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genial

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

genial adj.

Bd. 5, Sp. 3393
genial, genialisch, adj. zu genie. 11) es gilt seit dem 18. jh., nicht wie genie nach dem franz. (es ist nicht franz.), sondern nach lat. genialis, aber nur der form nach, denn dieses hat ganz andern sinn, wie noch ital. geniale, dem sinne des altrömischen genius, ital. genio entsprechend, auch z. b. für gemütlich, sympathisch, wolthuend freundlich; ebenso engl. genial, das doch Th. Carlyle sich auch im deutschen sinn erlaubt, wie geniality, wie auch im franz. sich génial nun geltend machen will, und ital. geniale wird nicht zurückbleiben. es ist eine eigenthümlich deutsche prägung, lat. gefäsz mit deutschem inhalt, wie auch genie seinen nun vorherrschenden begriff eigentlich erst in Deutschland erhalten hat. die verschiedene entstehung von genie und genial zeigt auch noch die aussprache, da das ge- in jenem franz., in diesem aber lat. ausgesprochen wird, seltsam genug bei ihrer genauen zusammengehörigkeit. entlehntn. genial, genialsk. 22) die anfangs gebrauchte form ist aber genialisch, d. h. in der endung auch wirklich deutsch gemacht, wie es anfangs hiesz idealisch, kolossalisch, sentimentalisch und noch jetzt theatralisch, moralisch, physicalisch, collegialisch, infernalisch, martialisch, die uns durchaus noch nicht zopfig anmuten, wie jene doch thun; genialisch gilt bis ins 19. jh. herein, z. b.: dieses gedicht war die frucht einiger genialischen stunden im jahre 1771. Wieland vorbericht zu Kombabus, d. h. in denen ihn 'der genius' besuchte; da er jenem das genialische geheimnis, angenehm zu sein, niemals abzulernen vermag. Schiller X, 304, 25 (10. ästh. br.); das ey des Columbus gilt von jeder genialischen entscheidung. 437, 26; eine solche art des ausdrucks ... ist es, was man in der schreibart vorzugsweise genialisch und geistreich nennt. 439, 27; wenn ich euch auch zugebe, dasz die genialischen menschen gewöhnlich ein wenig sonderbar sind. Göthe 36, 12 (Rameaus neffe); wie schon in dieser epoche genialische werke entsprangen. 25, 72 (aus m. leben 7); hier sah ich reue und busze bis zur caricatur getrieben, und, wie alle leidenschaft das genie ersetzt, wirklich genialisch. 263 (das. 9); gelassen beobachtende freunde pflegen gemeiniglich die genialischen nachtwandler unsanft mitunter aufzuwecken. 60, 296; er (Meyer) behauptete, dasz sogar das genialisch naive .. durch schule überliefert werden könne. an Schiller 21. juli 1798; das genie suchte ihn zu gewinnen, aber an dem stolzen, selbst genialischen Leviathan scheiterte alle seine kunst. Klinger 10, 275; ihre genialische ruhe war mir oft in glänzender begeisterung entgegengekommen. Hölderlin 245 (2, 89); die genialische kraft der alten welt kam zu der romantischen blüthe der neuen. Arndt geist der zeit (1806) 30; es (die Griechen) ist immer noch ein schönes, genialisches und fröhliches volk. 262; dagegen einem von der letztern art diese (die geistesbildung) vielmehr ein genialisches spiel ist. Fichte reden 55 (4. rede); mein erster gang war auf das schlachtfeld (bei Saalfeld), wo unser königlicher genialischer Louis fiel. vertraute briefe über die verh. am preusz. hofe 3, 169; obgleich genialische weiber meistens ungläubig sind, wie genialische männer gläubig. J. Paul 24, 100; weil der schritt vom wirklichen besitz zur poetischen anschauung (des besessenen) noch genialischer ist, als der von dieser zu jenem. 18, xxi, noch mehr geniale kraft verlangt. 33) genial tritt doch auch schon im 18. jahrh. auf: jahre lang bildet der meister und kann sich nimmer genug thun, dem genialen geschlecht wird es im traume beschert. Schiller XI, 141 (mus. alm. 1797 s. 281). selbst genialkiel, geniale feder, d. h. grammatisch behandelt wie general, special in generalregel, specialforschung u. s. w. (s. u.general 6), was doch zum glück keinen anklang gefunden hat: dies ganz zu werden, rathen wir, zieh jeden genialkiel dir bis auf den letzten stumpf heraus u. s. w. Bürger 94b, in dem streitgedicht gegen Schiller 'der vogel Urselbst' vom jahre 1792, vergl. im eingang des gedichtes: das flügelpaar, mit welchem ihn der hohe genius beliehn. 93a. durchgedrungen ist es erst im 19. jh., anfangs noch mit jenem wechselnd, wie Campe im verd. wb. genial und genialisch zusammen gibt: erwarte, wenn ich diesmal von Schiller rede, nichts brillantes, keine hohen, genialischen züge ... den [] genialen Schiller kennst du aus seinen werken, der geniale Schiller war grosz, aber unendlich gröszer und liebenswürdiger noch war Schiller im kreise der seinigen. H. Voss mittheil. über Göthe u. Schiller 45, brieflich vom jahre 1806; mit einer genialen freiheit und besonnenheit war er (Lessing) u. s. w. J. Paul vorsch. der ästh. 1813 s. 59 (1804 48), geniale mannweiber, geniale höhe und freiheit 61, geniales feuer 70, geniale ruhe 71 u. s. w., aber auch noch das genialische innere 50 u. öfter (1804 s. 49. 58); daher entstand das unglück, dasz die eigentliche geniale epoche unsrer poesie weniges hervorbrachte, was man in seiner art correct nennen könnte. Göthe 48, 85 (aus m. l. 18); jenes ungebildete, damals mitunter genial genannte betragen. 99, von seiner reise mit den Stolbergs; man darf es (das werk) wohl als genial-empirisch .. ansprechen. 106, Lavaters physiognomik, dann doch wieder: daher war es leicht, genialisch zu sein. 149 (aus m. l. 19). noch bei Schleiermacher in seiner psychologie von 1818 s. 481 f. wechselt das geniale und genialische, in der von 1830 s. 338 ff. aber nur das erstere. und so fortan, z. b.: genial in meinen ansprüchen, wenn auch nicht in dem, was ich leistete, unbefriedigt von irgend etwas vorkommendem und immer in eine blaue weite strebend u. s. w. Immermann Münchh. 1, 212, die irdische kehrseite des begriffes wird da scharf hervorgekehrt, die denn auch im leben mit dem worte bezeichnet wird, wenn man z. b. in einer künstlerfamilie geniale wirtschaft findet, auch geniale lüderlichkeit ist geläufig, sonst genialer übermut, geniale tollheit u. dergl. im guten sinne geniale natur, genialer kopf, geniale leistung, schöpfung u. ä., auch geniale staatskunst, kriegsleitung u. s. w. es wird übrigens, wie in seinem ursprung, noch vorzugsweise auf kunst bezogen, 'der geniale künstler' fehlt nicht leicht in einem bericht über die enthüllung eines denkmals u. ä., es ist in kunstkreisen schon wie zu einem titel geworden, den die öffentliche meinung ertheilt; auf diesem wege ist virtuos zu seiner heutigen bed. gekommen (s. u. genie 7, d).
6435 Zeichen · 145 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    genialadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    genial , genialisch , adj. zu genie. 1 1) es gilt seit dem 18. jh., nicht wie genie nach dem franz. ( es ist nicht franz…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    genial

    Goethe-Wörterbuch

    genial knapp 80 Belege gegenüber mehr als 50 für ‘genialisch’, als neuere Bildung erst seit 1800 belegt (Tgb 2.5.00; 5 1…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Genial

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Genial , Genialität, Genie (frz. schenih), die schöpferische geistige Thätigkeit, während Talent nur die Fähigkeit bezei…

  4. Spezial
    genialadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    genial , adj гениальный , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit genial

19 Bildungen · 12 Erstglied · 6 Zweitglied · 1 Ableitungen

genial‑ als Erstglied (12 von 12)

genialästhetisch

GWB

genial·aesthetisch

genial-ästhetisch [ mBez auf Molières ‘Tartuffe’ ] das genial-ästhetische Verdienst GWB 41 2 ,337,2 Üb:Lemercier,Richelieu Armin Giese A. G.

genialempirisch

GWB

genial·empirisch

genial-empirisch Man darf es [ Lavaters ‘Physiognomik’ ] wohl als genial-empirisch .. ansprechen GWB 29,103,28 DuW 18 Armin Giese A. G.

genialgewandt

GWB

genial·gewandt

genial-gewandt ein so .. genial-gewandter Baumeister [ Zeichner des Aufrisses der Tempelanlage von Pozzuoli ] GWB N10,200,19 Archit NathistP…

genialis

MLW

genialis , -e. 1 sensu originario: a coniugalis, nuptialis – ehelich, Ehe-, Hochzeits- : MLW Conc. Rem. 28 (MGScript. III p. 675,14; a. 991)…

genialisch

GWB

genial·isch

genialisch frühester Beleg 1771, weitgehend bedeutungsidentisch mit ‘genial’, nur vereinzelt mit verhalten-skeptischem, iron-abwertendem Kla…

genialischnaiv

GWB

genialisch·naiv

genialisch-naiv subst; iZshg mit Schillers Essay ‘Über naive u sentimentalische Dichtung’ er [ JHMeyer ] behauptete, daß sogar das genialisc…

genialischpraktisch

GWB

genialisch·praktisch

genialisch-praktisch er [ SLandolt ] gehörte unter die .. genialisch praktischen Sonderlinge GWB B34,102,17 CarlAug 15.1.21 K Armin Giese A.…

genialischtoll

GWB

genialisch·toll

genialisch-toll im Rückblick auf die Geniezeit die genialisch tolle Lebensweise unserer kleinen Gesellschaft [ Kreis um G in Frankf gegen 17…

genialischzwecklos

GWB

genialisch·zwecklos

genialisch-zwecklos diese wundersam genialisch-zwecklose .. Reise [ Fst Pücklers nach England u Frkr ] GWB 42 1 ,61,18 Üb:Pückler,BrVerstorb…

genialität

DWB

genialität , f. geniale art, natur u. ä., eigne deutsche prägung mit fremden mitteln, denn lat. genialitas, ital. genialità haben ganz ander…

genial als Zweitglied (6 von 6)

Congenial

Herder

con·genial

Congenial , lat., geistesverwandt; Congenialität , Geistesverwandtschaft.

hochgenial

DWB

hoch·genial

hochgenial , adj. : woher schöpft denn der hochgeniale herr Alexander diese neue theorie? Tieck nov.-kranz 4, 350 .

ungenial

DWB

ungenial , adj. adv. , gth. von genial ( s. d. ): alle ungeniale musik Fouqué gefühle 1, 152 ; E. Th. A. Hoffmann 1, 284 ; höchst ungeniale …

wildgenial

DWB

wild·genial

wildgenial , wildgenialisch , adj. : heut und in alle zukunft liegt jedem starken aufstreben jugendlicher geister ein übersturz nahe, der, b…

Ableitungen von genial (1 von 1)

ungenial

DWB

ungenial , adj. adv. , gth. von genial ( s. d. ): alle ungeniale musik Fouqué gefühle 1, 152 ; E. Th. A. Hoffmann 1, 284 ; höchst ungeniale …