wundersam,
adj. ,
vereinzelt mhd. (
s. u. 5 a),
im übrigen seit dem 15.
u. 16.
jh., aber hier vornehmlich auf religiösen gebrauch beschränkt (
s. u. 1).
das wort gewinnt erst im späten 18.
jh. gröszere breite, im 19.
jh. hat es, neben wunderbar, wunderschön, wundervoll,
fast den rang eines modewortes, aber mit durchaus eigener, durch den ersten wortbestandteil stärker bestimmter note. —
in älteren glossierungen für mirus, mirabilis, admirabilis u. ä., in den wbb. des 17. u. 18. jhs. von seinen konkurrenzwörtern nicht unterschieden; bei Adelung
versuch 5 (1786) 303
für veraltet und neben wunderbar
überflüssig erklärt, was Campe 5 (1811) 788
a bestreitet. —
vereinzelt wondersam (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 362
c, wündersam H. Folz
meisterlieder nr. 73, 113
A. L. Mayer. 11)
im religiösen bereich liegt das schwergewicht des älteren wortgebrauchs, der hier mit wunderbar (
s. d. 1)
und wunderlich (
s. d. A 1)
genau zusammengeht. [] 1@aa)
als prädikat gottes und seines handelns nicht über das 17.
jh. hinaus: o, hochstes güt so wündersam, du hoch gotlich drey einikeit Hans Folz
meisterlieder nr. 73, 113
A. L. Mayer; gros vnd wundersam sind deine (
gottes) werck
offenb. 15, 3;
vgl. ps. 68, 36; zwar der wundersame gott hat die fürstlich hohen sorgen unter einem trauerflor noch vor kurtzer zeit verborgen Chr. Weise
polit. redner (1677) 858.
ähnlich von Christus, dem werk der erlösung und den heilsgütern: eyn kindt ist uns geboren, eyn sun ist uns gegeben und seyn furstenthum ist gelegt uff seyn rucken, und seyn nahm wirt heyssen wundersam Luther 9, 521
W. (
Jes. 9, 5: wunderbar);
vgl. 19, 42; 154; das ... wundersame ... wort (
Christus als logos) Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 290; o wundersahme speise o süsser lebens trank (
das abendmahl) Rist
neuer himl. lied. sonderb. buch (1651) 78. 1@bb)
im engeren sinne des mirakulösen vorwiegend jüngeren gebrauchs: di bucher der heiden, in welchen wir lesen, das der teufel so wundersam ist gewest als in unseren heiligen nimer mer (1530)
bei Fischer
schwäb. 6, 3442; die feigen, die Wolfg. von Salzburg mit bekam, waren so wundersam, wie das brod und die fische im evangelio; sie haben uns bis jetzt gedauert L. Mozart in:
br. W. A. Mozarts 3, 129
Schied.; als im vierzehnten jahrhundert die einkünfte des Lippoldsberger klosters sich so sehr verringert hatten, dasz selbst der gottesdienst kaum mehr abgehalten werden konnte, ... ward oben auf der Sticklenhalbe ... ein wundersamer fund getan (
angeblich der leichnam Christi) Hans Grimm
volk ohne raum (1926) 1, 43.
adverbial '
auf wunderbare weise': Perseus eilte, von göttern aufgefordert, unter göttlicher begünstigung wundersam bewaffnet herbei Göthe I 49, 103
W.; vgl. IV 28, 20. 22)
auch auszerhalb des religiösen für mächte und vorgänge, deren wirken nicht auf natürlich —
rational faszbarem wege ablaufend gedacht wird; vorwiegend jüngeren gebrauchs. 2@aa)
selten im eigentlichen gebiet des zaubers und der magie: disz ist gnuog wunderbarlich, daz ein schwetziger philosophus sol stilgschwigen, als wundersam es ist, das ein stein durch ein gwalt des worts, mit der hand soll geteilt werden, wie man dan sagt von Juliano dem Chaldeer Hedio
chron. germ. (1530) 117
a; der feldherr ist wundersam gebohren, kann die katze nicht hören mauen, und wenn der hahn kräht, so machts ihm grauen Schiller 12, 39
G.; wie man den eingeschlagenen blitz bestatte oder den drohenden einzuschlagen zwinge, und dergleichen wundersame künste mehr Mommsen
röm. gesch. 1 (1856) 168. 2@bb)
in der kennzeichnung schicksalhaft und geheimnisvoll eingreifender höherer mächte und des durch sie gewirkten wird wundersam
fast zum kennwort: wundersame glücks- und schwere unglücksfälle A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, )( 5
b; mit meinen sternen stimmeten wundersam die deinigen Herder 26, 254
S.; wundersame fügungen des schicksals! Rank
erinner. (1896) 268.
manchmal, wunder II B 3 b
entsprechend, im sinne von '
wie durch ein wunder': unsere durch die ungeheuern kriegsschicksale wundersamst erretteten anstalten Göthe IV 26, 314
W. auch mit negativem wertakzent: die Carolinger ... (
haben) vielerlei und wundersames glück auszgestanden Happel
hist. moderna Europae (1692) 5
a; o weh, es naht ein wundersam verhängnisz! Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 113.
[] 2@cc)
mit einer gewissen vorliebe auch kennzeichnet das wort seit dem späten 18.
jh. die welt archaischer vorzeit in mythe und märchen: ich habe doch manchmal auch wundersame geschichten gehört (
wie die geschichte vom wassermann) Göthe I 12, 99
W.; vgl. 25, 1, 151; durch die gedichte eines skalden (1766) hatte dieser (
Gerstenberg) die wundersamen fremden gestalten ... der skandinavischen mythologie heraufgezaubert Weinhold
Boie (1868) 175.
ähnlich im sprachgebrauch der romantik die atmosphäre alten erzählgutes charakterisierend: in der wundersamen liebesgeschichte der schönen Magelone und des grafen Peter aus der Provence A. W. Schlegel in:
Athenäum (1798) 1, 171; versuchte ich (
Tieck) es in diesem wundersamen mährchen (
vom kaiser Octavian) zugleich meine ansicht der romantischen poesie ... niederzulegen Tieck
schr. (1828) 1, XXXVIII. 33) wundersam
im sinne des geheimnisvoll unbegreiflichen und vollkommenen sind der kosmos, die einzelheiten der schöpfung, die vorgänge des lebens u. ä.: dieses wundersame geschöpff (
das auge) billiges lob keines wegs verlieret Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, G 5
b; die richteransprüche desjenigen wundersamen vermögens in uns, welches wir gewissen nennen Kant 5, 98
akad.; (
ich) betrachtete mit ihnen (
den ärzten) den wundersamen vorgang, der für kurze zeit eine wiederkehr des lebens vortäuscht Carossa
d. tag d. jungen arztes (1955) 26. 44) '
auszerordentlich, erstaunlich, überraschend, bemerkenswert'. 4@aa)
allgemein, in konkreter beziehung: beneben auch allerhand machinas darinnen (
in der versenkung der bühne) vorüber zuziehen, ja wundersame ding vor der zuseher augen verrichten möge Furtenbach
kunstspiegel (
Augsburg 1663) 115; ein werck voller wunder- und seltzamen historien und begebenheiten, so da in beschreibung frembder oerther und länder ... vorgestellet worden Olearius
verm. reisebeschr. (1696)
titelblatt; pater Pancraz ... brachte ... wundersame und hocherfreuliche nachrichten C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 311. nichts wundersames '
nichts besonderes': ich meinentheils sehe wenigstens nichts wundersames darin, wenn jedermann, alt und jung ..., so viel gutes und schönes lernt und thut als er irgend kann (1797) Caroline
br. 1, 357
Waitz. bei Göthe
häufig in dem engeren sinne von '
interessant, bedeutsam, gewichtig': die ferneren (
briefe Goethes an Zelter) erbitte mir, damit der codex vollendet werde; es gibt ein paar starke bände, wundersamen inhalts IV 40, 3
W.; ich habe ... wundersame gedancken mitzutheilen 5, 18;
vgl. I 7, 220; 48, 167. 4@bb)
aus a
mehr oder minder in einen grad- oder intensitätsbegriff überwechselnd, in der beziehung auf positiv, neutral oder auch negativ gewertetes: diser Katherinam wundersam gezierd vnd schöne der gestalt (
hujus quoque mirabile formae decus) Niclas v. Wyle
translat. 23
Keller; vgl. 20; in welchem (
monat) dieser fisch mit einer wundersamen geschwindigkeit und gewalt, die höchsten wehre und wassergefälle zu übersteigen ... pfleget Göchhausen
notab. venatoris (1741) 338; die wundersame gewalt des geldes, das jetzt als surrogat für alles fehlende andere einstehen musz Görres
ges. br. (1858) 3, 129.
vorwiegend in adverbialem gebrauch, '
sehr, auszergewöhnlich, ungemein': were sie vber alle massen wundersam erschrocken
Amadis 228
lit. ver.; vgl. 302; in Holland hat man die microscopia wundersam vergrössernd erfunden J. J. Becher
närr. weish. (
31707) 91; der teufel hielt ein groszes register gegen denselben (
Napoleon) und seine geschwister, war ein wundersam verruchtes wesen Göthe I 5, 141
W.; vgl. 24, 15; 41, 1, 73; wird sehr idyllisch erzählt von solch wundersam zahmen staren Scheffel
ges. w. (1907) 2, 211.
[] 4@cc)
seltener '
von auszerordentlicher wirkung, wunder wirkend': wundersame artzney
medicina stupenda, secreto, rimedio admirabile Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1402
c; ein mann ..., der ein groszer distillirer war, und ihr einige wohlriechende und wundersame wasser übergab, welche die haut glatt machten Göthe I 44, 113
W. 55)
die für wunderlich (
s. d. A 4)
typische, bei wunderbar (
s. d. 5)
gleichfalls, aber schwächer ausgeprägte bedeutung '
seltsam, merkwürdig, sonderbar'
mit ihren modifizierungen ist bei wundersam
als früheste belegbar, bleibt aber noch lange im hintergrund und erlangt erst seit dem späten 18.
jh. volle geltung. 5@aa)
weniger auf sinnlich wahrnehmbares, auf gestalt, aussehen, bewegung bezogen. zufrühest, aber singulär im spezifischen sinne von '
monströs': mit wundersamen tieren, olbende und camelîne (
kommen die drei weisen aus dem Morgenlande)
erlösung 3189
Bartsch; doch vgl. noch auf dieser linie: wie die alten sich vergnügten, monstra zusammenzusetzen, indem sie die gestalten der ziegen, kühe und stuten verbanden, so sollten auch diese verbindungen verschiedener pflanzen und blätterarten monstra und nicht grottesken genannt werden. auf diese weise machte ich solche wundersam zusammengesetzte blätter Göthe I 43, 86
W. sonst '
auffallend, ausgefallen, skurril, bizarr',
je nach dem sachzusammenhang: eine wundersame figur, in einem langen blauen überrock, in gelben pantoffeln, und einer kleinen, runden, schwarzen, wollenen perücke Zimmermann
einsamkeit (1784) 3, 78; so war auf einmal alles wie ein rattenkönig von wundersam durcheinanderarbeitenden armen und beinen Eichendorff
s. w. (1864) 2, 404; diese wundersamen felsen ... würden von teufelssagen ... wimmeln, wenn sie im alten Europa ständen Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 19.
auf ein widersprüchlich zusammengesetztes hindeutend: in dieser wundersam wilden und anmutigen gegend Dörfler
d. notwender (1934) 61. 5@bb)
in abstrakterer beziehung häufiger, von absonderlichen erlebnissen, vorgängen und sachverhalten. mit vorliebe in sich widersprüchliche, aus gegensätzlichem gemischte tatbestände charakterisierend: wundersam (
überschrift). die sach (
der rechtshandel) wirdt genent wunderbar: wenn sy ins richters gemüt oder von menglichem vnzimlich geschetzt: vnd doch beschirmpt wirdt Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) a 6
b; eine wundersame mischung von leben und tod, alter und ewiger jugend Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 25; die wundersamsten kontraste von erhabenheit und wildem humor Holtei
vierzig jahre (1843) 4, 299.
auf geistige inhalte bezogen: paradoxa wundersame, seltzame ding, so wider gemeine gedancken, vrtheil vnd meinung sein Decimator
thes. (1608) 908
b.
hier gern mit dem nebensinn '
verworren, abstrus, abwegig': und gehet eben zu wie bey den melancholicis, die ihnen wundersame sachen einbilden Widmann
Fausts leben 217
Keller; mancher hat wohl auch an den allerdings nicht selten etwas wundersamen meinungen des alten skalden über personen und sachen anstosz genommen Hebbel
w. 11, 377
Werner. das in diesen anwendungen naheliegende abwertende moment '
befremdlich'
tritt besonders im urteil über menschliches verhalten hervor: kinder sind schuldig auch nach deren (
der eltern) tode ihre befehle, so wundersam sie auch scheinen mögen, aufs genaueste zu befolgen Rabener
s. schr. (1777) 3, 202; wundersam genug fiel es aber auf, dasz man von den gegenwärtigen musikanten den Marseiller marsch ... verlangte (
nachdem die Franzosen gerade aus Mainz vertrieben waren) Göthe I 33, 320
W.; eine wundersame landesmode bleibt es aber doch, den tag in der schenke und die nächte vor den kirchen zuzubringen (
d. h. dort zu schlafen) Gaudy
s. w. (1844) 2, 86.
[] 5@cc)
als persönliches beiwort. älter selten, und dann soviel wie '
schwierig, eigensinnig': weil nun das wundersame weib gantz und gar auff keinen andern weg zu bringen Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 149.
jünger eher '
sonderbar, kauzig, schrullig, verschroben': der alte ist ein wundersamer kautz Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 1, 16; der wundersame präceptor Braun ... vertiefte sich immer mehr in die erklärung der offenbarung Johannis, wodurch dessen psychischer zustand ... immer verdächtiger wurde Kerner
bilderb. (1849) 208.
anders mit der nuance '
interessant, pikant': eine geschiedene frau, ein renegat machen auf uns einen besonders reizenden eindruck. personen, die uns sonst vielleicht nur merkwürdig und liebenswürdig vorkämen, erscheinen uns nun als wundersam Göthe I 46, 33
W. 66)
am weitesten, besonders in jungem gebrauch, greift das wort dort aus, wo es, von 4 '
auszerordentlich, erstaunlich'
her gesteigert, im sinne von '
ausgezeichnet, bewundernswert'
einen prägnanten wertbegriff darstellt. zur steigerung gegenüber 4 (
oder auch 5)
vgl. z. b.: es ist verwunderlich, ja wundersam, wie ... die maschine ... fast tausend händen gleich arbeitet E.
M. Arndt
pro populo germanico (1854) 11. 6@aa)
soviel wie '
bewundernswert',
sofern menschliche leistungen oder fähigkeiten zur frage stehen. 6@a@aα) was hilft den menschen so er grosse und wundersame ding schaffet mit hoffart, er wirt dar durch nicht erhöhet Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) B 2
a; es ist aber die schifffahrt ein vnseglich vnd wundersames werck menschlicher frewdigkeit Schweigger
reyszbeschr. (1619) 240; mein vater machte zu selbiger zeit wundersame orgeln mit hölzernen pfeifen, claviere, so schön und gut, als man sie damals nur sehen konnte, violen, lauten und harfen, auf das beste Göthe I 43, 21
W.; aber dasz man nun das ganze wundersame buch vollständig vor augen hat, das ist eine freude Müllenhoff in:
briefw. 49
Leitzm.; das ... wundersame phänomen der vollkommenheit griechischer plastik Justi
Winckelmann (1866) 1, 216; welche auswahl jener wundersamen rohre, in deren rund die ferne sich einfangen liesz, lag hier auf purpursamt gebettet und funkelte sanft Ina Seidel
d. labyrinth (1922) 73. 6@a@bβ)
schon früh in moralischer wertung: das ist grosz und wundersam zuo achten, das ain demütiger ... sich nit für grosz schAetzt Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) B 3
b; gott, für welchen jhr gestritten, werde euwer wundersamen dapfferkeit, im ewigen leben, reiche widergeltung und belohnung geben Wurstisen
Paulj Ämilij ... hist. (1572) 1, 196; hiermit ... vergnügten diese zwey mütter ihre richter durch so wundersame eintracht Lohenstein
Arminius (1689) 2, 819
b; ein mensch von wundersamer kindlichkeit trotz des herumwerfens in drei welttheilen J. Fr. Böhmer
leben, br. u. kl. schr. (1868) 2, 150
Janssen. hierher auch wundersamer zorn '
heiliger zorn': bald entzündete sich in der christenheit jener wundersame zorn gegen die irrlehre des Orients (
den mohammedanismus) Görres
ges. schr. (1854) 1, 152. 6@a@gγ)
als hoch auszeichnendes persönliches beiwort: ob er (
David) wol so ein hoher trefflicher wundersamer man ist, wird er dennoch auch zum exempel einer grossen schwacheit Menius
chron. Carionis (1560) 1, 68
b; wer ... war denn jener wundersame hauptmann, der euer fuszvolk so meisterlich führte
d. jahreszeiten (1811) 4, 94
Fouqué; der wundersame jüngling Masaccio Justi
Winckelmann (1866) 1, 341. 6@bb)
in ästhetischem sinne, soviel wie '
wunderschön, wunderbar fein'
; besonders auf form und erscheinung naturhafter gebilde bezogen: aber uber disz alles ist sichs höchlich zu verwundern, uber dieser statt wundersame gelegenheit Boterus
allg. weltbeschr. (1596) 1, 9; die wundersame ..., weiszlich-blaue farbe Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 515; die wundersamen haideblümchen, gluthfärbig oder himmelblau brennend Stifter
s. w. 1
[] (1904) 175; dann genieszt man halbe stunden lang das wundersame spiel von besonnung, lauem wasser ... und fächelnder luft A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 411.
hier auch als attribut menschlicher gestalt und erscheinung: ein wundersamer jüngling ..., der in seiner lockenfülle und zierlicher bunter tracht beinahe weiblich anzusehen war E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 144
Gr. komplexer: mit einer lilie in der einen hand und mit einem körbchen in der andern, die wundersame erscheinung (
Mignon als engel gekleidet) Göthe I 23, 158
W. 6@cc)
als materieller wertbegriff in sachlicher zuordnung, '
wertvoll, kostbar'
; nicht sehr häufig: aber sonst muszt herhalten, was zartlichkeit vnnd wundersamens (
var. wundersames) war, darmit man sich mutzet vnd spiegelt Fischart
Garg. 215
ndr.; eines nachts dünkt ihn, er trete in einen königlichen saal; er sieht wundersame thronstühle, wie im himmel seyn sollen Herder 16, 210
S.; sie sah viel wundersame dinge, grosze schätze und reichthümer br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 37. 6@dd)
ungebräuchlich in dem für wunderbar (
s. d. 6 f)
geläufigeren, leicht banalen sinn von '
ausgezeichnet, tadellos'
: admirable, wundersam, vortrefflich, z. e. disz frauenzimmer tantzet, spielet, singet admirable Wächtler
manual (1714) 31; die unbehülfliche ordenstracht schmiegte sich wundersam den wohlgebauten formen seines körpers an E. T. A. Hoffmann
s. w. 2, 18
Gr. ironisch hier soviel wie '
wunder wie, wer weisz wie': sie (
die albernen schauspieler) glaubten mich wundersam zu unterhalten, wenn sie an mir herumtätschelten. ich fing an, sie alle von herzen zu verachten Göthe I 22, 99
W. 6@ee)
sehr bezeichnend für das wort ist seine anwendung auf seelisches, auf gefühle, stimmungen, innere zustände, in denen zartes und erregendes geheimnisvoll zusammenwirken. wie der entsprechende, aber später zurücktretende gebrauch von wunderbar (
s. d. 6 c)
die einflüsse des pietismus und des empfindsamen zeitalters voraussetzend, seit dem späten 18.
jh., vor allem der lyrischen sprache des 19.
jhs. zugehörig und von da her noch modern geläufig. 6@e@aα)
in unmittelbarer beziehung. vergleichbare frühere anwendung noch ohne den seelischen gehalt, eher im sinne einer intensitätsbestimmung (
s. ob. 4 d): so baldt nun Anna Nötken dises vernommen, ... ist sie mit wundersamer frewd daher gangen C. Vetter
v. d. jungkfrawkloster s. Benedictordens (1614) 30; es entstund eine wundersame freude in dem liebreichen mutterhertzen Bucholtz
Herkuliskus (1665) 610.
dagegen: o mein (
des liebenden mädchens) bebendes herz umwühlt, was ich nimmer zuvor gefühlt, wundersames gedränge! J. H. Voss
s. ged. (1802) 5, 116; und noch umziehn mit wundersamer lust ihr lauschend ohr die kaum verklungnen lieder A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 202; sogleich ... sah er Marie Ev an ihrem platze (
in der kirche) und wurde von einem wundersam heimeligen gefühl durchsonnt P. Dörfler
d. notwender (1934) 245;
vgl. 246.
von hier aus: daher bedünkte es sie nun ein unbegreiflicher und wundersamer augenblick, in welchem ein ganzes leben lag, als sie jetzt nach wohl dreiszig jahren sozusagen zum ersten mal sich von dem sohne umfangen sah G. Keller
ges. w. (1889) 4, 23.
vor allem in bestimmten verbalen bindungen: bald sammelten die kindlichsten gemüther von inniger liebe wundersam ergriffen sich um ihn her Novalis in:
Athenäum (1798) 3, 198;
vgl. Schiller 12, 330
G.; dieser gedanke hat mich wundersam getröstet Gaudy
s. w. (1844) 4, 137; wenn er dies ausgesprochen, wähnte er sich stets wundersam gestärkt Holtei
erz. schr. (1861) 3, 109; zu den einsamen kommt manchmal etwas, was wundersam wohl tut (1900) Rilke
tageb. 1899 —1902 (1931) 299.
auch in der beziehung auf leicht negativ betonte gefühle bleibt das moment des geheimnisvoll erregenden erhalten: sie sang ein danklied hervor aus der bewegten brust und fühlte sich wundersam beklommen Chézy
erz. u. nov. (1822) 1, 19;
[] wundersam aber erschrak mir heute das herz (
bei einer todesahnung) Mörike
w. 1, 86
Maync; da lag sie nun in ihrem schmalen sarge ..., ein wundersam ergreifender anblick
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 20. 6@e@bβ)
mittelbar in der kennzeichnung visueller oder akustischer eindrücke, die das gefühl ansprechen; insofern von dem sachlich verwandten gebrauch ob. b
unterschieden: die winde rauschten lieblicher ... alles so wundersam maler Müller
w. (1811) 1, 16; diese klänge — so wundersam getragen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 405; die wundersame pracht des abendhimmels B. Auerbach
schr. (1892) 5, 193; waren des dunkelen waldes melodische stimmen nicht nur ein wiederhall dieser wundersam strömenden klänge?
moderne dichtercharaktere 214
Arent-C.-H.