vorher,
adv. ,
s. oben fürher
th. 4, 1, 1,
sp. 746
und fürhar
sp. 744; vürher, vorher
mhd. wb. 1, 688
b; Lexer 3, 600; vorher
et vorhero,
ante Stieler 828; vorher,
ante, antea, antehac Steinbach (1734) 1, 737; Adelung; Campe;
vgl. Schmeller-Frommann 1, 847; Fischer
schwäb. wb. 2, 1658;
schweiz. idiot 2, 1562; Martin-Lienhart 1, 367;
nd. fürhär Bauer-Collitz
waldeck. wb. 36
b; förher ten Doornkaat-Koolman 1, 541
a; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 472. 11)
schweiz. ist vorhar: zu unsern zyten wie ouch vorhar Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 118; diser zitt entstund ein falscher, der hat sich vorhar etliche jar zu Solotorn in Üchtinin inbeschlossen gemachen erhalten und jetz harfür gelassen Tschudi
chron. helvet. (1734) 1, 65
a;
daneben vorharen: in des von Österrich inhabenden landen, die ein herr von Österrich vorharen von einem hertzogen von Beiern ze lechen muszt empfachen 1, 77
b. —
die form vorhero
s. an ihrer alphabetischen stelle, älter ist vorhere: und schicke die futterzettel vorhere, das man dir wisz herberg zu geben Steinhausen
privatbriefe d. ma.s 1, 198. 22)
die betonung des wortes ist im allgemeinen schwankend; die erste silbe wird betont im gegensatze zu nachher.
ein solcher gegensatz ist auch oft vorhanden, wenn v.
am anfange eines satzes steht, hier wird dann ebenfalls die erste silbe betont, wie schon Adelung
bemerkt (
s. unten 5 g).
die zweite silbe erhält den ton bei der zusammensetzung mit einem nomen (vorhérbestimmung),
ferner bei enger verbindung mit einem verbum, man vgl. vorher einen tag bestimmen
und einen tag vorhérbestimmen, vorher etwas sagen
und etwas vorhérsagen. 33) fürher
wird, wie es scheint, ausschlieszlich in räumlichem sinne gebraucht, s. th. 4, 1, 1
a. a. o.; v.
dagegen fast nur in zeitlichem (
doch beachte den schlusz dieses absatzes und den räumlichen gebrauch in der verbindung mit verben unter 6). '
ehedem wurde v.
auch von dem orte gebraucht, v. gehen,
dem orte nach; worfür aber jetzt voran
üblich ist' Adelung; Campe
aber läszt den örtlichen gebrauch (
im sinne von voran, voraus)
gelten, allerdings als hauptsächlich oberdeutsch, und verweist auf verba der bewegung [] wie vorhereilen, -gehen, -laufen, -rennen, -reiten, -fahren, -schicken
u. a. als untadelhaft: in der '
büchersprache'
sei allerdings die zusammensetzung mit voran
oder voraus
üblicher, vgl. Fischer
und schweiz. idiot. a. a. o. vorher
im sinne von hervor, heraus, nach vorn: dô quam her aber herwider v. (
aus dem kerker) und prediete kristenglouben aber dem volke
myst. 1, 95;
in der oben unter 1
angeführten stelle (schick die futterzettel vorhere Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 198)
ist vorhere
eher räumlich im sinne von voraus als zeitlich zu nehmen; ebenso: darumb warff ich denselben (
brief) auff die Sprew (
Spree), das er vorher schwimmen und desto zeitlicher ankommen möchte Krüger
Clawerts werckl. hist. 23
ndr. besonders im sinne einer ordnung, reihenfolge: vorher führen,
mener devant, vorher gehen,
aller, passer ou marcher devant Frisch
nouv. dict. (1730) 645; die senger gehen vorher, darnach die spielleute
ps. 68, 26; ermahnet ihn, er solle vorher tretten (
ihm vorangehen) und herr seyn Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 356; auf dem hin- und herweg nach dem tempel sollen sie vor dem ganzen zuge v. tanzen Petrasch
lustsp. (1765) 1, 172; Neptunus tratt vorher ohn zwang mit seinem eysin hacken lang (
αὐτὸς δ' ἐννοσίγαιος ἔχων χείρεσσι τρίαιναν ἡγεῖτ' Il. 12, 27) Spreng
Ilias (1610) 157
a.
vgl. das später gebräuchliche vor einem her. — v.
mit nachgestelltem dativ verbunden: (
der könig) befalch, das man (
l. im) nach seinem endt ein man solt tragen offenbar vorher der seinen todtenbar ein schwartzes tuch an einer stangen H. Sachs 16, 338
K.-G. vor, an der vorderseite: der wand, die entweder in oder an dem hause, v. oder um etwas her ist Gueintz
d. dt. rechtschreibung (1666) 156. —
räumlich auch im sinne von voran, voraus in verbindung mit vor: sein name floh vor deinen flotten und völkern vorher Lessing 10, 28
L.-M.; vor dem wagen her schreiten, laufen
u. s. w. 44)
wenn durch v.
auf eine frühere stelle eines buches verwiesen wird, deuten wir das wort im allgemeinen zeitlich: Cluverus in dem v. angeführten ohrte Morhof
unterricht von d. dt. spr. (1682) 1, 127; einige seiten v. schreibt hr. Klotz Lessing 10, 276
L.-M.; doch liegt räumliche auffassung auszerordentlich nahe, ganz besonders wenn auf unmittelbar vorhergehendes bezug genommen wird: da beweisen die wort, so v. und hernach folgen Luther 26, 493
W. 55)
während in bisher, seither, von alters her
u. ä. her
wohl verständlich ist, da eine erstreckung bis zu der zeit des sprechenden gemeint wird, ist die verbindung mit vor
sehr auffällig. Paul
unter her
meint, dasz die zeitliche anwendung von vorher
sich aus verbindungen wie vor einem jahre her (
seit vorigem jahre)
erkläre, was wenig wahrscheinlich ist; ebenso auffällig ist nachher;
schon Campe
bemüht sich eifrig, das her
in v.
verständlich zu machen. — v.
steht immer im gegensatze zu einem zeitlich folgenden, dieses aber kann die gegenwart sein oder in der zukunft oder der vergangenheit liegen, kann unmittelbar folgen oder auch durch einen zeitraum getrennt sein; natürlich kann, wenn v.
im gegensatz zur gegenwart des sprechenden steht, und wenn v.
sich auf eine bis zu jenem zeitpunkt fortgesetzte handlung oder vorgang oder zustand bezieht, das her
ebensolche bedeutung haben wie in bisher: vorher war ich ein thor, jetzt bin ich über die sache aufgeklärt;
möglicherweise von hier aus ist mit verblassen des -her
der übergang zur allgemeineren zeitlichen bedeutung des adv. zu erklären; s. unten 5
f. 5@aa)
dem vorher
kann ein nachher
oder ein anderer gegensätzlicher ausdruck gegenüber gestellt werden: v. und nachher den mund ausspülen. ich habe es sowohl v. gethan, als thue auch itzo Steinbach 1, 737; aber sie, der v. so halsstarrig an der wahrheit und authenticität des schottischen Ossians zweifelte, hören sie jetzt mich Herder 5, 159
S.; so wurde Chatham ... von dem volke, das ihn v. schon geliebt ... hatte, numehr beynahe vergöttert
[] Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 40; es wird der zustand jedes bildes v. erst untersucht, beurtheilt und sodann überlegt, was aus demselben zu machen möglich sei Göthe 47, 221
W.; seine stimme, die mir v. so schneidend klang, schien mir nun sanfter Klinger (1809) 4, 84; fürst Hector mir kein antwort gab, sonder ausz seinem hertzen tieff vorher ein groszen seuffzer lieff, dann sprach er Spreng
Äneis (1610) 29
a.
so besonders in sprichwörtern und redensarten: vorher gethan, darnach betracht, hat manchen schad und leid gemacht Voigtländer
oden u. lieder (1642) 93; vorher schön zum küssen, nachher zum anpissen
bei Wander
dt. sprichw.-lex. 4, 1692;
nd. vörher bescheed, bringt achterna keen verdreet; de mi vörher warnt, dat is mien fründ, de mi naher warnt, de hett mi t günnt Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 472. 5@bb)
der gegensatz der auf zwei zeiten bezogenen vorstellungen kann auf die mannigfaltigste weise ausgedrückt sein: ich verspreche, ihn (
den widerspruch) zu heben, ... wenn sie mir v. folgenden auflösen können Lessing 8, 26
L.-M.; schon sind sie so weit, das mit reflexion zu thun, was sie v. blos durch instinkt thaten Herder 5, 19
S.; er blieb in der schlacht bei Zorndorf, nachdem er vorher schon zwölf wunden im dienste seines groszen königs erhielt Schubart
leben u. ges. (1791) 1, 16; es hat damit zeit bis nach der messe: doch wünschte v. noch einen überschlag der kosten Göthe IV 29, 101
W.; beschlosz daher nach America zu reisen, v. aber einen abstecher nach Deutschland und England zu machen Immermann 1, 16
B.t die abreise rückte heran; v. aber kam noch mancher reim in den pergamentband Storm (1899) 1, 8; des letzten abschieds gute nacht fällt ja wohl schwerer auszusprechen, als man es kaum vorher gedacht Stoppe
Parnasz (1735) 451; ihr seid schuld, wenn ich so rasch nicht handle; wenn ich mich vorher erkund Lessing
Nathan 1, 6; der bach rauscht jetzt im sturm vorüber, der mir vorher so sanft erscholl Göthe 4, 180
W. 5@cc)
vor oder nach einem satze mit ehe: also sind dieselbigen noch eines und däs anderen forher zu erinnern, ehe sie ... meine lersäzze läsen und erwägen Bellin
hochdt. rechtschreibung (1657) b 3
a; weil wir mit unsern lobschriften v. fertig sind, ehe wir noch wissen, wen wir loben Rabener (1777) 1, 168; (
gebildete leute) werden jedoch, eh sie händel anfangen, nie ermangeln, v. für einen gültigen vorwand zu sorgen Gaudy (1844) 13, 78; viele noch hätten vorher zerknirscht die schollen des erdreichs, eh sie die stadt erreicht (
Il. 22, 17) Bürger 234
a Bohtz. 5@dd)
bei als v.
nach dem compar. ist ein gegensatz vorhanden: (
ich) war nach dieser entdeckung ... unruhiger als vorher Göthe 21, 20
W.; (
er) lachte noch unmäsziger als v. E. T. A. Hoffmann 10, 34
Gr. —
dagegen wird gleiches von beiden zeiten ausgesagt: so hätten die Römer so wenig als vorher auf Deutschland ein auge gehabt Lohenstein
Armin. (1689) 1, 21
b; dasz ihm das glück wie v. auch künftig beistehen werden Göthe 22, 63
W.; er müszte ein unmensch sein, wenn er dich nicht ebenso wie vorher lieben sollte Tieck (1828) 2, 311. 5@ee)
natürlich braucht dasjenige, dem das mit v.
verbundene gegenübergestellt wird, nicht unmittelbar dabei zum ausdruck kommen, sondern kann dem zusammenhange zu entnehmen sein: belege dafür anzuführen ist kaum nötig: (
Lothario,) den ich höher schätzen musz als irgend jemand, den ich v. kannte (
ehe ich L. kennen lernte) Göthe 23, 39
W.; es ist ihnen, durchlauchtigster herzog, schon v. bekannt, was für proben dieselben von fleisz abgelegt haben (
ehe ich darüber berichte) Schiller 1, 16
G.; andre erben ihren thron; er wollt ihn vorher verdienen (
ehe er ihn erbt) Neukirch
ged. (1744) 5.
[] 5@ff)
wenn v.
mit einem part. präs. verbunden wird im gegensatze zur zeit des sprechenden, -her
die dauer bis zu dieser zeit bezeichnet, ist dieses also dann normal gebraucht: die v. schwankenden ansichten scheinen sich nun zu befestigen;
ebenso bei v.
mit einem adj.: der v. so leichtsinnige mensch wird hoffentlich von nun an gewissenhafter werden
u. ä.; ebenso bei gedachter gegenwart: es entsteht der dem Germanier v. unbekannte begriff von majestätsverbrechen Eichhorn
dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 258.
werden solche wendungen in die vergangenheit verlegt, so verblaszt natürlich der eigentliche sinn von -her. —
ebenso kann beim part. prät., wenn damit etwas fortdauerndes bezeichnet wird, -her
seinen ursprünglichen sinn haben: die v. wenig beachtete sängerin wird heute in den himmel erhoben.
anders aber, wenn das part. prät. einmaliges geschehen ausdrückt oder keine beziehung auf die gegenwart vorliegt: ich mich solches dienstszuschreibens ohne v. erhaltene verlaubnisz freimütig untertange Harsdörffer
t. secretar. (1656) 2 a 8
b. 5@gg)
stärkere hervorhebung erfährt v.,
wenn es an den anfang des satzes gestellt wird, und wir betonen dann gern die erste silbe, wenn der gegensatz zu einem folgenden besonders bezeichnet werden soll: v. war die einsicht in diese beschäftigung mir ein unbegreiflicher gegenstand gewesen Göthe II 6, 209
W.; v. hatte er versprechen müssen, nicht ohne abschied davon zu reisen G. Keller (1889) 5, 28; v. hatten ... einige zweige des kunstgewerbes noch in leidlicher blüthe gestanden Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. 1, 267. 5@hh)
nähere bestimmung der mit v.
bezeichneten zeit durch adv.: was haben unsere augen kurtz v. an der leiche der tugendhafften Walpurgis für ein trauerspiel anschauen müssen Lohenstein
Armin. (1689) 1, 19
a; ich sah es (
das kabinett) noch kurz v., ehe es verkauft wurde Göthe 21, 105
W.; er ging noch einmal alle wege, die er kurz v. mit Elisabeth zusammen gegangen war Storm (1899) 1, 36; weil die mutter kurz vorher gestorben war Lessing
Nathan 4, 7; (
du) schienst noch kurz vorher zu fühlen, wie held und dichter für einander leben Göthe 10, 138
W.; dasz die reizendsten schönheiten des landes ... sich oft lange v. zu diesem tage zuschickten Lenz 3, 135
Tieck; lange v., ehe man in Deutschland zu dem concordat gelangte Ranke 14 (1875) 39. — (
ihm) hatte ich längst v. öffentlich meine hochachtung ... bezeuget Herder 22, 3
S. — unmittelbar v., ehe Max Piccolomini zum bankett abgeht Göthe 40, 46
W. 5@ii)
treten ausdrücke der zeit zu v.,
so wird entweder ein zeitabstand bezeichnet oder auf andere weise die zeit des vorher
deutlicher angegeben: seine resolution, so er acht tage v. ... versprochen J. Riemer
polit. maulaffe (1679) 121; ich hatt ihm vierzehn tage v. zwei schiff auf dem Main niedergeworfen Göthe 8, 25
W.; er war ein paar tage v. aus Schlesien dort angekommen Ayrenhoff (1814) 1, 23; einen moment v. Ranke (1867) 2, 239. — wir hatten am tage v. eine gesellschaft bei uns gehabt Stifter (1901) 5, 1, 174; mein rock, den ich tags v. versetzt hatte Lenz 1, 13
Tieck; da sie gerade die tage v. munterer ... war Göthe IV 41, 29
W. — das schlosz, von dem frau
N. am abend v. ... gesprochen hatte Fontane I 5, 121. — als der kaiser den herbst v. war ums leben gekommen Jung-Stilling 3, 28
Gr. — welcher das jahr v. geschrieben war Rabener (1777) 1, 159; so liesz auch jahrs vorher die Donau sich vernehmen S. v. Birken
ostländ. lorbeerh. (1657) 316. im augenblick v. war es ihm selbst noch unbekannt Göthe 45, 65
W. — jedesmal v., ehe er eine clausel unterschrieb Bismarck
polit. reden 3, 22
K. 5@kk) v.
substantiviert: auszer der erkenntnisz gab es auch kein v., keine zeit Schopenhauer 1, 67
Gr.; (
er) verlor die erinnerung an das v. Dörfler
abenteuer d. Peter Ferde (1929) 209. —
mit nachher
verbunden oder ihm gegenübergestellt: nichts ist bequemer, als aus dem nachher das v. erweisen E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen [] (1845) 1, 319; so dasz es nur zwei begriffe für die weltgeschichte gab, ein v. und nachher (
in bezug auf den eintritt des christentums) Gutzkow (1872) 12, 94; dasz man nach dem vor- und nachher ... überhaupt nicht fragen soll Fr. Th. Vischer
dicht. w. 3, 263.
dreiheit der zeit: eine begebenheit, die wie jede andere in einem bestimmten zusammenhange steht mit einem v., einem jetzt und nachher Schleiermacher
reden über d. religion (1879) 262. 5@ll)
in folgender wendung könnte v.
entbehrt werden: darüber können wir vor der untersuchung v. nichts entscheiden Fichte (1845) 1, 54 (vor ... v.
öfters bei ihm). 66) v.
in zusammenschiebung mit verben oder als erstes glied in zusammensetzungen. — Adelung
will nur eine zusammensetzung mit subst. zulassen, nicht mit verben, '
mit welchen es als ein nebenwort nicht zusammengezogen werden darf, obgleich solches bey ihren hauptwörtern nothwendig ist',
er schreibt daher vorher sagen
neben vorhersagung. Campe
dagegen verbindet auch in der schrift v.
mit allen verben, wie es auch schon Stieler
gethan hat, diese verbindungen sind im allgemeinen hier nicht berücksichtigt. natürlich ist der schreibgebrauch der schriftsteller in dieser hinsicht nicht maszgebend, ein wirkliches (
trennbares)
verb.-compositum ist dann entstanden, wenn sich eine von dem allgemeinen gebrauch irgendwie abweichende, besonders eine verengte bedeutung einstellt. in die folgende auswahl sind aber auch losere zusammenrückungen aufgenommen worden, wenn sie bei namhaften schriftstellern zusammengeschrieben sind, was besonders beim subst. infin. und beim adjectivisch gebrauchten part. prät. beliebt ist (
unter dem inf. angeführt);
bisweilen wurde v.
aber auch mit der verbalform zusammengeschrieben, wenn es deutlich zum vorhergehenden worte gehört: von kurtz vorhererwehnter Proserpina sagt Ovidius Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 37. —
für die engere oder losere verbindung ist die betonung des adverb. von bedeutung, betonung der zweiten silbe bewirkt dichteren anschlusz; hat sich eine sonderbedeutung entwickelt, so kann durch verschiedene betonung ganz verschiedener sinn entstehen, vgl. er hat etwas vórher (
früher) gesehen, er hat etwas vorhérgesehen (
was kommen würde);
vgl. vórher gesagt, vorhérgesagt; er ist vórher gegangen, etwas ist vorhérgegangen. —
auszerordentlich oft erscheint v.
in älterer sprache mit verben der bewegung und stellung verbunden in räumlichem sinne (
noch von Campe
gebilligt, s. oben 3),
vgl. im folgenden vorhereilen, -fliegen, -führen, -gehen, -laufen, -reiten, -reisen, -schicken, -schlagen, -senden, -setzen, -springen, -stehen, -stellen, -traben, -treten, -wischen, -zerren, -ziehen. —
in älterer sprache steht (
auch in zeitlichem sinne)
vielfach vorher,
wo später vor
gebräuchlich wird: vorherahnen, -ahnung, -bedacht, -bereiten, -erwähnt, -gefaszt, -kosten, -sehen (
providere), -ziehen (
praeferre).