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zwillich

nhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zwillich adj.

Bd. 32, Sp. 1198
zwillich, zwilch, adj. , zweifach, doppelt; zweifädig; aus zwilch gewirkt, zwilchartig. auszerdeutsch nur im ags. als twili(c), s. unten. 11) ahd. zwilîh, mhd. zwilich, mit geläufiger abschwächung des zweiten kompositionsbestandteiles zwilch, ist (wie einlîh und drilîh) als multiplikatives adjektiv durch anfügung der endung -lîh an die kompositionsform des zahlworts gebildet (vgl. Braune ahd. grammatik § 280 anm. 2). die ursprüngliche bedeutung 'zweifach, doppelt', die auch im ags. belegt ist (tuili biplex, duplex Erfurter gloss. 1151, Sweet oldest engl. texts 109), hat sich nur in wenigen älteren belegen sowie mundartlich auf einem beschränkten gebiet innerhalb des bairischen erhalten; vgl. dazu die composita zwillichbacken; zwilchbackig; zwilchjoch; zwilchpflug; zwilchwage; zvilichez tǒch biplex pannus, d. h. ein doppelt um den leib zu schlagendes gewand, ein doppelmantel (12. jh.) ahd. gl. 4, 239, 6 St.-S.; vgl. zwiling bilex duplicium, toga voc. inc. theut. (1471) q q 9a: bite got und gebiut dem eingebornen sune dîn, daz er uns hie niht lâze alsus verweiset sîn dur solher fröude kunft, die dir ze schîne brâhte sîner urstende sigenunft von tôde, der den zwilhen tôt an uns ze tôde sluoc Marner 120 Strauch; in aller kunst man darf wol zellen, ... wie zwilich, wie drilich, wie quadrilich vünfzic vinden Frauenlob 366, 10 Ettmüller; ein singermeistermeistermeister der ist drilch der künste ein und ist der andern worden zwilch Kolmarer meisterliederhandschrift 66, 28 Bartsch; (kaiser Otto) schar all tag syn backen zwilch und wuosch sie dann mit eselsmilch Seb. Brant narrenschiff s. 60, v. 17 Zarncke; da kam ich zu einer zwilchenen kirchen (doppelkirche) volksbuch vom Finkenritter (um 1560) Zwickauer facsim. nr. 24, A 5b. in der form zwilligt 'doppeldeutig': und könne man solche angehende medicos darin nicht verdencken, auch keiner unwarheit beschuldigen, dasz der patient sterbe an der kranckheit, weil nach der approbirten zwilligten wörterdeutungs- oder aequivocationskunst bekandt, dasz darunter verstanden werde, wo nicht jetzo und an gegenwärtiger, doch etwa künfftiger kranckheit Jesuiter rahtsstube (1684) 59. mundartlich zwillich für 'zweifach' in der gegend um Traunstein Joh. v. Delling beiträge zu einem bair. idiotikon 2, 220; vgl. zwillisch 'zweyfach' (um Traunstein) Klein dtsches provinzialwb. 2, 252; Schmeller-Fr. 2, 1170. 22) in ags. glossierungen um 900 und in ahd. glossaren des 11., 12. und 13. jh. tritt in anlehnung an lat. bilix zuerst die bedeutung 'zweifädig, doppelfädig' auf, die dann (ebenso wie bei drilîh unter dem einflusz von trilix) über das subst. zwillich 'zweifädiges gewebe' zu einer stoffbezeichnung [] 'aus zwilch gewirkt, zwilchartig' werden konnte. 2@aa) als glossierung von bilix 'zweifädig': t(w)ili bilex (um 900) Leidener gloss. 157, s. Sweet 115 (verschieden von dem oben angeführten tuili biplex, duplex [um 875] Erfurter gloss. 1151, s. Sweet 109); zuuiliha bilicem loricam ('doppeldrähtiger panzer') ahd. gl. 2, 670, 30 (11. jh., zu Virgils Äneis 12, 375) St.-S.; zuilich bilex (tunica) ebda 3, 147, 40 (12. und 13. jh.); in frühnhd. glossaren: zwilichtuoch bylex duplicium Fritsche Closener voc. (1383), s. zeitschr. f. dtsche wortforsch. 2, 185; bilix zwilch (1468) bei Diefenbach nov. gloss. 53b; s. ferner W. Brack voc. rerum (1487) b 2a; Diefenbach gl. 74b (15. jh.); Fischer schwäb. 6, 1455 (15. jh.); vgl. auch: zwilch dimiton Erasmus Alberus (1540) p 2a; die wörterbücher des 17. und 18. jh. führen die glossierung noch mit, ohne dasz daraus mit sicherheit auf ein wirkliches fortleben geschlossen werden könnte: zwilch bilix Schottel haubtsprache (1663) 1450; Dentzler clavis (1716) 372a; Aler dict. (1727) 2, 2294a. 2@bb) die wiedergabe des lat. adj. byssinus durch zwilch hängt insofern mit der glossierung von bilix zusammen, als byssinus vermutlich zu bis 'zwei' gestellt wurde, vgl. Schmeller-Fr. 2, 1170; Moriz Heyne körperpflege u. kleidung 228: bissina (tunica) zvîlich, zvilich (12. jh.) ahd. gl. 3, 147, 17; bisina tunica zuwilroch (13. jh.) ebda 174, 4. bei der glossierung bissinus zwilich (12. jh.) a. a. o. 419, 49 durch Herrad v. Landsberg handelt es sich ebenfalls um ein adj., da das subst. bissum stets mit sabe (vgl. a. a. o. 418, 47; 419, 48), das adj. byssina aber entsprechend mit sabenino wiedergegeben wird (vgl. a. a. o. 409, 75); die gleichsetzung mit byssinus deutet darauf hin, dasz zwillich im gegensatz zum späteren sprachgebrauch auch von stoffen feinerer qualität gebraucht werden konnte; s. auch die umschreibungen von bissus (byssum) durch sabe(n) 'feine weisze leinwand' und entsprechende bezeichnungen in ahd. gl. 3, 418, 47; 419, 49 St.-S.; Diefenbach gl. 75b; ferner Engelhardt Herrad v. Landsberg 185. — unsicher ob hierher: bissina wisslini vel zwilch kleid (anfang des 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 54b; vestis byssina zwillich rock (md. 15. jh.) gl. 75b; bistina zwillich rock nov. gl. 54b (md. 15. jh.). 2@cc) die literarischen belege reichen bis ins frühe 17. jh.; zu byssinus gehörend: di wellent stat dar ane haben in deme zvilehen tuoche da solt ir ane suochen di patriarche unde di wisagen alse wir uirnomen haben Diemer d. bücher Mosis in: dtsche ged. d. 11. u. 12. jh. 58, 21; hierzu vgl. 2. Mos. 26, 1: decem cortinas de bysso retorta, bei Luther: von weiszer gezwirnter seiden, heutige rev. bibel: leinwand; s. ferner zwillich 1, subst., sp. 1200; daz man die linwate wurch zwilich und einlich (1324) Augsburger stadtb. 315 Meyer; ez (das garn) si zwilich oder einlich ebda. allgemeiner 'aus zwillich gewirkt', vor allem vom grobfädigen zeug: ze jungst behept er nit ain faden und treit ain zwilche juppen an teufels netz 121, 22 Barack; und da die schwebischen bawern drifach zwilich kittel an hetten (Nürnberg 1488) chroniken d. dtschen städte 3, 40; es stand wohl in der christenheit, weil bauern trugen zwilliche kleid (1542) Jörg Schilther bei Erlach volkslieder d. Deutschen 2, 209; ausz zwilchin secken kan man kein seidin beutel machen Seb. Franck sprichwörter (1541) 2, 172a; ein langes zwiliches thuch F. Fabri eygentliche beschreibung (1558) 38; ein jeder (des fuszvolks) soll ein gelb lideren oder aus mangl deren ein gelb zwilches geschmitztes wamms haben (1612) bei E. v. Frauenholz entwicklungsgesch. d. dtsch. heerwesens 3, 2, 95. sachlich nicht ganz klar: ist er (ein weberlehrling) mit zwilchen stecken ausgestrichen worden. der zichtiger hett ettliche solcher stecken under [] dem gürtel darumbe, ob er ettlich zerschlieg, dasz er andre gehaben möcht (Augsburg 1423) chroniken d. dtschen städte 34, 226. vereinzelt in der form zwiling (vgl. unten zwillich, subst.): die alten fränkischen röcklein ... waren zwillen (zwillinge, var. von D) kittl Aventin s. w. 4, 81 bair. akad.
6845 Zeichen · 181 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zwillich

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Zwillich , des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, der Nahme eines flächsenen Gewebes, we…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zwillich

    Goethe-Wörterbuch

    Zwillich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zwillich

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Zwillich , Drillich, s. Herder Drell .

  4. modern
    Dialekt
    Zwillich

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Wossidia Zwillich Zwilch m. derber Leinenoder Baumwollstoff: 'Bettzeuge, nämlich Zwillich, Drill, Parchent' N. Strel. An…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zwillich

39 Bildungen · 36 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

zwillich‑ als Erstglied (30 von 36)

zwillichbacken

DWB

zwillich·backen

zwillichbacken , pl., zu zwillich 1, adj.: ein ehr war etwan tragen bert ... jetzt handt die weibischen geuch gelert und schaben all tag ihr…

Zwillichballen

Campe

zwillich·ballen

Der Zwillichballen , — s, Mz . gl. die Benennung einer Art geblümter Lottzeuge, in Stücken von 30 bis 36 Ellen.

zwillichbedeckt

DWB

zwillich·bedeckt

zwillichbedeckt , part. adjektivbildung zu zwillich, subst.: ihr landeseigner! gedenket jetzt des fleiszes rauher hand, die euch so sanft in…

zwillichbluse

DWB

zwillich·bluse

zwillichbluse , f. , zu zwillich, subst.: turnsaal. der jahrgang steht in den hellen zwillichblusen, in zwei reihen geordnet, unter den gros…

zwillichboden

DWB

zwillich·boden

zwillichboden , m. , zu zwillich, subst., vgl. ' man nennt das vorgeschriebene muster ( für die zwilchweberei ) den zwillichboden' Schedel w…

zwillichdecke

DWB

zwillich·decke

zwillichdecke , f. , zu zwillich, subst.: mit der einströmenden morgenluft drang das pochen der mühle ... zu dem mächtig breiten bett, unter…

Zwillichen

Campe

Zwillichen , adj . u. adv . von Zwillich gemacht.

zwillichfetzen

DWB

zwillich·fetzen

zwillichfetzen , m. , zu zwillich, subst.: herzhaft wuschen am brunnen mit einem handlichen zwilchfetzen stämmige mägde ihre ... gesichter J…

zwillichgarn

DWB

zwillich·garn

zwillichgarn , n. , zu zwillich, subst.: 7 pfund zwilchgarn, so nach alles beym weber handschr. vom jahre 1718 bei Fischer schwäb. 6, 3529 .…

zwillichgewand

DWB

zwillich·gewand

zwillichgewand , n. , zu zwillich, subst.: und wer sie sah, den rührte noch im zwilchgewand ihr reiz Pfeffel poet. versuche (1802) 2, 77 . a…

zwillichgippe

DWB

zwillich·gippe

zwillichgippe , f. , zu zwillich, subst., und gippe ' joppe ' ( vgl. teil 4, 1, 4, 7535): ein armer wildtschütz in seiner zwilchgippen ausz …

zwillichhandschuh

DWB

zwillich·handschuh

zwillichhandschuh , m. , zu zwillich, subst.: sechs weisze zwillichhandschuhe griffen gleichzeitig nach der thür, um sie ... zu öffnen Gutzk…

zwillichhose

DWB

zwillich·hose

zwillichhose , f. , zu zwillich, subst.: ich hatte mich oft bedauert, wenn ich ... in dünnen zwilchhosen ( von ihm ) mich durchziehen lassen…

zwillichjacke

DWB

zwillich·jacke

zwillichjacke , f. , zu zwillich, subst.: bekleidet mit grober zwillichjacke Gaudy s. w. (1844) 4, 101 ; es giebt leute in der gemeinde, die…

zwillichjoch

DWB

zwillich·joch

zwillichjoch , n. , doppeljoch für zugtiere, zu zwillich 1, adj., vgl. sp. 1198: zwilchjoch handschr. belegt bei Unger-Khull steir. wortscha…

zwillichjoppe

DWB

zwillich·joppe

zwillichjoppe , f. , zu zwillich, subst.: die burschen erschienen dabei ( beim tanz ) in der echten, uralten sennentracht, in der offnen zwi…

zwillichkittel

DWB

zwillich·kittel

zwillichkittel , m. , zu zwillich, subst.: und da die schwebischen bawern drifach zwilichkittel anhetten ( Nürnberg 1488) chron. d. dtschen …

Zwillichkleid

PfWB

zwillich·kleid

Zwillich-kleid n. : 'Kleid aus Zwillichstoff', -kläädel Dim. [ LU-Iggh ]. RhWB Rhein. IX 907 . —

Zwillichmutzen

PfWB

zwillich·mutzen

Zwillich-mutzen m. : in der alten Tracht 'langer, zweireihiger mantelähnlicher Kittel aus gebleichter Leinwand, aus Zwillichstoff', -mutze […

zwillichpflug

DWB

zwillich·pflug

zwillichpflug , m. , doppelpflug, zu zwillich 1, adj., sp. 1198: zwilchpflug handschriftlich bei Unger-Khull steir. wortschatz 660 . —

zwillichrock

DWB

zwillich·rock

zwillichrock , m. , zu zwilch, subst.; vgl. zwillich rock, zuwilroch byssina ( tunica ) unter zwillich, adj., sp. 1199: mancher, den der hau…

zwillichsack

DWB

zwillich·sack

zwillichsack , m. , zu zwillich, subst.: sein deckin waz ein härin tuoch und eyn hertter zwillichsack summerteil d. heiligenleben (1472) 7 b…

zwillich als Zweitglied (3 von 3)

Bèttzwillich

Adelung

bett·zwillich

Der Bèttzwillich , des -es, plur. inus. eine Art Zwillichs, welche vornehmlich zu Federbetten und Küssen gebraucht wird.

kurzwîllîch

Lexer

kurzwil·lich

kurz-wîl-lîch adj. s. v. a. kurzwîlec. in kurzwîllîcher rede siten Türl. Wh. 88 a .

sackzwillich

DWB

sack·zwillich

sackzwillich , m. , mhd. saczwilich, ein grober, ungebleichter zwillich, aus dem säcke verfertigt werden.