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still

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

still adj.

Bd. 18, Sp. 2939
still, adj. form und verbreitung. 11) das wort tritt altbezeugt nur im westgerm. auf: ahd. stilli, mhd. stille, as. stilli, mnd. und mndl. stille, holl. stil, afries. stille, neufries. stiël, ae. stille, stylle, me. stille, still, ne. still; für das altnord. wird es aber vorausgesetzt durch das sicher einheimische, abgeleitete verbum an. stilla 'stillen, beruhigen, mäszigen, dämpfen', norw. schwed. stilla, n. stille = dt. stillen, s. M. Schnieders d. einheimischen schw. verben d. jan- kl. im an. (1938) 100; dadurch wird wahrscheinlich, dasz auch schwed. stilla, norw. still, n. stille bei älterem stil nicht entlehnt sind, wenn auch vielleicht durch mnd. mndl. stille beeinfluszt, s. Torp 716, Hellquist 870; anders Falk-Torp 1167. die grundform ist *stellja (zu idg. *st(h)el 'stellen, aufstellen') 'stehend, unbeweglich'; zugrunde liegt vielleicht alter u-stamm *stelnus, ai. sthāṇú- 'baumstumpf, unbeweglich' Walde-Pokorny 2, 645; Persson beitr. 424; Kluge urgerm. 77; Boisacq 907; Fick4 3, 488. doch ist zu beachten, dasz nu-adjectiva auszerhalb des arischen und litauischen nicht gesichert sind. der westgerm. j-stamm kann ebensogut weiterbildung eines a-stammes, wie umformung eines u-stammes sein. die doppelkonsonanz kann, da sie auch nordisch vorliegt, nicht durch das j hervorgerufen sein; neben der oben angenommenen entstehung aus ln kommt auch noch eine grundform *steðla-, wenigstens rein lautlich, in betracht, wie stall < *staðla-, doch wird sie morphologisch nicht empfohlen. ahd. wie in den anderen westgerm. sprachen von vornherein den stämmen auf ja (jô) zugeordnet, s. Wilmanns2 dtsche gr. 2, 426. 22) neben die überlieferte zweisilbige mhd. form stille (adj. und adv.) tritt im spätmhd. die einsilbige form still; im 14. jh. sich ankündigend in belegen wie din lieb trag haimlich und still, nit schrib an die wend wasz sy din will mhd. minnereden I 4, 39 M.; und bat sie still haben Seuse 29, 20 Bihlm. (hs. 2. hälfte des 14. jh.). in den hss. des 15. jh. mehren sich schreibungen wie still und offenbar statt stille und offenbar; er ... gebot den veinden das sye still sessen das summerteil der heyligen leben (1472) 111va. ebenso in vocc. d. 15. jh., z. b. tranquillus still bei Diefenbach gloss. 592c (md.); im 16. jh. wird still geläufiger; Luther hat still neben häufigerem stille. das nebeneinander beider formen stellt sich bis zum ende des 19. jh. so dar, dasz im prädikativen gebrauch beide formen ziemlich gleichwertig sind, dasz aber für das adverb seit dem 16. jh. die kurzform vorgezogen wird. bei Göthe besteht eine fast reinliche scheidung zwischen stille für den prädikativen und still für den adverbiellen gebrauch; ausgenommen natürlich, wie auch bei anderen dichtern, die verse, wo je nach dem versmasz die kurze oder lange form eingesetzt ist. seit dem ende des 19. jh. ist still prädikativ und adverbiell die geläufigere form. doch begegnen auch heute nicht selten fälle mit stille, auch im adverbiellen gebrauch: sich stille rüsten Alverdes zwiegesicht (1937) 88; die hand hing wieder stille ebda 25; muszten sie ja stille schweigen Gertrud v. le Fort die magdeburgische hochzeit (1938) 41. 33) im spätmhd. begegnet neben der regelmäszigen form des adverbs stille im reim (auf willen) auch stillen: offenbar und stillen, frOelich mit gtem willen schweizer Wernher Marienleben 1693 P.-H.; Hesler apokalypse 934, 9136, 12203; minnereden I 7, 374 M. auszer dem reimzwang könnten adverbialformen wie: in stillen, mit stillen (zu stille, f., s. d.) eingewirkt haben. vielleicht handelt es sich auch um verkürzung solcher formen. 44) in md., vereinzelt auch in nd. mundarten erscheint der stammvokal geöffnet zu e, ä, a: stëll Rovenhagen Aachen 139; stelle Hönig Köln 30; stel Hasenclever Wermelskirchen 95; stel Follmann lothr. 532b, štel Luxemb. 422b. vgl. si was ... eins stellen gemütes Griseldis 18 Schröder. štäll Kisch wb. d. Nösner u. moselfr.-luxemb. ma.; štall Luxemb. 419; stall Schmidt-Petersen nordfries. 26a. rundung zu ö: schtöll Fischer Samland 115; stöll Laven ged. in Trier. ma. 277; Luxemb. 426; zu ü (u): stüll Vetsch Appenzell 101 (Schweizerdeutsche gramm. 1); stüllsteen Ludwig v. Eyb Wilwolt v. Schaumburg 73 Keller; vgl. dazu in der stull Baumann quellen zum bauernkrieg in Oberschwaben 135 lit. ver.; in der stull Zimmersche chron. 3, 100 Barack. bedeutung und gebrauch. still erscheint seit dem ahd. in drei bedeutungszweigen: I 'unbewegt, in langsamer bewegung', II 'lautlos, leise', III 'verborgen, geheim'. II entwickelt sich aus I, III aus II. die grenzen zwischen den hauptbedeutungen sind oft unbestimmt dadurch, dasz zwei bedeutungen zusammen gemeint sind, besonders I und II, was in der tatsache begründet liegt, dasz bewegung und laut ursächlich zusammengehören und auch in der vorstellung des sprechenden verbunden sein können. die gröszte ausdehnung hat, von beginn der bezeugung an, die bedeutung 'lautlos, leise'. auch heute ist still (so auch stille f.) im wesentlichen ein wort des gehörsinnes. die im mhd. weit verbreitete bedeutung 'geheim' ist stark zurückgedrängt. II. 'unbewegt, in langsamer bewegung, ruhig'. I@AA. von wirklicher örtlicher bewegung: 'ohne bewegung, stehend, in ruhe seiend; in langsamer bewegung'. I@A@11) von menschen, tieren, dingen. ahd. und mhd. nur als adverb in verbindung mit verben (sonst westgerm. auch anders, vgl. ags.: þæt sē wīd-floga wundum stille hrēas on hrūsan Beowulf 2830), besonders stille ligen, sitzen, stên, haben, swv., und heben, stv. (diese beiden nur bis zum frühnhd. heute vereinzelt mundartlich: still heben Fischer schwäb. 5, 1769; Martin-Lienhart elsäss. 2, 591; stilla habn Lexer kärntn. 242. vgl. Lexer mhd. 1, 1131 ff. und 1199 f.; teil 4, 2, 45 ff. und 721 ff. und die belege sp. 50 und 723). seit dem frühnhd. auch auszerhalb verbaler verbindungen. diese werden vom spätmhd. an häufig zu festen zusammenrückungen: stilliegen, stillsitzen, stillstehen u. s. w. (s. diese an alphabetischer stelle). jedoch begegnen noch heute fälle, wo es sich um unverbundenes still(e) neben den verben liegen, sitzen u. s. w. handelt: (Christus bei der fuszwaschung:) fiang tho zi iro fuazingibot sie stillo sazin Otfrid IV 11, 15; antthat si gisahunsidworige man berht bocan godesblec an himile stillo gistanden Heliand 662 S.; stillo habeta tenuit (inhians tria Cerberus ora Vergil georg. 4, 483) ahd. gloss. 2, 645, 32 St.-S. (11. jh.); do got sach sinen willen, er hiez in haben stille beidiu swert und hant Milst. genesis u. exod. 40, 19 Diemer; nû stuont er vil stille unz im daz ros sô nâhen kam Hartmann v. Aue Erec 6727 H.; Gâwân und Sangîve ... sâzen stille bî des tanzes schar Wolfram v. Eschenbach Parzival 640, 3; so'r ûf hin komet an den grabn, ich wæn dâ müezt ir stille habn ebda 225, 28; daz beidenthalp die ritter stille enthielten ûf der wisen Konrad v. Würzburg Partonopier 5101; sich für dich allez tougen und habe dîn houbet stille Konrad v. Würzburg trojan. krieg 15013; do gesaz er also stille und kerte sich von im selb zuo gote H. Seuse dtsche schr. 127, 31 B.; und bat si stille haben mit ir gezoge ein wili 29, 20; halt stille daz messer untz daz du besihest waz du sniden sOellest Tauler pred. 31, 28 V.; do huob unser herr der küng still under ainem kostbaren güldin tuoch, das truogen der rät vier Richental chron. d. Constanzer conzils 98 lit. ver.; heb still du narr und grosser gouch, muosst sterben mit den wisen ouch N. Manuel todtentanz 66 Bächtold; sprach: ligt nur still, ich gang jetzt hin, auff dasz ich bring hieher ein liecht Fischart w. 2, 96 Hauffen; scharffe und gelinde prediger sind die zwen mühlstein Mosis, der ober rumpelt und stoszt, der unter ist still Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, e 8b; das kein wasser in die teiche lauffe, damit die karpffen stille seyn und ihre ruhe haben mögen fischbüchlein 129; man musz aber die angel nicht stille haben, sondern umrühren, so scheust er (der barsch) darnach ebda 66; so geschwind als dieses generalcommando gegeben ist, musz das gantze regiment oder bataillon stille seyn, sonder eyn wort ze sprechen oder einige andere action zu machen ... es sey mit dem haupt, leib, händen oder füszen Gruber d. heutige kriegsdisciplin (1697) 128; alles ist zu der zeit (vor sonnenaufgang) stille. ich rede aber hier nicht sowohl von der stille, die ich ein schweigen nennen könnte, ... sondern von dem mangel der bewegung der gegenstände Dusch verm. schr. (1758) b 2b; durch des menschenwürgers macht nunmehr in das grab gebracht mit dem nimmer stillen pfeile J. Rist neuer t. Parnasz (1652) 116; da nun alles, alles sich bewegte, bäume, flusz und blumen und der schleier und der zarte fusz der allerschönsten; glaubt ihr wohl, ich sei auf meinem felsen, wie ein felsen, still und fest geblieben? Göthe 2, 184 W.; keine seele rührte sich in der stillen steinwelt (der statuen) G. Keller ges. w. 7, 344; (die kinder) hielten die trotzigen engelsköpfchen ganz stille Stifter s. w. 2, 147; linden mit satten, vollgrünen, stillen blättern Frenssen Jörn Uhl (1902) 83; statt der sechs mahlsteine sausen nur die unter den braunen ... händen der weiber, die drei andern handmühlen stehen still und verlassen M. Dauthendey Lingam (1923) 61; der mann neben mir lag still ... der mann rührte sich nicht mehr (er war tot) ebda 161; denn die bewegung hörte alsbald wieder auf und die hand hing wieder stille P. Alverdes zwiegesicht (1937) 25. im vergleich still wie ein stock, stein (vgl. auch stockstill, baumstill u. ähnliches): sus lager stille alsam ein stock, mit bluote gar berunnen Wirnt v. Gravenberg Wigalois 5345 Pf.; er lac, als ob er wære tôt, noch stiller denne ein quâder Konrad v. Würzburg troj. krieg 32307; sasz ich bald einer kammermagt in das bräm, so sie hat am rock, und hült mich stiller dann ein stock Fischart flöhhatz 166 ndr.; wie aber der wolf ihn erhaschet beym bein, da war er so from und so still als ein stein Reinicke fuchs (1650) 402. stiller tritt, schritt 'langsamer, ruhiger gang'; auch als ausdruck innerer verfassung, 'gelassen': stilles trittes, o Vosz, wandelt indesz dein freund durch gefilde der ruh Hölty ged. (1870) 65 Halm; so wandert er (st. Lucas) mit stillem tritt, nun sieht er schon Mariens hütt A. W. Schlegel im Athenäum 2, 147; der ruhige bürger, der sein väterlich erbe mit stillen schritten umgehet Göthe w. 50, 223 W.; 'sittsam': sie (die mädchen) gehen ihren stillen schritt und nehmen uns doch auch am ende mit ebda 14, 47 W. (Faust 840); vgl. noch: es ist etwas stilles in ihrem (der göttin) tritt Herder w. 16, 469 S. I@A@22) vom wasser. I@A@2@aa) von 'stehendem' gewässer. I@A@2@a@aα) vom meer und von der see: 'ruhig, nicht stürmisch'; oft ist damit untrennbar verbunden die vorstellung 'ohne lärm, geräusch des sturmes, der wellen, der brandung'; vgl. stratum aequor das still meer Frisius dict. (1556) 48a; tranquillus (de mare dicitur) still, windstill, ruwig 1323a; das meer wirdt still und geligt, wenn man öl dareyn schütt mare tranquillatur oleo Maaler 388c; stilles meer mare tranquillo, cheto, calmo Kramer t.-ital. 2 (1702) 973a; ... nis nu lang te thiu that thia stromos sculunstilrun werthan Heliand 2255 S.; vgl. ags.: streamas stille weorðað rätsel 3, 14; tranquillo sereno radiat sepe mare inmotis fluctibus eina wila ist ter mere stille unde lutterer, andera wila tuarot er truober Notker 1, 78, 5 P.; das mer wart stille do, und chomen mit frewden an das lant märterbuch 9364 Gierach; ein ... sehe, den der künig Ptolemeus ... in xii tagen ..., wenn es gantz stille darauff gesein ist, umbfaren hat H. v. Eppendorff Plinius (1543) 100; dann es was dazumahl ... der gantz wind gelegen und das meer gar still worden Fronsperger kriegsb. (1573) 3, 157b; dat mer is nicht stille, als it stormet van winde Tunnicius sprichw. 1091 Hoffmann; so gib, dasz unser schiff, das auf den wellen stund, nicht geh auf stiller see und in dem port zu grund! A. Gryphius trauersp. 216 Palm; plötzlich ruhte der wind; von heiterer bläue des himmels glänzte die stille see J. H. Voss Odüssee 222 Bernays; es gibt minuten, wo mein geist stillen gewässern gleichet, kein wohltätiger wind vermag das drückende gleichgewicht aus einander zu schaukeln Schiller 2, 393 G.; nichts weniger als entmuthigt wartete Alexander nur stille see ab, um den sturm zu wiederholen Droysen gesch. Alexanders (1833) 192; das meer schäumte mächtig ... und so waren diese ausflüge bei grauem himmel und lärmender brandung fast noch schöner, als sie vorher bei sonnenschein und stiller see gewesen waren Th. Fontane ges. w. (1915) 4, 266. — gelegentliche anwendungen: darnach legt sich die ungestümigkeit und wart der flusz stil G. Alt buch der cronicken (1493) 7b (deinde lenis violentia posita placidus [sc. Nilus]); und durch den harten schlag (der kanonen in der seeschlacht) die stillen tiefen zittern Pietsch ges. schr. (1740) 14; und stille wirds über dem wasserschlund, in der tiefe nur brauset es hohl Schiller 11, 222 G.; all die vielen glühenden silbertropfen (des wasserspiegels) schwankten sich entgegen, immer näher, immer stiller, wurden alle wieder eine weisze sonne H. Carossa ged. (1929) 17. als bild: ihre instrumentalbegleitung war sonderlich in der ersten periode ihrer tonkunst nicht rauschend und übertäubend, sondern eine stille, krystallene see Schubart ästhetik der tonkunst 36. I@A@2@a@bβ) terminologisch: der stille ozean, das stille meer für den groszen oder pacifischen ozean, das von Magelhan wegen seiner windstille pacific ocean genannte meer zwischen Amerika und Asien (s. Murray Oxford dict. 7, 360, dort belege von 1555 an). zunächst nach dem englischen pazifischer ozean genannt; seit dem ende des 17. jh. erscheint die bezeichnung stilles meer; später stiller ozean: das stille indianische meer mare pacificum Stieler (1691) 1261; das stille meer il mare pacifico ò tranquillo Kramer t.-ital. 2 (1702) 35c; die stille see il mare pacifico 2 (1702) 729c; das stille meer zwischen Asia und America siehe pacificum mare bei Zedler 40 (1744) 91, Noel-Chomel 8, 1664, Adelung 4 (1801) 378, Campe 4, 660a; man pflegte ihm zwar in seinem ganzen umfange den namen des pazifischen oceans oder stillen meeres beizulegen G. Forster s. schr. (1843) 1, 15; weil keinerlei strömung aus dem eismeere in den stillen ozean eindringen konnte Peschel völkerkde (1874) 428; auch in die dichtung eingedrungen: die insel hiesz Orplid, und ihre lage dachte man sich im stillen ozean östlich von Neuseeland Mörike w. (1905) 3, 3 Göschen; ... sonne dich am lichte, das umglänzt den stillen ozean Platen w. 1, 4 Redlich. I@A@2@a@gγ) von stehendem gewässer (teich, see) im gegensatz zu 'flieszend'. vgl. reses aqua still oder faul wasser, das nit laufft Frisius dict. (1556) 1152a: wer mit einem sweren stein enmiten in ein still stendes wasser vast wurfi Seuse dtsche schr. 191, 16 Bihlm.; und die quellen und bäche der ersten schöpfung gottes sind zu stillen todten seen geworden Gleim briefw. 1, 226 Körte; im stillen wasser verkommt sie (die forelle) Scheffel ges. w. (1907) 1, 246; in dichterischer sprache stimmungshaltig, nach II hinüberweisend (s. II A 4): sie traten itzt in einen freien platz, wo ein stiller see im bleichen licht des mondes glänzte L. Tieck schr. (1828) 8, 4; niederhangen hier die weiden in den teich so still, so tief Lenau s. w. 13 Barthel; er (der weiher) liegt so still im morgenlicht, so friedlich wie ein fromm gewissen A. v. Droste-Hülshoff s. w. 1, 50 Schwering; binsen umsäumten ihn (den see), und auf der stillen, schwarzen wasserfläche schwammen zahlreiche mummeln Th. Fontane ges. w. (1915) 4, 358. gelegentlich von der oberfläche des wassers 'eben, glatt wie ein spiegel': ein maulpferd ... kam zu einem stillen wasser und ... sein gestalt ... darin erblickte Heyden Plinius (1565) 228; stilles, ebnes meer ists, worin sich die liebe sonne spiegelt Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 161; hier zeigten die stillen wasser (der lagune) auch das scharfe, dunkle ebenbild einer schlank gewölbten marmortreppe C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 99. I@A@2@bb) von 'flieszendem' gewässer (bach, flusz). 'ruhig in der bewegung, langsam flieszend'; häufig in der verbindung still flieszen. vgl. lambere senlich, gemach, still flieszen (Hagenau 1516) Diefenbach gl. 316b: quietis lapsibus runstin, stillan vartin ahd. gl. 2, 430, 55 St.-S. (11. jh.); vgl. auch die schon frühbezeugten flusz- und ortsnamen, ahd. stillaha, elsäss., hess., österr. a. d. j. 773, 816, 948, 1109 u. ö., vgl. die Stille z. b. im kreise Schmalkalden, die Still im kreise Molsheim u. ö., sieh bei Förstemann-Jellinghaus altdt. namenbuch 2, 2, 893; ouch rinnet nâch der lenge ein bach, der ist niht kleine: stille unde seine der selbe phlûme lief Ottokar österr. reimchron. 32817; an der Thonaw ... und andern wassern, wo sy still lauffen ... da findt man auch vil (biber) Herold - Forer Gesners thierbuch (1563) 22; gehe zum wasser, da es am stillesten läufft fischbüchlein 49; unter diesem schlosz wallet hervor die helle, schöne quelle ... und zwar nicht mit einem groszen strudel ... sondern ganz stille S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 13; hier schien ein gefährlicher strudel ... aber in zwey minuten waren wir auch völlig darüber weg und in stillem wasser Chr. Fr. Nicolai reise (1783) 2, 543; wir streichen wie ein stiller bach immer weiter gelassen in der welt hin Göthe IV 4, 63 W.; es spiegelt sich im stillen Rhein so zauberisch der sterne schein Schneckenburger deutsche lieder (1870) 51; es ergosz sich dort ein bach in den see, ein stilles und durchsichtiges wässerchen C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 86. I@A@2@cc) sprichwörtlich: stille wasser sind tief, daneben gründen tief, haben tiefen grund. zugrunde liegt die vorstellung, stehendes oder ruhig flieszendes wasser ist tief, nicht durchschaubar, gefährlich; trotzdem meist als 'nicht rauschendes' (still II) wasser verstanden und dem entsprechend weniger auf den ruhigen als den schweigenden menschen bezogen. gelegentlich wird dann auch das bild ausdrücklich geändert: tiefe wasser sind still altissima quaeque flumina sine sono labuntur Frisch 2, 335c (vgl. dazu: nimm dich vor heuchelei der stillen leut in acht, am tiefsten ist ein flusz, der kein geräusche macht Opitz s. w. [1644] 828a). weit verbreitet in der literatur, umgangssprache und den mundarten (nd. md. obd., vgl. die mundartenwbb.). älteste bezeugung spätmhd.: von den die stille geperd haben. was menschen stiller perde sein, die meyd, das ist die lere mein. man spricht gemein zu aller stund: stille wasser haben tieffen grund kl. mhd. erz. II 220 Euling; Luther hat stille wasser sind tief, die rausschende wasser sind nicht grawsam 30, 2, 43 W.; stille wasser sind gern tief, sagte Hypsikratea Buchholtz Herkuliskus (1665) 523; die stillen wasser sind oft tief A. v. Arnim s. w. 5, 335; und was die frau angeht, ... so wisse jeder, stille wasser seien tief Fontane ges. w. I 6, 353; doch stille wasser, kind, die haben tiefe gründe samml. v. schauspielen (1764 ff.) 5, d. gleiszner 4; weitere belege s. unter wasser, teil 13, 2342. das gefährliche stiller (ruhiger, langsam flieszender) gewässer kennzeichnen einige varianten: stille wasser fressen grund W. Lüpkes seemannsspr. 130; Fischer schwäb. 5, 1769; stel wasser grondfresser Follmann lothr. 532b; ein stilles grundfressendes wasser Pestalozzi s. schr. 7, 32; stille wasser fressen tief H. Sachs 8, 277 K., fressen am meisten Martin-Lienhart elsäss. 2, 591, reiszen die gröszten löcher Fischer schwäb. 5, 1769. ohne anschauliche vorstellung: stille wasser trügen ebda; Bauernfeld ges. schr. 3, 186; d stilli wasser sind d schlimmsten Martin - Lienhart elsäss. 2, 591. dazu ein stilles wasser für einen menschen, 'der es hinter den ohren hat': ein lockerer vogel war der maler, jedenfalls ein stilles wasser K. H. Waggerl mütter (1935) 39; dieses liebe schwiegertöchterchen ist wie ein stilles wasser, tief und breit: wenn ich nicht bey zeiten vordämme, so ersäuft sie uns noch alle miteinander Kretschmann s. w. (1784) 4, 2, 47 (die hauskabale 2, 3). I@A@2@dd) vereinzelte gebrauchsweisen. von flüssigkeiten, die nach dem kochen nicht mehr wallen und sieden: ihr herz ist einem topfe gleich, der, so lange er am feuer stehet, siedet und kochet, wenn er aber zurück gesetzt wird, bald stille wird und erkaltet Scriver seelenschatz (1684) 451; ist es (das beafsteak) nun auf der einen seite gut, dann hebe ich es eine weile heraus, bis die butter zum zweiten mal still wird Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 33. — stilles wasser 'tafelwasser ohne kohlesäurezusatz'; vergleichen läszt sich stummer wein, 'unbewegt, ohne gärung', teil 10, 4, sp. 390. I@A@33) von luft, wind, wetter. ohne bewegung, windstill, ohne starken wind oder sturm. am häufigsten stilles wetter: tho wart in thero stullithaz wetar filu stilli Otfrid III 8, 48 (Matth. 14, 32 cessavit ventus); (Jesus) gieng uf wasser trucken hin, hies wind und wetter stille sin Schweizer Wernher Marienleben 7858 P.-H.; als aber keiser Henricus einen monat lang ... verzogen hatte, und sich stille wetter, darauff er gewartet, zutrug, zog er mit xxx schiffen ... auff Pisa zu B. Faber Saxonia (1563) 194a; diesem nach liesz der keyserliche obriste ... bey stillem wetter etliches volck ... uber den Brandeshager pasz setzen v. Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 44; wanns ... still wetter ist, so ziehet der lerch gewaltig fort Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 134; ein starkes erdbeben (das man) ... bei stillem wetter erlebte Ritter erdkde (1822 f.) 3, 86; stille ... witterung ist dabei (beim feldlerchenfang) nöthig Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 4, 180. daraus entwickelt sich die bedeutung 'schönes, heiteres wetter', durch nebengeordnete begriffe wie klar, heiter, schön, lind verdeutlicht, vgl. tranquillum est es ist still und schön wetter Frisius dict. (1556) 1313a; serenus, heyter, schön, häll, himmelheyter, stille 1203b; tempo sereno schön, hell, still wetter Hulsius (1618) 2, 368a: ward alsbald eyn stilles, klares wetter das summer teil der heyligen leben (1472) 23a; liechtweisz ist ein gut zeichen, besonder auff dem meer, dann es bedeut gemeinlich schön, heytter und still wetter Paracelsus opera (1616) 1, 920 Huser; bey schönem wetter still und lind, wann sich erhebt kein rauher wind Joh. Spreng Ilias (1610) 62a; auch auf der wasserfläche der ströme und des meeres stellt sie (die luftspiegelung) sich bei warmem, stillem wetter dar H. Allmers marschenbuch (1858) 50. stille luft (ahd. aether), vgl. aequatae spirant aurae es gadt ein sanffter stiller lufft Frisius dict. (1556) 50a: nisi quod ille inmutabili letitia renitebat. hec commotionum assiduarum nubilo crebrius turbabatur ... aether ist io stille. aer wirt ofto getruobet Notker 1, 743, 8 P.; ihr stillen lüfte dieser nacht, ... fangt auf den thon, den meine rede macht H. v. Hoffmannswaldau u. and. Deutscher ged. (1697 ff.) 2, 81 Neukirch; bistu zur see gewest, wann sie kein wind beweget, wenn durch die stille lufft die fluth sich nährlich reget? Rachel satyr. ged. 21 ndr.; euch, wunderbare lüfte, sandte der herr, der unendliche, aber jetzt werden sie still, kaum athmen sie, die morgensonne wird schwül Klopstock oden 1, 135 M.-P.; sie hatten auf flachem boden ein feuer angelegt, und eine stille luft trieb den rauch erst auf der arena hin Göthe 30, 265 W.; bis plötzlich in der stillen, heiszen luft das klare mittagsglöcklein klang Stifter s. w. (1901) 3, 285; ein ... gebäude, von dessen giebeldach eine gelbe flagge ... schlaff in der stillen, etwas nebligen luft herniederhing Fontane ges. w. (1915) 4, 335. stiller wind: da die ungestüme des windts gelegt und still ward, schifften sie zuo der statt Sciathum Carbach Livius (1557) 219a; den 8. junii schifften wir im namen gottes gen Cypern ... mit stillern winde hin M. v. Seydlitz wallfahrt nach d. heil. land (1580) c 1b; ein kühner mann, der ... lieber mit allen segeln in den abgrund als mit stillem winde in die schande hineinfuhr E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 218. stiller himmel: man soll ein taubhausz machen, wo der himmel häll und still ist Michael Herr feldbau (1551) 168b; so folgen wir billig hierinnen dem beyspiel des himmels, der bald stille, bald stürmisch zu seyn ... pfleget Lohenstein Arminius (1689) 1, 4. stille tages- und jahreszeiten, wobei die hauptvorstellung 'windstill' verblassen und der nebensinn 'schön, heiter' die oberhand gewinnen kann (s. oben stilles wetter): dies placidus et serenus ein lieblicher und schöner tag, stiller tag Frisius dict. (1556) 1008a; der fisch milnus ... (wird) ein lyecht genannt, das er ein fewrige zung zum maul hAerausz strecket, die bey den stillen nächten ein schein gibt Eppendorff Plinius (1543) 116; (im februar soll man) zu den bienen sehen, wann ein heller und stiller tag ist Hohberg georgica curiosa (1662) 1, 110; wann der neue jahrstag auf einem sonntag fällt, so wird ein stiller und ruhiger winter, stürmigter frühling georg. cur. aucta 3 (1715) 95a; gleich wolken, welche Kronion ruhig um hohe gebirg an stillen tagen versammelt Bürger w. 227 Bohtz; an einem ganz heitern stillen morgen ..., als der rauch, aus allen essen aufsteigend, sich über dem thal sanft zusammenzog Göthe II 5, 1, 265 W.; und zeigte auf die nun stillgewordene mondhelle schneenacht hinaus Fouqué alts. bildersaal (1818) 4, 39; an einem lauen, stillen abend zu anfang des sommers R. M. Rilke ges. w. 4, 111. es ist still (die gleiche wendung in anderer bedeutung II A 6): wiewol man aber zu disem gezeug (dem windfang) keins haspels bedarffe ... doch dieweil es nicht allwegen umbgetriben wird, so kein lufft geht, wie es den gar offt still ist, ist dieses nicht ... so zuträglich dem schacht lufft zu machen Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 170; es ist so still, es wäre gut hafer säen Wander sprichw. 4, 858; wann es still ist, wil jeder ein steurmann sein in tranquillo quilibet gubernator Aler dict. (1727) 2, 1838a. einzelnes: gebläse gehet still, wenn der (schmelz)ofen dunkel gehalten wird Chr. Herttwig neues u. vollk. bergbuch (1734) 156a; ein brand, dessen rauch still wallend ... hinauf steigt Göthe IV 35, 303 W.; kommt aber heute nachts wieder ein sturm, oder regnet es morgen sehr, wenn auch still (ohne sturm), so musz ich hier bleiben A. Stifter briefw. 6, 69. I@A@44) von feuer und licht 'unbewegt brennend, nicht flackernd'; bei der kerze stimmungshaltig 'sanft, milde', zu II hinübergehend: das feuer, das auf dem herde flackerte, ward still und schlief ein kinder- u. hausmärchen (1843) 295; das feuer in des wächters händen wird wie ein nachtlicht still und klein Göthe 1, 50 W.; drauf akademisch ward mir gleich ein herrlich welt- und geisterreich bei stiller kerze schimmer 4, 174; aber er tobte weiter und merkte kaum, wie er das bisher stille wespenfeuer (die wut eines wespenschwarms) zu spitzen flammen entfachte H. Carossa d. arzt Gion (1931) 142. I@BB. vom menschlichen leben und handeln, äuszerlich und innerlich; 'unbewegt, untätig, ruhig'; 'zurückgezogen, dem äuszeren leben und seiner bewegung abgewandt'. häufig mit ruhig verbunden. im übertragenen gebrauch sich mit den aus still II, 'leise', entwickelnden anwendungen eng berührend und nur theoretisch davon zu trennen. I@B@11) 'ruhig', 'ohne bewegung', 'in ruhiger bewegung', vom äuszeren und inneren zustand des lebens und tuns. I@B@1@aa) 'untätig', 'ohne handeln'; in älterer sprache häufig von kriegerischen unternehmungen: (bei der brotvermehrung) that folc stillo bed, sat gesidi mikil Heliand 2852 S.; niheinis urlougis wart man giwari: dî heriverti wârin stilli lob Salomonis 243 bei Waag kl. dt. ged. 35; niemen wege fuoz noch hant ubir al ditze lant unde si vil stilli es nesi Josebis willi genesis u. exod. 86, 34 Diemer; als daz sturmen was gelegen und si heten des verpflegen, nu wolden die heiden ouch stille sin kreuzf. d. landgr. Ludwig 1409 Naumann; ie doch ist das nit mein wille das ir hie belibent stille, unntz das vechten nem ain ennd Friedrich v. Schwaben 4041 J.; der kaiser Carl was nimmer still, er tatt krigen und reisen viell zu wasser und dergleich zu lant M. Friedwald elbing.-preusz. gesch. 138b; deszhalben die fürsehung thu, dasz man beleib in stiller ruh, das weder die Troyaner heut, noch unser feind, die Griechenleut sich miteinander legen ein ... der heutig kampf ganz eigen sei mein und des Menelai frey J. Spreng Ilias (1610) 31a; der glimpfflich läst alles gehen, will still seyn und dem spiel zusehen Lehman floril. polit. (1662) 2, 623; gelt macht die narren klug, erhebt zu ehrenständen, es redet ohne mund, gewinnt mit stillen händen Rachel sat. ged. 49 ndr.; mein körper ist wieder hergestellt, aber meine seele ist noch nicht geheilt. ich bin in einer stillen, unthätigen ruhe, aber das heiszt nicht glücklich seyn Göthe IV 1, 219 W.; sie setzte sich still auf die kante ihres bettes, ohne sich auszukleiden Storm s. w. (1904) 1, 184; truppen ..., die ich im Badischen als besatzung still liegen lassen musz, die ich nicht einmal bewegen und verwenden kann E. Strausz d. nakte mann3 (1912) 264. in besonderer verwendung, still 'ohne bewegung' in verkehr und handel: und flugs, wie nur der handel (im lädchen) still, gleich greift sie nach dem rädchen (spinnrad) Göthe 1, 35 W. man sagt, das geschäft ist still, wenn wenig oder gar nichts verkauft und gekauft wird. namentlich vom markt, wenn keine nachfrage nach bestimmten waren ist (dafür auch flau), und von der börse bei feststehenden oder wenig sich verändernden kursen und unveränderter nachfrage (dafür auch fest, befestigt, ruhig, stetig): bei stillem geschäft ergaben sich am deutschen inlandsmarkt keinerlei preisveränderungen Berliner börsenzeitg. 30. 9. 1938; zucker still und ruhig; der markt litt nicht unter starkem angebot, und trotzdem kein anziehen der preise! roggen litt unter glattstellungen, gerste war still W. v. Polenz d. Büttnerbauer 2, 205; der rentenmarkt lag still (an anderer stelle: lag ruhig) bei unerheblichen kursveränderungen. reichsaltbesitzanleihe etwas fester ... montanaktien lagen verhältnismäszig still, nur eintracht braunkohle waren stärker gesucht und stiegen ... der schlusz war ziemlich still und unverändert Frankf. zeitg. 19. 3. 39 s. 7. stiller teilhaber, gesellschafter, der sich nur mit seinem geld, nicht durch seine arbeit an einem geschäftsunternehmen beteiligt, vgl. L. Elster wb. d. volkswirtsch.4 (1933) 2, 298: ein kaufmann, der sein geschäft ohne gesellschafter oder nur mit einem stillen gesellschafter betreibt handelsgesetzbuch § 18; (die) senatorischen familien, die ... ihre ... capitalien ... als stille gesellschafter bei den groszen associationen verwerteten Mommsen m. gesch. (1874) 2, 108; beteiligungen still oder tätig nieders. tageszeitg. 26. 7. 1934. nur in der älteren rechtssprache, stille gewähr 'ruhiger, unangefochtener und rechter besitz' (zu ahd. gewerî, mhd. gewer vestitura, possessio); zur sache s. Jacob Grimm dt. rechtsaltertümer4 (1922) 2, 86 f.; K. v. Amira germ. recht (1913) 209 f. statt und neben still auch ruhig, geruowet, geruowig (s. teil 4, 1, 3, 4789 unter gewähr); gelegentlich auch neben recht, also soviel wie 'rechtmäsziger' besitz als gegenteil von roubliche gewer (s. unter gewähr sp. 4792). da das wort gewähr in der bedeutung vestitura im frühnhd. verschwindet, erlischt auch stille gewähr. weitere belege s. teil 4, 1, 3 a. a. o. und Fischer schwäb. 3, 607: da sprechin wir, daz dy herrin des Tützschin huses vorgenant alsolanghe in den vorsprochin guodin gesezzin han in stillir unde in rechtir gewerde, daz sy Adolphe oder Johanne van Nordekin noch keyme erin bruodere egenant nuowet schldich ensin van den vorgenanten guodin (v. j. 1341) hess. urkundenb. I 2, 499 Wyss; ob ein man kaufet âne sîn wizzen diubisch guot unde hât daz in stiller gewer lenger danne driu jâr, ist daz sîn ze reht oder niht? Deutschenspiegel 124, 15 E.-H.; swaz anders guotes ist, daz varndez guot heizet, hât daz ein man in sîner gewer und sîner stillen gewer zehen jâr bî dem der bî im in dem lande ist âne rehte widersprâche, der selbe mac ez niemer angesprechen 123, 9; d. alte kulmische recht 180 Leman. I@B@1@bb) im groszen von zeiten, ländern, völkern: 'ohne krieg, aufruhr'; 'friedlich': und das er darneben durch die liebe obrigkeit gnedigen friede und stille zeiten gibet Mathesius Sarepta (1571) vorr. 1b; in stiller sicherheit lag unser Sachsenland Joh. Ulr. v. König ged. (1745) 110; ich wünsche dasz ew. excellenz die gegenwärtige stille zeit (nach dem krieg von 1806-07) zu ihrer erhohlung nutzen mögen Göthe IV 30, 104 W.; lange war es in unserer gegend still gewesen, und ich zog mit meinem saumrosse ruhig die gewohnten pfade 24, 27; es war die zwanzig jahre nach dem siebenjährigen kriege, eine stille heitere zeit, und die menschen fühlten sich auszerordentlich wohlig und wählig E. M. Arndt s. w. 1, 11 R.-M.; auch sonst 'ohne bewegung, getümmel': lasz mich ein, eh meine seele für verlangen fähret ausz; lasz mich ein, du stiller himmel, nihm mich ausz dem weltgetümmel Angelus Silesius heil. seelenlust 79 ndr.; nachrichten die zukünftige deutsche singbühne betreffend kann ich ihnen dermalen noch keine geben, da es dermalen noch ... sehr stille hergehet Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 4, 150. — häufig in Luthers bibel still 'in frieden': und er bauete feste städte in Juda, weil das land stille und kein streit wider ihn war 2. chron. 14, 6; 2. Macc. 11, 25; ich will das land ohne mauern überfallen und über die kommen, so still und sicher wohnen Hesek. 38, 11; 1. chron. 5, 40; da ward das land still vierzig jahr richter 3, 11. I@B@1@cc) still bezeichnet die ruhe des schlafes; im vordergrund steht die vorstellung des regungslosen; hinzukommt die des leisen, schweigenden (still II), und besonders in verbindung mit schlummer die des sanften, im gegensatz zum drückenden, schweren schlaf. man sagt jemand ist still 'er schläft', er schläft, liegt still: da lac der übel aspis, slâfend unde stille Konrad v. Würzburg Partonopier 10709; am morgen kl im aprill, macht schlaffen vil und still Fischart praktik 18 neudr.; grazie deines Olymps, bedecke mit deinem fittig Cidli. wie schlummert sie, wie stille! schweig, o leisere saite selbst! Klopstock oden 1, 112 M.-P.; den andern morgen, da noch alles still und ruhig war, ging er sich im hause umzusehen Göthe 23, 161 W.; geh zu bett, ... deinem alter ist der schlaf gut. die kinder sind still, ich bin gern des nachts munter Tieck schr. (1828) 1, 63; nun sieh, wenn du merkst, dasz er stille, dasz er eingeschlafen, so schleich aus der kammer heraus A. v. Arnim w. 1, 15; was für ein lärm! was für eine müh! ich sitze gleich und schlummre still Göthe 3, 340 W.; schlupf unter die deck, dich reck und dich streck, schlaf fromm und schlaf still Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 166. — es liegt in einem stillen morgenschlummer die mutter erde Göthe 5, 35 W.; schwebt über unsrer burg noch stiller morgenschlummer Ayrenhoff w. (1814) 2, 144; vgl. noch: die welt ruht still im hafen, mein liebchen, gute nacht Eichendorff s. w. 1, 1, 293 K.; könnt ich denken was ich wollte, und vergessen was ich möchte, heller wären meine tage, stiller wären meine nächte Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 274. I@B@1@dd) still sein, still leben, ein stilles leben, 'nicht nach auszen strebend, dem rastlosen getriebe abgewandt, sich auf den nächsten kreis beschränkend, zurückgezogen'; häufig mit ruhig verbunden: still und ruhig leben; gelegentlich sich mit still 'gelassen' berührend (s. unten I B 2) und den inneren zustand meinend: und ringet darnach, das ihr stille seid und das eure schaffet 1. Thess. 4, 11; bene qui latuit, bene vixit ein stilles leben ist ein edles leben Nürnberger wb. (1713) sentent. 6; (ich schmeichle mir) im umgang mit den unsterblichen ein stilles und sorgenfreyes leben zuzubringen Wieland Agathon (1766) 1, 29; ich sehe sie am fenster nicht, auch nicht auf der terrasse. bleibt die arme wohl an diesem schönen tage still bei sich verschlossen? Göthe 11, 289 W.; Bertinus (lebte) ruhig und still mit seiner geliebten 45, 99; (mit 102 gulden) könne man mit seiner frau, still und ruhig, wie wir zu leben wünschen, schon auskommen Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 149; auch auf einem kurzen und stillen (lebens) wege kann man viel erfahren W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 114; ein mann, welcher seinen eigenen stillen weg ginge und von der sorglosigkeit der andern nur den nutzen, aber nicht die nachtheile zu ziehen wüszte G. Keller ges. w. (1889) 4, 220; Instetten war ernsthaft gewillt, auf das stille leben, das er in seiner landrätlichen stellung geführt, ein gesellschaftlich angeregteres folgen zu lassen Fontane ges. w. (1915) 4, 370. besonders häufig in der verbindung ein stilles und ruhiges leben führen: du fürest ein still geruogsam leben Tappius adag. cent. sept. (1545) E e 6b; vitam serenam degere ein still und ruwig läben füren Frisius dict. (1556) 1203b; auf dasz wir ein ruhiges und stilles leben führen mögen in aller frömmigkeit und ehrbarkeit 1. Tim. 2, 2; damit wir ein fridsam still leben füren mögind in allem ernst und gotteshulde H. Zwingli dt. schr. 1, 264; umb die kirchen in die heuser ... setz man die leut, die mit irem handel ein stilles leben füren Albr. Dürer underr. z. befestig. d. stett (1527) d 3c; ein still und rülich leben füren Joh. Mathesius Sarepta (1571) 1a; wann einer icht zu eim will sagen, er hab still und geruhig tage, der nichts zu arbeiten und zu sorgen, und sey im ein tag heut als morgen dem thut man disz sprichwort zu losz, agis dies Halcynios. das ist so viel gesagt, merck eben, du führst ein still geruhig leben Eyering prov. copia (1601) 1, 712; ich glaubte nun, ... meine mutterpflichten übend, ein stilles ruhiges leben führen zu können E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 45 Gr. I@B@1@ee) mehr gefühlsbetont und nach innen gewandt, vom menschen 'zurückgezogen, beschaulich, aus neigung und anlage'; gelegentlich mit dem nebensinn 'edel' (Göthe); von ort und zeit 'geschützt, schutz und zuflucht gebend' (sich berührend mit stille stunde, stilles haus u. s. w. s. unten II A 4 e): tugend, vernunft und muth müssen nicht in die augen fallen, nicht öffentlich herrschen (wollen) ... ihre stille wohnung ist die seele Möser patr. phant. (1778) 3, 8; o könnt ich unbekannt und still ... in einsamer gegend mein leben ruhig wandeln Sal. Gessner schr. (1777) 1, 128; es giebt besonders zur stillen eingezogenheit geneigte menschen J. Chr. Bode M. Montaignes ged. (1793) 5, 94; solch ein inhalt deiner sänge, der erbauet, der gefällt, und im wüstesten gedränge dankts die stille, bessre welt Göthe 3, 164 W.; ich bin hier ganz still und wohl. ich habe einige geschäfte besorgt und den wissenschaften obgelegen IV 7, 219 (vgl. noch IV 35, 283; IV 7, 220 W.); und manches jahr des stillsten erdelebens ward so (in der betrachtung der natur) zum zeugen edelsten bestrebens I 4, 15; mein leben, insoweit meine schicksale von meiner gemüthsart und gesinnung abhängen, würde still und ungefährdet in unablässigem dienste der wissenschaft verflossen sein Jacob Grimm kl. schr. 1, 26; wie gern hätte ich in stiller abgeschiedenheit, zufrieden mit der ehre, die mir die wissenschaft gibt, mein leben ... zugebracht 1, 31; darum, freunde, will ich reisen, weiset strasze mir und ziel! in der heimat stillen kreisen schwärmt das herz doch allzu viel Uhland ged. 1, 46 E. Schmidt-Hartmann; wir können dir keinen stillen platz in Hohen-Cremmen anbieten, keine zuflucht in unserm hause Fontane ges. w. (1915) 4, 409; Otto ... wird euch von uns und unserem stillen leben ausführlich erzählen Th. Storm briefe in d. heimat 85 Gertr. Storm; nun, da mein stilles glück zerfällt, kehr ich wieder zu dir (weite welt) R. G. Binding ged. (1922) 85; in eigenwilliger verwendung 'zurückgezogen lebend': der musiker ist in demselben fall, er musz sich aber anders benehmen wie gewisse freunde (der empfänger Zelter), die weder die reuetöne zarter Magdalenen noch den apell an das allgemeine weltgenie ihren stillen abwesenden zu gute kommen lassen Göthe IV 34, 130 W.mit negativer betonung still und einsam (dieselbe verbindung in anderer anwendung sieh bei II A 4 e und II A 6): himmel und erde seyn zeugen, ... dasz ich dir unveränderlich getreu, still und einsam deiner harren will U. Bräker s. schr. (1789) 1, 86; (ich) hatte mich darein ergeben, die reihe der schönen feste ... diesmal zu entbehren und meine frommen wünsche aus stiller einsamkeit den verehrtesten personen zuzusenden Göthe IV 29, 35 W.; eine kurze spanne zeit, und das leben oft so still und einsam Th. Fontane ges. w. (1915) 4, 336. I@B@1@ff) mit dem vorigen eng zusammenhängend: stille, in der zurückgezogenheit und in innerer ruhe vor sich gehende tätigkeit und arbeit: hier, wo stiller fleisz, von hof und welt entfernt, aus ruf und büchern nur die groszen kennen lernt K. G. Kästner verm. schr. (1772) 178; aber bringt zur rechten stunde mir der lampe fromm geleuchte, dasz es statt Amor und Phöbus meinen stillen fleisz belebe Göthe 2, 96 W.; ich hab es wohl auch mit um euch verdienet, ich sorge still, indes ihr ruhig grünet 2, 141; so jung er war, hatte er ein auge auf die stillen arbeiten in so vielen fächern beschäftigter und thätiger männer 22, 106; da wo er (Vergil) aus dem herzen redet: nicht allein im landbau und in allen schilderungen seines stillen lebens Niebuhr m. gesch. 1, 139. besonders von einzelnen, ein ruhiges, zurückgezogenes, beschauliches leben führenden ständen (sich berührend mit anwendungen wie stiller mensch u. s. w. s. unten II C 1): ist nicht bey uns sowohl der stille bürgerstand, als edler fürsten muth auf bühnen schon bekannt? Gottsched versuch e. crit. dichtk. (1751) 45; Opitzens ... beschreibung von der stillen ruhe des landlebens Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 29; der stille weise schaut und sieht geschwind, wie zwei extreme nah verschwistert sind Göthe 16, 134 W.; aus einer groszen gesellschaft heraus, ging einst ein stiller gelehrter zu haus 2, 273; in der stillen berufstätigkeit eines professors Justi Winckelmann (1866) 1, 235; dasz viele von ihnen die stilleren und frommeren arbeiten des feldes und der viehzucht treiben E. M. Arndt ges. w. 1, 121 M.-R.; auch sind die einwohner ein stilles ackerbauvolk Ritter erdkde (1822) 1, 304; wie wenige von denen, die die gewalt seiner rede in einer groszen versammlung erlebten, hätten es für möglich gehalten, dasz derselbe mann vielleicht schon in den nächsten stunden der nacht wieder am stillen schreibtisch sasz Julius Petersen Gustav Roethe (1926) 8; man braucht bei Jacob Grimm auch die folie des äuszeren lebens mit seiner stillen bürgerlichkeit, seinen gemütstönen, seiner inneren wärme, um sein schaffen ... richtig zu würdigen Arthur Hübner Jacob Grimm, Berl. sitzber. (1935) 5. I@B@1@gg) von geistigen tätigkeiten, vorgängen und zuständen, 'ruhig, unbewegt'; 'ungestört, gesammelt'; gelegentlich sich mit der bedeutung 'langsam und stetig fortschreitend' verbindend: dan das ist nit ein kostliche keuscheit, die stil ruge hat, sondern die mit der unkeuscheit zu felt ligt und streytet Luther 6, 270 W.; und da gott fur sey, wenn es (das wort gottes) still und ruge würde, so were das evangelium aus, es mus rumoren, wo es kömpt, thuts nicht, so ists nicht recht 34, 313; die meisten (gottesdienstlichen gesänge) sind mehr lieder als oden, mehr äuszerungen stiller, betrachtender andacht, als ausbrüche des lebhaften religionsgefühls Eschenburg entwurf (1783) 110; vor stillem schaun Göthe 2, 152 W.; und in dieser gelassenheit ist meine einbildungskraft so stille, dasz ich mir auch keine vorstellung von dem machen kann, was mir sonst das liebste war IV 1, 219; und wenn im heiszen busen dem jünglinge die eigenmächtgen wünsche besänftiget und stille vor dem schicksal sind Hölderlin s. w. 4, 32 v. Hellingrath; ich lobe mir den stillen geist, der mählich wirkt und schafft Fr. Rückert w. (1867) 1, 120; die bilder des wachens tauchen im spiegel des traumes nicht sofort, sondern erst dann wieder auf, wenn der geist durch schlaf und ruhe still geworden ist Bismarck ged. u. erinn. 2, 222 volksausg.; der grundgedanke eines gröszeren und eigenen geisteswerkes kommt uns nicht über nacht, er wächst ganz stille in uns auf W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 281; die stirne ohne schlechtes und gern im schatten stiller niederschau R. M. Rilke ges. w. (1927) 3, 70. — in verbindung mit betrachtung, nachdenken, sinnen; weg, gang, fortgang: mit stiller betrachtung Frisius dict. (1556) 113b; das einleitende gedicht zu dem wieder auflebenden Werther las ich mir neulich in stiller betrachtung vor Göthe IV 38, 278 W.; in stillen betrachtungen steht der ritter maler Müller w. (1811) 1, 221. — aber stilles nachdenken, wem sollte man das verwehren können? U. Bräker s. schr. (1789) 2, 113. — also leser! nimm diese fragmente, ... nimm sie und liesz sie, nicht flüchtig! lies sie mit stillem, prüfendem nachdenken Lavater physiognom. fragm. (1775) vorr. 5; ihre munterkeit war in ein stilles nachdenken übergegangen Göthe 23, 82 W. aufs neue scheint sie nun in stilles sinnen träumerisch versunken A. v. Droste-Hülshoff w. (1875) 2, 205; ich wagt es mich zu regen kaum in meinem stillen sinnen Lenau s. w. 5 Barthel. — vergnügt, den leitfaden für meinen eigenen stillen weg (der naturwissenschaftlichen arbeiten) gefunden zu haben Göthe II 6, 16 W.; nehmen sie theil an meinem stillen und sachten, aber gewisz ernsten und wohlgemeynten gange IV 37, 258; es war nicht ... der stille gang der dinge, ... wodurch das fürstenthum emporkam Ranke s. w. 1, 42; man wird hier wie überall finden, dasz die wissenschaften ihren nothwendigen stillen oder lebhaften fortgang nehmen Göthe 42, 1, 34 W. I@B@22) 'gelassen'; innerlich zur ruhe gekommen; einen maszvollen zustand der seele und des geistes bezeichnend; schon ahd. und mhd. beginnend. neben der allgemeinen bedeutung (a) entwickeln sich früh besonders anwendungen im religiösen (b) und weltlich humanen bereich (c). I@B@2@aa) 'gelassen'. im innern ruhig und befriedet: quisquis serenus composito euo subegit pedibus fatum soweler in sinemo altere stiller unde gezogener salda in versihte habeta Notker 1, 21, 28 Pip.; sú (die jünger) worent versamnet und worent inbeslossen, und sú sassent stille, do in der heilige geist gesant wart Tauler pred. 104, 2 V.; also bleib sie bei dem vatere demtiklich noch den alden sithen eczliche tage, alzo das nimant erkennen konde kein czeichen eins betrpenisz adder unmutikeit, sunder si waz alle cziet eins stellen gemtes Griseldis 18 C. Schröder; es ist eyn unendlich wort und will mit stillem geyst gefaszt und betrachtet seyn Luther 10, 1, 1, 728 W.; er sei sein glück (in der wahl eines gatten) sich selbst, der stillen, ruhigen überzeugung seines herzens, einem edlen vorsatz und raschen entschlusse schuldig geworden Göthe 24, 138 W.; an innern kämpfen hat stille weisheit jahrelang zu dämpfen, stets mühevoll ist ihre bahn Göthe 16, 290 W.; dasz sie sich sowohl über eigene lebensereignisse, ... sowie über das schicksal ihrer freunde ... in gehöriger fassung erhalten und sowohl selbst zu dulden als mit anderen still zu leiden, in freundlicher stimmung sind IV 41, 33; die liebe zog vorüber, dem knaben ward so still. er fragt nicht, was ihm fehle, er weisz nicht, was er will W. Müller ged. (1868) 1, 136; hier (beim anblick Athens), sagte Diotima, lernt man stille seyn über sein eigen schicksal, es seye gut oder böse Hölderlin s. w. 2, 193 v. H.; sage mir, mein herz, was willst du? unstet schweift dein bunter will; manches andre herz wohl stillst du, nur du selbst wirst niemals still Eichendorff s. w. 1, 1, 81 Kosch; auch mir ist friedlich und still zu mute Th. Storm briefe in d. heimat 89 Gertrud Storm; sie bildete statt dessen die kunst aus, still und entzückt auf die natur zu blicken Th. Fontane ges. w. (1915) 4, 437; etwas von der seele heruntersprechen, das regt mich nicht auf, das macht still 4, 453; vor der freude dieser welt bleiben wir nicht im innersten still, stille wie schon Sokrates schattenweise es war, ... sie macht uns ungestüm ... aber vor dem schmerz werden wir stille, und er macht uns langsam Th. Haecker begriff d. wahrheit b. Kierkegaard (1932) 30. — es (alles) ist (wird) still, vom äuszeren und inneren ruhigwerden im alter und im tode: ich möcht am liebsten sterben, da wärs auf einmal still Eichendorff s. w. 1, 1, 438 Kosch; es komme, wie es will, was ist mir denn so wehe — wie bald ist alles still 1, 1, 321. vgl. noch: ausgetobt in der jugend, macht im alter stille leut Maler müller w. (1811) 1, 279. gern in verbindung mit friede, herz, seele, vgl. den sich eng damit berührenden gebrauch (Göthe) unter b: so werden eure tage seyn mit stillem fried und süszem schein des segens überfüllet Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 351; mir ist es, denk ich nur an dich, als in den mond zu sehn; ein stiller friede kommt auf mich, weisz nicht wie mir geschehn Göthe 1, 99 W.; o komm auf mich, du stiller, heitrer friede Tieck schr. (1828) 1, 64; es war ein antlitz voll stillen friedens Storm w. (1899) 1, 209. — das jahr geht still zu ende, nun sei auch still, mein herz. in gottes treue hände leg ich nun freud und schmerz Eleonore v. Reusz (1857) in: ev. gesangb. d. prov. Brandenb. (1905) nr. 95, 1; da wurds in meinem herzen so still wie in der gegend und die ganze beschwerlichkeit des tages war vergessen wie ein traum Göthe IV 1, 236 W. — aber weishait hat gern ir stell in einer rhuigen, stillen sel Fischart podagr. trostbüchl. 89 Hauffen; es ist der weg des todes, den wir treten: mit jedem schritt wird meine seele stiller Göthe 10, 26 W.gelegentlich sich der bedeutung 'heiter' nähernd: mein herz, trotz allem gelärm der menschen um mich her, ist so still wie der heitere himmel über mir U. Bräker s. schr. (1789) 2, 227; o wie heiter umher schaut meine stillere seele jetzt Herder 27, 33 S.; und so lebte ich in einem stillen und lichtvollen zustand des gemüths, dessen ich mich niemals anders als mit wehmüthigem vergnügen erinnern werde Wieland Agathon (1766) 1, 276; (ich) wandle hier mit stillem heitern ernste Wackenroder herzensergieszungen (1792) 194. I@B@2@bb) als religiöse haltung. I@B@2@b@aα) 'ruhig, friedlich, gelassen', sich in gott geborgen fühlen; im mhd. (mystik, s. auch unter β) vorbereitet; eigentlich geprägt von Luther (bibelübersetzung) und mit innigem gefühl gesättigt; von da ins kirchenlied. still sein zu gott, im herrn, dem herrn; gott still seyn: in diseme so werdent sú denne also gesast, also wesenlich gelöibig und also stille Tauler pred. 54, 20 V.; gotts wort und lere ist still und rugig, macht stille, sichere und rugige gewissen Luther 23, 596 W.; sei stille dem herrn und warte auf ihn, erzürne dich nicht über den, dem sein mutwille glücklich fortgehet ps. 37, 7; meine seele ist stille zu gott, der mir hilft, denn er ist mein hort, meine hilfe, mein schutz ps. 62, 2; so harr ich und bin stille zu gott Gellert w. 2, 80; wolt ihn auch der tod aufreiben, sol der muth dennoch gut und fein stille bleiben Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 361; gib dich zufrieden und sei stille in dem gotte deines lebens 3, 423; ich will im hertzen still und stets gelassen seyn B. Neukirch begebenheiten (1738) 1, 135; göttliche zufriedenheit, ... hilf das thal der leiden mir still durchreisen Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 10; an manchem tag ist meine seele still R. M. Rilke ges. w. (1927) 1, 175; I@B@2@b@bβ) in besonderer ausprägung im vorstellungskreis der unio mystica zur bezeichnung des seelen- und gottesgrundes (beiwort zu gotheit, göttliche einsamkeit, wstenunge, dunsternisse u. s. w.) und des zustandes der unio. vorherrschend ist die vorstellung der ruowe des 'einfältig-seins' (wîselos, einvaltec, einic sîn, âne wort, wîse, werc sîn); damit verbunden die des schweigens und der verborgenheit (verborgenheit, dunsternis): dû solt mit unbekümberten sinnen dich erswingen über dich selber und über alle dîne krefte und über wîse und über wesen in die verborgene stille dunsternisse dtsche mystiker 2, 8 Pf.; in dem edeln wunneclichen abgrunde do in dem himmelischen riche, dar sich die sssekeit in versenket ... do wurt der mensche so stille und so wesenlich und so gesast und me abgescheiden und me ingezogen Tauler pred. 162, 2 V.; denne mag der mensche an sehen die eigenschaft der götlichen wstenunge in der stillen einsamkeit, ... denne do ist es so stille, so heimelich und so wüst ... dar in kam nie nút frOemdes, nie creature, bilde noch wise 277, 32; vgl. 33, 28; so ist do ein stilles einvaltig gebruchen und ein einvaltig niessen sins götlichen wesens 156, 28; dez selben morgens fruo waz er nah sinem gebete nider gesessen in ein stilles rwli, und in einer vergangenheit der ussren sinnen was im vor vil des götlichen togni Seuse dt. schr. 101, 7 B.; bis du in stillem fried deiner uzeren und deiner innern sinne in senftmütigkeit enphahist das ingeseit ... wort Heinr. v. Nördlingen in: Margarete Ebner u. H. v. N. 186, 48 Strauch. I@B@2@b@gγ) im anschlusz an ps. 35, 20 bildet sich neben der bei Luther und im kirchenlied entwickelten bedeutung von still (s. oben α) der begriff der stillen im lande, besonders in pietistischen und herrnhuterischen kreisen: und suchen falsche sachen wider die stillen im lande ps. 35, 20; summa, sie mus sagen und bekennen, das du ein frumer christ, ein stiller, trewer, fridsamer, nützlicher, tröstlicher man seyest ym lande Luther 26, 583 W.; die so genannte, hin und her zerstreute ... fanatici ... samt andern stillen im lande Joh. Conr. Dippel anfang, mittel u. end (1669) 117; wir können nicht läugnen, dasz wir von denjenigen stillen im Böhmerlande herstammen, die ums jahr 1453 von Georgio Podiebrad die vergünstigung erhielten, in eine abgelegene gegend von Böhmen sich zusammen zu ziehen Zinzendorf Büdingische samml. (1729) 1, 14; da er ... in mir eine person fand, die nicht das ausschweifende und leere der groszen welt und nicht das trockene und ängstliche der stillen im lande habe Göthe 22, 310 W.; vgl. 24, 199; 26, 62; deine quaal ist nicht mehr lang! ... warte mit gelassenheit, wie die stillen in dem lande J. Chr. Günther ged. (1746) 849; seine zuhörer gehörten meist den niederen ständen an, hatten einen herrenhutischen anstrich und wurden 'die stillen im lande' genannt Caroline v. Rochow v. leben am preuszischen hofe (1908) 96; noch bei Miltons lebzeiten ward das werk viel gelesen, freilich nur von der aufstrebenden jugend und den stillen im lande, die sich daran ihren puritanischen glauben stärkten Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 49. gelegentlich ins weltliche übertragen, auch spöttisch: unter den stillen im lande lebe ich hier gewisz am stillsten Göckingk an Bürger 29. dez. 1788 in: viertelj. f. lit. (1890) 3, 459; wenn sie nicht die stillen von der stadt und vom lande bleiben wollen, sondern mit bekenntnissen laut werden Nietzsche w. (1895) I 1, 197. I@B@2@cc) seit Winckelmann entwickelt sich neben, vielleicht aus dem religiösen gebrauch (Luther, pietismus, s. b β), still als bezeichnung für das klassische ideal der edlen, maszvollen äuszeren und inneren haltung, die Winckelmann als hervortretendsten wesenszug der griechischen kunst erblickte und die er die 'edle einfalt und stille grösze' oder den 'stand der ruhe' im gegensatz zum 'frechen feuer' (s. kl. schr. 1, 82, 83 Uhde - Bernays) nannte; vgl. W. Rehm götterstille u. göttertrauer, jahrbuch d. freien dtsch. hochstifts 1931, 219; Franz Schultz klassik u. romantik der Deutschen 1 (1935) 91 ff.: das allgemeine vorzügliche kennzeichen der griechischen meisterstücke ist endlich eine edle einfalt und eine stille grösze, sowohl in der stellung als im ausdruck. so wie die tiefe des meeres allezeit ruhig bleibt, die oberfläche mag noch so wüten, ebenso zeiget der ausdruck in den figuren der Griechen bey allen leidenschaften eine grosze und gesetzte seele Winckelmann (1755) ged. über d. nachahmung d. griech. werke in d. malerei u. bildhauerkunst 24 dt. lit.-denkm.; aber in dieser ruhe musz die seele durch züge, die ihr und keiner anderen seele eigen, sind, bezeichnet werden, um sie ruhig, aber zugleich wirksam, stille, aber nicht gleichgültig oder schläfrig zu bilden ebda 25; ebenso ruhig und stille malt der englische dichter den rächenden engel, der über Britannien schwebt ebda 28; diesen (figuren) gab er (Raphael) alsdann die meiste bewegung, die andern aber ... liesz er stille, ... weil die einfältige gestalt ... eine bedeutung hat, so den inneren menschen, nämlich die seele, angehet Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 114; Samuels ruf im tempel, sowie seine geschichte ist mit stiller einfalt erzählet Herder 12, 198 S.; spöttisch: diesen stiefeln seh ichs an, dasz sie noch aus der alten Griechenzeit zu uns herüber gekommen sind ... sehn sie doch nur einmal, wenn ich den einen so hinstelle, wie ganz erhaben, plastisch, in stiller grösze, kein überflusz, kein schnörkel, kein gothisches beiwesen Tieck schr. (1828) 5, 581. — bei Göthe und Hölderlin weitergebildet als ausdruck für die haltung klassischen menschentums. wie weit es sich dabei (s. d. Göthe-belege unter a sp. 2951 ff. und die hier folgenden belege) um verallgemeinerungen oder abschwächungen dieses besonderen gebrauchs oder um unabhängige bildungen handelt (zu I B 2 a oder II C 4 gehörend, s. d. stiller geist, stille seele), läszt sich nicht sicher bestimmen: der andere gegenstand (für ein bild) ... sollte diejenigen talente begünstigen, denen bewegung ... besser darzustellen gelingt als stille rührung des gemüths Göthe 48, 67 W.; dem glücklichen kann es an nicht gebrechen, der dies geschenk mit stiller seele nimmt: aus morgenduft gewebt und sonnenklarheit, der dichtung schleier aus der hand der wahrheit 1, 7; denn seine seel ist stille; sie bewahrt der ruhe heilges unerschöpftes gut, und den umhergetriebnen reichet er aus ihren tiefen rat und hilfe 10, 59; ich hatte ihr (Diotima) nichts zu geben, als ein gemüth voll wilder widersprüche, ... sie aber stand vor mir in wandelloser schönheit, mühelos, in lächelnder vollendung da, und alles sehnen, alles träumen der sterblichkeit, ach! alles, was in goldenen morgenstunden von höheren regionen der genius weissagt, es war alles in dieser einen stillen seele erfüllt Hölderlin s. w. 2, 158 v. H.; wie eine schwester, so war das stille wesen mit aug und hand beschäftigt, seelig zerstreut, wenn auf der wiese wir gingen oder im walde 2, 155; der ächte genusz erfordert eine stille und ruhige fassung des gemüths Wackenroder herzensergiesz. (1797) 163; schon im Wilhelm von Kölln, ... zeigt sich neben der stillen göttlichkeit, welche den hauptcharakter seiner gemählde bildet, besonders in der gestaltung der mutter gottes, oder sonst verklärter heiligen, schon jenes fröhliche deutsche leben Fr. Schlegel s. w. (1846) 6, 136. von Hölderlin auch auf die 'gelassene', 'wandellose', der unruhe und dem getriebe der menschen entgegengesetzte ruhe und grösze der natur übertragen. dieser gebrauch ist durchaus zu unterscheiden von still als bezeichnung des leisen, sanften in der natur (s. unten still II A 4): ja, vergisz nur, dasz es menschen gibt ... und kehre wieder dahin, wo du ausgiengst, in die arme der natur, der wandellosen, stillen und schönen Hölderlin s. w. 2, 90 v. H.; denn mühelos und stille bist du (sonne), über den mühsamen aufgegangen 4, 23; wenn drauszen mir mit ihren wellen alle die mächtige zeit die wandelbare fern rauscht und die stillere sonne mein wirken fördert 4, 12. so noch bei Stifter: haben da meine vom nachtwachen brennenden augen die verschwundene stille grösze (der nacht) nicht für höher erkannt als den klaren tag, der alles deutlich macht nachsommer 528 inselausg. IIII. 'ohne laut, ohne starken laut, ohne lärm'; 'lautlos', 'leise'; 'sanft'. gegensatz zu laut, heftig. aus I infolge des ursächlichen zusammenhanges von bewegung und laut entwickelt, jedoch gleich früh bezeugt, s. die ahd. belege unter A 1, B 1 a u. b, B 3. II@AA. eigentlich, 'ohne laut, ton, geräusch'; 'lautlos', 'leise'. II@A@11) von der menschlichen stimme 'leise, sanft'; stille stimme, still sprechen u. s. w.: gieng inti gihalota Mariun ira swester stillo quedenti Tatian 135, 17 S. (Joh. 11, 28); er gie senftlichlichen dar und ruft mit stiller stim, ob nieman wer dar in s. Christophorus 713 in: zs. f. d. a. 17, 108; und alse er (der name) im gerûnet hin wart in sîn ôre stille Konrad v. Würzburg Silvester 4629 Gereke; niht ze stille, niht ze hel bei Laszberg liedersaal 1, 382; Turneas sprach lut und nit stille Friedrich v. Schwaben 6610 J.; so sie ein weil still gebrummet haben, behend dar uff fahen sy an, schryen als weren sy unsinnig Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 59 ndr.; dann die klag seines gesellen so still zugieng, das nit müglich was, etwas davon zu vernemmen Wickram w. 1, 5 Bolte; dem klagt si mit wainen und stillen worten, was der wüttrich mit ir wellen handlen Äg. Tschudi chron. Helv. (1734) 1, 233; man sprach das tischgebet sehr still Grimmelshausen Simpl. 81 Scholte; (Felix) raunte Angela etwas stille zu Göthe 24, 178 W.; ich will so still singen, dasz mich keine maus hören soll Bauernfeld ges. schr. 1, 65; vor der türe sitzen in stillem gespräch Cl. Brentano ges. schr. (1852) 4, 47; sie spricht immer so still vor sich hin, und mitunter ist es, als ob sie bete Fontane ges. w. (1915) 4, 452; ähnlich: 'leise; nicht, kaum hörbar': (Anna) weinte still an seinem herzen Freytag ges. w. (1886) 11, 203; darauf versetzte der papst mit einem stillen seufzer Göthe 43, 125 W. — 'ohne stimme', 'unhörbar': er huob denn uf und sang mit geischlichem stillem gedöne, daz der mund gie und ez doch nieman horte H. Seuse dtsche schr. 29, 21 Bihlm.; er sprach sú (die worte) mit einem süszen stillen gedöne in siner sele 17, 23. II@A@22) leise töne, laute, geräusche: denne kumet der herre als er Elyas tet, in einem stillen gerúne in dem wispelen, und blickt dem geist in Tauler pred. 244, 24 V.; und nach dem feur kam ein still sanftes sausen 1.n. 19, 12; schweig, getöne der luft, in deinen aufrührischen hölen oder erhebe dich sanft mit stillem, bebenden säuseln Klopstock Messias (1775) 1, 69; jetzt schallt lachen vom feuer herüber. es mischt sich mit dem stillen rauschen des flusses W. Penck Puna de Atacama (1933) 61; wann man nicht laut, sonder gantz still klinglet Sebiz feldbau (1579) 300; andere tragen allein lust zu stiller und gelinder musik J. A. Scheibe crit. musicus (1745) 47; eine wider die natur selbst streitende musik, bey der es oft so still wird, dasz man die ohren spitzen musz Leopold Mozart violinschule (1756) 107; es sind also jene gar nicht zu loben, welche das piano so still ausdrücken, dasz sie sich selbst kaum hören ebda; bis zu jenem groszen stillen schneefall, der fiel und fiel und machte, dasz die welt sich leiser bewegte R. M. Rilke br. 1902 -06, 137. — still als beiwort zu orgelpfeifen und registern 'mit leisem, sanftem, mildem ton': ein verzeichnis etlicher orgeln, deren dispositiones ... 2. oberwerk ... ranket oder stille posaun (1618) Michael Prätorius syntagma II (von den instrumenten) 224 ges. f. mus.-forsch.; ranket ist 8 fusz ton. sind auch ausbündige liebliche zugedäckte art von schnarrwerken, ganz stille zu intonieren 173; barem ist ein gar still und gelinde intonierendes gedackt und orgelregister J. G. Walther musikal. lex. (1732) 72; cornetto muto ein stiller zincke, an welchem das mundstück gedrehet ist; wird darum so genennet, weil er am resonanz, gleichwie der diritto, gar stille und lieblich klingt ebda 186. — still werden, vom aufhören eines lauten geräusches: es donnerte vom nachbarlande herüber, dann war es wieder still H. Carossa geheimnisse d. reifen lebens (1936) 44. dinge, mit denen man gewöhnlich die vorstellung eines geräusches, eines tones verbindet, werden still genannt, wenn sie entgegen der regel tonlos sind oder sich ohne lärm und getöse bewegen; nur formelhaft: stilles pulver, 'pulver, welches also zugerichtet ist, dasz es, wenn es losz geht, keinen knall gibt' Jacobsson techn. wb. (1781) 4, 297; hat es (das weib) ein stiller blitz erlegt Lohenstein Arminius 2, 8; übertragen: mit stillen trommeln abziehn d. i. unverrichteter dinge Kramer t.-ital. 2 (1702) 973a; redensartlich mit, bei stiller trommel s. teil 11, 1, 2, 815; vgl. dazu mit stiller musik 'ohne sang und klang', bildlich: he trok af mit stiller musik, 'er ging weg und sagte kein wort' Schütze holstein. id. (1800) 4, 201. II@A@33) etwas geschieht lautlos, leise; ohne lärm oder geräusch. II@A@3@aa) von menschlichen handlungen und tätigkeiten: und clophte also stille, ab im ein guter wille wolde ein speldel offen Tilo v. Kulm siben ingesigel 5563 K.; (er) auf zu rosse sasz so er stilste mochte mit der schöne frawen dar von gen Athene wercz reyte Arigo decam. 114, 24 K.; welcher die vögel fangen will, musz damit umbgehn leisz und still und nit mit prügln werffen drunter J. Ayrer dramen 1999 lit.-ver.; sachte und stille ins dorff, die bawern sind truncken Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) ee 1a; als ich ... mich still und fein (an die tür) andrängte Göthe 21, 22 W.; erst am anderen morgen wurden wir aufgeklärt, dasz unsere vorposten selbst auf die still heranziehende colonne wie auf eine feindliche gefeuert hatten 33, 288; wie sie des heeres stillen aufmarsch morgen, dem Wrangel gegenüber, decken sollen H. v. Kleist 3, 29 E. Schmidt; Anne Lene ging in stiller geschäftigkeit ab und zu Storm w. (1899) 1, 76; die knaben spielten ... so still, als wäre der alte herr zugegen O. Ludwig ges. schr. 1, 208 E. Schm.; man musz unterscheiden zwischen stiller jagd und lauter jagd H. Laube ges. schr. (1875) 16, 14; wenn sie (die kinder), ohne lärm zu machen, still sind bei den siebensachen Hoffmann Struwwelpeter 1; ich stehe im begriff, den jahreswechsel im familienkreise still zu feiern Bismarck ged. u. erinn. 2, 332 volksausg.; (der hase) nahm die flint und auch die brill, und schlich davon ganz leis und still Hoffmann Struwwelpeter 12; es war jetzt an beiden tafeln lautlos still. Willigis meinte, so still wie im rathaus zu Magdeburg, als die entscheidung fallen sollte; selbst der sturm drauszen hielt einen augenblick den atem an Gertrud v. le Fort d. Magdeburgische hochzeit (1938) 139; übertragen, 'ohne aufsehen zu machen': mit pater Lamormaini vereint, würde er für beide (Tilly u. d. edikt) kämpfen, ohne aufsehen und geräusch, still, aber siegreich 133. — redensartlich still wie eine maus, zunächst 'sich leise, heimlich bewegen'; dann auch 'unbeweglich bleiben'; vgl. mausestill, mäuschenstill (s. d. teil 6, 1821; 1832), mucksmäuschenstill (zu mucksen, 'einen laut von sich geben', teil 6, 2615): still wie ein mäuslein cheto come un toparello Kramer t.-ital. 2 (1702) 34b; mundartlich verbreitet. II@A@3@bb) besondere anwendungen: feierliche geschehnisse des kirchlichen und religiösen gemeinschaftslebens sind still, d. h. ohne gepränge und laute feierlichkeit. stiller freitag für den freitag in der karwoche (auch stillfreitag [s. d.], karfreitag, guter freitag, engl. good friday, leidensfreitag); wegen der äuszeren 'stille' des gottesdienstes (kein gloria, kein geläute, keine orgel bis zum karsamstag); seit dem mhd.; mundartlich weit verbreitet. vgl. still fritag parasceue (voc. obd. 1466) Diefenbach nov. gl. 280a; dies parasceues der stille freytag nomencl. lat.-germ. in us. schol. (1634) 17: und was och an dem tac alda, der da heizit parasceve ... in tiusch der stille fritac, an dem der welte selde lac Hugo v. Langenstein Martina 90, 41 K.; unz an den stillen fritag Seuse dtsche schr. 143, 8 Bihlm.; das gesang, das man an dem stillen fritag singet Elsbet Stagel leben d. schwestern z. Tösz 63, 11; am stillen freytag Luther 29, 268 W.; am stillen freitag für ostern M. C. Schütz hist. rer. Prussia (1592) 6, o 4b; ich will singen von meinem lieben herr Jesus Christ, wie es ihm am stillen freitag ergangen ist Schweizerische volkslieder 1, 83 Tobler; vereinzelt in besonderer verwendung: inzwischen dasz der heutge tag (ein festlich begangener namenstag) kein stiller freitag heiszen mag, so ruft man laut: Carl Gotthard lebe! Stoppe Parnasz (1735) 10; gelegentlich auch innerlich verstanden: dasz ich in einer stadt unter dem gemeinen manne die herrschende meinung gefunden, dasz ... dieser tag traure, der himmel meistens voll dunkler wolken sey, und in den sterbestunden gegen abend eine stille zu herrschen pflege, die diesem tage den namen stiller freitag gegeben Herder 1, 485 S.auch stilln woensdagh mittwoch in der karwoche Kilian (1605) 530b; der stille samstag Fischer schwäb. 5, 1770. — stille woche, 'karwoche' (vgl. auch woche 7 i); wohl nach dem stillen freitag gebildet (mhd. nur karwoche): des mandaghes in der stille weken (v. j. 1368) Lübeck. urk.-buch I 3, 698 ver. f. Lübeck. gesch.; in der stillen wochen brach erst das eis M. C. Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 7, t 2a; lasset uns in dieser stillen woche, da wir den ... sterbetag unsers erlösrs begehen, in den tempel eilen J. A. Scheibe crit. musicus (1745) 293; (ich) wünsche zur stillen woche ein still glückliches leben Göthe IV 7, 203 W.; wenn sie (anrede) erst in der stillen woche kommen, so haben wir sie ja kaum 14 tage hier Gervinus an Luise Dahlmann, briefw. 2, 240 Ippel. — stille messe, canon missae, von der präfatio bis zum paternoster, mit leiser stimme gesprochen; häufiger stillmesse, f. (s. d.) genannt: er vor der stillen messe die prefation anhuob H. Seuse dt. schr. 27, 19 Bihlm.; diu jamerig smerzeklich clag wert biz der stillen messe Marg. Ebner offenb. 51, 8 Str.; heute geläufiger ist stille messe als gegensatz zum feierlichen gesungenen hochamt: ich weisz nicht, warum ich dem kinde nie gesagt hatte, dasz man in der kirche zuweilen musik mache, wir hatten bisher nur immer die stille messe besucht A. Stifter s. w. (1901) 4, 1, 204. — stille hochzeit, trauung, ohne tanz und öffentliche feier; stilles begräbnis; auch in der umgangssprache und in den mundarten (s. etwa Fischer schwäb. 5, 1770; 3, 1718; Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 2, 565); literarische belege seltener: der baron drang auf nein, da die hochzeit still ... wäre Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 101; musikanten ziehen wenigstens bei gröszeren 'rechten' oder 'tanzhochzeiten' voran, ... wo jene fehlen, heiszen die hochzeiten 'stille' H. Meyer badisches volksleben 290; also hielten wir eine stille hochzeit G. Keller ges. w. 1, 21; die herren farrer dulden blosz widerstreblich die stillen begräbnisse G. Hauptmann d. weber (1892) 50. II@A@44) still als beiwort zu zeit und raum, im groszen wie im kleinen, als schauplatz des menschlichen lebens; gern von der nächtlichen welt. zunächst eigentlich, 'ohne laut, lärm', 'lautlos, leise'; 'ungestört'; dann 'friedlich', 'sanft, milde', endlich rein stimmungsmäszig als ausdruck eines innigen naturgefühls und der beziehung des menschen zur natur. mit dem barock beginnend (stille nacht); breiter erst im 18. jh.; besonders beliebt in romantischer und verwandter dichtung, vor allem bei Eichendorff (s. auch zu II C). II@A@4@aa) den ausgangspunkt dieses gebrauches bildet stille nacht; schon im 16. und 17. jh.; zunächst eigentlich als die vom lärm des tages freie zeit; später gefühls- und stimmungshaltig; ähnlich stiller abend, stille dämmerung, stille stunde u. s. w.; vgl. stille nacht conticinium, concubia nox Dentzler clavis (1697) 2, 276a; stille nacht, bey stiller nacht tacita notte Kramer t.-ital. (1702) 2, 973a: dann wurdestu mitten in der stillen nacht Demetrium mit den gewapneten vor meyner thür gefunden haben Carbach Livius (1546) 244b; bey nächtlicher stiller weyl Stumpf Schweizerchron. (1606) 417b; bei stiller nacht zur ersten wacht Spee trutznachtigall (1649) 225; andre aber, die mit dem kopf und hirne arbeiten, haben keine bässere zum nachdenken und musenfleisz als die stille nachtstunden S. v. Birken ostländ. lorberhain (1657) 3; hierauf erregten die ... hörner bey noch stiller nacht ein solches gethöne, dasz die erde erbebte Lohenstein Arminius (1689) 1, 32a; ihr bürger stiller nacht, ihr kinder voller flammen Hoffmannswaldau ged. (1710) 3, 49; Simpel meint, bei stiller nacht hab er ein scharffe witz Logau s. sinnged. 382 Eitner; die stille nacht trug es auf ihren schwarzen schwingen (das fern hin zu raufbolds ohr geschrei) Fr. W. Zachariä poet. schr. (1763) 1, 31; diese stille mitternacht, — diese strasze da sollen zeugen seyn U. Bräker s. schr. (1789) 1, 86; da ich endlich die augen öffnete, herrschte stille nacht um mich her Gerstenberg Ugolino 245 Hamel; stille nacht, heilige nacht! alles schläft Jos. Frz. Mohr (1818) bei Bäumker d. kath. kirchenlied 4, 442; ich wandre durch die stille nacht, da schleicht der mond so heimlich sacht Eichendorff s. w. 1, 1, 8 Kosch; komm, trost der welt, du stille nacht! wie steigst du von den bergen sacht, die lüfte alle schlafen 1, 1, 372 K.; wo ich oft, im schlafzimmer meiner eltern liegend, sie noch in stiller nacht mit sorge von diesem ... bruder reden hörte Kerner bilderbuch (1849) 97; diese lieder, die in stillen nächten ... ertönen Pückler briefw. u. tageb. 1, 153; nacht, stille nacht, in die verwoben sind ganz weisze dinge R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 56. — damals war ... meine gröszte lust, an einem schönen morgen oder stillen abend ... mich auf irgend einem hohen berge in einen dornbusch zu setzen U. Bräker s. schr. (1789) 1, 236; in stiller dämmerung hatte ein herrliches abendroth die landschaft noch schöner gemacht 2, 134; und wenn bei stillem dämmerlicht ein allerliebstes treugesicht auf holder schwelle dir begegnet Göthe 4, 30 W.; der stille abendhimmel Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 35; doch sinkt der abend still herab Schneckenburger deutsche lieder (1870) 77; doch seine wunden deckt sie gern mit küssen, wann lauschend licht am stillen abend scheidet Eichendorff s. w. 1, 1, 342 Kosch; wo an dem stillen abend die sonne eben in das wasser hinabsank Storm w. 7, 168; der morgen, das ist meine freude! da steig ich in stiller stund auf den höchsten berg in die weite Eichendorff s. w. 1, 1, 51 K.; (die nachtwandlerin) hatte im ganzen garten, den sie in diesen stillen minuten durchstrichen hatte, niemand ... gefunden Jean Paul s. w. (1826) 2, 152. II@A@4@bb) im anschlusz an die stille nacht wird auch der mond, sein licht, sein erscheinen still genannt; ebenso die sterne. ausgangspunkt dieser übertragung ist das gleiche naturempfinden, das den raum der nacht in allen seinen teilen still nennt, auch dann, wenn es sich nicht mehr um still im eigentlichen sinne 'lautlos, leise' handelt, sondern um 'sanft, mild': o sternen still, o stiller mon, des elends laszt euch dauren Fr. v. Spee trutznachtigall (1649) 87; du blasser stiller mond Gessner w. (1778) 2, 8; willkommen, o silberner mond, schöner, stiller gefährt der nacht Klopstock oden 1, 171 M.-P.; in dem stillen mondenscheine wandl ich schmachtend und alleine Göthe 5, 6 W.; füllest wieder busch und thal still mit nebelglanz 1, 100 W.; über mir brach jetzt zum erstenmahl der stille mond auf maler Müller w. (1811) 1, 86; dann ging der stille mond am wilden, dampfenden Vesuv auf Heinse s. w. 4, 373 Sch.; still schwamm der mond im blau A. v. Droste-Hülshoff s. w. 1, 280 Schwering; an beiden flosz das volle, stille, klare mondlicht nieder Stifter s. w. 2, 25 S.; wie es sonderbar ist, ... dasz in der zeit, in der die kleinen, wenn auch tausendfältigen schönheiten der erde verschwinden, und sich erst die unermeszliche schönheit des weltraumes in der fernen stillen lichtpracht auftut, der mensch ... zum schlummer bestimmt ist Stifter nachsommer 527 inselausg.; der ganze platz, den vorhin das mondlicht so still und weisz eingehüllt hatte wie der schleier einer milden frau, erschien nun schwarz von menschen Gertrud v. le Fort d. Magdeburgische hochzeit (1938) 84; und tausend sterne, all die stillen kleinen sterne wirst du durch zwei helle tränen grosz wie sonnen zittern sehn H. Carossa ged. (1929) 9. — seltener vom sonnenlicht: bekränzt mit stillem licht, strahlt eine gröszre sonne dort einen cherub an mit unverfälschter wonne Wieland w. I 1, 45 akad.; o ich danke dir, himmlisches licht, dasz du dich heute in einen stillen schleier hülltest Göthe 17, 229 W.; schöne zeit der blumensträusze, stiller sommersonnenschein Storm w. 8, 234; und über allem diese stille strahlung sinkender sonne R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 60. allgemein von glanz, licht: im stillen heitren glanze tritt er (der mond) so mild einher R. Z. Becker mildheimisches liederbuch (1799) 5; wenn er mich anblickt, und aus seinem auge der stille glanz der ewigkeit mich trifft Geibel w. (1888) 5, 3; übertragen: die tugend, die nur jetzt der weisheit stilles licht von gott geschenkt, im nebel führet Pyra freundschaftl. lieder 45 dt. lit.-denkm.; aus schwarzen augen leuchtet stille feuerkraft Mörike ges. schr. (1905) 1, 180 Göschen; auf ihren zügen lag es wie stiller sonnenschein H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 15; man freute sich der stillen leuchtkraft, womit er (Rilke) spanische, russische oder ägyptische landschaften beschrieb H. Carossa führung u. geleit (1933) 14. — in besonderer verwendung: in stiller majestät, von sonne und mond; verbindung zweier scheinbar entgegengesetzter begriffe (wie unten II C 7); hier etwa in der bedeutung 'erhaben': seh zittern auf dem meere regenbogen und deinen mond in stiller majestät Schubart s. ged. (1825) 1, 5; lenkte damals seinen goldnen wagen Helios in stiller majestät Schiller 11, 3 G.; in feuchten schleier gehüllt, erhebt sich mit stiller majestät aus den fluthen des meeres, die sonne Fr. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 3, 39. II@A@4@cc) stille welt, stilles land, stiller bezirk. welt, land u. s. w. als umfassender raum des menschlichen daseins sind still, 'ohne lärm', 'friedlich': wie ist die welt so stille, und in der dämmrung hülle so traulich und so hold M. Claudius s. w. 4 (1782) 91; wenn der mond aufging über die stille erde maler Müller w. (1811) 1, 353; doch wie im dunklen erdental ein unergründlich schweigen ruht, ich fühle mich so leicht zumal, und wie die welt so still und gut G. Keller ges. w. 9 (1889) 17; lasz den mond am himmel stehn, und die stille welt besehn (1816) Luise Hensel lieder (1869) 51 Schlüter und hörte aus weiter ferne ein posthorn im stillen land Eichendorff s. w. 1, 1, 32 Kosch; vom wandern ruhn wir beide nun überm stillen land s. w. 1, 1, 303 K.; in dem stillen bezirk des unbetrachteten nordpols Klopstock Messias (1775) 1, 70; aus diesen stillen bezirken (dem lande Abrahams), von diesen hirtenvölkern, die mit den himmlischen umgehen dürfen Göthe 26, 208 W.; dort ging sie, wie in träumen, im weiten, stillen rund, das lied klang in den bäumen, von quellen rauscht der grund Eichendorff s. w. 1, 1, 451 Kosch. II@A@4@dd) teile des raumes und der landschaft sind still, vor allem tal, grund, wald, berg; gelegentlich berührung mit I B 1 e: 'ungestört, friedlich'; unterschieden in dem verschiedenen ausgangspunkt des gebrauches: der nord bestürmte schon der thäler stille ruh Joh. Ulr. v. König ged. (1745) 39; dieser pfad verleitet uns durch einsames gebüsch, durch stille täler fortzuwandern Göthe 10, 144 W.; unserer königin zu ehren, der erhabnen, gütigen, die in unser stilles thal niederstieg, uns zu beglücken Schiller 15, 6 G.; lebt wohl ihr berge, ihr geliebten triften, ihr traulich stillen thäler, lebet wohl 13, 187 G.; die aussicht in ein stilles wiesenthal Mörike s. w. (1905) 3, 77 Göschen. — komm Doris, komm zu jenen buchen, lasz uns den stillen grund besuchen A. v. Haller ged. 80 Hirzel; wo kühl im stillen grund die wasserkünste rauschen Eichendorff s. w. 1, 1, 373 Kosch; wie die morgensonne über ihn (den hügel) her den nebel durchbricht und den stillen wiesengrund bescheint Göthe 19, 128 W.; die stillen wiesengründe Mörike s. w. (1905) 1, 125 Göschen; weisze wasser gehn in stillen wiesen R. M. Rilke ges. w. (1927) 1, 126. da schon die stillen wälder ruhn Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 43; Böhmen, wo ich in den stillen wäldern ... mich erst recht damit bekannt zu machen gedenke Göthe IV 36, 77 W.; wie oft klagt ich dem stillen hain mein leid um dich I 10, 14 W. — steht eine mühl im stillen grün Fr. K. v. Erlach volkslieder d. Deutschen 4, 602; ihr auen, bach und püsche, du stille felderruh Hoffmannswaldau ged. (1710) 3, 97; wie es denn auch nichts ungewöhnliches, dasz man eine stille und schattigte allee einen poetengang zu benennen pfleget J. G. Neukirch anfangsgr. z. t. poesie (1724) 15. — an groszer fläche flieszt Peneios frei, umbuscht, umbaumt in still- und feuchten buchten Göthe 15, 107 W.; und rings im felde, wo ich den pfad hinaus, den stillen, wandle Hölderlin s. w. 4, 11 v. H.; denkst du des schlosses noch auf stiller höh? Eichendorff w. (1864) 1, 317; und die brunnen rauschen wieder durch die stille einsamkeit s. w. 1, 1, 278 Kosch; ich aber stand schon lange in dem garten und bin ins stille feld hinausgegangen 1, 1, 375; eine stille, im nebel glänzende ebene Mörike ges. w. (1905) 3, 14 Göschen; aber wie aus uralter zeit tönen sie von den stillen bergeshalden zu uns herüber W. H. Riehl d. dt. arbeit 133; es war der einsamste weg, um vieles stiller und menschenleerer als drei, vier andere Fontane ges. w. I 5, 173; kleine grüne inseln, welche ... der stille brütort einer menge sumpf- und seevögel sind H. Allmers marschenbuch 45. II@A@4@ee) von der umgebung und den wohnungen der menschen stille stadt, stilles haus, stille strasze u. s. w.; zunächst 'ohne lärm', dann 'ungestört, friedlich, traulich'; davon zu trennen ist der gebrauch unter II A 5. wie d sich berührend mit I B 1 e, da sowohl 'ohne bewegung, leben' wie 'ohne lärm' sich zu 'friedlich, ungestört' entwickeln können: im ländlich stillen sitz werdt ihr, auch ganz allein, auch unter schnee und sturm, euch durch euch selbst erfreun Lenz ged. 16 Weinhold; in der reichsstadt nun, dem stillen sitze der musen Klinger w. (1809) 3, 12; als eine stille kammer, wo ihr des tages jammer verschlafen und vergessen sollt M. Claudius s. w. 4 (1782) 91; und er kehrt mit blutigem schwerte sinnend zu der stillen wohnung Göthe 3, 11 W.; dasz ich, erwacht, aus meiner stillen hütte den berg hinauf mit frischer seele ging 1, 3; (der trommler) will die tagwacht wirbeln lassen durch der zelte stille gassen M. Schneckenburger ged. (1870) 30; es ist so still bei uns, und in den andern häusern ist es so laut und lustig kinder- u. hausmärchen (1843) 226; dem stillen hause blick ich zu, gelehnt an einen baum Uhland ged. 1, 24 Schm.-H.; auf einem stillen dorfe Mörike w. (1905) 3, 22; wenn dieses ... kunstwerk von vier geschickten musikern ... in einem stillen zimmer ... höchst präcis vorgetragen wird O. Jahn Mozart (1856) 4, 49; um den stillen herrenhof war jetzt lustiges gewühl der gauleute G. Freytag ahnen (1873) 1, 110; es war, als ob eine schar glänzender und singender geister die stube verlieszen, so dasz diese auf einmal still und leer schien G. Keller ges. w. 2, 12; die reiche phantasie ... entwickelte sich in dem stillen Wlastowitz viel üppiger M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 13; er trat in ein mäszig groszes zimmer. hier war es heimlich und still Storm w. (1899) 1, 4; över de stillen straten geit klar de klokkenslag 1, 103 Köster; das ist ja das verwunschene schlosz im märchen. und so still und lauschig Fontane ges. w. I 4, 253; Effi ... sah auf die stille strasze hinaus. wenn da doch lärm und streit gewesen wäre; aber nur der sonnenschein lag auf dem chaussierten wege ges. w. (1915) 4, 408. äuszerlich schlieszt sich hier an stilles grab, stille gruft u. ähnl., vgl. grabesstill; in der bedeutung mehrschichtig, da es mehrere möglichkeiten von still umfassen kann: 'ohne leben, ohne laut, schweigend': verzeih ihm, wann er noch die stille gruft verehret v. Cronegk schr. (1771) 1, 330; schmerzen sonder ruh und rast bis zur rast im stillen grabe Müllner dram. w. (1828) 1, 52; ach, all die meinen deckt ein stilles grab A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 224; bester arzt für jeden jammer ist die stille, kühle erde Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 23; drum schlafe ein im süszen traum in eines grabes stillem raum Hebbel s. w. 7, 31 Werner; tausende weiszer blüthen und knospen umschlieszen wie die verheiszung neu erstehenden lebens die stille stätte des todes Moltke ges. schr. (1892) 1, 232; brich ab, mein lied, sey stille! und ich bin still als wie das grab Kretschmann s. w. (1784) 1, 214; einsam war er und still wie das grab Hölty ged. 42 Halm; ich kam nun zuerst auf eine grosze einsame heide, auf der es grau und still war wie im grabe Eichendorff s. w. (1864) 3, 62. ähnlich: das stille reich der geister, toten, vgl. totenstill: und mich ergreift ein längst entwöhntes sehnen nach jenem stillen, ernsten geisterreich Göthe 14, 6 W.; nur dem körper folgt der schatten in das stille todtenreich 1, 229; schneller noch als Lethes fluthen um der todten stilles haus löscht der liebe kelch den guten jedes fehls erinnrung aus 2, 30; statt der stillen in den räumen der tiefe friedlich schaltenden welt der abgeschiednen guten geister Mommsen m. gesch. (1856) 1, 167; das der menschenwelt getümmel trennt vom stillen geisterlande Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 30; keine boten gehn von diesem strand zu jenem in das stille reich der todten 259. II@A@55) still als beiwort zu ort und zeit in bezug auf den menschen, vom menschen her: 'ruhig, gesammelt, ungestört verbracht, bewohnt'. von der anwendung unter 4 deutlich getrennt. obwohl der ausgangspunkt dieses gebrauches still 'leise' ist, besteht manche berührung mit still 'zurückgezogen, beschaulich', vgl. I B 1 d-f. II@A@5@aa) stiller tag, abend, stille stunde; ruhig, ungestört (allein oder im beieinandersein) verbrachte zeit: stiller, halb trauriger tag Göthe III 1, 52; ich würde es vergeblich versuchen, mit worten auszudrücken, was ich empfinde, wenn ich an einem stillen abend 'in allen meinen thaten' recht gut pfeife und mir den text dazu denke Lichtenberg verm. schr. (1890) 1, 10; gestern war ich bei der Imhof einen stillen abend Göthe IV 3, 109 W. — wenden sie doch einmal ein paar stille stunden dazu an, eine ordentliche berechnung aller ihnen bekannten bedürfnisse ihres mannes zu machen Lavater handbibliothek f. freunde (1792) 4, 172; immer erneut trat er (der eindruck einer begebenheit) in jeder stillen stunde hervor Göthe 24, 203 W.; wenn es in stillen, schwärmerischen stunden in sanfter rührung dich erweicht: so weiszt du, was der dichter dann empfunden Schiller 6, 1 G.; zum teetrinken blieb eine stille stunde H. Carossa geheimnisse d. reifen lebens (1936) 81. — ich freue mich auf unser stilles zusammensein Göthe IV 9, 50 W. im anschlusz an wendungen dieser art mögen sich vereinzelte, ungewöhnliche gebrauchsweisen entwickelt haben: ich setzte mich ins gasthaus zu einem stillen wein H. Hesse Knulp (1915) 68; um nach verabredung bei diesem eine stille cigarre zu rauchen G. Freytag verlorne handschr. (1864) 2, 428. II@A@5@bb) still als beiwort zu menschlichen wohnungen als stätten stillen, dem lärm und getriebe fernen lebens, 'ungestört, friedlich'. von anderer grundlage aus als I B 1 e sich entwickelnd, aber stark sich damit berührend: dasz ich, in der stillsten clause, so weit vom lebendigsten leben entfernt, das zu produziren wuszte Göthe IV 35, 139 W.; ich will doch lieber in meiner stillen und unangefochtenen wohnung dictiren und copiren IV 27, 220; Deutschen selber führ ich euch zu, in die stillere wohnung (in Hermann und Dorothea) wo sich, nah der natur, menschlich der mensch noch erzieht I 1, 294; denn es geziemt der witwe, die den gatten verloren, ihres lebens licht und ruhm, die schwarz umflorte nachtgestalt dem aug der welt in stillen mauern zu verbergen Schiller 14, 15 G.; ach, als einst in unsre stille hütte, furchtbarer! herab dein todesengel kam Hölderlin ges. dicht. 1, 38 Litzmann; ein solches gottloses fluchen in einem stillen priesterhause, und noch dazu vor kindern Tieck schr. (1828) 19, 7; der wetterstrahl, von dem mein stilles haus getroffen wurde, bewegt die herzen in weiten kreisen Jacob Grimm kl. schr. 1, 25; hier in stiller klause von der welt gebrause und getümmel fern Rückert w. (1867) 1, 143; (sie) war sehr verwundert, als ich anfing, meine geschichten zu erzählen, erst die gewaltsame störung, welche ich heute in die stille krankenstube getragen G. Keller ges. w. 2, 66; so drängten und schoben sie (die gemeindeältesten) sich wiederum herein in das stille studirgemach ihres gutmütigen seelenhirten W. Raabe Horacker (1876) 59; sie war entzückt von dieser stillen, frommen einsiedelei Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 100; wie freue ich mich jedesmal, einen blick in eure stille häuslichkeit zu tun Moltke ges. schr. (1892) 4, 7; übertragen: die kunst und ihr stiller, einziger tempel — ein reines herz Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 38; die unsterblichen lehrer derselben (der philosophie) im stillen heiligtum ihrer werke selbst aufzusuchen A. Schopenhauer w. 1, 24 Griseb. II@A@66) es ist (so) still, 'lautlos, man hört nichts' (in anderer bedeutung s. oben I A 3, sp. 2946); entweder allgemein vom umgebenden raum, oder durch adverbielle zusätze näher bestimmt: überall, umher, am abend u. s. w. im ganzen nhd. gebrauch; vereinzelt vorwegnahme im mhd.: in der kemenâtin wart iz stille. do sprach die kuniginne könig Rother 1925 v. Bahder; hier ists still und einsam Heinrich Beck d. herz behält recht (1788) 33; die freundlichen töne der musik ruhen in mir, und sie werden manchesmal erwachen, wenn es friedlich im innern und um mich still ist Hölderlin s. w. 5, 304 v. H.; es war still; nur vom felde hörte man ein gezirp Fontane ges. w. I 5, 228; eben hat mich Bellin verlassen, und es ist endlich stille O. v. Bismarck briefe an s. braut 39. — meist verstärkt, so still: heute ... ist es hier auszen so stille, dasz ... man die räume für ausgestorben halten sollte Göthe IV 35, 140 W.; verbrannt sind türen und tore, und überall ist es so still I 1, 93; es ist so still, die heide liegt im warmen mittagssonnenstrahle Th. Storm s. w. 1, 126 Köster; (sie) sah wieder in den garten hinaus. alles war so still, und ein leiser feiner ton, wie wenn es regnete, traf von den platanen her ihr ohr Th. Fontane ges. w. (1915) 4, 368; es ist so still an diesen abenden; schon zweimal kam es vor, dasz wir gleichzeitig sagten: bitte! — aber es hatte gar niemand geklopft H. Carossa geheimnisse d. reifen lebens (1936) 13. — mit verdeutlichendem nebensatz: niemand wagte sich zu regen, es war so still, dasz man fast die gedanken hören konnte Eichendorff s. w. (1864) 3, 461; es ward ... so still im saale, dasz man ... das fallen eines taschentuches würde haben hören können Dahlmann gesch. d. frz. revolution (1845) 72; es war darin (im schlosz) so still, als würde es nur von mäusen bewohnt Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 53; es war so still, dasz sie droben das leise brennen der sterne zu vernehmen meinte Storm ges. schr. (1884) 3, 214; und es sei so still und einsam gewesen, wie sie gar nicht gedacht, dasz gottes erde sein könne Fontane ges. w. I 5, 52. — anders verstärkt: ganz, gar, recht, wie still: hielte ein jeder sein maul, so were es gantz still Lehman floril. polit. (1662) 3, 150; die sonne sank hinter die bäume, es ward so recht stille und vertraulich Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 32; ringsum wie still! ich hör des funkens sprühen, schür ich der ewgen lampe bleiches glimmen Lewin Schücking bei A. v. Droste-Hülshoff in: br. (1893) 30; und da es nun gar so dunkel, still und einsam war, beschlichen ihn seltsame gedanken G. Keller w. 7, 11; bei uns wird es nun weihnachtsabend sehr still werden Storm w. (1899) 1, 16; wenn es nur einmal so ganz stille wäre, wenn das zufällige und ungefähre verstummte und das nachbarliche lachen R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 178. — alles ist still: das haus gefiel ihm nicht, es sah so finster und unheimlich aus; er trat hinein, aber es war niemand darin und alles still kinder- u. hausmärchen (1843) 244; wenn wir im schwarm der vielen menschen sind, das schlägt mir alle freude nieder. doch ja, wenn alles still und finster um uns ist, erkenn ich dich an deinen küssen wieder Göthe 2, 109 W.; die landschaft ist, wie ich sie mir wünsche, — alles ist hier still, wie ein geheimnisz Schiller 5, 2, 262 G. einfaches still aus es ist still verkürzt: still. die schiffer nur erzählen sich, die ruder rauschen sacht R. M. Rilke ges. w. (1927) 1, 197. II@A@77) übertragen in ein anderes sinnesgebiet: stille farbe, 'nicht schreiend, sanft, matt': wo sich der tag leise lenket, und in sein schlaffgemach mit stiller röhte senket Treuer Dädalus 5, 9; reizend noch stets, noch immer liebenswürdig, lag Clarissa, da sie uns weggeblüht war, und noch stille röthe die hingesunkne wange bedeckte Klopstock oden 1, 90 M.-P.; beim stillen abendroth Göthe 1, 76 W.; das stille blau des himmels blickt hinter den grauen wolken hervor A. W. Schlegel im Athenäum (1798) 2, 57; und du erbst das grün vergangner gärten und das stille blau zerfallner himmel R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 239; blumen nicht die blutigrothen werden nur der gruft entblühn, sondern lieb- und friedensboten, weisz und blau und stilles grün Rückert w. (1867) 1, 77. — er hatte sich an das grau, an die kleidung der schatten gewöhnt, und nur etwa ein himmelblaues futter ... belebte einigermaszen jene stille kleidung Göthe 21, 185 W.; das auge wird im vorgrunde durch die schatten ... geschont, und in der ferne durch die stille behandlung des glänzenden A. W. Schlegel s. w. 9, 22. II@BB. von der stimme und dem sprechen: 'nicht sprechend, schweigend, schweigsam, stumm'; vgl. stille vel swig ende, styl swygende taciturnus (15. jh. md.) Diefenbach gl. 571c; still tacitus Erasmus Alberus nov. dict. (1540) C c 3a; taciturnus still, unredreych, verschwigen, taciturnissimum vast still Frisius dict. (1556) 1286; still seyn, still schweygen facere silentium Maaler 388d. II@B@11) 'schweigend', von einem menschen, der aus bestimmten ursachen nicht spricht oder zu sprechen aufhört und schweigt. II@B@1@aa) 'nicht sprechend, schweigsam', vom menschen; attributiv, prädikativ und als adverb; mhd. nur in verbindung mit dagen und swîgen (s. auch stillschweigen, vb. an alphabet. stelle): so er dannan chumet ad iudicandum (zum jüngsten gericht), so offenot er sina stimma, stimma dero crefte. i. venite, vel ite. so wirt lutreiste, der iu er wolta wesen stille Notker 2, 262, 10 P.; ich möhte nu wol stille dagen Wolfram Parzival 587, 9; ich erteile daz der man swîg an gerihte stille, den sîn tumber wille ... ûf üppecliche rede twang Konrad v. Würzburg Silvester 3983 Gereke; und dar zuo (zur vereinigung mit gott) hOeret stille swigen und hoh betrachten, wenig wort und vil strenger werk H. Seuse dtsche schr. 438, 7 Bihlm.; in ein stilles swigen rehter inrkeit 211, 5; und lag in grosser unmaht und stillem swigen uswendig Marg. Ebner offenb. 128, 3 Str.; dünkt dichs nu zu grosz und hart sein, so halt dein maul stille Luther 17, 1, 267 W.; als jederman sich still erzeiget, die ohren zu Aenea neiget, da fieng er an zu reden lang Spreng Äneis (1610) 21a; ich sah dich still an Klopstock oden 1, 6 M.-P.; der harfner, still und in sich gekehrt, trug sein beschädigtes instrument Göthe 22, 47 W.; war doch gestern dein (der Schweizeralp) haupt noch so braun wie die locke der lieben, deren holdes gebild still aus der ferne mir winkt 2, 137; Lothario ... war eines abends still bei tische, ob er gleich heiter aussah 23, 72; euer hochedelgeboren haben schon so lange mit mir gesprochen, und mein herz hat ihnen stille geantwortet Schubart br. 1, 38 Strausz; die bange nacht ist nun herum, wir reiten still, wir reiten stumm, und reiten ins verderben Herwegh ged. e. lebendigen (1849) 34; bei uns wird nichts verplaudert, sprach er, bergluft macht still Scheffel ges. w. (1907) 2, 162; (der dichter) ist doch einer von den mohnbekränzten, die still entführt des lebens leiser scherge R. Binding ged. (1922) 12. mit formaler vertauschung des subjekts: in solchem stillen lauschen die augen mir zugiengen H. Sachs 9, 542 Keller; stille sei mein geheimnis wie das grab Gerstenberg Ugolino 239 Hamel; indem er (Werner) durch seine stille gegenwart eine aufrichtige reine theilnehmung (an Wilhelms schmerz) ... sehen liesz Göthe 21, 134 W.; ruhig laszt das spiel beginnen, gönnet uns ein stilles ohr Tieck schr. (1828) 1, 39; vor lauter lauschen und staunen sei still, du mein tief tiefes leben R. M. Rilke ges. w. (1927) 1, 271. II@B@1@bb) häufig in fester verbindung mit sein, werden, bleiben. still sein, 'schweigen', als zusammenhängender ausdruck ist zu trennen von fällen, wie den unter a vorkommenden, wo still neben sein prädikatives adjektiv ist (sieh etwa oben Göthe 23, 72 W.), mit eigener selbständiger bedeutung von still, 'schweigsam'. still sein 'schweigen': ad te, domine, clamavi, deus meus, ne sileas a me ze dir fater hareta ih, got miner. stille nesist du fone mir Notker 2, 87, 4 P.; wanderstu van bynnen, so weghestu nicht vele de vlegende wort. id is neyne cleyne clokheit swighen unde stille syn in der arghen tijt imitatio Christi 31, 2 Hagen; heisz swigen, herr, di jungern dinn, und sprich, dasz sie stille sinn Alsfelder passionsspiel 2643 Grein; wie gehets zu, das der geist hie so still ist, da die höheste not ist zu reden Luther 26, 340 W.; gott, schweige doch nicht also und sei doch nicht so still ps. 83, 2; sie hörten all zu schreyen auff, ruhwig und still war jederman, Atrides fieng zu reden an Spreng Äneis (1610) 15a; es müssen alle doctores schweigen und die gantze creatur stille seyn Joh. Arnd Thomas a Kempis (1631) 5; auf dasz zu deiner ehre mein ehre sich erhüb und nimmer stille wäre Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 350b; der gute mensch bat mich, ich möchte still sein, dasz niemand so etwas hörte Göthe 43, 377 W.; wer kann gebieten den vögeln still zu sein auf der flur? 6, 61; wenig lebt ich, doch atmet kalt mein abend schon, und stille, den schatten gleich, bin ich schon hier, und schon gesanglos schlummert das schauernde herz im busen Hölderlin s. w. 4, 16 v. H.; stille sind die frohen lieder, und der knabe lauscht empor Uhland ged. 1, 11 Schm.-H.; wenn die mutter das mädchen selber leise fragte, so war es stille und sagte nichts Stifter s. w. (1901) 5, 1, 317. daran anschlieszend still sein, 'nicht weinen', vor allem in der form sei still, 'weine nicht': und das rehchen weinte auch ... da sprach das mädchen endlich: sei still, liebes rehchen, ich will dich ja nimmermehr verlassen kinder- u. hausmärchen (1843) 67; sei still, es wird dir nichts geschehen A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 46. still werden 'verstummen', zu sprechen aufhören: wenn du das urteil lessest hören vom himmel, so erschrickt das erdreich und wird still ps. 76, 9; (dasz ich) mit meiner zungen dir lobsing, und dir mein seitenspil erkling, und nicht still werd in diser zeit Hans Sachs 18, 131 K.-G.; klag über mich, genugthun will ich dir, so reichlich, dasz die kühnste schmähung still wird Fouqué held d. nordens (1810) 1, 47; die lacherin wurde still G. Keller ges. w. 10, 156; wir waren still geworden und schlürften den stillen, glanzvollen tag ein 1, 135; als dann die post abermals keine nachricht von Sybille brachte, wurde sie stiller, schweigsamer, fast ein wenig finster H. Carossa geheimnisse d. reifen lebens (1936) 85; ich war gesang, und gott, der reine rauscht noch in meinem ohr. ich werde wieder still und schlicht, und meine stimme steht R. M. Rilke ges. w. (1927) 2, 209. still bleiben 'stumm bleiben, schweigen': also das der lip und der wille, gedanken und word bliben stille Joh. Rothe lob d. keuschheit 12 Neumann; ruff hin mit gantzer stercke, da bleibts an jener seiten still, kein wörtlein ich vermercke Spee trutznachtigall (1649) 15; der ... knabe schlug die augen nieder und blieb eine weile stille. dann sagte er leise Göthe 43, 79 W.; und nun meidet sie (die katze) den ort, und der vogel bleibt still H. Carossa geheimnisse d. reifen lebens (1936) 27. II@B@1@cc) in besonderer färbung: aus einem gefühl heraus still sein; 'gesammelt, in sich gekehrt'; von still 'gelassen' (I B 2) dadurch unterschieden, dasz das schweigen, stummsein, sichnicht-äuszern im vordergrund steht: war ich sehr still, alles der reihe nach besorgt, gute stunden mit 0 [= Charlotte v. Stein] Göthe III 1, 110 W.; nur macht es mich stille und traurig ... dasz du das schöne nicht sehen sollst IV 8, 54. still vor ehrfurcht oder staunen: vor ihm ward Satan zur nacht! so schreckt ihn der gottmensch. und ihn sahe der abgrund und blieb vor bewundrung stille Klopstock Messias (1775) 1, 122; durch feld und buchenhallen, bald singend, bald fröhlich still Eichendorff s. w. 1, 1, 13 Kosch; ich stehe hoch überm tale, stille vor groszer lust 1, 1, 353; giebts in Muskau schöne bäume und wasser, so bin ich entzückt; die verzaubern mich, denn sie machen mich still fürst Pückler briefw. (1873) 1, 284. still vor beschämung, 'beschämt, betroffen': der schuoler schlich alsbald schamrot und still von dann Steinhöwel Äsop 44 lit. ver. still, 'schweigend, stumm', mit dem nebensinn 'tot'. still werden, 'verstummen, sterben': (Eva sieht den toten Abel) kalt! still. ha, Adam, Adam, sieh maler Müller w. (1811) 1, 104; ich glaube, hier wird einer heimlich — (er macht ein zeichen mit dem dolch), und wir sollen den stillen mann dann in die see versenken Eichendorff s. w. (1864) 4, 364; sonst werd ich euch aus dem lautesten der stillste mann Hebbel w. 4, 149 W.; man sagt: er ist ein stiller mann geworden; ähnlich: er schüttelte die weidtasche auf den tisch aus, und über dreiszig arme vögel ... lagen als stille leute da G. Keller ges. w. 8, 226; als der treue Johannes nochmals dem alten könig die hand darauf gegeben hatte, ward dieser still, legte sein haupt auf das kissen und starb kinder- u. hausmärchen (1843) 35. — euphemistisch, jemanden still machen, 'stumm machen, töten': (wie sie) das schlecht verwahrte schlosz im ersten schlafe überfallen und die beraubten auf ewig still machen wollten Eichendorff s. w. (1864) 3, 423. II@B@1@dd) still und stumm, 'schweigend, stumm': solcher gestalt thet die verliebte Caritea mit stummer und stiller sprach ihrer ... gedancken theatrum amoris (1626) 6; so ist es denn des himmels will, dasz ich ohn abschied, stumm und still, soll von der liebsten scheiden Königsberger dichterkreis 89 ndr.; dasz er nicht zu antworten vermochte, sondern stumm und still von Louis Armand abschied nahm Gutzkow ritter vom geiste (1850) 3, 339; und diesz vermehret meine pein, dasz ich musz stumm und stille seyn Gottsched schaubühne 6, 347; und was mich quält, wird deinen blumen auch erzählt, ... die senken drum ganz still und stumm das reine haupt Cl. Brentano ges. schr. 2, 208; im klosterhof war alles stumm und still Scheffel ges. w. (1907) 1, 164; da gewahrte er hinter sich, still und stumm, auf seinem rosse ein wesen, so bleich, als wäre es entstiegen dem schattenreich Hebbel s. w. 7, 59 Werner; mit wendung ins innere: adieu, liebe. ich bin ganz still und stumm Göthe IV 3, 109 W. II@B@1@ee) still als imperativ, als aufforderung zu schweigen; in verschiedenen stärkegraden vom ausdrücklichen befehl bis zur rhetorischen formel. in besonderer färbung als aufforderung, nicht aufzubegehren, nicht zu widersprechen, und daraus abgeleitet als beschwichtigung: 'sei ruhig, beruhige dich' (s. oben still sein 'zu weinen aufhören'). II@B@1@e@aα) der ausgangspunkt ist der imperativ seid stille, sei stille, 'schweigt, schweige'. nicht alle fälle sind eigentlich imperative, s. die beispiele unter B 1 b, sp. 2965: habt ewern frid und seit stille, dasz an mir des richters wille vollecleich müg ergann d. märterbuch 25587; seid, bisz ichs sag, nur stil Reinicke fuchs (1650) 226; schwetze nit, sonder sey still Äg. Albertinus hirnsleiffer (1664) 6; ich bitt dich um gottes willen, Sannel, sei still O. Ludwig ges. schr. 2, 319 E. Schm.; sey er still! G. Stephanie d. jüng. s. lustsp. (1774) 15. — mit erweiterungen: sei doch, ganz, fein still u. s. w.: bisz doch stille, hörst du nicht, dasz wir schweren sollen Schoch studentenleben (1657) f 7b; seyd mir doch still Schiller 12, 22 G.; seid fein still, hört was der junker sagen will Hollonius somnium vitae hum. 95 ndr.; seer merck auff dieses spiel und seyn fein still W. Spangenberg griech. dramen 1, 169 Dähnhardt; sei du ganz stille, du hast ja nicht einmal einen könig Bismarck ged. u. erinn. 2, 94 volksausg.; nu bis ock ganz stille, mutter G. Hauptmann weber (1892) 31; schweygt nur, ir müst gar stille seyn Hans Sachs 17, 12 K.-G. II@B@1@e@bβ) still statt sei, seid still, aufforderung zu schweigen: was schein ist das? die schatten werden klar. still! lautenklang, mein liebchen ist schon dar Casp. Stieler geharnschte Venus 104 ndr.; still, das kind schläft Lehman floril. polit. (1662) 3, 325; still! 'silence ist ein avertissement im excerciren, wodurch den soldaten angedeutet wird, aufmerksam zu seyn auf dasjenige, was vorgenommen werden soll' Eggers 2, 1006; ach lasz mich im kühlen deine küsse fühlen. — still, was reget sich? J. E. Schlegel w. (1761) 4, 211; still, lispelt sie, geliebter, still, dasz ja dich niemand hört Göthe 4, 154 W.; still, horch! Schiller 14, 315 G.; stille, er schläft! stille, stille A. v. Droste-Hülshoff s. w. 1, 51 Schw.; still, sagte Elisabeth, mich dünkt, ich höre sie sprechen Storm w. (1899) 1, 11. frühnhd. stilla, in anlehnung an den mhd. gebrauch, substantive, imperative und interjektionen durchzu verstärken (s. Weinhold mhd. gramm.2 § 341; beispiele mhd. wb. 1, 1), der sich bis ins frühnhd. fortsetzt; mhd. beispiele für stilla sind nicht belegt: es ist von alter har ... ein sprichwort under vilen gewesen, wenn man etwan schampere und schandtliche wort geredt, hat man gesagt: stilla mutz, dis gehOert auff den rollwagen oder ins schiff Wickram w. 3, 4 Bolte (zu mutz 'schimpfwort für einen menschen' s. teil 6, 2837); holla, holla, wi dolla! stilla, stilla Fischart Gargantua 127 ndr.; stilla, ich hab die sache zu beiden teilen genugsam angehöret Heinrich Julius v. Braunschweig 107 Holland.heute noch mundartlich, auch auf -o, -io: Schmeller bair. 2, 750; Fischer schwäb. 5, 770; Müller-Fraureuth 2, 565. II@B@1@e@gγ) erweiterte formen der interjektion; still, still: still, still, und red so närrisch nicht Fröreisen griech. dramen 2, 173 Dähnhardt; stille, stille, mein schatz Klinger w. (1809) 3, 77; stille, stille, sagte er, indem er den finger an den mund legte Ranke s. w. 3, 139. — mit voraufgehendem wort doch still, o still u. s. w.: doch still! sie schlägt schon ein Joh. Ulr. König ged. (1745) 97; doch still, sie setzt sich an die weiden (die libelle) Göthe 1, 62 W.; o stille, wecke nicht, es war als schliefe da drunten ein unnennbar weh Eichendorff s. w. (1864) 1, 317; mundartlich: man still Mensing schlesw.-holst. 4, 851a. — mit nachfolgender verstärkung: still ein wenig Kramer t.-ital. 2 (1702) 973a; still doch, ihr herren, wenn man richtet J. Nic. Götz ged. (1785) 1, 134; still doch damit maler Müller w. (1811) 1, 281; stille jetzt O. Ludwig 3, 57 E. Schmidt-Stern; still da, schrie er, ich wills euch lehren Storm w. (1899) 7, 181; still all Mensing schlesw.-holst. 4, 851a; still oeverall, ik schriw minen namen E. Kück bauernleben d. Lüneb. heide (1906) 46. — stille munkes, mundartl. im hess., aufforderung stillzuschweigen, vgl. Vilmar 275 f.; die erklärung von munks bei Schmeller-Fr. 1, 1627 (zu munken, munkezen 'munkeln') wenig einleuchtend; teil 6, 2695 wird es zu munk, adj. gestellt und als schimpfwort für einen menschen aufgefaszt; vergleichbar stilla mutz, s. oben unter β. literarische belege aus dem 17. jh.; bei Vilmar ein beleg von 1655: und einer unter ihnen stille munckes gesagt; stille muncks, sagte Courtisan d. jg. Leyer-Matzs lustiger correspondentz geist (1668) 161; als adverb 'stillschweigend': du must auch bei hof stillmunckes steths fressen, und dieses nicht melden, was andre vergessen, sonst bindestu selbst dir feind auf den rücken Jan Rebhu weltkucker (1678) 2, 141; auch 1, 42. beschwichtigend: nur stille, nur bis morgen früh Göthe 3, 340 W.; stille, stille, ich will dir alles in der ordnung erzählen IV 1, 135. II@B@1@e@dδ) als aufforderung, einem spiel zuzuhören: so losend uff, still und mit zucht schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 152 Bächtold; gott grüsz euch, herren, allzumal versamlet im fürstlichen sal; seit hie ein klein züchtig und stil H. Sachs 2, 22 Keller; nun schweigt und sey still jedermon ebda; deshalb seid still und habt an alln ein besonder guten wolgefalln Hayneccius Hans Pfriem 16 ndr.; ähnlich: drum hört alle fridlich und stil, was uns ein jedes vorpringen wil einl. zu einem spiel (kampf des sommers u. d. winters) bei Schröer beitr. z. e. wb. d. ung. berglandes 47; jetzt aber horcht ein wenig still, was ich euch weiter sagen will E. Baumeister zimmermannsprüche 50. im schauspiel ankündigung einer auftretenden person: still, Fuchsmundi! sihest du wohl dort etwas kommen Stranitzky ollapatrida 133 Wiener ndr.; stille, dort kommt die jungemagd Chr. Reuter d. ehrl. frau 109 ndr.; alles das hoffe ich selbst — still, sie kömmt Lessing 2, 273 M.; aber still, wer sind die beiden figuren, die eben da eintreten Schiller 14, 131 G.; still! da kommt Bertrand aus der stadt zurück 13, 178. II@B@1@ff) mit erweiterung still sein eines dinges (ahd.); einem ding; zu, über, von, mit etwas; zunächst in der bedeutung 'von, über etwas schweigen', 'nicht davon sprechen': ne taceas neque conpescaris deus. sid du swigetost do du occultus (tougener) chame (bei der geburt). so du manifestus (offenbarer) chomest (bei dem gericht), so neswige noch newis stille dines judicii (urteilis) Notker 2, 343, 1 P.; so läszt sie den zerstörten armen gehn, ist seiner lust, ist seinen schmerzen still Göthe 2, 91 W.; schweygt! seyt zu allen sachen still H. Sachs 2, 30 K.; ihr seid ein durchtriebener schalk, erwiderte der wirth, ... aber ich schenke euch das mittagessen ... nur seid stille zur sache J. P. Hebel w. 2, 30 Beh.; wenn man sie (die bäume) verpflanzen will, ich bin zu allen sachen still Göthe 17, 37 W. dasz ich sonst sehr still bin über das, was ich wünsche und treibe Hölderlin s. w. 2, 408 v. H.; vom römischen könige ist hier alles still Rabener s. w. 6, 179; o stille, prinz, von diesen kindischen geschichten Schiller 5, 1, 24 G. — aber ich was stille damit (von dem inneren gebet) Margarete Ebener offenbarungen 27, 25 Str.; es ist ganz geswigen hie auszen mit dem herzog von Burgundi und den Sweizern und still Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 166. — ausgehend davon und z. t. noch im zusammenhang mit der lautvorstellung, 'aufhören mit etwas': am reden sey sie stille, mein wille sey ihr wille Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 133 ndr.; still mit dem klaggesang und glockenlärm! Zach. Werner Martin Luther (1807) 19; still mit dem geplauder Bauernfeld ges. schr. 1, 236; stille mit solcher pfeiffe, sagte Aristodemus A. H. Buchholtz Herkules (1666) 1, 383; redensartlich stille mit der fiedel; zunächst im eigentlichen sinne, dann einfach aufforderung still zu sein: wann ein anderer darzu kompt, den man etwas nicht will hören lassen, so sagt man pax, stille mit der fiedel A. Corvini fons lat. (1646) 637; und als diese endlich sahen, dasz die music allhier schlechte anmuth fande, schwiegen sie stille mit der fiedel (1700) J. Kuhnau musikal. quacksalber 135 lit.-denkm.; es würde mancher, so zu reden, mit der fiedel stille seyn, wenn ihm nicht die geile liebe anstatt des colophonii diente 182; stille mit der fiedel! uzte der geleiter Fr. L. Jahn w. 1, 479 Euler; stille mit der fiedel! Rother schles. sprichw. 185. II@B@22) schweigsam von natur, von einem menschen, der wenig spricht, nicht mitteilsam, verschlossen ist. vereinzelt auch vom tier: man saget, daz er were stille und ernsthaft, er het ez mer an der kraft den er gespreche Herbort v. Fritzlar liet v. Troye 2951 Fr.; swer sich rüemt, daz ist niht guot, dâ von mac ichz niht gestrâfen weder an leien noch an phaffen, der sîn dinc verbergen kan. man vindet mangen stillen man, der mê tuot dan ander drî Teichner 122 Karajan; die alten werden (durch den wein) kinder, ... die stillen schreyent Schwarzenberg t. Cicero (1535) 91; man findt stille leuth, welche langsam seynd mit der red Äg. Albertinus zeitkürtzer (1603) 61a; ein feiner, doch stiller mensch, der sich nicht in unser gespräch mischen wollte, ob ihn gleich Lotte immer herein zog Göthe 19, 44 W.; schon 1779 hatte Goethe auf der durchreise durch Frankfurt, während die mutter in alter kraft und liebe wirkte, den vater 'stiller' gefunden Herman Grimm Goethe (1899) 79; (die frau), die eine stille, schweigsame art zu betrachten hatte G. Hauptmann d. ketzer von Soana (1911) 135; häufig im sprichwort: ein still weib liebt man um und um schöne weise klugreden (1548) 148b; dem einen behaget de stille, dem andern die vele röpt Tunnicius sprichw. 732 Hoffm.; stille leut haben ihn hindern ohren Lehman floril. polit. (1662) 3, 320; stille leut hält man weisz Petri d. Teutschen weish. (1605) Tt 2a; vom hund, der nicht bellt: auf einen stillen hund und einen schweigenden menschen gieb wohl achtung Rother schles. sprichw. 320a. — 'verschwiegen', vgl. stiller mund, stillen mund halten Kramer t.-ital. 2 (1702) 973a: Prisca pflegt nach alter art stillen mundes stets zu sein Logau s. sinnged. 616 Eitner; was meint der stille mund, wenn er kein wörtlein spricht? Rachel satyr. ged. 97 ndr.; stiller mund und treue hand gehen durch das gantze land kern auserlesener sprüch- u. denkwörter (1718) 48; dasz er darüber jemand anders als den stillen wänden sein leid geklagt hätte Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 191. II@B@33) 'wortlos, stumm', etwas, das nicht ausgesprochen, besprochen, nicht hörbar wird, besonders gedanken und empfindungen; im ahd. ein vereinzelter gebrauch, der später keine fortsetzung findet: ein vorgang ist still, d. h. wird nicht besprochen, bleibt unbesprochen: thoh thiu wunder elluwarin filu stillu Otfrid II 3, 43. was in dieser zeit in Lottens seele vorging, getrauen wir uns kaum mit worten auszudrücken, ob wir uns gleich davon ... wohl einen stillen begriff machen können Göthe 19, 155 W.; sieht er nicht in meiner aufmerksamkeit für sie einen stillen vorwurf 19, 144; es führt nie zum guten, auch wenn äuszerlich alles glatt abläuft und keine verwünschung ausgesprochen und kaum ein stiller vorwurf erhoben wird Fontane ges. w. I 5, 298; während er ... zu den pferden trat und ihnen in stiller erwägung der umstände die mähnen zurechtlegte H. v. Kleist 3, 147 E. Schm.; ein stiller beyfall, welcher weit schöner als ein lauter ist Wackenroder herzensergieszungen (1797) 269; ihre augen ... taten an die seinen die stille frage, ob sie ihm so gefalle Th. Storm w. (1899) 1, 41. — vgl. noch: ein stiller zug beim schachspiel, ein zug, bei dem nicht schach geboten wird. II@CC. übertragen, von der bedeutung 'leise', 'nicht laut' ausgehend, still von wesen und charakter: 'bescheiden, zurückhaltend'; 'sanft, zart'; vor allem vom menschen gesagt. tranquillus, placidus, modestus, sedatus. vgl. requietus stille, stille vel sanff (voc. ex quo 1414 md.) Diefenbach gl. 494a; tranquillus stille, bescheiden, nd. sacht, hd. still, sanfft, senfft in vocabularen des 15. jh. ebda 592c; contractus eingezogen, still, der nit bocht Erasm. Alberus nov. dict. (1540) g 2b; modestus bescheiden, züchtig, still, zimlig Frisius (1556) 830a; placidus still, fridsam, zam, milt, gütig ebda 1008b; pacate rüwigklich, fridlichen, still Calepinus (1598) 1038b. II@C@11) als charakterisierendes beiwort für den menschen: 'zurückhaltend, schüchtern', 'bescheiden, sanft'; im gegensatz zu still, 'gelassen' (s. I B 2), nicht als ergebnis von arbeit und selbsterziehung, sondern aus anlage und wesen. häufig bei frauen und mädchen, mit dem nebensinn 'züchtig, edel' (neben züchtig, sanft), oder im bürgerlichen 'häuslich, zurückgezogen' (neben ehrbar, fleiszig). im mhd. vorbereitet und noch stark mit still, 'leise, nicht laut oder viel redend', verbunden; noch frühnhd. so: ouch was des fursten wille, daz sich die frouwe stille, Elizabeth di reine in geistlicher meine zu meister Conrade bestrickete umme gnade Elisabeth 4034 Rieger; ir wandel, ire wort, ire werk was als still und senft und da by vernúnftig und beschaiden, also das sy under den schwestren wandlet als ain irdescher engel Elsbeth Stagel leben d. schwest. zu Töss 34 V.; sy was gar still. ir wandel was sss und sanft, und ret gar wenig 41, 17; und das closter mit gaistlichen stillen frawen von Söflingen, s. Claren ordens, besetzt Zimmerische chron. 1, 190 Barack; es solt doch jhe fein fridsam und stille drinnen (im ehestand) sein Luther 34, 1, 60, 35 W.; aber er hat es abgeschlagen, ist ein gottfürchtiger stiller fürst gewesen (1579) Entzelt altmärkische chron. 191 Bohm; es war aber dieser bischoff ein frommer und gelehrter mann, und darbei still unnd friedtsam J. Letzner Dasselische chron. (1596) 1, 25a; unverschuld find er sie trew, stet und demütig, mit wort und wercken still und gütig Hans Sachs 2, 40, 23 Keller; still und zuochtig geberd macht jungfrawen lieb und werth Petri d. Teutschen weiszheit 2, T t 2a; der kerl erzeigte sich so still und dusam, wie ein schäflein Grimmelshausen 2, 360, 11 Keller; mädchen, ... das vorzüglich still und ehrbar erzogen ist Hippel über die ehe (1774) 135; für alles dieses (die natur) schien die stille Hilarie freien und schönen sinn zu besitzen Göthe 24, 362 W.; du wandelst jetzt wohl still und mild durch feld und liebes tal 1, 99; an die türen will ich schleichen, still und sittsam will ich stehn 2, 117; hier kniet ... die trübgedankenvolle stirn geneigt der stille jüngling stumm A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 230; still und fleiszig waltete sie tagsüber am herd Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 117; welcher art der geist oder das wesen dieses geschöpfes (Agnes) sei ... und wenn man ihm erklärte, die Agnes werde das beste malerfrauchen abgeben, das man finden könne, still, harmonisch und eine unerschöpfliche quelle schöner bewegung, so ... meinte (er), er könne doch nicht ein naturspiel heiraten G. Keller 2, 173; als der meister sah, dasz diese drei käuze sich alles gefallen lieszen, ... brach er ihnen am lohn ab ... also dasz er ein heidengeld durch die stillen gesellen verdiente und eine wahre goldgrube an ihnen besasz 4, 237; das heitere kind von ehedem habe wohl eine weniger stille frau versprochen Storm w. (1899) 1, 28; jahre flohn; der blonde knabe war zum jüngling aufgeschossen, stark und stattlich, still, doch glühend, offnen auges, doch verschlossen Fr. Wilh. Weber Dreizehnlinden (1907) 25; im übrigen war ich ein stiller und verträumter schüler Albert Schweitzer aus meiner kindheit u. jugendzeit (1924) 11; ich sehne oft nach einer mutter mich, nach einer stillen frau mit weiszen scheiteln Rainer Maria Rilke ges. w. (1927) 1, 243; auf die dauer war es ohne zweifel wirksamer, mit aller kraft an den ernsten, stillen priester zu denken, der nach allem, was man von ihm hörte, weit ärgeres erduldet hatte H. Carossa führung u. geleit (1933) 115; e stiller bu ein junger mann, der nicht viel von sich reden macht Follmann lothr. 499a. — formelhaft werdend ein stiller mensch: doch wird betrogen auch manch stiller mensch, und kriegt vor klarheit lauter rauch Ph. Zesen vermehrter Helikon (1656) 1, 76a; er war ein stiller und feiner ... mensch d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 89; ein stiller, friedfertiger, fleisziger mensch Lenz ges. schr. 1, 51 Tieck; vorzügliche, fleiszige und stille menschen Göthe IV 31, 115 W. (vgl. dazu ruhige, fleiszige menschen ebda 31, 114); blasse, blonde, stille menschen, träumerische, ahnungsreiche Fr. Wilh. Weber Dreizehnlinden (1907) 47; auch: sie sind stille, ordentliche leute Klinger w. (1809 ff.) 4, 160. II@C@22) in bezug auf das miteinander in der umwelt, von kindern, untertanen u. s. w. 'bescheiden', 'fügsam', 'artig', 'gehorsam', 'friedlich', 'friedliebend': quod si et postea in congregationem quietus et oboediens non fuerit ... stiller Benediktinerregel bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 279, 31; getOerst ich sagen stille (d. i. 'in aller bescheidenheit'), war umb ez mir missevellet mhd. minnereden I 86, 296 Matthäi; begngsame, stille, demtige vnd gehorsame kinder hat gott lieb Petri d. Teutschen weiszh. (1604 f.) 2, k 3v; so hat ein ... unterthan ... dahin zu dencken, wie er sich gegen seine obrigkeit ... mOege still und gehorsam verhalten Chr. Weise polit. redner (1677) 9; K. Emerich, der sonst ein stilles friedliches regiment gefhret S. v. Birken d. vermehrte Donaustrand (1684) 140; wie selig ist der mann, der ruhiglich und still mit seinem nachbar lebt Benjamin Neukirch begebenheiten (1738) 37; ein jeder lebe still bei sich daheim, dem friedlichen gewährt man gern den frieden Schiller 14, 292 G.; der karakter der Nördlinger ist ... stille Schubart leben u. gesinnungen 1, 27; dasz ich ein stilles kind sei und keinen unfug treibe Gaudy s. w. (1844) 4, 82; sanftern lehrer stillern schüler gab es nimmer Fr. Wilh. Weber Dreizehnlinden (1907) 59; wir lebten wieder still nebeneinander fort, und allmählig war es zwischen uns fast wie es sonst gewesen Storm w. (1899) 1, 220; wir sind ein friedlich still geschlecht ... (die West- doch unsres herdes heilig recht, falen) das wissen kräftig wir zu wahren Annette v. Droste-Hülshoff s. w. 1, 24 Schwering. — still und fromm, 'bescheiden, ehrbar', auch ins religiöse übergehend, vor allem frühnhd.: und dieselben süllen frum und stille geselle sein (Nürnberg, v. j. 1450) chron. d. dt. städte 2, 284; vnd wollt hinforth frommer leben, euch auch halten fromm und still Reinicke fuchs (Rostock 1650) 254; Tryphon, ein frommer stiller mann G. Arnold unpart. kirchen- u. ketzerhistorie (1699) 123a; was sag ich von den holden sitten? die waren still und fromm und rein, Gottsched ged. (1751) 1, 144. II@C@33) 'schweigend, ohne auflehnung, geduldig, demütig, sanftmütig'. gelegentlich von still 'schweigend' (II B 1) nicht zu trennen; jedenfalls ist oft das äuszere 'schweigen, nicht klagen, nicht widersprechen' mitgemeint: sú handleten dich unerbermklich, und du litte es alles stille und senftmtklich Seuse 318, 7 Bihlm.; (du) solt ein senftmütig scheffelin sin ... und begeben din stúrmen und losen zuo diser minnenclichen stimmen mit stiller senftmütigkeit Tauler pred. 63, 22 V.; dienet es zu stillem gehorsam der oberkeyt odder zu frecher auffruhr unter dem pofel? Luther 18, 95 W.; ein freyer geist ... giebet selbst einer stürmischen freyheit vor der stillen unterwürfigkeit den gerechten vorzug J. G. Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 208; doch trägt er still sein loos. und keine klage vermag des feindes ohr ihm abzuhorchen H. Jos. v. Collin Regulus (1802) 7; die treue gegen das vaterland soll seine (des soldaten) ehre seyn und sein stiller muth seine höchste zierde E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 269; Rodin ist derselbe immer, derselbe stille, geduldige, frohe in all seinem überladensein R. M. Rilke briefe 1902 -06, 272; und wir, in unsrer hoffart, drängen ... in einer freiheit leeren raum ... statt in die weitesten geleise sich still und willig einzureihn ges. w. (1927) 2, 245; du bist das schweigen, dem die seele zitternd vor erwarten sich still ergibt R. G. Binding ged. (1922) 41; er fühlte den blick der exzellenz wie die einwilligung in eine beklemmend stille, gläubige wehrlosigkeit vor gott Gertrud v. Le Fort d. magdeburgische hochzeit (1938) 132. still und sanft, in frühnhd. religiöser sprache, vereinzelt später, 'sanft, ergeben', 'ohne widerstand, willig' (sich mit I B 2 berührend): getrost ist myr meyn hertz vnd sin, sanfft vnd stille Luther bei Ph. Wackernagel dtsch. kirchenlied 3, 17; ich wil daraus studiren, wie ich mein hertz sol zieren mit stillem, sanfften muth Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 309; ... dahin, wenn es dein wille, ich frölich, sanft und stille aus diesen jammerjahren zur ruhe will abfahren ebda 3, 317; in Jesu nahm gantz sanfft vnd still ich wandern will zur seeligkeit mit frewden Georg Werner bei Fischer-Tümpel 3, 33; alsdenn fein sanft und stille lasz mich herr! schlafen ein Hippel lebensläufe n. aufst. linie (1778) 1, 51. II@C@44) die geistige und seelische verfassung im allgemeinen (geist, seele, gemüt u. s. w.) oder in einzelnen äuszerungen (tugend, treue, bescheidenheit) wird als still ('sanft, zart, bescheiden', wie oben C 1-3) bezeichnet: sondern der verborgen mensch des hertzen unverrückt, mit sanftem und stillem geiste, das ist köstlich fur gott (modesti spiritus) 1. Petr. 3, 4; mer de getzirdt sy mit gades fruchten vnd mit einen stillen vnd sachtmOedigen geiste B. Rotmann restitution 82 ndr.; der stille fromme geist der alten zeit ist es, welcher den mahler beseelen und wieder hinführen soll zu der reinen christlichen schönheit Fr. Schlegel s. w. (1846) 6, 170; lasz mich nicht im schein verwildern der welt, die tausendfarbig gleiszt, ... o gieb mir deinen (Christi) stillen geist, desz namen lieb und demuth heiszt E. M. Arndt w. 5, 104 Rösch u. Meisner. — wo eyn meszige, ... stille sanffte seel ist, da gebaret auch der leib euszerlich meszig J. Agricola sprichw. (1534) c 8a; einige dichter beleben ihr ganzes werk innerlich mit einer stillen und geheimen poetischen seele Wackenroder herzensergieszungen (1797) 172; indesz glückselig das gerücht sie nennt, verzehrt in kummer sich die stille seele Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 210. — ein stilles gemüt animo tranquillo, dolce, placido Kramer t.-ital. 2 (1702) 973b; denn es ist eine der angenehmsten verfassungen, in die uns die einbildungskraft und ein stilles gemüth setzen können, wenn wir uns mittelst derselben aus unseren sitten weg in ein goldenes weltalter setzen Sal. Gesner schr. (1777) 1, 3; und solche stille gemüther fanden ja auch am mittelalter den weg zu jenen harmlosen ... erzählungen Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 18. — ich wil mich mit stillem sinn und mit dankbarkeit vergnügen Neumark neuspr. teutsch. palmbaum (1668) 349; anstatt dafür zu loben den herrn mit stillem sinn Fr. Rückert w. (1867) 1, 161; es war ein stiller frommer natursinn in diesem guten menschen und er konnte ... im morgen- oder abendrot mit gefalteten händen stundenlang ... schweigend und anbetend in die unendlichkeit hineinschauen E. M. Arndt s. w. 1, 68 R.-M. — und komme diese fertigkeit ... den Lacedämoniern ausz nichts anders her, als ausz ihrer gewöhnlichen stillen arth Zinkgref apophthegm. (1628) 95; der durch sein stilles wesen von seinem tiefsinnigen geist anzeigung gegeben d. discourse d. mahlern (1721) 1, 4; und jedes (der geschwister Lottens) rief so ungekünstelt sein danke! indem es mit den kleinen händchen lange in die höhe gereicht hatte, ehe es (das stück brot) noch abgeschnitten war, und nun mit seinem abendbrote vergnügt, entweder wegsprang, oder nach seinem stillern charakter gelassen davonging Göthe 19, 27 W. — der sich durch seinen stillen und unschuldigen wandel ... unterscheidet Liscow samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) vorr. 12; die bald auch meinen eltern, dem äti besonders, eben ihres bestandenen alters und stillen wandels wegen, sehr wohlgefiel Ulrich Bräker s. schr. (1789) 1, 73; nie hat stille, kindliche tugend ... schöner gewirkt, als in diesen stillen mauern Klinger w. (1809) 4, 5; so waren hier (durch Ottiliens tod) so viel andere stille tugenden ... ausgetilgt: seltene, schöne liebenswürdige tugenden Göthe 20, 412 W. — die stille frömmigkeit, das eingezogne wissen Fr. v. Logau sinngedichte 287 Eitner; wann treue seelen recht in stiller freundschafft stehn Chr. Weise d. grünenden jugend überfl. ged. 32 ndr.; in ihrer ehe, sowie in ihrer ganzen lebensart herrscht eine stille sittsamkeit Herder w. 13, 209 S.; was lügst du hier für heuchelei von lieb und stiller mädchentreu Göthe 1, 195 W.; zuerst also ist mir mein zuhausebleiben für dieszmal ganz wohl gerathen, wir wollen es aber nicht beschreyen, sondern in stiller bescheidenheit thätig hinleben IV 38, 278 W.; den menschen in stiller bescheidenheit Klinger w. (1809) 3, 275; jedem auf des lebens pfad einen freund zur seite, ein zufriedenes gemüthe, und zu stiller herzensgüte hoffnung ins geleite J. P. Hebel s. w. (1838) 2, 136. II@C@55) still von der äuszeren erscheinung als ausdruck des wesens, besonders stilles gesicht, stille augen: an stillen ougen im Frankfurter druck des renner (16. jh.) 25b statt an bliugen ougen Hugo v. Trimberg v. 4502; als die aufmerksamkeit nicht mehr durch die stillen treuen augen und den lieblichen mund allein angezogen und gefesselt wurde Göthe 26, 266 W.; ihre stillen groszen augen, in deren feuchtem spiegel der mond widerglänzte Eichendorff s. w. (1864) 2, 69; dieser, — o er hat dieselben stillen augen, die ich liebe Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 184; der stille schwermütige ausdruck dieser augen Mörike (1905) 3, 52 Göschen; die ältere (tochter) ... verfolgte mit stiller liebevoller miene ihre lebhafte arbeit Göthe 25, 122 W.; die sanften, hohen, stillen, theilnehmenden gesichtszüge der ankommenden 22, 43 W.; mit stillen edlen zügen E. M. Arndt 1, 111 R.-M.; und nun blickte ich auf und in ihr stilles gesicht, in die schwarzen, unergründlichen augen H. Hesse Demian (1930) 194; sie hielt ihr stilles gesicht mit der reinen stirn ganz ruhig R. M. Rilke ges. w. (1927) 4, 200; o welch ein wuchs! o welch ein stiller gang! sie tritt so gut und so bescheiden auf, als sorgte sie zu zeigen: 'seht, ich bins'. und doch geht sie so leis und leicht dahin, als wüszte sie von ihrer eignen schönheit so wenig als der stern der uns erquickt Göthe 11, 309 W.; auch wirkte bald die stille hohheit ihrer erscheinung auf jeden bis zur völligen umkehr der gesinnung ein Hebbel w. 9, 262 Werner.auch allgemein stille schönheit, anmut, stiller reiz: darff ich keine röszgen brechen die auff deinen lippen stehn, ... so verlasz ich doch das liecht deiner stillen schönheit nicht Chr. Weise d. grünenden jugend überfl. ged. 132 ndr.; itzt gleichest du mit ernstem angesicht das stille anmuth sanft erhellt der weisheit die dem geist gefällt Wieland I 1, 322 akad. ausg.; du aber wandelst durch den garten in stiller anmuth lächelnd hin Geibel w. (1888) 1, 1; ihn (den jüngling) nahm ihr stiller reiz mehr als den bruder ein Eschenburg beispielsammlung z. theorie (1788) 1, 104. II@C@66) vereinzelt von tieren, 'sanft, zahm', von pflanzen 'sanft, zart', ähnlich von der landschaft: ich ... habe ein stilles und gutes pferd Gellert w. 10, 56; reseda, farblosz, ohne gestalt, stilles und zierliches kraut Schiller 11, 162 G.; so aber liegt dieser garten in stiller demuth zu den füszen jener riesen Tieck schr. (1828) 4, 86; euch, ihr liebenden auch, ihr schönen kinder des maitags, stille rosen Hölderlin s. w. 4, 83 v. H.; ein schauder befiel ihn, als wäre auch diese stille grüne falterpracht aus ihrer (der malerin) seele hervorgegangen H. Carossa arzt Gion (1931) 137; er blickte in die stille landschaft seiner heimat hinaus. die lag da ... so sanft und weit ausgebreitet, fast ohne linien: man hätte glauben können, sie sei ganz unscheinbar Gertrud v. Le Fort magdeburgische hochzeit (1938) 155. vgl. noch: dann beschatte mich, o ruh, mit linden, stillen flügeln Hölty ged. 138 Halm. II@C@77) im anschlusz an still, 'sanft', entwickelt sich in verbindung mit ausdrücken der stärke, kraft, eine bedeutung 'beharrlich, stark, innig, intensiv'; etwas stilles, verhaltenes, aber intensives, zähes, im gegensatz zu etwas lautem, lärmendem, aber wenig nachhaltigem (vgl. auch oben in stiller majestät unter II A 4 b); meist attributiv; gelegentlich auch adverbial: sie nutzten ihre lage durch stillen fleisz und darauf hatte Moses gerechnet Herder w. 12, 152 S.; dies alles hindert indessen nicht, die tradition der schrift (der buchstabenschrift) als die dauerhafteste, stilleste, wirksamste gottesanstalt anzusehen, dadurch nationen auf nationen, jahrhunderte auf jahrhunderte wirken 13, 366 S.; dasz ich auf keine andere weise darzustellen wüszte, wie ich bei meinem zerstreuten leben, bei meinem zerstückelten lernen, dennoch meinen geist, meine gefühle auf einen punkt zu einer stillen wirkung versammelte Göthe 26, 221 W.; dieses stille, stetige ... wirken der elemente Ritter erdkde (1822) 1, 16; dasz sie den glanz ihrer geistesgaben durch jene hohe einfalt, ... jene stille energie des karakters verherrlicht Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 136; Mathilde sah ihn mit stiller aufmerksamkeit an Novalis schr. 4, 159 Minor; lebensfreude, welche von der stillen gesundheit der frau tochter ausströme G. Keller ges. w. 7, 174; eine freyheit des umgangs ... war den Römerinnen durch ... stille strenge zucht, durch hausfleisz ... erworben Niebuhr m. gesch. 1, 317; Melanchthon ... der ... sich nun den theologischen studien mit dem stillen feuer widmete, das ihm eigen war Ranke s. w. (1867) 1, 287; er besasz die stille zähigkeit, welche ohne geniale sprünge, aber auch ohne unterlasz nach vollendung strebt Heinr. Seidel vorstadtgesch. (1880) 29. — stille kraft: und dann schauet sein blick lächelnd auf die herab die der muse sich weihn, welche, mit stiller kraft handelnd, edler die seele macht Klopstock oden 1, 87 M.-P.; und ein blick, mit der stillen kraft ihres wesens, traf in die seinen Storm w. (1899) 7, 189; wie er (Jac. Grimm) von dem epos meinte, dasz kein einzelner es gedichtet habe noch dichten könne, sondern dasz es aus der stillen kraft des ganzen leise hervorgehe Arthur Hübner Jacob Grimm 9 Berl. sitzgsber. 1935. — still und ohne weiter zu dencken und zu grübeln benutz ich jeden tag und eile mir die nötigsten kenntnisse zu erwerben Göthe IV 8, 323 W.; soll ich (der apfelbaum) nicht lieben die pflanze (den efeu), die meiner einzig bedürftig still mit begieriger kraft mir um die seite sich schlingt 1, 289 W.; allein dabei hielt man doch gute nachbarschaft ... litt, was nicht zu ändern war, und behielt seinen gesichtspunkt still im auge Ranke s. w. (1867) 1, 231. II@DD. von seelenzuständen und gemütsbewegungen: 'sich sanft, zart, innig, verhalten äuszernd'. meist attributiv, seltener adverbiell. ausgehend von der eigentlichen bedeutung 'sich nicht laut äuszernd', z. b. schmerz, weinen, freude; damit verbindet sich die vorstellung des unbewegten, 'verhalten in der gebärde', und, gelegentlich, die des verborgenen, nicht sichtbaren. diese bedeutung kann auch zur vorherrschenden werden, so dasz dieser gebrauch nicht immer streng von dem unter III 2 c zu trennen ist. vereinzelt im 16. und 17. jh., häufiger erst seit dem 18. jh. II@D@11) allgemein: mich rhret ein gar stille brunst Fr. Spee güldenes tugendbuch (1649) 26; mit stillem ernst dank ich dir wenn ich sie denke! (die seele) mit freudenthränen, mit namloser wonne dank ich, o vater! dir, wenn ich sie fühle Klopstock oden 1, 126 M.-P.; ein stiller schauer deiner allgegenwart erschüttert, gott! mich ebda 1, 70; da endlich unser wohlseyn mehr ein stilles gefühl als ein glänzender gedanke ist Herder 13, 337 S.; es ist nichts, das mich so mit einer stillen wahren empfindung ausfüllte, als die züge des patriarchalischen lebens, die ich ... in meine lebensart verweben kann Göthe 19, 40 W.; Wilhelm ins stille nachgefühl des schmerzens versenkt 21, 134; o, wie still ist hier (in der sommernacht) zu fühlen, was die seele glücklich macht! 1, 44; war ich nicht der nachhall seiner (des freundes) stillen begeisterung Hölderlin s. w. 2, 98 v. H.; die stunden, die ich mit ihnen lebte, gehören zu den angenehmsten meines lebens, und lebte ich sie in der vollen kraft des lebens, so geniesze ich sie nun in lieblicher stiller erinnerung Klinger an Göthe Göthejahrbuch 3, 254; auch mir ist jetzt alles glaublich, und ich fühle ja so deutlich eine stille flamme in mir lodern Novalis schr. 4, 177 Minor; Heinrich sah ihr (Mathilde) mit stillem entzücken nach 4, 169; beide lebten ... in stiller sorge für ihre kinder Achim v. Arnim s. w. 2, 306; die gräfin bezeugte ihr diesen eindruck durch eine edle vertraulichkeit und Ewald durch eine stille verehrung, der sich eine täglich steigende dose von zärtlichkeit beimischte Pfeffel prosaische versuche (1810) 5, 182; sie fühlte bereits seinen stillen kusz auf ihrem munde wie ein unverbrüchliches siegel Gertrud v. Le Fort d. magdeburgische hochzeit (1938) 53. formelhaft: um stille theilnahme bittet die trauernde wittwe W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 118; II@D@22) besonders von den gefühlen der freude und des schmerzes. stille freude, stilles entzücken, stille seligkeit u. ähnl.: ich weisz nicht, was die trAehnensaat fr stille freuden in sich hat Casp. Stieler geharnschte Venus 60 ndr.; und ich habe sie wiedergefunden, die stillen freuden alle wieder gefunden Hölderlin ges. dicht. 1, 44 Litzmann; ihr plätze aller meiner stillen freuden Schiller 13, 187 G.; oder einen gärtner, der ein blümlein zu seiner stillen freude im heimlichsten winkel seines geheges zog Fouqué zauberring (1812) 1, 31; dasz der chor ... nicht in lauten jubel ausbricht, sondern eine stille, durch die unerwartete überraschung noch wie gedämpfte freude ausdrückt O. Jahn Mozart (1856 ff.) 4, 577; still sich freuend Göthe 10, 17 W. bald wälzten sich die rauchwolken über die fläche, während die bomben in hohem bogen am blauen himmel nach der scheibe hinfuhren und die weiszen herren in stiller fröhlichkeit hantierten wie die baren teufel G. Keller ges. w. 6, 13. sie war auszerordentlich aufgeräumt. durch alle ihre cosmetiques hindurch schimmerte der glanz stiller heiterkeit Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893 f.) 4, 100. o das erfüllet mit stillem entzücken! v. Salis ged. (1793) 9; wendet die offene brust in stiller entzückung gegen den himmelsglanz Wackenroder herzensergieszungen (1797) 159. es ist auch immer ein tod für unsre stille seligkeit, wenn sie zur sprache werden musz Hölderlin s. w. 2, 399 v. H. (an Neuffert 16. 2. 97); wie sie sich zu ihm herabneigte, gewann ihr gesicht einen ausdruck stiller, vollkommener seligkeit Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893 f.) 4, 122; wo sie sich jede stille glückseligkeit des lebens ... versprachen Zimmermann über die einsamkeit 1, 11. — stilles lachen, lächeln; still lächeln: mit einem stillen eynfeltigem lachen Arigo decamerone 169, 15 Keller; spähte stillen lächelns nach des kirchhofs wimmern Hölderlin ges. dicht. 1, 53 Litzmann; er lächelt still R. Z. Becker mildheimisches liederbuch (1799) 5. — stille klagen, stiller schmerz u. ähnl.: er hört die seufftzen deiner seelen vnd des hertzens stilles klagen Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 423a; grosz sind eines mädchens plagen, ihre brust ist krank und wund, und zum lohn für stille klagen küszt sie noch ein welker mund Novalis schr. 4, 156 Minor. — gern in stillen melancholien wandl ich an dem wasserfall Göthe 5, 4 W. ich wohne in stiller traurigkeit über meinen gefilden Göthe IV 3, 156 W. (an frau v. Stein); nun war ich wieder in meinem elemente, und trauerte still über den tod meines vaters 23, 52 W.; und was ist gegen dich (gott) das sichverlieren, das stille lange traurigsein von tieren, die man als eingefangene vergasz Rainer Maria Rilke ges. w. (1927) 2, 283; aus einer verlegenheit ... die mir manchen stillen kummer verursachte Göthe 22, 6 W.; seyd zeugen meiner stillen qual! maler Müller w. (1811) 1, 334; ein stiller gram war auf ihrem gesichte verbreitet Sophie v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 5; es ist der schmerz, der im ersten satz (des g - moll quintetts) sich an unser mitgefühl wendet, nicht die stille wehmuth, die sich ernst in sich zurückzieht O. Jahn Mozart (1856 ff.) 4, 101; was stehst du so in stillem schmerz? o schäfer, sag es mir! wohl schlägt auch hier ein wundes herz, das ziehet mich zu dir Uhland ged. 1, 15 Schm.-H. — einer jungfrau stilles weinen Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 4; dasz kein wildes schwärmen, und kein lautes lärmen, und kein stilles härmen unter uns in zukunft sei! Rückert w. (1867) 1, 121. — stille tränen, zähren: es bricht ihr das herz, sie kann sich nicht halten, stille thränen zu weinen Klopstock w. (1800) 1, 225; stille thränen rinnen von den mütterlichen wangen herab maler Müller w. (1811) 1, 353; vertrocknet ist der liebe stille zähre Hölderlin ges. dicht. 1, 111 Litzmann. — eine thräne, die mir still den wangen entfiel Klopstock oden 1, 33 M.-P.; thränen, die dem auge still entbeben Matthisson schr. (1825) 1, 5. II@D@33) stille andacht u. ä.: man sprach das tischgebet sehr still und allem anschein nach auch sehr andächtig; solche stille andacht continuirte so lang, als man mit der supp und den ersten speisen zu thun hatte Grimmelshausen Simplicissimus 81 Scholte; voll stiller andacht stand ich bald auf einem solchen haufen, den man halde nennt Novalis schr. 4, 113 Minor; alle (blumen) standen sie in stiller andacht Brentano ges. schr. (1852 ff.) 5, 66; jedes gefühl wird dir nicht zur lauten vergötterung, aber zur stillen anbetung Fr. Schlegel im Athenäum (1798) 2, 12. — stilles gebet. zunächst eigentlich 'leise oder garnicht gesprochenes gebet', inneres gebet; von daher verbindet sich meist damit der nebensinn 'innig, andächtig': stilles gebet, preghiera (oratione) segreta Kramer t.-ital. 2 (1702) 973a; sollte das vielleicht auf die frömmigkeit dieser schönen frau, auf ein stilles gebet, oder worauf sonst deuten? Göthe IV 35, 301 W.; an einem heiszen nachmittag des sommers lag auf den stufen des hochaltars ein fremder mönch in stillem gebet G. Freytag ges. w. (1886 ff.) 9, 5; in Gersbach fordert sie (die hebamme) die anwesenden zum stillen gebet auf E. H. Meyer bad. volksleben 15. IIIIII. still, 'im stillen', 'verborgen', 'geheim', 'heimlich' aus still, 'leise' (II), sich entwickelnd. schon ahd.; im mhd. und frühnhd. sehr verbreitet; heute seltener geworden, namentlich im eigentlichen gebrauch. zunächst, was so leise vor sich geht, dasz es nicht gehört, nicht bemerkt wird; dann aber auch, was nicht sichtbar ist. III@11) die verbindung mit der bedeutung 'leise' ist besonders deutlich bei zwei verwendungsarten: III@1@aa) still reden, fragen u. ä. (ahd. und mhd.) 'leise und geheim' sprechen; so sprechen, dasz es niemand hört: tho gengun imu is jungaron to, fragodun ina so stillo (et accesserunt ad eum discipuli secreto Matth. 24, 3) Heliand 4286 Sievers; vrauwe, ist ez uwer wille, so rufen ich her vil stille uwerm knethe Urian, vil wol er daz gesagen kan Mone schauspiele d. mittelalters 1, 115; des vrâgter Bênen stille Wolfram v. Eschenbach Parzival 631, 9; vil stiller ime sagte Hartmann v. Aue Iwein 952; daz redten sye gar still zu einander summerteil der heyligen leben (1472) 3b. III@1@bb) sich still bewegen, 'sich leise, unauffällig bewegen, in der absicht, dasz man nicht gehört wird'; häufig mit heimlich verbunden: wann man schlagen vnd strmen wil soll mans thun fein geheim vnd still L. Fronsperger kriegsbuch (1573) 2, 100; und solch gelegenheit nun fund, so machet er sich still hinweg Fischart w. 2, 97 Hauffen; daz alle strytbare man ... sich in das künglich schlosz still und haimlich samelten Stainhöwel de claris mulieribus 197 lit. ver.; der hochmeister zog mit seinem hauffen so stil als immer mglich auff sie M. C. Schütz hist. rerum Prussicarum (1592) 2, o 4a; und das die schlang ausz irem loch gantz still und schleichent auszher kroch Hans Sachs 9, 238 Keller; still und ohne dasz es jemand bemerkte, erreichte ich ihn noch Göthe 43, 70 W.; die übrige gesellschaft hatte sich stille verloren 31, 215 W. III@22) verborgen, geheim; was nicht bekannt, nicht öffentlich ist; was man nicht hört und sieht. III@2@aa) ther geist ther blasit stillothara imo ist muatwillo Otfrid II 12, 41 (Joh. 3, 8); (hochzeit zu Kana) tho so stillo gibod mahtig barn godes,so it thar manno filu ne wissa te warun,huo he it mit is wordu gesprac Heliand 2037 Sievers; si verhenget daz an ir erget eines andern mannes wille. daz entut si nie so stille, man wirt der warheit wol gewar mhd. erzählungen III nr. 142, 104 s. 110 Rosenhagen; nun ist aber der rechten gaben art, das sie still vnd verborgen geschehen Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 138a; denn die ist wie ein stilles gift (die sünde) das, wenn es einen menschen trifft, erst schleichend das gedärm durchschneidet ... D. W. Triller poet. betrachtungen (1750) 2, 249; er (Götz) that es in der fülle des ruhms, unterstüzt von öffentlichem und stillem beifall J. H. Voss antisymbolik (1824 ff.) 2, 3; wir sind nur hier die ersten stillen zeugen des beifalls, den die welt ihm nicht versagt Göthe 10, 134 W.; Erminiens stille, nicht bemerkte treue 10, 149; (Illo zu Wallenstein:) das heer ist dein; jetzt für den augenblick ists dein; doch zittre vor der langsamen, der stillen macht der zeit. vor offenbarer gewalt beschützt dich heute noch und morgen der truppen gunst Schiller 12, 212 G.; dasz dieser edle mensch (Scharnhorst), durch dessen hände als des stillen und geheimen schaffers und bereiters millionen hingeglitten waren, auch nicht den schmutz eines kupferpfennigs daran hatte kleben lassen? E. M. Arndt s. w. 1, 112 R.-M.; stilles abenteuer 'heimliches abenteuer', gedichtüberschrift bei G. Keller ges. w. 10 (1889) 13; mehr als dreiszig bände (der deutschen texte) hat er (Roethe) in stiller mitarbeit geprüft J. Petersen Gustav Roethe (1926) 26; es ist im politischen leben oft so, dasz eine plötzlich vollzogene tatsache im grunde genommen ein vielfaches an stiller arbeit erfordert, von der die öffentlichkeit nur im geringen masze, meistens aber gar nichts erfährt völk. beobachter, Berlin v. 11. 3. 1939 s. 2; so auch jene steten schreier von congregationen, klöstern, missionen, nonnen, predigten, processionen usw., die ihnen gar nichts in den weg legen, und ohne deren stilles segenbringen ihnen vielleicht der reisekoffer mit sammt dem tagebuche würde abgeschnitten werden Brentano ges. schr. 4, 365; was die mutter zu viel ausgab, ... barg einen stillen segen in sich Fontane meine kinderjahre (1919) 100. selten im konkreten sinn 'verborgen' = 'versteckt, nicht sichtbar', von dingen und gegenständen: das zweyte hauptst. handelt ... endlich von denen stillen wässern und flüssen, welche niemals zum vorscheine kommen Gottsched d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit (1751) 1, 600; sie wissen gar nichts von stillen riffen (die heitern, sorglosen) Göthe 3, 145 W.; das stille, heimliche käferleben in büschen, an hecken und zäunen regte sich Gutzkow zauberer von Rom (1858) 1, 250; er (bruder Wachholder) erzählt, wie er oft beim gärtner den stillsten und verstecktesten blumen nachgehe Heinrich Federer bei Fritz Kunz der hl. Franz von Assisi2 (1912) 35. — vereinzelt 'verborgen' = 'geborgen', 'sicher': verbirge mich und schleusz mich ein in deiner seiten höle. hier lasz mich still und sicher seyn Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 408b. III@2@bb) von inneren zuständen und vorgängen; vgl. auch oben II D: si gedâhte alsô vil stille: 'der minne gernde wille den ich ze disem manne trage, der wirt verdecket mit der klage' Konrad v. Würzburg Engelhard 1771 Gereke; swaz so handelot der mut, iz si ubil oder gut, im deme herzen stille, got weiz wole den willen Hartmann rede vom glauben 1143 Maszmann; also ist ein heimliche wrckung im menschen von den himmlischen krAefften, dieselbigen ermahnen den menschen still vnd verborgen Paracelsus opera 2 (1616) 457 Huser; des stillen chaos (in seinem innern) gar nicht zu gedencken, das sich immer schöner sondert und im werden reinigt Göthe IV 7, 8 W.; und ich fühle dieser schmerzen, still im herzen, heimlich bildende gewalt 1, 91 W.; und alle wachtmannschaften enthielten sich aus subordination selbst der stillen gedanken über den gegenstand Immermann 1, 25 Boxb.; Winckelmann wünschte ... die geschichte von ihrem freilich unvermeidlichen unrecht zu befreien, nämlich dem hinweggehen über den stillen menschlichen werth Justi Winckelmann (1866) 1, 212; er selbst hat die erklärung wohl mit dem stillen bewusztseyn niedergeschrieben, dasz von seinen geschichten eine andere ansicht bey den Römern selbst anheben würde Niebuhr m. gesch. 1, 5; so fühlte ich jetzt, dasz eine neue irdische heimat, ... sich mir geheimniszvoll und stille zubereitete H. Steffens was ich erlebte (1841) 3, 327; du weiszt, ich hatte immer so meine stillen plänchen Storm w. (1899) 1, 25; es gibt noch ... ein stilles glück, das sich vor dem lauten tage verschlieszt Eichendorff s. w. (1864) 3, 122; aber das stille glück der flitterwochen (auf einem ostpreuszischen gut) erschien der jungen gräfin bald zu still Fontane ges. rom. u. nov. (1890) 7, 111. — stille brust, stilles herz u. ähnlich, 'im innern des herzens': wir können uns im stillen herzen sagen Göthe 10, 137 W.; mich in stiller brust erquickte, ... mit dem heitern bild des glaubens 6, 34; was in des busens stillem reich geschehn, und gott nicht straft, das braucht kein mensch zu wissen H. v. Kleist 2, 196 E. Schmidt. III@2@cc) still zur bezeichnung geistiger und seelischer strebungen und affekte. sich berührend mit II D; davon unterschieden dadurch, dasz es sich dort um sanfte, zarte, gedämpfte seelenzustände handelt, hier um eine bewegung auf jemanden oder etwas hin (hoffnung, zorn, wunsch, liebe), die, ohne dasz sie in ihrem wesen sanft, zart zu sein braucht, sich nach auszen hin garnicht oder wenig zu erkennen gibt oder geben will, also geheim, verborgen ist. selbst die fehlende oder geringe äuszerung ist nicht immer das entscheidende, sondern dasz die gefühlsregung eng zum innersten des trägers gehört, s. zu γ. im wesentlichen seit dem 18. und 19. jh.; älter ist nur stille liebe und ähnliche verbindungen. III@2@c@aα) im bereich der minne und liebe, seit dem mhd.; attributiv stille minne, liebe u. ähnlich, und adverbiell still minnen, lieben: ich minne einen ritter stille Walther v. d. Vogelweide 113, 33; vor allen dingen rOem dich nicht, was dir von frowen guot geschicht. din lieb trag heimlich und still, nit schrib an die wend wasz sy din will, bisz wAerhafftig und verschwigen minnereden I 4, 39 Matthäi; ... so will ich sein berait mit stillem dienst recht, wie sy will liederbuch d. Clara Hätzlerin 59; auff ihr stoppeln meiner liebe! denkt einmahl an jene zeit, als ich meine dienstbarkeit einer stillen gunst verschriebe Chr. Weise d. grünenden jugend überfl. ged. 135 ndr.; ferner ist schwer zu verbergen auch die liebe, noch so still gehegt, sie doch gar leicht aus den augen schlägt Göthe 6, 13 W.; wie auch in ihm eine stille neigung gegen sie aufzukeimen anfing 21, 285 W.; dies band, sie wirkt es vor geraumer zeit für eines treuen jünglings still verlangen Annette v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 232; er soll eine stille liebe haben Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893 f.) 3, 243; etwas so zartes, als das stille bündnis zweier herzen, scheut jede, auch die leiseste berührung Wilh. v. Humboldt ges. schr. 1, 296 akad.; des herzens stiller trautgesell seit manchem jahre Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 155. — sie (die liebe) lehrt uns stille kszgen geben Casp. Stieler geharnschte Venus 87 ndr.; die zeit erwünschter finsternisse, die wacher schönen stille küsse den müttern unerforschlich macht Gerstenberg schleswigische literaturbriefe 201 lit.-denkm.; denn es gibt kaum einen komponisten, der nicht seine stillen verehrer hätte W. H. Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 2, 294; man möchte sagen, es sey etwas elegisches, bey den bruchstücken der alten poesie mit stiller liebe zu verweilen Fr. Schlegel im Athenäum (1798) 1, 109. III@2@c@bβ) in stiller entschlossenheit freute ich mich auf jeden hügel, von dem ich in der ebene feinde zu entdecken hofte Lessing 2, 357 M.; o wie beschämt gesteh ich, dasz ich dir mit stillem widerwillen diene, göttin, dir, meiner retterin Göthe 10, 4 W.; die stille hoffnung, dasz die angeborne neigung unsers herzens nicht ohne gegenstand bleiben werde 23, 3; und er (der sünder) dachte sich seine schuld und sein guthaben im himmel genau angemerkt, und hatte für die letzte entscheidung und die schluszrechnung so seine stille hoffnung G. Freytag ges. w. (1886 ff.) 18, 326; zwar nicht in offner feindschaft mit Ferrara, doch hält der stille neid mit kalter hand die edelsten gemüther auseinander Göthe 10, 207 W.; ich nähre meinen stillen aberglauben, dasz es so fortgehen soll 30, 11 W.; wie ich in das geschäft, wozu ich immer eine stille neigung empfunden, mich gar bald zu fügen ... wuszte ebda 25, 60; eine stille abneigung der Franzosen gegen griechische dichter Justi Winckelmann (1866) 1, 144; auf deinem herzen drückt ein still gebresten Schiller 14, 282 G.; ich zweifle nicht an der veränderung seines sinnes, da ich zuweilen mitten im bacchantischen taumel, spuren vom stillen sehnen seiner seele nach freiheit entdeckt habe Schubart leben u. gesinnungen 1, 176; menschen, die so ekzentrisch sind, ... tugendhaft zu seyn ... finden sich leicht und bilden eine stille opposizion gegen die herrschende unsittlichkeit Fr. Schlegel im Athenäum (1798) 1, 2, 127; geh zu dem wunderstamme, gib stiller sehnsucht raum, aus ihm geht eine flamme und zehrt den schweren traum Novalis schr. 1, 77 Minor; er muszte unpraktisch und zu stillen ränken geneigt sein G. Freytag ges. w. (1887) 14, 31; meinen stillen widerstand besiegte auch das 'stundenbuch' nicht ganz H. Carossa führung u. geleit (1933) 93. — stiller grimm, zorn, stille wut u. ähnliches: den er vor einiger zeit mit dem stillen grimme, mit der heimlichen verzweiflung umhergehend angetroffen hatte Göthe 19, 146 W.; nur einige lombardisch gesinnte sprachen in stillem ingrimme zueinander Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 18; zehn jahre lang herrschte nun scheinbare ruhe im lande, aber seine stille wut glühte tief in vieler herzen ob der schmach bremischen joches H. Allmers marschenbuch 1/2, 427; in den augen des mönchs lag stille, besinnungslose wut Gerhart Hauptmann d. ketzer v. Soana (1922) 110; die berichte der zeitgenossen lassen uns kaum daran zweifeln, dasz die verstimmung ... sich bis zum stillen groll gegen das regiment des groszen königs steigerte L. Häusser dtsche gesch. (1854) 1, 253; kann er bey solcher huld noch stillen groll verhelen Joh. El. Schlegel w. (1761) 4, 9; ein stiller zorn überkam sie E. Zahn helden des alltags 30; über Neumanns stille verzweiflung musz ich aber erschrecken Chamisso w. (1836) 5, 278. III@2@c@gγ) stiller wunsch, 'verborgner', 'heimlich gehegter' wunsch. dasz er nicht einfach mit 'nicht ausgesprochener wunsch' gleichzusetzen ist, zeigt Göthe 23, 257 W.: oft äuszerte sie den stillen wunsch, auf geweihtem boden zu ruhen; der wunsch bleibt also noch still, im innern festgehalten und als zum eigensten, besonderen der person gehörend, nachdem er 'geäuszert' ist: durch den übersendeten thee haben sie einen stillen wunsch erfüllt Göthe IV 30, 196 W.; selbst in meinen alten tagen, da ich jetzt manchmal das theater besuche, fühle ich einen stillen trieb und wunsch hie und da wieder einzugreifen und mit wenigen andeutungen günstige wirkung hervorzubringen ebda IV 39, 66; (er) wirbt um dich, schon ists der dritte herbst mit stillem wunsch, mit herzlichem bemühn Schiller 13, 174 G.; aber in sich trug er ein lebhaftes bild von dem, was er sein sollte, und den stillen wunsch nach gerechtem thun G. Freytag ges. w. 17 (1888) 201; das begehren ... hatte ... sich gesteigert von stillem wunsch zu lauter bitte Mommsen m. gesch. (1856) 2, 221; und wenn das germanische mädchen wissen wollte, ob ein stiller herzenswunsch erfüllung finden werde, so faltete sie ein blatt des wilden mohnes oder der hagerose zusammen und zerklatschte es an den muskeln des armes ebenso wie die Hellenentochter G. Freytag ges. w. 17 (1888) 54. — dieser mann ... den ich euch in diesen tagen schon still herbei gewünscht hatte Göthe 25, 121 W. III@33) 'verborgen', 'heimlich', was in der öffentlichkeit nicht bekannt sein darf und soll; aus absicht verborgen; oft mit dem nebensinn der berechnung und des unerlaubten. III@3@aa) (bei der fahrt nach Jerusalem zum tempel) thiu kind thiu folgetunso wedar so siu woltun, liafun miti stillo,sos in was muatwillo Otfrid I 22, 16; vgl. II 12, 41; (der hohe rat beschlieszt die heimliche beseitigung Jesu) wi so stillo sculun freson is ferahes,that thit folc Judeono an thesun wihdagunwroht ni afhebbien Heliand 4475 Sievers; do Absalon wider sinemo fater was, do hiez der fater stillo sinen friunt Chusi, sament demo sune sin Notker 2, 16, 20 P.; die zagen truogen stillen rât Walther v. d. Vogelweide 105, 18; und man in (Jesus) stille vienge, so das volk vergienge schweizer Wernher Marienleben 8609 P.-H.; er sey mit gift getOedt worden in Phrygia, gar stil, vnd mit wenig geschrey Seb. Franck chron. Germ. (1538) 173; halb dy anschlag heimlich still! in trüwen ich dirs raten will Thomas Murner narrenbeschwörung 54 ndr.; musz aber ie der jüngling sterben ... so thuts still, das verschwigen bleib, und last vergraben seinen leyb Hans Sachs 2, 34 Keller; auf soliche kundtschaft richtet sich richter mit knechten, kam auf gelegne zeit auf die malstatt in stiller huot geschlichen Knebel chronik v. Kaisheim 386 lit. ver.; heimlich, still und leise sucht Amor seinen zweck Stoppe Parnasz (1735) 25; hier ist der brief, die stille heimliche instruction, die landmiliz betreffend, die die regierung jüngst deshalb erliesz H. v. Kleist 1, 426 E. Schmidt; und die begier der rache aus seiner brust zu tilgen, sinnt er still auf unerhörte tat Göthe 10, 18 W.; dieser oberst ... hatte die stille genehmigung der vorrüstungen des preuszischen patriotismus mitgebracht E. M. Arndt s. w. 1, 168 R.-M.; schien er sich nur mit einem stillen vorbehalt einigermaszen zu beruhigen Mörike (1905) 3, 37 Göschen; trotz und listige gedanken des unterworfenen zwingen doch zuletzt zu stillem mord G. Freytag ges. w. (1888) 17, 179. III@3@bb) still bleiben, 'geheim bleiben': gnediger herr, das wer ein weg, das all schand end nemb und blib still Hans Sachs 2, 33 Keller; Henricus gebeut dem reich auff, wendt ein andern zuog widder die Polner für, damit sein anschlag inn still bliebe Seb. Franck chron. Germ. (1538) 111; vnd wann ich thet nach deiner bet ich fOercht es bleyb nicht stille G. Forster frische teutsche liedlein 116 ndr.; bitte vor allem, lassen sie das still unter uns bleiben Dahlmann an Gervinus, briefw. 2, 223 Ippel. — still halten, heute ungebräuchlich, dafür geheim halten: doch bit ich, e. g. halte es ie stille, das ich disz e. g. schreibe Joachim v. Maltzahn an kurf. Joachim v. Brandenburg 18. 3. 1518, Bln. kgl. hausarchiv; nun kont hertzog Gerhart die sach nit so still behalten, wann das es ... ee zit ussbrach Äg. Tschudi chron. Helv. (1734) 1, 5; nimmermehr sol es von vns auszkommen, sondern wollens stille bey vns behalten bei Creizenach schausp. engl. comöd. 40, 17; eine sache noch still halten tenere ancora una cosa secreta Kramer t.-ital. 2 (1702) 973b. III@44) besondere anwendungen. III@4@aa) in älterer rechtssprache das stille gericht, neben häufigerem stillgericht (s. d.), eine form der westfälischen freigerichte (femgerichte) im gegensatz zum offenbaren gericht; gewöhnlich heimliches gericht oder heimliche, stille acht genannt. vgl. 'ein gebotenes ding, das sogenannte heimliche oder stille gericht (iudicium secretum, stillgericht), ein ausdruck, der ursprünglich wohl mehr den gegensatz gegen das offene gericht als die erst im laufe der zeit damit verbundene geheimhaltung und unbedingte ausschlieszung der öffentlichkeit bezeichnete' R. Schröder lehrb. d. rechtsgesch. 565; zur sache vgl. noch Jacob Grimm rechtsaltertümer4 2, 458; K. v. Amira german. recht3 (1913) 262: maxime in quibusdam iuribus specialibus, videlic. privata et occulta iurisdictione, que vulgariter fry graffschaft seu stille gerichte nuncupatur (v. j. 1367) bei Haltaus 1745; das stille gericht in Westphalen lande (v. j. 1377) ebda. III@4@bb) das stille volk für die zwerge. verschieden zu deuten: das gutmütige (engl. the good people), schweigsame, verborgene volk. vgl. 'von dieser seite her sind die elbe gutmütig und hilfreich: sie heiszen ... das stille volk; the good people, die guten nachbarn, die friedlichen leute' Jacob Grimm mythologie4 (1875) 377; bleiben sie in ihrem stillen treiben ungehört, so halten sie friede mit den menschen, und erweisen ihnen, wo sie können, dienste 378; 'quellen, brunnen, schluchten und höhlen, wo der sage nach zwerge wohnen und hausen sollen, die man das stille volk nennet, sie sind schweigsam und guttätig, dienen den menschen gern, die ihnen gefallen' dtsche sagen3 (1891) nr. 30. III@4@cc) still zur bezeichnung von krankheiten in einem nach auszen hin wenig hervortretenden zustand (ohne schmerzanfälle und lautäuszerungen): stille brunst, freis, stille oder stumme gicht, stille gisse, stiller koller, stille schmerzen, stilles stottern, s. diese bei Höfler krankheitsnamenbuch an alphabetischer stelle. — stiller suff: er wird sich dem stillen suff übergeben Holtei schr. 3, 56; wenn man sich dem stillen suff ergab Raabe hungerpastor (1864) 2, 58. III@4@dd) in der modernen geschäfts- und handelssprache für einrichtungen und handlungen, die nicht öffentlich sind: stille gesellschaft (in anderem sinne stiller gesellschafter, stiller teilhaber, sieh oben I B 1 a): die stille gesellschaft ist von der kommanditgesellschaft nur rechtlich durch die haftungsvorschriften und das fehlen der offenkundigkeit unterschieden L. Elster wb. d. volkswirtsch.4 (1933) 2, 295; die st. g. tritt nach auszen nicht als gesellschaft in erscheinung 298. — stiller vermittler, 'der nicht in die erscheinung tritt'. — stille abbuchungen; stille rücklage. — stille verkündigung 'eröffnung eines verfallenen testaments (nach 54 jahren) durch die behörde ohne zeugen'. III@55) formelhafte verbindungen; namentlich mhd., vgl. mhd. wb. 2, 2, 636b; Lexer 2, 1196; zunächst 'öffentlich und geheim', daraus 'in jeder weise'; meist ohne jeden bestimmbaren sinn, besonders im vers als bequeme reimformeln gebraucht, so still und offenbâr (dafür auch offenbar und lîse Hiob 636 Karsten; heimlich und offenbar minnereden I 1, 1573 Matthäi); offenlich und stille; still und überlût; als verstärkung: still und tougen(lich). über das mhd. hinaus reicht heimlich und still; bevorzugt im liebeslied (vgl. stille liebe III 2): dem bischolf sanden ir bet: heimlichen unde stillen gâben si darzuo irn willen Ottokar v. Steier österreich. reimchron. 55811 Seemüller; dar umb liebes hpschkait ist wer sie haimlich und still trait minnereden I 1, 1370 Matthäi; heimlig und still das wer mein will, herzliebster trost, bey dir zu sein volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 67, 31 Kopp; mich bfremdet seer, das jr on mynen herren schon so heimlich still sind zuo mir khon Bullinger Lucretia in: schweiz. schausp. 1, 113, 85 Bächtold; (sie) tatend bösers, denn hettind sie still heimlich und verholen das gelt us unsem secklen gestolen Niklas Manuel v. papst u. s. priesterschaft v. 1376 Bächtold; solt sie das kind lan bringen her verborgen still und heymelich Hans Sachs 2, 11, 20 Keller; Guisgardum ich erwelet han, ... heymlich und still in hoher lieb 2, 32; damit die sach still und heymlich beleiben mOecht Wickram 1, 224, 10 Bolte; wenn es wil werden abend, kum heimlich und gar stil! bergreihen 16, 31 ndr.; sind diejenigen vielleicht glücklicher gebildet, in denen die kunst still und heimlich, wie ein verhüllter genius arbeitet Wackenroder herzensergieszungen (1904) 173. — ähnlich: in gheim und still volks- u. gesellschaftslieder 43, 5; in stiller gehaim Montanus schwankb. 220 Bolte; s. auch unter geheim 5 b teil 4, 1, 2354 und geheim, f., 2358. IVIV. substantiviert im stillen; adverbial gebraucht, vereinzelt im 17. jh.; erst im 18. jh. geläufig. im ganzen, wie die von stille, f., abgeleiteten adverbialformen in stille(n), mit stille (mhd. und frühnhd.; s. unter stille C 3) mit feststehender bedeutung: 'im verborgenen, geheimen', zu still, adj., III. gelegentlich neubelebung und bereicherung des inhalts durch deutliche anlehnung an die volle bedeutung von still, adj., oder die wendung in der stille; so namentlich bei Göthe, bei dem im stillen in reicher verwendung vorkommt. auch die vereinzelten fälle von anknüpfung an still I und II sind so zu verstehen. aus dem bemühen, den formelhaften charakter zu überwinden, erklären sich auch veränderungen wie im stillsten: edle kraft, in sich bewahret, wächst im stillsten unvermerkt Göthe 4, 302 W.; im allerstillsten stillen: monate lang, des groszen werkes willen, lebt er im allerstillsten stillen Göthe 15, 94 W. (Faust II 6676). vielleicht auch ganz im stillen (vgl.ganz in der stille unter stille, f., C 3 b): so gar diejenigen, die selbst abgebrannt sind, theilen ganz im stillen und ohne es merken zu lassen, ihren geretteten bissen brodt mit den hungrigen Rabener s. w. 6, 257; nun noch einen geheimen auftrag, den ich ganz im stillen zu beherzigen bitte Göthe IV 24, 223 W. IV@11) 'im verborgenen' (vgl. still III 2); mit deutlicher beziehung auf ein gegenüber: 'ungesehen, unbemerkt'; auch örtlich 'versteckt'. bei Göthe mit mancherlei nebenbedeutungen verbunden: 'in der stille und ruhe der natur'; 'in der einsamkeit', 'ohne teilnahme anderer', 'allein': ich will dich auch hierdurch in deinem leyd nicht stören, und dein so redlich hertz im stillen mehr verehren H. v. Hoffmannswaldau u. a. ged. (1697) 7, 40; der eine lodert offenbar, des andern hitze glimmt im stillen Gottsched ged. (1751) 1, 222; vielleicht kömmt dann auch Daphne her, die mich im stillen liebte J. M. Miller ged. (1783) 81; lasz uns ihr elend erleichtern, ihnen im stillen helfen Klinger w. (1809) 4, 8; menschen, deren es gewisz treffliche hier und da im stillen giebt Göthe IV 8, 154 W.; wenn man ihn handeln sieht, so lobt man ihn, und freut sich, wenn die zeit entdeckt, was er im stillen lang bereitet und vollbracht I 10, 131 W.; gar mancher gelehrte widmete sein leben im stillen einem bedeutenden werke, ohne jemals damit erscheinen zu wollen oder zu können 46, 47 W.; er thät sich bas hervor, thät die welt mit seinem kriegsruhm füllen, doch meine verdienste, die blieben im stillen Schiller 123, 2 G.; sie (die energie) ist zufrieden, im stillen zu wirken Fr. Schlegel in: Athenäum 1, 2, 114; er (uferläufer) treibt sein wesen gern im stillen Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 8, 21; vielmehr war er zufrieden, wenn man ihn nur gewähren und im stillen seine arbeit verrichten liesz G. Keller ges. w. 5, 12; unterdessen arbeitete im stillen für ihn sein gönner Justi Winckelmann (1866) 1, 183; seit jahren hatten im stillen seine augen an ihren feinen zügen gehangen Storm w. (1899) 1, 287. — vollere fügungen bei Göthe: 'in der einsamkeit', 'ohne teilnahme', 'allein' (vgl. still I B): doch will ich dirs nicht abzwingen (ein freundlich wort), folge deinem herzen, und ich will meinen weg im stillen endigen Göthe IV 8, 101 W.; (man) ergötzt sich daran (am erworbenen) um so mehr im stillen, als von auszen eine aufrichtige ... teilnahme selten ist II 2, 6 W.; hier (in den räumen der bildenden künstler) bildet jeder im stillen, was bald für immer die augen der menschen beschäftigen soll I 25, 8 W. die stille der natur mitmeinend (vgl. still II A): und soll ich beschauen gesegnetes land, den himmel den blauen, die grünenden gauen, so will ich allein im stillen mich freun Göthe I 2, 33 W. IV@22) 'bei sich'; im gegensatz zu 1 ohne deutliche beziehung auf ein gegenüber; bei gemütsbewegungen, geistigen vorgängen und tätigkeiten (vgl. still III 2 b, c). auch verstärkt und verinnerlicht, namentlich bei Göthe, 'im innern', 'im herzen': meine freude ist im stillen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 2, 98; jeder entwarf im stillen einen plan, wie es anzufangen, sich dem mann zum freunde zu machen Klinger w. (1809) 3, 73; und bewundert im stillen den vortrefflichen, so viel umfassenden mann Hippel über d. ehe (1792) 129; meine übung, alle dinge wie sie sind zu sehen, meine treue das auge licht seyn zu lassen, machen mich hier höchst im stillen glücklich Göthe IV 8, 51 W.; ganz anders denk ich, und nicht ungeschickt hab ich das schon geschehne mit dem künftgen verbunden und im stillen ausgelegt I 10, 32 W.; ach, denn ich fürchtete, er gebe mir im stillen recht Mörike w. 3, 55 Göschen; Johannes bewunderte im stillen ehrerbietig das wissen und die kunstfertigkeit des groszen herrn und suchte womöglich kein wort seiner lehrreichen unterweisung zu verlieren G. Keller w. 6, 54; denn wenn wir auch keinem menschen davon erzählen, so wollen wir es doch im stillen bei uns selbst zu benennen wissen W. H. Riehl d. dtsche arbeit 4; übrigens hege ich im stillen die hoffnung, dasz ich ende oktober in Creisau hasen schieszen werde Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 198; (dasz aus e und o ein a hervorgehen kann) ist nur eine aufgeworfene frage und sie hat sich auch wohl schon anderen im stillen aufgedrängt W. Scherer kl. schr. 1, 276; doch des sie dachte, dachte im stillen, der war nicht bei ihr, ritt nicht an ihrer seite: das herz war ihr so voll R. G. Binding ged. (1922) 95; aber sie sagte sich im stillen: nein, sie musz! Peter Dörfler um das kommende geschlecht (1932) 119. — mit anlehnung an 'gelassen' (vgl. still I B 2): das vortreffliche ... sollte durchaus nicht bekrittelt noch besprochen, sondern genossen und andächtig im stillen bedacht werden Göthe IV 42, 106 W. IV@33) 'im geheimen', 'heimlich'; absichtlich verborgen (vgl. still III 3): ... sie sollten im stillen die flotte zur abfahrt rüsten Bürger w. 248 Bohtz; wenn die absicht ist, wie es scheint, diesen handel im stillen beizulegen Göthe 17, 246 W.; meine reise, die ich ganz im stillen unternahm, hat mir viel freude gemacht IV 8, 43 W.; vor einiger zeit hiesz es, sie (demoiselle Sontag) sey im stillen hier durchgegangen IV 41, 115 W.; die im stillen arbeitende neidische verkleinerungssucht O. Jahn Mozart (1856) 1, 86; s ist ganz im stillen gegangen Martin-Lienhart elsäss. wb. 2, 591. IV@44) vereinzelte anlehnungen an still I und II und ähnliche fälle von in der stille. im allgemeinen würde man statt dessen in der stille sagen. 'bei ruhigem winde' (vgl. still I A 3): in stillen is good haber sein Mensing schlesw.-holstein. wb. 4, 851a; Wander 4, 839. — 'schlafend und schweigend', zu still I B 1 e: und schon lag das ganze haus im stillen, vater, töchter, nur die mutter wacht Göthe 1, 219 W. — 'in ruhe und zurückgezogenheit' (vgl. still I B 1 d-g): damit aber du wellengeschaukelter, meeresgeruchschnüfflender, ufersehnsüchtiger, im stillen und ruhigen diesen winter, ... vergnügliche stunden genieszen könnest Göthe IV 33, 239 W. — 'gelassen', zu still I B 2: halt dich im stillen zu gott. er ist gütig, und wird dir deine sünden vergeben Ulr. Bräker s. schr. (1789) 1, 56; ich hatte nur die absicht, den park, den sie ihr herz nennen, im stillen zu genieszen fürst Pückler briefwechsel u. tageb. (1873) 1, 130. — mit annäherung an 'geduldig': da muszt ich mich denn in die zeit schicken und im stillen fortarbeiten, damit man sich einigen resultats in guten tagen erfreuen könne Göthe IV 39, 26 W. — 'leise, lautlos', zu still II: sie vergleichen ihre rechnungen und debattieren im stillen miteinander Nestroy ges. w. (1890) 1, 24. — 'stillschweigend und ohne einzugreifen': ich habe der sache (vorkommnissen im volk) im stillen zugesehen Göthe IV 28, 77 W. VV. zusammensetzungen mit still als erstem bestandteil sind sehr zahlreich und oft nur zufallsbildungen, namentlich bei den formen mit adjektiv oder partizip als zweitem bestandteil. zusammensetzungen mit verben (stillliegen, -sitzen, -stehen, -schweigen) und substantiven (stillfreitag, -gericht, -leben, -messe) sind verhältnismäszig selten. die hauptmasse bilden zusammensetzungen mit adjektiv oder partizip als zweitem teil. dabei handelt es sich in den meisten fällen nur um zusammenschreibungen. nicht selten wird ein und dasselbe beispiel verschieden geschrieben, sogar bei demselben schriftsteller: stillbescheiden Göthe 29, 34 W.: still bescheiden 10, 179; still leuchtend Wieland 1, 1, 150 akad.; stilleuchtend Hölderlin 1, 279 Litzm.; still vergnügt Schiller 15, 1, 18 G.; still verklärt Droste-Hülshoff (1879) 2, 240 u. s. w. die unfestigkeit der verbindung kennzeichnet auch gelegentlich auftretender bindestrich: still-dumm Holtei erz. schr. 5, 156; still-prächtig Herder 24, 327 S.; nach dem zweiten bestandteil lassen sich 3 gruppen unterscheiden: still als adverb 1) zu folgendem adjektiv, z. b.: stillfroh, stillsanft, stillklar, stillklug u. s. w. 2) still mit partic. praesentis, z. b.: stillflieszend; stillispelnd; stillseufzend, stillwaltend u. s. w. 3) still mit partic. perfecti, z. b.: stillbeglückt; stillbegnügt; stillbegränzt; stillbeseligt u. s. w. entweder handelt es sich um einfache addition zweier begriffe, z. b.: stillfinstere nacht, d. h. die nacht ist still und finster; stillklug = still und klug; stillsanft = still und sanft, oder um eine verdeutlichung oder nähere bestimmung des zweiten wortes, z. b. stillseufzend, stillsingend, stillschaffend, äuszerungen also, die still geschehen. dem unbestimmten, weichen charakter von still entsprechend gibt es zahlreiche, rein stimmungsmäszige verbindungen, z. b. stillallmächtige tat; stillaufdunkelnd Fouqué; stillgeduldig Fouqué; stillgeweiht; stillheimlich; stillhinwandelnd; stillmelancholisch Tieck; stillnachdenkend Herder; stillbrüderlich Fouqué, stilloffen Jean Paul; stillsittlich; stillteilnehmend; stillverfeinert Schiller; stillwärmend. bei manchen schriftstellern häufen sich die still-zusammensetzungen, besonders bei Lavater, Wieland, Herder, Tieck, Fouqué, Jean Paul, Gutzkow, Rosegger. abgesehen von den verbalen bildungen sind die still-zusammensetzungen erst seit dem 18. jh. geläufiger; nur vereinzelt früher: stillgericht, n., 14. jh.; stillbeiszig Burkh. Waldis; stillfridsam; stillgrimmig bei Fischart; stillader, f., 16. jh.; stillbewölkt Treuer Dädalus.
174846 Zeichen · 3361 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Still

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Still , -er, -este, oder auch Stille, mit dem e euphonico, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches eine Abwesenheit so…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    still

    Goethe-Wörterbuch

    still [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    still

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    still [tìl u. tel allg. ] Adj. still. Verstärkt S. wi e -n-e Mus Steinbr. Ruf. Bis t s.! heb s.! Su. Mache n üch s.! D…

  4. Sprichwörter
    Still

    Wander (Sprichwörter)

    Still 1. Der so still, hat offt grosse Schelmerey dick hinter den Ohren. 2. Hald es stelle, sagte Mester Neideck. ( Iser…

  5. Spezial
    still

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    still I adj. 1 (schweigsam) chît (chîc, -a) 2 (geräuschlos, lautlos) silenzius (-sc, -iosa), che ne fej degöna vera, che…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit still

372 Bildungen · 351 Erstglied · 11 Zweitglied · 10 Ableitungen

still‑ als Erstglied (30 von 351)

Still'lager

DRW

Still'lager, n. I milit. ¹Lager (V) für längere Pausen auf Kriegsmärschen [die befehlshaber sollen] den kosten an- und abzugs, auch still la…

Still'lagergeld

DRW

still'lager·geld

Still'lagergeld, n. (einem Boten) für das Still'lager (II) zu zahlendes Geld bdv.: Stilllieggeld bottenläuffern: 15 [gr.] 18 pf. von einer m…

still'liegen

DRW

still'liegen, v. mit Komp.-Vorstufen I inaktiv sein, untätig sein as ... uns goetzhues vurs. gerichte tzo S. eyn tzijt her neit geheget noch…

Still'lieggeld

DRW

Still'lieggeld, n. wie Stilllagergeld [von besoldung deß gerichts botten:] truͤge er nur ein eintzige citation ... so sol jme ... neben dem …

Stillgarten

SHW

Still-garten Band 5, Spalte 1429-1430

stillhalten

SHW

still-halten Band 5, Spalte 1429-1430

Stillkind

SHW

Still-kind Band 5, Spalte 1429-1430

stillliegen

SHW

still-liegen Band 5, Spalte 1429-1430

stillsitzen

SHW

still-sitzen Band 5, Spalte 1429-1430

Stillsitzer

SHW

Still-sitzer Band 5, Spalte 1429-1430

Stillstand

SHW

Still-stand Band 5, Spalte 1429-1430

stillstehen

SHW

still-stehen Band 5, Spalte 1429-1430

Stillach

Meyers

stil·lach

Stillach , einer der Quellflüsse der Iller (s. d.).

stillader

DWB

still·ader

stillader , f. , heute ungebräuchlich, eine nicht schlagende ader im gegensatz zur pulsader: unter disem ast der leberader entspringet ausz …

stillächelnd

DWB

stillächelnd : so stieg, in tiefer flut erzogen, ... stillächelnd aus den schwarzen wogen in stolzer blüte Cypria Hölderlin ges. dicht. 1, 1…

stillager

DWB

still·ager

stillager , n. , im 17. jh. und seltener auch später für ' lager ', ' quartier ', ' ruhepause ' vor allem marschierender soldaten: die weite…

stillamme

DWB

still·amme

stillamme , f. , zu stillen, vb., statt des einfachen amme; vgl. stillamme Kramer t.-ital. 1 (1700) 17 b ; Jean Paul w. 55/58, 158 Hempel; (…

stillan

KöblerAe

stil·lan

stillan , sw. V. (1) nhd. stillen, still sein (V.), beruhigen, sich beruhigen, besänftigen, aufhören lassen Vw.: s. ge-, un- Hw.: s. stille …

stillanbetend

DWB

stillanbetend : wenn du, mein auge, nun ... ... ausgeweint hast, und stillanbetend da, wo die zukunft ist, nicht mehr hinaufblickst Klopstoc…

stillandächtig

DWB

still·andaechtig

stillandächtig , adj. : schon kniete brünstig, stillandächtig der kaiser vor dem hochaltar Platen w. 1, 322 Redlich; heiliger und reiner blü…

Stillarbeit

FiloSlov

still·arbeit

Stillarbeit , f работа , ж , индивидуальная → FiloSlov Einzelarbeit, f

Stillatio

Herder

Stillatio , lat., das Durchsickern; stillicidium , das Tröpfeln; Dachtraufe; Traufrecht ( stillicidli jus od. servitus).

stillauf

DWB

stil·lauf

stillauf , m. , im sport: ' der zur stilverbesserung durchgeführte trainingslauf. auch der bei veranstaltungen gezeigte, sich im gleichen sc…

stillbeglückt

DWB

still·beglueckt

stillbeglückt : ihrer liebe sehnen stillbeglückt zu krönen, darf ich nicht entbrennen Nestroy ges. w. (1890) 2, 114 ; —

stillbegnügt

DWB

stillbegnügt : ach, wie so fröhlich, so überselig ist einer frauen stillbegnügte liebe Immermann 15, 119 Hempel; blickte vor sich hin mit de…

stillbeiszig

DWB

still·beiszig

stillbeiszig , adj. , von hunden, die nicht bellen aber beiszen ( vgl. still II B 2, sp. 2970): schedlicher sindt stillbeiszig hunde, still …

still als Zweitglied (11 von 11)

baumstill

DWB

baum·still

baumstill , mäuschenstill, wie ein stein: aber jetzo schwiegen sie miteinander auf einmal baumstill. Happels academischer roman. Ulm 1690 s.…

bommenstill

MeckWBN

bommen·still

Wossidia bommenstill wie bomstill: Un de Musik swiggt bommenstill Reut. 1, 159; Mit einmal steiht hei bummenstill (Anm.: bummenstill = bombe…

Flōsstill

Idiotikon

Flōsstill Band 12, Spalte 1627 Flōsstill 12,1627

kistill

KöblerAn

kist·ill

kistill , st. M. (a) nhd. kleine Kiste Hw.: s. kista E.: s. kista L.: Vr 310b

mäuschenstill

DWB

maeuschen·still

mäuschenstill , adj. und adv. still wie ein mäuschen: nicht fern vom wege auf einem schönen grasrain lag mäuschenstill ein kerl, als ob er s…

mausestill

DWB

mause·still

mausestill , mausstill , adj. und adv. wie mäuschenstill: blieb also mauszstill sitzen, bis ich erwarten möchte, dasz sich die leute niderge…

mucksmäuschenstill

RDWB1

mucks·maeuschenstill

mucksmäuschenstill тихонько; тихонечко; тихохонько разг. ; тихо, как мышка идиом. ; ни гу-гу идиом. ; тише воды ниже травы идиом.

pistill

DWB

pis·till

pistill , n. aus lat. pistillum, das weibliche befruchtungsorgan an der blüte, der stempel: das pistill der iris. Göthe 58, 53 ; der ranuncu…

Stocksteckelstill

Wander

Stocksteckelstill Es war stocksteckelstill. – Gomolcke, 1023. »Wenn's nu schier Zeit wur, doss es drossen stocksteckelstille und stockgerieb…

stockstill

DWB

stock·still

stockstill , adj. adv. , ganz still, still wie ein stock ( s. 1 stock 7 a, sp. 38), zunächst ' unbeweglich ', dann ' schweigsam ': stockstil…

þistill

KöblerAn

þistill , st. M. (a) nhd. Distel E.: germ. *þistila-, *þistilaz?, st. M. (a), Distel; vgl. idg. *steig-, *teig-, V., Adj., stechen, spitz, P…

Ableitungen von still (10 von 10)

bestille

BMZ

bestille swv. bestille lass ab vone deme zorne Windb. ps. Graff 6,673.

bestillen

DWB

bestillen , sedare, stillen: drumb, ihr eltern, laszt bestillen eures herzens angst und schmerz. Christoph Colerus; durst und hunger, die si…

erstillen

DWB

erstillen , sedare: dardurch ermeldte aufruhr erstillet ward. Tacius bei Fronsp. 3, 238 b ; jagt in harnisch den gmeinen mann, den dann niem…

gestille

Lexer

ge-stille stn. BMZ stille, beendigung Roth. ;

gestillen

DWB

gestillen , verb. , verstärktes stillen ( s. d. ). I I. still machen, ahd. gistilljan, gistillen, sistere, sedare, comprimere, mhd. gestille…

stille

DWB

stille , f. , zu still, adj. ahd. stillî, mhd. stille, mnld. stille, holl. stille neben stilte ( vgl. schwed. stiltje). ungewöhnlich ist men…

unstill

DWB

unstill , adj. , gth. v. still. veraltet. ahd. unstillo, adv.; mnd. unstille unruhig; nl. onstil; unstille tumultuosus Stieler 2166 ; vom we…

unstille

DWB

unstille , f. , gth. v. stille. ahd. unstilli; mhd. unstillecheit: lärm, unruhe Schmidt els. wb. 382 ; Fischer 6, 223 ; Campe; J. Grimm kl. …

verstille

BMZ

verstille swv. mache ganz stille. sô verstilt man ouch daʒ bluot dâ mit, daʒ man spricht ûf wunden snit Teichn. 94.

verstillen

DWB

verstillen , verb. , denominativbildung zum adj. still: ' etwas still machen oder still werden '. 1 1) trans. mhd. verstillen, im flieszen a…