Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
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gelasz, m. n. subst. verb. zu lassen (auch sich lassen) in dessen verschiedenen bedeutungen, wovon nur einzelne anwendungen haften geblieben sind, ahd. mhd. gelâʒ, nd. gelât, nl. gelaat, mnl. gelaet, auch einfach laet, wie mnd. lât, vergl. schwed. later pl. u. 2, auch mhd. lâʒ u. 3. s. auch geläsze. 11) bequemer raum. 1@aa) als m. gibt es Adelung, ein haus mit dem besten gelasse, ich habe gelasz genug in meinem hause, das haus hat wenig, viel gelasz; nun erschrak ich zwar nicht wenig über den zuwachs unserer gesellschaft, da mir der gelasz des hauses nur zu bekannt geworden war. Thümmel 2, 257; denn, als nach manchem saal, im prächtigen gelasse der ritterzeit .. nun endlich die terrasse .. erschien .. 6, 279; da wir den ganzen gelasz des leer gewordenen fahrzeugesbetrachteten .. G. H. Schubert reise ins morgenl. 1, 393; die angebäude der bibliothek .. wurden abgebrochen, nun machte sich statt ihrer ein neuer gelasz nöthig. Göthe 31, 159; du hast wenig gelasz und sitzest theuer, weiszt du ein ander quartier? 7, 135 (geschwister). diesz m. stimmt zu dem bei nachlasz, anlasz, ablasz, erlasz u. s. w. und aus Schwaben z. b. gibt Schmid 342 gelasz m. raum im hause. 1@bb) jetzt aber geht die neigung zum n., wie bei allen subst. verb. die mit ge- gebildet sind, während in den geläufigsten wendungen, wie viel, wenig gelasz, nach dem geschlecht zu fragen kein bedürfnis ist (s. auch u. c und 2): damit der kastellan und sein kleines schloszgesinde .. desto mehr gelasz und freude haben. J. Paul 17, 35; von der vorrathskammer, die der schloszherr zum gastzimmer bestimmt hatte, weil sie das einzige gelasz war, welches noch fenster hatte. Immerm. Münchh. 1, 98; der hofschulze sann und wuszte kein gelasz für den jäger. 3, 23; alle anderen gemächer, gelasse, ecken und winkel durchspähte er. 4, 53; nur vor wenigen und den nothwendigen zimmern (des schlosses) waren jene augen (die fenster) noch ersichtlich, viele andere gelasse waren für immer durch die zugemachten läden in dunkelheit versetzt worden. 1, 54; genüber stand ein gleiches gelasz, so ebenfalls nur ein einzig fensterlein hatte. Scheffel Ekkeh. 24; die schlüssel zu den gelassen der studenten. J. Kerner bilderbuch 154. 1@cc) der begriff ist ganz allgemein 'der raum wo man dinge lassen kann' Adelung, 'commodität', gut gelasz in einem hause haben Frisch 1, 579a (also als n.), nd. gelât n. Schambach 61b, z. b. nien gelaat hebben, keinen raum, keine gelegenheit wozu im hause haben Strodtm. 69, ik hebb en slicht gelaat, wenig raum Dähnert 147b; in der Altmark auch von behältern im hause Danneil 63a, daher von wandschränken diese gelasse Gutzkow ritter v. g. 1, 102; von vorratsräumen oder räumen aller art z. b. im Bunzlauer intelligenzblatt 1872: eine stube mit dachkammer und nöthigem beigelasz ist für den preis von 18 thlr. zu vermiethen, eine stube nebst alkove und sonstigem beigelasz, auch mit alkove, holz- und kellergelasz. so gelasz zum spielen, im bette, selbst im herzen: schutzörter .. worinn gelasz vollauf sich zeigt, was liebliches zu spielen, verstecken oder sonst so was! Klamer Schmidt poet. briefe (1782) 175; in meinem bett ist kein gelasz für irgend eine pieride. 173; was gröszeres kann sonst für ihre lieben kleinen die amme von den göttern bitten? was, als ächten geist, im herzen viel gelasz, darinn zu vestigen, was seinen geheimsten fibern gütlich thut. 125. die beziehung zu lassen tritt recht deutlich vor in nd. 'laatje f., statt latunge (besser latinge), wie vürje statt vürung, feuerung, raum, etwas hinzulegen, hier is kene laatje, kein raum mehr' Brem. wb. 3, 20. dennoch wird ursprünglich auch sich lassen dahinter stehen, wie deutlich bei mhd. gelæʒe n. (s.geläsze 1), wo man sich lâʒen oder gelâʒen kann, sichs bequem machen, sich ausspannen gleichsam, sich niederlassen. 22) zu sich lassen auch gelasz, haltung, gebaren, wie einer sich läszt, mhd. gelâʒ n. (und gelæʒe n.): kan ich rehte schouwen guot gelâʒ unt lîp .. Walther 57, 4; er scheint ein tapfer mann zu sein, sein ansehn und gelas ist fein. Dedekind miles christ. I, 2 (1590 13b). bei Stieler 1074 das gelasz, gestus, habitus, decor, aptitudo, im 15. jh. gelasse gestus Dief. 261c, nd. gelat das., s. im mnd. wb. 2, 38, auch einfach lât 6, 196a. 2, 636a, hier auch lâte, f. oder auch pl., wie geberden, und wie dieses (s.geberde 5, b) auch von den mienen. noch jetzt weitverbreitet nd. gelât, geberde, ansehen Brem. wb. 3, 21, miene Danneil 262b, wie nl. gelaat n., auch miene, bei Kil. ghelaet des aensichts, vultus, os, noch jetzt z. b. de gelaatstrekken die gesichtszüge. mnl. auch doen en laet, thun und lassen Oudem. 4, 4. ähnlich auch und doch anders gewendet in dem nd. sprichwort tau eigen het ôk kein gelât, allzu grosze eigenheit ist übel angebracht Schambach 61b, 'läszt nicht', steht nicht wol an. auch altn. lât n. gebaren Egilss. 495b, schwed. later pl., schott. lait, late manner, gesture. mhd. auch ungelâʒ, wie ungebære, übles gebaren (vgl. u. geberde II, 1, b). 33) zu lassen, nachlassen, im erbe, vgl. Frisch 1, 579a: ein herr zu W. soll sein fähl und gelasz nemmen wie hernach stehet ... stirbt ein gottshausmann, soll er einen hauptfahl geben, das best das er hat (d. h. vieh) u. s. w. weisth. 1, 290, schweiz. v. j. 1491, zu fähl, d. i. fälle s.gefälle 3, c. auch einfach fall und lasz Lexer 1, 1843, weisth. 4, 413. 482. s. auch geläsze 3. 44) gelas, commissura Henisch 1453, mit beispiel: die gelas der felsen oder stein, da sie von einander klieben, commissurae, juncturae, instar suturarum in veste. im pl. auch geläsz: nachdem der vels, darauf das recht schlosz stat, ganz klein, spitzig und voller gelesz .. das die mauren spalten megten. Zimm. chron. 3, 188, 17; den felsen .. voller glesz und gallen (s.galle 2, b). 189, 12, es kann aber auch geläsze sein. bair. als fem., gelasz, gelaszen, fuge, einschnitt Schmeller 2, 492. schon ahd. das. gilâʒ und galâʒa, commissura, conjunctura, vgl. Graff 2, 316 und das. lidigalâʒ artus, lidigilâʒʒi organa, compagines, auch gelâʒa membra, also von den gliedern, eigentlich gelenken am körper wie anderwärts. es steht wol gilâʒan dahinter als genaue wiedergabe von committere, zusammen oder in einander lassen, fügen, der begriff fuge dann in den von spalt, ritze übergegangen. 55) zu sich lassen im mystischen sinne (s. u.gelassen), gelassenheit: ja mühe und arbeit kost es, verleügnung sein selbs, gelasz und hasz seiner seel und lebens, wil man disen schatz und Christum finden. S. Frank parad. 1558 11a; disz mein philosophey ... aus dem zeügnus beide der schrift und meines herzens, nach der masz meines geists, gelasz und glaubens, wie es bei mir steht, geschriben hab. 9b, ähnlich 345b. auch ungelasz, wie ungelassen sp. 2869: nit also helt es sich mit den anderen, deren gelasz gott (dat.) nit allzeit still helt, sonder ihr ungelasz etwa dem h. geist ein zug versagt und nit ledig stehet. also felt der h. geist über Mosen, aber als er im unglauben und ungelasz an den felsen schluog, verliesz er ihn. 345a (175). es klingt vielleicht schon im 14. jh. an in Merswins gelosheit unter gelassenheit 1.
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15.–20. Jh.
Neuhochdeutschgelaszm. n.
Grimm (DWB, 1854–1961)
gelasz , m. n. subst. verb. zu lassen ( auch sich lassen) in dessen verschiedenen bedeutungen, wovon nur einzelne anwend…
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Ableitungen von gelasz (1 von 1)
ungelasz
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ungelasz , m. n. ; gth. von gelasz 5, th. 4, 1, 2, 2872, wie ungelassenheit: wer jn denn disen ungelasz umbstosst, das es nit sol sein, so h…
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Cotta, M. (2026). „gelasz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gelasz/dwb
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Cotta, Marcel. „gelasz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gelasz/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gelasz". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gelasz/dwb.
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