sympathie,
f. ,
seit der zweiten hälfte des 16.
jh. bezeugtes lehnwort, aus dem lat. sympathia (
gr. συμπάθεια),
vgl. noch in lat. form sympathia Joh. Fuglinus (
s. u. 1 a), wegen der sympathiae Moscherosch
gesichte 17
Bobertag; durch die sympathiam ... gewürcket J. G. Schmidt
cur. grillen (1728) 253; Rivius
Vitruv (1548) 5
b übersetzt lat. sympathia stellarum (
Vitruvii de archit. 1, 1, 16)
noch mit himlischer consonantz.
in der form sympathie (sympathi),
die von frz. sympathie (16.
jh., vgl. Gamillscheg 825)
beeinfluszt sein kann (
vgl. engl. sympathie
v. j. 1586
bei Murray 9, 2, 368
und simpathy
v. j. 1579
ebda 369),
erst im 17.
jh. belegt (
s. unten 1 a);
lexikalisch seit dem frühen 18.
jh. gebucht, vgl. Ludwig t.-engl. (1716) 1931, Gladow
a la mode sprach (1728) 714
b.
die gr.-lat. bedeutung '
mitempfinden, gleiche empfindung, teilhaben an einer beschaffenheit, natürliche übereinstimmung von dingen, natürlicher zusammenhang, wechselbeziehung'
u. dgl. hat (
wie auch im engl. und frz.)
im dt. vor allem auf dem bereich der seelischen beziehungen zwischen menschen prägnantere bedeutungszweige hervorgebracht, die etwa seit der mitte des 18.
jh. dem wortgebrauch sein besonderes gepräge geben (
s. unten 2). 11)
in der sphäre naturmystischer vorstellungen von einer geheimen physischen oder physiologischen verbindung zwischen körpern anorganischer oder organischer natur, vgl. 'sympathie
und antipathie
in der natur (
die verborgene),
da etwas mit einem andern entweder überein stimmend oder widerlich ist' Ludwig
t.-engl. (1716) 1931; 'sympathie ...,
eine mitleidende übereinstimmung der natürlichen cörper und sachen, wann zwey, dem orte, zeit und natur nach unterschiedene und entlegene dinge einander mit einer verborgenen kraft und mutuellen affection begegnen' Gladow
a la mode sprach (1728) 714
b. 1@aa)
allgemein '
wechselbeziehung, verbindung, gegenseitige beeinflussung auf grund einer gewissen wesensver wandtschaft oder besonderer (
meist geheimnisvoller)
wirkungszusammenhänge',
von gegenständen und erscheinungen der natur: am orth, da er (
Proclus) von der sympathia, daz ist natürlicher dingen heimliche freundschaft weitleufftig handelt Joh. Fuglinus
de praest. daemon. (1586) 88
a; das gestirn ... hat mit andren weltkörpern eine sympathie oder gleichartung Er. Francisci
d. eröffn. lusthaus (1676) 297; wenn man genau erweget, was doch die sympathi oder einhelligkeit der natur für starke wirckung hat und was sie augenscheinlich, wiewohl ohne eintzige berührung, kan zuwege bringen, musz man sich gewiszlich nicht wenig darüber verwundern
Christholds geistreiche andachten (1729) 711; der dritte punkt gehet auf die sympathie oder natürliche beistimmung, vermöge welcher ein cörper mit dem andern zur vereinigung angetrieben wird. wir spüren solche absonderlich (
im mitschwingen bei gleicher tonhöhe) an den freien klingenden saiten Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 12; jene abenteuerlichen ideen von ... sympathie der körper Hufeland
kunst (1797) 13; waltet nicht auch durch des übels reiche fürchterliche sympathie? Schiller 1, 211
G.; (
der gesang) handelte von dem ursprunge der welt, von der entstehung der gestirne, der pflanzen, tiere und menschen, von der allmächtigen sympathie der natur Novalis
schr. 4, 93
Minor; es ist vielmehr eine tiefer liegende sympathie der pflanzenwelt mit der thierwelt Schopenhauer
w. 2, 397
Gr.; vergleichbar in sympathie sein
in verbindung, vereinigung sein: wehmut und wollust, tod und leben sind hier in innigster sympathie Novalis
schr. 4, 217
Minor. exact naturwissenschaftlich, besonders medizinisch (
vgl. sympathisch 1
sp. 1407),
für die wechselwirkung zweier miteinander in verbindung stehender objekte, körperteile u. dgl., vgl. '
in der artzneykunst heiszt sympathie ...
die mitempfindung, wenn ein theil des leibes, wo eigentlich der sitz der kranckheit nicht ist, um der gemeinschafft willen, so er mit dem andern hat, ungemach leidet'
Chomels öcon. lex. (1750) 8, 1817;
sympathia sive condolentia partium ... übereinstimmung der theile, sympathie Blancard
lex. medic. (1777) 2, 1203: auf ihre (
der schilddrüse) functionen kann man blos aus ihren sympathien schlieszen, die sie vorzüglich mit den athem- und geschlechtswerkzeugen hat Sömmerring
menschl. körper (1839) 5, 297; wir wissen aber durchaus nichts von irgend einer terrestren sympathie beider plateauseiten Ritter
erdkde (1822) 3, 85;
geradezu wie '
wesensverwandtschaft'
gebraucht: wegen der sympathiae und eigenschafft, so sie (
die blinden und die buhler) mit einander haben Moscherosch
gesichte 17
Bobertag. 1@bb)
im engerem sinne für das auf eine solche naturauffassung sich gründende heilverfahren oder zauberartige beeinflussungen, die mit geheimnisvoll auch aus der entfernung wirkenden mitteln arbeiten, vgl. sympathetisch 1 (
sp. 1397)
und in der volksmedizin noch eine gewisse rolle spielen, vgl. '
solche und dergleichen zum schein natürliche hausmittel nennet man auch sympathi' K. Husz
vom aberglauben 9
John; '
weil aber das wort zauber keinen guten klang hat, an dämonen erinnert, so hat man für den erlaubten zauber das wort sympathie
gewählt' L. Strackerjan
aberglauben u. sagen 1, 57: diese cur vil ... beystimmer hat, die nichts ungebührliches und teuflisches dabey finden, sondern alles der natürlichen sympathie beymessen Butschky
Pathmos (1677) 573; es ist dannenhero endlich allerdings sonnenklar, dasz die sympathie der Egypter von der, welche ich zu widerlegen mich bemühet, gäntzlich unterschieden ist und wann folglich diese philosophi etwas von der sympathie oder den curen durch die sympathie reden, so geschiehet es in einem vernunfftmäszigen sinn
sendschreiben an herrn B. (1700) 91; und hält davon, dasz solcher gestalt eine wunde nicht schweren solle, welche würckung durch nichts anders als die sympathie geschieht J. G. Schmidt
cur. grillen (1728) 254; wenn ich ihn nicht herbanne, so sagt: ein altes weib, das warzen und sommerflecke vertreibt, verstehe mehr von der sympathie als ich Göthe 56, 19
W.; auf alle fälle soll man (
bei der heilung von schlangenbissen) nicht ... sich auf ... sympathie verlassen J. P. Hebel
w. 2, 24
Beh.; das fett (
der hunde) verkauft sie an den apotheker in der stadt und macht auch sympathie damit Storm
s. w. 5, 156
Köster; was? blosz frostbeulen? dagegen weisz ich ne sympathie. du muszt den groszen zeh in'n mund nehmen und sieben vaterunser
dazu sagen, denn is gut Georg Engel
der verbotene rausch (1909) 166;
in dieser verwendung auch mundartlich geläufig, vgl. z. b. simpatī
geheimnisvolles heilverfahren durch sympathetische mittel Staub-Tobler 7, 990 (
auch zimpati, sympedi); simpatie
zauberheilkunst durch besprechen u. ähnl. z. b. mit simpatie kurieren, simpatie brauchen Fischer
schwäb. 5, 1407; simpathie (sempatí, sempətí)
zauberformeln oder geheimnisvolle worte, mit denen man angeblich krankheiten zu heilen vermag, z. b. dat Mining de gruglichsten tähnweihdag hadd und dat ehr Korlbrauder ' ne zympati dorgegen wüszt, de äwer blot des nachts tüschen twölwen und eïnen utführt warden künn und stillswigends Fr. Reuter 3, 218
Seelmann; er brucht simpathie, durch simpathie geheilt Martin-Lienhart
elsäss. 2, 359; simpetie
nur von kurpfuscherei Müller-Fraureuth
obers. 2, 591. —
wie '
sympathetische kraft'
gebraucht: die vitriolischen cörpergen, die in der lufft ausgebreitet werden, machen alle sympathie aus, als die sich in die wunde des krancken einlegen
Chomels öcon. lex. (1750) 2, 324; wer erkennt es genau, ob die arcana und die sympathien und die zeitverbindungen die hilfe bringen, die in ihnen liegt? Stifter
s. w. 2, 316
Sauer; hierher auch: sie sagte damals, dasz ein haar zu fest binde, darum weigerte sie sich und wollt es nicht. und ich? warum bestand ich darauf? ja, es gibt solche rätselhaften kräfte, solche sympathien aus himmel oder hölle und nun bin ich gebunden und kann nicht los Fontane
ges. w. I 5, 287. 22)
im bereiche der seelisch-geistigen kräfte das '
unerklärbare gefühl inneren zusammenhangs, seelischer gemeinsamkeit, gleichartigkeit oder harmonie der empfindungen, innige teilnahme an der empfindung anderer personen'
u. s. w., oft mit dem besonderen sinn '
innere zuneigung, wohlgefallen, wohlwollende gesinnung'
verbunden (
s. unten b).
seit dem ende des 17.
jh. schon mit besonderen einschränkungen des sinngehalts bezeugt. 2@aa)
wenig entwickelt und wohl zumeist in bewuszter analogie zu gr. συμπάθεια '
mitleid'
verwendet als '
mitleiden, mitleid, mitgefühl, teilnahme an dem schmerz anderer personen, rührung und mittrauer',
vgl. 'sympathie ...
will so viel sagen, eines andern noth und elend mit gleicher gemüthsbewegung als ob es seine eigene wäre, tragen' Gladow
a la mode sprach (1727) 714: die scharfsinnige und gütige natur nimmt auch unsere schwachheiten und trübsalen der kranckheiten an sich, maszen sie mit den gottseligen grosze mitleidung oder sympathie träget A. v. Frankenberg
gemma magica (1688) 118; wodurch kann ich, wenn die hauptidee des stücks körperlicher schmerz ist, gerühret werden? welches sind alsdann die hauptmittel zur erregung der sympathie? Herder 3, 45
S.; diese weichheit des gefühls, die ihn bey jedem leiden in weinende sympathie dahinschmelzt Schiller 2, 18
G.; kein mensch von warmem blute darf die sympathie verleugnen, die der verbrecher ... bei ihm hervorruft Holtei
erz. schr. 2, 176; (
er lernte) an des Atheners (
Sophokles) gestalten die süsze der tragischen sympathie kennen Justi
Winckelmann (1866) 1, 153. 2@bb)
das '
gefühl der zuneigung, des wohlgefallens, wohlwollens, freundschaftlicher verbundenheit, freundlicher gesinnung',
auch der '
vorliebe',
vgl. dazu 'sympathie ...,
eine eingepflanzte liebe, ... eine natürliche zuneigung oder trieb gegen einem andern ding' Gladow
a la mode sprach (1727) 714
b;
meist als schwächerer und unverbindlicher wirkender ausdruck empfunden gegenüber liebe, freundschaft,
aber oft deren vorstufen mit einschlieszend; begrifflich am nächsten steht zuneigung,
dem aber der für sympathie
häufig bezeichnende beisinn der geheimnisvollen und rasch spürbaren inneren verbundenheit abgeht, vgl.: einer geheimen sympathi und zuneigung der seele zu den musicalischen zahlen A. Cario (1684)
s. unten γ sowie: so poetisch, mystisch oder magisch das wort sympathie in den ohren vieler unserer heutigen weisen klingen mag, so kennen wir doch kein andres wort, um eine gewisse art von zuneigung zu bezeichnen, die wir ... zuweilen beim ersten anblick für unbekannte personen empfinden und die sowohl in ihrer quelle als in ihren wirkungen von allen andern arten der zuneigung, freundschaft oder liebe nicht wenig verschieden ist Wieland
s. w. (1853) 1, 171.
in diesen sinnrichtungen als gegensatzbegriff zu antipathie
im 18.
jh. voll ausgebildet und für heutige sprache diejenige hauptbedeutung des wortes, die in die allgemeine umgangssprache hinabreicht; da oft eine mehrzahl von gefühlsregungen gemeint ist, tritt auch der plural auf. 2@b@aα)
vom individuellen gefühlsverhältnis einer person gegenüber einer andern: die katzen wolten nicht undanckbar seyn, sondern ihres herrn sympathie und geneigten willen mit möglichster mitleidender gegenliebe auch nach seinem ende bezahlen Chr. Lehmann
hist. schaupl. (1699) 820; ... allein Arist bemerkte selten diese stumme zeugen von ihrer unglykselgen sympathie. die zärtlichkeit erlaubt ihm nicht, die spuren der gegenlieb in ihrem aug zu suchen (1752) Wieland I 1, 373
akad.; (
ich) musz mich freuen, wann andere menschen eben so die pflichten ihres geselligen daseyns erfüllen. so ist die seele von natur zur sympathie gestimmt, so empfindet sie wollust an beobachtung der vollkommenheit und des wohlergehens anderer (1777) Schiller 1, 32
G.; so vielfach lädt uns die natur zur freundschaft ein, bald durch den mächtigen und edlen zug der sympathie mit einemmale, bald unvermerkt durch kleine dienstleistungen, bald nach und nach vermittelst des umgangs Gellert
s. schr. (1784) 7, 187; es gibt leute, ... an welche uns eine geheime sympathie fesselt Knigge
roman m. lebens (1781) 3, 89; und so, herr baron, ist unterm namen von sympathie die eitelkeit der kitt, der sie zusammenpicht Fr.
M. Klinger
neues theater (1790) 2, 196; Anton ... fühlte sich zu ihr hingezogen in jener sympathie, die oftmals eben nur vorhanden ist, ohne dasz man gründe für ihr vorhandensein anzugeben vermöchte Holtei
erz. schr. 11, 247; geschäftsleute pflegen zwar zumeist auf brauchbarkeit zu sehn, ohne sich viel mit sympathien und antipathien abzugeben A. v. Droste-Hülshoff
br. 277
Schücking; überwältigt von seiner groszen, rasch entflammten sympathie fügte er hinzu: bleiben sie doch recht lange bei uns!
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 48; voller sympathie gedachte Doleschal des schmucken ansiedlersohnes Cl. Viebig
d. schlafende heer (1904) 2, 272; sie, der sie der jüngeren (
der beiden damen) ihre sympathien entgegenbrachten Fontane
ges. w. I 4, 68; denn sie rieten auf einen noch unbekannten agenten — eine annahme, die alsbald eine wolke von sympathie um ihn verbreitete H. W. Seidel
Krüsemann (1935) 240;
schon stark abgeschwächt formelhaft jem. hat meine sympathien '
ich schätze jem.': sie (
die heirat) darf nicht sein, so sehr der graf persönlich meine sympathien hat Fontane
ges. w. I 1, 485; ich liebe ihn (
Napoleon) nicht, aber in einem hat er meine sympathien, il affronte nos préjugés Fontane
ges. w. I 1, 211. 2@b@bβ)
für das '
gefühl des wohlgefallens, der vorliebe, der neigung'
mehreren personen, einer gemeinschaft oder einer sache gegenüber: man sagt insgemein: es ist, ich weisz nicht was, so mir an der sache gefällt, das nennt man sympathie, aber die der dinge ursachen forschen, finden den grund zum öftern Leibniz
dtsche schr. 1, 421
Guhr.; man musz ein Holländer seyn, um mit einer tulpe zu sympathisiren, und dann ist auch die sympathie dieser wassermänner sehr phlegmatisch Göthe 37, 62
W.; eine idee, die ich ganz genial finde, und die alle meine sympathieen hat fürst Pückler
briefw. 6, 59; unser jahrhundert ist überall in seinen sympathien und antipathien der widerpart des vorigen Justi
Winckelmann (1866) 1, 373; aber immer kehrte ich zu jenen groszen landschaften zurück, verfolgte den sonnenschein, welcher durch gras und laub spielte, und prägte mir voll inniger sympathie die schönen wolkenbilder ein, welche von glücklichen mit leichter und spielender hand hingetürmt schienen G. Keller
ges. w. (1889) 1, 265; jetzt lebte er mit erfahrenen und gebildeten geschäftsmännern, die eben an einem ganz modernen und den humanen zeitideen entsprechenden werke arbeiteten, der befreiung vom scharwerksdienst. mit lebhafter sympathie verfolgte das Boyen Meinecke
v. Boyen 1, 66; der Harz hat ... meine ganz besonderen sympathien Fontane
ges. w. I 4, 377;
besonders von wohlwollender gesinnung gegenüber politischen persönlichkeiten oder mächten: noch einmal vereinigte eine beleidigte fürstin alle sympathien, welche die uralte verfassung und religion erwecken konnte: Boadicea Ranke
s. w.2 14, 7; über die besetzung der wichtigsten stellen ... (
entschieden) die sympathien und rivalitäten der ... senatscoterien Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 65; die indemnitätsvorlage brachte dem könig ... die sympathien der öffentlichen meinung (
entgegen) v. Bennigsen
die nationallib. partei 12; Armenien hielt durch politische und nationale sympathie mehr zu den Parthern Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 371; desto mehr muszte man mit der möglichkeit rechnen, dasz die latente miszgunst und die schwankenden sympathien eine der übrigen mächte ... zu der initiative für eine diplomatische einmischung bereit finden lassen würden Bismarck
gedank. u. erinn. 2, 121
volksausg.; er protestirte lebhaft gegen die möglichkeit, bei ihm französische sympathien vorauszusetzen
ebda 2, 100; die aufnahme dieses ultimatums (
Österreichs an Serbien) bei den regierungen Europas zeigte merkwürdige und überraschende sympathien und antipathien Binding
erlebtes leben (1928) 235. —
übertragen als malereitechnischer ausdruck, vgl. 'sympathie, ...
von den farben, wenn sie in der vermischung eine angenehme dritte farbe hervorbringen' Adelung (1780) 4, 889: die farben und die töne haben ihre sympathien und mishelligkeiten Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 1, 40. 2@b@gγ)
mit präpositionalem anschlusz des objekts; geläufig mit für: ... mit deiner sympathie fürs schöne und grosze der erde ... Jak. Lenz
in: Iris 7 (1776) 527; wenn wir von ohngefähr einen zug aus unserm gesicht behalten haben ..., so finden wir für diejenigen eine art von sympathie, die ihn auch haben Hippel
über d. ehe (1774) 121; ich empfinde für dich eine herzliche sympathie
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 297; es fehlt mir nicht an sympathie dafür (
für die arbeit), wie sie sich denken können R.
M. Rilke
br. 1899 -1902 (1931) 101;
selten mit zu: andere schreibens einer geheimen sympathi und zuneigung der seele zu den musicalischen zahlen zu A. Cario
neue hall- u. thonkunst (1684) 125; und dennoch hat der schöpfer in das menschenherz eine solche wunderbare sympathie zu diesen dingen gelegt Wackenroder
herzensergiesz. (1797) 135.
auch mit,
das eigentlich der bedeutung c
α zugehört, tritt gelegentlich auf, wozu wohl die verbindung mit jem. sympathisieren
beigetragen hat: (
das Pariser parlament) bewies zugleich einige sympathie mit ihnen (
den meuterern), indem es um niedrigere kornpreise bat Dahlmann
gesch. d. frz. revol. (1845) 55. 2@cc)
in allgemeinerer verwendung sowohl für das gefühl inneren zusammenhangs, seelischer verbundenheit, teilnahme an den empfindungen anderer als auch für den zustand einer solchen übereinstimmung (
dem gr.-lat. wortgebrauch unmittelbar entsprechend)
seit der mitte des 18.
jh. im brauch, vor allem von Wieland
in umlauf gesetzt, vermutlich wie bei sympathetisch 2
nach engl. muster; vgl. seine 1756
erschienen schrift sympathien I 2, 446
akad., wo sympathie
als die geheimnisvoll edle seelen verbindende gemeinsamkeit des empfindens geschildert wird, die tugend und schönheit zur grundlage hat: nennet nicht sympathie, was eine schändliche conspiration genennet werden sollte, die ihr umsonst mit dem nahmen der liebe und freundschaft bedeckt
ebda 447; wenn mir anders die gewalt der sympathie recht bekannt ist, so wird eine geheime stimme in diesem augenblick deiner seele sagen, was ich izt denke
ebda 450; die zuneigung, die er zu diesem liebenswürdigen geschöpfe trug, war eine liebe der sympathie, eine harmonie der herzen, eine geheime verwandtschaft der seelen
Agathon (1766) 1, 170. 2@c@aα)
das '
gefühl seelischer gleichgestimmtheit, innerer verbundenheit, harmonie': eine sympathie der verwandschaft des geblütes regte sich in beyden gegen einander Dusch
verm. schr. (1758) 91; sie würden mich empfindlich beleidiget haben, wenn sie die sympathie ihres bluts aus mir nachtheiligen bedenklichkeiten verleugnet hätten Lessing 2, 341
M.; seht ihr der seele wiederschein in schönen blicken leuchten, und thränen süszer sympathie, entlockt durch süsze harmonie, ihr sprechend auge feuchten Schiller 6, 8
G.; süszes dichten, lautre wahrheit fesselt mich in sympathie! rein verkörpert liebesklarheit im gewand der poesie Göthe 6, 194
W.; dir tönt er, schwester, traute Karoline, der Thalia die schönste gabe lieh: empfindung, und in jede heitre miene gefühl geprägt und feine sympathie Novalis
schr. 1, 203
Minor; früh auch im plural auftretend: ... mit zitterndem herzen naht ich mich ihr, wie von heiligen sympathien gezogen, voll gefyhles, wozu die menschliche zärtlichkeit niemals namen erfand, aus ehrfurcht und mitleid und liebe gemischet (
v. j. 1753) Wieland I 2, 2
akad.; heimliche sympathien und plözlich erwachende liebe zogen uns zueinander
ebda 51; es lauschet in süszen sympathieen rings die natur Herder 27, 161
S.; und der reiz der selgen sympathieen ... läszt die welt in götterfreude blühen E.
M. Arndt
w. 3, 201
R.-M.; in formelhafter verbindung aus sympathie '
aus dem gefühl der seelischen verbundenheit heraus': du (
der spiegel) seufzest mit aus sympathie, und lachst und weinst mit mir Blumauer
ged. (1782) 179; ein lautes weinen ..., in das aus sympathie einzustimmen ich als eine weiche seele mich nicht enthalten konnte O. Ludwig
ges. schr. 2, 443
Schm.-St.; für die '
geheime macht, die das gleichgestimmtsein der gefühle hervorbringt': doch wenn die sympathie den schönen knoten der freundschaft knüpft, dann wird dem flug der zeit und ihren launen trotz geboten J. J. Ihlee
ged. (1788) 129; seltsame wirkung der sympathie!, rief herr von Revanne, als er mir die begebenheit erzählte: dieser seufzer ward in der stille von mir erwidert Göthe 24, 74
W.; erforsche mein geheimnis nie, du darfst es nicht ergründen, es sagte dirs die sympathie, wenn wir uns ganz verstünden Platen 1, 39
Redlich. 2@c@bβ)
für den zustand der '
übereinstimmung, wechselwirkung, harmonie'
von gefühlen: so ists mit erregung der sympathie in allen arten der gefühle Herder 12, 12
S.; welche unerklärbare sympathie war stets in unsren temperamenten Knigge
roman m. lebens (1781) 1, 99; wenn man sich ganz fühlt und still ist und die reinen freuden der liebe und freundschafft genieszt, dann ist durch eine besondere sympatie jede unterbrochne freundschafft ... wieder auf einmal lebendig Göthe IV 1, 251
W.; staaten, die vorher kaum füreinander vorhanden gewesen, fingen an, durch die reformation einen wichtigen berührungspunkt zu erhalten und sich in einer neuen, politischen sympathie an einander zu schlieszen Schiller 8, 4
G.; in typischen genetivverbindungen: reiche mir nach unsrer sympathie der seelen die hände! Heinse
s. w. 2, 183
Schüddekopf; von sympathie der herzen, sagte Cäcilie zu sich selbst, da gehts ja wohl schon ans capituliren Chr. Gottfr. Schütz
Marmontels s. pros. w. (1795) 2, 52; die beiden waren immer gute freunde gewesen ... aus einer sympathie gleichgearteter naturen heraus H. v. Kahlenberg
familie Barchwitz (1902) 95.
aufs allgemein menschliche bezogen '
die verbundenheit aller menschen untereinander': menschen aus allen kraisen und zonen und ständen, ... durch eine allwebende sympathie verbrüdert Schiller 3, 524
G.; was den groszen ring (
der erde) bewohnet, huldige der simpathie! zu den sternen leitet sie, wo der unbekannte tronet
ebda 4, 2; stellt man vielmehr die von Bacon geforderte induction auf dem gebiete der moralischen erscheinungen an, so stöszt man auf das grundgefühl der sympathie, welches den menschen zwingt, nicht nur dasjenige, was sein eigenes wohl fördert, sondern auch dasjenige, was fremdes wohl herbeizuführen geeignet erscheint, zu billigen und das entgegengesetzte zu miszbilligen Windelband
gesch. d. neueren philos.2 1, 348.
erneuert und vertieft in der modernen phänomenologie: (
die) neuerdings wieder aufgeworfene frage, ob und inwieweit die tatsachen der sympathie auf den bestand einer überindividuellen einheit des lebens hindeuten
M. Scheler
wesen u. form d. sympathie (
31926) xii; erscheinungen der sympathie und der liebe ... empirisch genetisch nicht weiter zurückführbare phänomene des vitalpsychischen resp. des noetisch-geistigen lebens ... von fast allen groszen metaphysikern der geschichte ... (
wurden) eigentümliche versuche gemacht, in liebe und sympathie bestimmter artung functionen nachzuweisen, die uns dem grunde aller dinge selbst näher führen ... versuche, auf grund ihres daseins und soseins, bestimmte schlüsse auf die einheit und beschaffenheit des weltgrundes zu ziehen. alle dachten sie — so grundverschieden ihre metaphysischen sympathie- und liebeslehren sich gestalteten ... doch in der richtung der verse Fr. Schillers
ebda xiii. 2@c@gγ)
in präpositionaler verbindung durch mit
und zwischen
angeknüpft, seltener durch unter: in dem geist des menschen liegt eine angebohrne und unzerstöhrliche sympathie mit dem falschen v. Moser
beherzig. (1761) 7; auch die illusion des zuschauers, die sympathie mit künstlichen leidenschaften hat schauer, gichter und ohnmachten gewirkt Schiller 1, 162
G.; tausend frohe geister schienen ihm um den tisch zu gaukeln, und in stiller sympathie mit den fröhlichen menschen von ihren freuden zu leben und mit ihren genüssen sich zu berauschen Novalis
schr. 4, 154
Minor; die magische sympathie der schwärmerey ..., die in einem einzigen augenblick zwischen ihr und Seymourn entstehen könnte, wenn sie jemals einander ... nahe genug kämen, den so gleich gestimmten ton ihrer seelen zu hören S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 250; wir haben uns nicht gesprochen, aber vermuthlich ist doch so viel sympathie zwischen uns gewesen, um gemeinschaftlich zu bemerken, wie sehr es an raum, an leben und an seele fehlte Caroline
br. 1, 180
Waitz; es ist keine sympathie unter unseren seelen S. v. Laroche in:
Iris 2, 87; denn — ich ahne wirklich eine wahre sympathie zukünftig unter uns, weil ich ... unwiderstehlich schon jetzt eine solche für sie fühle fürst Pückler
briefwechsel 1, 353. 2@c@dδ)
für die '
fähigkeit des mitempfindens, der inneren anteilnahme': schmachtende sympathie ist nicht in seinem (
eines mönchs) gesichte und seinem character Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 261; nächst der mütterlichkeit scheint mir keine eigenschaft der weiblichen organisation so ursprünglich und wesentlich wie die zartere weibliche sympathie Fr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 2, 11; der affekt eilt (
in Shakespeares dramen) nicht so schnell, dasz unsre fassungskraft und unsre sympathie nicht schritt halten könnten O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 76.