charakteristisch auch k-, -c(k)t-, Großschreibung des attr Adj, Kleinschreibung des subst Adj Von rund 300 Belegen etwa zwei Drittel im Bereich der künstlerischen Terminologie. Dort erscheint es (insbes als subst Adj) in ähnl Bedeutungsentfaltung u Verwendungsvielfalt wie ‘Charakter’ (sd Punkt 4 u Vorbem), teilw terminologisch prägnanter. Angeregt von der künstlerischen Diskussion des Begriffs auch iZshg mit Fragen des Kolorits, versucht G eine Rückführung des Ausdruckswertes best Farbkombinationen auf die Position der einzelnen Farben innerhalb des Farbenkreises u legt damit die Grundlage für eine Farbkombinatorik1).
Die einzige explizite Wortdefinition, die den s v Charakter dargestellten Doppelaspekt des Wortes ausspricht, fällt in diesem Zusammenhang. 1
unterscheidend, bezeichnend, kennzeichnend a
sich durch besondere (äußere od innere) Merkmale auszeichnend, eigenartig, eigentümlich, markant; subst auch für das faktisch Bedeutungsvolle; präd iSv in der spezif Eigenart, Eigenständigkeit; wiederholt in Bezug gesetzt zu einem Ganzen, einem Allgemeinen, einer ‘Totalität’ Bilin, dessen großer Fels in der ganzen Gegend so bedeutend hervorsteht. Auch in der Nähe ist er ch. und imposant GWBN10,106,9 AusTeplitz daß der gebildetere Theil [
des Volkes] die Farbe flieht, theils weil sein Organ geschwächt ist, theils weil er das Auszeichnende, das Ch-e vermeidet GWB45,313,23 Diderot,Malerei Anm G-s Auf der allgemeinen [
geol] Karte von Deutschland fühlt man die Totalität; die Karte von Tirol, wo nicht alle Farben vorkommen, ist ch. GWBN9,219,1 Rez:Keferstein Von bedeutenden Menschen, Staats-, bürgerlichen, kirchlichen und Schulverhältnissen durfte das Ch-e dem Papier [
einem tagebuchartigen Bericht aus Böhmen] nicht anvertrauen GWBB36,121,1 CarlAug u Grhzgin Louise 13.8.22 K das Unheil, daß man nichts abgesondert, ch., sich selbst gemäß will bestehen lassen, sondern alles mit allem verknüpfen, vereinigen, ja transsubstanziiren möchte GWBB33,243,5 JGJHermann 9./20.9.20 GWBT2,155,21 v 19.9.97 GWB29,226 DuW 18 Var [eigen 29,89,18] GWB41
2,267,9 Rez:Varnhagen,Biogr
uö den spezif Charakter einer Sache erfassend denke man mich als einen gebornen Dichter, der seine Worte, seine Ausdrücke unmittelbar an den jedesmaligen Gegenständen zu bilden trachtet .. Ein solcher sollte nun eine fertige Terminologie in’s Gedächtniß aufnehmen .. damit er .. sie zu ch-er Bezeichnung anzuwenden .. wisse GWBN6,116,14 BotanStudien
uö b
zur Bezeichnung individueller Eigenschaften des Menschen, subst für die angeborene menschl Individualität Der Dämon bedeutet hier die nothwendige, bei der Geburt unmittelbar ausgesprochene, begränzte Individualität der Person, das Ch-e, wodurch sich der Einzelne von jedem andern bei noch so großer Ähnlichkeit unterscheidet GWB41
1,216,5 Üb:Urworte GWB40,186,7 Jugend dSchausp GWBB11,53,25 u 54,2 Meyer 18.[4.]96
aus dem individuellen Wesen sich ergebend, aufschlußreich für das individuelle Wesen GWBB47,303,26 WHumboldt 19.10.30 GWBN11,64,4 BedeutFördernis
uö ‘ch-e Skizze’, ‘ch-es Bild’: für (kurze) biogr Darstellung N3,XI,22 FlH Einl GWB35,189,8 TuJ c
als Ausdruckswert best Farben od Farbkombinationen; terminolog unterschieden von den ‘harmonischen’ u den ‘charakterlosen’ Farbzusammenstellungen Wenn das Licht mit einer allgemeinen Gleichgültigkeit sich und die Gegenstände darstellt .. so zeigt sich die Farbe jederzeit specifisch, ch., bedeutend GWBN1,276,19 FlD 695 Außer diesen rein harmonischen .. Zusammenstellungen [
der Farben] .. gibt es noch andre .. die wir dadurch am leichtesten bezeichnen, daß sie in unserm Farbenkreise .. nach Chorden aufzufinden sind, und zwar zuerst dergestalt, daß eine Mittelfarbe übersprungen wird .. Wir nennen diese Zusammenstellungen ch., weil sie sämmtlich etwas Bedeutendes haben, das sich uns mit einem gewissen Ausdruck aufdringt, aber uns nicht befriedigt, indem jedes Ch-e nur dadurch entsteht, daß es als ein Theil aus einem Ganzen heraustritt, mit welchem es ein Verhältniß hat, ohne sich darin aufzulösen GWBN1,325,20 u 326,2 FlD 817 GWBN1,325,11 FlD Titel LA I 3,386,13 Fl Plp [G/Schiller] GWBN1,328,18 FlD 825
uö d
bezeichnend, typisch für jdn od etw wir .. langten .. an dem Gute des Mannes [
des ‘tollen’ Hagen] an .. Der Empfang war schon ch. genug GWB35,233,19 TuJ GWBN3,291,9 FlH V GWBB6,171,16 ChStein [14.6.]83 GWB33,241,20 Camp
uö ‘ch-e Mannigfaltigkeit’: für den Symbolgehalt realer Erscheinungen Ich habe .. die Gegenstände, die einen solchen Effect [
eine ‘scheinbare Sentimentalität’] hervorbringen, genau betrachtet und zu meiner Verwunderung bemerkt daß sie eigentlich symbolisch sind, das heißt .. es sind eminente Fälle, die, in einer ch-en Mannigfaltigkeit, als Repräsentanten von vielen andern dastehen, eine gewisse Totalität in sich schließen .. von außen wie von innen an eine gewisse Einheit und Allheit Anspruch machen GWBB12,244,9 Schiller 16./17.8.97 e
natwiss: typisch für eine best Klasse natürl Erscheinungen, kennzeichnend, repräsentativ für eine Gattung od Art; adv: in den typischen Merkmalen, in typischer Ausprägung In dem mehreren was gegeben in dem niederen was entzogen war liegt das ch-e und zweckmäßige (nach außen) aller Bildungen GWBN8,349 Schema zu VersGestaltTiere [
Bestellung ital Mineralien] Crystallisirte, in ihrer Art vollkommene instructive Körper .. neue, vor kurzem entdeckte, gleichfalls ch-e und belehrende Mineralien .. Bedeutende Gebirgsarten GWBB45,245,24 Senoner 20.4.29 K das Thier zeigt sich als Flügelmann, indem die Einfachheit und Einschränkung seines Baues den Charakter deutlicher ausspricht, die einzelnen Theile größer und ch. in die Augen fallender sind [
als beim Menschen] GWBN8,66,4 Vortr VglAnatomie 1 GWBN8,7,20 VglAnatomie 1 GWBN7,82,2 Probl uErwiderg [EMeyer] GWBN12,64,20 BaromSchwankungen GWB34
1,145,12 KuA RheinMain GWBB36,236,13 Mayer 16.12.22 K
uö 2
in der künstlerischen Terminologie (überwiegend als begriffl verfestigtes Subst) a
für das Bezeichnende, Wesentliche, Markante eines bildkünstlerischen od literar Gegenstandes; überwiegend (iSv Charakter 4 b) als das ‘Bedeutende’, Ideelle, Wesenhafte einer natürl Erscheinung, die Typik einer natürl od fiktiven Gestalt (als solche dem Erkenntnisvermögen, dem ‘Verstand’ des Künstlers unterworfen); als das Sinnlich-Konkrete, Ausdrucksstarke, Kräftige, dem Phantastischen, Subjektiven positiv gegenübergestellt Wie er [
der Bildhauer] nun das vollkommene, obschon gleichgültige Ebenmaß der menschlichen Gestalt männlichen und weiblichen Geschlechts sich als einen würdigen Kanon anzueignen .. im Stande ist, so ist alsdann der nächste Schritt zum Ch-en zu thun. Hier bewährt sich nun jener Typus auf und ab zu allem Bedeutenden, welches die menschliche Natur zu offenbaren fähig ist, und hier sind die griechischen Muster allen andern vorzuziehen GWB49
2,59,17 Verein dtBildhauer Die Kunst stellt eigentlich nicht Begriffe dar, aber die Art, wie sie darstellt, ist ein Begreifen, ein Zusammenfassen des Gemeinsamen und Ch-en, das heißt der Stil Gespr(He2,235) Riemer [2.]7.07 Lauern Sie ihm [
dem Handwerker] .. das Ch-e des Geschäfts ab .. da ich Sie an die nächste Wirklichkeit hinweise .. sag ich noch: daß der Geist des Wirklichen eigentlich das wahre Ideelle ist. Das unmittelbar sichtlich Sinnliche dürfen wir nicht verschmähen, sonst fahren wir ohne Ballast GWBB42,108,21 Grustner 30.3.27 Poesie .. Schaden fürs Ganze .. Ursache warum der Dilettant das mächtige leidenschaftliche, starke characteristische haßt und nur das mittlere, moralische darstellt. Dilettant wird nie den Gegenstand, immer nur sein Gefühl über den Gegenstand schildern GWB47,314,9 ÜbDilettantism Schema [G/Schiller] GWB47,17,21 PropylEinl [
Zit s v Charakter Sp 983,76 ff] GWBT4,120,13 v 18.5.10 GWB47,103,21 Laokoon GWB47,80,5 u 83,6 Nachahmg,Manier, Stil
uö in der Diskussion um das Verhältnis des ‘Charakteristischen’ zum ‘Schönen’ (s ‘Charakter’ 4 c); auch metonym: die Darstellung des Charakteristischen als künstlerisches Ziel od Prinzip Er [
AHirt] communicirte uns einen kleinen Aufsatz über Laokoon .. der das Verdienst hat, daß er den Kunstwerken auch das ch-e und leidenschaftliche als Stoff zuschreibt, welches durch den Mißverstand des Begriffs von Schönheit und göttlicher Ruhe allzusehr verdrängt worden war GWBB12,190,12 Meyer 14.7.97 [
der Sammler üb antike Niobe-Darstellungen:] Alles Ch-e ist gemäßigt, alles natürlich Gewaltsame ist aufgehoben .. das Ch-e liegt zum Grunde, auf ihm ruhen Einfalt und Würde, das höchste Ziel der Kunst ist Schönheit und ihre letzte Wirkung Gefühl der Anmuth GWB47,163,4u6 Samml 5 [
der Philosoph zum Gast:] Sie selbst, indem Sie der Kunst das Ch-e zum Ziel setzen, bestellen den Verstand, der das Ch-e erkennt, zum Richter GWB47,169,7u9 Samml 6 [
der Sammler:] Lassen Sie den Gegenstand characteristisch, lassen Sie die Behandlung schön seyn, dann werden sich beyde Partheien an Kunstwerken erfreuen GWB47,335,21 Samml 6 Plp GWB47,159,16u18 u 163,11 Samml 5 GWBB12,182,23 Schiller 5.7.97 GWB32,152,20 ItR ~ GWB49
2,271,26 Üb:AHirt Plp GWB47,335,15 Samml 6 Plp
uö b
in Bezeichnung eines künstlerischen Verfahrens, eines Darstellungsmodus (meist adv); überwiegend in der bildKunst (auch mBez auf natwiss Darstellungen), daneben literar u in der theatral Darstellung; mit Komplementär- u Parallelbegriffen wie ‘anmutig’, ‘schicklich’, ‘sinnlich-künstlich’, ‘sinngemäß’, ‘semiotisch’, ‘bedeutend’, ‘geistreich’, ‘lebendig’, ‘faßlich’, ‘sicher’, ‘tief’, ‘gründlich’, ‘scharf’, ‘genau’ wie ch. und anmuthig, mit Geschmack und Glück, sinn- und kunstgemäß der Künstler verfahren, um ein Stück wie Hamlet .. in lebendigen und reizenden Bildern .. anmuthig vorzuführen GWB49
1,356,21 Retzsch,Galerie zuShakesp dramatWerk Der Mahler bedarf einiger Kenntniß der Steine, um sie ch. nachzuahmen GWB47,15,10 PropylEinl Frauen-Portrait von Hofmann. Eine große schwarz gekleidete Frau mit bläßlichem Gesichte, so semiotisch als characteristisch gemahlt .. Das Bild ist von einer großen sanften Wahrheit und Ausführung GWB47,348,20 StädelschKabinett Plp jene .. Schwierigkeit, erst Kämpfende, sodann aber Sieger und Besiegte ch. gegen einander zu stellen, daß ein Gleichgewicht erhalten und die sittliche Theilnahme an beiden nicht gestört werde GWB49
2,55,13 Anforderg an modBildhauer GWB49
2,148,18 Hittorf/Zanth, Architect modSic GWBN7,177,21 PrincPhilZool I GWBN9,239,2 GestaltgAnorgMassen GWB31,70,28 ItR
uö ‘ch-er Geist’, ‘ch-e Intention’: Fähigkeit, Intention zu charakterist Darstellung GWBN9,236,3 GestaltgAnorgMassen GWBB45,180,20 Cornelius 1.3.29
negativ bewertet Neueste Behauptung [
FSchlegels, vgl SchrGG8,213]. | Völlig charakterlos ist die Poesie der Modernen, | Denn sie verstehen bloß ch. zu sein GWB5
1,252 Xen 324(837) [Schiller?]
in der literar Figurendarstellung In seinen [
Klingers] Productionen .. zeigt sich .. eine glückliche Beobachtung der menschlichen Mannichfaltigkeit, und eine ch-e Nachbildung der generischen Unterschiede GWB28,255,9 DuW 14 GWBB28,267,1 Creuzer 1.10.17 c
als Merkmal, Ausdruckswert einer künstlerischen Darstellung, eines künstlerischen Produkts, (metonym) übertr auf die Kunst einer Epoche, einen Stil, eine Kunstgattung uä; inhaltl differenziert wie unter 2 a; in der Frühzeit als origineller, ‘wahrer’ Ausdruck der subjektiven Empfindung des Künstlers; unter wechselnden Gesichtspunkten neben u im Unterschied zu ‘individuell’, ‘ideell’, ‘generell’, dem ‘Individuellen’, ‘Idealen’, ‘Allgemeinen’ laßt diese Bildnerei [
der ‘Wilden’] aus den willkürlichsten Formen bestehen, sie wird ohne Gestaltsverhältniß zusammenstimmen, denn Eine Empfindung schuf sie zum ch-en Ganzen. Diese ch-e Kunst ist nun die einzige wahre .. mag sie aus rauher Wildheit, oder aus gebildeter Empfindsamkeit geboren werden, sie ist ganz und lebendig GWB37,149,7u9 Baukunst 1773 Alle irdische Poesie ist immer noch zu ch., rein objektiv zu sein, das heißt noch zu individuell, nicht generell genug. Ja, was uns als reines Objekt vorkommt, ist selbst noch Individuum .. Alle empirische Poesie, selbst die uns am meisten objektiv erscheint, die griechische oder antike, ist doch nur ch. und individuell, und imponiert uns nur dadurch, durch ihr streng Charakteristisches. Es ist ein erhöhtes Griechentum, was uns entgegenkommt Gespr(He2,329) Riemer 28.8.08 In den Darstellungen der Kunst ist das Allgemeine, das Ch-e, das Ideale das erste, was erscheint, und das Individuelle füllt es gleichsam nur aus Gespr(He2,431) Riemer 5.3.09 GWB47,159,11 u 160,12 Samml 5 [
zit s v Charakter 4 c] GWB47,173,12 Samml 6 GWB36,104,8 TuJ
uö in der Bildniskunst für den individuellen Ausdruck einer dargestellten Figur; mehrf deutl positiv ‘sehr, höchst, trefflich ch.’, vereinzelt einschränkend ‘allzu ch.’ Das steinerne Bild eines Bischofs [
im Naumburger Dom] .. Das Gesicht .. ist so individuell, ch., in allen seinen Theilen übereinstimmend, bedeutend und ganz vortrefflich GWBB23,319,5 Christiane 17.4.13 plastische Arbeiten [
zwei Büsten des Adressaten] .. welche bey’m ersten Anblick einen .. ideellen Eindruck machen, sodann aber bey näherer Betrachtung das Individuelle ch. entscheidend uns gewahr werden lassen GWBB45,60,14 Wichmann 20.11.28 GWBB34,37,17 Boisserée 9.12.20 GWB49
1,238,10 Bossi,Leonardo
uö als Ausdruckswert des Kolorits (vgl 1 c) Man kann mit Verstand und Vorsatz von der Harmonie [
des Kolorits] abweichen und dann bringt man das Ch-e hervor GWB45,312,6 Diderot,Malerei Anm G-s Das Ch-e kann unter drei Hauptrubriken begriffen werden, die wir einstweilen durch das Mächtige, das Sanfte und das Glänzende bezeichnen wollen GWBN1,346,1 FlD 881 GWBN1,345,11 FlD Titel GWBN5
2,195,8 Fl Plp
uö als (techn) Qualität einer Radierung od Kopie GWB49
2,186,5 Boisserée,AnsichtenRisse KölnerDom GWBB38,15,20 Schultz 9.1.24
uö mBez auf Ausdruckstanz, Pantomime uä Unterschied der repräsentativen, naiven und characteristischen Tänze .. Characteristische grenzen an eine objective Kunst. Gehen leicht in die Carricatur GWB47,304,33u45 ÜbDilettantism Schema [G/Schiller] GWB32,263,25 ItR RömKarn
uö Gertrude Harlass G. Ha.