung kennzeichnet auch gelegentlich auftretender bindestrich: still-dumm Holtei
erz. schr. 5, 156; still-prächtig Herder 24, 327
S.; nach dem zweiten bestandteil lassen sich 3
gruppen unterscheiden: still
als adverb 1)
zu folgendem adjektiv, z. b.: stillfroh, stillsanft, stillklar, stillklug
u. s. w. 2) still
mit partic. praesentis, z. b.: stillflieszend; stillispelnd; stillseufzend, stillwaltend
u. s. w. 3) still
mit partic. perfecti, z. b.: stillbeglückt; stillbegnügt; stillbegränzt; stillbeseligt
u. s. w. entweder handelt es sich um einfache addition zweier begriffe, z. b.: stillfinstere nacht,
d. h. die nacht ist still und finster; stillklug = still und klug; stillsanft = still und sanft,
oder um eine verdeutlichung oder nähere bestimmung des zweiten wortes, z. b. stillseufzend, stillsingend, stillschaffend,
äuszerungen also, die still
geschehen. dem unbestimmten, weichen charakter von still
entsprechend gibt es zahlreiche, rein stimmungsmäszige verbindungen, z. b. stillallmächtige tat; stillaufdunkelnd Fouqué; stillgeduldig Fouqué; stillgeweiht; stillheimlich; stillhinwandelnd; stillmelancholisch Tieck; stillnachdenkend Herder; stillbrüderlich Fouqué, stilloffen Jean Paul; stillsittlich; stillteilnehmend; stillverfeinert Schiller; stillwärmend.
bei manchen schriftstellern häufen sich die still-
zusammensetzungen, besonders bei Lavater, Wieland, Herder, Tieck, Fouqué, Jean Paul, Gutzkow, Rosegger.
abgesehen von den verbalen bildungen sind die still-
zusammensetzungen erst seit dem 18.
jh. geläufiger; nur vereinzelt früher: stillgericht,
n., 14.
jh.; stillbeiszig Burkh. Waldis; stillfridsam; stillgrimmig
bei Fischart; stillader,
f., 16.
jh.; stillbewölkt Treuer
Dädalus.