mensch,
m. homo. 11) mensch
ist dasjenige adjectiv zu mann,
das als männisch
sp. 1594
aufgeführt worden. während es im adjectiven gebrauch über alle deutsche stämme geht (
auch goth. mannisks,
nord. mennskr),
haben nur nieder- und hochdeutsch es auch zu substantiver verwendung ausgebildet, und es dadurch allmählich auch in der form vom adjectiv getrennt. am wenigsten das ags., das die starke masculine form des adj. mennisc
humanus in wenigen nachweisbaren fällen substantiv im sinne von homo braucht (hit wäs .. häleða forlor, menniscra morð.
genes. 722),
während die neutrale in gleicher stellung ihm genus humanum ausdrückt: mid twêgen ormæte dracan, þæra orðung acwealde þät earme mennisc. Älfric
homil. 2, 474;
beide anwendungen sind in der späteren sprache wieder eingegangen. das altsächsische und altniederfr. dagegen hat die schwache form mennisko
in der häufigeren verbindung menniskôno barn (
Heliand 2636
u. ö.)
in jenem sinne aufgenommen, woraus sich das mnd. mensche
und minsche,
das mnl. mensch
in häufiger anwendung und in unserer heutigen bedeutung herausbildet, und so, dasz das wort nicht nur masculin, sondern auch, bei bezeichnung eines menschlichen wesens ohne rücksicht auf das geschlecht neutral, und selbst weiblich gebraucht wird, wenn es das natürliche geschlecht ausdrücklich hervorheben will, vergl. Schiller-Lübben 3, 94
fg.: nu bedde ek iw umme aller fruntschap und lewe willen, de gy iw to einer minschen hat hebben und borcet my twei gulde wer (
wert) geldes.
liebesbrief des 15.
jh., Germ. 10, 392;
fries. hat sich nur das masc. manniska, menneska, manska, menska, mansche, menscha, minscha
ergeben (Richthofen 915
b).
ebenso ist ahd. mannisko, mennisko
in jedem falle nur männlichen geschlechtes, erst mhd. wird daneben, zunächst im allgemeinen sinne, später auf das weib bezogen, das neutr. mensche
gebildet, über das unten besonders; feminin, wie im nd., kommt es in hessischen actenstücken des 16.
und 17.
jahrh. häufig vor: die mensche
neben die menschin, menschen Vilmar 268;
ohne weitere verbreitung. im dänischen hat sich ein neutr. menneske
mensch als lehnwort aus dem deutschen eingestellt; schwed. ein fem. menniska
mensch, das aber dem geschlecht nach wol vom altnord. mennska
humanitas, virtus beeinfluszt worden ist. Die form des wortes, im ahd. durchsichtig und vom oben erwähnten adjectiv nicht geschieden, verdunkelt sich und nimmt die heutige gestalt an im mhd., wo in frühen denkmälern noch menniske, mennische, menesche
begegnet (Lexer
wb. 1, 2102),
aber auch schon mennisk: also scol der mennisk tuon.
fundgr. 2, 29, 35;
und bald nur noch mensche
und mensch: des merke und vröu dich, hôher, werder, wîser mensch, dû sîgest tiutsch, welsch, windesch, ungersch oder tensch.
minnes. 2, 381
a Hagen; die form mensche,
die Luther
nicht braucht, ist doch gerade bei mittel- und norddeutschen schriftstellern noch des 17.
jahrh. nicht vergessen: weil Timotheus ein junger mensche war. Schuppius 826; wo man gottesfurcht auf die seite setzt, da ist der mensche mehr als halb verdorben.
unw. doct. 562; o mensch, beweine deine sünd, um welcher willen gottes kind ein mensche muste werden. P. Gerhard 30, 3; wie gieng es ihm? eh es ein mensche dänkt, wird er (
Haman) erhenkt. Neumark
lustwäldchen 5;
weitere beispiele im folgenden verstreut. der dat. acc. sing. hat bisweilen starke form, wie schon mhd.: die varent noch hiute dem mensche bî. Wolfram
Willeh. 308, 25;
so auch in der neuern sprache: der mensch wird nur zum mensch gezogen. Klinger 2, 170; ich kenne schon den unbestand der weiber, die nicht so wohl den mensch als nur das wams beschaun. Günther 560;
häufiger finden sich starke casus beim neutrum mensch,
s. d. 22) mensch
bezeichnet, wie in der älteren sprache das neutr. mensch (
s. dasselbe, nr. 1),
allgemein ein menschliches wesen, somit in jedem von beiden geschlechtern, sowie jedem lebensalter (
wie das allgemeine mann,
s. sp. 1555
fg.),
und diese allgemeine bedeutung tritt in häufigen fällen, im singular wie im plural, hervor (
vergl. nachher 3
bis 15).
einschränkung des begriffes auf den erwachsenen männlichen menschen, vergl. unten 16.
auszerdem vermeidet man noch besonders da, wo das weib ausdrücklich durch ein anderes substantiv oder fürwort hervorgehoben wird, das wort in unmittelbare verbindung damit zu bringen, wegen der nahe liegenden beziehung auf das neutr. mensch
in übler bedeutung; wiewol nicht ohne ausnahme, wo misverständnis ausgeschlossen: sie mache in der ersten hitze mit dem mörder was sie will, ich verzeihe ihr, sie ist mensch und mutter. Lessing 7, 212; wer kann dich zwingen? du bist herrscherin ... du bist ein mensch, und jetzt kannst du nicht richten (
Shrewsburg zu Elisabeth). Schiller
Maria Stuart 4, 9.
in der schöpfungsgeschichte wird der erstgeschaffene, den namen mensch
führende mann zunächst von seinem weibe
unterschieden: und sie waren beide nacket, der mensch und sein weib, und schemeten sich nicht.
1 Mos. 2, 25. 33)
nach der aus dem alterthum überkommenen, in der mittelalterlichen gelehrsamkeit allgemeinen und ausgebildeten vorstellung ist der mensch
der mikrokosmus, die welt im kleinen, in welchem sich die art und beschaffenheit des weltalls wiederholt: von den viern (
elementen) habent ir natur alle geschepht gots und der mensch hat aller der natur ieglichs ain teil an ime, ettliches mer, ettleichs minner; wan er aller vier an im hat so haist er microcosmus, dʒ ist in däutsch die minner welt.
kräuterb. des 14.
jahrh. im anz. des germ. mus. 1854
sp. 185; nû hân ich kurz begriffen, wie der mensch der ganzen welt sei geleich. dar umb haiʒt er in kriechischer sprâch microcosmus, daʒ ist als vil gesprochen als die clain welt. dar umb sprechent hübsch leut: ich sach alle werlt in ainem rok. Megenberg 4, 5,
es wird dies vorher und nachher manigfach ausgeführt, gleich als leitender gedanke im eingange des buches: got beschuof den menschen an dem sehsten tag nâch andern crêaturen und hat in beschaffen alsô, daʒ seins wesens stük und seins leibes gelider sint gesetzet nach dem satz der ganzen welt. 3, 3;
homo i. microcosmus l. antropus mensche Dief. 279
c;
microcosmus minderwelt als der mensch 360
b;
microcosmus, parvus mundus, der mensch Dasyp.; alle gescaft ist an dem mennischen, sô iʒ sagit daʒ êvangelium.
Annolied 29;
und mit beziehung darauf bei Göthe: wenn sich der mensch, die kleine narrenwelt, gewöhnlich für ein ganzes hält (
Mephistopheles zu Faust). 12, 71;
von dieser lehre her wird die komplexion
der welt, namentlich der vier elemente auf den menschen übertragen (
vgl. th. 5, 1686),
seine natur als trocken oder feucht, warm oder kalt hingestellt (
vergl. unter melancholie
sp. 1989),
und danach endlich auch sein charakter bestimmt, vergl. dazu die ausführungen unter kalt 3,
th. 5, 78
fgg. 44)
die biblische schöpfungsgeschichte läszt den menschen, das doppelwesen aus fleisch und geist (waʒ ist anderes mennisko, uuane redehaftiu sêla in demo fleiska? Müllenhoff
u. Scherer
nr. 78 B, 94),
von gott aus erde, aber nach seinem bilde geschaffen werden: und gott sprach, lasset uns menschen machen, ein bild das uns gleich sei.
1 Mos. 1, 26; und got schuf den menschen jm zum bilde, zum bilde gottes schuf er jn, und schuf sie ein menlin und frewlin. 27; und gott der herr machet den menschen aus dem erdenklos, und er blies jm ein den lebendigen odem in seine nasen, und also ward der mensch eine lebendige seele. 2, 7; da hielt gott an dem sechsten tag von dem menschen einen ratschlag, wie er jn formieret, zu seinem bild und gleichnis zieret. Wackernagel
kirchenl. 4, 411 (
nr. 580, 10); Hans Adam war ein erdenklos, den gott zum menschen machte. Göthe 5, 14;
darum ist der mensch
das beste der schöpfung: als gott, dasz der mensch ein gott sei auf der erde, dasz des geschöpfes werk dem schöpfer ähnlich werde, ihm eine seel einbliesz, sein ebenbild drückt ein. Lohenstein
himmelschlüssel s. 4; der mensch, ein leib, den deine hand so wunderbar bereitet; der mensch, ein geist, den sein verstand dich zu erkennen leitet; der mensch, der schöpfung ruhm und preis. Gellert 2, 146;
wenn auch andererseits der stoff, aus dem er geschaffen, und seine vergänglichkeit und hinfälligkeit hervorgehoben wird (
vergl. auch erdensohn, erdgeboren): wee dem menschen, der da erd ist und muosz zuo erden werden. Keisersberg
sünd. d. m. 6
b; wie der mensch ist von der erden, darumb so hangt er der erden an, und musz von ihr die nahrung nemen und entpfahen. Paracels. (1590) 8, 223; ein mensch ist in seinem leben wie gras.
ps. 103, 15; der mensch ist wie ein wasserblase,
homo bulla. Agr.
sp. 322
b; ist der mensch geboren, so fängt er an zu sterben. Simrock
sprichw. 375; wann ich dann mirzu gmüthe führ was der mensch ist auf erden, zeigt mir die schrift nicht anders an: wie er aus erdgemachet werd, musz wider zur erden werden. Wackernagel
kirchenl. 4, 703 (
nr. 1030, 4); alle menschen müssen sterben, alles fleisch vergeht wie heu.
geistl. lied von G. Albinus;
daher die formel was ist der mensch,
die solchen zustand des menschen hervorheben will, in ausruf oder frage: was ist der mensch! heute rot, morgen todt!; herr, was ist der mensch, das du dich sein annimpst? und des menschen kind, das du jn so achtest?
ps. 144, 3; was ist der mensch? wozu taug er?
Sir. 18, 7; was ist ein mensch, das du (
gott) jn gros achtest?
Hiob 7, 17; was ist der mensch, den du befreit? Gellert 2, 133;
und er in der verzweiflung einem wurm sich gleich stellt (
vergl. auch erdenwurm): ich aber bin ein wurm und kein mensch.
ps. 22, 7; ich bin kein mensch, ein wurm; ein raub der wut, ein spott der leute. Gellert 2, 132;
er betont die abhängigkeit von gott, als seinem schöpfer, vater und richter: ja lieber mensch, wer bistu denn, das du mit gott rechten wilt? spricht auch ein werk zu seinem meister, warumb machstu mich also?
Röm. 9, 20; das wir auf den lebendigen gott gehoffet haben, welcher ist der heiland aller menschen, sonderlich aber der gleubigen.
1 Tim. 4, 10; ein mensch, der gott gehorcht, erwählt das beste theil: ein mensch, der gott verläszt, verläszt sein eignes heil. Gellert 2, 180; bei menschen ist nicht rath noch trost in dieser groszen sache: ich trage sie dem höhern richter vor. Schiller
Maria Stuart 4, 9;
und mensch gottes
weist auf dieses verhältnis besonders hin (
vergl. auch mann gottes
sp. 1560): du mensch gottes, dise ding spricht der künig: eile und steig ab. Helias antwurt und sprach: ob ich bin der mensch gottes, das fewer steig ab vom himel und verwüste dich und dein fünfzig.
bibel 1483 170
a (
2 kön. 1, 9;
homo dei vulg., du mann gottes
Luther); und es geschach die red des herren zu Semeiam dem menschen gottes. 201
b (
2 chron. 2, 2); aber du gottes mensch fleuch solches. Luther
1 Tim. 6, 11 (
variante du mensche gottis);
niederd. dô de jode alzô du bî sik dâchte, dô quam ên cristen up den kerkhof gânde, den rêp de jode unde sprak: o minsche godes, hale mi den kerkheren von dosser kerken.
Germ. 10, 286, 17 (15.
jahrh.).
Sonst erscheint der abstand gottes gegenüber dem menschen: ich bin gott und nicht ein mensch.
Hos. 11, 9; das ein mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen gott.
Hiob 9, 2; ist deine zeit wie eines menschen zeit? 10, 5; der herr des himmels und der erden, bedarf der eines menschen flehn? Gellert 2, 98;
in formeln wie vor gott und menschen, bei gott und menschen (lieb, angenehm); derhalb bisz frum, so bist du reich, gott und den menschen lieb und werdt. H. Sachs
fastn. sp. 3, 53, 401;
und der gegensatz des menschen in der stellung gegen gott: Egypten ist mensch und nicht gott.
Jes. 31, 3; ich bin gott, und nicht ein mensch.
Hos. 11, 9;
aber auch das bestreben, diesen gegensatz aufzuheben: darumb, das sich dein herz erhebt, und spricht, ich bin gott, ich sitze im thron gottes, mitten auf dem meer, so du doch ein mensch, und nicht gott bist.
Hes. 28, 2 (
vgl. auch menschengott 2
und menschengöttlichkeit);
und namentlich, wenn im glücke der mensch sich gott fühlt: zittern nicht alle schrecken dieses glücks noch in mir? hab ich so stolz gehofft? hab ich das je zu träumen mir getraut? wo ist der mensch, der sich so schnell gewöhnte, gott zu sein? Schiller
don Carlos 2, 4. 55)
daneben der mensch
gegenüber den göttern
nach heidnischen begriffen: aber der olebawm antwortet jnen, sol ich meine fettigkeit lassen, die beide götter und menschen an mir preisen?
richt. 9, 9; die götter, die bei den menschen nicht wonen.
Dan. 2, 11; huben sie jre stimme auf und sprachen auf lycaonisch, die götter sind den menschen gleich worden, und zu uns ernider komen.
ap. gesch. 14, 11;
namentlich nach den aus der antike übernommenen vorstellungen: die aber so zugleich von edlem stamm geboren, durch tugendt noch darzu vollkommen sein gemacht, die sein, die sein allein die edlen auszerkoren, die man vor götter hie under den menschen acht. Zinkgref
bei Opitz 1624
s. 213; selig durch die liebe götter — durch die liebe menschen göttern gleich! Schiller
triumph der liebe; zwischen menschen, göttern und heroen knüpfte Amor einen schönen bund.
götter Griechenlands; mit einem wort: Apoll, so bald er mensch sich fühlte, entdeckte, was er nie als göttersohn gewuszt, es schlage was in seiner linken brust. Wieland 9, 154; jemehr du fühlst ein mensch zu sein, desto ähnlicher bist du den göttern. Göthe 4, 336; (
ich) fühle den gott in meinen adern flammen, der unter des menschen muskeln zagt. Fr. Müller 2, 35. 66)
Christus hat die doppelte natur von mensch
und gott (
vgl. auch menschensohn 2, gottessohn): es wird je geschehen, das des menschen son kome in der herrligkeit seines vaters, mit seinen engeln, und alsdenn wird er jglichen vergelten nach seinen werken.
Matth. 16, 27; der heubtman aber der da bei stund gegen jm (
Christus) uber, und sahe, das er mit solchem geschrei verschied, sprach er, warlich dieser mensch ist gottes son gewesen.
Marc. 15, 39; er was mennisch unde
got. Ezzos leich, Müllenhoff
u. Scherer 31, 14, 1; unser herre Jesus Christ, der wârer got und mensche ist. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 3150; Maria hat geboren ausz jhrem fleisch und blut das kindlein auszerkoren, wahr mensch und waren gott. Wackernagel
kirchenlied 2, 303 (
nr. 460, 4); wir danken dir, herr Jhesu Christ, der du ein mensch worden bist. 4, 410 (
nr. 579, 8); wir gleuben auch an Jhesum Christ, seinen son und unsern herren, der ewig bei dem vater ist, gleicher gott von macht und ehren, von Maria der jungfrawen, ist ein warer mensch geboren. Luther 8, 362
a; (
dies aber) verwirrt der Juden witz, der weisen heiden köpfe: dasz heute gott ein mensch, der schöpfer ein geschöpfe, die jungfrau mutter wird. Lohenstein
himmelschlüssel s. 5; herr, der du mensch gebohren wirst, Immanuel und friedefürst, auf den die völker hoffend sahn, dich, gott messias, bet ich
an. Gellert 2, 134. 77)
in der stufenleiter der wesen nimmt nach einer philosophischen anschauung, zumal des 18.
jahrh., der mensch
die mittelstufe zwischen engel
und thier
ein: unselig mittelding von engeln und von vieh! Haller 47 (
s. 44
Hirzel, vergl. dessen anmerkung dazu); was ist der mensch? halb thier, halb engel. J. L. Evers,
vergl. Hoffmanns volksthüml. lieder s. 138;
der gegensatz aber des menschen
blosz zum thier, vieh
ist älter und gewöhnlicher betont: alles das seine mutter bricht unter allem fleisch, .. es sei mensch oder vieh, sol dein sein.
4 Mos. 18, 14; herr, du hilfest beide, menschen und vihe.
ps. 36, 7; ich wil beide menschen und vihe, beide vogel des himels, und fische im meer wegnemen.
Zephanja 1, 3; es sol weder mensch noch thier, weder ochsen noch schafe etwas kosten.
Jona 3, 7; der blitz hat menschen und vieh getödtet. Klinger
Otto 33, 34; der krieg reiszt länder fort, und beides mensch und vieh will jämmerlich verzagen. Günther 585; der edlen hetze freund, die heulen und musik, und mensch und thier vereint. Hagedorn 1, 108; thier und menschen schliefen feste. Lichtwer
fabeln 1, 21; kein eselein, kein öchslein, kein mensch entkam der fluth. Hölty 11
Halm; dieser gegensatz wird auch durch gesittung, leben und haltung des menschen hochgehalten, wer darin fehlt, lebt wie ein vieh, ein thier,
ist ein viehischer, verthierter mensch: ein entmenschter mensch,
homo omni humanitate privatus Stieler 1240,
vergl. auch unmensch, menschenthier; man sichts (leider) es ligt am tag, dasz auch der mensch wird erger schier, dann ein grob unvernünftig thier, wann er sich also uberfült, und denkt nicht, dasz er sei gebildt nach gottes gleichnis.
Grobian. T 3
a (
v. 4931), will man den menschen recht auszstreichen, soll man jn mit einr saw vergleichen? ja noch vil erger helt er sich, dann sunst kein unvernünftig vich. T 3
b (
v. 4955); als der wilde mensch wie vieh fängt an zu leben, ja teufeln ehnlich wird. Lohenstein
himmelschlüssel s. 4;
andrerseits wird wieder der zusammenhang des menschen
mit dem thier betont: ein mensch ist ein gesellig thier. Keisersberg
narrensch. 128
b; denn es gehet dem menschen wie dem vihe, wie dis stirbt, so stirbt das auch, und haben alle einerlei odem, und der mensch hat nichts mehr denn das vihe, denn es ist alles eitel.
pred. Sal. 3, 19; diejenigen, welche behaupten, dasz die menschen weiser und besser sein sollten, als sie sind, nehmen als thatsache an, dasz sie dermahlen, im ganzen genommen, eine thörichte und verkehrte art von thieren sind. Wieland 36, 337; wisset für gewisz: dasz das schönste thier, das die natur hervorgebracht, der mensch sei. Göthe 35, 375; ich tier und mensche in menschenhût, gotes muoter lob ich überlût.
minnes. 3, 109
b Hagen. 88)
nähere bestimmung des menschen, 8@aa)
nach seiner körperart und beschaffenheit, man unterscheidet einen äuszern
und einen innern menschen
zunächst rein leiblich: den äuszern menschen schön machen,
in bezug auf kleidung oder putz, den innern menschen wärmen,
durch ein heiszes getränk; der ganze mensch (
unterschieden von unten d),
jeder theil desselben: der ganze mensch ist gesund; wenn ein glied leidet, ist eben der ganze mensch krank; so ein mensch die beschneitung annimpt am sabbath, ... zürnet jr denn uber mich, das ich den ganzen menschen habe am sabbath gesund gemacht?
Joh. 7, 23;
auch mit dem possessiv, das die körperliche bedeutung dann besonders betont, mein ganzer mensch ist wohlauf;
und der ganze mensch
im gegensatz zur unreifen leibesfrucht: ein unzeitige frucht, bewart in mutterleibe, lebt halber nur bisz sie zum ganzen menschen wirdt. Zinkgref
bei Opitz 1624
s. 213. 8@bb)
nach dem alter: erwachsene und unerwachsene menschen,
früher auch junge, alte menschen
in solchem verstande (
jetzt in eingeengterem, vgl. unten 16,
a); man nehme von cypressenkraut, drucke den saft aus, .. und gebe einem alten menschen einen löffel voll, einem jungen weniger, nach beschaffenheit. Hohberg 1, 267
b; ein kind sucht kindern oft den apfel abzustreiten, weil schon die kinder menschen sind: auch der erwachsne mensch ficht oft um kleinigkeiten. Hagedorn 1, 119;
doch wird auch der begriff auf den zu voller entfaltung seines körpers gekommenen eingeengt: ich thet (
im kampfe) als ein junger gesell, der auch gern ein mensch wäre gewest, und daucht mich auch, als jung ich war, man musz mich auch einen menschen und guten gesellen sein lassen. Götz v. Berl. 78;
und im gegensatz zu kind
gestellt: nu pin ich, secht, zum menschen worden, und han verworfen kindelspil.
ring 20
c, 5;
ebenso nach dem geschlecht und nach der erscheinung: männliche und weibliche menschen; grosze, kleine menschen (
unterschieden von unten d); in diesem lande giebt es meist hochgewachsene menschen; und do man nuo sagt, wie das mit dem herzogen vil wunderlicher lüte komen wären, die mit im auf der strasz und gaszen eingiengent, da lief iedermeniglich zuo, jung und alte, frawen und manne, solich selzsame menschen zuo beschawen.
herzog Ernst 291, 19
Bartsch; menschen die schnablen haben,
ciconides, sic in transmarinis partibus. voc. inc. theut. n 6
a; menschen die ir augen und mund haben an der brust,
lemine. ebenda; in vielen bergen aber sind auch menschen mit hundsköpfen. G. Rollenhagen
reisen (1717)
s. 77; die andren wöllen dir bedeuten von meerwundren und wilden leuten, die under andrem polus sind, da man hundszköpfig menschen find.
Grobian. J 2
b (
v. 2244); doch welch entsetzen! seine schöne, sein liebling, war halb mensch, halb fisch. Gellert 1, 257; trinken auch aus den hirnschalen der todten menschen. Rollenhagen
reisen (1717) 69. 8@cc)
in der sprache des neuen testaments nach seinem religiösen verhalten: die weil wir wissen, das unser alter mensch sampt jm gecreuziget ist, auf das der sündliche leib aufhöre.
Röm. 6, 6; ich habe lust an gottes gesetz, nach dem inwendigen menschen. 7, 22; der natürliche mensch aber vernimpt nichts vom geist gottes.
1 Cor. 2, 14; sondern ob unser euszerlicher mensch verweset, so wird doch der innerliche von tage zu tage vernewert.
2 Cor. 4, 16; so leget nu von euch ab, nach dem vorigen wandel, den alten menschen, .. und ziehet den newen menschen
an. Eph. 4, 22. 24; es sei denn, das zuvor der abfalle kome, und offenbaret werde der mensch der sunden.
2 Thess. 2, 3; der verborgen mensch des herzen unverrückt, mit sanftem und stillem geiste, das ist köstlich fur gott. 1
Petr. 3, 4;
und daher in geistlicher rede: das dein alter mensch, lieber er Leonhart, gefangen, ist der wille und beruf Christi, .. der auch seinen newen menschen für dich .. dargeben hat. Luther 3, 422
a; der reichthum deiner herrlichkeit ist gar nicht auszusprechen, wir bitten nur ein theil davon, den alten mensch zu schwächen. Günther 52;
einzelnes ist auch von der weltlichen rede angenommen: sieht er! das hat er wohlerwogen. einen neuen menschen hat er angezogen (
wachtmeister zum recruten). Schiller
Wallensteins lager, 7.
auftr. 8@dd)
nach seinen sittlichen und geistigen eigenschaften: die vernunft ist das, davon der mensch ein mensch ist und genannt wird. Keisersberg
pred. 62
a; desgleichen ist einer erst ein rechter mensch genannt, wenn er vernünftiglichen lebt.
seelenpar. 67
b; nur durch ertödtung des thierischen menschen wird der geistige ins leben geboren. Wieland 27, 282; es ist nichts weniger als gleichgültig für den sittlichen menschen, wie sie (
eine streitfrage) entschieden wird. 36, 334; wie wird ein mensch ein mensch? durch einsicht und durch reisen. Günther 545; die wütriche, die henker deines reichs, die noch zu menschen nicht geworden sind. Gleim 4, 75; und ich, ich sollt ein mensch noch sein, und gott in brüdern nicht erfreun? Gellert 2, 165;
es werden einerseits der hohe vorzug des menschen und seines geistes hervorgehoben: der gute Dionysius hat keine vorstellung davon, was für engel von menschen es sind, zu denen mein herz mich so unwiderstehlich hinzieht. Wieland 28, 128; kunst ist die rechte hand der natur. diese hat nur geschöpfe, jene hat menschen gemacht. Schiller
Fiesko 2, 17; das riesenwerk .., das gröszte, welches je des menschen geist vollbracht. Seume
spaziergang 1, 107;
andererseits die sittliche gebrechlichkeit und die neigung zu fehlern und irrthümern: ich bin ein mensch, das ist prästhaft, zuofellig,
homo sum. Maaler 288
b; wir sind alle menschen, und können den menschen nicht ausziehen,
homines sumus, humani nihil a nobis alienum putemus. Stieler 1240
mit der bemerkung: ita et mensch
ponitur pro vitio, miseria et fragilitate; zum lebendigen menschen muosz man sich guots und bösz versehen. Agr.
spr. 8
a; ja, lieben brüder! fehlt ein mensch, so zeiget eur geschlechte, und helft ihm, weil ihr geistlich seid, mit sanftmuth stets zu rechte. Günther 41; es irrt der mensch, so lang er strebt. Göthe 12, 24;
und dies namentlich auch, wenn der mensch
menschlich genannt wird: der imam wird über lang oder kurz damit aufhören, dasz er sultan sein wird. die gelegenheit ist zu schön, die versuchung zu grosz, der weg zu gerad und gebahnt, als dasz ein blosz menschlicher mensch — auf halbem wege stehen bleiben sollte. Wieland 8, 213; so lang ein mensch ein mensch noch ist, so lange kan er fehlen. Günther 22; er (
der gott) bequemt sich hier zu wohnen, läszt sich alles selbst geschehn. soll er strafen oder schonen, musz er menschen menschlich sehn. Göthe 1, 251;
die sittlichen und geistigen eigenschaften sind durch adjective bezeichnet: es gibt gute und böse menschen; kluge, dumme menschen; einfältige menschen; dasz ich nicht begreifen konnte, wie auch der kaltblütigste aller menschen einem so natürlichen und vernünftigen projekte seinen beifall versagen könne. Wieland 28, 127; denn hat auch je einmal gelebt ein frommer mensch, der nicht geschwebt in groszem kreuz und leiden? P. Gerhard 192, 48; verflucht wer auf den eid der leichten menschen baut! A. Gryphius (1698) 1, 40; ein ganzer mensch,
ein leiblich, geistig und sittlich vollkommener (
unterschieden von oben a),
belege th. 4
1, 1291
unten; kleine menschen,
solche von nicht hoher gesinnung, die kleinen menschen seiner umgebung verstanden ihn nicht; grosze menschen,
von groszer gesinnung; er ist ein ganz anderer mensch geworden,
ein mensch von anderem fühlen, denken, streben; es ist schön, dasz sie sich auch verheirathen .. man wird ein ganz anderer mensch. sie werdens sehen. Göthe 14, 256; mensch genug sein,
das einem menschen eigene masz von fühlen und überlegen haben: nein, ihr seid noch mensch genug, euch zu Euripides Admeten zu versetzen. Göthe 33, 279. 8@ee)
endlich der mensch
an sich, nach seinen allgemeinen, jedem zukommenden eigenschaften, ohne rücksicht oder gar im gegensatze zu seiner sonstigen gesellschaftlichen oder andern stellung: wenn es wahr ist, dasz nur empfindung empfindung weckt, so müszte, däucht mich, der politische held in eben dem grade kein subject für die bühne sein, in welchem er den menschen hintansetzen musz, um der politische held zu sein. Schiller
Fiesko, vorrede; nicht unterthan gegen herrn, nicht freund gegen freund, mensch gegen mensch red ich zu dir. 5, 16; ich verdenks ihm gar nicht. mensch ist mensch. das musz ich wissen.
kab. und liebe 1, 1; sie (
die poesie) soll .. nicht auf den staatsbürger in dem menschen, sondern auf den menschen in dem staatsbürger zielen.
hist.-krit. ausg. 10, 174; alle fehler des menschen verzeih ich dem schauspieler, keine fehler des schauspielers verzeih ich dem menschen. Göthe 20, 26; es ist nicht der doctor im langen kleide, der uns vom katheder herab belehrt; es ist der mensch, der umherwandelt, aufmerkt, erstaunt, von freude und schmerz ergriffen wird und uns davon eine leidenschaftliche mittheilung aufdringt. 53, 143; der alte urstand der natur kehrt wieder, wo mensch dem menschen gegenüber steht. Schiller
Tell 2, 2; da kam der landvogt gegen mich daher, er ganz allein mit mir, der auch allein war, blosz mensch zu mensch, und neben uns der abgrund. 3, 1; dasz nicht des lebens bedingender drang mich, den menschen, verändert. Göthe 1, 330; mensch
dem christen
gegenüber gestellt: wenn ich nur nicht mein elend selbst verschulde; wenn ich als mensch, als christ, hier leid und dulde. Gellert 2, 157; Rousseau leidet, Rousseau fällt durch christen, Rousseau — der aus christen menschen macht. Schiller
Rousseau; und so betont die formel mensch sein, ein mensch sein,
diese allgemeine art schlechthin, namentlich nach der gefühlsseite: (
sie) ringen ängstlich, von der schweren bürde dieser menschlichkeit sich zu befrein, und vergessen, dasz die höchste würde eines menschen sei — ein mensch zu sein. Blumauer 1, 228; Apollo selbst gestand, es sei entzücken, mensch unter menschen sein. Schiller
Semele v. 484; nicht alle glückseligkeit soll unter mir verdorren. ihr selbst, ihr sollet unter meinen augen fortfahren dürfen, mensch zu sein (
Philipp zu Posa).
don Carlos 3, 10; zufrieden jauchzet grosz und klein: hier bin ich mensch, hier darf ichs sein. Göthe 12, 54;
zumal in bezug auf erbarmen: wenn du ein mensch bist und ein menschliches herz hast. Schiller
räuber 4, 5; du so grausam? du nicht edel? sei ein mensch und gib sie frei. 10, 258.
vergl. menschlich. 99)
diese innere eigenart des menschen
grenzt ihn auch für die wertschätzung sowol nach oben als nach unten ab: euer Klopstock, der doch immer unter euch noch ein mensch ist. Göthe 33, 277;
trompeter. was? was? ihr redt ihm das wort noch gar? dem hunde! thut euch der teufel plagen? 1.
arkebus. der bauer ist auch ein mensch — so zu sagen. Schiller
Wallensteins lager, 10.
auftr.; soll sich auch in seinem aussehen kund geben: nun siehst du doch aus wie ein mensch. Göthe 20, 136. 1010)
mit dem collectiven singular der mensch
wird der letztere nach seiner eigenthümlichen art gemeint: (
Mephistophiles) taucht sich ganz in den menschen hinein, ihn desto richtiger zu studiren. Fr. Müller 2, 11;
derselbe ist dem vereinzelnden plur. die menschen
entgegengesetzt: wenn sie darauf grosz thun, menschen zu kennen, ohne doch den menschen und was aus ihm gemacht werden kann, zu kennen. Kant 5, 451; ich habe von jugend auf die augen meines geistes mehr nach innen als nach auszen gerichtet, und da ist es sehr natürlich, dasz ich den menschen bis auf einen gewissen grad habe kennen lernen, ohne die menschen im mindesten zu verstehen und zu begreifen. Göthe 19, 96; ich selbst und mein engerer kreis befaszten uns nicht mit zeitungen und neuigkeiten, uns war darum zu thun, den menschen kennen zu lernen, die menschen überhaupt lieszen wir gern gewähren. 48, 69. 1111)
daher steht dieser singular, wenn etwas für die menschliche art allgemein zutreffendes oder verbindliches ausgesagt wird: vone disen allen sol sih der mennisco behuoten. Müllenhoff
und Scherer
nr. 85, 1, 10; di gotlîchen fûrigin minnc, ôn di der mensche nicht inmac zû himmilrîche komin. Meister Eckart,
Haupts zeitschr. 15, 375, 73; wer hat dem menschen den mund geschaffen?
2 Mos. 4, 11; das der mensch nicht lebet vom brot allein.
5 Mos. 8, 3; der mensch wird zu unglück geborn.
Hiob 5, 7; der mensch vom weibe geborn, lebt kurze zeit, und ist vol unruge. 14, 1; alles fleisch würde mit einander vergehen, und der mensch würde wider zu asschen werden. 34, 15; des menschen herz schlehet seinen weg an, aber der herr allein gibt, das er fort gehe.
spr. Sal. 16, 9; wer weis, was dem menschen nütz ist im leben, so lange er lebet in seiner eitelkeit ... oder wer wil dem menschen sagen, was nach jm komen wird unter der sonnen?
pred. Sal. 7, 1; jre (
der sünde) zeene sind wie lewen zeene, und tödten den menschen.
Sir. 21, 3; was hülfs den menschen, so er die ganze welt gewünne, und neme doch schaden an seiner seele? oder was kann der mensch geben, damit er seine seele wider löse?
Matth. 16, 26; dasz menschen herz ist eine behausung alles übels. Schuppius 529; so gut, so vollkommen und glücklich zu werden, als es der mensch nach der göttlichen anlage sein kann. Gellert 6, 47; sie (
die neigung) ist es eigentlich, die den menschen, wenn er sie sich zu erhalten weisz, in einer schönen folge glücklich macht. Göthe 49, 18; der mensch denkt, gott lenkt; weil dem menschen schwer ist zw leben, in so vil truebsal und peschwerden an (
ohne) einen trewen freunt auf erden. H. Sachs
fastn. sp. 2, 13, 24; götzbild dem menschen gleicht. P. Melissus
bei Opitz 1624 163; denn was der mensch allhier gesät, das wird er einmal erndten. Günther 41; der mensch, durch eigne schuld, hat seine würd entehret. Gellert 2, 127; was zagt der mensch, wenn der ihn schützt, der in des vaters schoosze sitzt? 155; nie schenkt der stand, nie schenken güter dem menschen die zufriedenheit. 172; des menschen würde trotzet siegreich dem geschick. Stolberg 2, 249; der mensch ist frei geschaffen, ist frei, und würd er in ketten geboren. Schiller
worte des glaubens; jedoch der schrecklichste der schrecken, das ist der mensch in seinem wahn.
glocke v. 377; denn aus gemeinem ist der mensch gemacht, und die gewohnheit nennt er seine amme.
Wallensteins tod 1, 4; edel sei der mensch, hülfreich und gut! Göthe 2, 86; des menschen thätigkeit kann allzuleicht erschlaffen, er liebt sich bald die unbedingte ruh. 12, 25;
in einer etwas eingeschränkten wendung: der sturm ist meister, wind und welle spielen ball mit dem menschen. Schiller
Tell 4, 1,
wo aber auch der sing. alle menschen begreift, die mit wind und welle in berührung kommen. 1212)
häufig auch im ausrufe: mensch, bedenke das ende!; mensch, ärgere dich nicht!; du elender mensch, wo kommst du her und wo wilst du hin? Scriver
seelenschatz (1684) 231; sich, mensch, und leit smerzin. Wackernagel
kirchenl. 2, 372,
nr. 523, 1 (
homo, tristis esto); mensch, pit gott, das er dich beker und dich den seinen willen ler. 425,
nr. 558, 5; ach mensche, wiltu dich beklagen, dasz dich dein gott nicht treulich liebt.
unwürd. doct. 494; sei stille mensch und lasz gott walten.
ebenda; und du willst dieser kraft, o mensch! dich widersetzen? Gellert 2, 127; denk, o mensch! an deinen tod. 174; der glaube heiligt dich. ist dieser dein geschäffte? nein, mensch! 178. 1313)
diesem zusammenfassenden singular steht der plural gegenüber, wenn in der anzahl der einzelne betont wird (der mensch ist schwach,
es ist menschliche art schwach zu sein, die menschen sind schwach,
jeder von ihnen): quimit ther selbo gotes sunfon himilrîche herasun, .. thaʒ suach er mit thên forahtun,waʒ mennisgon io uuorahtun. Otfrid 5, 20, 8; da sich aber die menschen begunden zu mehren auf erden, und zeugeten jnen töchtere, da sahen die kinder gottes nach den töchtern der menschen.
1 Mos. 6, 1. 2; da aber der herr sahe, das der menschen bosheit gros war auf erden, .. da rewet es jn, das er die menschen gemacht hatte auf erden. 5. 6; der du die menschen lessest sterben, und sprichst, kompt wider, menschen kinder.
ps. 90, 3; der die menschen leret was sie wissen. 94, 10; bis ich lernete, was den menschen gut were, das sie thun solten, so lange sie unter dem himel leben.
pred. Sal. 2, 3; der menschen augen sind auch unsettig.
spr. Sal. 27, 20; ehre sei gott in der höhe, und friede auf erden, und den menschen ein wolgefallen.
Luc. 2, 14; das vielmehr .. gott, glauben, gerechtigkeit und gewissen bei den menschen heutigs tags nur ein ratio status, ein schein, ein praetext und fürwort wäre. Philander 1 (1642), 276; sprichst du zu der menschen ruhm. Fr. Müller 2, 25; ich habe die menschen gesehen, ihre bienensorgen und ihre riesenprojecte. Schiller
räuber 3, 2; beglückest du die menschen nur, um vor der welt geehrt zu werden. Gellert 2, 142; ein unvergängliches glück den menschen zu erwerben. 167;
mit zahlbegriffen, etliche, viele, die meisten, alle menschen: sô vil menschen, die noch den geistlîchen schîn hânt.
Haupts zeitschr. 8, 452; alsô etelîche menschen sint. 458; werden sie sterben, wie alle menschen sterben, oder heimgesucht wie alle menschen heimgesucht werden.
4 Mos. 16, 29; und war weiser denn alle menschen.
1 kön. 4, 31; alle menschen sehen das, die leute schawens von ferne.
Hiob 36, 25; alle menschen sind narren mit jrer kunst.
Jer. 10, 14; die pestilenz gestunde, dasz sie viel menschen vergiftet. Philander 1 (1642), 241; gleich wie der ein groszer übelthäter ist, der einen brunnen vergiftet, darausz hernach viel tausend menschen trinken und sterben. Schuppius 643; fora sînen ougônstênt alle mennisgon, ubile joh guate. Otfrid 5, 20, 21; die farb hat auch das köstlich golt, dem jetzund sind all menschen holt.
Grobian. A 3
b (
v. 184); dasz alle menschen auf dich gucken. B 2
b (
v. 390); alle menschen werden brüder, wo dein sanfter flügel weilt. Schiller
an die freude; dieses alle menschen,
im sinne von jedermann, nahm im 16.
jahrh. gern den sing. des verbums zu sich: mainst, dein sach wer haimlich aufs best, so es all menschen von dir west. H. Sachs
fastn. sp. 1, 139, 208; und wann schon alle menschen schweigt, und dir der düppel wider steigt.
Grobian. B
b (
v. 303); (
sei) halszstarrig, trutzig, frevel gnuog, dasz alle menschen auf dich luog. E 2
b (
v. 1166); so man dein also streng begert, und alle menschen auf dich wart, das lasz dich nicht bekümmern hart. K 4
a (
v. 2589); da lacht all menschen uber laut. O 2
b (
v. 3563); so wirt dein alle menschen lachen. O 3
a (
v. 3588); menschen
ohne artikel, wenn eine unbestimmte anzahl derselben gemeint ist: ich sehe menschen gehen, als sehe ich bewme.
Marc. 8, 24; von nu an wirstu menschen fahen.
Luc. 5, 10; die taufe Johannis, war sie vom himel oder von menschen? 20, 4; stolz und ehrgeiz, du hast engel gestürzt, die zierden des himmels, wie leicht ist dirs, menschen zu fällen! Fr. Müller 2, 133; todesarten will ich ersinnen, peinigender und schrecklicher, als sie noch von menschen gehört und gesehen worden! Klinger
Otto 25, 24; güter, die du hier erwirbst, würden, die dir menschen gaben. Gellert 2, 174; menschen und wind ändern geschwind. Simrock
sprichw. 375; wir menschen: dis hat gott alles aus nichts gemacht, und wir menschen sind auch so gemacht. 2
Macc. 7, 28; wir menschen sein mit sorgen, pein und plagen .. vom himmel, luft, meer und uns selbst geschlagen. Weckherlin
bei Opitz 1624 192;
in einer anzahl von fällen, wo die hervorhebung der menschlichen art gegen die blosze zahl zurücktritt, rührt der plur. an die verwendung von leute (
oben sp. 841,
nr. 13),
oder deckt sich damit: das er meine schmach unter den menschen von mir neme.
Luc. 1, 25; wer denn bittet oder flehet unter allerlei menschen und unter alle deinem volk Israel.
2 chron. 6, 29;
namentlich in der artikellosen formel unter menschen (
vergl.unter leuten
sp. 843): das er seine wonunge zu Silo lies faren, die hütten da er unter menschen wonet.
ps. 78, 60; geh unter menschen, ich beschwöre dich! Schiller
Fiesko 4, 12; zum unglück hab ich eine sehr böse laune. es ist mir ganz unmöglich, unter menschen zu gehn.
kab. u. liebe 5, 6; menschen
fast gleichviel wie man: du (
liebe) kannsts erheben, des mannes herz, mit stärke und gutem muthe, und er ist wohlbehalten bei dir, auch wenn ihn der kummer drückt, und menschen ihn necken. Klinger
Otto 12, 2. 1414)
bei zutritt von adjectiven zu mensch
überwiegt vielfach der adjectivbegriff, und das substantiv tritt dem sinne nach so zurück, dasz das adjectiv auch substantiv stehen könnte. 14@aa)
im singular mit dem bestimmten artikel, bei einer allgemeinen aussage (
vgl. oben 11): swenne nuo der arme mensche alsô ellende und arm wirt.
Haupts zeitschr. 8, 463; wenn der gottlose mensch stirbet, ist hoffnung verloren.
spr. Sal. 11, 7; du weiszt nicht, wie glücklich der böse mensch ausgerüstet ist von natur. Klinger 12, 21; zu dem, was ist ein stein, der uns so mächtig rühret, eh ihn der eitle mensch mit langer müh gezieret? ein klumpe sonder form. Drollinger 70. 14@bb)
mit dem unbestimmten artikel, bei einer vereinzelnden aussage: das bezeichent einen unstæten menschen.
Haupts zeitschr. 8, 457; wer nu irgend einen todten menschen anrüret, der wird sieben tage unreine sein.
4 Mos. 19, 11; das ist der lohn eines gottlosen menschen bei gott.
Hiob 20, 29; ein vleisziger mensch wird reich.
spr. Sal. 12, 27; eim losen menschen wirds gehen, wie er handelt, aber ein fromer wird uber jn sein. 14, 14; ein verkereter mensch richtet hadder
an. 16, 28; also thut ein falscher mensch mit seinem nehesten. 26, 19; scherze nicht mit einem groben menschen.
Sir. 8, 5; ein zorniger mensch zündet hadder an, und der gottlose verwirret gute freunde. 28, 11; ein gut mensch, bringet guts erfür, aus seinem guten schatz des herzen, und ein böser mensch, bringet böses erfür, aus seinem bösen schatz.
Matth. 12, 35; dieses sympathetische mittel einem verstopften menschen zu helfen. Hohberg 1, 283
b; ein gefangener mensch ein armer mensch. Pistorius
thes. par. 8, 91; ein guter mensch in seinem dunkeln drange ist sich des rechten weges wohl bewuszt. Göthe 12, 25;
auch wo das allein gesetzte adj. prädicativ stehen würde: das bewîset er (
der mensch) denne mit wandel und mit gebærden und mit grüeszen und er wil denne daʒ man in für einen guoten menschen halte.
Haupts zeitschr. 8, 462,
für gut halte; wer gedüldig ist, der ist ein kluger mensch.
spr. Sal. 19, 11,
ist klug; ich bin auch ein sterblicher mensch.
weish. Sal. 7, 1,
bin sterblich. 14@cc)
im plural: sihe dich nicht umb nach schönen menschen.
Sir. 42, 13; die allermagerste menschen, die sich in der grösten fasten, mit geiszlen, mortificiren. Philander 1 (1642), 241; durch list und trug loser verführischer teüfelischer menschen. 275; o ich sage euch, es gibt garstige menschen, garstige brüder, garstige herren. Schiller
räuber 4, 3;
in diesen pluralfällen ist jedoch die ersetzung durch ein bloszes adjectiv der schriftsprache fremd, wenn auch in oberdeutschen mundarten gewöhnlicher. 1515)
sehr verblaszt ist der begriff, wenn mensch
zum unbestimmten pronomen tritt; höchstens dasz er diesem mehr lebendigkeit verleiht. 15@aa) ein mensch,
einer, irgend einer, jemand: dis grundes ze wissen wære einem menschen wæger und nützer wan aller engel vernunft.
Haupts zeitschr. 8, 453; wie denn einem menschen ein schwur entfaren mag, ehe ers bedacht.
3 Mos. 5, 4; für die herzbräune, die kommt einem menschen an mit kopfwehe, und ein wenig schauer. Hohberg 1, 274
b; ein strâʒe rîch dar ûfe sich vor valle behüetet wol eins menschen trit. Wackernagel
kirchenl. 2, 192
a (
nr. 320, 2); du bist ja die beste gabe, die ein mensche nennen kann. P. Gerhard 76, 10; ein mensch
im gegensatze zum andern: wan der grunt in allen menschen gelîch ist, sô ist doch ein mensche swærlîcher dâ mit besessen denn der ander, und dar umbe tuot ein mensche mê sünde denn der ander.
Haupts zeitschr. 8, 457,
wo auch einer — der andere
stehen könnte; ein mensch ist so gut als der andere. Pistorius
thes. par. 6, 4; ein mensch ist des andern wolf, teufel oder hagel. Agr.
spr. 17
b.
Mehr tritt der substantivbegriff noch heraus: halb besinnungslos stürzte ich zum fenster zurück, ich hörte, dasz man auf der strasze rief: ein mensch! ein mensch! die leiter her! Freytag
dram. werke 2, 73,
wo mehr als nur jemand, wo ein menschliches wesen nach seiner hilfsbedürftigkeit verstanden ist. 15@bb)
für ein mensch
auch der mensch
im falle von nr. 11,
wie das allgemeine man: ihr herren, morgen ist der erste april, der mensch solte sich der jahrzeit zu ehren brauchen lassen. Chr. Weise
erzn. 219
Braune; wozu der mensch lust hat, dazu hat er auch andacht. Pistorius
thes. par. 6, 79; heut grünen sie gleich wie ein baum, ihr herz ist froh und lachet, und morgen sind sie, wie ein traum, von dem der mensch aufwachet. P. Gerhard 192, 67;
der gen. dat. des menschen, dem menschen
wie unbestimmtes eines, einem (
vergl. th. 3, 121
fg. 123): der stein in des menschen leib gewachsen,
humanus calculus Maaler 288
b; an desz menschens wille und gespanntem gewand gehet viel ab. Pistorius
thes. par. 8, 6; des menschen wille ist sein himmelreich. 14. 15@cc) kein mensch,
niemand: ich saget keinem menschen, was mir gott eingegeben hatte zu thun an Jerusalem.
Neh. 2, 12; ich wil niemands person ansehen, und wil keinen menschen rhümen.
Hiob 32, 21; und ward drinnen (
in der stadt) funden ein armer weiser man, der die stad durch seine weisheit kund erretten, und kein mensch gedacht desselben armen mans.
pred. Sal. 9, 15; liesz sich kein mensche finden.
polit. stockf. 306; es ist auf keines menschens freundschaft gewisse rechnung zu machen, ehe und bevor man mit ihme eine erbschaft getheilet. Pistorius
thes. par. 9, 23; hinunter ans wasser! wir kommen so durch, dasz kein mensch weisz, wohin. Fr. Müller 2, 87; kein mensch war auf dem platze zu sehen, und die wunderliche gruppe fand sich in dieser einsamkeit allein. Göthe 19, 40; du gehst nicht eher in die burg, du, bis es finster ist, und lässest dich vor keinem menschen sehen. H. v. Kleist
Käthchen 3, 6;
auch kein mensch und keine seele:
soldat. ist nicht da! niemand!
bürger. wie? wie? kein mensch und seel! Fr. Müller 2, 95; so hörs dann ausz mit ganzen freuden, und lasz dirs gschwätz kein mensch erleiden.
Grobian. J 2
a (
v. 2216); ich wolt jhn (
einen hasen) euch jetzt bringen eben, keim menschen jhn zu kaufen geben. L. Sandrub
kurzweil 47; kein mensche kan zugleich mit zweien göttern streiten. Zinkgref
bei Opitz 1624 179; kein mensch es hindern kan. 216; kein mensche hört fast mehr, was gottes geist uns lehr in seinen heilgen worten. P. Gerhard 105, 19; schweigst du nicht, so sollt du etwas hören, das dir kein mensch noch jemals nachgesagt. Drollinger 131; wo man singet, wird kein mensch beraubt: bösewichter haben keine lieder. Seume
ged. 148; nicht ein mensch: und zürnt doch nit ein mensch darumb, dasz man sie (
Ciceros briefe) lesz und uberkumb.
Grobianus R 2
b (
v. 4343);
mit andern adjectiven (
vergl. dazu 14,
b): es wird kein verständiger mensch läugnen, dasz der spargent dieses paszquills .. gesündiget habe. Schuppius 622; mein gfater het eim gstoln ein pachen, die hab wir alle paid vertragen, das kain frum mensch darfan darf sagen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 28, 58. 15@dd) ein jeglicher mensch,
ein jeglicher, jeder: ein jglicher mensch der da isset und trinkt, und hat guten mut in alle seiner erbeit, das ist eine gabe gottes.
pred. Sal. 3, 13; eim jglichen menschen ist erbeit aufgelegt, nach seiner masze. 6, 7; jeder mensch hat sein vergnü
gen. L. Angely. 15@ee) welcher mensch, ein solcher mensch,
plur. welche menschen, solche menschen,
nicht mehr wie welcher, solcher, welche, solche: swelhe menschen vil bîle (
anfechtungen) habent.
Haupts zeitschr. 8, 458; welcher mensch aus dem hause Israel, oder auch ein frembdlinger der unter euch ist.
3 Mos. 17, 8; welcher mensch, er sei vom haus Israel oder ein frembdlinger unter euch, jrgent blut isset. 10; welcher mensch diese wort verendert, von des hause sol man einen balken nemen, und aufrichten, und jn dran hengen.
Esra 6, 11; jedermans genge komen vom herrn, welcher mensch verstehet seinen weg?
spr. Sal. 20, 24; welcher aus dem haus Israel ein ochsen oder lamb, oder zigen schlacht in dem lager oder auszen fur dem lager, und nicht fur die thür der hütten des stifts bringet, .. der sol des bluts schüldig sein, als der blut vergossen hat, und solcher mensch sol ausgerottet werden aus seinem volk.
3 Mos. 17, 4. 15@ff)
endlich ist auch der mensch der
oder welcher
gleich einem allgemeinen derjeniger welcher: selig ist der mensch, den gott strafet.
Hiob 5, 17; wol dem menschen, dem der herr die missethat nicht zurechnet.
ps. 32, 2; wol dem menschen, der weisheit findet, und dem menschen, der verstand bekompt.
spr. Sal. 3, 13; ain yglich engel der helf palt dem menschen, des er hat gewalt. Wackernagel
kirchenl. 2, 414 (
nr. 551, 2). 1616)
einschränkung des begriffes auf eine erwachsene person männlichen geschlechts (
vergl. dazu unter 8,
b). 16@aa)
vielfach als umschreibung eines prädicats: er ist ein guter lieber mensch,
für er ist gut und lieb
in lebendigerer rede; er ist ein dummer, einfältiger, beschränkter mensch; aber Mose war ein seer geplagter mensch uber alle menschen auf erden.
4 Mos. 12, 3; aber Hebron hies vorzeiten Kiriath Arba, der ein groszer mensch war unter den Enakim.
Jos. 14, 15; auch ich bin ein mensch der oberkeit unterthan.
Luc. 7, 8; dieser ist ein fromer mensch gewesen. 23, 47; die ihn (
den mann) als einen boshaften oder kleinen menschen in die rumpelkammer herab stieszen. Fr. Müller 2, 5; ach was vor ein freundlicher mensch, sagten sie oft zusammen, ist doch der jäger!
Simpl. 1, 324
Kurz; er ist ein feiner mensch,
homo est honestus. Steinbach 2, 46;
ferner in den zahlreichen fällen, wo mensch,
namentlich im singular als subject stehend, unmittelbar und ausschlieszlich in gedanken auf eine männliche person bezogen wird: ein bescheidener mensch; an unserem tische sasz ein recht lustiger mensch; es war ein reicher mensch, des feld hatte wol getragen.
Luc. 12, 16; es war ein mensch, der machte ein gros abendmal. 14, 16; ein mensch pflanzet einen weinberg. 20, 9; ein junger mensch,
namentlich in der neueren sprache weniger verbindlich als ein junger mann
oben sp. 1558: es trat ein junger mensch zu uns herein; ein junger mensch, der sich nunmehr nach einer liebsten zu seiner heirath umbsehen wolle. Chr. Weise
erzn. 161
Braune; hat solchen (
zum bischof gewählten jünglinge) der pabst, als einen jungen menschen, welchem kein härl ums maul, veracht. Abr. a S. Clara
Judas 1, 198; und wirst auch darausz lernen wol, dasz kein junger mensch trauen soll den leichtfertigen weibspersonen. J. Ayrer
fastn. sp. 6
b (2363, 13
Keller); sie sind ein groszer general — wer weisz das nicht? der neid musz es beschwören. ich — ich bin ein junger mensch (
Carlos zu Alba). Schiller
don Carlos 2, 5. 16@bb)
die allgemeinheit der bezeichnung weist sie überhaupt der rede zu, die sich nicht bestrebt höflich zu sein: und sihe, da war ein mensch, der hatte eine verdorrete hand.
Matth. 12, 10; da gieng der könig hinein, die geste zu besehen, und sahe alda einen menschen, der hatte kein hochzeitlich kleid
an. 22, 11; und sihe, etliche menner brachten einen menschen auf einem bette, der war gichtbrüchig.
Luc. 5, 18; oder was seid jhr hin aus gegangen zu sehen? woltet ihr einen menschen sehen, in weichen kleidern?
Luc. 7, 25; sihe, der mensch ist ein fresser und weinseufer, der zölner und sünder freund. 34; funden den menschen, von welchem die teufel ausgefaren waren, sitzend zu den füszen Jhesu. 8, 35; der mensch, der Jhesus heiszet, machet einen kot, und schmieret meine augen.
Joh. 9, 11; lasset ab von diesen menschen (
den aposteln), und lasset sie faren.
ap. gesch. 5, 38; dieser mensch höret nicht auf zu reden lesterwort. 6, 13;
sie kann selbst verächtlichen nebensinn annehmen: die körperliche wollust ist seine tägliche gefährtinn .. sehen sie mit einem geheimen beifalle auf diesen menschen? Gellert 6, 35; nimmt ihre abneigung gegen diesen menschen nicht zu? 36; wird sie (
die welt) mich nicht mit dem namen eines schwermüthigen, eines milzsüchtigen, eines schwärmers, eines menschen, der nicht zu leben weis, dem der schulstaub den kopf verfinstert hat, bestrafen? 88; ei, werden sie sagen, der mensch legt sich auf niedliche complimente! Göthe 16, 99. 16@cc)
so auch in der anrede: sprach er zu jm, mensch, deine sunde sind dir vergeben.
Luc. 5, 20; es sprach aber einer aus dem volke zu jm, meister, sage meinem bruder, das er mit mir das erbe teile. er aber sprach zu jm, mensch, wer hat mich zum richter oder erbschichter uber euch gesetzt? 12, 14; und uber ein kleine weile sahe jn ein ander, und sprach, du bist auch der einer. Petrus aber sprach, mensch, ich bins nicht. 22, 58; Gelanor sagte, ihr lieber mensch, reiszen euch die contradictoria so sehr im leibe? Chr. Weise
erzn. 165
Braune; ihr wunderlicher mensch, mein schreiben wird euch nicht fromm machen. 205; haben sie lust, junger mensch, ihr herz in eine pfütze zu werfen? Schiller
Fiesko 1, 12; mensch, dein gesicht brennt fieberisch wie dein gespräch! (
Julia zu Fiesko) 4, 12.