Genius vereinzelt (vor 1800) lateinisch flektiert (ua idVbdg ‘g. loci’), früheste Belege 1771. — In Übereinstimmung mit ‘Genie’ bezeichnet auch ‘Genius’ die schöpferische Kraft des Menschen, den sich in etwas verkörpernden Geist (3) u das kreative Individuum (4). Darüber hinaus steht der Begriff (anknüpfend an die mythol/ikonographische Tradition) jedoch für Geistwesen höherer od (selten) niederer Provenienz (1) sowie, häufig, für personalisierte Vorstellungen einer den Menschen schicksalhaft leitenden, schützenden, begleitenden göttl Macht (2) od für die Verkörperung allgemeiner, abstrakter Prinzipien wie Liebe, Kunst, Poesie, Wissenschaft, Frieden, Ruhm, Zwietracht ua, ferner, quasi fachterminologisch, für die Gestalten Amors bzw der Eroten u Putti (5). So bezeichnet ‘Genius’ einerseits Hohes, Majestätisches, Fernes, benennt aber, als Konkretion eines Individuellen, auch Innerseelisches, Nahes1).
Dieses Oszillieren zwischen abstrakter Stilisierung u personhafter Konkretisierung bedingt eine vielschichtige, komplexe semantische Struktur, die ua in den vieldeutigen Genius-Gestalten des dramat Alterswerks deutlich wird (5 b). — Auch stilistisch unterscheidet sich das Wort ‘Genius’ von ‘Genie’. Besonders in der sog Genieperiode ist es (unter dem Einfluß Hamanns/Herders) Träger eines emphat Sprachgestus, als Mittel, sich in Anruf, Danksagung, auch Selbstbefragung eines Höheren zu vergewissern (2 a α
). In den ‘Xenien’ findet es sich mehrf als Pathoselement, wohl auch von Schiller beeinflußt bzw von dessen Hand. In den ästhetischen Reflexionen (bes der 90er Jahre) tritt es dagegen zugunsten des neutraleren ‘Genie’ in den Hintergrund, wird jedoch auch nach 1800 zur Pointierung eines spezif, poetisch-rhetorische Stilmittel erfordernden Sachverhalts gezielt eingesetzt. 1
für (unsterbl) Wesen höherer Art, hohe od niedere Dämonen a
für entrückte, verklärte Geister, himmlische, unerreichbar hohe Gestalten, (dem Menschen hilfreiche) Heroen u Halbgötter, auch sinnbildhaft, in Vergl u vergleichendem Bezug [
Vorspruch zu den gesammelt gedruckten Gedichten Mignons u des Harfners aus ‘Wilhelm Meister’] Auch vernehmet im Gedränge | Jener Genien Gesänge GWB2,111 Vs 2 [
Alphons, mBez auf den Lorbeerkranz der Vergilherme:] Hat es der Zufall, hat’s ein G. | Geflochten und gebracht?
2) Tasso 463 Sie [
Shakespeares Stücke] scheinen ein Werk eines himmlischen G. zu sein, der sich den Menschen nähert, um sie mit sich selbst auf die gelindeste Weise bekannt zu machen GWB21,309,17 Lj III 11=GWB52,160,17 ThS V 10 [
mBez auf den Torso des Herakles]
3) Der Sturz des G. im Vaticane GWB25
2,260,14 Wj Schema [
für: génies] GWB41
1,392 Übs:JvMüller,FriedrII [G/Riemer] [< Genies; > Dämonen GWB41
1,8,13] GWB21,204,6 Lj II 11 GWBT1,305,22 v 19.10.86 ~ GWB30,161,3 ItR
uö mehrdeutig, lesbar auch iS personaler Konkretion (4 c) bzw als verkörperter Geist der Natur, des Schöpferischen schlechthin Conflicte. | Sprünge der Natur und Kunst. | Eintretender G. zur rechten Zeit. | Element genugsam vorbereitet. | .. Hier springt die Natur auch nur, insofern alles vorbereitet ist, als ein Höheres, in die Wirklichkeit Tretendes, zur eminenten Erscheinung gelangen kann GWBN11,163,11 MuR(1363)
idVbdg ‘G. anderer Welten’ als Anrede in der Beantwortung eines anonymen Gedichts4) GWB4,123 Wie du Vertrauen erweckst 1
metonym für die Darstellung auf einem Gemmenabdruck [
wohl Motiv des jugendl Herakles, der eine der von Hera geschickten Schlangen erwürgt hat] Der G. folgt zurück; was er hält, ist eine erdrosselte Schlange GWBB24,126,13 Knebel 29.1.14 b
für mutwillige, zwischen Gut u Böse schwankende Natur-, Elementargeister, Kräfte des Irrationalen, auch als Sinnbilder erot Verlockung Dichtungsart [
komisches Heldengedicht], welche sehr an der Tagesordnung war .. jedermann gefiel sie, weil der gewöhnliche Gegenstand derselben irgend ein täppischer Mensch war, den die Genien zum Besten hatten, indem sie den besseren begünstigten GWB27,37,16 DuW 6 Ich höre wohl der Genien Gelächter; | Doch trennet mich von jeglichem Besinnen | Sonettenwuth und Raserei der Liebe GWB2,13 Sonette XI 12
speziell für die Dschinn, die Geister oriental Volkserzählungen die Orientalen hatten ihre Genien [
génies] und Talismane GWB41
2,228,13 Übs:LeGlobe 2
die (persönl) Gottheit eines Menschen, einer Gruppe, Gemeinschaft od der Menschheit a
das über dem Einzelnen stehende, ihn leitende, begleitende Wesen, die das Leben bestimmende metaphys Macht α
als schützende, inspirierende, anspornende, lebenspendende Instanz; in genealog Verknüpfung zusammen mit ‘Terminus’ als Kind der ‘Fortuna’; auch im Anruf, Selbstvergewisserungsgestus, in Übertragung auf eine (jdm geistig zugeneigte) Person, im Vergl Wen du nicht verlässest, G., | Nicht der Regen, nicht der Sturm | Haucht ihm Schauer über’s Herz. | Wen du nicht verlässest, G., | Wird dem Regengewölk, | .. Entgegen singen, | .. Den du nicht verlässest, G., | Wirst ihn heben über’n Schlammpfad .. | Warum nennt mein Lied dich zuletzt? | Dich, von dem es begann, | .. Jupiter Pluvius! GWB2,67 Wandrers Sturmlied 1u4u10 [
betr Entwurf eines Denkmals als Erinnerung an die Schweizreise 79] Zuförderst sollte das gute .. Glük stehen .. die launische Freundinn und Belohnerinn keker Unternehmungen mit Steuerruder und Kranz, im Felde zur Rechten hatte ich mir den G., den Antreiber, Wegmacher, Wegweiser, Fakelträger mutigen Schrittes gedacht .. zur lincken .. Terminus .. zwey Söhne einer mutter GWBB4,143,11 Lavater [3./5.12.79 Korr SchrGG 16,89] Glücklicherweise hatte der G. schon früher dafür gesorgt und ihn [
G] angetrieben, in vermögender Jugendzeit das nächst Vergangene festzuhalten, zu schildern GWB28,151,5 DuW 12 so wie Deukalion über den fruchtbaaren Boden der unendlichen Erden hinzusäen [
Korr B50,208], und doch eines Geschlechts zu ermangeln — Wenn einem da der G. nicht aus Steinen und Bäumen Kinder erweckte, man möchte das Leben nicht GWBB2,120,2 Röderer [Herbst? 73] GWB22,169,15 Lj V 6 GWBB19,291,15 Christiane 30.3.07 [
zit s v genialisch 3] GWB28,119,25 DuW 12 GWBB49,348,5 AHerder 30.9.31 K
uö verhüllend für Gott [
mBez auf Gf Reinhards zweite Eheschließung] von Ihrem Zustande, Ihrem Glück und fortwährender Neigung höchst erfreuliche Kunde .. Möge dieß alles bleiben so fortan bis dem G. gefällt, auch so schöne Bande zu lösen GWBB40,203,15 Reinhard 26.12.25 GWBB11,297,14 FAWolf 26.12.96
in Übs von pl ‘fils du génie’, bezogen auf das menschl Geschlecht, wohl als Stammvater der Menschen, Schicksalsgottheit schlechthin5) GWB41
1,10,18 Übs:JvMüller,FriedrII [G/Riemer] [< Genies] β
als persönl Schutzgeist, persönlichkeitsformender, schicksalsbestimmender Begleiter, auch für das ‘Daimonium’ des Sokrates, die innere (allein die Wahrheit kennende) Stimme im Menschen Ich kann nicht läugnen dass sich in meine Freude ein bissgen Hundereminiszenz mischte, und gewisse Striemen zu jucken anfingen .. ich merckts zwar erst eine Zeitlang hinten drein, und streichelte meinen G. mütterlich mit Trost und Hoffnung B(DjG
32,71,35) Herder [Anf 72] Tischbein war bey mir. Ein köstlich guter Mensch. Ich fange nun erst an zu leben, und verehre meinen G. GWBTgb 29.10.86 Besser geleitet von seinem G., ergriff er [
Winckelmann] endlich die Idee, sich nach Rom durchzudrängen GWB46,21,16 Winckelm [
iZshg mit Recherchen Wilhelms, die Jarno als vermeintl Betrüger zeigen] Wie segnete Wilhelm seinen G., der ihm so unvermuthet den Abgrund zeigte, dessen Rande er sich unschuldigerweise genähert hatte. Er sah nun in Jarno nichts als den Werber GWB21,316,6 Lj III 11 Jetzo studir ich Leben und Todt eines andern Helden .. Den Sokrates, den Philosophischen Heldengeist .. Und dann weiss ich doch nicht ob ich von der Seite mit Aesopen und la Fontainen verwandt binn, wo sie nach Hamannen mit dem G. des Sokrates sympatisiren B(DjG
32,71,20) Herder [Anf 72] Tasso 437 GWB39,74,23 Götz
1 II GWBB5,229,2 Knebel 3.12.81
uö b
der ‘gute’ od ‘böse’ Geist einer Person (in Anlehnung an die antike Vorstellung vom Agatho- bzw Kakodämon), auch übertr auf eine Person α
als den Menschen zum Guten od Bösen lenkende Macht, leitendes Geschick [
aus Rom] Es sey das letzte mal .. daß ich stumm ein solch Unternehmen ausführe, möge mir doch ein guter G. immer die Lippe offen halten GWBB8,107,5 ChStein 29.12.86 Daß Herr v. Humbold mit unsern homerischen Unterhaltungen [
Zusammenkünfte ästhet-krit Thematik] zufrieden ist, beruhigt mich sehr .. Biß jetzt hat noch immer ein guter G. über unsere Stunden gewacht GWBB10,209,16 Schiller 2.12.94 [
Antonio zu Leonore:] Es ist gefährlich, wenn man allzu lang | Sich klug und mäßig zeigen muß. Es lauert | Der böse G. dir an der Seite Tasso 1977 Bey Gott ich binn ein Narr wenn ich am gescheutsten binn, und mein Genius ein böser G. der mich nach Wolpertshausen [
Ort, an dem G Lotte kennenlernte] kutschirte. und doch ein guter G. GWBB2,27,7u9 Kestner [25.9.72] GWBB5,169,4 ChStein 8.7.81 GWBB26,252,15 Woltmann 8.2.16 GWBB28,93,21 Krug vNidda 17.5.17 GWB23,111,15 Lj VII 8 GWB37,142,7 Von dtBaukunst 1773
uö β
als dem Einzelnen persönl zugeordnete Macht, ihn bestimmende Kraft, überwiegend als Personifikation des Bösen, einmal für Mephisto (als Begleiter Fausts) [
Silva:] Hier ist Oraniens Brief! Er kommt nicht .. [
Alba:] Aus dir spricht mein böser G. GWB8,260,17 Egm IV Bekenntniß .. daß ich, durch guter Geister fördernde Theilnahme, mich wieder an Faust begeben habe, und zwar gerade dahin, wo er, aus der antiken Wolke sich niederlassend, wieder seinem bösen G. begegnet GWBB42,190,9 Zelter 24.5.27 GWB22,16,8 Lj IV 2 GWB52,27,12 ThS IV 5
in Anlehnung an Horazens (Zwei-)Genien-Vorstellung6) [
Wilh zum Harfner:] geselle dich zu meinem Glücke, und wir wollen sehen, welcher G. der stärkste ist, dein schwarzer oder mein weißer! GWB22,12,20 Lj IV 1
in Verknüpfung mit dem römischen Janusmythos bei der Taufe erschien er [
der kranke Vater der ‘Schönen Seele’] mir gegen seine Art wie begeistert, ja ich möchte sagen, als ein G. mit zwei Gesichtern GWB22,345,4 Lj VI c
der leitende, inspirierende Gott einer Gemeinschaft, Gruppe, einer spezif Schicht α
als Inbegriff großer kulturschöpferischer Hervorbringungen, kreativer Geist einer Nation, auch im Anruf u als Gegenstand bildnerischer Darstellung Es [
das Münster] ist im kleinen Geschmack, sagt der Italiäner .. Kindereien, lallt der Franzose nach .. Hat nicht der seinem Grab entsteigende G. der Alten den deinen gefesselt, Wälscher! GWB37,141,5 Von dtBaukunst 1773 Laß, o G. unsers Vaterlands, bald einen Jüngling aufblühen, der voller Jugendkraft .. für seinen Kreis der beste Gesellschafter wäre .. der uns dann all seine Freuden und Siege und Niederlagen .. mit dem Muth eines unbezwungenen Herzens, vorjauchzte, vorspottete .. Aber dann, o G.! .. laß ihn ein Mädchen finden, seiner werth! GWB37,223,8 u 224,4 FGA PolnJude [
mBez auf geplante Relieftafel am Blücherdenkmal Schadows] Die erste stellt vor den Helden, sich vom Sturze mit dem Pferd aufraffend und zu gleicher Zeit den Feind bedrohend; der G. des Vaterlandes schützt ihn mit der Ägide [
Ägis] GWB49
2,81,23 Bem zBlüchers Denkbild Deutscher G. [Nachahmung GWB5
2,324 Titelvar] GWB5
1,313 Tab vot 63(386) Titel [Schiller] GWB26,320,26 DuW 5 GWBB10,257,10 Schiller 14.5.95
uö β
als ‘genius loci’7),
die einen Ort beseelende, inspirativ wirkende Gottheit (sa 4 c) [
mBez auf Rom] Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste! | Straßen, redet ein Wort! G., regst du dich nicht? GWB1,233 Vs 2 RömEleg I So bin ich denn, rief er [
Wilh] aus, in dem Hause des würdigen Oheims! .. es ist ein Tempel, und Sie [
Natalie] sind die würdige Priesterin, ja der G. selbst GWB23,165,14 Lj VIII 3 3
der sich in jdm, etw verkörpernde (spezif) Geist, das kreative Wesen a
die einem Individuum eigene schöpferische Potenz, Anlage, Befähigung, einmal erweitert auf eine geistige Erscheinung α
als höchstes geistig-seelisches Vermögen des Menschen, speziell des Künstlers, auch mit Qualifizierungen wie ‘himmlisch, originell’ ua Sie rathen nicht warum ich nicht schreibe. Es ist eine Leidenschaft, eine ganz unerwartete Leidenschaft .. Mein ganzer G. liegt auf einem Unternehmen [
‘Götz’] worüber Homer und Schäkespear und alles vergessen worden GWBB2,7,9 Salzmann 28.11.71 Und unser aevum? hat auf seinen [
Erwins] G. verziehen, hat seine Söhne umhergeschickt, fremde Gewächse zu ihrem Verderben einzusammeln GWB37,150,5 Von dtBaukunst 1773 wie ich mit dem ersten Stücke [
Shakespeares] fertig war, stund ich wie ein blindgebohrner .. Nach und nach lernt ich sehen, und, danck sey meinem erkenntlichen G., ich fühle noch immer lebhafft was ich gewonnen habe GWB37,130,27 ShakespTag [
mBez auf den von Palladio entworfenen Konvent von S. Maria della Carità, Venedig] es ist kaum den 10. Theil ausgeführt. Doch auch dieser Theil seines himmlischen G. werth GWBT1,254,26 v 2.10.86 ~ GWB30,109,6 ItR daß aber der Grundaccord seines ganzen G. kein geringerer sei als der sichere Ausdruck einer freien, klaren .. Seele, wünschte ich wohl so wahr und warm ausprechen zu können, als ich es fühle GWB41
2,384,30 Haydn,Schöpfg [Zelter/G] [
für: génie] GWB41
1,15,10 Übs:JvMüller,FriedrII [G/Riemer] GWB42
2,13,17 Freitagsges 9.9.91 GWB40,200,25 LiterarSansculottism
uö β
in übertr Bed von der Poesie Poesie .. diese ist Eingebung, sie war in der Seele empfangen, als sie sich zuerst regte. Man sollte sie weder Kunst noch Wissenschaft nennen, sondern G. [
genius]
8) GWB42
2,200,17 MuR(759) b
der etw zugrundeliegende (distinkte) Charakter, die Eigenart, die sich in etw ausdrückende (bes) Atmosphäre, Gesinnung, überwiegend verbunden mit Zeitbegriffen wie ‘G. der Zeit(en)’ bzw ‘G. saeculi’, auch mit personifizierender Vorstellung, in Übertragung auf eine Person [
mBez auf die Dekoration von Jesuitenkirchen] Gold, Silber, Metall und Pracht .. Es ist dies überhaupt der G. des Catholischen äussern Gottesdiensts GWBT1,151,4 v 3.9.86 ~ GWB30,9,7 ItR gestehen wir doch gegenwärtig ohne Beschämung, daß der G. alter Kunst unsere Fähigkeiten weit überflügelt GWB49
1,128,11 Philostrat Denn hier [
bei der Frage des Zwischenkieferknochens] ist es, wo uns der G. der Analogie, als Schutzengel, zur Seite stehen möge GWBN7,199,19 Princ PhilZool II Leider wirckt der G. der Zeit [
Revolutionsgeist] so übel auf Freundschafft GWBB10,198,10 CHerder [Ende Sept 94] Den Gott der Pfuschereien [
wohl Kotzebue] zu begrüßen, | Kam Leichtfuß [
wohl Merkel], G. der Zeit [
Anspielung auch auf die gleichnamige Zs], gegangen GWB5
1,172 Triumvirat 2 [
Neoterpe:] Die einen haben mich die neue Zeit genannt, | Auch manchmal heiß’ ich ihnen G. der Zeit GWB13
1,5 PaläophronNeoterpe 11 GWB16,249 Maskenz 1818 Prol 3 AADuW2,508 Plp 26 GWBT1,151,11 v 3.9.86 KatStargardt 622,36 Notiz undat
uö ‘G. des Tages’ iS einer akzidentiellen Stimmung, der Tagesverfassung GWBB10,193,8 Schiller 10.9.94
für (den rauschhaft-schöpferischen) Dionysos/Bacchus/ Bromius als Verkörperung des Jahrhunderts Vater Bromius! | Du bist G., | Jahrhunderts G., | Bist, was innre Gluth | Pindarn war | Was der Welt | Phöbus Apoll ist GWB2,69 Wandrers Sturmlied 53u54
als Figur in Faust I, in Anspielung auf den Titel einer von AvHennings hg Zs Musaget [
Beihefte zu ‘Genius der Zeit’] .. Ci-devant G. der Zeit [
1801 umbenannt]
9) GWBFaust I redPers vor 4315 4
in (hyperbol) Übertragung auf das schöpferische Individuum, das Genie (in Analogie zum Schöpfergott), auch mit Qualifizierungen wie ‘gottgleich, himmlisch, heilig; künstlerisch, bildend’ ua a
für den seinem schöpferischen Impuls folgenden, autonom, unmittelbar aus dem Gefühl heraus schaffenden Künstler (bes thematisiert im Jugendaufsatz ‘Von dt Baukunst’) Je mehr sich die Seele erhebt zu dem Gefühl der Verhältnisse [
in der gotischen Baukunst], die allein schön und von Ewigkeit sind .. in denen sich allein das Leben des gottgleichen G. in seligen Melodien herumwälzt .. desto tiefgebeugter stehen wir da und beten an den Gesalbten Gottes GWB37,149,20 Von dtBaukunst 1773 Schädlicher als Beispiele sind dem G. Principien. Vor ihm mögen einzelne Menschen einzelne Theile bearbeitet haben. Er ist der erste, aus dessen Seele die Theile, in Ein ewiges Ganzes zusammen gewachsen, hervortreten GWB37,142,8 Von dtBaukunst 1773 GWB37,150,25 ebd GWB38,348,17 FGA Kupferst Gregorius [G/ Merck?] GWB29,151,24 DuW 19 [Lavater]
uö b
für das (analog der Natur) aus immanenter Gesetzlichkeit hervorbringende Ich (als gesetzgebende, musterbildende Instanz) diese Überzeugung [
vom bes Wert des eigenen Besitzes] ist schon eine Art von Poesie, welche der künstlerische G. in sich nur weiter ausbildet, und seinem Besitz .. durch sein Talent einen allgemeinen Werth, eine unverkennbare Würde verleiht GWB40,277,16 Üb:Voß,Ged [G/Voß dJ] [
mBez auf die gotische Baukunst] Wir .. haben den G. zu verehren, der Mittel fand, massiven Wänden Mannichfaltigkeit zu geben, sie dem Scheine nach zu durchbrechen GWB28,98,28 DuW 12 dann sagte er [
der Oheim]: Gönnen Sie nun auch dem G., der diese Werke [
Gemälde] hervorgebracht hat, einige Aufmerksamkeit. Gute Gemüther sehen so gerne den Finger Gottes in der Natur; warum sollte man nicht auch der Hand seines Nachahmers [
des Malers] einige Betrachtung schenken? GWB22,337,13 Lj VI Witz und Verstand. Der ist zu furchtsam, jener zu kühn; nur dem G. ward es, | In der Nüchternheit kühn, fromm in der Freiheit zu sein GWB5
1,310 Tab vot 39(~ 232) [Schiller] GWB45,359 Diderot,Malerei Anm Var [
zit s v Genie 4 c α]
uö c
für den großen Menschen, die schöpferische, wirkungsmächtige Persönlichkeit auf künstlerischem, wiss, polit Gebiet (in Rückbindung an 1 a), auch im Anbetungsgestus; ‘deutscher G.’ mBez auf Händel als quasi nationale Instanz [
Jünger vor dem Bild der Venus Urania, den Künstler bewundernd:] Ganz, heilger G., versinck ich vor dir GWB38,68 KünstlersVergött 13 [
Leonore:] Und es ist vortheilhaft den G. | Bewirthen: gibst du ihm ein Gastgeschenk, | So läßt er dir ein schöneres zurück Tasso 77 Wenn man Keplers Lebensgeschichte mit demjenigen was er geworden und geleistet zusammenhält, so geräth man in ein frohes Erstaunen, indem man sich überzeugt, daß der wahre G. alle Hindernisse überwindet GWBN3,248,18 FlH V Freilich war der Oper ein .. hoher Stil .. geblieben, indem sie sich im Kreise der Götter- und Heldengeschichte .. bewegte .. Denn daß Händel, ein deutscher G., dadurch zu ernsten Fortschritten angeregt worden, ist gewiß GWB41
2,383,8 Haydn,Schöpfg [Zelter/G] [
für: génie] GWB41
1,5,12 Übs:JvMüller,FriedrII [G/Riemer] [< Genies] GWB21,291,17 Lj III 8
uö mehrdeutig, lesbar auch als ‘Genius des Altertums’ [
Wandrer:] Eines Tempels Trümmer! | .. Glühend webst du | Über deinem Grabe, | G.! GWB2,173 Der Wandrer 57
für Erwin von Steinbach bzw den ‘genius loci’ Deinem Unterricht dank’ ich’s, G., daß mir’s nicht mehr schwindelt an deinen Tiefen GWB37,147,5 Von dtBaukunst 1773 5
als (mythol) Personifikationen mehr od minder abstrakter, begrifflich gefaßter Inhalte, Ideen, Prinzipien uä, auch im Vergl u vergleichendem Bezug a
in bildkünstlerischer Darstellung als allegorische Figuren in (durch spezif Attribute) determinierten Funktionen [
PhHackert üb die Ausgestaltung des königl Schlafzimmers von San Leocio] über dem Spiegel des Kamins würde der G. des Schlafes vorgestellt GWB46,303,27 Hackert Von Jul. Roman ein ausgeführtes Blatt, vorstellend den G. der Poesie GWBB47,309,24 Zelter 29.10.30 [
mBez auf die für das ‘Römische Haus’ angefertigte Kopie des ‘Genius des Ruhms’ von ACarracci] Möge doch unter den Kronen die der G. trägt sich auch die Krone des Friedens befinden! GWBB12,173,23 CarlAug 29.6.97 GWB47,163,20 Samml 5
uö speziell für Eros/Amor (als geflügelter Jüngling bzw Knabe, auch zusammen mit Psyche) [
mBez auf LHummels Darstellung von ‘Perseus u Andromeda’] ausruhend saß Perseus .. gegenüber lös’te ein heraneilender G. so eben die Fesseln der rechten Hand [
Andromedas]. Seine bewegte Jünglingsgestalt erhöhte die Schönheit und Kraft des würdigen Paares
10) GWB35,140,13 TuJ Die beyden vorzüglichen [
Gemmen], alter Kopf und zwey Genien [
Amor u Psyche]
11) GWBB20,123,8 Meyer [Jul 08] GWB30,301,13 ItR Plp GWBB24,118,15 Knebel 22.1.14
uö für Eroten u Putti (als sinnl-spielerisches, dekoratives Element) Die Thürstücke [
im Frankf Römer], auf welchen kleine Kinder oder Genien mit dem kaiserlichen Ornat bekleidet .. eine gar wunderliche Figur spielen GWB26,27,2 DuW 1 ein ganz trefflicher [
antiker] Dreifuß [
im Museum Maffeianum] von weißem Marmor, worauf Genien, die sich mit den Attributen der Götter beschäftigen
12) GWB30,62,26 ItR ~ GWBT1,199,22 v 16.9.86 [
mBez auf einen Stich nach Tizians ‘Venusfest’] die Genien, die im Griechischen [
nach Philostrat] mochten abgesondert wie Staffage im Bilde zerstreut seyn, sind hier alle hinter und über einander gehäuft, so daß man sie kaum entziffern kann GWBB33,82,11 Meyer 30.6.20 GWBB23,281,20u21 Meyer 9.2.13 GWB30,136,6 ItR GWB26,305,18 DuW 5 GWB47,240,25 VonArabesk
uö b
in poetischer Gestaltung als (symbolistisch-)allegorische Figuren ein- od mehrschichtiger Bedeutung Die Muse. (Zwei Genien, der eine an einem Thyrsus Leier, Masken, geschriebene Rolle [
Attribute der Kunst], trophäenartig, tragend; der andere einen Sternenkreis [
Attribut der Wissenschaften] um sich her.) GWB16,335 Epimen Regiebem vor 1 (Der Deckel des Kastens springt auf. Es steigt ein G. hervor, der durch die Lichter .. ganz erleuchtet ist ..) (Genius.) Hier bin ich, ihr Lieben [
Pamina u Tamino]! | Und bin ich nicht schön? | .. Und drohten mir Drachen; | Sie haben doch alle | Dem Knaben nichts
an. (In dem Augenblick als die Wächter nach dem G. mit den Spießen stoßen, fliegt er davon.) GWB12,220 u 221 Zauberfl redPers vor 797 u Regiebem vor 797 u nach 810 (Genien) .. Erstlich lösen wir die Bande [
‘Glaube’ u ‘Liebe’ werden von ihren Ketten befreit], | .. Denn uns Genien gegeben | Ward gewiß ein schönes Theil; | Euer eigenes Bestreben | Wirke nun das eigne Heil GWB16,364 Epimen redPers vor 601 u 605 [
Phorkyas zum Chor:] Schau’ ich hin, da springt ein Knabe [
Euphorion] von der Frauen Schoos zum Manne, | Von dem Vater zu der Mutter .. | Nackt ein G. [< wie Amor nett und zierlich GWB15
2,120] ohne Flügel, faunenartig ohne Thierheit, | Springt er auf den festen Boden, doch der Boden gegenwirkend | Schnellt ihn zu der luft’gen Höhe GWBFaust II 9603 GWB16,385 Requiem frohstenManne redPers vor 7 GWB13
1,17 u 18 PaläophronNeoterpe Vs 254 u redPers vor 259 GWB16,307 Maskenz 1818 Epil Regiebem vor 1010 u redPers vor 1022 GWB53,442,17 Aus Notizb GWB21,273,1 Lj III 6
uö (bes in Epimen, Zauberfl, Requiem frohstenManne) im Wortspiel mit dem Begriff ‘Genie’ [
Schauspielkunst:] Doch möchte sich der Prunk zuviel vermessen, | Wofern er nicht Gehalt im Schilde führt; | Drum hab’ ich zwei Begleiter nicht vergessen, | Sie sind antik als Genien costümirt: | Denn, was man so Genie kurzweg genannt, | Nicht immer ist’s, wenn man es braucht, zur Hand, | .. (Indessen sind die Kinder aus dem Wagen gestiegen und stehen ihr zur Seite, die Kunst rechts und die Natur links ..) GWB13
1,110 Was wir bringen Halle [1814] Vs 361 [G/Riemer]
einmal, im subtilen Rollenspiel mit dem Erzähler-Ich, für den Liebesgott er [
Wilh] setzte die Pantoffeln [
Philines] auf seinen Tisch .. ein schelmischer G., der ihn belauschte, will versichern: er habe sich einen großen Theil der Nacht mit den allerliebsten Stelzchen beschäftigt GWB22,197,12 Lj V 10
→ GWB
Kunstgenius GWB
Natur- GWB
Taten- GWB
Theater- Welt- Zwillingsgenien Syn zu 1
GWB
Dämon GWB
Geist zu 1 a
GWB
Halbgott GWB
Heros zu 2 a
GWB
Dämon GWB
(Schutz-)Engel GWB
Engel GWB
(Schutz-)Geist GWB
Geist zu 3—4
GWB
Geist GWB
Genie zu 3
GWB
Charakter Eigenart GWB
Wesen(heit) zu 3 a
GWB
Dämon GWB
Genialität GWB
Produktivität GWB
(Schöpfungs-)Kraft GWB
Kraft 1) Mit Nachdruck auf der Genius-‘Figur’ ist der Begriff abgehandelt von WSchmidt-Dengler, Genius. Zur Wirkungsgeschichte antiker Mythologeme in der Goethezeit, 1978 2) Im Titelkupfer der Tasso-Übs JFKopps nimmt der Dichter den Lorbeerkranz von Apoll entgegen (Abb MA 31,913). 3) schon von Winckelmann, Beschreibung des Torso im Belvedere, 1759, als der vergöttlichte Heros selbst gedeutet 4) vgl MMorris, G u der Genius anderer Welten. In: Ders, G-Studien 2, 1902,249—52 5) vgl Hederichs gründl mythol Lexicon, 1770,1143 6) vgl Horaz, Epistularum II 2, 183—89: “cur .. |
scit Genius, natale comes .. albus et ater” 7) Eine spezif Art der Verkörperung fand der Schutzgott im ‘Schlangenstein’ des Parks an der Ilm mit der Inschrift ‘Genio huius loci’, auf Anregung G-s modelliert von MGKlauer 1787. 8) zum Verfasser der Maxime, RGriffith, Näheres in FfA I 13,888 9) vgl FfA I 72,365 zu Vs 4307—18 10) vgl Meyers Beurteilung der Arbeit in WScheidig, G-s Preisaufgaben, 1958,327: “Der geflügelte Knabe, welcher die Andromeda so zart und zierlich löset, hebt das Ganze in eine höhere Region, führt in jene Urzeiten zurück, wo die Menschheit mit den Göttern verwandt war und Umgang pflog.” 11) vgl GFemmel/GHeres, Die Gemmen aus G-s Sammlung, 1977, Abb 17 12) Abb bei GRodenwaldt, G-s Besuch im Museum Maffeianum zu Verona, 1942,34 Armin GieseA. G.