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schiff

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schiff n.

Bd. 15, Sp. 53
[]schiff, n. navis. II. Form und herkunft. das wort ist gemeingermanisch: goth. skip, altn. skip, n. skib, schwed. skepp, alts. skip, mnd. und nnd. schip, schep, altfries. skip, nordfries. skapp, mnl. schip, schep, nnl. schip, ags. scip, scyp, mittel- und neuengl. ship, ahd. scif, scef, mhd. schif und schef. die formen schif und schef, von denen die e-form wol die secundäre ist (s. unten), wechseln im deutschen, doch überwiegt die letztere im alt- und mhd., sie hält sich bis ins 15. jh., wo sie allmählich verdrängt wird, auch das mnd. nimmt an diesem wechsel theil Schiller-Lübben 4, 99b. die im ältern nhd. vorkommenden nebenformen schiffe, schief, schüf (Lexer mhd. wb. 2, 729; navis schiff, schieff scyff, scipf Dief. 376c) bleiben vereinzelt. heute ist schiff in der schriftsprache allgemein durchgedrungen; doch halten sich die spuren von schef noch lange und sowol niederd. (Schambach 182b) als oberd. mundarten bewahren diese nebenform noch heute; so regelmäszig im bair. Schmeller 2, 384; fori, penckel im scheff, sitz oder stand. Aventin werke 1, 393, 26; desgleichen in Östreich, Tirol (Schöpf 596), und Schwaben (Birlinger 395). der plural, in der alten sprache dem singular gleich, lautet schwankend noch im 16. jahrh. so (viel schiff 1 Macc. 11, 1), doch schon neben dem heute üblichen schiffe (es kamen aber ander schiffe. Joh. 6, 23); und hat sich mundartlich in der form des sing. sowol oberdeutsch (Schm. 2, 384), als niederdeutsch (Mi 76a) erhalten. aus dem deutschen ist das wort auch in die romanischen sprachen gedrungen, und zwar gehen ital. schifo, span.-portugies. esquife, franz. esquif (das boot) Diez4 286 vom ahd. aus, während altfranz. esquiper, neufranz. équiper, das in der miszform equipieren wieder ins nhd. eingedrungen ist, nd. lautstand zeigen. aus dem altn. stammt das finnisch - lappische lehnwort skippa Thomsen 170. die etymologie des wortes ist noch ganz unsicher; auszugehen ist davon, dasz schiff die ältere, scheff, ahd. mhd. scef, nur eine secundäre nebenform ist; deswegen kann der deutungsversuch Graszmanns (Kuhns zeitschrift 12, 108), der schiff und schaff zusammen bringt, mit griechischem σκάφ-η, σκάφ-ος, σκαφ-ίον, σκαφ-ὶς von der wurzel σκαπ-, aushöhlen, lat. scabo vergleicht und für die wortreihe die allgemeine bedeutung des ausgegrabenen aufstellt, als richtig nicht gelten. wir haben in schiff eine bildung mit ursprünglichem i vor uns (Paul in Paul und Braunes beiträgen 6, 83), die also weder zu schaff, noch zu den angeführten griechischen und lateinischen wörtern im ablaute stehen kann. wird zur sicherung der angegebenen zusammenstellung angeführt, dasz griech. σκάφος, lat. scapha nachen wie gefäsz bedeuten, und dasz ebenso wenigstens im ober- und niederd. schiff häufig die bedeutung gefäsz angenommen hat (s. unten unter 22), und andrerseits auch schaff ein kleines boot bezeichnen kann (vgl.schaff 1, theil 8, 2014), so beweist diese übereinstimmung, ebenso wie das auch zum vergleich herangezogene engl. vessel, franz. vaisseau, die sowol fahrzeug wie gefäsz bezeichnen, zunächst nur, dasz vielfach schiffähnliche gefäsze mit dem namen schiff belegt wurden; die annahme, schiff könne auch ein gerät oder gefäsz bezeichnen, weil dies die grundbedeutung sei, und der heutige gebrauch sei erst daraus erwachsen, weil schiffe das hauptgerät seefahrender nationen seien, wird schon dadurch widerlegt, dasz dieser gebrauch von schiff sich nur bei den Deutschen des continentes und besonders häufig bei den oberdeutschen stämmen findet, nicht bei den meeranwohnern, wo man es doch dann am ersten erwarten sollte. die bei Kluge (etym. wb.5 323a) niedergelegte vermutung, dasz schiff ein uraltes lehnwort sei, unbekannt woher, ist ganz wahrscheinlich. IIII. Bedeutung. II@11) schiff, allgemein ein wasserfahrzeug: das schiff, allerlei gattung, navigium, navis, rates, classis, cymba, lembus, puppis, prora, carina Maaler 351b; vielfach näher bestimmt nach umfang, bau und verwendung durch zusammensetzung, schon ahd. kouf-, var-, vische-, vlôʒ-, mere-, ruoder-, scalt-, stiure-, spîse-, wahtschif (Graff 6, 456), ähnlich mhd. und nhd.; sonst auch mit anderer vereinzelung des allgemeinen begriffs: wie ich der narren schiff uff rüst, galleen, füst, kragk, nawen, parck, kiel, weidling, hornach, rennschiff starck. Brant narrensch. vorrede 14; mit bezug auf bau, ausrüstung, tüchtigkeit: etlich seind gröberer sitten, etlich ... faren in schiffen von einem stuck gemacht, nämlich von einem rhor zwischen den zweyen knoden. S. Franck weltb. 194a; vil standt jnn kirchen und im chor, die schwetzen, rotten durch das jor wie sye zuorichten schiff und karr das man gon Narragonyen far. Brant narrensch. 91, 3 (vgl. dazu auch unter kar, oben theil 5, sp. 204); [] ich bin zwar ein Zuecchiner und brauche mich eigentlich nur auf schiffe zu verstehen. Grillparzer 8, 245; die arbeit hat die berg durchgraben und das thal inn die höh erhaben, hats land mit stätten wonhaft gmacht und die ström zwischen damm gebracht, hat schif gebaut, das mer zu zwingen, dasz es die leut muosz uberbringen. Fischart 2, 181, 51 Kurz; in einem groszen schiff, das unlängst erst gebaut, hatt' ich mich jüngst den wilden wellen, in amts-geschäfften, anvertraut. Brockes 4, 156; alle meergewohnten vögel ziehen heim in eil'ger flucht, alle sturmerprobten schiffe bergen sich in sich'rer bucht. Schiller 11, 343. II@22) besonders häufig in solcher allgemeinen bedeutung zu schiffe: (dasz er,) ohngeacht er schon lange zeit zu schiffe gedienet, niemals im stande gewesen, einen frischen todten in die see zu werffen. Felsenburg 1, 204; wer dâ schiet von dem lîbe, wer dâ ze ors ze scheffe entran. W. v. Eschenbach Willeh. 443, 9; aber alsdann etwa nach Sibirien wandern, und von da über Wien zu schiffe nach Flandern. Kortum Jobsiade 2, 23, 19; lasset uns nun zu schiff in's theure vaterland fliehen. Stolberg 11, 48; der lord läszt sich entschuldigen; er ist zu schiff nach Frankreich. Schiller M. Stuart 5, 15; (er) zog dahin mit gleichgesinnten männern auf kühne wagnis in entferntes land. zu schiff? zu ross? wer weisz, wer kann es wissen. Grillparzer 6, 16; nicht zu schiffe kannst du fliehen; o blick hinaus! in aufruhr ist das meer, und alle stürme sausen. Platen 328b; vgl.dare quâmen in allen sîden die vorsten vele wîden in skepen end an der strâten end ridder ûter mâten. Veldeke Eneit 13105 Behaghel. II@33) schiff, in verengterer bedeutung, ein gröszeres fahrzeug mit verdeck, segeln, masten, maschinen u. s. w., wesentlich auf grosze meerfahrzeuge bezogen: eins iegelichen schiffes grans was mit îsen wol beslagen. troj. krieg 25116; doe brâken here nagele an here skepe vaste, her segele end here maste, here roeder end her rân. Veldeke Eneit 191 Behaghel; da kam ein schiff der meerrauber, raubten mein schiff sammt zweyen kinden. H. Sachs 4, 2, 30d (1578); immer steigender hebst, woge, du dich! ach, die letzte, letzte bist du! das schiff geht unter! und den todtengesang heult dumpf fort auf dem groszen, immer offenem grabe der sturm! Klopstock 1, 157; den guten göttern muszte dies nun wohl zu herzen gehen, drum flog ein schiff heran und liesz die flagge stattlich wehen. Hölty 30 Halm; lange tag' und nächte stand mein schiff befrachtet. Göthe 2, 75; hoch zu bergen aufgehoben schwillt das meer, die brandung bricht schäumend sich am fusz der klippen, selbst das schiff mit eichenrippen nahte unzerschmettert nicht. Schiller 11, 344; schön ist's, häuslichen kreis sammeln umher, wiewohl schön nicht minder, sich selbst leben und frei von zwang anschau'n städte der menschen, stehn auf hohem verdeck zu schiff. Platen 111a. II@44) gröszere fahrzeuge auf flüssen und binnenseen werden gleichfalls schiffe genannt: sô Petrus thaʒ tho gisah, fon themo skiff er zi imo sprah (auf dem see Genezareth). Otfrid 3, 8, 31; wann der wein schwebt auf flöszen oder auf scheffen, habent di nachpauren gedient. tirol. weisth. 1, 144, 39; item dasselb unser urfar (der Donau) hat das recht, das sy sullen haben ainliff scheff und zwen und zwainczig genassen. Grimm weisth. 3, 700; und mit den swartzen schiffen soll es hinfur als bitzher gehalten werden, also das es by dem zehenden pfenning mit der widdergabe bliben soll ungeverlich. urk. über die Rheinschifffahrt vom j. 1464 bei Mone zeitschr. für gesch. des Oberrheins 9, 30; [] darumb vil anders gsinnet war dise Zürichisch gsellschaft zwar, die auch erweysen wolt die kraft der alten bey junger mannschaft, und erzeigen durch solche wagstück, das mit Zürch noch halt das alt glück; rüsten derwegen zu ein schiff, welchs inn eim tag gen Straszburg lief. Fischart 2, 184, 175 Kurz; wenn sich der föhn erhebt aus seinen schlünden, löscht man die feuer aus, die schiffe suchen eilends den hafen, und der finstre geist geht ohne schaden, spurlos, über die erde. Schiller Tell 1, 3. sprichwörtlich: das schiff geht am sichersten im kleinen strom. Wander 4, 166; ein schiff auf dem Rhein ist ein nachen im meer. 167. II@55) oft ausdrücklich kleinen fahrzeugen, wie nachen, kähnen, böten, flöszen entgegengesetzt, um ein groszes wasserfahrzeug zu kennzeichnen: (der amtmann) sol dem (gast) ain schef oder ein zullen mieten. Grimm weisth. 3, 701; derowegen trennete er sich mit seinem schiff und barque, worauf er ingesamt 120 mann nebst 12 canonen hatte, von uns. Felsenburg 1, 67 (auch 2, 542. 544); das marckschiff hat sein gwissen gang, wer fahren wil, saum sich nicht lang, umb zehen uhr ins schiff sich mach, oder im nachen fahr hernach. Mangold marckschiff, titel; lieblich glitten auf beiden meeren, mit schwellendem segel, schiffe, gerüstet mit ruhenden blitzen, und hüpfende nachen. Stolberg 1, 136; und hoch werden die ruder gehoben zum kräftigen schlage, welcher das boot fortstöszt von dem sinkenden schiffe. Kruse seegeschichten 57. so sprichwörtlich: das schiff kann in see treiben, der nachen musz am ufer bleiben. Wander 4, 166. II@66) andrerseits findet sich schiff sehr häufig auch von kleinen fahrzeugen, die durch rudern gelenkt werden und zum gebrauch der fischer, fährleute, lootsen u. s. w. dienen, also synonym mit nachen, gondel, boot, kahn. so schon in ahd. glossen, wo es navigium u. ähnl. glossiert Graff 6, 455: inti mihhil giruornessi uuard thô in themo sêuue, so thaʒ thaʒ skef uuard bithekit mit thên undôn (ita ut navicula operiretur fluctibus). Tatian 52, 2; alts. lembulo, scipa Prud. gloss. 536; barca, ein kleyn schiff Dief. 68c; groz scheff, phaselus, clain scheff, barca voc. von 1445 bei Schmeller 2, 384; schiff, navicula, cymba, lembus Dasypodius, scapha, cymba Frisch 2, 180c; noch heute heiszen in der Mark die groszen Elbkähne schipp Danneil 186. vom fähr- und fischerkahn: die vischere mut ok wol dat ertrike nütten, also vern alse he enes gestriden mach ut deme scepe von deme rechten stade. Sachsensp. 2, 28, 2; nachdem wir uns aber eine gantz neue barque gebauet, fuhren wir mit diesem leichten schiffe auf andere umliegende insuln. Felsenburg 2, 542; Elz aber nimmt das ruder, kennt keine furcht und keinen schreck, er springt ins schiff und rudert keck, bis er gelangt zum strande. Kopisch 3, 136; und als wir an der Pfalz bei Caub vorüber waren, kam hellen liederschalls ein schiff zu thal gefahren. Geibel 3, 77; den schiffer im kleinen schiffe ergreift es mit wildem weh. H. Heine 1, 96 Elster; (vgl. ich glaube, die wellen verschlingen am ende schiffer und kahn. ebenda). II@77) schiff in bildern und belebungen der dichterischen sprache; als haus gefaszt: günstig linde lüfte dehnten weit des schiffes flügel aus, und das leicht bewegte haus trug die pilger. Müllner schuld 2, 5. als ein pferd, das über die fluten rennt (besonders oft in ags. und altnord. quellen, vgl. Germ. 1, 394): do tedeilde der stormwint die skepe vele wîden, alsô moestens rîden, wand si sich vor den onden berichten niet enkonden. Veldeke Eneit 219 Behaghel; als vogel: zu neuen seligen inseln trugen die hoffnungen ihn und des schiffes flügel. Hölderlin 1, 171; seht, ein schiff mit stolzen schwanenflügeln, ausgespannt am frischen morgenwind, gleitet fröhlich durch das labyrinth. Schenkendorf ged. 38; [] alle segel fliegen und im winde schwebt das schiff! wie schwalben nur der wogen weisze spitzen rührt es tragend Psaumis und den kühnen Puras. Kopisch 3, 55; auf segelbefittigtem rücken der schiffe. 148; als kämpfer mit den wogen: o, sitzen möcht' ich im kämpfenden schiff, das steuerruder ergreifen und zischend über das brandende riff wie eine seemöve streifen. A. v. Droste - Hülshoff 1, 126, oder mit seinesgleichen: sie schlagen in der finstern schlacht, wo schiff an schiff sich donnernd legt! wir schlügen da, wie sie! Klopstock 1, 213; wie paare ringender männer, fassen die schiffe sich an, in die woge taumelt das steuer. unter den streitern bricht der boden, und schiffer und schiff sinkt. Hölderlin 1, 173. auf dem meere tanzend: der ozean wogte majestätisch, und die schiffe tanzten magisch wie kleine spielwerke auf der unbegrenzten, ungeheuren fläche. Seume 1, 68; schnell wird der ihn führen im tanz des schiffes, ach, nach vielen monden zu seiner väter heimath. Stolberg 14, 294. als wanderer, gänger: etleich sprechent (aber eʒ ist ungeläupleich), daʒ diu schef træger sein bei irm gang, sô die sneken zder rehten seiten dar an hangen. Megenberg 259, 2; leicht wie ein segelnd schiff, das keine schwere der ladung fühlt und eilt von port zu port, trug er die last der elterlichen lehre. Göthe 13, 186. ruhend: mein schiff ruht endlich wieder. Matthisson 1, 146; gehorsam, ungehorsam: Abderrhamans sprüche tönen, doch gehorchet ihm das schiff nicht: ungelenk, mit wirren segeln, schwankt's und treibt im ozeane. Kopisch 3, 131. so wird die sitte verständlich, jedes schiff mit einem besonderen namen zu taufen, die so ungemein verbreitet ist und weit zurückreicht. II@88) ebenfalls in die dichterische sprache gehört die anwendung von schiff in vergleichen: wie ein schiff ohne flaggen und wimpel segl' ich hinten drein. maler Müller Fausts leben 113 neudruck; als ein schif von winde ûf und abe swinde von porte trîbt zu porte, von einem zanderm orte: so leite sie den zorn nider und begreif in aber wider. Albrecht von Halberstadt 19, 535; als an diu schef des meres fluot, stürment uns die sünde an. Lampr. v. Regensburg tochter Syon 2276; eʒ (das pferd) gieng vil drâte über velt, schône, sam ein schef, enzelt. Erec 1439; ich sprach: ich wil hin nâch der ferte iagen, wan ich hân ie gehôret: sie müeʒen ab dem schiffe, die verzagen. Hadamar v. Labar jagd 185; er sprach zum blinden: lieber bruder, bisz du mein schiff und ich dein ruder. B. Waldis Esop 4, 61, 12 Kurz; höchliches ehren, aufwarten und dienen, gleichsam zu schiffen die ruder sind. Venusgärtlein 16 neudruck; ihr könig laufft gefahr. wir schwimmen auf dem meer, auf dem zustückten schiff nun einsam und verlassen, das ruder ist entzwey. A. Gryphius 1, 280; und wie ein schiff, das mitten auf dem weltmeer in brand geräth mit einem mal, und berstend auffliegt, und alle mannschaft, die es trug, ausschüttet plötzlich zwischen meer und himmel; wird er uns alle, die wir an sein glück befestigt sind, in seinen fall hinabziehn. Schiller Picc. 5, 3; das schiff nur bin ich, auf das er seine hoffnung hat geladen. Wallensteins tod 3, 7; was kann euch hin und wieder treiben, wie zwei schiffe eines herrn, die der sturm im offnen meere trennt und aneinanderschleudert? Müllner schuld 2, 1; bewahrt das volk vor noth, so wird das reich ein scheiternd schiff im meere. könig Ingurd 2, 5; er sieht sie nicht, nur ihren fusz, der tändelnd schaukelt wie ein schiff. A. v. Dorste - Hülshoff 1, 305; [] nichts, was ein wundes herz so kühlt, als bergesluft, die einsam spielt, wenn maienmorgens frische rosen mit fichtendunkel flüsternd kosen. wo überm wipfelmeer das riff im äther steht, ein flaggend schiff. 2, 92; doch deine menschen schau'n darein mit mienen, als wärst du (die erde) nicht ein ewig grüner garten, vielmehr ein schiff, so überfüllt von ihnen, dasz sie schon längst vor furcht und angst erstarrten. Hebbel 7, 163 (1891). II@99) schiff, übertragen auf andere, ihm verglichene dinge; im volksmunde am Rhein und in Hamburg schiff, regenschiff, muttergottesschiff die wolke; der Hamburger nennt eine dicke regenwolke en schipp vull suure appeln. Schütze 4, 52; der fahrstuhl des schieferdeckers: der hängestuhl, wie er es nennt, das leichte schiff, mit dem er hoch in der luft das turmdach umsegelt. O. Ludwig 1, 195; vom Georgenturm bliesen vier posaunen den abendchoral. über ihnen und wie von ihren schwellenden tönen getragen fuhr Apollonius auf seinem leichten schiffe. 214; wüstenschiff, schiff der wüste, das kameel: so verschwinden zeit und raum vor dem dahinschreitenden kameele, dem schiffe der wüste. Mosen 7, 369; er bauet sein zelt, dem höckrigen lastthier gleich an gestalt, das ein lebendes schiff in des endlosen sandmeers wüsten wandelt. Pyrker Tunisias 8, 289. II@1010) auf abstracta übertragen; von staat und kirche: Philipp der zweite liesz das schiff der römischen kirche auf einer flut von menschenblut treiben. Schiller 4, 89; das kräuseln des meeres über dem am versteckten riffe gescheiterten und untergegangenen schiffe der völkerfreiheit. J. Mosen 6, 26; es sank der frechen männer übermuth. auf stillen wogen schwebt das schiff der stadt. Stolberg 15, 104; ihr habt ein lärmend schauspiel angesehn: denkt drum nicht schlimmer von der Pohlen reich, weil wilder sturm das schiff des staats bewegt. Schiller Demetrius 1 (schr. 15, 2, 458); in allen planken kracht des staates schiff, aus tausend lecken gähnt der untergang; nur das gewissen hält den steurer fest am ruder, das die hoffnung schon verläszt. O. Ludwig 4, 378. schiff der kirche, unterschieden von unten 15: in gefahr, wie sie, kämpft jetzt das schiff der kirche in der brandung. J. Mosen 4, 210; in bezug auf gedanken, seelische eigenschaften, gefühle u. a.: himmel und meer wurden zu einem blau gewölbt und in ihrer mitte schwebte, frei wie ein geist im all, das leichte schiff der liebe. J. Paul Tit. 4, 160; denken wir dem nach, auf dem dunklen schwankenden schiffe der gedanken. Arnim 13, 450; du bist der lichte stern, der diese schwartze nacht mit hellen strahlen bricht! wie hart der stürme macht sich wider uns erhitzt; wird doch sie nicht versencken das schiff, das Jesus dir befohlen hat zu lencken, zu führen durch die flut (von der frömmigkeit). A. Gryphius 1, 515; hier ruht der ehrsucht schiff am treuen strand, genügsamkeit band es an blumenküsten. Salis gedichte 30; unsir schif ist diu concientia bescheidenheit der schif man der daʒ schif leiten kan. Hugo v. Langenstein Martina 281b, 50. II@1111) die welt selbst ist ein solches schiff, in dem wir sitzen und das wir lenken: diesz ungeheure schif, die welt, hat zehen thoren, einen weisen am steuer. Göckingk 1, 232; wohl mir! dasz nicht das glück mich auf dem schiff: die welt, ans steuer hat gestellt. 2, 109. II@1212) unser eigenes leben und unsere lebensäuszerungen als schiffe: unter diesen umständen beschlosz er das nämliche zu versuchen, was seinem vorgänger gelungen war; er scheiterte aber an demselben strande, an welchem dieser sein schiff sicher vor anker gelegt hatte. Schlosser weltgesch. 6, 192; mein schiff mag, wie du sagst, etwas hoch gehen; indesz ist der zuchtmeisterjunge durch zu viele verhältnisse getrieben, als dasz er nicht wissen sollte, wie leicht aus dem hochgehenden etwas schief oder zu grunde gehendes werden kann. Grabbe 4, 507; ze wunsche im daʒ êrste jâr sîne segelwinde duʒʒen und sîniu schef ze heile fluʒʒen. Helmbr. 686; [] wir menschen irren stets. wo wir uns sicher trauen, sinckt unser schiff in grund. A. Gryphius 1, 196; weil mich der wahn verkehrt, schätzt ich aus ubermuth, nicht eine, meiner werth, bis ich das wunder-bild Olympien beschauet: die mich vor dem ergetzt, ob der mir ietzund grauet, die als ein wirbelwind mich hin und her gerückt, und mein zerscheitert schiff in langem sturm zustückt. 194; was ists, Papinian, dasz du die spitz erreicht? das keiner dir an stand, noch macht, noch hohheit gleicht? .. wenn eben disz die klipp an der dein schiff wird brechen. 375; des tages lauter sturm hat sich gelegt; nur von des schlafes tiefen athemzügen wird noch das stille meer der nacht bewegt; nur von dem traum noch läszt das schiff sich wiegen und jenseits winkt das land. Houwald bild 5, 1; nur weil fernes dem blick verhüllt, befängt immer das nahe uns, und was eben heran sich wälzet, hebt mächtig mit wogenkraft bald zur freude und bald in bitteres leid senket es unser schiff. Kopisch 2, 101; ich kann in trägheit nicht freiwillig schmachten, mein schiff treibt wieder in die hohe see. J. Mosen 3, 381; wohl flog mit rothen wimpeln einst mein schiff in junger zeit; dann kamen sturm und wetter, da trug ich schweres leid. Geibel 3, 55; du aber gleichst dem lootsen, der mein schiff durch riff und brandung führte, um es dann im hafen selbst noch untergehn zu lassen. 6, 105. in noch anderen wendungen: aus seinen diplomatischen reden ... konnte man vielleicht erraten, wenn man genauer aufmerkte, als es Apollonius möglich war, der alte herr habe alles gehen lassen, um zu zeigen, wohin es kommen müszte, wenn er die hand vom ruder abzöge, und dasz er gesinnt wäre, von nun an selbst wieder das schiff zu leiten. O. Ludwig 1, 326; (er) wurde, als dieser schwer lastende ernst heraus war, wirklich munter, er gerieth, redselig aufgelegt, wie er war, in sein altes fahrwasser, und sein schiff fuhr so mit vollen segeln, dasz ich in meinem zuhörerkahne daneben von ganzen sturzwellen übergossen wurde. Fr. Th. Vischer auch einer 1, 89; ich aber will, das schiff zu lenken, in Hoanghu's seele senken meiner prüfung forschend blei, ob sein lieben tief auch sei. Raimund 2, 46 (Glossy-Sauer). II@1313) schiff in sprichwörtern und volksthümlichen redensarten (vgl. auch unter schiffbruch): sein schiff ins trockne gebracht haben, genug erworben haben. Wander 4, 172, vgl. dazu unter schäfchen th. 8, 1999; sein schiff nicht nach dem winde richten. Lehmann bei Wander 4, 173; unorduung und leitungslosigkeit vergleicht der volksmund mit einem schiff ohne ruder; mein schiff ist untergegangen, ich habe groszen verlust erlitten. ebenda; das schiff gehet nicht allwege, wo es der schiffman haben will. Petri (1605) M 6a; en oold schipp, ein alter kerl, ein altes weib, en good schipp, als ironische bezeichnung. Schütze 3, 52. von einem, der sich im trunke übernommen hat, heiszt es: he weet sines schepes diepte nig, er weisz nicht, wann es zeit ist, mit trinken aufzuhören. brem.-nieders. wb. 4, 657; ik weet sines schepes diepte nig, ich weisz nicht, wie grosz seine fähigkeit oder sein vermögen ist. ebenda; je mer das scheff hat gueten wint, je mer das volk nur sorg gewint. Vintler blume der tugend 1964; das schiff am besten stehet, das jmmer fort gehet. Petri (1605) M 6a. II@1414) von solchem bildlichen gebrauche aus hat die ältere sprache schiff in büchertiteln verwendet: schiff der penitentz und buoszwürkung von Keisersberg 1514; das schiff des heils von demselben 1511; scheff der rew. Schneller 2, 384; als sammelort das narren schyff von S. Brant 1494. II@1515) schiff, in der baukunst, mittlerer hauptraum der kirche, zwischen den pfeilern und chören, von der halle an gerechnet bis an den chor oder den ort, wo der altar steht, hauptschiff, mittelschiff, seitenschiff, langschiff, querschiff. diese bezeichnung des für die laien bestimmten theiles der kirche ist bereits alt; vgl. schon mittellat. navis bei Du Cange 5, 579 und auch franz. nef, sie ist wol erwachsen aus der alten an die oben besprochenen metaphorischen anwendungen erinnernden auffassung der kirche als eines schiffes, das uns aus dem verderben der sündflut rettet, wenn man nicht annimmt, dasz mlat. navis das ältere ist und seine bedeutung erhalten hat aus einer verwechselung von griech. ναῦς und ναός. Herrig archiv für das studium der neueren [] sprachen u. literaturen 19, 372: die frauen sollen nit in den chor gon, das schiff gehört dem gemeinen mann, das heist das schiff worinnen ir (die zuhörer) jetzund seyd. Keisersberg bei Frisch 2, 180c; im neunten säkulum muszte sogar der pfarrer der patronatkirche zugleich dem kirchenschiff-patron als bedienter aufwarten. J. Paul uns. loge 3, 145; mag er (der dom zu Mailand) auch in der baukunst jetzt ungleichheiten aufweisen, .. so ist er doch ein werk erhabener pracht und zierlichkeit, das im innern mit seinem säulenwald in den fünf schiffen eine mächtige wirkung übt. Schlosser weltgesch. 7, 131; das kleine schiff der capelle. Mosen 5, 83; der entweihte raum, wo man sich so versündigt, sei alsobald zum dienst des höchsten angekündigt, behende steigt im geist gemäuer stark empor, der morgensonne blick erleuchtet schon das chor; zum kreuz erweitert sich das wachsende gebäude, das schiff erlängt, erhöht sich zu der gläubigen freude. Göthe 41, 295; mit schwarzem flor behangen war das schiff der kirche. Schiller braut von Messina 2, 5. II@1616) wegen der form, vielleicht auch um der geschwindigkeit willen heiszt das schiffförmige, an beiden enden zugespitzte gerät, mit dem bei den webern der einschlag durch die kette (s.kette und schieszspule) geschossen wird, schiff oder ungleich häufiger schiffchen, unter welchem worte zu vergleichen ist (s. auch unter schieben und schieszen), mlat. navicula Du Cange 5, 578. schiff beim weber, radius Frisch 2, 180c: item ein yeglicher, der das hantwerck tryben und anfahen will, soll vorab schiffe und geschirre nach aller notturft haben und nach inhalt diser ordnung. wollenweberordnung der markgrafschaft Baden vom 18. jan. 1486 bei Mone zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 9, 152; glänzend umwindet der goldne lein die tanzende spindel, durch die saiten des garns sauset das webende schiff. Schiller 11, 87. II@1717) am zeigertelegraphen heiszt ein dem weberschiffchen ähnlicher theil schiff. Karmarsch-Heeren 1, 704. II@1818) die buchdrucker nennen das viereckige längliche brett, auf das der setzer die gesetzten columnen aufsetzt und ordnet, schiff. Jacobsson 3, 592b. schiff bei den buchdruckern, tabula typothetarum portatoria in formas Frisch 2, 180c. II@1919) in thüringischen gegenden heiszt der hängende korb unter dem frachtwagen schiff. Klemann beitr. zu einem nordthüring. idioticon 18. s. unten unter schiff und geschirr (25, e). II@2020) schiff oder schiffchen wird dasjenige gefäsz oder tellerchen genannt, worauf man die lichtputze legt, der lichtputzen- oder lichtscheerenteller. II@2121) auch gröszere wagen, z. b. omnibusse, heiszen dialektisch schiffe, wol wegen der groszen, geräumigen form dieser beförderungsmittel. II@2222) auffällig ist die schon oben unter I erwähnte bedeutung von schiff = gefäsz, behälter, die sich nur im hoch- und niederd. ausgebildet hat, da aber von hohem alter ist. schon ahd. glossiert scif vas Graff 6, 455, mnd. bezeichnet schip einen kleinen scheffel, ein masz für trockne dinge (n. skjeppe) Schller-Lübben 4, 99a, vgl. auch sciphi phiale, schifelin cymbia Graff 6, 457, aus welchen glossen der schlusz gestattet ist, dasz der name schiff zuerst auf längliche, schalenförmige, flache trinkgefäsze angewandt wurde (was ja das gr. φιάλη in der that ist), die mit der form der damaligen langen, niedrigen schiffe eine grosze ähnlichkeit hatten (über trinkgefäsze in der form von schiffen s. Schultz f. leben2 1, 381. Grimm myth. nachtr. 87. Du Cange 4, 580), und dasz schiff erst später auch auf andere gefäsze ausgedehnt wurde. diese ansicht wird dadurch bewiesen, dasz schiff wirklich auch später fast stets gewisse hohle gefäsze ohne füsze und henkel bedeutet Adelung, Campe, also platte, schalen- und kahnähnliche behälter. jedenfalls ist demnach gefäsz (Graff a. a. o.) hohles ding, behälter ( Campe) nicht die ursprüngliche, sondern eine secundäre, abgeleitete bedeutung von schiff. wie sehr sich aber die begriffe schiff und gefäsz genähert haben, sieht man daraus, dasz die fluszschiffe in vielen gegenden auch gefäsze genannt wurden; vergl. dazu gefäsz 2, th. 41, 2129. ebenso haben schiffe und gefäsze oft gleiche namen, vgl. th. 5, 33 (kahn), 204 unter kar 4; in Baiern und Östreich heiszen die sehr langen Donaukähne geschirre Bobrik 314a. II@2323) aus der engern bedeutung einer flachen, kahnartigen schale hat sich dann schiff, vielleicht in anlehnung an schaff (Schmid 455) auch auf andere, nicht mehr schiffähnliche gefäsze erstreckt, aber doch, von bestimmten fällen (s. unter 24) abgesehen, durchaus vereinzelt, wie Adelung ausdrücklich bemerkt. von einem groszen vorratsbehälter: und was eine unter in, die verbarc sich ein nacht under ein schiff (vas). Scherz 1402. [] II@2424) in den brauhäusern heiszen die hölzernen gefäsze, in denen man das bier abkühlen läszt, kühlschiffe. Adelung, vergl. auch soolschiff und schiffchen, das die bedeutung gefäsz mehrfach und in manchen dialekten sehr reichlich widerspiegelt. II@2525) in oberdeutschen mundarten findet sich häufig die formelhafte wendung schiff und geschirr, die das nötige gerät zum betrieb von etwas, vornehmlich das gerät bezeichnet, das der landbauer zu seiner wirtschaft nötig hat, das gesamte inventar für ackerbau und viehzucht. die bedeutung geht von schiff navis aus. II@25@aa) ursprünglich lediglich auf grosze schiffe und deren ausrüstung bezogen: wan man gemain varen sol, so sol man sagen den genassen des nachts .. das sy bringen schef und geschir, und schefleut an das urfar. weisth. 3, 703; wir konnten aber niemahls zu lande kommen, blieben hergegen zum öfftern auf sand-bäncken sitzen .. bis wir endlich an einer unbekannten insul mit schiff und geschirre zu scheitern gingen. Felsenburg 4, 507; vgl. endlich aber nach einem abermahls überstandenen hefftigen sturme .. wurde ich, vermittelst eines kleinen boots, an den wüsten felsen ausgesetzt und muste mit thränenden augen die rebellischen verräther mit meinem schiff und sachen davon seegeln .. sehen. 1, 84, wo schiff und sachen ganz ähnlich das schiff und seine ausrüstung bedeutet; bildlich: was mancher nit uszrichten kan, das schlecht er in der kyrchen an, wie er uffrüst schyff und geschyr und bring vil nüwer mer har für und hat grosz flysz und ernstlich geberd, do mit das schyff nit wendig werd. Brant narrenschiff 91, 24. II@25@bb) ähnlich vom nachen des fährmanns und dessen ausstattung: item es sol ouch uf solichem gericht eroffnet werden die gerechtikait und gewonhait des fars zue Rinhain, und ist die also, das zue Rinhain sol ain fer sitzen und des fars da warten dein fremden und heimschen und mit schiff und geschirr gerüst sin, das er das far fertige in aller notturft zue lieb und zue laid, und wie sich ðas fuegt. weisth. 5, 221, § 20. II@25@cc) die fischer reden von ihrem schiff und geschirr, womit sie das fahrzeug und die zum fischen nötigen gerätschaften zusammenfassen: jeder bürger mag mit seinem eignen schiff und geschirr zu seinem hausgebrauch fischen. oberdeutsche fischerordnung bei Adelung. II@25@dd) aus dieser eigentlichen bedeutung ist dann schiff und geschirr ebenso wie schiffchen zunächst auf das weberhandwerk übertragen worden: item ein yeglicher, der das hantwerck tryben und anfahen will, soll vorab schiffe und geschirre nach aller notturft haben und nach inhalt diser ordnung. badische wollenweberordnung vom 18. januar 1486 bei Mone zeitschr. für gesch. des Oberrheins 9, 152, offenbar für den webstuhl und dessen ausrüstung. II@25@ee) vom postwagen und dessen ausrüstung Adelung: in dem nämlichen augenblicke lag auch der postkutscher durch einen kräftigen keulenschlag zu boden gestreckt, und das phantom keuchte .. diese worte aus: .. verfallen ist mir schiff, geschirr und ladung. Musäus volksm. 2, 88. II@25@ff) dialektisch als wagenwerk noch heute, Fulda. II@25@gg) aus der vergleichung des schiffes mit dem wagen ist die oberdeutsche bedeutung von schiff und geschirr = die gesammte fahrhabe, fahrzeuge und werkgerätschaften entwickelt. Hunziker 220. Seiler 252b. II@25@hh) erst daraus hat sich dann die spezielle einschränkung auf die landwirtschaft, die bedeutung des ganzen inventars, der sämtlichen zum betriebe eines landguts für feldwirtschaft und viehzucht nötigen gerätschaften als wagen, pflüge, eggen, melkeimer u. s. w. ergeben. Jacobsson 3, 600b. schiff und geschirr, instrumenta rustica Stieler 708. so allgemein gebräuchlick: sie hant gelobet, daz alle ire guiter ligende und farend schiffe und geschirre verbunden und haft syge fuir die egen schulde. Scherz 1402; die besatzung (des gutes): vieh, schiff und geschirr ist da. J. Gotthelf Uli d. kn. 324; schiff und geschirr sammt dem vieh verkaufen. 363; rasch gings zum vetter Erben hin: mein herr! ich bin sein mann, wenn ich mit mäszigem gewinn die mühle kaufen kann mit schiff, geschirr und vieh und feld doch — wohl gemerkt! ums halbe geld. Fr. Kind gedichte 4, 127. merkwürdig ist die bair. umgestaltung geschiff und geschirr Schmeller, die beweist, dasz der in seiner herkunft nicht mehr [] verstandene ausdruck volksthümlich allitterierend umgestaltet wurde. andrerseits findet sich diese fast formelhafte wendung auch aufgelöst in geschirr und schiff: in den freinächten wetteifern in Ertingen die jungen bursche mit dem hexenheer in ausübung von bosheiten. da ist kein geschirr noch schiff sicher. ackergeräthe werden weitauseinander auf felder und berge getragen; wagen zerlegt .. Birlinger volksth. aus Schwaben 2, 18. II@25@ii) von dieser dem schiffer-, weber- und ackerbaugewerbe entnommenen bedeutung aus wird dann schiff und geschirr mitunter auch auf die zu irgend einem zwecke oder unternehmen erforderliche ausrüstung und utensilien ausgedehnt. Scherz 1402. Schm. 2, 385. II@25@kk) es bezeichnet alle gebrauchsgegenstände schlechthin: ausz dem willen gottes kam zue nacht ein wind, spalt das wasser, das alles volk mit weib und kinden, mit allem trosz und plunder, schiff und gschirr dadurch ziehen mocht. Aventin bair. chron. 1, 137, 26; da Falkenbergs seele wie uhren und pferde, nur unter dem reisen nicht stockte: so war er am abzugmorgen am frohesten und raschesten; liebte keine fortschreitung durch sekunden, sondern durch nonen; fluchte über sämmtliche hände und füsze im schlosz, weil sie nicht flogen; drückte und stauchte das weibliche schiff und geschirr mit ehernen händen in die nächste schachtel hinein (die reisebedürfnisse einer frau). J. Paul uns. loge 1, 69; vermittelst .. anderem toiletten-schiff und geschirr. 3, 159. II@25@ll) der abschlusz dieser entwicklung ist, dasz schiff und geschirr ebensoviel bedeutet wie geschirr allein, nur tautologisch für gerät, behälter steht; so vorarlbergisch Frommann 2, 565. II@2626) schiff, am himmel, ein gestirn, navis, argo Frisch 2, 180c. II@2727) in der anatomie heiszt die vertiefung zwischen ohr und gegenleisten schiff, scapha. Nemnich 3, 1234 (s. schiffchen). II@2828) schiff, carina, das untere der vier blätter der schmetterlingsblume Adelung, gewöhnlich schiffchen (s. dort). II@2929) anderes dunkeles; schiff, in der bedeutung überzug: dann sonst eyn geschirr, welches man eyne gute zeit gepraucht hat, nach dem es nun gleich wie mit einem subtilen crust und schiffe von gips von wegen des täglichen und stäten destillirens uberzogen ist worden, kann nicht eben so bald von den dämpffen verändert noch zu pleiweisz verwandelt werden. Sebiz feldbau 403.
35395 Zeichen · 473 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schiff

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    schiff , schiffe s. schif, s. schilf.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schiff

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Schiff , des -es, plur. die -e, Diminut. das Schiffchen, Oberd. Schifflein, ein Wort, in welchem der Bergriff des ho…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schiff

    Goethe-Wörterbuch

    Schiff Kleinschr GWB 18,501,8 1 größeres (selten auch kleineres), bauchiges, vorn u hinten schmaler werdendes Wasserfahr…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schiff

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Schiff , heißt im Allgemeinen jedes mit hohlem Körper und auf einem Kiel erbaute. zum Fahren auf dem Wasser bestimmte Fa…

  5. modern
    Dialekt
    Schiff

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB Schiff [ʿSef, ʿSìf allg. ] n. 1. Schiff Alte allitt. Verbindung: Schiff un d G e schirr alle zur Landwi…

  6. Sprichwörter
    Schiff

    Wander (Sprichwörter)

    Schiff 1. Alle Schiffe sind gut, so lange sie auf der Werft liegen. Die Russen: So lange das Schiff auf der Werft ist, l…

  7. Spezial
    Schiff

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schiff n. (-[e]s,-e) 1 barca (-ches) f. 2 ‹arch› (Kirchenschiff) navada (-des) f. 3 (Weberschiffchen) spora (-res) f. ▬ …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schiff

1.451 Bildungen · 1.047 Erstglied · 396 Zweitglied · 8 Ableitungen

schiff‑ als Erstglied (30 von 1.047)

Schiff I

Idiotikon

Schiff I Band 8, Spalte 352 Schiff I 8,352

Schiff II

Idiotikon

Schiff II Band 8, Spalte 373 Schiff II 8,373

Schiff'fischer

DRW

Schiff'fischer, m. Fischer, der von Booten aus fischt sover aber ain haubtman die schefvischer nit in seiner speisung und besoldung behaltn …

Schiff(s)schopf

Idiotikon

Schiff(s)schopf Band 8, Spalte 1075 Schiff(s)schopf 8,1075

Schiff(s)sprängung

Idiotikon

Schiff(s)sprängung Band 10, Spalte 885 Schiff(s)sprängung 10,885

Schiffches

SHW

Schiff-ches Band 5, Spalte 289-290

Schiffgaul

SHW

Schiff-gaul Band 5, Spalte 289-290

Schiffich

SHW

Schiff-ich Band 5, Spalte 289-290

Schiffmann

SHW

Schiff-mann Band 5, Spalte 289-290

schiffadmiral

DWB

schiff·admiral

schiffadmiral , m. commandant einer kriegsflotte ( gewöhnlich blosz admiral): sie wiesen mir auch auf derselben ( der börse zu Amsterdam ) d…

Schiffahrende

GWB

Schiffahrende -fff- wie ‘Schiffahrer’ GWB N12,104,23 Witterungslehre 1825 Syn GWB Schiffahrer Claudia Ristau C.R.

Schiffahrer

GWB

schif·fahrer

Schiffahrer auch -fff- auf einem (großen) Schiff (u ausgestattet mit Seefahrtskenntnissen) übers Meer Fahrender, Seefahrer; einmal im bildh …

Schiffahrt

Pfeifer_etym

schif·fahrt

Schiff n. ‘Wasserfahrzeug’, ahd. skif, skef ‘Wasserfahrzeug, Faß, Gefäß’ (8. Jh.), mhd. schif, schef, asächs. skip, mnd. schip, schep, mnl. …

Schiffahrtsabgaben

Meyers

schiffahrt·s·abgaben

Schiffahrtsabgaben , Abgaben, die in den Häfen und auf Wasserstraßen von Schiffen oder von deren Ladungen für die Benutzung der Schiffahrtsa…

Schiffahrtsdelikte

Meyers

Schiffahrtsdelikte , die strafbaren Übertretungen seerechtlicher Vorschriften.

Schiffahrtsgericht

DERW

schiffahrt·s·gericht

Schiffahrtsgericht, N., ›für Binnenschiff- fahrtssachen in erster Instanz zuständiges (Amts-)Gericht (z.B. Rheinschiffahrts- gericht)‹, 19. …

schiff als Zweitglied (30 von 396)

Ɉagdschiff

Campe

Das Ɉagdschiff , des — es, Mz. die — e, s. Campe Ɉacht 2).

Achschiff

Idiotikon

Achschiff Band 8, Spalte 361 Achschiff 8,361

Achterschiff

Pfeifer_etym

achter·schiff

1achter Adj. ‘hinter’, die nd. Form für hd. after ‘hinter’ (s. After), mnd. mnl. nl. achter. Aus der Seemannssprache ins Hd. übernommen, bes…

Admiralschiff

GWB

admiral·schiff

Admiralschiff Flaggschiff Helden .. die den verderblichen Brander mit eigener Hand an das A. der feindlichen Flotte festklammern GWB 42 2 ,1…

Admirals-Schiff

Adelung

admiral·s·schiff

Das Admirals-Schiff , des -es, plur. die -e, das vornehmste Schiff einer Flotte, auf welches sich der Admiral befindet.

Angelschiff

Adelung

angel·schiff

Das Angelschiff , des -es, plur. die -e, eine Art langer Barken, welche zur Angelfischerey auf der See gebraucht werden.

Aventurschiff

Herder

Aventurschiff , bewaffnetes Schmuggelschiff.

AVISOSCHIFF

DWB2

aviso·schiff

DWB2 AVISOSCHIFF n. DWB2 wie 2 aviso: DWB2 1814 21 fregatten 27 corvetten und briggs, 15 avisoschiffe d. n. Dtld. 616 L. 1858 avisoschiff, a…

Bade(n)schiff

Idiotikon

Bade(n)schiff Band 8, Spalte 368 Bade(n)schiff 8,368

Badeschiff

Campe

bade·schiff

Das Badeschiff , des — es, Mz. die — e, ein Schiff, ein großer breiter Kahn, der auf einem Flusse vor Anker liegt, und auf welchem Badestübc…

Baumschiff

Adelung

baum·schiff

Das Baumschiff , des -es, plur. die -e, ein Kahn, welcher aus einem ganzen Baume gehauen worden.

Beischiff

Campe

bei·schiff

Das Beischiff , des — es, Mz. die — e, ein kleines Schiff, das einem größern zum Dienst und zur Hülfe beigegeben ist.

Blechschiff

RhWBN

blech·schiff

Blech-schiff -šef Köln-Pulh n.: Behälter in der Obstkrautfabrik, worin das Kraut nach dem Kochen geschöpft wird.

Blockschiff

Adelung

block·schiff

Das Blockschiff , des -es, plur. die -e, ein aus zusammen geschlagenen Bäumen verfertigtes Fahrzeug, leichte Waaren auf Flüssen darauf fortz…

Bombenschiff

Campe

bomben·schiff

○ Das Bombenschiff , des — es, Mz. die — e, ein Kriegsschiff mit Bomben bewaffnet, deren man sich in Seekriegen bedient (Bombardirgaliotte).

Brandschiff

Adelung

brand·schiff

Das Brandschiff , des -es, plur. die -e, ein mit Feuer fangenden Dingen beladenes Schiff, andere Schiffe damit in Brand zu stecken; ein Bran…

Bruderschiff

Campe

bruder·schiff

◬ Das Bruderschiff , des — es, Mz. die — e, ein mit einem andern Schiffe wie mit einem Bruder verbundenes, in Gesellschaft desselben segelnd…

Brückenschiff

Campe

bruecken·schiff

◎ Das Brückenschiff , des — es, Mz. die — e, so viel als Brückenboot ( Ponton). » Die Brückenschiffe kamen erst an, da der günstige Zeitpunk…

Chalberschiff

Idiotikon

Chalberschiff Band 8, Spalte 365 Chalberschiff 8,365

Chilche(n)schiff

Idiotikon

Chilche(n)schiff Band 8, Spalte 366 Chilche(n)schiff 8,366

Chinaschiff

Campe

china·schiff

○ Das Chinaschiff , des — es, Mz. die — e, ein nach China segelndes Schiff. »Die Brittischen Chinaschiffe sind glücklich zurückgekommen.« Ha…

Chriegsschiff

Idiotikon

Chriegsschiff Band 8, Spalte 366 Chriegsschiff 8,366

Chäufferschiff

Idiotikon

Chäufferschiff Band 8, Spalte 365 Chäufferschiff 8,365

Ableitungen von schiff (8 von 8)

beschiffen

DWB

beschiffen , navigare: einen flusz, see, das meer beschiffen.

entschiffen

DWB

entschiffen , navi effugere, nnl. ontscheppen: wol diesem der durch dich so trüber noth entschift. Lohenstein Cleop. 63, 244 ; wir nunmehr e…

erschiffen

DWB

erschiffen , enavigare, navigando attingere, acquirere: als wir nun newer land bei tausent und achthundert lege ( meilen ) erschiften hinübe…

geschiff

DWB

geschiff , n. , coll. zu schiff in seiner ursprünglichen bedeutung ' gefäsz ': das geschiff und geschirr ( s. d. ), alles zur landwirtschaft…

geschiffen

DWB

geschiffen , verstärktes schiffen, mhd. geschiffen, zu schiff fahren: do he geschifte uf dem mer, do wandelte sich di luft unde das wetter. …

schiffe

Lexer

schiffe swmf. wer schiffen dreit, den man dâ nennet dene heirhirtze Aw. 1,147.

verschiffen

DWB

verschiffen , verb. 1 1) intransitiv, verstärktes schiffen: derhalben, weil sich mit der zeit all ding mus schicken, wie man seyt, so must a…