Charakter auch Ca-, K-, -c(k)t-; Pl mehrf endungslos, GenSg einmal -eres GWB5
1,205,1
Rund 1200 Belege, davon fast die Hälfte als Charakter des Menschen (3), etwa ein Drittel in der künstlerischen Terminologie (4). Die in Punkt 1 u 5 verzeichneten älteren Bedeutungen sind nur vereinzelt od gering belegt. — Der Gebrauch des Wortes wird im wesentlichen von der Möglichkeit bestimmt, sowohl individuierende wie typisierende Merkmale zu erfassen. Das individuierende Moment spielt in Bezeichnung der (moralisch indifferenten) Grunddisposition des Menschen, seiner Grundbestimmung in G-s Charakterlehre die zentrale Rolle (3 a). ‘Charakter’ wird in diesem Zshg zum Schlüsselwort wissenschaftstheoret Auseinandersetzung u als solches selbst Gegenstand ausführl Bedeutungsanalyse. Durch die Möglichkeit, sich darüber hinaus mit Wertungen zu verbinden, erhält das Wort seine ethische Dimension. Das typisierende Moment dominiert in G-s natwiss Theorie als Bezeichnung des Gattungs- od Artspezifischen, in kennzeichnender u klassifizierender Funktion. Als das ‘Allgemeine’, ‘Generelle’ steht es neben ‘Typus’, ‘Idee’ u ‘Begriff’ (2 b). In der Wesensbestimmung natürl Erscheinungen bezieht sich G definitorisch auf beide Bedeutungskomponenten (2 c). — In der künstlerischen Terminologie stehen die beiden Aspekte des Wortes für versch ästhetische Grundpositionen. Als das Individuell-Charakteristische nähert sich der Begriff dem ‘Naturwahren’ u dient so zur Bezeichnung realistisch-naturalistischer Tendenzen in der bildKunst, als das typolog Zuordnende nähert er sich dem Abstrakt-Begrifflichen, Wesenhaft-Typischen u steht damit für die Gegenposition einer idealisierenden od symbolisierenden Kunst. In diesen versch Bedeutungen spielt der Begriff in der kunsttheoret Auseinandersetzung des 18. u frühen 19. Jh eine wichtige Rolle. Er bezeichnet ebenso die abstrakt-begriffl Charaktertypik der Aufklärungsästhetik wie das subjektive Moment der von der Genieästhetik propagierten Ausdruckskunst (vgl charakteristisch Sp 989,70ff
). Besondere Bedeutung erhält der Begriff Ende der 90er Jahre in der von AHirt ausgelösten Diskussion um den Vorrang von ‘Charakter’ u ‘Schönheit’1).
G benutzt ihn unter wechselnden Aspekten sowohl positiv wie auch negativ. 1
Schriftzeichen, magisches Zeichen es gab [
unter den protestantischen Teufelsbeschwörern] destomehr Cophtas .. denn freylich wäre es leichter durch einige gezogene Ch-e und unsinniges Gemurmel reich zu werden GWBB46,157,22 Zelter 20.11.29 GWB42
1,415,18 InschrHeilsbg Plp GWB17,199,1 GrCoph III 9 2
Merkmal, Kennzeichen, spezif Eigenart einer Sache a
das Besondere, Hervorstechende, Markante einer Sache, ihre spezielle Beschaffenheit, Eigentümlichkeit, ihr individuelles Gepräge (basierend auf Gestalt-, Struktur- od inneren Merkmalen); auch iS einer geistigen Prägung, Ausrichtung, Tendenz; nuanciert als Stimmungs- od Ausdruckswert; iVbdgn wie ‘auffallender, besonderer, dezidierter, eigener, vorstechender, entschiedener, eigentümlicher, spezifischer, eigentlicher Ch.’; ‘einen best Ch. annehmen, gewinnen, behalten, verlieren’ uä Das Thal Chamouni .. der Ch., der mir es vor andern auszeichnet, ist, dass es in seiner Mitte fast gar keine Fläche hat, sondern das Erdreich, wie eine Mulde, sich gleich von der Arve aus gegen die höchsten Gebürge anschmiegt GWBB4,130,6 ChStein 5.11.79 [
G besucht in polit Mission die thür Höfe] Es ist gar artig eine Reihe Phisiognomien von Städten und Höfen zu sehn, ieder Hof hat einen dezidirten eignen Charackter der sich von oben herein bildet GWBB5,328,26 ChStein 14.5.82 Man mag zu Gunsten einer schriftlichen und mündlichen Überlieferung sagen, was man will, in den wenigsten Fällen ist sie hinreichend, denn den eigentlichen Ch. irgend eines Wesens kann sie doch nicht mittheilen GWB30,243,19 ItR Der Ch. des Globe als absoluter Liberalismus oder theoretischer Radicalismus erkannt GWBTgb 14.2.26 Farben, wie sie Stimmungen hervorbringen, fügen sich auch zu Stimmungen und Zuständen .. Man bezieht bei Kleidungen den Ch. der Farbe auf den Charakter der Person GWBN1,333,12 FlD 839 GWB42
2,507,4 Plp GWB36,68,8 TuJ GWB34
1,176,22 KuARheinMain GWB32,133,12 ItR GWBB17,5,23 Eichstädt 7.1.04 GWB19,258,23 BrSchweiz II
uö ‘einer Ära den Ch. geben’: sie entscheidend prägen GWBB36,285,11 Boisserée 27.1.23
mit bes Betonung der Eigenständigkeit, Geschlossenheit, Identität einer Sache mit sich selbst Erscheinung: allgemeine Benennung dessen, was wir nicht mit völliger Gewißheit gewahr werden. Phänomen, eine Erscheinung, die einen spezifischen Ch. hat und unter gewissen Bedingungen sich gleich ist LA I 3,364,21 Fl Plp GWB49
2,187,16 Boisserée,AnsichtenRisse KölnerDom
uö b
das Kennzeichnende, Typische, Gattungs- od Artspezifische α
allg für die typischen Merkmale einer Sache (einer übergeordneten Größe) Nur durch das genaueste Detail, durch unendliche Einzelnheiten, die lebendig alle den Ch. des Ganzen tragen .. hätte es einigermaßen gelingen können, eine Vorstellung dieser merkwürdigen Persönlichkeit [
Cornelia] mitzutheilen GWB27,23,11 DuW 6 GWBB28,226,16 Zelter 20.8.17 GWB36,63,3 TuJ
uö β
natwiss: für das ‘Gesetzmäßige’, ‘Allgemeine’, die artübergreifende Typik natürl Erscheinungen, als Wesensmerkmal jenseits der Einzelspezifikation; auch idVbdg ‘allgemeiner, genereller Ch.’, unterschieden von dem ‘Individuellen’, neben ‘Typus’, ‘Idee’, ‘Begriff’ In den Gebilden der Natur erscheint zuerst das Individuelle, das heißt man sieht zuerst das Individuum, und der Ch., das Allgemeine, die Idee erscheint erst darauf .. Gespr(He2,431) Riemer 5.3.09 Alles was in der Natur specificirt ist, was einen gewissen Character, einen gewissen Typus angenommen, sucht ihn aufs hartnäckigste zu erhalten, und legitimirt sich dadurch, als abstammend vom Unbedingten GWBN4,458,6 Fl Plp Es gibt [
Pflanzen-] Geschlechter .. welche einen Ch. haben, den sie in allen ihren Species wieder darstellen .. sie verlieren sich nicht leicht in Varietäten und verdienen daher wohl mit Achtung behandelt zu werden GWBN7,76,13 Probl uErwiderg [
Wirkungen der Metamorphose] daß die in dem Typus benannten einzelnen Theile durch alle Thiergeschlechter und Arten immerfort verändert werden, ohne daß sie doch jemals ihren Ch. verlieren können GWBN8,88,17 Vortr VglAnatomie 3 Sämmtliche Farben zusammengemischt behalten ihren allgemeinen Ch. als σκιερόν GWBN1,224,11 FlD 556 GWBN8,66,3 Vortr VglAnatomie 1 [
Zit s v charakteristisch Sp 989,1ff] GWBN8,190,25 AllgKnochLehre 6 GWBN8,58,3u12 VglAnatomie 8 GWBN10,79,25 Dynamism [ChHSchlosser/G]
uö idVbdg ‘charakterloser Ch.’ die Marmormassen in ihrem charakterlosen Ch. GWBN9,238,20 GestaltgAnorgMassen γ
für die Typik einer künstlerischen Gattung; auch iVbdg mit klassifizierenden Attr: lyrisch, lyrisch-episch; in verbalen Vbdgn wie ‘aus dem Ch. heraustreten, hinausgehen’, ‘den Ch. aufheben’ Ihr [
der Märchen] eigentlicher Ch. ist, daß sie keinen sittlichen Zweck haben und daher den Menschen nicht auf sich selbst zurück, sondern außer sich hinaus in’s unbedingte Freie führen und tragen GWB7,37,3 DivNot Der Roman .. stellt das Unbedingte als das Interessanteste vor .. das gränzenlose Streben .. unbedingte Leidenschaft .. Dieser eigenthümliche Ch. des tragischen Romans GWB41
2,7,18 Rez:JSchopenh,Gabriele GWB27,91,27 DuW 7 GWB35,91,2 TuJ GWBB16,148,18 CarlAug [Ende Nov 02] K
uö δ
als Merkmal, Symptom einer Krankheit (Pl) GWBB22,59,27 Brandis [7.3.11] K c
durch ‘Unterschiede’ u ‘Übereinstimmungen’, individuierende u typisierende Merkmale begründete Eigenart einer natürl Erscheinung; definitorisch u verallgemeinernd als Merkmal ‘alles Lebendigen’ Mit Ordnung zu wissen, erfordert genaue Kenntniß der einzelnen Gegenstände. Aufmerksamkeit auf ihre Ch-e, also Unterschiede und Übereinstimmungen .. Einsicht in das Bezeichnende und Urtheil hierüber GWBN6,300,4 PhysiolPfl GWBN13,194,12 Schema zu VersGestaltTiere 3
Wesensart, innere Konstitution des Menschen (vereinzelt in Ausdehnung des Begriffs auf den Gesamtkomplex der Lebewesen) a
individuelle Eigenart, Wesensbeschaffenheit α
angeborene Individualität, in sich stabile Grundveranlagung eines Lebewesens, Persönlichkeitsstruktur, ‘Grundbestimmung’, ‘Dämon’ des Menschen; auch idVbdgn ‘angeborener, eigener, besonderer, individueller Ch.’, neben ‘Naturell’, ‘Persönlichkeit’, ‘Wesen’, ‘Individualität’; als ‘subjektives’ Moment von bes Bedeutung in G-s wissenschaftstheoret u geschichtsphilos Betrachtung; häufig in begriffstheoret u sentenzhaften Äußerungen, auch metasprachl, mehrf definitorisch Da das Wort Ch. ausgesprochen ist .. werde einigen .. Betrachtungen .. Platz vergönnt. Jedes Wesen das sich als eine Einheit fühlt, will sich in seinem eigenen Zustand .. unverrückt erhalten .. so kann man sagen, jedes Einzelne habe Ch. bis zum Wurm hinunter, der sich krümmt wenn er getreten wird. In diesem Sinne dürfen wir dem Schwachen, ja dem Feigen selbst Ch. zuschreiben: denn er gibt auf .. was .. nicht zu seiner Natur gehört: die Ehre, den Ruhm, nur damit er seine Persönlichkeit erhalte GWBN4,98,27 u 99,5u8 FlH VI NewtPersönlichk Zu jedem Thun .. wird ein Angebornes gefordert .. was er [
der Mensch] .. von außen empfangen, schadet seiner eingebornen Individualität nichts. Das beste Genie ist das, welches alles in sich aufnimmt .. ohne daß es der eigentlichen Grundbestimmung, demjenigen was man Ch. nennt, im mindesten Eintrag thue, vielmehr solches noch erst recht erhebe und durchaus nach Möglichkeit befähige GWBB49,282,2 WHumboldt 17.3.32 spricht diese Strophe [
mit der Überschr ‘Dämon’] die Unveränderlichkeit des Individuums .. aus .. Dieses feste, zähe, dieses nur aus sich selbst zu entwickelnde Wesen kommt freilich in mancherlei Beziehungen, wodurch sein erster und ursprünglicher Ch. in seinen Wirkungen gehemmt, in seinen Neigungen gehindert wird GWB41
1,216,25 Üb:Urworte die .. Verknüpfung des Wollens und Sollens im individuellen Ch. .. Die Person, von der Seite des Ch-s betrachtet, soll: sie ist beschränkt, zu einem Besondern bestimmt; als Mensch aber will sie. Sie ist unbegränzt und fordert das Allgemeine GWB41
1,62,8u9 Shakesp u kein Ende Ch., Individualität, Neigung, Richtung, Örtlichkeit .. bilden zusammen ein Ganzes, in welchem jeder Mensch, wie in einem Elemente .. schwimmt GWB20,397,3 Wv II 17 behandelt jeder die Wissenschaften nach seinem Charakter .. man prosperirt nicht eher, als bis man anfängt, sich selbst und seinen Ch. kennen zu lernen GWBN9,291,7u13 Verhältn zWiss JbGG2,243 Urworte, Orphisch Strophentitel Var [ΔΑΙΜΩΝ
Hss u Erstdr MorphH; Δαιμων, Dämon
Druck KuA u Ausg.l.H.] GWBN3,108,13 FlH II GWB27,192,15 DuW 8
uö als Summe, ‘Mischung’ einzelner Eigenschaften od Grundtriebe, als psych Grunddisposition, ‘Gewohnheit’ der Seele Der Ch., das heißt die Mischung der ersten menschlichen Grundtriebe, der Selbsterhaltung
etc., ist das, wovon auch die Ausbildung der übrigen Seelenkräfte ausgeht, und worauf sie ruht .. Gespr(He2,597) Riemer [1810] Ch. ist also Eigenschaft und Gewohnheit zugleich. Jenes a priori angesehen, dieses a posteriori Gespr(He2,328) Riemer 27.8.08
uö in Bezug gesetzt zur körperl Konstitution, zur äußeren Erscheinung, zu best Äußerungsformen des Menschen, insbes in der physiogn u grapholog Analyse; auch idVbdg ‘jds Ch. machen’: eine physiogn Analyse geben Mit dem [
Seh-] Organ, seiner gesunden oder kranken Disposition ist der Character sehr nahe verwandt. Wir können uns vom Körper nicht trennen GWB45,369 Diderot,Malerei Anm G-s Var Man wird sich öfters nicht enthalten können, die Worte Physiognomie, Physiognomik in einem ganz weiten Sinne zu brauchen .. So lassen Kleider und Hausrath eines Mannes sicher auf dessen Character schließen GWB37,329,19 PhysiognFragm Daß die Handschrift des Menschen Bezug auf dessen Sinnesweise und Ch. habe und daß man daran wenigstens eine Ahndung von seiner Art zu seyn und zu handlen empfinden könne, ist wohl kein Zweifel GWBB32,224,6 Preusker 3.4.20 K GWBN1,265,4 FlD 671 GWB24,258,23 Wj II 2 GWB23,202,20 Lj VIII 5 GWBB3,11,25 CarlAug [26.12.75]
uö im Handeln, in best Verhaltensweisen, im Urteil sich manifestierende Eigentümlichkeit des Menschen Vergebens bemühen wir uns, den Ch. eines Menschen zu schildern; man stelle dagegen seine Handlungen, seine Thaten zusammen, und ein Bild des Ch-s wird uns entgegentreten N1,IX,13u15 Fl Vorw Der Character überhaupt äußert sich in der Fähigkeit zu wircken, gegenzuwircken und was mehr ist, sich zu beschränken, zu dulden, zu ertragen GWB42
2,419,23 Schema Volksb histInh Plp [
Therese zu Wilh:] Die Geschichte des Menschen ist sein Charakter. Ich will Ihnen erzählen, wie es mir ergangen ist GWB23,40,15 Lj VII 5 Einsicht und Ch. des Menschen offenbart sich am deutlichsten im Urtheil; indem er ablehnt, indem er aufnimmt, bekennt er, was ihm fremd blieb, wessen er bedarf GWB41
1,125,9 Urteilsworte frzKrit GWB32,102,21 u 103,3 ItR GWB36,335,16u19 Zu brüderlAndenkWielands 1813 GWB42
2,142,7 MuR(262)
uö im Verhältnis zu künstlerischer Veranlagung, ‘Talent’, ‘Geschmack’ Der Ch. ruht auf der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten. Talente können sich zum Ch. gesellen, er gesellt sich nicht zu ihnen: denn ihm ist alles entbehrlich außer er selbst GWB7,181,7u8 DivNot ~ Gespr(He2,327) Riemer 27.8.08 GWB42
2,420,13 Schema Volksb histInh
uö ebd mit bes Betonung der Stabilität, Konsequenz, des ‘Absoluten’ des Charakters u seiner moralischen Indifferenz; auch in Vbdgn wie ‘starker, unbiegsamer, granitartiger Ch.’, ‘seinem Ch. treu bleiben’, ‘seinen Ch. nicht verleugnen’, ‘nicht aus seinem Ch. gehen’ bleibt der Ch. immer Ch., er mag das Rechte oder das Unrechte, das Wahre oder das Falsche wollen und eifrig dafür arbeiten GWBN4,102,23 FlH VI NewtPersönlichk Das Hauptfundament des Sittlichen ist der gute Wille, der seiner Natur nach nur auf’s Rechte gerichtet sein kann; das Hauptfundament des Ch-s ist das entschiedene Wollen, ohne Rücksicht auf Recht und Unrecht, auf Gut und Böse, auf Wahrheit und Irrthum GWBN4,100,5 ebd Einen starken Ch. nennt man, wenn er sich allen äußerlichen Hindernissen mächtig entgegensetzt und seine Eigenthümlichkeit, selbst mit Gefahr seine Persönlichkeit zu verlieren, durchzusetzen sucht GWBN4,99,17 ebd Die Vorurtheile der Menschen beruhen auf dem jedesmaligen Ch. der Menschen, daher sind sie, mit dem Zustand innig vereinigt, ganz unüberwindlich GWB42
2,156,9 MuR(341) der Herzog gehört zu den Urdämonen, deren granitartiger Ch. sich niemals beugt, und die gleichwohl nicht untergehen können Gespr(He2,603) Kanzl Müller undat GWBN4,100,28 u 101,1 u 102,18 FlH VI NewtPersönlichk Gespr(He3
1,672) Kanzl Müller 31.3.24 GWB42
2,156,13 MuR(342) GWB21,155,19 Lj II 4
uö β
unter dem Aspekt der Modifizierbarkeit: (angeboren u) ausbildbar, entwicklungsfähig, päd beeinflußbar2); vereinzelt verbunden mit Formvorstellungen; auch idVbdgn ‘einen anderen Ch. annehmen’, ‘aus seinem Ch. gehen’, ‘sich einen fremden Ch. aufbinden’ der eigene Ch., von der Natur verliehen, durch ununterbrochene Thätigkeit ausgebildet GWBB26,78,3 Voigt 10.9.15 K [
Leonore zu Alphons:] Es bildet ein Talent sich in der Stille, | Sich ein Ch. in dem Strom der Welt. | O daß er [
Tasso] sein Gemüth wie seine Kunst | An deinen Lehren bilde! Tasso 305 Eigenschaften und .. Eigenheiten meiner Mutter .. ist es merkwürdig .. zu welcher Gestalt ein solcher Ch. gerade in der Hälfte des vorigen Jahrhunderts sich ausbildete GWB29,231,15 DuW Plp Aristeia dMutter GWB20,106,23 Wv I 9 GWBB48,259,14 Zelter 28.6.31 GWBB9,46,10 Jacobi 31.10.88 GWBB20,150,3 Meyer [17.8.08] GWB40,239,6 Staël,Dichtgn Übs
uö γ
bestimmte (durch positive od negative Eigenschaften gekennzeichnete) Wesens-, Gemüts- od Sinnesart eines Menschen; mit Attr wie: rein, heiter, sanft, aufrichtig, offen, frei, liberal, freundlich, liebenswürdig, zutraulich, ernst, ruhig, still, gehalten, zusammengenommen, reell, geregelt, verständig, vernünftig, sorgsam, hütsam, haushältisch, urväterlich, tätig, tüchtig, wacker, mutig, entschieden, resolut, streng, scharf, trocken, heftig, lebhaft, unruhig, ungebändigt, roh, wild, gewaltsam, gewalttätig, herrisch, stolz, störrisch seine [
FGDietrichs] Gegenwart sagte mir zu, da ein offner freier Ch. aus Wesen und Thun hervorleuchtete GWBN6,106,6 BotanStudien jedes [
der Kinder] rufte .. sein: Danke! indem es .. mit seinem Abendbrode vergnügt entweder wegsprang, oder nach seinem stillern Ch. gelassen davon nach dem Hofthore zugieng AA20,33 Werth
1 I Nach Serenissimi angeboren liberalem Ch. GWBN6,235,14 PflanzenkultWeim GWBN7,108,27 Jungius GWBB26,336,4 Voigt 11.4.16 GWBB21,379,27 Knebel 30.8.10
uö b
Charaktertypus, vereinzelt metonym: Mensch von best Wesensart; auch iZshg einer (an natwiss Begriffen orientierten) Charaktertypologie Man hat .. noch lange nicht genug Beiworte aufgesucht, um die Verschiedenheit der Ch-e auszudrücken. Zum Versuch wollen wir die Unterschiede, die bei der physischen Lehre von der Cohärenz statt finden, gleichnißweise gebrauchen; und so gäbe es starke, feste, dichte, elastische, biegsame, geschmeidige, dehnbare, starre, zähe, flüssige und wer weiß was sonst noch für Ch-e GWBN4,100,18u23 FlH VI NewtPersönlichk GWBN4,103,24 ebd GWBTgb 11.5.99
uö Entwicklung best Charaktertypen in Abhängigkeit von der Regierungsform, den geogr u klimat Bedingungen (auch wertend iSv 3 c) daß Regierungsform .. einen moralisch-klimatischen Zustand hervorbringe, worin die Ch-e auf verschiedene Weise sich ausbilden .. In der Republik bilden sich große, glückliche, ruhig-rein thätige Ch-e .. Die Despotie .. schafft große Ch-e; kluge, ruhige Übersicht, strenge Thätigkeit, Festigkeit, Entschlossenheit GWB7,40,6u11u18 DivNot Gespr(He3
1,48) Kanzl Müller nach JEgloffstein 6.3.18 c
innerer, sittl Wert, innere Dimension, ethische Haltung des Menschen; den Wertaspekt implizierend od in Vbdg mit wertenden od entsprechend differenzierenden Attr: ‘großer, bedeutender, besonderer, guter, schöner, edler, trefflicher, herrlicher, unschätzbarer, geprüfter, erprobter, sittlicher, moralischer Ch.’, ‘Größe, Großheit, Tiefe des Ch-s’, auch ‘jds Ch. verderben’ uä; definitorisch u in konkr Bezug bedient man sich des Wortes Ch. gewöhnlich in einem höhern Sinne: wenn nämlich eine Persönlichkeit von bedeutenden Eigenschaften auf ihrer Weise verharret und sich durch nichts davon abwendig machen läßt GWBN4,99,12 FlH VI NewtPersönlichk Einen großen Ch. nennt man, wenn die Stärke desselben zugleich mit großen, unübersehlichen, unendlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, verbunden ist und durch ihn ganz originelle unerwartete Absichten, Plane und Thaten zum Vorschein kommen GWBN4,99,21 ebd [
betr Anstellung von Schillers Schwager Wolzogen] ich habe .. den Auftrag mich bey Ihnen näher um seinen moralischen Ch. zu erkundigen .. es ist mit dem, was man moralischen Ch. nennt, eine eigene Sache. Wer kann sagen wie sich jemand in einem neuen Verhältniß benehmen werde? GWBB11,286,11u13 Schiller 9.12.96 Unreine Lebensverhältnisse soll man niemand wünschen; sie sind aber für den, der zufällig hinein geräth, Prüfsteine des Ch-s und des Entschiedensten, was der Mensch vermag GWB42
2,128,10 MuR(173) GWB23,211,22 Lj VIII 5 GWBB13,64,19 Schiller 14.2.98 GWBB22,322,15 Knebel 8.4.12 GWB41
2,249,16 Zu Aristot,Poetik
uö d
Charakter einer Nation, best Bevölkerungsgruppen, Familien- od Stammescharakter, auch metonym für die Menschen einer Epoche (differenziert wie 3 a, b und c); insbes in kultur- u geschichtsphilos Betrachtungen Ch. polirter Nationen! .. Sobald eine Nation polirt ist, sobald hat sie conventionelle Wege zu denken, zu handeln, zu empfinden, sobald hört sie auf Ch. zu haben GWB37,274,8u14 FGA Charakteristik europNationen [G/Merck/Schlosser] die auf der Erde verbreiteten Nationen sind .. als Individuen anzusehen .. europäische Nationen, in andere Welttheile versetzt, legen ihren Ch. nicht ab GWB41
1,217,19 Üb:Urworte Der echte Deutsche bezeichnet sich durch mannichfaltige Bildung und Einheit des Ch-s GWB42
2,238,6 MuR(976) Unsre Zeit hat Geschmack aber keinen Character GWB42
2,419,14 Schema Volksb histInh GWB24,279,23 Wj II 3 GWB7,18,10 DivNot GWB34
1,189,17 KuARheinMain
uö unter didaktischen Gesichtspunkten Was ist an ihr [
an der ‘Menge’] zu bilden wünschenswerth? Der Character, nicht der Geschmack: Der letzte muß sich aus dem ersten entwickeln GWB42
2,414,12 LyrVolksb Plp
in Abhängigkeit von den äußeren Lebensverhältnissen, den Lebensbedingungen Gespr Eckerm 2.4.29 GWB18,379,18 ReiseMegapr GWB31,260,15 ItR
uö 4
in der künstlerischen Terminologie; in versch inhaltl Ausprägungen (im Anschluß an 2 u 3) u in versch Graden terminolog Verfestigung a
das Bezeichnende, Charakteristische, in der Porträtkunst u Figurendarstellung auch das Individuelle eines Darstellungsgegenstandes; iVbdgn wie ‘den Ch. treffen, verfehlen, fliehen’, ‘eigentlicher, individueller, auffallender, sich aussprechender Ch.’ Darüber spricht man [
im Kreis der röm Künstler], ob der Gegenstand hätte günstiger aufgenommen werden sollen, ob der Ch. getroffen ist, und was solche erste allgemeine Fordernisse sind GWB30,215,14 ItR Poesie .. Dilettant wird nie den Gegenstand, immer nur sein Gefühl über den Gegenstand schildern. Er flieht den Character des Objekts GWB47,314,18 ÜbDilettantism Schema [G/Schiller] daß der Liebhaber, dessen Hand nicht fertig genug ist, allen .. Gegenständen eine anmuthige Nachbildung zu verleihen, auf’s Bedeutende hinstreben und dasjenige sich zueignen wird, was einen auffallenden, sich besonders aussprechenden Ch. hat GWB49
1,332,15 Schwerdtgeburth,RadierteBll nach G-s Handzeichngn Nach meinem Rath müßten Sie eine Zeit lang sich ganz an Raphaeln, die Antiken und die Natur wenden, sich recht in sie hineinsehen, einzelne Köpfe und Figuren mit Sorgfalt zeichnen und bei keiner eher nachlassen, bis sie den individuellen Ch. und das innere Leben der Gestalt nach Ihren möglichsten Kräften aus dem Papier oder aus der Leinwand wieder hervorgetrieben hätten; dadurch werden Sie sich allein den Namen eines Künstlers verdienen GWBB5,138,13 Maler Müller 21.6.81 GWB30,31,10 ItR GWBB38,140,27 Brée 12.5.24 K GWBB42,232,15 NMeyer 21.6.27
uö für das deutl Ausgeprägte, Distinkte wenn der Mahler, der Poet, | Mit Howards Sondrung wohl vertraut | .. Die Atmosphäre prüfend schaut, | Da läßt er den Ch. gelten; | Doch ihm ertheilen luftige Welten | Das Übergängliche, das Milde, | Daß er es fasse, fühle, bilde GWB3,102 Wohl zu merken 9
‘den Ch. (einer Landschaft) gewinnen’ das Charakteristische in einer Skizze od im Umriß festhalten GWB35,266,19 TuJ
Pl für die spezif Einzelausprägungen, die ‘bedeutenden’ Einzelelemente der Landschaft (iUz sog ‘Weltlandschaft’) Paul Brill .. In seinen Werken .. ist alles schon froher, weitherziger [
als bei Pieter Brueghel dÄ] und die Ch-e der Landschaft schon getrennt: es ist nicht mehr eine ganze Welt, sondern bedeutende, aber immer noch weitgreifende Einzelnheiten
3) GWB49
2,244,3 LandschaftlMalerei
‘auf Ch. arbeiten, den Ch. einsetzen’ als künstlerisches Darstellungsprinzip Wir stimmen mit dem Verfasser .. überein, daß Kindheit und hohes Alter aus dem Bezirk der schönen Kunst zu verbannen sind. In so fern der Künstler auf Ch. arbeitet, mag er auch einen Versuch machen, diese zu wenig oder zu viel entwickelten Naturen in den Cyclus schöner und bedeutender Kunst aufzunehmen GWB45,267,27 Diderot,Malerei Anm G-s GWBB28,379,5 Niebuhr [16./17.4.17] K
der individuelle Charakter als das Besondere, in dem sich das Allgemeine offenbart die Auffassung und Darstellung des Besonderen ist .. das eigentliche Leben der Kunst .. Auch braucht man nicht zu fürchten, daß das Besondere keinen Anklang finde. Jeder Character, so eigenthümlich er seyn möge, und jedes Darzustellende .. hat Allgemeinheit Gespr Eckerm 29.10.23 b
für das in der Einzelerscheinung sich manifestierende Gesetzmäßige, Allgemeine, das Überindividuelle, Wesenhaft-Typische; in Vbdgn wie ‘allgemeiner, höherer, ideeller, idealer Ch.’, ‘den Ch. erhöhen, bestimmen, (auf das Höchste) steigern, bringen’; neben ‘Ideal’, ‘Bedeutung’, ‘Form’, ‘Proportion’, gekennzeichnet als das ‘Bedeutende’, ‘Interessante’, ‘(Historisch-)Charakteristische’, unterschieden von dem ‘Natürlich-Wahren’, ‘Porträtartigen’, ‘Individuellen’; als konzeptionelle Leistung des Künstlers, als Postulat sowie in Kritik naturalist Tendenzen in der zeitgenöss bildKunst Durch diesen Begriff [
von den inneren Gestaltungsmöglichkeiten eines Gesteins] kommt auch der Zeichner ganz allein zur Fähigkeit, Felsenwände .. richtig und wahrhaft darzustellen, indem er das Unsichtbare durch das Sichtbare sich verdeutlicht und den allgemeinen Ch. im Kleinen wie im Ungeheuren durchzuführen vermag. Die Urgestaltung wird ihm klar GWBN9,235,12 GestaltgAnorgMassen Indem der Künstler irgend einen Gegenstand der Natur ergreift, so gehört dieser schon nicht mehr der Natur an, ja man kann sagen, daß der Künstler ihn in diesem Augenblicke erschaffe, indem er ihm das Bedeutende, Charakteristische, Interessante abgewinnt .. Auf diese Weise werden der menschlichen Gestalt die schönern Proportionen, die edlern Formen, die höhern Ch-e gleichsam erst aufgedrungen, der Kreis der Regelmäßigkeit, Vollkommenheit, Bedeutsamkeit und Vollendung wird gezogen GWB47,17,25 PropylEinl die Schwierigkeit .. vom natürlich Wahren zum historisch Charakteristischen überzugehen .. In der Wirklichkeit erscheinen uns nur Individuen, die, sie mögen sich irgend einem geforderten ideellen Ch. noch so sehr annähern, doch immer das Porträtartige nicht verläugnen und mit einer mehr oder weniger ideellen Composition sich nicht leicht verbinden GWB49
1,420,21 WeimPinakothek In Berlin scheint .. der Naturalismus mit der Wirklichkeits- und Nützlichkeitsforderung zu Hause zu sein .. Poesie wird durch Geschichte, Ch. und Ideal durch Porträt, symbolische Behandlung durch Allegorie, Landschaft durch Aussicht, das allgemein Menschliche durch’s Vaterländische verdrängt
4) GWB48,23,14 Übersicht KunstDeutschl Der höhere gründliche Sinn der Alten verlangte nicht immer ein anderes, neues, nie gesehenes Gebilde. War der Character bestimmt, auf’s Höchste gebracht, so hielt man an dem Gegebenen fest GWB49
2,115,5 Verz geschnSteine Bln 1827 GWBB9,67,22 Herder 27.12.88 GWB48,104,12 Polygnot
uö auch als ideelle Konzeption eines Bauwerks die dorischen Tempel von .. Großgriechenland sind alle nach einer Idee aufgebauet und sind doch so sehr verschieden von einander. Es scheint als wenn in den frühern Zeiten der Baukunst der Begriff des Characters, den das Gebäude haben soll, über das Maß geherrscht habe; denn der Character läßt sich eigentlich durch Maß nicht ausdrucken
5) GWB47,71,9u11 Baukunst 1795 GWB47,71,16 ebd c
in der kunsttheoret Auseinandersetzung um den Vorrang von ‘Charakter’ u ‘Schönheit’: in Darstellung der Hirtschen Position primär für das Individuell-Charakteristische6), in Formulierung der eigenen Gegenposition als notwendige Fundierung des ‘Schönen’ im Sinnlich-Realen, inhaltl Bedeutungsvollen, Wesenhaft-Typischen [
der Gast, der die kunsttheoret Position von AHirt vertritt:] Schönheit kommt von Schein, sie ist ein Schein und kann als das höchste Ziel der Kunst nicht gelten, das vollkommen Charakteristische nur verdient schön genannt zu werden, ohne Ch. gibt es keine Schönheit GWB47,159,12 Samml 5 [
der Gast:] Sie finden die Schönheit nie ohne Ch., denn sonst würde sie leer und unbedeutend sein. Alles Schöne der Alten ist bloß charakteristisch und bloß aus dieser Eigenthümlichkeit entsteht die Schönheit GWB47,160,10 Samml 5 [
der Sammler:] Der Ch. verhält sich zum Schönen wie das Skelet zum lebendigen Menschen. Niemand wird läugnen, daß der Knochenbau zum Grunde aller hoch organisirten Gestalt liege, er begründet, er bestimmt die Gestalt, er ist aber nicht die Gestalt selbst GWB47,159,18 Samml 5 [
der Sammler üb Niobe-Darstellungen:] Ich finde keine Spur vom wüthenden Schrecken des Todes .. Ich sehe hier überall den Kunstzweck die Glieder zierlich und anmuthig erscheinen zu lassen. Der Ch. erscheint nur noch in den allgemeinsten Linien, welche durch die Werke, gleichsam wie ein geistiger Knochenbau, durchgezogen sind GWB47,162,18 Samml 5 GWB32,152,22u25 ItR GWB47,176,9 Samml 6
uö d
in Korrelation mit einem übergeordneten Formbegriff: als ‘(zweckmäßige) Abweichung’ von der im Rahmen einer Proportionslehre kanonisch festgelegten Gestalt, als ‘Determination auf das Besondere’; meist Pl für die (an best Eigenschaften gebundenen) Gestaltvarianten Eine höchst .. belehrende Unterhaltung .. mit dem Bildhauer Trippel .. Gerade zum Studium der menschlichen Gestalt, und um über ihre Proportionen als Canon und als abweichender Ch. aufgeklärt zu werden, war nicht wohl unter andern Bedingungen zu kommen GWB32,71,2 ItR Auf einen Canon männlicher und weiblicher Proportion loszuarbeiten, die Abweichungen zu suchen wodurch Characktere entstehen .. zu so schweren Unternehmungen wünschte ich daß Sie das Ihrige beytrügen GWBB9,248,6 Meyer 13.3.91 Die höchsten Kunstwerke .. zeigen uns: Lebendige, hochorganisirte Naturen .. .. Charaktere. Kenntniß des Abweichens dieser Theile [
des Körpers] in Gestalt und Wirkung. Eigenschaften sondern sich ab und stellen sich einzeln dar; hierdurch entstehen die Ch-e GWB47,102,11u14 Laokoon Höchst interessant wird alsdann die Betrachtung seyn, wie man Ch-e hervorbringen könne, ohne aus dem Kreise der Schönheit zu gehen, wie man Beschränkung und Determination aufs besondere, ohne der Freyheit zu schaden könne erscheinen lassen N(GOETHE14/15,145) Schönheit organNaturen [
angesichts der Abgüsse antiker Skulpturen in der frz Akademie in Rom] fiel mir nur zu sehr auf, daß die Form zuletzt alles einschließe, der Glieder Zweckmäßigkeit, Verhältniß, Ch. und Schönheit GWB32,317,17 ItR GWB47,293,22 Stud bildKünste Schema GWB47,21,7 PropylEinl
uö e
durch Wesens- u Gestaltmerkmale gekennzeichneter Figurentypus α
in der bildKunst; Kontrastierung, Sonderung, ‘Abstufung’ der Charaktere als Mittel künstlerischer Komposition (auch iS einer geistigen Symmetrie) Sonderung der Ch-e war ein Hauptgrundsatz griechischer bildender Kunst, Vertheilung der Eigenschaften in einem hohen geselligen Kreis, er sei göttlich oder menschlich GWB49
1,81,20 Philostrat Das Haupterforderniß einer großen Composition war schon von den Alten anerkannt, daß nämlich viele bedeutende Ch-e sich um Einen Mittelpunct vereinigen müssen, der, wirksam genug, sie anrege, bei einem gemeinsamen Interesse, ihre Eigenheiten auszusprechen GWB49
1,78,1 ebd [
mBez auf den rechten Flügel des Columba-Altars von RvdWeyden, den G für ein Werk JvEycks hält] In der Darstellung im Tempel findet sich auch eine Art von Parallelism, der ohne Mitte durch eine Gegenüberstellung der Ch-e bewirkt wird. Eine geistige Symmetrie GWB34
1,184,17 KuARheinMain GWB34
1,166,21 ebd GWB48,35,16 Kunstausstellg 1801 GWB49
2,89,15 Christus nebst 12 alt- u neutest Fig
uö β
poetischer Charaktertypus, durch individuelle u/od typisierende Merkmale gekennzeichnete poetische Figur (meist Pl); ‘Wahrheit’, hist Glaubwürdigkeit der Charaktere u ihre ideelle Überhöhung, ‘Absonderung’, Unterscheidung, Kontrastierung, Abstufung der Figuren u ihre Integration in ein kompositorisches Gesamtkonzept einzeln thematisiert od (programmatisch) verbunden; mehrf in Übertragung bildkünstlerischer Vorstellungen auf den poetischen Bereich: ‘Ch-e in best Weise (entschieden, genau, weich, nebulistisch, scharf) zeichnen, umreißen, (aus)malen, umzeichnen’, ‘Zeichnung der Ch-e’; auch ‘einen Ch. erschaffen, exponieren, ihm eine best Richtung geben’, ‘Anlage, Entwicklung, Durchführung, Wahrheit, Entschiedenheit, Konsequenz, Psychologie, Mannigfaltigkeit, Wechselwirken, Kontrast der Ch-e’, ‘wahre, natürliche, wirkliche, historische, abgestufte, sorgfältig unterschiedene, treffliche, problematische Ch-e’ uä Die meisten von diesen Herren [
Kritiker Shakespeares], stosen auch besonders an seinen Carackteren
an. Und ich rufe Natur! .. nichts so Natur als Shakespeares Menschen
7) .. Er wetteiferte mit dem Prometheus, bildete ihm .. seine Menschen nach .. dann belebte er sie alle mit dem Hauch seines Geistes GWB37,133,22 ShakespTag Nun mögen seine [
Manzonis] Facta historisch seyn, aber seine Charactere sind es doch nicht, so wenig es mein Thoas und meine Iphigenia sind. Kein Dichter hat je die historischen Charactere gekannt, die er darstellte .. Der Dichter muß wissen, welche Wirkungen er hervorbringen will und danach die Natur seiner Charactere einrichten .. Gespr Eckerm 31.1.27 erschienen mir .. einige Scenen im Aristophanes völlig wie antike Ba[s]relieffen .. Es kommt im Ganzen und im Einzelnen alles darauf an: daß alles von einander abgesondert .. sey; so wie bey den Ch-en daß sie zwar bedeutend von einander abstehen, aber doch immer unter Ein Geschlecht gehören GWBB12,85,17 Schiller 8.4.97 Conflict des Wollens, der Pflicht, der Leidenschaft, des Gesetzes, des Begehrens und der Sitte. Jenes Ethisch-Allgemeine verkörpert sich nun im Contrast der Ch-e, im Widerstreit der physischen und moralischen Kräfte .. Hier bedarf es nun keines großen Personals, aber vollständig und in sich selbst vermannichfaltigt soll es sein GWB41
2,6,16 Rez:JSchopenh,Gabriele GWBTgb 26.7.79 GWB40,377,23 Rez:Melanie GWB40,318,2u3 Rez:Collin,Regulus [
für: caractères] GWB40,221,9 Staël,Dichtgn GWB40,325,20 Rez:JohFriedr zuSachs
uö in Bezug gesetzt zu ‘Handlung’ (‘Begebenheiten’, ‘Taten’) [
Resümee eines Gesprächs in Serlos Schauspielertruppe] Im Roman sollen vorzüglich Gesinnungen und Begebenheiten vorgestellt werden; im Drama Ch-e und Thaten GWB22,178,2 Lj V 7 In dem Intriguenstücke sind die Ch-e bloß für die Begebenheiten, in dem Charakterstücke sind die Begebenheiten für die Ch-e erfunden GWB40,71,4u6 Dramat Preisaufg GWB21,138,26 Lj II 3 GWB51,146,23 ThS II 5 Gespr(He1,597) Schiller 2.6.95
uö ‘Einheit des Ch-s in sich’: wohl für Stimmigkeit, Geschlossenheit des dargestellten Figurentypus [
Wilh üb die ‘drei Einheiten’ des Dramas] warum nur drei und nicht ein Dutzend? Die Einheit der Sitten, des Tons, der Sprache, des Ch-s in sich, der Kleider, der Decoration und der Erleuchtung, wenn du willst. Denn was heißt Einheit .. anders als innere Ganzheit, Übereinstimmung mit sich selbst, Schicklichkeit und Wahrscheinlichkeit? GWB51,108,24 ThS II 2 γ
schauspielerische (auch tänzerische od pantomimische) Rolle, (metonym) schauspielerisches Rollenfach; in Vbdgn wie ‘einen Ch. annehmen, ablegen’, ‘aus einem Ch. herausgehen, (heraus)treten’, ‘komischer, edler, würdiger, bäurischer, tölpischer, boshafter, intriganter Ch.’ Dämon der Unterdrückung (singt nach seinem Ch.) GWB16,540 Epimen Regiebem vor 400 Var Daß die Künstlerin sich als ein Bacchisches Mädchen darstellt und eine Reihe Stellungen und Handlungen dieses Ch-s abzuwickeln im Begriff ist, daran läßt sich wohl nicht zweifeln GWB48,145,3 TänzerinGrab Er [
der Schauspieler La Roche] .. ist in dem, was man mittlere, halb- und ganz komische Ch-e nennt, gewandt GWBB42,231,5 Zelter 21.6.27 GWB40,120,9 Schiller/IfflandAndenk A(JbSKipp 10,80 u 81) Regie Weim 8.1.07
uö f
als künstlerischer Ausdruckswert α
spezif Ausdruck, innere Haltung, Ausdruckskraft, Stimmigkeit, Deutlichkeit, Prägnanz einer künstlerischen Darstellung; neben (u in inhaltl Nähe zu) ‘Wahrheit’, ‘Ausdruck’, ‘Bedeutung’, ‘Deutlichkeit’, ‘Kraft’, ‘Ernst u Würde’; häufig in reihender Vbdg mit anderen ästhetischen Urteilskategorien: Originalität, Erfindung, Zeichnung, Proportion, Form, Komposition, Zusammenstellung, Einheit, Übereinstimmung, Ausführung, Behandlung ua; in der Beschreibung poetischer Werke auch neben ‘Ton’, in Korrelation mit ‘Gehalt’ Das kleinere Bildchen zieht an durch geschickte Composition und gemäßigte freundliche Farben, das zweite noch mehr durch Ch. und Bedeutung GWB49
1,386,8 Carus,Landschaften [Meyer] Von einem bedeutenden frauenzimmerlichen Gedichte [
‘La Vision’ von Delphine de Girardin] sagte jemand, es habe mehr Energie als Enthusiasmus, mehr Ch. als Gehalt, mehr Rhetorik als Poesie und im Ganzen etwas Männliches GWB42
2,160,17 MuR(366) Colorit .. Charackter des Bildes als Hauptzweck. ächter Ton. falscher Ton. allegorischer Gebrauch der Farbe. Harmonie des Bildes als Hauptzweck GWBN5
2,194,5 Fl Plp Die Deutschen sind im Durchschnitt rechtliche, biedere Menschen aber von Originalität, Erfindung, Charackter, Einheit, und Ausführung eines Kunstwercks haben sie nicht den mindesten Begriff. Das heißt .. sie haben keinen Geschmack GWBB9,180,24 Reichardt 28.2.90 Skizzisten .. Hier ist nicht mehr von Zeichnung, von Proportion, von Formen, Ch., Ausdruck, Zusammenstellung, Übereinstimmung, Ausführung die Rede, sondern ein Schein von allem tritt an die Stelle. Der Geist spricht zum Geiste GWB47,203,9 Samml 8 GWB33,258,18 Camp [Meyer/G] GWB31,222,26 ItR GWB47,340,4 Plp Gespr Eckerm 18.1.27
uö in der Frühzeit betont positiv (in Gegenüberstellung zu ‘Charakteristik’) Andern [
bildenden Künstlern] .. die so wenig fühlten, als dachten, wurden diese Gedichte [
Ovids ‘Metamorphosen’] Gemeinplatz .. Weil sie ihren Stücken keinen Karakter geben konnten, ward das Mährchen Karakteristik .. unbedeutendste Staffage GWB38,381,114 FGA Sandrart β
techn Qualität, Deutlichkeit, Prägnanz einer Radierung legt man die Lipsischen daneben [
neben eine von JSchubert gestochene Tafel zu G-s Aufsatz üb den Zwischenkieferknochen], so sieht man daß diese an Kraft, Ch., Deutlichkeit, Haltung den Vorzug haben GWBB38,40,24 Nees 2.2.24 GWB49
1,277,16 Mantegna, Triumphzug
uö g
als stilistische Qualität; iVbdg mit klassifizierenden u beschreibenden Attr wie: tragisch, komisch, heroisch, altertümlich, heilig, profan, realistisch-humoristisch, derb, sicher, männlich, ernst, schwer, solid, elegant ua In den Zwischenräumen der drei Abtheilungen erschienen zwei Ballette, so verschieden im Ch. unter einander als mit der Oper selbst; das erste heroisch, das zweite in’s Komische ablaufend .. der dritte Act der Oper, so anständig einherschreitend GWB41
2,67,12 Rez:Hermann,Tetralogie Griech Caractere der Baukunst. Schwer, Solid, Elegant GWB32,454,1 ÜbItal Plp GWB49
2,240,22 u 243,33 LandschaftlMalerei Plp GWBB12,183,12 Schiller 5.7.97 GWB48,192,19 MuR(488)
uö 5
mit einer Funktion, einem Amt verbundener Titel bzw reiner Ehrentitel, Rang; iVbdgn wie ‘jdm einen best Ch. erteilen, beilegen, verleihen, geben, zuerkennen, akkordieren’, ‘jdn unter einem best Ch. anstellen’; meist mit abhängigem Gen od Anschluß mit ‘als’; auch Pl daß er [
der Architekt Arens] .. sich geehrt finden würde wenn er den Charackter als Baurath erhielte. Woran denn wohl kein Anstoß seyn möchte, vielmehr der Titel einmal die Funcktion bezeichnet und unsre Berg, Legations und Commissions Räthe ohne Bedencken Titel ohne Funcktionen tragen GWBB18,42,8 SchloßbauKomm 5.6.91 er [
G-s Vater] .. verschwur jemals irgend eine Stelle anzunehmen, und um es unmöglich zu machen, verschaffte er sich den Ch. eines kaiserlichen Raths, den der Schultheiß und die ältesten Schöffen als einen besondern Ehrentitel tragen GWB26,113,11 DuW 2 GWBB30,53,19 CarlAug 20.3.94 GWBB39,158,20 CWFritsch 28.3.25 K GWB20,150,7 Wv I 14
uö ―
‘öffentlicher Ch.’: Person von Rang u Bedeutung im öffentlichen Leben8) GWB29,88,7 DuW 18
→ GWB
Bestiencharakter GWB
Dichtercharakter GWB
Frauencharakter GWB
Frauenzimmercharakter GWB
Gemütscharakter GWB
Grundcharakter GWB
Hauptcharakter GWB
Hofratscharakter GWB
Kunstcharakter GWB
Mädchencharakter GWB
Menschen- GWB
Mittel- GWB
National- GWB
Natur- GWB
Relief- Talent- GWB
Ur- Velocifer- GWB
Welt- GWB
Zeit- vgl zu 1 GWB
Buchstabe Zeichen zu 2 a GWB
Art GWB
auffallen(das A-de) GWB
Beschaffenheit GWB
besonder(das B-e) GWB
Eigentümlichkeit GWB
Gepräge zu 2 b GWB
allgemein(das A-e) GWB
Begriff GWB
Idee Symptom typisch(das T-e) Typus zu 3 a GWB
Dämon GWB
Eigenheit GWB
eigentümlich(das E-e) GWB
Eigentümlichkeit GWB
Gemüt GWB
Grundbestimmung GWB
Individualität Natur Naturell Persönlichkeit Wesen zu 3 a γ GWB
Denkweise GWB
Eigenschaft(E-en) Sinnesweise Temperament zu 3 c Moralität zu 4 GWB
charakteristisch(das Ch-e) zu 4 a GWB
auszeichnen(das Ausgezeichnete) GWB
besonder(das B-e) GWB
Eigentümlichkeit GWB
individuell(das I-e) zu 4 b GWB
allgemein(das A-e) GWB
bedeutend(das B-e) GWB
Bedeutsamkeit GWB
Bedeutung GWB
ideal(das I-e) GWB
Ideal GWB
ideell(das l-e) Typus zu 4 d GWB
Form GWB
Gestalt zu 4 e GWB
Figur GWB
Gestalt Person Persönlichkeit Typus zu 4 e γ GWB
Maske Rollenfach Rolle zu 4 f GWB
Ausdruck GWB
Bedeutung GWB
Deutlichkeit Ton Wahrheit zu 4 g Stil zu 5 GWB
Ehrentitel Titel Rang 1) zur Vorgeschichte u zum Verlauf der Kontroverse im einzelnen vgl FDenk, Das Kunstschöne u Charakteristische von Winckelmann bis FSchlegel, Diss, 1925; ders, Ein Streit um Gehalt u Gestalt des Kunstwerks in der dt Klassik, GRM 18, 1930,427—442; ferner (zT Denk korrigierend) H vEinem, Carl Ludwig Fernow. Eine Studie zum dt Klassizismus. In: Forschungen zur dt Kunstgesch 3, 1935, insbes 173f 2) auch in der frz Wdg ‘de voir venir son caractère’ Gespr Kanzl Müller 18.2.30
3) zu Brils Bedeutung als Bindeglied zw der frühen niederländ u der in Rom sich entwickelnden heroisch-idealen Landschaftsmalerei vgl HW vLöhneysen, Die ältere niederländ Malerei, Künstler u Kritiker, 1956,129—136, ders in GHb2 Sp 1433f u ETrunz, G-s Entwurf ‘Landschaftliche Malerei’. In: Weim G-Studien, 1980,156—202 4) vgl dazu Schadows Replik im Juni-Heft der ‘Eunomia’ v 1801 ‘Üb einige, in den Propyläen abgedruckte Sätze, die Ausübung der Kunst in Berlin betreffend’, S 487 ff 5) vgl Schiller an WHumboldt am 9.11.95: “Von der schönen Architectur nimmt er [
G]
an, daß sie nur Idee sey, mit der jedes einzelne Architecturwerk mehr oder weniger streite .. Ich glaube man kann den Zweck der Baukunst .. so angeben, daß sie in jedem besondern
Gebäude den Gattungs
begriff des Gebäudes .. gegen den Artbegriff
zu behaupten sucht ..” 6) Hirt deutet den Begriff mehrf ausdrückl iS des Individuellcharakteristischen, bezieht aber de facto (auch nach G-s Verständnis) typisierende Merkmale mit ein, vgl GWB47,171 Samml 6
7) zeitgenöss Parallelen zu dieser Auffassung s DjG32,329 Anm zu 85,17 8) auch in der engl Vbdg ‘public character’: Daß manches im Literarischen vorgeht, was mir nicht gefällt .. daß ich mich manchmal darüber auch wohl äußern könnte .. da ich denn doch auch ein public character bin GWBB23,154,10 Reinhard 14.11.12 GWBB41,15,11 CarlAug 18.4.26 KGertrude Harlass G. Ha.