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vorher

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorher adv.

Bd. 26, Sp. 1180
vorher, adv. , s. oben fürher th. 4, 1, 1, sp. 746 und fürhar sp. 744; vürher, vorher mhd. wb. 1, 688b; Lexer 3, 600; vorher et vorhero, ante Stieler 828; vorher, ante, antea, antehac Steinbach (1734) 1, 737; Adelung; Campe; vgl. Schmeller-Frommann 1, 847; Fischer schwäb. wb. 2, 1658; schweiz. idiot 2, 1562; Martin-Lienhart 1, 367; nd. fürhär Bauer-Collitz waldeck. wb. 36b; förher ten Doornkaat-Koolman 1, 541a; Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 472. 11) schweiz. ist vorhar: zu unsern zyten wie ouch vorhar Zwingli dt. schr. (1828) 1, 118; diser zitt entstund ein falscher, der hat sich vorhar etliche jar zu Solotorn in Üchtinin inbeschlossen gemachen erhalten und jetz harfür gelassen Tschudi chron. helvet. (1734) 1, 65a; daneben vorharen: in des von Österrich inhabenden landen, die ein herr von Österrich vorharen von einem hertzogen von Beiern ze lechen muszt empfachen 1, 77b. — die form vorhero s. an ihrer alphabetischen stelle, älter ist vorhere: und schicke die futterzettel vorhere, das man dir wisz herberg zu geben Steinhausen privatbriefe d. ma.s 1, 198. 22) die betonung des wortes ist im allgemeinen schwankend; die erste silbe wird betont im gegensatze zu nachher. ein solcher gegensatz ist auch oft vorhanden, wenn v. am anfange eines satzes steht, hier wird dann ebenfalls die erste silbe betont, wie schon Adelung bemerkt (s. unten 5 g). die zweite silbe erhält den ton bei der zusammensetzung mit einem nomen (vorhérbestimmung), ferner bei enger verbindung mit einem verbum, man vgl. vorher einen tag bestimmen und einen tag vorhérbestimmen, vorher etwas sagen und etwas vorhérsagen. 33) fürher wird, wie es scheint, ausschlieszlich in räumlichem sinne gebraucht, s. th. 4, 1, 1 a. a. o.; v. dagegen fast nur in zeitlichem (doch beachte den schlusz dieses absatzes und den räumlichen gebrauch in der verbindung mit verben unter 6). 'ehedem wurde v. auch von dem orte gebraucht, v. gehen, dem orte nach; worfür aber jetzt voran üblich ist' Adelung; Campe aber läszt den örtlichen gebrauch (im sinne von voran, voraus) gelten, allerdings als hauptsächlich oberdeutsch, und verweist auf verba der bewegung [] wie vorhereilen, -gehen, -laufen, -rennen, -reiten, -fahren, -schicken u. a. als untadelhaft: in der 'büchersprache' sei allerdings die zusammensetzung mit voran oder voraus üblicher, vgl. Fischer und schweiz. idiot. a. a. o. vorher im sinne von hervor, heraus, nach vorn: dô quam her aber herwider v. (aus dem kerker) und prediete kristenglouben aber dem volke myst. 1, 95; in der oben unter 1 angeführten stelle (schick die futterzettel vorhere Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 198) ist vorhere eher räumlich im sinne von voraus als zeitlich zu nehmen; ebenso: darumb warff ich denselben (brief) auff die Sprew (Spree), das er vorher schwimmen und desto zeitlicher ankommen möchte Krüger Clawerts werckl. hist. 23 ndr. besonders im sinne einer ordnung, reihenfolge: vorher führen, mener devant, vorher gehen, aller, passer ou marcher devant Frisch nouv. dict. (1730) 645; die senger gehen vorher, darnach die spielleute ps. 68, 26; ermahnet ihn, er solle vorher tretten (ihm vorangehen) und herr seyn Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 356; auf dem hin- und herweg nach dem tempel sollen sie vor dem ganzen zuge v. tanzen Petrasch lustsp. (1765) 1, 172; Neptunus tratt vorher ohn zwang mit seinem eysin hacken lang (αὐτὸς δ' ἐννοσίγαιος ἔχων χείρεσσι τρίαιναν ἡγεῖτ' Il. 12, 27) Spreng Ilias (1610) 157a. vgl. das später gebräuchliche vor einem her. — v. mit nachgestelltem dativ verbunden: (der könig) befalch, das man (l. im) nach seinem endt ein man solt tragen offenbar vorher der seinen todtenbar ein schwartzes tuch an einer stangen H. Sachs 16, 338 K.-G. vor, an der vorderseite: der wand, die entweder in oder an dem hause, v. oder um etwas her ist Gueintz d. dt. rechtschreibung (1666) 156. — räumlich auch im sinne von voran, voraus in verbindung mit vor: sein name floh vor deinen flotten und völkern vorher Lessing 10, 28 L.-M.; vor dem wagen her schreiten, laufen u. s. w. 44) wenn durch v. auf eine frühere stelle eines buches verwiesen wird, deuten wir das wort im allgemeinen zeitlich: Cluverus in dem v. angeführten ohrte Morhof unterricht von d. dt. spr. (1682) 1, 127; einige seiten v. schreibt hr. Klotz Lessing 10, 276 L.-M.; doch liegt räumliche auffassung auszerordentlich nahe, ganz besonders wenn auf unmittelbar vorhergehendes bezug genommen wird: da beweisen die wort, so v. und hernach folgen Luther 26, 493 W. 55) während in bisher, seither, von alters her u. ä. her wohl verständlich ist, da eine erstreckung bis zu der zeit des sprechenden gemeint wird, ist die verbindung mit vor sehr auffällig. Paul unter her meint, dasz die zeitliche anwendung von vorher sich aus verbindungen wie vor einem jahre her (seit vorigem jahre) erkläre, was wenig wahrscheinlich ist; ebenso auffällig ist nachher; schon Campe bemüht sich eifrig, das her in v. verständlich zu machen. — v. steht immer im gegensatze zu einem zeitlich folgenden, dieses aber kann die gegenwart sein oder in der zukunft oder der vergangenheit liegen, kann unmittelbar folgen oder auch durch einen zeitraum getrennt sein; natürlich kann, wenn v. im gegensatz zur gegenwart des sprechenden steht, und wenn v. sich auf eine bis zu jenem zeitpunkt fortgesetzte handlung oder vorgang oder zustand bezieht, das her ebensolche bedeutung haben wie in bisher: vorher war ich ein thor, jetzt bin ich über die sache aufgeklärt; möglicherweise von hier aus ist mit verblassen des -her der übergang zur allgemeineren zeitlichen bedeutung des adv. zu erklären; s. unten 5 f. 5@aa) dem vorher kann ein nachher oder ein anderer gegensätzlicher ausdruck gegenüber gestellt werden: v. und nachher den mund ausspülen. ich habe es sowohl v. gethan, als thue auch itzo Steinbach 1, 737; aber sie, der v. so halsstarrig an der wahrheit und authenticität des schottischen Ossians zweifelte, hören sie jetzt mich Herder 5, 159 S.; so wurde Chatham ... von dem volke, das ihn v. schon geliebt ... hatte, numehr beynahe vergöttert [] Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 40; es wird der zustand jedes bildes v. erst untersucht, beurtheilt und sodann überlegt, was aus demselben zu machen möglich sei Göthe 47, 221 W.; seine stimme, die mir v. so schneidend klang, schien mir nun sanfter Klinger (1809) 4, 84; fürst Hector mir kein antwort gab, sonder ausz seinem hertzen tieff vorher ein groszen seuffzer lieff, dann sprach er Spreng Äneis (1610) 29a. so besonders in sprichwörtern und redensarten: vorher gethan, darnach betracht, hat manchen schad und leid gemacht Voigtländer oden u. lieder (1642) 93; vorher schön zum küssen, nachher zum anpissen bei Wander dt. sprichw.-lex. 4, 1692; nd. vörher bescheed, bringt achterna keen verdreet; de mi vörher warnt, dat is mien fründ, de mi naher warnt, de hett mi t günnt Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 472. 5@bb) der gegensatz der auf zwei zeiten bezogenen vorstellungen kann auf die mannigfaltigste weise ausgedrückt sein: ich verspreche, ihn (den widerspruch) zu heben, ... wenn sie mir v. folgenden auflösen können Lessing 8, 26 L.-M.; schon sind sie so weit, das mit reflexion zu thun, was sie v. blos durch instinkt thaten Herder 5, 19 S.; er blieb in der schlacht bei Zorndorf, nachdem er vorher schon zwölf wunden im dienste seines groszen königs erhielt Schubart leben u. ges. (1791) 1, 16; es hat damit zeit bis nach der messe: doch wünschte v. noch einen überschlag der kosten Göthe IV 29, 101 W.; beschlosz daher nach America zu reisen, v. aber einen abstecher nach Deutschland und England zu machen Immermann 1, 16 B.t die abreise rückte heran; v. aber kam noch mancher reim in den pergamentband Storm (1899) 1, 8; des letzten abschieds gute nacht fällt ja wohl schwerer auszusprechen, als man es kaum vorher gedacht Stoppe Parnasz (1735) 451; ihr seid schuld, wenn ich so rasch nicht handle; wenn ich mich vorher erkund Lessing Nathan 1, 6; der bach rauscht jetzt im sturm vorüber, der mir vorher so sanft erscholl Göthe 4, 180 W. 5@cc) vor oder nach einem satze mit ehe: also sind dieselbigen noch eines und däs anderen forher zu erinnern, ehe sie ... meine lersäzze läsen und erwägen Bellin hochdt. rechtschreibung (1657) b 3a; weil wir mit unsern lobschriften v. fertig sind, ehe wir noch wissen, wen wir loben Rabener (1777) 1, 168; (gebildete leute) werden jedoch, eh sie händel anfangen, nie ermangeln, v. für einen gültigen vorwand zu sorgen Gaudy (1844) 13, 78; viele noch hätten vorher zerknirscht die schollen des erdreichs, eh sie die stadt erreicht (Il. 22, 17) Bürger 234a Bohtz. 5@dd) bei als v. nach dem compar. ist ein gegensatz vorhanden: (ich) war nach dieser entdeckung ... unruhiger als vorher Göthe 21, 20 W.; (er) lachte noch unmäsziger als v. E. T. A. Hoffmann 10, 34 Gr.dagegen wird gleiches von beiden zeiten ausgesagt: so hätten die Römer so wenig als vorher auf Deutschland ein auge gehabt Lohenstein Armin. (1689) 1, 21b; dasz ihm das glück wie v. auch künftig beistehen werden Göthe 22, 63 W.; er müszte ein unmensch sein, wenn er dich nicht ebenso wie vorher lieben sollte Tieck (1828) 2, 311. 5@ee) natürlich braucht dasjenige, dem das mit v. verbundene gegenübergestellt wird, nicht unmittelbar dabei zum ausdruck kommen, sondern kann dem zusammenhange zu entnehmen sein: belege dafür anzuführen ist kaum nötig: (Lothario,) den ich höher schätzen musz als irgend jemand, den ich v. kannte (ehe ich L. kennen lernte) Göthe 23, 39 W.; es ist ihnen, durchlauchtigster herzog, schon v. bekannt, was für proben dieselben von fleisz abgelegt haben (ehe ich darüber berichte) Schiller 1, 16 G.; andre erben ihren thron; er wollt ihn vorher verdienen (ehe er ihn erbt) Neukirch ged. (1744) 5. [] 5@ff) wenn v. mit einem part. präs. verbunden wird im gegensatze zur zeit des sprechenden, -her die dauer bis zu dieser zeit bezeichnet, ist dieses also dann normal gebraucht: die v. schwankenden ansichten scheinen sich nun zu befestigen; ebenso bei v. mit einem adj.: der v. so leichtsinnige mensch wird hoffentlich von nun an gewissenhafter werden u. ä.; ebenso bei gedachter gegenwart: es entsteht der dem Germanier v. unbekannte begriff von majestätsverbrechen Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 258. werden solche wendungen in die vergangenheit verlegt, so verblaszt natürlich der eigentliche sinn von -her. — ebenso kann beim part. prät., wenn damit etwas fortdauerndes bezeichnet wird, -her seinen ursprünglichen sinn haben: die v. wenig beachtete sängerin wird heute in den himmel erhoben. anders aber, wenn das part. prät. einmaliges geschehen ausdrückt oder keine beziehung auf die gegenwart vorliegt: ich mich solches dienstszuschreibens ohne v. erhaltene verlaubnisz freimütig untertange Harsdörffer t. secretar. (1656) 2 a 8b. 5@gg) stärkere hervorhebung erfährt v., wenn es an den anfang des satzes gestellt wird, und wir betonen dann gern die erste silbe, wenn der gegensatz zu einem folgenden besonders bezeichnet werden soll: v. war die einsicht in diese beschäftigung mir ein unbegreiflicher gegenstand gewesen Göthe II 6, 209 W.; v. hatte er versprechen müssen, nicht ohne abschied davon zu reisen G. Keller (1889) 5, 28; v. hatten ... einige zweige des kunstgewerbes noch in leidlicher blüthe gestanden Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 1, 267. 5@hh) nähere bestimmung der mit v. bezeichneten zeit durch adv.: was haben unsere augen kurtz v. an der leiche der tugendhafften Walpurgis für ein trauerspiel anschauen müssen Lohenstein Armin. (1689) 1, 19a; ich sah es (das kabinett) noch kurz v., ehe es verkauft wurde Göthe 21, 105 W.; er ging noch einmal alle wege, die er kurz v. mit Elisabeth zusammen gegangen war Storm (1899) 1, 36; weil die mutter kurz vorher gestorben war Lessing Nathan 4, 7; (du) schienst noch kurz vorher zu fühlen, wie held und dichter für einander leben Göthe 10, 138 W.; dasz die reizendsten schönheiten des landes ... sich oft lange v. zu diesem tage zuschickten Lenz 3, 135 Tieck; lange v., ehe man in Deutschland zu dem concordat gelangte Ranke 14 (1875) 39. — (ihm) hatte ich längst v. öffentlich meine hochachtung ... bezeuget Herder 22, 3 S. — unmittelbar v., ehe Max Piccolomini zum bankett abgeht Göthe 40, 46 W. 5@ii) treten ausdrücke der zeit zu v., so wird entweder ein zeitabstand bezeichnet oder auf andere weise die zeit des vorher deutlicher angegeben: seine resolution, so er acht tage v. ... versprochen J. Riemer polit. maulaffe (1679) 121; ich hatt ihm vierzehn tage v. zwei schiff auf dem Main niedergeworfen Göthe 8, 25 W.; er war ein paar tage v. aus Schlesien dort angekommen Ayrenhoff (1814) 1, 23; einen moment v. Ranke (1867) 2, 239. — wir hatten am tage v. eine gesellschaft bei uns gehabt Stifter (1901) 5, 1, 174; mein rock, den ich tags v. versetzt hatte Lenz 1, 13 Tieck; da sie gerade die tage v. munterer ... war Göthe IV 41, 29 W. — das schlosz, von dem frau N. am abend v. ... gesprochen hatte Fontane I 5, 121. — als der kaiser den herbst v. war ums leben gekommen Jung-Stilling 3, 28 Gr. — welcher das jahr v. geschrieben war Rabener (1777) 1, 159; so liesz auch jahrs vorher die Donau sich vernehmen S. v. Birken ostländ. lorbeerh. (1657) 316. im augenblick v. war es ihm selbst noch unbekannt Göthe 45, 65 W. — jedesmal v., ehe er eine clausel unterschrieb Bismarck polit. reden 3, 22 K. 5@kk) v. substantiviert: auszer der erkenntnisz gab es auch kein v., keine zeit Schopenhauer 1, 67 Gr.; (er) verlor die erinnerung an das v. Dörfler abenteuer d. Peter Ferde (1929) 209. — mit nachher verbunden oder ihm gegenübergestellt: nichts ist bequemer, als aus dem nachher das v. erweisen E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen [] (1845) 1, 319; so dasz es nur zwei begriffe für die weltgeschichte gab, ein v. und nachher (in bezug auf den eintritt des christentums) Gutzkow (1872) 12, 94; dasz man nach dem vor- und nachher ... überhaupt nicht fragen soll Fr. Th. Vischer dicht. w. 3, 263. dreiheit der zeit: eine begebenheit, die wie jede andere in einem bestimmten zusammenhange steht mit einem v., einem jetzt und nachher Schleiermacher reden über d. religion (1879) 262. 5@ll) in folgender wendung könnte v. entbehrt werden: darüber können wir vor der untersuchung v. nichts entscheiden Fichte (1845) 1, 54 (vor ... v. öfters bei ihm). 66) v. in zusammenschiebung mit verben oder als erstes glied in zusammensetzungen. — Adelung will nur eine zusammensetzung mit subst. zulassen, nicht mit verben, 'mit welchen es als ein nebenwort nicht zusammengezogen werden darf, obgleich solches bey ihren hauptwörtern nothwendig ist', er schreibt daher vorher sagen neben vorhersagung. Campe dagegen verbindet auch in der schrift v. mit allen verben, wie es auch schon Stieler gethan hat, diese verbindungen sind im allgemeinen hier nicht berücksichtigt. natürlich ist der schreibgebrauch der schriftsteller in dieser hinsicht nicht maszgebend, ein wirkliches (trennbares) verb.-compositum ist dann entstanden, wenn sich eine von dem allgemeinen gebrauch irgendwie abweichende, besonders eine verengte bedeutung einstellt. in die folgende auswahl sind aber auch losere zusammenrückungen aufgenommen worden, wenn sie bei namhaften schriftstellern zusammengeschrieben sind, was besonders beim subst. infin. und beim adjectivisch gebrauchten part. prät. beliebt ist (unter dem inf. angeführt); bisweilen wurde v. aber auch mit der verbalform zusammengeschrieben, wenn es deutlich zum vorhergehenden worte gehört: von kurtz vorhererwehnter Proserpina sagt Ovidius Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 37. — für die engere oder losere verbindung ist die betonung des adverb. von bedeutung, betonung der zweiten silbe bewirkt dichteren anschlusz; hat sich eine sonderbedeutung entwickelt, so kann durch verschiedene betonung ganz verschiedener sinn entstehen, vgl. er hat etwas vórher (früher) gesehen, er hat etwas vorhérgesehen (was kommen würde); vgl. vórher gesagt, vorhérgesagt; er ist vórher gegangen, etwas ist vorhérgegangen. — auszerordentlich oft erscheint v. in älterer sprache mit verben der bewegung und stellung verbunden in räumlichem sinne (noch von Campe gebilligt, s. oben 3), vgl. im folgenden vorhereilen, -fliegen, -führen, -gehen, -laufen, -reiten, -reisen, -schicken, -schlagen, -senden, -setzen, -springen, -stehen, -stellen, -traben, -treten, -wischen, -zerren, -ziehen. — in älterer sprache steht (auch in zeitlichem sinne) vielfach vorher, wo später vor gebräuchlich wird: vorherahnen, -ahnung, -bedacht, -bereiten, -erwähnt, -gefaszt, -kosten, -sehen (providere), -ziehen (praeferre).
16640 Zeichen · 332 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vorhër

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    vor-hër s. vürhër.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    vorher

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther)

    vor-her, vorher, früher.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorhẽr

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Vorhẽr , und zu Anfange eines Satzes vorher, ein Nebenwort der Zeit, den Umstand zu bezeichnen, da etwas der Zeit nach e…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorher

    Goethe-Wörterbuch

    vorher [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    vorhër

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    PfWB vorhër Adv. vorher Su. — Idiotikon Schweiz. 2, 1562.

  6. Sprichwörter
    Vorher

    Wander (Sprichwörter)

    Vorher 1. Ich vorher, dann du zuerst. ( Nürtingen. ) 2. Vorher schön zum Küssen, nachher zum Anpissen. – Eiselein, 623; …

  7. Spezial
    vorher

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    vor|her adv. denant. ▬ am Abend vorher la sëra denant ; kurz vorher püch denant.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorher

138 Bildungen · 136 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von vorher

vorhen + -er

vorher leitet sich vom Lemma vorhen ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von vorher 2 Komponenten

vor+her

vorher setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorher‑ als Erstglied (30 von 136)

vorherahnen

DWB

vorher·ahnen

-ahnen , -ahnden , verb. : voranden sive vorheranden, praesentiscere casus futuros Stieler 30 ; ( was ich ) immer vorhergeahndet und vorherg…

vorheranführen

DWB

vorher·anfuehren

-anführen , verb. : auszer der vorherangeführten lautbarkeit der empfindenden maschine ( des thiers ) Herder 5, 24 S. —

vorheraussprechen

DWB

vorher·aussprechen

-aussprechen , verb. : ( aberglaube, ) dasz man das schlimme durch vorheraussprechen desselben verwirklichen helfe Hebbel br. 4, 137 W. —

vorherbedenken

DWB

vorher·bedenken

-bedenken , verb. : vorbedenken, vorhin-, vorherbedenken, praemeditari Stieler 293 ; Campe ; vorherbedacht wird alles nun erscheinen Schille…

vorherbedeutung

DWB

vorher·bedeutung

-bedeutung , f. : ( sie ) hatte sich zweymal schon, wiewol ohne v. eines verliebten zufalls in die finger gestochen Löwen (1765) 3, 63 . —

vorherbedingung

DWB

vorher·bedingung

-bedingung , f. , vorhergehende abmachung ( also anders als vorbedingung): zwar kann er den weg der v. des erwerbs ebenfalls einschlagen Mül…

vorherbegehen

DWB

vorher·begehen

-begehen , verb. : busze setzt also vorherbegangne sünden voraus Miller pred. fürs landvolk (1776) 3, 329 . —

vorherbekannt

DWB

vorher·bekannt

-bekannt , adj. : wenn er auf jene vorherbekannten gegenstände anspielen ... will G. Forster (1843) 3, 49 . —

vorherbemerken

DWB

vorher·bemerken

-bemerken , verb. : ich suche nur in den vorherbemerkten lücken und mängeln weiter Herder 5, 26 S. —

vorherberechnen

DWB

vorher·berechnen

-berechnen , verb. : ein v. jeder wendung der sprache Fouqué reiseerinn. (1823) 2, 210 ; hierzu: vorherberechnung des effektes des flügelsch…

vorherbeschlieszen

DWB

vorher·beschlieszen

-beschlieszen , verb. : was das schicksal über das glück dir vorherbeschlossen hat Bodmer abh. von d. wunderbaren (1740) 122 ; der im stille…

vorherbeschreien

DWB

vorher·beschreien

-beschreien , verb. : ( Messalina ) es der vorherbeschreiten ( vorher berüchtigten ) Julia weit zuvor gethan habe A. U. v. Braunschweig Octa…

vorherbestehen

DWB

vorher·bestehen

-bestehen , verb. : keine vorherbestehende regel kann hier einen maszstab geben Gentz 2, 66 Schlesier. —

vorherbestellen

DWB

vorher·bestellen

-bestellen , verb. : vorbestellen ò vorherbestellen, appostare, ordinare avanti Kramer teutschital. dict. 2 (1702) 962 a ; eine vorherbestel…

vorherbestimmen

DWB

vorher·bestimmen

-bestimmen , verb. Campe ; in allgemeiner anwendung: aus eben dieser ursache kann ich überhaupt die anzahl der bände meiner reisebeschreibun…

vorherbestimmung

DWB

vorher·bestimmung

-bestimmung , f. Adelung; Campe ; in allgemeiner anwendung: die v. der belohnung und strafe Basedow method. unterricht d. jugend (1764) 94 ;…

vorherbilden

DWB

vorher·bilden

-bilden , verb. : präformiren, vorformen, v . Voigt hwb. für d. geschäftsführung (1807) 2, 306 . —

vorherbildung

DWB

vorher·bildung

-bildung , f. , ' die meynung, dasz jede pflanze schon vorhergebildet in einem keime liege ' Voigt a. a. o. ; vorbildung, welches denn aber …

vorherbst

DWB

vorher·bst

vorherbst , m. , dem eigentlichen herbste vorausgehend Campe : im v. ... bisz auf Martini Hohberg georg. curios. (1682) 2, 308 ; gärten dene…

vorherbsten

PfWB

vor·herbsten

vor-herbsten schw. : 'beim Vorherbst die minderwertigen Trauben lesen', voʳheʳbschde [ BZ-Heuchh ]. —

vorher als Zweitglied (2 von 2)

zuvorher

DWB

zuvor·her

zuvorher , adv. , ende 16. bis anf. 18. jh.: er habe denn z. das ende so auszgesichert, dasz er sich gewisses siegs aus grundt der vernunfft…