Physiognomie auch Phi-, ‘Phisiog’ GWBT2,335,17 1
(angeborene, unveränderliche) Gesichtsbildung; auch: Gesicht; gelegentlich im (ursprünglichen) weiteren Sinn: jds äußere Erscheinung; öfter mBez auf Werke der Malerei; in ‘Götz1’ pointiert iUz momentanen, von Gefühlsregungen beeinflußten Gesichtsausdruck eines Individuums; in ‘Wahlverwandtschaften’ einmal mBez auf entspr Typologien Von ferne seh ich einen Menschen in einem grünen schlechten Rokke..Als ich näher zu ihm kam und er sich..herumdrehte, sah ich eine gar interessante P., darinn eine stille Trauer den Hauptzug machte, die aber sonst nichts als einen graden guten Sinn ausdrükte GWBAA108,14 Werth
1 II [
Bildnis der Grhzgin von Toskana] Eine stattliche Dame, orientalischer P., blickt euch an mit verständigem Behagen GWB49
1,402,21 Üb:Gérard,Collect des portraits hist [
über Soldaten des Regiments Manfredini] Ähnlichkeit der Gesichter..Sie haben meist langgeschlitzte kleine Augen, die etwas nach der ganzen P. zurück, aber nicht tief liegen, enggefaßte Stirnen, kurze Nasen.. GWB34
1,253,19 ReiseSchweiz 1797 [G/Eckerm] [
Wilhelm zu Aurelie:] Je mehr ich mich in die Rolle studire, desto mehr sehe ich, daß in meiner ganzen Gestalt kein Zug der P. ist, wie Shakespear seinen Hamlet aufstellt GWB22,175,4 Lj V 6 [
Franz über Adelheid:] Wie ich vom Bischoff Abschied nahm sass sie bey ihm, sie spielten Schach..sie hatte ihre Augen auf's Brett geheftet, als wenn sie einem grosen Streich nachsänne. Ein feiner laurender Zug, um Mund und Wange Halb Phisiognomie Halb Empfindung, Schien mehren als nur dem Elfenbeinenen König zu drohen GWB39,49,23 Götz
1 I 20,219,3 Wv II 3 49
1,243,24 Bossi,LeonardoAbendmahl 30,99,17 ItR 34
2,17,3 KuARheinMain Plp
uö metasprachl mBez auf Goethes ‘Anteil an Lavaters Physiognomischen Fragmenten’ Dabey habe ich mir vorgenommen, das Wort Phisiognomik und Phisiognomie gar nicht zu brauchen, vielmehr die Überzeugung davon durch die ganze Reihe des Vortrages einem ieden einleuchten zu lassen GWBB5,217,28 Lavater 14.11.81 Man wird sich öfters nicht enthalten können, die Worte P., Physiognomik in einem ganz weiten Sinne zu brauchen.. GWB37,329,4 PhysiognFragm
mit krit Bezug auf Lavater, dessen Physiognomik u die Mode dilettantischer Charakterdeutungen in seinem Gefolge eigentlich war die Art, womit Lavater die P-n zergliederte, nicht in meinem Wesen GWB29,137,20 DuW 19 [
Goethe über Lavater:] Er hat dem Versucher Christi in der Wüste, wie man sagt, im Kupferstiche meine P. geben lassen. Das gehört zu seinen Phantasien, die ihn oft zu übertriebenen Vorstellungen verleiten GWBGespr(He1,377) Dittmar Juli 86 [
Mephisto über Gretchen:] die P. versteht sie meisterlich.|..Mein Mäskchen da weissagt verborgnen Sinn;|Sie fühlt, daß ich ganz sicher ein Genie,|Vielleicht wohl gar der Teufel bin GWB14,178 Faust I 3537
uö 2
übertr u bildh a
iSv Aussehen, Erscheinungsbild; auch als Ausdruck eines spezifischen ‘Charakters’; mBez auf Naturphänomene u vom Menschen gestaltete Räume Schaffe dir ein gutes Barometer
an..vergleiche
sein Steigen und Fallen mit der P. der Atmosphäre, mit der Bewegung der Wolken und was dir sonst noch auffallen möchte GWBB45,5,14 Zelter [6.]9.28 [
betr Abb von Palmen in ihrer natürlichen Umgebung durch Martius] Durch eine solche Behandlung steigt nun diese Darstellung vom Naturgeschichtlichen ins Geographische, Topographische weiter fort, und wir werden auf einmal mit der P. eines Landes bekannt, von welchem uns die Karten bisher nur die unsichersten, allgemeinsten Grundzüge zu überliefern die Mittel besaßen GWBN7,348 Üb:Martius,Palmen Sechzehn Pflanzenformen bestimmen hauptsächlich die P. der Natur.. ..so charakterisiert sich die Grasform, besonders die P. der baumartigen Gräser, durch den Ausdruck fröhlicher Leichtigkeit und beweglicher Schlankheit GWBN7,94,28 u 99,5 Rez:AHumboldt [AHumboldt] Es ist gar artig [
auf Reisen] eine Reihe Phisiognomien von Städten und Höfen zu sehn, ieder Hof hat einen dezidirten eignen Charackter der sich von oben herein bildet GWBB5,328,25 ChStein 14.5.82 Franckfurt hat überhaupt eine andre P. als vor einem Jahr und nun verliert es [
durch die bevorstehende Abreise der Adressatin] gar den schönsten Zug GWBB26,57,10 ABrentano 6.8.15 B35,97,9 Schultz 24.9.21
uö b
iSv individuelle Eigenart, unverwechselbarer Charakter; bes mBez auf Personen u geistige Erzeugnisse alle..die vor allen Dingen vom Übersetzer fordern, die P. und Charakter des Autors überliefert zu sehen GWB41
2,198,11 Anz:Oeuvres dramat de G [
Goethe zu Luden:] Ich bin fast in derselben Weise, wie Sie, zu dem Versuche einer Biographie des Herzogs [
Bernhard von Weimar] bewogen worden..Aber ich erkannte bald, daß es schwer, wenn nicht unmöglich sein würde, dem Helden eine bestimmte, anständige P. zu geben GWBGespr(He2,745) Luden 1.10.12 Wie die Sachen eine P. haben, so haben auch die Urtheile die ihrige..wie das Buch seine P. hatte, also haben auch die Urtheile [
darüber] die ihrige..wir [
geben] hier nur..Fragmente, die auch ihre P. haben GWB37,335,18 u 336,21u27 PhysiognFragm B10,208,7 Schiller 27.11.94 Gespr(He3
2,86) Elsholtz Anf 26 c
mBez auf die Deutung eines Briefs, bes hinsichtlich des nicht explizit Ausgesprochenen u lediglich zwischen den Zeilen Herauszulesenden [
betr Empfehlungsschreiben für ein mutmaßlich wenig talentiertes Schauspielerpaar] Wenn ich mich nicht in der P. des Steinbrückischen und Bechtolsheimischen Schreibens äußerst irre, so ist das liebe theatralische Paar wenig oder nicht zu brauchen GWBB13,272,10 Kirms 19.9.98
→ GWB
Jünglings- GWB
Mohren- GWB
National- GWB
herausphysiognomieren Syn zu 1
Gesicht Gesichtsbildung Gesichtsform Gesichtsgestalt zu 2 Ansehen Aussehen Erscheinung Individualität zu 2a Besonderheit Physiognomik zu 2b Charakter Eigenart Individuum Martina EicheldingerM.E.