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Still

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Still

Bd. 4, Sp. 378
Still, -er, -este, oder auch Stille, mit dem e euphonico, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches eine Abwesenheit sowohl der Bewegung, als des Lautes, des Geräusches bezeichnet. 1. Eigentlich. (1) In Absicht auf die Bewegung, keine Bewegung habend, wo es im schärfsten Verstande nur als ein Nebenwort üblich ist, und zwar nur mit solchen Zeitwörtern, welche ohnehin einen Stand der Ruhe bezeichnen. Stille stehen. Die Sonne stand stille, Jos. 10, 12. Stille sitzen, liegen, halten. Mit einem Wagen, mit dem Pferde stille halten. Einem stille halten, sich unter dessen Händen nicht bewegen. Im Felde stille liegen, von Armeen, im Gegensatze des Marschierens. Stille stehen, auch figürlich. Meine Betrachtung stand bey dem Wesen still, welches wir die Seele nennen, verweilete bey demselben, um ihr nachzudenken. Aber, hier stehet mein Verstand stille, ist so viel, das ist mir unbegreiflich, unergründlich. Ingleichen einer großen, heftigen Bewegung beraubt, wo es auch als ein Beywort gebraucht wird, aber doch nur in einigen Fällen üblich ist. Das stille Meer, die Südsee, weil auf derselben unter gewissen Breiten die Stürme nicht so häufig sind, als auf andern Meeren. Das Meer ward still (stille), Jon. 1, 12. Stille Wasser sind tief, gründen tief, oder haben tiefe Gründe, von der äußern Stille und Gelassenheit ist nicht allemahl auf eben dieselbe innere Beschaffenheit zu schließen. Wie rein nahm da mein Gemüth jeden frommen Eindruck auf, wie ein stiller See das Bild des reinen Mondes! Hermes. Die stille Luft, welche von keinem Winde bewegt wird; bey stillem Wetter. Es ist Windstille, es gehet kein Wind. (2) In Absicht des Lautes, alles Lautes oder Tones beraubt. Stille schweigen, nicht reden, wo das Mittelwort stillschweigend auch als Ein Wort geschrieben wird, S. auch das Stillschweigen. Stille seyn, keinen Laut von sich hören lassen. Warum bist du nun so stille? Alles um mich her ist stille. Wir wollen nicht reden, ich will so stille seyn als das Grab. Von etwas stille schweigen, nichts davon sagen. Allein ich schwieg doch bald von ihren Fehlern still, Gell. Zu etwas stille schweigen, nichts dazu sagen, ingleichen es nicht tadeln, nicht ahnden. Stille! eine gewöhnliche Interjection, Stille oder Stillschweigen zu gebiethen. Stille! er möchte es sonst hören. Ingleichen als ein Beywort, alles Lautes, Geräusches von außen beraubt. Ein stilles Gebeth, welches nicht durch hörbare Worte geschiehet. Gewiß ging dein zitternder Fuß aus der Hütte hervor, im stillen Gebethe den Abend zu feyern, Geßn. So auch eine stille Liebe, eine stille Freude, ein stiller Gram u. s. f. Leidenschaften, welche sich nicht durch Worte und Geräusch äußern. Und der Sohn sahe lange mit stiller Freude auf den Vater herunter, Geßn. Wir fühlen uns beruhigt, und mit einem stillen Beyfalle des Herzens belohnt, wenn wir andrer Glück befördert haben, Gell. Such deine Lust in stillern Freuden, eben ders. Ein stiller Gram war auf ihrem Gesichte verbreitet, Sonnenf. Ein stiller Abend, eine stille Nacht, ein stiller Wald u. s. f. wo kein Laut, kein Geräusch, gehöret wird. Ihr stillen Wälder! Bey stiller Nacht. Oft besucht die Muse bemooste Hütten, um die der Landmann stille Schatten pflanzet, Geßn. Bey stillem Abend hatte Myrtill noch den mondbeglänzten Sumpf besucht, eben ders. Und warum floh der Held jetzt stillen Schatten zu Und wählte für den Streit des Öhlbaums träge Ruh? Weiße. Ferner, ohne starken Laut, ohne vieles Geräusch. Stille gehen, sprechen, reden, singen, besser leise. Ein stilles Sausen, 1 Kön. 19, 12, ein sanftes. Die stille Messe, in der Römischen Kirche, oder die Stillmesse, welche ohne Musik gelesen wird. Der stille Freytag, der Charfreytag, die stille Woche, die Charwoche, weil man sich zu dieser Zeit aller rauschenden Lustbarkeiten enthält, diese Zeit in abgeschiedener Stille feyert. Zuweilen wird auch das Neutrum, doch nur mit dem Vorworte in, als ein Hauptwort gebraucht; im Stillen, für in der Stille, ohne äußeres Geräusch. Er härmte sich darüber im Stillen. 2. Figürlich, sowohl in Rücksicht der Bewegung als des Lautes. (1) Ein stiller Mensch, ein eingezogener, sittsamer, gelassener Mensch, der wenig Geräusch macht, auch von heftigen Leidenschaften frey zu seyn scheinet. Ein stilles Gemüth. Ein stiller Ort, wo wenig Geräusch ist. Es ist hier sehr stille, man höret hier wenig Geräusch. Ein stilles Leben führen, ein eingezogenes, in der Stille leben. Ein Schäfer in seinem stillen Hirtenstande, Gell. (2) Ruhig. Stille leben. Das stille Alter. Den stillen Sabbath der Ewigkeit feyern. Ein stilles Volk, Richt. 18, 27. Die Stillen im Lande, Ps. 35, 20. (3) Es ist ganz stille davon, man höret nichts davon, es wird nichts davon gesprochen. Vorher sprach man viel davon, aber jetzt wird es wieder stille. Anm. Schon bey dem Kero und Ottfried still, im Nieders. Angels. und Engl. gleichfalls still, im Schwed. stilla, im Nieders. als ein Nebenwort auch stillken, im Angels. stillice. Es ahmet durch seinen Laut eigentlich eine leise sanfte Bewegung nach, und ist der Form nach ein Intensivum, von einem veralteten Stammworte, zu welchem auch unser stehlen zu gehören scheinet. In einem hohen Grade stille druckt man im gemeinen Leben durch mausestill und stockstill aus. Die härtern Mundarten schreiben und sprechen dieses Wort gemeiniglich still; allein die sanftere Hochdeutsche kann hier das e euphonicum nicht füglich entbehren. Für stille ist im Oberdeutschen auch hosch, und im Österreichischen tasig üblich, welches letztere augenscheinlich mit dem Latein. tacere verwandt ist.
5532 Zeichen · 93 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Still

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Still , -er, -este, oder auch Stille, mit dem e euphonico, -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches eine Abwesenheit so…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    still

    Goethe-Wörterbuch

    still [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    still

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    still [tìl u. tel allg. ] Adj. still. Verstärkt S. wi e -n-e Mus Steinbr. Ruf. Bis t s.! heb s.! Su. Mache n üch s.! D…

  4. Sprichwörter
    Still

    Wander (Sprichwörter)

    Still 1. Der so still, hat offt grosse Schelmerey dick hinter den Ohren. 2. Hald es stelle, sagte Mester Neideck. ( Iser…

  5. Spezial
    still

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    still I adj. 1 (schweigsam) chît (chîc, -a) 2 (geräuschlos, lautlos) silenzius (-sc, -iosa), che ne fej degöna vera, che…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit still

372 Bildungen · 351 Erstglied · 11 Zweitglied · 10 Ableitungen

still‑ als Erstglied (30 von 351)

Still'lager

DRW

Still'lager, n. I milit. ¹Lager (V) für längere Pausen auf Kriegsmärschen [die befehlshaber sollen] den kosten an- und abzugs, auch still la…

Still'lagergeld

DRW

still'lager·geld

Still'lagergeld, n. (einem Boten) für das Still'lager (II) zu zahlendes Geld bdv.: Stilllieggeld bottenläuffern: 15 [gr.] 18 pf. von einer m…

still'liegen

DRW

still'liegen, v. mit Komp.-Vorstufen I inaktiv sein, untätig sein as ... uns goetzhues vurs. gerichte tzo S. eyn tzijt her neit geheget noch…

Still'lieggeld

DRW

Still'lieggeld, n. wie Stilllagergeld [von besoldung deß gerichts botten:] truͤge er nur ein eintzige citation ... so sol jme ... neben dem …

Stillgarten

SHW

Still-garten Band 5, Spalte 1429-1430

stillhalten

SHW

still-halten Band 5, Spalte 1429-1430

Stillkind

SHW

Still-kind Band 5, Spalte 1429-1430

stillliegen

SHW

still-liegen Band 5, Spalte 1429-1430

stillsitzen

SHW

still-sitzen Band 5, Spalte 1429-1430

Stillsitzer

SHW

Still-sitzer Band 5, Spalte 1429-1430

Stillstand

SHW

Still-stand Band 5, Spalte 1429-1430

stillstehen

SHW

still-stehen Band 5, Spalte 1429-1430

Stillach

Meyers

stil·lach

Stillach , einer der Quellflüsse der Iller (s. d.).

stillader

DWB

still·ader

stillader , f. , heute ungebräuchlich, eine nicht schlagende ader im gegensatz zur pulsader: unter disem ast der leberader entspringet ausz …

stillächelnd

DWB

stillächelnd : so stieg, in tiefer flut erzogen, ... stillächelnd aus den schwarzen wogen in stolzer blüte Cypria Hölderlin ges. dicht. 1, 1…

stillager

DWB

still·ager

stillager , n. , im 17. jh. und seltener auch später für ' lager ', ' quartier ', ' ruhepause ' vor allem marschierender soldaten: die weite…

stillamme

DWB

still·amme

stillamme , f. , zu stillen, vb., statt des einfachen amme; vgl. stillamme Kramer t.-ital. 1 (1700) 17 b ; Jean Paul w. 55/58, 158 Hempel; (…

stillan

KöblerAe

stil·lan

stillan , sw. V. (1) nhd. stillen, still sein (V.), beruhigen, sich beruhigen, besänftigen, aufhören lassen Vw.: s. ge-, un- Hw.: s. stille …

stillanbetend

DWB

stillanbetend : wenn du, mein auge, nun ... ... ausgeweint hast, und stillanbetend da, wo die zukunft ist, nicht mehr hinaufblickst Klopstoc…

stillandächtig

DWB

still·andaechtig

stillandächtig , adj. : schon kniete brünstig, stillandächtig der kaiser vor dem hochaltar Platen w. 1, 322 Redlich; heiliger und reiner blü…

Stillarbeit

FiloSlov

still·arbeit

Stillarbeit , f работа , ж , индивидуальная → FiloSlov Einzelarbeit, f

Stillatio

Herder

Stillatio , lat., das Durchsickern; stillicidium , das Tröpfeln; Dachtraufe; Traufrecht ( stillicidli jus od. servitus).

stillauf

DWB

stil·lauf

stillauf , m. , im sport: ' der zur stilverbesserung durchgeführte trainingslauf. auch der bei veranstaltungen gezeigte, sich im gleichen sc…

stillbeglückt

DWB

still·beglueckt

stillbeglückt : ihrer liebe sehnen stillbeglückt zu krönen, darf ich nicht entbrennen Nestroy ges. w. (1890) 2, 114 ; —

stillbegnügt

DWB

stillbegnügt : ach, wie so fröhlich, so überselig ist einer frauen stillbegnügte liebe Immermann 15, 119 Hempel; blickte vor sich hin mit de…

stillbeiszig

DWB

still·beiszig

stillbeiszig , adj. , von hunden, die nicht bellen aber beiszen ( vgl. still II B 2, sp. 2970): schedlicher sindt stillbeiszig hunde, still …

still als Zweitglied (11 von 11)

baumstill

DWB

baum·still

baumstill , mäuschenstill, wie ein stein: aber jetzo schwiegen sie miteinander auf einmal baumstill. Happels academischer roman. Ulm 1690 s.…

bommenstill

MeckWBN

bommen·still

Wossidia bommenstill wie bomstill: Un de Musik swiggt bommenstill Reut. 1, 159; Mit einmal steiht hei bummenstill (Anm.: bummenstill = bombe…

Flōsstill

Idiotikon

Flōsstill Band 12, Spalte 1627 Flōsstill 12,1627

kistill

KöblerAn

kist·ill

kistill , st. M. (a) nhd. kleine Kiste Hw.: s. kista E.: s. kista L.: Vr 310b

mäuschenstill

DWB

maeuschen·still

mäuschenstill , adj. und adv. still wie ein mäuschen: nicht fern vom wege auf einem schönen grasrain lag mäuschenstill ein kerl, als ob er s…

mausestill

DWB

mause·still

mausestill , mausstill , adj. und adv. wie mäuschenstill: blieb also mauszstill sitzen, bis ich erwarten möchte, dasz sich die leute niderge…

mucksmäuschenstill

RDWB1

mucks·maeuschenstill

mucksmäuschenstill тихонько; тихонечко; тихохонько разг. ; тихо, как мышка идиом. ; ни гу-гу идиом. ; тише воды ниже травы идиом.

pistill

DWB

pis·till

pistill , n. aus lat. pistillum, das weibliche befruchtungsorgan an der blüte, der stempel: das pistill der iris. Göthe 58, 53 ; der ranuncu…

Stocksteckelstill

Wander

Stocksteckelstill Es war stocksteckelstill. – Gomolcke, 1023. »Wenn's nu schier Zeit wur, doss es drossen stocksteckelstille und stockgerieb…

stockstill

DWB

stock·still

stockstill , adj. adv. , ganz still, still wie ein stock ( s. 1 stock 7 a, sp. 38), zunächst ' unbeweglich ', dann ' schweigsam ': stockstil…

þistill

KöblerAn

þistill , st. M. (a) nhd. Distel E.: germ. *þistila-, *þistilaz?, st. M. (a), Distel; vgl. idg. *steig-, *teig-, V., Adj., stechen, spitz, P…

Ableitungen von still (10 von 10)

bestille

BMZ

bestille swv. bestille lass ab vone deme zorne Windb. ps. Graff 6,673.

bestillen

DWB

bestillen , sedare, stillen: drumb, ihr eltern, laszt bestillen eures herzens angst und schmerz. Christoph Colerus; durst und hunger, die si…

erstillen

DWB

erstillen , sedare: dardurch ermeldte aufruhr erstillet ward. Tacius bei Fronsp. 3, 238 b ; jagt in harnisch den gmeinen mann, den dann niem…

gestille

Lexer

ge-stille stn. BMZ stille, beendigung Roth. ;

gestillen

DWB

gestillen , verb. , verstärktes stillen ( s. d. ). I I. still machen, ahd. gistilljan, gistillen, sistere, sedare, comprimere, mhd. gestille…

stille

DWB

stille , f. , zu still, adj. ahd. stillî, mhd. stille, mnld. stille, holl. stille neben stilte ( vgl. schwed. stiltje). ungewöhnlich ist men…

unstill

DWB

unstill , adj. , gth. v. still. veraltet. ahd. unstillo, adv.; mnd. unstille unruhig; nl. onstil; unstille tumultuosus Stieler 2166 ; vom we…

unstille

DWB

unstille , f. , gth. v. stille. ahd. unstilli; mhd. unstillecheit: lärm, unruhe Schmidt els. wb. 382 ; Fischer 6, 223 ; Campe; J. Grimm kl. …

verstille

BMZ

verstille swv. mache ganz stille. sô verstilt man ouch daʒ bluot dâ mit, daʒ man spricht ûf wunden snit Teichn. 94.

verstillen

DWB

verstillen , verb. , denominativbildung zum adj. still: ' etwas still machen oder still werden '. 1 1) trans. mhd. verstillen, im flieszen a…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „still". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/still/adelung?formid=S06469
MLA
Cotta, Marcel. „still". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/still/adelung?formid=S06469. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „still". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/still/adelung?formid=S06469.
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