Genie vereinzelt mask ( AADuW2,523 GWB42
1,196,16 Carlyle,Schiller
) — Mit über 350 Belegen annähernd gleich stark belegt wie ‘Genius’ (rund 340 Belege, davon eine beträchtl Anzahl im Bereich allegor Figürlichkeit). Früher Gebrauch, ab 1766/671),
im herkömml Sinn von Wesensart bzw Naturanlage/Talent, auch in Selbstreflexion (1 u 2); Vertiefung des Begriffs seit Beginn der 70er Jahre2),
mit der Einbeziehung von geistiger Produktivität, (dämonisch-intuitiver) Schöpferkraft, Autonomie u Originalität als neuen hohen Werten individuellen Menschen- u Künstlertums (3 c, bes 3 c β
bzw 4 c α
), auch iron (insbes im Altersrückblick, vgl 3 d). Zunächst tritt ‘Genie’ gegenüber dem emphat aufgeladenen ‘Genius’ (sd) zurück. Seit den 80er Jahren, mit der Besinnung auf tradierte Werte der ästhetischen Theorie wie (vom Urteil geleitete) Erfindung, (techn-didaktische) Lehre, Regel, Wissen, verstärkter Rückgriff auf ‘Genie’. In der Abwendung vom einseitig übersteigert Subjektiven, von der Individualästhetik hin zum Objektiven, Musterbildenden, Regelhaften — auch unter Aspekten der Beschränkung, Einengung bzw der Warnung vor Exzentrizität u Willkür (3 c γ/
4 b) — entwickelt sich, in der Charakterisierung des Genies als aus immanenter Gesetzlichkeit heraus unbewußt/bewußt schaffendes Individuum (dargelegt primär im Theoriegespräch mit Schiller, in den Anmerkungen zu ‘Diderot’s Versuch über die Malerei’ sowie der ‘Propyläen-Einleitung’) der ‘klassische’ Geniebegriff (4 c). Nach dem Tode Schillers zeichnet sich eine Lockerung bzw Ausweitung der Begrifflichkeit ab: in der (erneuten) Einbeziehung des Wissenschaftlers in den Kreis des Genialen sowie im Einbegreifen des sittl guten, autonomen, im Gefühl wahren Menschseins lebenden Charakters (4 b). Insgesamt bleibt der Begriff nicht beschränkt auf das einzelne Individuum, ‘Genie’ steht auch für kosmische Gewalt, allgemeine geistige Kraft (3 a/b). 1
die besondere Wesensart a
die individuelle Eigenart, Wesensbeschaffenheit α
die angeborene Individualität, die ein Individuum prägende mitgegebene Natur, das ihm eigene Temperament, auch in ambivalenter Wertung So hat die Vernunft und das ihr verwandte Gewissen eine ungeheure Autorität, weil sie unergründlich sind; ingleichen das was wir mit dem Namen G. bezeichnen GWBN3,145,21 FlH III Neureuthers Pariser Lithographien .. Sie sind aus keinem innern Beruf entsprungen. Äußere Veranlassung, seinem G. zuwider, nöthigte ihn dazu GWBTgb 10.8.31 so finden wir .. daß, wenn Palissot nichts versäumte, seine Gegner im moralischen Sinne herabzusetzen, Diderot .. alles anwendet, was G. und Haß .. vermögen, um diesen Gegner als den verworfensten Sterblichen darzustellen GWB45,212,10 RamNeffeAnm Complex von Geisteskräften, den man G. zu nenen pflegt, der aber oft sehr zweideutige Wirkungen hervorbringt GWBN8,75,2 Vortr VglAnatomie 2 [
mBez auf das Verhältnis G/Käthchen] Ich habe heute wieder so einen dummen Auftritt gehabt, über einen dummen Zahnstocher .. Es ist eine schöne Sache um’s G. GWBB1,118,24 Behrisch 16.10.67 GWBB31,381 Weppen 1.7.19 K Var [> Gemüth GWBB31,209,11]
uö β
die spezif (durch best Eigenschaften gekennzeichnete) Sinnes-, Wesensart, das Naturell eines Menschen, mit Charakterisierungen wie ‘hoch, herrlich, göttlich’ Durch die große Natürlichkeit seines G-s ergriff er [
Schiller] nicht nur schnell die Hauptpuncte worauf es ankam; sondern wenn ich manchmal auf meinem beschaulichen Wege zögerte, nöthigte er mich durch seine reflectirende Kraft vorwärts zu eilen, und riß mich gleichsam an das Ziel wohin ich strebte GWBN4,310,9 FlH VI Diderot, der bey einem so hohen G., bey so tiefem Gefühl und klärem Verstand, doch nicht auf den Punkt kommen konnte zu sehen: daß die Cultur durch Kunst ihren eignen Gang gehen muß GWBB12,230,6 Schiller [12.]8.97 Alles was in Wielands G. plastisch ist, zeigte sich hier [
im ‘Musarion’] auf’s vollkommenste GWB27,91,10 DuW 7 [
für: le divin génie] GWB41
1,6,26 Übs:JvMüller,FriedrII [G/ Riemer]
uö b
der spezif Geist, Charakter, die Eigenart eines Volkes, der Menschheit, einmal metonym für die Menschen einer Epoche Beklage sich .. niemand unbillig, wie so oft geschieht, über die Langsamkeit, Schwerfälligkeit und das sekundäre Wesen des deutschen G-s, damit nicht unsere jungen Künstler, vom Ruhme der Ausländer geblendet, dieselben nachzuahmen suchen GWB48,18,1 Preise 1800 “Le sens commun est le Génie de l’humanité” [
Quelle unbekannt]. Der Gemeinverstand, der als G. der Menschheit gelten soll, muß vorerst in seinen Äußerungen betrachtet werden .. Die Menschheit ist bedingt durch Bedürfnisse .. Erheben sich aber die Bedürfnisse, treten sie aus dem Kreise des Gemeinen heraus, so ist der Gemeinverstand nicht mehr hinreichend, er ist kein Genius mehr, die Region des Irrthums ist der Menschheit aufgethan GWB42
2,181,16 MuR(539) Preisfrage zur Aufmunterung des deutschen G-s [< Genius] GWB5
1,283 XenNachl 101(416) Titel GWBB15,213,15 Schiller [3. od 4.4.01] 2
die natürl Begabung, Befähigung (auch in Vermischung mit 3 c) a
die geistige Anlage, das Talent α
als (angeborenes) Vermögen eines Einzelnen od, selten, eines Berufsstandes, eines Volkes, des menschl Geschlechts, auch ‘Mann, Menschen, Leute von G.’ er [
Galilei], dessen angebornes eindringendes G. durch mathematische Cultur in’s Unglaubliche geschärft worden war GWBN3,248,8 FlH V Natur-Vorzüge aller Art sind am wenigsten zu läugnen und doch gestand der gemeine Redegebrauch damaliger Zeit [
der Hoch- od Spätaufklärung] nur dem Dichter G. zu. Nun aber schien auf einmal eine andere Welt aufzugehen; man verlangte G. vom Arzt, vom Feldherrn, vom Staatsmann und bald von allen Menschen GWB29,146,8f DuW 19 Bei Gelegenheit von Wielands Oberon brauchst du das Wort Talent als wenn es der Gegensaz von G. wäre, wo nicht gar, doch wenigstens etwas sehr subordinirtes. Wir sollten aber bedenken dass das eigentliche Talent nichts sein kann als die Sprache des G-s GWBB4,259,9u12 Lavater 24.7.80 ein Muster von sophistischer Entstellung der Natur .. das nur ein außerordentlicher Geist wie Newton, dessen Eigensinn und Hartnäckigkeit seinem G. gleich kam, aufstellen konnte GWBN2,132,16 FlP 230 [
für: l’homme de génie] GWB45,9,8 RamNeffe GWB33,325,21 Belagerg Mainz GWB13
1,110 Was wir bringen Halle Vs 362 [G/Riemer] [
zit s v Genius 5 b] GWBN5
1,165,15 ÜbNewt DivRefrangib
uö β
als besondere Fähigkeit auf einzelnen Gebieten, speziell denen der Künste u Wiss, mit Attr wie ‘poetisch, physiognomisch, dichterisch’, mehrf ‘G. (haben) zu etw’, auch verneint Seit dem November habe ich höchstens 15 Gedichte gemacht .. Man lasse doch mich gehen, habe ich G.; so werde ich Poete werden GWBB1,89,7 Cornelia 11./15.5.67 Gottscheds kritische Dichtkunst .. überlieferte von allen Dichtungsarten eine historische Kenntniß, so wie vom Rhythmus und den verschiedenen Bewegungen desselben; das poetische G. ward vorausgesetzt! GWB27,77,11 DuW 7 Alles dieses Streben .. alle Wünsche, alles Unternehmen ward von dem physiognomischen G. überwogen, das ihm [
Lavater] die Natur zugetheilt hatte GWB29,143,7 DuW 19 Ein dramatisches Werk zu verfassen, dazu gehört G. Am Ende soll die Empfindung, in der Mitte die Vernunft, am Anfang der Verstand vorwalten und alles gleichmäßig durch eine lebhaft-klare Einbildungskraft vorgetragen werden GWB42
2,251,2 MuR(1052) Der Mensch erfährt und genießt nichts, ohne sogleich productiv zu werden. Dies ist die innerste Eigenschaft der menschlichen Natur .. Nachahmungstrieb deutet gar nicht auf angebornes G. zu dieser Sache GWB47,323,19 ÜbDilettantism weitSchema GWB22,137,16 Lj V 1 GWB16,153 KünstlersApotheose 73 GWB41
2,174,18 Plato Mitgenosse christlOffenb GWB21,296,3 Lj III 9
uö b
iSv Geschicklichkeit, praktische Fertigkeit Die Trennung dieser [
Licht-] Strahlen war so schwer .. daß Herr Mariotte, als er .. diese Versuche [
Newtons] unternahm .. sie verfehlte, er der so viel G. für die Erfahrung [
tant de génie pour les Expériences] hatte GWBN4,125,26 FlH VI 3
das schöpferische Vermögen, der kreative, innovative Geist, die Produktivität höchster Art a
die kosmische zeugende Urkraft, der unbegrenzt wirkende Geist Gottes Appel ans G. [> Veni Creator Spiritus GWB4,329] Komm heiliger Geist, du Schaffender GWB5
2,204 Titelvar Der herrliche Kirchengesang: Veni Creator Spiritus ist ganz eigentlich ein Appell an’s G.; deßwegen er auch geist- und kraftreiche Menschen gewaltig anspricht
3) GWB42
2,129,13 MuR(182) b
die (gesetzlich) schaffende Kraft der Natur, auch einschränkend neben ‘göttlicher Kraft’ sind wir im Stande mit dem Complex von Geisteskräften, den man Genie zu nennen pflegt, der aber oft sehr zweideutige Wirkungen hervorbringt, dem gewissen und unzweideutigen G. der hervorbringenden Natur entgegen zu dringen .. so müßte denn doch etwas entstehen, dessen wir uns als Menschen zu erfreuen hätten GWBN8,75,4 Vortr VglAnatomie 2 Wenn wir .. der Natur auch nur Genie und keine göttliche Kraft zuschreiben so wird das was von Geniewercken gilt auch von Wercken der Natur gelten GWBN13,443,7 Plp Auch das Unnatürlichste ist Natur, auch die plumpste Philisterei hat etwas von ihrem G.
4) GWBN11,7,2 Natur [Tobler?] Gespr(He2,786) Falk 15.3.13 c
die menschliche Schöpferkraft, Genialität, auch mit personifizierender Vorstellung α
als außerordentliche, ursprüngliche, an keine Voraussetzung u Vorgegebenheit gebundene Fähigkeit eigenständiger Schöpfung (u höchster Grad menschl Begabung), dem Menschen, speziell dem Künstler (u Wissenschaftler) eigene Kraft originalen Schaffens, Vorstellens, Gestaltens, die künstlerische Produktions-, Imaginations-, Gestaltungskraft, öfter neben ‘Talent, Geist, Geschmack, Kunst’ uä, mehrf mit Qualifizierungen wie ‘schön, glücklich, groß, schöpferisch’, auch iron Tiefe, G., Anschauung, Erhabenheit .. Talent, Verdienst, Adel, Geist, schöner Geist, guter Geist, Gefühl, Sensibilität, Geschmack, guter Geschmack, Verstand, Richtigkeit, Schickliches, Ton, guter Ton, Hofton .. Von allen diesen Eigenschaften und Geistesäußerungen kann man vielleicht Voltairen nur .. die Tiefe in der Anlage, und die Vollendung in der Ausführung, streitig machen GWB45,216,6 RamNeffe Anm Von der ideellen Seite steht das Theater sehr hoch, so daß ihm fast nichts was der Mensch durch G., Geist, Talent, Technik und Übung hervorbringt, gleichgestellt werden kann GWB36,278,15 BiogrEinzh wenn auch irgend jemand, durch G., Talent, Geschmack, etwas Außerordentliches leistet; so kann der Grund hievon, weder als Maxime, noch als Handgriff, so leicht überliefert werden GWBN3,352,5 FlH V Je mehr man den Palladio studirt, je unbegreiflicher wird einem das G., die Meisterschaft, der Reichthum, die Versatilität und Grazie dieses Mannes. Im einzelnen mag manches gegen seine Kühnheit zu erinnern seyn, im Ganzen sind seine Werke eine Grenzlinie die niemand ausfüllt und die so bald überschritten ist GWBB10,360,28 Meyer 30.12.95/3.1.96 Kein Mann von G., das heißt ohne Fähigkeit neue große Ideen aus der Tiefe zu heben GWB37,279,20 FGA Leben uCharakter Klotzens [
Parodie auf zeitgenössische Odendichtung] Du [
Bäckermeister Hendel] bäckst, was Gallier und Britten emsig suchen, | Mit schöpfrischem Genie, originelle Kuchen GWB27,140,18 DuW 7=GWB37,58 Kuchenbäcker Händel 4 GWBB13,130,24 Schiller 2.5.98 GWB41
2,160,2 MuR(273) GWBB14,96,21 WHumboldt 26.5.99 K GWB28,76,23 DuW 11 GWB30,92,19 ItR Gespr(He2,774) Falk [25. 1.13]
uö in kritischer Wertung der in Kants ‘Anthropologie in pragmat Hinsicht’ (1798) entwickelten Vorstellungen von Genie u Talent G. und Talent sind ihm überall im Wege, die Poeten sind ihm zuwider, und von den übrigen Künsten versteht er Gott sei Dank nichts GWBB13,347,24 Voigt [Ende Dez 98] K [Korr B50,221]
in der Vorstellung eines dem Menschen innewohnenden Wesens, einer inspirierenden göttl Substanz, eines ‘göttlichen Hauchs’ Wann und wo entsteht ein classischer Nationalautor? .. wenn er selbst, vom Nationalgeiste durchdrungen, durch ein einwohnendes G. sich fähig fühlt, mit dem Vergangnen wie mit dem Gegenwärtigen zu sympathisiren; wenn er seine Nation auf einem hohen Grade der Cultur findet, so daß ihm seine eigene Bildung leicht wird GWB40,198,13 LiterarSansculottism GWB45,288,6f Diderot,Malerei Anm β
als ungebändigte Kraft, höhere, intuitiv-inspirative, schicksalhaft dämonisch-treibende Macht, auch in den Genitiv-Metaphern ‘Strom, Stempel, Blitz des G-s’ doch müssen Sie nach und nach, durch Nachdenken und Übung, dem dramatischen Metier so viel Handgriffe abgewinnen, daß G. und reine poetische Stimmung nicht gerade zu jeder Operation nöthig sind GWBB16,59,6 Schiller 19.3.02 [
mBez auf die Genieperiode der dt Geistesgeschichte] Aufrichtiges Wollen streitet mit Anmaßung, Natur gegen Herkömmlichkeiten, Talent gegen Formen, G. mit sich selbst, Kraft gegen Weichlichkeit, unentwickeltes Tüchtiges gegen entfaltete Mittelmäßigkeit GWB29,84,17 DuW 18 O meine Freunde! warum der Strom des G-s so selten ausbricht, so selten in hohen Fluthen hereinbraust, und eure staunende Seele erschüttert AA14,9 Werth
1 I ~ Werth
2 niemals wird er [
der Zuschauer] sich mit dem echten Künstler erheben, wenn dieser den Flug, zu dem ihn das G. treibt, beginnen, sein Werk .. vollenden muß GWB47,262,23 ÜbWahrh u Wahrscheinlichk dKunstwerke [
mBez auf Mozarts ‘Don Giovanni’] Eine geistige Schöpfung ist es .. wobei der Producirende keineswegs versuchte und stückelte und nach Willkür verfuhr, sondern wobei der dämonische Geist seines G-s ihn in der Gewalt hatte, so daß er ausführen mußte was jener gebot Gespr Eckerm 20.6.31 AA9,18 Werth I GWB5
1,286 XenNachl 117(475) [Schiller?] GWBB7,68,7 Kayser 20.6.85 GWB5
1,276 XenNachl 50
uö γ
als entwicklungsfähige, Regeln, Normen setzende Kraft, mehrf definitorisch, auch in (modifizierter) Wiedergabe der Definition Kants (KdU §46) Durch Peter Perugin zur sorgfältigsten Ausführung angehalten, entwickelt sich sein [
Raffaels] G. an Leonard da Vinci und Michel Angelo GWB49
1,153,21 Antik uModern Das Gewissen bedarf keines Ahnherrn .. Das G. bedürfte auch keine Regel, wäre sich selbst genug, gäbe sich selbst die Regel; da es aber nach außen wirkt, so ist es vielfach bedingt, durch Stoff und Zeit GWBN11,145,6 MuR(423) was ist G. anders als jene productive Kraft, wodurch Thaten entstehen die vor Gott und der Natur sich zeigen können und die eben deßwegen Folge haben und von Dauer sind Gespr Eckerm 11.3.28 daß G. diejenige Kraft des Menschen sei, welche, durch Handeln und Thun, Gesetz und Regel gibt GWB29,146,22 DuW 19 Schaubühne 36,37 Regeln fSchausp [G/Wolff] GWBB5,137,13 Maler Müller 21.6.81
uö δ
in Anlehnung an eine Organ-Vorstellung für das imaginative Vermögen [
mBez auf Schillers ‘Wallenstein’] Dieser vor seinem G. sich immer mehr ausdehnende Gegenstand ward von ihm auf die mannichfaltigste Weise aufgestellt GWB40,87,19 Üb dtTheat ε
emphat als (ganz subjektiv gefaßter) schöpferischer Grund des Kunstwerks Wenn man die Kunst in einem höhern Sinne betrachtet, so möchte man wünschen, daß nur Meister sich damit abgäben, daß die Schüler auf das strengste geprüft würden, daß Liebhaber sich in einer ehrfurchtsvollen Annäherung glücklich fühlten. Denn das Kunstwerk soll aus dem G. entspringen, der Künstler soll Gehalt und Form aus der Tiefe seines eigenen Wesens hervorrufen, sich gegen den Stoff beherrschend verhalten, und sich der äußern Einflüsse nur zu seiner Ausbildung bedienen GWBN1,373,13 FlD Schlußw ζ
als Inbegriff des Lebens selbst iSv Seele, Lebensgeist, in Anlehnung an lat ‘genius/animus’5) [
Meph zu den Fausts Leichnam bewachenden Teufeln:] Die Arme strack, die Klauen scharf gewiesen, | Daß ihr die flatternde, die flüchtige [
Seele] faßt. | Es ist ihr sicher schlecht im alten Haus | Und das G. es will gleich obenaus GWBFaust II 11675 d
in metaspr Betrachtung, im Rückblick auf die Genie-Periode der 70er Jahre das Wort G. ward eine allgemeine Losung .. Damals manifestirte sich’s nur indem es die vorhandenen Gesetze überschritt, die eingeführten Regeln umwarf und sich für gränzenlos erklärte. Daher war es leicht genialisch zu sein, und nichts natürlicher, als daß der Mißbrauch in Wort und That alle geregelten Menschen aufrief, sich einem solchen Unwesen zu widersetzen GWB29,146,16 DuW 19 GWB29,147,21 ebd 4
metonym für den schöpferisch-originären Menschen, die außerordentliche, in freiem Schaffen u Gestalten sich selbst bestimmende Persönlichkeit; in abgestufter Verwendung a
für das freie, urwüchsige, in unkonventionellen Lebensformen u mit genialischem Habitus sich darstellende Individuum, auch mit kritischem Akzent, im Rückblick auf die Geniebewegung [
üb JJVolkmanns Edition von JSandrart] den Text reinigte Herr
V. von allen üppigem Auswuchs krauser Diktion .. und verschnitt das über sein Kunstleben raisonnirende, allegorisirende, radotirende, schändisirende G., zu einem feinen kalten Reisenden, zum trocknen Handwerker GWB38,379,17 FGA Sandrart [G/Merck] [
G auf das Angebot von CarlAug, sich in Weim niederzulassen:] das ginge gar nicht an, dass er (ein G.) in einer Stadt lebend könte. Dieß sey lauter erbermliches Philisterwesen: ein G. der echte Naturmensch gehöre in die Natur, in Luft, Wald und Feld Gespr(Gr1,413) nach Falk 1776 [
Kilian Brustfleck zu Hanswurst:] Ich bitt euch, nur Gedult genommen! | .. Die Welt nimmt an euch unendlich Theil, | Nun seid nicht grob wie die G-s sonst pflegen GWB38,50 HanswurstsHochz 77 [
mBez auf Gruppenbildung] Mir wurden viele Sprudelköpfe zu Theil, welche fast den Ehrennamen eines G-s zum Spitznamen herabgebracht hätten GWB35,39,20 TuJ GWB37,281,17 FGA Lobrede aufKreutz GWB37,212,6 FGA Sulzer,SchöneKünste [G/Merck] [
für: les génies] GWB45,77,1 RamNeffe
uö abgründig-iron6) [
Meph zu Faust:] Mein Mäskchen da weissagt verborgnen Sinn; | Sie [
Gretchen] fühlt, daß ich ganz sicher ein G., | Vielleicht wohl gar der Teufel bin GWBFaust I 3540 ~ GWBUrfaust 1232 b
für den souveränen, sittl autonomen Menschen (u Künstler), den unbedingten, großen Charakter was er [
der Mensch] auch von außen empfange, schadet seiner eingebornen Individualität nichts. Das beste G. ist das, welches alles in sich aufnimmt, sich alles zuzueignen weiß, ohne daß es der eigentlichen Grundbestimmung, demjenigen was man Charakter nennt, im mindesten Eintrag thue, vielmehr solches noch erst recht erhebe und durchaus nach Möglichkeit befähige GWBB49,281,22 WHumboldt 17.3.32 Nur das Halbvermögen wünschte gern seine beschränkte Besonderheit an die Stelle des unbedingten Ganzen zu setzen .. Mit dem G. haben wir am liebsten zu thun, denn dieses wird eben von dem guten Geiste beseelt, bald zu erkennen was ihm nutz ist. Es begreift, daß Kunst eben darum Kunst heiße, weil sie nicht Natur ist. Es bequemt sich zum Respect GWB25
1,10,13 Wj II 8 Das Kind, an und für sich betrachtet, mit Seinesgleichen und in Beziehungen, die seinen Kräften angemessen sind, scheint so verständig, so vernünftig, daß nichts drüber geht .. Wüchsen die Kinder in der Art fort, wie sie sich andeuten, so hätten wir lauter G-s GWB26,110,20 DuW 2 Alles was das G. durch Charakter und Geist über die Menschen vermag, sollte [
im ‘Mahomet’] dargestellt werden, und wie es dabei gewinnt und verliert GWB28,297,6 DuW 14 Das Erste und Letzte, was vom G. gefordert wird, ist Wahrheitsliebe GWB42
2,162,1 MuR Gespr(He2,849) Riemer 14.11.13 [
für: le génie dominateur] GWB41
1,18,25 Übs:JvMüller, FriedrII [G/Riemer]
uö im Hinblick auf die mögl Gefährdung durch Selbstüberhebung u Willkür, zugl auf die dabei erzielte zweifelhafte Wirkung; einmal ‘das extravagante G.’ Die Willkür des G-s l äßt sich gar nicht bestimmen und abmessen. Genie kann im Schönen und Vollkommenen verbleiben, oder darüber hinausgehen ins Absurde. Man könnte ein solches G., das innerhalb des Schönen bleibt ein moralisches nennen .. Die andern, insofern unmoralische .. Und so wie die Menschen gewöhnlich mehr sittliche Ungeheuer bewundern .. als wahrhaft Sittliche, so auch mehr das extravagante G., das sich im Absurden gefällt, als das, welches im Schönen verbleibt Gespr (He2,462f) Riemer 9.7.09 c
für den Künstler (u Wissenschaftler) von höchster schöpferischer Kraft, regelbildendem, mustergebendem Vermögen α
als wirkungsmächtiges, eigenwillig u innovativ gestaltendes, dabei Grenzen überschreitendes u Konventionen sprengendes Individuum, auch in Abgrenzung gegen od in Korrespondenz mit ‘Talent’, ‘großer Kopf’ uä Das G., das vorzüglich berufen ist auf jede Weise große Wirkung hervorzubringen, hat seiner Natur nach den Trieb über die Gegenstände zu gebieten, sie sich zuzueignen, sie seiner Art zu denken und zu sein zu unterwerfen .. GWBN5
1,163,18 ÜbNewt Div Refrangib Betrachtung des höchsten Zweckes [
in der Baukunst] .. welcher .. einen gebildeten Geist bis zum Erstaunen und Entzücken erhebt; es kann dieses nur durch das G., das sich zum Herrn der übrigen Erfordernisse gemacht hätte, hervorgebracht werden GWB47,69,8 Baukunst 1795 Das G. übt eine Art Ubiquität aus, in’s Allgemeine vor, in’s Besondere nach der Erfahrung .. Das G. mit Großsinn sucht seinem Jahrhundert vorzueilen; das Talent aus Eigensinn möchte es oft zurückhalten GWB42
2,243, 7u12 MuR(1007u1010) [
Klage üb ablehnende Haltung gegenüber dem Sonett] Als wenn dem G. und dem Talent nicht jede Form zu beleben freystünde GWBB20,45,4 Cotta [9.4. 08] Ob es für das G. einen wirklich unüberwindlichen Stoff gebe, kann man nicht entscheiden; aber die Erfahrung lehrt uns, daß in solchen Fällen die größten Meister wohl angenehme und lobenswürdige Bilder gemacht GWB34
1,437,25 ReiseSchweiz 1797 [G/ Eckerm] ~ GWBB12,449,16 Schiller 25.10.97 K [
nicht abgesandt] GWBN5
2,271,11 Fl Plp GWB36,194,2 TuJ GWB37,99,11 Ephem [1770/71] [Meinhard]
uö mit Akzentuierung des unmittelbar-spontanen, intuitiven, aber durch immanente Gesetzlichkeit gesteuerten Aktes der künstlerischen Hervorbringung, in Analogie zur gesetzlich schaffenden Natur, auch des Vollkommenen, Insich-Vollendeten des Genies Endlich sagt der Herr Verfasser, wie gewöhnlich: Nachahmung der Natur sei der Zweck und der Grund der schönen Wissenschaften. Das ist, dünkt uns, ganz falsch .. Wir glauben überhaupt, daß das G. nicht der Natur nachahmt, sondern selbst schafft wie die Natur BA17,239 FGA ZufälligeGedanken [G/Merck] der bildende Künstler .. Seine Kraft besteht im Anschauen .. Ein solcher Künstler, eine Nation, ein Jahrhundert solcher Künstler bilden durch Beispiel und Lehre, nachdem die Kunst sich lange empirisch fortgeholfen hat, endlich die Regeln der Kunst .. sie bilden zuletzt die Regeln aus sich selbst, nach Kunstgesetzen, die eben so wahr in der Natur des bildenden G-s [Genius GWB45,359 Var] liegen, als die große allgemeine Natur die organischen Gesetze ewig thätig bewahrt GWB45,258,5 Diderot,Malerei Anm so gibt der Künstler, dankbar gegen die Natur, die auch ihn hervorbrachte, ihr eine zweite Natur, aber eine gefühlte, eine gedachte, eine menschlich vollendete zurück. Soll dieses aber geschehen, so muß das G., der berufne Künstler nach Gesetzen, nach Regeln handeln, die ihm die Natur selbst vorschrieb GWB45,261,5 Diderot,Malerei Anm Das wahre dichterische G., wo es auftritt, ist in sich vollendet; mag ihm Unvollkommenheit der Sprache, der äußeren Technik, oder was sonst will, entgegenstehen, es besitzt die höhere innere Form, der doch am Ende alles zu Gebote steht GWB40,356,14 Üb:Wunderhorn [
mBez auf einen von Schiller angeregten kunsttheoret Diskurs in den ‘Horen’] lassen Sie uns erst versuchen, wie wir gute Künstler bilden, erwarten, daß sich unter diesen ein G. finde, das sich selbst vollende, lassen Sie uns ihm nachspüren, wie es sich selbst unbewußt dabey zu Werke gehe und wie das schönste Kunstproduct, eben wie ein schönes Naturproduct, zuletzt nur gleichsam durch ein unaussprechliches Wunder zu entstehen scheine GWBB18,66,16 Schiller [8./19.10.94] K [Korr Gräf/Leitzm/ Schulz 1,21] GWB32,303,12 ItR KPhMoritz,Nachahmg dSchönen [Moritz] GWBN11,371 MuR(1106) GWB45,258,18f Diderot,Malerei Anm GWB5
1,276 XenNachl 48(230)
uö im Spannungsfeld von Intuition u Reflexion, Spontaneität u ästhetischem Kalkül (mit wechselnden Akzentuierungen); einmal in Gegenwendung gegen die von Schiller in ‘Über naive u sentimentalische Dichtung’ vertretene Position [
Meister zum Schüler:] Du übst den Blick, nun üb’ auch den Verstand. | Dem glücklichsten G. wird’s kaum einmal gelingen, | Sich durch Natur und durch Instinct allein | Zum Ungemeinen aufzuschwingen: | Die Kunst bleibt Kunst! Wer sie nicht durchgedacht, | Der darf sich keinen Künstler nennen GWB16,155 Künstlers Apotheose 94 welches G. der Welt wird, auf Einmal, durch das bloße Anschauen der Natur, ohne Überlieferung, sich zu Proportionen entscheiden, die echten Formen ergreifen, den wahren Stil erwählen und sich selbst eine alles umfassende Methode erschaffen? Ein solches Kunstgenie ist ein weit leereres Traumbild, als oben dein [
Diderots] Jüngling, der, als ein Geschöpf von zwanzig Jahren, aus einem Erdenkloß entstünde GWB45,283,21 Diderot,Malerei Anm [
mBez auf die Frage nach dem Schaffensprozeß des ‘poetischen Künstlers’ bzw ‘vollkommenen Dichters’] Ich glaube daß alles was das G., als G., thut, unbewußt geschehe. Der Mensch von Genie kann auch verständig handeln .. so nebenher. Kein Werk des G-s kann durch Reflexion und ihre nächste Folgen verbessert, von seinen Fehlern befreyt werden; aber das G. kann sich durch Reflexion und That nach und nach dergestalt hinaufheben, daß es endlich musterhafte Werke hervorbringt GWBB15,213,6u10u12 Schiller [3. od 4.4.01] β
als durch äußere Einflüsse (Umwelt, Bildung, Tradition) geprägte Erscheinung [
Skizze einer Entwicklungsgeschichte der Kunst] wo erst eine beschränkte Thätigkeit in einer trocknen .. Nachahmung des Unbedeutenden .. verweilte, sich darauf ein lieblicheres, gemüthlicheres Gefühl gegen die Natur entwickelte, dann begleitet von Kenntniß, Regelmäßigkeit, Ernst und Strenge, unter glücklichen Umständen, die Kunst bis zum Höchsten hinaufstieg, wo es denn zuletzt dem glücklichen G., das sich von allen diesen Hülfsmitteln umgeben fand, möglich ward, das Reizende, Vollendete hervorzubringen GWB47,28,8 PropylEinl [
der Geistliche üb ‘glückliches Naturell’:] Das Erste und Letzte .. möchte es wohl sein .. aber in der Mitte dürfte dem Künstler manches fehlen, wenn nicht Bildung das erst aus ihm macht, was er sein soll, und zwar frühe Bildung .. Aber, versetzte Wilhelm, wird das G. sich nicht selbst retten .. Mitnichten, versetzte der andere GWB21,191,10 Lj II 9 Im Grunde aber sind wir alle collective Wesen .. Wir müssen alle empfangen und lernen .. Selbst das größte G. würde nicht weit kommen, wenn es alles seinem eigenen Innern verdanken wollte Gespr Eckerm 17.2.32 GWB37,101,13 Ephem [1770/71] GWB42
2,243,9 MuR(1008) Gespr(Weitz1,226) Boisserée 2.8.15
uö Dichter-Kraft- Kunst- Künstler- Licht- Original- Welt- Syn zu 1
GWB
Charakter Eigenart GWB
Genius GWB
Wesen(heit) zu 2
GWB
*Begabung GWB
Ingenium GWB
Talent GWB
Verstand GWB
Witz zu 3 u 4
GWB
Geist GWB
Genialität GWB
Produktivität GWB
(Schöpfungs-)Kraft GWB
Kraft zu 3 c β
GWB
Dämon zu 4 a
GWB
(Sprudel-)Kopf GWB
Kopf GWB
Original GWB
Übermensch zu 4 b
GWB
Mensch zu 4 c
GWB
Geist GWB
Kunsttalent 1) erstmals belegt im frz-sprachigen Br an Cornelia vom 27.9.66 (B1,70,2), dann (dt) im Br an sie vom 11./15.5.67 2) zur Begriffsgeschichte von ‘Genie’ vgl JSchmidt, Die Geschichte des Genie-Gedankens in der dt Lit, Philosophie u Politik 1750—1945, 1, 1985; HistWb Philos 3,279ff 3) im Br vom 18.2.21 an Zelter spricht G vom “Appell an das allgemeine Weltgenie” 4) “auch die plumpste Philisterei hat etwas von ihrem Genie” in Hs gestrichen, in WA (u in weiteren Ausgaben) dennoch übernommen, in neueren Ausgaben (ua CA, MA, FfA) fehlend 5) vgl FfA I 72,770 6) ausführl erläutert in FfA I 72,327fArmin Giese A. G.